ura/ Zr- J Erscheint in Lei?iiz Mltiwoch, Freitag, Sonntag. Abonncmcnleprcis iür ganz Teurichland t M, 60 Ps. xro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen dentlchen Bostanrialtm auf den 2. und Z. Monat, und ans den ».Monat besonders angenonraicn: im KSnigr. sackien und Herzogth. Sachsen- Altenburg auch aus den lten Monat des Quartals a 54 P'g. Inserate betr. Leriammlungen xr. Petitzeile 10 Pf., betr. Prio-t-ngelegenheiten und Feste pro Petitzeile 30 Ps. Vorwärt Zütklllungen nehmen an alle Postansialten und Buchhandlungen des In- u. Auslandes. Filml• Expeditionen. New-Pork: Soz.-deinokr. Genossen- schaftsbuchdruckerei, 154 �läriäL'L Str. Philadelphia: P. Haß, 630 Kort!» 3rü Slrevt. I. Boll, 1129 Olmrlotts Str. tzodolen N.J.: F. A. Sorge, 215 tVasi!- inxton Str. Chicago: A. Lanfermann, 74 C.i)-dourneave. San Franzisco: F. Entz, 413 O'k'arroU Str. London>V.: C. Henzc, 3 Xev �tr. Loläen Stzunrs. Kentrat Hrgan der Soziatdemokratie Deutschtands. Nr. 98. Mittwoch, 22. August. 1877. Abonnements auf den„Vorwärts" Wir Monat September zu 55 Pfennig werden bei allen deutschen Postanstalten, für-Leipzig pro Monat zu 60 Pf. bei der Expedition, Färberstr. 12 II, unserm Colporteur Moritz Ulrich, Südstr. 12, in den Filialen: Cigarrenladen des Hrn. Peter Krebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkst, am Königs- platz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: für f slümarsdorf, Reudnitz, Deulchänefeld:c. bei Frau Engel, eudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr., für Lonnewitz:c. bei H ackert, Kurze Str. 10 pari., für Kleinzschocher u. Umgegend bei Trost, Hauptftr. 10/1, für Thonberg bei B ö s ch, Hospitalstr. 39/11, Leipzig, Zlenreudnitz bei Zschau, 151, für �lagwitz- Lindenau bei Frau Bräfenstein, Aurelienstr. 3, für Hohlis:c. bei A. Herms- dorf, Lindenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Papiermühle, angenommen. Für Merlin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf., frei in's Hans abonnitt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaifer-Franz-Grenadier-Platz 8a, und bei Rubenow, Brunnenstr. 34, im Laden. Der Sozialismus in der„Kölnischen Zeitung". i. Da ist es aber schon weit gekommen, wenn in dem größten deutschen Bourgeoisblatte der Sozialismus gelehrt wird, so wird mancber Leser rufen, wenn er die Ueberschrift dieses Arti- kels liest; das kann man nicht glauben! Und doch ist es so. Unwillkürlich werden alle denkenden Elemente, wenn sie Volks- und staatswirthschaftliche Angele- genheiten besprechen, auf den Boden des Sozialismus, auf die Grundlage der Entwicklung des ganzen Volks- und Staats- lebens gedrängt. Wir finden in der„Kölnischen Zeitung" nämlich einen Ar- tikel über Waldverwüstung und Holzverschwendung, dem wir verschiedene Stellen entnehmen wollen. Zuerst heißt es darin: „Daß der Holzvorrath in den meisten Ländern stetig abge- nommen hat, ist wohl nicht zu bezweifeln, und ebenso wenig kann es zweifelhast sein, daß dieselben Bedingungen, welche dies bisher verursacht haben, noch fortbestehen, daß also auch in nächster Zeit der Verbrauch an Holz den Zuwachs übersteigen wird. Man tröstet sich zwar gern damit, daß man sagt, der Preis ist der beste und sicherste Regulator, denn übersteigt z. B. der Consum an Korn dessen Produktion, so ist eine Preis- steigcrung desselben die natürliche Folge, die wiederum verursacht, daß einestheils der Consum beschränkt, anderntheils die Produk- tion gesteigert wird, wodurch das Gleichgewicht sich von selbst wieder herstellt. Doch ist dies nicht in derselben Weise auf das Holz anwendbar, da erstens zur Herstellung eines ge- brauchsfähigcn Holzes ein sehr langerZeitraum nöthig ist und zweitens einmal vom Wald entblößte Flächen oftmals nur unter den größten Schwierigkeiten, Geld- und Zeitopfern wieder ertragsfähig gemacht werden können; wie dies das Bei- spiel von ganz Südeuropa zur Genüge beweist." Alles das ist richtig. Nebenbei gesagt mögen die Gegner der Marx'schen Werththeorie(Schäffle, Calberla:c. zc.) obige Ausführungen beachten. da sie den Unterschied zwischen denjeni- gen Gütern, die sich beliebig vermehren, und denjenigen, die sich nicht beliebig vermehren lassen, besonders hervorheben. Die„Kölnische Zeitung" fährt nun fort: „Doch läßt sich der Verbrauch an Holz weder durch Gesetze noch Verordnungen beschränken, ein Versuch dazu würde uns auf den Standpunkt der mittelalterlichen Luxusgesetze in den Kleidcrmoden zurückbringen. So lange an einem Orte Holz das billigste oder bequemste Material für irgendwelchen Bau ist, wird es dazu benutzt werden, und es wird in dieser Hinsicht nur die natürliche Preissteigerung desselben der Verschwendung Einhalt gebieten. Daß dies richtig ist, wird schon dadurch be- wiesen, daß man jetzt eine ungeheure Menge Kiefern zu Schwellen verarbeitet, statt der theuer gewordenen Eichen, und man kann voraussehen, daß auch andere noch schneller wachsende Holzarten dazu Verwendung finden werden, sobald die Jmprägnations- Methoden(Durchtränkung gegen Fäulniß) nur noch mehr ver- Vollkommnet sein werden."— In dem heutigen Staate allerdings läßt sich eine Beschrän- kung des Verbrauchs an Holz nicht durch die Gesetzgebung durch- führen; in einer besser organisirten, in einer sozialistischen Ge- sellschaft aber würde die Organisation des Holzverbrauchs auf keinerlei Schwierigkeiten stoßen, und wenn auch der ver- nünftige Gebrauch dadurch nicht beschränkt würde, so würde man doch aller Holzvergeudung einen Riegel vorschieben im Interesse der Gemeinsamkeit. Die„Kölnische Zeitung" will aber, da man mit Gesetzen den Holzverschwendungen jetzt nicht entgegentreten kann, durch Belehrung einwirken, und warnt die Landwirthe vor den vernichtenden Feinden der Holzproduktion, vor der Waldweide und der Streu- Nutzung; auch hält sie und mit Recht die Ausrodung des ärmern Waldbodens für einen schweren Fehler, da in den meisten Fällen der Ackerbau auf solchen Flächen nicht so einträglich ist, als die Holzproduktion, und nach und nach solche ausgerodeten Flächen bei dem Mangel an Dünger völlig werthlos gemacht werden. Auch müsse der Landwirth jedes Fleckchen benutzen, um dort, wo dem Acker kein Schaden zugefügt werde, einen Baum zu Pflanzen. In der Vermehrung der Produktion, viel sicherer als durch Beschränkung des Consums, steht die„Kölnische Zeitung", und wieder mit vollem Recht, das beste Mittel, um einer zu- künftigen Holzarmuth, welche schon den ganzen Süden Europas auf das Schwerste bedrückt, in Deutschland vorzubeugen. Wir setzen voraus, daß die meisten unserer Leser wissen, daß ein holzarmes Land auch schon bald ein fruchtarmes Land wird; auf der einen Seite wirken plötzliche Ucberschwcmmungen, ver- nichtende Regen- und Hagelschauer, auf der anderen Seite an- haltende Dürre in der ungünstigsten Weise auf ein holzarmes Land ein. Aber auch der Gesundheitszustand des Volkes leidet in dem bedenklichsten Maße. Die„Kölnische Zeitung" wünscht nun, daß der Staat ein- greife; sie sagt: „Selbst in Deutschland, dem in dieser Hinsicht glücklichsten Lande, finden sich noch immer Oedländereien genug, deren Anbau unbedingt nothwendig ist, sollte er auch anfangs mit großen finanziellen Opfern verknüpft sein; Pflicht der Landes- Vertretungen aber ist es, die dazu nöthigen Mittel zu bewilligen, und wahrlich nur wenige Gelder werden besser angelegt sein; als Beispiele nenne ich hier nur die verschiedenen Haiden und Torfmoore." Der Staat also soll die großen unwirthlichen Haide- und Torfstrecken mit Bäumen bepflanzen— wir haben gewiß nichts dagegen, doch muß er dann die betreffenden Oedländereien auch zu Staatseigenthum machen. Auch da weiß die„Kölnische Zeituuej" Rath; „Ein wunder Punkt in Deutschland ist ferner die schleck Bewirthschaftung vieler Privatwälder, die durch e�'. ganz unvernünftige Ausnutzung vieler Orte na' gU unproduktiv geworden sind. Nichtsdestoweniger ist es sicher falsch, dem Staate das Oberaufsichtsrecht über die Bewirth- schaftung derselben oder gar das Einmischungsrecht in diese zu gewähren; so weit es nur irgend mit der allgemeinen Wohl- fahrt verträglich ist, muß die Freiheit des Privatbesitzes bewahrt bleiben, dafür aber schaffe man ein Expropriations- gesetz, welches dem Staate ermöglicht, unter Controlc der Landesvertretung allen für das allgemeine Wohl nöthigen Wald ankaufen; dies wird und muß der Schwerpunkt jeder künftigen Gesetzgebung auf diesem Felde sein." Bravo! dreimal Bravo! Auch uns fällt es nicht ein, dem Staate ein Einmischungs- recht in das Privateigenthum, in das Privatkapital zu gewähren, aber wir wollen, daß der Staat den Grund und Boden zu Staatseigenthum mache, und dafür tritt ja auch die„Köl- nische Zeitung", wenn auch in etwas beschränkender Weise, ein. Besonders sind wir mit der„Kölnischen Zeitung" einver- standen, wenn sie sagt, daß der Wald in solcher Ausdehnung vom Staate angekauft werden soll, wie es für das allge- meine Wohl nöthig sei. Räumt man dem Staate ein solches Recht ein, nun so kann kein vernünftiger Mensch einsehen, weshalb derselbe nicht auch den übrigen Grund und Boden, nicht auch die Fabriken, nicht auch alle anderen Produktionsinstrumente durch ein Expro- priationsgcsetz insoweit übernehmen soll, wie es das allge- meine Wohl erheischt. Darüber in einem folgenden Artikel. Sozialpolitische Ueberstcht. — Die furchtbaren Folgen unserer gesellschaft- lichen Zustände treten ab und zu in erschreckender Offenheit zu Tage. Die„Deutsche Rcichscorrespondenz" schreibt nämlich: „Es ist als eine leider ebenso unbczwcifelte wie traurige Wahrnehmung zu constatiren, daß in der allerncueften Zeit die Zahl der Geisteskranken in schreckencrregcnder Weise zuge- nommen hat. Die Privat- Irrenanstalten für„Geistes- und Nervenkranke" sind noch niemals in so bedeutendem Maße von solchen unglücklichen Patienten besetzt gewesen, wie gegenwärtig. und man überschätzt das Unglück nicht, wenn man mittheilt, daß die Zahl der in diesen Anstalten befindlichen Patienten seit einem Jahre auf das Dreifache gestiegen ist. Da für diese Patienten durchweg ein nicht geringes Kur- und Pflegegeld gezahlt werden muß, so ergiebt sich daraus, daß alle diese Kranken den besseren Ständen, den besitzenden Klassen angehören. Auch die Zahl der in unserer(der Berliner) städtischen Irren- anstatt untergebrachten— in der Regel den weniger bemittelten Klassen angehörigen— Personen hat sich in der letzten Zeit ver- mehrt, jedoch nicht in der schreckenerregenden Weise, wie diejenige der oben erwähnten Privatanstalten.