. pr» Abonnrmcntsprki» lür ganz Tcntlibland 1 3R. 60' Quartal. Monats-SlboniicmenlZ SKcbcu bei allen beutichen Postanstalten aus den ä. und 3. Monat, und aus den S.Monat besonders angenommen: im jtSnigr. Tachsen und Hcrzogth. Sachsen» Altenburg auch aus den Iren Monat des Quartals st 64 Psg. Inserate betr. Versammlungen pr. Petitzeile 10 Pf., betr. Privatangelegenheiten und Feste pro Petitzeile SO Pf. ndlungen des In- n. Auslandes. Filial. Expeditionen. New-Nort: Soz.-dcmokr. Ecnosscn- schaftsvuchdruckcrei, 154 Eldridgo Str. Philadelphia: P. Haß, SSO Korth Srd Street. I. Voll, 112» Charlotte Str. ßo boten N.J.: F. A. Sorge, 216 Washington Str. Chicago: A. Lanscrmaim, 74 Cijhonrne»tb. San FranziSco: F. Sich, 4i«0'hurreII Str. London W.: C. Hcnze, 8 New Ar. Golden Square. Kentrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Rr. 84. Freitag, 20. Juli. 1877. Die Rothen Wider die Blauen. IV. Die„Frankfurter Zeitung" spielt folgende Trümpfe rasch hinter einander auf. Erster Trumpf: „Um der Republik willen die Republik befehden und sich das Empire herbeiwünschen, durch Beelzebub, den Obersten der Teufel, die Teufel auszutreiben, welcher Aberwitz!" Thiers, Gambetta, Jules Simon sind also nach der„Frank- furter Zeitung die Teufel, der kleine Lulu aber der Beelzebub! Das ist sehr günstig— stechen wir aber den Trumpf der Frank- furterin. Unsere Stichkarte haben wir schon in dem vielberufe- nen Artikel:„Nieder mit der Republik!" vorgezeigt— die „Frankfurter Zeitung" aber hat merkwürdigerweise„vergessen", dies ihren Lesern mitzutheilen; wir sagten nämlich am Schlüsse unseres Artikels: „--- Dann wird die sozialistische Republik entstehen. — Bis dahin aber ist es gleich, ob Thiers mit dem Gambetta- Louis Blanc'schen Schweif, oder ob der zukünftige Schwieger- söhn Mac Mahon's, Lulu, das Heft in Händen hat— sie taugen alle Beide nichts!" Wir haben also nicht die Teufel durch den Oberteufel aus- treiben wollen, sondern uns gegen die allgemeine Teufelei gewandt und den französischen Arbeitern den Rath ertheilt, keine Hand zu rühren um irgend eines Satanas halber. Zweiter Trumpf der Frankfurterin: „In eine ungeheure Täuschung wiegt fich der„Vorwärts", wenn er meint, es brauche nur das Empire zu kommen und Alles recht schlecht zu gehen, dann werde es schon gut gehen. Die lange Dauer der Herrschaft Napolevn's III. spricht ein wenig gegen diese im Grunde ja recht tröstliche Theorie. Wie bequem es diese Politiker des Drüber und Drunter doch haben." Was die Frankfurterin hier den Lesern erzählt, hat der „Vorwärts" an keiner Stelle jenes Artikels„gemeint"; die „Frankfurter Zeituug" hätte ihren Trumpf also noch zurückhalten müssen;— aber zugegeben, der Artikel ließe sich in dem Sinne deuten, daß ein Kaiserreich in Frankreich gegenwärtig besser sei, als die conservative Republik, so ist es uns doch leicht, wiederum mit einem Absätze aus jenem Artikel selbst, den Trumpf der Frankfurterin zu stechen. Wir schrieben nämlich: „Wenn wir auch die republikanische Staatsform für eine ungleich bessere halten, als die monarchische, so müssen wir doch eingestehen, daß wenn in einer solchen besseren Staatsform ein schlechtes Staatswesen sich kundgiebt, daß dann die Form selbst nur täuschend auf den Staatsbürger einwirkt, daß die Schein- freiheit, die sich breit macht, demoralisirender wirkt, als die geringere Freiheit in einer starreren Staatsform. Und in der französischen Republik liegt die Freiheit am Boden; das- jenige aber, was sich noch breit macht, ist nur Scheinfrei- heit." Von einem„Drunter und Drüber" ist also nirgends die Rede, aber wohl davon, daß die republikanische Staatsform, wenn in ihr nur die Scheinfreiheit vorhanden, demoralisi- render auf das Volk wirkt, als das Kaiserreich, von dem man keine Freiheit erwartet. Die Demoralisation und Corruption, welche eine„bürgerliche" Republik aber erzeugt, ist weit gesähr- licher, als die starren Bande, in welche ein Kaiserthum die Frei- heit schlagen kann. Sehr schwer wird es einem Volke, die Cor- ruption loszuwerden, aber mit einem gewaltigen Ruck sprengt oft und leicht die Freiheit ihre Fesseln. Dritter Trumpf der Frankfurterin— es ist schon mehr der „schwarze Peter", der hier aufgespielt wird, die lustige Figur merkwürdig genug— in dem thränenreichen Artikel der „Frankfurter Zeitung". Der„schwarze Peter" läßt sich also vernehmen: „Ganze und volle Aufklärung muß man in's Volk hinein- tragen. Das geschieht unterm Empire besser als in der Bour- geois- Republik. Denn Rouher wird die Amnestie erklären, Brunei wird gute Volksschulen errichten, Pietri wird die Ver- sammlungen schützen, Broglie nimmt die Presse unter seine Fit- tige, Casiagnac sorgt für die Redefreiheit der Deputirten— und so kommt die Aufklärung, die ganze volle Aufklärung in's Volk hinein.". Das soll Witz sein!— Bismarck stellt Strafanträge, Eulen- bürg spricht von„verbrechischer Thorheit" der Sozialdemokraten, Tesscndorf löst die Vereine auf und bringt die Redner auf die Anklagebank, unter Falk's Regiment sind 4000 Lehrerstellen in f reichen unbesetzt, die„Frankfurter Zeitung" weiß ein treffliches iedchen über die preußisch- deutsche Preßfreiheit zu singen und die Redefteiheit der sozialdemokratischen Rcichstagsabgeordneten — heiliger Valentin von Cassagnac, dafür sorgst Du ja! Und dennoch gelingt es vielfach den Sozialdemokraten in Deutsch- land, mit Verlaub der„Frankfurter Zeitung" sei es gesagt, Aufklärung, ganze volle Aufklärung in's Volk zu tragen— solche Hindernisse, vor welchen die Frankfurterin fich fürchtet, gleichen den Baumstämmen, die man in den Bergstrom wirft, um ihn aufzuhalten, die er aber schlau umgeht oder brausend überfluthet, oder donnernd in den Abgrund wälzt. Die beregte Frage ist übrigens ernst, recht ernst, deshalb ist der tjranksurterin der Witz auch so schlecht gelungen. fti.A«- Vn dieser Frage hat sich unser Berliner Parteiorgan der uno sonderbar genug hat es sich auf die Seite Zeitung" gestellt und die Bourgeoisrepublik weit sin di- alle übrigen sozialisttschen Lokalblätter, so schwebende Frage berührt haben, voll und ganz für S SiÄ-Vorwärts" eingetreten find. Wir wurden dies hier nicht erwähnen, wenn nicht die„Frank- furter Zeitung" triumphirend den betreffenden Artikel der „Berliner Freien Presse" gegen uns in's Feld geführt und wenn sie nicht in ihrem Artikel geäußert hätte, daß die deutschen Sozialdemokraten die Ansicht des„Vorwärts" nicht theilen würden. Der letzten Aeußerung werden wir zum Schluß noch Erwähnung thun. In der Frage aber: ob Scheinrepublik— eine Bourgeois- republik ist immer eine Scheinrepublik— oder Kaiserthum, geben wir hier dem„Braunschweiger Volksfreund" das Wort, der diese Frage sehr treffend behandelt hat: „Die meisten Jdeenverwirrungen entstehen daraus, daß man die entgegengesetztesten Dinge, welche in einem Punkte etwas Gemeinschaftliches haben, unter einem Namen zusammenfaßt. So nennt man Republik jede Staatsbildung, welche keinen Fürsten hat. Und wenn heute ein Consortium nach Gründermanier den Staat besetzt, die Direktoren ernennt und die Aktionäre(Reichs- tag, Deputirtenkammer:c.) als Strohpuppen fungiren läßt, während jene Sippe alle Machtmittel in Händen hat, dann ist es auch eine Republik, für welche sich jedoch kein wirklicher Demokrat begeistern kann, ja der gegenüber er noch der abso- luten Monarchie den Vorzug giebt. Nichts ist gefährlicher als die Heuchelei, das heißt die Lüge im Gewände der Wahr- heit, die Knechtung unter der Maske der Freiheit. „Was ist das Gefährlichere, etwa das Walten eines könig- lichen Polizeipräsidenten oder das eines liberalen Stadtraths, der die Polizeigewalt hat; was ist gefährlicher, die Herrschaft eines vornehmen Büreaukraten, der wenigstens eine Art von point d'honneur hat, oder die jenes unter„liberaler" Maske hinaufgeschwindelten Gesindels, welchem sowohl der innere Halt der Gesinnung, als auch der äußerlich anerzogene der Standesehre fehlt? „Der Cäsarismus mag die Herrschenden, er mag die Gauner und die Dummköpfe für sich gewinnen, alle schwachen und halt- losen Elemente mag er an sich ziehen, aber er stößt Alles von sich, was Charakter und Freiheitssinn hat. Wie anders aber ist es mit Jenen, welche ein doppeltes Spiel treiben, jene doppel- züngigen Wesen, die weder den Muth haben, für eine Sache voll und ganz einzutreten und doch auch nicht ihren Abfall er- klären mögen, die so nach beiden Seiten sich die Möglichkeit ihrer Existenz erhalten, den Mantel nach dem Winde drehen und so manchen ehrlichen Freund der Freiheit betrügen! Das ist die größere Gefahr. „Die Nassührung durch den Cäsarismus ist die weniger ge- fährliche. Der Cäsarismus muß wenigstens, um dieses zu thun, einige materielle Vortheile bieten, er muß etwas leisten und dadurch grade erweitert er das Begehren des Volkes; der Liberalismus aber schläfert das Volk ein, er cor- rumpirt es."— Das ist deutlich und logisch— und damit wäre auch der dritte Trumpf der Frankfurterin überstochen und sie selbst wäre also—„beet".