tri» i r t ,20 ncn eltalle kehr > in erscheint in Leipiig riittwoch, Freitag, Sanntag. AbonncmcntsPreiS für ganz Teutschland t M. eo Pf. pro Quartal. Monats. Äb onn cments »erden bei allen deutschen Poftanstaltm auf den i. und Z. Wanat, und aus den u. Monat besonders angenommen: im ttinigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Altenburg auch auf den tten Monat des Quartals k 54 Pfg. Inserate betr. Berlammlungen Pr. Petitzeile lv Pf., betr. Privatangelegenheiten und Feste pro Petitzeile'M Pf. Vorwärts Vestcllungen nehmen an alle Postanstaltcn und Buch. Handlungen des In» u. Auslande». Filial- Expeditione». New-Port: Soz.-demolr.«cnosten- schastsbuchdruckerei, 154 kllilrtlljx« Str. Philadelphia: P. Hast,«30 HorlK S-a Street. I. Boll, IISu tllinrlotto Str. Hobolen.l.: F. A. Sorge, 2l5 Vasd- in�ton Str. Chicago: A. Lanserman», 74 QI>do«rne»»». San Franzisco: z.E»v,4t»0'?urreII Str. London Vi.: C. Henze, i Xew':tr. Golden Square. Kentrat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. j,_____ 5 Nr. 75. Freitag, 29. Juni. 1877. Parteigenossen! Schnell eilt die Zeit— wiederum naht ein Quartal seinem Ende, ein neues beginnt, und an seiner Schwelle nun erinnern wir Euch daran, Eure Pflichten gegen die Partei, gegen Euch selbst als Parteigenossen zu erfüllen. Ihr habt uns berufen, die Interessen der Partei zu fördern, über sie zu wachen; allein Ihr habt dies keineswegs gethan, um Euch dadurch auf den Beweis der Existenz einer Arbeiter- Partei zu beschränken, sondern um in das Parteileben eine be- stimmte Willensrichtung zu bringen, um anzuerkennen, daß die Parteibewegung einen einheitlichen Charakter haben solle. Angesichts der Hindernisse nun, welche einer festgeschlossenen, formellen Partei-Organisation in Deutschland im Wege stehen, kann die Einheit der Partei nur gewahrt werden, wenn fort und fort das bewußte Streben nach einem Ziele uns Alle leitet, wenn wir uns einen geistigen Brennpunkt schaffen, der Jeden unter uns befähigt, ohne besondere Winke, zur Roth ohne formelle Vereinigungen, für die gute Sache des arbeitenden Volkes in Uebereinstimmung mit den übrigen Parteigenossen zu wirken. Dieser Brennpunkt ist vorhanden. Das Centralorgan der Partei, der„Vorwärts", ist längst von der Partei als solcher bezeichnet und gewürdigt worden. Was aber von der Gesammt- heit proklamirt worden, das soll auch von jedem Einzelnen beachtet werden. Jeder Einzelne von Euch, Parteigenossen, hat die Pflicht, das Centralorgan selbst zu lesen und zu verbreiten. Nur durch die Erfüllung dieser Pflicht kann ein Anrecht auf die direkte Zugehörigkeit zur Partei begründet werden. Die Zeiten sind schlecht, das ist wahr. Aber wer allein den „Vorwärts" nicht halten kann, der thue es mit zwei, drei Ge- Nossen vereinigt. Jedenfalls muß Euch allen der„Vor- wärts" höher stehen, als die Lokalblätter— sollte dies nicht der Fall sein, dann hieße das Verzicht leisten auf das Kennenlernen der gesammten Arbeiterbewegung, die sich in keinem Blatte so vollendet abspiegelt als im„Vorwärts!" Parteigenossen! Ueberall in Nord und Süd, Ost und West, tretet ein für die Verbreitung des„Vorwärts", tretet jetzt ein, gerade der Quartalswechsel macht Euch die Agitation für das '.itralorgan der Partei leicht. Thue jeder seine Schuldigkeit ohne Agitation kein Erfolg. Das Central-Wahlcomitä Deutschlands. Auer. Brasch. Derossi. Geib. Hartmann. Die Sozialdemokraten und der Bauernstand. Mit dieser Ueberschrift bringt der, als Fachblatt unzweifel- hast recht gut redigirte„Fränkische Landwirth, Organ des landwirthschaftlichen Vereins für Unterftanken und Aschaffenburg", in der Nummer vom 25. Februar d. I. nachstehenden Artikel aus der Feder des„Oekonomieraths Dr. Söll", mit dem Motto: „Trau, schau, wem!": „Unser Vereinsblatt befaßt sich nicht mit Politik. Der So- zialismus aber ist, wie die beabsichtigte Steuerrevision, ein Volks- w' Osschaftlicher Gegenstand und als solcher gehört auch der �»zialismus vor unser Forum. Seither hat zwar unser Blatt leine Notiz von demselben genommen, weil wir der Meinung waren, daß der Bauernstand die Ideen und Ziele der Sozial- demokratie aus den politischen Tagcsblättern hinreichend kennen lernen würde. Mehr als diese Kenntniß ist aber dem Grund- besitzer, also dem Bauernstande, nicht nöthig, um sofort zu wissen, wie er sich den Sozialisten gegenüber zu verhalten hat. „Nachdem aber behauptet wird, daß bei der letzten Reichs- tagswahl auch grundbefitzende Bauern mit den Sozialdemokraten stimmten, würde das Vereinsblatt seine Pflicht uno Schuldigkeit nicht thun, wenn es die Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins, insoweit dies etwa noch nothwendig erscheint, nicht darüber ausklären wollte, was die Sozialdemokraten von dem Grundbesitz denken, und was sie mit demselben vorhaben. „Die Sozialdemokraten halten von Zeit zu Zeit große Versammlungen, sogenannte Congresse ab, auf denen sie Be- schlösse fassen, welche sie unter dem Namen Resolutionen öffent- lich bekannt geben. Die erste dieser Resolutionen lautet ge- wöhnlich: „Das Grundeigenthum ist ein Unglück für die menschliche Gesellschaft; der Congreß erklärt daher: die Gesellschaft ist berechtigt, das Privateigenthum am Grund und Bodejn abzuschaffen." „Was heißt dies? Es heißt: Wenn wir Sozialdemokraten zur Herrschaft gelangen— und sie glauben fest, daß dies ge- schieht— so hört der Privatgrundbesitz auf, wir nehmen alsdann den Grundbesitzern, also auch den Bauern, ihre Aecker, Wiesen und Weinberge ohne jede Entschädigung ganz einfach in der ?�eise hinweg, daß wir allen Grund und Boden für gemein- 'ames, d. h. für Staatseigenthum erklären; dazu ist der sozial- demokratische Staat nicht nur berechtigt, sondern weil das Privat- eigenthuni am Grund und Boden ein Unglück für die Gesellschaft ist, auch verpflichtet. tf' Sozialdemokraten sagen,„expropriirte", aber, Entschädigung mit Gewalt hinweggenommene, in Wirklichkeit den Bauern geraubte Land soll alsdann, wie die Einen wolle», gemeinschaftlich von Markgenossenschaften bestellt und abgeerntet werden, oder, wie die Anderen wollen, es soll vom Staate an die Bauern, die früheren Eigenthümer, wieder verpachtet werden, und der Pacht soll natürlich in den sozial- demokratischen Staatssäckel fließen. Voraussichtlich würde dieser -Pacht in Bayern etwa einhundert und dreißig Millionen Mark nragen, welche also die Bauern, die jetzigen Grundeigenthümer, zu zahlen hätten. „Da die Herren Sozialdemokraten sehr bald finden würden, daß bei der gemeinschaftlichen Bewirthschastung nichts heraus- kommt, weil hierbei genau so fleißig gearbeitet werden würde, wie bei den jetzigen Gemeindeftohnden, so wird ohne Zweifel, wenn die Herren an's Regiment kommen, zur Verpachtung des den Bauern geraubten Landes geschritten werden; denn Der„französische Arbeiter", welcher erklärt hat,„daß der Sozialismus blos auf dem Papier oder im Mund arbeitsscheuer Schwindler bestehen kann", ist eine Erfindung des Herrn Richter. Herr Richter, der sich mit der ihm eigenen Viefteittg- kcit in den Zeitungen bald als reichstreuer Fortschrittler und Nationalliberaler, bald als reichsfeindlicher Demokrat und Par- 130, 000, 000 Ländereipacht, oder, wie es die Sozialdemokraten tikularist produzirt, hat sich hier zur Abwechselung einmal in nennen,„Bodenrente" allein in Bayern, ist ein gar zu schönes Wort. „Mehr braucht wohl kein Grundbesitzer, kein Bauer von den eine französische Arbeiterblouse versteckt. Das ist die Autorität des Herrn„Oekonomieraths Dr. Löll". Und was sagt Herr Löll selbst? Zunächst eine Unwahrheit. Ideen und Absichten der Sozialdemokratie zu wissen. Wer Ein Congreßbeschluß wie der, welchen er mittheilt, und zwar aber mehr wissen möchte, dem empfehlen wir die kleine, in mit dem Bemerken, daß er„gewöhnlich" als erste„Resolution" jeder Buchhandlung vorräthige, nur 60 Pfennige kostende Schrift: auf allen sozialdemokratischen Congressen gefaßt werde, ist ein- „Die Sozialdemokraten, was sie den Wählern versprechen und fach niemals gefaßt worden. Wenn der Herr Oekonomie- was sie wollen." Berlin, Verlag von Julius Springer. 1876. rath uns nachweisen kann, daß ein solcher Beschluß je auf einem „Nach Darlegung der sozialistischen Lehren und ihrer Wider- sozialdemokratischen(oder internationalen) Congreß gefaßt worden sinnigkeit ist unter Anderem in dieser Schrift gesagt: ist, so erklären wir von vornherein alle seine Angriffe auf die „Eine große Menge Arbeiter kann durch Vorspiegelung Sozialdemokratie für berechtigt. Wenn er es aber nicht nach- eines behaglichen, sorgenfreien Lebens für einige Zeit verführt weisen kann, welchen Namen verdient dann der Herr„Oeko- werden. Wenn dem Arbeiter aber die eigentlichen Ziele der nomicrath"? Sozialdemokraten klar werden, wenn der Familienvater hört, � Die Stellung der Sozialdemokratie zur Grund- und Boden- daß künftig seine Tochter in 8 Tagen 7 Männer Heirathen frage ist in der Liebknecht'schen Schrift über diesen Gegenstand kann, wenn er endlich die religiösen Anschauungen der sozial- zur Genüge und ohne jeglichen Rückhalt präzisirt und klargelegt. demokrattschen Führer, ihr Prahlen mit Atheismus(Gottes- Und— sehr bezeichnend— während des ganzen Verlaufs der leugnung), ihre Äbleugnung der Unsterblichkeit, der Strafe und Belohnung kennen lernt, so wird er sich mit Ekel und Verachtung von den Verführern, die bis dahin von seinem Schweiße gelebt haben, abwenden. Es genügt vollkommen, dem tüchtigen Arbeiter aus den eigenen Er- klärungen der Sozialdemokraten deutlich zu machen, was sie eigentlich wollen, um ihn zum entschiedenen Gegner derselben zu machen." An einer anderen Stelle heißt es: „Die ftanzösische Regierung und einzelne Städte, wie Paris, Lyon, Marseille haben auf ihre Kosten in diesem Jahre (1876) eine