lue Erschein! in Leipzig MittwcS, Freitag, Sonntag. Aiouuemcntsvrcis TeutiSland 1 1i. 60 N.?r» Quartal. Monats-AbonnemoutZ werden bei allen deutschen Posiamtalten aus den 2. und 3. Monat, und auf den 3. Mona! besonders angenruintm: im ttbnigr. SaSsen und Herzogth. Zachien- Altendurg auch aui den Iten Monat teS Quartals h 54 Tt'i. Inserate betr. Periammlungen rr� Letiizeile 10 Pf., be:r. lrrrratangelegendeiten und Fe'te xro Letiizeile 30 Pf. Zülflkiltingen nehmen an alle Posianstalren und Buchu gondlungcn teS In- u. Auslandes, Filial- Expeditione«. Rcm-syor?! S05,-demoir, Genossen-- schastSbuchdruckcrei, tbs Liutällxs i-tr, Philadelphia: P.Haß,«SO RvttK :::ä Street. I. Poll, 1163 Charlotte Str. Hobolen N.J.; F. A. Sorg-, 2!5 inxion Str. Chicago; A. Lanfermann, 74 C')deurne-««. San FranziSco; F. Entz, 41S0�''urreil Str. London W.: C. Henze, 8 Aen? Str. (Zvllleu Squuro. Kentrat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 81. ' Freitag, 13. Juli. 1877. Tie Rothen wider die Blauen. ii. „Nieder mit der Bourgeoisrepublik! Es lebe sozialistische Republik!"— so lautet unsere Parole. Ein Freund schrieb uns, Sozialdemokratie wenden:„Die politische Freiheit ist eine Lüge Gebiet der öffentlichen Gesundheitspflege unermüdlich thätige ohne die soziale Gleichheit." vr. C. Reclam in der von ihm herausgegebenen, sehr empfeh- An die„Demokraten" mit Gänsefüßchen werden wir nnwill� lenswerthen Zeitschrift:„Gesundheit"(Verlag von Eduard die kürlich nochmals erinnert, wenn wir folgende naive und rüh Boll in Elberfeld) einen Artikel, der so interessant und lehrreich rende Erklärung der Frankfurterin hören: ist, daß wir ihn nachstehend seinem ganzen Umfange nach zum daß er mit dem Inhalt des Ar-»Mag man es nicht für Sentimentalität nehmen, wenn Abdruck bringen: tikels:„Nieder mit der Republik!" ganz einverstanden sei. daß wir sagen, daß uns ein Gefühl der Wehmuth überkommt, er sich aber mit der Form, weil sie zu derb sei, nicht ganz wenn.wir eme solche spräche hören Was helfen alle demo- befreunden könne. krati'chen Prinzipien, was hilft der lange schwere 5lampt, �wickelten, zeigte uns in einem früheren Artikel, wie man m «pi c_ et 1.tr � �_„ p« ä._¥_*_i t. sh Hiortrt oirt rt rt rrt o n I n i o v V-F Wf-Hit*vt fort 11t novnTmtPrr ItrPnt rtlrta � � LJ, � �. 1. r lehrten. der Inhalt die Form von der Universität zu Berlin— wenigstens ist das der ange- gebene Grund verbannt, und Lassalle, gerade Lassalle in seinem„Bastiat- Schulze"— die Form, die Form, ruft man, bei dem tiefen und wahren Inhalt. Und wie ist es den Düh- ring-Artikeln unseres Freundes Engels ergangen!? „Eine Gegenüberstellung der gesetzgeberischen Thätigkeit, welche �J°ren. W°o getien aue oemo�as englische„Parlament", und welche der deutsche.�Reichstag" was hilft der lange chwere Kampf, entwickelten, reiate uns in einem srüberen Artikel. wie man in tisches Prinzip hält, daß der Geldsack die Arbeitskraft aus- �erst eine Centralbehörde schuf, welche mit Hülfe der Statistik beutet, daß der Ertrag der Arbeit nicht nach gerechter Per- ung in vielen Beziehungen noch unbekannten„status guo" theilung und nur zum geringen Theil den Arbeitern zu Gute kommt, so brauchen wir dem doch nicht zuzustimmen— wir Auch die Artikel, welche der„Vorwärts"" gegen Herrn von halten ein solches Prinrip für ein reaktionäres und jeden Unruh brachte, wurden der Form halber von Einzelnen getadelt. Staat, auch die vielgeruhmte Bourgeoisrepublik, für einen reak- Die derbe, ja die grobe Sprache