«rschemi in Leipziz Mi:twoch, Freitag, Sonntag. Abounementspreis �ür ganz Teutschland 1 M. 6V Pf. pro Quartal. Monats- Abonnements Verden bei allen deutschen Postanstalten auf den L. und Z. Monat, und auf den 5. Monat besonders angenommen: im «önigr. S-chlen und Hcrzogth. Zachscn- Mienburg auch auf den um Monat des Quartals k 54 Pfg. Inserate betr. Berfannnlungen pr, Petitzeile 10 Pf., derr. Vrivatangelegenheiten und Feste pro Petitzeile Z0 Pf. Vorwärls VesteUungm nebmen an alle Postanstalten und Buch. Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. New-Borl: Soz.-demolr. Genosien- schastsbuchdruckerei, 154 Eldriilge Str. Philadelphia: P. Haß, 630 Xvrtd gru Stroet. I. Voll, 1123 CKarlotto Str. Hodoten H. J.: F. A. Sorge, 215 Vasd- ing�on Str. Chicago: A. Lanfermarm, 74 Clybourne av«. San Franzisco: F. Eng, 418 0'EarrvU Str. London IV.: C. Henze, 6 He»"tr. tZolcieo Square. Kmtrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 78. Freitag, 6. Juli. 1877. Wie man unsere großen Dichter ehrt. Wir lesen in der„Kölnischen Zeitung": „Die Kommission, welche über den am Schillertage im nächsten Jahre wieder zur Vertheilung kommenden Schiller- preis(1000 Thlr. Gold nebst einer goldenen Denkmünze im Werthe von 100 Thlr. Gold) für das beste in den Jahren 1875, 1876 und 1877 hervorgetretene Werk der deutschen dra- matischen Dichtkunst zn erkennen hat, ist bereits vom Minister Falk ernannt worden. Die Mitglieder derselben sind: General- Intendant v. Hülsen, die Professoren vr. Curtius, Dr. v. Treitschke und Dr. H. Grimm, Dr. Julian Schmidt(sämmtlich in Berlin), General-Jntendant v. Putlitz in Karlsruhe, Direktor Dr. Förster in Leipzig, Geh. Hofrath Gustav Freytag in Sieb- leben." Lassen wir die anderen Männer bei Seite, die der Minister Falk, der große Kulturkämpfer, in die Kommission, welche über den Schillcrpreis zu bestimmen hat, ernannt hat; stoßen wir uns selbst nicht an den unglücklichen Herrn von Treitschke, der eines organischen Fehlers halber die Wirkungen dramatischer Dichtkunst gar nicht beurtheilen kann, sondern wenden wir uns nur gegen Dr. Julian Schmidt, den der Herr Falk auch zu ernennen den Muth hatte. Die gebildeten Männer deutscher Nation haben sämmtlich das Werk Lassalle's gelesen:„Herr Julian Schmidt, der Literarhistoriker"; dieses Werk gleicht einem Pranger, an welchen Herr Schmidt angenagelt worden ist, zum Heile des deutschen Geistes, zur Sühne des Andenkens der deutschen Geistes- Heroen, die dieser Mann in der widerlichsten Weise zu beschmutzen wagte. Bei dieser Gelegenheit wollen wir das Gedächtniß unserer Leser auffrischen, und da der„Vorwärts" auch im gegnerischen Lager viel gelesen wird, so wollen wir aus der Schrift Lassalle's die namenlose„Verehrung" nachweisen, welche dem Andenken des theurcn und großen Dichters durch die Ernennung des Herrn Schmidt in die betreffende Kommission erzeigt wird. Zunächst aber wollen wir hier zeigen, daß dem:c. Schmidt auch jede Befähigung mangelt, über deutsche dramatische Dichtkunst zu urtheileu. In seiner Literaturgeschichte(Band II., S. 1) sagt Julian Schmidt über Göthe:„Seine Lieblingsgestalten sind Virtuosen mit vielseitiger Empfänglichkeit ohne ideellen Gehalt und ohne Ehrfurcht vor der realen Welt; auch Faust, denn sein Bund mit dem Teufel beruhte wesentlich auf Abneigung gegen Einseitigkeit der Bildung und Beschäftigung."— Göthes Faust „ohne ideellen Inhalt!" Herr Schmidt eignet sich sehr zur Beurtheilung einer dramatischen Dichtung, nicht wahr, Herr Falk? Und der Grund, weshalb der Faust„ohne ideellen Inhalt" ist? Der Grund ist köstlich, nicht wahr, Herr Falk? Nach Herrn Julian Schmidt(Band II., S. 161) fällt Göthe sortwährend in seinem Faust aus der Rolle, itassalle meint dazu, daß der„dumme Göthe" doch eigentlich viel Pech gehabt habe, daß er vor dem Herrn Schmidt gelebt und nicht dessen Rathschläge sich hätte zu eigen machen können. Sie sind auch der Meinung, Herr Falk? Ueber Schiller selbst aber sagt Julian Schmidt(Band l., S. 516) folgendes: „Aus einem unendlich kleinem Vorrath des Stoffes hatte er eine vielseitige Weltansicht gewonnen, die selbst die Kun- digen zuweilen durch ihre geniale Wahrheit überraschte. Daher seine langsame Entwicklung, daher aber auch sein fester Glaube an die Gewalt des Geistes, dem die Wirklichkeit unterthan sei." Herr Schmidt gehört selbstverständlich zu den Kundigen, nicht wahr, Herr Falk, sonst würden Sie ihn nicht in die be- treffende Kommission ernannt haben? Lassalle aber sagt zu obigem Ausspruch des„kundigeil" Julian Schmidt: „Also der Verfasser Wallensteins und des dreißigjährigen Kriegs, der Uebersetzer des Euripides und der Kenner der antiken Tragödie, die er in seiner Braut von Messina wiederzubeleben suchte, der gründliche Forscher der Schweizeraeschichte, die er in seinem Tell so meisterhaft gestaltet, und der Verfasser der Briefe über die ästhetische Erziehung hat nicht etwa einen achtungs- werthen und ausgedehnten Wissenshorizont, der nur hier und da etwas tiefer sein könnte, sondern er hat überhaupt nur einen »kleinen Vorrath' von stofflichem Wissem. Ja nicht nur einen »kleinen', sondern selbst nur einen»unendlich kleinen Vorrath'." Dann fährt Lassalle in gerechter Entrüstung fort:„Begreifen Sie nicht, Herr Schmidt, daß es heißt, den Respekt, den wir den größten Geistern der Nation schulden, bis zur unerlaubtesten Schamlosigkeit verleugnen, wenn Sie einen formellen und Positiven Gegensatz machen zwischen Schiller einerseits und ' ständen und bezieht sich auf die hergebrachte Empfindungsweise der Zeit. Solche Stellen sind es, welche Schillers Dramen �zuerst populär gemacht haben. Man hat sie ingder Knaben- zeit sich eingeprägt und dann so lange hin- und hergetragen, bis sie allen Gebildeten zum Ekel geworden sind, und wenn man dann den Dichter der Jugend lediglich aus dem Ge- dächtniß auffrischte, verfiel man wohl in den Wahn: jener phrasenhafte Idealismus sei das Charakteristische seiner Pression." Das sind herrliche Worte, Herr Falk, anerkenncnswerthe Worte, den Manen des großen Dichters geweiht, welche Sie gewiß berechtigten, Herrn Julian Schmidt in die Schillerkommission zu ernennen— darüber muß die deutsche Nation sich freuen! Lassalle allerdings ist anderer Ansicht, Lassalle, der selbst den größten Geistern Deutschlands zählt— er sagt zum Schlüsse seines Werkchens über die Literaturgeschichte des Herrn Schmidt besonders in Bezug auf das obige Citat über oder besser gegen Schiller: „Wenn ein Volk eine solche Versündigung an allen seinen edelsten und größten Geistern, wie sie in diesem Buch auf jeder Seite, von der ersten bis zur letzten, zu finden ist, von so jäm- merlichen, unwissenden, sinn- und gedankenlosen Buben erduldet, ohne diesen in jeder gebildeten Gesellschaft mit Entrüstung die Thür zu weisen, so verdient es seinen Verfall. Denn es zeigt dann die schmählichste Gleichgültigkeit und Theilnahmlosigkeit für alle geistige Größe der Nation." Merkwürdig, Herr Falk, Sie lieben die deutsche Nation, Sie lieben die großen deutschen Dichter, Sie lieben die Männer, die mehr Siege gegen„Rom" erfochten haben, als Sie selbst, Herr von Bismarck und alle jetzigen„Kulturkämpfer" und doch ernennen Sie den Herrn Julian Schmidt in die Schillerkommission, den Mann, der die wahren großen deutschen Kulturkämpfer in den Koth zu ziehen sich bemüht? Sagen wir noch eins. Die Schmidt'sche Literaturgeschichte hat in Bezug auf Schiller auch auf unseren Schulen, bei Lehrern und Schülern, einen„destruktiven" Einfluß gewonnen. Wir wissen, daß die Secundaner auf den Gymnasien schon mit einer souveränen Verachtung von Schiller sprechen, daß die Lehrer vielfach Schiller einen einseitigen Idealisten nennen und schon der Jugend, die Schiller übrigens einmal noch nicht zur Hälfte verstehen kann, den vielseitigen Göthe oder den genialen Heine empfiehlt. Wir find große Verehrer von Göthe und Heine, aber nicht minder von dem„einseitigen Idealisten" Schiller, dessen gewaltige und erhabene Freiheitsgesänge, zum Himmel aufstürmend, den Geist der Jugend läutern und das Herz des Mannes er- wärmen. Leider aber liefet die durch die„Julians" hochmüthig gewor- dene Jugend Schiller entweder gar nicht oder doch nur so ober- flächlich, wie Julian Schmidt selbst— Schiller bietet ihr ja nichts Reales. Und später raffen st ch nur wenige Männer auf, um in gewissenhafter Weise Schillers unsterbliche Werke zu studiren. Der Kultusminister Dr. Falk muß den demoralisirendcn Einfluß solcher elender Machwerke, wie die Julian Schmidt'sche Literaturgeschichte eins ist, kennen, der Kültusminister Dr. Falk muß die deutsche Jugend vor solchem Einfluß schützen, deshalb ist es nicht gut, wenn er den Verfasser eines Machwerks, welches viel schlimmere Einwirkung ausübt, als alle Sudelromane zusammengenommen, da es durch die Lehrer in die Schulen dringt, zu einem Vertrauensposten beruft; es ist auch deshalb nicht gut, weil das Andenken Schillers selbst darunter leidet.— Die deutschen Studenten erlassen jetzt vielfach Adressen an Dr. Dühring in Bezug auf die schwebende Disziplinaruntcr- suchung— wir sind mit diesen Adressen voll und ganz einver- standen; ebenso wichtig aber ist es, daß die deutsche studi- rende Jugend sich wie ein Mann erhebt, um auch in einer Adresse den preußischen Kultusminister Falk zu ersuchen, die Ernennung des Herrn Julian Schmidt in die deutsche Schiller- kommission rückgängig zu machen und zwar im Interesse der deutschen Jugend und des deutschen Volksgeistes. Die deutschen Arbeiter würden einen solchen Schritt mit hoher Freude begrüßen, sie würden eingedenk sein der durch Lassalle besonders betonten Allianz: Die Wissenschaft und die Arbeiter! .Aus einem unendlich kleinen atte Schiller eine sehr vielseitige Welt- den Kundigen andererseits. Vorrath des Stoffes ho anficht gewonnen, die selbst die Kundigen zuweilen durch ihre Wahrheit überraschte.' Schiller wird also in einen posi-! a..