große Anzahl Arbeiter zur Ausstellung nach Phi- ladelphia geschickt. Die sozialistisch gesinnten Arbeiter sind sehr niedergeschlagen zurückgekehrt. Ihr Wortführer erklärte bei einem Bankett in Paris, daß in dem freien Amerika die- selben Zustände herrschen, wie bei uns, an Einführung sozial- demokratischer Organisation sei dort nicht zu denken, obgleich ein stehendes Heer so gut wie gar nicht vorhanden ist und die Majorität überall entscheidet. Sehr natürlich, sozialdemokra- ttsche Organisation widerspricht der menschlichen Natur wie dem gesunden Menschenverstände. Der Pariser Berichterstatter erwähnt, die von deutschen Ankömmlingen angestellten sozia- letzten Wahlcampagne ist niemals und nirgends auch nur eine Zeile aus dieser Schrift gegen uns citirt worden. Warum? Einfach, weil man nicht konnte! Weil die Ziele, welche wir wirklich verfolgen, die Gründe, die wir entwickeln, jedem Denk- fähigen und Unbefangenen einleuchten. Darum muß man uns falsche Ziele und falsche Gründe andichten. Nie, das sei hier noch erwähnt, ist es einem Sozialdcmo- traten eingefallen, das Privateigen thum überhaupt abschaffen zu wollen. Nie ist es einem Sozialdemokraten eingefallen, den „Bauern ihre Aecker, Wiesen und Weinberge wegnehmen" zu wollen. Zur Ehre(?) des Herrn„Oekonomieraths" sei angenommen, daß er nicht wider besseres Wissen diese krassen Unwahrheiten gesagt hat, sondern aus Unwissenheit, denn unwissend ist der Herr„Oekonomierath" in einem Grade, der sogar uns, die wir so viel mit unwissenden Gegnern zu thun haben, in Er- staunen versetzt. Weiß der Herr„Oekonomierath" nicht, daß der Kleingrund- besitz keiner so intensiven und nutzbringenden Bodenbewirtb- schaftung fähig ist, wie der Großgrundbesitz, und deshalb die Conkurrenz mit ihm nicht aushalten kann? Hat der Herr„Oekonomierath" nicht genug Kenntnisse, um listischen Versuche haben ergeben, daß der Sozalismus einzusehen, daß, wenn die Bauern eines Dorfs eine Genossen- blos auf dem Papiere und im Munde arbeitscheuer schast zu gemeinsamer Bewirthschastung ihrer Aecker und Wiesen Schwindler bestehen kann." Am Schluß des genannten Buches sagt der Verfasser: „Wer von Euch einen solchen Staat schaffen helfen, wer dem Grundeigenthümer sein Land, dem Fabrikanten seine Fa- brik, dem Besitzer von Wcrthpapieren sein Vermögen und seine Ersparnisse fortnehmen, wer sein Weib verstoßen oder ihm gestatten will, ihm zu entlaufen, wer seiner Tochter gestatten will, sich heute an Diesen, morgen an Jenen angeblich zu „verheirathen", wer Kaiser und König aus dem Lande treiben und einen Sozialdemokratenführer zum Präsidenten der Re- publik machen will, der wähle einen Sozialdemokraten in den Reichstag. Wer aber dies Alles oder Einzelnes davon nicht will, der kann keinem Sozialdemokraten seine Stimme geben." „Nun, Ihr sozialdemokratischen Wähler aus dem Bauern- stände, wenn es wirklich deren gegeben hat, wie gefällt Euch dies? „Darum: Trau, schau, wem!"-- Das der Artikel. Ja, wie gefällt Euch dies? fragen nun wir. Hand auf's Herz! Hat jemals ein sozialdemokratischer Red- ner, hat jemals ein sozialdemokratisches Flugblatt, Zeitungsblatt oder Buch ähnlichen Blödsinn vorgebracht, als uns hier unter- geschoben wird? Ihr sagt einstimmig: Nein! und müßt es sagen, denn andernfalls würdet Ihr die Unwahrheit sagen. Wißt Ihr, wer die„Schrift" angeferttgt hat, auf die der Herr„Oekonomierath" sich bezieht? Herr Eugen Richter, derselbe Herr Eugen Richter, der soeben im 6. Berliner Wahl- kreis sein Wesen getrieben und durch sein maßloses Geschimpfe auf die Sozialdemokratie und durch seine unanständige, unehr- liche Kampfweise die Wähler der Reichshauptstadt mit solchem Ekel erfüllt hat. daß sie mit überwältigender Majorität für die Sozialdemokratie ihre Stimme abgaben. Die in jener Schrift vorgebrachten Lügen und Verleumdungen, welche von Herrn Eugen Richter im letzten Berliner Wahlkampf wieder aufgetischt wurden, sind am 14. d. M. in der Reichshauptstadt von der größten Wählerschaft Deutschlands") gerichtet und verurtheilt worden. Ja, Lügen und Verleumdungen! Und was die Sache__ Der den Hirsch-Duncker'schcn Gewerkschaften noch schlimmer macht, die Gemeinheiten und Verbrechen, deren früher nahestehende„Hamburgische Correspondent" macht fol- C.. cvr\. r»____ i„3 St«> ,,,,X sT»-*v, t rv»_____________ r n.r____ �•___•___ bilden, sie dann im Stande sind, sich die Vortheile des Groß- betriebs zu sichern, wozu sie einzeln nicht im Stande wären, und auf diese Weise den Ertrag ihrer Aecker und Wiesen zu steigern? Wir rathen dem Herrn„Oekonomierath", der nicht einmal in der„Oekonomie" zu Hause zu sein scheint, doch, ehe er wieder über Sozialdemokratie schreibt, Oekonomie— landwirth- schaftlichc und politische— zu studiren und, statt sich bei Ignoranten und journalistischen Klopffechtern vom Schlage eines Richter über das Wesen der Sozialdemokratie Raths zu erholen, die Schriften der Sozialdemokraten selbst zu lesen, mit Nachdenken zu lesen! � Bekehren wollen wir den Herrn„Oekonomierath" nicht— bei Leibe nicht; aber wir meinen es doch gut mit ihm— be- folgt er unseren Rath, so wird er wenigstens kein so albernes Zeug mehr schreiben. Und„Dr. Löll" wird uns zugeben, Un- Vernunft und Unwissenheit stehen sogar einem„Oekonomierath" schlecht. Sozialpolitische Uebersicht. — In Bezug auf unseren Leitartikel:„Man soll das Staatsoberhaupt nicht in die Debatte ziehen"— in Nr. 74 des„Borwärts" erhalten wir folgende Zuschrift: „Wenngleich ich wohl begreifen kau», daß der deutsche Kaiser im Hinblick auf die am Tage vorher stattgefundene Wahl im 6. Berliner Wahlkreis init„den auflösenden Bestre- bungen auf sozialem Gebiete" die Tendenzen der Sozialdemo- kratie meinen konnte, so steht dies doch nicht fest, da die auf- lösenden Bestrebungen der liberalen Gründer, Wucherer und Parlamentshelden auf sozialem Gebiete doch viel näher liegen. Deshalb ist es immerhin möglich, daß der Kaiser den Libe- ralismus gemeint hat." Wir drucken diese Ansicht ab und überlassen es dem Leser, darüber nachzugrübeln, was der Kaiser mit dem von uns citirten Ausspruch gemeint hat. der Mann uns anklagt, es sind die Gemeinheiten und Ber brechen seiner eigenen Freunde, seiner eigenen Klasse! Wer treibt jetzt die Vielweiberei? Fragt Herrn Duncker, den Intimus des Richter. Wer raubt dem Bauer sein Gütchen? wer ruinirt den kleinen Handwerker? wer stiehlt dem hilflosen Alter die sauren Ersparnisse, den Wittwen und Waisen das karge Gut? Fragt die Herren Gründer, Schwindler und Groß- ».' 4. C* OfTlt____< kUa-rn X** gende Bemerkungen, welche unseren Lesern gewiß eine kleine Freude bereiten werden: „Es scheint, die Sozialistennoth wird noch höher, als sie be- reits gestiegen, anwachsen müssen, ehe man sich davon überzeugt, daß nicht alle, eine augenblickliche Schädigung des Gegners ver- sprechende Repressionsmittel heilsam und zulässig sind. Wenige Tage vor der Berliner Wahlschlacht wurde zu Kassel der Ver- kapitalisten: die Miguel, Strousberg, Krupp— die Klassenge- such gemacht, durch Begründung einer sog.„neuen freien Ar- nossen des Herrn Richter, die nur im Geist des von ihm ver- beiterpartei" der sozialdemokratischen Fluth einen Damm zu tretenen Systems gehandelt haben und handeln. stehen und die conservativen und maßvollen Elemente des vierten -- Standes um eine gemeinsame Fahne zu vereinigen. Dieftr' Ver *) Der 6. Berliner Wahlkreis hat 42,000 Wahlberechtigte. such ist so kläglich abgelaufen, daß die in liberalen Blätter» über denselben gefällten Urtheile noch härter lauten, als die- jenigen der sozialdemokratischen Presse. Mit der abgestan- denen Redensart, daß Jedermann das Recht habe, sich durch Fleiß und Intelligenz aus der besitzlosen in die besitzende Klasse hinauf zu arbeiten, hat man das Ver- langen nach Besserung der Lage der besitzlosen Klasse,— mit Anpreisungen der Hirsch-Duncfer'schen Gewerkvereine den Ruf nach„Organisation der Arbeit" beantworten zu können gemeint und in einer zu drei Viertheilen von„Bourgeois" zu- sammengesetzten, noch nicht hundertkvpfigen Versammlung hoch- tönende Resolutionen über die Aussichtslosigkeit einer Bewegung gefaßt, deren Führer und Agitatoren allein nach Tausenden zählen. Unternehmungen solcher Art sind einfach als Ausge- burten absoluter Unbekanntschaft mit dem Wesen des Sozialismus oder(um es kurz zu sagen) der Unwissenheit anzusehen und leisten der sozialdemokratischen Agitation größeren Vorschub, als Dutzende langweiliger Arbeitermeetings und bis zum Ueberdruß vernommener Berufsredner. An einen Wandel wird erst zu denken sein, wenn Diejenigen, die gegen den Sozialismus vorgehen, denselben mindestens so genau kennen gelernt haben, wie die Hasenclever, Bebel nnd Liebknecht die alte Gesellschaft kennen. Wo es sich nur darum handelt, ob vorgeschrittene Demokraten oder Sozialisten die Wähler- schaften der großen Städte repräsentiren, werden die letzteren regelmäßig die Chancen des Sieges für sich haben, weil sie die consequenteren sind." Diesen Ausführungen wollen wir nur hinzufügen, daß der „Hamburgische Correspondent" schon damals, als er noch die ekelhaften, von Unwissenheit strotzenden Berliner W-Corre- spondenzen(Waldow) mit Behagen aufnahm, begreifen mußte, daß man mit solchen Waffen keinen Gegner bekämpfen darf. Im Uebrigen freut es uns, daß der„Hamburgische Correspondent". sonst ein sehr anständiges und geachtetes Blatt, obiges Urtheil fällt.