verschulden aber oft genug lionäreri, der ein solches Prinzip zuläßt. �. die Objekte des Angriffs- Schulze- Delitzsch und von Unruh..Auf der Verwechselung(oder VerWasserung?) des demokra- konnten nicht anders behandelt werden, und ebenso können und lischen Prinzips beruht auch der namenslose Jrrthum der dürfen auch die französische Bourgeoisrepublik und Herr„Frankfurter Zeitung'f und ihre„zügellose Leidenschaft", Thiers mit sammt seinem radikalen Schweife nicht anders, als. mit welcher sie emen solchen reaktionären Staat vertheidigt. wir es gethan, in einem sozialistischen Blatte besprochen werden. Doch hören wir die„frankfurter Zeitung" weiter:_ bafier einmal zur T Die Wahrheit ist vielfach grob, sie muß grob sein, sie bleibt.....Der„Vorwärts" thut uns� Unrecht, wenn er meint, es sei. v"....4.-- aber immer die— Wahrheit. kennen lehren wird."Aus dieser Grundlage wird sich ergeben, ivelche Aufgaben für uns die nächstliegenden und dringlichsten sind.— Im Nachstehenden wollen wir am Canton St. Gallen ein Beispiel vorführen, in welchem beide Wege zugleich betreten l wurden, so daß die Organisation der öffentlichen Gesundheits- pflege mit einem Male gleich einer„gepanzerten Minerva" ins , Leben trat. Es ist das Vorrecht kleiner Gemeinwesen, daß sie leichter beweglich sein können im Guten wie im Schlimmen, und daß sie daher, einmal zur Thätigkeit angeregt, in weit kürzerer Zeit einen durchgreifenden Erfolg erringen können. Was bedarf es Auch meinte derselbe Freund, die Ueberschrist:„Nieder mit der Republik!" könnte zu Mißverständnissen Veranlassung gegeben haben. Die Ueberschrist allein wohl, aber nimmer- mehr im Zusammenhange mit dem ganzen Artikel. Auch die U e b e r s ch r i f t der Broschüre unseres Genossen Bracke: „Nieder mit den Sozialdemokraten!" für sich allein konnte zu Mißverständnissen führen und wird das auch wohl gethan haben, indem Mancher sich die Schrift zuerst angeschafft hat, der eine Schimpferei über unsere Partei lesen wollte; die Broschüre ist deshalb mehr verbreitet worden, und so ist unser Artikel auch des„Mißverständnisses" halber von mancher Seite gelesen wor- den, die ihn vielleicht sonst nicht beachtet hätte— schimpft doch die„National-Zeitung", die sich auch mit der Sache befaßt, wie ein altes Fischweib auf uns. Jedenfalls ist das auch eine Frucht,.. ,,..•..........,-. und eine für uns recht angenehme Frucht des Mißverständ- Volkssteiheit, von�emem machtigen yindernitz befreit, alsdann lediglich die Form der Republik, in die wir uns verliebt haben. Wir wollen zum Gefäß auch den Inhalt. Nur wegen des In- Ii f r 1 zeitraubender Statist... Alles ist bekannt, Halts wollen wir das Gefäß. Aber für eine bestimmte Sache � n.9 � Gesammtgeb,et m.t einem Blicke paßt eben blos eine bestimmte Form; um Wein aufzube- N �mchauen. Soll es zur Arbeit gehen, so sind nur wenige n kein Sieb. Wir verstehen unter Re- Verhandlungen nothig wo eme einzige BeHorde die Borberel- publik�Awas�ganz Anderes�als �ur�den Ram7n,''das' Wort, den Zügen prüft und zugleich die Gesetze' erläßt und ausführt.- Schall; wir verstehen darunter— ist es nicht fast lächerlich, �; St. Gallen am-.7. �.ktobe. 1874 die da? wir es sagen müssen?- keine Republik nach dem Must?r w'. �"" Monate V.'.Ä"'XaS■" Stvl'r I"r f" t cEi0'h dann sei dies immer schon Etwas, es lasse D U nisses. Kommen wir nunmehr zu der blauen Franksurterin. Das große Bourgeoisblatt hebt seinen Leitartikel mit folgen- den Worten an: „Nieder mit der Republik! ja, nieder mit der Republik, mit der französischen Bourgeoisrepublik, je eher desto besser— das ist unser innigster Wunsch."