Erscheint in fetpita Mittwoch, greitag. Sonnt«». AbonncmcntsprciS str gnnz Deutschland 1 M. S» Ps. prn Quartal. MonatS- Nbonnement» »erdeu bei allen deutlchen Pollanftalte» »ui den S. und«. Wonat, und auf den ».Monat befondcri angenommen: int «»ni»r. Sachfen und Herzogth. S-chfen» Alünbura auch auf den tten Monat des Quartali& M Pf». Fnferate »«tr. Berfamnlungen pr, Petiti-il- 18«f., »etr. Privatangele» enheite» und Zeste pr» Peeitzeiie Z« Pf. Vesiellilngen nehmen an alle Postanstaltcn und Vuch. handluage» des In- u. Auilandei. FIlial» Expeditionen. New-Horl: Soz.-demolr, Genollen- fchaftsduchdrnckerei, IfrtEIdridge'Str. Philadelphias P. Haß, SZv Xortl» Z-a Skr«»«. I. Boll, ItllU CKurlolto Str. tzodolen N.J.: F. A. Sorge, StS inzlan Str. Shicago: A. Laufermann, 74 Oijbournonr«. San Franziieo: F. Enp, ttS V Earrell Str. London W.: C.$eii4t, 8 New Jtr. Golden Squar«. Kentrat Krgan der Sozialdemokratie Deutschlands. — Nr. 85. Sonntag, 22. Juli. 1877. Die Sozialdemokratie und die Bourgeois- demokratie. Wir erhalten folgende Zuschrift, mit deren Inhalt wir völlig übereinstimmen. Die kleine„Rüge", daß wir die„Frankfurter Zeitung" etwas zu derb angegriffen hätten, nehmen wir schon deshalb gern entgegen, weil wir uns bei der Einsicht in die nach- stehende Zuschrift freuten, daß wir nicht in der Haut der„Frank- furter Zeitung" uns befinden. Hamburg, den 18. Juli. Da der Kampf zwischen der„Frankfurter Zeitung" und dem „Vorwärts" über den Werth oder Unwerth der gegenwärtigen französischen Republik noch immer fortdauert und erstere bcson- oers in ihrer Nr. 197 vom Dienstag, den 18. Juli, in einem eigenen Leitartikel wieder darauf zurückkommt, gestatten Sie wohl auch, daß von hier aus ein paar Zeilen in dieser Sache im „Vorwärts" Aufnahme finden. Zunächst sei darauf hingewiesen, daß es hier vielfach bedauert wird, daß die Auseinandersetzungen einen etwas gehässigen Cha- rakter angenommen haben. So wenig man Sympathien für die„Volkspartei" hat, so weit überhaupt von einer solchen die Rede sein kann, so erkennt man doch gern an, daß die„Frank- furter Zeitung" viel mehr als ihre Partei der Sache der Frei- heit schon große Dienste geleistet hat. Sie ist offenbar das einzige große Organ in Deutschland, welches für die demokra- tischen und republikanischen Grundsätze rückhaltslos eintritt*) und trotz aller Verfolgungen der herrschenden Reaktion den Spiegel ihrer Schande muthig vor's Gesicht hält. Wenn nun zwischen diesem Organ und dem Centralorgan der deutschen Sozialdemokratie eine Fehde ausbricht— was ja bei den verschiedenen Ansichten in Bezug auf soziale Gestaltungen sehr leicht möglich ist— so wird und muß jeder Demokrat und So- zialist wünschen, daß die Fehde in einer Form ausgefochten wird, die nach keiner Seite hin verletzend wirkt. Daß aber sowohl die„Frankfurter Zeitung" wie der„Vorwärts"(?) in dieser Beziehung etwas über die nothwendige Grenze flinausgegangen sind, wird wohl Niemand, der den Auseinander- etzungen beiderseits gefolgt ist, bestreiten können.---- Was nun die Sache selbst betrifft, so herrscht auch hier allgemein die Ansicht vor, daß an dem Zugrundegehen dieser Republik in Frankreich uns eigentlich sehr wenig gelegen sein kann. Die„Frankfurter Zeitung" freilich hat für die französische Republik von jeher eine schwache Seite gezeigt, sie hat bis heute die Jrrthümer der Gambetta'schen Politik stets mitgemacht oder doch zu bemänteln gesucht, und das ist ihr Fehler. Der„Vorwärts" hat mit vollem Recht auf das schmähliche Verhalten Gambetta's und seines Anhangs gegenüber der Com- munebewegung und vor allem der Amnestirung der Commu- nards gegenüber hingewiesen. Gambetta und seiner Partei gereichen aber auch noch ganz andere Dinge zum Vorwurf, und dies kommt besonders der „Frankfurter Zeitung" gegenüber in Betracht. Daß die„Frankfurter Zeitung", wie auch Gambetta und Eonsorten sich nicht für die Communards erwärmen konnten, kann ihnen nicht zum großen Vorwurf gereichen, letztere kämpften und leiden eben für Prinzipien, welche dem radikalsten Bourgeoisdemokraten ebenso antipathisch sind, als irgend einem Conservativen. Wer aber war es, um auf die übrigen Fehler der Gambetta'schen Politik zu kommen, der sich zum Lobredner des Senats aufwarf, desselben Senats, der jetzt die republikanische Nationalversammlung auf Wunsch des„loyalen Soldaten" nach Hause schickte? Es war Gambetta, der, wie kaum zu bezweifeln, gegen seine Ueberzeugung die große Lobrede auf den Senat,„die wahre und wirkliche Vertretung der 36,000 französischen Gemeinden" hielt; und die„Frankfurter Zeitung" fand in dieser Rede eir „Meisterstück". Wer war es weiter, der den„loyalen Soldaten" poussirte und ihn stets rühmend von den Broglie's, Buffet's. Rouher' und Eonsorten abhob und der Welt und sich selbst weißzumachen suchte, daß, so lange Mac Mahon auf dem Präsidentenstuhl sitze. die Republik gesichert sei? Wer hat um die Gunst des Spiel- zeugs seiner Frau und der Jesuiten, des„Helden von Sedan", gebuhlt? Es war Gambetta, und die„Frankfurter Zeitung" hat seiner Zeit mit sichtlicher Befriedigung ihren Lesern mitgetheilt, daß sich das Verhältniß zwischen dem Präsidenten und dem„Diktator von Bordeaux" so weit gebessert habe, daß der Erstere den Wunsch geäußert, Gambetta einmal zu rmpfangen. Gambetta wollte gern„hoffähig" werden, und die„Frankfurter Zeitung" freute sich, daß es ihrem Liebling ge- lungen sei, sich die Gunst der Frau Mac Mahon und ihres Beichtvaters zu erringen.' Das Organ Gambetta's, die„Republique Franyaise", setzte monatelang eine Ehre darein, den„Marschall" zu feiern. entrüstet über die Angriffe auf den Marschall in den „Menschenrechten", und Jules Simon, der Freund und Partei 8"�% gambetta's, war es, der die„Menschenrechte" un glauben mo letztere nicht an die„Verwundung" von Sedan diae?��" denn bei jener Gewaltmaßregel die«Berthes lLnkfurJ'*»". Worts", wie in ihrer Dienstagsnummer die «ÄI i f �eitu2S" die französische Linke nennt? wo blieben Ue denn mit dem Mittel, das ihnen zu Gebote stand, mit dem schebÄ darunter N � und niederträchtig ließen sie es gt schchen, daß unter Verletzung aller freiheitlichen Prinzipien ein *) Haben wir wiederholt anerkannt. R. d. ,«/ republikanisches Blatt vernichtet wurde, vernichtet von einem Minister, der der Partei Gambetta angehörte. Jules Simon wollte um jeden Preis Minister bleiben, den schwersten Preis für einen ehrlichen Mann, die Aufopferung der Gesinnung, hatte er schon gebracht und er wäre zu jeder anderen Handlung bereit gewesen, wenn nicht Mac Mahon, angeekelt von so viel Erbärmlichkeit, ihn mit Fußtritten aus dem Ministerium gejagt hätte. Jetzt, nachdem trotz aller Verleugnung der Prinzipien seitens dieser Auch Republikaner, die Puppe der Jesuiten, der Marschall, sein wahres Gesicht gezeigt und der Staatsstreich eine beschlossene Sache ist, jetzt erinnern sich die Herren der Linken wieder ihres alten Programms, jetzt suchen sie wieder Fühlung nach links, nachdem ihre Anerbietungen nach rechts hin mit Verachtung zu- rückzewiesen wroden. Die republikanische Linke in Frankreich konnte, wenn sie prinzipientreu sein wollte, nie einen Pakt mit dem Marschall Mac Mahon schließen. Die ganze Art und Weise, wie derselbe an die Spitze der Geschäfte in Frankreich kam, schloß ein Zu- sammengehen einer wirklich republikanischen Partei mit dem Marschall aus. Die Präsidentschaft Mac Mahon's bedeutete und bedeutet heute noch Todfeindschaft der Republik, und alle diejenigen, die dazu beitragen und beitrugen, den Marschall populär zu machen, sind Todtengräber der wahren Republik. Zu diesen Todtengräbern aber gehört auch die fran- zösische Linke. Wäre die Linke der französischen Nationalversammlung wirklich republikanisch gesinnt gewesen, dann hätte sie es durch die That bezeugen sollen. Gelegenheit dazu war ihr oft genug geboten und in erster Linie bei der Amnestie-Debatte. Eine ehrliche republikanische Partei konnte nicht anders als für die Amnestie stimmen, sie mußte dafür eintreten, daß Tausenden und aber Tausenden braver französischer Bürger, die nichts weiter ver- brechen, als daß sie für die wirkliche Republik ihr Leben in die Schanze geschlagen hatten, die Thore des Vaterlandes wieder geöffnet wurden. Statt dessen sahen wir das Schauspiel, daß Hauptführer dieser angeblich republikanischen Partei die wüthigsten Gegner der Amnestie waren und sich nicht entblödeten, die bedauerns- werthen hilflosen Opfer der Thi.ers'scken Rachepolitik in der infamsten Weise zu verleumden. Uno Gambetta, wo blieb er, der die Amnestie auf sein Wahlprogramm geschrieben hatte? Der große Redner Gambetta schwieg, der Feigling hatte nicht einmal den Muth, seine Stimme abzugeben. Damit war es entschieden. Die„Republikaner" wollten die Republikaner nicht amnestiren, Gambetta wollte hoffähig werden, die Politik der Opportunität, der„ruhigen Besonnenheit" hatte gesiegt. Die Gebeine der Eommunekämpfer mögen unter der glühenden Sonne Australiens bleichen, die Besten der französischen Nation sie sind ausgeschlossen aus dem Baterland, aber Gambetta war auf dem besten Wege, der Günstling der Frau Marschallin zu werden, er hatte Aus- ficht, vom Herrn Marschall enipfangen zu werden. Diese„hohe Auszeichnung", oder besser die Aussicht dazu, genügte, um Gambetta zum Wortbrüchigen, zum feigen Verleugner seiner Prinzivien zu machen. Und für diesen Gambetta und seine Partei sollen sich Sozial- demokraten erwärmen? Für eine Republik mit solchen Männern der Spitze soll auch nur ein Tropfen sozialdemokratischen — t c\?.....