Erscheint in fetpjiä Mittwoch, Frcit llg, Sonntag. Abonnemcntsvrcis für ganz Tenifchland 1 M. 60 Pf. tro Quartal. Monats• Äbonnements wilden bei allen deutschen Postanstalten auf den Z. und Monat, und auf den Z.Mona! besonders angenommen: im tkönigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Altenbura auch aus den ltcn Monat deb Quartals ü 54 Pig. Znfcratr betr. Versammlungen pr. Pctitzeile 10 Vf., betr. Privatangelegenheiren und Feste pro Peritzcile 30 Pf. ZIestclIungen nehmen an alle Poftanstalten und Buch- Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. New-Uorl: Soi.-drmolr. Kenossen- schastsbuchdruckerei, 154 Elllrldge Str. Philadelphia: P. Haß, 630 Sörth 3rd Street. I. Voll, 1129 Charlotte Str. Holioken N.J.: F. A. Sorge, 215 Wash- in�ton Str. Chicago: A. Lanfermann, 74 C�ybourne ave. Ean FranziSco: F.«ich, 41« CEarrell Str. London W.: C. Henze, S Ner? Str. Loltleu Square. Gentrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 89. Mittwoch, 1. August. 1877. rtiif hi>M auch zu erwarten ist, daß sehr bald— bei längcrem Alldauern Werke stillstanden. Es vergingen Wochen, Monate, ja ein paar lllls vrn der Krise— Plan in das Handeln kommen wird. Daß speziell Jahre, ehe manche dieser Fabriken sich wieder öffneten, während kür Monat August u. Septbr. zu 1,10 werden bei allen deutschen Postanstalten, für Leipzig pro Monat zu 60 Pf. bei der Expedition, Färberstr. 12 11, unserm Colporteur Moritz Ulrich, Südstr. 12, in den Filialen: Cigarrenladen des Hrn. Peter Krebs, Ulrichsg. 60, und-Sattlerwerkst, am Königs- platz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: für f-tkmarsdorf, Hleudnitz, Mcuschöncfeld-c. bei Frau Engel, eudnitz, Täubchcnweg 29, 2 Dr., für ßonnewitz:c. bei Hackert, Kurze Str. 10 part., für Klcinz schock er u. Umgegend bei Trost, Hauptstr. 10 l, für Thonberg bei B ös ch.Hospitalstr. 39/ll, Leipzig, Neureudnitz bei Zschau, 151, für Ntagwitz»Lindenau bei Frau Gräfenstein, Aurelienstr. 3, für Hohkis:c. bei A. Herms- dorf, Lindenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Papiermühle, angenommen. Für Aertin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf., frei in'S Hans abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaiscr-Franz-Grenadier-Platz 8a, und bei Rubenow, Brunnenstr. 34, im Laden. Zur gefälligen Beachtung für unsere Postabonnenten! Ut» sämmtlichcn Abonnenten des„Vorwärts" das Blatt am Er- scheinungstage(also Sonntag, Mittwoch und Freitag) mit Bestimmt- heit und regelmäßig aushändigen zu können, verlangt die hiesige Hauptzeitungsstelle, daß wir ihr den„Vorwärts" Montag, Mittwoch und Freitag bis Nachmittags 5 Uhr liefern, was uns deshalb nicht mög. lich ist, weil an diesen Tagen erst kurz vor Mitlag mit dem Druck be- gönnen werden kann. Um nun übersehen zu können, ob gewisien Post- abonnenten das Blatt regelmäßig verspätet zugeht— in welchem Falle wohl Abhülfe geschaffen werden könnte-, ersuchen wir Diejenigen, bei denen das der Fall ist, um sofortige Meldung. Diejenigen, welchen das Blatt nur dann und wann verspätet zugeht, wollen bedenken, daß hierfür nicht d'e Post verantwortlich zu machen ist, sondern daß dies lediglich an der Eisenbahnbefördcrung liegt und an den mannigfachen Zufälligkeiten, die sich hieran knüpfen. Wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten, dies zu berücksichtigen, und im Falle verspäteten Empfangs ihrer Blätter nicht gleich Pflicht- dersäumniß Seitens der Postbeamien oder gar bösen Willen voraus- setzen, was mannigfach geschieht. Die hieslge Hauptzeitungsstclle befördert den„Vorwärts" ebenso regelmäßig weiter, wie sie denselben von uns empfängt, und kann nicht verantwortlich gemacht werden, wenn durch Zuzverspätung auf irgend einer Strecke der Anschluß versäumt und damit die rechtzeitige Lieferung des BlatteS unmöglich wird. Leipzig, 28. Juli 1877. Die Expedition des„Vorwärts". Ein Arbeiterausstand in den Vereinigten Staaten. Die in den letzten Tagen eingelaufenen Telegramme haben uns wenig Material zur Beurteilung der Vorgänge in den Vereinigten Staaten geliefert. Der„strike" dehnt sich fort- während aus, zu blutigen Zusammenstößen wie in Baltimore und Pittsburg ist es noch in Reading, Chicago und St. Francisco gekommen. Erzählt wird, der„Strike" werde von der Gewerkschaft der teizer und Bremser, der„Drammell-Üllioa"—(Bund der chiencnleute) geleitet, was übrigens sehr wenig glaublich er- scheint. Möglich indeß, daß diese Gewerkschaft den„Leitern" des„Strike'S", insoweit solche vorhanden sind, als Crystalli- sationspunkt gedient hat. Zwischen einem„Strike", wie die eng- lisch-amerikanischen Berichterstatter hartnäckig die Vorgänge be- titeln, und einem Aufstand oder gar einer Revolution, welche die deutsche Reptilicnpresse zu sehen glaubt, indem sie sich vergnügt die Hände reibt, ist ein himmelweiter Unterschied, und, wenn wir auch für den eigentlichen„Strike" der ja unfehlbar vorliegt, die Leitung durch eine Gewerkschaft annehmen können, so können wir dies unmöglich für die Ereignisse, welche sich theils � aus diesem Strike entwickelt, theils an ihn angeschlossen haben, und theils � bloß nebenher gelaufen sind. Daß ein Plan zu einer politischen Revolution bestehe, ist ein verrückter Gedanke, der nur im Schädel deutscher Reptilienschreiber ausgeheckt wer- den konnte. Revolution gegen wen? und was? Die Regierung der nordamerikanischen Republik— Centralregierung und Einzel- staaten-Regierungen— hat absolut keine Macht, dem Willen des Volkes Widerstand zu leisten— will das Volk die Verfassung ändern, so braucht es nur in aller Gemüthlichkeit die nöthigen verfassungsmäßigen Schritte zu thun, ohne sich der in einem freien Land ganz sinnlosen Emotion und Gefahr einer Straßen- revolution auszusetzen— denn von einer anoeren Revolution bat das Rcptilienvolk ja keinen Begriff. Ebenso einfältig ist es, von communistischen Bestrebungen zu reden,„die immer wehr hervortreten." Gerade so wie in den vierziger Jahren bei ven schlesischen Unruhen. Nur daß es damals bloß Herr �lieber war, der den Aberwitz aufbrachte und colportirte. Heut thut's das Gros unserer„gutgesinnten" Presse, Wir sind eben�ouch iu pnoeto des Intellekts auf den Stieber gekommen. In Amerika hungern ein paar Millionen Arbeiter, und so ist es sehr natürlich, daß die Magenfrage sich in den -lioroergrund gedrängt, und dem ursprünglichen Strike das Ge- präge einer Arbeitererhebung aufgedrückt hat. Die Massen- Demonstrationen und ernsthaften Kämpfe, von denen das unter- seeische Kabel uns meldet, sind selbstverständlich nicht auf die Eisenbahnbeamten zurückzuführen: sie sind nur aus der That- lache zu erklaren, daß der Conflikt der Eisenbahnbeamten mit chren Urbeitgebern für die hungernden Arbeiter zum Anlaß ge- worden, aktiv zu werden und die Maqenfraae energisch auf die Tagesordnung zu bringen. Planmäßig ist dabei sicherlich nicht verfahren worden, wenn der Krise— Plan in das Handeln kommen wird. Daß speziell in Pennsylvanien die durch die„gesetzliche Ermordung" einer Anzahl der Ihrigen voraussichtlich furchtbar erbitterten Kohlen- gröber eine hervorragende Rolle spielen und, soweit ihr Ein- fluß reicht, Organisation in die Bewegung gebracht haben wer- den, läßt sich mit Bestimmtheit voraussetzen, obgleich bis jetzt nicht ein Wort darüber verlautet hat. Ferner liegt es in der Natur der Dinge, daß das, in einigen Großstädten Amerikas colossal entwickelte Lumpenproletariat, der„Mob" nicht ruhiger Zuschauer geblieben, und in seiner Weise thätig gewesen ist— d. h. allerhand Excessc begangen, Spirituosenläden erbrochen und vielleicht sonst„geplündert" hat. Arbeiter, selbst in Zeiten der äußersten Noth, plündern Jahre, ehe manche dieser Fabriken sich wieder öffneten, während andere vielleicht heute noch geschlossen sind. Von einer Erholung nach diesen Schlägen kann noch keine Rede sein, denn die Werke, die später wirklich wieder die Arbeit begannen, ließen bei stark verringerter Arbciteranzahl auch nur bei„halber Zeit" arbeiten und eine bedeutende Reduktion der Löhne trat damals schon in fast allen Gebieten der Industrie ein, selbst in denen, die merkwürdigerweise von der Krisis fast gar nicht berührt wurden. Zu den letzteren gehören die Eisenbahnen. Gleich nach Ausbruch der Krisis glaubte ein großer Theil der von ihr betroffenen Arbeiter, daß die Verhältnisse in andern Städten(namentlich denen des Westens) günstiger wären, als in nicht,— das ist ein so genügend festgestellter Erfahrungssatz, den Plätzen, in welchen sie sich befanden, und die Folge davon daß wir es, gelinde gesagt, für eine große Gedankenlosigkeit war, daß der Personenverkehr auf fast allen Eisen- halten müssen, wenn bürgerlich-demokratische Blätter, von bahnen des Nordostens größer wurde als je zuvor. Plünderungen durch die aufständischen Arbeiter reden. Trotzdem also die Aktionäre und namentlich die hoch bezahlten Zum Kampf gezwungen, sich die Waffen holen, wo man sie Vcrwaltungsbeamten der Eisenbahnen mit ihrem„Entbehrungs- findet, das heißt nicht„plündern"— das heißt einfach: von lohn" sehr zufrieden sein konnten, wurden dennoch die Löhne zu dem Recht der Nothwehr Gebrauch machen. wiederholten Malen reduzirt, in welche Reduktionen die Loko- Es ist also dreierlei bei den Vorgängen in Amerika aus-! motivführer, Bremser u. s. w., die eine gut organisirte kleine cinanderzuhalten: 1) der ursprüngliche Strike(der Bahnbeamten); Macht bilden, nur mit Widerstreben willigten. Sie wiesen da- 2) die durch diesen Strike veranlaßte Aktion der durch die Krise mals nach, daß die Dividenden(trotz der wie gesagt fürstlichen zur Verzweiflung getriebenen Arbeiter und 3) die Ausnutzung Gehälter der Direktoren) höher waren als bisher, aber der c.... CY*.____"____«k_____ i. i____ i.___ y.j___• j.!