N oört» Erscheint in Leipzig Mittwoch. Freitag, Sonntag. Abonnenten tsprcis lör gan; Tentichland 1 M. 60 Pf. pro Quartal. Monats» Abonnements werden bei allen deutschen Postanftalten ans den 2. und Z. Monat, und auf den ».Monat beionders angenoinnien: im dönigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Altenburg auch aus den Iren Monat des Quartals k 54 Psg. Inserate betr. Leriammwngen ur. Petitzeile 10 Pf., detr. Prioatangelegenheiten und Feste pro Petirzeile 30 Pf. Vtslelln»gen nehmen an alle Postanftalten und Buch- Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. New-Dork: Soz.-demolr. Genossm- ichaftöbuchdruckerei, 154 Eldridge Str. Philadelphia: P. Hab, 630 Sörth S'd Sfraet. I. Boll, Iii» Charlotte Str. Hodoken S. J-: F. A. Sorge, 215 rVash- ing�on Str. Chicago: A. Lanfcrmann, 74 Clvdonrne Ean Franzisco: F. Eng, 418 0'FarrellStr. London W.: 5. Hönze, 8 Sew lltr. Golden Square. Gentrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 99. Freitag, 24. August. 1877. Der Sozialismus in der„Kölnischen Zeitung' ii. halten wir auf solche Weise von allen Seiten, wenn auch manch- mal nur unfreiwillige Hilfe, so kann der endgültige Sieg unserer Sache, der Sache der Menschheit nicht mehr fern sein. Das Zugeständniß, welches die„Kölnische Zeitung", dieses bedeutendste Bourgeoisorgan Deutschlands, dem Sozialismus macht, indem es ausführt, daß ein Expropriationsgesetz geschaffen werden soll, welches dem Staate ermöglicht,„allen' für das allgemeine Wohl nöthigen Wald anzukaufen", dies Zu- geständniß ist seiner Consequenzen wegen von so großer Bedeu- tung, daß wir zu Ende unseres Artikels in voriger Nummer des„Vorwärts" gewiß berechtigt waren zu rufen:„Bravo! dreimal Bravo!" Nachschrift zum Newyorker Bericht vom großen Strike. Newyork, 3. August 1377. Der groß�. Strike und was damit zusammenhängt, ist beendet, aber nicht ohne hier und da nochmals aufzulodern. In Chi- cago war es den Bemühungen der Arbeiterpartei bereits ge- lungen, die Bewegung von Gewaltthaten ab- und in ein ruhiges Niemand wird leugnen, daß die schlechte Verwaltung des! Bett zu lenken. Eine Versammlung von wohl 15000 Arbeitern, Waldes ein Land in unabsehbares Elend stürzen kann; das einst, bei welcher kein einziger Polizist sich sehen ließ, weil die Exe- so blühende Spanien kann beredtes Zeugmß davon ablegen.. cutive der Arbeiterpartei in diesem Falle sich für� die Ruhe ver- Die beste Regierung bringt jenes Land nicht wieder auf die. bürgt hatte, war das Mittel dazu; sie verlief erfolgreich, indem Beine, wenigstens nicht eher, bis Jahrhunderte die Sünden des' sie vor Gewaltthaten warnte und zur Partei- und Gewcrksorga- Waldfrevels wieder gut gemacht haben. Aber auch Südfrank- nisation mahnte. Dabei mochte sich die dort herrschende Gauner- reich steht an der Grenze— noch einige Schritte in der Wald- � bände unheimlich fühlen, sie brauchte einen blutigen Aufstand, Gegner, die immer einen Luftsprung vor Freude machen, wenn ein Sozialdemokrat eingesperrt wird, oder die, wenn sie etwas klüger sind, die Einsperrung zu bedauern vorgeben, aber nur deshalb, weil dadurch ein Märtyrerthum und Propaganda für die Sozialdemokratie geschaffen wird, alle diese Gegner glauben wohl, daß wir uns über die Verurtheilung unseres Gegners, des p. p. Böhmer freuen. Mit nichten! Wir wollen auch nicht einmal den Witz machen, daß wir in Böhmer einen unfreiwilligen, tüchtigen Agitator verloren haben, nein, wir bedauern aufrichtig den Mann. Wir wissen nämlich, daß derselbe aus Roth, aus purer Roth Sozialistenverfolger gewesen ist! Da lesen wir folgende Notiz, welche durch verschiedene sächsische Blätter verschiedener Parteien geht: „Die Vergehungen des Slffeffors Böhmer in Chemnitz be- stehen darin, daß er von der Sportelkasse sich Diäten und Reise- kosten auszahlen ließ, ohne daß er wirklich amtliche Reisen ge- macht hatte. Die Schädigung ist keine große und betrifft glück- licherweise keine Privatpersonen. Böhmer besitzt kein Vex- Verwüstung weiter und es tritt Unfruchtbarkeit dort ein, wo jetzt noch der Erndtesegen ein so großer ist. Außerdem aber leidet das Volk in sanitärer Hinsicht allüberall da, wo der Wald mit seinem erfrischenden Hauche fehlt. Jede Staatsverwaltung ist deshalb berechtigt, ja verpflichtet im Jntereffe der Gesammtheit„für das allgemeine Wohl" � um uns mit den Worten der„Kölnischen Zeitung" auszu- drücken— den Wald zu hegen und zu pflegen, sie ist berechtigt, da dieses hegen und pflegen in der Gesellschaft der freien Eon- currenz bei den Privatwäldern nicht geschieht, den Privatbesitz an Wald aufzuheben, und den Wald, soweit es zum Wohle der Gesammtheit ist, in Staatsbesitz umzuwandeln. Das Postwesen beispielsweise ist schon Staatseigenthum, weil das Wohl der Gesammtheit durch den Privatbetrieb der Post nicht gefördert werden kann. Das Eisenbahnwesen soll Staats- eigenthum werden und zwar aus denselben Gründen, da un- zweifelhaft Herr v. Bismarck eine rasche und geregelte Beförde- rung von Truppen im Kriege und eine große Einnahme des Reiches durch die Eisenbahnen für das Gesammtwohl förderlich erachtet. Wenn wir nun auch diese Gründe nicht billigen, so find wir doch im Prinzip selbstverständlich für die Ucbernahme aller Privatbahnen durch den Staat, weil dann dem Interesse der Gesammtheit durch gleiche Tarife, durch billigere Personen- beförderung, durch schnellere und geregeltere Fracht- und Per- sonenbeförderung wenigstens gedient werden könnte. Doch man kann unmöglich auf halbem Wege stehen bleiben. Sehen wir die unendlich großen wogenden Aehrengefilde an, gedenken wir der Hülle und Fülle von Brod, welche die Mutter Erde, ein Jahr weniger, ein Jahr mehr, bietet und erblicken wir neben diesem großen Segen die ebenso große Armuth und die furchtbare Roth, hören wir den Jammerruf nach Brod trotz der gewaltigen Fülle an diesem Nahrungsmittel, so können wir nicht begreifen, daß dem Staate verwehrt sein soll, auch den Grund und Boden aus dem Privatbesitz in den Staatsbesitz um ihre Macht in der Unterdrückung desselben zu zeigen, weil sie mittlerweile einige Bundestruppen zur Verfügung erhalten hatte. Am nächsten Tage knüppelte die Polizei muthwillig jede Ansammlung von Menschen in der Straße nieder, darunter auch eine schwache Versammlung, welche von dem Sekretär der Exe- cutive der Arbeiterpartei, von Patten, angeredet wurde, beschwor künstlich Straßenkämpfe herauf und telegraphirte darüber haar- sträubende Berichte in die Welt hinaus, welche ungemein über- trieben waren und Tags darauf widerrufen werden mußten. Wieder einen Tag später verhängte sie eine Art Kriegszustand und verbot alle Versammlungen, und in der Vorwärts-Turn- Halle, wo eine Versammlung der Gewerkschafts-Delegaten sich eben zerstreut hatte, und nur noch etwa 200 Mitglieder der Tischler-Gewerkschaft(meist Deutsche) beisammen und im Begriff waren, sich zu zerstreuen, drang eine Rotte Polizei mit Pistolen- schüsien ein, welche sofort ein Mitglied, Teßmann, tödteten, an- dere schwer, viele leicht verwundeten, und trieben die Anwesen- den, welche sich nicht widersetzten, mit Knüppelhieben davon. In St. Louis verfuhr die Polizei in dem Maße, wie die Arbeiterbewegung in ein ruhiges Geleis lenkte, um so übermüthiger und verhaftete eine berathende Delegatenversammlung der Partei und der Gewerkschaften. In Cincinnati und Milwaukee war der Ausstand der Bahnbediensteten von vornherein erfolg- reich, theils weil die Bahnvcrwalter ihren Beschwerden Abhilfe versprachen, theils weil die Arbeiterpartei schon zahlreich genug ist, um durch sofortiges Einschreiten die Vermittler zwischen Ar- beitgebern und Arbeitern spielen zu können; hier kam es nir- gends zu eigentlichen Ruhestörungen. In Pittsburgh, wo unsere Partei noch schwach und einflußlos ist, und wo im engen Umkreise an hunderttausend der rüstigsten Eisen- und Kohlen- arbeiter, theils unter geheimer, theils unter gar keiner Organi- sation eine stehende Verschwörung gegen die Monopole bilden, scheint die Arbeiterpartei gar keine Rolle gespielt zu haben, weshalb hier auch das Unheil am größten ausfiel. In Phila mögen und hatte schon bei Ablegung seines Examens Frau und Kinder. Bei den Gehältern für unsere Justiz- beamten ist aber leider die Nothwendigkeit, Geld zuzusetzen, in hohem Grade vorhanden." Also Roth: Nahrungs- und Erziehungssorgen!— Böhmer wußte nun, daß diejenigen Beamten bei ihren Vorgesetzten gut angeschrieben sind, welche sich in hervorragender Weise gegen die Sozialdemokraten Hervorthun, er wurde ein„Streber", um rasch befördert zu werden und so ans der Roth herauszukommen. Auch glaubte er, daß die Controle desto geringer sein werde, je eifriger er als Beamter, besonders dem„Sozialistengesindel" gegenüber seine„Schuldigkeit" thue, deshalb wagte er die Unter- schlagung— doch Alles hat ihm nichts genützt— die Roth, der Bedarf wurde immer größerund einmal auf der schiefen Ebene — ist er ins Zuchthaus gekommen, er, der so viele unserer Ge- noffen zu Gefängniß verurtheilen ließ. Ein merkwürdiges Ver- hängpiß! Aus Roth verfolgte der Aermste diejenigen, welche die Roth aus der Welt schaffen wollten, seine besten uneigen- nützigsten Freunde. Assessor Böhmer ist— ganz abgesehen von seiner Charakterschwäche— den traurigen gesellschaftlichen Zu- ständen, unter denen besonders die Beamtenwelt leidet, zum Opfer gefallen. Der Sozialistcnfresser Professor Böhmert kann an dem Sozialistenfresser Assessor Böhmer viel lernen, nämlich: die gesellschaftlichen Verhältnisse richtig beurtheilen. und Boden aus vem Privalvesttz in Kellern und unter den Dächem in den Städten die Volkskraft dahinsiecht, wenn man weiß, daß die ansteckenden Krank- heiten, welche doch der Allgemeinheit bestimmt schädlich sind, gerade in den schlechten Wohnungen der großen Mehrzahl des Volkes ihre Brutstätten finden, wer wagt es dann zu bestreiten, daß der Staat nicht die Pflicht habe, den Boden zu expropriiren, auf welchem Wohnungen