„So steht es zu lesen, nicht in einem Blatte, welches der„einzigen reaktionären Masse" zum Organ dient: das Wort„Bourgeoisrepublik" zeigt, daß der mörderische Ruf von links her erschallt. Ungefährlich im Au- genblicke, tönt die Stimme doch schrill in's Ohr, was allein schon zur Klage berechtigt; sollte es aber Solche geben, für welche sie verführerisch klingt, dann ist unsere Klage doppelt begründet. Ja wir fürchten, das verwegene Wort ist ein Ausdruck der tieferen Differenzen, welche zwischen uns und einem Theile der Sozialdemokratie bestehen." Die„tieferen Differenzen" zwischen der Partei der „Frankfurter Zeitung" und der Sozialdemokratie, nicht einem Theile derselben, sind gerade in dem Programm der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands zu suchen, welches, wie das Motto unseres Artikels in der vorigen Nummer zeigt, alle anderen,� � Klassen der Bevölkerung und alle anderen Parteien, auch A*nat 09n£ Privilegien,„t die Partei der„Frankfurter Zeitung", der sozialistischen Arbeiter- Alles zu�bejehlen hat. Partei gegenüber für eine reaktionäre Masse erklärt. kick die Äabn der™um beanspruchen als der englische,— aber der rapiden -- Schnelligkeit des kleinen Schweizer Cantons wird er nicht gleich- leichter beschreiten" kommen. Das klingt nun ziemlich verständig, aber es klingt auch- L®a"en das Bedürfniß von Besserungen nur so.— Doch bevor wir auf den Kern obiger Aeußerungen � ü?r die Hpgienie erkannt hatte, erwah.te der große eingehen, wollen wir erst eine Redensart abthun, die in diesem M eme Commssston, welche aus einem Regierungsrathe einem Absatz sich befindet. Arzte, einem Staatsanwälte, einem Alt-Landammann und einem „Um Wein aufzubewahren, nimmt man kein Sieb"— ein �emeinde-Ammann bestand. Ter Arzt erhielt den Auftrag, den hübscher Vergleich- der Wein würde verloren gehen; aber �C°mm.ssionalber,cht" zu schreiben, und der bekann e hygienische edle Frankfurterin: um Wein aufzubewahren, nimmt man Schriftsteller vr. S onderegger unttrzog sich dieser Arbeit in auch keine schmutzige Flasche- der Wein verdirbt dann. ati glücklicher Weise. Es war das zweite und wenn er trotzdem getrunken wird(die Weinfälscher benutzen Mast daß er die Arena zu diesem Zwecke betrat; denn bereits solchen verdorbenen Wein), dann verursacht er Kopfschmerz und � � großen Rothe einen Gesetzentwurf Jammer. Besser also ist es, daß er verloren geht, als daß er verdirbt— besser ist es, daß die Form zerschmettert wird, als daß in der Form der Volksgeist vergiftet wird, in einer Staatsform, von welcher das Volk nur Heil und Segen er- wartet, weil die Gelehrten der„Frankfurter Zeitung" und ihr Anhang dem Volke immer derartiges vorgepredigt haben. Und nun zum Kernpunfte! Die„Frankfurter Zeitung" versteht unter Republsk— keine ein, welcher sich jedoch damals nur mit der„Ueberwachung der Lebensmittel" und ihrem Verkaufe beschäftigte.„Es wurde aber während der Bearbeitung klar, daß man wohl die Lebensmittel- Kontrolle in eine allgemeine Organisation des Gesundheitsdienstes aber nicht diesen in die Lebensmittel-Kontrolle einfügen könne, und daß mithin die Kommission genöthigt war, zwei Gesetzes- Vorschläge einzureichen." Gestützt auf die von der Statistik er- wiesene Thatsache, daß in einem gesundheitlich gut verwalteten Ist'das vielleicht' keine'üe'f'e' Differenz? Hat nur ein nicht für den Sozialismus, oder wenn ihr Einzelnes an den Theil der Sozialdemokratie Teutschlands das Parteiprogramm W�st* Forderungen unausführbar mchemt, weshalb er- «ntworc-n? Bei der Abs,imm,mg.»j d-m J»»1.SKÄ Republik"nach dem Muster der alten Republiken mit Patriziat-Xtl* Ä.