Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Abonnemontspreis für ganz T eutichland t M. SO Pf. pro Quartal. Monat?- Abonnement? werden bei allen dcutichen Postanstalten auf den 2. und 3. Monat, und aus den ».Monat delonder? angenommen: im »Snigr. Sackfen und Herzogth. Sachsen- Wtenburg auch auf den tlen Monat de! Quartal? k 5! Pfg. Jaserarc detr. Lersammlungen?r. Petitzcile 10 Pf., betr. Prioatangelegenheiten und Feste Pro Petitzeile ZO Pf. Vestellungen nehmen an alle Postanstalten und Buch- Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. New-Dort: Soz.-demolr. Gcnosien- fchaftsvuchdruckerei, lbt Dllloiii�o Str. Philadelphia: P. Hag, 630 North 3ra streut. I. Boll, 1129 Charlotte Str. Hobo? en N.J.: F. A. Sorge, 215 IVush- in�ton Str. khicago: A. Lanfcrmann, 74 Olyhournc San FranziSco: F. Eni), 41S C harrell Str. London W.: C. Hönze,« Nev Str. koläen Square. Gentrat Hrgan der Soziatdemokratie Deutschtands. Nr. 92. Mittwoch, 8. August. 1877. Offen und ehrlich! sondern an das ganze Sündersystem, an die heutige herrschende Gesellschaft und die allgemein gehegte und gepflegte Ausbeutung Wenn eine Zeitung, die im Allgemeinen die Grundsätze der � der körperlichen und geistigen Arbeitskraft halten, dann treffen herrschenden Gesellschaft vertritt, in Bezug auf einzelne Punkte, dieselben den Nagel auf den Kopf; in ähnlicher Weise haben welche die soziale Frage berühren, einmal offen und ehrlich auf auch wir uns schon öfters ausgelassen. tritt, so sind wir gewöhnt, die betreffenden Sätze mehreremal. Zum Schlüsse wendet sich das Lauenburgische Blatt noch im hintereinander zu lesen, um uns zu überzeugen, daß wir es nicht Allgemeinen gegen die„Social-Correspondenz", indem es schreibt: mit einer optischen Täuschung zu thun haben, weil ein solcher„Wenn wir es hier unternahmen, für die Sozialdemokraten Fall zu den äußersten Seltenheiten gehört. einzutreten, so geschieht das gerechtigkeitshalber. Das er- Wir haben es aber hier mit einem solchen Falle zu thun; wähnte Blatt ist lediglich dazu ins Leben gerufen, die Sozial- die„Allgemeine Lauenburgische Landeszeitung", das Hauptorgan demokraten zu hekämpfen. Seine Artikel werden von sehr vielen im Herzogthum Lauenburg, dieser Bismarckischen Domäne, bringt � anderen Blättern nachgedruckt und im Vertrauen auf den be- in ihrer Nummer 172 einen Leitartikel mit der Ueberschrift: rühmten und gewichtigen Namen, der an seiner Spitze steht, „Eine kühne Behauptung". In demselben rcproduzirt sie � werden sie oft von denselben kaum erst auf ihre Haltbarkeit hin zunächst einen Satz aus der Dresdener„Sozial-Correspondenz"! geprüft. Wir sind aber überzeugt, daß man gerade durch solche des Herrn Böhmer!, der folgendermaßen lautet:" Kampfesart der Lösung der sozialen Frage nur entgegen- „Eine chemische Analyse zu geben, wieviel Prozent Schuld an arbeitet. Es kann ja für jeden, der mit in den sozialen Kampf dem gegenwärtigen Rothstande auf den Geschäftstaumel, der eintritt, nicht darauf ankommen, die Sozialdemokratie Gründerzeit kommen und wieviel auf andere Dinge und Wen schcn, maßen wir uns nicht an, halten aber mit voller Zuversicht die Behauptung aufrecht, daß die anhaltende Stockung von Gewerbe und Handel zum Theil, und zwar zum großen Theil hervorgegangen sein muß aus der sozialdemokrati- schen Aufwiegelung. Denn bekannt genug ist es doch, daß viele, die ehedem für eigene Rechnung großen Unternehmungen vorstanden, diese nur darum in Aktiengesellschaften umgestalteten, weil sie es müde waren, Tag für Tag mit Arbeitern zu ver- kehren, von denen sie für„Aneigner fremden Verdienstes, Preller, Blutsauger, Plusmacher, Leuteschinder, Umsonstfresser ic." gehalten wurden. Viele Industrielle scheuen ausgedehnte Geschäfte und beschränken sich auf das nothwendigste, weil, je mehr Arbeiter fie anstellen, desto mehr Aussicht ist auf Hader und Verdruß." Die„Allgemeine Lauenburgische Landeszeitung", welche sich zum Schlüsse des Artikels als Gegnerin der Sozialdemokratie zeigt und von dem sinn- und anstandslosen Austreten vieler der „Führer", von den mißverstandenen Phrasen und Forderungen einer Anzahl von„Anhängern" spricht— dies sei ihr aber völlig vergeben— bemerkt nun zu obigem Citat aus der„Social- Correspondenz" sehr treffend: „Schon die so apodiktisch aufgestellte Behauptung, daß die anhaltende Stockung von Gewerbe und Handel zum großen Theil hervorgegangen aus der sozialdemokratischen Aufwiegelung, scheint uns gewagt. Wir halten sie für ebenso falsch, wie die, die Ge- wcrbesteiheit habe all das Unheil verschuldet; denn wie hier, so sehen wir in unserm Falle die„anhaltende Stockung" auch in denjenigen Ländern, wo die Sozialdemokratie nicht so an der Tagesordnung ist, wie bei uns. Wir glauben im Gezentheil, daß die fast einzige und Hauptschuld an all der Roth und dem Elend, das wir in wirthschaftlicher Beziehung jetzt erleiden, die Verstands- und gewissenlose Spekulation trifft, welche lediglich sich zu bereichern und dazu den Äugenblick auszubeuten bestrebt war. Mit welchem Rechte will man denn heute, nach der durchlebten Gründerperiodc, die Arbeiter anklagen, daß sie für ihre Arbeit einen möglichst hohen Lohn forderten und erlangten, wenn man gesehn, wie um sie herum die Unternehmer in wildem bacchantischen Taumel sich Gewinne schufen, die nicht etwa ein Ertrag ihrer Arbeit, sondern nur ein Produkt ihres Schwindclns waren. Wir halten es zum mindesten für gewagt, es dem Ar- beiter zum Vorwurfe zu machen, daß er den Tag 1, 2 oder 3 Mark mehr erhalten, daß er etwas mehr freie Zeit zur Erholung haben, daß er nicht wie ein Droschkengaul leben wollte, und das alles doch nur als ein Aequivalent für die von ihm geleistete Arbeit erstrebte, während von einer Unmasse von Unter- nehmern die Nation um Hunderttausende durch fingirte und künstliche Werthe geradezu bestohlen und betrogen worden ist, während sich glückliche»Spekulanten durch ihre Arbeiter m „schwindelnd" kurzer Zeit zu Millionären und Rentiers um- arbeiten ließen." Nun, das läßt sich von einer gegnerischen Zeitung schon hören— auch Herr von Bismarck, welcher seiner Zeit im Reichstag gleichfalls die„Führer" der Sozialdemokratie für den todt zu machen, sondern die soziale Frage in Wahrheit zu lösen." Selbst die Schmeichelei mit dem„berühmten und gewichtigen Namen"— ganz abgesehen davon, daß diese Bemerkung lediglich auf Ironie beruhen dürfte— kann Herrn Böhmert und seine College» nicht trösten gegenüber dem treffenden Verdammungs- urtheil der albernen und niederträchtigen Kampfesweise der „Social-Correspondenz". Daß die vielen kleinen Provinzialblätter den Unsinn Böhmert's, ohne ihn einmal vorher gelesen zu haben, nachdrucken, ist be- kannt, denn läsen die Herrn Redakteure die Artikel der„Social- Correspondenz vorher, so würden sie trotz ihrer geringen Bil- dung sich schämen, von derlei traurigem Geschwätz Notiz zu nehmen. Daß die„Social-Correspondenz" für uns, ohne es zu wollen, agitirt, das ist eine längst bekannte Thatsache; für unsere Partei wäre also eine lange Existenz jenes Blattes von Nutzen, aber für das Volk im Allgemeinen, welches die Provinzial- und Kreis- blätter liest, ist es zu bedauern, daß man ihm solche Kost zu reichen wagt. Und diese Ansicht leuchtet auch aus dem Artikel der„Lauen- burgischen Landeszeitung" hervor, die den Muth hat, offen und ehrlich dem uniourdigen Treiben ihrer eigenen Partei- genossen entgegcnziUreten, welche es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, die Sozialdemokratie zu verdächtigen und zu verleumden. Aus Nordamerika. New-Iork, 13. Juli. Wenn der Telegraph es Ihnen nicht schon gemeldet hat, so kommt hier die Mittheilung noch immer recht, daß man die zwölf pennsylvanischen Kohlengräber, von deren bevorstehender Hin- richtung ich Ihnen schrieb, wirklich an einem Tage gehängt hat, bis auf Einen, welcher demnächst davon kommen soll. Sie haben sich alle am Galgen für unschuldig des ihnen zur Last gelegten Verbrechens erklärt, und es liegen schwer zu beseitigende Ver- dachtsgründc vor, daß es sich hier um einen Justizmord handelt, an welchem dann der Erzbischof Wood von Philadelphia mit- schuldig sein würde. Die elf waren— bis auf einen— alle gläubige Katholiken; sie haben natürlich dem Erzbischof, welcher lange mit ihnen im Gefängnisse verhandelt hat, entweder selbst, oder durch ihre Beichtiger reinen Wein einschenken müssen. Sie scheinen also gemordet worden zu sein als Mitwisser, welche aber ihre Kameraden und eigentlichen Thäter nicht haben ver- rathen wollen, und der Erzbischof hat sie deshalb ihrem Schicksale überlassen. Sie sind mit großer Fassung gestorben. Warum auch nicht? Ihr Leben war ja weniger wünschenswerth als der Tod. Bemerkcnswerth ist, daß die meisten Berichterstatter für die große Tagespresses welche am Orte der Hinrichtung und bei den Schlachtopfern im Gefängnisse waren, zwar— wie natürlich in den verurtheilenden Ton dieser Blätter einstimmen, aber -v �-- v r.,■ J. scharfe Schlaglichter auf die Zustände in den Kohlenbezirken, die Ruckgang der deutschen Industrie verantwortlich zumachen suchte: allgemeine Verschworenheit der besitzenden Klassen daselbst gegen und vom Reichstage nur durch den Schluß der Debatte vor die Arbeiter, das Benehmen der Behörden und die Verzweiflung einem traurigen Fiasko bewahrt wurde, auch�Herr�o. Bismarck der Kohlengräbcr fallen lassen. � Sie verrathen unwillkürlich ihre , au, kann aus obigem Satze etwas lernen und �ich noch besonders freuen, daß ihm diese Lehre gerade aus seinem Lauenburger Ländchen angedeiht. Die„Lauenburgische Zeitung" fährt nun fort: „Noch schlimmer aber scheint es uns mit der Behauptung zu stehen, daß viele Inhaber großer Unternehmungen ihre Eta- bliffements nur darum in Aktienunternehmungen umgewaudelt________, hätten, weil sie es müde waren, Tag für Tag mit den Arbeitern vergebens. Wenn dieser Justizmord den Kohlengräbcrn die zu verkehren. Dem steht allein schon gegenüber, daß wirklich Uebcrzeugung beibringen sollte, daß nicht Geheimbünde, sondern Ucberzeugung, daß dieser Massenmord ein Schreckschuß für die Geheimbünde