stehen, und diese mit, auf daß„für das allgemeine Wohl" dem Wohnungselende ein Ende gemacht werde? Wer aber B gesagt hat, muß auch C sagen. Erblickt man das Proletariat in den Fabriken, sieht man die bleichen, hohläugigen Weber im Erzgebirge, liefet man, daß der Hungertyphus unter ihnen wüthet, weil sie keine Arbeit, oder doch keine lohnende Arbeit haben, erblickt man aber als Gegen- satz den Gründungsschwindel, den Wucher, die Ueppigkeit und den Uebermuth einiger weniger reicher Menschen, wer wird zu läugnen wagen, daß des Staates Pflicht ist, auch die Fabriken, die Arbeitsinstrumente aus dem Privatbesitz, in welchem sie so diel Unsiig anrichten, in den Staatsbesitz zu bringen? Daß aber der Staat dann auch die genügende Organisation Zur Erfüllung neuer und so hoher Aufgaben einrichten müßte, ist selbstverständlich. Und dazu brauchte der heutige Staat in erster Linie selbst eine andere, bessere Organisation. Er müßte sein militärisches und bureaukratisches Gewand ausziehen und im ächten schlichten Volkskleide einhergehen. . Die Erziehung der Staatsangehörigen müßte darauf ge- achtet werden, daß alle Bevormundung, aber auch aller Egois- wus aufhöre. Militarismus, Bevormundung, Ausbeutung— Säbel, Tiara Und Geldsack— diese drei bösen Elemente hätte der Staat zu bekämpfen und zwar durch das Volk selbst, durch die Aufklä- bung des Volkes. J£a der heuftge Staat aber allzufest in den Banden obiger und es sind alle"Versammlungen untersagt. Newyork, das Hauptquartier der Bourgeoisie, ist natürlich zu stark von Miliz, Polizei und Bundestruppen überwacht, um einen größeren Strike zu gestatten; die sehr ansehnliche Sympathie- Versammlung vom 25. Juli verlief �war ungestört, beim Nachhausegehen aber wurde ein dichtes Menschengewühl von der Polizei für eine (verbotene) Prozession angesehn und mit gewohnter Brutalität zusammengeknüppelt. Die noch andauernde Spaltung unserer Partei in der Stadt Newyork verhinderte fast jedes Eingreifen derselben und jede Benutzung der Volksstimmung zu Zwecken der Organisatinn und Agitation. Im Uebrigen mögen noch Wochen vergehen, bis eine richtige geschichtliche Darstellung dieser neuesten Volksbewegung ge- schrieben werden kann, ja vielleicht kann das bei der großen Ausdehnung derselben überhaupt nicht vollständig geschehen. Es kommt auch wenig darauf an, daß dies geschieht. Die Haupt- fache ist, daß das gesammte amerikanische Volk eine zwar sehr theuer, aber doch noch billig genug erkaufte Lehre erhalten hat, diese nämlich, daß es auch hierzulande„eine soziale Frsge gibt", und zwar eine weniger der Ausdehnung als ihrer ver- zweifelten Zustände willen in gewohnter Weise nicht lösbare; daß diese soziale Frage jedem Menschen im Lande auf den Leib rücken kann, wenn„der Mann der Arbeit alle Räder zum Stillstehn bringt", und die Lebensmittel ausgehen, aller Verkehr stockt und hier und da„der Tiger entfesselt wird"; daß diese soziale Frage, welche so geflissentlich todtgeschwicgcn worden ist. jetzt auf der Tagesordnung bleiben muß, bis sie endgültig ge- löst ist, und daß unsere Partei und ihre Ziele auf ein- mal überall besprochen werden— wenn auch um so stümper- hafter von allen Gegnern, je mehr die Volksaufregung sich wieder legt. — Aus Straßburg vom 18. August erhalten wir folgende interessante Zuschrift: „Vor einigen Wochen wurde hier ein Hauptmann des 25. Regiments zu zwei Monaten Fe st ungs strafe verurtheilt, weil er seine Soldaten gewohnheitsgemäß in gröbster Weise ge- schimpft und geschlagen hatte. Ein Lieutenant seiner eigenen Compagnie, der wahrscheinlich noch nicht genug abgehärtet war, dies mit ansehen zu können, hat den Hauptmann nicht etwa heimlich denunzirt, sondern vorschriftsmäßig auf dem Dienstwege gemeldet. Jedermann wird zugestehen müssen, daß dies nicht nur ehrlich, sondern sogar muthig gehandelt war, denn es gehört wahrhaftig Muth dazu, wenn ein Offizier es wagt, seinen Bor- gesetzten anzuzeigen wegen eines Vergehens, das ja mehr oder weniger von einer großen Zahl seiner Kameraden verübt wird. Der betreffende Lieutenant fühlt auch bereits die Folgen seines „unerhörten" Schrittes. Er ist sozusagen moralisch aus dem Osfiziersverbande ausgestoßen. Die Kameraden meiden ihn, wo er erscheint verstummt das Gespräch und einer nach dem andern verläßt das Lokal. Daß dieser Offizier nicht mehr lange dem Militärverbande angehören wird, gilt allgemein als selbstver- ständlich, obwohl er sonst als durchaus tüchtiger und sehr ge- bildeter Offizier bekannt ist. Welcher Offizier würde es nach solchem Beispiele jemals wieder wagen, rohe Ausschreitungen Vorgesetzter gegen Untergebene zur Anzeige zu bringen? Oder wie würde es gar einem Soldaten oder Unteroffizier ergehen, der sich zu Schulden kommen ließe, gegen barbarische Bchand- lung den Dienstweg zu betreten?— Hunderte von Thatsachen der empörendsten Mißhandlungen sind zu berichten, doch wozu würde es nützen? Man würde nur immer sich auf das Gesetz berufen, welches Mißhandlung der Soldaten verbietet und, wo sie zur Anzeige kommt, sie bestrafen. Aber die Angst vor den Folgen einer Anzeige ist so groß, daß nur in ganz seltenen Fällen von diesem Gesetze Gebrauch gemacht wird und den Herren Offizieren das sublime Vorrecht, ihre wehrlosen Neben- menschen körperlich zu züchtigen, ungeschmälert verbleibt." Wir wollen diesem Schreiben nur hinzufügen, daß es be- zeichnend für die betreffenden Herren Offiziere ist, daß sie einer edlen That mit„Verachtung" begegnen. Danach ist anzu- nehmen, daß der Hauptmann, welcher gewohnheitsmäßig seine Untergebenen gequält hat, nach verbüßter Strafe mit Jubel und Achtung von seinen Kameraden empfangen werden wird. Ein bedenkliches Zeichen für den Bildungsgrad der betreffenden Offiziere. Sozialpolitische UeberftchL. _____ 7____ o..............................— Zur Affaire Böhmer in Chemnitz. In voriger bolksfeindlicher Elemente sich befindet und sie nicht abzuschütteln! Nummer berichteten wir, daß Herr Gerichtsassessor Böhmer, der bermag, so wollen wir, so wird der Sozialismus die Erkennt- große Sozialistenfeind in Chemnitz, der mit wahrhaft erschreckender Nlß unter das Volk schleudern, auf daß dieses selbst das Er- Energie gegen die„Verbrecher am Eigenthum" vorgegangen ist, losungswerk beginne.— wegen Unterschlagung, wegen wirklichen Verbrechens am Eigen- Derartige Erkenntniß aber hilft selbst die„Kölnische Zeitung" thum, wegen Eigenthumsverbrechen ohne Gänsefüßchen zu zwei berbreiten, wie der von uns besprochene Artikel beweiset. Er- Jahren Zuchthaus verurtheilt worden ist. Unsere politischen — Eine höchst bezeichnende Nachricht bringt die„Köl- nische Zeitung"; dieselbe läßt sich nämlich aus Constantinopel vom 16. August folgendes telegraphiren: „Man erzählt sich hier in diplomatischen Kreisen, Sadullah Bey habe aus Berlin an die Pforte telegraphirt, daß seine Vor- stellungen über die russischen Greuel von dem Berliner Kabinet höchst ungünstig aufgenommen worden seien, ferner daß auf der Kalserzusammenkunft in Ischl Kaiser Wilhelm das Drei-Kaiser-Bündniß betont und auf Oesterreichs Eintritt in die Aktion gegen die Türkei gedrungen habe, weil die Pforte selbst den Fanatismus der BaschibozukS schüre und beiderseits unabsehbare Greuel bevorständen. Ich möchte freilich keine Gewähr für die Richtigkeit der Bemerkungen Sadullah's übernehmen. Die Diplomaten in Constantinopel rathen den Colonisten zur Abreise, weil die hier ankernden fremden Stationsschiffe nur für die Botschaften ausreichen." Danach sind unsere in dem Leitartikel:„Das Bündniß der drei Großmächte" in Nr. 94 des„Vorwärts" ausgesprochenen Ansichten gewiß zu beachten. Aus„indirekten" Gründen wollen wir an obige Depesche keine weiteren Ausführungen knüpfen. — Ueber die Wirkungen der wirthschaftlichen Krisis äußert sich die niederbayrische Gewerbe- und Handelskammer in ihrer Vorrede zu dem Bericht für das Jahr 1876 folgender- maßen: „Wir sprechen es unverhohlen aus, daß wir nunmehr der Ueberzeugung sind, den Kulminationspunkt der Krisis überschritten zu haben und einer gesunden Neugestaltung unserer wirthschaftlichen Verhältnisse entgegengehen. Vorerst ist freilich der Umschwung in den Geschäftsverhältnissen kaum noch merklich; aber einzelne Symptome sprechen doch unzweifelhaft dafür, daß nunmehr nach den furchtbaren Prüfungen, welche der Ueberspekulationsperiode folgten, geordnete Zustände wiederkehren. Die fetten Jahre, die der wirthschaftlichen Krisis unmittelbar vorangingen, werden zwar sobald nicht wiederkommen, aber dies ist im Interesse der ruhigen Entwicklung kaum zu beklagen. Vergleicht man die Leichtlebigkeit, die bis noch vor Kurzem herrschte, mit der allmählig sich geltend machenden Sparsamkeit, die allein nur als Basis des wirthschaftlichen Aufschwungs be- trachtet werden kann, so kann man es nur mit Beftiedigung begrüßen, wenn eine ernste Auffassung aller Consumtionsverhält- nisse Platz greift. In dieser Beziehung hat die wirthschaftliche Krisis ohne Zweifel sehr viel gethan. Man hat in ihr gelernt, daß vorübergehend hohe Gewinne nicht ungestraft als Basis einer dauernden Erhöhung des Consums angesehen werden dürfen. Es dürfte denn auch der geringere Absatz in so manchem Ge- schäftszweige nicht blos auf die Roth des Augenblickes, sondern auf eine, und wir wollen hoffen, dauernde Umwälzung in den Lebensgewohnheiten der Bevölkerung zurückzuführen sein. Ist aber dies der Fall, dann liegt darin auch die Gewähr dafür, daß die einmal hervorgetretene Erholung, der beginnende Auf- schwung der Geschäfte"für die Zukunft auf sichererer Grundlage ruhen wird, als dies bisher der Fall war." Wir denken nun nicht so optimistisch, wie die niederbayrische Handelskammer, und vor allen Dingen glauben wir an keinen ernstlichen Aufschwung, bevor die Kriegswolken nicht völlig ver- zogen sind.