<01 o_ er___' r!. Pi.. t i... Offiziösen behaupten, ist wohl kein besonderer Grund, um dasselbe glauben zu müssen. Dann sei aber auf die Thatsachc hin- gewiesen, daß gerade unter der Präsidentschaft von Thiers und unter kräftigster Unterstützung Gambetta's das heutige Militär- gesetz in Frankreich ins Leben gerufen wurde, ein Militärgesetz, das ein Hohn auf die allgemeine Wehrpflicht, auf das Volksheer ist. Dasselbe hat doch wohl keinen anderen Zweck, als bei passender Gelegenheit mit Hilfe des dadurch ermöglichten unge- heuren stehenden Heeres den Revanchezug gegen Deutschland in Scene zu setzen. Das alberne Kriegsgeheul hätte die „Frankfurter Zeitung" getrost den deutschen Offiziösen und deren nationalliberalem Anhang überlassen können. Daß in dem Abendblatt vom Dienstag den 17. Juli auch eine Correspondenz aus Straßburg Aufnahme in der„Frank- furter Zeitung" finden konnte, in der die alte Lüge, daß während der Herrschaft der Commune die Geißeln erschossen wurden, wieder aufgewärmt wird, hat uns sehr überrascht, daß wir vorläufig darüber kein Wort verlieren, sondern abwarten wollen, was die„Frankfurter Zeitung" auf eine in dieser Angelegenheit gewiß erfolgende Interpellation des„Vor- wärts" antworten wird.*) an... Blutes vergossen werden? Niemals! Lassen"wir sie streiten, die Männer der„Ordnung", unter sich. Ob Mac Mahon Gambetta, oder Gambetta Mac Mahon abthut, für uns ist es gleichgiltig! Knebelung des freien Worts dort wie hier, Revanchegeschrei dort wie hier, Unterdrückung des arbeitenden Volkes und Aus- beutung desselben dort wie hier, wie wäre es möglich, daß wir uns für eine dieser beiden Seiten erwärmen könnten? Wir bekämpfen beide Richtungen. In Frankreich ist die politische und soziale Entwicklung so- weit gediehen, daß keine der heutigen Bourgeoisparteien sich mit normalen Mitteln an der Herrschaft erhalten kann. Die einzige Regierungsform, die dort vorübergehend sich noch zu halten vermag, ist der Eäsärismus. Mag deshalb die Form heute heißen wie sie will, Republik oder Monarchie, ihr Inhalt wird derselbe sein, die cäsaristische Gewaltherrlchaft. Frankreich ist über die Regierungskunst der Bourgeoisie hinausgewachsen und wird erst dann wieder zur Ruhe kommen, wenn der größte Theil seiner Bürger, das arbeitende Volk, wieder Interesse an der Regierung gewinnt, und dies wird erst geschehen, wenn dasselbe sieht, daß seine Interessen gewahrt, seine Grundsätze zur Geltung gelangen. Bis dahin wird in Frankreich eben der Säbel seine Herr- schaft ausüben, und ob er dies nun in versteckter Form unter Thiers oder Gambetta, oder in offener Weise unter Mac Mahon oder Napoleon IV. thut, kann uns gleichgiltig sein. Nicht Pessimismus ist es, der uns abhält, für die Gambetta und Consorten Partei zu ergreifen, sondern die klare Einsicht, daß von der Republik Thiers ebenso wenig für das arbeitende Volk zu erwarten ist, als von der Monarchie Napoleon IV. Zum Schluß noch ein paar Bemerkungen. In einer Cor- respondenz der„Frankfurter Zeitung" aus München, in welcher auf den Streit des„Vorwärts" mit der„Frankfurter Zeitung" hingewiesen wird, befindet sich der Satz„Sieg jener Partei(der conservativen) heißt Krieg— etwas früher oder später ist gleich- giltig." Tann wird darauf hingewiesen, daß im Kriege die Sozialdemokraten so gut wie die Angehörigen anderer Parteien „Kanonenfutter" abgeben müssen. Darauf sei bemerkt, �daß es noch durchaus nicht unterschrieben ist, daß mit dem Sieg der Conservativen der Krieg ausbrechen wird; denn daß dies unsere Zehn Galgen waren Donnerstag, den 21. Juni zu Mauch Chonk(4) und Pottsville(6) in Pennsylvanien— Vereinigte Staaten von Nordamerika— errichtet, und ehe die Sonne den Zenith er- ereicht, hatten zehn Arbeiter in der Vollkraft des Lebens, zehn Bürger der großen freien Republik durch den Strick geendet. Zehn Arbeiter, zehn Mörder besagt das Urtheil. Nein, zehn Opfer. Daß es nicht Mörder im gewöhnlichen Sinne des Wortes gewesen, das erhellt schon ans dem widerlichen Triumphgeschrei der Bourgeoispresse, die den Tag der Hinrichtung nicht erwarten konnte, und, als dann endlich ihr Wunsch erfüllt waff, mit wahrer Wollust auf den Leichen der Gehenkten herumtrampelte. Es waren gefürchtete Feinde, an denen man sich rächen, an denen man ein Exempel statuiren wollte.— Nn- sere Leser haben von den Molly Magnires(sprich: Molli Mä- gairs) gehört. Es ist eine, hauptsächlich aus Jrländern— da- her ocr irische Name— bestehende geheime Verbindung von Kohlengräbern, die namentlich in Pennsylvanien eine große Ver« breitung hat und seit Jahren den dortigen„Kohlenbaronen" energischen Widerstand entgegengesetzt hat. Die Organisation gleicht genau derjenigen der englischen Trades Unions vor Ab- schaffung der Anti-Combination-Laws(Gesetze gegen die Coali- tionen) in den Jahren 1824 und 1825. Am öffentlichen Zu- sammenwirken gehindert, nahmen die englischen Arbeiter damals nothgedrungen ihre Zuflucht zu geheimen, zum Theil nach dem Muster der Freimaurergesellschaft eingerichteten Organisationen und in Folge der gransamen Verfolgungen, durch welche man diese Organisationen zu zertrümmern bemüht war, kam es zu jener Zeit auch in England zu zahlreichen, im Stand der Roth- wehr begangenen Gewaltthätigkeiten Seitens der Arbeiter gegen Arbeitgeber und deren Agenten, namentlich gegen„Ver- räther" aus den eigenen Reihen der Arbeiter. Ganz sind selbst jetzt noch die geheimen Arbeiterorganisationen zu gewerkschast- schaftlichen Zwecken in England nicht verschwunden, nur daß sie keinen gewaltthätigen Charakter mehr tragen. Von England kamen diese geheimen Organisationen hinüber nach Amerika, und haben dort, obgleich dem Vereinsrecht abso- lut keine Schranken gezogen sind, vielfach in der gewerkschast- lichen und politischen Bewegung eine Rolle gespielt. Die Molly Maguircs, deren Ursprung in die 60er Jahre zurückzuführen ist(wo sie während des Kriegs gegen die Sklavenhalter, wie dies leider die meisten Jrländer thaten, für den Süden Partei ergriffen) fingen Anfangs der 70cr Jahre den Kohlenbaronen an gefährlich zu werden. Sie erkämpften Lohnerhöhungen, nöthigten die Arbeitgeber zur Herabsetzung der Arbeitszeit, kurz handelten erfolgreich im Interesse der Arbeiter. Die Kohlen- barone machten gute Miene zum bösen Spiel und revanchirten sich an dem Publikum, das sie für jeden Groschen, den sie den Arbeitern mehr geben mußten, um 10 Groschen schröpften. Als die„Krisis" hereinbrach, und die Kohlenpreise nicht mehr auf der bisherigen Höhe zu halten waren, wandten sich die Kohlen- barone gegen die Arbeiter und kürzten die Löhne, um das kapi- talistische Profit-Defizit in der allgemein üblichen Weise durch die Lohnsklaven decken zu lassen. Hier standen nun die Molly- Maguires im Weg. Sie widersetzten sich hartnäckig jeder Lohn- Erniedrigung und Arbeitszeit- Erhöhung; es kam zu Strikes, Lockouts, die Leidenschaften wurden entflammt: die Kohlenbarone, welche in der ihnen untergebenen Presse die Molly-Maguyres als eine Bande von Mordbrennern hinstellen ließen, miethcten „Handfeste", um die Arbeiter mit der Faust zu Paaren zu treiben, die Bürger verschiedener Ortschaften wurden durch lügen- hafte Vorspiegelungen aus die Arbeiter gehetzt und es blieb nicht aus, was jeder vernünftige Mensch bei solchem Borgehen er- warten mußte: Blnt floß, auf beiden Seiten gab es Todte und Verwundete, und unter Anderen wurden mehrere Werkzeuge der Kohlenbarone einige ganz, andere halbtodt geprügelt. Das war sehr bedauerlich, aber auch sehr natürlich. Der von den Molly Maguires organisirte Widerstand wurde zuletzt gebrochen, die hungernden Arbeiter zu Paaren getrieben *) Siehe Correspondenz aus Frankfurt und Sozialpolitische Ueber- ficht— eine besondere Interpellation stellen wir nicht an die„Frank- fnrter Zeitung", sie mag diese Andeutung unseres Hamburger Coreipon- deuten als eine solche ansehen. Auf den Artikel der.-Frankfurter Zeitung" vom Dienstag werden wir noch in nächster Nummer Antwor geben und glauben dann, daß die streitige Angelegenheit ihre vorlaM ,1 Erledigung gesunden haben wird. R. d. B. und jetzt konnte die Klassenjustiz ihre Orgien feiern. Durch ein infames Spionensystem, das den Neid der dritten Abthei- lung in Petersburg erregen könnte, durch die schuftige Anwen- dung schuftiger ag;ents provocateur», die sich in das Vertrauen der Arbeiter einzuschleichen wußten und sie zu Verbrechen aufstachelten, gelang es, die geheimen Führer und Rädels- führer zu ermitteln,— sie wurden als Mörder vor Gericht gestellt, von den durch den„Ring" der Kohlenbarone beherrschten Geschwornen zum Tode verurtheilt und— am 21. Juni dieses Jahres triumphirte die Klassenjustiz.--- Eins unsrer amerikanischen Parteiorgane, der„Milwaukee Sozialist"(vom 26. Juni) äußert sich über diese neueste Bour- geoisthat, wie folgt(und wir können uns seinen Ausführungen nur anschließen): „Wir haben uns von Anfang an dahin ausgesprochen, daß die Gewalthätigkeiten, wegen welcher die Molly Maguires ver- urtheilt worden sind, weder ihnen noch der Gesellschaft nutzen konnten. „Daß gerade wir Sozialisten durchaus nichts mit ihrer Kampfweise zu thun haben und derselben so fern wie möglich stehen, geht aus unserer ganzen Agitation hervor. Wir sind derart Feinde aller geheimen Wühlereien und aller Berhand- lungen, welche das Tageslicht und die Kritik der Oeffentlichkeit scheuen, daß wir gegen jede geheime Gesellschaft und sei dieselbe scheinbar noch so unschuldig und unschädlich Protestiren. Ge- heimnißkrämerei, Hokuspokus und Firlefanz sind für uns ent- weder gefährlich oder eines denkenden Menschen unwürdig und wir verlangen, daß Jeder, der irgend etwas bezwecken will, seine Ansichten, Pläne und Organisationsmaßregeln vor dem Forum des ganzen Volkes zu entfalten hat. Ferner sind gerade wir es, die gegen jede Gewalt, jedes Unrecht, gegen Krieg und Blut- vergießen agitiren und die für den vollsten Ausdruck des Frie- dens, des ungeschmälerten Menschenrechtes einstehen. Wir kämpfen gegen Unterdrückung unter jeder Form; Monarchie, Aristokratie, Oligarchie und Ochlokratie, sind uns gleich sehr ver- haßt und unser Ziel ist der freie Volksstaat, die ausgebildetste