©rtVulrt ftff fumiHl'fo oTiött /tl■.rjCl'Ci.a der Vorgänge durch das Lumpenproletariat. Und was thun die Behörden? Fertige Mittel der Repression, der gewaltsamen Unterdrückung in europäischem Sinn haben sie nicht; zum Bedauern unseres Reptiliengesindels können Arbeiter- Metzeleien im Großen, wie weiland in Lyon und Paris, nicht von' Oben her inszenirt werden. Die Behörden haben nur solche Mittel der Repression, welche die Bürger ihnen frei- willig zur Verfügung stellen. Und da fehlt uns nun jeder Anhaltspunkt, um zu urtheilen, ob und in wie weit die Behör- den auf die Unterstützung der Bürger, oder richtiger eines Kapitalist benutzte eben derartige Zeiten allgemeiner Geschäfts- stockung und selbst da, wo nicht die geringste Ursache dazu vor- Händen war, wurde die Daumschraube angesetzt. Doch damit nicht genug! Ich sagte vorhin, die Eisenbahnarbeiter hätten nur mit„Widerstreben" in die Reduktionen gewilligt, diesen Trotzköpfen gegenüber mußte man also noch anders begegnen. Die nordamerikanischen Fabrikarbeiter waren zum großen Theil gewerkschaftlich organisirt; manche dieser Gewerke bildeten auch geheime Logen wie z. B. die Schuhmacher mit ihrem „Crispiner"-Orden u. a. m. Diese„Unions" verloren jedoch Thciles der Bürger zu rechnen haben. An verschiedenen Orten ihre Macht immer mehr und mehr, und heute find sie nur noch r. c.'. cyy\:yi_____ fu:_____:____ i. ctn• V.:« �ittnpn rUvHfto COov«54«..v haben die Milizen sich geweigert, Dienste gegen die Rebellen zu thun. Ter„stramme", wohlgedrillte Soldat, der auf's Com- mando, ohne mit der Wimper zu zucken, die eigene Mutter, den Vater, den Bruder todtschießt, ist in Amerika nicht vorhanden; ehe die Volkssoldaten— Milizen— schießen oder hauen, sehen sie erst, wohin?„Die Flinte schießt, der Säbel haut" nicht von selbst. Mit dem Eulenburg'schen Rccept hat's„drüben" seine Haken. Es fragt sich, wie tief die Bewegung in das Volk ge- drungen, welche Schichten sie erfaßt hat. Die republika- nischen Herren Bourgeois in Amerika würden unzweifelhaft ebenso gern wie die monarchischen und republikanischen Herren Bourgeois in Europa die Arbeiter mit„blauen Bohnen" traktiren, und nach dem Beispiel ihrer republikanischen und so- nach völlig gesinnungsverwandten Klassengenossen in Frankreich eine Bartholomäusnacht des Proletariats anordnen— eine „blutige Juliwoche", als neue und wo möglich verbesserte Auf- läge dir„blutigen Maiwoche"— allein die Herren Bourgeois in den Vereinigten Staaten haben kein stehendes Herr zur Ver- fügung, das an blinden Gehorsam gewöhnt ist, und ein blindes Werkzeug abgiebt. Freilich, sind die Bourgeoisanschauungen tief in's amerika- nische Bürgerthum eingedrungen, dann kann es zu großartigen Massacres kommen. Doch im Moment, da wir dies schreiben, sprechen verschiehentliche Symptome dafür, daß sowohl Seitens der Behörden, als der„Strikenden" oder„Aufständischen" ein- gelenkt wird. Der Strike der nordamerikanischen Eisenbahn- arbeiter. Breslau, 25. Juli. Seit meinem dreiwöchentlichen Hiersein mit der Abfassung einer Broschüre beschäftigt, welche meine sechsjährigen Erfahrungen in den Vereinigten Staaten schildern soll, erfahre ich durch die telegraphischcn Nachrichten die außerordentlichen Dimensionen eines Eisenbahnarbeiter-Strikes oder richtiger Ausschlusses, welcher mich nicht grade überraschte, aber etwas früher zum Vorschein kam, als ich es vermuthete. Ich bemerke hierbei von vornherein, daß ich über drei Jahre in dem Herzen dieser Bewegung, in Pittsburg, lebte, und durch steten Verkehr mit den dortigen Arbeitern die Verhältvisse genau kenne. Da die deutschen Arbeiter vorläufig auf das angewiesen sind, was sie durch die Kabeldepeschen, die ja auch von der Herr- schenden Partei ausgehen, erfahren, so mögen ihnen die folgenden Zeilen, die sich streng an Thatsachen halten, zur Auf- klärung dienen. Seit längerer Zeit äußerte sich der Klassenkampf in Amerika in prägnanterer Form als stüher, was selbstverständlich einzig und allein den wahrhaft schrecklichen Folgen der seit 1873 herein- gebrochenen und noch nicht beendeten enormen Handelskrise zu- Ruinen vergangener Größe. Der Kapitalismus ist über sie zur Tagesordnung(d. h. zur unbeschränkten Ausbeutung) über- gegangen. � Anders aber mit der„Lrotlierbooä of the Locomotive Ingineers".*) Dieser Verein, welcher in stetem Zusammenhang mit dem der Bremser stand, bestand noch in seiner alten Blüthe und schüttelte trotzig seine Mähne, wenn man ihm zu nahe kam. Das mußte unter jeder Bedingung anders werden, die Ver- einigung mußte zerstört werden, sollte der„Entbehrungslohn" von Direkioren und Aktionären höher(und in größerer Ruhe ver- zehrt) werden. Man ging systematisch zu Werke. Die„Pennsylvania-Eisenbahn", diese Dirigentin der Gesetz- gebung des Staates Pennsylvania, eröffnete den Reigen, indem sie ihren Arbeitern Lohnreduktionen ankündigte. Die Letzteren behaupteten mit vollstem Rechte, daß dazu auf'diesem Gebiete nicht die geringste Veranlassung vorhanden sei und verwies die Direktoren auf ihre eigenen Dividenden. In ganz kurzen Pausen wurde dieses Manöver von den kleineren Bahnen nachgemacht, und die letzteren fünf Jahre bildeten einen ununterbrochenen Kampf zwischen den Eisenbahn- Compagnieen und ihren Ar- beitern. . Dieser Kampf, in welchem es sich hauptsächlich um Zerstörung rcjp. Erhaltung der Vereinigung handelte, hat nun nicht allein einen ernsteren Charakter, sondern auch größere Dimensionen angenommen. Man bedenke, daß im Nordosten zweimalhundertfünfzigtausend Arbeiter ohne Beschäftigung sind(50,000 kommen auf die Stadt New-Iork allein) und man wird sich das Geschrei der Kapitalisten nach Militär wohl erklären können. Die„zündende Natur" des Jrländers(wie Marx sie nennt) ist drüben gekannt, und da die Eisenbahn- und Kohlenarbeiter zum weitaus größeren Theilc aus Jrländern bestehen, kann man sich ein Bild von der Gänsehaut der amerikanischen Bourgeois machen. Wie dieses Borpostengefecht enden wird, läßt sich bei der glücklicherweise geringen Militärmacht Amerika's nicht gut vor- aussehen, denn da können die Ordnungsbanditen keine Pariser Orgien feiern; aber hoffentlich wird das dortige Geldprotzenthum eine gehörige Lektion empfangen haben. Dies sind die wahren Verhältnisse! Und nun höre man die hiesige Presse. Das Breslauer Organ der Fortschritts- Partei, die„Breslauer Zeitung", schreibt wörtlich: „In Folge des viel gerühmten Schutzzollsystems, welches ben Vereinigten Staaten allerdings eine technisch unerreichte Industrie geschaffen, aber auch eine viel größere Ueberproduktion als in anderen Staaten gezeitigt hat. leidet die Union auch viel empfind- licher unter den Folgen der Krisis. welch- seit 1873 Europa und Amerika verheert und u. A. haben dort wie überall die Eisen- bahnen mit am meisten die furchtbaren Heimsuchungen des wirth- schaftlichen Niederganges erfahren und zwar dort noch viel stärker. VMOtf S/lS t 1.5 1, /> s, � 4___• CtY...... 1«.<1.*____.xr- f t' iä«. tSÄ" ts t .......--9n""" k � S-mÄ Ich befand mich bei Ausbruch dieser Krisis in der Stadt mit'�� �swe�che bedeutende Seehaiidclsstadt Baltimore Pittsburg und grade für diese(weil hauptsächlich Fabrik-) Stadt, � E senbabn we�!." Sn"erbindey Diese waren die Folgen schwerwiegender als irgend wo anders. Tau- 1 �3"' welche von Baltimore dem erwähnten Seehafen sende„fleißiger Hände" wurden plötzlich aufs Pflaster geworfen, � SÄ" Ä«m3hJr Westvlrglmen und von da nach die noch etwa rückstehenden Löhne in den seltensten Fällen aus- H�burg dem Centrum der pennsylvan.,chen Industrie, geht, gezahlt; die Stadt selbst, die der eng anein anderstehenden i' eine der wichtigsten Linien des Westen». �ie hat Verbindung Fabriken halber fast permanent von Rauch und Kohlenstaub ge-' schwärzt ist, bekam ein steundlicheres Aussehen, da fast alle*) Brüderliche Bereinigung der Lokomotivführer. mit Washington und New-Iork, zahlreiche Zweiglinien, und hat sogar in neuerer Zeit mit vielen Kosten eine Verbindung mit Chicago und demnach mit dem Gebiet der großen nordwestlichen Seen hergestellt. Sie ist eine der am besten und solidesten ver- walteten amerikanischen Bahnen und hatte bis vor mehreren Monaten auch den großen Eisenbahnkrach glücklich überdauert, bis endlich die Panique auch ihre Werthe ergriff und sie zu Gegenmaßregeln zwang. Sie entschloß sich zu den größten Er- sparungen und dekretirte endlich eine zehnprozentige Lohnreduktion für alle ihre Bediensteten, womit sie nur dem Beispiel der übrigen amerikanischen Bahnen folgte." Ganz abgesehen davon, daß diese Zeilen voll von den gröbsten Jrrthümern sind, strotzt der Artikel auch von offenbaren Lügen. Die Baltimore- und Ohio-Eisenbahn(beiläufig bemerkt nur eine Zwergbahn im Vergleich zu andern) soll sich zu den„größten Ersparnissen" entschlossen haben, die sich in Gestalt von 10 Proz. Lohnabkürzung für alle(?) ihre Bedientesten äußerte. Ohne das Gehalt der hiesigen Zeitungsredakteure zu kennen, kann ich dem Herrn von der„Breslauer Zeitung" versichern, daß er mit noch 29 seiner Collegen zusammen nicht das Einkommen des Präsi- denten der Baltimore- und Ohio-Eisenbahn hat, und ob diese 10 Proz., die seit 1873 sicher nicht die ersten sind, auch auf die höheren Beamten Anwendung finden, bleibt zum allermindesten noch sehr dahingestellt. Die Herren Verwaltungsbeamten erhöhen in der Regel(gleich dem amerikanischen Congresse) ihre Gehälter, und von einer Reduktion nach dieser Richtung hin habe ich noch nichts gehört, wohl aber, daß diese Gehaltserhöhung sogar rückwirkend(d. h. für früher bereits geleistete Dienste) war. Und dackit vergleiche man nun das Märtyrerthum, das die hiesige Presse den dortigen Eisenbahnen gern anhängen möchte. Interessant ist auch folgendes Geständniß desselben Blattes: „Endlich scheinen uns diese, wie