— In der theilweisen Wiedergabe unseres Leitartikels hat die „Frankfurter Zeitung" außer dem Schlußsatz, den wir oben er- wähnt haben, noch zwei Punkte unerwähnt gelassen, welche für den unbefangenen Beurtheiler von einigem Interesse sein könnten. Zunächst haben wir ausdrücklich erwähnt, daß wir wohl be- greifen können, weshalb die Bourgeois gerade Thiers so sehr lieben— derselbe ist nämlich selbst ein eingefleischter Bour- geois— er war ja bekanntlich unter dem„Bourgeoiskönig" Louis Philipp, der einflußreichste Minister. Dann aber haben wir ganz besonders betont, daß die vom arbeitenden Volke gewählten Jntransigenten durch ihren Pact nichts gewinnen könnten, sie holten nämlich günstigsten Falles für das linke Centrum, für den Henker der Commune Thiers und Genossen, die Kastanien aus dem Feuer, ohne selbst für ihre Partei irgend welchen Vortheil zu erringen— und das nannten wir Volksverrath. Die„Frankfurter Zeitung" gedachte nur des von uns berührten ungünstigen Falles, daß wahr- scheinlich die ganze Gesellschaft sich die Finger verbrennen würde.. � Also sehen wir, daß in keinem Falle die Jntranst- genten durch ihre Handlungsweise für ihre Partei etwas er- langen können und da ist und bleibt dieselbe Dummheit oder Volksverrath. Zum Schlüsse ihres Artikels setzt sich nun die„Frankfurter Zeitung" auf das hohe Pferd und trabt siegesgewiß vor das sozialdemokratische Publikum und spricht: „Wahrscheinlich würden wir die sozialdemokratische Partei in Deutschland verletzen, wenn wir sagen wollten, daß sie ins- gesammt von der gleichen Meinung wie der Verfasser des besprochenen Leitartikels erfüllt sei. Wir glauben, daß in der Sozialdemokratie doch eine andere Politik Wurzel geschlagen hat, daß man, die revolutionären Ideen weiter bil- dend, die revolutionären Phrasen verlerne. Wohin würde uns dieses Zelotenthum, dieses wilde Geschrei über Verrath führen, als daß die ehrlichsten Freunde des Volkes, Sieger geworden, ihre Regierung damit begännen, einander selber die Köpfe ab- zuschlagen? Wir hörten einmal, wie ein Zeitungsverkäufer seine Waare mit den Worten anpries:„Nieder mit den Sozialisten!" Unser Auge war scharf genug, zu erkennen, daß der Colporteur ein sozialdemokrattsches Blatt verkaufte und uns„Bourgeois" nur verlocken wollte; wir kauften nicht.„Nieder mit der Re- publik ruft heute der„Vorwärts". Das kann unmöglich ernst gemeint sein, im schlimmsten Falle ist es eine momentane Ver- irrung, ein Zornausbruch bei augenblicklich getrübtem Bewußt- sein,— so werden seine scharfblickenden Leser urtheilen und die Nummer als ungekauft betrachten." So schließt unsere Frankfurter„Freundin" ihren Artikel! Daß wir es sehr ernst gemeint haben mit jenem Artikel: „Nieder mit der Republik!" das wußten unsere aufmerksamen Leser sofort und das brauchen wir jetzt auch der„Frankfurter Zeitung" gewiß nicht mehr ausdrücklich zu versichern; daß von „einer momentanen Verirrung, einem Zornausbruch bei augenblicklich getrübten Bewußtsein" bei uns keine Rede sein kann, das wird jetzt auch die„Frankfurter Zeitung" selbst einsehen— in dieser Ueberzeugung unterlassen wir es, un- serer„Freundin" in ihrer Sprache zu antworten. Daß die„sozialdemokratische Partei nicht insgesammt von der gleichen Meinung, wie der Verfasser des Leitartikels:„Nie- der mit der Republik!" erfüllt ist", wissen wir; wir haben den uns eingesandten— sehr geringfügigen— abweichenden An- sichten ja im„Vorwärts" gern Raum gewährt. Unsere Partei hat auch Raum für verschiedene abweichende Ansichten innerhalb der Parteiprinzipien, wir sind Demokraten ohne Gänse- füßchen, aber das erklären wir hiermit der„Frankfurter Zeitung": In ganz Deutschland giebt es nicht einen Sozialdemo- kraten, der mit den in ihrem Leitartikel ausgesprochenen An- sichten einverstanden ist; sollten fich Leute finden oder gefunden haben, die es doch sind und sich Sozialdemokraten nennen— nun, so nennen sich dieselben eben nur so, sie sind es aber nicht! Und wenn es der„Frankfurter Zeitung" gelungen ist, solche Leute uns durch ihren Leitartikel„abzufangen", so gratuliren wir ihr zu diesem Fange recht herzlich; wir können keinerlei Halbheiten in unserer Partei dulden, wir können keine„Demo- kraten" mit Gänsefüßchen, sondern nur Sozialdemokraten ge- brauchen.--- Was die„Frankfurter Zeitung" Gutes wirkt in ihrer oppo- sitionellen Stellung, haben wir immer anerkannt und werden es auch fürder thun; auch haben wir ihr in der vorliegenden Frage keine Rathschläge ertheilt oder Vorschriften gemacht, wir hielten ihre Stellung für völlig correct von ihrem Parteistand- punkte aus betrachtet, deshalb aber waren ihre Schulmeisteret, ihr hochfahrendes Wesen und, gelinde ausgedrückt, ihre thränen- reichen Ermahnungen an den„verlorenen Sohn" durchaus nicht am Platze— wir kennen unsere Partei besser und wissen auch besser, als die Frankfurterin, was Demokratie ist. Sozialpolitische Uebersicht. — Unsere Rubelpresse hatte über die colossale Macht des humanen Rußland und die bemitleidenswerthe Hinfälligkeit der barbarischen Türkei so viel und so lange gelogen, daß sie es zuletzt selbst glaubte, und nun, wo das Lügennetz zerrissen ist und harte Realität des vollständigen russischen Fiasko unauf- haltsam hervorbricht, geradezu lächerlich consternirt dasteht. Die beste russische Armee, die kaukasische, 130,000 Mann, zersprengt, ein Drittel getödtet, verwundet, gefangen, kampfunfähig gemacht, der Rest hinter die russischen Festungswälle zurückgejagt— die russische Donau-Armee noch immer festgenagelt an der Donau oder in deren Nähe, unfähig fich rasch vorwärts zu bewegen, miserabel verpflegt, Spitzbuben iy der Verwaltung, kaiserliche Prinzen, die nie den geringsten Beweis militärischen Talents gegeben, mit Commandos ausgestattet; und dem gegenüber die durch die Siege in Asien und Montenegro(welch letztere die Rubelpresse hartnäckig in Niederlagen umzulügen sucht) begeisterte türkische Armee, mit dem gewaltigen Festungsviereck Rustschuk- Silistria-Warna-Schumla als Stützpunkt und dem Balkan als zweiter, durch Natur und Kunst fast unüberwindlich gemachten Vertheidigungslinie im Rücken— das ist allerdings für die Russen eine sehr fatale Situation. Verlieren die über die Donau gerückten Armeetheile eine Schlacht, so schweben sie in der größten Gefahr, abgeschnitten und militärisch vernichtet zu werden, während die türkische Armee für den Fall einer Nieder- läge im Festungsviereck und am Balkan Schutz findet. Was das Fiasko der Russen um so blamabler macht, ist der notorische Umstand, daß sie seit Jahren sich auf diesen Krieg vorbereitet und sich vor und bei Ausbruch desselben alle mög- lichen Vortheile gesichert hatten, welche durch gewissenlose Hinter- list, durch Hintansetzung von Treu und Glauben, durch freche Verletzung des Völkerrechts erschlichen werden konnten. Es ist z. B. constatirt, daß sie den Pruth drei Tage vor der Kriegs- erklärung überschritten und sich in den Besitz militärisch wichtiger Punkte gesetzt haben, während anderseits die Türkei, weil sie barbarisch genug ist, Verträge zu achten, aus Vertragstreue von der durch das militärische Interesse gebotenen Besetzung des linken(rumänischen) Donauufers abstand. Und doch jetzt in der Sackgasse, so daß ein österreichisches Regierungsblatt schon die Mittel und Wege bespricht, um dem verunglückten Eroberer eine„goldene Brücke" zu bauen. So weit ist es nun freilich noch nicht. Die Demüthigung Rußlands ist zu tief, sein ganzes Ansehn zu sehr erschüttert, die verhaßte Türkei in zu günstiger Position, als daß Rußland eine Friedensvermittlung annehmen könnte. Es wäre das gleich- bedeutend mit der Abdankung als Großmacht. Aber wie aus der Sackgasse kommen? Das ist die Frage. „Den Balkan durch Serbien hindurch umgehn" das war ein Plan. Flugs ging man ans Werk. Und leise. Denn Oestreich stand auf der Lauer, es hatte kategorisch die Neutralität Serbiens gefordert. Der Brand kam ihm zu nah ans eigene Haus. „Serbien soll neutral bleiben, wir verbürgen es; wir wollen blos durchmarschiren." Das ist die neueste Phase des Plans, der das Eingeständniß Rußlands enthält, daß es sich nicht stark genug fühlt, den türkischen Stier bei den Hörnern zu nehmen. Oestreich soll auch in dieser Form den Plan für„unmöglich" erklärt haben. Und wenn sich dies bestätigt, was dann? Je nun, dann muß Rußland sich fügen— es sei denn, daß es die Mobil- machungsordre des preußisch-deutschen Reichs in der Tasche hat. Ohne der Hilfe des deutschen Reiches gewiß zu sein, kann Rußland den Bruch mit Oestreich nicht riskiren. Es müßte sonst gewärtig sein, daß seine Donau- Armee binnen 14 Tagen bis hinter den Pruth zurückgetrieben wäre— wie anno 1854— ohne daß Oestreich für einen Groschen Pulver zu verbrennen hätte. Und die deutsche Mobilmachungsordre scheint man nicht in der Tasche zu haben. Die russische Regierungspreffe schlägt nämlich seit einigen Tagen einen wunderbar bescheidenen Ton an, und es ist sogar das in der Geschichte wohl ohne Beispiel da- stehende Kuriosum passirt, daß das Manifest, welches„Väterchen" bei seinem„Triumpheinzug" in Bulgarien veröffentlichte, und welches in Wien— weil die raublustigen Krallen zu deutlich herausschauten— arg verschnupft hat, von den amtlichen Blättern für„falsch aufgefaßt, falsch wiedergegeben" u. s. w. erklärt worden ist, mit anderen Worten, daß der Kaiser von seiner eigenen Regierung hat desavouirt werden müssen. Väterchen„Alexander" wird wohl manchmal an die letzten Lebenstage des„Väterchens" Nicolaus denken. Wird zu den Niederlagen nach Außen die Revolution im Innern hinzukommen? Hat das russische Volk Freiheitssinn und Kraft genug, um den Bankrout der Regierungspolitik in seinem, des Volks Interesse auszunützen? Nicht bloß die russische Regierung steht jetzt auf der Probe, auch das russische Volk— wenn es eins giebt. — Wir erhalten aus Nürnberg folgende Zuschrift: Unter der Rubrik„Deutsche Gefängnisse— deutsche Cultur" bringen Sie in Ihrer Nummer 79 vom 8. Juli eine Schilderung der verschiedenen„Liebenswürdigkeiten", welche ver- urtheilte Sozialisten namentlich in Preußen durchzumachen haben. Sie bemerken dazu, daß„nicht in allen Ländern Deutschlands" die Behandlung der politischen Gefangenen eine so— stramme sei, wie in Preußen. Es ist möglich, daß die BeHandlungsweise nicht gerade allenthalben im Reich eine— „preußische" ist, jedenfalls aber steht die zweite deutsche„Groß- macht", das Königreich Bayern, das so berühmte„Fortschritts- grüßen" wie Herz, Erhard, Frankenburger u. s. w. in den „Reichstag" schickt, nicht im mindesten hinter der preußischen Fuchtel zurück. Einen Unterschied zwischen politischen und gemeinen„Verbrechern" giebt es in Bayern nicht, namentlich hört die„Gemüthlichkeit" auf, sobald eine Strafe sich über drei Monate erstreckt. Bis zu drei Monaten kann man in den Be- zirksgerichtsgefängnissen, den sogenannten Frohnfesten, brummen, und