der Arbeiter und ein Mittel sein sollte, die armen Lohnsklaven noch unterwürfiger zu machen. Zahlreiche Arbeiter- Versammlungen im Lande haben durch Massenversammlungen die beabsichtigte Hinrichtung zu verhindern gesucht, aber der argen Corruption der pennsylvanischen Behörden gegenüber und an- gesichts des arbeiterfeindlichen Tones der gesamniten Tagespresse viele förmlich an den Haaren� sind dazu herangezogen worden, sich gründen zu lassen. Diese haben doch wohl auch mit Ar- beitern zu thun gehabt. Ferner braucht man nur die coloffalen, den wirklichen Werth oft um viel mehr als das Doppelte über nur offene Agitation im Anschlüsse au die Arbeiterpartei ihrem Elend steuern könne, so wären die Zwölf nicht ganz umsonst gestorben. Die Ausfuhr der Bereinigten Staaten hat im verflossenen steigenden Summen anzusehen, die bei solcher Umgründung ge- Finanzjahr(!. Juli 1876 bis dahin 77) nahezu 600 Millionen zahlt wurden, um sich die Frage, was denn wohl der Grund! Dollars, die Einfuhr dagegen nicht viel über 4V0 Millionen verleiben gewesen sei, zu beantworten. Die Erinnerung an alle I betragen. Man würde aber sehr irren, wenn man diese bedeu- oie vetrügerischen Manipulationen, die gerade bei der- Rende Gunst der Handels-Bilanz für ein Zeichen unseres Wohl- artigen Umwandlungen privater Geschäfte vorgenommen worden, standes und Gedeihens ansehn; gerade das Gegentheil wird da-. cj?"och so frisch in aller Gedächtniß, daß man! durch bewiesen. Wir führen noch immer weit überwiegend bllllg steh scheuen sollte, schon jetzt auf diese Weise einen künst- Lebensmittel und Rohstoffe(Baumwolle, Heu:c.) aus, und uchc» suudcnbock dem Schwindel- und Bereicherungsfieber unter- Luxuswaaren ein. Wir exportiren die Fruchtbarkeit unseres m»'®a3u stehen doch wohl die eigentlichen Sünder und Bodens und die Erzeugnisse schlecht bezahlter Arbeitskraft, und 'hoe Namen noch zu gebrandmarkt vor uns." importiren Tand und Flitter für die Wohlhabenden. Die stete Wenn wir diese Sätze ihres allzu persönlichen Beiwerks Abnahme unserer Einfuhr, welche ohnehin die Abnahme unserer entkleiden, wenn wir uns nicht an die eigentlichen Sünder", Kaufkraft anzeigt, wird außerdem dadurch aufgewogen, daß so viele unserer Wohlhabenden ihre Einnahmen in Europa ver- zehren— im letzten Jahre, zufolge Nachweisen der Wechsel- Häuser, volle 100 Millionen Dollars. Die ungemein starke Aus- fuhr unserer Lebensmittel, mit deren Erlös wir diese Abwesenden in Europa unterhalten, und welche nur durch die arge Spekulation auf einen allgemeinen europäischen Krieg so hoch ansteigen konnte, hat unfern einheimischen Arbeitern die Lebensmittel vertheuert. Mit den übrigen 100 Millionen haben wir theils die Zinsen unserer Schulden an europäische Gläubiger bezahlt, theils unsere Schuldscheine zurückkaufen müssen, weil den Gläubigern gerade jetzt das Baargeld sicherer vorkommt— und diese Schuldsumme hat also nur die Hände gewechselt, ist nicht getilgt. Unsere Fabrikanten hatten auf große Bestellungen von Europa gerechnet, weil die Weltausstellung in Philadelphia unsere Ueberlegenheit im gewerblichen Großbetriebe an's Licht gebracht hat. Die all- gemeine Lohnherabsetzungswuth kam theilweise daher, daß man bei billigern Löhnen in Hunderten von Fabrikwaaren Europa auf allen seinen Märkten unterbieten zu können dachte. Und die Erwartung wäre gewiß gerechtfertigt worden— aber die Kriegsfurcht draußen lähmt glücklicherweise den Absatz. Wir sagen glücklicherweise; denn es unterliegt keinem Zweifel, daß der amerikanische Erffndungsgeist bei größerer Kapital-Anlage (und dazu würde wohl Europa ihm verhelfen) sehr bald mit fast jedem Artikel jeden Weltmarkt erobern könnte. Wir werden gelegentlich eine Zusammenstellung liefern, welche beweist, wie ungleich rascher hier die Concentration des Kapitals, die abge- feimteste Theilung der Arbeit und die Anwendung der sinn- reichsten Maschinerie zunimmt, verglichen mit drüben. England ist nicht länger, wie Karl Marx es genannt hat, das„klassische Land" der Großproduktion, des Kapitalismus und der Äour- gcoisie, Amerika ist es jetzt und wird es mehr und mehr. Die Zeiten werden vorläufig etwas besser, wenn auch sehr wenig. Zunächst haben wir eine Ernte eingeheimst, oder noch zu erwarten, welche durch ihren überschwenglichen Ertrag alle Spekulation bankrott machen und umsomehr die Lebensmittel in: Preise herunterdrücken wird, als der allgemeine europäische Krieg in der nächstenZeit ausbleiben dürfte,(?) die Lebensmittelausfuhr also abnehmen muß. Sodann haben zahlreiche müßige städtische Arbeitskräfte auf dem Lande Unterkommen gefunden, wo die hohen Lebensmittelpreise zu einer ungewöhnlich ausgedehnten Bodenbestellung verlockt haben. Endlich haben die Arbeitshäuser und Gefängnisse einen Theil der brodlosen Arbeiter festgesetzt. Freilich ist die Zahl der noch frei nach Arbeit und Brod Herum- suchenden noch immer größer als je vorher in gewöhnlichen Zeiten. Das Gefästgniß-Contraktwesen, welches fast allerwärts in den Vereinigten Staaten in voller Blüthe steht, hat neuerdings einen Stoß erhalten. Im Staate Ohio ist ein Bericht eines Comitäs der Legislatur erstattet worden, welcher nicht schlagender die Verderblichkeit der Verpachtung von Gefangenarbeit an Unter- nehmer nachweisen könnte, als er's thut, und wenn dieser Bericht auch nicht sofort Früchte getragen hat, so wird er's noch. Man sieht dies schon daraus, daß auch in zwei oder drei andern Legislaturen Anträge auf Abschaffung dieses Unwesens eingebracht worden sind. Man kann nicht beweisen, daß die Arbeiter auf diese Bewegung viel Einfluß gehabt hätten, da vielmehr Haupt- sächlich das Interesse, mitbewerbender Arbeitgeber zur Sprache kam; allein man würde auch soviel nicht erlebt haben, gäbe es keine Arbeiterpartei, die von sich reden macht. Innerhalb unserer Partei ist— wenn auch nicht Einigkeit— doch mehr Frieden eingekehrt, und der in den Parteiblättern und Sektionen herrschende Zwiespalt darüber, ob mehr politisch, oder mehr ökonomisch vorgegangen werden soll, wird ruhiger, ohne die früheren Verdächtigungen und Gehässigkeiten verhandelt. Leider liegen die beiden obersten Parteibehörden im Streite, der Vollziehungsausschuß in Chicago und die Aufsichtsbehörde in New-Havon erklären gegenseitig ihre Beschlüsse sür nichtig, und verhindern dadurch die baldige Ausgleichung aller streitigen Puukte, während die Sektionen sich um die eine und die andre Behörde schaarcn, ohne daß noch ein Vorschlag zur Beilegung alles Streites gemacht wäre. Hoffen wir auf baldige Beilegung. In der republikanischen Partei dagegen ist eine Spaltung am Ausbruch, welche die durch Mr. Hayes Hineinschmuggelung in's Präsidentenamt beendigten Wirren wieder eröffnet. Die alten Gewerbspolitiker in dieser Partei sind unzufrieden mit Hayes, weil er in Louisiana und Südcarolina die Bundestruppen zurückgezogen und dadurch diese Staaten unwiderruflich den demokratischen Weißen in die Hände gespielt hat; sowie weil er unter dem Vorwande einer„Reform in der Aemterbesetzungs- weise" Tausende von— natürlich republikanischen— Bundes- beamten abgesetzt, die Zahl der Aemter vermindert und eine Neubesetzung mit seinen und seiner Anhänger Günstlingen be- gönnen hat— also ganz was wir vorhergcsagt. Die Unzu- fticdenen, zu denen einige sehr einflußreiche Politiker gehören, scheinen enffchlossen, im Congrcß eine Steuerverweigerung durch- zusetzen, was gar nicht unmöglich ist. Da nun Herr Hayes mit den Nationalbanken, der Südlichen Stille- Meer-Eisenbahn Ge- sellschaft und der hohen Finanzwelt insgesammt sich eingelassen hat, nach dem bekannten Satze„Eine Hand wäscht die andere", so wird es diesmal ungeheure Summen kosten, um die wider- spenstigen Parteianhänger zurückzukaufen; ja, die Bestechung mag mißlingen und die Absetzung des Präsidenten zur Folge haben. In Louisiana hat nämlich das neue Obergericht des Staates die Stimmenzählungsbehörde unter Anklage gestellt, daß sie den Wahlbericht gefälscht und Hayes statt Tilden in's Präsidenten- amt gezählt habe. Diesmal ist es mit der Untersuchung bitterer ! Ernst, und eme Berurtheilung der Fälscher(Republikaner) sehr wahrscheinlich. Wozu dieser Skandal noch führen kann, das wagen wir nicht vorherzusagen. Gewiß scheint nur, daß die herrschende Partei eine Menge unabhängiger, ehrlicher Stimm- geber verlieren wird, daß eine andere Parteibildung immer näher rückt. Wie prächtig könnte unsere Partei bei gehöriger Einigkeit dies ausbeuten! Dem Zusammentritt des Congresses am 1. Oktober wird mit Spannung entgegengesehen. Der Ausstände in den Fabriken sind noch immer sehr viele, von denen selten einer erfolgreich ist, theils aus Mangel an Organisation, theils der Geschäftsstille wegen. Viel häufiger ist der Fall von Lohnabzügen, welche die Arbeiter sich ruhig ge- fallen lassen. In vielen Gemeinden des Landes sind auch den Lehrern Lohnabzüge gemacht worden, ohne daß die Betroffenen im mindesten an Organisation und Widerstand dächten— freilich sind über drei Viertel aller Lehrer niedrig besoldete Frauen, weshalb auch alle Personen von Willenskraft und Fähigkeiten den Beruf meiden, und die Leistungen der Volksschule— mit seltenen Ausnahmen— stetig herabgehen. Es ist schon soweit damit gekommen, daß man statistisch nachweisen will, daß ein überwältigend großer Prozentsatz unserer Verbrecher eine Volks- schul-Erziehung genossen habe. Natürlich ist der Beweis er- schlichen; aber der Versuch ihn zu erbringen beweist die wachsende Feindschaft der herrschenden Klasse gegen die Volksschule und spricht nicht eben sehr zu Gunsten der Leistungen derselben. Andere Pröbchen der entschiedenen Feindschaft der Bourgeoisie gegen die Volksschule giebt es sehr viele; es ist immer gut, daß sie dieselbe noch zu verhüllen suchen muß, weil sie noch zu viel Widerstand wittert. Daß die katholische Klerisei hier Ordre hat, die Volksschule durch den Autrag auf Theilung des Schul-Fonds nach der Kopfzahl der Glaubensbekenntnisse zu Grunde zu richten, bekennen einige ihrer Bischöfe ziemlich unverhohlen; daß dies nur eine Minderzahl zu thun