*e- Anwohner die jährliche Zahl der und Sklaverei, kein Venedig, kein Andorra, sondern emen Z?btJ"J0 n/�l u&"fchreiten dürfe, daß aber im Canton "''' in welchem die Gesammtheit��. Gallen(nach Erhebungen des cantonalen ärztlichen Bei- ; eines) für die Jahre 1857—1867 diese Zahl 26,5 betrug und So!" Weshalb erklärt die„Frankfurter Zeitung" sich denn r.(i" bcu"n�nen Ortschaften '' zchwankt sie zwischen 23,6 in St. Gallen und 29,7 m Gossa»), wies er nach: daß„das einzige, allgemein anerkannte Heilmittel gegen die zerstörenden Mächte unseres Culturlebens eine nicht nur auf dem Rechtsbegriffe, sondern auch auf Nächstenliebe und ��Tie Spekulation bn* Frankfurter Reituna" einen Theil der befehlen könnte, daß die Arbeitsmittel Gemeingut würden � � 6,$Ä.ten«.s, und W ArbAsertrag in.g-s� M v°rtheilt werde weil �HenMche Mewu�g. � öffentliche Aufmerksamkeit wohl auf absolute Unkenntniß des Programms und der Orga- dadurch der Gesammthe.t der größte Nutzen erblühen wurde. N�t qerinq st r e q q e r' s Verdienst darin daß er nisation der sozialistischen Arbeiterpartei zurückzuführen sein �blik nicht'aus'�dem Boden der s�ziald moftaüe' mit unumwundenster Offenheit und mit schonungsloscl Selbst- T.e„FranffuAer Ze.tung" reproduz.rt darauf den größten pubftk n.ch anj �' Unb �kfer Serspruck, ist ent fritif vorging. Die damals bestehenden Schattenseiten legte cr Theil unseres Leitartikels., nur mit einigen bezeichnenden Aus standen w il dft Ä/mfturter Zeituna" nick?°°iN?e T r aa- durch Beantwortung der Frage dar:„Weshalb haben wir lassungen, auf welche wir Ipater zuruckkommen werden. weit- idrer De ft n A?°nde r Repu b l tt rm ssen oder aber bisher für den ehrlichen Büraer so wenig gethan un or In diesem Ettal ärgert sie sich augenscheinlich, daß wir die � wette' v r er 4) e f> n i t i o n o e r � jc r v u o c i r � ermepen ooer aver Anhänger der„Volkspartei"„Demokraten" mit Gänse' weil sie dieselbe nicht aufrichtig gemeint hat.� füßchen genannt haben. Darf sie das wundern, da jene Herren Die letztere Annahme tstdie nadihegenbe, we,l als Gegen- dw soziale Gleichheit nicht anstreben, und deshalb für das satz nur die alten RePubl. u mt P� � arbeitende Volk all' ihr politischer Freiheitsdrang nur eine ein- angefuhrt dte modernen Bourgeoisrepubl.ken aber nicht erwähnt ztge große Täuschung ist? und— zelbst der so naheliegende Vergleich der untergangeilen Metallfabrikation fast ausschließlich ihren Sitz in der Onanien- burger Vorstadt hat, so hat diese mit einem großen Weberdorfe,. resp. Kohlendistrikt viel Aehnlichkeit. Die folgende Aufstellung' gewährt hierüber eine speziellere Uebersicht. Es waren beschäf- tigt in den Industrie- u. Oranienburger Vorstadt Moabit Wedding Rosenthaler Vorstadt Sie zeigt zunächst, daß in Eisen- u. sonst. Fabri- Metall kationsbetrieb 11,673 4,000 7,000 5,000 bei der In- 11,699 17,337 2,627 2,883 Bauwesen 47,285 8,975 18,480 28,843 rot. 48,000 Personen dustric, il,00(> in Eisen- und Metallwaaren und 11,000 Per- sonen im sonstigen Fabrikwesen, also 70,654 Personen beschäftigt waren, eine Zahl wie kein anderer Stadtthcil in einem In- dustriezweige aufzuweisen hat. Wenn nun dieser Industriezweig für Eisen- und Metallbranche derartig ins Stocken gerathen ist, daß eine der größten, einen Weltruf