Erscheint in£tis{i3 Mittwoch, Freitag, Sonntag. AionnnncntSprti» str ganz Deutichland 1 18. GO PI. pro Quartal. MonatS- Abonnements werden bei allen deutschen Poftanftalten auf den S. und Z. Moiut, und aus den Z. Monat besonders angenommen: im iiinigr. Sachsen und Herjogth. Sachsen- Altcnburg auch aus den iten Moaat de« Quartal« k 54 Psg. Inserate »etr. Bersammlungeu pr. Petitzeile 10 Pf., betr. Prioatangelegenheiten und Feste pro Petitzeile»0 Ps. Vorwär Vtlieöuniztn nehmen an alle Pollanstalten und Buch. Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditione«. Uew-Forl: Svz.-demokr«enossen- schastSbuchdrnckerei, lS4 dllckiiilxe Ztr. Philadelphia: V. Haß, 630 Harth 3r4 SV. fH'l I. Boll, 1129 Charlotte Str. Hod-l-n N.J.: F. A. Sorge, 215 Wash- in�ton Str. Chicago: A. Lanfermaon, 74 Clybourneave. San Franzisco: F. Eng, 41» O'Carrell Str. London W.: C. Henze, 8 Nev' tr. Golden Square. Kentrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Rr. 82. Sonntag, 15. Juli. 1877. Nieder mit der Bourgeois-Republik. Unser bewährte« Hamburger Parteiorgan bringt in Bezug' auf den Artikel der„Franks. Ztg.", welcher sich gegen den„Vorwärts" wendet, einen vorzüglichen Leitartikel, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Die Sozialdemokratie darf mit keiner andern Partei Kom- promisse noch Koalitionen schließen, weil sie, als die radikalste politische Partei, dann unbedingt ihr Programm ändern, resp. gewisse Programmfragen aufgeben müßte. Nicht das Ringen nach augenblicklichen Erfolgen, sondern das unentwegte Festhalten an ihren Grundsätzen muß bei ihrer politischen Thätigkeit maßgebend sein. „Tie bürgerliche Demokratie befindet sich allerdings nicht ganz in derselben Lage. Sie ist nicht die radikalste polirische Partei; denn wenn sie auck in politischer Beziehung die meisten Forde- rungen der Sozialoemokratie in ihrem Programm hat, so steht sie der letzteren bezüglich der sozialistischen Forde- rungen ebenso schroff wie die liberale Partei gegen- über. Wenn sie sich nicht selbst aufgeben will, darf sie jedoch mit der letzteren keine Kompromisse schließen. Wo es sich aber um die Wahrung der politischen Interessen handelt, kann sie, falls sie zur Durchsetzung derselben allein zu schwach ist, die Sozialdemokratie, als die radikalste politische Partei, unterstützen, ohne sich etwas von ihren Prinzipien zu vergebcn. Sie thut dies jedoch weder in Frankreich, noch in Deutschlai d, ein Zei- chen, daß ihr das Klasseninteresse höher steht als das Parteiinteresse. „Was nun die Haltung der Jntransigenten gegen die Mac Mahon'sche Gewaltpolitik betrifft, so ist unbedingt die von den Vertretern der oppositionellen Parteien geschlossene Coalition, dahingehend, daß die Liberalen aller Schattirungen vereint mit den Demokraten bei der Neuwahl der Nationalversammlung alle Parteistreitfragen unterdrücken und ausschließlich für die Wieder- Wahl der 363 oppositionellen Kandidaten eintreten sollen, seitens der Demokraten ein Prinzipienbruch, ein Verrath an der Sache des Volkes. Und aus diesem Grunde ist die Sozialdemokratie gegen dieses Abkommen. „Die jetzige französische Republik ist ohne Zweifel unHalt- bar und es ist nur eine Frage der Zeit, daß das Kaiserreich Wieder an deren Stelle tritt. Der Schritt hierzu ist gar nicht so schwer, weil der jetzige Zustand doch nur ein provisorischer und weil mit der Einsetzung eines mit allen Machtvollkommcn- heiten eines Monarchen ausgestatteten Präsidenten für den Zeit- räum von 7 Jahren schon das republikanische Prinzip durch- brachen ist. Legitimisten, Orleanisten und Bonapartisten, wollen eine Monarchie und es wird sich nur darum handeln, welche von den drei Parteien die siegreiche ist. Bis jetzt sind sie sich noch einig, gegen die bestehende Staatsform anzukämpfen und daher ist es den Liberalen und Demokraten unmöglich, ihre Prinzipien durchzusetzen. Ist jedoch die jetzige Form der Republik zertrüm- mert und entweder das Königthum oder das Kaiserthum siegreich gewesen, so wird die zur Herrschaft gelangte Partei auch die beiden anderen gegen sich haben. „Je eher nun dieses herbeigeführt, je eher diese sogenannte Republik gestürzt wird, um so besser ist es, weil es weder einem Kaiser noch einem Könige gelingen wird, außer seinen jetzigen Anhängern und außer den Abenteurern, die jedem Herrschenden dienen, eine Partei im Volke zu gewin- neu, auf die er sich dauernd stützt, die den Thron wird halten können. Die Republikaner und die unterlegenen monarchistischen Parteien werden sich sowohl gegenseitig, wie vereint die Herr- schende Dynastie bekämpfen— bis der Zusammenbruch des durch „Blut und Eisen" zusammengehaltenen Thrones erfolgt. Sie kämpfen unbewußt für die Sozialdemokratie, die sich, durch nichts gehindert, mehr und mehr entfaltet, immer mehr Boden im Volke gewinnt, die Zeit nahen sieht, wo sie die sozialistische Republik wird ernchten können. .»Wenn daher die„Franks. Ztg." am Schluß ihres Artikels witzelnd bemerkt:„Nieder mit der Republik!" ruft heute der „Vorwärts"� Das kann unmöglich ernst gemeint sein, im schlimmsten Falle ist es eine momentane Verirrung, ein Zorn- ausbruch bei augenblicklich getrübtem Bewußtsein,— so werden seine scharfblickenden Leser urtheilen und die Nummer als unge- kauft betrachten," so ist das ein Beweis, daß sie die Sozialisten nicht versteht. Jeder Sozialist muß die Beseitigung einer Staatsform wünschen, die nichts als die verkörperte Lüge ist. Möge die jetzige französische Republik deshalb je eher je lieber zu Grunde gehen, desto mehr wird die Zer- setzung der Gesellschaft beschleunigt und um so leichter wird es den französischen Sozialisten werden, das reaktiv- näre Staatsgebäude umzubauen und die sozialistische Republik einzuführen. Wenn die„blauen" Demokraten die letzige sogenannte Republik in Frankreich zu stützen suchen, so zeigen sie damit nur die Kluft, die sie auch in politischer Be- ziehung von den„rothen" Demokraten trennt. Letztere hassen lowohl m der politischen, wie in der sozialen Frage alle Halb- t/shst. J0'st eine Vereinigung der„Blauen" und„Rothen" aus ausgeschlos�'� einzelner politischer Forderungen im Bor- »Hamburg-Altonaer Volksblatt", das Lokalblatt der Partei. Dasselbe nimmt in dieser Mir moNt... s n$ �dikalere Stellung ein, als der„Vorwärts". � zunächst die Ansicht unseres Hamburger Lesern s telle über die schwebende Frage unfern Lesern vorführen und dann in der nächsten Nummer unsere An- Nu""gen der �Franks. Ztg/- gegenüber in der Fortsetzung der füh„�..e Rothen wider die Blauen" weiter aus- Die Organisation der öffentlichen Gesundheitspflege. i. (Fortsetzung und Schluß.) Wir haben überwiegend mit Sonderegger's eigenen Wor- ten den Standpunkt mitgetheilt, von welchem er den Entwurf eines Gesetzes über Organisation der öffentlichen Gesundheits- pflege und eines Gesetzes über Lebensmittel-Polizei dem großen Rathe zu St. Gallen vorlegte. Was er so kurz, treffend und wohlüberlegt ausgesprochen, das paßt im weitaus größten Theile genau so schlagend für Deutschland, als für jenen Schweizer Canton. Betrachten wir nun die beiden Gesetze. „Das Gesetz für öffentliche Gesundheitspflege" um- faßt nur sechs Artikel: 1) zur öffentlichen Gesundheitspflege ge- hören a) Wohnungen, Arbeitslokale, Stallungen,— b) Brunnen, Trink- und Brauch-Wasser,— c) Lebensmittel,— d) Luft und Baugrund(Wege und Cloaken),— e) Gewerbe und Hantirungen, sofern sie die Gesund- heit berühren,— k) Kinderpflege,— g) Schulen und alle öffentlichen Anstalten,— K) Verhütung und Beschränkung von Seuchen der Menschen und Thiere,— i) Krankenpflege(Anstalten, Personen und Vereine),— Ir) Leichenbestattung,— 1) alle weiteren Angelegenheiten, welche die Gesundheit des Volkes betreffen.— 2) Die einzelnen Zweige der öffentlichen Gesundheitspflege werden durch besondere Gesetze und Verordnungen geregelt.— 3) Der Staat unterstützt die Gesundheitspflege der Gemeinden nach gleichen Grundsätzen wie andere öffentliche Unternehmungen.— 4) Ueber die Dring- lichkeit gesundheitspolizeilicher Borkehrungen entscheidet das ört- liche Bedürfniß, besonders die Sterblichkeitsziffer der Gemeinden im Mittel der letzten fünf Jahre berechnet, inwiefern sie über der mittleren Todesziffer des ganzen Cantons steht,— und die Vorschriften der allgemeinen eidgenössischen Ober-Cantonalgesetze. — 5) Die öffentliche Gesundheitspflege ist zunächst Sache der Gemeinden und wählt daher der Gemeinderath aus allen Ge- meindebeamten eine Gesundheitskommission von 3—15 Mitglie- dern, von denen wenigstens eines Mitglied des Gemeinderathes sein muß, als„Ortsgefundheitskommifsion"; diese über- wacht sowohl von sich aus, als im Auftrage des Gemeinderatbes oder der Sanitätskommisfion, die gesammte Gesundheitspflege oer Gemeinde, wie sie im Eingange aufgezählt worden ist und be- richtet jährlich wenigstens einmal an den Gemeinderath zu Hän- den der Samtätskommission nach einem von dieser festgesetzten Fragebuche.— 6) Die„Sanitätskommission" darf als Ober- behörde von sich aus oder durch die Gemeinden alle Unter- suchungen und Vorkehrungen anordnen, welche sie im Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege für nöthig erachtet. Jnsbeson- dere zieht sie so oft als erforderlich, Sachverständige bei,— ernennt mit Genehmigung des Regierungsrathes einen oder mehrere öffentliche Chemiker,— bestimmt im zweifelhaften Falle den Begriff der Fälschung oder der Gesundheitsschädlichkeit, vor- behalten die Bestimmungen des Strafprozesses,— wacht über Ankündigungen und Anpreisungen, inwiefern diese den öffentlichen Gesundheitszustand gefährden,— und bearbeitet die Jahres- berichte nach Maßgabe des von der Gesundheitspflege umfaßten Gebietes mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse jeder einzelnen Gemeinde und sorgt für deren Veröffentlichung. Dieses vorstehend in seinem Wortlaute mitgetheilte Gesetz ist unverändert nach dem Vorschlage angenommen worden, mit Ausnahme des in Artikel 6 befindlichen Zusatzes„vorbehalten die Bestimmungen des Strafprozesses".