wagt, während einzelne aus der Mehrzahl sich offen für die Volksfreischulen erklären, mag eben- sowohl Furcht vor der kirchlichen Lauheit der katholischen Volks- mehrheit bedeuten, als kluge Politik, gemäß welcher immer zuerst blos Einzelne Sturm laufen und die Bresche ersteigen müssen. Dank der Offenheit jener Sturmläufer sammeln sich die vorher flauen Nichtkatholiken wieder mit ziemlichem Eifer um die be- drohte PoMschule; leider aber müssen die deutschen und andre Ungläubigen das verhaßte Bibellesen und Beten darin mit in den Kauf nehmen, wenn sie mit Hülfe der kirchentreuen Pro- testanten den Angriff der Katholikenpartei abwehren wollen. Sozialpolitische Uebersicht. — Wir sind oft und eindringlich dafür eingetreten, daß die Haftpflicht bei Unglücksfällen auch auf die Baugewerke ausgedehnt werden müsse; diese Ansicht wird durch die wieder- holten Unglücksfälle, die in München in den letzten Tagen statt- fanden, in sehr eindringlicher Weise unterstützt. Auch hat sich eine dort abgehaltene, zahlreich besuchte Volksversammlung dieser Ansicht angeschlossen und folgende Resolution an den Reichstag angenommen:„Die Volksversammlung erklärt, daß der deutsche Reichstag dadurch, daß er die ihm zu wiederholten Malen ein- gereichten und mit Tausenden von Unterschriften versehenen Pe- titionen, die Erweiterung des Haftpflichtgesetzes auf das Bau- gewerbe betreffend, niemals in Berathung gezogen hat, das In- tereffe eines bedeutenden Bruchtheils des arbeitenden Volkes, der Bauarbeiter, nicht wahrgenommen hat.— Von den Vertretern Münchens im deutschen Reichstage, Freiherr v. Stauffenberg und geistlicher Rath Dr. West er map er, fordert die Volksversammlung nunmehr jedoch, daß dieselben angesichts der in Folge leichtsinniger Ballführung in München jüngst stattgehabten schwe- ren Unglücksfälle in der nächsten Session des Reichstages einen Antrag, dahin gehend, stellen, resp. unterstützen, daß die Be- stimmungen des Gesetzes vom 7. Juli 1871 auf die Baugewerbe ausgedehnt, mit entsprechender Abänderung des Titels, also im § 2 des angeführten Gesetzes statt der Worte„oder eine Fabrik" die Worte„eine Fabrik oder ein Baugewerbe" gesetzt werden. Diese Resolution soll mit ihren Unterschriften den Reichstags- abgeordneten für München und dem Bureau des deutschen Reichs- tags abschriftlich mitgetheilt werden."— Daß die sozialistischen Reichstagsabgeordneten diesen Antrag unterstützen werden, ist selbstverständlich. — Der Bericht der Münchcn-Gladbacher Handels- kammer, dessen charakteristische Besprechung durch die„National- liberale Correspondenz" wir früher schon erwähnten, ist so bezeichnend für die heutige Mißwirthschast und deren Trägerin: die Bourgeoisie, daß wir den Hauptinhalt nach dem Resumö der Berliner„Nationalzeitung" mittheilen müssen. „Gladbach, 17. Juli. Der Jahresbericht der Handelskammer Zur Naturgeschichte der nationalliberalen Jour- nalisten und Reichstagsabgeordneten. Der Prozeß des Vaters der„schwarz-rothen Schlange", des Redakteurs der Berliner„Nationalzeitung" und Rcichstagsabge- ordneten Fritz Dernburg gegen unseren Parteigenossen Ulrich bietet so interessante Momente, und wirft auf die herrschende politische Moral ein so Helles Licht, daß wir uns nicht versagen können, die Hauptpunkte hervorzuheben. Im Sommer vorigen Jahres(am 11. Juli 1876) brachte die von Ulrich redigirte „Neue Offenbacher Zeitung" unter dem Titel:„Die deutsche Industrie und ihr Verfall" einen Artikel, in welchem auf die notorische Bestechlichkeit der„Nationalzeitung" hingewiesen und ' Herr Dernburg als Redakteur dieses Blattes verdientermaßen nicht sehr glimpflich behandelt wurde. Nun hieß es aber in dem betreffenden Satz:„der Redakteur dieses Blattes, welcher notorisch bestochen worden ist", und da es Hrn. Dernburg per- fönlich nicht nachgewiesen werden kann, daß er sich hat be- stechen lassen, so lag in diesem„welcher" eine ungerechtfertigte Beschuldigung gegen die Person Dernburg's. Dernburg klagte, wozu er ein vollkommenes Recht hatte, Ulrich wird vorgeladen, und, als die inkriminirte Stelle ihm vorgelegt worden, erkennt er sofort, daß die Klage auf einem Druckfehler beruht, indem ein r an die Stelle eines s gekommen, Herr Dernburg, welcher nicht nachweisbar bestochen, an Stelle des nationalliberalen Hauptorgans, welches nachweisbar bestochen. Ulrich sprach den Argwohn aus, daß ein bestimmtes, von den Nationalliberalen notorisch beeinflußtes Subjekt den Druckfehler absichtlich veran- staltet habe, um Ulrich in eine Falle zu bringen, und erklärte sich sofort bereit, den Druckfehler zu berichtigen und die unab- sichtliche Anklage gegen die Person Dernburgs formell zu wider- rufen, was er auch in der nächsten Nummer der„Neuen Offen- bacher Zeitung" that. Dagegen hielt er vor Gericht und im Blatt die Anklage gegen die„Nationalzeitung" ihrem ganzen Umfange nach aufrecht, und erklärte sich bereit, den Beweis der Wahrheit anzutreten, zu welchem Behuf er die Herren v. Diest- Daber, Prinz Handjery und Gehlsen als Zeugen vorschlug. Nach gewöhnlichen Begriffen war Hrn. Fritz Dernburg jetzt sein Weg sehr deutlich vorgezeichnet. Die vermeintliche Beleidi- gnng seiner Person hatte sich in nichts aufgelöst, aber wenn auch seine Person direkt nicht mehr engagirt war, so war sie zu München-Gladbach pro 1876 bemerkt über die hiesigen Arbeiter- Verhältnisse während des verflossenen Jahres, daß die Geschäfts- läge in den Nachbardistrikten durchgängig eine noch schlim- mere gewesen sei, die Einwanderung von Arbeitern aus den- selben dauernden Fortgang genommen habe und, wenn auch keine wesentliche(?) Ermäßigung der Löhne, doch zur Folge hatte, daß der frühere Mangel an Arbeitskräften aufhörte; höch- stens fehlte es noch einigermaßen an gutgelernten Leuten, während im Ganzen kein Mangel an Arbeitern war. Diese Aenderung der Verhältnisse habe für die Leistungsfähigkeit der Industrie das Gute gehabt, daß von dem Arbeiter wieder die Pflicht- gemäße Erfüllung billiger Anforderungen in den Leistungen verlangt und durchgesetzt werden kann. Es trete jetzt immer deutlicher hervor, wie nachtheilig die durch die früher starke Nachfrage nach Arbeitskräften gelockerte Disziplin für beide Theile, Arbeiter und Arbeitgeber, gewirkt habe durch die stets zunehmende Schwierigkeit, eine gutgearbeitete Waare preis- würdig herzustellen. Denn nichts sei mehr geeignet, den Eon- sum zu verringern, als mangelhafte und dabei theure Waare; am meisten müsse dabei aber die Ausfuhr leiden, wenn derartige Zustände im concurrirenden Auslande weniger vorherrschen und die inländische Industrie in der Concurrenzfähigkeit dann sichtlich zurückbleibe. Bei dem bleibenden Zuzug von Arbeitern in den hiesigen Bezirk und dem schlechten Geschäftsgange seien die Löhne nicht weiter gestiegen(sehr merkwürdig!), aber auch mit Ausnahme für einige wenige(?) Manipulationen und dann nur in einzelnen(?) Etablissements nicht gefallen, so daß sie heute noch durchschnittlich um 25 Proz. höher sind als im Jahre 1872, 30 Proz. höher als 1871 und 35 Proz. höher als 1869/70. Es sei indeß nicht zu erwarten, daß sie sich auf dieser Höhe er- halten werden." Genug. In wie weit die Angaben der Handelskammer über die Lohnverhältniffe auf Wahrheit beruhen, das können wir nicht entscheiden. Der eine oder andere unserer dortigen Parteigenossen wird wohl so gut sein, diesen Theil des Handelskammerberichts einer Beleuchtung zu unterziehen. Desto sicherer über jeden Zweifel erhaben ist die Schluß- andeutung, daß eine weitere und zwar allgemeine Reduktion der Löhne zu erwarten sei. Die Lohnsklaven werden diesen Wink mit der Peitsche nach dem Brodkorb hoffentlich verstehn und das Kapital ihrer Kräfte möglichst bald im Dienst und zur Be- reicherung ihrer Herren von Geldsacks-Gnaden aufbrauchen. Dann wird nicht blos diesen geholfen— an der eigenen Bereicherung liegt den wackeren Patrioten ja bekanntermaßen sehr wenig— sondern auch der nationalen Industrie. Deutschland wird die Scharte von Philadelphia wieder aus- wetzen und die zerknirschten Sünder von Arbeiter, die durch ihre gotteslästerliche Ueppigkeit in den„fetten Jahren" die Geschäfts- krisis und durch die Anfertigung„mangelhafter und doch th eurer Waare"(der einfältige Ignorant Reuleaux nannte die Waare „billig und schlecht"— aber wie konnte die Waare denn „billig" geliefert werden, sintemalen die Löhne doch notorisch zu hoch waren?) den Rückgang der deutschen Industrie verschuldet haben— sie werden bei hochgehängtem Brodkorb Buße thun in Sack und Asche, und anbetend niedersinken vor dem goldenen Kalb.— Doch genug. Auf eine nähere Kritik des Machwerks uns einzulassen, fällt uns nicht ein. Jeder unserer Leser ist in der Lage, dasselbe richtig zu beurtheilen. Unser Zweck war, die colossale Unwissenheit und geistige Verrohung(die Freude über das Elend unter den Arbeitern) der Menschen, die diesen Bericht verfaßt, und der Menschen, in deren Auftrag er verfaßt worden, an den Pranger zu stellen, und dieser Zweck ist durch die ein- fache Wiedergabe des Hauptinhalts, der sich selbst richtet, vollständig erfüllt. — Zum Kapitel der Beeinflussung. Der Bergisch- Märkische Anzeiger", welcher zu Barmen erscheint, hat vor einigen Tagen ein interessantes Schreiben des Elberfelder Ober- Prokurators, Lützeler heißt die Persönlichkeit, womit derselbe sämmtliche Gerichtsvollzieher seines Sprengels bedacht hat, ver- öffentlicht. Dasselbe lautet: „Nach einer mir gewordenen Mittheilung sollen die Gerichts- Vollzieher häufig Blätter von staats- und regierungsfeindlicher Tendenz zu amtlichen Bekanntmachungen benutzen. Es ist dies nach einem Justiz-Ministerial-Reskript vom 2. Januar 1875 prinzipiell zu vermeiden, wenn es nicht ausnahmsweise im In- tereffe einer Partei geboten erscheint, oder von dieser berechtigter Weise verlangt wird. Ich spreche die Erwartung aus, daß Sie, meine Herren, dies künftig beachten werden, würde aber ge- nöthigt sein, disziplinarisch einzuschreiten, wenn durch regel- es doch indirekt. Gegen die„Nationalzeitung" war die denk- bar schwerste Beschuldigung erhoben; der Ankläger