Demokratie, die Sozialdemokratie, welche nicht nur das Leben, die Freiheit und das Glück jedes Einzelnen, sondern vor Allem auch seine Arbeit und deren ungeschmälerten Ertrag schützt. Und die Mittel, welche wir in unserem Kampfe anwenden, sind Auf- klärung und Appellation an das Bürgerrecht, dessen Handhabe der Stimmkasten ist. Wie die deutschen Sozialdemokraten das allgemeine Stimmrecht für ihre Ideen benutzen, das beweisen sie bei jeder Wahl. Wir hier gehen auf völlig gleiche Weise voran. Wir treten so rückhaltlos vor die Oeffentlichkeit, daß wir unsere Versammlungen möglichst auf offener Straße, unter freiem Himmel abhalten und unsere Stimme da erheben, wo uns Jeder antworten, Jeder entgegenarbeiten, Jeder mit seinen besseren Gründen— wenn er solche hat— widerlegen kann. „Wo ist auch nur die geringste Parallele zwischen den Molly Maguires und uns? Wo zeigen wir auch nur im Entferntesten, daß die Molly Maguires unsere Vorbilder und unsere Ideale sind? „Ganz etwas Anderes aber ist es, wenn wir die Umstände beleuchten, welche diese Unglücklichen zu den ihnen vorgeworfenen Thaten trieben, welche sie zwangen gegenüber ihren Ausbeutern, gegenüber der sie aussaugenden und zermalmenden Gesellschaft, zu Bertheidigungsmitteln zu greifen, die dem Grade von Bildung entsprechen, welche ihnen die Gesellschaft ge- geben. In einer Zeit, wo die gebildetsten Nationen den Mord kunstgemäß betreiben, wo ein großer Thcil des menschlichen Erfindungsgenies dazu verwandt wird, um Mord- Maschinen zu verbessern und zu vermehren, wo der Hauptzweck der Regierungen darin besteht, wie sie am leichtesten und schnellsten Nachbarnationen schwächen können, wo der Spekula- tion und Geldwuth täglich Opfer fallen bei durch Leichtsinn her- beigeführten Eisenbahnunglücken, Häusereinstürzen, wo der Mensch von dem Mitmenschen nur als Bereicherungsmaterial angesehen und mißbraucht wird, wo Eltern gezwungen sind, ihre Kinder in Fabriken langsam hinsiechen zu lassen, wo Frauen und Jung- frauen ihren Körper verkaufen müssen, um nicht Hungers zu sterben, wo kleine Verbrecher unnachsichtig verurtheilt werden, große aber mit der Regierung„setteln"(sich abfinden), wo mit einem Worte Recht und Gerechtigkeit Phrase und Lüge sind— in einer solchen Zeit kann man es ungebildeten, vernachlässigten und schlecht erzogenen Individuen nicht übel nehmen, wenn sie angesichts der eigenen Leiden und der Leiden ihrer Familien zu Gewaltsmitteln greifen und einfach dem Instinkt der Selbster- Haltung folgend, die Grenzen idealer Rechtsvorstellungen über- schreiten. g-- Die Verfälschung der Lebensmittel ist eine eigene Wissenschaft geworden, so weit ist die Verrottung in unserer Zeit schon gediehen, also schreibt unser Bremer Parteiorgan. Auf schöne Form und ansprechendes Aeußere wird das verwandt, was dem inneren Werthe der Waaren dreifach entzogen. Die Bourgeoisie hat es verstanden, die Wissenschaft zu ihrer Dienerin herabzuziehen, damit sie ihr behülflich sei an den Verbrechen, die jene emporgehoben und mit denen sie heutzutage noch ihre Vampyr-Natur befriedigen muß. Welches Unheil auf solche Weise über die Menschheit verhängt wird, wer kann es ermessen? Wer kennt die Fälle alle, in denen Menschen dem Genuß gefälschter Waaren zum Opfer gefallen? Wer kann sie alle aufzählen, die Siechen und Kranken, die eben auf solche Weise dahingemordet werden? Und welche Klasse ist es hauptsächlich, die davon betroffen? Es ist das arme Volk, an dem man dies Unrecht begeht, allem Humanitäts- und Rechts- fiefühle zum Trotze. Seitdem die gemeine Geldgier und Hab- ucht zum Signaturbild unserer Zeit geworden, seitdem der Zwed Geld zu verdienen, alle Mittel heiligt, die für jenen an- gewandt werden, seitdem ist dem Kapital kein Verbrechen zu hoch, wenn dasselbe nur unentdeckt bleibt und, um in der Kapitalistensprache zu reden, einen gehörigen Prozentsatz für den Betreffenden abwirft. Das allein ist bestimmend, nichts anderes. Gewiß eine traurige Welt, in der die Schädigung des Nächsten zum eigenen Vortheil ausersehen wird, in der Leib und Gut der großen Menge so wenig gesetzlichen Schutz im Großen und Ganzen genießen, als es gegenwärtig der Fall. Daß polizeiliche Vorschriften existiren, welche gewisse zu Markt gebrachten Lebensmittel der Controle unterwerfen und daß unser Strafgesetzbuch unter der Kategorie der Uebcrtretungen die schlechte Beschaffenheit derartiger Waaren mit Geldstrafe resp. Hast ahndet, ist noch lange nicht hinreichend, jene Behaup- tung zu entkräften. Denn angesichts der schweren Schädigung, die den Consumentcn in materieller und leiblicher Hinsicht durch gesundheitsschädliche und qualitativ schlechte Waaren zugefügt wird, sind weit strengere Maßnahmen, als die jetzt üblichen, sehr wohl angezeigt. Dem direkten Betrüge muß man es gleich- stellen, wenn Einer Lebensmittel feilbietet, die ihrem abverlangten Werthe in quantitativer und qualitativer Hinsicht nicht entsprechen und als Körperverletzung, resp. als Versuch derselben, muß es obendrein angesehen werden, wenn die betr. Consumtions- „Wir können deshalb die Molly Maguires nicht verdammen und verdammen nur die herrschenden Gesellschaftszustände. Wir machen nicht Einzelne dafür verantwortlich, aber streben dahin, bessere Verhältnisse herbeizuführen." So unser amerikanisches Parteiorgan. In der großen amerikanischen Bourgeoisrepublik, die zehn- mal besser ist, als die ftanzösische, kann also solche Justiz geübt werden. Man sieht daraus, daß die Klassengegensätze dort ebenso schroff und die herrschenden Gesellschaftszustände dort ebenso schlecht sind, als bei uns. Sozialpolitische Ueberstcht. — 2843 Prozesse hat Frohme für unsere Partei heraus- gerechnet. Ein in solchen Dingen sehr erfahrener Correspondent findet diese Ziffer zu niedrig; er schreibt uns:„Ich bin nicht in der Lage, die vom Genossen Frohme mitgetheilten Ziffern zu prüfen; meine bisherigen Versuche, eine vollständige Ver- folgungsstatistik zu erlangen, sind leider erfolglos geblieben. Eins kann ich aber mit absoluter Sicherheit behaupten: daß die Zahl der sächsischen Prozesse gegen die Sozialdemokratie bei weitem höher ist, als Frohme sie angiebt(418). Die Stadt und der Amtsbezirk Leipzig allein würden gering ange- schlagen die größere Hälfte dieser Zahl liefern, und nun nehme man dazu die ebenso fruchtbaren Versolgungscentren Dresden und Chemnitz. Und die Hunderte von Prozessen, die außerhalb dieser drei Centren blos anläßlich der Wahl- und sonstigen Agitation stattgefunden haben. Die Prozesse sind so häufig, und die meisten derselben in ihrer ewigen Einerleiheit so mo- noton, daß die sozialistischen Blätter es für gut halten, ihre Leser mit einer vollständigen Aufzählung zu verschonen. Wenn es anderswo ebenso ist, wie ich nicht bezweifle, so würde eine wirklich zuverlässige Gesammtstatistik ergeben, daß die Ziffer 2343, die jetzt Dieftm oder Jenem übertrieben hoch erscheint, weit hinter der Wahrheit zurückbleibt."(Die Redaktton des „Vorwärts" kann bestätigen, daß im„Vorwärts" nur der kleinste Theil der Prozesse erwähnt zu werden pflegt. Und im frühern „Bolksstaat" galt die nämliche Praxis.) — Die Dühringaffaire ist in ein eigenthümliches Sta- dium getreten. Außer unserem Berliner Parteiorgan, welches sich des removirten Docenten, und mit Recht, sehr warm ange- nommcn hat, war in Berlin nur die„Bolkszeitung" noch ziem- lich lange anständig und nahm wenigstens Artikel zu Guusten Dühring's auf; die„Vossische Zeitung" hatte sich nach einem kleinen Anlaufe für Dühring schon längst muthig zurückgezogen. Daß nun alles reaktionäres, offiziöses und nationalliberales Zei- tungsgesindel gegen Dühring eintrat, war selbstverständlich, daß aber jetzt nach der Verurtheilung auch die„Volkszei- tung" sich in der Person Bernstein's über Dühring hermacht, ist sehr bezeichnend für den Fortschritt. Aber auch die„Frank- furtcr Zeitung" hat jetzt eine etwas eigenthümliche Stellnng ein- genommen— sie trat noch vor ganz kurzer Zeit energisch in die Agitation für Dühring ein und jetzt läßt sie sich in Nr. 199 einen höchst eigenthümlichen Artikel aus Berlin einsenden, in welchem wir folgende Stellen finden: „Die Herren Studenten und Sozialdemokraten übersehen nämlich, daß der Universitätslehrer zugleich ein mittelbarer Staatsbeamter ist, der als solcher dem Disciplinargesetz vom 21. Juli 1852 unterworfen ist. Gegen diese Disciplinargesetzgebung unserer Verfassungsaera müßte der allgemeine Unwille gelenkt werden.--- An sich wird man es keiner Genossenschaft wehren können, Mitglieder wegen anstößigen Verhaltens aus ihrer Mitte auszuschließen und nicht nur die Corporationen der Studenten, sondern auch die Sozialdemokraten pflegen von diesem Ausschließungsrechte in sehr ergiebiger Weise Gebrauch zu machen.