- — In Bezug auf die Beschrankung der Wucherfrei- heit, nach welcher jetzt vielfach verlangt wird, macht Dr. Perrot in der„Dresdener Correspondenz" den Vorschlag, zuerst mit der Beschränkung des Börsenwuchers, des Agiotagen- und Divi- dendenwuchers zu beginnen. Er erkenne die verheerenden Wir- kungen des kleinen Wuchers in Stadt und Land allerdings an, wie er von Schacherern, wucherischen Vieh- und Produkten- Händlern, den Pfandlei- und Ruckkaufsgeschäften betrieben wird, er meint dann aber:„Dies ist immer nur erst der kleine Wucher. Schlimmer noch, als dieser kleine Wucher, ist der große, welcher an Börsen und in unseren Bankschaften vor sich geht. Was ist die„Agiotage" Anderes, als ein im größten Maßstabe betrie- bener Courswucher? Wird von den Akliengesellschafteu nicht ein gefährlicher Dividendenwucher betrieben? Schildert nicht Strouß- berg selbst, der es doch wissen muß, das ganze moderne Bank- geschäft als hauptsächlich vom Wucher lebend? Hat doch eines der ersten Berliner Bankhäuser dem Herrn Stroußberg, wie dieser selbst erzählt, 20 Prozent monatlich abgenommen?" Da- zu bemerkt der„Reichsbote":„Wir haben neulich, als wir die Wucherfreiheit ausführlicher besprachen, schon hervorgehoben, daß man durch Wuchergesetze freilich den Wucher eben so wenig ganz aus der Welt schaffen wird, als durch andere Gesetze den Dieb- stahl, den Mord oder irgend ein anderes Vergehen und Ver- brechen.*) Aber der Wucher muß durch Gesetze eben so verboten und strafbar sein, wie jedes andere Vergehen und Verbrechen, das erfordert die Gerechtigkeit, die sittliche Wcltordnung und das sittliche Bewußtsein des Volkes. Es wird sich dann zeigen, daß, wenn auch nicht aller, so doch sehr viel Wucher verhindert werden kann— das Volk hat dann doch einen Schutz gegen die raffinirte Spitzbüberei der zudringlichen Schacherer, deren List der gemeine Mann oft beim besten Willen und bei größter Vor- ficht nicht entgehen kann, und der Richter wird dann nicht ge- nöthigt, dem Buchstaben des Gesetzes nach Urtheile zu sprechen, gegen die sich sein eigenes Gewissen empört, in welchen er den Wucherern Recht geben muß gegenüber ihren armen, ausgeplün- derten, und vielleicht um Haus und Hof gebrachten Opfern. Sagt man. die Wuchergcsetze seien störend für den Handel, so ist zu entgegnen: für den redlichen Handel sind sie es nicht, und es wäre gut, wenn endlich die Schacherer aufhören müßten, Handels- und Kaufleute zu heißen. Schließlich ist aber der Mensch nicht des Handels wegen da, und das Volk nicht als melkende Kuh für die Händler zu betrachten." Ueber derartige Auslassungen freuen wir uns; zeigen sie *) Bismarck und Tessendorff sind bekanntlich anderer Meinung. Majestätsbeleidigungsprozch gegen Dr. Guido Weijz. Die 2. Abtheilung des Kriminalsenats des Kammergerichts (Borsitzender Kammergerichtsrath Steinhausen) in Berlin ver- handelte heute in der Appellationsinstanz den bekannten Majestäts- Beleidigungsprozeß gegen den Schriftsteller Dr. Guido Weiß, einen Prozeß, der durch die dabei in Betracht gekommenen poli- tischen Gesichtspunkte und durch die Art und Weise seiner Ab- urtheilung, welch letztere die gefahrdrohendsten Konsequenzen für die gesammte deutsche Presse, ja sogar für jede reinwissenschast- liche oder geschichtliche Kritik in sich birgt, das weitgehendste Interesse für sich in Anspruch nehmen dürfte.— Der That- bestand ist in Kürze folgender. Die Nr. 43 der vom Angeklagten herausgegebenen„Waage" vom 5. November 1876 enthielt einen „Der Waffenstillstand" betitelten Aufsatz, worin unter Darstellung des serbisch- türkischen Konflikts das russische Jntriguenspiel hierbei beleuchtet wird. Während Rußland dem Sultan Friedens- und Freundschaftsversicherungen heuchele, stachele es anderseits dessen Unterthanen notorisch zur Empörung an. Dieses frivole Doppel- spiel finde allem Völkerrecht zum Trotz, zur Verhöhnung von Treu und Glauben unter der Aegide des Drei- Kaiserbundes, dieser großartigsten Offenbarung des 19. Jahrhunderts, statt. Zu seiner Ehre mußte man annehmen, daß dieser Drei-Kaiser- bund wirklich nicht existtrt:c.— Der erste Richter— das hiesige Stadtgericht(Deputation Reich)— erachtete in diesen Aeußerun- gen eine Beleidigung des qu. Bundes und sonach auch unseres Kaisers, als eines Mitglieds des Bundes, für vorliegend und erkannte deswegen gegen den Angeklagten auf 3 Monate Festungs- Haft.— Hiergegen führte Rechtsanwalt Frosch als Vertheidiger des appellirenden Angeklagten im heutigen Audienztermin vor dem Kammergericht aus, daß das qu. Bündniß schon um des- willen gar nicht beleidigt werden könne, weil es einfach über- Haupt nie existtrt habe. Der beste Beweis dafür seien die Worte des Fürsten Reichskanzlers, die er an die von Herrn Kochhann geführte Deputation des Magistrats richtete, welche ihm unmittel- bar nach der Drei-Kaiserzusammenkunft den Ehrenbürgerbrief der Stadt Berlin überbrachte.„Meine Herren", so äußerte sich damals der Kanzler,„alle Welt sagt bezüglich der Drei Kaiser- Zusammenkunft, daß ein Bündniß oder gar ein Schutz- und Trutz- bündniß Zwischen Preußen, Oesterreich und Rußland abgeschloffen dochIso recht, daß die liberale Bolkswirthschaft in den weitesten Kreisen Verdammung findet. Aber Erfolg von Agitationen gegen die Wucherfreiheit kann man sich nicht versprechen. Läuft doch das ganze wirthschaftliche Getriebe der heutigen Gesellschaft auf Wucher hinaus! Uebrigens wird das vom Wucher gekrönte Ge- bäude schon sehr wacklich und keine 3 Generationen mehr überdauern. — Dr. Dühring hat von Berliner Studenten eine Adresse erhalten, in welcher es heißt: „Es hat sich das Gerücht eines gegen Ihre Lehrthättgkeit gerichteten Vorgehens der philosophischen Fakultät hiesiger Uni- versität verbreitet. Hierdurch sehen sich die Unterzeichneten ver- anlaßt, zu erklären, daß sie sich wohl bewußt sind, welche Ach- tung sie einem Manne schulden, der, fern von allen eigennützigen Absichten, unter den schwierigsten Verhältnissen stets muthig seine Meinung geäußert und vertheidigt hat und im Kampfe für das, was er für richtig halten mußte, auch vor keinem Hindernisse zurückschreckte. Es möge dies beweisen, daß auch unter der hie- sigen Studentenschaft Gefühl für Gerechtigkeit und Freiheit vor- banden ist und Achtung vor jeder auf innerster Uebemeuqunq gegründeten Meinung." — Aus höherenKreisen. GrafLeoFerd. Lamezan Dr. jur. und Bruder des Wiener Staatsanwaltes und bekannten Sozia- listenfressers gleichen Namens wurde wegen Bettelns und Trunk» sucht aus Bukarest ausgewiesen und über die Grenze geschafft. Derselbe machte vergangene Woche mittelst Zwangspasses die unfreiwillige Reise nach Wien und zwar in sehr heabgekommenem Zustande. Hoffentlich wird der Herr Staatsanwalt Graf La- mezan künftighin nicht mehr die sozialistischen Agitatoren für Vagabunden und die Sozialdemokraten für arbeitsscheue Men- sehen erklären, weil er in der Furcht leben wird, daß man ihm feinen verbummelten und versoffenen Bruder Graf Leo Ferdi- uand Lamezan entgegenhalten könnte.— Wie uns ferner mit- getheilt wurde, ist vor einiger Zeit in Stettin ein Weinhändler Namens Tessendorff wegen Weinfälschung zu 6 Wochen Ge- fängniß vernrtheilt worden— ob der Herr ein Verwandter des bekannten Sozialistenverfolgers in Berlin ist, konnten wir nicht erfahren. — Verhaftung eines russischen Agenten. Vor einigen Tagen reiste der russische General und Departementschef des Mini- steriums des Innern, Baron von Osten- Sacken, mit einem großen Koffer voll Rubel in Galizien umher, um die slavifche Bewegung anzufachen. Er wurde aber von den österreichischen Behörden ertappt und eingesteckt. Zuerst hieß es, daß der Grund seiner Verhaftung in sozialistischen Umtrieben zu suchen fei. Es ist wohl möglich, daß dieser saubere russische Agent der Lemberger Jugend allerlei Versprechungen in Bezug auf Frei- heit und Volkswohl gemacht hat, wenn sich die Galizier der panslavistischcn Bewegung anschlössen. Daß sich am Ende auch noch einige Arglose haben fangen lassen, welche die russische Knute für Volkswohl ansahen, ist auch wohl möglich. Gut war's, daß die österreichische Regierung hinter diese Schliche kam. Um den Eclat zu vermeiden, wurde der russische General und De- partementschef nach zweitägiger Haft in Folge einer von Wien angelangten Weisung am 23. Juni wieder entlassen. Daß solche Agenten mit dem Rubelsack auch in Deutschland umHerreisen und die Presse zu rubilisiren suchen, ist bekannt; auch sollen dieselben sich an die in Deutschland studirenden Polen, Russen, Czechen und Ungarn heranmachen, theils um zu spioniren, theils um die slavische Jugend für Rußland zu fanatisiren. — Den zweiten September hat Mac Mahon als Wahl- tag für die Wahlen zur Nationalversammlung bestimmt. Der Jahrestag der Schlacht bei Sedan, in welcher Mac Mahon fo glücklich und rechtzeitig verwundet wurde, so daß nicht er, fondern ein ganz Unschuldiger, der Tags zuvor aus Algier an- gelangte General Wimpfen, die Folgen der Schlacht zu tragen hatte, flößt dem Herrn Präsidenten wohl großen Muth für seine „gute" Sache, für die Sache der„Ordnung" ein. Uns kümmern die Wahlen nicht viel— ob Mac Mahon, Thiers oder Gambetta oder Lulu Staatsoberhaupt wird, kann uns gleichgiltig sein— die ersten Drei haben sich in Bürgerblut gebadet und der Letztere trägt einen zu bezeichnenden Namen, um vor solchem Bade zu- rückzuschrecken.