— Wenn man dem Grunde und der Veranlassung zu diesen unglücklichen Krankhcitserschei- nungen nachforscht, so stellt sich leider die Thatsache heraus, daß die Mehrzahl der in Rede stehenden Personen in Folge des großen Krachs und der Geschäftskrisis in diesen traurigen Zustand versetzt worden ist. Weniger ist es der Handelsstand, der das Contingent für die Bevölkerung dieser Privat-Jrrenanstaltcn liefert, als vielmehr der sogenannte Mittel-, der besser siwirte Bürgcrstand, welcher sein Vermögen in Spe- kulationspapieren angelegt und nun nach deren rapidem Fall den bei weitem größten Theil desselben eingebüßt hat. Von wohlunterrichteter Seite wird uns mitgctheilt, daß mehr als 70 Prozent der augenblicklichen Bewohner dieser Unglücks- statten die Verluste, welche sie an der Börse erlitten, sich der- maßen zu Gemüth gezogen, daß ihr Geist jetzt vollkommen um- nachtet ist." Was soll man da noch hinzusetzen— solche Zustände reden eine Sprache, deutlicher als der laute Nothschrei der Armen und Elenden, der so oft an das Ohr des Reichen schallt; eine furchtbare, erschreckliche Sprache! Die Anklage der Irr- sinnigen gegen die heuttgen Gesellschaftseinrichtungen— sie ist so vernichtend, sie ist das Verdammungsurtheil der gegen- wältigen„Ordnung". Verbrechen, Hunger, Wahnsinn— sie iozial-Correspondenz" lauern in den Räumen der heutigen Gesellschaft, um bei erster bester Gelegenheit auf der Straße zu erscheinen und das Herr- schende Ausraubungssystem in seiner vollen Nacktheit zu zeigen; aber auch um bei allen vernünftigen und humanen' Menschen den glühendsten Wunsch zu erwecken, dieses menschenschänderische System baldigst verschwinden zu sehen. — Falsche Taktik. Unter dieser Ueberschrift bringt die Böhmert'sche„Sozial-Correspondenz" den ersten ziemlich ver- nünftigen Artikel seit ihrem Bestehen. Deshalb wollen wir auch denselben, soweit er vernünftig ist, reproduziren, umsomehr, da die„Sozial-Correspondenz" die weiteste Verbreitung desselben ganz besonders wünscht. Aus einer Industriestadt der Rhein- Provinz(Saarbrücken ist gemeint) bringt das Böhmert'sche Blatt folgenden Brief von einem Beamten: „Es sind hier auf einmal 2 Sozialdemokraten aufgetaucht, welche eine ganz ansehnliche Partei gegründet haben. Daß jenen dies gelingen würde, war nicht anders zu erwarten, denn sowohl unsere Industriellen, als unsere Behörden und Zei- tungen waren ihre beständigen— wenn auch unfreiwilligen — Bundesgenossen. Die erstgenannten erließen Verbote � a? in den Besuch der von den beiden Umsturzmännern ausge- /K.iebenen Versammlungen, Uebcrtrctung hatte sofortige Ent- �.ssung zur Folge. Sogar der Besuch von Wirthshäusern, in ,enen sozialdemokratische Schriften aufliegen, ist untersagt und � mit der obigen Strafe belegt worden. Mehrere Behörden aber � sahen sich veranlaßt, diese Verbote auf ihre Beamten auszu- dehnen, und ich stehe gewissermaßen, nein ganz ohne Zweifel, schon auf der Schwelle meiner Stellung, weil ich das neu ge- gründete sozialdemokratische Blatt hier lese, um meinem Humor einige Nahrung zu verschaffen. Diese Verbote sind zwar gedruckt, aber nur unter uns vertheilt worden. Natürlich habe ich mich im Zorn, nein weniger im Zorn als in Trauer über diese Verkehrtheiten, hinter meinen Tisch gesetzt und lange Ar- tikel beim nächtlichen Lampcnschein darüber geschrieben. Glauben Sie aber, daß auch nur einer unserer culturkämpsenden Federhelden es wagt, diese Artikel abzudrucken?..... Es steht schlimm hier um die Arbeiter und um uns; ich sehe es deutlich voraus, wenn es nicht bald, nicht sofort anders wird, wählen wir das nächste Mal sozialdemokratisch, obgleich es noch vor wenigen Wochen hier nur zwei Umstürzler gab! Schuld daran tragen unsere industriellen Behörden und farblosen Blätter." Zu diesem Briefe bemerkt nun die folgendes: „Möchte doch dieser Brief rechte Verbreitung finden und denen die Augen öffnen helfen, welche nicht einschen, daß solches Verfahren die sozialdemokratische Bewegung unmöglich ersticken kann, sondern zu hellen Flammen auflodern machen muß. Und sind denn Arbeiter und Beamte unmündig, daß man es ihrer eigenen Entscheidung nicht überlassen will, ob sie sich für oder wider die Sache des Brodhcrrn, des Vorgesetzten erklären wollen? Haben denn wirklich die Sozialdemokraten solche Si- � renenstimmen, daß die meisten derer, welche sie hören, von ihnen gebannt werden? Und was taugen Arbeiter und Beamte, welche nur darum nicht auf die Sozialdemokraten schwören, weil ihnen die Gelegenheit genommen wurde, den von Alters her über- kommenen Grundsätzen der Treue gegen den Arbeitgeber und den Staat abtrünnig zu werden? Sind nicht gerade die ver- botenen Früchte die süßesten? Gibt es eine bessere Reklame für ein Buch oder eine Zeitung, als wenn deren Lektüre verboten � wird? „---- Möge doch endlich dem deutschen Volke die Wahrheit zum Bewußtsein kommen, daß sich die Sozialdemo- kratie nicht durch Gewaltmittel unterdrücken läßt." So die Böhmert'sche Correspondenz. Das übrige Gewäsch von den„Waffen des edelsten Stahls, nämlich: geistige Kräfte", mit welchen die Sozialdemokratie bekämpft werden soll, zeigt uns eben die alte Unvernunft der„Sozial-Correspondenz", die wir ja heute nicht berühren wollen. — Baterlandsdank. In der„Königsberger Härtung- scheu Zeitung" finden wir folgende Notiz:„Der einzige noch lebende sehr alte Schill'sche Volontair-Offizier, Herr Meske, der in Allenburg lebt, in Folge seines hohen Alters ganz er- blindet ist und ein sehr dürftiges armseliges Leben führst, wird den 12. August c. seinen 91. Geburtstag als unglücklicher Blin- der armselig feiern. Möchten doch recht viele wohlwollend mit- leidige Herzen an seinen� Geburtstag wohlwollend denken, sein Alter und seine Verdienste, die er sich beim Schill'schen Corps mit seltener Bravour erworben hat, ehren und achten.— Den resp. Herren Offizieren in der Provinz dürfte es zur Ehre ge- reichen, dem alten unglücklichen blinden Kameraden an seinem Geburtstage aus mitleidigem Herzen eine kleine Unterstützung zu Theil werden zu lassen, um während der wenigen Tage seines unglücklichen kummervollen Lebens, die schon gezählt werden können, seine Sorgen und Roth zu mildern."— Von Bettel- Pfennigen muß ein alter Mann leben, der in seiner Jugend, als„das Vaterland in Gefahr war" in hoher Begeisterung zu den Waffen griff, um das Baterland zu retten. Der Dank des Vaterlandes aber ist das Hungertuch. �— Die Liberalen, die Clerikalen, die bürger- lichen Demokraten und die preußische Regierug durch den Mund der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", alle vier streiten sich darum, wer zuerst die Aufnahme des Maurer- und Zimmerergewerks in das Haftpflichtgesetzes vom 7. Juni 1871 von ihnen verlangt und somit sich das größte Verdienst um' das arbeitende Volk erworben habe. Die frankfurter Zeitung" er- klärt, daß der Volkspartei vor allem der Ruhm gebühre, da sie schon im Jahre 1873 die Revision und Ausdehnung des Hast- Pflichtgesetzes in ihr Programm aufgenommen habe. Wir vee- weisen in diesem Falle alle vier Conkurrenten um die Förde- rung des Arbeiterwohls an unsere Parteigenossen Maurer Grottkau und Zimmerer Kapell— diese Männer können ihnen sagen, wer es zuerst war, der die Aufnahme des Maurer- und Zimmercrgewerks unter das Haftpflichtgesetz verlangt hat! — Des edlen Mäxchens„Gewerkverein" bringt einen Artikel:„Die Rothen und die Blauen", in welchem er die „Frankfurter Zeitung" beglückwünscht, den Herren Sozialdemo- traten eine harte, aber, wohlverdiente Lektion ertheilt zu haben. Möge diese neue Bundesgenossenschaft der„Frankfurter Zeitung" wohl bekommen. — Zum traurigen Kapitel der Untersuchungshaft. Am 18. Juli d. I. saß die Wittwe Hennig, die bisher noch niemals mit dem Strafgesetz in Collision gerathen war, auf einer Bank Unter den Linden zu Berlin und schnitzte mit dem geöffneten Federmesser, ohne überhaupt an irgend etwas zu denken, zwei kleine Spähncheu von der Bank los. Ein Schutzmann kam herzu, sistirte die Wittwe Hennig nach der Wache, von wo sie wegen dieses Vergehens nach dem Gewahr- am überführt worden ist. Da in der Handlung der Verhafteten eine vorsätzliche Beschädigung von zum öffentlichen Nutzen die- nenden Gegenständen gefunden wurde, erfolgte unter Beschließung der Untersuchungshaft die Anklage-Erhebung gegen die Hennig. Am Freitag wurde die Sache vor der Ferien-Criminal-Deputa- tion des Stadtgerichts verhandelt und die Angeklagte zu einer Woche Gefängniß verurtheilt, welche durch die erlittene drei- wöchentliche Untersuchungshaft als verbüßt erachtet worden ist. Untersuchungshaft wegen Abschnitzens von zwei Spähnchen! Und drei Wochen lang! Warum ist die Wittwe Hennig nicht ieber unter die Gründer gegangen! — Zu den Wahlmanövern der französischen Re- gierung leistet die ultramontane„Germania" folgende Dumm- heit und Unwahrheit: „In Frankreich bereiten sich mit Eifer Regierung und Par- teien auf die im Oktober stattfindenden Wahlen vor, wobei die erstere der Opposition eine durchaus zu billigende Freiheit der Agitation gewährt. Es ist dies nicht nur eine Sache der Gerechtigkeit und Gesetzlichkeit, weil ohne diese Freiheit das all- gemeine Stimmrecht die größte Lüge wäre, sondern auch der Weisheit, denn jede