hatte sich be- reit erklärt, die Beschuldigung zu substantiiren— der Redak- teur der„Nationalzeitung" war verpflichtet, die Ehre des von ihm vertretenen Blattes und damit seine eigene zu verthei- digen, und— das konnte nur durch Ermittelung und Veröffent- lichung der Wahrheit geschehen. Stellte es sich heraus, daß die Anklage unbegründet war, gut, dann hatte er die Ehre seiner Zeitung, und damit die eigene gerettet, und für seine Partei einen moralischen Sieg erkämpft. Stellte es sich heraus, daß die Anklage begründet war, so war das Hauptorgan der natio- nalliberalen Partei allerdings moralisch todt, die nationalliberale Partei hatte einen wuchtigen Schlag empfangen, aber Fritz Dern- bürg hatte seine Pflicht gethan, jr konnte sich voller Verach- tung von dem Blatt abwenden, dessen Corruption er selbst im Interesse der öffentlichen Sittlichkeit hatte an's Licht ziehen helfen. Fritz Dernburg betrat diesen so deutlich vorgezeichncten Weg nicht. Er klammerte sich krampfhaft an den Buchstaben r; ein Druckfehler würde stets in der nächsten Nummer berichtigt(! I aus unserer vieljährigen Redaktionspraxis können wir versichern, daß Druckfehler, die nicht bei der Revision entdeckt werden, mitunter Jahre lang unentdeckl bleiben, bis irgend ein Zufall sie verräth. Herr Fritz Dernburg scheint den Unfehlbarkeitsbegriff sehr weit ausgedehnt zu haben), er glaube, daß Ulrich ihn habe belei- digen wollen, und besteht darum auf der Beleidigungsklage. Umsonst macht Ulrich geltend, daß eine Beleidigungs- klage ja gar keinen Sinn habe; ob Druckfehler oder nicht, in dem inkriminirten Passus sei eine schwere Anklage erhoben, und von dieser Anklage könne Herr Fritz Dernburg sich nur durch einen Verläumdungsprozeß, der den Wahrheitsbeweis be- dinge, reinigen, nicht aber durch einen Beleidigungsprozeß, der den Wahrheitsbeweis ausschließe, und die ganze Sache, um die es sich handele und durch welche Fritz Dernburg angeb- lich seine Ehre geschädigt hatte, vollständig unberührt lasse. Um- sonst. Ulrich wiederholt in den schärfsten Ausdrücken die An- klagen gegen die„Nationalzeitung", sucht durch moralische Peitschenhiebe die Berläumdungsklage zu erzwingen— um- sonst. Fritz Dernburg zuckt keine Wimper, er bleibt bei der Beleidigungsklage; das Gericht ist genöthigt, den Wahr- heitsbeweis, als die Thatsache der formellen Beleidigung nicht ' mäßige und vorzugsweise Benutzung derartiger Blätter die oppo- sitionelle und staatsfeindliche Presse unterstützt werden sollte. Als Blätter der fraglichen Tendenz müssen von den dort erscheinenden der„General-Anzeiger", die„Bergische Volksstimme",! die„Wupperthaler Volksblätter" und in neuerer Zeit auch die! „Barmer Zeitung" bezeichnet werden. Diesen Blättern gegen-! über empfehle ich Ihnen namentlich den„Barmer Anzeiger",! welcher zugleich amtliches Kreisblatt ist und auch von mir zu meinen Bekanntmachungen benutzt wird. Das Fortbestehen des fraglichen Blattes ist aber nur dadurch möglich, das recht viele Bekanntmachungen, für welche Zahlung geleistet wird, ihm zuge- wandt werden und wäre es mir daher sehr erwünscht, wenn vorzugsweise der„Barmer Anzeiger" zu Verkaufsanzeigen von Ihnen benutzt würde. Elberfeld, den 13. Januar 1877. Der Ober-Prokurator Lützeler." Von den angeführten Blättern gehören eines der Sozial- demokratie und zwei der Fortschrittspartei an. Herr Lützeler hat sich vermittelst einer Haussuchung in den Besitz des frag- lichen Manuscriptes gesetzt, dann aber, da er hieraus nicht die gehofste Information zu schöpfen vermochte, den Redakteur des „Bergisch-Märkischcn Anzeigers" über den Einsender vernehmen lassen. Der Redakteur hat nun einstweilen seine Aussage ver- weigert und zwar so lange, bis er wisse, gegen wen das Ver- fahren gerichtet sei; er will also durchaus correct nur Zeugniß in einer Untersuchung ablegen, nicht aber durch eine Denuncia- tion das Material dazu liefern. Ob die Angelegenheit mit dem so beliebten Zeugnißzwang enden wird, bleibt abzuwarten. — Das„heilige" Rußland führt den Kampf für die „Humanität" nicht nur in Bulgarien, sondern auch im eigenen Lande in bezeichnender Weise. Ein großer Politischer Prozeß wird einmal wieder in Scene gesetzt. 198 Personen sind an- geklagt, sich an„revolutionären Umtrieben" betheiligt zu haben; 40 befinden sich in der Peter-Pauls-Festung zu Petersburg, 90 in verschiedenen Civilgefängnissen, die übrigen sind noch auf freiem Fuße. 472 Zeugen sollen in den Verhandlungen, die im Oktober stattfinden, vernommen werden— wie viele rubili- sirte Zeugen darunter sind, weiß man noch nicht.—„Väter- chen", welches sich in Biela in Bulgarien befindet, ist„in tiefe Melancholie versunken, die durch nichts zu verscheuchen ist"— so melden selbst russische Zeitungen. Uns scheint die Melancholie ein gelinder„Katzenjammer" zu sein, der auf den Sieges- und Champagnerrausch der letzten Zeit gefolgt sein dürfte. Man spricht auch davon, daß die Nervenaffektion des Czaren so stark! sei(Delirium?), daß er fortwährend von seinen„wirklich gut- müthigen Kosaken" gemordete und geschändete türkische Kinder und Frauen als Spuk vor seinen Augen tanzen sähe.— Daß, die kosakischen Greuelthaten von dem Czaren selbst gebil- ligt worden sind, das geht aus den für diesen Krieg besonders verfaßten und amtlich vertheilten Kriegsliedern hervor, worin; es unter anderm heißt:„Ohne Zaudern vorwärts und gestürmt! Und keine Gefangenen gemacht von dem ganzen verdammten! Türkenstamm! Sie haben geschunden, gepfählt und lebendig! verbrannt, sie verdienen keinen Pardon!" Ein Corrcspondent! der„Kölnischen Zeitung" versichert, daß dieses Kriegslied aus-! drücklich die Genehmigung des Großfürsten- Oberbefehlshabers erhalten hat, und führt zur Bekräftigung an, daß diese Kriegs- lieber im amtlichen„Wittlaer Boten" erschienen sind. Das„Wiener Tageblatt" meldet wieder neue Türken- Metzeleien, welche die Russen in Bulgarien verübt haben. Ein russischer Oberst soll ausdrücklich zu den Greuelthaten aufgefor- dert haben. In Tirnowa sind die Kosaken mit Frauen- und Kinderköpfen, an ihre Lanzen gespießt, durch die Stadt geritten. Weitere Greuel wurden bei Naldzikor verübt, wo eine Karavane Emigranten, welche von Sistowo flüchteten und im dortigen Walde Nachtrast gehalten hatten, ohne daß ein Flintenschuß abgefeuert wurde, niedergemetzelt wurden. Frauen und Mädchen wurden, ehe man sie mit Lanzenstichen oder Säbelhieben tödtete, entehrt, selbst Kinder von 7 bis 8 Jahren wurden von diesen Bestien in Menschengestalt geschändet; fünf Personen entkamen von der über 200 Personen zählenden Karavane und! brachten die Schrcckcnskunde in's türkische Lager. In Anudlar, wurden elf Frauen und zehn Kinder von den Kosaken ermordet — das alles bekundet so recht die„gütige Natur" der ruf- fischen Soldaten, von welcher jetzt, nachdem der Czar und der Großfürst ihm schmeicheln, der englische Oberst Wellesley faselt,! der früher aus dem russischen Hauptquartier ganz andere Dinge berichtete. alterirend, zurückzuweisen, und Ulrich wurde, da unzweifelhaft! eine formelle Beleidigung Dernburg's vorliegt, auch„von rechtswegen" verurtheilt. Die öffentliche Gerichtsverhandlung, welche am 21. Juli zu Darmstadt statthatte, war für Hrn. Fritz Dernburg, der sich per- sönlich eingefunden hatte, sicherlich kein Vergnügen. Wir geben einige Auszüge aus dem Bericht der„Neuen Offenbacher Zeitung":„Ulrich hält seine Behauptung, nicht vor der Untersuchung von diesem Druckfehler unterrichtet gewesen zu sein, aufrecht, und erklärt auf die Äeußerung des Gerichtspräfi- deuten, daß er doch anderen Tages auf den Fehler aufmerksam hätte werden müssen, er habe den Fehler nicht bemerkt, indeß sei seine Berichtigung noch kurz vor der Wahl erschienen, wo durch schon von vornherein die absichtliche Entstellung der Wahr- heit undenkbar sei. Uebrigens sei es traurig, daß ein Journa- list, statt das direkt für Journalisten geltende Preßgesetz und den eigens auf vorliegenden Fall anzuwendenden K 11 desselben zu benützen, sich hinter die Gerichte flüchte. Wenn er, Ange- klagter, in der Lage des Herrn Cheftedakteur der„Nationalzei- tung" gewesen wäre, so würde er unzweifelhaft den§ 11 des Preßgesetzes zu Hilfe gerufen haben, nicht aber die Gerichte, denn er betrachte seine Ehre nicht wie ein Kleid, das man ihm rauben könne, und halte es zum mindesten zweifelhaft, ob durch seine Verurtheilung wegen Beleidigung des Anklägers dessen Ehre reingewaschen werde, denn Thatsache sei ein- für allemal, daß die„National-Zeitung" für faule Gründungen Reklame ge- macht habe, wodurch dem Volke das Geld aus der Tasche gc- stöhlen wurde. Anläßlich der Möglichkeit des fraglichen Druck- fehlers ließ der Angeklagte durch den Vorsitzenden des Gerichts den Herrn Dernburg ftagen, ob er die Thatsache anerkenne, daß in seiner Zeitung im vorigen Jahr durch einen Druckfehler eine gravirendc Majestätsbeleidigung verübt wurde. Herr Dernburg mußte diese Thatsache zugeben, ebenso, daß er von Anderen auf diesen Fehler aufmerksam gemacht wurde und ihn dann be- richtigte. Ulrich wiederholt, daß die„National-Zeitung" bestochen wurde und fügt hinzu, daß sogar der Redakteur des Handels- blattes der„National-Zeitung" durch die Zeitungen der mehr- fachen Fälschung seines Namens in einem Berichte über eine Generalversammlung einer Aftiengesellschaft beschuldigt sei, ohne — Die schweren, und aller Wahrscheinlichkeit nach .