--- In den bisherigen, ziemlich wüsten Agi- tat io neu für und wider Dr. Dühring hat dieser Punkt eine sehr untergeordnete Rolle gespielt und in den beiden zahlreich besuchten Versammlungen, welche am vorigen Donnerstag aus Anlaß der Remotion Dühring's stattgefunden haben, von denen die eine nur von Sozialisten besucht gewesen zu sein scheint, während die andere zum großen Theil aus Studenten bestand, ist über diesen Punkt ganz hinweg gegangen worden. Die Ver- anstalter und Wortführer in jenen Versammlungen würden üb- rigens gut gethan und dem gemaßregelten Lehrer mehr genützt haben, wenn sie anstatt Resolutionen zu fassen, dem Rathe des Dr. Guido Weiß folgend, Herrn Dr� Dühring die Mittel geboten hätten, daß er unter dem Schutze des Vereinsgesetzes gegenstände, mit fremden Beimischungen versehen, auf den mensch- lichen Organismus schädigend einzuwirken vermögen. Nicht die Commune, sondern das Reich hat die erforderlichen Schritte einzuleiten, damit der Willtürlichkeit vorgebeugt werde. Einheitliche und strenge Vorschriften von Reichswegen sollte man erlassen, damit dem schändlichen Treiben, das heutzutage allent- halben mit der Verfälschung eß- und trinkbarer Waaren in so fürchterlichen Dimensionen zugenommen, endlich ein Damm ge- setzt werde. Dem Staate muß die Erhaltung der Gesundheit seiner Bürger Hauptziel sein, darum muß er auch die ganze Strenge des Gesetzes denen gegenüber anwenden, die aus Gewinnsucht oder aus anderen Motiven jene zu schädigen, zu untergraben suchen. Und da es nun dem einzelnen Bürger nicht gegeben ist, selbst Controle zu üben, so muß die Staatsregierung hierfür Sorge tragen, indem sie in der umfassendsten Weise alle Vor- sichtsmaßregeln ergreift, die ihr zur Verhütung der materiellen und gesundheitlichen Benachtheiligungen des Volkes für geeignet erscheinen. Zu diesem Zwecke müßten an allen Orten Control- stationen für Lebensmittel geschaffen werden, deren Unter- Haltung zum Theil der Commune, zum Theil dem Staate an- heimfiele. Vor Allem müßte sich die Controle solcher Stationen auf Milch, Bier, Wein, Wasser, Kaffee, Thce, Chokolade, Zucker, Gewürze, Mehl, Brot, Fleischwaaren, Butter und Fettwaaren, sowie auf Conseroen erstrecken. Die Stationen hätten dann nicht allein zu untersuchen, ob die betreffenden Lebensmittel ge- fälscht sind, sondern auch, ob dieselben überhaupt in einem der Gesundheit zuträglichen Zustande verkauft werden. Ebenso müßten sie darauf zu achten haben, ob der Preis der betreffenden Gegenstände dem inneren Werthe entspricht. Denn da, wie gesagt, am hauptsächlichsten der niedere und Mittelstand durch die Fälschung der Lebensmittel in Mitleidenschaft gezogen wird, insofern der Besitzende durch seinen Ausgabeetat eher dagegen sich zu schützen vermag, so ist es nicht mehr wie billig, wenn man verlangt, daß regierungsseitig dem Volksbetruge und der Volksvergiftung, wie beide durch die Lebensmittelfälschung verübt werden, mit aller Strenge entgegengetreten wird. Recht wirksam würde sich gegenwärtig in jener Beziehung die Einrichtung erweisen, daß all die Fälle, in denen Polizei- licherseits der Nachweis der Fälschung von Consumtionsgcgen- ständen geliefert worden, direkt der Oeffentlichkeit kundgegeben würden. Das wäre entschieden für das Publikum weit vortheil- in irgend einem öffentlichen Lokal seine Lehrvorträze, unbeirrt durch ein Collegium, fortsetzen könnte." Diesen Angriffen der„Frankfurter Zeitung" gegenüber über- lassen wir gern der„Berliner Freien Presse" das Wort, die sich vielleicht bei ihrer Freundin für„die wüsten Agitatione« für Dühring" bedanken wird. — Der Alterscensus. Daß die Bestimmung des deut- schen Reichswahlgesetzes, welche die Wahlfähigkeit erst mit zurück- gelegtem 25. Lebensjahr beginnen läßt, ein verkappter Census und eine Beschränkung und Verstümmelung des allgemeine» Wahlrechts ist, das wissen unsere Leser. Auch daß dieser Ten- sus sich wesentlich, ja ausschließlich gegen die Sozialdemokratte richtet. Wie groß die Zahl Derer ist, welche so um ihr Wahl- recht gebracht sind, kann man aus folgenden Ziffern ermessen, die uns soeben in einer Stattsttk vor Augen geführt werde. Das deutsche Reich hat bei einer Bevölkerung von 40,000,000 Ein- wohnern 8,523,446 Wähler, während Frankreich bei einer Be- völkerung von 36,000,000 Einwohnern 9,911,737 Wähler hat, also bei einer um 4 Millionen geringern Einwohner- zahl anderthalb Millionen Wähler mehr! Mit andern Worten: in Frankreich, wo das Wahlrecht mit dem 21. Jahre beginnt, kommen auf jedes 100 Einwohner 27 Wähler, im deut- schen Reich, wo das Wahlrecht 4 Altersklassen entzogen ist, bloß 21. Unter je 100 deutschen Reichsangehörigen sind also sechs wahlfähige Männer des Wahlrechts beraubt, was auf 40 Millionen genau zwei Millionen viermal hunderttausend ergibt. Und auch in Frankreich ist das Wahlrecht noch keineswegs unbeschränkt! — Uns war aus Wilhelmshaven direft mitgetheilt, daß die sämmtlichen deutschen Kriegsschiffe in Dienst gestellt werde» sollten. Marineminister Stosch war in Wilhelmshaven au- wesend, und sämmtliche Werftarbeiter mußten zwei Stunden täg- lich länger arbeiten. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" dementirt nun die Nachricht von der Indienststellung der Schiffe, kann aber die andere �Nachricht, daß die Werftarbeiter plötzlich angewiesen sind, zwei Stunden länger zu arbeiten, nicht bestreiten. Was man nun von einem solchen Dementi zu halten hat, leuchtet wohl ein. — Wir erhalten aus Mannheim die Mittheilung, daß ei» dorttger Bürger der großherzoglichen Staatsanwaltschaft eine Denunciation am 10. Juli eingesandt hat, welche sich gegen die bekannten„Gummiartikel- Annoncen", die sich auch in der „Neuen Badischen Landeszeitung" befanden, richtete. Wir sind begierig, zu erfahren, wie sich die Staatsanwaltschaft verhalte» wird. — Staatshilfe. Dieser Ruf erklingt allüberall sofort in den Reihen der Nichtsozialdemokraten, wenn sich ein äugen- blickliches Uebel bemerkbar macht. So hat auch ein schweize- risches Blatt, das„Volksblatt aus dem Bezirke Andelfiugcn" den Ruf erhoben, daß der Getreidehandel vom Staate über- nommen werden soll. Der betreffende Passus lautet: „Der Getreidehandel befindet sich gegenwärtig für die ganze Ostschweiz in den Händen weniger Juden, die mit ge- ringen Künsten die Preise droben behalten und dem gemeine» Manne den Brodkorb in die Höhe hängen können. Der Staat hätte da Kredit und Mittel genug, um durch eigene Ein- käufe dem Wucher abzuhelfen, resp. heilsame Concurrenz z» machen, wie er den Bankjuden solche macht. Damit wäre wie- der einmal Etwas für das arme Volk gethan und wäre eine solche Bethätigung für den Staat jedenfalls mindestens so ehren- voll und würdig, als es der eidgenössische Roßhandel ist. Der Kanton Zürich dürfte auf diesem sozialen Pfade vorangehen und wir glauben, öffentliche Getreidehäuser würden sich mindestens so gut machen, wie die jährlich sich erweiternden Pfandleihan- stalten Zeughäuser und Zuchthäuser. Die Brodpreisjuden wür- den freilich wieder jammern auf den Trümmern der„Freiheit". Wir sind natürlich gegen solche Uebernahme des Getreide- Handels durch eine reaktionäre Monarchie oder durch eine Bour- geoisrepublik— es würde sehr schnell ein Staatsmonopol ent- stehen, durch welches den Staatslenkern das Volk erst recht über- antwortet würde. Die„Staatshülfe" darf nur für produktive i Zwecke geleistet werden und zwar derart, daß der Staat nur die! Controlle, aber keinerlei Leitung behält. Wir registrire» I aber gern solchen Ruf nach Staatshülfe, da er beweist, daß das' Volk im Allgemeinen sich der sozialistischen Erkenntniß nähert. haster, als die Publizirung von Beleidigungsklagen und sonstigen Bagatellverhandlungen mit Namensnennung. Die Umgangssprache deutscher Professoren. Von Professor Johannes Scherr, dem Verfasser ver- schiedener„patriottscher Werke" existirt folgendes Schreiben, dessen Copie der„Tagwacht" zugestellt wurde: „Zürich(Oberstraß), 3. August 1876. Geehrter Herr! Ich bin zu alt, um mich an diesem Unter- nehmen bctheiligen zu wollen, dessen Fiasko ich mit mathemati- scher Gewißheit vorherweiß. Wer sollte dermalen für Beiträge zu einem Denkmale Trützschler's in Deutschland angegangen werden? Der nationalliberale Philister würde schon die bloße Zumuthung für eine Sünde gegen den heiligen.... betrachten. Die„Volkspartei"(zu deutsch: Partei ohne Volk) hat sich seit 70 so niederträchtig— benommen, daß ich wenigstens nichts mit ihr zu schaffen haben mag. Das sozialistische„Stimmvieh" endlich, vorausgesetzt, daß es überhaupt jemals etwas von Trützschler gehört, hält denselben schon als Sohn eines Millionärs für einen„bloßen Tropf von Bourgeois-Republikaner", was ich ja selber in den Augen dieses würdigen Gethiers bin. Oder soll man sich an die studirende Jugend wenden? Du lieber, Gott, wie sollte die Jugend, für welche die servile Bummel- und Saussprache eines Scheffel das Höchste ist, den Geldbeutel für das Andenken eines 48ers austhun wollen? Die Berichtigungen in Sachen der Berliner November-Er- eignisse von 1848, welche Sie mir s. Z. so freundlich zugehe« ließen, habe ich in der zweiten Auflage meiner Geschichte des! Jahres 1848 dankbar benutzt. Hochachtungsvoll grüßt Sie Ihr ergebener I. Scherr." Würdig reiht sich an diesen Brief folgende Zuschrift des Professor Karl Pertz, die er an die„Kölnische Zeitung" richtete: „Zu Schutz und Trutz am Grabe Schön's. Bon einem Ostpreußen. Berlin, Verlag von Franz Duncker, 1877. j Das von einem absichtlich nicht genannten Verfasser veröffent-; lichte Libell gegen den Freiherrn vom Stein und seinen Bio- graphen, meinen Vater, legt mir als seinem ältesten Sohne die Pflicht aus, gegen die unwahren Behauptungen des feigen Verleumders öffentlich zu protestiren. Schon auf der dritten Seite — Die Aussperrung der Schiffszimmerleute am Clyde dauert fort. Auf einem Meeting der„Meister" wurde beschlossen, nicht nachzugeben, sondern im Gegentheil, die Aus- sperrung noch„allmählig"(gradually) auf die Werkstätten aus- zudehnen, in denen noch gearbeitet wird. Die Arbeiter halten dies aber für einen Schreckschuß und sind überzeugt, daß die sich mehrenden Bestellungen die Herren Kapitalisten bald zur Nachgiebigkeit zwingen werden. Unter den Schiffszimmerlcuten, die eine trefflich organisirte Gewerkschaft mit wohlgefüllter Kriegs- kasse haben, herrscht die vollkommenste Einmüthigkeit, und auch die übrigen, in den Uoetr-out mit hineingerisseuen Arbeiter sind vom besten Geiste beseelt, obgleich sie, weil nicht fest organisirt und ohne Fonds, große Entbehrungen auszustehen haben. Die Aussperrung, die am 19. Mai begann, ist bereits in den dritten Monat eingetreten.— Der Sinke der Kohlengräber von Fife und Clackmannan ist noch nicht beendet. Die Grubenbesitzer wollen auf keine Vermittlungsvorschläge hören und verlangen unbedingte Unterwerfung, wozu die Arbeiter, welche genügende Fonds haben, um noch mehrere Monate lang die regelmäßigen Strikegelder(8 Shilling= 8 Mark für den Mann und 1 Sh. für jedes Kind unter 12 Jahren) zahlen zu können, sich natür- lich nicht verstehen werden.