Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Wonucmrntsvrcis für gan; Teurschland 1 TO. 60 PI. pro Quartal. Monats> Abonnements »erden bei allen deutschen Po'ianstalten »ut den Z. und Z. Ttonat, und auf den Z.Mona: besonders angenommen: im »Snigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Altcnburg auch ans den Ken Monat des Quartals i 54 Psg. Inserate betr. Bcr'ammlungen dr. Petitzeilc 10 Ps., betr. Prioatangelegen heilen nnd Feste pro Petitzeile ZO Pf. !!este!!:ll!gen nebmen an olle Postanpalten und Buch- Handlungen des In- u. Auslandes. Fllial» Expeditionen. Neto-Uorl: Soz.-dcmokr. Kenoslen- schastsbnchdruckerei, 154 Xlchrich?« Str. Philadelphia: P.Haß, OSO ZSortir Sri Street. I. Voll, 1129 Charlotte Str. Hodoien N.J.: F. St. Sorge, 215 Washington Str. Chicago: A. Lanscrmann, 74 Ciz-dhume»v-. San Franzisco: F. Eich, 418 v'd'arreli Str. London W.: C. Hcnze, 8 Nev'ltr. Llolchen Sguare. Kentrat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands: Nr. III. Freitag, 21. September. 1877. STA Abouuemcnts-Einllldung. Mit dem 1. Oktober 1877 beginnt ein neues Quartal, und ordern wir deshalb zu zahlreichem Abonnement auf das wöchent- lich dreimal erscheinende Parteiorgan auf. Der Preis beträgt 1 Mark 60 H'f. pro Quartal, 54 Wf. pro Monat für ganz Deutschland. Alle Postanstaltcn und Buchhandlungen nehmen Abonnements entgegen. Denjenigen Abonnenten, welche das Blatt per Kreuzband bezichen, wird dasselbe bei wöchentlich dreimaliger Zuwendung in folgender Weise berechnet: sür Deutschland, Helgoland und Luxemburg 3 Mark per Quartal; für die Schweiz, Serbien, Belgien, Scandinavien, Italien, die Niederlande, Großbritannien, Rumänien, Portugal, Frankreich, Spanien, Türkei und Bereinigten Staaten von Amerika 4 Mark; Couvertscndungen innerhalb des deutschen Postgebietcs incl. Oesterreich- Ungarn, Luxemburg und Helgoland wöchcntl. 3mal 10 Mark pr. Quartal, wöchentl. Imal 4,80 Mark pr. Quartal. Ter Abonnements-Betrag ist bei Bestellung einzusenden. In dem Zeitungskatalog steht der„Vorwärts" im Nachtrag XI, unter Nr. 3770», Seite 2. Für Leipzig und Umgegend ist der Abonnementspreis mit Bringerlohn) auf 1 Mark 80 Pf. pro Quartal und 60 Pf. pro Monat festgesetzt. Man abonnirt bei der Expedition d. Bl. Färberstraße 12/11, unserem Colporteur Moritz Ulrich, Süd- straße 12, in den Filialen: Cigarrenladen des Hrn. Peter Krebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkstatt am Königsplatz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen:'Dolk» marsdorf, Reudnitz, Zkeuschönefeld k.:c. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr.; für Connewitz ic. Hackert, Kurze Str. 10 Part.; für Kleinzschocher und Umgegend bei F. Trost Hauptstr. 10 1; für Thonberg bei Bosch, Hospitalstr. 39/11 dahier; für Jleureudnitz bei Zschau, 15 1;'für Gohlis:c. bei A. Hermsdorf, Lindcnthalerstr. 7; für Stötteritz bei E. Grude, An der Papiermühle; für �lagwitz-Lindenau bei Frau Grebenstein, Aurelienstraße 3. Für Berlin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf. /frei in's Haus) abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaiser-Franz-Grcnadier-Platz 8-1 und Rubenow, Brunnenstr. 