Erscheint in �eipjiz Vitiwoch, Freitag, Sonntag. Abonnemcnl-Prcis >1�., j.kat>it>!and l M. 60 Pf.(ro Quartal. Monats-Äl>oi,ncme»Is werden de» allen d-utichen Poslanstalten aul den S. und 3. Monat, und auf den ». Monat besonders angenonnnen: im «Snigr. Zachien und H-rzogth. Sachsen- «licnburg auch aus den Iten Monat des Quanals k 54 Pfg. Inserate betr. Versammlungen xr. Petitzeikd 10 Ps., betr. Privatangelegenheiten und Feste»ro Peritzeile 3v Ps. Vefiellungen nebmen an alle Postanstalten und Buch- Handlungen des In- u. Auslandes. Filial> Expeditionen. ?!eiv-?or!: Soz.-demolr. Benoste»- schastsbuchdruckerei, l54LIckrisM Str. Philadelphia: D. Haß, S30 Xvetla Steeel. I. Voll, 1123 Cllnelotts Sir. Hodolen N.J.: F. A. Sorge, S15 IVasll- inxio» Str. Ehicago: A. Lanscrmann, 74 vlvdonena»r». San Franzisco: F. Enh, slö O'd'arrLll ktr. London W.: ii. Hcuze, 8 New tr. Goldau Sgouro. Kentrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 95. Mittwoch, 15. August. 1877. Die Vorgänge in den Vereinigten Staaten. Die uns jetzt vorliegenden amerikanischen Zeitungen reichen bis zum 23. Juli. Bemerkensmerth ist die Einmüthigkeit, mit welcher dieselben nur von einem„Strike", einem„Ausstand" reden. Das Bourgeoisorgan„Philadelphia Demokrat" füllt seine Riesenspalten mit Berichten über den„großen Ausstand" und der sozialistische„Arbeiter vom Ohio"(in Cincinnati er- scheinend) spricht ebenfalls nur von einem„Ausstand" von „Ttrikern" und„gewaltthätigcn Strikern", von deren Kampf es voraussagt, daß er„mit der alten Niederlage endigen werde". Nirgends auch nur die- leiseste Andeutung, daß ein politischer oder gar sozialpolitischer Umwälzungsversuch vorliege. Dies zur Klarstellung. Zur weiteren Klarstellung müssen wir einen Satz, der sich in unserer Dresdener Correspondenz über den Strike in Nordame- rika findet(Nr. 91) richtig stellen. Es heißt da:„alle Vorbe- dingungen des sozialistischen Staates sind in den Vereinigten Staaten vorhanden. Die kapitalistische Produktion ist so weit entwickelt, daß sich nur England noch mit Amerika gleichstellen kann. Ein Mittelstand existirt nicht, braucht also auch nicht erst zu Grunde zu gehen." Das ist entschieden falsch. Der Mittel- stand in den Bereinigten Staaten, namentlich der ländliche— die selbstständigen Farmers— ist sehr zahlreich und befindet sich durchschnittlich in einer weit besseren ökonomischen Lage als das deutsche und französische Bauernthum. Der Kapitalismus hat sich colossal entwickelt, jedoch nur in den Oststaaten, und nur auf dem Gebiete des Handels und der Industrie, nicht aber in der Landwirthschaft die absolute Herrschast erlangt, während er in England Alles beherrscht: Handel, Industrie, Landwirth- schaft. Einen untrüglichen Beweis dafür, daß„die Vorbedin- gungen des sozialistischen Staats" in den Vereinigten Staaten noch nicht vorhanden sind, liefert die notorisch geringe Verbrei- tung— nicht sozialistischer Ideen, denn in England, wo un- zweifelhaft alle Vorbedingungen des sozialistischen Staats im vollsten Maße vorhanden sind, haben wir trotzdem momentan keine eigentlich sozialistische Bewegung,— des Klassenbe- Wußtseins, welches in England allgemeiner ist und in Amerika gerade in Folge der Eigenthümlichkeiten seiner ökonomischen Ent- Wicklung, außer bei den Bourgeois, noch fast vollständig fehlt. Es ist dies ein Thema, mit welchem wir uns wohl noch ein- gehender beschäftigen werden. Ein zweiter, ebenso schlagender und noch augenfälligerer Beweis liegt in dem Verlauf der gegenwärtigen Krise. Wäre die Auffassung unseres Dresdener Correspondenten zu- treffend, so würden die Vereinigten Staaten in diesem Moment eine sozialistische Republik sein. Wer hätte es denn ver- hindern sollen, wenn„alle Vorbedingungen vorhanden", d. h. der Mittelstand verschwunden wäre, und der Handvoll von Groß- kapitalisten die ungeheure Ueberzahl des seiner Klassenstellung sich bewußten Proletariats— und das gehört doch zu„allen Vorbedingungen"— gegenübergestanden hätte? Wir lassen nun einen sehr lehrreichen Artikel über die Vor- gänge in Amerika folgen, den wir gefunden haben, wo wir ihn am Wenigsten vermuthet hätten, nämlich in der Berliner„Na- tional-Zeitung". Ein„Deutschamerikaner", den wir zu kennen glauben, und der gleich nach Bekanntwerden der ersten Nach- richten einen recht vernünftigen Brief an die„Nationalzeitung" schrieb, in welchem er die einlaufenden Schreckensgerüchte wider- legte, spricht sich jetzt in einem längeren Aussätze(Nr. vom 7. August) wie folgt aus: „Die an dieser Stelle bereits vor einer Woche ausgesprochene Meinung, daß„die Ueberwältigung des Aufruhrs keinem Zweifel unterliege", ist inzwischen zur Wahrheit geworden. Damit ist die Befürchtung jener als grundlos hingestellt, die, aus dem Extrem der(„Reform"-)Hoffnungsseligkeit in das andere ver- fallend, untergeordnete Krawalle als den Beginn eines neuen Bürgerkrieges ansahen. Die nunmehr einlausenden Postbe- richte geben keinen Anhalt für die Behauptung, daß der Auf- rühr eines auf langer Hand wohl vorbereiteten allgemeinen Planes gewesen; es entspricht diese Unterstellung auch nicht den sozialen Zuständen der großen Republik. Einmal deshalb, weil bei dem Charakter der amerikanischen Bevölkerung eine derartige geheime Verschwörung wohl wie die Molly Maguyre in einer be- stimmten Lokalität unter einem einzigen, und zwar dem keltisch- irischen Volkselemente, aber nie von Newyork bis San Fran- cisco durch das ganze Land unter den verschiedenartigsten Ele- wenten auch nur ein paar Tage lang bestehen könnte, ohne Gegenstand der öffentlichen Zeitungs- Unterhaltung geworden Zu sein. „Zum Andern aber entspringt diese Meinung einer Unter- Schätzung des durch die seit vier Jahren bestehende Arbeitslosig- reit hervorgerufenen Elends und der sich ergebenden Despera- tion, die bei einer Arbeiterbevölkerung, begabt mit der Energie, dem Muthe, der Intelligenz und dem Charakter der amerika- uischen überhaupt, nicht verfehlen konnte, sich anstatt in dumpfer passiver Resignation, in aktiver Feindschaft und im Hasse gegen dw vermeintlichen Ursachen und Urheber der schlechten Zeiten zu ° r Ü? scheint vielen Leuten gerade so zu gehen, als dem gelehrten Diplomaten, der noch vor einem Jahre die Thatsache, vag man im Westen das Welschkorn häufig als Brennmaterial o®ett,eig geltend zu machen suchte, daß von einer schlechten Lage der Arbeiterbevölkerung nicht die Rede sein iünüe' ro?r nicht zu begreifen im Stande, daß gerade m der Thatsache des gleichzeitigen Nebeneinanderbestehens eines Ueberslusses an Nahrungsmitteln in den Ackerbau- ,',1 t �'nem Ende der Eisenbahnen und des— m buchstäblichen Sinne des Wortes bis zum Verhun- uern gesteigerten Elendes der Arbeiterbevölkerungen in den großen Städten am andern Ende derselben Bahnen, der schlimmste Beweis für die ganz verschrobenen wirthschastlichen Verhältnisse liegt. „Schönfärbcrische Berichte und tendenzöse Berichterstatter suchen das Vorhandensein dieses Elends zu verhüllen/ Nichts- destoweniger ist und bleibt es Thatsache, daß während des ganzen letzten Winters in Newyork und Umgegend fast keine Woche ver- ging, in der die Polizeiberichte nicht Fälle des absoluten Ver- hungern nicht nur einzelner Individuen, sondern ganzer Fami- lien constatirten. Allabendlich waren die Polizeistationen nicht mit Vagabunden von Profession und aufgehobenen Verbrechern, sondern mit arbeits-, nahrungs- und obdachlosen Arbeitern und Handwerkern von anerkannt gutem Charakter angefüllt, die am nächsten Morgen auf ihr Verlangen vor die Polizeigerichte ge- führt, ihre Ueberführung in die städtischen Gefängnisse(als „Vagabunden") erbaten, so daß diese Bitten, ehe der Winter weit vorgeschritten war, der Ueberfüllung aller vorhandenen Ge- fängnißräume halber, abgeschlagen werden mußten. Bettelei, früher in Amerika ganz unbekannt, hat in den letzten Jahren eine Ausdehnung gewonnen, wie sie kaum in dem klassischen Lande der Lazzaronis besteht; unterscheidet sich aber insofern von aller andern Bettelei, als die amerikanischen Bettler nicht wie anderwärts Krüppel, Kinder, Weiber und Greise, sondern in ihrer überwiegenden Mehrzahl Männer im rüstigsten Alter sind. „Im Sommer überlaufen diese Bettler das Land, und daß sie, wenn sie in kleinen Trupps die einzelnen Bauernhöfe heim- suchen, gefährlich werden können, und wenn dieser Zustand noch längere Zeit währen sollte, sich sammt und sonders in desperate Landstreicher, Strolche, Aufrührer und Räuber verwandeln müssen, ist für jeden Kenner sozialgeschichtlicher Entwicklung von vornherein klar, und übrigens durch den eben stattgehabten Aufruhr abermals aufs bündigste bewiesen worden. Der„sozial- wissenschaftliche Verein" des Staates New-Iork schätzt(in einer vor etwa vier Wochen erlassenen Aufforderung zur Einsendung von Preisabhandlungen betreffend die Mittel zur Abhülfe dieses Uebelstands) die Anzahl der in den ganzen Vereinigten Staaten beschäftigungslosen Arbeiter auf nichr weniger als drei Millionen, die mit ihren Familien mindestens zehn Millionen, also fast 25 Proz. der Gesammtbevölkerung repräsentiren würden. Erscheint diese Schätzung auch— für die Sommermonate— zu hoch, so ist doch sicher— und der eben vorgekommene Aufruhr hat es bewiesen— daß in jeder Großstadt die Anzahl der durch Arbeitslosigkeit desperat gewordenen kampffähigen Männer sich nach Zehntausenden und aber Zehntausenden beziffert. „Diese und eine ebenso zahlreiche Menge, die als Klcinkrämcr, Handwerker u. s. w. noch in wenig besseren Umständen sich zu behaupten im Stande gewesen, wurde bis zum Ausgange der Präsidentenwahl von der Hoffnung aufrecht erhalten, die seit dem Bestehen der Republik dem Volke eingeimpft worden, daß das„Wahlrecht in der Hand der freien Bürger" ein unfehlbares Heilmittel aller sozialen Schäden sei. Durch den sattsam bc- kannten, in der Annullirung des Willens der Volksmehrheit gipfelnden Ausgang der Wahl wurde dieser Illusion der Garaus gemacht. Desto desperater klammerte man sich an die Hoffnung, daß die Uebernahme der Regierungsgewalt durch die neue, reform- versprechende Administratton die nöthige Aenderung herbeiführen werde. Auch diese Hoffnung ging nicht in Erfüllung, denn die Geschäfte, anstatt besser zu werden, gehen eher noch schlechter, und das brachliegende Kapital zieht es, anstatt sich zu aktiven Unternehmungen herzugeben, vor, sich nur zu vier Prozent der neuen Convertirungsanleihe der Regierung zuzuwenden. „Auch die Gewinne der Eisenbahnen verringern sich, im Westen in Folge der Regulirung der Tarife durch die Granger Legislaturen; im Osten— anscheinend seltsam, aber sehr natür- lich!