habenden Fabriken einge- gangen und von 1200 Schmiedefeuern nur kaum 100 die ganze Tageszeit über arbeiten, so ist ein Facit für die Arbeitslosigkeit der Bevölkerung der Oranienburger Vorstadt gefunden. Spüren wir dem Nothstand in seiner Höhe und Tiefe und Ausdehnung in den einzelnen Erwerbs- und Nahriingsklassen nach, so ergeben die amtlichen statistischen Tabellen, daß in der Oranienburger Vorstadl ein großer Stamm alter, verheiratheter Schmiede, Metalldreher, Bohrer, Schleifer und Arbeiter bei den Hobel-, Werkzeug- jc. Maschinen und bei den Gießereien vorhanden ist. *) Ter Briefs rührt von keinem unserer deutschen Freunde in den Vereinigten Staaten her, sondern von einem amerikanischen Zozialisten, der unter seinen Landsleuten, auck in der Presse, wacker für die Sache der Sozialdemokratie wirkt. Die Uebersetzung ist möglichst genau. »*) Was wir in dieser Richtung zu thun vermögen, wird natürlich mit Freuden ge-han werden. R. d.„V." *♦*) Soll uns sehr willkommen sein. R. d.„V." Wenn die nicht gewerblichen, gewöhnlichen, ledigen Fabrikarbeiter unter dem Mißgeschick der wirthschaftlichen Ereigniffe sich andere Arbeit suchen oder zum Wanderstabe greifen und der stolzen, arbeitslosen Residenz den Rücken drehen, so ist das für die Arbeiter der erstgenannten Gewerbebetriebe ebenso schwierig wie im Weberhandwerk. Tie gewerbliche Beschäftigung und die große Zahl alter, verheiratheter Arbeiter gieb: der ganzen Oranien- burger Vorstadt einen stabilen Charakter. Tie Weber-Ansied- lungen des Voigtlandes erhielten erst Leben seit 40 Jahren. Es baute sich nach der Entstehung der Eisengießerei von Engels :c. k. im geordneten, wirthschaftlichen Aufbau, dieser Erwerbs- zweig den Bedürfnissen nach, langsam auf. Nahrungs- und Be- kleidnngsgewerbe waren der Arbeiterstadt angemessen. Dieier langsame Aufbau ist bis heute in gleicher Weise vor- geschritten. Da nun Eisen- und Metall- Industrie derartig dar- niedcrliegt, wie 12: 1, also wie keine andere, so liegt es auf der Hand, daß alle Schichten der Bevölkerung aus diesem Gewerbe- betriebe gleichsam herausgewachsen sind. Durch den so schroffen Rückgang ist nun nicht allein eine große Zahl Ichmiede, Dreher, Bohrer und gewöhnliche Fabrikarbeiter, sondeni auch Aufsichts- personal, Techniker, Buchhalter, Meister:c. entlassen und brodlos gemacht: Letztere haben, insofern sie ledig waren, beim Meister ec. ein möblirtes Zimmer oder Schlafstelle bewohnt— diese verlassen und einen Ausfall in der Mieths- resp. Wirthschaftskasse erzeugt. Wie sehr dies bei den dortigen lheuren Miethen in's Gewicht fällt, erhellt daraus, daß 8000 Familien Zimmer ver- miethen mußten und 1371 Chambregarnisten und 8521 Schlaf- leute beherbergten. Von besonderem Interesse ist es, daß in der ganzen Oranienburger Vorstadt kein einziges großes Mode- waaren- und Luxusgeschäft existirt. Alle Läden und Verkaufs- lokale haben einen kleinstädtischen Charakter. Es finden nur Gegenstände für den Stand des Arbeiters und Handwerkers Abgang. Da diese nun aber die Kaufkraft verloren haben, so leiden darunter: Bäcker, Mehl- und Vorkosthändler, Schuh- wacher, Kleiderhandlungen, kurz der ganze Erwerbsbeirieb der Gesammtbevölkerung dieser Vorstadt. Leipzig, den 10. Juli. Gestern tagte im„Thüringer Hof" ein Congreß der deutschen Maurer und Steinhauer. Ter- selbe war gut besucht; von den größeren Städten Deutschlands wäre? z. B. durch Delegirte vertreten Berlin, Hamburg, Hau- nover, Dresden, Braunschweig, Chemnitz, Altona, Augsburg. Nürnberg, Rostock, Lübeck, Kiel