überhaupt die neueren Vor- gänge in den Vereinigten Staaten lebhaft für eine ausreichende Präsenzstärke des Heeres im Frieden zu plaidiren." Wüßten die Arbeiter noch nicht, wozu die Soldaten im Frieden da sind, die„Breslauer Zeitung" hätte es ihnen gesagt. Sozialpolitische Uebersicht» — Aus der besten der Welken. In Nr. 74 des„Vor- wärts" veröffentlichten wir einen Passus aus dem statistischen Wochenbericht der Stadt Berlin, betreffend die Sterblichkeit der unehelichen Kinder. Die Thatsache, daß verhältniß- mäßig weit mehr uneheliche als eheliche Kinder sterben, ist be- kannt und für Jeden, der nachdenkt, liegen auch die Gründe zu Tage. Trotzdem ist es nothwendig, die Thatsache wiederholt hervorzuheben, weil sie ganz besonders geeignet ist, denen, die in Bezug auf unsere gesellschaftlichen Zustände noch mit Blind- heit geschlagen sind, die Augen zu öffnen. Wir drucken daher nachstehend ab, was das neueste(12.) Heft des Leipziger Statistischen Bureaus als Ergebniß der über die fünf Jahre 1871— 1875 sich ausdehnenden amtlichen Ermittelungen mit- theilt: „Erschreckend groß ist der Einfluß der Legitimität der Geburt auf die Sterbenswahrscheinlichkeit im ersten Lebensjahre. Während von den ehelichen Kindern nur der fünfte Theil im ersten Lebensjahre stirbt, stirbt von den unehelichen Kindern mehr als die Hälfte im ersten Lebensjahre. Dabei wirkt bei den unehelichen Kindern die Sterblichkeit in den ersten Lebensmonaten auch relativ noch in- tensiver, als in den letzten des ersten Jahres. Genaue Fest- stellungen haben ergeben, daß die Sterblichkeit der unehelichen Kinder in den ersten fünf Wochen fünfmal so groß ist, wie die der ehelichen Kinder. Schon in den letzten Zehnteln des ersten Jahres zeigt sich jedoch die Tendenz, den Unterschied auszugleichen. Im zweiten und dritten Lebensjahre ist der Unterschied höchst unbedeutend, im vierten scheint derselbe sogar zu einem Vortheil der unehelichen Kinder auszuschlagen, eine Wahrnehmung, welche, wenn sie nicht wegen der geringen Zahl der Beobachtungsfälle irrig ist, sich nach Analogie der geringem Sterblichkeit nach Epidemie-Jahren erklären ließe." Das heißt durch das vorherige massenhafte„Wegsterben" aller nicht sehr kräftigen Kinder, so daß nur die kräftigsten übrig sind, die, nachdem die Gefahren der ersten Jahre über- wunden, eine größere Chance am Leben zu bleiben haben, als eine gleiche Anzahl von ehelichen Kindern, unter denen sich viele Demagogisches. Berlin, 22. Juli. In der hiesigen„Volkszeitung" wird wieder stark in„Sozial- demagogie" gemacht. Rabbi Bernstein— damit ja kein Partei- genösse jüdischer Abstammung meint, ich habe ihm auf den Fuß treten wollen, sei hier bemerkt, daß der„Rabbi" dem heuch- lerischen Pfaffen gilt, der aus naturwissenschaftlichem wie auf sozialpolitischem Feld geschäftsmäßig und mit vollem Bewußtsein Falschmünzerei treibt— also Rabbi Bernstein, der sich vom Schreck über seine erfolgreiche„sozialdemagogische" Agitation zu unseren Gunsten bei der Nachwahl im 6. Berliner Wahlkreis nachgerade etwas erholt hat, glaubt jetzt in der Universitäts- jugend empfänglichere und dankbarere Belehrungsobjekte gefunden zu haben, als in den hoffnungslos„vergifteten" Reichstags- Wählern des 6. Wahlkreises, und hält nun den Studenten Vor- lesungen über das bekannte Thema.„Demokratie— und nicht Demagogie" soll ihr Losungswort sein. „Je ernster sich unsere Zeit, orakelt der tiefsinnige Rabbi, der Aufgabe zuwenden muß, das politische Recht und das gesell- schaftliche Dasein auf der Grundlage der vollen Gleichberechtigung aufzubauen, um so entschiedener muß sie das gefährlichste Geschwür der Demokratie, die so leicht um sich greifende Demagogie ausschneiden und von sich ausscheiden. Die wirkliche Demokratie darf der Demagogie am allerwenigsten Duldung ge- währen.". � Und nun geht's ans„Ausschneiden" und„Ausscheiden". Aber erst muß die Scheere gewetzt und das chemische Reagens präparirt werden. „Welch' eip Unterschied zwischen Demokratie und Demagogie ist, das weiß man jetzt in Frankreich, durch bittere Erfahrung belehrt, ganz gut. Bei uns jedoch herrscht noch eine viel zu große Harmlosigkeit, um die gefährliche Verwechselung zu er- kennen; und namentlich fehlt es unserer Jugend ander reifen Einsicht, welche sie warnt vor dem Abgrund(Waih ge- schrien!), kn welchen sie durch die falsche Vorstellung hineingelockt wird, als ob das demokratische Ideal, dem sie nachstrebt, durch die landläufigen demagogischen Künste(„des Buchbindergescllen Most und des biedern Cigarrenmachers Fritzsche") zum Siege gelangen könnte." Damit„auch unerfahrene junge Männer nlcht zu der Ver- wechselung von Demokratie und Demagogie verführt werden können," muß Rabbi Bernstein„auf theoretische Darlegungen von Geburt schwächliche und zarte befinden, die nur durch sorg- sältige Pflege am Leben erhalten worden sind. Jndeß ist auch dieser traurige„Vortheil" wie es ja in dem Bericht selbst heißt, noch nicht genügend festgestellt. Daß die Massensterblichkeit der unehelichen Kinder in weit- aus den meisten Fällen auf direkten oder indirekten Mord zu- rückzuführen und eine nothwendige Frucht der herrschenden un- gesunden, unnatürlichen Gesellschaftsverhältnisse ist, brauchen wir hier nicht des Näheren auseinanderzusetzen. Nur das sei, um irrigen Schlußfolgerungen vorzubeugen, noch ausdrücklich erwähnt, daß die Sterblichkeit unter den ehe- lichen Kindern, wenn schon im Vergleich mit der Sterblichkeit unter den unehelichen Kindern relativ niedrig, doch an sich ebenfalls erschreckend hoch ist, und daß die ehelichen Kinder des arbeitenden Volks in den ersten Lebensjahren ein verhält- nißmäßig drei- bis viermal so großes Contingent für die Todtenlisten liefern, als die Kinder der wohlhabenden Klassen, daß also das Trauzeugniß der Eltern die Kinder keineswegs vor dem gesellschaftlichen Massenmord schützt. Es sind eben all- gemein wirkende soziale Faktoren, mit denen wir es zu thun haben, und die in den Fällen unehelicher Geburten nur mit ge- steigerter Intensiv ität auftreten. — Der Haß des Fürsten Bismarck gegen den Grafen Arnim dokumentirt sich selbst bei den kleinsten Gelegenheiten. -Der Letztere hat um die Erlaubniß nachgesucht, bei einer'Reise nach Karlsbad, welchen Badeort ihm seine Aerzte dringend em- pfohlen, deutsches Gebiet berühren zu dürfen. Nach der Be- gutachtung des Fürsten Bismarck ist ihm diese Bitte abgeschlagen worden. — Stephan und die Presse. Der Postsekretär Herr Trautmann in Brieg wurde laut Beschluß der Disziplinar- kammer zu Breslau vom 18. v. M. auf die Anklage des kaiser- lich deutschen General-Postamtes hin zu 100 Mark Geldbuße, Strafoersetzung und in die Kosten des Verfahrens verurtheilt, weil er für die„Deutsche Post" eine Reihe von Artikeln unter dem Titel:„Schlesische Briese" geschrieben. Was den Inhalt derselben betrifft, läßt sich derselbe ermessen, da die gegen Herrn Dr. Stephan stets in Opposition begriffene„Deutsche Post" dazu sagt:„sie waren voll und ganz, ohne Uebertreibung und ohne Schminke aus dem vollen Leioesbecher der Beamtenmisöre ge- griffen." K. — Kunst und Wissenschaft. Der Sozialdemokratie wird immer entgegengehalten, daß in einer sozialistischen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft kein Raum sei, daß die Künstler nicht geehrt würden:c. rc. Auf diese Anklage wollen wir nun hier nicht näher eingehen, sondern einfach zeigen, wie es in der heutigen Gesellschaft mit Kunst und Wissenschaft aussieht. Die Dühring-Affaire möchte in Bezug auf die Wissenschaft ein arges Licht auf unsere heutigen Zustände geworfen haben, in Bezug auf die Kunst und wie man deutsche Dichter ehrt, mag die Er- nennung des Herrn Julian Schmidt in die Schillercommiffion als Illustration dienen. Aber auch wie sonst die Kunst gepflegt wird in deutschen Landen, davon mögen folgende Notizen beredtes Zeugniß ablegen, die jetzt gleichzeitig durch die deutsche Presse wandern: „Nortorf(Schleswig-Holstein), 18. Juli. Dem Senior der schleswig-holsteinischen Dichter, Franz Bockel, ist auf Verwendung und Fürsprache einiger seiner Freunde bei der deutschen Schillerstiftung in Dresden von dieser vorläufig auf drei Jahre eine jährliche Pension von 300 Mark zuerkannt worden. Der greise 79jährige Dichter, welcher hiervon keine Ahnung hatte und dem, um ihn vor einer der bittersten Lebenssorgen zu schützen, schon vor einigen Monaten das Armenhaus zu Nortorf gastfreie Aufnahme gewährt hatte, wurde heute von Seiten einiger Freunde, die sich zu dem Ende hierher begeben hatten, von diesem für ihn so wichtigen und erfreulichen Ereigniß in Kenntniß gesetzt, wobei ihm mehr als einmal die Augen von Freudenthränen überliefen." Eine weitere Notiz lautet: „Die trostlose und wirklich bcdauernswerthe Lage des in Leipzig lebenden greisen Schrifstellers F. I. Egenter ver- anlaßt die unterfertigte Redaktion, an alle Menschenfreunde die dringendste Bitte zu richten, die letzten Lcbenstage dieses Unglück- lichen, nahezu erblindeten Mannes durch eine wenn auch noch vorerst verzichten", wozu er jedenfalls sehr gute Gründe hat, „und nur auf einige lehrreiche Thatsachen hinweisen. Ganz Recht. Lxempln docent. Beispiele belehren. Was sind nun die Rabbi Bernstein'schen„Thatsachen"? '„In dem großen Revolutionsjahre 1848 gelangte das Prinzip der Demokratie in Frankreich zum vollen Siege. Was hatte dies zur Folge? Zunächst nur die Einführung des gleichen ge- Heimen allgemeinen Wahlrechts für Jeden im Volke, und auf Grund dieser Wahlen die Einberufung einer Nationalvcrsamm- lung, welche die Grundprinzipien des demokratischen Staats- Wesens in einer Verfassung feststellte.