— in Folge der berühmten Tilden'schen Reform der Kanal- Verwaltung des Staates New-Iork. Diese hat nämlich die kost- spieligen Contrakte und desgl. Verwaltung— wenigstens theil- weise und vorläufig— beseitigt, und bedeutend billigere Fracht- preise eröffneten den Produkten des Westens endlich wieder einmal die Möglichkeit, auf dem Erie-Kanal nach New-Aork zu gelangen. Diese Concurrenz des Kanals zwang die vier großen Bahnen, die den Verkehr des Westens mit der Seeküste ver- Mitteln, zu einer entsprechenden Preisherabsetzung. Ehe diese festgesetzt wurde, kam es aber zu einem sogenannten„Eisenbahn- kriege" zwischen den„Königen" Vanderbilt von der New-Aork Central, Scott von der Pennsylvania-Central und Garrett von der Baltimore und Ohio Bahn, indem diese sich gegenseitig den Löwenantheil des Verkehrs streitig machten und zu diesem Zwecke durch ihre Inland-Agenten nicht nur überaus billige Fracht- contrakte auf Monate im Voraus abschlössen, sondern sogar die Passagierpreise, die an und für sich von der Conrurrenz des Erie-Kanals gar nicht betroffen waren, so herabsetzten, daß Schreiber dieses im letzten Jahre von New-Iork bis Chicago und zurück(1824 englische Meilen) für 26 Dollars reiste. Was die Aktionäre durch diesen fast sechs Monate währenden und lediglich gegenseitiger Eifersucht ihrer„Könige" entspringenden „Krieg" einbüßten, hätte wahrscheinlich mehr als ausgereicht, die gegenwärtig versuchte, im Interesse der Dividenden angeblich nothwendige Herabsetzung des Lohnes der Eisenbahnbeamten ent- behrlich zu machen. „Das deutsche Publikum ist übrigens gewöhnt, sich unter einem„Beamten" einen Menschen vorzustellen, der mit einer gewissen Sicherung der Existenz oder wenigstens gegen launische Wechselfälle, z. B. beliebige Entlassung seitens der Vorgesetzten ic. geschützt angestellt ist und der natürlich auch seinerseits sich seinem Amte nicht ohne Beobachtung der gehörigen Formalitäten will- kürlich entziehen kann. Ein solches Verhältniß ist den ameri- kanischen„Eisenbahnbeamtcn" ganz unbekannt. Diese sind viel- mehr, der sofortigen Entlassung unterworfen, zum Theil bloße Tagelöhner, zum anderen Theilc werden sie nach der Anzahl der von ihnen auf ihren Fahrten zurückgelegten Meilen von Zeit zu Zeit— und zwar auf vielen Bahnen sehr unregelmäßig und verspätet— bezahlt. Da die Meilenzahl jedes einzelnen Zug- und Lokomotivführers, Heizers, Bremsers u. s. w. eine andere und auch von Zeit zu Zeit variirt, sind bestimmte An- gaben betreffs der Bezahlung dieser Leute sehr wenig Werth. Es kann nur constatirt werden, daß ihre durchschnittliche Be- zahlung die in entsprechenden Geschäften gebräuchliche nicht über- steigt. Im vorigen Jahre belief sich z. B. der Durchschnitts- verdienst der Bremser in Pennsylvanien auf ungefähr 30 Dollar pro Monat, während die in den Bahnhöfen angestellten Arbeiter nur selten mehr als 80 Cents Tagclohn erhielten. Dies bei sehr viel härterer Arbeit als in Deutschland, wo zwei, drei oder gar vier Beamte den Posten ausfüllen, der in Amerika mit einem einzigen Arbeiter besetzt wird. „Ob dennoch in Wirklichkeit eine weitere Herabsetzung der Löhne nothwendig war, wollen wir um so weniger entscheiden, als der Standpunkt des Beurtheilers dabei ein entscheidendes Wort mitspreche. Uns genügt die Constatirung der Thatsache dieses Conflittes der Interessen vollkommen, um den am 16. Juli, an welchem Tage die diesmalige Lohnreduktion der Baltimore- und Ohio-Bahn eintreten sollte, ausgebrochenen Strike zu er- klären. Nichts aber ist sicherer, als daß dieser Strike, wenn er unter gewöhnlichen, gesunden Verhältnissen vorgekommen wäre, fast unbeachtet geblieben sein würde. Er wirkte nur deshalb wie ein Funken, der in die Pulvertonne, oder wie der einzelne Wassertropfen, der in ein übervolles Glas fallend, den ganzen „Haufen" in Bewegung setzt, weil die wirthschaftliche, soziale und politische Lage des Landes der Haltbarkeit entbehrt. So lange Bewegungen, wie die gegenwärtige, ohne jedweden Plan und rationellen Zusammenhang vor sich gehen, können sie eben nur Verluste und Zerstörung verursachen, werden aber regel- mäßig überwältigt werden, oder von selbst verpuffen. Die größere Gefahr einer die Existenz des ganzen Staatswesens be- drohenden Bewegung entwächst nur der Gewißheit, daß die jetzt bestehenden oder sich neu bildenden politischen Parteien die sprengenden sowohl als zurückhaltenden KLäfte, die sich soeben geäußert, zur Erreichung ihrer Ziele zu organisiren suchen, und das dann den Staatsmännern diese orzanisirten Kräfte über den Kopf wachsen werden, wie Göthe's Besen dem Zauber- lehrlinge." � Dies der�Artikel der„Nationalzcitung". Wenn an der Auf- faffung des Schreibers sich auch mancherlei aussetzen läßt, so thut das seinen thatsächlichcn Ausführungen doch keinen Abbruch. Das Borgehen der Arbeiter ist durch diese Darlegung vollständig gerechtserttgt; und die vernichtende Kritik, weiche sich zunächst gegen die„ganz verschrobenen wirthschastlichen Verhältnisse" in den Bereinigten Staaten wendet, trifft die gesammte bür- gerliche Gesellschaftsordnung, die überall, im„civilisirten" Europa so gut wie in dem noch etwas urwüchsigeren Amerika, im wesentlichen die gleichen„verschrobenen wirthschastlichen Verhältnisse" aufzuweisen hat. Aus Rumänien. _.-- 8. August 1877. Tie Niederlage der Russen, die man, so lange es nur anging, zu verheimlichen bemüht war, ist endlich in ihrer vollen Aus- dehnung bekannt geworden und hat auch unter demjenigen Tbeil der rumänischen Bevölkerung, der sich nach und nach in eine Kriegsbegeisterung hineingearbeitet hatte, einen wesentlichen Um- schwung hervorgebracht; die kriegslustige Stimmung hat einer ruhigeren und gemäßigteren Anschauung Platz gemacht. Die aktive Kriegspolitik der Regierung beginnt man scharf zu kriti- pren. Die etwas voreilige Unabhängigkeitserklärung sei zu riskant, und in der That dürfte, wenn die Türken noch weitere Fort- schritte machen und die Russen über die Donau zurückgedrängt werden sollten, diese„Unabhängigkeit" der Regierung noch so manche arge Verlegenheiten bereiten. An den hiesigen Bahnhöfen herrscht jetzt schon wieder ein recht rege» Leben, eine Anzahl Militärzüge werden täglich abge- fertigt und scheint es. daß man sich bald wieder auf eine Haupt- schlacht einrichtet; wir werden ohne Zweifel schon in wenigen fammen�on etnCm erne"erteu mörderischen Kampfe zu hören be- Gar so gewaltig scheint aber der russische Koloß doch nicht zu,sem. Die Truppen, die zetzt hier durchpassiren. lassen darauf 'chueßen, daß man schon mit dem vorhandenen europäisch- russischen Menschenmater.al ziemlich aufgeräumt und aus dem wetten russischen Reiche die mongolischen Volksstämme heran- ziehen muß. Echte Kalmücken sind es, die jetzt nach der Donau befördert werden; die kleinen geschlitzten Augen, die plattge- druckten Nasen, hervorstehenden Backenknochen belehren uns darüber, man Hort fetzt nicht mehr wie früher das Singen und | Gejohle m den Straßen, das die früheren Truppenmärsche so eigenthumlich charafterisirt hat; still und ruhig bewegen sich die : ick derkelb-.� TüJUr Schlachtbank treibt, und ich muß, wenn Irw iS,°"l'ch� werde, immer an die alte Anekdote vom dein Juden denken, der bei einer Parade in Pot-dam beständig den Kops bedenklich schüttelte, und, vom alten V.um die Erklärung dieses Kopfschüttelns gefragt, sich endlich emschlotz, zu gestehen, daß er sich des Gedankens nicht erwehren rönne, wie es einmal werden würde,„wenn"— auf dieTrup- Penmassen zeigend—„die einmal nicht wollen!"--- Vorläufig haben wir solche gefährliche Gedanken von den— Kalmücken, die hier durchpassiren, nicht zu erwarten, so weit hat es die mongolische Race noch nicht gebracht, nicht einmal weit gedankenreichere kaukasische.---- Auch die kaiserliche Garde erwartet man hier durchziehen zu sehen. Damit gewinnt es den Anschein, daß man schon das Aeußerste aufbietet, um diesen so muthwillig heraufbeschworenen Kampf wenigstens noch mit Ehren durchzuführen; von Erfolgen wagt man nicht mehr zu sprechen. So zeigt es sich abermals, daß der Koloß auf thönernen Füßen steht.---- Hier spricht man schon von einer Constitution, die die Russen nach Beendigung des Krieges erhalten sollen. Mit solchen Spie- lereien versucht man jedesmal das unverdienter Weise gezüchtigte die � Johann Jacoby als ihren Führer anerkannte, wird der Borwurf gemacht, daß sie Idealen nachlaufe, nur ideale Politik treibe Mit der idealen Politik der bürgerlichen Demokratie ist es aller- dings jetzt so wie mit ihr selbst vorbei; das beweist noch be- sonders der obige„Vorwurf", den wir als hohe Anerkennung auffassen, welchen die bürgerlich-demokratische„Neue Wormser Zeitung" dem„Vorwärts" macht. — Wegen dieses Gesindels! Die„Wahrheit" meldet folgenden in Breslau stattgehabten Vorfall: „Am Sonnabend Abend befanden sich mehrere Sozialisten Volk zu besänftigen; das Mittel ist probat. Man ruft Vivat in der Haase'schen Brauerei und hörten, wie an einem Tische und sendet Dankgebete zum Himmel für solche Gnade aus aller- sich mehrere Herren über das Verbot des Volksfestes unter- höchster Czarenhand!