— Sonst vom„sozialen Kriegsschau- Platz" im brittischen Musterstaat„nichts Neues" von Belang. — Die Erschießung Chaudey's. Ein Straßburger Corre- spondent der„Frankfurter Zeitung", der bei der Auseinander- setzung zwischen diesem Blatt und dem„Vorwärts" das Bedürf- niß verspürt hat, etwas Oel in's Feuer zu gießen, beschwört am Schluß seines Ergusses das Gespenst Chaudey's und meint, wir hätten für die„Reinen", an Louis Blaue und an Madier de Montjau, an Gambetta und der ganzen Compagnie„das Schlimmste in Petto",„erwischen wir sie, so spielen wir wieder „Geiseln" mit ihnen und füftliren sie, wie der Arbeiterfreund Chaudey(nicht Chaudy, wie die„Frankfurter Zeitung" schreibt) von den Heiligen der Commune füsilirt worden ist". Von den �Reinen" Louis Blaue, Gambetta:c. jetzt nichts; nur eine Richtigstellung in Betreff Chaudey's. Chaudey, nichts weniger als Arbeiterfreund(höchstens einer mit„Gänsefüßchen") sondern ein fanatischer Bourgeois und Feind des Sozialismus wurde nach dem 18. März verhastet unter der Anklage, am 22. Januar, bei der Volksdemonstration zur Verhinderung der Capitulation als Maire-Adjunkt Feuer auf das Volk commandirt zu haben. Er leugnete, aber an der Thatsache ist, nach dem vor- liegenden Material, kaum zu zweifeln; daß er bei jener Massacre sich in brutalster und provokatorischster Weise benommen, ist er- wiesen. Am Abend des 23. Mai, nach dem die Massenmetze- leien der Versailler schon zwei volle Tage lang gedauert, wurde er erschossen, aber nicht auf Befehl der Commune. Lissa- garay, dessen Objektivität auch von den erbittertsten Gegnern anerkannt werden muß, erzählt den Hergang S. 375 seiner „Histoire de la Commune" wie folgt:„An diesem Abend (23. Mai) begab sich Raoul Rigault ganz aus eigenem Antrieb und ohne sich mit irgend einem seiner Col- legen in's Vernehmen gesetzt zu haben(ne prenant d'ordre que de lui seul et sans conaulter aucun de ses col- legues) in das St. Pelagie-Gefängniß und kündigte Chaudey an, daß er sterben müsse. Chaudey protestirte, sagte, er sei Re- publikaner, schwor, daß er am 22. Januar nicht den Befehl zum Feuern gegeben habe, wogegen allerdings zu bemerken, daß er zu jener Zeit die einzige Autorität auf dem Stadthause war. Seme Betheuerungen Prallten ab an der Entschlossenheit Ri- gault's. Hinaus geführt auf den„Weg der Rande" wurde Chaudey mit drei am 18. März gefangenen Gensdarmen fum- marisch erschossen(passd par les armes). Während der ersten Belagerung hatte er Anhängern der Commune gesagt:„Die Stärksten werden die Anderen todtschießen!"(Ce plus forts fusille- ront les autres.) Vielleicht starb er an diesem Wort." — Aus Paris erhalten wir folgende Mittheilung: Als Louis Bonaparte im Jahre 1848 sich populär machen wollte, schickte er Porträts und kleine Statuen seines Onkels, Napoleons t. zu hundcrttausenden in's Land hinein.— Mac Mahon treibt solchen Unfug viel großartiger, aber auch viel ungeschickter. Er verschickt sein eigenes tölpisch blickendes Conterfei Millionen- weis in's Land— eine Druckerei zu Paris liefert allein fünf Millionen Stück. Populär wird der Herr Präsident jedoch nicht, weil die Franzosen im Bildniß erblicken, welchen Dummkopf sie an der Spitze haben. Besser wäre es gewesen, wenn er die Galgenphysiognomie von Thiers und Gambetta mit versandt hätte— er würde dann wenigstens seine Gegner auch mißkredi- tirt haben. — Die Niederlagen der Russen in Asien waren weit bedeutender, als sich aus den türkischen Siegesberichten ersehen ließ. Auch nicht eine Abtheilung der geschlagenen Armee ist „intakt", und ehe das feste Gefüge wieder hergestellt, die Lücken ausgefüllt, die nöthigen Verstärkungen herbeigeschafft sind, kann an eine ernstliche Wiederaufnahme der Operationen nicht ge- dacht werden. Wahrscheinlich— und von russischer Seite bereitet man schon darauf vor— wird dieselbe bei der vorge- rückten Jahreszeit, erst im nächsten Jahre erfolgen können. Die Situation der Russen wird überdies durch den stets wach- senden Aufstand der Kaukasusbewohner wesentlich verschlim- mert. Nach den neuesten Nachrichten befindet sich jetzt so ziem- lich der ga.nze Kaukasus in vollem Aufstand und haben die Russen dort furchtbare Verluste erlitten. Wenn man bedenkt, daß der Kaukasus ein Montenegro in hundertmal ver« größertem Maßstab ist, wird man sich von dem Schlag, der die Russen hier betroffen hat, und von den Schwierigkeiten der Niederwerfung des Kaukasus ungefähr einen Begriff machen könne. — Der Verrath oder die Dummheit der türkischen Paschas, oder beides zusammen, sind im Steigen. Bei der Eroberung von Nikopolis ist die 6000 Mann starke Besatzung mit zwei Pascha's in die Hände der Russen gefallen. Die beiden Paschas Achmet und Hassan sollen rubelbeladen gegenwärtig schon in Bukarest sich befinden. Ein goldbeladener Esel klimmt be- kanntlich die höchsten Mauern hinan— und auch über den Balkan.„Väterchen" weiß, was in seinem eigenen Lande auf dem Spiele steht, deshalb werden weder Menschenleben, noch Rubel geschont.— In Asien allerdings steht die Sache der Türkei unveränderlich gut. — Unser Parteigenosse, der Reichstagsabgeordnete Bios zu Hamburg, beabsichtigt in der nächsten Session des deutschen Reichstags einen Gesetzentwurf gegen die zur Zeit immer mehr überhand nehmende, namentlich die Gesundheitsoerhältnisse der arbeitenden Klassen schwer schädigende Verfälschung der Lebens- mittel einzubringen und Erweiterung der Competenz des Reichs- gesundheitsamts behufs schärferer Controlle zu beantragen. Parteigenossen, denen hierauf bezügliches Material zur Ver- sügung steht, werden ersucht, dasselbe an Genossen W. Blos in Hamburg einzusenden. — Wir erhalten aus Hamburg folgende Depesche: Hier be- findet sich ein Agent aus Manchester(England), um Zimmer- leute dorthin zu locken, weil die dortigen striken. Wir warnen hiermit die deutschen Zimmerleute, solchen Verlockungen zu folgen. Eugen, der unedle Ritter. Wo es schmutzige Arbeit zu verrichten giebt, ist natürlich Herr Eugen Richter dabei. Statt in der Dühring- Angelegenheit seine Schuldigkeit zu thun, gegen das Unrecht zu protestiren, dahin zu wirken, daß seine Partei ihre Schul- digkeit thut, sucht dieser saubere Patron die Sache blos ssür seine persönlich gehässigen Zwecke auszunutzen. Der Mensch kann eben seine Natur nicht verleugnen. In einem der letzten Richtcr'schen Waschzettel heißt es: „(Nochmals 1>r. Dühring und die Sozialisten.) Wir haben bereits gestern an dieser Stelle hervorgehoben, daß die sozialistische„Berliner Freie Presse" Herrn Dr. Dühring für die sozialistische Partei in aller Form reklamirt und ihn ge- wissermaßen zu einem Märtyrer der sozialistischen Sache zu stem- peln sucht. Es ist nun höchst charakteristisch, daß das soziali- stische Centralorgan, der Leipziger„Vorwärts", welcher ebenfalls in einem längeren Leiter zu der Affaire Stellung nimmt, die sozialistische Gesinnung Dühring's mit keinem Worte erwähnt, sondern sich lediglich an die prinzipielle Seite der Frage, die „Freiheit der Wissenschaft", anklammert. Der Artikel, welcher gleich dem in der„Berliner Freien Presse" ein„Modernes Ketzergericht" überschrieben ist, macht einen so frostigen Eindruck und ist so aller Sympathien für den gemaßregelten Parteige- nosscn bar, daß der unbefangene Leser sofort bemerken muß, wie wenig Anklang die selbstständige Natur I)r. Dühring's im sozia- listischen Hauptquartier findet. Lassen wir statt aller weiteren Bemerkungen den„Vorwärts" sprechen. Derselbe schreibt:„Die Person liegt in dieser Frage für uns völlig aus dem Spiel. Wäre ein Treitschke(!) das Opfer, wir würden mit gleicher Energie für ihn eintreten. Der„Vorwärts", in dessen Spalten die Schriften Dühring's zum ersten Mal(?) einer umfassenden wissenschaftlichen(?) Kritik, die wahrhaftig keine lobende ist, unterzogen worden find und der in dieser Kritik in der demnächst herausgegebenen wissenschaftlichen Beilage fortfahren(sie!) wird, kann dem Verdacht persönlicher Parteilichkeit für Dühring uu- möglich ausgesetzt sein— wir stehen ausschließlich auf dem Boden des Prinzips, wir urtheilen nicht nach Sympathien und Anti- pathien, wir urtheilen durchaus objektiv nach Pflicht und Ge- wissen, und wir gelangen nach kühler Erwägung zu dem Schluß: das � Berliner Ketzergericht ist eine Schande für die Berliner Professoren, ist eine Schande für die Berliner Universität, ist eine Schande für das ganze deutsche Universitätswesen."— Bezeichnend ist noch die Bemerkung in dem Artikel, daß Dr. Düh- ring„irrthümlich" Professor Helmholtz beschuldigt habe, die be- kannte Entdeckung Maher's todtgeschwiegen zu haben. Der „Vorwärts" stellt sich hier im Gegensatz zur„Berliner Freien Presse" vollständig auf den Standpunkt der—„Nationalzeituug". Der„Vorwärts" glaubt bei dieser Gelegenheit ferner versichern zu sollen, daß Professor Helmholtz„unzweifelhaft" ein„hoch- verdienter" Gelehrter sei, der auch von der„Vormärts"-Redak- tion„hochgeschätzt" werde.