— Wenn die niederbairische Handelskammer die frühere Leichtlebigkeit und die jetzige Sparsamkeit auf die Herr- schenden Klassen anwendet und hofft, daß diese Sparsanikeit und die daraus resultirende größere Thätigkeit und Umsicht von günstiger Einwirkung auf die Produktions- und Consumtions- verhältniffe sein würde, so haben wir nichts dagegen zu erinnern. Dehnt aber die p. P. Handelskammer diese ihre Ansicht auch auf die arbeitenden Klassen, auf die große Masse des Volks aus, was aus dem Artikel nicht genau zu ersehen ist, so müssen wir doch entschieden dagegen protestiren, weil nicht größere Spar- samkeit, sondern nackte Roth eingetreten ist und weil die Ver- längerung solcher„Sparsamkeit" nicht allein das Volk verderbt, sondern die Produktion immer und immer mehr lahmlegt. Daß aber ohne Umänderung der Produktionsweise die Produktion niemals dauernd auf sicherer Grundlage ruhen wird, dafür sorgt der individuelle Trieb des Menschen, der allzu stark auf Annexion gerichtet ist. — O welches Glück— Postbeamter zu sein! Herr Stephan sorgt bekanntlich auf's Eifrigste für das Wohl„seiner 60(oder 40)000." Wie warm sein Herz für dieselben schlägt, das beweisen seine Reichstagsreden und nachstehender Bericht des „Neuen Berliner Tageblatts": „Einem Berliner Postsekretär wird auf das Zeugniß eines der geachtetsten Aerzte Berlins, dahingehend, daß ersterem ein sechswöchentlicher Urlaub zum Besuch Lippspringe's, und ein achtwöchentlicher darauf folgender zu einem Aufenthalt in Frie- drichsrode gegeben werde, seitens des kaiserlichen Generalpostamts nur ein achtwöchentlicher Urlaub bewilligt, welcher vorerst als ausreichend zu erachten sei. Der Arzt in Lippspringe, einer der bewährtesten Spezialisten auf dem Gebiete der Brustkrankheiten, findet nach fünfwöchentlicher Kur, daß der Kranke in seinem Befinden noch keine Garantie für die Wiedererlangung einer dauernden Dienstfähigkeit bietet und bezeichnet deshalb die Ver- lüügeruna des achtwöchentlichen Urlaubs um sechs Wochen als nc! jendig. Darauf erfolgte nachstehender Bescheid: Was der grosze amerikanische Strikt lehrt. Das Erste, was der große Strike, und was damit zusammen- hängt, lehren, ist die Bestätigung des alten Satzes:„Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie vorher mit Blindheit." In moderner Sprache wird dieser Satz lauten müssen: Jedes herrschende Unrecht muß sich hauptsächlich selbst abschaffen, und zwar indem seine Vertheidiger es blind auf die Spitze treiben, wo es allen Halt verliert, indem die Gcmüther der Mehrheit sich gegen seine unnatürlichen Folgen empören. Unsere Leser wissen, wie oft wir unsere Verwunderung über die unmenschliche Geduld der amerikanischen Arbeiterwelt ausgesprochen haben, mit welcher sie den Uebergriffen des Kapitals sich fügen. Diese Geduld zeigt sich auf einmal erschöpft. Wie mit einem Zauberschlag erwacht über das ganze Land hin das arbeitende Volk und ruft: Bis hierher, Mister Kapital, und nicht weiter! Wir Arbeiter haben auch noch ein Wörtchen mitzureden! Und von der Brust jedes Dulders fällt der schwere Stein der Enttnuthigung; das Bewußtsein des Menschenthums, das Gesetz der Selbsterhaltung, der Entschluß zur Umkehr von einem Wege, der zum Abgrund führt, machen sich geltend. Es ist der Beginn einer wirklichen Revolution, den wir erleben— denn Revolution ist Alles, was eine große Sinnesänderung der Volksmassen zu- Wege bringt. Und obwohl wir Sozialdemokraten einigen Antheil an dieser Sinnesänderung haben, so mußte doch der eigentliche Anstoß dazu— wie noch immer in der bisherigen Weltge- schichte— von unseren übermächtigen Gegnern kommen. Sie müssen es sein, welche unserer bishrr so schwachen Propaganda und Organisation den Stachdruck geben und sie ausbreiten helfen. Es ist lächerlich, wenn die gegnerischen Zeitungen die Schuld an all der großen Bewegung des Augenblicks den Sozialdemo- kraten, den Gewerkvereinen und insonderheit dem Mr. Arthur, dem Vorsitzenden der Lokomotivführer-Union, aufbürden. Jeder unter uns ist vielmehr erstaunt, aus kleinen Ursachen so große Wirkungen hervorgehen zu sehen. Jeder unter uns weiß, daß unsere Aufklärungen und Ermahnungen zwar viel mehr Eindruck auf die Arbeiter verdient hätten, aber doch sehr wenig gemacht haben, so wenig, daß wir uns nicht entfernt das Verdienst dieser großen Volksaufregung zuschreiben können. Auch würden Berlin, 19. Juli 1876. Die kaiserliche Oberpostdirektion hat bisher nicht die Ueberzeugung zu gewinnen vermocht, daß Sie zur Wiederherstellung Ihrer Gefundheit neben einem achtwöchent- tichen Urlaub eines sechswöchentlichen Nachurlaubs unbedingt bedürfen. Ihrem Gesuche vom 14. d. Mts. ist seitens der Ober- postdirektion keine Folge gegeben worden. Sie werden daher angewiesen, nach Ablauf des Ihnen bewilligten achtwöchentlichen Urlaubs sich zum Dienstantritt hier zu melden. Kaiserliches > Hofpostamt. Griesbach. Der Lippspringer Arzt fragt mit Recht: Welche Garantten sind nun noch der Post-Behörde zu leisten, wenn ein muster- Haftes Zeugniß des behandelnden Arztes, von einem Sanitäts- beamten unterstützt und von einem dritten Arzte wiederholt, nicht ausreichend est, ihr die Ueberzeugung von der Nothwendig- keit einer therapeutischen Maßregel beizubringen? Ein derartiges Versahren kann sich der Beamte und das Publikum nur gefallen lassen, so lange es gesunde Menschen betrifft, an Kranken aus- geübt, ist es absolut unzulässig. Wenn die Postbehörde ihre Beamten so rasch und intensiv abnutzt, daß Urlaubsgesuche in Masse einlaufen, wie thöricht ist es dann, die Urlaubsgesuche aus der Welt schaffen zu wollen, statt an die Ursachen derselben Hand anzulegen! Wir sind auch mit einem geringeren Ueber- schusse des Postbudgcts zufrieden, wenn wir uns vorstellen, daß ein größerer nur unter solchen Umständen zu erschwingen ist.— Ich weiß, was aus diesem Postsekretär geworden ist: er ist vor etwa vier Wochen an der Schwindsucht gestorben." — Midhat Pascha hat sich in Paris über die gegenwärtige Lage der Türkei folgendermaßen geäußert:„Die Türken haben treffliche Stellungen inne, die sie gut zu vertheidigen wissen. Die jüngsten Siege haben ihren Muth, ihre Widerstandskraft verdoppelt. Suleiman und Osman scheinen so manövrirt zu haben, daß man ihre Vereinigung in der Nähe won Tirnowa sehr bald erwarten kann. Stach dieser Vereinigung werden die Russen in ein Dreieck, zwischen den Armeen dieser beiden Gene- rale und der von Mehemed Ali mit der Donau im Rücken, ein- geschlossen sein. Wenn die türkischen Truppen fortfahren, sie festen Fußes zu erwarten, und wenn die Russen, in der Unge- duld, aus dem Dreieck herauszukommen, jene auf der rechten und linken Seite angreifen, so müßten die Russen, um ernstliche Aus- sichten auf einen Erfolg zu haben, eine Alles niederschmetternde Uebermacht besitzen, die sich zu verschaffen und besonders zu er- nähren ihnen aber schwer fallen wird. Wenn die türkischen Generale sich zu keinem kühnen Wagniß hinreißen lassen, wenn sie einfach Vortheile aus ihrer Stellung ziehen, so kann und muß der Krieg lange dauern. Die Russen zählten anfangs auf die Empörung der Bulgaren, dieselben waren aber elende Ver- bündele, wohl bereit, sich in Aufstand zu versetzen, aber so schwach und feige, daß ihre Unterstützung nichts Werth war. Heute können unsere entmuthigten Feinde, wenn sie Erfolg haben sollen, nur nach langen Kraftanstrengungen den Sieg davon tragen. Es ist also wahrscheinlich, daß der Feldzug nicht vor dem Winter beendet sein wird und alsdann bis zum Frühjahr eingestellt werden muß. Kann dieses aber von den Großmächten geduldet werden? Ganz Europa leidet durch diesen Krieg; die Geschäfte liegen darnieder; der Kampf, der schon ein schrecklicher, wird noch furchtbarer werden und seine Verlängerung muß aller Welt Abscheu einflößen, Rußland selbst würde durch seine Verlän- gerung zu viel auf das Spiel setzen; dieses kann man behaupten, ohne selbst auf gewisse, sehr wohl bekannte finanzielle schwierig- ketten anzuspielen. Spricht man nicht schon von Aufregung in Polen?... Alle Mächte, die kriegführenden mit einbegriffen, haben also augenscheinliches Interesse, eine diplomatische Aktion zu unterstützen, wenn der Krieg fortdauern sollte, wie die Er- eignisse zwischen der Donau und dem Balkan voraussehen lassen." — Des„Armen Conrad", des Kalenders der sozialisti- schon Arbeiterpartei für das Jahr 1878, haben wir schon Er- wähnung gethan; derselbe ist jedenfalls die bedeutendste Kalender- erscheinung in ganz Deutschland. Aber auch ein zweiter Kalender, der von sozialistischer Seite, von W. Bracke rn Braunschweig, herausgegeben wird— der„Volkskalender"— verdient ehrender Erwähnung. Während der„Arme Conrad" sich mehr für die fortgeschrittenen Parteigenossen und Arbeiter eignet, dürfte der Bracke'sche„Bolkskalender" besonders für die Land- bevölkerung von großem Interesse sein. Der Inhalt ist äußerst reichhaltig, die zahlreichen Jllustrattonen sind gm ausgeführt und der Preis ist gering, Alles Eigenschaften, welche den Ka- lender begehrungswürdig machen. die Sachen viel ruhiger und weniger gewaltsam abgelaufen sein, wären wir die Urheber der Bewegung. Nein, es war der Uebermuth des Kapitals, die rücksichtslose Herrschsucht seiner Vertreter, welche in den letzten Jahren so viele leichte Siege über die Arbeit davongetragen haben, es war der Versuch eines Ringes unserer größten Kapitalisten in Ver- bindung nitt ihren erkauften Politikern, der Versuch, das arbei- tende Volk vollends wehrlos und unterwürfig zu machen, welche an dieser großen Bewegung schuld sind. Der Ring der fünf großen Eisenbahn-Monopole, welche sich neuerdings zu einem eng verbundenen einzigen Monopole verschworen haben, hatte beschloffen, ihre Einnahmen durch Erhöhung aller Fracht- und Fahrpreise riesig zu steigern und noch mehr den Reingewinn durch Herabttz'ücfung aller ihrer Lohnarbeiter zu Hungerlöhnen. Die Volksmassen waren nicht so völlig in Vereinzelung und Selbstsucht befangen, um die Gefahr daraus für jeden Arbeiter und Kleinbürger zu übersehen. Vertheurung aller Lebensmittel, sinkende