--■ Schiller geniale tit)en_ Gegensatz zu den»Kundigen' gebracht; wird formell den Unkundigen eingereiht!" Nicht wahr, Herr Falk, Dr. Julian Schmidt ist 1) ein »Kundiger", 2) ein„Anständiger" und 3) ein„Verehrer" der edelsten und besten Männer deutscher Nation, deshalb gehört er auch in die Kommission„zur Vertheilung des Schiller- Preises." Doch nicht genug. Mit solcher kleinen Schmähung des großen Dichters läßt sichs ein Herr Julian Schmidt nicht ge- nügen. Ueber Schiller sagt er(Band l., S. 336) noch folgendes: "Der Idealismus, der die Wirklichkeit nicht achtet, schwärmt immer ins Blaue, er entfernt sich von den individuellen Zu- Menschenrechte und Demokratie. i. Motto: Aber wenn Du gar nichts hast, Ach, dann lasse Dich begraben; Denn ein Recht zu leben, Lump, Haben' nur, die etwas haben. Heine. Wo das Recht zu leben zu Grunde geht, da hören alle Rechte auf; die bestehende Gesellschaft aber spricht es immer offener aus und handelt stets mehr im Sinne des obigen Motto Heinrich Heines, daß sie nur den Besitzenden ein Recht zu leben zugesteht. Die traurige Thatsache, daß Selbstmorde aus Hunger, und daß Hungertod, schleuniger wie langsamer, er- schreckend häufig sind und immer häufiger werden, und daß die Pflicht, dem zu steuern, immer ungenügender erfüllt, ja immer weniger anerkannt wird, dieser Schandfleck unseres Jahrhun- derts beweist, daß Recht ohne Macht ein leerer Schall ist, und daß unter allen Umständen kein Recht vorhanden ist als das- jenige, welches man zu erzwingen die Macht hat. Die söge- nannten natürlichen, angebornen, unveräußerlichen Menschen- rechte, welche Rousseau erfand, indem er alle Menschengemem- schaft auf dem Wege des Vertrags entstehen ließ, und welche die amerikanische Unabhängigkeitserklärung zuerst verbriefte, sind vollständig nur innerhalb einer Gesellschaft vorhanden, welche jedem Einzelnen die Macht sichert, sie für sich durchzusetzen— und eine solche Gesellschaft hat es noch nie gegeben— nur An- läufe dazu; sie soll erst, und zwar von der Partei der Arbeit, hergestellt werden. Diese Einbildung, daß Rechte mit dem Men- scheu geboren werden, hat anfangs viel Gutes gewirft; sie hat seit mehr als hundert Jahren die um ihre Freiheit und Würde ringenden Klassen mit Muth und Begeisterung erfüllt. Seit lange aber schon ist sie überwiegend schädlich geworden, weil Leute, deren Rechte verbrieft sind ohne gleichzeitige Gewähr der Machtmittel zu ihrer Behauptung, gar leicht sich an der Ein- bildung ihrer Rechte genügen lassen und den steten Kampf um dieselben einstellen, so daß ihnen am Ende mit den letzten Spuren der Macht auch die letzten Rechte entzogen werden können. Ganz besonders bewährt sich dies in sogenannten con- stitutionellen Ländern, wie Großbritanien und die Union, in welchen die arbeitende Mehrzahl des Volkes von ihren poli- tischen Rechten so wenig oder so schlimmen Gebrauch macht. Der Ursprung alles Rechtes ist in der rohen Gewalt zu suchen, welche der Wilde gegen den versklavten Feind oder G'e- nossen, der Eroberer an den Kriegsgefangenen, Unterworfenen, der faustrechtliche Wegelagerer am Wehrlosen, der Mann am schwächeren Weibe übt. Die Schwachen, im Gefühl davon, daß Widerstand nutzlos ist, erkennen stillschweigend das Recht des Gewaltherren an und lernen die Pflicht des Gehorsams. Dieses ursprünglichste Recht ist anfangs nicht verbrieft, wird dies erst weit später.— Es folgt in der Entwicklungsreihe der ebenfalls noch ungeschriebene, blos gewohnheitliche Rechtszustand des com- munistischen Hirtenlebens, welcher auch im Anfange des Acker- baulebcns noch andauert. Die einzelne Gemeinschaft ist eine erweiterte Fumilie mit gleichem Antheil aller Erwachsenen am Stammesbesitz, gleichen Genüssen, aber schon einigermaßen ge- theilter Arbeit; das Stammesoberhaupt ist ein Patriarch, d. h. um seines Ansehens willen erwählter Wächter und Vollstrecker des Gesammtwillens, welcher letztere allein das Recht schafft. Hier ist mit fast völliger Gleichheit der Macht eine ebenso große Gleichheit des Rechtes und der geschichtlichen Kehrseite gesetzt. Die wilde Kriegs-, Eroberungs- und Zerstörungswuth der meisten Hirtenvölker aber vermehrt die Zahl der Sklaven und geraubten Weiber und macht deren Entrechtung immer grau- samer, bis sich große Gewaltstaaten bilden, in welchen der Wille eines unbcschräntten Herrschers allein Gesetz und Recht bildet und umbildet, während die Stammcsgenossen den feudalen Waffenadel bilden, welcher über kleinere Landschaften seinen Willen insoweit zum Gesetz macht, als er nach oben und unten hin Macht behält. Auch hier ist von geschriebenem Gesetz nicht die Rede, sondern höchstens von forterbenden Rechtsgewohn- heitcn, nach welchen die Herren allein das Recht, die Unter- worfencn allein alle Pflichten haben, im Ganzen aber Alle außer Einem ziemlich gleich rechtlos sind. Der Anfang eines wirklichen Rechtszustandes erfolgt— aber blos bei den von Natur meistbegünstigten Völkern, in den De- nioftatien. Die immer weiter getheilte Arbeit erweckt in weiten Kreisen der Beherrschten das eigene Denken; die wachsende Ge- schicklichkeit und Wichtigkeit des Einzelarbeiters für das Ganze belebt das Selbstbewußtsein und den Muth; die über den todten Stoff erfochtenen Siege stärken die Willenskraft. Der durch Tauschhandel erworbene Wohlstand will vor den Uebergriffen Anderer und der Staatsmacht geschützt sein. Man erinnert sich der alten Gleichberechtigung und der gleichen Macht Aller im Hirten- und ersten Ackcrbauleben, und die Gewaltherrscher wer- den hier und da abgeschüttelt, um jene Urzustände wiederherzu- stellen, zunächst in Form rechtlicher Gewohnheiten, welche von der Gemeinde zum Rechtsprechen befestigt, aber erst später nieder- geschrieben werden. Alles in Allem genommen machen die De- mokratien den menschlichsten Theil der Geschichte aus. Wenn man aus dieser alle Blätter herausschneidet, welche von den hellenischen Demokratien, der römischen Republik, den mittel- alterlichen Volksherrschaften der Bauern und Städte in Italien, der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden, sowie von der nordamcrikanischen und neuschweizerischen Republik handeln, so bleibt sehr wenig zurück, woran ein gesunder Verstand und ein wohlmeinendes Herz sich erfreuen können; ja, selbst dieses We- nigc ist in seinem Keime aus dem Beispiele der Demokratien herübergeerbt. Allein trotzdem tragen diese Demokratien Selbst- Widersprüche in sich, an denen sie kranken und zugrundegchen, indem sie aus einer Herrschaft Vieler in Gesetzgebung und Ge- setzvollstreckung in eine Herrschast von stets Wenigern und zuletzt von Einem umschlagen. Es ist hauptsächlich der Widerspruch des Namens gegen das Wesen der Volksherrschaft daran schuld. Das Volk sind nicht alle Erwachsenen, sondern im besten Falle nur die erwachsenen Männer von einem>villkürlich festgesetzten Altersjahre an, und nicht die Frauen; gewöhnlich aber unter weitcrn Beschränkungen auf Abstammung, Vermögen, Hausvaterschaft, Arbeitszweige w. Das Recht, weil auf alte Zeiten zurückgeführt, gilt als ver- crbtes, die Naturmacht als Urgesetz. Der Mensch ist entweder noch gar nicht entdeckt, oder blos im Bürger vertreten. Die Staatsmacht, im Gesetz verkörpert, ist heilig und vergewaltigt den Einzelwillen bis zur Ohnmacht. In der That also be- herrscht nicht jeder Einzelne sreiwillig sich selbst, um jeden An- dern zur gleichen Pflicht zu bestimmen, sondern die anfangs noch� große Zahl der Bürger beherrscht als Gesetzgeberin und Klasse die nicht gleichberechtigten Klassen und beugt sie unter ihren Gesammtwillen; und um dem Gesetze seine Heiligkeit zu bewahren, beobachtet es auch jeder Einzelne aus der Herrscher- klaffe, bis er durch wachsende Macht das Gesetz beugen lernt. Die Macht aber vertheilt sich ungleich in wachsendem Maße, weil von Nawr die Menschen ungleich sind, und da ihr Gebot für unumstößlich gilt, das Absehn also noch nicht darauf ge- richtet sein kann, die Gleichheit künstlich, durch um so bessere Erziehung, je schwächer die Naturgabe erscheint, herzustellen. Es wird vielmehr Jeder für die Klasse erzogen, �in welcher er geboren ist, und nur seltene Gunst der Verhältnisse vermag diese Schranken zu durchbrechen. Und sobald sich die Geistes- und Eigenthumsmacht auf Wenige vereinigt hat, wird diese angeb- liche„Volksherrschaft", was sie schon in der Anlage war, eine Herrschaft Weniger, zuletzt eines Einzigen. � Noch längere Zeit bestehen die alten Formen der Volksherrschaft, aus denen alles Wesen gewichen ist, und die Gesetzgebung und Rcchtsgelehrsam- keit wird absichtlich immer künstlicher und verwickelter, um die Volksmassen durch den Schein des Rechts für den Verlust seiner Wohlthaten zu begütigen. Unsere Geschichts-Professoren freilich stellen das Wesen der Demokratien auch als widerspruchsvoll und selbstvernichtend dar, aber aus einem ganz andern Grunde als wir und unter Ent- stellung der Thatsacheu. Nach ihnen zehn sie deshalb zu Grunde, weil anfangs nur die allzeit kleine Zahl der durch Ver- mögen und Bildung am Gedeihen des Staates durch