— Nach alledem dürfte man der zu- künftigen Wirksamkeit des Dr. Dühring innerhalb der sozialisti- schen Partei kaum ein günstiges Prognostikon stellen können, namentlich wenn man erwägt, daß demnächst mit der Kritik der Dühring'jchen Schriften in den Spalten der„wissenschaftlichen Beilage" des„Vorwärts" fortgefahren werden soll. Dr. Dühring hat in seinen nationalökonomischen Werken den„unfehlbaren" „Vater des deutschen Sozialismus", Herrn Marx, angegriffen und diese— Dreistigkeit verzeihen die fanatischen Anhänger des Herrn Marx, voran Herr Liebknecht, Herrn Dühring niemals. Es herrscht eben innerhalb der sozialistischen Partei ein noch ärgeres Cliquenwesen, als die Sozialisten so gern bei anderen Parteien hervorsuchen und angreifen." So Herr Eugen Richter. Die Fragezeichen, das Ausrufuugs- zeichen und das sie! in Klammern sind Herrn Eugen Richter's. Daß er hinter das Wort„wissenschaftlich" ein Fragezeichen gesetzt hat, ist für diesen ignorantesten der Ignoranten sehr charakte- ristisch; er will damit wohl andeuten, daß die Wissenschas: für ihn von jeher ein großes Fragezeichen gewesen. Doch zur Sache. Was will Herr Eugen Richter? Einfach„Skandal machen". Mit der leisen Hoffnung, Gimpel zu finden, die auf den Leim gehen. Wie er früher Lassalle und Marx gegen einander aus- zuspielen suchte, so jetzt Dühring gegen Marx. Wenn der Kniff nur nicht so verwünscht plump wäre. Herr Eugen muß erst noch bei den Bauernfängern niederster Kategorie in die Schule gehen. Also, was wirft er uns vor? Daß wir uns in der Dühring-Angelegenheit rein auf den prinzipiellen Boden stellen. Aber ist denn das nicht gerade das Richtige? Hieß es nicht von Anfang an, die Sache Düh- ring's gefährden, wenn man sie zur Parteisache machte? Drückte man damit nicht den Gegnern eine Waffe in die Hand? Ja, ausschließlich um das Prinzip handelte es sich für uns; und daß Herr Eugen Richter— der in dem versumpften „Cliquenwesen" seiner Partei die Fähigkeit consequenten Denkens und Handels verloren hat, wenn er sie je besessen— uns des- halb tadelt, kennzeichnet den Manu, wie ihn das Ausrufungszeichen kennzeichnet, welches er hinter den Namen Treitschke gesetzt hat. Daß man aus R e ch t s g e fü h l, aus P r i n z i p für Jemand eintreten kann, ohne nach persönlicher Sympathie oder Antipathie, ohne nach der Parteistellung zu fragen, das mag allerdings für jenen Reichstagsabgeordneten etwas Unbegreifliches sein, der im Reichstag einst die Stirn hatte zu erklären: Weil die Sozialisten für die Postbeamten plädiren, sind wir(Fortschrittler) dazu ge- drängt, für den Herrn Generalpostmeister Partei zu ergreifen. Was die Bemerkung angeht, wir hätten uns, weil wir Helmholtz gegen die Anklage, die Leistungen Meyer's todtge- schwiegen zu haben, in Schutz nahmen,„auf den Standpunkt der Nationalzeitung" gestellt, so ist das eine— nun so ist das eben Richterisch. Wir konstattrten einfach eine Thatsache; und wenn zufällig dieselbe Thatsache in der„Nationalzeitung" erwähnt .wird, die bekanntlich das Verfahren gegen Dühring durchaus ver- theidigt hat, so ist das doch wahrhaftig kein Grund, die Wahr heit zu verschweigen. Freilich, Herr Richter würde es wohl gethan haben. behauptet der Verleumder, daß die Berliner„Coterie" meinen Vater gezwungen habe, in seinem Leben des Freiherrn vom Stein„Manches in sein Buch aufzunehmen, Anderes zu streichen." Wie absichtlich diese Verleumdung erfunden, ergiebt sich von selbst, da es in Berlin nie eine„Coterie" gegeben hat und mein Vater nie Fremden gegenüber irgend etwas aus seinem Leben des Freiherrn vom Stein mitgetheilt hat. Es ist demnach ab- surd, von Correkturen des Manuskripts zu faseln, wie der feige Verleumder sich erfrecht hat, auf Seite 82. 83, 84, 134, 135, 137, 147, 167, 184, 185—87, 200, 231, 233, 235, 465, 472 seiner Schandschrift immer zu wiederholen. Eben so empörend ist die unverschämte Behauptung Schön's in seinen verlogenen Memoiren auf Seite 263 der Anlagen des ersten Bandes, daß der Freiherr vom Stein, der ausgezeichnete Finanzminister, der die Finanzen des preußischen Staates eben so geordnet hatte, wie den Staat selbst durch seine Aufsehen erregende Aufhebung der Leibeigenschaft,„in finanzieller und staatswissenschaftlicher Beziehung ganz ungebildet sei"! für welche Schamlosigkeit das Irrenhaus der richtige Ort gewesen wäre.— Im Uebrigen schließe ich mich über den feigen Schreiber der Lästerschrift dem Urtheile des Herrn Archivraths Lehmann, wie er es in seiner Schrift über Stein, Scharnhorst und Schön, Leipzig 1877, aus- gesprochen hat, vollständig an und erkläre mit ihm: daß der feige Verleumder auf jede Rücksicht auf gesittetes Betragen ver- zichtet, da er in allen gemeinen Kniffen demagogischer Rabulistik bewandert, in seiner ungezügelten Heftigkeit die Grenzen der Wahrheit und ihres Gegentheils überschreitet und damit die Richtigkeit des alten Satzes beweist, daß schlechte Absichten sich auch durch schlechte Mittel nicht vor der allgemeinen Verachtung retten können. Idstein, 7. Juli 1877. Professor Dr. Karl Pertz." Und diese Gesellschaft ist über den Ton, den Lassalle, den Sozialisten, den Dühring angeschlagen, empört— vor der eigenen Thüre kehren, das ist das erste Gebot des Anstandes, und dann das Gleichniß vom Splitter und Balken zu beobachten flt das zweite Gebot des Anstandes, ihr Herren Professoren und Professorendiener! Wie Zeitungen redigirt werden. Das Leipziger Organ der parti iutrouvable(Schuimeisterliches Naserümpfen- parti ist xeneris masculini oder neutrius, es muß also heißen das parti, wie das ordre moral. Rother Strich!), also das oder der parti iutrouvable, der uu findbaren Partei, selbstbenamset„Fortschritlspariei", schreibt in seiner Nr. vom 14. d. unter Berlin:„Während die Berliner Sozia- listen, voran die„Berliner Freie Presse", in anerkennenswerther Weise für ihren gemaßregelten Parieigenossen Dühring eintreten, verhält sich das sozialistische Centralorgan, der Leipziger„Borwärls", der Frage gegenüber„kühl bis an's Herz hinan!" Die Berliner Sozialisten sind eben meist Dühringianer, die Leipziger dagegen Marxisten. Und wer sich noch erinnert, in welcher Weise Herr Marx durch seinen Freund Engels im„Vorwärts" gegen Dühring zu Felde zog und wie bei die- ser literarischen Fehde auch die elementarsten Regeln der Schicklichkeit von den Marxisten außer Acht gelassen wurden, wird die kühle Haltung des„Vorwärts" und den Eifer der Berliner Sozialisten nur zu gut begreifen." Daß ein Mann von der wissenschaftlichen Bedeutung wie Engels (der beiläufig— das möge der Fortjchrittler sich merken— im Aufttag des Kongresses die Arbeit über Dühring unternommen hat) als Handlanger von Marx hingestellt und seiner, auch stilistisch musterhaften Leistung Mangel der„elementarsten Regeln der Schick ichkeit" vorgeworfen wird, sei dem Bildungsgrad des Hrn. Fortschrittschreibers zugut geschrieben, daß aber die Redaktion des betreffenden Blattes, die den „Vorwärts" regelmäßig liest und also unzweifelhaft wußte, daß der „Vorwärts", natürlich ohne albernen Personencultus zu treiben, wieder- holt und in energischster Weise für Dühring eingetreten ist— in dem am 1l. d. erschienenen, in Wirklichkeit schon am 9. d. veröficnt- lichten Leitartikel der Nr. 80 so energisch als irgend ein anderes Blatt — daß die Redaktion des betreffenden Blattes trotzdem am l4. d., d. h. drei, eigentlich fünf Tage nach dem Erscheinen dieses Leitartikels den „Vorwärts" der„kühlen Haltung" in Sachen Dühring's bezichtigen kann, das ist ein Verfahren, welches sich selbst richtet, und jedenfalls noch etwas Höherem als„den elementarsten Regeln der Schicklichkeil" zuwiderläuft. Ob der betreffende Herr das begreift, wissen wir nicht; aber vielleicht begreift er, wie sich das Wunder ereignen konnte, daß die Berliner Sozialisten,„die meist Dühringianer" sind, einen Redakteur des angeblich Dühring feindlichen„Vorwärts" mit so kolossaler Ma- joritär zu ihrem Vertreter im Reichstag gewählt haben? Merkt der betreffende Herr, daß er nicht nur eine grobe verleumderische Unwahr- heit, sondern auch eine kolossale—„Genialität" gesagt hat? — Zur öffentlichen Prostitution. Das„Berliner Tageblatt" beglückt die hauptstädtische junge Männerwelt mit folgender Anzeige: „Weiße Rose— blaue Schleife. Eine Gesellschaft lebenslustiger, junger Mädchen, denen es an solider Herrenbekanntschasi mangelt, wünscht in den ungezwungenen Umgang reell gesinnter Männer zu treten, um Gelegenheit zur Anknüpfung eines ernsten Verhältnisses zu finden. Gleichgesinnten Herren, welche ihre Absicht durch Tragen einer weißen Rose im Knopfloch zeigen, wird man sich in der Unions- brauerei(Gratweil) in der Hasenhaide am Donnerstag, den 12. d. M. Abends von 7 Uhr an, durch eine auf der linken Brust getragene blaue Schleife zu erkennen geben." Ob Madai dorthin wohl einige„Geheime" gesandt habcn mag?— Wenn die Sozialdemokraten die Gräber der Märzgefallenen aus dem Friedrichshain schmücken, da fehlt diese hochedle Mcnschensorte niemals, ob sie aber zu oben erwähntem, ihrer viel würdigeren Anlasse auch„ver- werthet" worden sind, ob sie zu solchem„Auflauf" sich eingesunden haben werden?