— Bei dieser Gelegenheit wollen wir eines de- Voten Briefes erwähnen, den Mac Mahon, der von Thiers designirte Äesieger der Commune, nach dem Einzüge der Ver- sailler Truppen in Paris 1871 an Letzteren geschrieben hat. sei. Nun ist aber Eines so falsch, wie das Andere. Ich bitte, meine Herren, sagen Sie allen, die es hören wollen: von einem Bündniß kann gar nicht die Rede sein; die Bedeutung der Entrevue liegt einzig darin, daß es gelang, die drei Monarchen zusammenzubringen; das bedeutet gutes Einvernehmen, freund- fchastliche Beziehungen, wohlwollendes Entgegenkommen, aber weiter nichts, sie verpflichten sich untereinander zu nichts, sie binden sich nicht, sie haben nur den Wunsch, Europa womöglich den Frieden zu erhalten und das ist viel Werth. Die Erreichung des letztgedachten Zieles— Erhaltung des Friedens— soll durch gemeinsame Besprechungen von Fall zu Fall erfolgen." Hiernach sei die Annahme der Notorität des Dreikaiserbündnisses nichtig. Inwieweit die russische Diplomatie durch den Artikel beleidigt sei, komme hier nicht in Betracht, sondern lediglich, ob der Kaiser durch die Worte:— das frivole russische Doppelspiel geschehe unter der Aegide des Dreikaiserbundes— beleidigt sei. Eine direkte Beleidigung habe selbst der erste Richter nicht angenom- men, aber auch eine indirekte liege nicht vor, da man unter dem Ausdruck„unter der Aegide" doch nur verstehen könne, daß das Drei-Kaiserbündniß russischerseits als Deckmantel für Jnttiguen benutzt werde. Keinesfalls aber könne man dem Angeklagten den Dolus für die Beleidigung oder nur das Bewußtsein, daß er objektiv eine solche begangen, imputiren. Das wäre wohl zur Zeit der heiligen Allianz möglich gewesen, wo drei absolute Monarchen aus eigener Entschließung einen Bertrag schlössen, aber nicht jetzt, in der Zeit des konstitutionellen Regiments und der verantwortlichen Ministerien bei Besprechung eines angeblichen Bundes, dessen Existenz nicht nur vom Reichskanzler Fürsten Bismarck, sondern auch in Oesterreich von den doch jedenfalls auch genügend informirten leitenden Ministern, so namentlich von Andrassy und neuerdings von Tisza bei Gelegenheit zahlreicher Interpellationen aufs Entschiedenste geleugnet worden sei. Der Vertheidiger schloß mit dem Antrage auf Freisprechung eventuell nochmalige Vernehmung des Fürsten Bismarck und des Herrn Kochhann, und hob namentlich noch hervor, daß derfelbe Artikel, welchen die„Deutsche Volkszeituna" in Hannover der„Wage" entnommen, auch dort zu einer Anklage Veranlassung gegeben, daß aber das Obergericht in Hannover, welches lediglich eine wissenschaftliche erlaubte Krittk darin fand, auf Freisprechung erkannt habe. Dem gegenüber hielt die Oberstaatsanwaltschaft (Staatsanwalt Groschuff) die Anklage aufrecht, einerseits aner- Derselbe lautet: „Herr Präsident! Ich habe die Ehre, in Ihre Hände meinen Schwur der Dankbarkeit und Treue abzulegen. Ich war besiegt, gefangen, gedemüthigt. Sie gaben mir mit meiner Ehre meine mili-i tärische Carriere wieder. Sie legten mir einen neuen Degen um und gestatteten mir, an der Spitze einer Armee in die Hauptstadt meines Landes zurückzukehren. Das sind Dienste, die man sein Lebtag durch Ergebenheit nicht hinlänglich zahlen kann. Marschall von Mac Mahon, Herzog von Magenta." Eine nette Gesellschaft das! Wie sie vor der Macht kriechen und wenn sie die Macht selbst haben, wie brutal sie dann auf- treten! Es ist übrigens sehr gut, daß„einer dieser L.......... von dem andern abgethan" wird. —„Idiot" und„Feigling"— so soll Herr Bonnet« Duverdier, Borsitzender des Munizipalraths von Paris, den be- rüchttgten Marschall Mac Mahon genannt haben. Er erhielt deshalb 15 Monate Gefängniß— dadurch ist übrigens die Wahrheit jener Worte nicht widerlegt worden. — In Betreff der Aussperrung der Schiffsbau-! Arbeiter am Clyde(Schottland) scheinen unsere Befürchtungen nicht grundlos gewesen zu sein. Die Nachrichten, welche die! „Jndustrial Review" vom 23. Juni bringt, lauten den Arbeitern nicht günstig und lassen kaum mehr auf einen Sieg hoffen; jedenfalls nicht auf einen vollständigen.— Der Strike der! Kohlengräber in West-Lancashire, die sich einer Lohn reduktion von 10 pCt. widersetzen, ist insofern in ein neues Stadium getreten, als die Grubenbesitzer das von den Arbeitern! vorgeschlagene Schiedsgericht abgelehnt haben. Diese neue Be- thätigung der Harmonielehre hat indeß die Arbeiter nicht ver- hindert, den Vorschlag zu widerholen. Wird er abermals von den Grubenbesitzern abgelehnt, so steht ein fehr hartnäckiger Kon-j flikt bevor, weil die Strikenden, die selber gut organifirt sind,! von den übrigen Gewerkschaften Unterstützung erhalten werden.; Die„Jndustrial Review" enthält bereits einen dahinzielenden Auftuf.— Auch unter den Kohlengräbern von Südwales, deren gewaltige Kämpfe in frischem Gedächtniß sind, gährt es wieder heftig: die Grubenbesitzer haben den mit ihren„Händen" vereinbarten Tarif-Vertrag gebrochen, und die Arbeiter, welche sich dem Nimmersatten, die gegenwärtige Krisis mit grausamer Rücksichtslosigkeit ausbeutenden Kapital nicht auf Gnade oder Ungnade überliefern wollen, sind zum Aeußersten entschlossen. Noch werden Versuche gemacht, einen friedlichen Ausgleich zu erwirken, allein sie find ziemlich aussichtslos.— Der Dutzenoe kleinere Strikes, die außerdem im Gang sind oder bevorstehen, erwähnen wir hier nicht. Genug, der Klassengegenfatz tritt iu England immer schärfer hervor, die Geschüftskrisis hat die breite Kluft zwischen Arbeitern und Arbeitgebern erweitert und mehr und mehr bricht sich unter den Arbeitern die Erkenntniß Bahn, daß nur eine radikale Reform des herrschenden Produktions' systems helfen kann. — Der Donauübergang ist von den Russen erzwungen, zwar nur in die unwegsame Dobrutscha, doch hätten die Türken sich auch dort besser wehren müssen. Die Verlängerung der strategischen Donaulinie ist übrigens der sogenannte Trajans- wall mit den beiden Endfestungen Kustendsche und Tscherna- woda, und nicht derjenige Theil der Donau, welcher nach Norden scharf abbiegt, bei Hirsowa und Matschin vorbeifließt und die Nordwestgrenze der Dobrutscha bildet und von den Russen über- schritten ist. Diesen Uebergang für einen besonderen Triumpf der russischen Waffen auszusprengen, ist also mindestens verfrüht. — In Asien sind die Türken entschieden im Vortheil; in zwei größeren Gefechten sind die Russen zurückgeworfen worden. Der Aufstand der Bergvölker im Kaukasus nimmt immer größere Dimensionen an. so daß den seitherigen Erfolgen der russischeil Waffen völlig die Spitze geboten zu sein scheint.— Montenegro ist durch Suleiman Pascha, einem talentvollen General, fast voll- ständig niedergeworfen worden, so daß sich bald der Haupttheil der Armee Suleiman Pascha's gegen die Russen wenden kann. — Oesterreich macht zwei Armeekorps mobil; gegen wen?— Das weiß das österreichische Kriegsministerium selbst wohl noch nicht._____ — Aus Wien. Am 22. Juni wurde Parteigenosse Rein- thal vom Schwurgericht zu sechs Monaten strengen Arrestes verurtheilt. kennend, daß allerdings, wenn man eine Beleidigung des Drei Kaiserbündnisses annehmen wolle, die Existenz desselben nachge- wiesen werden müßte, andererseits aber darauf hinweisend, daß doch Fürst Bismarck selbst anerkannt habe, daß sich die drei Kaiser über die Lösung politischer Fragen geeinigt hätten; aller- dings sei ein Zurücktreten gestattet gewesen, allein fo lange dies nicht geschehen, existtrte die Bereinigung. Wenn deren Existenz nun anerkannt werden müsse, so müsse auch anerkannt werden, daß sie beleidigt werden könne. Dies sei hier geschehen, und der Artikel beleidige, obwohl seine Spitze gegen Rußland gerichtet sei, die drei Kaiser, als Mitglieder jener Vereinigung. Der fernere offenbar Spott und Hohn enthaltende Passus,„Das Drei-Kaiserbündniß sei die großarttgste Offenbarung des Jahr- Hunderts" vervollständige den Charakter der Beleidigung. Es rechtferttge sich deshalb Bestätigung der ersten Sentenz.— Hieraus führte Dr. Guido Weiß noch selbst Folgendes aus: Er hätte nie an das Bündniß geglaubt, sondern nur gewünscht, daß de? Offiziösen, die stets mit jenem Bündniß paradirten, auf die Finge? geklopft würde. So lange diese das Bündniß betonten, so lange müßte man Oesterreich und das deutsche Reich dafür verantwort- lich machen. Ferner, wenn man von„Regierung" spreche, st könne in einem konstituttonellen Staate darunter nur das Mini fterium verstanden werden. Selbst der Kaiser sage bei Kund- gebung von Regierungsakten„Mein Ministerium wird das ode? das thun". Nun stehe fest, daß der Kaiser auch in der auswär- tigen Politik an das Ministerium gebunden sei. Fürst Bismaro habe dies selbst oft anerkannt. Wohin solle es kommen, wen? sich der Begriff der indirekten Majestätsbeleidigung einschliche? Man könne dann bei Gelegenheit der Kritik der alltäglichste? Thatsache, wenn es z. B. heißt: Sr. Majestät haben geruht, de? und den zi' ernennen, zu versetzen ec. das Gespenst der Ma;estäts- beleidigung hinter sich auftauchen sehen. Wenn solche Gesichts punkte, wie sie die Anklage entwickele, maßgebend werden sollte?' fo bedürfe es keines Beweises, daß dann für die gesammte Prcssi und wissenschaftliche und historische Forschung die Umnöglichke» einer Kritik gegeben sei. In diesem Sinne hätte sich auch ei? berühmter Jurist und Staatsrechtslehrer zu Heidelberg in de? „Augsburger Allg. Ztg." ausgesprochen.— Redner erinnen fchließlich ebenfalls an die„heilige Allianz", die von den größte" Geschichtsschreibern straflos angeqriffen wurde, trotz des Pietäts Paragraphen und bittet um Freifprechung. Der Gerichtshof??'! Den Genossen zur Nachricht. Die Beschwerde-Commission ist folgendermaßen zusammen- gesetzt: Franz Holz, erster Borsitzender, Reinhold Friedrichs, zweiter Vorsitzender, W. Frick, erster Schriftführer, Conrad Holle, zweiter Schriftführer, S a Max Reißer,\ Wilhelm Röhling,/ Beisitzer. Max Kaschke, f Max Kaschk Alle an die Beschwerde-Commission gerichteten Briefe 2c. sind an die Adresse des ersten Schriftführers W. Frick, Bremen, Neuenstraße 45, zu richten. Mit sozialdemokratischem Gruß W. Frick. Wir erhalten folgende Zuschrift, der wir um so lieber Raum gewähren, da wir die Verdienste des Hrn. Glagau in Bezug auf Gründerentlarvung anerkennen.