da giebt es, wenn man es mit einem einsichtigen, humanen Bezirksgerichtsdirektor zu thun hat, hier und da Selbstbekösti- gung, Bier, Cigarren und Beschäftigung nach persönlicher Wahl des Jnhaftirten; wenn's aber einmal über diesen Zeitraum hin- übergeht, dann ist der„gemeine Züchtling" fertig. Dann heißt es entweder: nach„bayerisch Plötzensee", dem Nürnberger Zellen- gefängniß, oder nach den Strafanstalten Amberg, Laufen zc. Parteigenosse Wörlein, Schriftsetzer, welcher wegen„Gottesläste- rung" und„Majestätsbeleidigung" seinerzeit 3'/, Monate in Amberg sitzen mußte, hatte Betttücher und Frauenröcke zu nähen, wurde von den Schließern mit„Du" angesprochen, hatte den berühmten wohlriechenden, hölzernen„Daniel" in der Zelle, bekam kein Bier, keine Extrakost u. s. w., kurzum wurde behandelt wie der gewöhnliche Verbrecher. Ueberhaupt existirt ja in Bayern zwischen der Behandlung in den Strafanstalten und den Zuchthäusern ein wirklicher Unterschied nicht. Genosse Baumann, der von dem mittelfränkischen Schwurgerichts!) wegen einer„Majestätsbeleidigung"— welche nicht einmal der königliche Untersuchungsrichter hatte finden können, so daß der- selbe die Verweisung vor's Schwurgericht abgelehnt hatte— zu 4�/4 Monat„begnadet" wurde, sitzt im Nürnberger Zellenge- fängniß. Baumann, früher Schneider, seit verschiedenen Jahren aber in der Redaktion und Expedition des„Ztürnberg- Fürther Social-Demokrat" thätig, muß dortselbst Westen machen, trägt die grobe, graue Zuchthausuniform mit dem„Orden(der Num- mer) auf der Brust und der Maskenkappe, und erhielt theilweise Krankenkost, nur auf Anordnung des Arztes. Das Lesen des lokalen Parteiorgans wird ihm verweigert, dagegen ist ihm die „Berliner Freie Presse" gestattet. Bier giebt's keinen Tropfen, Rauchen ist nicht einnial den Aufsehern, viel weniger den Ge- fangenen gestattet. Besuch darf er nur alle vier Wochen von seinen nächsten Angehöriger und höchstens Geschäftsfreunden auf etwa eine halbe Stunde annehmen.— Es ist zu bemerken, daß die Festungshaft durch Einführung der Reichsgesetze in Bayern nicht aufgehoben wurde, daß dieselbe aber gegen Sozialisten nie ausgesprochen wird, höchstens gegen einen renitenten Pfaffen, wie z. B. gegen Dr. Rittler.— Vielleicht interessirt es die Par- teigenossen auch, zu erfahren, daß gegen die jetzige Redaktion des hiesigen Parteiblattes nicht weniger als fünf Stromer- und Magistratsbeleidigungs-Prozesse anhängig sind, meist wegen Bekämpfung der die Stadt„beglückenden" Stromer'schen(„fort- Proletarierleben. Unserm Leipziger Lokalblatt, der„Fackel", wird folgendes von einem Arbeiter geschrieben: „Am 26. Oktober 1876 wurde ich infolge des traurigen Ge- schäftsganges in Heidelberg arbeitslos und wandte mich mit den wenigen erübrigten Reisemitteln zu Fuß über Straßburg nach der Schweiz, ohne indeß Arbeit zu bekommen. Als das Wenige erschöpft war, mußte ich mich wohl oder übel auf's„Fechten" verlegen, oder, wie dies das„Leipziger Tageblatt" nennen würde: ich war gezwungen, mich als„arbeitsscheuer Mensch" und„Vagabund"„herumzutreiben". Als solcher wurde ich, als ich am 6. November zu Staufen bei Freiburg in Baden, von Hunger, Kälte und anderen Entbehrungen getrieben, die Mild- thätigkeit Anderer in Anspruch nehmen mußte, bei einem Teller wärmender Suppe unliebsam durch ein„Sicherheitsorgan" ge- stört. Die Folge davon war, daß ich, obwohl bis dahin„un- bescholten und unbestraft", zu sechs Tagen Haft verdonnert wurde. Nach meiner Entlassung mußte ich, mittellos wie vor- her, wieder zu dem traurigen Mittel greifen, welches die Ver- anlassung zu meiner Verhaftung abgegen hatte. Nach ungefähr 6 Wochen war ich so glücklich, bei einem Apotheker in Göppingen (Württemberg) l'/z Tag Gartenarbeit verrichten zu dürfen. Ich konnte mir für den Lohn wenigstens ein Hemd kaufen.— Der Winter war vor der Thür, und es war mir nicht möglich, in meinem Geschäfte(der Schreiber Dieses ist Tapezierer) oder sonst- wie Arbeit zu erhalten. „Bis jetzt war ich ganz Oberbayern durchreist und kam den Weihnachtsabend gegen 8 Uhr mit 3 Pfennig Reichswährung in der Tasche in Bogen an der Donau an. An diesem Tage, wo sich doch fast jeder Mensch freut, mußte ich mir in beständigem Schneewetter erst die nöthigen Finanzen zum Schlafen erfechten. Nunmehr reiste ich nach Nürnberg, ging oort nach dem Arbeits- nachweisbureau und erhielt die Antwort, daß ich mir selbst Ar- schrittlichen")T Finanzwirthschaft. Die Schwurgerichtsoerhandlung, zu der es wohl kommen wird, verspricht hochinteressant zu werden und dürfte unserem Freund Stromer mehr schaden als uns. — Zur Lage der Arbeiter, der ländlichen sowohl, wie der städtischen und hauptstädtischen Bevölkerung, liefern die amtlichen statistischen Tabellen des Reichsgesundheitsamtes:c. recht schätzenswerthe Beiträge. Da dieselben aber die Ergebnisse nicht der Art gruppiren, daß sie leicht für Jedermann verständ- lich find, so wollen wir im allgemeinen Interesse aus diesem amtlich-statistischen Material ein allgemein erklärliches Bild zu entwerfen suchen. Da die hauptstädtische Bevölkerung die größte Beobachtungsgruppe bildet, so nehmen wir zuerst diese Tabellen, obwohl die ländliche und Provinzialstädtische Arbeiterbevölkerung besonders in den östlichen Provinzen des Reiches seit den drei letzten großen Kriegen, zu denen sie das größte Contingcnt ge- stellt hat, noch schlechter daran ist. Zunächst ist es bemerkens- Werth, daß nach den amtlichen Berichten des Magistrats der deutschen Reichshauptstadt die Zahl der Armen mit dem Zu- nehmen der Großstadt seit 1866 Prozentabel nicht größer ge- worden sei, wogegen nach den amtlichen statistischen Ergeb- nissen der Kreis der armenärztlichen Praxis immer größer wird und polypenartig seine Radien schon bis in die besseren Schichten der Gesellschaft erstreckt und 1876 von den 29,272 in der Haupt- stadt zu Grabe Getragenen 3351, also 35,12 Proz., der armen- ärztlichen Praxis anheimgefallen. Das zunehmende Sicchthum in den Bcvölkerungsgruppen, welche die armenärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, macht sich namentlich durch die verminderte Heilung der Hauskranken bemerkbar. Im Laufe des Jahres 1876 konnten nur 70,7 Prozent Hauskranke, dagegen 1875— 75,87; 1872— 76,41; 1871— 77,44 und 1869 sogar 78,82 Prozent als geheilt entlassen werden.— Das Beziehen der vielen neuen Häuser, das enge Zusammenwohnen, der öftere Mangel an Rein- lichkeit, die schlechte Luft, der Mangel an kräftiger, genügender Nahrung, der Jahreszeit angemessener Kleidung, u. s. w.— wegen Erwerbs- und Berdienstlosigkeit— erschweren die Heilung des in seiner Wohnung erkrankten Ernährers, der Mutter und Wöchnerin mit ihrem Säuglinge nicht allein, sondern machen auch die Aufnahme in eine Krankenanstalt erforderlich. Die wirthschaftliche Lage kennzeichnet sich aber besonders darin, daß die Aufnahme von 5447 Personen„wegen gänzlichen Mangels an Pflege" ärztlich für nöthig erachtet wurde und amtlich erfolgte. Dem Prozentsätze nach belief sich die Zahl derartiger Einlieferungen pro 1876 auf 19,40; 1875 wurden nur 12,30, 1874— 10,61, 1872— 11,79, 1871— 9,58 und 1869, in dem dritten Nothjahre der Krisis nach dem Kriege von 1866 sogar nur 8,45 Prozent aller Erkrankten im Bereiche der Armenkrankenpflege den Spitälern oder Krankenanstalten über- wiesen, so daß die Zahl in dem kurzen Zeiträume von sieben Jahren um rund 11 Prozent gestiegen ist und wirthschaftlich einen schreckcnerregenden Rückgang der Wohlhabenheitsverhältnisse constatirt. In welch körperlichem Zustande diese in den Pflege- anstaltcn Eingelieferten hier anlangten, ergiebt die große Anzahl der dem Tode in die Arme Gesunkenen, 1028,— also ein Fünftel (19,01 Prozent) aller Eingelieferten. Diese Zahl spricht schon deutlicher, als es Worte vermögen. Wir fügen indeß noch hinzu, daß die Sterblichkeit im Bereiche der armenärztlichen Praxis von 1866, wo sie sich auf 5,1 Proz. bezifferte, bis 1876, wo sie 6,80 Proz. beträgt, in dem Zeitraum der großstädtischen Entwicklung, um 1,79 Prozent gestiegen ist. Daß gegen diese Kalamität die„Gewaltigen" der Fortschrittspartei und der Li- beraten, obwohl sie die gesetzgebende Majorität sind, nicht schon früher durch die Beantragung öffentlicher, nöthiger Bauten, Flußregulirungen(Nogat), Erdarbeiten(Caub) u. s. w. etwas gethau, wäre komisch zu nennen, wenn es nicht die Verarmung der Arbeiterbevölkerung und des Kleingewerbes zc. beträfe. Die auf Kosten der Commune oder der Privatwohlthätigkeit errich- teten thcuren Kranken- und Pflegeanstalten können dafür nicht gelten,— weil sie Endpunkte der Roth sind. Die Wurzel des Uebels liegt in der Erwerbslosigkeit,— deshalb muß Arbeit geschafft werden, und dies kann dauernd nur in einer Gesellschaft geschehen, wo die Organisation der Arbeit das erste Prin- zip ist. F. K. — Großer Helden muth! Viel Spektakel machten die liberalen Zeitungen davon, daß für die Jacobikirche zu Berlin kürzlich ein freisinniger Prediger gewählt wurde, ein gewisser Lic. Hoßbach. Die Orthodoxen waren ärgerlich und hoffen, daß eine Bestätigung nicht erfolge. Ehe der Neuerwählte aber seine Annahme erklären kann, muß er seine gegenwärtige Stelle kündigen. Der Sperling in der Hand ist aber unserem braven freisinnigen Herrn Hoßbach lieber, als die Taube auf dem Dache, deshalb kündigt er nicht und„vergißt" völlig die Erklärung in Bezug der Annahme' der neuen Stelle, so daß eine Neuwahl erfolgen muß. Wird dann wieder ein liberaler Pastor gewählt, so nimmt er aus Angst, seine seitherige Stellung zu verlieren, beit suchen müsse, da meine Meisterschaft nicht dabei betheiligt sei. Daraufhin schaute ich nach Arbeit um, wurde aber gleich beim ersten Meister von zwei Dienern der Gerechtigkeit in Em- pfang genommen, nach Legitimation und Reisegeld gefragt, und da an letzteres bei mir nicht zu denken war,„wegen verbotenen Umschauens nach Arbeit" arretirt. Nach längerem Warten er- hielt ich von der Behörde eine