eine lang- sam fortschreitende Entwicklung interessirten Bürger herrscht; während später eine immer wachsende Zahl neidischer Bürger sich die Theilnahme an der Macht erringt und, da sie nichts zu verlieren und darum keine Weisheit hat, sich von gewissenlosen Demagogen verleiten läßt. Aber die Thatsachen sprechen umge- kehrt. Wenn wir von der geschichtlich nicht genug beglaubigten Vorzeit absehen, so fällt die Glanzperiode Athens zwischen 510 und 430 v. Chr., also in eine Zeit ziemlich gleich vertheilten Besitzes, ohne eigentlichen Reichthum, in welcher die vielen stimmberechtigten Bürger, wachsam gegen alle irgendwie ausge- zeichneten Mitbürger, zuhause mit Arbeit und Staatsangelegen- heiten sich beschäftigten, während mit dem wachsenden Reichthum und zunehmender Eroberung und Sklavenmenge seit Perikles sie sich der Arbeit entwöhnten', auswärts auf Eroberungskriegen dienten und daheim eine kleine Anzahl Demagogen und Groß- kapitalisten sich ausbilden ließen, welche, mit auswärtigen Fein- den gegen das eigene Volk verschworen, eine wachsende Masse Schutzbürger, Verarmte, Invaliden, heruntergekommene Talente, freigelassene Sklaven u. s. w. nach ihrem Willen lenkten und die ärmeren Bürger einschüchterten und verelendigten. Ganz ebenso in Rom, das kurz vor und nach 300 v. Chr. durch seine welt- bekannte Bürgertugend groß wurde, aber durch sein beispielloses Erobererglück und rasch wachsenden Reichthum die frühere Wachsamkeit der Volksmassen erlahmen sah. Die Bürger waren als Krieger allermeist auswärts beschäftigt, um durch Plünde- rung fremder Völker reich zu werden, und die Volksversamm- lungen wurden zum Possenspiel, die ungeheure in Rom ange- sammelte Masse der Nichtrömer und Nichtbürger eine bequeme Waffe der einigen Tausend reicher Räuber am Volksvermögen. Mit dieser Waffe wurden alle wahren Volksfreunde im Schach gehalten, und die wohlmeinenden beiden Gracchen ermordet, welche eine unabhängige Bürgerschaft durch Ansiedelung ausge- dienter Soldaten wiederherstellen wollten, aber so unklug waren, in der Hauptstadt zu bleiben, anstatt bei ihrer in den Anfiede- lungen großwachsenden Volksmacht. Und nicht anders mit der Schweiz, welche fast nur gleichberechtigte und mäßig wohlhabende Bürger zählte, als sie Habsburg und Burgund demüthigte und ihre uralte Demokratie rettete. Da aber ihre Jugend massen- Haft als Lanzkncchte ini Dienste vieler fremden Gewaltherrscher Gold und Ruhm suchte, sank die große Masse der freien Eigen- thümer trotz, oder eben wegen mehrer unglücklicher Aufstände zu Sklaven der städtischen Geschlechter herab, welche große Reich- thümer und alle Demagogenkünste monopolisirt hatten, und fran- zösische Heere waren nothwendig, um dieser Schmach ein Ende zu setzen(1797—1800). Und ähnliche Beispiele könnten wir häufen. Gewiß, die Demokratien sind bisher immer wieder in die Oligarchie und Monarchie zurückgesunken, aber der innere Wider- spruch, woran sie zugrunde gingen, war, daß sie dem Verderb- lichen Einflüsse des Rcichthums(des Privateigenthums) und der Sklaverei nicht widerstehen konnten, weil ihnen der zufällige Bürger, aber nicht der Mensch als solcher, der stets fortschritt- liche, naturbewältigende, höchst erzogene, ganz sich selbst be- stimmende, nicht als Ausgangspunkt und Ziel galt. Und der Monarchie, welche sie auf angegebene Weise verherrlichen wollen, stellen die Geschichtsfälscher ein trauriges Zeugniß aus. Denn in dieser' gilt weder der Bürger, noch der Mensch im ange- An vr. Eugen Dühring.*) Nein, nimmermehr und nimmermehr Vergißt, wer Wahrheit liebt und Recht, Daß ihm des Geistes starke Wehr Verlieh'n zu heiligstem Gefecht. Brandmarken muß er, zum Gericht, Die Lüge, wo er sie erblickt, Damit das Unkraut wuchernd nicht Des Lebensbrodes Keim erstickt. Nein, nicht mit sanftem Lispeln spricht Zum Unrecht, wer das Recht begehrt, Weil seiner Sendung große Pflicht Ihn kämpfend Bahn zu brechen lehrt. Dem Stoße bietet er sich dar, Ein Geistes-Winkelried, daß frei Der Wahrheitskämpen edler Schaar Zu Sturm und Sieg die Gasse sei. Die heuchlerische Maske reißt In heil'gem Zorne seine Hand Vom Angesicht dem Lügengeist; Er hebt der Wahrheit Fackelbrand; Er zeigt, wie knechtisch, stumpf und breit Sich streckt der Selbstsucht träger Sinn, Und weist von dieser Nichtigkeit Auf das, was groß und ewig, hin. So hast auch Du den Streich gewagt, Du, Denker, Lehrer, Geistesheld, Den jetzt der Rache Zahn benagt, Des Hasses Meute frech umbellt; So hast in heil'gem Kampfesglüh'n Die edle Brust Du Tag um Tag Für höchste Menschheitsgüter kühn Geboten ihrer Feinde Schlag. Und horch, nun regt sich überall Des Rechtes Stimme; weit und breit Ertönt ihr stolzer Widerhall, Der Dir des Dankes Opfer weiht! *) Ein süddeutscher Student hat uns vorstehende Berse zur Ver- öffentlichung eingesandt. führten Sinne, und deswegen schafft sie sich noch häufiger als die Demokratie selbst ab und mündet wieder in die letztere, welche wenigstens schließlich einmal überall ihre angeerbten Selbstwiderspräche aufheben und dann keinem Untergange mehr ausgesetzt sein wird. Dies aber kann nur geschehen, wenn aus dem Rechtsstaate ein Gerechtigkeitsstaat, aus dem Privateigen- thum an den Arbeitsmitteln Gesammteigenthum, aus dem Ar- beitsertrag allein Privatbesitz, und jedes Recht nicht blos durch die Schrift, sondern durch die Macht des Besitzes und der Er- ziehung für Jeden verbürgt wird. Sozialpolitische Ueberstcht. — Unsere Gegner zerbrechen sich noch immer die Köpfe, auf welche Weise der sozialistischen Agitation— der„auf's Neue vordringenden Sozialdemokratie", wie der„Hamburgische Correspondent" sich ausdrückt— am besten entgegengewirkt wer- den könnte. Di-„National-Zeitung" z. B. schlägt zur erfolg- reichen Bekämpfung der Sozialdemokratie die Vereinigung aller liberalen Elemente vor, indem sie sich also ausläßt:„Als die Aufgabe, in der wir nach bescheidenen Kräften zu arbeiten uns berufen halten, erkennen wir es, den Boden vorzubereiten, auf dem eine liberale Gesammtpartei sich sammeln kann. Auf einer solchen Parteibildung ruht unsere Zukunft, ruht die Möglichkeit gesicherter verfassungsmäßiger Entwicklung. Wir glauben, daß die Elemente zu solcher Parteibildung vorhanden sind, wir sind ketzerisch genug, anzunehmen, daß die liberalen Wähler nicht erb- und eigenthümlichen fortschrittlichen, nationalliberalen, libe- ral-conservativen Parteihäuptern verschrieben sind, daß die libe- ralen Wähler vielmehr über ihre gemeinschaftlichen Gegner im radikalen und reaktionären Lager nicht zweifelhaft sein können. Unter diesen Umständen ist uns unser Verhalten klar vorgezeich- net; wir appelliren von einem kleinlich egoistischen, verhetzenden Cliquenwesen an die große liberale Wählerschaft. Und selbst wenn heute dieser Ruf noch nahezu ungehört verhallt, der Tag wird kommen, wo er durchdringt, denn er hat die mächtigste Unterstützung an Thatsachen, wie die sozialdemokratischen Wahlen, die unausgesetzt predigen und nach und nach die verstocktesten Ohren öffnen werden. Wie sollte aber unser Ruf zur Einigung Beachtung finden, wenn wir selbst mit den Waffen der Zwie- tracht, nur um der Zwietracht willen kämpften!" So, nun ist die Aufgabe, wie der Sozialdemokratie der Gar- aus gemacht werden kann, gelöst— es ist die Bildung einer „liberalen Gesammtpartei"— vulgo reaktionären Masse. Wir find's zufrieden. Es haben uns bekämpft und bekämpfen uns noch alle Elemente, die an der Erhaltung der bestehenden Zustände ein Interesse haben. Vereinigen sich diese Elemente, um so besser für uns, dann kommt Klarheit in die Situation und alle Diejenigen, deren Interesse eine Aenderung der bestehenden sozial-politischen Verhältnisse gebieterisch fordert, werden unter die Fahnen der Sozialdemokratie eilen. — Billig und schlecht— das berühmte Wort des Pro- fessors Reuleaux— hat wieder einmal eine höchst eigentümliche Illustration gefunden, die der deutschen Industrie nicht zur Ehre gereicht. Der Kaiser von Deutschland hat vor einiger Zeit seinem kaiserlichen Bruder von Fez(dem Kaiser von Marokko) sein Bild verehrt. Die„Kölnische Zeitung" schreibt hierüber: „Das Bild selbst, eine Copie des Winterhalter'schen Por- träts, imponirte sehr. Den Rahmen dagegen dürften selbst die Marokkaner etwas ärmlich finden, abgesehen davon, daß die technische Einrichtung und der Zustand einzelner Theile desselben fast unter marokkanischer Kritik standen. Damit hat die Ver- waltung, durch deren Hände dieser Theil der Geschenke gegangen ist, in der That wenig Ehre eingelegt. Und leidiger noch sah es mit dem Album-Kistchen aus, dessen Verfertiger wohl hoffentlich nicht die Absicht gehabt haben wird, den bösen Ruf, in dem die deutsche Industrie leider vielfach steht, bis über den Nordwesten von Afrika auszudehnen. Ein auf den Deckel mit zwei Nägeln angenietetes Schild fand sich trotz der vortrefflichen Verpackung abgebrochen vor. Die auf dem Boden und im Innern zum Em- porheben der Photographien angebrachte Seidenschnur war zer- rissen. Aber schlimmer als das war die Nachlässigkeit derArbeit und Zusammensetzung, infolge deren eine der emaillirten Leisten auf der Außenseite des Deckels krumm, und der Anschluß der vier, ein Rechteck bildenden Leisten so mangelhaft war, daß die Lücken bequem je ein schwedisches Zündhölzchen hätten aufneh- men können. Eine solche Unsolidität, die sich selbst an Ge- Ihr Dank bringt auch dies Lied Dir dar, Das freudig jauchzt, wie nun erst recht Vor aller Welt wird offenbar, Daß man noch ehrt, was groß