--- hielten. Der eine derselben wurde beftagt, warum vie Polizei Daß Karl der Kleine von Rumänien noch keine Gelegenheit das Fest verboten habe, und gab als Grund dafür den Umstand hatte, an der Spitze seiner Truppen sich zum Carol dem Großen an, daß von den Veranstaltern beabsichtigt sei, zwei Luftballons, heraufzuschwingen, ist Ihren Lesern doch wohl bekannt; bis jetzt mit den Namen„Freiheit" und„Menschenrechte", steigen zu konnte er von seinem erhabenen Beschützer, dem Kaiser aller lassen. Des Weiteren erklärte der Herr wörtlich:„Denken Reußen, die Erlaubniß zum Mitthun noch nicht erhalten; und Sie sich, meine Herren, nun muß morgen die ganze Breslauer jetzt, wo ihm eine solche gnädigst gestattet werden dürfte, wäre Polizei wegen dieses Gesindels auf den Beinen sein." Einer es wohl möglich, daß er sich regelrecht bedanke, denn in der That der anwesenden Sozialisten stellte den Sprecher natürlich sofort — man kann nicht wissen— und mit den Türken zu spaßen zur Rede darüber, wie er anständige Arbeiter mit dem Beinamen ist auch für einen„Unabhängigen" riskant.---„Gesindel" belegen könne, worauf der Herr sich nach kurzer Jedenfalls steht sich Se. Hoheit Fürst Karl von Hohenzollern Gegenrede aus dem Lokal entfernte. Man hat versucht, der hier nicht schlecht. Er hat schon eine hübsche Anzahl von Gütern Aeußerung später eine harmlosere Deutung zu geben, da uns zusammengekauft und jüngst erst wieder das Gut Broschteri jedoch die Richtigkeit des hier mitgetheilten Vorganges verbürgt vom Fürsten Balsch um den Preis von 2 Millionen Francs, wird, so tragen wir keine Bedenken, die Namen der betheiligten Das Regieren scheint demnach auch nebst sonstigen Annehmlich- Personen zu nennen. Unser Parteigenosse, der dem„gebildeten" keiten noch den Vortheil zu haben, daß man dabei auch für Herrn entgegentrat, war Rudolph Schuhmacher; der Mann, der künftige Tage und unvorhergesehene Fälle etwas bei Seite zu bringen vermag. Sozialpolitksche Uederficht« — Eine sehr bezeichnende Anerkennung ist dem „Vorwärts" geworden. Die„Neue Wormser Zeitung", ein bürgerlich-demokratisches, im Allgemeinen recht brav redigirtes Blatt, schreibt einige Artikel über die Lage in Frankreich und nimmt natürlich, wie es von einem bürgerlich-demokratischen Blatte recht und billig ist, Stellung gegen uns in Bezug auf unsere Auseinandersetzungen mit der„Frankfurter Zeitung". Vom„rein communistischen" Standpunkte aus, meint das Blatt, sei der Standpunkt des„Vorwärts" wohl zu vertheidigen, aber nicht von sozialdemokratischem. Wir kennen nun keinen Unter- schied zwischen communistisch und sozialdemokratisch, und die „Neue Wormser Zeitung" hat uns denselben auch nur insoweit klar zu machen gesucht, daß sie behauptet, die rein communisti- scheu Elemente strebten bekanntlich die Anarchie an, die sozial- demokratischen nicht. In unserer sozialdemokratisch-communisti- sehen Partei befinden sich nun eine große Zahl rein commu- nistischer Elemente und merkwürdiger Weise bekämpfen diese gerade die Anarchisten am entschiedensten, während weniger vorgeschrittene Elemente hin und wieder durch die anarchistischen Phrasen sich blenden lassen und mit den Anarchisten, natürlich immer nur für kurze Dauer, liebäugeln. Die„Neue Wormser Zeitung" verwechselt augenscheinlich die Communisten mit den Bakunisten— es„nistet" sich am Ende eben so und dann kommt es so genau nicht bei den vielbeschäftigten Herren von der Presse darauf an, wie die ersten Silben lauten. Eine Anerkennung des demokratischen Blattes liegt also schon darin, daß die Stel- lung des„Vorwärts" in der französischen Frage von rein com- munistischem Standpunkte zu vertheidigen sei; aber es kommt noch besser. Das demokratische Blatt sagt nämlich zum Schlüsse seiner Betrachtungen: „Vom Standpunkte idealer Politik aus ist der„Vorwärts", um einen kaufmännischen Ausdruck zu gebrauchen, recht„leistungs- fähig", von dem der praktischen jedoch keinen Pfifferling Werth." Wir geben gern und freudig zu, daß wir in der praktischen Politik keinen Pfifferling werth sind und auch nicht Werth sein können, da uns bis jetzt die Macht fehlt, praktische Politik mit Erfolg zu betreiben. Praktische Politik betreibt Fürst Bismarck, auch die Nationalliberalen betreiben dieselbe, indem sie auf die Freiheit verzichten und der Regierung zu Füßen sich schmiegen. Praktische Politik können auch nur diejenigen treiben, welche augenblicklich die Macht haben oder welche mit dieser Macht im Bunde arbeiten.— Was uns die demokratische„Neue Wormser Zeitung" zum Vorwurf machen will, das ist für uns demnach eine große Anerkennung. Weiß aber das bürgerlich-demokratische Blatt nicht, daß der„Vorwurf", ideale Politik zu treiben, immer den fortgeschritteneren Elementen gemacht wird? Sagen die Eons vativen nicht, Lasker laufe Idealen nach; ruft dieser der Fortschrittspartei solches nicht auch zu? Und gerade der bürger- liche» Demokratie, die eine Zeit lang den edlen Idealisten Menschenopfer und Heldenmnth. Am 26. Juli ereignete sich in Göttingen bei Reinigung der Kloaken des dortigen Irrenhauses eine Reihe von Unglücksfällen, die vierMännern in derBlüthe der Kraft das Leben gekostet einen fünften in noch immer fortdauernde Lebensgefahr gebracht haben. Der Vorgang ist in kultureller und in psychologischer Beziehung so interessant, enthüllt auf der einen Seite so drastisch das leicht- sinnige Spielen mit Menschenleben, wie es jetzt Mode, und zeigt auf der anderen Seite die Menschennatur, an der wir in dieser Zeit der Massenmorde mitunter schier verzweifeln könnten, in einem so schönen Licht, daß wir ihn in all seinen Einzelnheiten nach dem Berichte der„Göttinger Zeitung" vom 21. Juli den Lesern vorführen wollen: „Beim Baue der Anstalt wurde das sogenannte d'Arcet'sche System adoptirt, welches im Laufe der Zeit als in seiner ganzen Ausdehnung unpraktisch, ja schädlich, einzelne Veränderungen erfuhr, um die Hauptmißstände zu beseitigen. In Kürze wollen wir hier erwähnen, daß in der Theorie dieses Systems eine Trennung der festen von den flüssigen Fäcalstoffen in verschie- denen Gruben, welche durch gitterartige Vorkehrungen getrennt sind, stattfinden soll; diese dazu bestimmten Einrichtungen funk- tioniren aber mangelhast und müssen oftmals, besonders die dickeren Bodensätze, durch Menschenhand entfernt werden. Es ist der Direktion bisher nicht gelungen, die völlige Entleerung des Grubeninhalts durch Pumpwerke zu bewerkstelligen. „Es befinden sich also zwei Gruben neben einander; die- jenige für die flüssigen Fäcalstoffe, die zweite von der Hausmauer Berechnet, war den 25. d. M. entleert und dabei zeigte sich, aß die Oeffnungen zur Nebengrube in der trennenden Wand verstopft seien. Den 26. d. Nachmittags waren nun die mit solchen Arbeiten seit vielen Jahren vertrauten Leute beschäftigt, die gitterartigen Oeffnungen wieder wegbar zu machen. Der Maurer Becker mit seinem Gehilfen Seebode hatten zum Theil die Arbeit gethan, sie waren wieder aus der Grube herausge- stiegen, um sich zunächst etwas zu reinigen, alsdann stieg See- bode nochmal hinunter, um mit einem langen Meißel die ein- die Breslauer Sozialisten für„Gesindel" erklärte, war der hiesige Polizeianwalt, Herr Polizeirath Friedmann." Also ein Polizeirath! Und dieser Herr, der die„Ordnung" so sträflich verletzt haben soll, er soll„Ordnung" halten? Da muß allerdings auch in Breslau schöne„Ordnung" herrschen! Als obige Notiz schon gesetzt war, kam uns in der„Wahr- heit" eine Berichtigung des Herrn Friedmann zu Gesicht, die von„Unzurechnungsfähigkeit" und„bodenlosester Nieder- trächtigkeit" spricht— wir hätten eine solche Berichtigung nicht aufgenommen. Parteigenosse Schuhmacher, auf den derartige Ausdrücke gemünzt sind, wird wohl hoffentlich nicht gegen die Redaktion der„Wahrheit" Anklage erheben.— Herr Friedmann hat alle ihm zur Last gelegten Ausdrücke, wie er selbst in seiner Berichtigung zugiebt, gebraucht, nur in einem andern, die Ar- bester nicht beleidigenden Sinne und Zusammenhange— die Redaktion der„Wahrheit" erhält demgegenüber ihre Angaben aufrecht. Wir sind auf den endgültigen Ausgang gespannt. — Zur Lohnfrage zial-Correspondenz" mit einer Lohntabelle: Maurergeselle Steinmetzgeselle Glasergeselle Schreinergeselle Anstreichergeselle Gypsergeselle Handlanger Tagelöhner(Erdarbeiter) Maschinenbaugeselle Werkstättenarbeiter(Eisenbahn) Wir wollen zu diesen„Hungerlöhnen Aus Saarbrücken bringt die„So- gewissen Befriedigung folgende Mark 3,50 ,, 3,75 ,, 3,75 ,, 3,75 ,, 3, iä „ 4,00—6,00! „ 2,0-2,4 „ 1,8-2,2 ,, 2,5— 2,8 „ 2,2-2,5 bemerken, daß außer den Arbeitern der beiden letztgenannten Berufsarten die übrigen mindestens>/« die meisten aber>/? Jahr der Witterung halber „feiern" müssen. Bringen wir dies in Anrechnung und nehmen außerdem die Sonntage noch hinzu, an welchen die Arbeiter auch effen wollen; finden wir dann ferner, daß die Arbeitsbranchen, welche die zahlreichsten Arbeiter beschäftigen, den geringsten Lohn gewähren, so können wir als den täglichen Durchschnittslohn des Arbeiters in Saarbrücken 17—20 Sgr. annehmen. Rechnen wir die Arbeiterfamilie im Durchschnitt nur auf 4 Personen, so hat das einzelne Glied der Familie für Wohnung, Kleidung, Essen u. s. w., die Summe von 4—5 Sgr. täglich zu verausgaben. Und in Saarbrücken stehen die Löhne noch lange nicht am tiefsten, obwohl zu bedenken ist, daß dort der Preis der noth-! wendigsten Bedürfnisse ein sehr hoher ist. — Zur Selbstmordmisere. Groß ist die Zahl der Selbstmörder und Selbstmordversuche in den sechs ersten Mo- j naten dieses Jahres in Berlin, die nach den angestellten Er- Mittelungen in den meisten Fällen aus Roth oder unglücklicher Liebe resultirten. Erhängen und Erschießen waren die gebräuch- lichsten Mittel, aber auch Gift in allen Arten und Formen, der Sprung durch's Fenster, das Oeffnen der Pulsader, das Schlie- ßen der Ofenklappe u. s. w. wurden angewendet, um den ver- zweifelten Entschluß auszuführen. Nicht weniger als 106 Selbstmörder erreichten ihre Absicht, während in 48 Fällen die erhoffte Wirkung nicht eintrat. Auch eheliche Mißver- Hältnisse gaben in einzelnen Fällen den Grund zum gewalt- samen Tode.