— Das war Demo- kratie! „Nun aber gab es gar Viele in Paris, die nicht zufrieden waren mit den Berathungen und Ergebnissen der gesetzlich ein- berufenen National-Versammlung. Sie hatten sich ein anderes Ideal unter der Freiheit und Gleichheit gedacht, als sie es in der National-Vertretung wahrnahmen. Da ließen sie sich denn durch einige Führer verleiten zu einer sogenannten Demonstration in Masse, in welcher sie, ein kleiner Äruchtheil der Nation, der versammelten National-Vertretung zeigen wollten, was die Nation von ihren Vertretern fordert. Diese Demonstrationen einer von keinem Gesetz einberufenen, von keinem allgemeinen Wahlrecht abgeordneten, nur durch ihre Einbildung und durch die Ver- führungskünste ihrer Leiter zusammengebrachte Volksmaffe gegen die aus dem Wahlrecht hervorgegangene National-Vertretung— das war Demagogie. „Als diese Masse auf friedliche Aufforderungen nichtfweichen, sondern von Leidenschaften aufgereizt, die National-Versammlung sprengen wollte, wurde sie mit Recht durch das einberufene Militär zurückgetrieben. Es entstand der Straßenkampf vom Juni 1848 in Paris, der mit der blutigsten Niederlage der Demagogie endete und für ziemlich lange Zeit die Franzosen von diesem Unwesen befreite." Halt, Rabbi Bernstein! Geschichtliche Falschmünzerei ist unzweifelhaft ein Handwerk, das seinen„goldenen Boden" hat, aber gleich jedem Handwerk will es gelernt sein. Fragen Sie einmal Herrn Sybel, der versteht's. Zur geschichtlichen Falsch- münzerei gehört vor allem Kenntniß der Geschichte, wie zum Lügen Kenntniß der Wahrheit. Mit dem guten Willen, der Ihnen ja nicht abzusprechen, ist's da nicht gethan. N'est pas menteur qui vent.(Nich jeder beliebige Stümper kann Lügner werden.) Und auch nicht Falschmünzer. „In dem großen Revolutionsjahre 1848" kam in Frankreich die Demokratie nicht„zum vollen Siege". Die National-Ver- so geringe Unterstützung in etwas zu erleichtern. Wir sind zur Entgegennahme von Beiträgen gern bereit und bitten an-! gelegentlichst unsere Leser und die Redaktionen anderer Blätter, diese Bitte auch in weitere Kreise wohlthätiger Menschen zu tragen. Leipzig, 18. Juli 1877. Die Redaktion der Literarischen Correspondenz." Ferner lesen wir: Leipzig, 25. Juli. Die zum Besten des plattdeutschen Volks-• dichters Wilhelm Schröder, der seinen 70jährigen Geburts-! tag feierte, am 23. d. M. veranstaltete Vorstellung im Thalia-! theater war trotz der großen Hitze ziemlich gut besucht, auch fanden die scenischen Darbietungen, bei denen eine Tochter Schröder's mitwirkte, größtentheils beifällige Aufnahme." So wird die Kunst in unserer heuttgen Gesellschaft belohnt, daß die Tpäger derselben betteln müssen.— Natürlich die„Kunst" einer obscönen Chansonette oder einer Ballettänzerin, die Kunst| einer Kunstreiterin— sie bildet eine rühmliche Ausnahme, fie! wird genügend mit klingender Münze belohnt. — Anonym, aber wahrscheilich von„hoher Stelle"! � erhielt vor einiger Zeit unser Dresdner Parteiorgan folgenden Brief:„Vor Kurzem wurde ein Sergeant des königlichen Gre- nadier-Regiments wegen Mißhandlung Untergebener, bez. Miß-! brauch der Dienstgewalt zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt.> Das Kriegsministerium beantragte hierauf an höchster Stelle sofort, daß dem Chargirten die Strafe erlassen, bez. erheblich gemindert werde. Der ausführlich motivirte Antrag fand indeß an höchster Stelle keine Genehmigung, sondern gelangte vielmehr mit einer abweisenden Bemerkung versehen wieder zurück. Die Bemerkung ging dahin, daß einmal ein Exempel statuirt werden müsse, um der immer mehr umsichgreifenden Brutalität Borge- setzter, besonders solcher, welche aus preußischen Diensten über- getreten, endlich einmal zu steuern."— Der Dresdener Staats- anwalt hat sich nach dem Einsender auf der Redaktion der „Dresdener Volkszeitung" erkundigt, doch konnte die Redaktion keine Auskunft geben; auch eine Haussuchung hatte das ge- wünschte Resultat nicht. Mit der Bemerkung, die Sache weiter verfolgen zu wollen, verließ der Staatsanwalt das Redaktions- lokal. Kurz darauf erhielt Genosse Wollmar eine Verladung und wurde ihm eröffnet, daß er in der Angelegenheit einen Eid zu leisten habe— der Staatsanwalt sah aber, da er nur nach „höherer Vorschrift" handele, vorläufig von der Eidesleistung ab. Ob wir es also hier mit einer neuen Zeugnißzwang- Affaire zu thun haben werden, ist„vorläufig" noch ungewiß. — Militärisches. Am 24. d. M. haben zwei sehr be- zeichnende Vorfälle stattgefunden. Der amtlichen„Leipziger Zeitung" wird aus Cassel geschrieben:„In dem angelegenen Orte Wolfsanger fand eine blutige Schlägerei statt. Die- selbe bildete den traurigen Abschluß eines von den hiesigen Kriegervereinen veranstalteten Festes und hatte leider der- arttge Dimensionen angenommen, daß über ein halb Dutzend schwer Verwundeter die Wahlstatt bedeckten. An dem Auf- kommen eines jungen Mannes wird sehr gezweifelt. Die Haupt- schuld an dem rohen Exzeß sollen einige noch aktive Krieger tragen, welche einen sehr ungeeigneten Gebrauch von ihren Seitengewehren gemacht. Erst das mit geladenen Karabinern erfolgte Einschreiten der Gensdarmerie brachte die erhitzten jungen Leute so weit zur Besinnung, daß man den Kampf mit der blanken Waffe einstellte.— Drei Waffengattungen auf der „Wahlstatt"— Linientruppen, Landwehren und Gensdarmen— und zwar mitten im Frieden in dem„herrlichen deutschen Reiche". Man muß sich ja üben, wenn's bald einmal wieder losgeht! Aus Babenhausen wird gemeldet:„Das Gewitter, das sich heute Morgen über unserer Gegend entladete, richtete großen Schaden an. Ein Blitzstrahl schlug in die auf dem Exerzierplatz manöverirende Schwadron der hiesigen Dragoner. Ein Mann und zwei Pferde waren auf der Stelle todt udd über 20 Mann sind unfähig, sich zu bewegen und zu reden." — Schade um die beiden Pferde! wird wohl bei Manchem der erste Ausruf gelautet haben. Der Rittmeister, der das Manöver commandirte, war von seiner militärischen Pflicht so erfüllt, daß er das Gewitter gar nicht bemerkte, er dachte auch nicht daran, daß schnelle Bewegung den Blitzstrahl anzieht— der Mann ist also völlig unschuldig. sammlung war ihrer Mehrheit nach undemokratisch, antidemo- kratisch. Und diese un- und antidemokratische Nattonalver- sammlungs-Majorität, im Bund mit der un- und antidemo- kratischcn Regierungs-Majorität provozirtc durch ihr reaktiv- näres Gebahren die Demonsttation des 15. Mai, die keines- Wegs im Plane der demokratischen Führer war. Sie schütteln den Kopf, Herr Bernstein? Da ich Ihnen nicht zu- muthen kann, die französischen Quellen(das Prozeßmaterial, oie Verhandlungen der Nationalversammlung u. s. w.) zu studiren, so verweise ich Sie auf das bekannte Stein'sche Buch, das heutzutag ja selbst in Karlchen Miesnick's Bibliothek nicht fehlen darf. Wenn Sie das betreffende Kapitel gelesen haben, werden Sie sich schon eine annähernde Idee machen können, wie es um Ihre Geschichtskenntnisse bestellt ist. Und zum Henker, was soll denn die Junischlacht im un- mittelbaren Zusammenhang mit der Demonstration des 15. Mai? Sie Unglücklicher, wissen Sic denn nicht, daß der Junikampf mit dem 15. Mai absolut nichts zu thun, und nur das mit ihm gemein hat, daß er durch un- und antidemokrattsche Regierungs- und Nationalversammlungs-Majorität provozirt worden ist? Bios viel raffinirter und viel mehr„langer Hand". Wissen Sie nicht, daß die provisorische Regierung durch den Mund Ihres jetzigen Freunds Louis Blanc den Arbeitern gegenüber Verpflichtungen eingegangen war? Daß die Regierung ihr Wort schnöde brach, die Nationalwerkstätten blos organisirte, um das sozialistische Proletariat lahm zu legen? Daß sie von der Nattonalversammluna in diesem infamen, echt sozialdemagogi- schen Spiel nach Kräften unterstützt wurde? Daß man die Arbeiter der Nationalwerkstätten, als sie sich zu der ihnen zu- gedachten sozialdemagogischen Rolle nicht hergeben wollten, einfach auf's Pflaster warf und systematisch auf die Barrikaden trieb? Das wissen Sie nicht, lieber Herr Bernstein? Schlagen Sie Ihren Stein auf und Sie werden dann einen Dämmer-Begriff davon bekommen, was Demagogie im Allgemeinen und Sozialdemagogie im Besonderen ist. (Schluß folgt.) — Die„Faktoren" oder„Verleger", von denen unsere heu« tigen Weber ein Liedchen zu singen wissen, bildeten schon vor zwei- hundert Jahren in Sachsen den Gegenstand häufiger Beschwerden. In einem Artikel über„August den Starken" in der(nationalliberalen) Zeitschrift„Im Neuen Reich"(Nr. 25, 1877) heißt es über die wirth- schafiliche Lage Sachsens zu Ende des 17. Jahrhunderts:„Die Wollen- — Gensdarmen und Soldaten sind gewöhnlich sehr schlecht dazu geeignet, Unruhen zu verhüten; gewöhnlich brechen dieselben dann erst aus, wenn sich die Helmspitzen zeigen— es ist eben Pures Mißgeschick, was die Leute haben, oder nenne man es Ungeschick, welches sich im Uebereifer zeigt. Wir lesen nun in den schlesischen Blättern„Aus Königshütte" folgende Notiz:„Die Betriebseinstellung des hiesigen Loriwalzwerkes ist angeordnet worden und werden nahezu 200 Arbeiter mit dem Tage der Einstellung des Betriebes entlassen. Da in Folge dessen Exzesse befürchtet werden, soll das Wachtcommando in Königshütte den Befehl erhalten haben, sich nach Anto- nienhütte zu begeben. Auch sind mehrere Gensdarmen aus dem Kreise Kattowitz zur Aufrechterhaltung der Ordnung dort eingettoffen. Hoffentlich fügen sich aber die auf Loriwalzwerk brodlos werdenden Arbeiter ruhig in ihr Schicksal und ver- schlimmern dasselbe nicht durch unüberlegte Schritte und gesetz- widrige Ausschreitung."