Kaufkraft aller Arbeiter, Vermehrung der Brodlosen durch Stockung aller Geschäfte— diese Folgen mußten den Massen einleuchten. Das Kapital hatte allen Nichtkapitalisten und dem ganzen Mittelstande den Handschuh hingeworfen, und auf einmal war der Alpdruck der Rathlosigkeit abgeworfen. Widerstand gegen den frechen Uebergrifi zunächst durch Unter- sttitzung der zuerst bedrohten Eisenbahnarbeiter, dann aber auch gegen Alles, was dem Angreifer Kapital zu Hilfe kommen wollte — das war die natürliche Kampfcsweise, welche überall ohne lange Verabredung sich fast von selbst ergab. Dieser Widerstand war allerdings ungesetzlich. Nach der kapitalistischen Gesetzgebung und Anschauungsweise hat der Lohn- arbeiter nur das Recht, einen zu niedrigen Lohn auszuschlagen — was unter heutigen Umständen so viel ist als verhungern— er handelt schon ungesetzlich, wenn er Andere, die um den aus- geschlagenen Hungerlohn arbeiten wollen, mit mehr als Bitten davon abzuhalten sucht, geschweige denn, wenn er das Geschäft der Kapitalisten zum Stocken bringt. Die heutigen Gesetze sind im Interesse des Kapitals gemacht, und es wäre wunderbar, wenn der mit dem Hungertod bedrohte Arbeiter noch ein anderes Recht behielte, als das Annenhaus, Zuchthaus und den Selbst- mord. Das Gesetz der Selbsterhaltung aber, welches jedem Menschen in die Brust gepflanzt ist, erweist sich vernünftiger, —„Die rothe Fahne ist die Fahne des Aufruhrs"— so erklärte vor Kurzem der Offenbacher Bürgermeister unserem Parteigenossen Ulrich, der die Erlaubniß um einen Festzug durch die Stadt nachsuchte und dem die Genehmigung mit obigen Worten versagt wurde. Unsere dortigen Parteigenossen werden sich zu trösten wissen; sie werden die rothe Idee im Herzen tragen und dieselbe immer weiter verbreiten. Dadurch wird allerdings der Aufruhr nicht in's Volk getragen, aber wohl die Revolution, das mag sich der Herr Bürgermeister merken. Die rothe Fahne ist nicht die Fahne des Aufruhrs, aber sie ist das Symbol der weltbefreienden Revolution des vierten Standes. Ob der Bürgermeister von Offenbach den Unterschied zwischen Aufruhr und Revolution kennt— wir wissen es nicht; das ist aber auch seine Sache, wie es bei den heuttgen Verhältnissen eines Jeden Sache allein ist, sich mindestens einen gewissen Grad von Bildung anzueignne. — Kein Arbeiter! Höchst bezeichnend sind folgende Worte, welche dem Gerichtspräsident des Saarbrückener Zuchtpolizei- gerichts bei der Verhandlung gegen die Genossen Kaulitz und Hackenberger entfallen sind. Als nämlich Kaulitz seinen Um- gang mit den dortigen Arbeitern, den man ihm gewissermaßen vorhielt, erklären wollte und mit„wir" fortfahren wollte, sagte der Präsident�„Sprechen Sie von Sich; Sie find Sohn eines Beamten und sind Kaufmann, also kein Arbeiter!" Wir citiren nach der liberalen„Saarbrücker Zeitung".— Also kein Arbeiter! Dann ist natürlich der Präsident des Gerichtshofes auch kein Arbeiter— dadurch werden die Arbeiter aber als ein besonderer Stand, als eine besondere Klasse hingestellt. Wir danken dem Gerichtspräsidenten für seine offene Erklärung; auch die Arbeiter danken ihm, daß er einen Beamten(den Sohn desselben, also auch den Vater), daß er einen Kaufmann als etwas Anderes, etwas Besseres hinstellt, als einen Arbeiter.— Wer predigt denn nun Klassengegensätze, Herr Gerichts- Präsident, wir Sozialdemokraten oder Sie, Herr Beamter? Aus Rumänien. 17. August 1877. Es herrscht jetzt hier eine rege Geschäftigkeit, in einem fort kommen und gehen Truppen aller Waffengattungen nach dem Kriegsschauplatz, 8—10 Züge mit Truppen und Munition wer- den täglich expedirt und das schon seit Anfang dieses Monats; nun werden noch die kaiserlichen Garden erwartet und es kann da von neuem losgehen. Die Zuversicht, die man Anfangs gehabt, hat jetzt einer sehr ängstlichen Vorsicht Platz gemacht, man bringt den Türken einen großen Respekt entgegen seit man gesehen, daß sie mit sich nicht spaßen lassen und so wird es uns gar nicht wundern, wenn wir bei dem beständigen Rückwärtsverlegen des Hauptquartters eines Tages zu hören bekommen, daß sich auch die Armee über die Donau hinüber concentrirt. Die Rumänen beobachten schon jetzt die Vorsicht, nicht über die Donau zu marschiren, wenigstens sich nicht zu weit vor zu wagen, um nicht dann genöthigt zu werden, sich rückwärts nach daheim zu concentriren.— Verwundetentransporte kommen hier noch beständig durch, verschiedenartige Krankheiten herrschen in der Armee und auch die Civilbevölkerung bleibt davon nicht verschont, hier haben die Aerzte bereits constatirt, daß die Cholerine in bedeutendem Maße ihre Opfer fordert.— Die Ernte ist namentlich in Weizen und Roggen sehr gut ausgefallen, es mangelt aber an Leuten, sie � vollständig hereinzubringen, sind doch die besten Kräfte unter die Fahnen gerufen, um„wichttgere" Arbeiten zu verrichten. Zwar? giebt es für ein Ackerbau treibendes Land wie Rumänien es � ausschließlich ist, ein Land, das gar keine Industrie hat und j einzig und allein nur auf den Export seiner Naturprodukte an- gewiesen ist, nichts Wichtigeres als die Pflege des Landes\ und die Berwerthung seiner Erzeugnisse, aber wenn man Groß- i macht spielen muß, dann freilich bedarf man der jungen Leute j zu andern Dingen, zur Soldatenspielerei.— Auch sonst will es mit dem Export von Getreide, das reich- lich vorhanden ist, nicht recht vorwärts gehen, das ganze Bahn- Material ist von den russischen Culturkämpfern zu ihren Cultur-! zwecken in Anspruch genommen und die Gutsbesitzer und Pächter,! die schon seit langem auf dem Trockenen sitzen und ungeduldig die Exportzeit herbeigewünscht haben, müssen mit ihrer Waare'i sitzen bleiben, da sie sie nicht oder mit nur schwerer Mühe aus> dem Lande bringen können. Die Donauhäfen, wo der Hauptexport besorgt zu werden\ pflegt, sind gesperrt, die Bahn für den Handel nur in sehr be- billiger, gerechter; und überall, wo es durch die in ihrem Rechte! bedrohten Volksmassen spricht, handelt es auch mit Mäßigung und Billigkeit, so lange das willkürliche Gesetz ihm nicht s eine rohe Gewalt entgegenstellt. Und selbst dann begnügt sich die entfesselte und siegreiche Leidenschaft der Sclbsterhaltuna mit den Gewaltthaten des Augenblicks und kehrt bald zur Besinnung zurück. Wenn die herrschenden Mächte sich's doch mit Flammenschrift I in die Seele schreiben wollten,� daß sie dem enterbten Arbeiter- I volke nicht ungestraft jede gesetzliche Bekämpfung ihrer„gesetz-! lichen" Gewalt verwehren; daß das heilige Gesetz der Selbst- erhaltung zuletzt immer des„gesetzlichen" Unrechts Herr wird selbst in dieser scheinheiligen Republik, und daß der ein I zige Weg, altes Unrecht der Gesellschaft in neue Ordnung fried! lich überzuleiten, der von der Sozialdemokratie angebahnte wissen! schaftliche Weg ist! Es ist bisher noch nicht aufgeklärt, wer der eigentliche Ur- Heber der wahnsinnigen Maßregel gewesen ist, Philadelphiaer Bürgermilizen fast 400 Meilen weit nach Pittsburgh zu schicken. Wir glauben, daß es der Eisenbahnkönig Thomas scott gewesen i ist. Gouverneur Hartranft war auf dem Wege nach Kalifornien über Utah hinausgekommen, und ehe er, der einzige Mensch im Staate Pennsylvanien, welcher das Recht der Einberufung von � Milizen hat, die Maßregel teleZraphisch verfügen konnte, waren die Philadelphiaer Bourgeois-Söhnchen und Paradepuppen be reits in Pittsburgh angelangt, hatten glücklich einige Dutzend Unbewaffnete, Weiber, Kinder und Zuschauer getödtet und ver- wundet, ohne noch angegriffen zu sein, waren vom Bolksaufstand besiegt, entwaffnet und heimgeleuchtet worden, kurz, hatten die Revolution in's Leben gerufen. In Baltimore sucht sich eben- falls Jedermann von der Verfügung der wahnsinnigen Maßregel reinzuwaschen, das große Feuersignal zur Versammlung aller Milizen gegeben zu haben. Sagen wir: Der kapitalistische Geist hat in beiden Fällen das Wunder vollbracht, ein übermäßig gesetz- und friedliebendes Volk zur Re- volution zu treiben. Wir nennen diese Maßregel wahnsinnig. Mit Recht, denn die gesammte bewaffnete Macht des Landes wäre nicht im Stande, eine wirkliche Volksbewegung zu unterdrücken, was ohne weitern Beweis einleuchtet. Von dem Augenblicke an, da die Arbeiter schränktem Maße benutzbar und da soll sich das Land, das schon so viele Prüfungen durchzumachen hatte, erholen?— Man muß über die Verblendung der Menschen staunen, die doch mit offenen Augen ganz klar ihre Situation übersehen und zu beurtheilen wiffen und doch mit solchem Gleichmuth sich es bieten lassen—„es ist ein Verhängniß, es ist ein Malheur, es ist dies und jenes, was der Himmel uns bescheert und woran wir so schwer zu tragen haben" so argumentirt man die„Schick- salsschläge" hinweg, ohne zu bedenken, daß„der Himmel" viel- leicht über diese selbstverschuldeten Dummheiten lacht und sich denkt, ihr verdient's nicht besser, ihr wollts selbst nicht anders, denn wer sonst als ihr selbst könnt' dem Unfug steuern?-- — So ist es hier, so überall und wird so lange bleiben, so lange einige Ehrgeizige, ein Häuflein hochnäsiger Herrchen mit der blöden Menge thun können, was ihnen beliebt. Die türkischen Gefangenen, die hier vorbeipassiren, sind meist Cioilisten, Kinder und Greise, die die Russen in den Dörfern bei ihren friedlichen Beschäftigungen überrascht und davon ge- schleppt haben, um sie zu Hanse im Triumph herumzuführen und so ihre Heldenthaten zu dokumentiren. Sehr würdig benimmt sich das rumänische Publikum nicht bei Anficht dieser armen Gefangenen, ganz anständig gekleidete Leute, also Leute aus der„besseren" Klasse, strecken ihre Zunge heraus, der und jener macht sich den Spaß, den Türken beim Aussteigen aus den Waggons ein Bein zu stellen, damit sie dar- über stolpern und dergleichen Roheiten mehr kann man fast jedesmal bemerken, wenn ein Gefangenenzug zum Bahnhof ein- fährt.