Bedrückung der Opposition dient erfahrungs- mäßig zu ihrer Stärkung. Dagegen erfüllt die Regierung eine andere nicht minder heilige obrigkeitliche Pflicht in nicht ge-, nügendem Umfange, nämlich diejenige der Verhinderung, bezw. Bestrafung von Aufreizungen zu Ungesetzlichkeiten, Auflehnungen und Verachtung der obrigkeitlichen Gewalt, wie sie in der radi- kalen Tagespresse täglich vorkommen und das Volk vergiften. Zwar sind einige kleine, unbedeutende und einflußlose Blättchen vor Gericht gezogen worden, aber gegen die eigentlichen Giftküchen, gegen die Organe der Thiers und Gambetta, hat man einzu- schreiten nicht für angemessen erachtet oder nicht gewagt. Die kleinen Diebe zu hängen und die großen laufen zu lassen ist aber, zumal in der Politik, ein falscher Grundsatz. Die Herren Broglie und Genossen stärken durch ihre Zurückhaltung die Zu- verficht ihrer Gegner, lassen in den Augen der urtheilsunfähigen Masse die Sache der Opposition als unangreifbar erscheinen und geben der Regierung das Ansehen, als ob sie sich im Unrecht befinde." So die„Germania". In Deutschland haben wir auch bei den Wahlbewegungen große und eigenthümliche Wahlbeeinflussungen der Behörden zu verzeichnen, wie dies aus den zahlreichen Pro- testen und Untersuchungen nach jeder Reichstagswahl hevorgeht; aber so weit in der Unterdrückung von Blättern, in dem Verbot von Versammlungen und Festlichkeiten, in dem Schließen von öffentlichen Wirthshäusern haben es allerdings die deutschen Behörden noch nicht gebracht, wie die gegenwärtige französische Verwaltung. Offenkundig ist derlei Bedrückung gegenwärtig in Frankreich; dies wird die„Germania" nicht fortlügen können. Wir begeistern nns wenig, wie Jedermann weiß, für die fran- zösische Oppositionsgesellschaft; wir wissen, daß wenn die Thiers und Gambcttas am Ruder wären, das Volk noch mehr, oder doch mindestens ebenso sehr bedrückt würde, als unter dem Heu- tigen Regime, aber deshalb kann es uns nicht einsallen, das unfläthige Beginnen der französischen Regierung zu beschönigen Für CivUversorgungsberechtigte und welche es noch werden wollen. Wenn man durch 12- resp. löjährige Militärdienstzeit den Civilversorgungsschein erworben hat, so liegt es wohl im eigenen Interesse, denselben zu verwerthen uud eine Stelle im Staats- dienste nachzusuchen. Man reicht daher Gesuche an die könig- lichen Behörden ein, bei welchen man angestellt zu sein wünscht, giebt auch die Stellen an, für welche man sich geeignet findet, sich stark fühlt, oder aber die nöthige Qualifikation besitzt. Auf diese Eingaben erfolgt dann gewöhnlich ein Bescheid mit dem Bemerken, die dem Schreiben beigefügten Fragebogen zu beant- Worten, ein Gesundheits- und ein Leumundsattest ausstellen zu lassen und an die betreffende Behörde einzusenden. Nicht allein, daß man hierbei die doppelten Portokosten zu tragen hat, es entstehen auch für die Erlangung der genannten At- teste bedeutende Kosten. Hat man sich diesen Kosten unterzogen und die gewünschten Papiere eingesandt, erhält man nach einigen Wochen den Bescheid, daß weder eine Vakanz noch eine Aussicht auf baldige Einberufung vorhanden. Sollte man indessen den- noch Berücksichtigung gefunden haben, so erhält man vielfach eine Stelle angeboten, auf welche man gar nicht reflektirt hat, auch solche Stellen, wobei es einer 12- resp. 15jährigen Dienstzeit nicht bedurft hätte, um selbige zu erhalten. Hat man aber das 40. Lebensjahr erreicht oder gar zurückgelegt, so werden mit diesem Lebensabschnitt nunmehr alle ferneren Gesuche mit dem Bemerken abgelehnt,„daß man das 40. Lebensjahr über- schritten habe" und eine Berücksichtigung derselben außer dem Bereiche der Möglichkeit läge. Auf diese Weise sammelt man Material und wird zu einem Kostenaufwand gezwungen, der nach Jahren eine nicht unerheb- liche Summe erreicht. Da nun der Civilversorgungsschein eine solche Klausel nicht enthält, welche dem Besitzer desselben das Recht abspricht, nach zurückgelegtem 40. Lebensjahre seine Ansprüche geltend zu machen, so erfolgen Anzeigen über Anzeigen an die königlichen Bezirks- commandos oder direkt an das königliche Kriegsministerium. Die von letzterer Behörde auf derartige Beschwerden eingehenden Bescheide sind schablonenmäßig bearbeitet. Statt daß das könig- liche Kriegsministerium sich der betreffenden Gesuchsteller an- nimmt und Sorge tragen würde, diese unterzubringen, werden dieselben sämmtlich an die königlichen Bezirkscommandos ver- 'oder gar in Schutz zu nehmen.— Die„Germania" schwärmt natürlich für Mac-Mahon, für den Pfaffenknecht, und in dieser Schwärmerei kommt es ihr auf Recht und Unrecht nicht an. Neu-Caledonien, der bekannte Aufenthalt der depor- tirten Communarden, ist noch um eine Marter reicher ge- worden. Die ganze Colonie ist von Schwärmen giftiger Fliegen heimgesucht, unter denen natürlich die Deportirten, welche in ihrer Armuth und Hilflosigkeit sich nicht schützen können, zu leiden haben. Bereits sind 27 Tommunards und 33 weitere Colonisten an den giftigen Stichen verstorben. Besonders auf der Jl de Pin hausen die Insekten massenhaft und sind ihnen auch bereits fast alle Heerden zum Opfer gefallen, wodurch sich die Lage der armen Deportirten abermals wesentlich verschlech- tert. Aber nicht allein mit Trauer, mit innigem Mitgefühl für die Gemarterten muß uns die Nachricht erfüllen, sondern auch mit neuem Haß gegen jene Schandbuben, welche die edlen Kämpfer ' für Freiheit und Gleichheit in eine solche Hölle versetzt haben. Schmach den Elenden und— möge das Volk nie vergessen, was sie an seinen Vorkämpfern verbrochen! Von welcher Energie die„Republikaner" erfüllt find, davon erzählt uns die„Frankfurter Zeitung", welche so gern gegen die „Rohheit" zu Felde zieht, mit vielem Behagen folgendes Ge- schichtchen: „In der Provinz treten die Republikaner energischer gegen die Feinde der bestehenden Institutionen auf, wie fol- gende Scene beweist, die sich am vergangenen Sonntag in Chinon(bei Tours) auf dem Festmahl der landwirthschaftlichen Ausstellung zugetragen hat. Der Maire hatte die Gesundheit des Marschalls ausgebracht. Der Präfekt hatte eine Rede gehalten, in welcher von nichts als dem Ackerbau die Rede war; plötzlich erschallte der Ruf:„Es lebe die Republik... sie wollen sie(die Republik) niederwerfen!" Ein Herr Herpin erwiderte mit dem Rufe:„Vive le Eoi!" worauf ein Herr Joubert(Bruder des gleichnamigen Exdeputirten) Herrn Herpin frug, ob er den Ruf ausgestoßen habe? Auf dessen bejahende Antwort gab ihm Herr Joubert eine Ohrfeige..Die ganze Versammlung gerieth in so tumultuarische Aufregung, daß der Präsident sie sofort auflösen mußte." Echt„republikanische" Bildung und Energie das!— Wir wetten, daß besagter Herr Joubert, der inmitten einer republi- kanischen Majorität einem polittschen Gegner gegenüber eine solche„Heldenthat" verrichtete, sofort ausgerissen wäre, wenn sich nur ein Polizisten-Käppi hätte blicken lassen. Unser Hamburger Parteiorgan schreibt:„So ist's recht! Die Nemesis kommt gewöhnlich sehr bald bei den Leuten, welche sich der Unterdrückung und des Betrugs an ihren Mitmenschen huldig gemacht haben. So finden wir in der„Republique „fraise", dem Organ Gambetta's, einen polizeilichen Rapport abdruckt, der lautet wie folgt: '„Städtische Polizei. IX. Arrondissement. Saint-Georges- Viertel. Littera A. Ich habe die Ehre; zu berichten, daß heute zwischen 9 und 12 Uhr Abends vier Personen zu Herrn Thiers gekommen sind: Herr G..., Bicepräsident am... Hofe und drei Unbekannte. Sonst nichts zu melden. P." Also Mae Mahon läßt den alten„Meister der Staatsschufterei"' Herrn Thiers, überwachen! Die republikanischen Blätter jam- mern darüber. Wir erinnern daran, daß, als Thiers Präsident war, die Denunziation und Spionage gegen die Insurgenten der Commune im großartigsten Maßstabe betrieben wurde, und daß damals in einigen Wochen 400,000 Denunziationen einliefen. Nun wird der alte Spion einmal selbst ausspionirt." � Der neulich zu zwei Jahren Gefängniß und 4000 Fr. Strafe verurtheilte Gerant des„Mot d'Ordre", Herr Hamon, erschien den 14. d. Mts. vor dem Schwurgerichte zum contradiktorischen Verfahren über die Sache. Die Geschworenen ließen mildernde Umstände zu und der Gerichtshof setzte die Strafe auf drei Mo- nate Gefängniß und 2000 Fr. Geldbuße herab. — Grobes Geschütz. Da die gewöhnlichen Reptilien und Rubel-Sauhirten selbst bei dem deutschen Philister keinen Glau- ben mehr finden, wenn sie von russischer Humanität und rusfi- schen Heldenthaten reden, so hat man es für nöthig befunden. Niemand geringeren, als den Großfürst Nikolay,„Väterchens" Bruder und der bulgarischen Armee Obcrfeldherrn, die russische Pauke schlagen zu lassen. Besagter Nikolay, dem größeren Publikum bekannt durch die„Genialität", mit der er die Schlacht bei Plewna verloren— die Krüdener und Consorten waren bloß die Prügeljungen— hat nachstehendes Telegramm ver- wiesen. Diese legen nun, um dem höhern Befehle nackzukom- men, den Gesuchstellern die Stellen-Vakanzenliste vor und über- lassen dann einen Jeden seinem Schicksal. Hier tritt der ersterwähnte Fall wieder ein. Die Ausgaben an Kosten und dieselben Bescheide sind die Früchte aller Be- mühungen. Auf diese Weise läuft ein Militär-Jnvalide Jahre lang ohne Existenz in der Welt umher. Sind nun dessen Bemühungen nach Jahr und Tag ohne Erfolg geblieben, so steht ihm kein anderer Weg offen, um den bestehenden Bestimmungen zu ge- nügen, als am 30. Dezember eines jeden Jahres dem betreffen- den königlichen Bezirkscommando, in dessen Bezirk derselbe wohnt, davon Anzeige zu machen. Eine Zusammenstellung dieser eingegangenen Anzeigen geht an das königliche Generalcommando und von dort an das königliche Kriegsministerium. Ist nun ein Militär-Jnvalide den bestehenden Bestimmungen insoweit nachgekommen, so dürfte es auch nunmehr Pflicht des königlichen Kriegsministeriums sein, mit allen zu Gebote stehen- den Mitteln sich der in Rede stehenden Invaliden anzunehmen und Sorge zu tragen, diese unterzubringen. Denn warum wird jedes Jahr eine derartige Eingabe gemacht? Das königliche Kriegsministerium aber scheint zu glauben, wenn ein langge- dienter Soldat den Civilversorgungsschein erhalten hat, allen weiteren Verpflichtungen demselben gegenüber enthoben zu sein. Ob ein Invalide Stelle hat oder nicht, ob er dadurch, daß er keine erhalten kann, selbst wenn er Familienvater ist, in Roth und Elend geräth, das scheint das Kriegsministerium wenig zu kümmern. Sollte es dennoch einem Militär-Invaliden einfallen, sich persönlich nach Berlin zu begeben, um dort an Ort und Stelle seine gerechten Ansprüche geltend machen zu wollen, so steht demselben bevor, mit folgender Antwort beschieden zu werden: „Herr! wenn Sie glauben, mit Oppositionen nach Berlin ge- kommen zu sein, so machen Sie, daß Sie Berlin so schleunigst wie möglich verlassen, denn die Behörden haben mehr Geld wie Sie."