�entscheidenden Niederlagen, welche die Russen Mitte voriger Woche in Bulgarien erlitten haben, sind in ihren politischen Folgen für die Czarenpolitik vielleicht noch verderblicher als in ihren militärischen. Der„Zauber" des russischen Namens ist, wie drüben in Asien, nun auch in Europa gebrochen, die südslavischen Völker, die in dem Glauben an die russische All- macht und die türkische Ohnmacht sich bisher zu blinden Werk- zeugen der russischen Eroberungspolitik herabwürdigten, sind plötzlich durch die denkbar schlagendsten Gründe von ihrem Irr- thum überzeugt worden— die russische Allmacht war eine große Lüge, die türkische Ohnmacht war eine große Lüge. Mit dem russischen Prestige ist auch der russische Einfluß bei den slaven- rumänischen Donauvölkern dahin. Das Schlimmste aber für die Russen ist der Umschwung der öffentlichen Meinung in allen Kulturstaaten. Dank der colossalen Geldsummen, die das Peters- burger Kabinet echt russisch an feile Zeitungsschreiber verschwen- dete, während es die eigne Armee hungern ließ und läßt, hat ein großer Theil der europäischen Presse seit Beginn der jetzigen Krise die russische Politik verherrlicht, der gemeinsten Raub- und Mordlust den Mantel des Christenthums und der Humanität umgehängt, die Türken systematisch angeschwärzt: als verlotterte, grausame Barbaren. Mit welcher Gewissenlosigkeit man dabei zu Werke gegangen, das ist jetzt in den letzten Monaten an den Tag gekommen, wo Rußland genöthigt war, unter den Augen des cioilisirten Europa, unter Controle englischer Offiziere und Beamten, und unter der Aufficht der europäischen und ameri- kanischen Kriegscorrespondenten seine„heilige Mission" zu er- füllen. Und bei dieser Gelegenheit ist denn an den Tag gekommen, daß die Russen, während sie„Türkengreuel" planmäßig erfinden, wie sie weiland die„Bulgarengreuel" theils selbst gemacht, theils erfunden haben, Russengreuel wirklich verüben, verglichen mit denen die von ihnen erfundenen„Türkengreuel" reines Kinderspiel sind. Die Wahrheit bohrt sich zuletzt immer durch. So auch hier. Da half kein Widerstreben. Der reptilien- gläubigste Philister, der fanatischste Russenanbeter und Türken- fresser konnte sich der Wucht der Thatsachen nicht verschließen: das Beweismaterial war zu überwältigend, die Zeugen zu zahl- reich und zu hoch über jeden Verdacht erhaben. Festgestellt, bis zum Ausschluß jedes Zweifels festgestellt ist, daß die Russen in Bulgarien entsetzliche Greuel begangen haben und haben begehen lassen. Daß auch von türkischer Seite Bestialitäten verübt worden sind und werden— wer wollte es leugnen? Das liegt eben in dem Wesen des Massenmords, genannt Krieg. Abgesehen davon, daß das Beweismaterial gegen die Russen an Mäßigkeit weitaus das gegen die Türken übertrifft, sind hier zwei Momente in's Auge zu fassen, welche zur Beurtheilung den Ausschlag geben. Für die sozusagen zum Krieg gehörigen Greuel ist Der- jenige verantwortlich, welcher den Krieg begonnen. Der Krieg ist aber von den Russen begonnen, ohne irgend„mildernde Umstände" aus niedrigster Eroberungslust begonnen worden. Das werden selbst die sonderbaren Schwärmler nicht abstreiten, die es der Türkei und dem übrigen Europa verargen, daß man die„unabhängigkeitsdürstigen, unter dem Türkenjoch seufzenden" Südslaven nicht aus Begeisterung für das demokratische Selbstbestimmungsrecht der Völker— den Russen auf dem Präsentir- teller überliefert. Und das zweite ausschlaggebende Moment ist: was auch immer die Soldaten in der Raserei des Kampfes ge- than haben mögen, die türkischen Behörden haben abgewiegelt, die russischen aufgewiegelt. Der muhamedanische Oberpriester, der brüderliche Gesinnung gegen die christliche Bevölkerung pre- digt, während er zum Kampf gegen die Russen anfeuert; und der christliche- Czar, der den Glaubenskrieg und damit den Bürgerkrieg mit all seinen Schrecknissen entfacht— das ist ein Bild, welches jeden Commentar überflüssig macht, vor dem die Rubellüge und die Knutenheuchelei zu Schanden werden. Die Versuche der Russen, das Odium von sich abzuwälzen, sind höchst unglücklich. Was will es heißen, wenn ein englischer Militärattache im russischen Hauptquartier sagt, er habe keine Greuel gesehen? Die Russen sind doch keine Idioten, die Herrn Wellesley dahin führen werden, wo er Anklagematcrial gegen sie findet. Solche Widerlegungen sind schlechte Späße, sehr schlechte Späße. Und die 16 gefangenen Türken-Offiziere, die dem russischen Thronfolger sagen, die türkischen Soldaten ver- stümmelten die verwundeten Feinde— das sei ihnen früher be- fohlen, und der Befehl noch nicht zurückgenommen worden! Wenn man lügt, sollte man doch nicht so dumm lügen; wir dächten, für das russische Geld müßten bessere russische Lügen zu fabriziren sein. Und nun der Mythus von der kolossalen militärischen Lei- ! stungsfähigkeit der Russen und der absoluten Impotenz und ' hoffnungslosen Lottrigkeit der Türken! Selbst wenn das Kriegs- glück sich plötzlich wieder wenden sollte, so hat die Türkei eine, Freund und Feind in Erstaunen versetzende militärische Leistungs- fähigkeit bewiesen, wohingegen das russische Kriegswesen sich nach allen Richtungen hin höchst mangelhaft gezeigt hat: miserable Militärorganisation(Fiasko der Mobilmachung), miserable Ar- meeführung, miserable Armeeverpflegung— kurz eine so ver- lotterte Wirthschaft, als man sich nur denken kann. Daß dies an den Tag gekommen, bedeutet für Rußhand mehr als zehn verlorene Schlachten. Das heißt für das offizielle Rußland. Wenn es ein Volk giebt in Rußland, dann wird die Re- gierung zur Rechenschast gezogen werden für das so frevelhaft vergossene Blut, für die Taufende und Zehntausende von frischen Menschenleben, die dem Landhunger eines Mannes zum Opfer gebracht werden; und die Niederlage des Absolutismus wird zu einem Triumph der Demokratie werden. daß hiergegen eine Berläumdungklage seitens des Dr. Schweitzer erhoben wurde. Dernbnrg suchte die Behauptung Ulrich's als unwahr hinzu- stellen, indem er ausführt, er habe sich, als der„National-Zei- tung" der Vorwurf gemacht worden sei, sie habe 6000 Thlr. von der Berlin-Dresdener Bahn erhalten, an die Direktion ge- wandt und diese habe ihm erklärt, daß die„National-Zeitung" nichts erhalten habe. Die Angelgenheit seines Handelsredakteurs sei zu dessen Gunsten dieser Tage entschieden(Falsch! Herr Dernburg!), indem der Redakteur der„Staatsbürger-Zeitung" wegen Beleidigung des Dr. Schweitzer verurtheilt worden sei. Dies war dem Angeklagten denn doch zu stark, er bean- tragte sofortige Aussetzung der Verhandlung und Vorladung des Herrn v. Diest-Daber und des Prinzen Handjery, sowie, daß man ihm dann nicht auf Grund der§Z 185 und 186 den Prozeß mache, sondern daß man dann gegen ihn die 186 und 187 betreffend Verläumdung in Anwendung bringe. Der Präsi- dent sucht der Vorladung der Zeugen dadurch entgegen zu treten, daß er meint, dieselben hätten wegen ähnlicher Verläumdung flüchtig gehen müssen, welche Annahme offenbar unrichtig ist, denn weder der Prinz Handjery noch Herr v. Diest-Daber, auf welche sich der Angeklagte noch allein stützt, sind flüchtig gegangen, und auf den flüchtig gegangenen Gehlsen, Redakteur der„Eisen- bahn-Zeitung" berief sich der Angeklagte nur beim ersten Ver- hör in Ermangelung der Freiheit, um andere Zeugen zu er- Mitteln. Der Staatsanwalt sträubt sich gegen die Vorladung der Zeugen, woraus sich der Gerichtshof zur Berathung des Antrages des Angeklagten zurückzog und nach 25 Minuten erklärte, denselben nicht Folge zu geben, indem der Wahrheitsbe- weis unerheblich fei und der fragliche Artikel so wie so eine Beleidigung„ach§ 185 enthalte. Sie Verhandlung wird nun wieder aufgenommen und tritt zunächst Herr Dernburg vor, um zu erklären, daß, da sich der Angeklagte hauptsächlich auf die Bestechung der„National-Zei- tung". durch den Berliner Bankverein berufen und er vorhin darauf nicht geantwortet habe er nunmehr erklären müsse, daß er jetzt zum ersten Mal diesen Vorwurf vernehme. Ulrich erklärte, dies„Geständniß" des Hrn. Dernburg sei höchst inter- essant; die in Berlin, also am Wohnsitze des Hrn. Dernburg er- schienene„Deutsche Eisenbahn-Zeitung" wirft der„National-Zei- tung", also dem Blatte des Hrrn Dernburg, in ihrer Nr. 18 — Die„Leipziger Volkszeitung", natürlich wieder abge- klatschtes Richter'sches Fabrikat, macht unterm 28. Juli einen kleinen„fortgeschrittenen" Ausfall für das Unbegreifliche und wider das„Hauptstück aus der sozialdemokratischen Philosophie" in Nr. 1 und 2 der wissenschaftlichen Beilage des„Vorwärts". Dieser Artikel hat derart ihre Entrüstung erregt, daß wir uns „schämen" sollen, unfern Lesern„solch oberflächliches und abge- schmacktes Gewäsch vorzusetzen"; sie aber— wenn wir das Beste voraussetzen— merkt nicht, daß sie selbst diejenige ist, die das Thema„abgeschmackt" zurechtgewaschen. Anstatt daß der Arttkel klar sagt, das Unbegreifliche sei gleich dem Unverstän- digen, und daß ein unverständiges Verständniß vom Intellekt so wenig zu verlangen sei, wie vom Auge verlangt werden könne, es solle Musiktöne oder Wohlgerüche, kurz das Unsichtbare sehen — statt dessen läßt die„Ungewaschene" sagen, das Unsichtbare und Unhörbare gehöre nicht in das Gebiet des Verstandes, und wir brauchten„das" nicht zu verstehen. Wenn die„Leipziger Richter'sche Volkszeitung" nicht besser lesen, oder das Gelesene nicht richtig wiedergeben kann, so dürfen wir uns in einen philoso- phischen Disput nicht mit ihr einlassen. Jedoch für den unbe- fangenen Leser noch einige Erläuterungen. Die„Volk-zeitung" ist starr vor Erstaunen, daß der Intellekt nichts weiter vermögen soll, als die manichfaltigen Erscheinungen der Natur und des Lebens klassificiren, also das, was zu- einander gehört und nacheinander folgt, in ein„wissenschaftliches" Schema zu bringen. Sie führt die Pflanzenchemie und Pflanzen- Physiologie dagegen an. Warum gerade Pflanzen die Ausnahme machen, ist uns zunächst unerfindlich. Die angezogenen Dis- ciplinen gehören bekanntlichju den Naturwissenschaften, und wer da an den Citaten von Schopenhauer, Hobbes und Kalischer wie sie unser„unbegreiflicher" Artikel aufführte, noch nicht ge- nug hat. beliebe nur die Einleitung aufzuschlagen, welche A. von Humboldt seinem„Kosmos" vorausschickt. Dort wird er über das formale Wesen unseres„Naturerkennens" Aufschluß finden. Und damit sich unsere ungewaschene Freundin nicht so gar sehr an den„mechanischen" Intellekt stoße, sei David Strauß,„Alter und neuer Glaube" citirt:„Alle mechanische Naturerklärung er- streckt sich nur auf die an diesem räthselhaften Substrate wahr- zunehmenden Beränderuugen und läßt unfer Causalitätsbedürfuiß im letzten Grunde unbefriedigt." Was nun schließlich unsere Auffassung von der Strauß'schen, Humboldt'schen, Schopenhauer'schen:c. unterscheidet ist, daß diese Herreu neben dem Bedürfniß nach„mechanischer Naturerklärung", neben dem natürlichen Causalitätsbedürfniß, auch noch ein Be- dürfniß nach unnatürlicher, metaphysischer Erklärung, ein„un- begreifliches" Causalitätsbedürfniß haben, welches letztere dann bei der„Leipziger Volkszeitung" zu einer ungewaschenen Aus- dehnung herangewachsen ist. — Der Parteikalender für das Jahr 1878,„Der arme Conrad", ist in der Genossenschaftsbuchdruckerei zu Leipzig so- eben erschienen.