— Correspondejizen. Äevmciker(Elsaß-Lothringen), 7. August. Erst jetzt kommt mir die Entgegnung des Herrn Leopold Sonnemann zu Gesicht. Zu meinen Ausführungen„Die Demokratie wie sie scheint und wie sie ist" gab mir die Polemik zwischen dem„Vorwärts" und der„Frankfurter Zeitung" Veranlassung. In meiner Absicht lag es nicht, eine rein geschäftliche Sache zum Gegenstand weiterer Ausführungen zu machen. Hätte ich dieses beabsichtigt, würde ich unser Gewerkschaftsorgan, den„Correspondent", in Anspruch genommen haben; da aber nun Herr Sonnemann seine Entgegnung lediglich auf den geschäftlichen Theil meiner Cor- respondenz richtet, sei es auch mir gestattet, detaillirter auf die Sache einzugehen. Zunächst bemerke ich, daß die Erwiderung des Herrn S. mir auf's Neue den Beweis liefert, daß derselbe im großen Ganzen, was Geschäftsführung anbelangt, gar nicht weiß, welche Vorkommnisse ssch in der Societätsdruckerei ab- wickeln. Mit einer aus langjähriger Praxis resultirenden pole- mischen Meisterschaft sucht Herr Leopold Sonnemann meine angeblichen„unwahren Thatsachcn" richtig zu stellen. Legen wir nun einmal an diese„Richtigstellung" die Sonde an. 1) giebt Herr S. zu, die Einrichtung betr. Urlaubs zu einer Bade- resp. Erholungsreise getroffen zu haben und sei diese Einrichtung nicht, wie ich behauptet hätte, unausgeführt geblieben. Gegenwärtig hätten zwei Setzer:c. von dieser Befugniß Gebrauch gemacht! Famos! Vor drei Jahren wurde diese Einrichtung getroffen (d. h. verkündet), dann erfolgte jahrelange Grabesstille hierüber, einige Witzbolde sorgten im Geschäfte dafür, indem sie diese Proklamation zum Gegenstand ihres Spottes machten, daß die ganze Geschichte nicht in Vergessenheit gerieth; da erscheint auf einmal eine Correspondenz im„Vorwärts", welche die Sache auch wieder in das demokratische Gedächtniß des Herrn S. zurückruft. Flugs werden zwei Setzer fortgeschickt! Dann wagt Herr S. meine Worte, dag bis jetzt Niemand(d. h. Arbeiter) von einer solchen Reise etwas zu erzählen wüßte, als eine„un- wahre Thatsache" hinzustellen? 2) widerspricht Herr S. der Meinung, die Spar- und Hilfskasse als Lösung eines sozialen Problems angesehen zu haben, und doch kann er es nicht unter- lassen, am Schlüsse dieses Absatzes die Wunderkraft dieses In- ftituts zu preisen. Schulze- Delitzsch hat es gewiß noch nicht besser fertig gebracht, in so überzeugender Weise klarzulegen, wie man aus armen Arbeitern durch solche Spar- und Hilfskassen Buchdruckereibesitzer macht. Ich könnte übrigens, da Herr S. hierbei in Zeiten zurückgreift, von welchen ich keine Äenutniß habe, hier eine diesbez. Stelle aus einer Zuschrift von zwei Collegen citiren, welche zu dieser Zeit in S.'s Geschäft standen, ich unterlasse das aber, um den Raum des„Vorwärts" nicht über Gebühr in Anspruch zu nehmen. Doch nun zu dem köst- lichen Z.Punkt. Also die Schließung der Societät erfolgte zu einer Zeit, als die Lohnbewegung jede gesunde Basis verlassen hatte! Wirklich kösttich, herrlich! Hier spricht der der Nation in dem Vorsatze geeinigt sind, die bestehenden und bedrückenden gesetzlichen Einrichtungen abzuändern, sind sie all- mächtig. Soviel also sollten doch die Herren wissen, daß das Volk hierzulande sein eigener Hemmschuh ist, und daß sie nicht auf europäische Weise Gewalt gegen Volksrecht ausspielen köu- nen; daß sie vielmehr, indem sie den Hemmschuh durch bewaff- nete Einschüchterungsversuche gegenüber großen Bolksmassen ent- fernen, unabsehbare revolutionäre Ereignisse heraufbeschwören. Dieser kapitalistischen Sippschaft hat es gar zu gut gefallen, wie die Volksbewegung der Commune von Paris mit blutiger Ge- Walt unterdrückt wurde; sse hat sich offenbar den Augenblick herbeigesehnt, da man hierzulande die Allmacht des Kapitals mit Blut taufen könne; und darüber hat sie in ihrer Verblendung ganz übersehen, daß die französische Bourgeoisie mit der Volks- dewegung in Paris uur unter mächttger Beihilfe der deutschen Heere fertig werden konnte. Obwohl der Ton der großen kapi- talistischcn Tagespreffe sehr herabgestimmt ist, so wagen es doch immer noch einzelne Blätter, auf die gegen die Pariser Com- mune beliebten Maßregeln als Muster hinzuweisen und einander „durch Pfeifen Muth einzusprechen". Wir sind den Herren sehr erkenntlich dafür, daß sie zu früh das arbeitende Volk haben in ihre Karten sblicken lassen. Die amerikanische Arbeiterwelt wird sich den Versuch des Kapitals, europäische Klassenherrschaft ein- zuführen, wohl merken! Sie wird auch aus ihrem theilweisen Erfolge die Herwegh- schen Worte beherzigen lernen:„Volk der Arbeit, aufgewacht und erkenne Deine Macht! Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will!" Auch die Arbeiter Europas werden sich durch die Nachricht von unserer Volksbewegung ermuthigt fühlen. Sie wird ihnen ein weiterer Lenzbote sein, der den baldigen großen Völkerfrühling ankündigt. Allein der große Strike lehrt uns, daß jetzt unsere Zeit zur allerthängsten Ausbreitung unserer Organisation gekommen ist und auf das Nachdrücklichste benutzt werden sollte. Es wäre doch blutwenig Gewinn aus einer so überaus weithin erweckten Sympathie für die Sache der Arbeit, aus so vielen Opfern Zehntausender von Ausständigen und aus all dem geflossenen unschuldigen Blut und zerstörtem Gute, wenn es bei der Zurück- nähme der zehnprozentigen Lohnkürzung der Bahnarbeiter und dergleichen kleinen, vielleicht hinfälligen Errungenschaften sein Bourgeois Sonnemaun; der Demokrat— nun ja Demokrat bis an den Geldbeutel! Mit Verlaub die Frage Herr S., ist das Ihre„gesunde Basis", wenn Sie ohne jede Veranlassung, ohne Steigerung der Ärbeitspreise Ihre Annoncen an der Zeitung anstatt früher 7 spaltig, 8 spaltig machen lassen, und so einen jährlichen Gewinn von verschiedenen Tausend Mark heraus- schlagen? Doch betrachten wir uns die Sache einmal bei Lichte. Dem Gehilfenverbande gelang es nach hartnäckigem Kampfe, einen Normaltarif in Deutschland einzuführen. Ich nehme keinen Augenblick Anstand, zu erklären, daß Herr S. bei allen Tarif- bewegungen einer der ersten war, welche die Forderungen der Gehilfen acceptirten; so war es auch beim Normaltarif der Fall. Nun enthielt aber der Tarif Bestimmungen, welcher eine Ent- schädigung für schwer leserliches Manuskript, sowie eine gerechte Vertheilung des„Specks"(Vortheils) forderte. Dies wurde von S. verweigert. Daß also die Angelegenheit nicht so geringfügiger Natur gewesen, wie sie Herr S. versucht darzustellen, beweist das Ausstehen fast des� ganzen Personals(mit Ausnahme 3 bis 4), bte_ meisten Setzer standen schon sehr lange, bis zu 15 Jahre im Geschäft. Es ist also einfach unwahr, wenn Herr S. erklärt, eine„Tarifverletzung" habe bei ihm niemals stattgefunden. Wenn ich auch annehmen wollte, Herr S. hätte von den flagranten Tarifoerletzungen, welche fast allwöchentlich im Geschäfte vor- kommen, keine Kenntniß und wollte sie auf das Conto des Fak- tors setzen, so ist das für Herrn S. keine Entschuldigung, da man doch wenigstens verlangen kann, daß er sich, ehe er That- fachen als„unwahr" erklärt, erst hätte informiren müssen. Ebenso verhält es sich mit der Erklärung, meine Angabe, daß ein Setzer wegen seiner sozialdemokratischen Gesinnung nicht angenommen worden, sei unwahr; die Annnahme der Setzer liege dem Faktor ob. Der Setzer H. Sch. fragte um Condition nach; Abends wurde vom Faktor und seinem Freunde ic. der Stab über ihn gebrochen: „den könne man nicht brauchen, daß sei ein Sozialdemokrat." Leider ist es mir nicht möglich, hier öffentlich den Zeugen zu nennen, da ich nicht die Condition eines Familienvaters auf's Spiel setzen will. Es ist ja sehr leicht, sich eines„Unliebsamen" direkt oder indirekt zu entledigen. U:ber Punkt 4 gehe ich hin- weg, da sich mit einem Nichtbuchdrucker über denselben nicht rechten läßt. Doch nun zum letzten Punkt. Wenn der Herr S. bemerkt, er hätte eigentlich gar keinen Anlaß, den vom Verbände festgestellten Tarif einzuhalten, so beweist er nur seine Unkenntniß in der Sache. Der Tarif gilt sowohl für Verbands- als auch Nichtverbandsmitglieder und wurde von den beiden Organisationen (Prinzipal- und Gehilfenverband) festgesetzt! Die Einschränkung der Nachtarbeit ist die Grundbedingung jeder wahren Humanität, da jede Nachtarbeit nachtheilig auf die Gesundheit des Arbeiters einwirkt; ist aber eine solche unumgänglich erforderlich, so ist es nicht mehr als billig, daß hierfür auch eine erhöhte Zahlungs- leiswng eintritt. Der Tarif hat hierfür seine bestimmte Normen. Wie aber Herr S. dazu kommt, nachdem er selbst zugiebt, daß, sobald Reichstagssitzungen 6, andernfalls 3 Arbeiter Nachtjour haben, dies für keine regelmäßige Nachtarbeit zu halten, das begreise wer Lust hat. Es ist nun eine„wissentliche Unwahr- heit", wenn Herr S. seine Weigerung der tarifmäßigen Bezah- lung für Nachtarbeit darunter zu verstecken sucht, daß in fast allen Druckereien der Lokalzuschlag von 20 auf 10 Proz. herabgesetzt worden wäre. In ganz Frankfurt existirt eine Druckerei (Kumps u. Reis), wo eine gänzliche, und zwei andere, wo eine nur theilweise 10 Proz. Lohnreduzirung durch eine Aussperrung erzielt wurde. Alles übertrifft aber die Dreistigkeit des Herrn S.. den Lesern des„Vorwärts" glauben zu machen, daß bei lOstündiger Arbeitszeit- die Setzer einen durchschnittlichen Ver- dienst von 39 M. 94 Pf. erzielten. Das ist eine Unwahrheit, mit welcher zu jeder Zeit die Prinzipale es trefflich verstanden, das Publikum zu traktiren, wenn die Arbeiter es sich unterstanden, die Arbeitslöhne in Einklang mit den gestiegenen Lebensmitteln und Wohnungen zu bringen. Ein jeder Setzerlehrling weiß, daß es eine absolute Unmöglichkeit ist, im glatten Zeitungssatze bei 10 Stunden 39 Mrk. 94 Pf. zu verdienen. Ja, es wird verdient, aber in welcher Zeit? Von einer lOstündigen Arbeits- zeit ist in den meisten Zeitungen keine Rede, am allerwenigsten in der„Frankfurter Zeitung". Die durchschnittliche Arbeitszeit ist eine mindestens 12 stündige. Mag sich Herr S. einmal das Vergnügen machen, die Arbeitszeit der