— Das Gesetz unterscheidet sich in einem wichtigen Punkte von der in England üblichen Gesetzgebung, indem im letzteren Lande die Todes- ziffer 23(auf 1000 Lebende) als normal angeschen wird, und der Ortsgesundheitsrath auf genauerer Inspektion des Ortes und Reform von Gesetzeswegen zu bestehen hat, wenn diese Ziffer sieben Mal überschritten wird,— während in St. Gallen bereits fünf Jahre maßgebend sind, aber nicht eine bestimmte Sterblichkeitsziffer genannt worden ist, sondern die mittlere Todesziffer des ganzen Cantons. Da nun zu erwarten steht, daß bei sorgfältiger Handhabung dieses Gesetzes die mitt- lere Tvdtenziffcr geringer ausfallen werde als 23, so ist hier- durch die Möglichkeit gegeben, daß der Fortschritt sich auf den ganzen Canton nach und nach gleichmäßig erstrecke, während im Anfange, wo die Sterblichkeitsziffer noch höher ist, die Reform- arbeit nicht überhastet zu werden braucht. „Das Gesetz über die Lebensmittel-Polizei" ver- ordnet: 1) daß Jeder, welcher lum Verkaufe bestimmte Nahrungs- mittel, als Lebensmittel jeder Art, Spezereien, Conditoreiwaaren, Getränke u. f. w. durch Beigabe oder Entziehung von Stoffen fälscht oder verschlechtert, oder sonstwie im Werthe vermindert, a) im ersten Betretungsfalle, auch wenn keine Vermögensschädi- gung vorliegt, durch den Gemeinderath mit einer Geldbuße bis auf 100 Franken belegt wird,— b) im ersten Rückfalle, oder wenn ein Schaden von über 25, aber unter 50 Franken vor- liegt, durch die Gerichts komm ission mit Gefängniß bis auf 3 Monate allein oder in Verbindung mit Geldbuße bis aus 300 Franken,— und o) in jedem weiteren Rückfalle oder bei höheren Schadenbeträgen durch das Bezirksgericht mit Ge- fängniß bis auf 6 Monate allein oder in Verbindung mit Geld- büße bis auf 600 Franken bestraft wird.— 2) Der gleichen Strafe unterliegt Jeder, der solche Waaren, obgleich ihm deren oben vorgesehene Eigenschaften bekannt waren, oder zufolge seines Gewerbes oder Berufes bekannt sein mußten, unter Verschwei- gung dieser Eigenschaften verkaust oder feilhält.— 3) Wer zum Verkaufe bestimmte Nahrungsmittel und Getränke u. s. w. durch Beimischung gesundheitsschädlicher Stoffe fälscht, sowie Derjenige, welcher gesundheitsschädliche Nahrungsmittel, Gettänke u. f. w. unter Boraussetzung des vorigen Artikels verkauft oder feilhält, wird auch ohne eingetretene Nachtheile für Gesundheit oder Vermögen durch das Bezirksgericht mit Gefängniß oder Arbeitshaus bis auf die Dauer von einem Jahre allein oder in Verbindung mit Geldstrafe bis auf 1000 Franken belegt. Wäre dabei aber ein Nachtheil für die Gesundheit oder das Vermögen oder wäre sogar der Tod erfolgt, so ist, sofern die Handlung nicht in ein schweres Vergehen oder Verbrechen übergeht, durch das zuständige Gericht die Strafe je nach Umständen auf das Doppelte zu erstrecken, oder auch Zuchthaus bis auf die Dauer von fünf Jahren zu erkennen. In allen diesen Fällen gelten in Bezug auf den Rückfall die Bestimmungen des allge- meinen Strafgesetzes.— 4) Verkauf und Feilhalten von unreifem Eßobste und von Nahrungsmitteln, welche durch Alter oder Auf- bewahruna verdorben sind, wird durch die Lokal Polizei mit einer Buße von 10—100 Franken bestraft, und im Wieder- holungsfalle kann die Buße bis aus das Doppelte verschärst werden.— 5) Gesundheitsschädliche Nahrungsmittel, Getränke:c. sind von der Polizei zu konfisziren, sollen in der Regel zerstört, ausnahmsweise aber zu Gunsten der Staatskasse veräußert werden. Andere gefälschte oder im Werthe verminderte Nahrungsmittel, Getränke u. s. w. sind ebenfalls von der Polizei zu konfisziren, sind aber auf geeignete Weise zu verwerthen und der Erlös nach Abzug der Kosten und der Geldbuße an den Eigenthümer heraus- zugeben. Doch kann im Rückfalle mit der Strafe Einstellung im Gewerbe oder der Verlust desselben verbunden werden.— 6) Zum Zweck der gehörigen Controlle der zum Verkaufe be- stimmten Nahrungsmittel, Getränke haben periodische Unter- suchungen durch Sackverständige stattzufinden.— 7) Es folgt die Aufzählung der ourch dieses Gesetz aufgehobenen Verord- nungen. Auch für dieses Gesetz ist der gemachte Vorschlag unverändert geblieben, nur ist er in Artikel 2 dahin erheblich und zweckmäßig verschärft worden, daß nicht nur derjenige, welcher gefälschte Nahrungsmittel„verkauft", in Strafe zu ziehen ist, sondern auch derjenige, der sie„feilhält", wodurch ebenso eine bei uns in vielen deutschen Gesetzesbestimmungen(z. B. Stockdezen und andere verbotene Waffen) vorkommende Folgeunrichtigkeit ver- mieden ist, sondern wodurch namentlich der betreffenden Behörde die Feststellung der Gesetzesübertretung ganz wesentlich erleichtert wird. Ebenso ist Artikel 5 erweitert und verschärft, Artikel 6 zum Vorschlage zugesetzt worden. Die beiden Gesetze würden aber in der Luft schweben, hätte man nicht auch die„Gesundheitskommission", sowie deren Zu- sammensetzung und Befugnisse genau geordnet, was in einem be- sonderen Gesetze von 25 Artikeln geschehen ist. Wir werden uns in den nächsten Nummern mit dem Reclam'schen Artikel beschäftigen und die Frage der öffentlichen Gesundheitspflege vom sozialisttschen Standpunkte aus besprechen. Die Moralität der Bourgeoisie und der Bourgeois-Wirthschaft. Geständnisse edler Seelen. In Bremen tagte ver- gangene Woche der dritte deutsche Fleischercongreß. Bei dieser Gelegenheit wurden verschiedene schöne Dinge ausgeplau- dert und zu Tage gefördert. Am ersten Tag erfuhren wir durch den„Referent" über den heimischen Fleischhandel, Schlächter- meister Lauer(Berlin)„daß nach verbürgten Nachrichten die Hälfte des in Berlin consustnirten Fleisches von krankem Vieh herrühre." Am zweiten Tag hielt der in Mainz neulich wegen Wurstfälschung verurtheilte Fleischer- meister Falk(Mainz) eine Rede, in der er erklärte, daß reine Wurst eine Unmöglichkeit sei, in jede Wurst müsse ein„Mehlzu- satz" als„Bindemittel" kommen, deshalb von Fälschung zu reden, sei Unsinn, denn die Wurst sei ein„Fabrikat", eine „Composition". Gerathe einmal etwas zu viel„Bindemittel" in die Wurst, je nun— Fleischermeister seien auch nicht un- fehlbar. Die Mainzer Richter verständen von der Sache nichts, sonst hätten sie ihn nicht verurtheilt— trotz des Urtheils und der Bestrafung werde er aber„pflichtgemäß fortfahren, seine Wurst in der alten Weise zu bereiten." Was die Mainzer Richter da- zu sagen werden, das wissen wir nicht. Die ehrsamen Fleischer- meister riefen dem Märtyrer fleischermeisterlichen Pflichtgefühls ein donnerndes Bravo zu; der„Referent" in der Frage(„Ber- fälschung der Wurst durch Stärkemehl"!), Fleischermeister Burg (Berlin), machte den preußischen Richtern das Complimcnt,„in Preußen sei ein Urtbeil, wie das in Mainz gefällte, nicht möglich",—„das Mainzer Urtheil habe der Wissenschaft(! der Herren Fleischermeister) einen Schlag in's Gesicht versetzt", es „sei ein Justizmord!" Präsident Lüdtkc ruft„Redner" wegen des� letzteren Ausdruckes, der ihm bedenklich erscheint, zur Ord- nung,„Redner" gibt aber unter dem Beifall seiner Herren Collegen die kühne Erklärung ab) daß er ven Ausdruck nicht zurücknehme. Nachdem noch mehrere„Redner" mehr oder weniger kräftig das Lob der Wurstfälschung verkündet, kommt folgender Antrag zur Abstimmung: „Der Congreß möge erklären, daß der Zusatz von Mehl zu einigen Wurstwaaren wegen der Bindekraft des Mehls nicht als Fälschung aufzufassen und noch weniger(als— eine Fälschung? Oh!) gesundheitsschädlich sei." Der Congreß der deutschen Fleischermeister nimmt diesen Antrag mit großer Majorität, wo nicht einstimmig an, und hat also offiziell die Nahrungsmittelverfälschung sank- tionirt. Wir werden's uns merken! Im Verlaufe derselben Sitzung kam als 10. und letzter Punkt der Tagesordnung die„Deutsche Fleischerzeitung" zur Diskussion.„Einer der Delegirten— so heißt es in dem vor uns liegenden Bericht— rügt die ungenaue und wahr- heitswidrige Wiedergabe der Fleisch- und Viehpreise in der„Deutschen Fleischerzeituug", worauf der anwesende Re- dakteur derselben kurzweg erklärt, das ginge nicht anders, denn wenn er genaue Preisangaben in der Zeitung machen würde, so könne er sich darauf gefaßt machen, daß man ihn in Berlin steinigte." Der Congreß ließ diesen Erklärungsgrund gelten. Es wird also fortgelogen. Sagte die„Deutsche Schlächterzeitimg" die Wahrheit, so könnte ja das Publikum dann den ehrsamen Herren Schlächter- meistern nachrechnen und ihre„Profite" berechnen. So viel über den dritten deutschen Fleischercongreß. Ein weiterer Commentar ist überflüssig— wir wiederholen blos: Wcrden's uns merken! Sozialpolitische Ueberstcht. — Skandal. Unsere Leser kennen den politischen Streber, deutschen Exrevolutionär und„amerikanischen Staatsmann" Karl Sckurz. Weiland hitziger Demokrat, ist er im Lauf der Zeiten ein hitziger Bismärcker geworden,— was bei seiner Kinkelver- ehrnng allerdings ein sehr natürlicher Sprung— und fand sich vor Kurzem glücklich am Ziel seiner Wünsche, indem er von dem neuen Präsidenten zum Staatssekretär(Minister) ernannt wurde. Für welche Freundlichkeiten wissen wir nicht. Dagegen erfuhren wir dieser Tage von Freundlichkeiten, die ihm wider- fahren, und für die er sich— dankbar gezeigt. Nun, Dankbar- keit ist eine schöne Tugend. Freilich es gibt verschiedene Sorten, und im vorliegenden Fall scheint Ursache und Bcthätigung etwas eigenthümlicher Art gewesen zu sein. Hören wir: Bor einigen Wochen wurde die Welt überrascht durch die Ernennung eines ganz unbekannten Mannes, eines gewissen Schneider, zum amerikanischen