Lcgitimationskarte, um Arbeit suchen zu können; es wurde mir aber zugleich bedeutet, falls ich keine Arbeit fände, Nürnberg binnen drei Tagen zu ver- lassen. Ich bekam keine Beschäftigung und ging nach Fürth. Hier machte man mir aber auch begreiflich, daß das Hungern für mich besser wäre, als die Güte anderer Leute in Anspruch zu nehmen, denn ich wurde genöthigt, wegen Bettelns 24 Stun- den im Arresthause zu verweilen. Während dieser Zeit gab's blos einmal zu essen, und verließ ich das Gefängniß hungriger, als ich gekommen war. „Ueber Coburg, Chemnitz kam ich den 19. Februar Abends nach Dessau. Ueberall bekam ich keine Arbeit, aber auch kein Geschenk, weder von den Meistern, noch von den Collegen. Den nächsten Morgen mußte ich wieder sehen, wo ich das Geld für verflossene Nacht herbekam, um wenigstens mein Handwerkszeug nicht im Stiche zu lassen. Kaum war ich jedoch ausgegangen, so vertrat mir auch schon wieder ein die„öffentliche Sicherheit Ueberwachender" den Weg, und brachte mich derselbe sehr zu- vorkommend in's Arresthaus. Am dritten Tage meiner Hast kam ich pünktlich zur Verhandlung. Nachdem ich ein ziemlich umfangreiches Protokoll unterschrieben hatte, mußte ich mit Staunen hören, daß ich wegen„Fluchtverdachts" so lange in Untersuchungshaft behalten würde, bis meine Persönlichkeit fest- gestellt sei. Dies erforderte aber blos zehn Tage(es wurde in meiner Heimat nachgeforscht, ob meine Legitimationspapiere richtig seien!) und am dreizehnten wurde mir das„Urtheil" verlesen. Es lautete:„Wegen Bettelns, Landstreicherei und auch nicht an und die Orthodoxie muß endlich siegen.— D' ganze Handlungsweise ist so überaus bezeichnend für den Liüj ralismus, daß wir ihr hier Erwähnung thun— überall, r er im Kampfe sich befindet, parirt der Liberalismus, die Folj schrittler natürlich gleichfalls, die Hiebe mit dem H...... Wir hatten ver„Magdeb. Ztg." die Nachricht entnommS daß Herr Hoßbach seine Annahme nicht erklärt habe— jes sagt die„Vosfische Ztg.", er habe schon längst angenommo Warten wir die Bestätigung der letztern Nachricht ab. — Kreisrichter Dr. Kolkmann in Löbau, in welch» die Justizbehörde den Nicolaus Planenberg vermuthet, der ei so schneidiges Urtheil über den preußischen Richterstand gefäü hat u»d der deshalb in der Zeugnißzwang-Affaire Skrzeczek vu genannt wurde, ist nach Rosenberg„strafoersetzt" worden. M« glaubte zuerst auf die Bermuthung hin, daß er der pseudonya Nicolaus Planenberg sei. Doch der Grund ist ein anderer, fii unsere Kulturkämpferepoche viel interessanterer. Dr. Kolkmani ein geborener Katholik, hatte schon weit früher, als es offizid geschah, die Jesuiten bekämpft und verschiedene Broschüren gego Mönche, Jesuiten, Pfaffen und allerlei Duckmäuser geschriebel Er wurde auch angeklagt, jedoch in allen Instanzen freigesprocha Nun aber ist er im Disziplinarwege bestraft, weil er sich Wege Verspottung des Mönchs- und Ordenswesens u. s. w. durch seil« außeramtliche Schriftstellern„der Achtung, des Ansehens un! Vertrauens, die sein Beruf erfordert, unwürdig gezeigt habe."- Es lebe der Kulturkampf! — Pfiffig. In gegnerischen Blättern— vielleicht ist'« Böhmert'scher Waschzettel— wird„darauf aufmerksam gemacht' daß die gewerkschaftliche, auf Verbesserung der wirthschaft lichen Verhältnisse der Arbeiter gerichtete Bewegung der Sozio listen keineswegs in steter Fortentwicklung begriffen sei. Dies zeige vielmehr einen Rückgang, was daher komme, daß die S« zialisten auf die Verbesserung der wirthschaftlichen Verhältniss des Lohnarbeiterstandes keinen großen Werth legen, vielmeh die ganze Kraft ihrer Agitation auf die Erlangung der poli tischen Herrschaft lenken. Damit allein sei aber den Arbeiter» nicht gedient" u. s. w. Als Schluß natürlich eine Reklame fü: den verdunckerten Max Hirsch. Zwei Fragen an den Pfiffikus der das geschrieben: Ist die politische Bewegung der Sozia listen nicht auf die Verbesserung� der wirthschaftlichen LaF der Arbeiter gerichtet? Und: Hat er nicht einmal irgendwo läuten hören, daß seit vier Jahren so etwas wie Krisis ob- waltet? Wir haben keine Statistik der deutschen Gewerkschafte» zur Hand, zweifeln aber nicht, daß die sogenannten„sozialisti- ichen" Gewerkschaften unter der herrschenden„wirthschaftliche» Kalamität", die wir der hcuttgen Muster- Gesellschaftsordnunc verdanken, ebensogut gelitten haben, wie die englischen Trades- Unions, die bestorganisirten Gewerkschaften der Welt— unt wahrscheinlich weniger als deren von„unserm" Max verfertigter Miniaturabklatsch. — Der namenlose S—, welcher von Chemnitz aus das „Leipziger Tageblatt" bedient, schreibt über die Verurtheilung Vahlteich's:„Die Bestätigung des Mittwcidaer Urtheils gege» Vahlteich, welche in der„Chemnitzer Freien Presse" und sogar in einem hiesigen liberalen Blatte zu einer Bedeutung auf- gebauscht worden ist, die der Sache durchaus nicht inne- wohnt, hat in hiesigen wohlgesinnten(a In S—) und die Ord- nung(ä la S—) liebenden Kreisen durchaus kein Staunen, soN- dern eher eine gewisse Befriedigung erregt, da einem Agi- tator der Umsturzpartei die Gelegenheit genommen wird,. r/a Jahre lang iveiter zu wühlen, und das Volk eine Zeitlang! nicht durch die von demselben angewendeten gefährlichen, die große Masse bestechenden Redensarten aufgehetzt wird. Es heißt die Lage der Parteien in Chemnitz ganz und gar ver- kennen, wenn von hier aus in auswärtigen Blättern liberale»' Richtung die Sozialdemokraten gewissermaßen unterstützt werden,� die dann ihre wohlverdienten, durch nichts als Schimpfe- reien größten Kalibers verschuldeten Strafen nur noch mit größerer Ostentatton und Trauerrändern der Welt ver- künden."— So der namenlose und doch bekannte Chemnitze»! „Tageblatts"-S—. Die richtige Bezeichnung für dieses Jndi- viduum, dessen„wohlgesinnte Kreise" und das Blatt, welches sich dazu hergegeben hat, ihm als Ablagerungsstätte zu dienen—! wird jeder unserer Leser selbst finden. — Ein entsetzliches Unglück(erschrick nicht lieber Leser), welches das größte Gemeinwesen der Welt(also natürlich das grrrroße deutsche Reich, meint Fritzchen Dernburg von der Ber- liner Nationalmuhme) unfehlbar aus der Reihe der„Groß- staaten" weggeblasen hätte, wäre neulich beinahe(du wirst dich wieder erholt haben, lieber Leser) in Washington, der Haupt- stadt der Vereinigten Staaten passirt. Nachdem nämlich in dem amerikanischen Congreß wiederholt die Ansicht ausgesprochen worden war, daß die Vereinigten Staaten gar kein—(FritzcheN Vagabondirens vierzehn Tage Hast." Ich konnte es noch für ein Glück ansehen, daß ich nicht, wie so viele meiner Leidens- geführten, nach Coswig auf das Arbeitshaus kam.— Am 6. März Mittags 1 Uhr wurde ich, ohne ein ordentliches Hemd auf dem Leibe und ohne alle Subsistenzmittel, entlassen,— ich besaß also wieder die Freiheit, d. h. die Freiheit, von der Lust zu leben. Ueber Wittenberg führte mich mein Weg nach der Jntelligenzstadt Leipzig, und hier war mir das Glück günstig; nach �monatlicher Arbeitslosigkeit fand ich wieder Arbett. Am 14. März angekommen, meldete ich mich sofort mit meinem Geburtsschein, den ich mir auf der Reise hatte nachschicken lassen, zur Stammrolle an. Bei dieser Gelegenheit wurde mir gesagt, daß ich wegen verspäteter Anmeldung 1 Mark Strafe zu zahlen hätte, worüber ich noch die nöthige Verfügung zugeschickt be- kommen sollte. Dieselbe traf denn auch den Tag nach meiner Stellung früh»/, 7 Uhr ein. Nach§ 23, 10 der allgemeinen Wehrordnung und auf Antrag des H:rrn Civilvorsitzenden der königlichen Ersatzcommisfion Leipzig, Stadt, wurde ich von Rechtswegen zu drei Mark Strafe verurtheilt. Im Nichtzahlungsfalle hatte ich zu gewärttgen, daß solche executivisch einge- bracht, im Falle der Uneinbringlichkeit die Geldstrafe in Hast verwandelt würde.— Auf der Reise sehr zurückgekommen, war es mir eine Unmöglichkeit, sogleich zu bezahlen,, was ich auch den Herren auf dem Quartieramte vorstellte. Ich wollte die Strafe in Raten abzahlen, aber mit so einer geringfügigen Sache befaßten sich die Herren nicht,— kraft richterlichen Ur- theils war ich denn zum vierten Male durch die Roth gezwungen, in's Gefängniß zu wandern. Man sieht aus diesem Beispiele deutlich, wie ein ordentlicher i und ehrlicher Mensch zum Vagabunden gemacht wird. E. Th." Der Brief trägt offenbar den Stempel der Wahrheit an sich. Wir fragen nun unsere deutschen„Ordnungsmänner", wie sie mit solchen„Zuständen der Ordnung", wie die hier geschil- Dernburg, nimm ein Fläschchen mit Salmiakgeist zur Hand) gar kein— stehendes Heer brauchten, daß auch in den Grenzdistrikten die Bürgermiliz vollständig genügte, kam die Frage in dem neuen amerikanischen Kabinet zur Sprache, und— es ist unerhört, aber leider wahr!— mehrere Minister stimmten für lFritzchen Dernburg, rasch die Nase ans Fläschchen!) Ab- schaffung des stehenden Heers, und um Ein Haar wäre der hoch- und landesverrätherische Antrag im Ministerrath durch- gegangen. Blas durch eine oder zwei Stimmen Majorität wurde„das einzig wahre und sichere Staatsfundament" gerettet. Aber ach! es ist nur eine Galgenfrist, und wer weiß, wenn dieses selbstmörderische Attentat wiederholt wird, und zwar mit besserem Erfolg.