— Schöne Zustände das in der heutigen„Gesell» schaft der Ordnung!" — Ein Polizeistückchen in der Schweizer Republik. Der„Tagwacht" wird aus Bern geschrieben:„Der Frau un- seres Genossen Bächtold pasfirte vor Kurzem, als sie in einem Laden etwas bestellte und dabei einen mitgebrachten Gegenstand zum Tausch anhingeben wollte, von der Polizei verhaftet und durch die Straßen geführt zu werden auf Veranlassung des Ge- schäftsmannes, der vorgab, der betreffende Gegenstand sei ihm gestohlen worden. Trotzdem daß Bächtold seit längerer Zeit niedergelassen und ein durchaus unbescholtener Mann ist, wurde seine Frau sofort in den Thurm gesperrt und dort den Tag über belassen. Inzwischen waren die kleinen Kinder allein zu Hause ohne Nahrung, ohne Pflege und Aufsicht den ganzen Tag hindurch. Der Mann fand Mittags weder Frau noch Mittag- essen daheim vor und mußte doch sofort wieder auf die Arbeit, wollte er dieselbe nicht verlieren, ohne nach seiner Frau sehen zu können. Endlich wurde dieselbe als völlig schuldlos gegen Abend wieder entlassen. Wer entschädigt die Familie für mate- rielle und moralische Einbuße? Hier, ihr Heuchler, statt beim Fabrikgesetz könnt ihr heulen über„rohen Eingriff in die indi- viduelle Freiheit". Solche Polizeimißstände wären in dem aristokratischen Geldsacks- und Baumwollen-(Engel)Heuchelland nicht möglich." — In Italien soll die bekannte Affaire von Benevent nächstens vor dem Schwurgericht abgehandelt werden. Unser Urtheil über die Sache selbst brauchen wir nicht zu wiederholen. Ueber die leidenden Personen und den Stand des Prozesses schreibt man der„Vossischen Zeitung" aus Rom unterm 4. d. M.: „Die Verhafteten belaufen sich nur auf 36, alle übrigen ent- kamen. Die Untersuchung bestätigte die vom Minister der Kammer s. Z. gemachten Mittheilungen nur in sehr verschwin- dendem Maße. Nicotera bezeichnete die Linke als den„Auswurf der Gesellschaft", bei der von politischem Charakter u. s. w. auch nicht im Entferntesten die Rede sein könne. Die Prozeßatten ergaben großen Theils ein dieser Behauptung entgegenlaufendes Resultat. Ich bin im Stande/ heute einige durchaus verbürgte Personalien über einzelne Angeklagte mitzutheilen. Der Name des Anführers wurde schon früher häufiger genannt. Carlo Cafiero ist aus Barletta gebürtig, genoß eine sehr gute Er- ziehung und verwendet schon seit Jahren sein bedeutendes Ber- mögen dazu, um die sozialistische Bewegung in Italien wach zu erhalten. Eine nicht mindere gesellschaftliche Stellung nimmt der junge Graf Caspegna aus Rimini ein, obgleich er sich seines Grafentitels freiwillig begeben hat. Bon den beiden Brüdern Ceccarelli aus Jmola war einer früher italienischer Offizier. Er verließ den Dienst, um Mechaniker zu werden. Enrico Malatesta aus Capua ist ein junger Schriftsteller, der unlängst ein Buch über den sozialen Staat herausgab. Ueber einen Herrn Papini aus Rimini erfuhr ich nichts näheres. Ebenso ist weder der Name eines reichen jungen Russen, der ebenfalls an dem Putsch betheiligt war, noch sein Stand u. s. w. in die Oeffentlichkeit gedrungen. Der Staatsanwalt hat die Anklage wegen Attentats auf die Staatseinrichtungen erhoben. Die Vertheidigung wurde von den Advokaten Spirito, Sarno, Manfredi, Rosano, Conforti, Pansini, Napodano und Pierantoni übernommen. Die beiden letzten werden die zwei einzigen „reuigen" Casteldi und Bianchini vertreten." — Zum Eisenbahnstrike in Nordamerika. Die uns vorliegenden amerikanischen Zeitungen, die jetzt bis zum 27. Juli reichen, also die ganze entscheidende Zeit des großen Aus- stands und der daran sich knüpfenden Bewegung umfassen, geben uns nur neue Details, aber keine neuen Gesichtspunkte. Sie bestätigen blos die Richtigkeit unserer ursprünglichen Auffassung. Bemerkenswerth ist, daß selbst amerikanische Bourgeoiszeitungen sich über die übertriebene Bedeutung wundern, welche in Europa den Vorgängen beigelegt worden ist. In der That athmen die amerikanischen Blätter selbst an den kritischsten Tagen eine Ruhe, die von den Sensationstelegrammen, mit denen wir damals überschüttet wurden, aufs lebhafteste absticht. Es scheinen jene Alarmdepeschen unsauberen Äörsenmanö vern gedient zu haben. Der geniale Gedanke deutscher Reptilien, aus Furcht vor dem„rothen Gespenst" würden die Vereinigten Staaten sich jetzt plötzlich in einen Militärstaat umwandeln, wird von der amerikanischen Presse einfach todtgelacht. zelnen Oeffnungen zu durchstoßen. Bis dahin war auch nicht die geringste Spur von einer schädlichen Lust zu vermerken; sobald nun Seebode mit dem Meißel in das nebengelegene Bassin kam und eine Communikation dadurch mit der Grube— für die festeren Exkremente bestimmt— hergestellt hatte, ent- strömten wahrscheinlich unter hohem Druck daselbst angesammelte Kloakengase, welche den Seebode sofort besinnungslos zusammen- brechen ließen. Der Maurer Becker, welcher dies sah, stieg, obwohl ihm die Gefahr für sein Leben nach früheren Belehrungen wohl bekannt war, sofort die Leiter hinunter, um seinen Ge- Hilfen zu retten; doch von dem die leere Grube mehr und mehr füllenden irrespirablen Gase getroffen, fiel auch er besinnungslos neben das erste Opfer nieder. Nun eilten zunächst der Maschinist Fincke und der Assistenzarzt Dr. Kayser herbei; Ersterer stürzte in die Grube, nachdem er mehrere vergebliche Rettungsversuche angestellt hatte. Dr. Kayser, vergeblich von den Umstehenden gebeten, die Zahl der Opfer nicht zu vermehren, sondern erst durch Strohfeuer die Gase zu entfernen, folgte nur dem einen Antriebe, ohne Rücksicht für seine Person, so schnell als möglich die unten Liegenden heraufbefördcrn zu helfen, er stieg auf die Leiter, die ihn Zurückhaltenden fortstoßend, und kaum hatte er den Kopf unter der Oberfläche, als auch er wie vom Schlage getroffen hinabstürzte. „Es ist wohl nicht nöthig, die wachsende Auftegung weiter zu schildern, dieser ganze Vorgang hatte nur wenige Minuten zu seinem Ablauf in Anspruch genommen; es erschien sofort der Direktor, Herr Professor Meyer, aber noch ehe er zur Stelle war, hatte sich ein junger Zimmermann, Koch, welcher zufällig auf der Anstalt arbeitete, auch noch in diesen unersättlichen Schlund begeben, doch nur mit dem selbstvernichtenden Erfolg, wie seine Vorgänger. „Mit Gewalt wurden jetzt die Anderen, welche sich nach und nach eingefunden, zurückgehalten; es wurde Stroh angesteckt, um durch die flackernde Flamme eine das Gas enffernende Zuglust heroorzubringen, mit möglichster Energie wurde der Zugang er- weitert, um die Betäubten heraufzubefördern. Als dies gelungen war, zeigten nur noch zwei Lebenszeichen, der Zimmermann Koch und Dr. Kayser; es wurden natürlich bei allen die aus- gedehntesten Wiederbelebungsversuche angestellt, leider vergeblich, den Dr. Kayser ausgenommen, der sich zwar noch am Leben befindet, dessen Zustand aber immerhin zu den größten Besorg- nissen Veranlassung giebt." Das der uns vorliegende Bericht. Ehre den Männern, die sich einer nach dem andern dem fast sicheren Tod entgegenstürzten, um das Leben der Mitmenschen zu retten. Achtung vor solchem Heldenmnth! Neben dem„Ruhm", der diesen Helden der Hu- manität gebührt, muß der Ruhm aller dotirten und undotirten Helden des Schlachtfeldes als unecht verblassen. Aber waren diese Opfer denn nöthig? Die„Göttinger Zeitung" meint zwar,„die Direktion der Irrenanstalt treffe nicht die geringste Schuld"; Dem können wir aber unmöglich bei- pflichten. Die Direktion wußte, wie aus dem Bericht selbst hervorgeht, daß der Entleerungsapparat nicht richtig arbeitete; sie mußte wissen— jedes Schulkind weiß es— daß sich in unventilirten Gruben tödtliche Gase bilden und ansammeln, die erst entfernt werden müssen, ehe ein athmendes Wesen ohne Gefahr sofortiger Erstickung hinabsteigen kann. Die Direktion war also oerpflichtet, die durch Erfahrung und Wissenschaft gebotenen Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen. Sie hat es nicht gethan. Und die Folge dieser Unterlassungssünde ist der Verlust von vier Menschenleben, die Gefährdung eines fünften. Es liegt hier also nicht Berunglückung durch einen Zufall vor, sondern zum mindesten Tödtung durch grobe Fahrläs- sigkeit. Was die Behörden unter diesen Umständen zu thun haben, ist klar vorgezeichnet. Was sie thun werden? — Die Lüge ist bekanntlich eine europäische— und auch amerikanische Großmacht. Das herrschende System bedarf der Lüge, und darum wird gelogen. Ueberall. Aber im Lügen giebt es Grade, die sich nach der Beimischung von Wahrheit, ohne die eine Lüge ja nicht denkbar ist, richtet; und diese Grade sind in den verschiedenen Ländern verschieden. In Westeuropa hat matt noch etliche althergebrachte Vorurtheile zu Gunsten der Wahrheit, und gießt demgemäß zu jeder nöthigen Lüge einen gewissen Prozentsatz von Wahrheit, unter den man nicht leicht herunter- — Vom Kriegsschauplatze hört man, daß die Russen bei Lowac am 7. August abermals eine Niederlage erlitten haben; Osman Pascha giebt den russischen Verlust auf 300 Todte und 700 Verwundete an.— Am 9. August haben die Russen Plewna nochmals angegriffen, doch sollen sie wiederum mit großen Ver- lusten zurückgeschlagen sein.