Gesandten in der Schweiz; vor einigen Tagen wurde die Welt wiederum überrascht durch die Anzeige, daß die Ernennung Schneider's rückgängig gemacht worden sei. Und nun wird die Welt zum dritten Mal überrascht durch die Lösung des Räthsels, welche in der Mittheilung besteht, daß Hr. Schnei- der, ein reicher Bankier in Chicago und persönlicher Freund des Karl Schurz, diesem bedeutende Geldsummen geborgt und zum Dank dafür in den Gesandtschaftsposten hineingeschoben worden sei; der frühere amerikanische Gesandte in Dresden, Hr. Lorenz Brentano, Todtcngräber der badisch-pfälzischcn Revolution von 1849, habe die Sache aus— landsmannschastlichem Gefühl für seine deutschen Mitstreber dem Präsidenten Hohes verrathen. Eine nette Gesellschaft das! Fragt sich nur, ob und wann der dankbare Schurz seinem uneigennützigen Wohlthäter nachfolgen wird. Daß Herr Carl Schurz Sozialistenfresser ist, wie er im Buch steht, und für die heutige Gesellschaftsordnung schwärmt, brauchen wir unser» Lesern nicht zu sagen; Herr Schurz ist ihnen ja kein Neuling. Und wäre cr's: wer das Eigenthum — Anderer praktisch liebt, ist theoretisch ja selbstverständlich ein Fanatiker des Privateigenthums. — In Sachen Dühring. In Berlin sind die Unter- zcichner des Studenten-Aufrufs in Sachen Dühring's vor das Universitätsgericht gerufen und wegen ihres Verhaltens zur Rechenschaft gezogen worden. Die Herren Professoren scheinen indeß sich mit der Absetzung des Lehrers vorläufig begnügen zu wollen; denn sie entließen die Schüler mit einer väterlichen Er- Mahnung, was von ungemein tragischer Wirkung gewesen sein soll.— Auch in Leipzig wurde ein Student, der sich hervor- ragend an der Propaganda gegen das Verhalten der Berliner Universität betheiligt hatte, vor den Universitätsrichter geladen, der ihm eine„Verwarnung" zukommen ließ. — Eine Thatsache ohne Commentar. Herr Strous- berg wird in den nächsten Tagen auf freien Fuß gesetzt wer- den. Wie der Berliner„Börsenkourier" meldet, hat er dies allerhöchster Intervention zu verdanken.„Der Flügeladju- tant des Kaisers, Graf Lehndorff, hatte sich, schreibt das genannte Blatt, vor einigen Wochen direkt nach Petersburg be- Die neue Generation. (Zur Charakterisirung Rußlands.) (Schluß.) Wer steht dieser Gesellschaft, die aus Rand und Band zu gehen droht, gegenüber? Welche Elemente halten noch an den gegebenen Verhältnissen fest, während beinahe Alles seine Sache auf Nichts gestellt zu haben scheint? Turgenjeff hat auch in hellen Farben Jene gezeichnet, welche der Ueberfluthung durch den Nihilismus Widerstand leisten wollen. Es ist kein impo- nircndes, achtunggebietendes Heer, welches er uns in diesem Falle vorführt. Wir haben es hier nur mit solchen Leuten zu tyun, die überhaupt nur gut finden, was mit dem Staub der Jahrhunderte bedeckt ist, oder mit Menschen, welche den Nihi- lisnius aus keinem andern Grunde verdammen, als weil die Re- gierung ihn mit ganzer Strenge verfolgt. Turgenjeff läßt uns aber auch ahnen, daß so mancher von jenen Aristokraten, die jetzt der Mode des Nihilismus huldigen, im entscheidenden Au- genblicke das Lager der Feinde der Gesellschaft verlassen werde. Viele der Adeligen spielen mit dem Nihilismus, wie die fran- zösische Aristokratie des achtzehnten Jahrhunderts den Cultus der revolutionären Ideen trieb und in dem Nichtgott der Atheisten ihren Gott anbetete. Und das Volk selbst, wie steht es zum Nihilismus? Die große Menge der Armen und Elenden, der stets Geschundenen und immer Geplagten, welche im Schweiße ihres Angesichts arbeiten müssen, ohne sich je der Resultate dieses Schweißes er- freuen zu können, die geschlagen und gemartert werden, ob sie nun Leibeigene oder Frcigewordenc sind, blicken sie etwa sehn- süchtig dem Heilande entgegen, dessen baldiges Erscheinen ihnen von den Wortführern des Nihilismus in Aussicht gestellt wird? „Ja, ja," sagt ein Bauer der neuen Generation,„es wäre schon gut, wenn es gar keine Herren auf der Welt gäbe und alles Land uns gehörte; was könnte wohl besser sein? Solch ein Ukas ist aber noch nicht erschienen!" Wenn erst„Väterchen" den Nihilismus anbefehlen wird, dann wird auch diese in allen ihren wilden Trieben entfesselte Masse aufbrechen, um sich vernichtend auf die Gesellschaft zu stürzen... Auf Ukase hofft das Volk, welches von Allen, die ihm das Heil und das Evangelium der Zukunft predigen, verlangt, daß sie riesige Quan- titäten von Branntwein vertilgen! Im Branntwein sieht es die einzige Beglaubigung! Von ergreifender Wirkung ist jenes Kapitel, in welchem Turgenjeff schildert, wie der Held der neuen Generation, ein durch und durch edler Schwärmer, mit seinem Worte die Bauern geben, um beim Czaren die Freilassung des Dr. Stroußberg zu erwirken. Nachdem die Angelegenheit noch in jüngster Zeit mancherlei Phasen durchlaufen hat, ist ihm dies dennoch ge- lungen." — Wir erhalten aus Berlin folgende Zuschrift: Die„Na- tional-Zeitung" schreibt in Nr. 314 d. I.:„Der Briefpostver- kehr in Berlin hat während der drei letzten Monate gegen die drei letzten Monate des Vorjahres erheblich zugenommen. Ein Gleiches gilt auch vom Packetpostverkehr. Da der überwiegende Theil dieser Sendungen geschäftlicher Natur ist, so darf die erwähnte Steigerung als ein erfteuliches Zeichen einer günsti- geren Entwickelung der Geschäftslage aufgefaßt werden."— Daß die Zunahme des Packetpostverkehrs auf Kosten des Collibahn- Verkehrs geschieht, davon hat das Dernburg'sche Blatt natürlich keine Ahnung; die Post hat bekanntlich gerade in Bezug auf größere Pallete bessere Bedingungen gestellt. Fügen wir obiger Mittheilung noch die von Herrn Lammers„Unfindliche Roth" (letzte Nummer der Lindau'schen„Gegenwart")— Herr Lammers hat wahrscheinlich in seinem„Arnheim" die Roth vergebens ge- sucht— hinzu, so leben wir herrlich und in Freuden! — Herrliche Kriegsfrüchte. Wir haben schon oft darauf hingewiesen, daß nach den Kriegen die Verwilderung im Volke immer zunimmt. Daß die Behauptung nur zu wahr ist, hat dieser Tage ein Fall, der vor dem Münchener Schwurgerichte verhandelt wurde, bewiesen. Auf der Anklagebank saßen der Müller Gutschenreiter von Holzhausen und sein Schwager Johann Mayer, welche gemeinschafilich das Dienstmädchen Veronika Allerberger, nach vorhergegangener Verabredung mit ihren Frauen, erwürgt und dann aufgehängt haben, um an einen Selbst- mord glauben zu machen. Nach den Zeugenaussagen hat sich obiger Mayer vor dem Morde öfters renommirend geäußert: „Die wern mir bald weg haben. I bin Soldat g'wen, war Anno 70 dabei, i bin dös gewöhnt, auf oan Menschen- leben geht's ma nimma zfisammenl"— Die Mörder wur- den zum Tode verurtheilt. Das Gesetz hat seine Sühne. Aber ist nicht an diesem Morde auch die Gesellschaft Schuld, die es ermöglicht, daß der Massenmord im Kriege noch existirt? — Beamtenwillkür. Es geht uns soeben folgendes Schriftstück zu, das zu veröffentlichen wir uns um so mehr ver- pflichtet fühlen, als etwas ähnliches auf diesem Gebiet kaum je geleistet worden sein dürfte. Man höre und staune: „Wie zur Kenntniß der unterzeichneten Königl. Kircheninspek- tion gekommen ist, haben Sie der von Ihnen am 17. April vorigen Jahres vor hiesigem Standesamte geschlossenen Ehe mit Amalie E---- aus Jägersgrün ungeachtet seelsorgerlicher Ermahnung und der Ihnen unter dem 18. Juni vorigen Jahres und 6. März dieses Jahres zugegangenen behufigen Aufforderungen des hiesigen Kirchenvorstandes die kirchliche Trauung nicht nach- folgen lassen, auch die Taufe Ihres am 8. Januar laufenden Jahres geborenen Kindes trotz erfolgter bezüglicher Anregung bisher nicht begehrt. „Es ist deshalb nunmehr in Gemäßheit Z 3 des Kirchengesetzes, einige Bestimmungen über die Anfrechterhaltung kirchlicher Ordnung betr., vom 1. Dezember 1876 gegen Sie zu verfahren beschlossen worden und werden Sie deshalb cndurch geladen, den 12. dieses Monats Vormittags 9 Uhr in Gemeinschaft mit Ihrer Ehefrau an Jn>pektiousstelle(Königl. Amtshauptmannschaft) zu erscheinen und des Weiteren gewärtig zu sein. Auerbach, am 2. Juli 1877. Königliche Kircheninspektion für Auerbach." Unterzeichnet ist das Schriftstück von dem Superintendent Meitzer, Amtshauptmann Polenz(?) und Bürgermeister Eule. Der wie ein Verbrecher vor den Richter citirte— ein Weber- meister— gedenkt der Vorladung keine Folge zu leisten. Und er thut recht daran. Denn kein Gesetz, und selbst der§ 3 des Kirchengesetzes nicht, berechtigt die Kircheninspektion in Auerbach zu einem aggressiven Vorgehen in Sachen des Civilstandsgesetzes. Hoffentlich werden wir bald in der Lage sein, über den weiteren Verlauf der Angelegenheit berichten zu können. — In Belgien, dem kontinentalen Musterlande der Bour- geoisie und Bourgeoisparadies, hat bekanntlich die Kinder- eines Dorfes zur Erhebung treiben will. Während er auf ein stürmisches Entgegenkommen hofft, während er erwartet, in den Genüssen i der allgemeinen Verbrüderung schwelgen zu können, wird er von den Bauern genöthigt, fort und fort Branntwein zu trinken, bis er, seiner Sinne nicht mehr mächtig, bewußtlos zusammenbricht. Es ist gewiß ein höchst merkwürdiger Racheakt des beleidig- ten Geistes der Gegenwart, daß gerade Kaiser Nikolaus I., der „gekrönte Korporal", wie ihn Alexander Herzen nannte, den Nihilismus hervorrufen und großziehen mußte. Unter seinem starren Regimente, welches den asiatischen Despotismus durch die Mittel erhöhte, die ihm der verfeinerte europäische Absolu- tismus zur Verfügung stellte, wurde der Same gestreut, der heute Blüthen treibt, die zu beseitigen der Gewalt nicht so leicht gelingen dürfte. Mit der trockensten Brutalität und mit der pedantischsten Willkür peitschte Nikolaus dem russischen Volke die Seele aus dem Leibe. Er unterband alle Adern des Volkslebens und verstopfte alle Quellen, welche