— Anstößiges haben sie. keinesfalls gefunden. Das Kleeblatt. Tyrannen herrschten nur durch Blut und Eisen, Auf krummen Wegen, sagt man, schlichen sie; Dem Pöbel von Paris will ich beweisen, Daß ich nur schnurgerade Straßen zieh. Er sprach's und ließ den biedern Haußmann kommen: Nimm Platz! wir sind ja heute eutre nous, Rochefort's Laternenfunken sind entglommen, Ich steh' zu höchst, d'rum brauch' ich unten Ruh'. Den Brief schau' Krupp's— der Mann hat viel zu Esten Kanonen bietet er mir neusten Schlags— Nach deutscher Art, ich darf ihn nicht vergessen, Man braucht ja stets die besten heut'gen Tags— Zum Wohl des Volkes. Sprach's und Haußmann nickte Verständnißinnig:„Dieser Brief ist fein, Doch müßte auch die Maffe, die verrückte— Der Häuser, mein' ich, grab' gerichtet sein." Das ist's, mein Haußmann, beinah sagt' ich, Bruder, Bei krummen Straßen reicht der Schuß nicht weit, Ich heb' die Steuern und du nimmst das Ruder Und führst mir Straßen, die gerad' und breit. * t* Haußmann ist tobt, Napoleon ging zu Grunde Am Stein— der Weisen nicht— nach Fürsten Art, Nur Krupp allein lebt noch zu dieser Stunde, Doch nicht wie weiland Eberhard im Bart. Der könnt' sein Haupt, erzählt man, kühnlich legen All' seinen Arbeitssklaven in den Schoos; Herr Krupp schafft Ruhe sich auf andern Wegen, Wer nicht wie er, ei, den entläßt er blas. Kurt Mook. Und nun noch Eins: Derselbe Herr Richter— beiläufig rührt auch die im Feuilleton von uns auf Conto eines Leipziger Lokalblatts besetzte Betisc von ihm her— derselbe Herr Richter, der uns gegenüber den Champion Duhring's herausbeißen will, uns unsere„frostige" Haltung vorwirft, hat drei Tage, ehe er obigen Waschzettel verübte, einen andern Waschzettel in die Welt geschickt, der also lautete: „Neben dem Professor Schäffle feiern die Sozialdemokraten heute den Dr. Dühring. Der Enthusiasmus, den die Studi- rendcn für den blinden Privatdozcnten entwickeln, scheint auch Nicht- Sozialisten zu verführen, in dem Manne, dessen Maß- rcgelung wir für einen schweren Eingriff in die Lehrfreiheit halten müssen, einen Vorkämpfer des Liberalismus zu erblicken. Die Denkschrift Dühring's, die er auf Bestellung Wa- gener's, des ehemaligen„ Kreuz zeitungS". Redakteurs, 1867 für Bismarck gegen daS Genossenschaftswesen schrieb und die so im Sinne Wagener's ausfiel, daß er sie als eigen gefertigtes Opus annektirte, ist zu wenig bekannt geworden, sonst würde Dühring gegen den Verdacht des Libera- lismus vollständig geschützt sein." Dühring an Wagener angekoppelt! Läßt sich eine niederträchtigere, eine perfidere Beschimpfung und Verdächtigung denken? Und in diesem Momente? Und der Bursche, der vorgestern einen Ehrenmann in dieser schmachvollen Weise insultirte, in den Koth zerrte, zu sich selbst hcrabzcrrte, will heute den AnstandSprediger und den Anwalt dieses von ihm Jnsultirten, in den Koth Gezerrten spielen? Das kann nur ein Eugen Richter. Halle im Gartenfelde einberufen war, beifügen. Diese Ver- Gefahr� wahrnahm, sich durch einen Sprung vom Gerüste ge- sammlnng war hauptsächlich wegen der im Oktober d. I. dahier rettet. Als gegen 8Vs Uhr die Rettungsmannschaft am Platze stattfindenden Stadtverordneten-Wahlen einberufen. Es scheidet erschien, mußte zuerst der Dachstuhl, welcher geborsten über die nämlich bis zu dieser Zeit ein Drittel der Stadtverordneten Fläche der eingestürzten Umfassungsmauer hing, abgenommen durch das Loos aus und weiß man jetzt noch nicht, nach welchem werden, was alsbald gelang. Die Rettungsarbeiten wnrdeu Correspondenzen. s. Krankfurt a. W., 17. Juli.„Erlauben Sie mir auch einen Spieß in Ihrem Krieg mit dem„Vorwärts" zutragen, ob ich gleich nur einer jener nichtsnutzigen„Bourgeoissozia- listen" und„Gänsefüßchen- Demokraten" bin"— also hebt ein braver Spieß— träger ans Straßburg seine Correspondenz in der heutigen„Frankfurter Zeitung" an.— Erlauben Sie mir, nicht obgleich ich, sondern weil ich Sozialdemokrat, weil ich ein Demokrat ohne Gänsefüßchen bin, dem braven Spießträger der„Frankfurter Zeitung" auf seinem Kriegspfade wider den ..Vorwärts" hier entgegenzutreten. Ihr Beispiel von der schmutzigen Flasche, welches Sie dem Siebe der„Frank- furter Zeitung" entgegenstellten, hat uns, den Demokraten ohne Gänsefüßchen, sehr gefallen; die Weinfälscher und die Freiheits- fälscher überall sind natürlich sehr verschnupft darüber: so auch der Straßburger Spießträger. Er hängt nämlich seine schmutzige Flasche an seinen stumpfen Spieß und klappert:„Acceptiren wir einmal mit dem„Vorwärts" das Gleichniß von der Flasche und dem Sieb, und zwar von der„schmutzigen" Flasche, denn noch kein Bourgeoissozralist und Gänsefüßchen-Dcmokrat hat behauptet, die Mac Mahon'sche Republik sei eine reine Flasche. Will also Jemand buchstäblich oder figürlich reinen Wein fassen, so geht er nicht hin und schüttet ihn in ein Sieb, sondern, wenn auch die Flasche, zu der er greift, unrein ist, so bringt er fie zum Brunnen und putzt sie, statt sie zu zerschlagen; denn wenn sie geputzt ist, so ist sie immer noch im Stande, gute Dienste zu leisten." Die Riesen-Flasche, in welcher der dreckige Mac Mahon sitzt, ist also unrein; man schmeißt den dreckigen Kerl hinaus und einen noch viel dreckigeren, den Thiers, hinein— dadurch wird die Flasche dann gereinigt! Ist unser Straßburger Spieß- träger nicht ein Prachtkerl?— Doch der Spießträger hat auch Galle im Leibe. Hören wir ihn zum Schlüsse seiner Spieß- trägerci:„Größeres Gaudium für die Reaktion und namentlich für die orthodoxe Klerisei als die letzten Nummern des „Vorwärts" wird es schon lange keius mehr gegeben haben.— Aber was verschlägt das uns,— erwischen wir die Reinen,— den Louis Blanc und den Madier de Montjau, den Gambetta und die ganze Compagnie, so spielen wir wieder„Geißeln" mit ihnen und füsiliren sie, wie der Arbeiterfreund Chaudy von den Heiligen der Commune füsilirt worden ist." Glaubt mau da nicht ein„Reptil" zischen zu hören? Die „National-Zeitung", die ganze nationalliberale Presse stehen ein mit dem Spießträger der„Frankfurter Zeitung" für die Bonr- geoisrepublik der Herren Thiers und Gambetta; Letzterer wird von der„Provinzial- Correspondenz" des Herrn Culenburg ge- lobt und der Freund des Herrn von Bismarck, der deutsche Botschafter in Paris, Fürst Hohenlohe, besucht den Herrn Thiers und ermuntert ihn zum Kampfe für die Bourgeoisrepublik.— Die Klerikalen und Orthodoxen sollen sich darüber freuen, daß wir die Communehelden verehren— der Spaß ist albern; aber es ist nicht albern, sondern frech, wenn der Spieß— träger der „Frankfurter Zeitung" die Communekämpfer verunglimpft, ihnen als Verbrechen vorwirft, was die reine Nothwehr war; geringe Repressalien den verabscheuungswürdigsten Mord- und Greuel- thaten gegenüber! Weiß der Spießträgcr der„Franks. Zeitung", weiß letztere selbst, daß sie mit dem obigen Satz indirekt den Massenmord auf der Ebene von Satory und die„trockene Guil- lotine" rechtfertigen?! Und da will die„Frankfurter Zei- tung" heuchlerisch noch von Amnestie sprechen? Mainz, 16. Juni.(Verspätet.)„Die Erfolge der Blut- nnd Eisenpolitik" war das Thema, über welches Herr Reichs- tagsabgcordneter Auer in einer von uns am gestrigen Abend einberufenen Volksversammlung referirte und war die Versamm- lung aus allen Schichten der Bevölkerung überaus zahlreich besucht. Der Vortragende verstand es, das Auditorium zu fesseln und erntete mehrmals Beifall. Redner entwickelte in j wurde. nahezu anderthalbstündigem Vortrage ein Bild über die Ereig- nisse in Europa während der letzten 25 Jahre. Es würde zu weit führen und die Spalten des„Vorwärts" allzuviel in An- spruch nehmen, wenn wir über den ganzen durchaus lehrreichen Bortrag berichten wollten; wir begnügen uns daher, nur einige der interessantesten Details dieses Vortrages hier anzuführen: Redner zeigte, wie die Blut- und Eisenpolitik, das heißt die Politik, die Angelegenheiten der europäischen Staaten nicht mehr nach bestehenden Verträgen, sondern mit den Bajonnetten und Kanonen zu ordnen, inaugnrirt durch den Staatsstreich eines Napoleon DI., die Verlegung des polittschen Schwerpunktes nach Petersburg als einzigen Erfolg aufzuweisen hat.— Leider beginne die Weissagung Napoleon l., daß„in 50 bis 60 Jahren Europa entweder republikanisch oder kosackisch" sein werde, in Bezug auf ihren zweiten Theil in Erfüllung zu gehen.„Der Kosack, welcher auf den Thron gesttegen" sei, behaupte an der Spitze der Civilisation zu marschiren, die wirklichen Kulturvölker aber, die Deutschen und Franzosen, seien eifersüchtig auf ein- ander gemacht und zum Zuschauen verurtheilt. Schließlich wurde noch der Sieg Hasenclever'z über Löwe zur Kenntniß der Ver- sammlung gebracht, was ein dreimaliges Hoch auf die Arbeiter- bevölkerung Berlins zur Folge hatte. Wir würden diesen Bericht eher eingeschickt haben, wollten jedoch zu gleicher Zeit den Bericht einer weiteren Versammlung, welche auf Samstag den 30. Juni im großen Saal der Schützen- Modus diese Wahlen stattfinden. Das hiesige Stadtverordneten Collegium, welches so ziemlich aus allen Parteien zusammen gesetzt ist, fürchtet, nach den nächsten Wahlen auch einige unlieb� same Sozialdemokraten in seiner Mitte zu sehen. Allerdings sehr schlimm und doch sehr wahrscheinlich. Es wird deshalb hin und her berathen, auf welche Weise man den Sozialdemn traten die Wahl am schwersten macht. Die juristische Commission welche schon drei Monate an diesem Punkt berathet, ist noch nicht schlüssig geworden, ob die auszuscheidenden Stadtverordneten bezirksweise, oder aus dem Plenum ausgeloost und dem eut- sprechend auch die Wahlen stattzufinden hätten. Doch mit diesem ewigen Hin- und Herziehen noch nicht genug, ersinnt man jetzt schon alle nur denkbaren Mittel, um den Arbeitern das Wahl recht zu entziehen. So z. B. fragt der Schullehrer die Kinder „Wer von Euch hat schlechte Schuhe und will neue Schuhe haben;" daß sich da nicht Wenige melden, liegt klar zur Hand, es be- kommt alsdann jedes Kind von dem Lehrer einen Zettel mit der Weisung, denselben durch ihre Eltern an diesen oder jenen Herrn— je nachdem die Eltern wohnen— zu besorgen, welcher die Schuhe verabfolgen werde. Wir fanden nun sehr bald, daß die auf den Zetteln bezeichneten Herren„Armenpfleger" waren. Beißt nun der Köter an, so ist er„gemacht". Um nun diesem Treiben ein Ende zu machen, beriefen wir obige Versammlung ein. Auf der Tagesordnung stand: 1) Die Bedeutung der be- vorstehenden Gemeinderathswahl, sowie die geheimen Umtriebe, um den Arbeitern das Wahlrecht zu entziehen," Referent: Herr Leyeudecker. 2)„Die Bestrebungen der Arbeiter nach Ver- einigung," Referent: Herr Jöst.— Leyendeckcr, welcher in die hiefigen städttschen Verhältnisse sehr gut eingeweiht ist, geißelte das Thun und Treiben unbarmherzig, enthüllte ein ganzes Sünden- register der nationalliberalen Mehrheit in der Stadtverordneten- Versammlung, welches hier anzuführen ins Unendliche führen würde. Auch Herr Jöst entledigte sich seines Referates in ge- schickter Weise.