— Suleiman Pascha dringt schon durch die Balkanpässe vor; er soll das Centrum der Armee bilden, wenn er bis nördlich des Balkans vorgedrungen sein wird. — Von der„Rundschau", dem Organ für sozialistische Propaganda, ist die zweite Nummer erschienen. Das billige Blatt dient dazu, dem Leser eine Uebersicht über die Agitation der deutschen Sozialisten, über die Verfolgungen, denen sie aus- gesetzt sind, zu geben. Wer sich also genau über die deutsche Arbeiterbewegung unterrichten will, muß außer dem„Vorwärts" noch die„Rundschau" lesen. Das Blatt erscheint in Hamburg; es nehmen sämmtliche Postanstatten Bestellungen auf dasselbe an. — Die„Zukunft", eine sozialistische wissenschaftliche Revue, wird vom 1. Ottober an in Berlin herausgegeben. Diese Zeit- schrift ist gerade so wie der„Vorwärts" ein Unternehmen der sozialistischen Gesammtpartei Deutschlands. Wir machen deshalb noch besonders auf dasselbe unsere Leser aufmerksam. Die Rothen und die Blauen. Wir erhalten folgende Zuschrift zur Veröffentlichung: Iserlohn, den 7. August. Bei der höchst interessanten Auseinandersetzung zwischen dem „Vorwärts" und der„Frankfurter Zeitung" über die Berech- tigung der Jntransigenten, der äußersten Linken der franzö- fischen Deputirtenkammer, mit den gemäßigteren„Republi- kauern" in Betreff der bevorstehenden Neuwahlen einen Com- Promiß einzugehen,— hat die„Frankfurter Zeitung" gleichsam an das Urtheil der sozialdemokratischen Partei appellirt, indem sie schrieb:„Wahrscheinlich würden wir die sozialdemokratische Partei in Deutschland verletzen, wenn wir sagen wollten, daß sie insgcsammt von der gleichen Meinung wie der Verfasser des besprochenen Leitartikels(„Nieder mit der— französischen— Republik!") erfüllt sei." Eine solche Provokation macht es den deutschen Sozialdemokraten zur Pflicht, in der Streitftage zwi- schen ihrem Centralorgan und dem Hauptorgane der bürg er- lichen Demokratie Deutschlands offen„Farbe zu bekennen". Mit wenigen Ausnahmen haben sich sämmtliche Parteiorgane, die sich mit der Angelegenheit überhaupt beschäftigen, zu Gunsten des„Vorwärts" ausgesprochen. Auch die Parteige- Nossen selbst, mit denen ich in jüngster Zeit in Berührung ge- kommen bin, namentlich in Rheinlands und Westphalen, sind mit dem„Vorwärts" vollständig einverstanden. Es kann ja auch nicht anders sein. Wir Sozialdemokaten verstehen unter„Republik" eine Staatsform, in welcher die gesetzgebende und die voll- ziehende Gewalt ausschließlich vom Volke ausgeübt wird. Wir erkennen demnach nur eine solche Staatsform als„Re- publik" an, welche in politischer Beziehung eine demokra- tische ist; weil aber die politische Freiheit ohne die soziale Gleichheit eine Lüge ist, deshalb halten wir die sozialdemo- kratische Republik mit Recht für die beste Staatsform. Wie himmelweit die jetzt in Frankeich bestehende Staats- form von einer„Republik", auch nur von einer„demokratischen" und wie viel mehr noch von einer sozialdemokratisches, ent- fernt ist, das sollten wir der demokratischen„Frankfurter Zeitung" nicht erst noch beweisen müssen. Unmöglich kann dieses Hauptorgan der sogenannten„Demo- katie" Deutschlands ernstlich einen Staatsorganismus als„Re- publik" bezeichnen wollen, in welchem, wie in Frankreich, die ge- setzgebende Gewalt zwischen einer Deputirtenkammer und einem nicht aus allgemeinen Volkswahlen hervorgehenden Senate ge- thcilt ist, während die vollziehende Gewalt einem ebenfalls nicht aus allgemeinen Volkswahlen hervorgehenden„Präsideuten" und den von diesem ernannten Ministern und Beamten zusteht, — in welchem jede freie Meinungsäußerung durch eine� unerhörte, selbst in monarchischen Staaten, mit Ausnahme Rußlands, nicht übertroffene Knebelung der Presse,— durch Unterdrückung des Vereins- und Versammlungsrechts, unmöglich gemacht wird — in welchem der.reaktionäre Belagerungszustand, namentlich in den großen Städten, permanent ist,— kurzum in welchem alle„demokratischen" Grundsätze geradezu verhöhnt und förmlich mit Füßen getreten. Eine Staatsform ist keine„Republik", in welcher es, wie in Frankreich, möglich war, daß eine nur zum Abschluß des Friedens mit Deutschland gewählte Nationalversammlung ohne geht. Dabei hat natürlich die Individualität der„Macher" einigen Spielraum, allein, wer seine Pappenheimer kennt, kann immer so ziemlich genau im voraus berechnen, wie viel Prozent Wahrheits- Alkohol dem Lügenfusel beigesetzt sind, und darnach die Entfuselung vornehmen. Nur Einer Menschenart gegen- über hört jede Möglichkeit der Berechnung auf: nämlich den Rubellügnern. Der Rubellügner verachtet die Wahrheits- Prorente, und„arbeitet" nur mit homöopathischen Millionstel- und Billionstel- Dosen. Wenn ein deutscher, französischer oder englischer Reporter eine grauenhafte Metzelei berichtet, kann man — von„Enten" abgesehen—, wenigstens-- sicher sein, daß Jemand verletzt worden ist; wenn russische Reporter die Ab- schlachtung einer ganzen Stadteinwohnerschaft mit allen Einzeln- heiten melden, kann man nicht einmal sicher sein, ob Jemand die Nase geblutet hat. Wir machen auf diese„russische Eigenthümlichkeit" aufmerk- sam, weil der Zeitungsleser ohne Kenntniß derselben, trotz kri- tischsten Geistes, jeden Augenblick in Gefahr ist, eme Mücke, wenn auch nicht für einen Elephanten, doch für einen Hammel zu nehmen. Der Hammel führt naturgemäß zu den Montene- grinern, welche für die Hammel— ihrer Nachbarn ebenso schwärmen, wie unsere Bourgeois für das Eigenthum anderer Leute. Wer hat nicht in den letzten Tagen von furchtbaren An- griffen der Hammeldiebe auf die„Festung" Niksic gelesen? Wie sie„Batterien" placirt, mit übermenschlicher Tapferkeit ein halb Dutzend Außenforts erstürmt, die Besatzung gefangen genommen — aber, was sehr nöthig war hinzuzufügen, mit ritterlicher Humanität behandelt haben? Nun, wunderbarerweise ist an dieser ganzen Epopöe nichts mehr wahr als die letzten Worte. Ja, die Hammeldiebe haben ihren Gefangenen die Nasen nicht abgeschnitten, und auch nicht die Ohren,— es waren nämlich em paar Hunde, die in den ausgeraubten Gartenhäuser)» (den„Außenforts") vo» den kühnen„Siegern" gefangen genom- men wurden. Die„Festung" Niksic ist bekanntlich ein kleines Landstädtchen mit höchstens 3000 Einwohnern, und die ganze Befestigung reduzirt sich auf eine einfache IStadtmauer von 1'/- Fuß Dicke, die von den Einwohnern und einem Bataillon türkischer Landwehr vertheidigt wird, flößt aber trotz ihrer Mandat weiter tagte, um dem Lande eine reaktionäre, keines- wegs„demokrattsche" Verfassung zu octroyiren und das Volk von Paris, welches sich in Ausübung seines Selbstbestimmungs- rechts eine Communalverfassung gegeben hatte, zu Hunderttau- senden durch die in der Gefangenschaft verwilderte„kaiserliche Armee" zusammenkartätschen und durch illegale Kriegsgerichte zum Tode oder zur„kockenen Guillotine" verurtheilen zu lassen. Eine Staatsform, in welcher ein„Septenat" möglich ist, und in welcher die Amnestie verweigert wird, ist ebensowenig eine„Republik", wie die Deputirten„Republikaner" sind, welche für das Septenat und gegen den bekannten Amnestieantrag der Jntransigenten gestimmt haben.— Mit einem Worte: die jetzige„Republik" in Frankeich, welche sich durch Nichts von der Wahl-Monarchie unter dem „Bürger-Könige" Louis Philipp und von dem Kaiserreich unter dem meineidigen Bonaparte unterscheidet, als durch die Wahl eines sogenannten„Präsidenten" auf eine Reihe von Jahren, — diese„Republik" ist eine einzige große Lüge zum Zweck der Täuschung der Nation,— sie ist zugleich die verab- scheuungswürdige Mörderin von Hunderttausenden braver Män- ner, welche für die wahre Freiheit und gleichzeitig für die soziale Gleichheit ihr Her.blut geopfert haben. Der„Vorwärts" hat sich ein großes Verdienst um die Parteisache erworben dadurch, daß er das„Tischtuch" zwischen der Sozialdemokatie und der bürgerlichen Demokatie Deutsch- lands radikal zerschnitten und das Hauptorgan der Letzter» ver- anlaßt hat, auch seinerseits„Farbe zu bekennen". Durch ihre Sympathie für die jetzige französische„Re- publik" hat die„Frankfurter Zeitung" sonnenklar bewiesen, daß ihre Partei keine demokratische ist, daß dieselbe vielmehr durch die Maske der Demokratie ebenso das deutsche Volk zu täuschen sucht, wie die sogenannten„Republikaner" in Frankreich das französische mit ihrer vo lksverrätherischen„Republik". Der„Vorwärts" hat Recht:„Nieder mit dieser„Re- publik", je eher, desto besser!" Nieder aber auch mit aller politischen Heuchelei! C. W. Tölcke. Aus Ungarn. Unser Pesther Parteiorgan, die„Arbeiter-Wochenchronik", bringt folgende interessante Schilderung! Heiß strahlt die Sonne nieder, üppig blühen Felder und Wiesen und schweißkiefend keucht der Landmann hinter seinen Gäulen einher, sich ob des Fruchtreichthums freuend; wird er ja doch nun wieder einmal volle Scheunen haben und ein gut Stück Geld der Mühepreis sein— da kommt der Teufel in Gestalt des Wucherers, dem er sich während des Winters ver- schrieben, und blutenden Herzens muß er tief in den Sack greifen und einen großen, gewöhnlich den größern Theil des Ertrages seines Schweißes dem gierigen Blutsauger in den Rachen werfen; kaum hat er sich dieses Feindes entledigt, so kommt der Fiskus und nimmt ihm den Rest dessen, was ihm der Wucherer ge- lassen.