dieses Leben erfrischen und stärken konnten. Damals wurde jener grause Mord an der Wahrheit begangen, der in seinen Endwirkungen dahin führte, daß, wie Turgenjeff sagte,„jeder Russe lügt, wenn er nur den Mund öffnet". Mit Entsetzen erfüllt und von tiefem Ekel ergriffen, zogen sich die Besseren, für die es ohnehin keine Betheiligung an den öffentlichen Angelegenheiten gab und geben durfte, scheu in sich zurück und verfielen in dieser Vereinsamung einer maßlosen Blasirtheit, die oft den Stempel des Byron'schen Weltschmerzes an sich trug, oft aber auch zum gedankenlosen Geckenthum herabsank. Die Helden Puschkin's und Lermon- toff's, die eigentlich nie etwas Anderes als Haralds und Don Juans in Juchtenstiefeln waren, wurden die Ideale der Gebildeten. Auf die Dauer gewährt aber auch das Blasirtsein keine Be- friedigung, und nur in Momenten der Täuschung kann man die Abspannung mit der Beruhigung verwechseln. Der Blasirtheit fehlt das Pathos, die Leidenschaft; sie macht das Blut stockig und gewährt keine Erregung. Diese aber suchten die Russen, und sie glaubten sie in den Werken der deutschen Philosophen unb_ der französischen Sozialisten zu finden. Mit einem nicht zu stillenden Heißhunger warfen sie sich auf das Studium der- selben, und sie, die zu Hause nicht den leisesten Schritt in die Oeffentlichkeit wagen durften, wurden zu Weltverbesserern, die in der Theorie Alles über den Haufen werfen wollten. Die äußerste Linke der Hegelianer erschien ihnen als reaktionär, in der Anarchie Proudhon's sahen sie eine conservative Institution. An Händen und Füßen gefesselt, mit dem Knebel in dem Munde, und Frauenarbeit wahrhaft erschreckende Dimensionen ange- nommen. Nach den neuesten statistischen Tabellen sind in den Kohlengruben 15 Prozent der„Hände" kleine Knaben und 10 Prozent kleine Mädchen, also ein Viertel kleine Kinder, und„über der Erde" sind mehr als 30 Prozent der„Hände" Frauen und Kinder. Im Hennegau, das eine Grubenarbeiter- Bevölkerung von 80,000 Seelen hat, arbeiten Tag für Tag 2327, geschrieben zwei Tausend dreihundert sieben und zwanzig Kinder unker zehn Jagren! Wie es dort um die „Sittlichkeit", um die„Bildung" und um die Gesundheit des arbeitenden Volks beschaffen sein mag, kann Jeder sich denken. Aber, das ist nun einmal„die beste aller möglichen Ordnungen", und diesen Zuständen ein Ziel setzen wollen, das wäre ja eine „Beeinträchtigung der Freiheit".—„O Freiheit, welche Verbrechen werden in deinem Namen begangen!" rufen wir aus, da es die Roland*) bekanntlich nicht gethan hat. — In Großbritannien hat sich die Lage der am Clyde Ausgesperrten nach den neuesten Berichten der„Jndustrial Review" ziemlich günstig gestaltet. Der Versuch der Schiffs- baumeister, aus Dänemark und Holland Arbeiter zu beziehen, wird als vollständig mißlungen geschildert: die Ausgesperrten halten fest zusammen, und obgleich einer der„Herren" vor Kurzem seine Werkstätten mit honigsüßen Versprechungen aber zu den re- duzirten Preisen öffnete, meldete sich auch nicht ein Mann. Da nun das Geschäft pressirt, werden die Kapitalisten wahrscheinlich vom hohen Roß herabsteigen und sich zu einem Compromiß verstehen, zu dem, unter billigen Bedingungen, die Arbeiter bereit sind.— Der Strike der Kohlengräber von West-Lancashire ist nicht zu Ende, wie von einigen Blättern gemeldet wurde. Nur in einem, nicht den Ausschlag gebenden Ort, in Haydock, hat ein Theil der Arbeiter die Arbeit zu den reduzirten Preisen auf- genommen; an den Hauptpunkten: in den Distrikten von Wigan; und St. Helens, stehen die Arbeiter jetzt in der fünften Woche aus und sind auch entschlossen, sich der Reduttion um 10 Proz. nicht zu fügen.— In Süd-Wales fortwährende Gährung.— Da in Folge der Krifis im Kohlengewerke die Trades-Unions der Kohlenarbeiter schwer gelitten haben und in ihrer Organi- satton zerrüttet sind, soll jetzt eine gründliche Reorganisation] dieser Gewerkschaften in Angriff genommen werden. Hoffent- lich wird es bei dieser Gelegenheit den Arbeitern klar, daß die j Gewerkschaften überhaupt nur bis zu einem gewissen Punfte nützlich sein können, und daß der Kampf gegen das Kapital, um erfolgreich zu sein, auch mit anderen Waffen und auf anderem' Gebiet gekämpft werden muß.— Im Eisengewerbe gleich-! falls Conflikt zwischen Kapital und Arbeit. In Darlington> und an anderen Punkten haben die„Herren" eine Lohnreduktion dekretirt, der die Arbeiter sich widersetzen. Eine Conferenz von Delegirten beider Theile einigte sich dahin, daß ein Schieds- richterspruch eingeholt werden soll. Für den erwarteten Fall, daß derselbe zu Ungunsten der Arbeiter sein wird, werden die> Arbeiter sich zwar fügen, aber die Gewerkschaft will dann eine Auswanderung im Großen organisiren,„um den Arbeitsmarkt! zu erleichtern". Freilich ein sehr problematisches Mittel.— Am 3. Juli begrüßte eine englische Arbeiterdeputation! den ExPräsidenten der Vereinigten Staaten, Herrn Grant, und überreichte ihm eine Adresse, in welcher die Sympathien der englischen Arbeiter mit der amerikanischen Republik ausgedrückt werden. Grant sagte in seiner Antwort:„— Während meiner Anwesenheit in England ist mir von vielen Seiten, von den herrschenden Klassen, von Behörden und vom Volk bei zahlreichen Gelegenheiten der freundlichste, der ehrendste Empfang zu Theil geworden, aber auf keinen Beweis der Sympathie bin ich stolzer als auf den gegenwärtigen. Ich habe öffentlich die Thatsache anerkannt, daß Alles, was in den Vereinigten Staaten wie in jedem anderen Lande groß ist, daß Alles, was uns groß gemacht hat, der Arbeit zu verdanken, und daß— der Arbeiter der Arhever asser chröße und asses Weich- tflums iß." Was Herr Grant sonst gesagt hat, ist gleichgilttg. Auch daß er, als Präsident, nicht nach dem in obigen Worten enthaltenen Grundsatz gehandelt hat, wollen wir hier nicht *) Madame Roland, die Führerin der Girondisten, soll diese Worte � beim Besteigen des Schassots ausgesprochen haben, als sie die in un-ft mittelbarer Rahe befindliche Bildsäule der Freiheit erblickte. Es ist � das aber eine der so zahlreichen Geschichtsfabeln oder Fabelgeschichlen.> machten sie den Ricsensprung in den Nihilismus hinein. Die Bilder der allgemeinen Zerstörung, die sich ihres Geistes be-! mächtigten, gewährten ihnen die Erregung, die ihrer Seele im- Banne der Blasirtheit gefehlt und welche sie so schmerzlich cnt-! behrt hatten. In der Wirklichkeit willenlose Sklaven, rüttelten sie in ihren Träumen beinahe an allen Grundfesten des staat- lichen und sozialen Baues. Nur an die Kirche Katen sie nicht heran, und auch die Helden der neuen Generatton, die sich durch keine Schranke halten lassen, verzichten darauf, der Kirche gegen- über die letzten Conscquenzen des Nihilismus zu ziehen. Von all den Stürmern und Drängern, die uns Turgenjeff vorführt, � wagt kein einziger ein Wort gegen das in Unwissenheit und Geist- losigkeit erstarrte Popenthum zu sprechen. Offenbar ist die Kirche jenes Terrain, auf welchem selbst der glühendste Nihilist> zum Russen wird, welcher die ihm von der Regierung zu Theil gewordene Züchtigung nicht verleugnen kann. Unter Alexander 1l. hat sich Manches geändert, aber nur in den seltensten Fällen bedeutete die Acuderung auch eine Besse- rung. Die Betheiligung an den öffentlichen Angelegenheiten ist den Russen nach wie vor versagt, und die Gewalt ist dieselbe � geblieben, wenn sie auch vielleicht sich oft in andere Formen hüllt.! „Ueberall ist man von Spionen umgeben, Denunziationen, Lüge und Trug sind an der Tagesordnung, nirgends ein Ort, wo man sicher wäre," so charakterisirt Neschdanoff, der Held der neuen Generation, das heutige Rußland. Der Nihilismus aber ist der unklare und unbestimmte Ausdruck jener tiefen! Sehnsucht nach Aenderung alles Bestehenden, welche die Jugend in Rußland mit ehernen Krallen ergriffen hat. Und Rußland! wurde so glücklich und so allseitig zu Grunde regiert, daß man� von keiner der bekannten Regierungs- und Gesellschaftssormen mehr das Heil erwartet, sondern nur dem„Nichts" die Kraft! zutraut, das russische Volk neu zu beleben und mit frischen Säften zu durchströmen.„Allens verrunjcniren", war die Losung des Berliner Pöbels im Jahre 1848, und diese Losung ist auch das einzig Feststehende in dem Programm der russischen Nift hilisten. Es ist ein furchtbares Programm, dessen Erfüllung und Be- wahrhcitung die russische Jugend anstrebt, aber es steht nur im geraden Berhältniß zu dem Ekel, den das System hervorrief, welches Peter der Große inaugurirte und das er, wie die neueste! Forschung will, ohne Testament seinen Nachfolgern als Erbe hinterlassen hat. Dieser Ekel ist der Jugend bereits bis an den. Hals gesttegen; sie fühlt sich von der Gefahr bedroht, daß in der nächsten Stunde schon der ihr noch gebliebene letzte Rest! von Würde und Edelsinn von kalter Faust erwürgt werden könne,. betonen. Zu den Akten aber nehmen wir, daß der Mann, welcher acht Jahre lang oberster Beamter des— mit Erlaubniß unserer Chauvinisten— mächtigsten Staates der Welt war, das Recht der Arbeit, den Fundamentalsatz der Sozialdemokratie, im Prinzip rückhaltlos anerkannt hat. — Alphonschen in Spanien fühlt sich auf seinem Thron nicht recht behaglich. Er fürchtet das Schicksal seiner Vorgänger und läßt deshalb zu seiner Sicherung alle ihm verdächtigen Elemente verfolgen, einkerkern und deportiren. Die Verhaf- tungen erstrecken sich sogar bis in die höchsten Kreise, und zahl- reiche höhere Militärs, ja sogar frühere Minister müssen mit dem Kerkermeister Bekanntschaft machen. Unter den jüngst Ver- hafteten befindet sich auch der bekannte Zorilla, der fälschlicher- weise in dem Gerüche steht, Sozialist zu sein. Die Verhaftung erfolgte auf Requisition der spanischen Regierung in Paris, wo Zorilla sich aufhielt und