— Eine kurze Besprechung des Inhalts lassen wir in einer der nächsten Nummern folgen. Betrachtungen aus und über Holland. ii. In meinem neulichen Schreiben versprach ich Ihnen, meine Mittheilungen über Holland in einer zweiten Einsendung zu ergänzen. vom 30. April 1876 direkt und ganz entschieden vor, von dem Berliner Bankverein bestochen zu sein, das Blatt wiederholt diesen schweren Vorwurf in seiner Nr. 19 vom 7. Mai 1876 und kommt darauf selbst am 14. Mai 1876 nochmals zurück, und doch will Herr Dernburg heute erst den Vorwurf kennen lernen. Dies scheint dem Angeklagten zum Mindesten nicht gut glaubhaft. „Dernburg, der ohnehin keinen ermunternden Eindruck machte, fühlte sich in die Enge getrieben und gab die ebenfalls höchst bezeichnende Erklärung ab, er habe die„Deutsche Eisen- bahn-Zeitung" nicht gelesen, was den Angeklagten veranlaßte hinzuwerfen, daß das Nichtlcsen in diesem Falle doch seinen Haken habe und von ihm stark bezweifelt würde. Nun begann der Staatsanwalt, der sich stark für Dernburg ins Zeug legte. Er wolle jedoch als Milderungsgrund die Auf- regung der Wahlzeit gelten lassen, weshalb er nu* 2 Monat Gefängniß beantrage. Schluß folgt. — Zum Risico der Arbeit. Ein gräßliches Unglück passirte vor einiger Zeit in der Maschinenbau-Anstalt„Cyclop" in Berlin. 20 Ctnr. flüssiges Essen befanden sich in einer Gießpfanne, welche in Ketten an einem Krahn hing, und die Former schickten sich an zu gießen, als eine Kette riß und die glühende Masse sich prasselnd zur Erde ergoß. Dem Former Wolf spritzte ein Theil des kochenden Erzes in die offene Blouse, setzte sich oberhalb des Gürtels fest und brannte daselbst tiefe Löcher in den Leib. Rasend vor Schmerz rannte der Mann mit bren- nenden Kleidern zur Thüre hinaus und wollte sich in einen Wasser- behälter stürz:n, jedoch erfaßten ihn seine nacheilenden Collegen noch rechtzeitig und rissen ihm die Kleider vom Leibe. Der Berunglückie bot einen entsetzlichen Anblick dar. Seine Brust, sein Unterleib und seine Füße waren mit Brandwunden bedeckt, der Mann selbst feiner Sinne kaum noch mächtig. Nachdem aus der Nachbarschaft andere Kleider herbeigeschafft waren, beförderte man den Verwundeten per Droschke in's Augusta-Hospital. — Eine sonderbare Verhaftung. Auf Verlangen des Gerichts- Hofes von Palermo wurde der Commandant des LehrbataillonS der hiesigen Polizeimannschaft, David Nofsa, verhaftet und nach Sizilien abgeliefert. Der Verhaftung liegt folgender Grund vor: Nossa beging nach 1860 in seiner Heimath Sizilien einen„politischen Mord" und verwirkte 20 Jahre Galeere, eine Strafe, welcher er sich zu entziehen Lassen Sie mich vorerst noch etwas über Arbeitsver- Hältnisse sagen. Amsterdam hat eine Spezialität aufzuweisen, die man, glaube ich, wohl in der ganzen Welt weiter vergeblich suchen würde: Fabriken nämlich, in welchen die. große Mehrzahl der Arbeiter aus— Juden besteht! Sie, die sonst vor aller ma- nuellen Arbeit eine Scheu haben, als ob sie ihnen in ihrer Thora verboten wäre, strenger selbst wie das Schweinefleisch- essen— sie findet man hier, Mann an Mann, im lärmenden Getriebe der Fabriksäle sitzen und— arbeiten! d. h. arbeiten, nicht nach der Schulze-Ujest'schen Definition dieses Wortes, der sich die Kinder Israel sonst mit besonderer Vorliebe zuneigen, nämlich gründen, schwindeln, wuchern, schachern,— nein, wirkliche, veritable, ehrliche Arbeit verrichten! Unglaublich aber wahr! Im Grunde könnte manZ einen solchen Anblick einen nicht ganz unerfreulichen nennen."In so weit nämlich, als er zeigt, daß die Herren Juden, wenn sie nur erst einmal sehen werden, daß es Ernst ist, sich doch wohl dazu herbeilassen und auch gan, gut im Stande sein werden, redlich zu arbeiten und so an. Ende noch einmal ganz gute und brauchbare Bürger des kom- Menden Arbeiterstaates zu werden. Es wird dann jenes erbar- mungslose Todesurtheil, richtiger jener Ausrottungsbefchl, den ein in diesen Tagen vielgenannter, von mir seit ungefähr 10 Jahren als Mensch wie als Wahrheitsforscher hochgeschätzter Gelehrter, hierin jedoch einer seiner sonderbaren Schrullen fol- gend, einem zweiten Pharao gleich über die Juden verhängt hat, vielleicht doch noch umgangen werden können. Zugestehen muß man es jenen Auserwählten Jehova's übri- gens— sie haben sich ihrerseits ihr Arbeitsfeld auch gar nicht schlecht auszuwählen verstanden. Es ist die Diamantschlei- serci nämlich, welche, in neuester Zeit in Amsterdam zu ganz kolossalem Aufschwung gekommen, zu einer wahren Goldquelle für diese Stadt geworden ist, und welcher sich die Amsterdamer Judenschaft, bekanntlich eine der größten Judengemeinden, mit dem diesem Volk eigenen Spürsinne für Alles, was nach „Rebach" aussieht, fast ausschließlich zu bemächtigen ge- wüßt hat. Die Löhne, die da gezahlt und empfangen werden, müssen in der That als verhältnißmäßig recht anständige bezeichnet werden. 2—300 Gulden(1 Gulden— ca. 1 M. 70 Pf.) sind heute das gewöhnliche Einkommen eines Diamantschleifers. Du lieber schlesischer Leinweber oder auch Du, mir nicht minder lieber sächsischer Strumpfwirker, der Du meinen Brief noch bis hierher zu lesen etwa Selbstverleugnung genug besaßest, wirst hier wohl mit verzeihlichem Neid ausrufen:„Ach, könnte ich es doch auch nur auf ein so schönes Jahreseinkommen bringen!" Da hast Du mich aber gehörig mißverstanden! Unter diesen 2—300 Gulden ist keineswegs das jährliche, auch nicht das monatliche, nein, das wöchentliche Einkommen eines Dia- mantschleifers zu verstehen! Und dabei sind" noch die Löhne durch den augenblickkichen flauen Geschäftsgang ziemlich„gedrückt"; in der weltbekannten „guten Zeit" waren sie um ein gut Theil höher. Ja ich selbst sprach einen Diamantschleifer, der mir versicherte, einmal, bei der Bearbeitung eines werthvollen Solitärs, innerhalb 14 Tagen das runde Sümmchen von 3400 Gulden als Lohn nach Hause getragen zu haben! Armer Baruch! Was Du wohl sagen würdest, wenn Du Deine Landsleute von heute sehen könntest! Auch Du hast einst das Schleiferhandwerk betrieben, bist aber dabei gar elendiglich verkommen. Deine heutigen Gemeindegenossen verstehen sich offenbar viel besser auf's Geschäft. Sie verkommen nicht dabei! Geschieht Dir aber übrigens ganz recht: Warum warst Du auch ein Genie. Nach den oben gegebenen Daten wird Ihnen auch die Mit- theilung nicht mehr unglaublich erscheinen, daß ich einen anderen dieser Arbeiter-Crösusse kennen lernte, der sich schon nach drei- jähriger Handtirung an der Polirscheibe acht hübsche Amster- damer Einzelwohnhäuser zusammengespart hat. Wenn das Onkel Schulze in Potsdam wüßte,„der in goldenem Ruhmesglänze strahlende Kreisrichter aus Delitzsch", wie ihn Herr Schuldirektor und Literarhistoriker Kreißig in Frankfurt in einem neulichen Vortrage ebenso geschmackvoll wie zutreffend nannte(wobei ich nur befürchte, daß der„Glanz", den der Herr Schuldirektor an seinem angebeteten Schulze be- merkte, von einem ganz andern Punkte aus„gestrahlt" sein könnte, als von seinem„Ruhme")— wenn das Onkel Schulze in Potsdam wüßte, sage ich also, dann würde er, ungeachtet seines unberufen recht gesegneten Leibesumfangs, vor Freude wuß e. Seit der Zeit hat der Mann unter anderm Namen im Heere als Soldat gedient und ist wahrscheinlich, um sich Nachforschungen zu entziehen, selbst in die Polizeimannschaft eingetreten, in welcher er eS angeblich durch musterhaften Dienst bis zum Bataillonschef in der Hauptstadt brachte. Nach 18 Dienstjahren wurde der Mann plötzlich eingezogen. — Unfall. Statistik. Im Monat Juli d. I. wurden bei der Allgemeinen Unfall Versicherungs-Bank in Leipzig 20 Todesfälle, 14 Un- lälle, die den Betreffenden Lebensgefahr bereiteten, 7 Unfälle, die ihrer Natur nach eine totale oder iheijweise Jnvalioität der Verletzten er- warten lassen und 509 Unfälle, aus welchen sich für die Beschädigten nur eine vorübergehende Erwerbsunfähigkeit prognosticiren läßt, zu- sammen 550 Unfälle angemeldet Von den 20 Todesfällen ereigneten sich 5 beim Eisenbahnbau, je 3 in Steinkohlenwerken und Maschinen- fabriken, je 2 in Spinnereien und Papierfabriken und je 1 in einem Steinbruch, einem Baugeschäft, einer Brauerei, einer Dachschiefergrube und beim Schiffsbau. Von den 14 lebensgefährlichen Bejchä- digungen entsallen 3 auf Maschinenfabriken. 2 auf Brauereien und je eine auf ein Baugeschäft, eine Ccinenifabrik, eine Dachschiefergrube. eine Strohpapierfabrik, eine Dampfmahlmühle, eine Färberei, eine Fabrik ätherischer Oele und Essenzen, ein Braunkohlenwerk und Tunnelbau, während von den 7 Invaliden je 1 auf eine Maschinenfabrik, eine Spinnerei, ein Baugeschäft, ein Eisenwerk, einen Steinbruch, eine Fär- berei und Eisenbahnbau kommen., — Humanität der Arbeitgeber. Ein 66jähriger Seidenwcber, welcher 3? Jahre für eine und dieselbe Firm- in Elberfeld gear- beitet hatte, ohne daß ihm je ein Wort des Tadels hätte gesagt werden können, lieferte neulich ab. Seine Arbeit wurde wie immer für gut befunden, bezahlt und dem alten Manne gejagt, da er so lange, so treu und so gut für die Firma gearbeitet, so habe man jetzt einen an- dern Plan mit ihm, er möge nur morgen wiederkommen, zu weben brauche er nicht mehr. Gerührt ob solcher Liebe der theueren Firma geht er heim und freut sich auf das Pöstchen, das man ihm als Alters- Versorgung zugedacht. Als er andern Tags mit erwartungsvollem Herzen sich auf dem Comptoir meldet, sieht man ihn befremdet an und sagt: „Was wollen Sie denn hier? Arbeit giebt's nicht mehr. Sie sind zu alt und haben ihr Lebtag genug gewebt— wir sind Ihnen nichts mehr schuldig."