— Das ist in wenigen Worten die Lage des Bauers; und was vom Landmanne zu sagen ist, das läßt sich auf den Kleinge- werbekeibenden ebenfalls anwenden; beide verbluten trotz Wucher- gesetzes unter Wuchererhänden und der Staat mit seinen uner- schwinglichen Steuern versetzt ihnen den Gnadenstoß. Damit haben wir aber auch die Ursachen der beispiellosen Verarmung und des grauenhaften Elends der Landleute darge- legt. Unter solchen Prämissen dürfen Nachrichten, wie die vom Banat zum Beispiel, wo während des vorigen Winters ganze Dorfgemeinden im buchstäblichen Sinne des Wortes nahezu ver- hungerten, wo Kleie nbrod als beneidenswerthes Nahrungs- und Genußmittel geschätzt wurde, Niemanden verwundern. Wem sich von selbst die Frage aufdrängt, ob sich denn die oben be- zeichneten Uebel nicht beseitigen oder wenigstens theilweise lin- dein lassen, dem müssen wir mit einem entschiedenen Nein! antworten. Denn weder kann der mit einem klaffenden Defizit vegett- rende und deshalb hart am Rande des Bankerotts stehende Staat die Steuern reduziren, noch kann der durch die kapita- listische und Regierungswirthschaft hervorgerufene beispiellose Geldmangel und der von demselben sich nährende Wucher durch einige von der„Volksvertretung" deketirte Wuchergesetz-Para- graphen beseitigt werden. Im Gegentheil, der Wucher wird noch mehr Orgien feiern und dem armen Volke das Hemd aus- ziehen. Ist es somit erwiesen, daß diese Zustände nicht beseitigt werden können, weil dieselben eine natürliche Folge der gegen- wärtigen Gesellschaftsordnung sind, und daß bei Andauern der- Schwäche den von unseren Rubelskribenten zu antiken Helden aufgeschwindelten Hammeldieben der„Schwarzen Berge" solche Angst ein, daß sie sich höchstens bei dunkler Nacht heranzuschleichen wagen, was ihnen freilich meist sehr schlecht bekommt. — Aehnlich wird in Bezug auf die„Aufstände" in der Herze- gowina und Bosnien gelogen. Irgend ein russischer Agent sam- melt einige Spießgesellen, nennt sie ein„Jnsurgentenheer", plündert eine abgelegene Türkenhütte, nennt das„eine Festung erstürmen", und treibt dieses interessante Handwerk, bis ihn sein Unstern auf eine Strcifkompagnie türttscher Soldaten stoßen läßt, und dann heißt's: Fersengeld geben, wenn's geht. Die Ab- fassung des„südslawischen Garibaldi", des„großen Despoto- witsch", hat uns von diesem Humbug, wenigstens für die nächste Zeit, erlöst._ — Die Sozialisten-Stampfmühle vnlgo„Sozial- Correspon- denz" des Herrn Viktor Böhmerl, der obigen Ausdruck für sein Blatt selbst erfunden hat, also die Sozialisten-Stampfmühle leistet folgenden Ulk:„Bälle und Steine. Vor einigen Tagen spielten in Dresden mehrere Knaben in einer Straße der Neustadt und warfen dabei einen Gummiball auf einen Balkon unter die auf demselben befindlichen Blumenstöcke. Einer der Knaben rief darauf einem auf dem Balkon stehenden Herrn zu, ihm den Ball doch wieder herunterzuwerfen, erhielt aber zur Antwort, daß Derjenige, welcher den Ball hinaufgeworfen habe, ihn nur oben wieder abholen solle. In Folge dessen rief nun der Knabe zu dem Balkon hinauf:„„Ja, die Reichen mausen Alles weg, und wenn der Ball nicht gleich herunterkommt, so kommen Steine hinauf."" Diesen Worten folgte alsbald auch die That und das Haus wurde von den Rangen mit Steinen bombardirt. Die Phrase vom Diebstahl der Reichen hat bereits in den Gemüthern vieler Kinder Wurzel gefaßt und treibt schon neue Keime! Welch' herrliche Saat muß hieraus aufgehen! Und gilt nicht auch von den Sozialdemokraten: An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen?"— Der kleine Knabe, der nicht zum Balkon hinaufgehen wollte, war jedenfalls sehr klug; er wußte, daß der„Herr" ihn prügeln würde, wenn er sich zu demselben begeben hätte. Daß der„Herr" übrigens einer solchen Roheit fähig war, konnte der Knabe daraus ersehen, weil derselbe den Ball nicht zurückwarf— und Ungefälligkeit und Roheit erzeugen Roheit.„An den Früchten sollt ihr die„Herren" erkennen"— das heißt, wenn das ganze Geschichten nicht erlogen ist. selben aus dem ganzen Lande, mit Ausnahme der Magnaten, Pfaffen und Kapitalisten, ein einziger Bettlerhaufe werden muß, so muß man zu dem natürlichen Schlüsse gelangen, vor allem Anderen dem Lande sein Selbstbestimmungsrecht in Form des allgemeinen Wahlrechtes zu geben; denn so lange unsere bisherigen„Volksvertreter" die Wort- und Stimmführer der besitzenden Minorität sind, so lange wird der„Reichstag" alle Lasten auf das arme arbeitende Volk werfen. Es wäre endlich an der Zeit, die alten Vorurtheile auszu- rotten, sich von dem Einflüsse der herrschenden Klasse zu eman- zipiren und zu dem Bewußtsein des eigenen Werthes, der eigenen Macht zu gelangen. Es ist Zeit, daß das werkthätige Volk erwache aus seiner Lethargie und einsehen lerne, daß es von allen Seiten ausge- beutet wird, daß es nur eine Melkkuh ist, während es in Folge seiner schöpferischen und arbeitsamen Thätigkeit berufen ist, m jedem auf gerechter Grundlage gegründeten Staatswesen die her- vorragendste Beachtung zu finden. Correspoudenzeu. Mainz, 23. Juli. In die Nr. 84 des„Vorwärts" vom 20. Juli hat sich eine Correspondenz verirrt, d. d. Mainz, 8. Juli, die sicher an eine Mainzer Adresse, Tagblatt, Anzeiger oder Zeitung, gerichtet war, und die am Eingang lautet:„Heute haben wir hier unfern(mit Verlaub, Herr Correspondent, daß ich unterstreiche) Oberbürgermeister Karl Wallau zu Grabe getragen,:c." Lächerlich! Wer sind die„wir",„wessen" Ober- bürgermeister haben die„wir" zu Grabe gekagen? In einem sozialistischen Blatt muß man sich deutlich ausdrücken, Herr Cor- respondent, damit man keine Verwirrung anrichtet. Auf keinen Fall zählen wir die„wir", von denen Sie reden, zu uns. — Lassen nun auch wir, die wir Herrn Wallau nicht zu Grabe getragen, dessen Leichenzug an uns vorüberziehen. Als unfreiwilliger Oberchef der Feuerwehr wurde der Oberbürger- meister Karl Wallau mit allen kameradschaftlichen Ehren von der Feuerwehr zu Grabe gekagen und geleitet. Es folgten der Leiche, außer den Angehörigen, die Spitzen der Civil- und Militär- behörden, der übrige Troß der Bureaukatie, die Schützengesell- schaft, mehrere Gesangvereine und— der Kriegerverein„Sieges- kanz", der auch kürzlich den Kaiser zur Kaiserparade von der Bahn abgeholt hat. Aber wo waren die„wir" des Herrn Cor- respondenten, die große Mehrzahl der Bürger, wo war das Volk? Sie rannten hinaus vor die Thore und sahen sich den Zug, weil nicht jeden Tag ein Oberbürgermeister stirbt, mit Gemüthlichkeit an. Aber von einer nur nennenswerthen Betheiligung der Bürger war keine Rede. Kein Lob, kein Beileid aus dem Volks- munde konnte man vernehmen für den dahingeschiedenen„ersten Bürger" der Stadt. Lassen wir nun die Hauptzüge aus Wallau's Biographie folgen, und es wird sich dies alles erklären. Karl Wallau wurde zu Mainz geboren, er war 14 Jahre alt, als er die Buchdruckerkunst erlernte, und ging als Buchdrucker in die Fremde, wie so viel Tausende seiner Col- legen und andere Handwerksburschen vor ihm. Er kam zurück und konnte schön reden, schön singen und schön trinken, drei Eigenschaften, die einen Mann schnell populär machen. In Mainz fand er hinreichend Gelegenheit, diese Talente zu ver- werthen. Die 48er politische Bewegung war für manchen Maul- Helden und Schönredner wie geschaffen, aber die Herren waren für die Bewegung nicht geschaffen, was viele, so auch unser Held Wallau, bewiesen haben. Auch Gesangvereine giebt es in dem lustigen Mainz genug, in denen man sich Produziren kann, und zur Ausbildung der letzteren der drei männlichen Eigenschaften ist hinreichend gesorgt. So führte sich ein Mann, der später Oberbürgermeister wurde, in die Welt ein. Zum Ueberfluß ge- wann er auf ein Lotterieloos, welches ihm als Erbtheil zufiel, 40,000 Gulden, und der Bourgeois war fertig. Nun war er aber auch rathhaussalonfähig, denn mit dem Geld im Kasten und den Ochsen im Stall wächst auch der Verstand. Ohne diese Glücksfälle wäre Wallau nicht als Oberbürgermeister gestorben, aber er würde vielleicht noch als einfacher Bürger leben, und sogar in Achtung leben, wenn er die demokratischen Prinzipien, denen er eine Zeitlang scheinshalber huldigte, aufrichtig erfaßt und ihnen treu ergeben geblieben wäre. Also, Karl Wallau wurde in den Stadtrath gewählt, wurde Adjunkt, lernte civil- trauen und wurde später durch die Gunst und Hilfe seiner per sönlichen Freunde Bürgermeister. Daß dieselben später bereuten, was sie gethan, ändert an der Sache nichts. Von seiner ur- sprünglichen politischen Farbe, die, wie gesagt, demokratisch ge wesen sein soll, war längst nichts mehr zu erkennen. Mit seinem Freund Oechsner Arm in Arm, der ihm bis zum Adjunkt assi- stirte, forderte er den Rest der Mainzer Demokraten in die reaktionären Schranken. Wallau hatte nun unter Anderem Ge- legenheit, aus den Häuten der Steuerzahler städtische Riemen zu schneiden, rannte mit Hilfe seiner nationalliberalen Freunde die Stadt in ewig unbezahlbare Schulden, und entschuldigte sich dafür mit den Sünden seiner Vorfahren. Hierfür wurden ihm mehrere Orden und der Titel eines„Oberbürgermeisters" zu Theil.— Nachdem er im Leben schon politisch todt, konnte sein physischer Tod Niemanden mehr schmerzlich berühren. Die Stadt Mainz hat durch den Tod Karl Wallau's nichts verloren, ebenso wenig wird sie aber an ihrem zukünftigen Bürgermeister ge- Winnen, dafür wird der„liberale" Theil des Stadtraths sorgen. — Noch eines edlen Zuges des 48er so sehr„verkannten" Ar- beiterfreundes wollen wir gedenken. Zur Zeit des letzten Mainzer Buchdruckerstrikes soll der Prinzipal Wallau sich geäußert haben: „Zu unseren Füßen sollen sie, die Arbeiter, kriechen wie die Würmer." Aber die Arbeiter krochen nicht, wohl aber die Prin- zipale auseinander, indem sie ihren Verband auflösten.— Man soll von den Tobten nur Gutes reden, das Beste aber ist die Wahrheit. Die größte Ehre erzeigt man einem tobten Rene- gaten, wenn man stillschweigend über sein Grab hinwegschreitet, damit man nicht versucht wird, den Maßstab der Kritik an seine Thaten zu legen. Auch wir hätten geschwiegen; daß wir es nicht konnten, dafür mögen sich die Freunde Wallau's bei dem Correspondenten in Nr. 84 des„Vorwärts" bedanken.