— Auf die Antwort des betreffenden Invaliden, daß er nicht„mit Oppositionen", sondern mit gerechten Ansprüchen nach Berlin gekommen sei, wenn diese aber mit vorgedachten Aeuße- rungen beschieden würden, so sei dies mehr als traurig, erhielt er die Antwort:„Traurig aber wahr." Diese einzige Aeußerung, deren Wahrheit ich mit meiner Unterschrift verbürge, dürfte genügen, einen Beweis zu liefern fertigt und nach Petersburg geschickt, wo es pflichtschuldigst ver- öffentlicht worden ist: „Telegramm Sr. K. H. des Obercommandirenden der activen Armee aus Gornyj-Studen vom 30. Juli(11. August). In ausländischen Blättern ist vielfach die Rede von einer Flucht unserer Truppen nach dem Plewnaer Mißerfolge vom 13.(30.) Juli, einer Verfolgung unserer Truppen durch die Türken bis nach Sistowo. einem mißglückten Versuche, Rustschuk und Si- listria zu blokiren, sowie von Siegen der Türken bei Rustschuk, Rasgrad und anderen Orten. Dies alles ist eine ebenso freche Lüge, als die durch die uns feindliche Presse im vorigen Monat verbreitete Ente über ein nie erfolgtes Miß- glücken unseres Donau-Ueberganges bei Nikopolis und einen Sieg der Türken bei Bjela. Ein für alle Mal bitte Ich, die systematischen Lügen, die durch türkische Blätter und uns feindliche Organe der europäischen Presse verbreitet werden, nicht zu beachten. Wenn von Mir keine Nachrichten einlaufen, so be- deutet das nur, daß Alles günstig steht, und nichts Neues zu melden sei. Als wir Mißerfolge zu verzeichnen hatten, da hatte ich selbst hierüber unverzüglich telegraphirt." Allerdings— wenn's ihm nämlich gefiel, oder richtiger, wenn die Nachrichten ihm gefielen. Die Hiebe von Plewna steckte er 8 Tage lang ein, ehe er sie„unverzüglich telegra- phirte". Und wann die Hiebe, welche es im Balkan gesetzt hat, von dem wahrheitsliebenden Großfürst„unverzüglich telegra- phirt" werden, läßt sich noch gar nicht absehen. Und was die „Flucht" der russischen Armee nach Plewna anbelangt, so ist allerdings nicht die ganze Armee geflohen, aber doch ein Theil, und zwar die heroischen Kosaken, die Ins über die Donau aus- rissen— und noch ein anderer Theil: und zwar ein sehr wesent- licher: das Hauptquartier, Großfürst Nikolay an der Spitze! Er versteht es, die Pauke zu schlagen. Aber die Pauke hat halt ein Loch!" In einem zweiten Telegramm hat derselbe Großfürst die türkischen Depeschen über russische Grausamkeiten für Lügen erklärt. Gerade solche„Lügen", wie die„Flucht" der Kosaken und des Großfürst Nikolay nach Plewna! Noch einmal: Er paukt gut, aber die Pauke hat ein Loch.— — Die Russen an der Culturarbeit. Da neuerdings sogar preußische Offiziere und der„Deutsche Reichs- und Staats- anzeiger" in Contribution gesetzt werden, um russische Stimmung zu machen, so sei hier folgender Ausschnitt aus einem aus Rasgrad vom 17. Juli dalirten Briefe des Kriegscorrespon- denken der„Kölnischen Zeitung" im türkischen Lager nutze- theilt: „Gestern(den 16. Juli) besuchten wir die in Privathäusern untergebrachten und von den Russen Überfallenen und verwun-! deten türkischen Familien. Ich kann Ihnen versichern, die Haare stehen einem zu Berge, wenn man die Opfer dieser Greuelthaten betrachten muß! Da ist nichts geschont worden! Nicht der Säugling an der Mutter Brust, nicht der Greis mit weißem Haupte! Kinder mit drei, vier Lanzenstichen, Schuß- und Säbel- wunden wälzen sich wimmernd am Boden herum. Frauen mit i zerhackten Händen und Brüsten legen Zeugniß ab von der un- erhörten Besttalität, welche der Einmarsch der Befreier des! Orients im Gefolge gehabt hat. Der blutgierigste Tiger ist ein Lamm gegen jene erbärmlichen und schurkischen Mörder, die ein- jährigen Kindern das Messer in die weiche Hirnschale stoßen! konnten. Im serbisch-türkischen Kriege wollte man den türkischen Truppen unzählige Grausamkeiten in die Schuhe schieben. Wo I aber blieben die Beweise? Man hat gehässig berichtet und die| Ausschreitungen der Baschibozuks und Tscherkessen bis ins Lächer- I lichste übertrieben. Hätte es damals nur eine einzige durch die blanke Waffe verwundete serbische Frau oder ein verletztes Kind gegeben, man würde gewiß nicht verfehlt haben, das corpus delicti nach Belgrad zu schaffen, um es von hier aus dem ent- rüsteten Europa zu zeigen. Ich war während des ganzen Kriegs in Belgrad und Niemand hat auch nur einen annähernd ähn-? lichen Fall mit eigenen Augen gesehen. Bei der Unterdrückung des bulgarischen Aufstandes im vorigen Jahre waren gewiß schreckliche Vorgänge zu beklagen, doch das war ein Bürgerkrieg und seine Bekämpfer waren eben Baschibozuks; jetzt aber kämpfen zwei Kaiserreiche gegeneinander, von denen das eine das andere| zur Civilisation zwingen will. Und zur regulären Armee Ruß- f lands gehören jetzt auch die Kosaken, die an den Unthaten viel- fachen Äntheil genommen haben. Man denke an Sibirien, Po- len, Khiwa, den jetzigen Krieg, die Tausende von ermordeten friedlichen Bürgern, Weibern und Kindern, die verbrannten tür wie ein königliches Kriegsministerium über Militär-Invaliden denkt. Auf deutsch heißt dies: Da Du kein Geld hast, Deine gesetzlichen Rechte, welche Dir vom Standpunkte des Rechts ver- weigert werden, auf dem gerichtlichen Wege zu erlangen, so hast Du zu schweigen und jedes Unrecht mit Geduld zu ertragen. Aus den dem Unterzeichneten zugegangenen Bescheiden der königlichen Behörden geht mit Bestimmtheit hervor, daß eine Verfügung existirt, wonach Militär-Jnvaliden nach zurückgelegtem 40. Lebenjahre bei Anstellungsgesuchen nicht zu berücksichtigen sind, es vielmehr dem Ermessen der Behörden anheimgestellt bleibt, solche Invaliden zu nehmen oder nicht. Der Civilver sorgungsschein, welcher im Königlichen Auftrage unterzeichnet wird, enthält von den hier vorerwähnten Bestimmungen nichts. Es ist überhaupt den meisten Invaliden gänzlich unbekannt, daß solche Bestimmungen existiren. Wenn aber solche Bestimmungen, welche doch höhern resp. höchsten Orts erlassen worden sind, be- stehen, so dürfte mit Recht die Frage aufgeworfen werden, warum derartige Bestimmungen nicht in den Civilversorgungs- scheinen enthalten sind. Es dürfte nicht genügen, daß man blos den königlichen Behörden von dem Bestehen solcher Bestimmun- gen Kenntniß gäbe, sondern gerade den betroffenen Invaliden müßten sie mitgetheilt werden. Liegt es denn überhaupt in der Möglichkeit, daß eine der- artige Verfügung existiren kann? Mit der einen Hand giebt man den Civilversorgungsschein, den zu erlangen viele Soldaten ihre Jugend geopfert haben, mit dem Versprechen, sich bei jeder Behörde um Anstellung bewerben zu können, während man mit der andern Hand eine Verfügung erläßt, welche dem Besitzer des Civilversorgungsscheins die Rechte entzieht, weil er das 40. Lebensjahr erreicht oder überschritten hat. Der Staat macht daher seinen Invaliden Versprechungen, welche zu halten er sich nicht zur Pflicht macht...... Wenn das königliche Kriegsministerlum ein weiteres Interesse, an den Militär-Jnvaliden mcht nimmt, als denselben blos den| Civilversorgungsschein zu geben, und dann nicht darauf hält, daß die königlichen Behörden veranlaßt werden, denselben auch> immer zu berücksichtigen, sondern jeden Civilversorgungsberech- tigten seinem Schicksal überläßt, so steht nicht allein den Be- sitzern, sondern auch denjenigen, welche denselben noch erwerben wollen, ein recht trauriges Loos bevor, weil Keiner weiß, was ihm die Zukunft bringt. Die sämmtlichen Königlichen Behörden find angewiesen, die tischen Dörfer und an sonst noch alle die Greuel, die die Scham verbietet hier niederzuschreiben, und dann wage man noch zu sagen, Rußland sei berufen, als Befreier der unterdrückten Christen des Orients aufzutreten! Die Zahl der Opfer und die Art der Verwundungen hier in Rasgrad(doch das ist ein kleiner Theil) habe ich Ihnen ausführlich telegraphisch mitgetheilt. Wir wollen sehen, ob man uns gegenüber das abzuleugnen versuchen wird, was die Vertreter von elf Zeitungen hier mit eigenen Augen angesehen haben." Der Brief, welcher fast vier Wochen gebraucht hat, um nach Köln zu gelangen, hat um so mehr Beweiskraft, als der Schrei- ber im Anfange desselben seinen lebhaften Unwillen über die türkische Armeeleitung ausspricht, die, in Anbetracht der be- vorstehenden Aktion, so rücksichts— voll gewesen ist, die Herren Correspondenten außer Schußweite zu schicken. � Wir erwähnten oben des„Reichs- und Staatsanzeigers". Dieses einzige amtliche Blatt des Reichs brachte nämlich vor einigen Tagen einen angeblichen Protest des Times-Correspsn- deuten gegen die Echtheit seiner Namensunterschrift unter dem dekannten Dokument der Zeitungscorrespondenten über die von ihnen als Augenzeugen bekundeten Russengreuel. Und hinten- nach stellt sich heraus, daß der Protest unecht, die Unterschrift aber echt war! Man sieht, das Pech der russischen Russen hat Ansere deutschen Russen