von wo er seine Pläne gegen Alphons schmiedete. Das Ende vom Liede war die Ausweisung Zorilla- aus Frankreich. Am schlimmsten sind natürlich die Deportirten daran, zu denen die Sozialisten, oder sogenannten Kantonalisten, ein an- sehnliches Contingent stellen. Wie Rußland sein Sibirein, Frankreich sein Neu-Caledonien, so hat das allerchristlichste Spa- nien sein Fernando Poo— eine äußerst ungesunde Insel an der Westküste von Afrika, nahe am Acquator. Hierher, in's offene Grab gleichsam, wird alles geschafft, was, wie schon ge- sagt, sozialistisch angehaucht ist. Aber trotz aller dieser Maßregeln, oder gerade wegen der- selben, rumort es gegenwärtig an allen Ecken und Enden Spa- Niens, und Alphonschen hat wirklich alle Ursache, auf seiner Hut zu sein; denn die Unmöglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß ihm eines schönen Tages die Tinge über den Kopf wachsen und er genöthigt sein könnte, sein Heil in schleunigster Flucht zu suchen. Wir wünschen im voraus glückliche Reise. — Oesterreich hat den Entschluß gesaßt, Serbien zu okku- piren, und diesen Entschluß bereits Rußland notifizirt. Also doch! Jetzt wird es wohl mit dem geplanten Bündniß Rumä- mens und Serbiens nichts werden, und Rußlands Truppen können an der unteren Donau nur noch fester„angenagelt" werden. Mucksen darf sich„Väterchen" nicht, sonst zieht Oester- reich den Sack zu und die ganze russische Armee ist gefangen. Den Zeitpunkt hat Oesterreich zur Intervention gut gewählt— es sind jetzt gerade genug russische Truppen über die Donau, daß es sich der Mühe lohnt, dieselben eventuellen Falles ge- fangen zu nehmen. Die in Rumänien zurückgebliebenen aber sind zu schwach, um energisch eingreifen zu können. — Pech. Der russische Reichskanzler Gortschakoff hat es für nöthig befunden, der Welt seine Ansichten über die Lage der Dinge auf die Nase zu binden, und ein, die kanzlerische Weis- heit enthaltendes Schriftstück in der Rubelpxesse veröffentlichen zu lasten. Es wird darin u. A. dem großen Staatsmanns die Aeußerung in den Mund gelegt, man habe sich in Rußland nur in einem Punkte getäuscht— man habe die Türken für weit mächtiger gehalten, als sie sich in Wirklichkeit erweisen. Eine wahrhaft bodenlose Bosheit des Zufalls hat's nun gewollt, daß dieselbe Nummer des Knuten-Organes, welches die Gortscha- koff'sche Genialität enthält, ein offiziöses Petersburger Telegramm bringt, in welchem, zur Beschönigung der Niederlagen in Arme- nien, versichert wird, nicht der Aufstand im Kaukasus sei an dem Rückzug der russischen Armee schuld, sondern die Entdeckung, daß sie zu schwach sei; man habe die türkische Macht unterschätzt. Wohl das blamabelste Geständniß, das je eine Regierung zu machen genöthigt war. Was beiläufig die ganz unnöthige Erwähnung des Aufstands im Kaukasus betrifft, so erinnert dieselbe sehr lebhaft an das qui s'öxcuse, s'accuse(wer sich entschuldigt, klagt sich an)— sie vcrräth die Angst, welche hinsichtlich der von Tag zu Tag wachsenden Erhebung der Kau- kasusstämme in Petersburg herrscht. Wenn Herr Gortschakoff die Welt wieder an— diplomaten will, wird er es hoffentlich etwas geschickter anfangen. — Wie steht's mit dem Krieg? Für die Russen sehr schlecht, für die Türken günstig. Die Belagerung von Kars ist jetzt definitiv aufgehoben und die russische Armee unter Aus- und um dieser Gefahr zu entgehen, drängt sie sich in die Reihen der kämpfenden Nihilisten.„Wahrlich", ruft Einer von der neuen Generation,„wenn jetzt irgendwo ein Volkskrieg aus- bräche, ich würde hinziehen, nicht um irgend Jemanden freizumachen(Andere befreien, wenn die Unseligen nicht frei sind!), nein, um mit mir selbst ein Ende zu machen!" Es ist dies ein Schmerzensschrei, welcher sich der zermar- terten Brust der Jugend entringt und der in seiner markerschüt- ternden Gewalt bis an die Ohren der russischen Machthaber ge- drungen ist. Diese aber, die in den Masten herrschende Stim- mung genau kennend, tragen ihr in einer Weisung Rechnung. die zur Gefahr für Europa wird. Weil die Machthaber das Joch, in welches sie Rußland gespannt haben, nicht nur nicht lockern wollen, sondern auch nicht lockern können, so greifen sie, um die böse Stimmung zu bannen, zu den Mitteln, welche ihnen der ungestüme Drang der Nihilisten in die Hand gicbt. „Wir Russen", sagt Turgcnjeff,„warten immer darauf, daß einmal irgend etwas oder irgend Einer kommt und uns mit Einemmale gesund macht, alle unsere Wunden heilt, alle unsere Gebrechen ausreißt, gerade wie einen kranken Zahn. Wer aber wird dieser Zauberer sein? Der Darwinismus? Die Dorfge- meinschaft? Ein Krieg mit dem Auslande? Was du willst, Väterchen, reiß mir nur den Zahn aus!" Und„Väterchen" bemüht sich, den Zahn zu ziehen, indem er Krieg mit dem Aus- lande führt!... In wenigen Worten hat uns hier der Dichter das Geheim- uiß Rußlands enthüllt. Der Nihilismus drängt das sich nicht mehr sicher fühlende Czarenthum zum Kriege, dessen Fahnen mit den Floskeln von dem Rechte und der Freiheit der Glaubens- brüder behängt und geschmückt werden, welche noch immer Viele bethören, die in dem Wahne leben, daß Rußland für die Frei- heit kämpfe, während es in der That nur kämpft, um sich den täglich drängender werdenden Forderungen der Freiheit zu ent- Ziehen. Und Rußland wird so lange Krieg mit dem Auslande führen, es wird so lange das Recht mit Füßen treten und die Verträge zerreißen, bis es ihm gelungen ist, den Nihilismus zu erdrücken, oder bis es selbst dem Nihilismus erlegen ist. Wir haben diesem vorzüglichen Artikel der„Wiener Freien Presse" nur Weniges hinzuzusetzen. Daß der Verfaster unter dem„Berliner Pöbel", welcher „Allens verrunjeniren" wollte, nicht die Berliner Arbeiter oder die begeisterten Studenten meint, welche 1848 auf den Barri- kaden gekämpft haben, ist selbstverständlich— er meint das Übung neuer Gräuelthaten über die russische Grenze zurückge- gangen.— Die Montenegriner haben sich zu Tode gesiegt und liegen in Folge dessen am Boden. Suleiman Pascha, der dieses„zu Tode gesiegt" veranlaßt hat, befindet sich auf dem Marsche nach der Donau, um auch das„zu Tode siegen" der Russen dort bewirken zu helfen. Der Oberbefehlshaber der Türken, Abdul Kerim Pascha, läßt die großen Donaufcstungen mit Landwehr besetzen und zieht die gegenwärtigen Besatzungen an sich, um gegen die Russen einen Hauptschlag auszuführen, während„Väterchens" Kinder an der Donau, über welche sie zum großen Theil hinübergegangen, wie„festgenagelt" stehen, weil„Väterchens" Intendantur so schlecht für die Kinder sorgt, daß sie nicht einmal Brod, geschweige denn Schnaps in aus- kömmlichem Maße erhalten, wodurch ihr Schnapsdurst allerdings erhöht, ihr Siegesdurst aber sehr vermindert wird.— Nach alledem wird es schwer halten, daß der Großfürst Nicolaus sich den Titel: Sabalkansky II.(zweiter Balkanübersteiger) erringt. „Es lebe die Republik!" Wir erhalten folgende Zuschrift: Berlin, den 8. Juli. Nieder mit der Republik! nämlich mit der französi- schcn Ordnungsbanditen-Republik, rief vor einigen Tagen unser deutsches Ccntralorgan, der„Vorwärts".„Es lebe die Republik!" antwortet heute unser hiesiges Lokalorgan, die „Berliner Freie Presse".„Seht, da habt ihr die Spaltung in der sozialdemokratischen Partei", werden die Gegner jubeln. Gemach, ihr Herren! Wenn es den deutschen Sozialdemokraten gelungen ist, in Bezug auf die Auffassung der deutschen Ver- Hältnisse die vollkommenste Harmonie innerhalb der Partei zu gewinnen, werden sie sich wahrhaftig nicht über ausländische Verhältnisse in die Haare gerathen. Und herrscht denn wirklich innerhalb unserer Partei eine prinzipielle Meinungsverschieden- heit betreffs der Entwicklung der Dinge in Frankreich? Mit Nichten. In der Verurtheilung der Republik Thiers, Mac Mahon, Gambetta sind wir Alle einig. Wer diese Repu- blik, die Mörderin der Pariser Commune, nicht verurtheilt, ist eben einfach kein Sozialdemokrat, kann es nicht sein. Es fragt sich blos: welches ist die Stellung der französischen Arbeiter, der französischen Sozialisten gegenüber dem Mac- Mahon'schen Staatsstreichplan? Was werden sie thun, wenn der Staatsstreich gemacht wird? Werden sie mit verschränkten Armen stehen bleiben, oder werden sie sich schlagen? Und was wird für unsere Partei das Beste sein? Darüber läßt sich streiten. Jndeß das ist ein rein praktischer, kein prinzi- pieller Streitpunkt— eine einfache„Opportunitätsfrage". Mit dem Titel des„Vorwärts"-Artikels bin ich nicht ganz einverstanden, weil er mißdeutet werden kann und mißdeutet worden ist*); auch an dem Inhalt habe ich Einiges auszusetzen, jedoch nicht an dem, was gesagt, sondern an dem, was nicht ge- sagt ist. Wenn wir zwischen den„republikanischen" und impe- rialistischenVersaillcrOrdnungsbanditen zuwählen haben, da giebt's kein Entweder— Oder, sondern ein scharfes:Weder— Noch!;„sie taugen alle Beide nichts". Aber wäre nicht ein Drittes mög- lich? Daß das Volk sich schlägt, und, wenn siegreich, Beiden den verdienten Lohn heimzahlt? Diese dritte Möglichkeit hat der„Vorwärts"- Artikel vergessen, und das ist's, was ich an ihm auszusetzen habe. Jndeß das ist nur eine Auslassung, mei- netwegen auch Unterlassung, aber kein prinzipieller Verstoß.**) An weit ernsteren Fehlern, an einer durch und durch falschen Grundanschauung scheint mir der Artikel unseres hiesigen Lokalorgans zu leiden. Der Verfasser gehört offenbar zu den Gefühlspolitikern, die sich— platonisch— in die Republik verliebt haben***) und der republikanischen Staatsform als solcher eine gehcimnißvolle Wunderkraft zuschreiben. Mit Gefühlen läßt sich nicht rechten,— ich für mein Theil betrachte *) Wir haben schon in dem Leitartikel der vorigen Nummer unsere Ansicht hierüber geäußert. D.