34, im Laden. Die Leipziger Abonnenten werden noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß bei allen Stadtpost-Filialcn Quartals- abonnements angenommen werden. An die Leser des„Vorwärts"! Das Kaiserliche General- Postamt zu Berlin hat verfügt, daß die bisher bestandene Ausnahmebestimmung, wonach gewisse Zeitungen auch auf einen Monat nur, innerhalb Sachsens durch die Post bezogen werden konnten, von jetzt an aufgehoben werde. Es werden daher vom 4. Vierteljahre ab in Gemäßheit der Allgemeinen Bestimmungen außer den Vierteljahrsbestellungen nur Zeitungsbestellungen auf den 2. und 3. Monat zusammen, sowie auf den 3. Monat jeden Vierteljahres besonders, an- genommen, bezw. aufgegeben werden. Die Redaktion und Expedition des„Vorwärts". Prchdummheit oder Preszlüge? Die„Leipziger Bolkszeitung" schreibt triumphircnd: „Die Sozialisten fangen an, in Betreff ihrer positiven Weltbeglückungspläne Farbe zu bekennen. Auf ihrem inter- nationalen Congreß zu Gent wurde am 11. d. M. die Debatte über die Produktions- und Eigenthumsfrage durch die Annahme folgender Resolution abgeschlossen:„In Erwägung, daß. so lange das Land und die übrigen Arbeitsinstrumente, welche die Mittel des Lebens sind, von einzelnen Individuen oder Sektionen in Besitz genommen oder als Privateigenthum monopolisirt werden, die ökonomische Unterdrückung der Masse des Volkes mit ihren nothwendigen Folgen: dem Elend und der Aushungerung fort- dauern muß, erklärt der Congreß: Es ist nothwcndig, daß der Staat, welcher das ganze Volk vertritt und umfaßt, und innerhalb dessen die freien Cowmunen organisirt sind, Eigen- thümer des Landes und der übrigen Arbeitsinstru- mentc werde." Da haben wir also in nackten Worten das Programm der Confiscation jedes privaten Eigentyums, welches bisher wenigstens in Deutschland von den Führern der Partei als eine verleumderische Erfindung von Seiten ihrer Gegner bezeichnet wurde. Da zu den„übrigen Arbeitsinstrumenten" vor allen Dingen auch das Kapital gehört, so wüßten wir nicht, was dem Einzelnen noch an eigenem Besitz verbleiben sollte, falls diese Resolution jemals prak- tische Bedeutung erlangte. Jedenfalls hat das Vorgehen des Gcntcr Congresscs für uns den Vortheil, daß es die deutschen Sozialisten hinfort der Möglichkeit beraubt, ihre eigentlichen Endziele abzuleugnen oder hinter allgemeinen Redensarten zu verstecken." Schreibt da wieder so ein Mensch in die Welt hinein, ohne das Programm der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands jemals nur angeschaut zu Habeii. In diesem Programm heißt es wörtlich: „Die Befreiung der Arbeit erfordert die Verwand- lung der Arbeitsmittel in Gemeingut der Gesellschaft." Wer ist diese Gesellschaft? Antwort:„Der Staat, welcher das � ganze Volk vertritt." Was heißt Arbeitsmittel? Antwort: Alles was zur Produk- tion erforderlich ist—„das Land und die übrigen Arbeitsinstru- mcnte", natürlich auch das Kapital. Wenn der Verfasser der Notiz in der„Leipziger Volkszci- tung" sich nun vielleicht entschuldigen will, daß ihm das in Hunderttausenden Exemplaren verbreitete Programm der sozia- listischen Arbeiterpartei, welches 1875 bei der Vereinigung in gewirkt, allein dieser Vorthcil sei doch zu theuer erkauft worden. Der eine Varlin war vielleicht schon ein zu hoher Preis dafür. Freilich, die Commune sei ja nicht planmäßig vorbereitet, son- dern den Pariser Arbeitern durch die Umstände aufgezwungen worden. .Brismee von Brüssel, einer der Präsidenten des Basler Congresscs, ergriff hierauf das Wort, um in einer bald pathe- tischen, bald humoristischen, stets gleich wirkungsvollen Rede den Anarchismus zu geißeln und der Lächerlichkeit zu überliefern. Kraft