angesteckt. — Die Vereinignng Suleiman Pascha's mit der türkischen Hauptarmee unter Mehemed Ali Pascha ist vollzogen, und jeden Augenblick kann es nun zu einer Hauptschlacht kom- men. In unterrichteten Kreisen gilt das Schicksal des diesjäh- rigen Feldzags der Russen übrigens schon für besiegelt, und wird der Rückzug in die rumänischen„Winterquartiere" als sicher betrachtet. Ob„Väterchen" aus den„Winterquartieren" wieder herauskommen wird— wenigstens als Czar— dürfte sich einigermaßen fragen. — lieber die Volksversammlung der„Internationalen" zu New-Jork, welche von dem amerikanischen Correspondenten der„Frankfurter Zeitung" so schmählich verlästert worden ist, schreibt der Berichterstatter eines Blattes, das niemals Sympa- ckhien für die Sozialdemokratie ausgesprochen, sich aber, trotz aller Gegnerschaft, Unabhängigkeit des Urtheils zu bewahren gewußt hat: der„Vossischen Zeitung", wie folgt: „Auf dem Tompkins Square in Newyork hat am 25. Juni Abends das Meeting von den dortigen„Internationalen" und einigen anderen Arbeitergenossenschaften zu Gunsten der striken- den Eisenbahnarbeiter stattgefunden; zwei Rednerbühnen waren errichtet, auf der einen sprachen die Redner in englischer, auf der anderen in deutscher Zunge. Der Platz war durch Calcium- lichter erleuchtet und nur die Stelle, wo eine beträchtliche Menge Polizisten aufgestellt war, blieb dunkel. Im Ganzen mögen Wohl 5— 6000 Menschen anwesend gewesen sein, doch kam mit einer einzigen unbedeutenden Ausnahme keine Ruhestörung vor, Jeder beobachtete ein anständiges Betragen und alle Be- sorgnisse, welche man betreffs der Versammlung gehegt, erwiesen sich als grundlos. Der Redakteur der„Arbeiterstimme", Walster, ergriff zunächst das Wort und erklärte, Amerika sei noch bis vor wenigen Jahren als das Paradies der Arbeiter gepriesen worden, jetzt sei das anders. Heute hätten die Arbeiter aufgehört zu arbeiten, weil die Monopolisten ihnen nicht mehr das Recht zugestanden, soviel zu verdienen, wie sie zum Unter- halte ihrer Familien nöthiz haben. Ter Arbeiter müsse ein menschenwürdiges Dasein führen können, sonst solle er lieber aufhören zu arbeiten. Der nächste Redner war ein Herr Ale- xander Jonas, der daran erinnerte, daß vor etwa einem Jahre ein hervorragender Politiker das große Wort ausgesprochen, daß es in Amerika keine soziale Frage gebe. Das heiße also: In den Vereinigten Staaten sind die gesellschaftlichen Zustände und ist der Gang der industriellen Entwicklung der Art, daß Jeder, wenn er nur arbeiten will, eines menschenwürdigen Daseins sicher sein könne, soweit der Ausschluß materieller Roth dasselbe verbürgen kann. Dieses große Wort sei vor einem Jahre aus- gesprochen, als Elend und Roth schon ganz ungeheure Kreise ergriffen hatten, und zwar durch Carl Schurz, den heutigen Minister des Innern im Kabinet der Vereinigten Staaten. Um denken, um ihre Angelegenheiten, die doch schließlich die der ganzen Gesellschaft seien, vernünftig ordnen, um die Familie aufrecht erhalten zu können, dürften die Arbeiter sich nicht herabdrücken lassen zum Standpunkte des Lumpenproleta- riats und der Tramps, zum Standpunkte der Leute, welche auch Militär-Jnvaliden zu beschäftigen resp. anzustellen. Auch den Communal-Behörden, Eisenbahn Verwaltungen ec. sind die Mili- tär-Jnvaliden zur Berücksichtigung empfohlen. Alles dessen un- geachtet kommen speziell die Königlichen und Communal-Behör- den diesen Weisungen am wenigsten nach. Es kann nachge- wiesen werden, daß speziell die Königlichen Eisenbahn-Direktionen oder Direktionen der Staatsbahnen fast>/, nicht anstellungsbe- rechtigter Personen beschäftigen. Der Unterzeichnete suchte auch um Beschäftigung bei der Königlich Saarbrücker Eisenbahn nach, wurde aber ablehnend beschieden; als hierauf der Gesuchsteller sich persönlich zu dem Vorsitzenden begab und ihm gegenüber erklärte, daß doch soviel Nichtanstellungsberechtigte beschäftigt seien, es daher wohl nicht allein Pflicht, sondern auch Bestim- mung sei, Militär-Jnvaliden vorerst zu berücksichtigen, erhielt er zur Antwort:„Wenn Ihnen das nicht paßt, so können Sie sich beschweren." Diese Herren wissen aber schon im Voraus, daß sie ein Vorwurf dieserhalb nicht treffen wird, da die mannich- fachen Hinterthüren zu den Bestimmungen zur Genüge Gelegen- heit bieten, eine derselben zur Flucht zu benutzen. In einem Schreiben, welches der Unterzeichnete erhielt, vom Königl. Kriegs- und Handels-Ministerium unterschrieben, wie ein ferneres Schrei- ben an denselben vom Königlichen Justiz- und Ministerium des Innern unterschrieben, wird die Berücksichtigung seiner Gesuche um Anstellung im Ressort des Handels- und Ministerium des Innern vollständig abgelehnt. Wenn daher die Befugnisse der Ministerien soweit gehen, einem Militär-Jnvaliden seine gerechten Ansprüche in dem ganzen Reffort zu entziehen, wo soll der Besitzer des Civilver- sorgungsscheins Anstellung resp. Beschäftignng finden? Der Ci- vilversorgungsschein ist demnach vielfach ein werthloses Stück Papier. Besser wäre es gewesen, man hätte den Soldatenberuf nie gewählt, das Vertrauen würde dann wenigstens nicht er- schüttert worden sein. Wie gestalten sich aber im nachstehenden Falle die Verhält- nisse? Der Feldwebel a. D. Hanöver zu Coblenz, welcher sich mit Behörden resp. mit dem Ministerium überworfen, erhält in allen seinen Antwortschreiben auf Anstellungsgesuche die Be- merkung, daß er die eine oder andere Behörde verklagt habe und infolge dessen keine Berücksichtigung finden könne? Wie rechtfertigt sich üi den nachstehenden beiden Fällen der Aussteller des Civilversorqungsscheins resp. die Königlichen Behörden? ein Produkt der heutigen Gesellschaftsverhältnisse, auch ein Opfer der industriellen EntWickelung, erst ausgebeutet und dann auf's Straßenpflaster geworfen seien und die heute morden und bren- nen und plündern. Der Redner schloß mit der Bemerkung, daß er auf die vielen Bravos und Cheers gar nichts gebe, weil den- selben doch die That, nicht die des Aufruhrs, sondern die viel mehr Verständniß, Muth und Ausdauer fordernde der Or- ganisation nicht folge.— Ein Cigarrenmacher Winter legte in seiner Rede das Hauptgewicht darauf, daß die Abänderung des gegenwärtigen Produktionssystems nothwendig sei und daß der Arbeiter, so lange der alte Zustand bleibe, immer vom Kapital abhänge. Er schloß mit einer donnernden Philippika gegen die dem Communismus feindlich gesinnten Blätter. Aehnlich sprachen sich auch die englischen Redner aus. Während der Versammlung war alles ruhig, nach der Ver- tagung derselben kam es aber doch noch, als der Platz ge- räumt werden sollte, zu einem Conflikte, bei welchem auf beiden Seiten mehrfache Verwundungen vorfielen, indessen gelang es der Polizei bald, die Squares von den Menschenmengen zu säubern." Dieser Bericht zeigt, daß unsere Parteigenossen bei dieser Gelegenheit durchaus die Hältung eingenommen haben, die ihnen als Sozialdemokraten geziemt. Daß die Ruhestörungen nach der Versammlung nicht unseren Genossen, sondern wahrschein- lich der, andernorts ja auch im Unordnungmachen sehr starken, Polizei Schuld zu geben sind, erhellt sogar aus obigem Bericht._ — Die„Berliner Freie Presse" erfreut sich nach wie vor der zuvorkommendsten Aufmerksamkeit seitens Tessendorfs. Obenan steht als besonderes Merkmal dieser Aufmerksamkeit eine indirekte Majestätsbeleidigung, mit der unser Berliner Parteiorgan beehrt worden ist. Selbsttedend spielt auch der§ 130, der nur der Sozialdemokratie wegen fabrizirt worden ist, in den prozessuali- schen Renconters Tessendorfs mit der„Berliner Freien Presse" eine Rolle. Es kommen hierzu wohl ein Dutzend Polizeibelei- digungen, eine Religionsschmähung und, um das Sündenregister voll zu machen, figuriren auch etliche Privatbeleidigungen in dem Prozeßconto der„Berliner Freien Presse". Allen Respekt vor diesem„Kampf mit geistigen Waffen". — Verurtheilt. Soeben geht uns die Mittheilmig zu. daß die Genossen Kaulitz und R. Hackenberger von dem Gericht in St. Johann jeder zu llVe Jahren Gefängniß verurtheilt worden sind. I. An die Redaktion der„Frankfurter Zeitung". Hamburg, den 7. August. In der Beilage Nr. 215 Ihres geschätzten Blattes vom 3. August d. I. bringen Sie unter„Zum Abschluß" eine längere Auseinandersetzung über die vom„Vorwärts" gegen Ihre Zeitung veröffentlichten Artikel in Sachen der französischen Republik. In dieser Ihrer Auseinandersetzung kommen Sie nun auch auf eine früher in Ihrem Blatte enthaltene Aeußerung zurück, wonach Sie unseren Blättern anrathen, weniger die Spalten der „Frankfurter Zeitung" zu plündern, und den„Führern" der so- zialistischen Arbeiterpartei nahe legen, Hilfe von Ihnen, den eigennützigen Bourgeois, weniger in Anspruch zu nehmen. Auf den im„Vorwärts" aufgetauchten Zweifel, daß Sie unter der„Hilfe" noch etwas anderes als das„Plündern" Ihrer Spalten verstehen, antworten Sie nun in der oben citirten Bei- läge, die Verniuthung des„Vorwärts" sei richtig, Sie hätten damit zu verstehen geben wollen, daß es ungemein unschicklich sei, diejenigen zu schmähen und zu höhnen, welche es, natürlich um der Sache willen, an Gefälligkeiten für die sozialistische Partei bei Gründung und Verbreitung ihrer Blätter und in der Wahlagitation nicht haben fehlen lassen. Sie fügen dieser Ihrer Behauptung noch die Bemerkung bei, daß bei einer Um- frage in der Partei der Verfasser des Artikels„Nieder mit der Republik" mancherlei Aufschlüsse über solche„nachbarliche Dienste" erhalten würde und fragen dann:„Eine Spezifikation ist wohl nicht nöthig?" Sie werden es begreiflich finden, daß wir durch diese Ihre Ausführungen auf's Höchste überrascht wurden. Als auf dem vorjährigen Sozialistencongreß in Gotha von Seite eines Telegirten aus Frankfurt ebenfalls die Behauptung aufgestellt wurde, daß eine Reihe unserer Blätter wie auch be- kannter Parteigenossen Subventionen von Herrn