— Zwei Reden, eine religiöse und eine politische, wurden an Wallau's Grabe gehalten. Der crstere Sprecher war der Bourgeoispfaffe Hieronymi, der kleine geistige Zwerg, der 1864 sich anmaßte, einen Kampf mit dem geistigen Riesen Lassalle aufzunehmen, dem es aber ging wie dem Hunde, der den Mond anbellt, und der sich dadurch unsterblich blamirte; der zweite war Hr. Oechsner, der geistige Verwandte Wallau's. Jedenfalls wird Wallau von Seiten seiner nationalliberalen Freunde ein Monument erhalten, schon um dieser Freunde willen muß das geschehen, denn da sie alle bedeutende„Größen" sind, und alle einmal sterben, so ge- hört auch folglich jedem ein Denkmal. Nun,„wir" haben nichts dagegen(Herr Correspondent)/ Karl Wallau geschieht es sogar recht; nur verschone man diesmal den städtischen Säckel, denn„unser" Herr Oberbürgermeister kam uns bei Lebzeiten theuer genug zu stehen. Stuttgart, 23. Juli. Gestern, Sonntag, feierte die sozia- Eugen Richter in Berlin gelegentlich der Reichstagswahl gegen' Berichtigung. In der sozialpolitischen Hebersicht der vorletzten listische Arbeiterpartei in Stuttgart unter sehr starker Betheiligung' den Sozialismus geschleudert, verbreiten, um Anhänger zu ge- Nummer muß es am Schluß der Notiz:„Ein Comvliment" heißen: das von Gesinnungsgenossen ihr Stiftungsfest. Die Räume des Winnen. Mehrere derjenigen jedoch, welche diese Rede zum gemachte Compliment, statt das ausgemachte Comvliment. großen Gartens der„Siegeshalle" waren bis auf den äußersten Lesen geliehen erhalten und davon Gebrauch gemacht hatten,------- Winkel gefüllt und boten das Bild eines munteren, geselligen fragten uns, warum wir nicht selbst diese Rede hier verbreiten Briefkaste» ließen, da sie ja nur Aufschluß gebe, wer volksfreundlich sei. der Redaktion. F. B. in Reichenbach: Der Apotheker oder Uns erfüllte diese Frage mit hoher Befriedigung, da wir daraus Kreisphys.kus wird Jhnen Antwort geben können,- Ch. A. in Edderitz: Treibens. Das Fest hatte um 3 Uhr begonnen mit einem Fest- zug vom gewöhnlichen Versammlungslokal der Partei aus in ven erwähnten Garten. Voran wurde die prachtvolle rothe Fahne des hiesigen sozialistischen Sängervereins„Lassallia" ge- tragen mit der Devise der ftanzösischen Revolution:„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit." Ihr folgte eine große Zahl Anhänger unserer Sache. Nicht zu erwähnen brauche ich, daß die Schutz- ersehen, daß wir auf dem rechten Wege sind und das arbeitende®er 6efa?,nfp?et.r üt nicht vom Adel, er heißt einfach Tessendorff; auch Nolk in immer nrKfcerer ysn'nw feine mUren-vrennde imn den'st nicht Oberstaatsanwalt, sondern erster Staatsanwalt am Stadt- gericht zu Berlin. Die Oberstaatsanwälte sind die Vertreter der Ober- staatsanwaltschaften(Oberstaatsanwalt, Staatsanwälte, Staatsanwalt- schaftsgehilsen) der Appellativ nsgerichte, in Berlin des Kammergerichts; die ersten Staatsanwälte sind die Vertreter der Staatsanwaltschaften (Staatsanwälte und Staatsanwaltsgehilfen) der Kreisgerichte, in Berlin des Stadtgerichts. Uebrigens könnte Herr Tessendorff schon Oberstaats- anwalt sein. Wie wir aus sicherer Quelle wissen, wurde ihm im Laufe des vorigen Winters eine Stelle als Oberstaatsanwalt bei einem Appellationsgericht in Pommern angeboten, er hat dieselbe ausgeschlagen� und wie gleichfalls gesagt wurde, weil er sich in Berlin im Interesse der Gesellschaft für unersetzbar hält. Ein sonderbarer Schwärmer, dieser Herr!— H. St. in Ellerbeck: Zwei Orang-Utangs befinden sich im Zoologischen Garten zu Berlin; das Pärchen soll sogar vor Kurzem Nachkommenschaft erhalten haben.— O. H. in Berlin: Sie erhalte» die Broschüre„Julian Schmidt, der Literarhistoriker�, in der Buch- Handlung des„Vorwärts" hier. Ihre Correspondenz konnte» wir, und— wenn Sie die heutige Nummer lesen— aus naheliegen Volk in immer größerer Anzahl seine wahren Freunde von den Phrasenhelden ä la Richter unterscheiden lehren. chroßenhain, 5. August.(Zum Kapitel: O welche Lust, Soldat zu sein.) Vorige Woche mußte em Husar des sich hier Mannschaft in verstärktem Ausgebot an den Straßenecken postirt in Garnison befindenden Husarenregiments vom Wachtposten ab- war, kann man sich„oben" doch noch nicht von der Wahnvor-' gelöst werden, da sich an ihm die Folgen der allzugroßen Hitze stellung frei machen, als habe man von einem solchen Zuge von bemerkbar machten. Weiter wurde ein andrer vom selbigen Staatsbürgern weiß der Himmel was für Angriffe auf das Regiment vom Pferde geschlagen; der ihn behandelnde Assistenz- öffentliche Wohl und die allgemeine Sicherheit zu befürchten, arzt dispensirte ihn nur einen Tag vom»Dienst; am folgenden Dem Zuge hatte sich ebenfalls mit eigener Fahne der schweizerische, Tage verstarb derselbe plötzlich auf der Treppe des Hauses. Die Sängerbund„Helvetia" angeschlossen. Sein Fahne trug den für öffentliche Meinung am Orte ist hierüber stark erregt. Wahr- jeden Verein so beherzigenswerthen Wahrspruch:„Einheit macht scheinlich ist dieselbe etwas beschwichtigt durch die heute Vormittag stark". Von einem den Zug der„Rothen" betrachteten Bürger auf hiesigem Marktplatz abgehaltene Parade zu Ehren des Ge- hörte ich die Aeußerung:„Die Leute sehen gar nicht so schlimm burtstages irgend eines„hohen" Herrn. Fr. Geier. aus, man mache sich da falsche Begriffe." Natürlich in der Schwabach, 30. Juli. Um den„großen Sieg" der Fort- öffentlichen Meinung sind die Sozialisten ja lauter Lumpen schrittspartei, welchen dieselbe nach den Zeitungsberichten dieser.......,,- � V und Verbrecher. So ein Fest ist da wohl im Stande, solche Partei in einer vor wenigen Wochen von uns einberufenen � R»lin- Ne lallen i» m-A Köpfe etwas aufzuklären. Ein Anderer, den ich zur Betheiligung Volksversammlung dahier, über welche ich Ihnen schon jin Kürze � hören'-''.- ss j ch h an der Feier einlud, wollte sich vorher mit einem dicken Stock berichtete, erfochten haben will, auszubeuten, wurde gestern wie-' Expedition.?? Graz. C. Heinzen soll in Cleveland, Ohio, bewaffnen. Kuriose Leute das! Der Garten, das Ziel des derholt von unserer Seite im Saale des„Rothen Ochsen" hier Amerika leben und Redakteur von„Pionier des Westens" sein. Warum Zuges, war reich verziert mit Fahnen und Lampions für die eine Volksversammlung mit der Tagesordnung:„1) Der So- schreiben Sie anonym?— W. Rthl Hlle: Kalender sind ohne Aus- bevorstehende Illumination. Im Hintergrund der Rednertribüne zialismus, wie er ist, und wie er von seinen Gegnern darge- nähme nur gegen Vorausbezahlung lieferbar. Adr. der Wiener war eine Büste Lassalle's angebracht. Ein reiches gut gewähltes stellt wird; 2) Fortschrittliche Agitation und Berichterstattungs-„Gleichheit" Pognergasse 8, Wiener-Neustadt. Programm sollte den Festgenossen den Nachmittag und Abend zu weise."einberufen. Trotz einer im!„Schwab.Jntelligenzblatt" erlasse-! H--'bl hier Ann. 1,20. F. Lnd d. Gb Hamburg Ab. einem möglichst angenehmen machen. Militärmusik freilich konnte. nen Aufforderung„mehrerer Bürger", an der Versammlung o™'™ inno«" src, 1 � bCnn ba�'""S r Kriegsministerium soll nicht theilzunehmen, war dieselbe dennoch s ehr Zah lreich be- Ab/ö.63. Kppl Schwarzenbach Ab. 8,00. Gglr hier Ab. Ä. Bnd ww ich gehört habe, gegen eine Betheillgung von Militarmustk sucht, allerdings, wie sich der„wahrheitsliebende" Berichterstatter � P�gwitz Ann. 0,50. W. Knk Frankfurt Ab. 52,00. Rthmr an sozialistischen Festen ein Veto eingelegt haben. Trotzdem bot des vorgenannten Blattes ausdrückt, meist von Auswärtigen und Brüssel Sehr. 6,00. Zswsk Forste Schr. 13,00. Stmmlr Hanau Schr. das Programm, von einer Civilkapelle ausgeführt, reiche Ab- vielen Solchen, die ihre„Neugierde" noch nicht befriedigt hatten. wechselung, und rechnete es sich auch eine Anzahl von Stutt- Referent Carl Grillenberger aus Nürnberg erledigte, wie garter und auswärtige» Säugervcreinen zur Ehre, sich vor einer j nicht anders zu erwarten war, durch vielfache zustimmende Rufe solchen Menge von Parteigenossen hören zu lassen.— Den unterbrochen, die Tagesordnung in ausgezeichneter Weise. Glanzpunkt des Festes bildete jedoch eine gediegene, ansprechende KirschSerg i. Schl., 2. August. Vergangenen Sonntag fand Festrede des Parteigenossen Herrn Grillenberger aus Nürn- im Saale des„Kronprinzen" eine ziemlich stark besuchte Volks- berg, der auf Einladung der Stuttgarter Genossen es freundlichst Versammlung statt, in welcher als Referent Herr Alex. Schle- übernommen hatte, hierher zu kommen und zusprechen. Er hob singer aus Breslau„über den Entwickelungsgang der mensch- die Bedeutung sozialistischer Feste als Mittel der Verbrüderung � liehen Gesellschaft" sprach. Auf den Bortrag näher einzugehen, und der Einigung hervor, welche in jedem Einzelnen den Muth gestattet wohl der Raum dieses Blattes nicht; es sei nur erwähnt, zum Kampfe um seine Prinzipien und das Feuer der Begeisterung daß derselbe von der übergroßen Majorität der Versammlung wieder hell anfache und so auch der Agitation zum kräftigen init allgemeinem Beifall aufgenommen wurde. Zwar hatte sich Vorschub diene. Der rauschende Beifall, den der Redner fand, auch ein Opponent Namens Kluge zum Wort gemeldet, dem- bewies, welchen kräften Wiederhall seine Worte in den Herzen selben gelang es aber nicht, den Eindruck der Rede Schlesinger's der Anwesenden gefunden. In heiterer Stimmung blieben oie abzuschwächen. Daß die hiesige Presse ein abfälliges Urtheil Parteigenossen bis in die Nacht hinein zusammen und erfreuten' über den Vortrag abgiebt, darf nicht Wunder nehmen, sie ist ja sich des wohlgelungenen Festes. Auch Herr Grillenberger, der � antisozialistisch, nimmt es mit der Wahrheit also nicht so genau. 