— Die Arbeiter werden sich schon fügen — man möge nur nicht zur Noth und zum Elende die Bruta- lität hinzufügen. Ganz treffend aber bemerkt unser Frankfurter Parteiorgan zu obiger Nachricht: Recht bezeichnend ist's, wie der Staat gleich bei der Hand ist, um„Unruhen" vorzubeugen. Daß der Staat sich aber auch darum bekümmerte, was die 200 brodlosen Arbeiter nun anfangen sollen, davon verlautet Nichts. Es ist eben der Klaffenstaat. — Das Projekt einer Börsensteuer soll im preußischen Ministerium, welches dasselbe dem Bundesrath vorlegen wollte, wegen unüberwindlicher Hindernisse aufgegeben worden sein, dagegen die Erhöhung der Tabakssteuer wieder in Aussicht stehen. Durch die Börsensteuer würde die wohlhabende Gesellschaft ja auch allzusehr betroffen, die Tabakssteuer aber trifft das arme, arbeitende Volk hauptsächlich— und da wird es schon gehen. — Von der Stadt Dortmund werden jährlich 51,000 Mark, für die höheren Bildungsanstalten, Gymnasium, Realschule, Gewcrbeschutz und höhere Töchterschule ausgegeben, für die Volksschulen aber nur etwas über 2000 Mark. Das arbeitende Volk muß also für die Bildung seiner späteren Be- dränger mit seinem Steuersäckel einstehen. Und in Dortmund wählt man immer fortschrittlich, ja man hatte sogar längere Zeit dort den„rothen Becker" als Oberbürgermeister. — Eine merkwürdige Erscheinung. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" bringt ab und zu unter der Rubrik: „Rechtsgrundsätze des Reichsoberhandelsgerichts", die durch besondere Entscheidungen festgestellten neuen Rechtszrund- sätze dieses Gerichts und fügt die Bemerkung hinzu:„Nachdruck verboten".— Es handelt sich hier allerdings lediglich um eine buchhändlerische Spekulation, da Herr Brockhaus jedenfalls in Buchform nachträglich die„Rechtsgrundsätze" herausgeben wird. Aber fragen wir, ist nicht das weiteste Publikum dabei derart intercssirt, daß das Reichsoberhandelsgericht seine neuen Grund- sätze selbst und zwar sofort durch mehrere Blätter publiciren müßte? Jedermann will die„Deutsche Allgemeine Zeitung" nicht halten und lesen oder den Herrn Brockhaus bereichern. Auch ist ei fraglich, ob der Gelehrte der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" seine Ausführungen und Zusammensetzungen nach den Anschauungen des Reichsoberhandelsgerichts gemäß gemacht hat. Deshalb müßte durch die Gerichte selbst die Interpretation statt- finden und veröffentlicht und nicht zu einer Privatjpckulation gemacht werden. — Aus Bagnöres de Luchon, einem bekannten süd- französischen Badeorte, erhalten wir von unserem Parteige- Nossen F. St., der schon längere Zeit sich in Frankreich aufhält und uns öfter Correspondenzen zugesandt hat, zuletzt aus Avignon» ein Schreiben, dem wir folgende Sätze entnehmen wollen:„Der jüngst im, Vorwärts' erschienene Artikel:.Nieder mit der Republik, mit der französischen Bourgeois-Republik� hat meine vollsten Sympathien und bedaure ich nur, daß wir hier in Frankreich kein einziges Blatt haben, welches im Namen der wahren Republik, der sozialistischen Republik, die schnöde Handlungsweise unserer„Radikalen" und„Republikaner" ins rechte Licht stellt. Erbärmliche Leute, die Louis Blanc, Or- dinaire(Börsenjobber), Floquet, Barodet. Es ist auch kein Einziger unter diesen„in Sozialismus machenden" Radikalen ! gewesen, der gegen den schnöden Schacher protestirt hat. Diese Leute halten sich für sehr„politisch", wenn sie den Thiers an's � Ruder bringen. Daß Naquet und seine Helfershelfer Verräther sind, würde mich ganz kalt lassen, wenn es diesen Gaunern nicht . gelungen wäre, einen leider beträchtlichen Theil des französischen : Proletariats in ihre Netze zu ziehen." — Der Aufstand im Kaukasus ist in fortwährendem Steigen begriffen, so daß schon dadurch verhindert wird, daß das Kriegsglück in Asien sich wieder den Russen zuwenden kann. — Nachrichten vom Donau-Kriegsschauplatze ergeben, daß � die Russen systematisch gegen nicht vertheidgite Ortschaften vor- gehen. Sie schießen diese Dörfer zuerst mit Geschützen in Trüm- mer, massacriren dann die unbewaffneten Einwohner und entführen die Weiber, um sie zu schänden und dann ebenfalls umzubringen. Die Russen beorohen solche christlichen Ortschaften, welche sich ihnen nicht unterwerfen oder deren männ- liche Bewohner sich nicht in die bulgarische Legion einreihen lassen wollen, mit demselben Schicksal.— Der Sieger von Plewna, Osman Pascha, hat seinen Sieg ausgenutzt und hat � die zurückweichende Division bis dicht vor Sistowa verfolgt.— Miohat Pascha befindet sich auf dem Heimweg nach Constanti- nopel; seiner energischen Leitung wird es gelingen, wieder Ord- l nung in die türkische Regierungsmaschine zu bringen. Thut dann auch noch Mehemed Ali von Schumla aus seine Pflicht, so ist es leicht möglich, daß die Türkei allein mit seinem nor- dischen Nachbar fertig wird; doch hört man schon wieder von einem Verlust, den Suleiman Pascha südlich des Balkans er- litten haben soll.— Uebrigens rüstet England in bedeutendem Maße und fördert Truppen unaufhörlich in's Mittelmeer. — Die neuesten Nachrichten über den Arbeiteraufstand iin Nordamerika wollen wir hier kurz erwähnen. In Balti- 'morc sind 200 und in Buffalo 30 Aufständische verhaftet worden; in San Franzisko und Chicago ist es zu harten Zusammen- > stößen gekommen. In Newyork hat eine Versammlung von 10,000 Menschen stattgefunden, welche sich in einer für die Stri- kenden günstigen Weise aussprach. In Pittsburg sind 300 Ar- � beiter gctödtet oder verwundet worden; die Truppen haben den � Platz noch nicht zurückerobert, General Sheridan soll nach Pittsburg gesandt werden. In einer Monstresitzung ist be- schloffen worden, alles verfügbare Militär nach den aufständi- � scheu Gegenden zu senden. Die Miliz der Staaten Ohio, West- i virginien, Pennsylvanien und Maryland soll nicht zuverlässig � sein und mit den Aufständischen vielfach fraternisiren. — Der Redakteur des Leipziger Lokalblattes„Die Fackel", Künzel, ist wegen Beleidigung des Herrn Rüder in erster Instanz zu 80 Mark Geldstrafe verurtheilt.— Im Anschluß hieran sei gleich mitgetheilt, daß Herr Rüder— immer derselbe Herr Rüder, derselbe, der auf dem Congrcß in Gotha die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkte— auch gegen den Mitrcdakteur des„Vorwärts", Seiffert, zwei Anklagen wegen Beleidigung angestrengt hat— in der Feuillletonnotiz:„Wenn Jemand eine Reise thut, so kann er was erzählen" und in dem aus dem Hamburg-Altonaer„Volksblatt" abgedruckten Ge- dichtchen:„Rüder in Gotha" sollen die Beleidigungen enthal- ten sein. — Parteigenosse Ullrich zu Offenbach ist wegen Beleidigung des„schwarz-rothen Schlangentödters" Deruburg zu 1 Monat Gefängniß vom Darmstädter Gerichtshof verurtheilt worden. Aus Rumänien. Wir erhalten folgende Zuschrift: Jassy, 23. Juli 1877. Tie kaiserlich russischen Siege in der Dobrudscha, und ganz besonders der unerwartet rasche Uebergang über den Balkan hat unter der hiesigen Bevölkerung großen Jubel hervorgerufen, und wenn man auch auffallender Weise bei diesen Siegen die eigent- lichen militärischen Niederlagen des Gegners vermißt, und darum auch geneigt ist, diese Erfolge mehr den neugeprägten russischen goldenen Jmperials zuzuschreiben, als der militärischen Tüchtig- keit, so bleiben es dennoch Erfolge, die der„greise" Reichs- kanzler Gortschakoff, der mittlerweile in der Hauptstadt Rumäniens, in Bukarest, flotte Tage in Gesellschaft von galanten Damen der Manufaktur, welche früher 20,000 Meister beschäftigt hatte, war ver- fallen. Als Gründe dafür wurden neben den schwankenden, immer höher gesteigerten Wollpreisen der durch die neuen Kleidermoden begünstigte Confum holländischer, englischer und französischer Tücher und Zeuge ge- nannt und ihre freie Einfuhr, die„denen alten Verfassungen zuwider" war, dazu der durch politische Gründe(d. h. die Verrätherei der deutschen Fürsten) verursachte Verlust der Absatzgebiete im Elsaß und in den Marken(es ist eine eigenthümliche„Ironie der Weltgeschichte", daß die ebenfalls durch„politische Gründe verursachte Wiedergewin- nung des Elsaß" zwei Jahrhunderte später gleichfalls eine schwere Krisis in der deutschen, namentlich auch der sächsischen Weberei— Concurrenz mit Mülhausen— herbeigeführt hat. R. d. B.). Nicht besser stand es mit dem Garn- und Leinwandhandel, der seinen Sitz in Meißen und der Lausitz hatte, der sein Rohmaterial aus Mähren bezog und seine Produkte meist nach Holland und Hamburg vertrieb, von wo aus die Fabrikation mit reichen Kapitalien unterstützt wurde. Jetzt lag er ganz im Argen und der Export war um die Hälfte ge- funken, kaum daß man die Kosten des Rohmaterials, den Betrag der Arbeitslöhne erschwingen konnte. Hier waren wieder andere' Gründe maßgebend. Die Faktoren hatten den Handel monopolisirt, die Lein- Weber, denen sie Vorschüsse geleistet, durch Abzüge ruinirt, vor allem die Einsuhr des mährischen Flachses, den sie nun den ihnen verschuldeten Leinwebern um so theurer aufdrangen. Diese wiederum kamen ihren Verpflichtungen nicht nach, verschleuderten ihre schöne Arbeit an Hausirer und brachten so den Vertrieb in die Hand fremder Aufkäufer.(Aus nationalliberalem in richtiges Deutsch über- setzt, soll das heißen: die Leinweber wurden auf's Blut ausgesogen und fielen bei dem Versuch, sich von den einheimischen Bluisaugern zu befreien, fremden in die Hände. R. d. V.) Oder sie führen ihre Waaren in Eompagnie mit den schlesischen Produzenten auf der Spree- und Oderstraße—"— Genug, wenn wir Unwesentliches außer Be- tracht lassen, genau so wie heute. Auch der Versuch, durch Com- pagniegeschäfte sich der Faktoren zu entledigen, ist neuerdings gemacht worden— mit demselben Richterfolg wie damals. Um die Aehnlichkeit vollständig zu machen, erfahren wir eine Seite weiter,„daß durch die .�ilttärverfassung(Miliz genannt, d. h. allgemeine Wehrpflicht, die da- Swti? fa�seit so ziemlich in der Weise wie heute in Preußisch- � burchgeführt war), also: daß„durch die Milizversas- ?