und echt. Ja, treuer Kämpfer, nicht allein Stehst Du in diesem Geisteskrieg; Sieh Tausende sich zu Dir reih'n Im Ringen nach des Guten Sieg! Du hast gesät, und herrlich reist Dem Erntetag die edle Saat. Auf, Schnitter, auf, die Sensen schleift: Schon wird es Licht: Die Freiheit naht. E. B. Johann Elmer*). Ein merkwürdiger Roman das. Der Verfasser— hinter dem Pseudonym Karl Schönburg verbirgt sich ein, trotz seiner Jugend bewährter demokratischer Schriftsteller, der auf dem besten Weg ist, Sozialdemokrat zu werden— setzt sich in diesem Roman mit der Religion auseinander, die ihm offenbar viel zu schaffen ge- macht hat. Er thut es gründlich, wie jeder nicht oberflächliche Mensch es thun muß— gründlich mitunter bis zur Langweilig- keit. Es ist ihm so ernst mit den Fragen, die er behandelt, daß er nicht von ihnen ablassen kann. Und der Leser, der diese Kämpfe schon hinter sich hat, und manchmal das Buch weglegen möchte, fühlt sich immer wieder magnetisch angezogen durch den tiefen Ernst, der aus jedem Wort spricht. Johann Elmer, der„Held" des Romans, wird in einer kleinbürgerlichen protestantischen Familie protestantisch und klein- bürgerlich erzogen. Niemand, er selbst am wenigsten, zweifelt, daß er das„rechte Kind" des braven Elmer'schen Ehepaares sei. Es sind aber nur seine Pflegeeltern: er ist das Kind eines hochbegabten katholischen Geistlichen, der in seiner Kirche refor- matorisch wirken zu können glaubte, jedoch an dem„rocher de bronze-— dem ehernen Fels scheiterte, und vermittelst seiner, den Vorgesetzten nicht verborgen gebliebenen„Jugendsünde" zu einem gefügigen Werkzeug dresfirt wird. Er muß seinen fünf- zehnjährigen Sohn, der von dem Verhältniß zu ihm natürlich *) Johann Elmer. Roman von Karl Schönburg. Hannover, Karl Rümpler. 3 Bände. �schenke von Kaiser zu Kaiser hinanwagt, verdient in der That an den Pranger gestellt zu werden." Das sagt die reichstreue„Kölnische Zeitung". Was sollen wir hinzufügen? Höchstens, daß vor tausend Jahren die„In- dustriellen" des Morgenlandes anständiger waren, als jetzt die deutschen Industriellen. So war die Spieluhr, welche Harun Al Raschid Karl dem Großen schenkte, ein Meisterstück der Kunst und der Arbeit.— Wenn die Hast so groß ist, Geld und Gut zu erwerben, wie bei uns in Deuffchland, so daß das geflügelte Wort vom„Zuchthaus streifen" dadurch entstanden ist, wie kann man dann solide und kunstvolle Arbeit verlangen. — Den Regierungen zur Nachahmung empfohlen. Die Gothaer Regierung hat die Vorstände der Volksbibliotheken veranlaßt, die Schriften: Harkort's„Arbeiterspiegel", ' die Rathenower Flugblätter:„Was sollen und können die So- zialdemokraten?" und„Was thut dem Arbeiterstande heut zu Tage noth?" sowie„Jn's Schlaraffenland mit den So- zialdemokraten"— anzuschaffen und möglichst unter die Leute zu bringen. Auch hat dieselbe Behörde die Anschaffung der Werke über Sozialdemokratie von Schuster, Schäffle(!), Martensen, Oschwald und Mehring für die Kirchenbibliotheken jeder Gemeinde, zunächst zum Studium für die Geistlichen und Lehrer, anempfohlen.—)Es fehlt nur noch die Rede Eugen Richter's, dann hat der Leser eine Auswahl von Schmutzbro- schüren, die nicht besser sein kann und die ihm einen gründlichen Ekel vor den Gegnern der Sozialdemokratie einflößen wird.— Wie aber Schäffle in diese Gesellschaft hineingerathen ist, das ist uns unbegreiflich. Nun, seine Schrift wird den Ekel gegen die übrigen Schriften noch vermehren und jedem anständigen Leser Aufklärung über den Sozialismus schaffen. Die eine weiße Krähe unter den schwarzen sticht um so glänzender ab und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. — Die Verfälschung der Lebensmittel. In Nr. 72 des„Vorwärts" theilten»vir mit, daß vor Kurzem in Darmstadt eine Conferenz von Aufkäufern der berüchtigten„Sumpf- pflanze" Herbstzeitlose stattgefunden habe, und daß dieses, bekanntlich sehr giftige Unkraut, das in neuerer Zeit ein ge- suchter Handelsartikel geworden ist, zur Verfälschung des Biers(als Surrogat für Hopfen) gebraucht werde. Wir hatten unsere bezüglichen Mittheilungen einer redaktionell beglaubigten Lokalnotiz der in Darmstadt erscheinenden„Neuen Hessischen Volksblätter" entnommen. Begreiflicherweise ist diese Enthüllung den Herren Bierfabrikanten nicht angenehm. Jndeß konnten sich doch nur solche getroffen fühlen, die wirklich mit Herbst- zeitlosen verfälschen, und daß diese die Wirkungen der unwill- kommenen Mittheilung abzuschwächen suchen würden, war vor- auszusehen. Aver nicht vorauszusehen war, daß zu den sich getroffen Fühlenden der Vorsitzende des deutschen Bier- brauerbundes, Herr F. Henrich in Frankfurt a. M., gehören würde. Und doch ist dem so. Herr Henrich hat eine öffentliche Erklärung erlaffen, in der er die„ganze Sache" in Abrede stellt und so weit geht, zu behaupten, der Redakteur der„Neuen Hessischen Volksblätter" selbst habe zugestanden, daß an der Herbstzeitlosen- Conferenz„kein wahres Wort, daß Alles erfunden sei". Nun erklärt aber seinerseits der Re- dakteur der„Neuen Hessischen Volksblätter", Herr Rudolph Ramspeck, unter Anführung von Beweisen und Zeugen, daß an Allem, was Herr Henrich geschrieben,„kein wahres Wort, daß Alles erfunden", und beweist, daß die Herbstzeitlosen- Conferenz allerdings stattgefunden hat. Damit wäre Herr Henrich abgethan. Und der Erfolg seines unklugen Sich- einmischens? Daß nicht nur die Existenz der Biervergiftung durch Herbstzeitlosen festgestellt, sondern auch der angeblich neben seinen übrigen Zwecken für die Produktion eines nabr- haften, reinen Biers wirkende„deutsche Bierbrauerbuno" in die faule Geschichte mit hineingezogen ist. — O welche Lust u. s. w. In Dresden hat sich vorige Woche ein Gardereiter von einer Lokomotive überfahren lassen, binnen acht Tagen der dritte Soldatenselbstmord in dortiger Garnison. Nr. 1 tödtete sich„vermuthlich aus leichtem Liebesgram", Nr. 2„aus unbekannten Gründen", Nr. 3(der sich dem„vermuthlich" und den„unbekannten Gründen" der Herren Zeitungsschreiber nicht aussetzen wollte) laut bei der Leiche gefundenem Zettel:„wegen schlechter und unerträglicher Behandlung seitens seiner Borgesetzten."„Ei, nicht unterrichtet wird, ins Haus nehmen, um ihn aus den Krallen des Protestantismus zu retten, und zu einem würdigen Streiter der ecclesia militans zu erziehen. Ersteres gelingt scheinbar— durch allerlei jesuitische Kunststücke wird der feurige Jüngling für den Katholizismus begeistert und zum Uebertritt bewogen. Doch nun hören auch die Bekehrungserfolge auf. Im Garten des Nachbarhauses, das an den Garten des„Dom- dechanten" grenzt, sieht Johann Elmer die schöne Elsa, des Bankiers Tochter. Ein Liebcsverhältniß entspinnt sich. Eine Zeitlang geht Alles gut— bis die Mutter Elsa's hinter das Geheimniß kommt. Die Tochter des reichsten Bankiers den Soho eines lumpigen Kleinbürgers Heirathen— unmöglich. Der SturM bricht los— allein die Liebenden trotzen ihm, obgleich man sie gewaltsam auseinanderreißt. Es kommt zu weiteren Konflikte« Johann's mit dem Domdechanten. Johann will entfliehen, die Flucht mißlingt, eine heftige Szene, die ohne das Dazwischen- treten der Haushälterin vielleicht zu einer Katastrophe geführt hätte, erfolgt zwischen Johann und dem Domdechanten. Beide sind aber„geschiedene Leute". Johann wartet nur auf die Ge- legenheit um das Joch zu zerbrechen und sich eine selbftständige Existenz zu schaffen. Da wird der Domdechant aufs Kranken- lager geworfen, das sein Sterbelager wird. Der Tod versöhnt. Johann wird ans Bett des Sterbenden gerufen. Dieser, schon mit dem Tod ringend, will Johann etwas mittheilen; die Sprache versagt ihm; er will schreiben— die Hand ist zu schwach. Mit einem sonderbaren, unendlich zärtlichen und schmerzhaften Blick auf den rebellischen Schüler fällt er zurück und fem Mund ist für ewig versiegelt. Die Haushälterin, in Schmerz aufgelöst, umfaßt Johann und offenbart ihm, daß der Todte sein Vater, sie seine Mutter.-- Jetzt ist ihm so Vieles klar, was ihm bisher räthselhaft gewesen. Doch er hat nicht Zeit zum Hm- brüten. Nachdem er die Pflichten des Bluts erfüllt, geht er daran, sich eine bürgerliche Stellung zu gründen. Er wird Lehrer. Mit der Religion ist er fertig— die politischen und sozialen Mißstände drängen sich ihm auf.— Das Verhältniß in» Elsa, die treu bleibt, verursacht ihm viele Gewissensskrupel. „Elsa ist reich, sagte er sich, ich bin arm. Geht bei dies# Ungleichheit nicht meine Selbstständigkeit verloren? Werde iw nicht in Verbindungen hineingezogen, welche absichtlich zu suche« nicht hochsinnig ist? Darf ich mich unter die Hohen aufnehme« lassen, uni den Niederen untreu zu werden? Werde ich in ein# fremden Luft noch mein frisches Herz behalten oder wird es verdorren? Wird meine Hand um so offner sein, je mehr si� dieser Einfaltspinsel", wird unser Viktor denken,„warum hat er sich nicht an richtiger Stelle über seine Vorgesetzten beschwert?" Wo, lieber Viktor? Bei den Vorgesetzten über die Borge- setzten?