Setzer Bck., Bm., Hmp. w. zu controliren, er wird dann eine durchschnittliche 15 stündige Arbeitszeit herausbekommen. Ueber die verschiedenen unrichtigen Behauptungen, z. B. daß die Arbeitszeit der jourhabcnden Setzer von 1 Uhr Mittags bis 1 Uhr Nachts daure, bemerke ich, daß dies allerdings„verkündet" worden ist, einesthcils aber durch die Schuld der Setzer selbst, anderntheils aber durch Maßregeln des Faktors wieder vergessen worden ist, so daß jetzt keine Rede Bewenden haben sollte. Nie vorher war die Gelegenheit so günstig, die arbeitenden Massen zu organisiren. Geschieht dies in größerer Ausdehnung, so ist der große Strike der Beginn einer wirklichen, nie mehr zu besiegenden, großen letzten Ar- bester- Revolution. Um dieses um so sicherer zu machen, müssen wir von aller Gewaltanwendung adrathen, welche mehr ist als Nothwehr, müssen wir vielmehr zu möglichst friedlichem Vorgehen einladen. Glücklicherweise hat die amerikanische Arbciterwelt auf diesen unfern Rath nicht gewartet, sondern fast überall von selbst in seinem Sinne gehandelt. Indessen sind doch an einigen wenigen Stellen Unordnungen vorgekommen, welche überall hätten ver- mieden werden können, wo es eine wohlgebildete Sektton der Partei oder eine mit ihr verbundene Gewerkschaft gegeben hätte. Alle lärmenden, die öffentliche Ruhe störenden Vorgänge sind mit der Sache der großen internationalen Arbeiterpartei unver- einbar, ausgenommen im Falle der äußersten Nothwehr, und führen zunächst zu nichts, das von allgemeinem und dauerndem Nutzen sein könnte, wohl aber mögen sie dieser Sache großen Schaden thun, indem sie falsche Vorurtheile gegen dieselbe er- wecken. Selbst die wärmste Sympathie, welche unsere Partei mit allen um Dasein und Gleichberechtigung ringenden Arbeitern nährt, darf uns nicht verführen, anders als im Wege gemein- samen Berathens, Beschließens und Handelns am hellen Ta- geslicht vorzugehen und uns von unserer Poth und Leidenschaft zu verzettelten Aufständen oder nur lärmenden Aufläufen fort- reißen zu lassen.(Aus dem„Chic. Vorboten".) — Seminaristensprache. Während der Rivision eines Lehrer- seminars bemerkte der Revisor, daß eine von den an den Wänden des Speisesaales angeschriebenen Bibelstellen ganz frisch überklebt war und augenscheinlich eine andere Stelle citirte, als vordem. Erstaunt machte er den Seminardirektor darauf aufmerksam, und dieser gerieth in nicht geringe Bestürzung, denn die Bibelstelle, die wahrscheinlich ein Semi- narist heimlich angeklebt haben mußte, wahr sehr bedeutungsvoll; sie steht Jesus Sirach 31, 13 und lautet:„Und denke nicht, hier ist viel zu fressen." — Zu leichtes Brod. Um wie viel besser der Eifer der Polizei angewendet ist, wenn er sich gegen die Betrüger wendet, statt zum ver- geblichen Culturkampf gegen die Sozialdemokratie, hat sich dieser Tage in Kaufbeuren gezeigt. Bei einer dort vorgenommenen polizeilichen 'mehr davon ist, mit der Arbeit um 1 Uhr Mittags anzufangen. Durchschnittlich dauert die Nachtarbeit bis 2 Uhr, öfter aber später. Zum Schlüsse bemerke ich noch, daß zwei Parteigenossen, welche als Correktoren in der„Frankfurter Zeitung" fungirten, die Herren Rohleder(jetzt Redakteur des„Zeitgeist") und Schaumann damals gekündigt wurden, weil sie sich weigerten, ohne Entschädigung Nachtdienst zu leisten. In diesen Verhand- lungen zwischen gen. Herren und Herrn S. hat letzterer so Manches, was ein scharfes Streiflicht auf seine Arbeiterfreund- lichkeit wirft, zu Tage gefördert. Rudolf Döll. St. Johann, 15. August. Vor dem Zuchtpolizei-Gericht zu Saarbrücken begann heute früh der Prozeß unserer Partei- genossen und Redakteure der„Freien Volksstimme": Harry Kaulitz und Rudolph Hackenberge r. Dieselben hielten vom 8. Juni bis Ende Juli verschiedene Volksversammlungen in den benachbarten Ortschaften Malstatt, Dudweiler, Quierschied, Sulz- bach u. s. w. ab, welche alle sehr gut besucht waren. Das ver- droß die Gegner zwar sehr, aber die eigentlichen Machinationen begannen doch erst mit dem Erscheinen der„Freien Volkssttmme". Das brachte unsre Gegner aus Rand und Band, und sämmtliche sonst gegenseitig sich anfeindenden Parteien verschworen sich, dem frechen Eindringling jedes Terrain streitig zu machen. Doch waren alle ihre Anstrengungen vergeblich, denn die„Freie Volks- stimme" hatte schon bei der zweiten Nummer eine Auflage von 1000 Exemplaren und versprach riesig zu wachsen. Hier half kein anderes Mittel, um sich des sehr unbequemen Gegners zu entledigen, als die Verhaftung der beiden Redakteure. Kaulitz wurde am 11. Juli Vormittags 10 Uhr auf Grund eines Ver- Haftsbefehl wegen Vergehens gegen die ZZ 110, 130, 131, 185 und 187 d. R.-S.-G.-B. in der Expedition der„Freien Volks- stimme" verhaftet und in das Kantonal-Gefängniß zu Saar- brücken als Untersuchungs-Gefangener abgeführt. Hackenberger wurde bei Abhaltung einer Volksversammlung in Malstatt wegen Aufreizung gegen die Staatsgesetze ebenfalls verhaftet und in dasselbe Gefängniß abgeführt.— Die des Genossen Kaulitz zur Last gelegten Vergehen bestanden in Folgendem: Aufreizung zum Widerstande gegen die Staatsgewalt, Gefährdung des öffentlichen Friedens, Verspottungen resp. Verhöhnungen der Anordnungen der Obrigkeit und Beleidigungen von Beamten uud Privatpersonen (Fabrikanten); der Staatsanwalt hatte 27 Zeugen, fast nur Be- amte, wie der Landrath, Bürgermeister, Secretäre, Gensdarmen, Polizisten u. s. w. laden lassen; die beiden Angeklagten leisteten auf den Beistand eines Advokaten sowie Ladung der Schutzzeugen aus einer mir unerklärlichen Ursache Verzicht. In der heutigen Sitzung kamen zuerst die Zeugen, welche bei den beiden Ver- sammlungen, den 16. und 23. Juni, in Malstatt zugegen waren, zur Vernehmung. Beide, Kaulitz und Hackenberger, hatten dort gesprochen, und zwar über das eherne Lohngesetz, die hohen Steuern, sowie die schon längst verpulverten Milliarden, gewiß ein sehr mißliebiges Thema für die Staatsbehörde; sodann folgte der Bericht des Bergassessor Haßlacker, Redakteur des„Berg- manns Freund", über eine zu Quierschied am 6. Juli von Kaulitz abgehaltene und von Parteigenossen Edrich von hier geleitete Versammlung.— Gleich am Eingange seiner Rede soll Genosse Kaulitz folgende Worte an die Versammlung gerichtet haben: „Freunde, Arbeiter! Tretet in die Bataillone der Revolution! Schaart euch mit mir unter die rothe Fahne!" Ferner:„Der Krieg von 1870 wäre dadurch heraufbeschworen worden, daß man dem deutschen Volke die Beleidigung des Königs in Ems vorgeschwindelt habe." Auch schien die Aeußerung:„Nieder mit den Palästen!" den Fabrikanten und Geldwänsten, sowie auch den höheren Berg- und Eisenbahn-Beamten eine unsägliche Angst eingeflößt zu haben. Natürlich wurden alle die Aeußerungen auf's schärfste aufgefaßt; hatte doch der Commissar von Sulzbach erwähnt, das Volk wäre nach der Versammlung so erbittert und aufgeregt gewesen, daß an eine Verhaftung des betr. Kaulitz nicht gedacht werden konnte, sonst hätte es blutige Köpfe gegeben. Nachdem noch drei Beamte den aufreizenden Charakter der Quierschieder Reden bezeugt, folgte noch die Verlesung eines Berichts des liberalen Leibstenographen Mönch über eine in St. Johann am 8. Juli abgehaltene Volksversammlung. Hacken- berger und Kaulitz als Einberufer sprachen u. A. von Personen, welche mit den Aermeln das Zuchthaus gestreift hätten, sowie auch über die Ausbeutung der Arbeiter durch den Fiskus und die Fabrikanten. Das Stenogramm, welches Genosse Hacken- berger und Kaulitz als fehler- und lückenhaft bezeichneten, wurde von dem Stenographen Mönch aufrecht erhalten.— Mit diesen Zeugenvernehmungen wurden die Verhandlungen Nachmittags halb 2 Uhr geschlossen. Fortsetzung morgen. 16. August. Den Anfang der heutigen Verhandlung bildete die weitere Verlesung des stenographischen Berichts der am Visitation des Brod es wurde eine große Anzahl Bäcker zur Anzeige gebracht, welche durch Verkauf mindergewichtiger Waare daS Publikum beschummelten. Die betreffenden spießbürgerlichen Herren vom Backtroge sind selbstverständlich lauter liberale und ultramontane Culwrkämpfer, die daS„Eigenthum" gegen die Sozialisten vertheidtgen. An unsere Brüder in der alten Heimath. Melodie: Zieht im Herbst die Lerche fort. Zieht nicht aus der Heimath fort, Drückt die Noih auch schwer, Seid ihr hier am fremden Ort, Drückt sie noch viel mehr! Lug und Trug ist, was man hier Noch von Freiheit spricht, :,: Rohe Büttel hat man wohl, Freiheit hat man nicht!:,: Nur der Geldsack ist geschützt Hier auf seinem Thron, Seine Macht er täglich nützt, Allem Recht zum Hohn. Hast du Hunger, lacht er dir Höhnisch in's Gesicht: „Blaue Bohnen geb' ich wohl, Brod doch geb' ich nicht!:,: Bruder traut dem Bruder kaum, Alles ist sich feind Und es ist für Keulen Raum, Der es ehrlich meint.— Selbst die Presse hat verkannt Immer ihre Pflicht, :, Menschenschindern dient sie wohl, Wahrheit liebt sie nicht!:,: Regt es in der Heimath sich, Kehren wir zurück, Kämpfen mit euch brüderlich Für des Volkes Glück; Denn vergeblich ist hier doch Was man schreibt und spricht,— Götzendiener giebt's hier wohl, Freiheitskämpfer nicht:,: Gustav Lyser. (Aus dem„Ehic. Vorboten") 8. Juli zu St. Johann gewesenen Volksversammlung. In dieser valider Beamter mit 27 Mark monatlich recht gut auskommen larismus zu unseren Gegnern haben. Tretet Alle muchig ein in den Versammlung soll Hackenberger den geringen Lohn der Fabrik- könne? Wahlkampf und fehle am 12. September keiner an� der Wahlurne! arbeiterinnen erwähnt haben, wodurch dieselben, da der besagte Lohn zum nothdürftigen Lebensunterhalt nicht hinreichend wäre, dem Laster in die Arme fallen müssen. Der Präsident bemerkte hierbei, daß die meisten Fabrikmädchen noch ihre Eltern haben und dieselben einen Verdienst von auch nur 1 Mark als eine nicht zu verachtende Unterstützung betrachteten. Nachdem einige Zeugen(Beamten) den„aufreizenden" Charakter der Rede noch- mals bestätigt hatten, entwickelte sich eine kleine, aber lebhafte Debatte zwischen Genosse Hackenberger, Staatsanwalt und Ma- schinenmeister Nepilly, die wir aber übergehen wollen. Nachdem die Verlesung des stenographischen Berichtes über die letzte in Malstatt stattgefundene Volksversammlung, in welcher Hacken- berger durch den Landrath verhaftet wurde, beendet war, kamen noch verschiedene Artikel der„Freien Volksftimme" zum Vor- trag, in welchen theils Verstöße gegen das Gesetz, theils Beamten- beleidigungen enthalten sein sollten. Hierauf eine einviertel- stündige Pause, nach deren Vcrfluß der Vertreter des öffentlichen Ministeriums(Staatsanwalt) das Wort ergriff. Derselbe hält mit Uebergehung aller Details sämmtliche Anklagen aufrecht und beantragt für jeden der Angeklagten 3 Jahre Gefängniß.