-£.s..V1" �oud mehr kostete, als wenn es eigene Kriege ? s kräftige Mannschaft dem Land(d. h. der produktiven Arbeit) entzogen wurde", wie es in einem„Condolenz- schreiben au? dem Jahre 1694 hieß, welches an den neuen Landes- Herrn, besagten August den Starken, der gerade die Regierung ange- treten hatte, die flehentliche Bitte richtete,„das ganz erschöpfte, ach Erleichterung seufzende Land väterlich und erbarmend anzusehn." Natürlich nutzte die Bitte nichts, so wenig sie heute et- was nutzen wurde. Datz aber ein nationalliberaler Skribent solches schreiben kann, ohne zu bemerken, daß er eine beißende Satyre schreibt, 'st uns em psychologisches Räthsel. — Zum Lobe des Herings. In einer Reklame, welche der Pariser„Figaro" für den Hering als Heilmittel in gewissen Leber- krankheiten vom Stapel läßt, ist zu lesen:„Wir wußten schon längst, daß die UniversitätSstudenten in Deutschland den Hering als ein Reiz- mittel zur Vertilgung ungeheurer Bierquantitäten schätzen. Die alten Füchse(les vieux I'ucba) von Heidelberg tragen stets in der Tasche einen Heringskopf mit sich herum, an dem sie saugen, sowie sie Mangel an Durst verspüren." — Menschenverluste bei der Kohlenbeförderung. Für die Jahre 186l bis 1875 stellt sich das Verhältniß der tödtüchen Ver- unglückungen von Arbeitern zu dem Kohlenertrage in England folgender- maßen Jahr 1861 1862 1363 1864 1865 1366 1867 1868 1869 1370 1871 1872 1373 1874 1875 Todesfälle 343 1133 907 867 984 1484 1190 1011 1116 991 1075 1060 934 931 1161 Zahl der Arbeiter 282,473 Kohlenertrag in Tons. 86 039,213 81,638,333 86,293,125 95,112,919 93,911,169 100,723,681 105,077,743 104,566,959 108,003,482 112,875,725 117,439.251 123,393,873 128,680,131 126,590,103 133,306,486 307,542 315,451 320,663 333,116 346,820 345,446 350,894 370,831 413,083 471,840 503,032 .... 525,843___ MM.. Es sind also in 14 Jahren bei einer Kohlenproduktion von 1,603,576,293 Tons 15,908 Menschenleben verloren gegangen, und da sage man noch, daß der Arbeiter bei der heutigen Produktionsweise nichts riskirt! — Zum Kapitel der„freien Liebe". In Bezug auf die Agitation für Dühring schreibt das Leipziger Organ der Duncker'schen Partei: „Wie schön konnte man sich jetzt nicht nur als Beschützer der freien Arbeit und der freien Liebe aufspielen, sondern dazu noch die „Freiheit der Wissenschaft" in Generalpacht nehmen!" Wir haben noch vor Kurzem ein herrliches Bild von der freien Liebe, welches auch hier in Leipzig besonders bei den besitzenden Klassen zu sehen ist, entrollt, wir haben auch oft genug der freien Liebe des bekannten Fortschritt- führers, des Herrn Duncker Erwähnung gethan, mir wollen deshalb heute nur bemerken, daß auch die Redaktion des Leipziger Fortschritt- blattes„in Aehnlichem macht". Hat doch der Redakteur desselben A. Perls eigens ein„Buch vom Küssen" herausgegeben. Und das will den Sozialdemokraten Moral predigen! Halb- und Viertelswelt verlebt, diplomatisch wohl auszunützen wissen wird. Und so werden wir in nicht gar ferner Zeit Ge- legenheit haben, uns über die Uneigennützigkeit und die Ent- haltsamkeit der Russen, die von Hause aus nur Kulturzwecke zu verfolgen beabsichtigt haben sollen, ein Urtheil zu bilden. Vor- läufig brennen und sengen sie wo sie hinkommen und gehen der hiesigen christlichen Bevölkerung mit gutem Beispiel voran, wie man Kultur verbreitet. Die Greuelscenen, die man ihnen hier nacherzählt, spotten jeder Schilderung. Europa läßt sich indeß das Alles ruhig bieten, ohne zu be- fürchten, darum den guten Ruf der Humanität und Civilisation auf's Spiel zu setzen. Die Geschichtsschreiber sind ja dazu da, unser Jahrhundert zu verherrlichen. Der Krieg ist einmal eine Plage, deren man noch nicht entrathen kann, und da noch so manche Groß- und Kleinmacht so manches auszufechten hat und über kurz oder-lang ebenfalls in der Lage sein kann, zum hei- ligen Krupp zu greifen, so geht man über jene unmenschlichen Greuel, die sich morgen auf einem anderen europäischen Terrain wiederholen könnten, mit einem Achselzucken hinweg und sagt das Sprüchlein:„C'esr la gaerre", womit die Sache abge- than ist. Daß Rumänien noch keine Gelegenheit gehabt hat, bei dem gegenwärtigen Mcnschenmorden etwas Wesentliches mitzuthun und auch für sich Kriegslorbeeren zu erringen, bedauert man hier nicht, da das rumänische Volk Alles, nur nicht kriegslustig ist. Die Nachtheile, die das Land durch den Krieg erfahren hat, sind ohnehin schon sehr bedeutend. Kriegssteuern, Requisitionen, Einquartierungen lasten schwer genug auf dem Lande, dazu kommt noch, daß die Regierung dekretirt hat, daß der russische Silberrubel, der nach gegenwärtigem Kurse nicht mehr als etwa 3 Francs bis 3 Francs 10 Cent. Gold Werth ist, mit 4 Francs angenommen werden müsse; man erleidet danach bei diesem Zwangskurs einen Verlust von etwa 25 Prozent, und flugs sind auch die russischen Bankiers daran gegangen, Rumänien mit Silberrubeln zu überschwemmen und dagegen den Werth mit 4 Fr., berechnet in Gold, von hier herauszuschleppcn. Seit längerer Zeit langen hier massenhafte Transporte von Silber- rubeln an und das Arbitragegeschäft auf Gold steht in voller Blüthe. Unsere Regierung sieht diesem von ihr provozirten Treiben geduldig zu, ohne zu denken, welche Wunden sie dem Lande in dieser Weise schlägt. Ueber die hierländischen sozialen Zustände ein andermal. Aus Großbritannien. (Schluß.) In der Eisenindusttie Nord-Englands steht ebenfalls eine Krise bevor. Die vereinigten Arbeitgeber beabsichtigen eine Lohn- reduktion von 10 Prozent, welche die Arbeiter als ungercchtfer- tigt erklären. Die Sache ist dem Spruche des Herrn Dale, ehemaligen Vorsitzenden der ständigen Schiedsgerichtscommission, zur Entscheidung überwiesen. Die Eisenarbeiter- Gewerkschaft spricht davon, ihre Fonds für Auswanderungszwecke zu votiren, falls eine Lohnreduktion Platz greifen sollte. Herr Bradlaugh und Frau Besang sind wegen Verbreitung des Buches:„?ruits of Philosophy" zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt worden; die Geschworenen hatten erkannt, daß das Buch, in welchem Winke für die Beschränkung dersKindererzeugung gegeben werden, unflätig und die öffentliche Moral gefährdend sei, ohne jedoch die schlechte Absicht der Angeklagten erwiesen zu finden. Dieses Erkenntniß macht unter den wenigen hier vorkommenden sonderbaren Schwärmern böses Blut, um so mehr, als die Regierung sich weigert, etwas gegen die Verfasser und Verbreiter des Buches:„Tbe priest in Absolution" zu unternehmen. Dieses Buch ist hervorgegangen aus der„Gesellschaft des heiligen Kreuzes" und zum ausschließlichen Gebrauch der pfäfflichen Mitglieder zum Zwecke der eindringlichen Fragestellung an beichtende Schäflein bestimmt. Ein Theil der Pfaffenschaft der englischen Hochkirche, die, wie Pitt gesagt haben soll, eine päpstliche Liturgie, ein calvi- nistisches Glaubensbekenntniß und armenische Pfaffen besitzt, be- ginnt seine Neigungen zur römischen Kirche offen auszusprechen und vor Allem den Lieblingssport der katholischen Pfaffen, die Ohrenbcichte, einzuführen. Einen praktischen Leiter zur ersprieß- lichen und kitzlichen Fragestellung, besonders an weibliche Beicht- linder, soll nun„Tbe priest in absolution" abgeben. Das Buch wurde zuerst im Oberhause zur Sprache gebracht und hat im Unterhause seither zu mehreren Interpellationen an die Re- gierung Anlaß gegeben. Diese jedoch verschanzt sich hinter die Thatsache, daß das Buch blos für die Mitglieder einer Gesell- schaft und nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt sei. Die Herren Bischöfe, welche gegen den Beichtunfug nichts gethan, so lange derselbe ein Geheimniß war, beeilen sich jetzt, wo derselbe ein öffentliches Aergerniß geworden, den Mantel nach dem Wind zu drehen und ihren Unwillen über die Sache zu betheuern. Was die Herren Seelenhirten so an Nimbus zu verlieren Gefahr laufen, das suchen sie auf anderer Seite wieder herein- zubringen. Wie ich in einem früheren Briefe erwähnt, haben sich näm- lich einige Führer der Trades-Unions dazu hergegeben, mit den „heranwachsenden" Pfaffen Conferenzen abzuhalten, damit die Diener Gottes mit dem sozialen Befinden der Menschen besser bekannt gemacht werden. Es war dies augenscheinlich nur ein Kniff der Schwarzen, um ihre schwindende Popularität unter den Arbeitern aufzufrischen. Einige der Trades- Unionisten- Führer gingen, naiv, wie sie schon m religiösen und politischen Dingen sind, auf den Leim und verschafften den„Revcrends" Gelegenheit, sich breit zu machen. Die„Jndustrial Review" sprach sich dagegen aus, aber blos, weil die Sache nicht von ihr ausgegangen war. Als sich die Conferenzen wiederholten, ohne von dem genannten Blatte Notiz zu nehmen, erließ Herr George Potter ein Cirkular an die englische Geistlichkeit, dieser ausgezeichneten Körperschaft sein Blatt als Äummelboden an- bietend. In der letzten Nummer der„Jndustrial Review" er- scheinen bereits die Folgen dieses Anerbietens in Gestalt von einem halben Dutzend„ausgewählten"(aus einer Masse ähn- lichen Gesalbaders) Briefen aus den Reihen der Geistlichkeit über„ Tradesunionism"(Gewerkschaftswesen). Die englischen Pfaffen sind nicht sehr beschäftigt, ihre Pflichten als Schafhirten sind nicht sehr aufreibend und sie werden daher öfters Gelegen- heit nehmen, ihre„Gedankey" über die Armen- und Gewerk- schaftsfrage in Briefen an die„Jndustrial Review" abzusetzen. Wenn nun auch Herr George Potter, dessen Privateigenthum das Blatt ist, durch seinen Cirkular-Geniestrcich ein halbes Tausend mehr Abnehmer gewonnen hat, so steht doch außer Zweifel, daß er durch fortgesetzte Ablagerung dieser christlich- scheinheiligen Arbeiterfreundlichkeitsseicherei so manchen Abonnenten aus den Arbeiterkreisen verlieren wird. Die englischen Gewerkschaften können dagegen kein Veto einlegen, auch wenn sie wollten, da, wie bemerkt, die„Jndustrial