— Viktor kratzt sich hinter den Ohren. Ich hab's! Der Kerl war kein Einfaltspinsel, ich Hab' ihm Unrecht gethan, er war ein Sozialdemokrat und hat sich blos„aus Bosheit" um- gebracht, um Haß und Verachtung gegen das herrliche Institut des stehenden Heeres zu erregen! Brav, Viktor! Bist ein Pfiffikus. — Aus Osnabrück erhalten wir eine leider anonyme Zu- schrist, in welcher behauptet wird, daß der in Stettin zu sechs Wochen verurtheilte Weinhändler T essend orf ein Bruder des Berliner Staatsanwalts sei. Ein anderer Bruder sei Direktor einer Aktienziegelei in Ueckermünde und dort dadurch bekannt, daß er mit semen Arbeitern auf sehr gespanntem Fuße stehe. Wenn die Angaben auf Wahrheit beruhen, so bedauern wir den Berliner Staatsanwalt lebhaft, weil, da er Rechts- und Arbeiter- freund(er will ja die Arbeiter aus den Fingern der demago- gischen Agitatoren erlösen) ist, die Anschauungen seiner eige- nen Brüder so sehr gegen seine Anschauungen gerichtet find. — Der Buchhändler Skrzeczek, der zum Zeugniß ge- zwungen werden sollte, ist am 3V. Juni aus der Haft entlassen worden. Die Entrüstung in Deutschland war allgemein, so daß dieselbe auch wohl das entscheidende Moment bei der Entlassung, die von Berlin aus verfügt worden sein soll, gewesen ist. — Unser hartes Urtheil über die Handlungsweise der Radikalen in Frankreich ist fast noch zu milde gewesen— man kann das richtige Wort gar nicht finden für solche Dummheit oder solchen Verrath— oder für beides zu- sammengenommen. Es erscheint uns jetzt fast wahrscheinlich, als ob die Herren der äußersten Linken ihr Mandat der materiellen Bortheile halber, die daran haften, um jeden Preis, ja um den Preis ihrer eigenen Ehre behalten wollen— deshalb dieser fchandvolle Compromiß. Man höre, wie ein großes Bourgeois- blatt, die„Wiener Presse", über die gegenwärtige Situation in Frankreich sich äußert: „... Die Sympathien Europas, so weit dasselbe der fort- schreitenden Civilisation zugcthan ist, stehen auf Seiten der vereinigten Republikaner, so lange dieselben eine feste Brustwehr gegen die Rothen und gegen die Schwarzen, diese unversöhnlichen Feinde der modernen Gesellschaft, bilden. Der Culturkampf zur Rettung der materiellen wie der geistigen Güter der Menschheit, der Kampf gegen die communistische Nivellirung wie gegen die klerikale lleberhebung muß von den Liberalen aller Nationen in geschlossenen Reihen zu Ende ge- kämpft werden." Aus diesen Worten leuchtet die Freude der Bourgeoisie aller Länder hervor, daß Louis Blanc, Viktor Hugo und die Radi- kalen überhaupt sich von Thiers und Gambetta in den einen großen republikanischen Bourgeoissack haben stopfen lassen. Wir wollen hoffen, daß das Volk von Paris den Sack wieder öffnen und in die geschlossenen Reihen der Bourgeois einige wirkliche Radikale, einige Communisten bei den nächsten Wahlen entsenden wird.— Man will in Paris wissen, daß der Sohn Napoleon's III. sich mit Donna Maria del Pilar, einer der Töchter der Königin Jsabella, verheirathen werde. Seine Mutter Eugenie, welche Empfehlungsbriefe vom Vatican hatte, soll bei ihrem Aufenthalt in Spanien die betreffenden Unterhandlungen geleitet haben. Bewahrheitet sich dies, so haben wir ein klerikal- bourbonistisch- bonapartistisches Bündniß, welches sich zunächst bei den Wahlen, und zieht das nicht, bei einem Staatsstreich den vereinigten Re- Publikanern entgegenstellen wird, und der Rest ist dann— Lulu's Reitpeitsche. — Wir erhalten folgende Zuschrift: Die türkische Re- gierung hat ein weiteres diplomatisches Rundschreiben erlassen, in welchem sie gegen die ebenso unmenschliche als feige Kriegführung der Russen zur See, als„gegen Attentate auf die Humanität und das Völkerrecht" protestirt, und die europäischen Kabinete ersucht,„davon Akt zu nehmen im Namen des öffentlichen Ge- Wissens". Die naiven Türken, die noch an's öffentliche Gewissen glauben! Die russische Kriegführung zur See besteht darin, daß sie friedliche Kauffahrteischiffe durch Mordmaschinen ü Ig Thomas in die Luft sprengen, ohne— wie dies das Völker- recht und die einfachste Menschlichkeit erfordert— vorher für zu geben hat? Werde ich dem Staate, den Mitmenschen mehr Dienste leisten, wenn ich mehr Mittel habe, es zu thun? Wird der Ertrag meiner Arbeit jm Verhältniß stehn zu den Zinsen ihres Vermögens? Werd"ich die Arbeit so lieben im Ueberfluß, wie ich sie liebte im Mangiil? Wird der Besitz nicht zu einem Gegenstand des Mißtrauens werden zwischen mir und ihr? Wird sie glauben, ihr Reichthum sei mir nichts gewesen, ihre Liebe Alles?---" Elsa weiß die Skrupel stets zu zerstreuen. Ucberredung, Zwang— nichts vermag sie dem Mann ihrer Wahl abwendig zu machen. Der„Makel" der unehelichen Geburt, der an Johann haftet, erschwert ihm sein Fortkommen. Die Gemeinde, in der er ge- boren, will ihn nicht als Bürger anerkennen. Das„Psaffenkind" Jiat keine Heimath. Er wird in die widerlichsten Prozesse um ein Bürgerrecht verwickelt. Kein Wunder, daß allmählich das Vaterland ihm verleidet wird. In Staat und Gesellschaft ist vieles faul. Der Gedanke der Auswanderung kommt in ihm auf. Lincoln, der Edle, der Gerechte, ist Präsident der Bereinigten Staaten geworden— den unterdrückten Sklaven dämmert die Sonne der Freiheit. Die südstaatlichen Barone empören sich gegen die Union— der Krieg zur Befreiung der Sklaven be- ginnt. Wäre es nicht herrlich, mitzukämpfen in dem Befreiungs- kämpf? Er spricht darüber mit seinem Freund, dem Sanitätsrath. „Ich halte es mit dem Norden, denn ich glaube, daß die Sklaven so gut wie wir ein Recht haben, freie Bürger zu sein." „Einverstanden. Woher sollten wir die Berechtigung ab- leiten, über einen anderen großen Theil unseres Geschlechts zu herrschen?- „Ich begreife nicht, warum diejenigen, welche auf ihr Christen- thum stolz sind, der Emanzipation der Sklaven nicht das Wort ttden. Diese gerade mußten doch verlangen, daß alle Menschen Bruder seien.» ..."Wenn die Christen endlich Menschen würden, dann, ja dann könnte die Gleichberechtigung Aller für sie keine Frage mehr fem. Es ist gerade die schwache Seite des Glaubens, den die Priester verkünden, daß 7x alle Arten von Tyrannei erlaubt, Gehorsam predigt und die Liebe mehr empfiehlt als gebietet. Da herrscht oft die rohe Gewalt, die gemeine Selbstsucht, die mäch- tige Niedertracht; ihnen sollen wir uns unterwerfen und die Schmach eines unfteien, kummervollen Daseins in der Hoffnung auf ein schöneres Jenseits sanstmüthig erdulden." die Rettung der Mannschaft gesorgt zu haben. Die Torpedo- Thaten der Russen auf der Donau sind auch höchst zweifelhafter Natur und sicherlich nicht heldenhaft, aber sie richten stch doch gegen Kriegsschiffe, und im Krieg, der nun einmal Massen- mord ist und bleibt, kommt es dem Feinde gegenüber auf ein Bischen mehr oder weniger Humanität nicht an. Ob man durch ein Sprenggeschoß oder einen Torpedo zerrissen wird, ist sehr gleichgiltig. Aber in neuerer Zeit sind die„Culturstaaten" doch übereingekommen— und in gewisser Beziehung war das un- leugbar ein Fortschritt—, die am Kriege nicht theilnehmende Civilbcvölkerung zu Wasser und zu Land möglichst zu schonen. Unter den Mächten, die für diese„Reform" mit am lautesten plädirten(freilich aus sehr egoistischen Beweggründen: Berhin- derung von Volkskriegen, Umgestaltung des Scerechts zum Nach- theil Englands u. s. w.), war Rußland, das sich für dieselbe ebenso sehr begeisterte, wie für das, gleichfalls durchgesetzte in- ternationale Verbot der Benutzung von explosiven Gewehr- kugeln, die im Körper des Getroffenen platzen.(Die großen Sprengkugeln— einschließlich der Torpedos—, die gleich ein paar Dutzend auf einmal in Stücke reißen, wurden, nach dem Sprichwort, daß man nur die kleinen Verbrecher hängt und die großen laufen läßt, von den internationalen Humanitäts- Commissären, deren heiligem Zorn nur die kleinen zum Opfer fielen, natürlich ebenso wenig belästigt, wie Stroußberg von Tessendorff.) Und dieses Rußland tritt jetzt in der Praxis so schamlos diese Grundgesetze mit Füßen, welche es in der Theorie, in Worten und auf dem Papier, so lebhaft befürwortet und in das sogenannte Völkerrecht hat einführen helfen. Sogenannt, sagen wir, denn es ist im Grund eine zwiefache Lüge: Weder „Recht" ist drin, noch etwas für die„Völker". Und die paar vereinzelten guten Bestimmungen, die ins Völkerrecht aufge- nommen sind,— nun, sie werden blos dann befolgt, wenn es den Mächtigen in den Kram paßt. Wenn nicht, nicht.„Macht geht vor Recht." Es ist das große Verdienst Rußlands, der Welt aü oeulos zu demonstriren, daß die gerühmte Cultur unserer Culturstaaten nur organisirte Barbarei ist, welche zeitweilig die Maske der Humanität trägt, dieselbe aber wegwirft, sobald sie unbequem wird. Und daß die Türken, die barbarischen, heidnischen Türken es sind, die dem kulturheuchelnden, christlichen Europa den Spiegel vorhalten und es im Namen des öffentlichen Ge- Wissens zur Scham rufen müssen*), das wäre der prächtigste Witz der Weltgeschichte, wenn's nicht gar so traurig und schimpf- lich für uns wäre. Da wir gerade beim„Thema" sind, sei noch hinzugefügt, daß die Russen es bei ihren Schießübungen ganz besonders auf die türkischen Hospitäler abgesehen haben. Was sie in dieser Beziehung vor einigen Wochen in Widdin geleistet— ein Cor- respondent der„Vossischen Zeitung" hat diese Greuelscene aus eigener Anschauung geschildert— ist am 25. Juni in Rustschuk weit übertroffen worden. Natürlich kommt es den russischen Humanitätsaposteln blos darauf an, auch den türkischen Kranken und Verwundeten die„Civilisation"— ä la Russe klar zu machen. Daß dem Experiment ein paar Dutzend der armen Teufel in ihren Betten von Mauertrümmern erstickt, von Spreng- stücken zerfetzt, von den Flammen geröstet werden— das läßt die„Culturmifsion" Rußlands nur in um so glänzenderem Licht erscheinen. — Das Bombardement von Rustschuck durch die Russen zeugt von der unmenschlichen Kriegsführung dieser Hu- manitätsstreiter. Die„Neue Freie Presse» schreibt Folgendes über das Bombardement:„Das Telegraphen- Bureau und ein Spital wurden zerstört. Es giebt viele Tobte und Verwundete in der Civilbevölkerung. Die Türken schössen, unterstützt vom Monitor„Hisper". vorzüglich, schonten aber Giurgewo und schössen nur die russische Dampfmühle und das Frachtdepot in Brand. Die unmenschliche Barbarei, mit welcher die Russen es vor Allem auf die Stadt und die Bevölkerung abgesehen haben, verdient die Brandmarkung vor ganz Europa. Dagegen haben die Türken in nicht genug anzuerkennender Weise auch gestern noch die feindliche Stadt Giurgewo möglichst geschont." *) Als Marat einst im Convent wegen einer Aeußerung von der Majorität mit dem Ruf: Zur Ordnung! überschüttet wurde, rief er dagegen: Ihr wollt, daß ich zur Ordnung gerufen werde? Ich rufe Euch zur Scham.