— Dem Volk gehen auch hier bald die Augen auf und dürfte die Zeit nicht mehr lange währen, so hat der Nationalliberalismus gründlich abgewirthschaftet. Zum Schlüsse bemerken wir noch, daß wenn die Wahlen bezirksweise stattfinden, das Gartenfcld, dieses Arbeiterviertel — welches bei der letzten Reichstagswahl mit überwiegender Majorität für unfern Most stimmte— mehrere Bezirke bildet und alsdann ein Sieg nicht unwahrscheinlich sein dürfte. Mag aber auch kommen was da will, wir Sozialdemokraten in Mainz und im Gartenfelde werden am Platze sein und wie immer redlich und muthig kämpfen. K Füvingeu, 18. Juli. Eine Anzahl Studirender der hiesigen Universität haben an den von der Berliner Universität remo- virten Dr. Dühring nachstehende Adresse gerichtet, um deren Abdruck ich Sie hiermit ersuche: E. B. „Herrn Dr. Engen Dühring die Studirenden der Universität Tübingen. Hochgeehrter Herr! Der energische Protest, welchen unsere Berliner Commilitoneu gegen eine, damals erst drohende, Vergewaltigung der wissen- schaftlichen Freiheit eingelegt haben, findet unseren begeisterten Beifall; denn wir wissen, daß Vernunft und Reckt nicht kämpf- los siegen können, und müssen den Mann ehren, der sein Leben muthig zum Ausdruck seiner Ueberzengung gestaltet hat. Auch in uns ist das Streben lebendig, veraltete Mißstände zu ver- drängen und der fortschreitenden Wahrheit zum Siege zu helfen: darum versichern wir heut Sie, den gesinnungstüchtigen Vor- kämpfer dieses Zieles, unserer vollsten Hochachtung. Möge Ihre unermüdliche Wirksamkeit im Dienste der Wissenschaft, wenngleich unter veränderter Form, dem Wesen nach auch fernerhin segens- reich fortbestehen. Dies Ihnen auszusprechen, betrachten wir Studirende der Tübinger Hochschule als eine der feierlichsten Aufgaben im Jubiläumsjahre der nun seit vier Jahrhunderten blühenden Eberhard- Karls- Universität. Tübingen, 12. Juli 1877. (Folgen 125 Unterschriften.)" Auf diese Adresse ging von Herrn Dr. Dühring folgende Antwort ein: „Meine Herren Studirenden von der Universität Tübingen! Das Wort der Uebereinstimmnng, welches Sie, in einer ver- hältnißmäßig so bedeutenden Anzahl, an mich gerichtet haben, ist mir um so erfreulicher, als es aus einem Bezirke Deutsch- lands kommt, in welchem die unzünftige Wissenschaft Vertreter ersten Ranges hat und gehabt hat, und überdies solche, für deren angemessene Würdigung ich mich besonders bemüht und Opfer gebracht habe. Ihrem Boden gehört Robert Mayer an, der große physikalische Denker, der mit seiner Auffindung des mechanischen Kraftwerths der Wärme die bedeutendste Aufgabe der neuesten Physik gelöst hat. In einer ganz andern Richtung des Wissens und Strebens lebte und litt auf eben diesem Boden Friedrich List, der größte Nationalökonom der Deutschen und ein Patriot, wie ihn in dem echten Sinne dieses Wortes nach- her noch Niemand übertroffen hat. Bei seinem großen Namen wird man freilich auch mit gleich großer Lebhaftigkeit an den Mißstand des Universitätswesens erinnert, denn Friedrich List, den seine Tübinger(Sollegen zum Gehen nöthigten, bleibt ein Denkmal der ans Neid stammenden Verfolgungen, die seitens der Professoren gegen einen sie Überragenden Geist betrieben Ihnen, meine Herren Studirenden, die Sie selbst in Ihrer Adresse die universitären Uebelstände als Gegenstand des Kampfes betont haben, wird auch jenes Gedenken der freien und nn- zünftigen Größen der Wissenschaft nur eine Bestärkung sein können in dem edlen Streben, in dem Heimathlande eines Schiller die Freiheit des Denkens und Wollens in jeder Be- ziehung hochzuhalten. Einig in dieser Gesinnung und entschlossen, Ihren Erwartungen nach Kräften zu entsprechen, danke ich Ihnen von Herzen noch besonders für die auch der Person, die sich nunmehr von der Sache nicht trennen läßt, kundgegebenen Wünsche. Berlin, Mitte Juli 1877. �_ Dühring." München, 11. Juli.(Arbeitersrisiko.) Heute Morgens 6 Uhr 10 Min. stürzte, nachdem sich die Arbeitsleute kurz vor- her zur Arbeit eingefunden hatte», sau einem an der äußeren Hcßstraße befindlichew, bereits im Rohbau vollendeten Gebäude die westliche Steinmauer, wahrscheinlich in Folge zu schwacher Untermauerung und schlechten Baumaterials, zusammen und riß die Hälfte des ans 6 Fensterrciheu bestehenoen Längenbaues, drei Stockwerk hoch, mit sich. Gestern hatten sich bereits be- deutliche Risse an dem Mauerwerk gezeigt und waren schon mehrere Verholzungen vorgenommen worden. Im dritten Stock- werke waren 3, in den Parterrelokalitäten 2 Personen beschäf- tigt; dieselben, 4 Mörtelträgerinnen und 1 Maurer, fanden ihr Grab unter den Trümmern. Ein Arbeiter hatte, als er die unter Anwesenheit des Polizeidirektors Frhrn. v. Feilitzsch, der beiden Bürgermeister, des Banrathes Zenetti und des Oberin- spektors Jung geleitet. Um 11 Uhr wurde der erste Leichnam, eine 20jährige Person, aus dem Schutte gezogen. Die fünf Leichname der verunglückten Personen(ein Maurer, Vater von 5 Kindern, und 4 Frauen, wovon 2 ledig, 2 verheirathet, letz- tere in gesegneten Umständen) wurden auf den nördlichen Frieo- Hof gebracht und werden übermorgen zusammen beerdigt werden� — Das ist wieder ein Fall von den vielen, welcher die Aus- dehnung des Hastpflichtgesetzes auf die Bauhandwerker gebiete- risch fordert. Würzen. Eine ungeheure Aufregung über einen Akt des ruchlosesten und strafwürdigsten Eigennutzes erfüllt unsre Stadt. Von zwei hiesigen Fleischermeistern(Warum werden die Namen der Bösewichte nicht genannt? R. d. V.) ist nämlich ein, nach Aussage des Cavillers, mit dem Milzbrand behaftetes Stück Rind geschlachtet worden und liegen in Folge Genusses des Fleisches circa 100 Personen theils sehr schwer krank darnieder, unter ihnen auch die Genossen Kögel(schwerkrank) und Fleischer. Die Wurzener Fleischer scheinen überhaupt sehr viel krankes Vieh zu schlachten, denn ich habe gestern Abend von oben er- wähntem Caviller die Aeußerung in öffentlicher Wirthschaft jje- hört, es gebe hier nur zwei Fleischer, welche stets gesundes Vieh schlachten.— Wir wollen sehen, ob die Behörde ihre Pflicht thut und gegen die Fleischer, welche schnöden Gewinnes halber das Leben vieler Menschen auf's Spiel setzten, einschreitet. Eine exemplarische Strafe wäre hier am Platze. Ich höre soeben, daß bereits neun Personen gestorben sein sollen. Ins Zucht- Haus mit den Mördern! Berichtigung. In dem Bericht über die Berliner Srudentenversammlung in Nr. 33 des„Vorwärts" hat sich durch ein Versehen unsers Berichterstatter? ein Jrrthum insofern eingeschlichen, als in dem B-richt von einer Po- lemit Zöllner's gegen Dühring die Rede ist, welche aber nie stattge- funden hat. In der Berliner Versammlung wurde der Fehde zwischen Zöllner und Helmholtz gedacht. Ferner ist auch von einem verschiedenen sozialen Programm des Professors Helmholtz und des Dr. Dühring keine Rede gewesen. Briefkasten der Redaktion.„Herzensfreund": Der Artikel ist viel zu lang p kurz gehaltene Zusendungen werden gern verwandt.— C. M. in Wolfenbüttel: Wir müssen Sie an einen Rechtsanwalt verweisen.— L. in Nordhausen: Die Correspondenz wird Ihnen bereits zu Gesicht gekommen sein. Was den Artikel in der„Nordhäuser Zeitung" betrifft,. so sei Ihnen mbgetheilt, dasj das Machwerk ein Abklatsch auS anderen Zeitungen also der Tinte nicht werth ist.— X. in Berlin: Der Bericht ist uns erwünscht. M. Frankel, Budapest: Eine auf Ihre Bestellung an Sie unter der Adresse„Lindeng. 12, Th. 28" abgegangene Sendung von Expl. der„Soz. Rundschau" ist als unbestellbar retour gekommen mit der Notiz„Wohnung angeben". Verlag der„Sozial. Rundschau", Amelungstr. 5, Hamburg. Quittung.». Knrk Luze Ab. 4,87. Fdlr Harz bürg Ann. 1,50„ Korbmarderbund Hamburg Ann. 3,00. Fr. Prof. Knpp Straßburg Ab. 3,()<). W. Mllr Mannheim Ab. 40,00. MhrS Hanau Ab. 2(5,50. Gr Osnabrück Ab. 10,30. R. Wlln Amsterdam Ab. 3,00. Mttg Altona Ab. 20,80. Hrm Elberfeld Ab. 5,40. Hdlch hier Schr. 4.05. Art..- Verein Reudnitz Ann. 0,40. I.«smnn Bludenz Ab. 5,00. I. Schn Marienberg Ab. 4,89. Sbrt Cassel Ab. 7,00. Stll Schw.-Hall Ab. i. Schr. 33,90. Hch Frankfurt Ab. 17,00. Mllr Müssen Schr. 5,30. I. Vogel CarlSruhe:„Vorwärts" geht pünktlich ab. Ihre Be- chwerde haben wir der Hauptpost übergeben. Von Gruhl aus Lunden erhalten 14,00. Brandt in W. Fonds für Gemaßregelte. Vom Steinmetzverein hier d. F. in Thonberg 1,72. B. Schneider- kcänzchen i. d.„Moritzburg" d. Wtl 12,00. Anzeigen fcrtffp Sozialdemokratischer Arbeiterverein. Dienstag, den 24. Juli, Abends 8 Uhr, Gr. Wallstr. 24: Oeffentliche Versammlung. M... Rüdiger. 2. Verschiedenes. Tagesordnung: 1. Bortrag des Hrn. Neue Mitglieder werden ansgcnommen. (S 166) Der Vorstand.[70 (Arnnfrnr.T Allgemeiner deutscher Töpferverein. apUlULUllg. Dienstag, den 24. Juli, Abends 8>/, Uhr, bei Herrn Hübner, große Rosenstraß- 37: Geschlossene Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Der Lohntaris und Verschiedenes.[70 Alle Mitglieder müssen anwesend sein. G. Klaws. Arbeiter Sängerbund. OVl-tl. Sonntag, den 29. Juli: Extrazug von Kiel nach Altona. Abfahrt von Kiel Morgens 6 Uhr, von Bliona Abends 9'/, Uhr. Fahrpreis ä Person für hin und zurück M. 4,60. Karten sind bis zum 23. Juli, Abends, zu haben in Kiel bei den Wirthen Kahler, Rünuau, Düwal, Ncnmann und in den. Cigarrenladcn Laß, Diekmann, Kahl, in Gaarden bei Schlüter, Schild, Griebhagen.(F 181) DaS Comits.[300 Gewandte Perlmutter- Knopfdrechsler finden dauernde Beschäftigung. Hedges«K Möller. (N. c. 02562) 1 Hamburg.[120 ist zu herabgesetzten Preisen zu beziehen eine kleine Durch unS Partie von Becker, Joh. Phil., Vorbote. Sozial-politische Monalschrist(6 Jahr- gänge 1866—71) 5 Mark. Wie und Wann? Ein ernstes Wort über die Fragen und Auf- gaben der Zeit. Preis pr. Expl. 2 Mark. — Le Präcursenr. Organe därnocratiqne social des associatioas des traraflleura(Janvier— Uars 1877). Preis pr. Expl. 60 Ps. Eccarins, I. G., Eines Arbeiters Widerlegung der nat.-Skonomischen Lehren John Stuart Mill's. Preis pr. Expl. 40 Pf. Die Expedttio« des„vorwärt»". B«ntvsr�ch« Redakt-nr: R. Seiffert°n Leipzig. RedakÄm und Aürberfwaße IS/n. in Leip und ÜttvA der KnioKnschaftSbiichdrreckerei in Lechzig,