und Leipzig. Aus den Ver- Handlungen gewinnen die Erörterungen über die Nothwendigkeit der Stellung der Bauhandwcrker unter das Haftpflichlgesetz ein allgemeines Interesse. Ein über diesen Gegenstand von Groltfau aus Berlin gehaltener Vortrag, der sich hauptsächlich auf die amtlichen Resultate der vergleichenden Statistik stützte, führte zur Annahme folgender Resolution an den Bundesrath und den deutschen Reichstag: Der Congreß erklärt: Der Schutz, den das Haftpflichtgesctz den in Bergwerken, Fabriken und bei Eisenbahnen beschäfstgten Arbeitern gewährt, mangelt den Bauhandwerkern. Ties läßt sich weder mit den Resultaten der Statistik über angebliche Ungefährlichkeit des Baugewerbebetriebes, noch mit dem Grund- satz der Rechtsgleichheit der Staatsbürger vereinbaren. ' Im Gegcntheil fühlt sich der Congreß verpflichtet, im Namen der Rechtsgleichheit die Aufnahme resp. Unterstellung der Bau- Handwerker unter die Bestimmungen des tz 1 des Haftpflicht- gesetzes vom Reichstage zu verlangen. Gründe: 1) Da die Erfahrung lehrt, daß die meisten Unfälle der Arbeiter daraus herzuleiten sind, daß die Arbeitgeber aus ungerechtfertigten Sparsamkeitsrücksichten beim Gewerbebetriebe die möglichen und nothwendigen Schutzvorrichtungen und Sicher- heitmaßregeln, welche Unglücksfälle der Arbeiter zu verhüten geeignet sind, rechtzeitig anzubringen unterlassen. Da aber das Haftpflichtgesetz gerade den Zweck hat und haben muß, dieses Uebel möglichst einzuschränken resp. zu beseitigen, so folgt daraus, daß diejenigen Gewerbszweige, be, denen das Leben und die Gesundheit der Arbeiter durch Unterlassungssünden der Arbeit- gcber resp. der von diesen mit der Leitung und Beaufsichtigung der betreffenden Arbeiten beauftragten Personen am meisten ge- fährdet ist, auch in erster Linie unter die Bestimmungen des Hastpflichtgesetzcs zu stellen sind.— Da nun die Bauhandwerker vermöge des hohen Grades von Gefährlichkeit mit dem ihr Ge- werbe bei der heutigen Schutzlosigkeit verbunden ist, zu denjenign Arbeitern gehören, deren Leben und Gesundheit, bei Ausübung ihres Berufs durch fremde Schuld mit am meisten gefährdet ist, so ist die Stellung der Bauhandwerker unter das Haftpflichtgesetz geradezu zur Nothwendigkeit geworden und nur als eine nach- trägliche Erfüllung einer bisher versäumten Pflicht der Gesetz- gebung zu betrachten. 2) Die außerordentlich große Anzahl der durch die Arbeit- geber resp. Unternehmer dauernd odcr� vorübergehend arbeitsunfähig werdenden Bauhandwerker belastet die Kranken-, Sterbe- und Jnvalidenkassen derselben in der ungerechtesten Weise. Durch die Stellung der Bauhandwerker unter das Haftpflichtgesetz würden die betreffenden Kassen auf Kosten der Urheber der durch Fahr- lässigkeit herbeigeführten Unfälle wesentlich entlastet und den Hinterbliebenen der Verunglückten, sowie den auf solche Art invalid Gewordenen eine ihren berechtigten Ansprüchen entspre- chende Entschädigung werden, die ihnen aus den derzeitigen Kranken- ,c. Kassen nicht gewährt werden kann. Unter den heu- tigen Verhältnissen werden aber in le�tcr Linie die Gemeinden, welche für die Arbeitsunfähigen und deren Familien eintreten müssen, arg geschädigt. 