„R. d. V." **) Wir haben auf die sozialistische Republik hingewiesen— den französischen Arbeitern haben wir zugerufen, daß sie sich nicht an den Wahlen bctheiligen sollten; wenn ober dieselben den Zeitpunkt zum handeln günstig halten, so rathen wir gewiß nicht ab, doch können wir diesen richtigen Zeitpunkt nicht bestimmen. D. R. d.„B." ***) Wie die„Frankfurter Zeitung". D. R. d.„V." Victor Böhmert'sche„Lumpenproletariat", welches aus den höheren Ständen sich unter das Votk mischte, welches durch Schnaps und Leidenschaften verkommen in russischer Barbarei „Allens verunjeniren" wollte. Daß der große russische Nationaldichter Iwan Turgcnjeff selbst der Moralität seiner Nation ein so schlechtes Zeugniß er- theilt, daß er Schnaps und Lüge als ihr Element bezeichnet, ist bezeichnend, beweist aber, daß wir ganz recht haben, wenn wir von der russischen Cultur, von dem russischen Nihilismus und von den panslavistischen Völkerbeglückungs-Plänen nicht viel halten. — Harun al Raschid, wir wollten sagen Herrn Stephan, hat kürzlich eine unerwartete„Inspektionsreise" gemacht, um sich durch Augenschein zu überzeugen, wie„seine 60,008" es treiben. Und siehe da— der Gewaltige, Scharfsichtige, Allessehende ist„wenig zufrieden mit verschiedenen gemachten Wahrnehmungen". In einem„Eireulair" (Heiliger Stephan, bitt' für uns!) an die betreffenden Oberpost-„Di- rcktionen"(Heiliger Stephan, wie kannst du den zwiefachen Fremd- wortfrevel an unserm geliebten Deutsch, diesen sprachlichen Doppelmord geschehen lassen?!) macht Harun al Stephan seinem gepreßten Herzen und beleidigten Anstandsgefühl und Ordnungssinn Luft.„In einer Anzahl von Postanstalten mangelt der richtige Sinn für Anstand, Ord- nung und Sauberkeit. Namenilich gilt dies von der äußeren Klei- dung und Haltung der Hilfsboteu und Postillone." Ei Herr Stephan, geben Sie den Hilfsboten und Postillonen, die nicht so viel Groschen verdienen, wie Sie Thaler, eine Anweisung auf Ihren Leibschneider, und wir wetten, sie werden genau so„anständig"-c. aussehen, wie Sie selber.— Nichts für ungut, Herr Gencralpostmeister! Sie wissen ja: Kleider machen Leute, und stellen Sie sich doch einmal vor, welche Figur Sie im Reichstag schneiden würden, wenn Sie in einem Rock erscheinen müßten, wie Ihre„Hilfsarbeiter und Postillone" ihn tragen, weil sie sich keinen besseren kaufen können. Und stehlen sollen sie doch wohl nicht, Herr Generalpostmeister? — Für Biertrinker. Das Handelshaus Hugo Schulze in Nürnberg versendet jedes Halbjahr an alle Brauereien in Deutschland und noch weiter— wie es selbst erklärt, in mehr als 18,000 Exem- plaren— einen ausführlichen Preiscourant, worin nicht nur alle zur Brauerei nöthigen Apparate— auch die verbotenen Bierspritzen (Spritzhähne, Selbstmousseux-Pipen) sind dabei— sondern auch eine Anzahl von Biersurrogaten, als Buchen- und Haselnußholzklär- spähne. Weinsteinsäure, Natron, Moussirpulver, Bier- Tannin, Saccharin, Glycerin, Salicy lsäure, doppelschweflig- saurer Kalk, Traubenzucker, Malzzucker-Biercouleur, Java- Reis-Malz, Hopfen-Aroma, den Brauern zum Kaufe angeboten werden. Der oberste bayerische Gerichtshof hat nun zwar den Ge- brauch der von Herrn Schulze angekündigten„Surrogate" für strafbar die Republik als die einzig vernünftige Staatssorm— und welcher denkende Mensch wird das nicht thun?— aber ich weiß auch, daß das, was gerade die Republik zur einzig vernünftigen Staatsform macht: das Prinzip der Gleichheit und Freiheit, in Staaten, welche sich Republik nennen, auf's Brutalste mit Füßen getreten worden ist und wird; und ich kenne ferner monarchische Staaten, in welchen das in weniger brutaler Weise geschieht, als in solchen sogenannten Republiken. Wenn die französischen Commune-Märtyrer und Flücht- linge einen Vergleich zwischen der Republik Thiers-Mac- Mahon-Gambetta und der englischen Monarchie an- stellen, fällt er sicherlich nicht zu Gunsten der elfteren aus. Ich hoffe, diese Bemerkungen ziehen mir nicht die Anklage, welche die„Frankfurter Zeitung" der Redaktion des„Vorwärts" und ihrem Artikel macht, zu:„ich schütte das Kind mit dem Bad aus und wünsche die Monarchie." Der Verfasser des Artikels„Es lebe die Republik!" meint, siege Mac Mahon, werde Lulu auf den Thron erhoben, so schwebten die französischen Arbeiter in Gefahr, durch sozialistische Regierungs-„Schwindel-Experimentchen" genasführt zu werden. Ich dächte, unter Bonaparte wäre das in größtem Maß- stabe versucht worden— und ist es gelungen? Ein Blick auf die französische Arbeiterbewegung unter dem Empire hätte dem Verfasser des Artikels das höchst ungerechte Mißtrauens- votum gegen die französischen Arbeiter erspart, die in dieser Beziehung wahrhaftig nichts von den Deutschen zu lernen haben. „Bleibt die Republik(in Frankreich) erhalten, so ist dies überhaupt nur unter der Bedingung denkbar, daß sie sich ent- wicklungsfähig erweist; damit ist aber auch für den Sozialismus die Bahn geebnet."— Sehr hoffnungsvoll! Sehr kühne Schluß- folgerung! Blitzt Mac Mahon ab, so haben wir die Präsident- schaff Thiers(für den ja Gambetta als designirter Nachfolger direkt eintritt), und von der„Entwicklungsfähigkeit" der Republik Thiers, dächte ich, hätten wir genug erfahren.„Die Bahn", welche sie„dem Sozialismus ebnet", führt nach Satory und Neukaledonien. Danke schön! „Unter republikanischem Regime kann den Franzosen die politische Freiheit nicht dauernd vorenthalten werden." I st ihnen bis dato blos sieben Jahre lang vorenthalten worden, mit obligatem Belagerungszustand, Massenfüsilladen, Mas- sendeportationen ec. „Etwaige Exemplifikationen auf die Schweiz oder Nord- amerika können unser Urtheil(daß die Republik den Franzosen die Freiheit bringen wird) nicht trüben, da es in diesen Staaten nicht die herrschenden politischen Freiheiten, sondern diverse Landeseigenthümlichkeitcn sind, welche der allgemeinen Culturentwicklung, die übrigens nicht hinter derjenigen anderer Staaten zurückgeblieben ist, Hindernisse bereiten." Höchst naiv! Die Franzosen wären froh, hätten sie die politischen Freiheiten" der Schweiz und der Vereinigten Staa- ten, mitfammt deren„diversen Lanoeseigenthümlichkeiten". Das Pech ist: daß die französischen„Landeseigenthüm- lichkeiten" die französische Republik zu dem gemacht haben, was sie ist— zur Lebensverficherungs-Gesellschaft aller reaktionären Elemente, für welche der Staat bloß eine— Organisation— zur Aufrechterhaltung ihrer politischen und öko- nomischen Herrschaft ist, und die, wie sehr auch fönst ihre An- schauungen auseinandergehen, alle darin übereinstimmen, daß das, ihre Existenz bedrohende Emporkommen der sozia- listischen Partei um jeden Preis, mit jedem Mittel ver- hindert werden muß— issni et ferro: mit Feuer und Schwert! Und trotz alledem nicht: Nieder mit der Republik! Aber nieder mit dieser Republik!*) Wenn ich Pariser Arbeiter wäre, und es käme„zum Klappen" wie würde ich mich verhalten? So weit ich die Lage übersehen kann, wäre meine Argumentation: Mac Mahon und Mitstrolche— nieder mit ihnen! Thiers und Mitstrolche— nieder mit ihnen! Probiren wir einmal, ob wir beide zugleich loswerden können. Nieder mit dieser Re- publik! Es lebe die Republik!— Drauf! Vielleicht gelingts. *) Diese Ansicht haben wir in unseren vielberufenen Artikel:„Nie- der mit der Republik" auch ausgesprochen. D. R. d.„V." erklärt, aber der Verkauf ist nicht strafbar, und die Herren Brauer werden für Beobachtung des elften Gebots:„du sollst dich nicht er- wischen lassen" schon Sorge trogen. Wenigstens ist bisher unseres Wissens blos 1 erwischt worden, Herr Schulze aber macht ein riesiges Geschäft; er hat sein Niederlage-Lokal vor Kurzem vergrößert und schickt seine Circulaire jetzt nicht mehr blos an die Bierbrauer, sondern auch an die Wirthe und Restaurateure. Liebliche Zustände und Aus- sichten! — Zur russischen Barbarei. Der türkische Minister des Aus« wältigen hat an die Vertreter der Pforte im Auslande folgende Mit- theilung gerichtet: Unsere Behörden machen uns Meldung von Greuel- thaten, welche durch die russischen Truppen an den von letzteren besetzten Punkten unseres Gebietes begangen worden sind, und es geht aus diesen Handlungen der Russen hervor, daß der Feind mit dem Nieder« metzeln der Bewohner, dem Plündern und dem Niederbrennen syste- matisch vorgeht. Unter diesen Handlungen machen uns die kaiserlichen Behörden folgende namhaft, von denen festgestellt ist, daß sie sich wirk- lich zugetragen haben. Die russischen Truppen sind am letzten Mitt- woch in ein muselmännisches Dorf, das zum Bezirke von Swischtowa gehört, eingedrungen, haben dasselbe geplündert, die Wohnungen ange- zündet und eine große Zahl friedlicher Einwohner niedergemetzelt. Sechs Einwohner dieses Dorfes, auf welche die Feinde stießen, wurden von denselben angegriffen, obschon sie keinerlei Gegenwehr leisteten. Der eine von ihnen wurde getödtet, die Uebrigen zu Gefangenen ge- macht. Sieben andere Personen, die sich von Rustschuk nach ihrem HeimathSorte Pitano begaben, wurden von russischen Reitern erdrosselt; ein einziger entkam. Die Leichen der unglücklichen Op'er waren der Gegenstand abscheulicher Profanationen, es wurden denselben die Augen ausgestochen und die Austenhöhlen mit Brod zug-stopst. Die bulgarischen Einwohner in Swischtowa, aufgeregt durch die Gegenwart des Feindes, machen die flüchtenden Muselmänner nieder. Acht türkische Soldaten, die in die Hände der Russen gefallen waren, wurden durch Stockschläge getödtet. Gleiche Greuellhaten werden uns aus Asien ge- meldet, insbesondere wird Folgendes berichtet: l500 Familien, die sich aus Suchum Kaleh in die Wälder geflüchtet hatten, um der barbarischen Behandlung zu entgehen, die der ganzen Bevölkerung durch die Kosaken widerfährt, kamen vor Hunger um. Bon der russischen Division, die Ardanulsch besetzt hatte, wurden auf deren Rückzug nach der Grenze 50 Personen ohne Unterschied des Geschlechts und des Alters nieder- gemacht. Mehrere Orte, die die Division passirte, wurden angezündet. Der armenische Bischof von Utschkilissa wurde ergriffen, geknebelt und in diesem abscheulichen Zustande mit fortgeführt. Diese Thaisachen, deren Abscheulichkeit irgend ein weiterer Kommentar nur abschwächen würde, bitte ich Sie, der öffentlichen Meinung zu unterbreiten, sie tragen sich überall zu, wohin die russischen Truppen ihren Weg nehmen, so- wohl in Europa, wie in Asien und lassen keinen Zweifel über das Pro« gramm des Mordes und der Verwüstung, das der Feind angenommen hat, um das Land zu tervorisiren und die am Kriege nicht theilnehmende Bevölkerung zu vertilgen. Und ich denke, damit wäre auch der Verfasser des Artikels unserer„Freien Presse" zufrieden.