L. Sonnemann 1) Der Sergeant Puhl der 9. Compagnie des Kaiser-Franz- Grenadier-Regiments, welcher noch in Activität, ist ebenfalls Besitzer des Civilversorgungsscheins. Derselbe bewarb sich in Berlin um verschiedene Stellen. Selbst sein Regiments-Com- mandeur empfahl diesen Mann auf das Wärmste, nichts desto weniger erhielt derselbe von den Behörden die Antwort, daß er infolge seines Alters nicht berücksichtigt werden könnte. Dieser Mann ist aber erst 36 Jahre alt. 2) Der Feldwebel a. D. Stoltefuß des 3. Garde-Regiments zu Fuß zu Hannover trat mit dem 20. Lebensjahre in den Militärdienst, nachdem er die Feldzüge 1861/66 mitgemacht, diente er mit den Kriegsjahren 21 Jahre, als er aus dem Militärdienste trat, war er 41 Jahre alt. Derselbe erhielt bei seinem Austritt 15 Thlr. Pension, weil sein Gesundheitszustand ihm nicht erlaubte von dem Civilversorgungsschein Gebrauch zu machen. Nach 1'/,— 2 Jahren stellte man den p. Stoltefuß wieder vor eine ärztliche Commission. Hier entschied dieselbe daß der P. Stoltefuß wieder soweit hergestellt sei, um eine Stelle bekleiden zu können. Man reduzirte daher seine Pension auf 7 Thlr. und gab ihm in seinem 43. Lebensjahre noch den Ci- vilversorgungsschein. Derselbe reichte nun seine Gesuche ein, erhielt jedoch allseitig den Bescheid, daß er zu alt sei. Was soll dieser p. Stoltefuß nun mit dem Papier machen, wenn er dasselbe nicht verwerthen kann? Jedenfalls sollte doch der Besitz des Civilversorgungsscheins die entzogenen 8 Thlr. ersetzen. Solche Handlungen sind nicht dazu angethan, Vor- liebe für den soviel gepriesenen Unteroffiziersstand hervorzurufen. Alle Vor- und Unteroffiziersschulen können nichts dazu beitragen und dürfte lediglich der Grund des Mangels an Unteroffizieren nur in den vorgedachten Mißständen zu suchen sein. Didem, Feldwebel a. D. — Vor wenigen Tagen ist in Berlin, so erzählt die„Vossische Zeitung", ein Mann m der Blüthe der Jahre gestorben, der in ge- wissem Sinne ein Original gewesen und besonders den Bewohnern im östlichen Stadttheil sehr gut bekannt war. In eleganter Kleidung und Wäsche, bewaffnet mit einem riesigen Knotenstock und zeitweile in hohen Kanonenstiefeln, durchwanderte der„Baron"— unter dieser Bezeichnung ist er Vielen bekannt— rastlos von früh bis fpät die Straßen, stets rauchend und in Destillationen ausruhend. Der Mann hatte etwas Besonderes an sich, und seine Lebensgeschichte ist ebenso absonderlich. Aus einer vornehmen und Hochangesehenen Familie am Rhein stam- mend, Erbe eines Vermögens von 300,000 Mark, war der gebildete f erhielten, wiesen sowohl die Vertreter der genannten Blätter wie auch die betreffenden Parteigenossen diese Behauptung zurück und täuschen wir uns nicht, so erklärte damals Herr Sonnemann in der„Frankfurter Zeitung", daß die Angaben des Frankfurter Delegirten falsch seien, und daß es sich so verhalte, wie die an- gegriffenen Personen auf dem Congreß erklärt hatten. Zur Zeit des vorjährigen Sozialisten-Congresses waren also die von Herrn L. Sonnemann resp. der„Frankfurter Zeitung" der sozialistischen Partei oder deren einzelnen Führern erwiesenen „Gefälligkeiten" nicht derart, daß sie über den Rahmen der zwischen allen in gewissen Fragen sich näher stehenden Parteien üblichen Beziehungen hinausgingen. Die„Gefälligkeiten", auf die Sie sich beziehen, müssen also im Laufe dieses Jahres er- wiesen worden sein und überrascht uns dies um so mehr, als auf dem vorjährigen Congreß von allen Seiten darauf hingewiesen wurde, daß derartige Gefälligkeiten unter allen Umständen der sozialistischen Partei zum Schaden gereichen. Da Sie nun in Ihrem Artikel„Zum Abschluß" fragen, ob Spezialitäten gewünscht werden, so sieht sich das unterzeichnete Central-Wahlcomite der sozialistischen Arbeiterpartei veranlaßt, Namens der Partei diese Frage zu bejahen.— Ob Angehörige unserer Partei, uneingedenk der vorjährigen Congreßverhandlungen,„Gefälligkeiten" seitens der„Frankfurter Zeitung" erbeten und dieselben erhalten haben, oder auf was sonst sich Ihre Behauptungen stützen, auf alle Fälle kann ein offenes Darlegen des Sachverhalts der Ehre unserer Partei nur uträglicher sein, als Ihre versteckten Behauptungen und An- eutungen. Wir bedauern, daß um eines, unserer Meinung nach, sehr unwesentlichen Anlasses willen, das bisherige gute Verhältniß zwischen der„Frankfurter Zeitung" und dem„Vorwärts" so unliebsam gestört wurde, aber nachdem die Sache einmal so weit gediehen ist, halten wir es für das beste, wenn über alle Be- Ziehungen zwischen Ihnen und unserer Partei völlige Klarheit waltet. Daß Ihre Andeutungen der ganzen Meute der uns feind- lichen Presse gewünschte Gelegenheit bietet, über die Sozial- demokraten herzufallen, ist wohl selbstverständlich, und da auch in den Reihen unserer Genossen Zweifel entstehen werden, so ist es schon um des letzteren Grundes willen unsere Pflicht, Sie zu ersuchen, die angedeutete Spezifikation eintreten zu lassen. In der Hoffnung, daß Sie unserem Ersuchen baldigst nach- kommen, verbleibt Hochachtungsvoll das Centtal-Wahlcomitö der sozialistischen Arbeiterpartei: G. W. Hartmann. H. Braasch. Aug. Geib. C. Derossi. I. Auer. II. An das Central-Wahlcomitö der sozialistischen Arbeiterpartei. Frankfurt a. M., 17. August 1857, Sehr geehrter Herr! Auf die Zuschrift des Central-Wahlcomitss der sozialistischen Arbeiterpartei vom 7. d. Mts. haben wir Ihnen zu erwidern, daß wir selbstverständlich in der Lage sind, unsere Behauptungen ausrecht zu erhalten und zu beweisen. Da dieselben jedoch in der„Frankfurter Zeitung" erschienen sind, so sehen wir uns zu unserm Bedauern außer Stand, Ihrem Ersuchen auf privatem Wege zu willfahren. Die Redaktion der„Frankfurter Zeitung" kennt nur den Weg der Oeffentlichkeit und kann darum als solche auch nur einem auf dem Wege der Oeffentlichkeit an sie ge- langten Reklamations- Verfahren eine entsprechend Berücksichtt- gung zu Theil werden lassen. Hochachtungsvoll Die Redaktion der„Frankfurter Zeitung". Otto Hörth. Wir erwarten nun seitens der„Frankfurter Zeitung" Wei- teres. Correspoudenzen. Schleswig, 2. August. Wie wir aus der Parteipresse er- sehen, wird die Verfolgungswuth gegen unsere Partei immer stärker und die Verurtheilungen und Maßregelungen folgen immer schneller aufeinander, so daß man beinahe versucht wird, zu glauben, daß in dieser Beziehung die„geheimen Jnstruk- tionen" neben den Gesetzesparagraphen eine wichtige Rolle svielen. Daß man bei den Verurtheilungen gegenüber unserer Partei stets daß höchste Strafmaß in Anwendung bringt, ist Cavalier vor etwa 15 Jahren in die Armee getreten. Eine unbezwing- liche Liebe zum„Schnaps" brachte den jungen talentvollen Offizier bald zu Falle, er mußte seinen Abschied nehmen und seine Verwandten sahen sich- schließlich genöthigt, den Bedauernswerthen unter Curatel stellen zu lassen, um sy mehr, als er eine unbegrenzte Gutmüthigkeit gegen seine Mitmenschen an den Tag legte und jedem Hilfsbedürftigen mit vollen Händen beisprang. Da der Trunk den Mann immer mehr beherrschte, so hielten die Verwandten aus Rücksichten auf die Familie es für wünschenswerth, ihn aus seiner Heimath zu entfernen. Bor Jahren kam er nach Berlin. Hier ward nun, was ja die Zinsen seines großen Vermögens gestatteten, in der nobelsten Weise für ihn gesorgt. Er er- hielt freie Wohnung, Station, Wäsche, Kleidung, selbst Cigarren und holte sich täglich an einer bestimmten Stelle 2 Mark 50 Pfennig zur Befriedigung seines Durstes. Der Vermittler war streng angewiesen, niemals mehr— etwa vorschußweise— an den„Baron" zu zahlen. Diese Emolumente waren immer noch so anständige, daß der Mann seine Neigung zum Trünke in Bier, selbst in Wein hätte befriedigen können. Er zog es aber vor, mit Dienstleuten, armen Gesellen und Arbeitern sein baares Einkommen zu theilen und Liqueur zu trinken. War seine Kasse erschöpft, so ging er, mit seinem Stock Kreise in der Luft beschreibend, spazieren, erhob am nächsten Morgen seinen Decem wieder, um ihn wieder mit Armen zu vertrinken, und so ging es jeden Tag. Niemals hat Jemand gehört, daß der Bedauernswerthe auch nur entfernt excedirt hätte, immer blieb er der„Cavalier". Seine Erschei- nung auf der Straße war immer noch eine sehr stattliche. Vor we- nigen Tagen ist er in einem hiesigen Krankcnhause im Alter von etwa 37 Jahren verstorben. Seine Leiche ist von den Verwandten und Erben nach der Heimath übergesührt worden. — Einen Beleg für die vielseitige Verwendbarkeit der Polizei liefert folgendes Faktum. Die in der„Walhalla" zu Berlin gastirende Sängerin Frau Ravens hatte vor Kurzem den Wunsch, ihr 7jähriges, höchst schüchternes Söhnchen, welches in Coblenz in Pension war, zu sich zu nehmen; sie vermochte aber aus ihrem Gastspiel- Engagement nicht abzukommen, und wandte sich dieselbe an die könig- liche Polizei- Direttion in Coblenz mit dem Ansuchen, ihr den Sohn durch einen Beamten in Civil auf ihre Kosten nach Berlin zu senden. Umgehend erfolgte auch die Antwort des dortigen Polizei- Inspektors Brockhaus, wonach auf Frau Ravens'S Wunsch ein Schutzmann in Civil ihren Sohn begleiten sollte. Da die angesetzten Kosten äußerst gering waren, so ging Frau Ravens erfreut auf dieses freundliche An- erbieten ein und empfing vor einigen Tagen ihr wohlbehalten ange- kommenes schüchternes Kind. Daß Polizeibeamten so gefällig sind. Km- der von Sozialisten zu tran-portiren, haben wir noch nicht geHort, oa- gegen haben wir uns sagen lassen, daß sie schon manchmal oeren Eltern auf den Weg gebracht haben. uns längst nicht mehr auffallend, müssen uns aber darüber wun- die Herren Aktionäre den„Entbehrungslohn"— für die Ar- eine Versammlung und vor 7 Wochen in B ockau. Man sieht,- dern, daß man noch nicht zu der Einsicht gelangt ist, daß hier- beiter den Hungerlohn. Eine nette Gesellschaftsordnung das, durch gerade das Gegentheil von dem erreicht wird, was man diese