3) Da die Äauhandwerker Deutschlands einen so bedeutenden Bruchtheil der industriellen Bevölkerung bilden und da sich unter der Gewerbefreiheit— ganz besonders in den Großstädten— sehr viele nicht fachlich gebildete Unternehmer im Baugewerbe bethätigcn, bei deren Bauausführungen, wie die Erfahrung lehrt, die meisten Unfälle stattfinden; da ferner in neuerer Zeit auch im Baugewerbe Maschinen in Anwendung kommen, so ist die Unterstellung der nach Hunderttausenden zählenden Bauhand- werker unter das Haftpflichtgesetz im Namen des Rechtes drin- gend geboten. Die Wahrheit vorstehender Behauptungen läßt sich durch eine amtliche Enquete bei den Polizeibehörden, den bestehenden Kranken-, Sterbe- und Jnvalidenkassen, sowie aus den Nachwei- sungen der Unfall-Versicherungs-Gesellschaften in kurzer Zeit auf das unzweideutigste und schärfste nachweisen. Ferner wurde beschlossen, eine„Centralisirte Kranken- und Stcrbe-Unterstützungskasse" für die Maurer und Steinhauer Teutschlands— vornehmlich für die Mitglieder des Bundes— ins Leben zu rufen. Auch nahm der Congreß eine Resolution an, durch welche die am 10. und 11. d. M. stattfindende General- Versammlung des„allgemeinen deutschen Maurer- und Stein- hauer-Bundes" ersucht!?ird, fortan den„Grundstein", Organ der deutschen Bauhandwei'ker, wöchentlich einmal und nicht wie bisher, nur alle 14 Tage erscheinen zu lassen. �Schließlich wurde beschloffen, einen Aufruf ckü die Gewerksgenoffen ganz Deutsch- lands zu erlassen und dieselben aufzufordern, sich der obigen Resolution an den Bundesrath und den Reichstag, behufs Unterstellung der Bauhandwerker unter das Haftpflichtgesetz, anzu- schließen. Schluß des Congreffes Abends-29 Uhr. Briefkasten der Redaktion. Herrn Franz Mehring in Berlin. Wir werden Ihre„Berichtigung" in Bezug auf Ihren Prozeß eootra Sonnemann nicht aufnehmen, weil wir das, was Sie angeblich berich- tigen, gar nicht geschrieben haben— es steht nicht im„Vorwärts", daß das Apvellationsgericht zu F.„das freisvrechende Erkenntniß erster Instanz bestätigt habe", wohl aber, daß die Freisprechung Sonnemann's unter theilweiser Abänderung der Motive bestättgt worden sei.— Im Uebrigen halten wir es dem„guten Tone" entsprechend, daß man „Berichtigungen" an Redaktionen mindestens auf ein„anständiges" Blatt Papier— nicht auf ein schmutziges— schreibt— Sauer» mann in Berlin: Ich bitte es� zu unterlassen; mir ist jeder Personen- cultus zuwider. Ueberlassen Sie es den„Reichstreuen", ihre Wirihs- Häuser, Tanzhallen, Tingel-Tangel auf den Namen ihrer„Fuhrer" zu taufen. W. H.— C. L. in Barmen: Es gehen uns fortwährend Zeitungsausschnitte zur Besprechung zu; meistentheils ist dies ubklatsch des Viktor Böhmert'schen Klatsches. Auch der eingesandte Artikel der „Barmer Zeitung" ist der„Sozial-Correspondenz" ohne Quellenangabe entnommen und hat schon in der vorigen Nummer des„Borwans" im„Feuilleton" die gebührende Abfertigung erhalten.— W. R. in Halle: Wenden Sie sich doch direkt an die Redaktion der„Gleichheit" in Wien. der Expedition. Sievers in Stuttgart: Die Festannonce kostet 3.60 M. Quittung. Hrmsdrf Gohlis Schr. 6,70. Grbnstr Lindenau Ab 25,95. Schrdr Plagwitz Ab. 3,00. Rrxckr Wien Ab. 5,00. Lni Pieschen Schr. 10,00. Klpp Ronsdorf Ab. 3,70. Lbrnd Stuttgart 5,68. Kppf Graz Ab. 4,80. H. St. B.- Aicha Ab. 14,80. Hfmnn Alexandrien Ab. 1,25. Sltsm Forchheim Schr. 11,30. Gthl Schweid- nitz Schr. 12,00. Zhtnr Darmstadt Ab. 18,92. Schwnd Göppingen Schr. 18,20. Albrtz Esslingen Ab. 26,60. Jnschr Newyork Ab. 80,20. H. Krs München Ab. 140.00. Brndt Mitlweida Ab. 21,00. Mknsy Düsseldorf Ab. 8,60. Brggmnn Seesen Ab. 17,00. H. Prß Wien Ab. 9,00, Schr. 6,58. Anglstn hier Ab. 1,80. Ullrch hier Ab. 230,85 Bnd der Tischler hier Ann. 4,60. Trrstn Coblenz Ab. 3,90. F. Wß Christophsgrund Ab. 11,60. Ufrt Weimar Schr. 1,10. Zhrcht Zeitz Ab. 4,80, Schr. 0,80. Zsch N.