— Nehmen Sie mir nicht übel, daß ich Ihnen eine so lange Correspondenz über dieses „Thema" geschrieben habe,— dasselbe wird hier, und gewiß auch andernorts von den Parteigenossen viel diskutirt. Correspoudenzen. Aerkin, den 8. Juli.(Zum Gesundheitszustand in den Großstädten.) Nachdem die Städte eine gewisse Größe erreicht haben, so daß Jeder, um sich Geltung zu verschaffen, alle Kräfte anspannen muß, aber auch leicht Gelegenheit findet, seinen Leidenschaften die Zügel unbeachtet schießen zu lassen, mehren sich— nach den darüber namentlich in England seit einem Jahrhundert gemachten sorgfältigen amtlichen Ermitte- lungen der Todtenschauämter,— besonder» die Krankheiten, welche in den Anstrengungen und in den— Leidenschaften— ihren Anfang haben. Der Herz-, Lungen- und Gehirnschlag, der— Schlaganfall überhaupt fängt an verheerend zu wirken. In London hat sich die Zahl der plötzlichen Todesfälle nach dem Berichte des General-Rcgistrators— seit den letzten 20 Jahren verdoppelt und zwar von 1851—1870 von 5746 auf 12,428 Fälle. Die Berliner Bevölkerung hat dasselbe trostlose Resultat in weit kürzerer Zeit erzielt, denn hier stieg die Zahl der„Schlaganfälle" von 186g von 568 bis 1876 auf 1027— also in sieben Jahren beinahe um das Doppelte und seit zwanzig Jahren ums Drei- fache. Es sind meistens Männer, die uneingedenk der göttlichen Lehre, daß der Mensch im„Schweiße seines Angesichts sein Brot essen soll"— nicht aber lebt um des Gewinnes wegen und der Lust nachzujagen— die so plötzlich aus dem Leben scheiden.— In dem Jahrfünft von 1871 an fielen denn auch in diesem Treib- jagen nach Gewinn u. f. w. 3756 Menschen am„Schlagflusse", — 2445 an„Herzkrankheiten"— also 6201 Opfer der Leiden- schaft als Beute zu. Sehen wir uns die große Zahl auf dieser „Jagd nach Glück"— Verunglückten an, so findet sich, daß der Reihenfolge nach folgende Stände vertreten und Prozentabel am meisten beigetragen: 1) Kaufleute und Fabrikanten; 2) Rentiers, dann Beamte, Gelehrte, Schreiber, dann Weber und Militärs, dann folgen Tischler, Schuhmacher, Arbeiter, Dienstboten u. f. w. — Im Gegensatze zu diesen Opfern, deren Lebensfackel wie vom Sturme ausgelöscht wird und zu welcher.Höhe" eS fast nur gewisse Stände bringen, sendet die Leidenschaft ihre Würgengel in Gestalt der „Schwindsucht" als langsame Todesart in die Großstädte.— Es fällt ihr auch der Löwenantheil in der deutschen Reichs- Hauptstadt zu— seitdem Berlin„Weltstadt" geworden ist. Mehr als 15,000 Menschen, der achte Theil aller Gestorbenen, sahen sich langsam, qualvoll den geöffneten Gräbern in dem letzten Jahrfünft entgegengeführt uud ihr Leben erlöschen— wie ein flackerndes Lämplein!— Rechnen wir die Sterbefälle hinzu, welche in den mangelhaften Wohnungs- und Kommuni- kations-Zu ständen ihre Anfangspunkte haben(Blutsturz, Lungenlähmung, Asthma k.), so beziffert sich die Zahl der Opfer auf 26,130, die ihr Leben der Leidenschaft und dem Mammon dargebracht haben. Weder Kapital noch Macht und Ehre ver- mögen dem Tode seine Beute zu entreißen, wenn der überaus zarte Bau, der kunstvolle, göttlich-harmonische Organismus des menschlichen Körpers— durch Leidenschaften in seinen Funktionen gestört wird, denn 32,331 Menschen mußten in dem letzten Jahr- fünft entweder in Folge ihrer Leidenschaften, oder in Folge der „vermeidlichen Uebel" der Großstadt ins Grab gesenkt werden. Den Ständen und Gewerben nach stellen dem Sensenmann für die„langsame Todesart" Prozentabel die meisten Kandidaten Ge- lehrte, Beamte, Schreiber, dann die Weber, Tischler, Schneider, Schuhmacher, Maschinenbauer, Maurer, Zimmerleute, Fabrik- arbeiter und Dienstboten.— Die Art des Gewerbebetriebes fordert hier als Faktor— ihr Recht!— Bedenft man, daß 46,19 Prozent aller in den amtlichen Registern eingetragenen Sterbesälle seit dem letzten Jahrfünft auf diese beiden Todes- arten zurückzuführen sind und 35,18 Prozent der Sterbefälle der Großstadt— auf dem Konto der Jnfektions-Krankheiten(Schar- lach, Masern, Pocken, Cholera) kommen und die höchsten Zahlen in den Gründerjahren gipfeln, so wirft diese Thatsache sowohl einen tiefen Schatten auf die Zustände der neuen„Millionen- stadt", als auch auf die Denkart, des Leben und Treiben der Generation und liefern den eklatantesten Beweis, daß bei den höheren Klassen der Gesellschaft die Moral das Leben verlän- gert, in den unteren Klassen spielt allerdings der„Kampf um das Dasein" die Hauptrolle. Fritz Krüger, Statistiker. Göppingen, 9. Juli. Wie wenig sich noch unsere sogenannten Volksparteiler von der reaktionären Masse gewöhnlich unter- scheiden, mögen nachfolgende Zeilen beweisen. Der hier erschei- »ende„demokratische Hohenstaufen", fühlt sich berufen, dem „Vorwärts", anläßlich des Leitartikels über Frankreich in einer der letzten Nummern desselben, den Standpunkt tüchtig klar zu machen. Das„freisinnige" Blatt nimmt die so kernige Aus- lassung unseres Centralorgans über die Schwindler jenseits der Vogesen sehr übel auf und spricht rundweg von„ungesunder Logik und fanatischem Parteihasse."„Der sozialistische Heißsporn, heißt es weiter, bekämpft, statt das Bessere zu wünschen, das Gute und hätte an dessen Stelle gern das Schlechte." Was der Sinn dieser Worte des„Hohenstaufen" eigentlich sein soll, ist mir so ziemlich unklar— aber ich bekomme auch einen Begriff von Logik, wenn auch einen ein wenig sonderbaren. Doch lassen wir den„Hohenstaufen" noch weiter haspeln:„Ob Thiers oder Mac Mahon— beide die, Mörder' der Kommune— das Volk knebeln, ob Gambetta oder Lulu das Heft in Händen haben, das ist dem, Vorwärts' ganz gleich, denn— so sagt er— ,sie taugen alle zusammen nichts!' Das ist deim doch eine sonder- bare Schulweisheit, für welche sich nicht nur allein die demokra- tischen Organe, sondern auch die Mehrzahl der Sozialdemokraten selbst schönstens bedanken werden. Um das Bessere zu schaffen," — sagt das logische Blatt—„muß das Gute nicht verbessert, sondern vernichtet und an seine Stelle das allerschlechteste gesetzt werden— so meinen die Gelehrten des.Vorwärts' u.s.w. u.s.w." So viel werft man gleich: die„Gelehrten" des„Hohenstaufen" sind stark entrüstet, weil der„Vorwärts" den französischen Bourgeois Republikanern(der Partei, zu der sich auch der„Hohen- staufen" in seinem Artikel mit vielem Selbstgefühle rechnet) und ihrem ganzen Schwindel schon gehörig die Leviten gelesen hat.> Freilich, mein lieber„Hohenstausen", der„Vorwärts" und mit ihm die Sozialdemokratie hat keine Lust und Ursache, deinen französischen Parteigängern den Pelz zu streichen;— wirst wissen warum? Und wenn du sagst, daß die Erhaltung der Republik in Frankreich von weittragender Bedeutung und die Zustände in derselben eine Entwicklungsstufe in der Menschheitsvervollkomm- nung seien, so ist das vollends stark. Es gehört doch wahrlich eine ziemlich dreiste Stirn, selbst der Gegner dazu, um zu be- haupten, die Elemente, welche so grauenvolle Tragödien, wie die des Jahres 1871 in Szene gesetzt, seien noch als Bollwerk der Völkerbeglückung zu preisen. Wenn der„Hohenstaufen" sagt, die „demoftatischen" Organe werden sich für die„Borwärts"-Polcmik bedanken, so pfeifen wir darauf,— wenn er aber die Mehrzahl der Sozialdemokraten mit in Berührung bringt, so möge er doch wissen, daß wir noch lange nicht den verzweifelten Maßstab an die Dinge legen, wie die Demokraten. Dem„Hohenstaufen" sei zum Schlüsse noch gesagt, daß die Sozialdemokratie ihre und der wahren Freiheit Interessen in guten Händen weiß und durchaus nicht nöthig hat(im Gegensatz zu den Demokraten) ihren Organen ein Mißtrauensvotum zu geben. Die hiesigen Genossen aber mögen die neueste Auslassung des sonst übrigens anständigen „Hohenstaufen" in Erwägnng ziehen;— sie beweist eben klar, daß eS mit der ganzen„Volksfreundlichkeit" nicht weit her ist, wenn man sie im rechten Lichte betrachtet. A. A. Manmvnrg a. S. Am 16. Juni stand Parteigenosse Klute vor dem hiesigen Appellationsgericht, um sich wegen Majestäts-, Bismarck- und Bürgermeister-Beleidigung zu vertheidigcn. Tie Majestäts- und Bismarck- Beleidigung wurde zu verschiedenen Malen darin gefunden, daß Angeklagter in einer in Teuchern gehaltenen Rede gesagt haben solle, Bismarck treibe Blut- und Eisen-Politik, durch welche das Vaterland in's Verderben ge- rathe, und der Kaiser unterstütze dieselbe; und ferner, daß der Kaiser sowohl als Bismarck von ihren hohen Gehältern bei der herrschenden Roth an die Arbeiter ganz gut davon so und so viel abgeben könnten, und daß weder in dem Herzen Seiner Majestät noch im Herzen Bismarck's Mitgefühl für die Leiden der Arbeiter sei. Die Bürgermeister-Beleidigung fand man in einem Briefe, den Klnte aus dem Gefängniß an Auer schrieb. In demselben schildert er das Benehmen jenes Bürgermeisters, der ihm in der Versammlung zugerufen hatte:„Halten Sie das Maul, Sie lügen u. s. w." Der Brief wurde nicht an seine Adresse befördert, sondern der hiesigen Staatsanwaltschaft übermittelt, welche dann daraus eine BeleidigungZdes betreffenden Bürgermeisters folgerte. Soweit die Anklage. Ueber die Ver- Handlungen selber soll hier weiter nicht berichtet werden, um den Raum des„Vorwärts" nicht über Gebühr in Anspruch zu nehmen. Erwähnt sei nur, daß Klute in glanzvoller Weise sich vertheidigte und daß auch Herr Rechtsanwalt Werner, welcher an Stelle des Herrn Träger für Klute eingetreten war, mit großem Aufwand advokatorischer Beredsamkeit die Sache des Angeklagten verfocht. Nach geschlossener Verhandlung zog sich der Gerichtshof zurück und verkündete nach längerer Berathung, daß der Angeklagte der ihm zur Last gelegten„Vergehen" für schuldig zu erachten und das Urtheil der ersten Instanz, welches bekanntlich auf acht Monate Gefängniß lautete, zu bestätigen gewesen sei. MB. Die„Thüringer Freie Presse" wird um Abdruck dieser Correspondenz gebeten. Ottensen, 4. Juli.