— Laster hat bekanntlich nur die Gründer in den conservativen Reihen ange- griffen, Glagau faßt sie, wo er sie vorfindet. Wir werden in nächster Nummer im Feuilleton einen interessanten Artikel Glagau's über„Volkswirthe und Gründer im Parlament" dringen. Die oben erwähnte Zuschrift lautet: „Geehrte Redaktion! Gestatten Sie mir, ein so eben durch die Zeitungen laufendes Referat über eine mich betreffende Gerichts- Verhandlung folgendermaßen richtig zu stellen, resp. zu ergänzen. Kaufmann Albert Meyer Hierselbst, in meinem Tuche:„Der Börsen- und Gründungsschwindel in Berlin" als Mitbegründer der„Aktiengesellschaft für Möbeltransport" genannt, beantragte deshalb mich wegen„Verleumdung" zur Untersuchung zu ziehen, wurde von der Staatsanwaltschaft abgewiesen und strengte dann die Privatkage an. Ich trat den Beweis der Wahrheit an. aber der Jnjurienrichter des hiesigen Stadtgerichts lehnte denselben als unerheblich ab und verurtheilte mich zu 150 Mark Geld- büße eventuell 14 Tage Gefängniß. Der„Berliner Börsen- Courier" meldete damals, das Urtheil laute auf 1000 Mark, und andere Blätter hatten die Freundlichkeit, mir mehrere Wochen Haft unter Ausschluß der Geldbuße zuzuerkennen. Ich stellte nun gegen Meyer den Strafantrag wegen wissentlich falscher Denunciation, und in der Appellationsinstanz wurde durch Vorlegung der Untersuchungsakten erwiesen, daß Meyer thatsächlich Mitgründer der obengenannten Gesellschaft ist und daß ich von ihm nur geschrieben habe, was aktenmäßig ist. Trotzdem fand das hiesige Kammergericht wegen gewisser, ganz allgemeiner Bemerkungen über den Charakter und die Manipu- lationen der Gründer mich der Beleidigung schuldig und verur- theilte mich zu 30 Mark Geldbuße eventuell 3 Tagen Hast. Wenn etliche Zeitungen, darunter wieder der„Börsen-Courier", berichten, ich habe meine Kritik der Gründungen als eine„hu- moristische"(!!) zu entschuldigen versucht, so beruht dies auf einem„humoristischen" Miß- oder eigentlich Richtverständ- niß meiner Ausführungen. Selbstverständlich werde ich gegen die, wie mir scheint, hochbefremdliche und auch wohl schwerlich aufrecht zu erhaltende Entscheidung des Kammergerichts die Nich- tigkeitsbeschwerde einlegen. Es ist dies übrigens meine zweite Berurtheilung wegen formeller Beleidigung der Gründer; eine thatsächliche Unrichtigkeit dagegen hat mir noch nicht nachge- wiesen werden können. Wie die Staatsanwaltschaft mir mit- theilt, ruht das Strafverfahren wegen wissentlich falscher De- nunciation gegen Albert Meyer bis zum rechtskräftigen Abschluß des gegenwärtigen Jnjurienprozesses. Berlin, 21. Juni 1877. Otto Glagau." Aus Ostprentzen. Nachdem ich das neue deutsche Reich bereist habe, ergriff mich das Verlangen, den ersten Ansatz desselben, die erste Zelle in unserem heutigen germanischen Staatengewebe etwas genauer zu analysiren, seine kleineren Theile genauer kennen zu lernen. Ich hatte stets für diese Geburtsstätte unseres Preußcn-Deutschlands gar besondere Neigungen, ohne mir erklären zu können, was diese Neigungen in mir hervorgerufen hat. Ich weiß nicht, ob die Marienburger Ritterburg oder die alte Krönungsstättc der Hohenzollern mich so mächtig anzog; bin ich doch weder dem Christenthum noch dem Cäsarenthume mit besonderer Liebe zu- gethan. Aber merkwürdig ist es, daß weder die Stätte, wo unsere Ritterorden uns die heilige Religion und sich die aller- erdenklichsten Erdengüter erkämpft haben, noch die Stätte, wo s Friedrich Wilhelm l. seine besondere Wirksamkeit entfaltete, irgend ; welche Spuren geistiger Gewecktheit aufzuweisen hat. Die Volks- bildung der Marienburger und Braunsburger Umgegend liegt sehr darnieder. Der einseitige Erziehungsmodus der Schule und der ultramontane Geist der Presse machen das Aufkeimen eines freien Gedankens zur Unmöglichkeit; denn was sich aus der Ge- walt des Ersteren befreit hat wird von Letzterem schonungslos niedergerissen. Es thut einem wahrhaft das Herz weh beim An- blicke dieser guten arbeitsamen ermländischen Bevölkerung. Es kennt nichts anderes als den Pflug und das Gesang- oder Gebet- büchlein, Schenke und Kirche. Von einem selbstständigen Denken, von einem Auffassen der eigenen unverschuldeten und unerträg- lichen Lage kann keine Rede sein, und so lebt man nur in den Tag hinein. Aber auch mit den„lithauischen Kindern", die dem „Vater Lithauens", Friedrich Wilhelm I., dem Gründer der ! straffen Ordnung des Heeres und der Finanzen in Preußen, vor dem Regierungsgebäude in Gumbinnen ein Denkmal errichteten, auch mit ihnen stehts nicht besser als mit ihren erwähnten Nach- baren. Altpreußcn, Masurien und Lithauen find mit ihrer Ent- Wickelung einige Dezennien zurückgeblieben. Von Natur und Klima nur auf den Ackerbau angewiesen, steht die einheimische Industrie auf einem sehr niedrigen Entwickelungsstadium, keine bedeutenden Fabriken und infolgedessen keine Ansammlung von Arbeitern auf bestimmten Plätzen, die Bevölkerung ist auf dem Lande und in den Provinzialstädten vertheilt und zerstreut; die Schulen sind selten, die vorhandenen mit wenigen Kräften ver- sehen, denn die Gemeinden find arm, und die Regierung braucht das Geld für nützlichere Zwecke als da sind Volksbildung und Jugenderziehung. In dem ganzen ostpreußischen Gebiete machen nur zwei Städte, Königsberg und Memel, in Bezug auf die Concentration der Arbeiterbevölkerung eine glückliche Ausnahme. Erstere unweit der Pregelmündung in dem„frischen Haff", letztere unweit des Zusammenflusses des„kurischen Haff" mit der Ostsee, dazu die Nähe Polens, der Kornkammer des russischen Reiches, sind die größten Handelsstädte der Provinz. Die kaufmännische Bevöl- l kerung lebt zu jeder Zeit in guten Verhältnissen. Bald ist dieser i bald jener Geschäftszweig in blühendem Zustande. Wie von einem Jnsektenschwarm wird er von jenen belagert und bis auf den letzten Tropfen ausgesaugt. Der kleinere Beamten- und Handwerkerstand, soweit letzterer aus selbstständigen Meistern besteht, ist schon mehr den Wechselfällen der Zeitumstände aus- gesetzt. Aber trotzdem pocht man noch auf die eigene Selbst- ständigkeit, koquetirt mit der Bourgeoisie, und scheint auf den Namen„Preuße" sehr stolz zu sein. Bon einem Auffassen des politischen und sozialen Elends, selbst von einem ernsten Nach- denken über dasselbe kann keine Rede sein, geschweige denn von einem Nachdenken über die Mittel zur Beseitigung des- selben. Der Königsberger Bourgeois hat höchstens den Muth, hinterm Ofen seinen Unmuth über die Wirthschaft seiner Stadtväter auszusprechen, sich über seine schlechte Kanalisationseinrichtung bei seiner� Frau zu beklagen: denn in der That mußte er für jeden Schluck reinen Wassers sein sauer und mühsam erworbenes Geld im Borans abgeben. Dafür hat er aber das Recht auf dem Damm der„Neuen Dammgasse" die Kanalröhren massenhaft aufgespeichert zu sehen. Auf die Nothwendigkeit von Äedürfniß-Anstalten in den belebtesten Een- tren der Stadt sind die Stadtväter erst jetzt gekommen, denn seit ein paar Wochen wird an deren Herstellung gearbeitet. Solche Dinge werden von einem jeden empfunden, mag er die Neigung haben, seine Vorgesetzten zu kritisiren oder nicht. Sie werden empfunden, obwohl die servile Presse, und eine andere giebt es leider da nicht, sich die größte Mühe giebt, die Sachen einfach todtzuschweigcn. Der unselbständige Handwerkerstand und die sogenannten Tagelöhner, die haben, Dank der Jugenderziehung Ostpreußens, auch dazu nicht den Muth, ja vielleicht gar nicht die nöthige Erkenntniß der Mißwirthschaft. Diese sind größten- theils vom Lande und den Provinzialstädten nach den Haupt- und Handelsstädten herübergekommen, um ihre Arbeitskraft schneller verkaufen zu können. Der Lohn ist im Allgemeinen sehr karg abgemessen, dazu noch die Unbeständigkeit der Arbeit. Daß die Sachen anders werden müssen und auch anders werden können, wenn das Volk nur den nöthigen Willen dazu haben wird mit eigener Hand seine Lage zu verbessern— auf diesen Gedanken können die lange Unterdrückten selber nicht kommen. Hätten wir hier nur mehr Männer, die das Eoan- gelium des Sozialismus zu verkünden im Stande und gewillt wären. Aus den untersten Schichten haben bis jetzt nur Wenige sich irgendwie hervorgethan. In manchen Köpfen der von den höheren Schichten stammenden Demokraten geht es noch bunt kannte hierauf nach längerer Berathung, dem Antrage und der Ausführung der Oberstaatsanwaltschaft gemäß, ebenfalls auf das erste Strafmaß von 3 Monaten Festungshaft. In den Mottven hieß es: Es könne dahin gestellt bleiben, ob ein Bündniß der drei Kaiser existirte, jedenfalls aber existirte eine Vereinigung zu politischen Zwecken; diese habe der Angeklagte und damit auch deren Mitglieder beleidigt. Demgegenüber erscheine das Straf- anaß von 3 Monaten nicht zu hoch. Eine„merkwürdige Geschichte". Nachfolgend« Feuilleton-Notiz wollten wir zuerst ohne weitere Be- .merkung zum Ergötzen unserer Leser bringen: — Berliner Spitzbubenhumor. In einer der letzten Nächte wurden, wie die„Tribüne" erzählt, in der Voßftraße von mehreren Häusern die Klopser, metallenen Knöpfe und sonstiger Zierrath an den Thorwegen gestohlen. Nachdem sich das allseitige Erstaunen der be- treffenden Hausbesitzer darüber gelegt hatte, erhielt Tags darauf ein davon ebenfalls betroffener Banquier ein Postpacket unftankirt mit etwa folgendem Anschreiben auf der Postpacket-Adresse:„Ich sende Ihnen anbei das Zeug wieder zurück, es ist ja ganz gemein und will mir Niemand dafür etwas geben. Seien Sie so gut und geben Sie den Änderen auch das Ihrige wieder. Eins aber möchte ich Ihnen sagen, daß Sie an Ihren Häusern, als der Finanz-Aristokratie gehörig, doch feinere und werthvollere Sachen an den Thorwege« haben könnten. Sollten Sie nicht wissen, wo Derartiges zu beziehen, so kann ich Ihnen die Firma des Klempnermeisters in der straße empfehlen. Mit drüdkrlichem Gruß und Kuß Ihr—"(folgt der Name eines sozial- demokratischen Abgeordneten.) Das Packet und die Postpacket- Adresse ist der Polizei übergeben worden. Als diese