(.Je voua rappelte a la pudeur.) Das wirkte. Europa gegenüber wird'S nicht wirken. „Wenn aber Alle wirklich die Nächstenliebe übten, dann würden wir auch alle glücklich sein." „Sagen wir lieber: wenn alle die Gerechtigkeit übten. Welches Unheil hat dieses Wort Liebe nicht schon angerichtet! Der Reiche glaubt, ein geringes Almosen spenden heiße durch Nächstenliebe sich auszeichnen; der Fürst hält ein gnädiges Lächeln für die Ausübung einer christlichen Tugend; der Blut- dürstige rühmt sich der Menschenliebe, wenn er einen ungerecht Verurtheilten begnadigt. Vom Rechte ist bei diesen nicht die Rede, nnd doch haben die Menschen nicht blos einen Anspruch auf Almosen(?), Herablassung(?) und Gnade(?), sondern ein Recht auf die Freiheit ihres Geistes und Körpers. Das Reich der Gerechtigkeit müßte mit der ganzen Jmmoralität aufräumen, welche sich hinter dem Schilde der Nächstenliebe versteckt. Die Gerechtigkeit muß unsere Parole sein. Mit ihr ziehen wir gegen die Heuchler der Liebe in den Kampf." „Sie wollen, daß auch die Neger in der Zahl der gleich- berechtigten Menschen mit inbegriffen seien? Ich habe die An- ficht aussprechen hören, diese Menschenklasse sei nicht im Stand, sich der bürgerlichen Rechte würdig zu erfreuen, ihre körperliche Anlage befähige sie nicht, einen bestimmenden Theil des Staats auszumachen. Ein großer Naturforscher, sagt man, habe diefe Behauptung ausgesprochen." „Agassi z— es wäre besser für ihn, er hätte diesen Aus- spruch nicht gethan, der seinen Ruhm verdunkelt. Angenommen, aber nicht zugegeben, daß dem so sei, wie er sagte, haben wir dann nicht doch die Pflicht, den Versuch zu machen? Geben wir einmal den schwarzen Menschen die Freihest, und sie werden sich von der niederen Stufe, auf der sie stehn, auf eine höhere erheben. Von wem stammen denn wir ab? Waren nicht auch unsere Ahnen Wesen, die erst im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende die Höhe der Kultnr erklommen haben, auf der wir jetzt stehen? Wie schön ist nicht das einfache Wort Abraham Lincoln's:„Die Menschen sollen nicht Herren und Knechte sein, denn alle Menschen sind zur Freiheit geboren."(Schluß f.) — Lulu II. Es ist wohl noch bekannt, daß Lulu dekorirt wurde von seinem Herrn Papa, weil er bei Saarbrücken einige Mitrailleusen aus sicherer Stellung abfeuerte. Nun ist der Sohn Des Großfürsten Nikolaus gleichfalls von seinem„erhabenen» Oheim, dem„Värerchen" aller humanen Leute, dekorirt worden, weil er zuerst bei einem Donau- überganz bei Simnitza den türkischen Boden betreten hat. Wie Augen- — Im Uebrigen ist vom Kriegsschauplatz nichts Neues zu melden. — Am 13. Juni tagte in Wien eine große Bolksversamm- lung, in welcher nach einem Referat Reinthals folgende Re- solution mit allen gegen 15 Stimmen angenommen wurde:„Die heutige Volksversammlung erklärt, daß die Bereinigung und das einheitliche Vorgehen aller österreichischen Arbeiter auf dem Bo- den eines gemeinsamen Programms die nothwendige Borbe- dingung für ein erfolgreiches Wirken der Arbeiterpartei bilde; sie erklärt deshalb ihre Zustimmung zu allen Bestrebungen, welche auf jenes Ziel hinarbeiten, insbesondere zu der Berstän- digung, welche auf Grund der Rücktrittserklärung Oberwinders zwischen den Vertretern der„Gleichheit" und des„Agitator" angebahnt wurde, und verwahrt sich gegen die von einzelnen erhobenen Bedenken eines Wiedereintritts Oberwinder's; sie spricht den Wunsch aus, daß aller Conflict in der Partei um persönliche Meinungsverschiedenheiten halber, die mit dem sozia- listischen Programme nichts gemeinsam haben, aufhören, und daß alle jene, welche mit einzelnen Punkten der Vereinigung nicht einverstanden sind, im Interesse der nothwendigen Einigkeit der Arbeiterpartei, auf spezielle Einwendungen verzichten und voll und ganz für die Sache der Arbeiter, deren höchstes Prinzip die Einigkeit ist, eintreten. Hoffentlich folgen die Genossen in ganz Oesterreich recht bald dem Beispiele der Wiener.» Correspondenzen. _ Aus Schteswig-Kotflein, 25. Juni. Die„Nationalzeitung" läßt sich Folgendes berichten: Gestern hat sich in Neumüuster ein schleswig-holsteinischer Provinzialverband von Vereinen für Volksbildung constituirt. In der von dem Kieler Bolksbildungs- verein berufenen Versammlung waren Vertreter und Förderer ähnlicher Vereine aus Kiel, Altona, Ottensen, Neumünster, Rendsburg, Neustadt, Eckernförde, Flensburg und Apenrade an- wesend. Der vom Kieler Verein vorgelegte Statutenentwurf wurde nach eingehender Berathung im Wesentlichen angenommen. Der Beitrag eines Verbandsvereins wurde auf 6 Mark jährlich im Minimum und der für die persönliche Mitgliedschaft auf 2 Mark jährlich festgesetzt. Es wurde beschlossen, von der Be- schickung der in diesem Jahre in Breslau stattfindenden General- Versammlung der„Gefellschaft für Verbreitung von Volksbil- dung" durch Delegirte des Verbandes abzusehen. Im nächsten Jahre wird jedoch auch unsere Provinz auf der Generalver- sammlung der deutschen Gesellschaft vertreten sein, die eine so überaus segensreiche Thätigkeit entwickelt und schon Großes für die Sache der Volksbildung gethan hat. Mit den antisozia- listischen Vereinen in unserer Provinz ist es neuerdings ganz ruhig geworden.— Nach diesem Berichte sind die schleswig- holsteinischen Antisozialisten recht ruhig geworden— sie senden keinen Delegirten nach Breslau, weil sie wahrscheinlich kein Geld auftreiben können, es werden keine neuen Antisozalisten- Bereine gegründet, weil das Volk vor einem solchen politischen Sammel- surium zurückschreckt und die kolossale Lächerlichkeit und Blamage einsieht, der diejenigen zum Opfer fallen, welche sich einem Poll- tischen Verein anschließen, welcher gar kein positives Programm und auch keinen positiven Zweck hat. Zu solchen Kindereien ist das schleswig-holsteinische Volk doch allzu verständig. Weldorf, 25. Juni. Ueber eine am 19. Juni hier statt- gehabte und sehr gut besuchte Versammlung, in welcher Genosse Walter als Redner auftrat, lassen sich die„Jtzehoer Nachrichten» also vernehmen:„Gestern besuchte uns der im hiesigen Kreise bekannte sozialdemokratische Redner Walter einmal wie- der, um seine Parteigenossen mit den nächsten Zielen der sozial- demokratischen Agitation bekannt zu machen. Die Agitation gegen den liberalerseits gewühlten Reichstagsabgeordneten Hall ist insoweit gelungen, daß der Reichstag die Wahl beanstandet hat und die näheren Untersuchungen bereits im besten Gange sind. Redner gab zu, daß ihre Partei in Schleswig-Holstein, und namentlich auch im 5. Wahldistrikt, Ivo sie mit Zuversicht den Sieg gehofft hatte, eine Niederlage erlitten, versicherte indeß, daß man jetzt doppelte Anstrengungen machen werde, um die erlittene Schlappe wieder wett zu machen. Eben deshalb werde man sich in der ersten Zeit nur mit der festen Organisation be- fassen, und sei zu dem Zweck für den 24. d. M. eine Versammlung in Neumünster angesetzt, um darauf bezügliche Beschlüsse zu fassen. Vor allen Dingen werde man die Presse benutzen, zeugen versichern, hat ein strammer, bärtiger Kosak den Prinzen auf den Ärnien gehabt und ihn sanft vor sich hin auf den türkischen Boden zur Erde gesetzt. — Wie man Telegramme sabricirt. Die„Kölnische Zeitung», bekanntlich eine hohe Verehrerin des Fürsten Bismarck, läßt sich aus Kissingen vom 30. Juni folgendes hübsche Telegramm zusenden:„Fürst Bismarck ist heute Mitlag mit dem Meininger Zuge abgereist. Obwohl die Abreise Wenigen bekannt war, hatten sich viele Menschen zur Verabschiedung am Bahnhofe eingefunden. Beim Austritte aus dem Königssalon erschollen lebhaite Hochrufe, ebenso bei der Abfahrt des Zuges. Das Aussehen des Fürsten war vortrefflich"—„Wenigen be- kannt»,„viele Menschen eingesunden»— äußerst günstig. Die„vie- len», welchen die Abfahrt nicht bekannt war, haben die Abfahrt wohl im letzten Augenblicke, wie man zu sagen pflegt, plötzlich„gerochen». — Zur indirekten Majestätsbeleidigung. In Bezug auf die Verurtheilung des Herrn Guido Weiß warnt der„Kladderadatsch" die deutschen Reichsbürger in höchst drastischer Weise. Man darf nicht mehr sagen, daß die blaue Kornblume eine ganz gewöhnliche, geruchlose Blume, auch nicht, daß der Hummer kein angenehmes Gericht, auch nicht, daß Emser Krähnchen ein höchst schales Getränk sei— der deutsche Kaiser liebt die Kornblume, er ißt gern Hummer, und Emser Krähnchen ist sein Heiltrank deshalb würde man drei indirekte Majestätsbeleidigungen begehen, die mit 9 Monaten Gefängniß zu be- strafen sind.