(Gott sei Dank, seufzt Fritzchen Dernburg, der sich inzwischen von seinem Ohnmachtsanfall erholt hat, Gott sei Dank, wir im strammen Kasernenland sind doch bessere Menschen, als die Barbaren dort drüben im„Freiheitsstall, bewohnt von „Gleichheitseseln"!) — Auf dem asiatischen Kriegsschauplatz wird es eine Zeit lang still sein, da die Niederlage der Russen eine so gründ- liche ist, daß sie einiger Zeit bedürfen, ehe sie die Operationen wieder aufnehmen können; und auf dem europäischen Kriegs- fchauplatz ist nun auch eine, freilich kürzere. Pause eingetreten. Diese momentane Stille wird von der Rubelpresse dazu benutzt, den Eindruck des russischen Fiaskos durch unverschämteste Lügen womöglich etwas zu verwischen. Ein geschlagener russischer General läuft an einer türlischen Festung(Bajazid) vorbei und entgeht mit knapper Roth der Gefangenschaft: großer russischer Sieg! ein russischer Söldner mit ein paar„Insurgenten" über- fällt in der Herzegowina einen türkischen Soldaten— großer Sieg über die Türken; Suleima» Pascha, der nach dem Zeugniß aller Militärs in dem Feldzug gegen Montenegro wahrhast Glänzendes geleistet hat, marschirt, nachdem er seine Aufgabe erfüllt und das montenegrinische Raubnest nicht„besiegt", son- dern zermalmt hat, den Russen entgegen, das heißt dahin, wo sein Platz ist— großer Triumph der„unüberwindlichen Söhne der Schwarzen Berge"; die türkische Armee ist so ge- schwächt, daß sie freiwillig abziehen und den montenegrinischen „Siegern" das Feld überlassen muß. So wird gelogen, und so wird(für gutes Geld) weiter gelogen werden, bis die That- fachen wieder reden. Also sehe man sich die„russischen Siege", die jetzt wie die Brombeeren wachsen werden, genau an. — Abdul Kerim Pascha, CuncUtor(d. h. Zauderer), macht seinem Namen alle Ehre, ohne aber, wie der alte Radius Cunctator, seinem Lande Ehre zu machen. Daß er die Russen ohne besondern Widerstand über die Donau gelassen hat, wollen wir entschuldigen, weil er die ganze Donauläuge nicht besetzen konnte, ohne seine Kräfte zu zersplittern; auch hieß es immer, die Russen seien wie in einem Sacke gefangen: auf der linken Seite das Festungsviereck, auf der rechten Serbien und ein Theil des Balkans und vor sich das hohe Balkangebirge— ohne eine siegreiche Schlacht, welche aber die Türken schlagen konnten an günstigster Stelle, konnten die Russen sich nicht entwickeln und würden, wenn sie noch lange so„angenagelt" geblieben wären, durch Mangel an Lebensmitteln gezwungen worden sein, den Rückzug über die Donau anzutreten— ohne Schwertschlag. Da plötzlich ertönt die Kunde, daß 18 russische Bataillone in der Nacht vom 13. zum 14. Juli die Schipkapässe des Balkan ohne Schnß pasfirt hätten und somit der Sack geöffnet wäre. Beruht diese Kunde auf Wahrheit, so ist Abdul Kerim Pascha nicht mehr ein Zauderer, sondern ein Verräther oder ein Esel. — Der Fall von Nikopolis, der gleichfalls gemeldet wird, war vorauszusehen und hat geringere Bedeutung— die Besatzung hat sich löwenmuthig geschlagen und ist dann abgezogen. — Eine„Berichtigung". In Nr. 73 des„Vorwärts" brachten wir unter: Frankfurt a. M. folgende Notiz: „Das hiesige Appellationsgericht bat in der im„Vorwärts" bereits erwähnten Privatklage des Schriftstellers Mehring in Berlin wider den Herausgeber der„Frankfurter Zeitung", Sonne mann, wegen der Bezichtigung, daß der Letztere dem Elfteren Verleumdung und Erpressungsversuch vorgeworfen habe, unter theilweiser Abänderung der Motive, die in der ersten Instanz ausgesprochene Freisprechung Sonnemann's bestätigt. Die seitens Mehring's beanttagte Wiederaufnahme des Beweis- Verfahrens wurde abgelehnt und Mehring in die Kosten ver- urtheilt." Diese Notiz gab Herrn Mehring Anlaß, auf Grund des 8 11 des Preßgesetzes die Aufnahme einer„Berichtigung" zu ver- langen, in welcher er es für„unwahr" erklärt, daß das Herrn Sonnemann freisprechende Erkenntniß der ersten Instanz von dem Appellationsgericht bestätigt worden sei. Die Veröffent- lichung der„Berichtigung" wurde von uns im Brieftasten der Nr. 81 mit folgenden Worten abgelehnt: „Herrn Franz Mehring in Berlin. Wir werden Ihre„Be- dcrten, zufrieden sind. Könnte der„brave Ordnungsmann" Victor Böhmert in Dresden darauf vielleicht Antwort er- theilen? —„Sicherheits-Couverts". Eswas für Hrn. Stephan. Wir lesen in den Zeiwngen:„Kürzlich ist in New-Iork eine Erfindung ge- macht worden, welche gegen das Oeffnen von Briefen auf der Post ge- richtet ist. Man verkauft nämlich sogenannte„Sicherheits-Couverts" (Safety Envclopcs), welche auf den einzelnen Theilen der Rückseite, mit Chemikalien bedruckt, die Worte enthalten:„�ttempt to opun'' (Versucht zu öffnen). Die Chemikalien werden für den Druck in zwei Abtheilungen angewendet. Zuerst erfolgt der Druck mit Galläpfeln, dann mit grünem Vitriol. Aber dieser Druck ist unsichtbar und erst wenn man versucht, das Couvert mittelst Dampf oder irgend einer An- seuchtung zu öffnen, dann wird der magische Druck sichtbar und der Versuch des Oeffnens ist vcrrathen.". Vielleicht führt Herr Stephan, dem ja die Heiligkeit des Brief- geheimnisies so sehr am Herzen liegt, diese Briescouverts in Deutsch- land ein. Freilich die ehrsame Zunft der Herren Poststieber würde sich darüber nicht sonderlich grämen, denn die Briefe, deren Eröffnung ver- �ätherische Spuren hinterlassen hat, kann man ja einfach— verloren gehen lassen. — Heiter. In der„Nationalzeitung" vom 11. d. Mts. findet sich über den„Culturkampf in Rußland" ein Artikel, welcher die abscheu- lichen Verfolgungen aller nicht orthodoxen russischen Untcrthanen bitter- Iich beklagt(daß diese brutalen Verfolgungen als„Culturkampf" be- zeichnet werden, ist eine sehr unfreiwillige Reichsfeindlichkeit) und schließ- Ilch, angesichts der Befreiunqsmission. die Rußland jetzt im Orient übernommen,„Glaubens- und Gewissensfreiheft in Rußland" erfleht. sritz Dernburg als Marquis Posa vor den Veranstaltern der polnischen Blutorgien, der Bombardirung von Hospitälern, der Ein- äscherung friedlicher Städte, der Niedermetzelung von Gefangenen und unbewaffneten Bürgern, der Schändung von Weibern, der Kriegführung ä U Thomas. Wahrlich ein Schauspiel für Götter! richtigung" in Bezug auf Ihren Prozeß contra Sonnemann nicht aufnehmen, weil wir das, was Sie angeblich berichtigen, gar nicht geschrieben haben— es steht nicht im„Vorwärts", daß das Apellationsgericht zu F.„das freisprechende Erkenntniß erster Instanz bestätigt habe", wohl aber, daß die Freisprechung Sonnemann's unter theilweiser Abänderung der Motive bestätigt worden sei.— Im Uebrigen halten wir es dem„guten Tone" entsprechend, daß man„Berichtigungen" an Redaktionen minde- stens auf ein„anständiges" Blatt Papier— nicht auf ein schmutziges— schreibt." Flugs sandte uns Herr Mehring eine zweite„Berichtigung" zu, der wir hier Raum gewähren wollen. Herr Mehring„be- richtigt" also: „Auf Grund von§ 11 des Preßgesetzes verlange ich die Aufnahme der thatsächlichen Berichtigung, daß die in Nr. 73 des„Vorwärts" gebrachte und in Nr. 81 desselben Blatts wieder- holte Behauptung, daß das Apellationsgericht zu Frankfurt a. M. in meinem Prozesse gegen Sonnemann die in erster Instanz ausgesprochene Freisprechung des Beklagten bestätigt habe, un- wahr ist. Berlin, 13. Juli 77. Franz Mehring." Weß Geistes Kind diese„Berichtigung" aber ist, das mögen unsre Leser aus den folgenden Zeilen ersehen, die wir einem Schreiben, welches der mitbetheiligte Herr Sonnemann auf unsere Anfrage an uns richtete, entnehmen: „Das Appellationsgericht erklärte, daß ich aus dem von Mehring an die Redaktion gerichteten Briefe Grund gehabt hätte anzunehmen, daß ein Erpressungsversuch beabsichtigt sei. Das Wort notorischer Verleumder bezeichnete das Gericht da- gegen als eine einfache Beleidigung, welche durch die Belei- digungcn Mehring's hinreichend compensirt sei. Das Urtheil sagt, demnach sei ich straffrei und verurtheilte Mehring in die Kosten." Hoffentlich werden unsre Leser die„Berichtigung" des Herrn Mehring jetzt voll und ganz zu würdigen wissen. CvTr�potweRzen. Mainz, 8. Juli. Heute haben wir hier unseren Oberbürger- meistcr Karl Wallau zu Grabe geleitet. Karl Wallau war als Buchdrucker 1846 in London Arbeitervereins-Mitglied, seit 1847 war er Präsident des Brüsseler sozialistischen Arbeitervereins und Mitglied des communistischen Bundes; thätig war er als solches bis Mitte 1848; dann trieb es ihm nach rechts, bis er durch Gunst und Glück es dahin gebracht, als reicher Mann zum Oberbürgermeister ernannt zu werden. Rruchsak, 11. Juli. Endlich haben wir es zu Stande ge- bracht, daß auch am hiesigen Orte eine sozialistische Versammlung stattsinden konnte. Schon zweimal wurden Versuche gemacht, eine solche zu Stande zu bringen, beidemal jedoch ohne Erfolg, da jedesmal nach stattgehabter Versammlungsanzeigc der Lokal- besitzcr so stark beeinflußt wurde, daß er nachträglich seine Zu- sage zurückzog. Diesmal jedoch gelang es einigen Parteimit- gliedern, das Vorurtheil zu brechen und den Wirth zur Ueber- lassung des Lokals zu bestimmen, und so referirte am Montag Herr Dreesbach über„die Bestrebungen der Sozialdemokratie" und erledigte sein Thema so meisterhaft, daß die auch seitens der Bourgeoisie überaus zahlreich besuchte„Arbeiterversammlung" (das geräumige Lokal war gepfropft voll und noch von Hunderten umlagert) ihm die Anerkennung nicht versagen konnte, wie nämlich die neue„Bruchsaler Zeitung" schreibt. Die„Kroichgauer Zeitung", welche im Beschimpfen und Verleumden der Sozial- demokratie schon so Erkleckliches geleistet, zog es vor, über diese Versammlung— beschämt?— zu schweigen. Schließlich fanden mehrere Aufnahmen in die neugegründete Mitgliedschaft statt. Hoffen wir, daß bald mehrere Versammlungen folgen werden, damit auch hier sich die Sozialdemokratie mehr und mehr Bahn bricht. l. Arankfurt a. W., 15. Juli.(Die„Demokratie", wie sie scheint und wie sie ist.) Ein jeder ABC-Schütze des Sozialismus wird uns, wenn wir ihm die Frage vorlegen: durch was unterscheidet sich der Sozialismus von der bürgerlichen Demokratie? antworten: Das Streben der Demokratie gipfelt in einer Republik mit möglichst freier politischer Staatscin- richtung, während die Sozialdemokratie„die politische Freiheit ohne soziale Gleichheit für ein Ding der Unmöglichkeit hält"!— Es ist nun einmal eine nicht abzuleugnende Thatsache, daß Der- jenige, welcher seine traurige soziale Lage begriffen hat, das Streben nach Vervollkommnung des Wissens für seine erste Pflicht hält. Dieses Streben lehrt ihn logisch denken und urtheilen über gesellschaftliche Organismen, welche er vielleicht früher für ein feststehendes Naturgesetz gehalten haben mag.