— Das klingt unglaublich, aber es ist wahr. Man ! weiß nicht, was man sagen soll zu solchem„Fabrikantendank". deckenhoch springen. Er hat es ja immer gesagt, jeder Arbeiter kann so reich werden, als es ihm gerade paßt, wenn er nur so sparsam, besonders aber so nüchtern sein will— wie Schulze. Nun müssen sogar schon in einem sozialdemagogischcn Blatte Fälle aus der Wirklichkeit berichtet werden, die das aufs Glan- zendste bestätigen. Mit einer Art von Beschämung muß ich es aber constatiren: Ich erinnere mich nicht, in Deutschland auch nur einem einzigen Arbeiter begegnet zu sein, der mir hätte anvertrauen können, er habe sich schon nach drei Jahren Arbeit acht Häuser ange- schafft gehabt. Entsinnen Sie sich vielleicht eines solchen Falles, Herr Redakteur? Wie, auch nicht? Nun, dann liegt das ganz offenbar daran, daß sich unter all den Millionen deutscher Ar- bciter kein einziger findet, der so sparsam, besonders aber so nüchtern wäre— wie Schulze.— Doch sprechen wir wieder im Ernst, also nicht mehr von Schulze. Es lohnt sich wohl, einmal der Ursache dieser in unseren Tagen der Kartoffeljchalen- Suppen und des Hungertyphus im- merhin etwas ungewöhnlichen Löhne nachzuftagen. Keineswegs kann die Arbeit des Diamantschleifers eine so hoch„qualifizirte" genannt werden, als daß sie eine so extravagante Bezahlung rechtfertigte. Sie erfordert keinerlei besondere Anlagen, kei- nerlei besondere„Intelligenz" oder„Bildung", nach der sich, den Dogmen der Manchesterei zufolge, die Höhe der Entlohnung einer jeglichen Arbeit ja vor Allem richten soll. Hier lassen uns diese Dogmen wieder einmal gehörig im Stich. Das Hauptrequisit besteht in einem guten Auge, um die oft verschwindend kleinen Facetten(Flächen), die an den Steinen, besonders an den„Rosetten", anzubringen sind, gehörig bemessen und erkennen zu können. Meiner Ansicht nach haben wir. die Ursache dieser höchst auf- fallenden Ausnahme von der Regel des„ehernen Lohngesetzes" einfach in der oft vorkommenden Erscheinung zu erblicken, daß bei neu aufkommenden oder doch zu raschem Aufschwung gelan- genden Industrien(besonders Luxusindustrien) die vorhandenen geschulten Arbeitskräfte dem großen Bedarfe nicht genügen und deshalb weit über den gewöhnlichen„Tauschwerth" bezahlt werden müssen. Die Amsterdamer Diamantschleifer verstehen sich aber auch ganz vorzüglich darauf, das geringe Angebot von Arbeitskrästen künplich aufrecht zu erhalten. Sie haben eine Gewerkschaft ge- bildet, welcher sämmtliche Schleifer angehören, und welche es sich nicht nur, wie andere Gewerkschaften, zur Aufgabe gestellt hat, sich jeder Herabsetzung der Löhne zu widersetzen, sondern deren Mitglieder auch die Verpflichtung eingegangen sind, ohne Einwilliguug des Bundes Niemanden die Diamantschleiferei zu lehren! Und in der That sind diese Juden schlau genug, io fest zusammenzuhalten, daß es, wie man mir sagt, den Ar- beitgebern trotz ihrer begreiflicherweise sehr lebhaften Bemühungen nicht gelingen will, irgend Einen den Verabredungen des Bundes abtrünnig zu machen. Dank diesem geschlossenen Zusammenstehen haben die Dia- mantschleifcr nicht nur jedes Herabgehen der Löhne zu verhin- dern gewußt, sondern sie eigentlich erst recht auf die jetzige exor- bitante Höhe hinaufgetrieben. Ich glaube, in diesem Bunde der Diamantschleifer von A» sterdam ist das Ideal einer Gewerkschaft verwirklicht, wie es unseren Gewerkschaften in ihren kühnsten Träumen vorschweben mag. Daß alle Kassen des Bundes auf's glänzendste dotirt sind, kann mau sich leicht denken. Aber gerade hier, wo die Gewerk- schaft so zu sagen in ihrer höchsten Vollendung dasteht, tritt auch das Zünftlerisch- Engherzige, das meiner Ansicht nach der Gewerkschaftsbewegung anhängt, am krassesten zu Tage, gerade hier zeigt es sich anr deutlichsten, wie sie sich zwar gegen den Arbeitgeber richtet, zugleich aber auch den Arbeiter dem Arbeiter feindlich gegenüberstellt. Nur durch ganz besondere Protektion und mit ansehnlichen Geldopfern ist es den Außenstehenden heute möglich, in die Zunft der Diamantschleifer hineinzugelangen, und ich weiß Fälle, wo selbst Glaubensgenossen, die sich im tiefsten Elend befanden und denen durch die Erlernung der Diamant- schlciferei natürlich für alle Zeit geholfen gewesen wäre, vom Bunde erbarmungslos zurückgeworfen wurden. Nun kann ich aber wirklich nicht einsehen, warum gerade diese Handvoll Leute allein solche riesige Gewinne einstecken soll und ich würde es deshalb für sehr vernünftig halten, wenn deutsche Arbeiter, die sich zu diesem Handwerk für geeignet er- achten, also vor allem solche aus demselben Fache oder doch aus ähnlichen Berufsarten, statt zu Hause zu verhungern, nach Am- sterdam gingen, die Phalanx der Diamantschleifern zu durchbrechen suchten, was ihnen bei energischem Zusammenwirken schließlich doch gelingen muß, und dann den Herren Juden beim Einheimsen ihrer Schätze ein wenig behilflich sein wollten. Wer übrigens glaubt, die armen Fabrikanten(auch meist Juden), die es niit einer so widerhaarigen Arbeiterschaft zu thun haben und denen so schwere Löhne abgepreßt werden, bemitleiden zu müssen(und es giebt ja jetzt so viele von echter Humanität erfüllte und deshalb die Leiden der armen, unterdrückten Fabri- kanten tief mitempfindende Seelen), den lit» ich, mit seinen Thronen vorläufig noch zurückzuhalten. Ich kann versichern, daß die Amsterdamer Tiamantschleifereibesitzcr trotz alledem doch ganz leidlich ihr Auskommen finden. So weiß ich z. B. Einen, der sich in diesem Geschäfte sogar ein kleines Vermögen beiseite zu legen gewußt hat. Dasselbe wird von Eingeweihten heute auf circa 80 Millionen Gulden geschätzt. Man wird mir zu- geben, der Mann ist wenigstens vor der ärgsten Roth geschützt. Wie das der Mann fertig gebracht hat, das wird man zu de- greifen anfangen, wenn ich hinzufüge, daß in seiner Fabrik vor nicht zu langer Zeit ein Diamant bearbeitet wurde, den er im rohen Zustande für eine Million gekauft hatte und den er nach- her an den Khedive von Egypten für 7 Millionen weiter ver- kaufte. Sechs Millionen Gulden Gewinn an einem einzigen Steinchen! Und da fragen diese Völker noch, wo ihnen ihr Geld, ihre Steuern hinkommen! Da habt Jhr's ja! Millionen des Euch abgepreßten, so schwer verdienten Geldes werden Vergeuder, Herrn C. in Amsterdam in die riesige Tasche gesteckt, blos damit so ein— Herrscher auf seinem Kopfdeckel oder an seinem Sahul em glänzendes Steinchen mehr herumtragen könne! lim unliebsamen Mißverständnissen vorzubeugen, bemerke ich gleich hier, daß obige Worte eben nur an die Unterthancn des Khedive und dann etwa noch an die Nubier, die Dahomeer, die Zulukaffern und ähnliche ungebildete Völkerschaften ge- richtet waren, die eben noch in gar so schändlicher Weise ge- knechtet werden und dabei noch gar so kolossale Ochsen sind, daß sie sich für die Tollheiten ihrer Despoten willig den letzten Bissen vom Munde wegreißen lassen. Bei uns ist das Alles natürlich ganz anders.I Apropos— ein Rechencxempel! Wer kann mir ausrechnen, wie viel Schweiß und Blut und Thränen wohl in so einem einzigen kleinen Krystall versteinert sein mögen? Der glückliche Löscr dieser Aufgabe erhält einen Berechtigungsschein für Plötzen- see oder einen ähnlichen angenehmen Landaufenthalt. Da wären wir nun auf einmal in die Politisirerei hinein- gerathen. Und das erinnert mich noch zur rechten Zeit, daß sie ja der eigentliche Gegenstand meines heutigen Briefes sein sollte. Ich wollte Ihnen Einiges über die polittsche Stimmung, die politischen Anschauungen in Holland mittheilen. Hierbei in- teressiren uns Deutsche natürlich vor allem diejenigen über unser theures, glorreich geeinigtes Vaterland. (Schluß folgt.) ComspoKdeuzen. V ßonlkantinopet, 27. Juli. Mehr und mehr gewinnt es den Anschein, als wenn die Türkei das Vorrücken der Russen an der europäischen Seite nicht aufhalten könnte; der Balkan ist überschritten und bald dürften wir die Russen vor unserer Stadt erscheilten sehen.*) Die Türken blicken düster in die Zu- kunft, die sich mit jedem Tage mehr umwölkt; sie sehen sich verlassen, in einer verzweifelten Lage und ohne Finanzen; England parlamentirt hin und her in hefttgen Reden im Ober- und Unterhaus, thut aber natürlich nichts; Oesterreich bewegt sich von Fall zu Fall, sperrt bald den Hafen von Kleck auf und schließt ihn wieder, befriedigt die Slaven, schmeichelt den Ungarn und richtet das Auge der Deutschösterreicher auf die Nothwendigkeit der Erhaltung der Türkei; Italien, von einem langen Schlum- mer erwacht, guckt verstohlen auf den Orient und Albanien, denkt sich: Lasse mich klug sein, wo die Anderen zanken und streiten, ist für mich reiche Ernte und die Lombardei kostete wenig, Rom einen Grenadier und die Erfüllung meiner letzten Wünsche vielleicht gar nichts. Frankreich hat gegenwärtig gar zu viel mit Lulu zu thun, als daß es an den Orient denken könnte. Deutschlano endlich bewundert die Christenbefreiung, die Ruß- land unter Kanonendonner in's Werk gesetzt. Da habt Ihr das Bild der Völker, wenn sie unter dem Regime stehen, dessen wir heute in Europa genießen; ein Krieg, der vermieden werden konnte, wenn gegenseitiges Vertrauen zwischen den europäischen Diplomaten existiren würde, wüthel nun in barbarischster Form seit Monaten, ohne Zweck, ein Krieg, dessen Ende noch nicht abzusehen und der ohne Nutzen für die Christen des Orients ist, weil deren Befreiung nur dann wirklich einen Sinn hätte, wenn dies durch die vereinten vorgeschrittenen civilisatorischen Kräfte, nicht im Namen der Religion, sondern im Namen der Mensch- heit, der hilfebedürftigen Menschheit geschehen wäre. In dem Falle wäre kein Widerstand von der Türkei gemacht worden, denn die vereinte Kraft hätte schon jeden Widerstand von vorn- herein unmöglich gemacht. Jetzt ist es anders, und die Völker ernten die Folgen ihrer heimischen Mißstände, die sich im euro- päiscken Diplomatcnspiegel in vorstehend bezeichneten Farben abbilden! Die Türken bieten Alles auf, oder geben sich wenigstens den Anschein, als wollten sie sich bis auf's Messer