— Wir wollen übrigens zu diesen Beispielen des„Kladdera- datsch» noch eins h nzufügen, welches wohl noch drastischer ist. Vor einigen Tagen befanden wir uns in einem Restaurant, wo in sogenannten Champagnerflaschen mit prachtvollen Etiquetten„Kaiserbier» ver- schenkt wurde. Bei dem Genüsse dieses Bieres schnitten die Trinkenden ganz abscheuliche Gesichter und wenige Minuten darauf bekamen die- selben heftige Leibschmerzen. Also— sind alle die, welche Gesichter schnitten, unbedingt wegen indirekter Majestätsbeleidigung zu bestrafen, und der Wirth, der den Namen des Kaisers mißbraucht hat, muß doppelt bestrast werden. — Unfall-Statistik. Im Monat Juni d. I. wurden bei der Allgemeinen Unfall-Bersicherungs-Bank in Leipzig 7 Todesfälle, 1 Un- fall, der dem Betreffenden Lebensgefahr bereitete. 5 Unfälle, die ihrer Natur nach eine totale oder theilweise Invalidität der Verletzten er- warten lassen und 510 Unfälle, aus welchen sich für die Beschädigten nur eine vorübergehende Erwerbsunfähigkeit prognosticiren läßt, zu- sammen 523 Unfälle angemeldet. Von den 7 Todesfällen ereigneten sich je 2 in Gußstahlsabriken, in Steinbrüchen und in Baugeschäflen und einer in einem Steinkohlenwerke. Die eine leben« gefährliche Beschädigung kam m einem Baugeschäfte vor, während die 5 I»- validen sich auf einen Granitsteinbruch, eine Maschinenbau-Änstalt, eine Eisengießerei, eine Sägemühle und eine Seifenfabrik vertheuen. imb es sei im Werke, ein neues Blatt unter dem Titel„Rund-! schau" für ganz Deutschland in's Leben zu rufen, welches sich blos mit Berichterstattungen über den jedesmaligen Stand der sozialistischen Agitation befassen würde. Außerdem sei noch die Gründung eines Lokalblattes für Schleswig-Holstein oder viel- leicht nur für den 5. Wahldistrikt in Aussicht genommen, welches den„Jtzehoer Nachrichten" Conkurrenz machen solle, und würde man alle erlaubten Hebel in Bewegung setzen, um demselben Eingang zu verschaffen, nicht nur bei den Arbeitern, sondern auch bei oen kleinen Bürgern und Bauern. Wenn erst der Mittelstand gewonnen sei, so wäre der Partei der Sieg gewiß. — Man sieht's, die Herren lassen sich keine Mühe verdrießen, und die liberalen Parteien könnten von ihnen lernen. Fast fühlt man sich versucht, ihnen Recht zu geben, wenn sie spottend von den Liberalen bemerken, daß sie die Zipfelmütze tief über die Ohren gezogen haben. Will sich denn die Fortschrittspartei im 5. Wahldistrikt noch nicht rühren?"— Die Jeremiade am Schlüsse des Berichtes beweist hinlänglich, daß es mit der Fort- fchrittspartei auch hier stark bergab geht, und wenn es wirklich zur einer Nachwahl kommt, dann dürfte der Sieg, falls er uns wirklich nochmals entrissen werden sollte, den Gegnern theuer zu stehen kommen. Schwaöach. Mittwoch, den 27. Jnni, war von hiesigen Parteigenossen im Saale des„rothen Ochsen" eine Volksver- sammlung einberufen worden, in welcher Parteigenosse Auer aus Hamburg über das Programm der deutschen Sozialdemo- kratie sprach. Wie schon bemerkt, war von unserer Seite die! „Volksversammlung" einberufen und waren auch demgemäß die Plakate angeschlagen!, Z was jedoch die Herren vom„Fortschritt" und bezw. einem aus etwa 30 oder wie viel Mitgliedern unter Leiwng des Fortschrittsmannes Herrn Günther bestehenden sog. „Bürgerbund" nicht hinderte, Plakate ungefähr folgenden In- halts anzuschlagen:„Mitbürger! In der auf heute einberufenen Wählcrversammlung werden die Herren Reichstagsabgeordneten Erhard und Herz sprechen, deshalb bitten wir um zahlreiche Betheiligung von Eurer Seite. Politischer Verein„Bürger- bund". Günther." Abgesehen von dieser Taktlofigkeit wurde am Vorabend der Versammlung von genanntem Berein eine natür- lich für jeden Unberufenen geschlossene Versammlung abgehalten, in welcher beschlossen wurde, jedem Redner die Redezeit auf 20 Minuten oder noch weniger zu kürzen, wobei auch zugleich das Bureau provisorisch gewählt wurde. Daß von unserer Seite in der von uns einberufenen Versammlung gegen solche Zu- muthungen energisch protestirt wurde, unterliegt keinem Zweifel, allein bei der Bureauwahl siegte die Mehrheit der Gegner. Auer erledigte in einem einstündigen Vortrag, welcher Zeitraum uns nach hartem Kampfe zugestanden wurde, vor äußerst zahl- reicher Versammlung seine Aufgabe vollkommen. An der De- batte betheiligten sich Grillenberger und Auer und von gegne- rischer Seite Erhard und Herz. Von einem glänzenden Sieg, den der„Fortschritt" in dieser Versammlung erfochten haben soll, kann freilich nur ein Herr—-v-Correspondent des„Nürn- berger-Kurier" faseln. Dieser ehrenwerthe Herr hat wahrschein- lich das Schreiben bei genanntem Organ selbst gelernt, denn sonst wäre es nicht möglich, daß er da, wo das Fortschrittsge- bäude zu wackeln anfängt, von einem glänzenden Sieg spricht und Namen anführt, die hier nicht existiren. Außerdem hat Auer, soviel ich erfahren habe, auch in Erlangen, Fürth und Nürnberg in Volksversammlungen, die zahlreich besucht waren und einen günstigen Verlauf nahmen, gesprochen. In Süd- deutschlaud geht es also rüstig vorwärts und die späteren Wahlen werden den Beweis liefern, daß die Agitation nicht frucht- los war. tzhemnih, 22. Juni. Gleich nach unserer Rückkehr von Gotha wurde Genosse Kegel auf die Staatsanwaltschaft beschieden um über die Verfasserschaft eines Gedichtes, das unser ehrenwerthes Richterkollegium als auf sich gemünzt, für beleidigend fand, ver- nommen zu werden. Der 4. Juni fand uns in einer öffentlichen Versammlung zu Chemnitz, woselbst Reichert über den Kongreß berichtete und von Vahlteich und Wiemer hierin unterstützt wurde. Am selben Tage fand auch in Limbach eine öffentliche Versammlung statt, in der Kreher ebenfalls über den Kongreß Bericht erstattete. Am 3. Juni unternahmen die Chemnitzer Genossen einen Spaziergang nach Altendorf und am 5. Petzoldt, Redakteur der„Chemnitzer freien Presse" einen solchen ins Gc- fängnitz. Die Schloßchemnitzer Genossen hielten am 9. Juni eine Volksversammlung ab, in der Wiemer referirte. In einer am 10. Juni in Hartmannsdorf stattgefundenen Volksversamm- lung waren als Referenten Kreher und Wiemer anwesend. Der 11. Juni war für Wittgensdorf bestimmt, lokaler Verhältnisse halber mußte die Versammlung ausfallen. Leider hatten die dortigen Genossen davon viel zu spät Nachricht hierher gesandt, so daß für diesen Tag auch anderswo keine Versammlung mehr abgehalten werden konnte. Vahlteich hatte am 16. Juni Ge- legenheit, einem hiesigenOberlehrer die Anfangsgründe des Sozia- lismus beizubringen, da der Herr Lehrer jedenfalls nur zu dem Zwecke in unsere Versammlung gekommen war. An demselben Tage referirte Wiemer vor einer zahlreich besuchten Versamm- lung in Buchholz, welche glänzend verlief. Der Lithograph Kleine, der sonst mit den Arbeitern der Adler'schen Fabrik unsere Versammlungen sprengte, mußte sich diesmal mit Wiemer in einen geistigen Kampf einlassen, da die Adler'schen Arbeiter ein- sehen gelernt, daß es doch schmachvoll ist, sich von einem Vor- gesetzten zu solchen Zwecken mißbrauchen zu lassen. Der von seinen Arbeitern im Stich gelassene Kleine wurde nun in dieser Versammlung auch von seinen Geisteskräften im Stiche gelassen, so daß er von Freund und Feind mit schallendem Gelächter be- lohnt wurde, als er gegen Wiemer eine Rede losgelassen hatte, über deren Sinn W. heute noch grübelt. Sonntag, den 17. Juni, war für Schlettau eine Versammlung angesetzt, leider war für diesen Tag kein Lokal zu haben und so fand nur eine gesellige Zusammenkunft statt, an der Wiemer theilnahm. Am 18. Juni tagte in Königswalde eine ebenfalls sehr zahlreich besuchte Volks- Versammlung, in der Wiemer über den Nothstand referirte. Der Gemeindevorstand, um doch auch etwas zu leisten, verbot die übliche Sammlung zur Deckung der Tageskosten. Wahrscheinlich glaubt er, daß er es dem Polizeidirektor Rüder, der den Kongreß uiit seinem Besuche beehrte, nachmachen müsse. Zum schlusse noch die Mittheilung, daß gestern unsere Richter den Parteigenossen Götze mit vier Monaten Gefängniß beschenkt oaben, weil er das Militär in einer Rede beleidigt haben soll. Ancka«, 25. Juni. Trotzdem der Sommer für die Bevöl- kerung kleinerer Ortschaften nicht sehr günstig für die Agitation ist, ,0 kann ich doch berichten, daß dieselbe auch in diesem Monat eme ziemlich rege war; der Besuch der Versammlungen war zum großen Theil ein starker zu nennen, und kann man ivohl behaupten, daß vorzugsweise die Berichte über den Sozialisten- ungreß das Zugmittel waren. Versammlungen fanden statt: in i Groß-Ottersleben, Halle a. S., Wolmirstedt, in letzterem Orte die zweite Versammlung überhaupt. Der Geist ist daselbst ein sehr guter, und wäre es sehr wünschenswerth, von da aus weiter nach der Altmark vorzudringen. Ferner in Magdeburg, wo die Herren Gewerkvereinler Versammlung angemeldet hatten, welche jedoch sehr günstig für uns verlief. Außerdem in Anhalt: in Bernburg, Neundorf, Güsten, Cöthen, Edderitz, Zerbst, Dessau und Jeßnitz. Weitere Versammlungen werden in Bobbau, Cos- wig, Wörlitz, Oranienbaum stattfinden. Im Anhaltischen sind die besten Aussichten vorhanden, die Bewegung dortselbst wieder gut in Fluß zu bringen. Die Genossen des Wahlkreises Calbe- Aschersleben möchte ich jedoch ersuchen, in ihren Kreisen recht thätig zu wirken, damit es auch bei ihnen etwas reger wird; es ist unmöglich für mich, gleichzeitig die Lokale zu besorgen und Versammlungen abzuhalten. Thue deshalb Jeder seine Schuldigkeit, denn nur dadurch können wir schneller vorwärts kommen. Aug. Zwiebler. Oessentliche Quittung. Seit dem 25. Mai erhielt ich baar für nachbenannte Fonds: 1) Agitationsfonds. Magdeburg d. W. Klees M. 28,20; Apenrade d. Gladewitz 3,00; Güstrow d. N. N. 7,00; Verden d. A. Günter 24,60; Harburg d. Buchhage 14,25; Stuttgart d. Berlinger 1,60; Al- tona v. Glüssendorf's Schneiderwerkstelle 6,00. 