Bourgeoisgesellschaftsordnung! Nicht wahr? anstrebt. Vor einiger Zeit fand auch hierorts eine Verurthei- Erfurt, 3. August. Am 21. vor. Mts. hielt Genosse Klute lung statt, dieselbe war nun zwar nicht direkt gegen uns ge- in einer zu diesem Zweck einberufenen Versammlung eine Ab- richtet, aber an der Höhe des Strafmaßes, welches bei derselben � schiedsrede vor seiner Uebersiedelung nach der Niederlausitz. angewandt wurde, schien es uns doch, als ob man uns einen Stein in den Weg legen wollte. Der Vorgang ist folgender: Am letzten Neujahrstage hielten wir in Haholm, einem in der Umgegend Schleswigs belegenen Dorfe eine Volksversammlung ab, welche sehr gut besucht war und woselbst unser Reichstags- candidat S. Heinzel referirte. Da wir nun in dieser Gegend trotz aller Mühe kein Lokal auftreiben konnten, indem die Gast- wirthe von unseren liberalen„Freunden" beeinflußt, und aus Furcht vor polizeilicher Maßregelung uns dieselben verweigerten, so erbot sich ein Mann in obengenanntem Dorfe, unS zu diesem Zwecke sein Haus einräumen zu wollen, welches Anerbieten wir auch mit Freuden annahmen. Aber die Verfolgungen sollten nicht ausbleiben. Der freundliche Mann war nämlich denuncirt worden, daß er bei der in seinem Hause abgehaltenen Versamm- lung Getränke gegen Zahlung ausgeschenkt haben sollte, die An- klage wurde gegen ihn eingeleitet und seine Verurtheilung zu 43 Mark Strafe und 18 Mark Unkosten erfolgte bald darauf. Unsere Gegner freuen sich sehr über diese Verurtheilung, sie glauben, dieselbe würde unsere Agitation in diesem Bezirke für immer lahm legen, daß sie aber gewaltig im Jrrthum sind, wer- den sie später erfahren. Was nun die öffentliche Agitation hier am Orte betrifft, so ist dieselbe ganz unmöglich, indem uns schon seit drei Jahren kein Lokal zur Verfügung steht. Die Wirthe sind noch immer dermaßen beeinflußt, daß sie uns ihre Lokale selbst gegen eine ihnen von uns gebotene Miethe von 12 Thlrn. pro Abend verweigerten. Wir sind also somit nur auf die pri- vate Agitation angewiesen, und obwohl dieselbe aucb sehr er- schwcrt wird durch die Beeinflussung von Oben, so oürfen und wollen wir nicht nachlassen in der„Wühlerei" und sollten auch unsere Gegner, besonders die Nationalliberalen, hierüber aus der Haut fahren wollen und ihr Leiborgan, die„Schles- wiger Nachrichten", die Sozialisten noch so sehr verläumdcn, daß soll uns wenig kümmern. I. B. Königsberg i.?r., 14. August. Gestern Abend hatte hier eine zahlreich besuchte Volksversammlung statt, in welcher über die Begründung einer sozialdemokratischen Zeitung am hie- sigen Orte gesprochen wurde.— Herr Julius Kräcker aus Breslau referirte über die Angelegenheit, indem er in längerer, sehr klarer und die Aufmerksamkeit der Zuhörer in hohem Grade fesselnder Rede zuerst die Nothwendigkeit eines sozialdemokra- tischen Preßorgans für Königsberg und die Provinz Preußen nachwies und dann den Plan des Unternehmens darlegte. Hier- nach wird vom 1. Oktober d. I. ab in unserer Stadt die „Königsberger Freie Presse" herausgegeben werden. Das Blatt erscheint wöchentlich einmal, erhält als Beilage die„Neue Welt" und kostet mit dieser, durch die Post bezogen, pro Qnar- tal 1 Mark 50 Pfg.— Die Versammelten nahmen Herrn Kräcker's Auseinandersetzungen und Mittheilungen mit Enthusias- mus auf, am Schluß meldeten sich verhältnißmäßig Viele zum Vertheilen des Prospektes und die ganze Haltung der Versamm- lung läßt das Beste für das Unternehmen hoffen. Möchte das bei dieser Gelegenheit hoch anzuerkennende Entgegenkommen der Breslauer Parteigenossen bei den Sozialdemokraten Königsbergs und der Provinz Preußen einen lauten, durch Opferfreudigkeit ."nd Energie getrageneü Wiederhall finden. Schweidnitz, 30. Juli. Am 21. d. Ms. fand hier die erste von 4 bis 500 Personen besuchte Volksversammlung statt, in welcher Genosse Kühn über die Lage des Arbeiterstandes und über die Bestrebungen der Sozialdemokratie in längerer Rede referirte. Die Versammlung verlief gnt. Am 28. d. hielten wir eine zweite Versammlung ab, um die Verdrehungen des hiesigen Stadtblattcs über den Verlauf der ersten Versammlung zu wider- legen. Die Tagesordnung lautet: 1)„Diskussion über den Kühn'schen Vortrag vom 21. d.; 2) Bericht des„Schwcidn. Stadtbl." über die letzte Versammlung; 3) die verschiedenen politischen Parteien der Gegenwart und die Stellung des Kleinbürgerstandes." Gegner und insbessndere den Redakteur des„Schweidn. Stadtbl." hatten wir auf den Plakaten besonders eingeladen, worauf auf Veranlassung des Redakteurs gedruckte Circulärs an die Fabri- kanten in Schweidnitz und der Umgegend gesandt wurden, in welchen dieselben gebeten wurden, mit ihren Buchhaltern, Comptoiristen, Werkführern und jedenfalls auch mit Arbeitern zu erscheinen, um das Bureau in ihre Hände zu bekommen und die Redezeit auf 20 Minuten zu beschränken, was ihnen auch gelungen ist. Kühn mußte sich infolge dessen mit beschräntter Redezeit achtmal gegen acht gegnerische Redner wenden und er that es nicht ohne Erfolg. Die Versammlung war von 1200 bis 1500 Personen besucht. M. G. Atzsa«, 14. August. Die am hiesigen Orte zahlreich ver- tretenen Cigarrenarbeitcr sind von einer Arbeitsaussperrung bedroht, und namentlich ist es der Cigarrenfabrikant Deter, der sich mit dem Plane trägt, seine Arbeiter auf das Pflaster zu werfen, wenigstens ließ er am 4. August durch Anschlag in den Arbeitssälen bekannt machen, daß seine Fabrik am 18. d. M. geschlossen werden würde. Und welches ist der Grund zu dieser Maßregel?— weil die hiesigen Cigarrenarbeitcr sich erdreistet Die Versammlung war stark besucht. Klute gab ein Bild von seiner agitatorischen Thättgkeit in Sachsen und Thüringen und meinte, daß der Sozialismus in Thüringen 125 Prozent und in der Stadt Erfurt nahezu 100 Prozent an Anhängern gewonnen habe. Nachdem Klute seine Rede geschlossen, forderte der Vor- daß der hiesige Wahlkreis anfängt für die Sozialdemokratie reif zu werden, und wir werden fortfahren, unsere Bestrebungen mehr und mehr dem Volke gang und gäbe zu machen. G. M. Berichtigung. Der in Nr. S5 an die Parteigenossen der Provinz Preußen gerich- tete Aufruf enthält in Bezug der Wohnung des Hrn. Kräcker eine Unrichtigkeit. Dessen Adresse ist nicht wie irrthümlich angegeben: .Niederrollberg 17 1." fondern„Unterrollberg 17 1 Treppe" und wird. E. I. Würzburg, 10. August. Vor dem hiesigen Militärgerichte hatte sich vor einigen Tagen neuerdings ein aus Preußen be- zogener Muster-Unteroffizier, der Vicc-Feldwcbel Wilhelm Stein- metz des 5. Jnfanterie-Regiments, wegen einer stattlichen Reihe von Soldaten-Mißhandlungen zu verantworten. Die VerHand- lung brachte recht bezeichnende Vorfälle ans Tageslicht, und drängte sich dem Zuhörer die Ueberzeugung auf, daß manches Vorkommniß in der Wirklichkeit krasser gewesen, als es sich hier in den Aussagen der mißhandelten Soldaten, von denen sämmtlich der militärische Leumund verlesen wurde, widerspiegelte. Die zur Genüge bekannten und nicht allein in der preußischen Armee üblichen Ausdrücke, welche der Angeklagte gebraucht hatte, wie: „Schweinehund",„Sie Saukerl, machen's die Knochen zusammen", „Sie Sauknochen":c., mußten diesmal unbedingt in den Hinter- grund treten vor der höhnischen, ironischen und grausamen Be- Handlungsweise, welche der Angeklagte den elf vernommenen Soldaten hatte zu Theil werden lassen. Einer derselben, der bei der Einübung von Ehrenbezeigungen nicht rasch genug be- griffen hatte, war von ihm mit einem kräftigen Faustschlage ans Ohr, der eine Blutung und achttägige Schmerzen herbei- führte, sowie mit Würgen am Halse beoacht worden. Beim Turnen trieb es der Angeklagte noch ärger. Aehnlich wie man Pferden, Hunden und Affen Kunststücke beibringt, stand der Vice-Feldwebel mit dem Stock in der Hand am Springbrett, den voltigirenden Soldaten Stockstreiche ertheilend. Einen der- selben, der die Hand nicht recht auf den Sprungkasten gelegt hatte, schlug er mit dem Säbel auf die Hand und das Hand- gelenk, so daß der Mißhandelte aus Schmerz zu weinen anfing und die Hand hoch anschwoll. Als der Soldat kaltes Wasser überschlagen wollte, schlug er ihn von neuem darauf mit der Frage:„Soll ich noch mehr Ueberschläge machen?" Einmal meldete ihm ein Soldat, welcher den Sprung mit der größten Anstrengung gemacht, daß er sich wehegethan, mußte indeß ohne Erbarmen abermals springen. Auf Simulation konnte indeß die Angabe des Soldaten nicht zurückgeführt werden, denn es wurde von ärztlicher Seite ein Leistenbruch constatirt und der also Beschädigte als dienstuntauglich mit 6 Mark Pension per Monat aus dem Heere entlassen. Auch der blanke Säbel wurde von dem Angeklagten bei diesen Turnübungen öfters in Berührung mit dem Hintertheile der Soldaten gebracht, natürlich stets nur aus übergroßem Diensteifer und ohne jede böse Absicht. Einmal befand sich der Angeklagte auf der Wache, als er einen Hör- nisten, der auf einer Bank schlief, nach Mitternacht aufweckte und demselben— nachdem dieser sich in Achtung hingestellt hatte— einige Ohrfeigen versetzte, und zwar zu dem Zwecke, „um zu untersuchen, ob der Hornist nicht Tabak kaue." Das gefährlichste, wenn auch in der Folge für ihn unschädliche Ma- növer führte er indeß einem Wachposten gegenüber aus, dem er das Gewehr abnehmen wollte. Der Angeklagte war nämlich auf Wache gewesen, hatte aber das Commando abgegeben und die halbe Nacht in einem Wirthshause verbracht. Als er heim- ging wollte er den Posten visitircn und verlangte von demselben, daß' er ihm das Gewehr überreichen sollte, was dieser jedoch mit Recht ablehnen zu müssen glaubte. Nun zog der Angeklagte seinen Säbel, stieß ihn dem Posten sechs- bis siebenmal auf die Brust, was dem Manne große Schmerzen verursachte, wollte ihm das Gewehr entreißen und schüttelte den Soldaten derart, daß ihm der Helm vom Kopfe fiel— alles dies nur, um zu �ehen,„ob der Posten