getreten ist, nicht bekannt sei, oder wenn ihm die Fassung Zur Charakterisirung des von einem Anarchisten ziiirten Worts des betreffenden Satzes nicht klar genug erscheint, obwohl wir von Ehe(nicht zu verwechseln mit Elisäe), Reclus: Je schlech- sie für corrccter halten, als die auf dem Genter Weltcongreß �r es dem Arbeiter geht, desto besser geht es ihm, denn desto beliebte, so machen wir die„Leipziger Volkszeitung" auf einen revolutionärer wird er, erzählte er, daß diese Meinung schon Leitartikel aufmerksam, der unter der bezeichnenden Ueber- alt sei, aber auch ihre zwei Seiten habe. Der belgische schrift:„Eigenthum und Erbrecht" noch jüngst in Nr. 100 Sozialist Pellcrrng' Hab- das erfahren. Derselbe ist Schuh- des„Vorwärts" vom 26. August dieses Jahres erschien, in wel- � wacher,� hat em gutes Geschäft und warf bei jeder�Gelegenheit chem es wörtlich heißt: „Es handelt sich einfach darum, daß alle Produktions- instrumente, alles Kapital, welches zur Herstellung von Werthgegenständen dient, und sämmtlicher Grund und Bo- den aus dem Einzelbesitz in den Gesammtbcsitz übergehe, daß aber immerhin auch in einer sozialistischen Gesellschaft Einzel- besitz an Genußmitteln, an Gebrauchswerthen vorhanden sein kann." Ist das deutlich?— Aus dieser kurzen Deduktion geht aber auch hervor, daß es außer Grund und Boden und Arbeitsinstru- � menten(Kapital) noch andere Werthe gibt, die in einer sozia- � listischen Gesellschaft„dem Einzelnen noch an eigenen Besitz vcr- bleiben" können. Tölpelhaft aber ist es, wenn ein Mensch es wagt, Behaup- tungen aufzustellen, um die deutschen Sozialdemokraten zu ver- dächtigen, der nicht eine blaffe Ahnung von ihrem Programm und ihrer Literatur hat. Ist es nun eigene oder Eugen Richter'sche Tölpelhaftigkeit? Ist es eigene oder Eugen Richter'sche Lüge und Verleumdung? Diese Fragen stellen wir zunächst an das Fortschrittsblatt in Leipzig. Dann aber kommen wir zur„Nationalliberalen Cor- respondenz". Auch dieses Hauptorgan der nationalliberalen Partei, ob- gleich es zugibt, daß schon auf früheren Kongressen beschlossen worden sei, daß der„Grund und Boden und die übrigen Ar- beitsinstrumente" Gemeingut, Staatseigenthum werden müssen, um der Volksnoth ein gründliches Ende zu bereiten, lügt seinen Lesern vor, daß die deutschen Sozialdemokraten bei ihren Agi- tationen, und besonders bei ihren Wahlagitationen, von ihrem Programm nichts verriethen, fondern sich hinter allgemeine radi- kale Phrasen versteckten. Diese Behauptung beruht nun ebenso auf Unkenntniß oder böswilliger Verleumdung. Zunächst bemerken wir nochmals, daß das Programm der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands in Hunderttausenden von Separatabzügen versandt worden, daß es ferner in mehreren tausend Exemplaren des Protokolls des Bereinigungskongresses enthalten ist; daß es in mindestens 50,000 Exemplaren unserer Parteipresse abgedruckt und von der ganzen gegnerischen Presse— besonders der Satz:„daß die Arbeitsmittel Gemeingut der Gesellschaft werden müssen"— lebhaft im Jahre 1875 besprochen worden ist. Kann denn da noch von einer Täuschung des Volkes die Rede sein? Dann aber konstatiren wir. daß bei den vorigen Reichstags- wählen mindestens eine halbe Mill. Flugblätter— in Altona allein 50,000— verbreitet worden sind, welche das ganze Pro- gramm der sozialistischen Arbeiterpartei wörtlich enthielten. Und trotzdem werden obige Preßlügen und Prcßdummheiten