2) Unterstützungsfonds. Bookland v. W. Hennigsen 6,00; Hamm d. Westphal von dem Pfingstfest 18,31; Geldern v. L. Kewcr 3,00; Baden Liste 158: 6,20; Flensburg d. Leiding 1,00; Fürth d. Segitz 2,60; Apenrade d. Gladewitz 5,00; Leipzig von Frau Noack 1,00; Geithain d. W. Weikert 2,45; Ottensen d. R. Lindemann 9,40; Groitzsch d. G. Reichelt 4,13; Buckau v. C. S.(S. u. B. Fab.) 35,05; Magdeburg v. A. K.(N. Fab.) 5,15 und v. I. F. 0,50; Niederdodeleben v. K. 0,50; Friedrichstadt v. G. 2,00; Dresden Liste 163: 6,90 und v. G. 0,50; Pieschen v. Parteigenossen d. Tröger 3,10; Ludwigshafen d. W. Seel 4,00; Kiel d. C. Starck 2,00; Liegnitz v. Prasser 3,00; Bochum Liste 7 d. I. Speer 14,55; Fulda' Liste 23 Saldo d. Fuchs 1,95; Cöln d. F.Harren- dorf 1,00; Braunschwcig Liste 132 d. Bosse v. der Schneider- Gewerkschaft 5,15; do. v. Bund der Tischler JJ, 80; do. d. H. H. aus einer Fabrik vor dem Steinthor 7,30; Stuttgart d. Baßler 0,20; Halle a. d. S. Kles' Schneiderw. d. Beyer 3,00; Stein- wärder d. Kerl 6,12; Harburg d. Weber-Gordon Ueberschuß v. Vortrage„Franz von Sickingcn" 10,25; Ulm v.� G. Ulrich „Weil Rüder es in Leipzig verboten" 10,00; Ottensen v. Nöl- ting's Cig.-Fab. d. Kufs 10,00; Werdau d. I. Otto 7,00; Hannover im sozial. Keller von Loges 3,00; Erfurt Liste 20 1,10; Altona v. Fest der Schneider d. Flachmann 8,00; Hildes- heim d. I. Oyen 4,20; Schmölln d. I. Martin 0,60; Stein- wärder v. Arbeiterfest d. Kerl 20,08; Wilster d. Walther 2,00; Weißkirchen d. A. Ott v. Gesangverein Frohsinn und Lieder- kränz Kleinkrotzenburg 2,20; Hof v. Beckert 10,00; Solingen Liste 119 d. Leuchtenberg 11,10. Aus Hamburg v. Richter 1,50; Verguügungscomite des Schneidervereins 13,33; H. Hoffmann 3,60; d. Lückow v. Arb.- Frauen- und-Mädchen-Verein 21,24; Tischler-Lusttour d. Döscher 24,15; v. fünf Posamentierern 2,00; Deisinger 0,60; Lusttour der Maler d. Eggers 12,00; Dr. Miede 30,00; Erber's Schneider-Werkstelle d. Plump 15,00. 3) Wahlfonds. Altona v. Benzion's Cig.-Fab. d. Heymann 20,00; Berge- dorf v. Bieß 2,00; Annweiler Liste 2222 d. Sabach 0,80; Leipzig v. Frau Noack 1.00; Geithain d. W. Weikert 2,45; Ottensen d. Thiele v. Arb. in Menk n. Hambrok's Fab. 12,00; Altona d. Bach aus Pething's Schneiderwerkstelle 6,00; Fulda v. Genossen d. Fuchs 3,00; Frankfurt a. M. d. H. Grimm 13,50; Eimsbüttel v. Rump's Bau d. Grandt 18,50; Hamm Liste 140 d. Westphal 0,80; desgleichen 0,50; Rothenburgsort d. Gadow 6,10; Hildesheim d. Stolzenburg v. Sch... r 1,60; Erfurt Liste 4288: 2,15; do. v. 1 Volksvers. 0,45; Achim d. S. Müller 4,47; Einbeck d. A. England 6,70; Cottbus v. T. 0,80; Heusenstamm d. I. Ohlig 4,00. Aus Hamburg: V. Richter 1,58; d. Böhme v. Bau gegen- über Belle-Alliance 11,82; Liste 4638 d. I. Andorf seu. 5,50; Liste 4577 d. Seiffarth 5,80; v. Schemmel's C.-Fab. d. Schmidt 12,00; Justus' Fabrik in der Zollverein-Niederlage 16,55; W. H. 3,00; Liste 4641 d. Basedow 11,35; Liste 4711 in 2 Raten d. Doose 12,70; Cig.-Fab. Brook 56 d. Tappendorf 4,00; Liste 4576 d. Breuer 3,60; d. Schnapp v. Cohn u. Sohn Schneider- werkstelle 9,00: desgleichen 9,00; v. Weber-Gordon 1,50; v. 5 Tischlern in Schmalriede's Werkst. 2,50; d. C. Riediger vom Bau Bankstr. 11,80; Liste 4710 d. Lindenau 11,90; Werkstelle Pasch u. Sohn d. Deneker 9,60; Feins' Werkstclle d. Rudemann 3,00; Liste 4673 d. Breuer 5,95; Ungenannt d. Breul 3,00. Parteigenossen! Die Zahl der wegen politischer Thätig- keit Gemaßregelten nimmt neuerdings wieder sehr zu, die Re- aktion fordert ihre Opfer. Deshalb ist der Unterstützungs- fonds, wenn ihm nicht besondere Zahlungen zugehen, nicht im Stande, allen berechttgten Forderungen zu genügen. Und doch wollen und müssen wir gerade auf diesem Gebiete helfen. Wo Ihr Feste feiert, gedenkt der Gemaßregelten, wo sich Gelegenheit bietet, sammelt für die Jnhaftirten. Einer für Alle, Alle für Einen! Hamburg, den 30. Juui 1877. August Geib, Rödingsmarkt 12. Zur Beachtung. Die Genossen an allen Orten werden er- sucht, an das Central- Wahlcomite Adressen von Leuten einzusenden, an welche Sendungen in allgemeinen Parteiangelegenheiten gerichtet werden können. Zuschriften sind zu richten an I. Auer oder C. Derossi in Hamburg, Pferdemarkt 37. SJlltllUll Freitags den 6. Juli, Abends 8>/2 Uhr, in ikoppel- Bolksversammlung. Tagesordnung: 1. Die Gefängnißarbeit. Referent Hillmann 2. Die„Rundschau". 3. Angelegenheit Barkow. O. Reimer. Frankfurt a. M. u. Umgegend. daß Wochen- und Monats-Abonnements auf alle soziaUstischen Zeitungen„Vorwärts",„Neue Welt",„Rundschau",„Rothe Fahne",?, Berliner Freie Presse",„Hamburg-Altonaer Volks- blatt" u. f. w. zu jeder Tageszeit angenommen und pünktlich besorgt werden von W. Knoke, Kl. Cschenheimerstraße 45. dlB. Den geehrten Abonnenten des„Vorwärts" zur Nachricht, daß das Abonnementsgeld Sonntag, den 8. Juli, erhoben wird. f90 vnmznftv Sozialdemokratischer Wahlverein. «yUUUUVvl. Sonnabend, den 6. Juli, Abends ö'/z Uhr, im Vereinslokale, Mittelstraße Nr. 11:(F. 163) f70 Geschlossene Versammlung. Tagesordnung: Abrechnung. Verschiedenes. Karten müssen vor- gezeigt werden. Der Vorstand.[70 Briefkasten der Expedition. I. Schäfer in Münsterberg: Berlin hat uns bis jetzt noch keine Quittung des Wah fonds behufs Veröffentlichung gesandt. Wenden Sie sich also direkt nach Berlin.— Schirner in Lübeck: Protokolle waren bereits abgegangen.— C. Henze, London; ., Rothe Fahne" folgt. Kostet 75 Pfg. pro Quartal. Quittung. R. Mths Rixdorf Ann. 1,00. Hdrch Leipzig Ab. 1,60. Jrgns Crottdorf Ab. 3,20. Hrsch Paris Ab. 20,50. Wg hier Ab. 1,25. Oßmnn Erfurt Ab. 30,50. Mndlk Cszy Ab. 4,86. Wlf Arz- berg Ab 1,66. Rdlph Zwenkau Ann. 0,10, Ab. 0,80, Scdr. 1,15. Wllbrcht hier Ab. 1,80. Kllr Jena Ab. 5,00. Schrschmdt Iserlohn Schr. 4,00. Hnrp hier Ab. 1,20. Ullrch hier Ab. 15,00. Bsch hier Ab. 5,85. Nbrt Gohlis Ab. 42,10. Bhrnd hier Ab. 2,40. Strbl Oberreichenau Schr. 3,70. Slffn Hamburg Ann. 0,80. Gnthr Großen- Hain Sck>r. 20,62. Gglr hier Ab. 10,35. Lgs Hannover Ann. 0,70, Schr. 2.80. Anmnn Wiescnberg Ab. 3,06. Kttlr Heilbronn Ab. 33,00. Arb.-Bild.-Verein Wels Ab. 6,11. Jnchn Brims Ab. 4,00. Grmr Halle Ab. 100,00. Schfr hier Ab. 3.7-1. Frtz Offenbach Ab. 48,00. ! Erlsn Altona Ann. 7,80. Flhr Friedberg Schr. 80,00. Mit beutigem Tage sind sämmtliche Briese zc. unter der Adresse: I. Böheim, Schrifisetzer. Teichstraße 16, parterre, nach hier zu richten, worauf die Parteigenossen hiermit ausmerlsam gemacht werden. Kiel, 1. Juti.__________ Annoncen für die Mittwochs-Nummer müssen bis Mou- taq Bormittaas 9 Uhr; für die Freitags-Nummer bis Mitt- woch-Vormittags 9 Uhr; für die Sonntags. Nummer bis Frei- tag Vormittags 9 Uhr hier sein, wenn solche noch bestimmt Aufnahme finden sollen. Annoncen, denen der Betrag nicht beiliegt, oder für welche der Einsender kein Depot bei unS hat, können eine Aufnahme nicht fivden. � Die Expedition des„Vorwärts". Montag, den 15. Juli, von Nachmittags Sommerfest der Parteigenossen verbunden mit ßoncert, Vogctschieken und Walk im„Bürgergarten".— Die auswärtigen Parteigenossen sind freund- lichst eingeladen.[21t> Leipzig u. Umgegend. 9' �"H Generalversammlung der Krankenkasse des Gewerkvereius der Metallarbeiter. Jedem Nichtanwesenden wird 25 Pf. Strafe auferlegt. Ludwig, Vorsitzender.[60 j Qnirmfllt Sonntag, den 8. Juli, Nachmittags V»4 Uhr> �jlvenran. im Saale des„Gasthofes zum Adler": Volksversammlung. Tagesordnung: Die politischen Parteien Deutschlands mit spezieller Berücksichligung der Sozialdemokratie. Referent M. Preißer.[70 Zu zahlreichem Erscheinen fordern auf Die Einberufer. Die Rundschau. Organ für sozialistische Propaganda. m. i ist soeben erschienen und durch die Expedition Hamburg, Amelungstraße 5 zum Preise von 20 Pf. zu beziehen. Durch die Post bezogen kostet das Blatt vierteljährlich 60 Pf. excl. Bringerlohn und nehmen alle Postanstalten Bestellungen an. Verlag der„Rundschau" Hamburg, Amelungstraße 5. Das Protokoll des diesjährigen, zu Gotha stattgehabten Sozialisten- Congresse s ist erschienen. Preis pro Stück 25 Pfg, bje'«ug von mindestens 5 Exemplaren 20 Pfg."odi" Bestellungen, denen der Betrag nebst 10 Pfg Porto für je 5 Exemplare beizufügen ist, sind zu richten an C. Derossi, Ham- bürg, Pferdemarkt 37 III. Nur gegen baar oder Postvorschuß wird expeditirt. Wir empfehlen unsere Beilage zur„Neuen Welt" Nr. 20, ent- haltend: Karten vom russisch-türkischen Kriegs- schauplatze. Preis pro Stück 10 Pfg. In Partien billiger. Leipzig. Die Expedition der„Neuen Welt". Färberstr. 12. II. Durch uns ist zu beziehen: Que Faire? Französischer Roman von Tchernyschewsky. 33 Bogen stark. Preis 4 Mark. Dir Expedition des„Borwärts". Im Verlage von Gebr. Fey in Frankfurt a/M. ist in 2. Auflage erschienen und durch uns zu beziehen: Erinnerung an Börne. Einzelpreis 20 Pfg. Die Buchhandlung des„Vorwärts". Zahlungs-Aufforderung. Folgende Annoneenreste sind ungesäumt zu zahlen: Altona, Bau Land- und Erdarbeiier-Gewerkschast M. 0,30, Metallarbeitergew erksch. M. 0,60. Berlin, Zimmererkrankenkasse Rest M. 1,20. Cöln, Wahl- verein M. 1,80. Mühlheim a. Rh. Wahlverein M. 0,60. Zahlungen in Briefmarken erbeten. Leipzig, den 14. Juni 1877. Die Expedition des„Vorwärts". Bc-anttvorrl'ch� Redakteur: R. Seiffertin Leipzig. Rücktfon und ErpedÄo» Färberfiraße 12/11, m Leipzig. Dmik und B-ickag der Sen»?'.uschaK»b«chd«Ack»ti m Le: zts,