seiner Aufgabe gewachsen war." Alle übrigen Mißhandlungen führte der Angeklagte auf seinen„über- großen Diensteifer" zurück. Das Urthcil lautet, gelinde genug. auf 4 Monate und 8 Tage Gefängniß, wovon überdies die Untersuchungshaft abzurechnen ist. Iihanngeorgenstadt, 14. August. Am letzten Sonntag refe- rirk Genosse Wiemer aus Chemnitz in einer zahlreich besuchten Volksversammlung Hierselbst. Die Versammlung wurde dadurch höchst interessant, indem der Reichstagsabgeordnete Holzmann dem Referenten entgegentrat. Unser Rcichsbote vom 21. sächs. Wahlkreise machte jedoch gewaltiges Fiasko, da seine ganze Rede zum großen Theil aus den Broschüren Unruh's und Schuster's abgelesen worden war. Wiemer geißelte ein solches Verfahren auf's schärfste und vertheidigte unter stürmischem Beifall der ,,_____________________.... Anwesenden die Ziele der Sozialdemokratie, die der Abgeordnete haben,' in größerer Anzahl dem Allgemeinen deutschen Tabak- Holzmann zu verunglimpfen versucht hatte. Als Wiemer in arbeiterverein beizutreten. Es handelt sich also um die Hinter- Folge heftigen Unwohlseins— er kam an diesem Tage von treibung einer Organisation der Arbeiter. Die Fabrikanten Ansprung bei Zöblitz und mußte den 23/i Postmeilen vom Bahnwissen eben, daß sich mit unorganisirten Arbeitern leichter um- hos zu Eibenstock bis Johanngeorgenstadt betragenden Weg in springen läßt als mit organisirten. Die Arbeiter dagegen haben 23/« Stunden zurücklegen, um noch rechtzeitig zu kommen— den es satt, ferner das willenlose Werkzeug ihrer Arbeitgeber abzu- Saal verlassen mußte und Herr Holzmann eine weitere Rede geben; es dürfte sich daher ein harter Kampf entspinnen, wenn begonnen hatte, entfernte sich der größte Theil der Anwesenden. die Fabrikanten bei ihren Sprengungsgclüsten beharren sollten. Herr Holzmann soll in seiner letzten Rede, die in Folge ent- Die Arbeiter haben an dem Allgemeinen Tabakarbeiterverein standenen Geräusches nicht verstanden wurde, erklärt haben, in einen starken Rückhalt, es ist daher bei einigem Ausharren der einer späteren Versammlung mit Wiemer weiter debattiren zu Arbeiter leicht möglich, daß die Fabrikanten zum Nachgeben wollen, was uns sehr angenehm sein soll, da die Richtigkeit der gezwungen werden könnten. Für den Fall der Aussperrung, � liberalen Grundsätze durch nichts besser dokumentirt werden kann, worüber noch Kenntniß gegeben wird, sind Unterstützungen an als durch Holzmann'sche Reden. Wiemer, der so manchen Ort Herrn Paul Zimmermann, Briegerstraße bei Kristen zu im sächsischen Erzgebirge für die Partei gewonnen hat, wird senden. i nicht verfehlen, dem Herrn Holzmann die Lust zu benehmen, sich Kakverkadt, 13. Juli. Zum Kapitel vom„Entbehrungs-! noch öfter in Versammlungen zu zeigen. lohn" kann ich einen kleinen, aber doch sehr sprechenden Beitrckg Ebemnih, 18. August. Gestern Nachmittag wurde Assessor liefern. Mein Gewährsmann ist das hiesige Jntelligenzblatt, Böhmer zu zwei Jahren Zuchthaus, 300 Mark Geldstrafe und welches sich aus Wasserleben über den Betrieb der dortigen dreijährigem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und in die sitzende Arnold die Anwesenden auf, durch Erheben von ihren°lle Briefe und Gelder in Angelegenheit der„Königsberger Sitzen dem scheidenden Genossen ihre Anerkennung für dessen ���"7?7 Thättgkeit auszudrücken. Klute lehnt diese Ehrenbezeigung mit Königsberg, 17. August 1877. �»ugsee.mmission dem Bemerken ab, daß ihm am besten durch festes Zusammen-- Znmngscpmm,„.o». halten der Sozialisten Thüringens gedankt sei. Klute hat hier Brieflaste« ein gutes Andenken hinterlassen, und wir sind überzeugt, daß er der Redaktion. Correspondent in Limbach: Der Bericht ist wärt- auch in der Niederlausitz bald ein gern gehörter Redner sein lich bereits in der„Chemnitzer Freie Presse" erschienen.- W. in St. Johann: Schreiben vom 18. d. ist mit abgesprungenem Siegel ein-- getroffen. Quittung. Grstmr München Ab. 50,00. Frnkl Pest Ab. 45,53. Knrk Luze Ab. 5,67. Thm hier Ab. 1,50. Grllnbrgr Nürnberg Ab. 200,00. Mckns Düsseldorf Ab. 8,00.«r Bockenheim«b. 7,40. Strm Kirchhelmbolanden Schr. 0,85. Hd Aschersleben Schr. 0,50. Fckr Langendiebach Schr. 25,00. Gnthr Worms Schr. 6,00. Spring Eilen- bürg Schr. 1,80. Rxckr Altenberg Schr. 5,00. Wßmr lkinzigmühle Schr. 0,70. Ullrch Ulm Schr. 7,50. Stmlr Hanau Schr. 28,20. Grßr Reichenau Schr. 2,00. Sonntag, den 26. August, Nachmittags 3 in den Lokalitäten des„Schützenhofes"' zu Bornhcim: Erstes Längerfest des Mainzau Arbeiter-Sängerbundes. Alle Arbeiter-Gesangvereine des Marngaucs sind hierzu fteund- lichst eingeladen. Das Comits. f3,3C Groitzsch. Attienzuckerfabrik, eine der bedeutendsten in der Provinz Sachsen, mittheilen läßt, daß den Aktionären genannter Fabrik wiederum eine bedeutende Dividende von 51,5 Proz. gezahlt wird. Die auf 1000 Thalcr lautenden Aktien erhalten>omit außer den 5 Proz. Zinsen— 50 Thaler noch 515 Thaler Dividende, in Summa also 565 Thaler. Nicht wahr, bei diesem„Entbehrungs- Kosten verurtheilt. Das Bergchen, welches dieser Erzfeind der Sozialdemokratie sich hat zu Schulden kommen lassen, besteht in ungesetzlicher Aneignung fremden(Staats-) Eigenthums. Böhmer hat sich nämlich von der Sportelkasse Diäten und Reisekosten auszahlen lassen für Dienstreifen, die er gar nicht gemacht hat. SchwurzenSerg(21. sächsischer Wahlkreis), 13. August. Gestern Sonntag, den 26. August, in den Lokalitäten ,Zur grünen Aue": Gropes Arbeiterfest bestehend in Festzug vom Schießhaus Punkt>/z3 Uhr, Coucert, Fest- rede gehalten von Bruno Geiser aus Leipzig und Ball, wozu wir Partei- und Gesinnungsgenossen von nah und fern freundlichst ein- laden.(2b)(2,70- DaS Comitö. I. A.: Arnold Schubert. Arbeiter Berein. �UtU[CU. Donnerstag, den 23. August, Abends S'/s Uhr, in Burmcister's Salon: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Vorttag des Hrn. Max Stöhr. Aufnahme von Mitgliedern in jeder Versammlung. F. Hecrhold. (80- Die Neue Welt. Jllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. Abonnementspreis vierteljährlich M. 1,20. In Heften(3 Wocheu-Nnmmern enthaltend) ü 30 Pf. Inhalt der Nr. 33(17. August 1877): Ein sonnenloses Leben. Feder' zeichnung nach der Namr von Ernst von Waldow.(Fort- setzung.)— Die Schutzpockenimpfung. Von Dr. Carl Resau.(Fortsetzung.)— Zum Kapitel von der Freiheit der Wissenschaft. Von Dr. M. N.— Moderne Mütter und Töchter. Originalskizze von M. Kautsky.— Kleinere Mittheilungen: Fortschritt. Gedicht von Eduard Bertz.— Thucydides(Illustration).— Blicke in's früheste Kindesleben.— Der Dom zu Meißen(Illustration). — Emil Adolf Roßmäßler.— Der„arme Conrad" für 1878.— Rebus.— Brieflasten. Tie Expedition. Färberstr. 12 in Leipzig. lohn" läßt sich's schon auskommen? Aber wie steht es denn fand hier eine Volksversammlung statt mit der Tagesordnung: mit den Arbeitern? Die werden bei dem brillanten Stande des.„Kleinbürgerthum und Sozialdemokratie." Als Referent war Im Verlage der Leipziger GenossenschaftS-Buchdruckerei ist erschienen und durch die Unterzeichneten zu beziehen: Der arme Conrad. Jllustrirter Kalender für das arbeitende Volk pro 1878. (Dritter Jahrgang.) Gegen die Vorjahre bedeutend vergrößert(132 Seiten stark). Znhalts-Uerzeichnih. �Vorwort, mit gedrängter Statistik über die letzten Reichstags- wählen.— Vollständiges Kalendarium(protestantisches, katholisches, Sonnen- und Mondwechsel, Tages- und Nachtlängen k.).— Umsonst geopfert. Erzählung von Robert Schweichel.— Glück und langes Leben. Episode nach dem Leben von Carl Hillmann.— Dir Erziehung zur Ungleichheit und Unfreiheit. Von X. P. Z.— Ludwig Börne(Biographie). Mit Portrait.— Die Wiener Arbeiter von 1848. Bon Wilhelm Bios.— Weihnachtöbilder aus einem Prolctarierlcben. Von F. W. Fritzsche.— Die Werththcorie. Kapitel aus der politischen Oekonomie von H. Oldenburg.— Eine Epistel zur 5lindererziehu»g. Von Emil Roßbach.— Die Wichtig- kclt der Grund- und Äodcnfragc. Von Georg Bollmar.— Der Himmel. Naturwissenschaftliche Slizze von W. Bracke.— Saint Simon(Biographie). Mit Portrait.— Die dümmste Frau. Humoreske.— Die Menschenaffen. Mit Illustrationen.— Die- Pariser Commune. Bon X. X.— Gedichte:„An die Reichen" von Viktor Hugo;„Aus der Jugendzeit" und„Der alte De- mokrat" von Aug. Geib.— Anekdoten. Sinnsprüche. Räthsel. Sprüchwörtcr. �Wichtige Entdeckungen und Erfindungen.— Marktverzeichnisse, nach Provinzen emgetheilt.— Ebbe- und Fluth- Tabelle. Eisenbahntabclle. Postportotarif. Die Illustrationen sind von bewährten Künstlern ge- zeichnet und geschnitten. Trotz der gediegenen und reichhaltigen Ausstattung kostet der Kalender gehestet nur 40 Pf., gebunden und mit gutem Schreibpapier durchschossen 60 Pf., gegen baar oder Postvorschuß. Den Bestellern von Einzel-Exemplaren ist anzuempfehlen, für jedes Exemplar brochirt 50 Pf., gebunden 70 Pf., einzusenden, wofür wir es franco per Kreuzband zusenden. Die Lieferung des Kalenders erfolgt nur gegen baar oder Postnachnahme. Krei- 6«cmptare werden nicht gegeben. Auf Posten von 1 Dutzend aufwärts berechnen wir za. i*'■ r t1!»«• Expedition des Vorwärts, Leipzig, Färberstr. 12/11. Allg. deutsche Assoziations-Buchdruckerei zu Berlin. 80., Kaiser-Franz-Greuadierplatz 8a, 2 Tr. jM- Besteller aus dem Norden wollen ihre Aufträge naih Berlin, diejenigen aus Süd- und Mitteldeutschland nach Leipzig adressircu. Geschäfts hoffentlich doch auch einen Lohn empfangen, der ihnen Herr W. Mehlhorn aus Glauchau erschienen. Ter Referent Verantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz. Leipzig.. das„Entbehren" begehrlich erscheinen läßt? Man staune— die erledigte seine Aufgabe in 1V«stündiger Rede zur Zufriedenheit �edav�n und«xpedtt Färberstraß- 12; n, tr, Leipzig. Arbeiter werden abgespeist mit Mrk. 1,40—1,80 täglich. Für aller Anwesenden.— Schon vor 5 Wochen hatten wir hier Druck und V-r*»»n|i-n»;�n(4a?15buchbnick«8 in Le'pzt»