-Reudnitz Ab. 13,75. Fnk hier Schr. 2,10. Thm hier Ab. 6,70. Tttmnn Dieburg Ab. 0.60. Grk Wien Ab. 10,00. Gnthr Großenhain Schr. 23,43. I. Endrs Augsburg Schr. 100,00. G. Frtz Qffenbach Ab. 66,85. C. Mllr Glauchau Ab 58,20, Schr. 4,00. Rg Mauche Ab. 3,00. Zmmr Liege Ab. 1,42. I. Sktjn Wien Ab. 24,80. Uhlmnn Cainsdors Ab. 12,50! Hrsch Stutt gart Ab. 10,00. Hrdn Heinrichshagen Schr. 7,70. Mrsch'Rvtthausen Schr. 3,75. Bmgrtnr Mühlheim Ab. 2,30. Fonds für Gemaßrcgelte. Bon H. St. in B. A. 5,20. Sozialdemokratischer Wahlvcrcin »VVUUlvt lt. Sonnabend, den 14. Juli, Abends 8:/a Uhr, im Bereinskokale Mittelstraße 11:(F. 163)[70 Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Vortrag von Kaiser über die GeschäftskrisiS und die Lage des Arbeiterstandes Der Vorstand. rtvirtv Den Parteigenossen und Freunden zur Anzeige, sJZUUtl, V4.Z.. daß ich aus dem Schützenplatze ein(F. 16Z)[2,40 Uekaurations-Ielt errichtet habe vom Rundtheile ab rechts in der Wiese, in der Nähe des Hrn. A. Mathes'schen Zeltes. C. Fink aus Linden. fSiTVMTlA'NPV Ten Freunden und Bekannten diene zur Nach» «ytUUll, 1. vi. richt, daß ich auf dem Schützenplatze ein iF. 163) Taiy- und Restaurations-Zklt errichtet habe, gutes Bier und gute Speisen sind reservirt.[2,40! F. Wietgrefe, H. Bogc's Nachfolger. 9ftp4,,z4.-, Metallarbeiter-Gewerkschaft. Sonnabend, den 15. Juli, Abends 8 Uhr, in Menzels Restauration am Täubchenweg: Versammlung. Tagesordnung: Gewerkschaftliches. [50 Der Brv. Wichtig für jeden Geschäftsmann und GcwerbsgchiZfen? Bei Sturm u. Koppe in Leipzig erschien und ist durch die Expe- dition des„Vorwärts" zu beziehen: Rathgeber für t�ewerbtreibende. Selbststudium für diejenigen, weiche in der Rechtschreibung nicht fest sind. 2) Briefsteller, welcher über 400 Briefmuster für die Gewerb treibenden und außerdem alle nur denkbaren Verträge, Dokumente, Ge- schäftsaussätze, Klagjchriften-c. enthält, die bei den, Gewerbstande vor- kommen. Es ist dadurch Jedem leicht gemacht, seine schriftlichen Ar- besten nach diesen Mustern anzufertigen. 3) Buchhaltung. 4) Fremd- Wörterbuch. 5) Samml. v. Gelegenheitsgedichten. 6) Die kür Gewerbtmbcnde wiffensnöthigsten Reichsgesetze. 7) Notizen über Gold-, Silber- u. Papiergeld, mir Wertdanqabe des Geldes aller Staaten. 8) Das neue Maaß- u. Gewichtssqstcm v. Deutschland und allen Staaten der Erde. 9) Brief-, Packet- u. Dcpeschcn- Portotarif. 10» Statist. Uebersicht aller Länder der Erde. 11) Ortsbeschreibung der vorzügl. Städte von Deutschland, Oester- reich, der Schweiz rc. 12) Reiserouten durch Deutschland, Oesterreich, die Schweiz k. 13) Der Schnellrechner beim Ein- u. Verkauf. 14) Das RtichsstrafgeseNbnch. 3 verb. Aufl. Pr. broch. 4 M., geb. 4>/, M.[600 Das Protokoll des diesjährigen, zu Gotha stattgehabten Sozialisten-Congresses ist erschienen. Preis vro Stück 25 Pfg, bei Bezug von mindestens 5 Exem» plaren 20 Pfg. Bestellungen, denen der Betrag nebst 10 Pfg Porto für je 5 Exemplare beizufügen ist, sind zu richten an E. Derossi, Hamburg, Pferdemark: 37 III. Nur gegen baar oder Postvorschuß wird expcditirt. Durch uns ist zu beziehen: Zur Grund- und Bodensrage von Wilhelm Liebknecht. 2. vervollständigte Auslage. Preis/per Exemplar 0,75 Mark. Tie Expedition des„Vorwärts". V-MMworst chcr Ntdakimr: R. Seiffert in Lrtzhhj. fcdtär.vB und STttfctnon Färberstraze 12/11, m L«ppg. tr.ti nr.k»n KtnokftnjcheUbschdriukeri!? sti Ls»PN>»