— Hackenberger und Kaulitz haben in ihrer Vertheidigungsrede auf das Auditorium einen sehr günstigen Eindruck gemacht, sie wider- legten sämmtliche Anklagepunkte und verlangten beide, hauptsächlich Kaulitz, welcher voraus wußte, daß er nicht freigesprochen werden würde, unparteiische Gerechtigkeit. Hackenberger verlangte in einer längeren Rede ebenfalls nur Gerechtigkeit, beantragte aber Freisprechung. Die Publikation des Urtheils wurde auf morgen vertagt und lautete, wie den Lesern des„Vorwärts" bekannt ist, gegen beide Parteigenossen auf 2'/- Jahr Gefängniß, Tragung der sämmtlichen Kosten und Einrückung des Urtheils in die „Freie Volksstimme".— r. Kanau. Seit langer Zeit ist von hier kein Bericht an den „Vorwärts" eingegangen, doch die letzten Vorgänge nöthigen mich, mit wenigen Worten derselben zu gedenken. Die Gewerk- schaft der Schneider hielt vom 12.— 16. August ihre General- Versammlung hier ab. Ziemlich alle Delegirte trafen am 11. bereits ein, und war von den hiesigen Genossen die Begrüßung verknüpft mit einer Abendunterhaltung in der„Reichskronc" veranstaltet, wozu sich die Arbeiter Hanau's gleichfalls zahlreich eingefunden hatten. Der Gesangverein„Sängerkreis" sowie mehrere Genossen boten Alles auf, daß der Abend in höchst unterhaltender und gemüthlicher Weise verlief. Am 12. um 11 Uhr wurde die Generalversammlung durch den Vorsitzenden des Comitös eröffnet, nachdem Herr Klerx(Gießen) eine kurze An- spräche gehalten, ward die vorläufige Leitung dem Altersfiräsi- deuten Herrn Raasch(Berlin) übertragen. Nach Erledigung der nöthigen Vorfragen erstattet die Commission zur Prüfung der Mandate Bericht: Es sind 33 Delegirte anwesend, die 53 Orte mit 2025 Mitglieder vertreten, die Krankenkasse ist mit 1029 Mitglieder vertreten, welch letztere Zahlen sich noch um etwas vermehrten, da noch einige Mandate später eintrafen. Hierauf findet die Wahl des Bureaus statt. Stuhr(Dresden) wurde als Vorsitzender gewählt. Um jedoch den Raum nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen, will ich nicht alle Einzelheiten er- wähnen, sondern mich auf das Nothwendigste beschränken. Die Hauptpunkte der Tagesordnung find die Agitatton, das Fach- organ, welches vom 1. Oktober d. I. in vergrößertem Format erscheint, und das Unterstützungswesen. Der Kassenbericht ergiebt als Gesammteinnahme Mrk. 7046,18; Ausgabe Mrk. 4410,59; Bestand Mrk. 2635,19. Sterbegeld wurden Mrk. 828, Reise- Unterstützung Mrk. 454,86 ausgezahlt. Gleich günstig stellte sich der Bericht der Krankenkasse, wo aus der Hauptkasse allein über 2500 Mrk. als Zuschüsse nach den verschiedenen Orten ausge- zahlt wurden. Die Generalversammlung verlief in sehr würdiger Weise und lag den Verhandlungen eine Einheit und Klarheit in allen prinzipiellen Fragen zu Grunde, die mit Eifer betrieben, einen sehr günstigen Eindruck machten und zu den besten Hoff- nungen berechtigen. Sicherlich wird diese Versammlung allen hiesigen Genossen, sowie sämmtlichen Delegirten noch lange eine schöne Erinnerung und ein Sporn zur erneuten Thätigkeit sein. Allen Schneidergehülfen und Kleinmeistern rufe ich hierauf zu: Tretet dem Vereine bei. Kurz erwähnen will ich noch, daß am Sonntag Nachmittag 5 Uhr ein Ausflug mit Musik und Fahne durch die Stadt nach der„Rosenau", und am Montag Abend eine Volksversammlung stattfand. Die Betheiligung war massenhaft. In der Volks- Versammlung sprach Herr Klerx aus Gießen über„Die mensch- liche Gesellschaft" und erledigte sein Thema in einem einstündigen Vortrage zu aller Zufriedenheit. Mehrere Delegirte betheiligten sich an der Debatte.— t. Kannover.(Aus dem Leben eines Bahnwärters.) Vor einiger Zeit stand im„Vorwärts" ein Artikel, enthaltend eine Rede des Herrn Abgeordneten Meyer-Arnswalde, gehalten am 11. Januar 1877. In diesem Artikel nun ist die Behauptung des Herrn Abgeordneten angeführt, ein invalider Beamter käme mit einer Pension von 27 Mark monatlich recht gut aus. Es widerlegt sich diese Behauptung zwar schon von selbst, ihre Abgeschmacktheit aber wird erst recht erwiesen durch folgende wahrheitgetreue Schilderung des Looses eines Bahnwärters Mit sozialdemokratischem Gruß Das Arbeiter-f Briefe und Gelder sind zu senden an H. ahlcomitö. eichenbach zu Graz(Steiermark), 6. August. Noch nie habe ich etwas von der„ersten österreichischen Pensionisten-Residenz" Graz im mm,»-„b h»m ich je™ Wj«. u holen. In erster Linie muß ich auf die soziallsten hetze, welche Linden, welche bei der Vertheilung von Stimmzetteln behilflich sein ,n Oesterreich ,n der tollsten und unverschämtesten Weye be- wollen, werden gebeten, sich Freitag, den 24. August, Abends 8 Uhr, trieben wird, hinweisen. Nicht genug, daß die Arbeiterblätter im Vereinslokal bei Hrn. Hengstmann in Limmer einzufinden. fast regelmäßig confiszirt werden, confiszirt man häufig auch J__ deren Redakteure, und es wird wohl nicht lange dauern, so wird»c i.- r-• crt.~■ man auch die Leser der Parteiblätter wegen„sozialisttscher Um- Parteigcnostcn in Thüringen. triebe" sechs Monate in Untersuchungshaft nehmen. Ja selbst Genossen! Um Plan und Regelmäßigkeit in die Agitation zu bringen, Aufsätze, welche man vor 5-10 Jahren ganz unbeanstandet ist es nothwendig, daß seitens der Genossen verschiedener Städte in drucken konnte, werden heute für„staatsgefährlich" erklärt. Thüringen eine Besprechung stattstnde. Im Einverstandmß Wahrhaftig ein trauriger Zustand, der dringend der Abhilfe be- darf. Einen Beweis, in welch gemeiner Weise österreichische Sozialisten verfolgt werden, liefert z. B. folgender Vorfall. Ein hiesiger Parteigenosse bezog direkt von Leipzig öfter Broschüren, ließ auch, wenn ihn Jemand darum ersuchte, für andere Partei- genossen welche mitkommen, was nach unserem sehr reaktionären Preßgesetze nichts„Staatsgefährliches" einschließt. Nun wollte aber das Schicksal, daß in der Expedition des„Volksstaat" die Adresse des betreffenden Parteigenossen mit einer solchen in Deutschland verwechselt wurde, und ein an den Parteigenossen in Deutschland abzusendendes Packet nach Graz gesandt wurde. In demselben befanden sich 200 Exemplare der„Agitations- nummer" des„Volksstaat" und andere Schriften. Unser Par- teigenosse, überrascht durch eine Sendung, welche er nicht zu erwarten hatte, sandte sofort auf das Zollamt, um das ihm zu- gesandte Packet abzuholen. Doch was mußte er erfahren? Er bekam das Packet nicht ausgefolgt, sondern man sagte ihm, daß dasselbe vorerst der Statthalterei vorgelegt werden müsse. Unser Parteigenosse, wohl wissend, daß von dort nichts Gutes kommt, zog es jedoch vor, auf die ihm zugedachte Sendung Verzicht zu leisten und dieselbe der Statthalterei zu überlassen. Doch diese wollte von einem Sozialdemokraten kein Geschenk annehmen und wollte es durchaus an unseren Parteigenossen wieder abtreten. Da derselbe nichts bestellt hatte, da ihn ferner ein Schreiben der Expedition in Kenntniß setzte, daß diese Sendung nicht sein Eigenthum, er sie vielmehr an den Aufgeber retour zu senden habe, so konnte derselbe diese Sendung selbstverständlich nicht als sein Eigenthum erklären. Die Statthalterei wollte das aber dennoch, und als unser Parteigenosse hartnäckig das Eigenthums- recht ablehnte, wurde er wegen Uebertretung des Z 23 des Preßgesetzes(unbefugte Colportage) zwar angeklagt, aber nach Lage der Sache freigesprochen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft war jedoch mit diesem Urtheile nicht zufrieden und meldete die Berufung an. Es fanden darüber zwei weitere Verhandlungen statt, welche jedoch vertagt wurden, da der Parteigenosse, welcher in dem erwähnten Briefe genannt war, nicht gefunden werden konnte. Endlich bei der dritten Appellverhandlung stellte es sich heraus, daß diese verhängnißvolle Sendung nicht Eigenthum unseres Parteigenossen sei, daß sie vielmehr das Eigenthum eines Parteigenossen in Crimmitschau ist, und mußte das Richtercolle- gium abermals auf Freisprechung erkennen. Zu erwähnen ist noch, daß die genannte Sendung im Juli vorigen Jahres an- langte; die erste Verhandlung fand im November v. I., die zweite im Januar, die dritte im März und die vierte im Juli l. I. statt. Also befand sich diese Sendung ein volles Jahr in den Händen der österreichischen Behörden. Hoffentlich werden diese die dem österreichischen Staate so„gefährlichen" Schriften als„Portofteie Dienstsache" dem Aufgeber übermittelt haben. .mit den Genossen in Weimar und Apolda berufe ich zu diesem Zweck für Sonn- tag, den 26. August, Niittags 1 Uhr, in Klein's Lokal, am Bahnhof in Weimar, eine Conferenz ein und bitte die Genossen Thüringens, recht zahlreich auf derselben zu erscheinen. Leipzig, den 21. August 1877. Mit Gruß und Handschlag Fr. Nauert, Frankfurter Str. 31. Halle. Diejenigen Genossen, welche Beträge zur Litteraria ge- zeichnet, aber noch im Rückstände sind, fordere ich auf, dieselben nun- mehr einzuzahlen. Ferner befinden sich in Händen der Genossen Ober- Häuser, Kapser, Kröger, Blopfeld und Biehl noch Sammellisten. Die- selben müssen zurückgegeben werden, da in nächsten Tagen neue herum- gehen sollen. Rüdiger. Zur Beachtung für die Antheilschein-Zeichner der Genossenschafts- Buchdruckerei zu Kiel(eigetragene Genossenschaft.) In den letzten Tagen sind mehrere Anfragen an mich gerichtet, warum ich nicht Statuten und Jnterimsscheine an Diejenigen, die ge- zeichnet haben, sende. Hierzu bemerke ich: Statuten für alle Mitglieder können nicht eher gedruckt und versandt werden, ehe nicht daS Handelsgericht zu Kiel die daselbst eingereichte Vorlage genehmigt hat.