(Oeffentlicbe Quittung über die vom 28. Januar bis zum 2. Juli dieses Jahres eingegangenen G'elder zur Deckung der Wahlschulden im 6. schlesw.-hol- steinischen Wahlkreise.) Bon Loges' Fabrik in Ottensen M. 9,45, Wols's Fabrik 3,00, auf Boyen Nr 6 durch Thiele 12, Ol), durch Lütjens aus Uetersen 5v,cX1, von Lütjens Fabrik in Ottensen 5.39, Nese's Fab. in Ottensen 3,69, Dunklmann's Fabrik in Ottensen 18,99, Barth's Fab. erste und zweite Rate 19,93, D. Köster's Fabrik erste und zweite Rate 35,99, Kähler's Fabrik erste und zweite Rate 56,99, Jörgensen's Fab. 6,99, Lange's Fabrik 29,99, Christensen's Fabrik 8,99, Nölling's Fab. erste und zweite Rate 43,99, Quast's Fabrik 12,99, Ewald's Fabrik 6,99' Drogmeyer's Fabrik 5,99, I. Boock's Fabrik 11,99, Möbius' Fabrik 19,99, F. Henningsmeyer's Fabrik 29,99, Rönne's Fabrik 19,99, durch Palau von Maurern und Arbeitsleulen 26,49, Fr. Boock's Fab. 16,39, L. Schmidt'S Fabrik 11,99, Bielenberg aus Bramstedt 15 19. F. Kühl. HB. Da bis Ende dieses Monat« noch einige Posten unseres Wahl- defizits gedeckt werden müssen, so werden die Inhaber von Parlament«- wahlkassen ersucht, die Gelder bereit zu halten, da die bis zum 24. Juli nicht abgelieferten Gelder abgeholt werden. I. A.: F. Heerhold. An die Gesinnungsgenossen deS Teltow-Beeskow-Starkower Wahlkreises. Zu dem am 22. Juli in Berlin stattfindenden Congreß für die Provinz Brandenburg fordere ich Euch dringend auf, in den Ortschaften des Wahlkreises, wo Parteigenossen sind, Delegirte zu wählen, resp. den Congrefi zu beschicken, indem derselbe von größter Wichtigkeit für uns ist. Wo keine Versammlungen möglich sind, entsendet Ihr Vertrauens- männer, die Euch vertreten. Nähere Bekanntmachung wird noch er- folgen. Mit sozialdemoftatischem Gruß G. Dietzmann. An die Partei- und Gesinnungsgenossen in Baden und der Pfalz. Trotzdem ich bei der Versendung der Sammellisten für den Preß- fonds bemerfte, daß bis längstens 15. Juni die Listen nebst den Gel- dern in unfern Händen sein müssen, so sind doch nicht Alle diesem Ver- langen nachgekommen, ja sie lassen sogar bis jetzt noch auf Einsendung warten. Ich ersuche die Betreffenden deshalb dringend, in den nächsten Tagen die Einsendung zu besorgen. Soll unser Unternehmen gesichert sein, so müssen wir jetzt unter allen Umständen eine Uebersicht des Sammellistenbctrags haben. Namentlich die Mitglieder der Preß- commission werden ersucht, ihren Pflichten gerecht zu werden. Zu dem am 29. Juli< siehe Annonce) stattfindenden Waldfest, bei welcher Gelegenheit es Verschiedenes zu besprechen giebt, sind alle Freunde höflichst eingeladen. Mannheim I. B.: F: I. Ehrhart, 3. 1. Nr. 17. Post dort. Der„Vorwärts" geht stctS pünktlich hier ab.— C. W. Jever: Die Annonce kostet noch 29 Pf. Quittung. V. H. Lgs Hannover An. 5,59. Kpp Riechen Ab. 3,39. Arbeiterbild.-Ber. hier An. 1,89. Grstmr München Ab. 135,69. Hßnr Mainz Ab. 49,99. Hllngl Nordhausen Ab. 12,79. F. A. Rtr Gelenau Schr. 18,83. Brnkmnn Hemme Ab. 6,79. Schdwtz Köthen Schr. 7,2«. I. Mrtn Schmölln Ab. 3,65. Bsch hier Ab. 4,45. Frnkl Buda-Pcst Ab. 22,49. Grßr Wien Ab. 4,89. Kttl Apolda Ab. 39,99. Mttmr Traunstein Ab. 6,09. Exped. der„Glauchaucr Nachrichten" Glauchau Ab. 216,15. Dk Danzig Ab. 3,89. Anzeigen zcu Flensburg. Anfang August: Vorläufige Anzeige. Arbeiter-Sängerbund. Lusttour nach Kiel. (F. 129)[210 Auch Nichtmitglieder können theilnehmen. Näheres wird später be- kannt gemacht. Das Comitö. Bund der Tischler«. verwandter Berufsgenossen. Sonnabend, den 21. Juli, Abends 8 Uhr, im ' Saale des Hrn. Michael, Windmühlenstraße 7: Generalversammlung. Zur Beachtung. Zu Ende dieses Monats erscheint(diesmal eine Doppelnummer 1 und 2 in einem ganzen Bogen) laut Congreßbeschluß die „Wiffenschaftl. Beilage des Vorwärts" als Gratisbeilage zum„Vorwärts". Später wird dieselbe von 14 zu 14 Tagen in einem halben Bogen dem„Vorwärts" beigelegt werden. Vom 1. Oktober an erscheint in Berlin gleichfalls laut Congreß- beschloß eine wissenschaftliche Revue wahrscheinlich unter dem Titel: „Die Zukunft, sozialistische Revue". Preis der Revue pro Quartal Mk. 1,25, DieS diene als vorläufige Anzeige. Druckfehlerberichtigung. Im letzten Absatz des Artikels„Das Ketzergericht in Berlin"(vor. Nummer) muß es statt„herausgegebenen" heißen: herauszugebenden. Briefkasten der Redaktion. K. Bl. in Hof: Den Roman„Johann Elmer" können Sie durch jeden Buchhändler beziehen; er ist, in 3 Bänden, bei Karl Rümpler in Hannover erschienen. Den Preis kennen wir nicht. — S. in Coburg: Die verlangte Adresse ist: vr. A. Dulk, Unter- Türkheim bei Stuttgart.— Rz. in Ostpreußen: Wir können den von Ihnen behandelten Gegenstand aus tattischen Gründen im„Vorwärts" nicht zur Besprechung bringen.— Emil..... in Berlin: Ihr Ar- tikel:„Rudolph vom eisernen Bunde" ist bei dem angehäuften Stoff, den wir feiuerhin zu bewältigen haben, zu umfangreich für unser Blalt und könnten wir ihm erst Aufnahme gewähren, wenn die Angaben ver- altet sind. der Expedition. W. Götz, Parchim: Reklamiren Sie bei der . Tagesordnung: 1. Abrechnung des Bundeskassirers. 2. Abrechnung der Krankenkasse. 3. Bundesangelegenheiten, Anträge. Allseitiges Erscheinen erwartet Der Vorstand. Fehlende zahlen 25 Pfg. Strafe.(99 Krankenkasse der Kürschner, Sattler, Riemer, •VC l-f/g. Brutler, Pofamentirer, Strumpfwirker u. Friseure. Sonnabend, den 21. Juli, Abends 8 Uhr: Generalversammlung im„Thüringer Hof", Burgstraße Nr. 20. Tagesordnung: Rechenschaftsbericht über das verflossene Geschäfts- jähr, 2. Bericht der Revisoren, 3. Anträge des Vorstandes oder der Mitglieder, 4. Neuwahl des Borstandes, der Revisoren und des Ge-- I währsmannes. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Vorstand. (2a) Chr. Hadlich, Borsitzender.[129 Mannheim. bestehend in Musik- und Gesangvorträgen, Festrede. Volksspiele«, Tanz rc., zu welchem wir die Genossen der ganzen Umgebung ersuchen zahlreich zu erscheinen. Freund Ph. Mai wird anwesend sein. Bei ungünst. Witterung findet das Fest 8 Tage später statt. I. A.: Ehrhart. -,,��4. Sonntag, den 22. Juli, in den Räumen der KriegeShatfe: Stiftungsfest der sozialistischen Arbeiterpartei bestehend in Festzug, Concert unter gefälliger Mitwirkung mehrerer Gesangvereine und Festrede, gehalten von Herrn Grillenberger aus Nürnberg. Bei eimretender Dunkelheit große JlluminaUoa des Gartens. Um 9 Uhr Steigen eines Riescnballons. Abgang des Festzuges präzis 3 Uhr, bei Gruber, Charlottenstraße. Entree 39 Pfg.[3,69- Zu recht zahlreichem Besuche ladet ein __ Das Comitö. Ottensen ben Juli, im Schüheuhof iw Großes Sommerfest bestehend in Coucert und Ball nebst Kinderverguügen, unter Mit- Wirkung mehrerer Liedertafeln arrangirt von den Sozialisten Ottensens� Aussteigen eines 8 Fuß im Durchmesser großen Luftballons. Kassen- öffnung Nachmittags 3 Uhr. Anfang 4 Uhr. Karte für einen Herrn nebst Dame im Voraus 49 Pfg. an der Kasse 59 Pfg., Damenkarten 15 Pfg., Kinder in Begleitung Erwach- sener sind frei. Karten sind an folgenden Stellen zu haben: in Ottensen bei Max Stöhr, Andresen, Reinstraße 12b. in den Wirthschaften und bei den Colporteuren; in Altona bei Meyer, Groihjahnstraße 8, O. Ret- I m er, Bergstraße, C, Meins, Langestraße und I. Groß, St. Pauli, Thalstraße 17. Das Comits.[4,89 Gratulation. Dem Fräulein Auguste Friedrich« in Geesten- dorf zu ihrem am 17. ds. Mts. stanfindenden 17. Wiegenfeste ei« donnerndes Lebehoch, daß der ganze Wafferlhurm erbebt. 1.29[(S- 179) Du... G... juuge,«nverheirathetr, welche hierorts Z.'aUUZUlvffni, oder in der Umgegend Leipzigs ansässig ur b des Lesens und Schreibens kundig sind, werden zu einer Neben- beschäftigung, die nur ganz geringe Zeit in Anspruch nimmt, gegen! Vergütung gesucht.[1/0' Offerten unter II. Z. nimmt die Exped. des„Borw." entgegen. Das Protokoll des diesjährigen, zu Gotha stattgehabten Sozialiften-Congresses ist erschienen. Preis pro Stück 25 Pfg, bei Bezug von mindestens 5 Exem» plaren 20 Pfg. Bestellungen, denen der Betrag nebst 10 Pfg Porto für j« 5 Exemplare beizufügen ist, sind zu richten an E. Derossi, Ham- bürg, Pferdemarkt 37 lll. Nur gegeu baar oder Postvorschuß wird expeditirt. Wir empfehlen unsere Beilage zur„Neuen Welt" Nr. 29, ent- haltend: Karten vom russisch-türkischen Kriegs- schauplatze. Preis pro Stück 19 Pfg. In Partien billiger. Leipzig. Dle Expedition der„Neue« Welt". Färberstr. 12. II. Durch uns ist zu beziehen: Que Faire? Französischer Roman von Tchernhschewsky. 33 Bogen stark. Preis 4 Mark. Die Expedition des„Borwärts". Im Verlage von Gebr. Fey in Frankfurt a/M. ist in 2. Auslage erschienen und durch uns zu beziehen: Erinnerung an Börne. Einzelpreis 29 Pfg. Die Buchhandlung des„Borwärt»". V rantwor licher Rcdattmr: R. Seiffert m Leipzig. Redaft-on und Expedit an Ftrrberftr-tßc 12/11. in Leipzig. Dru-i und v-rl»a d« G-inospnschastSbuchdruckeret m Le vz>A