— In meiner Unterscheidung zwischen Demokratie und Sozial- demokratte sollte aber ein Zwischenfall mich in einigen Zweifel bringen. Die Wogen vor der Wahl am 10. Januar 1877 schlugen hoch. Wie ja bekannt sein dürfte, hatten wir hier in Frankfurt bei der Wahlcampagne ein kunstgerechtes politisches Quartett. Nationalliberale, Fortschrittler, Demokraten, Sozialisten und zum Ueberfluß auch Ultramontane rüsteten sich, Heerschau zu halten. Schon glaubte man allgemein, der National- liberalismus würde mit dem Fortschritt Arm in Arm vereint sein Jahrhundert in die Schranken rufen, da hatte eines schönen Tages der gemeinschaftlich aufgestellte Candidat das Malheur, sich zu der Abends im Fortschrittsclub zu haltenden Rede das Conzept von den Nationalliberalen zu holen vergessen. Dieser Frevel mußte gerochen werden.— In öffentlichen Versammlungen mit anderen Parteien ihre Bestrebungen zu diskutiren und klarzulegen, dazu hatten die Liberalen durchaus keine Ursache. Weiß es doch jedes Kind, daß das jetzige„glorreiche Deutsch- land" das ureigenste Werk des Liberalismus ist, und daß es deshalb so ruhig schlafen kann, weil es sich nach innen und außen durch das stehende Heer geschützt weiß. Freilich in ge- schlossenen und verschlossenen Versammlungen ließen sie sich's nicht nehmen, den Beweis zu liefern, daß sie nach Dutzenden ihre Redner zählen könnten, welche es verständen, in gewählten und ungewählten Ausdrücken ihr Mißfallen über die destruktiven Tendenzen der Sozialisten vorzutragen. Und wer will es den befrackten und mit Glacehandschuhen ausgestatteten„Volks- freunden" da verargen, daß sie sich von den nach Petroleum duftenden Proletariern fernhielten? Die Demokraten dagegen handelten anders. Sie zogen während der Dauer der Wahl- campagne ihre Glacehandschuhe aus und griffen mit bloßen Händen zu. Die Gelegenheit war günstig, mit der Demokratie so manches Plauderstündchen zu verbringen. Gleich zu Anfang der Versammlung zeigte es sich, daß(um mit der„Frankfurter Zeitung" zu reden)„das gute Stück Wegs, auf dem wir zu- sammengehen," von vornherein noch einen kleinen Fußsteig für die Demokraten hat. Kurz und gut, die Sozialisten konnten oder wollten es nicht begreifen, daß es der demokratischen Idee entspreche, wenn bei Eröffnung der Versammlung das leitende Bureau schon fix und fertig sei. Sie meinten, dies habe wohl seine Berechtigung in einer Versammlung, welche lediglich Partei- ' Versammlung sei(z. B. im demokratischen Vereine, wo ein Andersdenkender sich als Gast zu betrachten habe); in einer öffentlichen Volksversammlung sei dies anders, da müsse Gleich- berechtigung herrschen. Ein solches Verfahren kann man undemo- kratisch finden. Warum denn nicht? Die verwünschte Mangel- hafte Schulbildung der Sozialisten!— In einer dieser Ver- sammlungen geschah es denn auch, daß dem von demokratischer Seite aufgestellten Kandidaten die direkte Frage vorgelegt wurde: „Ob er das eherne ökonomische Lohngesetz auerkenne?" Meine Ohren hörten ein lakonisches„Ja!" Aus den weiteren Aus- einandersetzungen, welche mir allerdings etwas unklar vorkamen und mich lebhaft an die Katze und den heißen Brei erinnerten, konnte ich wenigstens so viel entnehmen, daß auch sie sich lebhast mit der Lösung der sozialen Frage beschäftigten. Einer der hervorragendsten„Blauen" meinte, der Unterschied sei nur der, daß sie eine organische Entwicklung anstrebten und nicht, wie wir, mit den Köpfen durch die Wand wollten. Wieder also eine Begriffsverwirrung über den Sozialismus, indem wir uns bis jetzt einbildeten, eine solche organische Entwicklung anzustreben! Ich glaubte immer, daß wenn man sich die Frage vorlegte: „Sind die gegenwärttgen sozialen Verhältnisse dazu angethau, daß du als Mensch menschenwürdig leben kannst?" daß man dieselbe mit Nein beantworten müßte und daß man sich dann einer Partei anzuschließen habe, die mit nicht mißzuverstehender Klarheit ihr Ziel verfolgt, nämlich:„Umänderung der jetzigen Produktionsform." Aber viele Demokaten denken und handeln nicht so consequent, weil ihuen die heuttge Gesellschaftsform lieb ist. Sie gehören ja auch zu den Auserwählten, denen diese Gesellschaftsform Vorrechte und Privilegien einräumt, die ihnen nimmermehr der von den Sozialisten erstrebte, auf Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit bastrte Staat bieten kann. Entweder für oder gegen— was dazwischen liegt ist vom Uebel! Als ich mich nun mit ähnlichen Anschauungen zur Genüge gequält, kam ich auf den Gedanken, nachzuforschen, wie denn eigentlich die Demokraten im praktischen Leben das Streben nach Besserstellung des Looses der Arbeiter zu handhaben verständigen. Es konnte mir nicht schwer werden, auf der Suche im Lager der„Volkspartei" oder— wie der„Vorwärts" im ersten Artikel die„Rothen wider die Blauen" keffend bemerkt— der„Partei der, Frankfurter Zeitung�" mir Gewißheit zu verschaffen. Ich fing bei der Spitze an. Der Herausgeber der„Frankfurter Zeitung" hatte ja ein eigenes Geschäft, eine Buchdruckerei, da konnte ich ja durch praktische Anschauungen meinen theoretischen Combinationen am Besten zu Hilfe kommen. Auch fiel mir hierbei gleichzeitig ein, daß früher einmal unser weiland alter Freund, der„Volksstaat" nicht umhin konnte, genanntem Herrn über dessen Arbeiterfreundlichkeit ein kleines Loblied zu singen.(??) Die Botschaft hörte ich wohl, allein mir fehlte der Glaube. Wenn ich nicht irre, handelte es sich damals darum, daß ab- wechselnd einige Arbeiter aus der Druckerei der„Frankfurter Zeitung" ohne Abzug des Lohnes Urlaub zu einer Erholungs- oder Badereise erhalten sollte! Laut und feierlich wurde dies im Geschäfte verkündet, aber— bis jetzt weiß noch Niemand etwas von einer solchen Reise zu erzählen!— Als man vor einigen Jahren in der sozialen Quacksalberei ein von einem englischen Nationalökonomen entdecktes Kräutchen zur Linderung der Uebelstände unter dem Titel„Lartnership" anpries und einige liberale Bourgeois nach diesem kostbaren Palliativmittelchen gleich gierigen Hechten nach dem Angelhaken schnappten, da blieb man auch nicht zurück. Es wurde eine Sparkasse gegründet und wöchentlich jedem Gehilfen 2 Mark abgezogen, welchem bei Jahresabschluß ein Geschäftsgewinn zufließt. Um aber hieran partizipiren zu können, muß der Sparer beim Jahresabschluß noch im Geschäfte stehen, d. h. also, wenn ein Gehilfe nur vom 15. Januar bis 18. November oder Dezember im Geschäft arbeitet, erhält er nichts; ist er am 18. November 1876 eingetreten und verläßt kommenden Jahres selbigen Datums das Geschäft, so erhält er Tantieme vom 18. November 1876 bis Ende Dezember, für die anderen dreiviertel Jahre aber nichts. Daß nun Verschiedene dieses Glückes nicht theilhaft werden, daran soll die nichts weniger als liebenswürdige Behandlung des Faktors Schuld tragen und soll derselbe stets mit den Anstands- regeln in Conflitt liegen. Wir möchten ihm hiermit Knigge's Buch„Umgang mit Menschen" empfohlen halten. Das Bevor- theilen einzelner„Treuen" ist dort wie kaum in einem anderen Geschäfte ausgeprägt. Die Druckerei war früher von dem beut- scheu Buchdruckerverband wegen Tarifverletzung geschlossen. Ob- gleich sie jetzt wieder geöffnet, sollen die Setzer, falls sie sich auf den Tarif berufen, nicht selten die Antwort erhalten:„Ach, was geht mich der Tarif an."— Man führt Neuerungen im Wesen der Zeitung ein, man bietet dem Leser einen telear. Reichstags- bericht und eine telegr. Berliner Rundschau, wälzt aber einen guten Theil des Kostenbetrags auf die Schultern der Arbeiter ab, indem man ihnen die durch den Tarif bedingte Nacht- entschädigung ganz einfach zu zahlen verweigert! Ja es ist sogar vorgekommen, daß man bei Aufnahme eines Setzers an seiner sozialdemokatischen Gesinnung Anstoß genommen hat! Doch genug davon, es wäre Raumverschwendung, wollten wir noch weiter darüber reden. Mein Zweck war erreicht, ich bin mir jetzt klar, was es mit dem Vorgeben der Demokratie, das Wohl des Arbeiterstandes zu fördern, für eine Bewandtniß hat. Der Conservative, Liberale und auch der Demokrat sind Arbeiter- freunde bis an den— Geldbeutel! Wir haben von keiner Partei etwas zu hoffen und klar und deutlich sagt unser Pro- gramm:„Die Befreiung der Arbeit muß das Werk der Arbeiter- klaffe sein, der gegenüber alle anderen Klassen nur eine reaktionäre Masse sind!" (Wir müssen die Vertretung der Wahrheit der in obiger Correspondenz angeführten Thatsachen selbstverständlich unserm Herrn Correspondenten überlassen. R. d. V.) Altenburg, 11. Juli. Gestern Abend tagte hier eine stark besuchte Versammlung im„Rautenkranz", in welcher Parteige- nosse Klute aus Erfurt einen Vortrag über„die soziale Frage" hielt. Redner führte unter Zugrundelegung des Punkt 1 unseres Programms aus, wodurch und wie die Bereicherung Einzelner stattfindet, nämlich dadurch, daß die Arbeitsmittel Monopol der Kapitalistenklasse seien. Redner erörterte weiter in klaren Wor- ten, auf welchem Wege die heutigen ökonomischen Verhältnisse und die aus ihnen resultirende Benachtheiligung der Arbeiter zu beseitigen seien. Nach Beendigung des Vortrages, der mit großem Beifall aufgenommen wurde, meldeten sich mehrere Gegner zur Interpellation. Es ist uns nicht möglich, auf alle Einzel- heiten einzugehen. Der erste Gegner, Herr Advokat Hase, erklärte, daß er heute, wie früher, nicht die„Ueberzeugung ge Wonnen hätte, wie die Sozialisten den Zukunftsstaat„einrichten" wollten. Je länger und je mehr er den Sozialismus studire, desto unverständlicher würde ihm die Sache; dunkler wie früher sei ihm jetzt die„Einrichtung" des Zukunftsstaats. Klute er- widert, daß es nicht seine, resp. nicht die Schuld der verlästerten Sozialisten sei, wenn es Herrn Hase immer dunkler vor den Augen würde; er wolle nicht untersuchen, aus welchen Mo- noch länger befassen? Sprüchwort:»Sage mir, mit wem der Berliner Universität kann ich nur erwidern, daß sich das an mich gerichtete ministenelle Anschreiben auf den Antrag der � Diejenigen, welche die Adresse des Schmiedegesellen