vertheidigen. Der Obercommandant der Donauarmee, Abdul-Kerim Pascha, und der Kriegsminister, Redif Pascha, sind abgesetzt worden; Beide werden des Berraths durch die Volksstimme beschuldigt; Einige wissen sogar die Summe anzugeben, wofür sie ihr Land ver- kauft haben, die Wenigsten jedoch suchen die Mißerfolge dort, von wo sie wirklick kommen. Die Anführer werden in jedem Lande des Berraths bezichtigt, wenn der Sieg nicht auf deren Seite steht. Solche Fälle stehen massenhaft in der Geschichte und verdienen keine Beachtung, wenn sie nicht bewiesen werden können. Dem sei aber wie ihm wolle, Thatsache ist, daß die Russen beinahe ohne Ansttengung über eine oder mehrere Straßen des Balkans gelangt sind, wo sie von den Türken gar nicht erwartet waren, und die daselbst keine Vorkehrung zur Vertheidigung ge- troffen hatten. Wer aber die Leichtsinnigkeit und Nachlässigkeit der Türken kennt, wird solche Umstände erklärlich finden, ohne Verrath zu wittern. � Vor kurzem hatte ich erst Gelegenheit, von diesen mißlichen Zuständen mich augenscheinlich zu überzeugen, und wohl ohne Ucbertreibung kann behauptet werden, daß unter solcher Administration und Leitung die beste Armee nur einen sehr relativen Werth haben könne! Diese Mißwirthschaft wird auch hier von einigen Pattioten erkannt; die Regierung entbehrte seit einigen Tagen mehr und mehr des Verttauens der Masse, die wahrscheinlich bei wieder- holten Schlappen die Gelegenheit benutzen Wied, wieder ein ebangemeot äe üäcoratiou in Scene zu setzen, wie wir es seit neuerer Zeit bereits öfters gesehen haben. Gerüchtweise verlautet hier, daß der Sultan den Sitz der Regierung nach Brussa verlegen wird, falls die Hauptstadt durch die Russen wirklich bedroht werden sollte. Constantinopel würde in dem Falle bis auf's Aeußersie vertheidigt werden, jedoch ohne große Schwierigkeiten zu nehmen sein, denn die Vertheidigungsarbeiten schreiten erbärmlich langsam voran, da es an wirklicher Energie gebricht, die gewöhnlich hier zu Lande dann erst entwickelt wird, wenn es bereits zu spät ist Die weiteren politischen Vorfälle lasse ich für heute ohne Erwähnung, da Ihnen dieselben ohnehin schon bekannt sind; nur sei noch gesagt, daß hier Alles den gewöhnlichen Gang geht und die Ruhe und Ordnung vollständig ist. Dies zur Beruht- gung der dortigen Gemüthcr, da es einige Blätter giebt, die sich damit amüsiren, Sensationsnachrichten über allerhand hier geschehene Unmöglichkeiten zu bringen, wovon gewöhnlich nirgend anderswo etwas zu entdecken ist, als im Hirn einiger hiesigen, vielleicht dafür bezahlten, resp. rubilisirtcn Correspondenten. *) Das Blatt hat sich seitdem bekanntlich zu Gunsten der Türkei erheblich gewendet. Aufforderung. Sonntag, den 12. August, Nachmittags 3 Uhr, findet im Hecht'schen Lokale, an der Bode zu Staßfurth, eine Conserenz der Parteigenossen aus dem Wahlkreise Calbe-AscherSleben statt zur Besprechung örtlicher Organisation in den verschiedenen Orten und Städten, damit die Agi- tation regelrecht und fruchtbringend bettieben werden kann. Die Partei- genossen, welchen daran liegt) daß wir bei der nächsten Wahl einen bedeutenden Fortschritt, wenn nicht Sieg verzeichnen können, fordern wir auf. aus folgenden Städten Vertrauensmänner zu dieser Conferenz zu schicken, rnn Anthcil an den Berathungen zu nehmen, a so aus Calbe a. d. S.. Schönebeck, Frose, Salze, Aken a. d. E., Köchstedt, Aschersleben, Königsau, Thale, Quedlinburg, überhaupt aus allen größeren Orten, welche zum Wahlkreise gehören und hier nicht aufgc- führt sind. Parteigenossen, wir erwarten, daß Ihr Eure Schuldigkeit thut, denn so ist es uns nur möglich, vorwärts zu kommen. Herr Hurlemann wird auch anwesend sein und an den Berathungen Theil nehmen. Mit sozialdemokratischem Gruß I. A. der Staßfurther Parteigenossen. C. Boensch, Leopoldsholl, Carlstraße 2. XL. Für das Unterkommen der auswärtigen Parteigenossen wird bestens gesorgt werden, falls ihnen die Rückreise am Tage der Conferenz nicht möglich sein sollte.___ Druckfehlerberichtigung. In einem Theile der Exemplare der vorigen Nummer des„Vorwärts" heißt es in der sozialpolitischen Uebersicht: Lane et lavozo— es muß aber selbstverständlich heißen: Invora. B-iefkitstcu der Redaktion. I. H. in Coburg: Behalten Sie den„Partei- genossen" im Auge. Sollte er sich direkt und absichtlich gegen die In- teressen der Partei vergehen, so wissen Sie ja, an wen Sie sich zu wenden haben. Das Urtheil desselben„Parteigenossen" über„unsere Parteipresse" ist mehr albern als infam— uns deshalb gleichgültig. — C. W. in Halle: Ein zu lebenslänglichem Zuchthaus Verurtheiltcr ist zu der von Ihnen angeführten Handlung nicht berechtigt, da ihm die bürgerlichen Ehrenrechte abgehen.§ 34 des Strafgesetzbuchs für das deutsche Reich sagt ausdrücklich:„Die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte bewirkt ferner die Unfähigkeit, während der im Urtheile be- stimmten Ze t: 5) Zeuge bei Aufnahme von Urkunden zu sein." Da nun ohne Urkunde die testamentarische Vermachung eines Vermögens unmöglich ist, so folgt daraus, daß ein zu lebenslänglichem Zuchthaus Verurtheiltcr das Verfügungsrecht über sein Vermögen eingebüßt hat. — W. B. in Ellerbeck: Wir kennen das preußische Dissidentengesetz nicht. Nach sächsischem Gesetz hätten Sie zunächst dem Ortsgeistlichen die Absicht des Austritts aus der Landeskirche mündlich anzuzeigen� nach Verfluß von 4 Wochen wäre demselben Geistlichen schriftlich mit- zutheilen, daß Sie bei dem Entschluß, aus der Landeskirche auszutreten, beharren. Den Schlußakt würde dann Ihre Eintragung in's Civil- standsregistcr seitens des Bezirks-(Kreis-) Gerichts bilden. Von der Kirchensteuer sind die sächsischen Dissidenten nach Vorzeigung einer Bc- fcheinigung über ihren Austritt aus der Landeskirche befreit. der Expedition. C. Hesse in Mühlhausen i. Th.: Senden Sie 2.40 Mk. per Postanweisung oder Briefmarken ein und Sie erhalten das Gewünschte dann frei zugesandt. Quittung. Pnngr Bremen Ab. 47,00. Rdl Halle Ann. 0,70. Schrffttr Salzburg Ab. 4,64. Zchrds Hermannstadt Ab. 4,00. Exped. der„Wahrheit" Breslau Ab. 1000,00. Jng Kragojevatz Ab. u. Schr. 13,00. Mtg Altona Ab. 20,00. Lpp Halberstadt Ab. 1,00, Schr. 4 20. Exped. der„Freien Zeitung" Duisburg Ab. 3,00. Parteigenossen, welche mir Arbeit als Schlosser nachweisen können, werden ersucht, mich umgehend benachrichtigen zu wollen, ich würde zu gleicher Zeit die Agitation dortselbst übernehmen. Offerten ersuche ich an die Expedition des„Hefsischen Volksblatts", Cassel, zu richten. Fonds für Gemaßregelte. Durch E. Fischer Thonberg 4,10. Anzeigen tt* QrttlziT.T Donnerstag, den 9. August, Abends>/zS Uhr, im Saale des Hrn. Michael, gr. Wiudmühlenstr. 7: Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Die bevorstehende Landtagswahl und die Com- munalwahlen. Referent H. Ramm. 70) Der Agent. Donnerstag, den 9. August, Abends 9 Uhr, in Burmeistcr'S Salon: Sozialisten-Versammlung. Tagesordnung: Rechenschaftsbericht des Arbeiter-Wahlcomites.(60 F. Heerhold. Die Rundschau. Organ für sozialistische Propaganda. m. 2 ist erschienen und an diejenigen Filial-Expeditionen zur Versendung ge langt, welche über Nr. 1 abgerechnet haben. Druckfehlerberichtigung. Im Leitartikel, zweite Seite des Blattes, Zeile 11 von unten, muß es heißen: Werkzeug, statt Werk. ggf Diejenigen Filial-Exprdienten, welche mehr wie 10 Expl. der Nr. 1 übrig behalten haben, werden ersucht, den darüber hinaus- gehenden Rest retour zu senden. Im Berlage der Leipz-ger Genossenschafts-Buchdruckerei erscheint in den nächsten Tagen und ist durch die Unterzeichneten zu beziehen: Der arme Conrad. Jllustrirter Kalender für das arbeitende Volk pro 1878. (Dritter Jahrgang.) Gegen die Borjahre bedeutend vergrößert(132 Seiten stark). Znlialts-Uerzeichniß. Vorwort, mit gedrängter Statistik über die letzten Reichstags- wählen.— Vollständiges Äalendarium(protestantisches, katholisches� Sonnen- und Mondwechsel, Tages- und Nachtlängen 2c.).— Umsonst geopfert. Erzählung von Robert Schweichel. Glück und langes Leben. Episode nach dem Leben von Carl Hillmann.— Die Erziehung zur Ungleichheit und Unfreiheit. Von X?). Z.— Ludwig Borne(Biographie). Mir Portraii.— Die Wiener Arbeiter von 1848. Von Wilhelm Blos.— WcihnachtSbildrr aus einem Prolctaricrledcn. Von F. W. Fritzsche.— Tie Werththeorie. Kapitel aus der politischen Ockonomie von H. Oldenburg.— Eine Epistel zur Kindcrerzichung. Von Emil Roßbach.— Die Wichtig- keir der Grund- und Bodcnfrage. Von Georg Vollmar.— Der Himmel. Naturwissenschaftliche Skizze von W. Bracke.— Saint Simon(Biograpbie). Mit Portrait.— Tie dümmste Frau. Humoreske.— Die Menschenaffen. Mit Illustrationen.— Die Pariser Commune. Von X. X.— Gedichte:„An die Reichen" von Viktor Hugo;„Aus der Jugendzeit" und„Der alte De- mokrat" von Aua. Geib.— Anekdoten. Sinnsprüche. Räthsel. Sprüchwörter. Wichtige Entdeckungen uud Erfindungen.— Marktverzeichnisse, nach Provinzen eingethcilt.— Ebbe- uud Fluth- Tabelle. Die Illustrationen sind von bewährten Künstlern ge- zeichnet und geschnitten. Trotz der gediegenen und reichhaltigen Ausstattung kostet der Kalender gehestet nur 40 Pf., gebunden und mit gutem Schreibpapier durchschossen 60 Pf., gegen baar oder Postvorschuß. Den Bestellern von Einzel-Exemplaren ist anzuempfehlen, für jedes Exemplar brochirt 50 Pf., gebunden 70 Pf., einzusenden, wofür wir es frauco per Kreuzband zusenden. Die Lieferung des Kalenders erfolgt nur gegen baar oder Postnachnahme. Irei- Kremptare werden nicht gegeben. Auf Posten von 1 Dutzend aufwärts berechnen wir brochirt 25 Pf. pro Stück» gfgcn 6 gebunden 40---> Expedition des Vorwärts, Leipzig, Färberstr. 12/11. AUg. deutsche Assoziations-Buchdruckerei zu Berlin. 80., Kaiser-Franz-Grenadierplatz 8a. 2 Tr. gtr Besteller aus dem Norden wollen ihre Aufträge nach Berlin, diejenigen aus Süd- und Mitteldeutschland nach Leipzig adresfircn. Verantwortlicher Rsdattcur: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipzig' vvd ExpedK-in Färbcrflraß« 12/11. m Leipzig. Vrwk und N«k«< d«. V?iw.D»fchasttb«chdrL?ir»i:n Lepzt