von der ganzen liberalen Presse, auch von der sonst so anstän- digen„Kölnischen Zeitung" nachgedruckt; ob aber die Lüge oder die Dummheit angesichts der oben von uns angeführten That- fachen größer ist, das überlassen wir den Herren der liberalen Presse selbst zu entscheiden. Entweder die Dummheit oder die Lüge— die eine oder die andere müssen sie wählen, welche, ist uns natürlich gleich. Sozialistischer Weltcongrest. ii. Die Mittwochs- Nachmittagssitzung wurde um halb 3 Uhr eröffnet. Hales brachte eine Resolution ein zu Gunsten des politiscben Kampfes. Der erste Redner war Rodriguez, der anarchisch gegen das Ungeheuer Staat losdonnerte. Ihm folgte! wärts" und namentlich der„Berliner Freien Hales, der seine Resolution begründete und nachwies, daß die bekannte Congreßdiskussion, betreffend das„ Arbeiter zur Zeit noch die gefährlichsten Gegner der Arbeiter um|j| sind, daß deshalb ohne Aufklärung der Arbeiter über ihre In-„.....,.. teressen absolut nichts zu erreichen sei. Interessant waren die durch das Herausgreisen einzelner, obendrein ungenau wiedcrge Auslassungen Paulin's(Delegirter von Lyon), der sich für � gebener Äcußerungen Most's und Bebel's eine so ungerechte politische Aktion aber gegen jedes Zusammengehen mit anderen Anklage einen Schein von Unterstützung habe erlangen können, Parteien erklärte Alle Franzosen, die in ihrem Vaterlande und daß die Urheber der Anklage, wenn sie ,o ehrlich gewesen leben, oder wenigstens Fühlung mit ihm haben, sind für die' wären, die Berichte, aus denen sie geschöpft, ganz zu lesen, das mit diesem Kraftwort um sich, bis eines schönen Morgens ein Schalk den sozialistischen Kunden Pellering's die Aufforderung zugehen ließ, nichts mehr bei ihm arbeiten zu lassen, damit es ihm schlechter, das heißt in Wahrheit besser gehe und er ein tüchtiger Revolutionär werde. Seitdem habe sich Pellering die gefährliche Phrase abgewöhnt. Die Anekdote, mit Nutzanwen- düngen an die Adresse der Anarchisten gerichtet, erregte schal- lendes Gelächter. Guillaume suchte den Eindruck der Brismäe- scheu Rede durch Angriffe auf Greulich, den Arbeiterbund und die deutsche Arbeiterbewegung abzuschwächen. Von Deutschland sagte er, es sei auf ähnlichem Standpunkt wie Frankreich 1792, der politische Jakobinismus herrsche, allerdings— das war er so freundlich zuzugestehen— mit einigem Sozialismus versetzt. Die deutschen Sozialdemokraten seien keine eigentlichen Sozia- listen, das sozialistische Programm sei bei der letzten Wahl theils verleugnet, theils verwässert worden. Liebknecht, der eigentlich die Absicht gehabt hatte, nur zu den praktischen Punkten zu reden, sah sich genöthigt, in sehr scharfen Ausdrücken diese Verleumdungen der deutschen Arbeiter- Partei zurückzuweisen, und darzulegen, daß einzelne nicht in's Gewicht fallende Ausnahmen, die auf dem Gothaer Congreß zu einer Debatte Anlaß gegeben, abgerechnet, die deutsche Sozial- demokratic bei der letzten Wahl einen durchaus prinzipiellen Kampf gekämpft habe, so prinzipiell rein, wie, auf großer Basis, er überhaupt noch nie seitens des Proletariats gekämpft worden; und daß Angesichts dessen, was die deutschen Sozialiste« gethan, alle Thatcn und Reden der Anarchisten zu lächerlicher Unbedeu- tcndhcit zusammengcschrumpfen. Guillaume versprach am andern Morgen den Beweis für seine Behauptungen zu liefern. Schluß der Sitzung 7,7 Uhr Abends. Um 8 Uhr begann im großen Saale