Karl Pohler, Fakultat beruft und auf Grund der bekannten beiden Schriften, gebürtig aus Landeck in Schlesien, 26 Jahr alt. angeben können, wollen nämlich der Geschichte der Pmeipien der Mechanik und des die Adresse wichtiger Familien-Angelegenheiten halber, an die Expedition Weges zur höhern Berufsbildung der Frauen, sowie speziell von 1 der„Wahrheit", Breslau, einsenden. ebenfalls schon bekannten Stellen aus diesen beiden Schriften Quittung. W. U. Weimar Div. betr. 1,80 ist gut gebr., bleibt Rest 2,15. Hmbrgr Wien Ab. 3,20. Mllr Quedlinburg Ab. 3,70. Gsck Gotha Ann. 2,10. R. Lßm Cöln Ab. 3,80. Krtzschmr Dortmund Schr. 4,50. Schlr. Frohnau Ab. 8,20, Schr. 2,15. Srwn Lüneburg Ab. 6,00. Schneiderverein hier Ann. 2,10. Bsch hier Ab. 2,40. Ullrch hier Ab. 80,00. Whlr hier Ab. 0,60. Rttmnnr München Ab. 45,00. Ernst Chemnitz Ab. 1,25. Aurbch Hainchen Ann. 1,50. W. Knk Frankfurt Ab 50,00. I. Jgr Stockum Ab. 3,80. Wind Kiel Ab. 7,60. Brbm Gotha Ab. 9,60. Psch Hannover Schr. 6,32. die Fakultätsentscheidung bestätigt hat. Drastisch ausgedrückt, sind die beiden Hauptgründe meiner Beseitigung folgende: Erstens lehre ich andere Götter als die Zunft und der Staat, also beispielsweise Robert Mayer anstatt Hrn. Helmholtz. Zwei- tens verderbe ich die studirende Jugend, indem ich sie anleite,. die wahren von den falschen Autoritäten und das natürliche An- sehen von dem zünftlerisch gemachten zu unterscheiden. Ohne das Erstarken der Bewegung unter den studirenden, in welchem man erst recht die Früchte jenes meines verderblichen Einflusses auf die Jugend zu erkennen glaubte, möchte, soweit ich unter- richtet bin, vielleicht von meiner Entfernung Abstand genommen worden sein. Da ich indessen stets die Freiheit der Wissenschaft meinem persönlichen Ergehen vorangestellt habe, so gereicht mir' auch diese Wendung zur Genugthuung und wünsche ich auch Fonds für Gemaßrrgelte. R. hier 1,00. C. hier 1,00. Frdnlhl Kruschwitz 3,00. B. R. hier 2,00. Agitationsfonds. ! Hamburg. u... Gerechtigkeit und Freiheit. Dühring." im Salon zum Roland, i. Jakobstraße Nr. 19:(F. 146) Mordhausen.(Verspätet.) Am 21. Juni hatten wir die Freude, Genosse Klute aus Erfurt in einer ziemlich gut be- � JJlUyilvvvV'/OctjUmUUUUy, suchten Volksversammlung zu hören. Die Versammlung war Tagesordnung: Bundcsangelegenheiten._[70 für Nordhausen von Bedeutung, weil sich auch viele Kleinbürger! F- Winkeling. zu derselben eingefunden hatten, die dem sachlich und klargchal- q.. „Die Menschenrechte"| Beutler, Posamentirer, Strumpfwirker u. Friseure. tenen Vortrag Klute's über das Thema: bis zum Schlüsse mit Aufmerksamkeit folgten. Auf den Inhalt! des Vertrages will ich nicht eingehen, um den Raum des„Vor- wärts" nicht zu viel in Anspruch zu nehmen. Erwähnt sei nur, daß die Ausführungen Klute's sehr angesprochen haben. Möge! es uns vergönnt sein, denselben recht bald wieder zu hören. P. Die Parteigenossen und Parteifreunde aller schleswig-holsteinischen Ortschaften, welche die Antheilschein-Zeich- nungsformulare ausgegeben haben, werden ersucht, bis spätestens den 25. Juli d. I. die Namen und Vornamen, Stand oder Gewerbe und Wohnort Derjenigen, die Antheilscheine gezeichnet haben, sowie die Zahl der Antheile, die jeder Einzelne zu übernehmen gedenkt, bei Unter- zeichnctem einsenden zu wollen; damit die Jnterimscheine ausgefertigt i werden können. Die constituirende Generalversammlung findet wahrscheinlich am Sonntag, den 5. August, in Itzehoe statt, hierüber erfolgt nächstens Bericht. Hoffentlich werden die betreffenden Parteigenossen und Partei- freunde meinem Wunsche im Jnteresie der Sache bereitwillig nachkommen. Im Juli. Mit Gruß H. Walther, Altona, Wilhelmstr. 59/lIl. r. Krankenkasse der Kürschner, Sattler, Riemer, Sonnabend, den 21. Juli, Abends 8 Uhr: Generalversammlung im„Thüringer Hof", Burgstraße Nr. 20. Tagesordnung: Rechenschaftsbericht über das verflossene Geschäfts- jähr, 2. Bericht der Revisoren, 3. Anträge des Vorstandes oder der! Mitglieder, 4. Neuwahl des Vorstandes, der Revisoren und deS Gewährsmannes. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen der Mitglieder j erwartet Der Vorstand. (2b) Chr. Hadlich, Vorsitzender.[120 Berichtigung. Im Leitartikel der vorigen Nummer ist irrthümlich gesagt, Thiers habe im Senate gegen die Amnestie gestimmt; Thiers ist Deput'.rter, nicht Senator. Er'war zum Senator und zum Deputirten gewählt- er zog vor, die letztere Stellung anzunehmen. Metallarbriter.Gewerkschaft. Sonnabend, den 21. Juli, Abends 8 Uhr, in Menzels Restauration am Täubchenweg:[50! Versammlung. Tagesordnung: Krankenkassen-Angelcgenheiten. Der Bev. Als Neuvermählte zeigen lieben Freunden hierdurch ergebenst an F. Adolph Auerbach, I. Dorothee Auerbach geb. Ulbricht. Hainichen, den 16. Juli 1877.[150 Fassungsgabe sei verschieden.— Herr Wagner, der dann seitens men der Unterzeichner zugegangene Anfrage nach den Gründen überhaupt sich mit einem solchen Gesellen der Liberalen sprach, wiederholte vielfach, was sein„Gesin- meiner inzwischen nunmehr wirklich erfolgten Entfernung von � nungsgenosse" bereits behandelt hatte, und bedarf dies keiner tnnn.a««r-.tnix-m ka 8na nn i 3 hn, � l 9 i• näheren Erörterung.— Herr Papierfabrikant Wohlfarth kann den Sozialismus nicht billigen und will,„so lauge die Verhält- nisse in Altenburg sich nicht ändern", nicht Sozialist werden. Klute erklärt, daß die Sozialisten auch gern darauf Verzicht leisteten.— Herr Berginspektor Wohlfarth will einen Artikel des„Vorwärts"„kritifiren", weil darin die Altersversorgungs- lassen als nicht empfehlenswerth bezeichnet werden, und dennoch sei das die„richtige Lösung der sozialen Frage". Alles Andere sei„Wust". Klute antwortet nach Gebühr.— Unsererseits be- theiligten sich noch Grunwald, Müller und Risch an der Debatte. Die Versammlung, welche trotz des vielen liberalen Kohls, welcher ihr vorgesetzt wurde, eine ruhige und würdige Haltung bewahrte, wurde um 12 Uhr geschlossen. Wir find überzeugt, daß auch diese Versammlung zu Förderung unserer Sache wesentlich beigetragen hat. T..... Leisnig, 4. Juli. Auf unfern Bericht in Nr. 72 des„Vor- wärts" hat Herr vr. Specht eine„Berichttgung"(in Nr. 77) erlassen, die für den geübten Leser einfach keine solche ist. Er 8 gesteht mit einigen Umschweifen zu, daß er das sür das Wür- ert-Denkmal gesammelte Geld in seiner Verwaltung behatten wolle, weil unser Verein inzwischen sozialistische Tendenzen an- genommen habe und Würkert nicht Sozialist gewesen sei. Da- mit ist eigentlich alles gesagt, doch müssen wir auch die einzelnen „Berichttgungen" zurückweisen und zwar der Kürze wegen num- merirt. 1) Herr Specht hat sich allerdings auf dem Congrest 1876 in Gotha zur Sozialdemokratie bekannt; die Quelle aus der wir schöpfen ist rein; 2) daß uns Herr Specht den Vorwurf sozialistischer Tendenz gemacht hat, dafür haben wir von ihm Briefe als Beweise, oie wir beifügen würden, wenn wir sie nicht an„Klemich's Blätter für geistigen Fortschritt" zur Veröffent lichung der Sache gesandt hätten. 3) Es ist richtig, daß wir unsere freireligiöse Gemeinde erst nach dem Tod Würkert's und infolge eines Vortrags Klemich's in einen„Verein für geistigen Fortschritt" umwandelten, allein dies geschah, weil wir fühlten, daß wir als Sozialisten besseres zu thun haben, als uns mit freireligiösen Schrullen die Zeit zu vertreiben; es geschah die die Umwandlung aber noch zu Lebzeiten Richters und nicht erst als er gestorben war, wie Herr Specht es darstellt. Richter war ein 72jähriger Greis und nicht so leicht für den Sozialis- mus zu gewinnen. Richter starb als Sozialdemokrat und Kle- mich hielt ihm eine sozial-politisch-atheistische Leichenrede. Der Berein hieß aber damals längst schon so wie heute und Richter hat selbst die Umwandlung betrieben. 4) Es ist zwar richtig, oaß wir erst nach Richter's Tode den Befchluß faßten, die Denk- mal-Angelegenheit wieder selbst in die Hand zu nehmen, aber was will das sagen? nichts weiter, als daß wir zu Richter soviel Vertrauen besaßen, daß wir in einem Comitä, dem er angehörte, die Sache gut bewahrt wußten, nach seinem Hinscheiden aber unsere ursprüngliche Rechte geltend machten. 5) Richtig ist, daß Herr Specht den Aufruf abgefaßt und fönst„Schreibereien" ge- habt hat, aber wenn er glaubt, dafür das Recht erkauft zu haben, die gesammelten Gelder als seiner Verfügung unter- stehend zu betrachten, so irrt er sich. Ist es nicht prätenziös, wenn eine einzelne Person uns ihren Geschmack und ihr persön- liches Dispositionsrecht in Angelegenheiten aufdringt, die öffent- liche Vereinssache sind. Wir sind freilich anderer Meinung und werden eventuell diese gerichtlich geltend machen, denn wir be- fitzen eine Zuschrift von Herrn Specht, in welcher er uns„in den nächsten Tagen" Zahlung verspricht. 6) In einem sehr großen Jrrthum befindet sich aber Herr Specht, wenn er meint, die Dcnfmals-Gelder seien blos von Abonnenten der„Freien Glocken" aufgebracht worden, um daher als Redatteur derselben Anrechte auf das Geld geltend zu machen. Wir müssen daran erinnern, daß jener Aufruf damals in fast alle sozialdemokra- tischen und viele andere Blätter überging und daß demnach der Fond einen allgemeinen Charatter hat. Selbst in Amerika ist gesammelt(wir wissen aber leider nicht, ob das Geld schon ab- geliefert) worden. 