Review" Privateigenthum des Herrn Potter ist. So unglaublich es scheint, so ist es doch Thatsache, daß die englischen Gewerkschaftler trotz ihrer sonst tüchtigen Orga- Derselbe referirte in einer am Samstag Abend in der Siegeshalle nisationen es noch zu keinem offiziellen Centralorgan gebracht abgehaltenen, sehr zahlreich besuchten Volksversammlung über haben. Man läßt" Herrn Potter's Organ als solches gelten, weil man kein anderes hat. Die Ursache liegt wohl nur in dem Mangel einer Centralisation der Gewerkschaften. Die Versuche zur Herstellung einer solchen sind bis jetzt immer gescheitert, hauptsächlich wohl, weil die Vermögensverhältnisse der Trades- Unions zu ungleich sind und die reicheren sich nicht gern mit den ärmeren verbinden wollen. Besitz erzeugt eben Bourgeois- gesinnung im Einzelindividuum sowohl als im corporativen. Würden die englischen Trades- Unions nur den zehnten Theil ihres Vermögens auf soziale und politische Erziehung und Pro- pagirung der arbeitenden Masten ausgeben, so wäre in kürzester Zeit für den Fortschritt der sozialen Revolution das Beste zu hoffen. So aber lasten sie geduldig ihr Schicksal in den Händen von Führern, die wieder nur Geführte sind und so viel wie möglich für sich selbst herauszuschlagen suchen. Es geht nicht an, zu sagen, daß die Führer den Sozialismus nicht kennen. Wenn nicht früher, so ist in den letzten zwei Jahren dieser Einwand völlig hinfällig geworden. Seit dieser Zeit erscheinen sozialistische Organe in englischer Sprache in Amerika, und die englischen„Arbeiterblätter"(wenn man diesen Ausdruck ge- brauchen darf) schweigen sie systematisch todt. Das Propagiren des Sozialismus ist eben nicht„anständig" und trägt daher nichts ein. Was aber nichts einträgt, findet hier keine Austräger.„Ohne Geld keine Intelligenz." Der letztere Artikel ist hier sehr rar und darum so gewinnbringend auf allen Wegen, welche die moderne Gesellschaftsmoral als „anständig" bezeichnet. Darum bringt das Blatt des Herrn Potter nicht blos alle Annoncen und Inserate, welche bezahlt werden, unterstützt nicht blos den sogenannten„Bilderprämien"- Schwindel und inserirt religiöse Sudelliteratur, sondern geht sogar so weit, religiöse Traktate in der Bücherschau zu besprechen und zu empfehlen als Werke, die in„keiner Arbeiterbibliothek fehlen" dürften!— Kein Wunder, daß die englischen Arbeiter keinen Sinn für Sozialismus haben. Die Quellen, aus denen fie im guten Glauben Stärkung und Belehrung zu schöpfen mei- neu, sind alle vergiftet. Der Bourgeois, welcher dem englischen Arbeiter im Parlamente die Befähigung und das Recht zur Gesetzgebung abspricht; der Fabrikant und Unternehmer, der ihm seinen Lohn verkürzt, seine Arbeitszeit zu verlängern sucht und sein Leben gefährdet; der Richter, der chn verurtheilt, weil er einen Kameraden gewarnt, in einem verrufenen Hause Arbeit anzunehmen: sie alle sind seine besten Feinde. Wohl dem englischen Arbeiter an dem Tage, wo er das Mittel finden wird, sich gegen seine Freunde ebenso erfolgreich zu schützen, als er dies bisher gegen seine Feinde im Stande war. Als vor einigen Wochen General Grant auf der Durchreise nach dem Continente sich in London aufhielt, ergriffen die Herren Gewerkschaftsführer(Guile, Howard, Brodhurst, Potter zc.), die sich so gern öffentlich figuriren sehen, die Gelegenheit, ihm im Namen der englischen Trades-Unions eine Adresse zu überreichen in Anerkennung der Dienste, die der Tapfere der Sache der Freiheit gegen die Sklaverei erwiesen. Die Sklaverei, in der die weißen und schwarzen Arbeiter Amerikas heute noch schmach- ten, die Sklaverei, in der die Arbeiter Englands seufzen(von Englisch- Indien gar nicht zu sprechen), sehen die Herren Ge- wcrkschaftler nicht. Nichtsdestoweniger war General Grant durch die unerwartete Aufmerksamkeit sehr gerührt. A. Sch. Correspondeuzen. IZrüsftr, 15. Juli.(Etwas aus dem Lande der Schein- freiheit.) Wenn je ein Land so bezeichnet zu werden ver- dient, so ist es der Muster-Bourgeoisstaat Belgien, und in der That, die belgische Staatsverfassung ist schlau und praktisch im Sinne der Herren Bourgeois eingerichtet. Der belgische Ar- beiter z. B. zahlt keine direkten S'euern, daß er dagegen um so mehr indirekte Abgaben zu entrichten hat, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Ueber die hiesige Arbeiterbewegung ist mit Ausnahme von etlichen mehr oder weniger stürmisch verlaufenden und mit einer gewissen Regelmäßigkeit wiederkehrenden Strikes in den Kohlen- distriktcn wenig zu berichten. Daran tragen wohl zunächst die erwähnte„Scheinfreiheit", welche das Volk einschläfert, und der Mangel des allgemeinen Stimmrechts die Schuld. Ein weiteres großes Hemmniß ist der Umstand, daß hier drei verschiedene Sprachen die Bevölkerung in ebenso viele Theile zersplittern. Um aber die Agitation einheitlich zu betreiben, ist man jetzt sehr ernst.daran gegangen, eine einheitliche Organisation über ganz Belgien zu gründen. Bis jetzt haben sich verschiedene Parteien den Rang streitig gemacht. Die Vlämische Arbeiter- Partei, die bis jetzt am besten organisirt war, befolgte wesent- lich die nämliche Organisationsweise, der sich die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands bedient. Im Gegensatz zu den Ab- stentionisten, die namentlich in den wallonischen und franzö- fischen Thcilen Belgiens dominiren und die Enthaltung von der Politik predigen, wird wahrscheinlich die neu zu gründende Par- tei sich an der Politik betheiligen. Neulich hat sich die Regierung gedrungen gefühlt, den Bel- gicrn zu zeigen, daß sie sich glücklich schätzen sollen, keine Aus- länder zu sein. Herr Franyois Jourde, der Finanzminister der Pariser Commune, hatte nämlich ein Buch geschrieben: „Erinnerungen eines Communarden", erschienen bei H. Kiste- maekers, Boulevard du Nord 60, Brüssel. Herr Jourde, der hier seit seiner Flucht aus Ncukaledonien wohnte, wurde aus- gewiesen und ist nun nach England gegangen. Dagegen werden die großen�Diebe beinahe auf den Händen getragen und be die" beiden Punkte:„Die württembergische Kammer und die in- direkten Steuern" und„Die Entfernung Dr. Dühring's von der Berliner Universität". Sein vortrefflicher Vortrag fand unge- heurcn Beifall. Selbst entschiedene Gegner unserer Bestrebungen konnten ihre Zustimmung nicht versagen. Einige„komische Jntermezzo's", welche die Polizei während Grillenberger's Anwesenheit aufführte, werden wir gelegentlich mittheilcn. — Unser am Sonntag in der Siegeshalle abgehaltenes Stiftungsfest verlief in schönster Harmonie. Am Festzug, der sich um 3 Uhr von Gruber's Lokal aus in Be- wegung setzte, betheiligte sich eine sehr große Anzahl auswär- tigcr und hiesiger Parteigenossen. Auf dem Festplatze angelangt, waren bald sämmtliche Stühle des geräumigen Gartens besetzt, so daß noch viele Theilnehmcr im anstoßenden Saale unterge- bracht werden mußten. Das sehr reichhaltige Programm bestand aus Musik, Gesang und Festrede, wobei die Leistungen der mit- wirkenden Vereine„Union",„Lassallea",„Helvetia" und„Vor- wärts"(Gaisburg) allgemeinen Beifall fanden. Die Festrede von Herrn Grillenberger wurde von der sich dicht um die Red- nertribüne schaarenden Menge mit größter Begeisterung aufge- nommen. Um 4 Uhr lies ein Telegramm von Tübinger Stu- denten ein. Dasselbe lautete: „Tübingen, 22/7. 77. Sozialistisches Festcomitv Siegeshalle Stuttgart. Den festlich versammelten Stuttgarter Arbeitern entbieten herzlichen Glückwunsch und brüderlichen Gruß im Kämpfe für die Freiheit der körperlichen und geistigen Arbeit Mehrere Studenten." Die Freude über diese brüderlichen Sympathien der akade- mischen Jugend war eine unbeschreibliche. Ein weiteres Telegramm von Freund Walz in Reutlingen fand gleichfalls begeffterte Aufnahme. Es lautete: „Stiftungsfest Siegeshalle Stuttgart. Persönlich getrennt, doch im Geiste bei Euch, wünsche besten Erfolg. Hoch die Arbeit! Walz." Bei eintretender Dunkelheit wurde der ganze Garten präch- tig beleuchtet, ein kolossaler aufsteigender Luftballon verkündete der Umgegend den Abschluß eines brüderlichen, durch nichts ge- trübten Arbeiterfestes, das unseren Gegnern als würdiges Bei- spiel dienen kann. D. Gotha, 20. Juli. Auf die in Nr. 84 des„Vorwärts" ent- haltene Con/espondenz aus Leisnig erwidere ich, daß ich meine „Berichtigung" in Str. 77 in allen Theilen aufrecht erhalte. Es ist nicht wahr, daß ich mich auf dem Congreß von 1876 zur Sozialdemokratie bekannt habe. Wenn dies wirklich der Fall wäre, so müßte ich doch in irgend einer Sitzung das Wort ergriffen haben, was aber nicht geschehen ist. Es ist ferner nicht wahr, daß ich dem Verein für geistigen Forffchritt in Leisnig Vorwürfe wegen seiner sozialistischen Tendenzen gemacht habe. — Die Gelder zu dem Grabdenkmal Würkert's sind größten- tseils von den freireligiösen Gemeinden und Vereinen gespendet worden. Auch die einzelnen Personen, welche Beiträge einge- sandt haben, haben sich als Abonnenten der„Freien Glocken" bekannt. Man braucht nur einen Blick auf die in den„Freien Glocken" veröffentlichten Quittungen zu werfen, um sich von der Wahrheit des Gesagten zu überzeugen. Ich habe übrigens, um Klarheit in die Sache zu bringen, die Geldspender in den „Freien Glocken" aufgefordert, ihre Willensmemung darüber kund zu thun, wer die Gelder verwalten und für die Herstellung des Denkmals sorgen soll: der Verein für geistigen Fortschritt in Leisnig oder ich? Die bis jetzt eingegangenen Stimmen, welche die Majorität schon erreicht haben, sind, mit Ausnahme einer einzigen Stimme) alle für mich. Verschiedene Vereine und einzelne Personen, welche ansehnliche Beiträge geleistet haben, wollten dieselben sogar zurückziehen, falls die Majorität der Geber sich für Leisnig entschieden hätte. Kraft des mir in Folge dieser Abstimmung zustehenden Dispositionsrechtes über- trug ich die Leitung der Denkinals-Angelegenheit Herrn Rechts- anwalt Ficker und der Wittwe Würkert. Der angedrohten even- tuellen gerichtlichen Klage seitens des Vereins für geistigen Fort- schritt in Leisnig sehe ich also mit Ruhe entgegen. A. Specht. München. Noch sind die Trümmer von dem ersten Haus- einsturz in der Hcßstraße, von dem ich Ihnen berichtete, kaum beseitigt, noch hat sich die Entrüstung über den frevelhaften Leichtsinn und Eigennutz, dem eine Anzahl Leben zum Opfer gefallen sind, nicht gelegt, und schon wieder liegen Arbeiter unter den Trümmern eines neuerlich eingestürzten Hauses begraben. Also zwei Häusereinstürze innerhalb weniger Tage. Giebt das nicht zu denken? Und wird man nun endlich einsehn, daß den Bauhandwerkern der Schutz des Haftpflichtgesetzes, der zwar sonst nicht weit her ist, nicht länger vorenthalten werden darf?