Notiz schon gesetzt war, erhielt Hasen clever nachfolgen- den Brief:'J „Berlin, 17. Juni 1877. Verehrter Herr! Nachdem vor ungefähr drei Tagen an verschiedenen Häusern der Vobstraße, darunter auch an unserem, die Thürknöpfe, Schilder des Vereins gegen Verarmung und Bettelei u. dgl. abgebrochen worden waren, erhallen wir heute Morgen eine an H. Lessing, Boßstraße 17, adressirte Eigarrenschachtel a.D., welche die abgebrochenen Sachen ent- hält. Dieselbe trägt auf ihrem Deckel die folgende schöne Bleistift- inschrist: „„Wählt Hasenclever! Nicht lachen und kein dummes Gesicht machen!"" durcheinander. Zu einer klaren Auffassung des Sozialismus sind sie auch noch nicht gekommen. Ueberhaupt fehlt hier das zün- dende Wort der Agitation, die freie unabhängige Presse, und das gesellige Zusammenkommen der Genossen. Durch eine„Königs- berger freie Presse", wie ich in Königsberg erfahren habe, soll einem der genannten Uebel abgeholfea werden. Welche Persön- lichkeit die Redaktion des Blattes übernehmen wird ist mir unbe- kannt, aber es wäre als ein Glück für den Sozialismus zu be- trachten, wenn der Redakteur die agitatorische und organisatorische Fähigkeit besitzen würde. Ja, wie es mir scheint, kann das Unter- nehmen, in K. ein sozialistisches Blatt zu gründen, nur dann gelingen, und für die Partei wie für die Provinz segensreich wirken, wenn das agitatorische Wort in der Versammlung dem Volke die Unentbehrlichkeit einer freien Volkspresse nachweist. Auf die inneren Kräfte ist nicht zu rechnen— das hat die Er- fahrung gelehrt, und welche Wirkungen die Vorträge von Bebel, Most, Rackow und Kräcker hervorbrachten, kann derjenige schätzen, welcher das Königsberg von vor einem Jahre mit dem heutigen vergleicht, und die große Minorität betrachtet, welche bei der Wahl für Herrn Bebel nach zwei Volksversammlungen gewonnen wurden. Der„Vorwärts", die„Neue Welt" und die„Berliner freie Presse" werden fleißig gelesen, aber einstweilen nur in Familien oder in der Conditorei des Herrn Kallman, in den übrigen Wirthslokalen hingegen sind unsere Blätter noch nicht zu finden. Diesem Uebel kann nur eine stetig anhaltende Agi tation abhelfen. Hauptsächlich muß die Agitation unter den selbstständigeren Kleinmeistern kräftig betrieben werden, sie dem Wahne, sie werden stets ihre Freiheit dem Kapital gegenüber behaupten können, und daß nur die jetzige Geschäftskrisis ihr äugen- blicklichcs Elend verschuldet hat, zu entreißen, denn nur dieser Stand giebt in hiesiger Gegend den Ausschlag. Daß ich mit diesen Worten nicht sagen will, daß auf den bereits abhängigen Arbeiterstand und die Tagelöhner weniger zu wirken sei, ist wohl selbstverständlich. Nur ist dort eine verstärkte und doppelte Au- ftrengung erforderlich, weil viele Vorurtheile zu überwinden sind, weil man den Leuten zuerst das Bewußtsein ihrer Ohnmacht dem Kapital gegenüber beibringen, sie aus dem hundertjährigen Schlafe erst auswecken muß, um ihnen die umsichgreifende Gefahr ihrer Existenz zu zeigen, während wir bei den eigentlichen Pro- letariern, Dank den Ausbeutern aller Art, diese Mühe ersparen. Hat ja die Königsberger Arbeiterschaft— wenn ich nicht irre war es vor zwei Jahren— eines Tages den Versuch gemacht, sich ihr Stückchen Brot zu erkämpfen. Daß diese Revolte dasselbe Ende nahm wie die zur selben Zeit in Königshütte in Ober- schlesien, nämlich die noch größere Unterdrückung des Proleta- riats ist bei den heutigen Zuständen ganz natürlich. Daß die Arbeiter Königsbergs wie die aus Königshütte die bösen Folgen ihrer That nicht voraussahen, kommt daher, weil sie keine Sozia- listen sind. Diesen Umstand sollte sich ganz besonders die Bour- geoispresse merken, die gewöhnt ist, jeden Straßentumult der Sozialdemokratie in die Schuhe zu schieben. Am Montag, den 18., gerade am selbigen Tage, wo unsere Berliner Genossen auf dem Wahl-Schlachtfclde muthig gekämpft haben, enthüllte die Königsberger Bourgeoisie ein Kriegerdenkmal, angeblich zum Andenken an die Söhne des Proletariats, die im Kriege gefallen sind, in Wahrheit aber dienen solche Kundgebungen nur zur Verherrlichung des Krieges. Ich glaube Ihren Lesern damit nicht viel zu nützen, wenn ich ihnen die Feierlichkeit schil- dern sollte und somit genüge diese kurze Notiz. R— z. Correspoudeuzen. Kamburg, 21. Juni. Durch die liberale Presse geht fot- gende Notiz:„Der durch den Arnim'schen Prozeß bekannt ge- wordene Rechtsanwalt Munckel aus Berlin sungirte gestern vor dem hiesigen Strafgericht als Vertheidiger des Sohnes des verstorbenen Besitzers der„Reform", Eugen Richter. Es han- delte sich wieder einmal um einen Jnjurienprozeß seines Schwa- gers Dr. Banks, der jetzt Besitzer des genannten Blattes ist, wie um eine Anklage gegen die hiesige„Tribüne", welche eine beleidigende Annonce gegen Banks aufgenommen hatte. Die Sache kam jedoch nicht zur vollständigen Verhandlung, da die nach Berlin gesandten Akten nicht zurückgesandt worden waren. Wann werden endlich diese widerwärtigen Familienprozesse aufhören?"— Auf diese Frage können wir den liberalen Blättern Antwort ertheilen: Die„widerwärtigen Familienprozesse" wer den aufhören, wenn in der herrschenden Gesellschaft die Ausbeutung, die Unterdrückung und das frevelhafte Conkurrenzspiel um das Mein und Dein aufhört— in einer sozialistischen Ge- sellschaft gehören solche„widerwärtige Prozesse" zu den Un- Der Begleitschein enthält folgende noch schönere Inschrift: „„Absender: Hasenclever, Reichstagsabgeordneicr, Elsasserstr. 14. Hier bekommt Ihr die Gesäiichte zurück. Seid doch aber ver- nünstig und bringt solidere Sachen an, geht nach Fritz, Klempner, Linkstr. 13. Was nicht convenirt, bitte weiter zu schicken, z. B. Boßstraße l5, l(j, 8 u. s. w. und irgendwo. Mit bestem Gruß und brüderlichem Kuß(nicht ganz wörtlich, da die Kiste gleich weiter geschickt werden mußte)."" Da es nun nicht ganz klar ist, in welchem Zusammenhang Ihr Reichstags mandat mit der Zurücksend ung abgebrochener Thürknöpfe und unabgebrochener, als Beigabe mitgeschick- ter Wurstreste u.dgl. stehen soll, bitten wir Sie, uns umgehend zu erklären, ob etwa wenigstens Ihre Person damit in irgend welcher Verbindung steht oder ob es sich in der Angabe: Absen- der: Hasenclever, Reichstagsabgeordneter nicht vielmehr um einen Miß- brauch Ihres in letzter Zeit so oft gemißbrauchten NamenS handelt. In der Hoffnung, daß Sie uns baldmöglichst, wie es ja in Ihrem wie in unserem Interesse liegt, durch Ihre Antwort diese merk- würdige Geschichte aufklären werden (folgt der Name)." Merkwürdig ist übrigens an der Geschichte nichts weiter, als obiger Brief, der von Hasenclcver Aufklärung über„diese merkwürdige Geschichte" verlangt. Hascnclever, der zuerst imZweisel war, oberüberhaupt Antwort geben sollte, hat an den Briefschreiber nun folgenden Brief gesandt: „Leipzig, 25. Juni 1377. Geehrter Herr! Mit großer Verwunderung habe ich Ihr Schreiben gelesen, welches mir von Berlin nach Leipzig, woselbst ich meinen Wohnsitz habe, nach- gesandt worden ist. Ich kann nicht wissen, welche Motive Sie bei Ab- sendung des Schreibens geleitet haben, deshalb halte ich auch mit mei- neu Bemerkungen zurück. Daß ich Ihr Schreiben aber im„Vorwärts" zum Abdruck bringe, das können Sie mir nicht verdenken, da dasselbe einen höchst merkwürdigen Beitrag zu dem Urtheil der besitzenden Kreise über die bekannten Persönlichkeiten in der sozialistischen Bewegung bildet. Daß ein solches Urtheil aber nothwendig in diesen Kreisen sich festsetzen muß, daranist hauptsächlich die herrschende Presse schuld; dann aber auch tragen die brutalen Auslassungen der verschiedensten Sozia- listenverfolger dazu bei. Mit der Versicherung, daß ich nur Verwun- derung und keinerlei Aerger bei dem Lesen Ihres Briefes gehabt habe, zeichne ich achtungsvoll Wilh. Hasenclever." Das„Hamburg-Altonacr Voltsblatt", welches auch die obige Notiz: [„Berliner Spitzbubenhumor" den liberalen Zeitungen nachgedruckt hat, macht dazu folgende Bemerkungen: „Man weiß nun, daß die Leute, welche bei Nacht die Klopfer ab- reißen, die Aushängeschilder der Geschäfte wegnehmen und die Laternen einwerfen, durchaus keine gewerbsmäßigen Diebe sind. Bekanntlich übt sich die gebildete Jugend in solchem„Ulk" und pflegt sich solche„Witze" zu erlauben, die auch von den„anständigen" Leuten stillschweigend ge- billigt, ja sogar als„burschikose" Streiche bewundert werden. ES wird wohl irgend eine angeheiterte Bande von Liberalen oder Fortschrittlern gewesen sein, die das Ganze arrangirt hat, um nur den Namen eines Sozialisten auf das Packet setzen zu können. Der „Humor" ist zwar recht traurig, aber ganz richtig von der liberalen Presse dezeichnet als— Spitz buben-Humor." Wenn der Briefjchreiber diesen Artikel gelesen haben wild, so wird er gewiß noch immer den Kopf schütteln und sagen:„Merk- würdige Geschichte"— doch immer bleibt das Merkwürdigste an der Geschichte: der Brief dieses Herrn. — Wahlanckdote. Die„Germania" erzählt: Am Donnerstag, dem Wahltage Hasenclever's, hatte sich Abends das Gerücht verbrettet, Löwe habe über Hasenclever gesiegt. Ein Restaurateur m der Jnva- lidenstraße gab seiner Genuglhuung über dieses vermeintliche Eraebniß durch folgenden, an seine Lokalthür gemalten Rebus Ausdruck: Er malte einen Hasen neben drei Kleeblätter; über beides sprang mit kühnem Satz ein Löwe hinweg. Die Herrlichkeit dauerte bis gegen 10 Uhr Als dann das offizielle Resultat diese RebuSschrift desavouirte, nahm der Herr Wirth einen Lappen und wischte unter dem Gelächter der Gäste,'darunter einige sozialistische Abgeordnete und, irren wir nicht, auch Hasenclever selbst, sein schönes Bild wieder weg. — Die Unverschämtheit deS„Leipziger Tageblatts" geht doch über die Hutschnur. Da» Klatschblatt schreibt nämlich:„Nach einer unS vorläufig zugegangenen Mittheilung hat die Versammlung in Glauchau am vorigen Sonnabend, in welcher sich die Herren Most und Hasenclever auf der einen Seite, Herr Prof. vr. Birnbaum auf der andern Seite als Redner gegenüberstehen sollten, unter überaus starker Betheiligung der dortigen Bevölkerung stattgefunden. Bon den Genannten waren nur Most und Professor Birnbaum anwesend, Hasen- clever hatte es vorgezogen, nicht zu erscheinen." Diese Unver frorenheit, den Lesern direkte Lügen aufzutischen, ist allerdings groß. Hasenclever hat zu obiger Versammlung weder eine Einladung er halten, noch wußte er überhaupt etwas von dieser Versammlung, ehe ihm Mittheilung gemacht wurde, das„Leipziger Tageblatt" ließe ihn in Glauchau reden.