7) Ueber Würkert's polittsche Anschauungen bedarfs keiner Auseinandersetzung; Jung und Alt kennt sie. Würkert hatte Alles, was ein Sozialdemokrat(ideal genommen) braucht, bis auf die Parteikarte. Sollen wir erinnern daran, daß man im Jahre 1849 den edlen Würkert mitten aus seiner versammelten Gemeinde von der Kanzel riß und unter starker Eskorte in 1>/, jährige Untersuchungshaft brachte, nach welcher ihm das Urtheil auf 5 Jahre Zuchthaus ersten Grades verkündet wurde, weil er die Freischaaren vor ihrem Zuge nach Dresden gesegnet hatte? Wir denken Würkert hat mindestens„seiner Zeit" genug gethan. Wir haben auch nichts einzuwenden, wenn Herr Specht die Errichtung eines Denkmals einen Akt der Pietät nennt, aber sollen wir etwa zur Ausübung solcher Akte unfähig geworden sein, seitdem wir geistige Fortschritte gemacht, d. h. außer dem religiösen auch Jwn politischen und ökonomischen Aber- glauben abgelegt haben? Soll diese Fähigkeit etwa dem Urtheil des einzelnen Herrn Specht unterstehen, der, wie er fagt, jetzt zu keiner Partei gehört? Herr Specht schreibt selbst, er' wüßte nicht, wie Herr Advokat Fickert dazu gekommen ist, gerade ihm (Specht) das gesammelte Geld zu übersenden. Nun er es aber in Händen hat, will er seine Dispositionsrcchte durch allerhand Hinfälligkeiten motiviren— wir sagen noch einmal, daß dieses Recht Herrn Specht mangelt und daß er es nicht begründen kann damit, daß er„Schreibereien" gehabt und den Aufruf in den von ihm redigirten Blättern aufgenommen hat. Im übrigen enthält die Antwort des Heern Specht nur Widersprüche, auf die wir nicht besonders eingehen. Nur auf einen Punkt wollen wir aufmerksam machen; es heißt erst, daß Herr Specht die Sammlung nur in Verwahrung halten wolle, weil sie a) noch nicht abgeschlossen sei, und weil er d) den Vorstand unseres Vereins noch nicht kannte. Trotzdem steht dicht darunter, daß er(Specht) allein handeln wolle, wenn sich der Verein in Leisnig nicht ensschließen kann, die Erlaubniß(!) und Genehmigung ldcnn weiter heißt das nichts) des Herrn Specht zu den Plänen, Entwürfen, der Person des Bildhauers:c. einzuholen. Wir halten derlei Absichten für sehr anmaßliche und sind nicht der Meinung, daß die Spender des Geldes die Verwaltung des- selben in eine einzige Hand nach Gotha haben geben und sich von dort aus den Geschmack sür Leisnigs Monumente von dieser einen Person haben wollen aufdrängen lassen. Die Sammlung gehört in unsere Verwaltung, denn unser Verein ist der Verein . I � früher in Harzburg, wird um Aufgabe JVv|U'Ullll II, feiner Adresse dringend ersucht von 90J(F. 160) H. Fiedler in Harzburg. Schule zu Langensalza. Das Wintergemester beginnt am 8. Oktober, desgleichen der VorbereitnngBunterricht für den einjähr. Freiwilligendicnst; der un-! entgeltliche Vorbereitungscura fängt am 1. September an. Die Immatrikulation für die Maschinen- und Mühlenbau-Abtheilung findet am 6., für die Bau- und Ingenicnr-Abtbcilung am 7. Oktober statt. Prospekte frei durch den Direktor(H 02598)[300 _ Dr. Kirchner. Die Schwei), öereillsbuchdruckerei (Eigenlhum des Schweiz. Arbeiterbundes) Hattingen- Zürich, Nr. 35 Zeltweg Nr 35 ,-• t m, v i empfiehlt sich zur Anfertigung oller Art Äuchdruck Arbeiten, wier| .erworben worden durch Berleugnung der foz.a- größeren Werken, Statuten. Broschüren. Circulairen, Geschäfts- Briefkasten der Redaktion. X. in Bern: Sie wünschen, daß wir dem Berner „Büebli" etwas auf die Finger geben? Fällt uns nicht ein. Wir nehmen es blos bei den Ohren und stellen's unseren Lesern vor, indem wir fein— Geschreibsel abdrucken. Also:„Sehr gut, Ihr Herren Bourgeois- Sozialisten(die aus dem Gothaer Congreß vertretenen deuischen Sozialisten); nur ein wenig— Kühnheit, so wird man in drei Jahren ganz genau wissen, wer Ihr seid, und das Volk wird Euch eines schönen Tags zur Thüre hinauswerfen, um sich dcr Bour- geois-Schleifkugeln zu entledigen, welche Ihr ihm heimtückisch an die Füße schmiedet!—— Folgendes sind in wenigen Worten die Consequenzcn, die wir aus dem Congresse von Gotha ziehen können: 1) die deutsche Sozialdemokratie ist weit davon entfernt, die Kraft zu besitzen, welche man in ihr vermuthet; 2) die 497,000 sogenannte „sozialistische" Stimmen, welche den Candidaten der Partei gegeben worden, sind erworben listischen Prinzipien, durch Verwischen selbst der schwachen revolutionären Färbung, welche die Partei vorher besaß; 3) die Partei birgt in ihrem Schooß eine ungeheure Menge antisozialistischer Bourgeoiselementc; 4) die Partei geht unseligerweije einer par- lamentarischen Allianz mit den liberalen Bourgeoispar- teien entgegen und hat thatsächlich schon deren Programm angenommen; 5) es existirt keine sozialistische Partei(dick untersttichen!) mehr in Deutschland. Die zerstreuten deutschen Sozialisten haben sich erst zu einer sozialistischen Partei zu vereinigen."._,,,-...• -- Bei den letzten R-ichstagswahlen haben die„Führer"„das!'«.Zachen b-tr-ffend die F.rma:� Volk angelogen, ihm falsche Hofsnungen eingeflößt, es ange- trieben, seine letzten armseligen Heller in die Kassen zu stecken, welche dazu bestimmt sind, einen Candidaten mehr in das. Parlament schicken zu können."-- Der„Vorwärts" prahlt chauvi- nistisch mit dem„großen, freien Deutschland"! Der Gothaer Congreß war eine„Versammlung chinesischer Doktoren", für welche„die Geschäftskrisis und das Elend, welches in Deutschland wüther", nicht existirt; die„Erfolge" der Parier waren nur„Scheinerfolge", Reichs- tagsmandate sind blos„Eitelkeitstitel", unsere ganze Reichstagsthätig- y,.. ,»,7,., h- j m",,,,.rr.,l'{.t:.LfiIL«.ifnn.finnh 77 ii"i\ feit ist„eine�Enttäuschung". An andenr Stelle heißes, �daß.sich Tage(Mbn� Civilsachm VfUIUl VW, Vfll VUIUIV VII, WVIUjWfl» cmpfehlungs- n. Mitgliedskarten, Programmen. Rechnungen:c. Eine beoeutende Vergrößerung des Geschäfts ermöglicht es, allen billigen Anforderungen in Bezug auf Druckarbeiten gerecht zu werden. Das Institut kann namentlich Selbstverlegern empfohlen werden, welche im„Reich der Gottesfurcht" sür ihre radikalen Werke keine Drucker finden können.___(2b)[390 Verfügung Allgemeine Deutsche Associations- Buchdruckerei zir Berlin(Eingetragene Genossenschaft). Nr. 77. Einzutragen in das GenossenfchaftS-Register Nr. 77, Colonne 4: Ausgeschieden aus dem Vorstande ist der Redakteur Fritzsche und an dessen Stelle der Goldarbeiter Wilhelm Bong zu Friedenau gewählt. Eingettagen zufolge Verfügung vom 13. Juli 1877 am selbigen (D. S.) eine korrupte Bureaukratie" in unserer Partei gebildet Unsere Leser wissen jetzt, was für ein„Büebli" sie vor sich haben— 1 wir lassen es laufen. Wer mehr von ihm wissen, und sich manchmal � eine heitere Minute machen will, der lese die Berner„Arbeiterzeitung", wöchentlich einmal in zwei Quartblättchen erscheinendes Organ der einzig„revolutinären" Sozialisten, der heiteren Sorte, die mili- tärische Spaziergänge mit Steinschloßflinten und ohne Regenschirme>. r a macht.— Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß der nicht sozialistische,_,,. aber sonst ganz wackere„Freidenker" in Milwaukee einen deuischen h �)tÜivCnvC IÖSS7.Ä Ä SS SSS SW? Ä.ÄÄKii"»•«*-M-r Götha abgehaltenen Congresses der deutschen Communisten, schreibt b-w.ll.gt sind und kann Dieselbe von letzt ab täglich� an unserer Kasse, Bekanntmachung. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß in der Generalversammlung besagter Correspondent(beiläufig der unglückliche Bruhn, der sich für die Verwüstungen, die der„preußische Schnaps" in feinem Hirn ange- richtet hat und noch täglich anrichtet, höchst unlogischer Weise an uns zu rächen sucht), auf dem in den bekannten Beglückungsphrasen viel leeres Stroh gedroschen wurde, heben wir nur eine Lüge des Hrn. Fritzsche, der sich stolz einen Schüler von Marx nennt(!), hervor. Besagter Volksbeglücker«heilte nämlich mit, die 11 Communisten des Reichstags würden demnächst mit den t 4 Demokraten des Reichstags zusammen eine Fraksion bilden(was Fritzsche natürlich nie gesagt hat, und allerdings eine Lüge ist, aber» nicht Fritzsche's, sondern des sauberen Correspondenten)."--„Meinen Gesammteindruck" resumirt er nach dem Bericht eines Gewährs Kaiscr-Zranz-chrenadier-�tatz 8a, gegen Vorzeigung des Antheilscheines mit 1,62 Mark pro Antheilschem abgehoben werden. Berlin, den 18. Juli 1877. Allgemeine Deutsche Associations-Buchdruckerei Eingetragene Genossenschaft. Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a. Der Borstand: A. Heinsch. W. Bong. Heinr. Rackow. Durch uns ist zu herabgesetzten Preisen zu beziehen eine kleine Partie von der persönlichen Freunde und Gesinnungsgenossen Würkert's. R. feit der Lassalleaner und Eisenacher und voraussichtliche (Wlr werden nun noch Herrn vr. Specht das Wort zur Spaltungen. Unklarheit in den meiSen Köpfen über die eigent »...q... /i f jc.-„ r_ f o manncs, der angeblich auf dem Congreß gewesen sein soll,„kann ich so Becker. Joh. Phil., Vorbote. Sozial-politische Monatschrift(6 Jahr- zusammenfassen: Große Eitelkeit der Führer; große Uneinig-!„änae 1866-71) 5 Mark. t* i t Ss �» O �(7 f f« a v< a«.~ k nr' f„„-A rv i« it n S w r> a C I f;„t. � AAA �—... AAA.l Jit V.■ rv. �, Sie und Wann? Ein ernstes Wort über die Fragen und Auf- ........________..._____ �__„,„ gaben der Zeit. Preis pr. Expl. 2 Mark. Entgegnung geben, falls er es wünschen sollte, und hatten die Ziele und besonders über Liebknechts(!) Pläne(!). Ver-— Le precurseur. Organe dömocratiqne social des associations Angelegenheit dann für den„Vorwärts" für erledigt Redaktton d" sozialen Aufbesserung des Arbeiterstands, �.ravanicurs(Janrier-Mars 1877). Preis pr. Expl. 60 Pf. des„Vorwärts".)!«�.K��Jd�n/asso dochy von kleinen Mannern gepflegsi an deren(Zccarius, I. ÖK. Eines Arbeiters Widerlegung der nat.-ökonomischen <�kipzig. Auf die von Leipziger Studirenden an Dr. Dühring gerichtete Adresse hat derselbe mit folgenden Worten ge- antwortet:„An die Studirenden der Leipziger Universität. Allen Unterzeichneten der mir zugestellten Sympathieadresse sage in Klammerbemerkungen(denn ähnliche Ausfälle auf uns bringt jeder Ausführbarkeit man selbst nicht glaubt. Und schließlich Stellenjägerei en gros(im Großen)." Wir können den Schreiber nicht besser bestrafen, als durch Herabhängung seines Pasquills. Es ist wahr, Herr Dörflinger, der Redakteur des„Freidenker", pflegt sich Lehren' John Stuart Mill's. Preis pr. Expl. 40 Pf. Die Expedittou des„Borwärts". L rsntwsrll-chtr Redakteur: R. Sejffert in Leipzig. R�M»n und Erpedit.sn Färberstraße 12/Il. in Leipzig. Druü und Bereit«»« S'noffmschaftsbuchdruckirei w Le-pzi»