— Ueber den Einsturz berichte ich Ihnen nach dem„Zeitgeist", der gut informirt ist:„,, „Neben der Gastwirthschaft„Unterpollinger" stürzte soeben (24. Juli, 7 Uhr 45 Min.) die neben dem im Neubau begriffenen Vordergebäude freistehende Mittelmauer ein. Das Unglück wurde von vielen Arbeitern schon lange voraus gesehn, weil diese in der Mitte des Baues frei stehen gebliebene alte Mauer, die von oben bis unten theilweffe durchlöchert war, nur nothdürftig ge- stützt würde, um den Neubau für die betheiligtcn Nachbarn zu sparen, denn eigentlich sollte an beiden Seiten der alten Mauer ein halber Stein angemauert werden. Damit die Schwindler ein paar Tausend Mark sparen, werden Dutzende von Menschen geopfert! Mehrere Arbeiter sind verschüttet. Unter furchtbarem Jammergeschrei wurden Einige sofort bewußtlos und schwer be- schädigt herausgeholt. Bei dem Zusammensturz des Gemäuers �... � ac.' �------ von den Mauersteinen - getragen günstigt; Pfaffen, die aus christlicher Liebe die größten Ver- wurden 10 Arbeiter und Arbeiterinnen brechen vollbracht haben, werden laufen gelassen, höchstens ver- mehr oder weniger schwer verletzt, ohne unter die Trümmer zu setzt, und der ehrliche Finanzminister, der nicht das Beispiel gerathen; sie wurden ins Krankenhaus geschafft. Die Unglücks- seiner Collegen von der„Ordnungspartei" befolgt hat, mithin stätte ist durch Gensdarmen abgesperrt. Freiwillige Arbeiter arm geblieben ist, wird von Land zu Land gehetzt. sind bei den Rettungsarbeiten thätig. Die Zahl der Verschütteten Die erste Auflage des inkriminirten Buchs(1500 Exemplare) zur Stunde noch nicht feststehend. wurde in Zeit von drei Tagen bis auf 150 abgesetzt, so daß Gegen 3'«9 Uhr stürzte von den stehenden Ruinen etwas gleich eine neue Auflage folgen mußte. So hat die Regierung nach. Die Arbeiter mußten das Rettungswerk einstellen; einer das Gegenthcil von dem bewirkt, was sie wollte. derselben wurde schwer verletzt vom Platze getragen. Um 9 Uhr Herr Naquet, Mitglied der nach Hause geschickten franzö- wurde durch Verlesung festgestellt, daß 1 Maurer todt, 2 lebens- fischen Nationalversammlung, hat hier einige Vorträge gehalten: gefährlich verletzt, einer durch Abschlagen der Füße und Hände, den ersten über den 16. Mai, den zweiten über Darwinismus, einer durch schwere Kopfverletzung, 3 andere mehr oder weniger den dritten über die Liebe. verwundet." Den deutschen Parteigenossen diene zur Nachricht, daß die Soweit der„Zeitgeist". Wie gesagt, wenn hier das Haft- Parteigenossen deutscher Zunge in Brüssel regelmäßige Zusam- Pflichtgesetz nicht eingreift, so sind die Bauhandwerker nach wie menkünfte veranstalten, um sich über die Bewegung auf dem vor solchen schrecklichen Eventualitäten ausgesetzt. Oder sollte es Laufenden zu erhalten.— Hier ankommende Freunde unserer wirklich wahr sein, was man sich erzählt: daß nämlich die Bau- Sache nyögen sich bei dem alten Veteran der Demokratie, F. Handwerker deshalb nicht unter das Haftpflichtgesetz gestellt sind, Rothmayer, Rue de l'Empereur Nr. 24, melden. weil man befürchtet, die Baumeister allzusehr in ihrer Existenz Mit sozialdeinpkratischem Gruß A. Christen. zu schädigen, da die haftpflichtmäßigcn Unglücksfälle zu zahlreich Stuttgart, 24. Juli. Am letzten Samstag, Sonntag und vorkommen würden? Ist schon möglich. Aber dann ist es auch Montag hatten wir das Vergnügen, unfern Parteigenossen die höchste Zeit, daß die Banhandwerker alle Energie entwickeln, Grillenberger aus Nürnberg in unserer Mitte zu sehen, um diesem empörenden Zustande ein Ende zu machen. Und wenn die Baumeister Hunderttausende von Mark zahlen müssen — nicht ein Bauarbeiter sollte mehr dem Lichtsinn und Eigen- nutz der Baumeister umsonst Leben und Gesundheit! opfern müssen. Allen Kein, 18. Juli. Die katholische Geistlichkeit hat sich nun auch in unserem Ostpreußen ein Wallfahrtsgeschäftchen ein- gerichtet, daß recht einträglich zu werden verspricht. In dem vom hiesigen Orte ca. 3 Meilen entfernten Dorfe Dietrichs- walde ist nämlich vor einigen Tagen auf einem im Garten des dortigen Pfarrers befindlichen Ahornbaum die heilige Jungfrau mit dem Jesuskinde zweien unschuldigen Mädchen erschienen, den- selben mittheilend, daß an diesem Orte ein Kreuz gebaut werden solle, wofür dann Wunder geschehen würden. Eine unglaublich große Menschenmenge wallfahrtet jetzt aus ganz Ostpreußen dahin. Die Verbindung dieser Pilger mit der Erscheinung wird nur durch die erwähnten 2 Mädchen besorgt, während die Menge selbst nichts wahrnehmen kann. Später, so heißt es, wenn das Kreuz ganz fertig sein wird, wird sich wohl auch die Mutter Gottes dem Volke zeigen. Selbstverständlich geschehen auch jetzt schon Wunder, in dem z. B. die Blätter des betreffenden Ahorn- baumcs bei Blinden das Sehvermögen wieder herstellen und das in der Nähe der Erscheinung befindliche Wasser viele Krankheiten heilt. Da die ganze Gegend hier herum durchweg katholisch und, wie man ja wohl weiß, nicht allzu aufgeklärt ist, so haben die Pfaffen mit dem Volke ein leichtes Spiel. Sollte ich näch- stens in der Lage sein, nähere Mittheilungcn über dieses Trei- ben machen zu können, so werde ich nicht verfehlen, dieses zu thun. Berichtigung. In dem Artikel„Zwischen zwei Gewittern" m voriger Nr. muß es S. 4 in der Mitte der zweiten Spalte statt Tri- peus heißen Tripous, und am Schluß:„Gleich dem Hahnenschrei" statt-„Gleich nach dem Hahnenschrei. Briefkasten der Redaktion. Sch. in Br.: Sie irren vollständig, wenn Sie glauben, in dem vorliegenden Fall„den Teufel bei seiner Großmutter verklagt" zu haben. Die„Großmutler" hat sich sehr lebhaft beim „Teufel" verwandt, wie letzterer gern bezeugen wird. Aber auch Teufel's„Großmutter" hat doch wohl das Recht, eine eigene Meinung über einen beliebigen Jemand zu haben, und diese dem betreffenden Jemand, wenn er sich an sie wendet, mitzutheilen.— Kurz, Sie sind auf dem Holzweg, und Ihre Vermuthung entbehri jeder Grundlage.— Sch. in X.: Werde empfehlend nach H. schreiben. Gruß.— Quittung. Gglr hier Ab. 6,60. Schlz hier Ab. 3,00. Brln Pegau Ab. 4,00. I. Frnz Zürich Ab. 10,80. W. Brcke Braunschweig Ab. 300,00. Expedition der„Fackel" hier Ab. 6,00. Schneidergew. hier Ann. 6,80. Fllrmnn Lohn-Nienburg Ab. 20,00. Expedition der „Dresdener Volkszeitung" durch Schltr Ab. 129,00, Schr. 88,90. Ar- beiterbildungs-Verein Linz Ab. 4,92. Grbn Berlin Schr. 2,45. Sbl Dortmund Ab. 9,60, Schr. 3,22. Anzeigen tc* Annoncen für die Mittwoch s-Nnmmcr müssen bis Mo»- tag Bormittags 9 Uhr; für die Freitags-Nnmmer bis Mitt- woch-BormittagS 9 Uhr; für die sonntaaS-Nummer bis Frei- tag Vormittags 9 Uhr hier sei«, wenn solche noch bestimmt Aufnahme finden sollen. Annoncen, denen der Betrag nicht beiliegt, oder für welche der Einsender kein Depot bei unS hat, können eine Aufnahme nicht finden. Die Expedition des„Vorwärts". Flensburg. Lusttour nach Kiel mit dem Dampfschiff„Holsatia". Abfahrt von der Norderdampfschiff- brücke 5 Uhr früh. Abfahrt von Kiel 11 Uhr Abends. Preis � Mark 50 Psg. Kinder unter 14 Jahren die Hälfte. Karten sind bis Frei- tag, den 3. August an den bekannten Stellen zu haben.(2,70 Um zahlreiche Bctheiligung ersucht Das Comits. (Hos Donnerstag, den 2. August, Abend« S'/j Uhr, im Lokal zum„Engliichen Garten": Versammlung der Zeichner von Antheilscheinen zur Herausgabe der „Schleswig-Holsteinischen Volks-Zeitung".! Tagesordnung: Statut enberathung und Wahl eines Delegirten zu der am 5. August in Itzehoe stattfindenden Generalversammlung behusS Gründung der Genossenschaft.(F. 180) 1,20) Für die Commission: Heinzel. Donnerstag, den 2. August, Abends 0,9 Uhr, im i)* Saale des Hrn. Michael, gr. Windmühlenstr. 7: Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Die Kämpfe der unfreien Arbeiter im Alterthum. Ref.: I. Mottelcr. Parteikartcn sind vorzuzeigen. Der Agent. s70 Wahlkreis Calbe-Ascherslebcn. sS äÄ ferenz stattfinden. Ich ersuche daher, mir aus jedem Orte dieses Kreises die Adresse eines Gesinnungsgenossen, der offen unsere Sache vertritt, zukommen zu lassen.(2a)(F. 210)(50 Leopoldshall b. Staßfurt. C. Bönsch, KarlSstr. 2. Vom Protokoll des zu Gotha stattgehabten Sozialisten- Congresses ist noch eine kleine Partie vorräthig. Preis 25 Psg., bei Bezug von mindestens 5 Exemplaren 20 Psg. Versendung nur gegen baar oder Nachnahme unter Beifügung von 10 Pf. Porto für je 5 Exemplare. Bestellungen sind zu machen bei C. Dcrossi, Hamburg, Pferde- markt 37 III. Wir empfehlen unsere Beilage zur„Neuen Welt" Nr. 20, ent- haltend: Karten vom russisch-türkischen Kriegs- schauplatze. Preis pro Stück 10 Pfg. In Partien billiger. Leipzig.. Die Expedition der„Nenon Welt". Färberstr. 12. IL Verantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipzig. •uiat»n und Exped t»n Färberstrapt 12/11. in Leipzig. Oruilt und P r'.q d» G'NSjl-nsibsstSbuchdru-üire: n Le-p��