3,30. Die Genossen in Nürtingen, Vacha, Zöblitz und Kirchheim werde» ersucht, Adressen an den Unterzeichneten'gelangen zu lassen. Hamburg, den 9. August 1877. I. Auer. Fonds für Gemaßregelte. Arbeiterverein Plagwitz 0,58. ja von einem der bedeutendsten Plätze der Sozialdemokratie Deutschlands kam, sprach sich sehr anerkennend über diese Feier ans. Großenhain. Trotz momentan ungünstigen örtlichen Ver- Hältnissen war das Sommerfest des hiesigen Arbeiterbildungs- Vereins in sehr zufriedenstellender Weise, es mochten ca. 350 Personen anwesend sei», besucht. Das Fest, abgehalten in dem geschmackvoll dckorirten Saale des„Gesellschastshauses" verlief in würdiger Weise und wies das Programm manch interessante Piece auf. Hervorzuheben sind der schön gesprochene Prolog, die Gesänge, welche sehr präzis von den Sängern des Vereins ausgeführt, sowie die Festrede, welche von Herrn Fr. Nauort aus Leipzig gehalten wurde. Nauert hob in trefflichen Worten den Zweck der Arbeiterfeste hervor, dabei Vergleiche anstellend zwischen diesen und den Festen des Alterthums, sowie den in gegenwärttger Periode abgehaltenen Festen der Reaktion. Besonders aber verstand es der Festredner, die jetzige entwür- digende Stellung des Weibes in zum Herzen dringenden Worten zu kennzeichnen, er betonte namentlich, wie sehr die arbeitende Klasse, die für ihre Emancipation kämpft, dafür sorgen müsse, die Bevormundung der Frau durch den Mann zu beseitigen und dafür die Gleichberechtigung in jeder Beziehung herbeizuführen. Von der herrschenden Klasse sei dies nach bisherigen Ersah- rungen nie und nimmer zu erwarten und wenngleich der Werth des Weibes durch Volksdichter in schwungvollen Versen besungen werde, so habe man im praktischen Leben doch nichts zur Frei- werdung des Weibes gethan. Welchen Einfluß das freie Weib auf unsere Verhältnisse auszuüben im Stande sei und welche Vortheile daraus für die Weiterentwicklung der Menschheit ent- springen können, sei heute nicht abwägbar. Besonders aber trtttrto Sor tit fpttt#«« Nisi Den Arbeitern hierorts sei noch an's Herz gelegt, für unsere gerechte Sache mannhaft einzustehen. W— n Allgemeiner Arbeiter-Sänger-Bund. Den Mitgliedern ist bekannt zu machen, daß der Bund in letzter Zeit erfreut ch zugenommen hat. Ferner findet am 26. August früh 9 Uhr der erste Sängertag des Maingaubundes in Frankfurt a. M. statt, wozu die umliegenden Arbeiier-Gejangvereine hiermit eingeladen werden, das Nähere erfahren dieselbe» bei Herrn G. Flemming in Frankfurt a. M., Niederau 12. Wegen einer für den Bund erscheinenden Liedersammlung wird den Vereinen in kürzester Zeit ein Circular zugehen, welches wir recht bald zu beantworten bitten. Es wird ferner noch bekannt gemacht, daß die Adresse des Kassirers jetzt ist: Emil Rüger, Gotha, Heinoldsgasse 26. Gotha, den 10. August 1877. Der Ausschuß: Emil Sauerteig, Vorsitzender. Aufruf an alle Parteigenossen der Provinz Preußen! Die Unterzeichneten sind im Auftrage der hiesigen Parteigenossen zusammengetreten, um eine Zeitung: die„Königsberger Freie Presse" zur Vertretung und Verbreitung unserer Parteigrundjätze zu schaffen. Daß ein Preßorgan namentlich für die �Provinz Preußen von Oer größten Nothwendigkeit ist, dürste für die Parteigenossen einer längeren Begründung nicht erfordern. Wir glauben vielmehr, daß die Partei- genossen der ganzen Provinz die Wichtigkeit einer Zeitung einsehen und hoffen wir deshalb auf rege und thatkrästige Unterstützung. Diese Unter- stützung muß zunächst in der Aufbringung von Geldmitteln bestehen, damit die Ausgaben für die Vorarbeiten bestritten werden können. Aber auch für Gewinnung von Abonnenten müssen die Parteigenossen i ÄIÄ ÄÄ 52 stets das SSeili init berucfstchtigen. Rauschender Beifall lohnte das beste und praktischste Mittel zur Verbreitung unserer Prinzipien; den Redner. Möge der Wiederhall, den deS Redners Worte in das vergesse Niemand! Es gilt einen geistigen Mittelpunkt für unsere den Herzen der Zuhörer fanden, ein dauernder sein. Den Schluß des Festes bildete ein Ball, der die Festbesucher in fröh- licher Stimmung noch bis 2 Uhr Nachts beisammen hielt. Am darauf folgenden Tage, den 16. Juli, wurde im selben Lokale seine Volksversammlung abgehalten mit der Tagesord- nung:„Die Sozialdemokratie im Reick,-tage", Referent Nauert. In ziemlich 2'/z stündiger Rede führte Redner die Thätigkeit der sozialisttschen Reichstagsabgeordneten in der Hauptsache an, be- sonders aber behandelte er den Arbeiterschutzgesetzentwurf, nach- weisend, daß derselbe nicht in einem einzigen Punkte Utopisie- reien enthalte, für die Gegner aber ausgesprochcnermaßen unan- nehmbar sei, weil er von Sozialisten eingebracht wurde. Der Raum verbietet es, weiter auf die von Beifall unterbrochenen Ausführungen einzugehen. Eine neue polizeiliche Verfügung, die in der Bescheinigung der Versammlungsanmeldung enthalten war und die besagt, daß die Versammlung spätestens>/« Stunde nach der Einberufung eröffnet werden müßte, veranlaßte den Partei in unserer Provinz zu schaffen. Es darf nicht länger so bleiben, daß die Parteigenossen nur alle drei Jahre, wenn es zur Reichstags- wähl geht, einmal besondere Anstrengungen machen, um Anhänger zu gewinnen. Parteigenossen, vergesset nicht, daß Alles, was jetzt zur Verbreitung der nun erstehenden Zeitung gethan wird, am Tage der Wahl tausendfache Früchte bringt. Die Erfahrung hat gelehrt, daß überall, wo die Partei ein Preßorga» besitzt, die Stimmenzahl für unsere Candidaten bedeutend gewachsen ist, ia, daß sie nicht nur ge- wachsen ist, sondern daß gerade durch die Wirkung der Presse die Wahl- siege erfochten sind. Beispiele, welch' großartige Wirkung durch den Besitz eines Parteiblattes in den verschiedenen Provinzen Deutschlands erzielt wurde, sind gerade in unserem Centralorgan, dem„Vorwärts", so oft herrorgehoben worden, daß es, wie wir glauben, nur dieses Hin- weises bedarf, um auch hier die gesammten Parteifreunde zu energischer Thätigkeit zu veranlassen. Die„Königsberger Freie Presse" soll vom 1. Oktober an, und vorläufig nur einmal wöchentlich inclusive der„Neuen Welt" als Gratisbeilage für den Preis von 15 Pfennig frei in's Haus geliefert, erscheinen. Die Parteigenossen in der Provinz werden gut Vorsitzenden der Versammlung den Vorschlag zu machen, daß ihun, sobald mehrere Abonnenten an einem Orte sich finden, das Blatt es geboten erscheine, auf diese Verfügung hin eine Interpellation von hier aus per Kreuzband oder per Packet zu beziehen. Der Preis, an den Stadtrath, dessen Chef der Bürgermeister Ludwig-Wolf, durch die Post bezogen, beträgt vierteliährlich 1 Mark 50 Pf. Die st richten. Dieser Vorschlag fand beifällige Aufnahme und wer- Parteifreunde in der Provinz, namentlich in den«wdten Memel, r„f ÄÄ k Znt�nsu spre- S'll'EM chen kommen. Deis Bureau befand sich selbstverständlich in un- fein wollen, ersuchen wir, uns ihre Adressen baldmöglichst zu» fern Händen. Apropos! Ueber uns Sozialisten droht ein gehenzulassen. Alle Zuschriften in dieser Angelegenheit sind an Hrn. schwerer Verlust hereinzubrechen. Nach Zeitungsnachrichten soll I. ktdefet. Königsberg(Preußen), Niederrollberg 17/1, zu richten. sich unser verehrter Gönner, Herr Bürgermeister Ludwig-Wolf, Parteigenosse Kräcker au« Breslau, der seit dem Bestehen der„Wahr- UM eine neu zu errichtende besoldete Stadtrathsstelle in Leipzig heit", eines unserer besten Parteiblätter Deutschlands, als Mitarbeiter mitbeworben haben. Wir haben in Bezug hierauf nur den der Redaktion daselbst beschäftigt ist, ist hier, um die Vorarbeiten einen Wunsch, der allerdings wenig von„christlicher Nächsten- für unser Blatt zu leiten. m.., ßrn SÄT® iein r; eine? Ä'S' hab«t und noch'chun'7erde7, wissen wir nicht. Wir müßten von Neuem die Weise und den Königsberg i. Pr., den 9. August. Text studiren, was uns durch sein Verbleiben erspart bliebe.— John Reilenbach-Plicken. O. Prager-Samehlen. Pinnen Nun kurz noch zu gedenken, daß unsere Gewerkvereinler in aller Rokitzki. Krause. Wichmann. Grundmann. Borchardt. Sttlle die große Brandrede, die der grrroße„Oppofittonsmann"__ Anzeigen zc» fl�vruüfrli Sonntag, den 26. Angust, in den Lokalitäten viHvI.plu;. �Zur grünen Aue": Großes Arbeiterfest bestehend in Ftstzug vom Schießhaus Punkt>/z3 Uhr, Concert, Festrede gehalten von Bruno Geiser aus Leipzig und Ball, wozu wir Partei- und Gesinnungsgenossen von nah und fern freundlichst ein- laden.(2a)(2,70 DaÜ Comit«. I. A.: Arnold Schubert. Plagwitz bei Leipzig. „Insel Helgoland": Volksversammlung. Tagesordnung: Die Thätigkeit des deutschen Reichstags. Referent Aug. Bebel. 17� 1,20 Ein gewandter Schriftsetzer(2b) der längere Zeit an einem Parteiblatte als Metteur und Corrector(ge- legentlich auch redaktionell) thätig war, sucht Stellung.— Gest. Off. unter C. v an die Exped. d. Bl. l&tN(gelernter Schriftsetzer), welcher be- IZ/Ul �/VlilvlyvUUllv, reits längere Zeit als selbständiger Redakteur eines Parteiblattes ihätig war, sucht besonderer Verhältnisse halber passende Stellung. Gest. Offerten mit Angaben der Bedingungen werden unter C. A. S. an die Expedition des„Vorwärts" erbeten.(150 Bekanntmachung. Eintragung der Genossenschafts- Buchdruckerei Augsburg in das Genossenschafls-Register betr. Die Genossenschaftsbuchdruckerei Augsburg, eingetragene Genossen- schaft, hat in der Generalversammlung vom 21. Juli 1377 ihre Aus- lösung beschlossen und die nachbenannten Liquidatoren bestellt. 1) Leonhard Tauscher, Schriftsetzer in Augsburg. 2) Markus Lebherz, Schriftsetzer daselbst. 3) Albert Lichtensteig er, Metallschläger in Lechhausen. 4) Sigmund Ulrich, Commis in Augsburg. 5) Nepomuk Eisenlohr, Schneidermeister daselbst. Die Liquidatoren können die zur Liquidation gehörenden Hand- lungen mit rechtlicher Wirkung nur in Gemeinschaft vornehmen. Angsburg, den 25. Juli 1877.(1,90 Königliches Handelsgericht. Der königl. Borstand Köhler. Die Neue Welt. Jllustrirtes Uuterhaltuugsblatt für das Volk. Abonnemeutsvreis vierteljährlich M. 1,20. In Heften(Z Wochen-Nummern enthaltend) ü 30 Pf. Inhalt der Nr. 32(10. August 1877): Ein sonnenloses Leben. Feder- zeichnung nach der Natnr von Ernst von Waldow.— Die Schutzpockenimpfung. Von Dr. Carl Resau.— Instinkt, Lebens- kraft und Vererbung. Von Dr. A. D 0 u a i.— Ein großer Gegner des Christenthums und ein großer Mensch. Bon Eduard Bertz. — Der Dank des Königs. Historiette von Emanuel Malte». — Kleinere Mittheilungen: Die Zerstörung KorinthS (Illustration).— Briefkasten. Die Expedition. Färberstr. 12 in Leipzig. Durch uns ist zu beziehen: Zur Grund- und Bodenfrage von Wilhelm Liebknecht. 2. vervollständigte Auflage. Preis per Exemplar 0,75 Mark. Que Faire? Französischer Roman von Tchernyschewskh. 33 Bogen stark. Preis 4 Mark. Die Expedition des„Vorwärts". Verantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipzig Redatttaa nnv Expedck�n Färberstraß'. 12/0. in Leipzig. . Druck und V r>q der V most'.nschaftsbuchdruckttei ln Le'pzi»