- Die„Deutsche Allgemeine Zei- tung" druckt dem„Tageblatt" die Lügen ruhig nach— wir meinen, daß diese im Allgemeinen anständige Zeitung nun auch ein Dement- erfolgen lassen müßte, wenn sie sich nicht mit dem„Tageblatt" auf eine Stufe stellen will.__ Möglichkeiten.— In unserer Stadt will man den Wcinfälschern! einzusenden, damit ihnen die über diesen Gegenstand ausgearbeitete' auf der Spur sein— den Champagner macht man hier näm- Denkschrift, sowie Sammellisten zugestellt werden können. Zugleich lich aus Rhabarberpulver.— Der liberale Wahlverein, der an- werden die Betreffenden ersucht, nach Empfang der in Rede stehenden �..._______.',..,..,..'.__ rt+Vw />« rl» nv* /tnt a � Sav* X*, i ny av« w X A«t ort .......... er«! bitler Berlin, S3. Juni 1877. Die Commission: Aug. Scharlibbe, Vorsitzender, Kastanien-Allee 54, Hof 2 Tr., bei Winnen. Bernh. Breul, Kofstrer, Koppenstraße 35, Hos 2 Treppen. NB. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. An die Schneider Deutschlands! Der unterzeichnete Borstand der Mitglieder des Allgem. deutschen Schneidervereins zu Hamburg erlaubt sich, allen College», besonders den reisenden, bekannt zu machen, daß von der Mitgliedschaft zu Ham- bürg ein Arbeitsnachweisbureau, verbunden mit Fremdenverkehr, er« richtet ist. Dasselbe befindet sich bei Herrn Peterschelka, Wcxstr. 17. Indem wir dieses veröffentlichen, möchten wir jedem nach Hamburg reisenden College» empfehlen, nirgend anders wohin zuerst seine Schritte zu lenken, als nach obigem Lokale. Wie in jeder größeren Stadt der Fremde oft der Gefahr ausge« fetzt ist, feine etwaigen Ersparnisse an Gauner einzubüßen, welche ihm vorschwindeln, ihm Arbeit zu verschaffen, so auch hier. Es giebt hier Leute, welche, so lange ein Fremder noch Geld besitzt, dieselben mit der Arbeit warten lassen, bis daS Geld verzehrt ist. Hat dann der Fremde kein Geld mehr, dann ist es dem sogenannten Arbeitvcrschaffer egal, wo der Arbeiter bleibt. Der Fremde mag dann sein Glück selbst versuchen. Im günstigsten Falle erhält der Gerupfte eine Wcrkstelle, in welcher kein Hiesiger arbeiten mag. Viele College» leben noch in dem Wahne, auf den sogenannten „Christlichen Herbergen- billiger und besser als anderswo zu logiren und glauben dort auch leichter Arbeit zu erhalten. Wir bemerken dazu. daß 1) die Preise, welche jeder Fremde auf unserem Verkehr für Logis Speisen und Getränke bezahlt, nicht höher sind, als auf obigen.srom« men" VerkehrSanstalten. Daß 2) die Arbeitgeber Hamburgs s» wenig „fromm- sind, daß sie ihre Arbeiter lieber von unserem ArbeitSnach- weisbureau holen, trotzdem daß viele dort verkehrenden College» in dem Gerüche stehen, Sozialdemokraten zu sein. Jeder College erhält auf unserem Berkehr freundliche Aufnahme und unentgeltlich Arbeit ertheilt b0 ,ft) nachgewiesen, auch wird jede Auskunft bereitwilligst Mit cvllegialischem Gruß Der Borstand der hiesigen Mitgliedschaft des Allg. deutschen Schneidervereins. Hamburg. I. O. Matthaey. dlL. Alle Arbelterblätter werden ersucht, Obiges abzudrucken. und Gewerkschaftsblätter zum Abonnement: „Augsburger Volkswille", erscheint dreimal wöchentlich in Augsburg. Preis pr. Quartal 1 M. 50 Pf. „Berliner Freie Presse". Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags, Sonntags mit der illustrirten Gratisbeilage die„Neue Welt", in Berlin. Preis Viertels. 4 M. „Braunschweiger Volksfreund", erscheint die Woche 6 Mal. Preis pr. Quartal 2 M. „Bremer Freie Presse". Erscheint wöchentlich sechsmal. Preis Viertels. 2 M. 50 Pf. „Bergische Volksstimme", erscheint wöchentlich sechsmal in Elberfeld. Preis pr. Quartal 2 M. 25 Pf. „Chemnitzer Freie Presse", erscheint wöchentlich sechsmal, kostet pr. Quartal 1 M. 80 Pf. „Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund", erscheint wöchentlich sechsmal. Preis pr. Quartal 1 M. 50 Pf. „Cölner Freie Presse", erscheint wöchentlich 1 Mal. Preis ßfpr. Quartal 1 M. 15 Pf. „Dresdner Volkszeitung", erscheint wöchentlich dreimal. Preis pr. Quartal 1 M. 50 Pf. ät? iSÄÄÄÄ&r.ss a tÄ'iÄÄ fTÄgtris SSNV Mitglieder„heruntergekommen" sein. Es wird eben viel Ge- schrei gemacht und es ist wenig Wolle da. Kray, Kreis Essen. So lange es eine sozialistische Bewe- gung giebt, ist hier keine Versammlung abgehalten worden, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil wir kein Versammlungs- lokal erhalten konnten. Endlich aber hat die schlechte Zeit, in Gemeinschaft mit den sehr erhöhten Steuern, die Herzen der Gastwirthe erweicht, so daß wir am 10. Juni eine Versammlung abhalten konnten, in welcher Genosse Strumpen unter großem Beifall der zahlreich besuchten Versammlung als Referent auf- trat. Der Bürgermeister unseres Ortes wollte anfänglich zwar allerlei Eiuwendungen gegen die Abhaltung der Versammlung machen, aber ich wich nicht von der Stelle, bis ich die bewußte Bescheinigung in der Tasche hatte. Und so wäre denn auch hier der erste Schritt zur Einführung des Sozialismus gethan; möge nur recht bald ein weiterer Redner eintreffen, damit auch für die Dauer etwas geschaffen wird. I. Schröter. Ännaberg-Auchhotz, 21. Juni. Endlich ist der Bann ge- löst, der auf unserem Orte lastete. Was noch im vorigen Jahre für unmöglich gehalten wurde, das ist am vergangenen Sonn- abend in Buchholz geschehen. Daselbst tagte eine zahlreich be- suchte Volksversammlung, die ohne alle Störung verlief. Und wer hat dies zu Wege gebracht? Die öffentliche Meinung ist es gewesen. Wer sich an die Vorgänge im verflossenen Jahre er- inner» kann, wird wissen, daß eine Anzahl unserer Versamm- lungcn stets gesprengt wurden, daß in Buchholz die erste Ver- sammlung durch Pfeifen, Brüllen u. s. w. unmöglich gemacht worden ist. Woher dieser Umschwung der Gesinnung? Die Ver- achtung, welche die Skandalmacher fühlen mußten, war derart, daß, sobald einer der bekannten Ruhestörer sich irgendwo blicken ließ, er unter dem Urtheil der öffentlichen Meinung zu leiden hatte. Wollte ein solcher Knüppelgardist irgendwo ein Glas Bier trinken und nahm an einer Wirthstafel Platz, so erhoben sich die Anwesenden und ließen den Ruhestörer allein. Die kri- tischen Bemerkungen» welche der einsame Zecher zu hören bekam, veranlaßten diesen, bald das Weite zu suchen. Es dauerte nicht lange, io war den Hauptkrakehlern alle Lust genommen, sich'im Kreise froher Menschen zu bewegen. Die Arbeiter der Adler'schen Fabrik wurden durch ihre unserer Sache ergebenen College« be- stimmt, sich nicht mehr zum Sprengen der Versammlungen ge- brauchen zu lassen. Wie ich erfahren, hatte der Lithograph Kleine die Absicht gehabt, der Versammlung zur schnellen Schließung zu verhelfen. Aber alle Arbeiter der Adler'schen Fabrik, an die er sich, um Unterstützung seines Vorhabens wandte, lehnten dies ab. Das Urtheil der öffentlichen Meinung galt ihnen mehr, als der Wille ihres Vorgesetzten. Dies trat am deutlichsten in der Versammlung vom Sonnabend hervor. Bei der Bureauwahl stimmten selbst die Liberalen und Conser- vativen für unsere Candidaten, um von vornherein zu dokumen- tiren, daß sie mit Kleine und seinen Freunden nichts zu thun haben wollten. So brachte bei der Gegenprobe trotz ermun- ternder Zurufe Herr Kleine es auf ganze drei Stimmen. Wie- mer konnte ungestört in zweistündiger Rede sein Thema ent- wickeln und der allseitige Beifall bewies, daß bei den Bewohnern von Buchholz, die ohnedies am 10. Januar durch 178 Stimmen für Wiemer ihr Einverständniß mit der Sozialdemo- kratie bekundeten, die Lehre derselben volle Anerkennuug fand. Da ergriff Herr Kleine das Wort und stürmisches Gelächter be- lohnte den Tapfern für seine Leistungen. Noch einmal versuchte Herr Kleine Wiemer zu entgegnen, aber— es erfüllte sich, was Herr Kleine in einer Versammlung der Adler'schen Arbeiter ge- sagt:„Daß, wenn er Rednern wie Vahlteich und Wiemer ent- gcgentreten solle, seine Kehle wie zugeschnürt sei."— Das Ver- sammlungsprengen ist allerdings leichter. Wiemer hatte leichte Mühe, Herrn Kleine zu beweisen, daß der geistige Kampf gegen die Sozialdemokratie nicht von ihm(Kleine) geführt werden könne. Wiemer verbat sich ausdrücklich von Herrn Kleine, jenen Agitatoren unter dem Regiment eines Mende, z. B. Lasch, gleich- gestellt zu werden, die vor 8—9 Jahren durch ihr tattloses Ans- treten der Sache der Sozialdemokratie stets geschadet haben. Die Hoffnungen der Gegner,„daß die Bevölkerung des oberen Erz- gebirgcs allen Arbeiteraposteln die Wege weise", ist zu Schan- den geworden. Das mag sich auch Herr Sparig in Leipzig ge- sagt sein lassen, dessen Hetzereien es mit zuzuschreiben war, daß hier Scandalscenen vorkommen konnten, wie sie wohl an keinem zweiten Ort in Deutschland passtrt sind. Tabakarbeitervereins. Erscheint alle 8 Tage in Berlin und kostet viertelj. 50 Pf. „Der Bund", Organ der Tischler und verwandten Berufs- genossen. Erscheint wöchentlich einmal in Hamburg. Preis pr. Quartal 1 M. „Der Fortschritt", Organ des Allgem. deuffchen Schneider- Vereins, erscheint jeden Sonnabend in Leipzig. Preis pr. Quartal 50 Pf. „Der Genossenschafter", Organ des Gewerkvereins der deutschen Gold- und Silberarbeiter und verwandten Gewerkt erscheint wöchentlich einmal in Schw.