— Würden wir jetzt schon tausende von den Statuten drucken lassen und das Handelsgericht machte einige Aendcrungen, was nicht zu den Unmöglichkeiten gehört, so wäre die so bedeutende Geldausgabe umsonst gemacht; eS müßten neue gemacht werden.— Ferner können Jnterimsscheine erst dann an die Mitglieder gesandt werden, wenn dieselben Voll- oder Ratenzah- lungen gemacht haben, weil die betreffende Summe auf dem Interims- schein, sowie der Name des Mitgliedes und die Nummer verzeichnet werden muß, es ist also nicht möglich, den Jnterimsschein unausgefüllt zu versenden. Dazu kommt noch, daß dann auch die Bücher nicht ge- ordnet werden können. Ich ersuche nun die Mitglieder der Genossen- schafts-Buchdruckerei(e.&.), an allen Orten Schleswig-Holsteins einen Vertrauensmann aus ihrer Mille zu ernennen, dem sie das Geld für die Antheilscheine anvertrauen; dieser führt eine doppelte Liste über Diejenigen, die bezahlt haben und darüber, wie viel Jeder entrichtet Briefkaste« der Redaktion. H. B. in Greiz: Sie thun gut, die Kasse schon jetzt dem Hilfskassengesetz anzupassen, da vom Jahre 1884 an jeder Ar- beiter verpflichtet ist. einer eingeschriebenen Hilfskasse anzugehören, gleichviel ob er schon Mitglied einer anderen Kasse ist oder nicht. Thun Sie das nicht, so ist an ein Fortbestehen Ihrer Kasse nach 1834 gar nicht zu denken, da man dem Arbeiter im Allgemeinen nicht zummhen kann, Mitglied zweier Kassen zu sein. Fr. Stöcker, ftüher in Altona, wird ersucht, seine Adresse einzu- senden an W. Paschburg, Ungerstraße 74 2. Etage, Altona. Fonds für Gemaßregclte. Ueberschuß der Volksvers, in Plagwitz durch Quenzel 44,67. Arb.-Vcr. Reudnitz 10,00. Arb.-Ber. Plagwiy 1,45. Annoncen für die Mittwoch S-Nummer müssen bis Mou- tag Vormittags 9 Uhr; für die Freitags- Nummer bis Mitt- woch-Bormittags 9 Uhr; für die SonntagS-Nnmmer bis Frei- tag Bormittags 9 Uhr hier sein, wenn solche noch bestimmt Anfnahme finden sollen. Annoncen, denen der Betrag nicht beiliegt, oder für welche der Einsender kein Depot bei nnS hat» können eine Aufnahme nicht finden. Die Expedition des„Vorwärts". Hannover. Sountaz, den 26. August, im„Parkhause"' vor Herrenhausen: Stiftungsfest der vereinigten Schuhmacher bestehend in Coneert und Ball. Festkarten ä 80 Pf., Coaeert 30 Pf. sind bei Herrn Wietgrefe, Mittelstrasse 11, zu haben. Freunde und Gönner ladet freundlichst ein(F 160)[24G An&ng 4 Uhr. Das Fest-Comitö. fA/ttmrt'Mör Sonnabend, den L5. August, Abends jptUUlVVuJ-. 8'/» Uhr:(F. 163> Große Volksversammlung in den Sälen des Hrn. N arten. Tagesordnung: Der 2. September und dessen Bedeutung für das deutsche Volk vom Standpunkte der Sozialdemokratie. Referent Herr Praast aus Hamburg. n.Siv H. Rudolph. Kreis Offenbach-Diebnrg. smÄ Berg bei Offenbach: Großes Wahlfest. Concert und Festrede. Die Festrede hält der Reichstagsabgeordnete Wilh. Liebknecht.(2,10 Freunde u. Gönner sind höflichst eingeladen. Beginn der Bus» stellung des Festzuges um 1 Uhr Mittags, Abmarsch>/,2 Uhr. lF.240> Enlree 20 Pfg. Damen frei. Das Comitö. Leipzig u. Umgegend. Sonnabend, den 25. August, Abends 8 Uhr: Versammlung bei Menzel, Täubchenweg- und llurze Straße-Ecke. Tagesordnung: Die Wahrheitsliebe des Herrn Söhler, Geschäftsführer der Metallarbeiter- Gewerksgenossenschaft, und der Artikel in Nr. S6 des„Vorwärts". Zahlreiches Erscheinen wird erwartet, Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen.(80 Also ein Bahnwärter in Bückeburg, Vater von drei Kindern, hat, und ob es für einen oder mehrere Äntheile bestimmt ist. Eine von wovon das jüngste circa 5 Jahre alt, war durch die großen"~'' Anstrengungen des Dienstes kurzsichtig geworden und beantragte deshalb seine Pcnsionirung. Diese wurde ihm endlich auch ge- währt und zwar im Betrage von 80 Thalern jährlich. Als ich die Wohnung dieses Mannes betrat, glaubte ich mich eher den Listen sendet mir der Vertrauensmann nebst der Gesammtsumme ein; ich trage dieS in's Buch ein, schreibe Jnterimsscheine aus und sende dieselben zurück. Die Jnterimsscheine werden später gegen An- theilscheine, die, beiläufig bemerkt, auch schon im Druck sich befinden, umgetauscht; abcr nur aus voll eingezahlte Äntheile werden später An- ,n der Hütte eines Indianers als in der Rebm.fi,™' eifirs' lheilscheine ausgefertigt; so lange Mitglieder Ratenzahlungen leisten. c, Jnrnaners als in Der Beljausung emes roetben Jnterimsscheine für sie ausgegeben.- Ich bitte dies zu beher- Beamten zu befinden. �Die älteste Tochter des Bahnwärters, und in nächster Zeit nur so vorgehen zu wollen, wie ich es oben die früher bei mir in Dienst stand, war nicht anwesend, auch seine zweite Tochter nicht, nur das kleinste Kind kauerte in einem Winkel des Loches, starrend von Schmutz, die Augen ganz ent- zündet, jedenfalls von dem fortwährenden Rauche der Lokomo- tiven herrührend. Das Möblement bestand aus zwei Schemeln und einem Fragment von Sopha, auf dem das Kind saß. Ohne angedeutet habe, damit vom 5. September ab die Gelder aus allen noch fehlenden Ortrn nach Kiel an H. Walthcr, Holstenstraße 14, gesandt werden können. Am 5. September nämlich übersiedle ich nach Kiel, um alsdann dort die Geschäfte der Genossenschaft zu leiten. Nach Altona bitte ich keine Geldsendungen mehr zu richten, da ich w 2- September flUf st9itation 6in* einigen Stücken Gurten überspannt, und darüber ein zerrissenes Laken gebreitet. Weitere Möbel waren nicht vorhanden, auch war von Kammer und Küche nicht die Rede. Diese elende Hütte stellte eben die ganze Wohnung der Familie vor. Endlich er-! schien auch die Frau, eine große hagere Gestalt, die einer leben- H. Walther. Handelsrichterliche Bekanntmachung. Nachstehende Firma: Fol. 5 des Genossenschaftsregisters.' Allgemeine Anhaltische Affociations-Buchdruckerei, eingetragene Ge- nossenschaft, hat ihren Sitz in Bernburg. Gegründet auf Grund des Gesellschaftsvertrages vom 20., 26. resp. 28. Juli 1877 und als solche unterm heutigen Tage eingetragen. Eine bestimmte Zeitdauer der Genossenschaft ist im Gesellschaftsver- trage nicht enthalten, dieselbe soll vielmehr abgesehen von den Fällendes Concurses oder den sonstigen gesetzlichen Auflösungsgründe für auf- gelöst gellen, wenn in einer zu diesem Zwecke berufenen Generalver- sammlung drei Viertel aller in derselben vorhandenen gültigen Stim- men für die Auflösung abgegeben werden. Gegenstand des Unternehmens ist der Betrieb des Preßgewerbes, namentlich Zeitungsvcrlag verbunden mit Buchhandel. Derzeitiger aus die Dauer eines Jahres gewählter Vorstand: 1) Schriftsetzer Wilhelm Richter in Bernburg, erster Disponent� 2) Arbeiter Carl Pölitz in Bernburg, zweiter Disponent; 3) Glaser Rudolph Huth in Bernburg, Kassirer. Zur rechtsverbindlichen Zeichnung ist die Unterschrift des KassirerS und wenigstens eines Disponenten erforderlich, welche ihre Namens- Unterschrift der Firma hinzuzufügen haben. Form der Bekanntmachung. Alle nach dem Gesellschaftsvertrage erforderlichen Aufforderungen, Einladungen, Bekanntmachungen erfolgen in der zu Bernburg erschei- nenden Zeitung„Anhaltischer Bolksfreund" und in der zu Leipzig er- scheinenden Zeitung„Vorwärts" und sind damit für alle Theile rechts- verbindlich. Das Verzeichniß der Genossenschafter kann.jederzeit beim unterzeich-- neten Handelsrichter eingesehen werden. ist laut Verfügung vom heutigen Tage in daS hiesige Genossenschafts- register eingetragen worden. Bernburg, den 18. August 1877..[11,10 Herzogs. Anhalt. Kreisgericht. Der Handelsrichter. Mayländer. Hoffmann. Wir empfehlen unsere haltend: Beilage zur„Neuen Welt" Nr. 20, ent Aufruf an die Parteigenossen des 9. hannoverschen Wahlkreises(Hameln). i.- n-x L■ c-„,.. Vor einiger Zeit haben die Parteigenossen resp. der Sozialdemo- den Leiche glich, so hatte die Sorge und die Entbehrung die kratische Wahlverein Hierselbst den Parteigenossen Cigarrenarbeiter Ernst,. Aermste abgezehrt! Auf meine Frage, wo ihr Mann sei, ant- August Heinrich Meister aus Hannover als Arbcitercandidaten zur �_ rcr-X. i.."£<- ä-,. »ortete sie, derselbe stehe beim Fürsten im Tagelohn, um dessen Neuwahl für den 9. hannoverschen Wahlkreis zum deutschen Reichstag hOftt OvTtCClvs Garten umzugraben gegen einen Gehalt von 75 Pfg. pro Tag! aufgestellt, und ist derselbe in allen nach der Zeit stattgefundenen Volks- F-.! Wirklich ein Heidengeld! Mit dieser lächerlichen Summe Versammlungen als solcher fast einstimmig anerkannt worden. Wir iwUUpttttzu. auszukommen ist geradezu unmöglich. Die elende Hütte allein haben nun deshalb, um auf denselben eine größere Stimmenzahl zu--- J-'- knftet iäbrlicb imiilf Tbaler vereinigen als am 10. Januar, Alle? gethan, was wir vermochten. mia fxnt>,• Der sozialdemokratische Wahlverein hier, welcher erst in diesem Jahre « f. Hf S ä gegenüber solchen schreienden Thatsachen die entstanden ist, vermag die Kosten, welche bei einem solchen Wahlkampfe Behauptung des Herrn Meyer- Arnswalde für einen Werth? aufgebracht werden müssen, nicht herbeizuschaffen. Wir fordern deshalb Und was hat das Volk Überhaupt von einem Abgeordneten zu alle Parteigenossen dringend auf, ihre volle Pflicht und Schuldigkeit zu erwarten, der dreist genug ist, es auszusprechen, daß ein in- thun und nicht zu vergessen, daß wir den Liberalismus und Partiku- Leipzig. Preis pro Stück 10 Pfg. In Partien billiger. Die Expeditiiu der„Neue« Welt". Färberstr. 12. IL Verantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipzig. Redak�n und Expeditton Färberstraß- 12/ll. in Leipzig. Druck ,md Set'-*« dt» GruoffnsschaitSbuchdruckerei in Lelpzi»