-Gmünd. Preis pr. Quartal 1 M. a,_*>«, m>.•„Der Gewerkschafter", Organ für die wirthschaftlichen Jnter- Dcn Parteigenossen empfehlen wir die nachstehenden Partei- t.... essen der Arbeiter Oesterreichs. Erscheint monatlich zweimal in Wien. Preis pr. Quartal 90 Pf. „Der Wecker", Organ für die Schuhmacher Deuffchlands, er- scheint jeden Sonnabend in Gotha. Preis viertelj. 50 Pf. „Das Panier", Organ der deutschen Metallarbeiter, erscheint wöchentlich einmal in Braunschweig und kostet pr. Quartal 50 Pf. „Der Correspondent", Organ der Hutmacher, erscheint in Leipzig dreimal monatlich und kostet pr. Quartal 60 Pf. „Grundstein", Organ der deutschen Bauhandwerker, erscheint monatlich zweimal in Hamburg. Preis viertelj. 45 Pf. „Pionier", Organ für die deutschen Zimmerleute und für die Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Untcrstützungs- Verbandes. Erscheint monatlich zweimal in Hamburg. Preis viertelj. 1 M. 20 Pf. Briefkaste» der Redaktion.„Böhmert's Herzensfreund": Wir sehen Ihren Einsendungen mit Vergnügen entgegen.— R— z in K.: Ihr Artikel befindet sich in der heutigen Nummer: weitere Artikel erwünscht. —„Peter Simpel" in H.: Wir lesen Ihre Briefe gern; findet sich et- „Die Wahrheit". Erscheint täglich in Breslau. Preis pr., was in denselben, so verwerthen wir es für den„Vorwärts".— G. Quartal 3 M i E. in B.: Ihr Vorschlag ist ja ganz gut— nur nicht ausführbar. „Die Fackel", erscheint Wöchentlich dreimal in Leipzig. Preis Sie scheinen nicht zu wissen, daß in Preußen alle politischen(auch so- »,v 1 5W ßn mr zialen) Vereine verboten werden, welche sich mtt andern zu gleichen pr. �.uana: i jyc. du 4>j. Sna Zwecken in Verbindung setzen. Sind diese„andern Bereine" noch dazu »Die Neue Welt. �zllustrirtes Unterhaltungsblatt für das ausländische, so trifft dieses Verbot auch auf das übrige Deutschland Volk. Erscheint wöchentlich einmal ,n Leipzig. Preis vier- JU- Ju Frankreich aber ist die Sache noch schlimmer. Broglie und teljährlich 1 M. 20 Pf., in Heften(3 Nummern) a 30 Pf. Leonhardt(Teffendorf) würden den«ersuch mit Freuden begrüßen.— „Die Wacht", Organ des arbeitenden Volks für den Wahlkreis der Expedition. Korbmacherbund Hamburg: Mit heutiger An- Hanau, Bockenheim, Orb und Gelnhausen. Erscheint wöchent- � nonce schulden Sie 60 Pfg. lich einmal in Hanau. Preis pr. Quartal 1 M. Quittung F Nmz Wien Ab. 10,00 Brök Drohobjez Ab. „Die Wage". Wochenblatt für Politik und Literawr. Heraus- yrms Elberfeld Ab 5,00 I- Schmdt München«b. 0,00. tn9!0erÜnOn Breis�vieNel? 4�M Schr! 7ch8. Hrsch S'tuttgatt Äb.°5.00�Kppl Schwarzenbach Ab. 6,4o" Sung-.-Ich-,T«-«-»..ich»• w«WIK». 25,00. Lgs Hannover Ann. 0,70. Äschr Berlin Ab. 1.25. Bund der Tischler Hannover Ann. 2,10. W. Arostadt 2,70. TU Neidenburg Schr. 10,00. Rpp La Sagne Ab. 2,10. Hffmnn Allstedt Ab. 1,80. Gew.-Ver. der Holzarb. Graz Ab. 3,21. Kndrth Regen Ab. 1,61. E. Schmdt Römerstadt Ab. 24,10. Hckr Connewitz Ab. 27,50, Schr. 2.60. Br Drohobjetz Ab. 4,80. Brbm Goihaf Ab. 8,60, Schr. 0,25. Orbg Gießen Ab. 4,00, Schr. 3,31. F. Wß N.-Ulm Ab. 2,80. Meine Adresse ist jetzt Barmbeck, Stöckersstraße 11. Bis zum 1. September bin ich geneigt, rhetorische Borträge zum Besten der Parlamentswahlkaffe zu halten. H. Weber-Gordon. Otto Sobieki in Dessau Friedhof-Str. wünscht die Adresse des Borsitzenden des deutschen TöpfervereinS in Hamburg zu wissen. AgitatlonSfonds. V. St. Volkmarsdorf 1,00. „Duisburger Preis viertelj. 1 M. 75 Pf. „Frankfurter Volksfreund", erscheint wöchentlich dreimal in Frankfurt a. M. Preis pr. Quartal 2 M. „Glauchauer Nachrichten", Volksblatt für Stadt und Land. Erscheint wöchentlich sechsmal in Glauchau. Preis pr. Quar- tal 1 M. 50 Pf. „Hagener Volksfreund", erscheint wöchentlich dreimal in Hagen. „Hamburg-Altonaer Volksblatt", erscheint in Hamburg. Preis pr. Quartal 2 M. 40 Pf. „Halberstädter Freie Presse", erscheint wöchentlich einmal. Preis pr. Quartal 75 Pf. „Magdeburger Freie Presse", erscheint wöchentlich sechs- mal. Preis pr. Quartal 2 M. 50 Pf. „Märkische Bolksfreund", erscheint wöchentlich dreimal in Berlin. Preis pr. Quartal 90 Pf. „Mecklenburgischer Arbeiterfreund", erscheint in Rostock wöchentlich einmal. Preis pr. Quartal 90 Pf. „Nürnberg- Fürther Sozial- Demokrat", erscheint in Nürnberg wöchentlich dreimal. Preis pr. Quartal 1 M. 30 Pf. „Neue Offenbacher Zeitung", erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage in Offenbach. Preis vierteljährlich 2 M. 50 Pf. „Neue Wormser Zeitung", erscheint wöchentlich sechsmal. Preis pr. Quart. 1.40. „Ostthüringisches Volksblatt", erscheint wöchentlich einmal, in Gera. Preis pr. Quartal 1 M. Stettiner freie Zeitung", erscheint wöchentlich dreimab Südde'""...... in Stuttgart. Rothe Fahne", erscheint wöchentlich einmal in Barmen. Äbendunterhaltung und Tanzvergnügen. Preis pr. Quartal 50 Pf. Freunde unserer Sache u. College» werden fteundlichst eingeladen und Thüringer Freie Presse", Organ des arbeitenden Volks in können durch Mitglieder eingeführt werden. Herrenkarte 30 Pfg., Thüringen. Erscheint an jedem Sonntag in Apolda. Preis Damenkartc 15 Pfg.(F. 160) DaS Comitö.[2,iü viertelj. 75 Pf. � Hannover. � iuttgart. Preis pr. Quartal IM. 10 Pf. von den Mitgliedern des„Bundes der Tischler u. verw. Berufsgenoffen": Volksfreund", erscheint in Preis pr. Quartal 1 M. Westfältsche Freie Presse", erscheint in Dortmund. pr. Quartal 1 M. 25 Pf. „Würzburger Volksfreund" Preis viertelj. 1 M ---»w- w°ch°n«ch drnm»l.! Hamburg. ÄS?» Sonnabend, den 30. Juni, Abends 3'/z Uhr, im Salon zum R»- Preis land, Jakobstraße 19. Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Lohnftage. 3. Wichtige Vcreinsangelegenheit. F. Wirckeling. erscheint wöchentlich zweimal. Bund der Tischler u. verw. Bcrufsgcnosse». n tj.• t• cnv:. tnKA-nfr:* r in,»i Sonnabend» den 30. Juni, Abends"/z9 Uhr im „Zeitgelst", erscheint ,n München wochentltch sechsmal. Preis Saale des Herrn Michael, gr. W-ndmühlmstraße 7: pr. Quartal 1 M. 30 Pf. sYJnvftmmfmr.-r „Arbeiterstimme", Organ und Eigenthum der soz.-demokr. Arbeiterpartei Nordamerikas, erscheint wöchentlich einmal in Tagesordnung: 1) Urabstimmung über die Verschmelzung der Or- Ncwvork. Preis pr. Quartal 1 M. 60 Pf. gane„Bund" und„Pionier". 2) Bundesangelegenheiten.(80 „Arbeiterfreund", erscheint am 2. und 4. Sonnabend eines Das Erscheinen sämmtlicher Mitglieder erwartet Der Vorstand. jeden Monats in Reichenberg. Preis 50 kr. östr.= 1 M. Gegen genügende Sicherheit wünscht ein langjähriger Pa'teigenosse „Arbeiter Wochenchrontk", Organ der ungarischen Arbeiter, von irgend einem Genossen 100 Mk. zu leihen. Näheres durch die erscheint in deutscher Sprache in Buda-Pest. Preis pr. Quar-, Expedition der„Neuen Offenbacher Zeitung".(F. 240)(90 tal 60 kr. östr.— 1 M. 20 Pf.™r"7T~7�- 7)---- 7- �-- j- 77— »D-r Arbeiterin Ohio" ersch�ntin Cmcinnat:(Amerika). Usg Verwalter 0der DlspoNeNt Lew „Der soc, allst,.erscheint täglich in Milwaukee in Amerika. ober Etablissements empfiehlt sich ein selbstständig gewesener Techniker Preis pr. Jahr o Doll.•... t t.! reiferen Alters.(3b)(1.00 „Die Tagwacht", Organ des schweizerischen Arbeiterbundes; Näheres K. p. durch die Expedition. erscheint wöchentlich zweimal in Zürich. Preis pr. Quartal �--—-"— 1 M. 40 Pf. Dte Gehetmntsse des sachfischeu CabiuetS. 2 Bde. Stg. Cotta, „Volkszeitung", erscheint täglich in Chicago(Amerika). Statt.18,75 nur 6 Mk. Arud, Geschichte der französischen Re- �Gleichheit", Organ der Arbeiterpartei in Oesterreich, erscheint D?Lickt-'u?SchItten0Wn des Löbens Roman m K�Bdn' wöchentlich einmal in Wiener-Neustadt. Preis pr. Quartal � nur 2 Mk. Börne'S Schriften. 12 Bde. nur Mk. 3�0 75 kr. östr.— 1 M. 50 Pf..■~ �.. Freiligrath'S Werke. 3 Bde. eleg. geb. nur 10 Mk., so wie alfc „Vorbote", Organ der Arbeiterpartel für Stadt und Land, Erscheinungen des Buchhandel» zu ermäßigten Baarprcisen.(Man erscheint jeden Sonnabend in Chicago(Nordamerika). Preis vergl. die Anzeige in Nr. 69 des„Borwäris".)(270 pr. Jahr 2 Doll. Berlin 8W., Hagelsbergcrstr. Wortmann'sche Buchhdlg. „Allgemeine Buchbinderzeitung", Organ des Verbandes Soeben erschienen und durch uns zu beziehen: K«-?S�m.7w Waldverwüstunz»nd Ueberschwemmung. iinemfino T« h. i i f« n n" Drfmn W Tnh-ii,», 11,8 Kin.Kavitel der Grund- uud Nodenkraae. Aufruf! ,,®.ie Kleftlgewerbtreibncheu und Arbeiter Deutschlands, welche sich für die Abschaffung der Zuchthausarbcit intercssiren und für eine Pe- titton m dieiem Sinne Unterschriften sammeln wollen, werden ersucht. �.......----—., soweit dieS bisher nicht geschehen ist, ihre Adresse» an Unterzeichneten„Der Botschafter", Organ für die Mtglieder des Deuffchen Allgemeine Tapezirerzestüng", Organ der Tapezirer und Fachgenossen. Erscheint alle 14 Tage in Berlin. Preis pr. Quartal 50 Pf. Correspondent", Organ für Deutschlands Buchdrucker und' Schriftgießer, erscheint wöchentlich dreimal in Leipzig. Preis viertelj. 1 M. 25 Pf. Ein Kapitel der Grund- uud Bodenfragc. Bon cheorg Kollmar. Preis pro Exemplar j5 Pfennig. Die Buchhandlung des„Vorwärts". B-rantworcktch» Redakteur: R. Seiffert m Leipzig. Redaktion und Exp-bltion Färberstreßt 12/11. in Leipzig. Druck und Berlaq der Aenofsmschastsbuchdruckcrei in Leipzig Fond für Gemaßregelte. V. St. BolkmarSdorf 1,00. Beffammlung der Steinmetzen 4,63. B. Lehrer X. 1,00. Dr. med. G. 10,00. Scatspiel 2,14 i. W. F. R. 3,00. Sozialdemokratischer Wahlverein. »yUUUUvvl. Sonnabend, den 30. Juni, Abends 8 Uhr im Bereinslokale. Mittelstraße Nr. 1 1:(F. 163)(70 Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Vortrag von Hrn. Kaiser über die GeschästskrisiS und die Lage des Arbeiterstandes. Der Borstand.