des„Parnasse", der normal 1500—1800 Personen faßt, eine'Volksversammlung. Schon vor der anberaumten Zeit waren Saal wie Gallerien zum Erdrücken voll. Es sprachen Liebknecht, der im Namen der deutschen Arbeiter für den ihm gewordenen Empfang dankte, eine kurze Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, ihres Charakters ihrer Taktik u. s. w. gab, und zur Organisation und Verbrüde- rung aufforderte; Frankel, der kurz die Prinzipien der Sozial- demokratic entwickelte) Greulich, welcher in packender Weise die herrschenden Zustände durchhechelte; Barry, der den Gruß der englischen Arbeiter übermittelte; und endlich auf Verlangen nochmals Liebknecht. Die Reden, von van Beveren treff- lich in's Vlämische übersetzt?, fanden sowohl im Original als auch in der Uebersetzung die begeistertste Aufnahme. Als Lieb- knecht zum Schluß die Hoffnung aussprach, die Stadt„Arte- velde's" werde eine uneinnehmbare Citadclle des Sozialismus werden, gab die Versammlung durch donnernde Beifallsrufe ihre Gesinnung und ihren Entschluß zu erkennen.— Das Meeting dauerte bis nach 11 Uhr, für Gent, wie man sagt, eine sehr späte Stunde. Donnerstag Morgen 83/« Uhr Wiederaufnahme der Congreß- sitzungen. Die belgischen Delcgirten reichen einen Antrag ein, welcher die Abbrechckng der schwebenden Debatte und sofortigen Eintritt in die Discussion der praktischen Einigungsfrage be- zweckt. Der Antrag wird nach kurzer Diskussion gegen die Stimmen der Anarchisten angenommen mit dem Beding, daß erst der Zwischenfall Liebknecht-Guillaume erledigt werde. Guillaume schränkte seine Aeußerungen ein: er habe nicht all- gemein werden wollen; er stütze sich auf den Bericht des„Bor- "' namentlich der„Berliner Freien Presse" über die Altonaer Wahl- flugblatt". Liebknecht gab nun die nöthigen Aufklärungen, stellte die Dinge in ihr richtiges Licht und wies nach, daß nur politische Aktion.' Anarchistische Schrullen können auf sranzö- sischem Boden nicht aufkommen. Anseele und Greulich ver- traten energisch die politische Aktion. Ersterer weist die Infi- nuation zurück, als ob der Sozialismus für einen Arbeitcrstand ringe; er kämpft' für die Menschheit und will alle Klassen- und Standesunterschiedc beseitigt wissen. Greulich erkennt die Mängel des Parlamentarismus an, führt aber aus vollkommen Hinfällige ihrer Behauptungen hätten erkennen müssen. Liebknecht entwarf dann eine Vergleichung des wissen- schaftlichen, vor keiner ökonomischen und politischen Consequenz zurückschreckenden deutschen Sozialismus mit dem sogenannten „Sozialismus" der„Anarchisten", der ein confuses Gemisch so- zialistischer und kleinbürgerlicher Anschauungen sei, ein fades Ge- wäsch, dem man durch das Hinzuthun hohler Revolutionsphrasen daß die direkte Gesetzgebung diesen Mängeln vorbeugen einen pikanten Geschmack zu geben suche. Die Revolution der kann. Wie gut die direkte Gesetzgebung arbeiten kann, zeigt er„Anarchisten" sei eine Kinderei. Wer von den sogenannten an der Schweiz und speziell dem Kanton Zürich. Man müsse„Führern" es etwa versuchen würde, die deutschen Sozialipen die Arbeiter, das Volk, aufklären; das sei nicht leicht, jedoch ebenfalls für diese Kindereien zu gewinnen, dem würden unsere unumgänglich. Tie Commune habe allerdings propagandistisch Fürsten die Taschen mit Gold füllen, denn er thäte die Arbeit unserer Feinde. Jedenfalls haben die deutschen Sozialisten Er- folge aufzuweisen, die selbst von den erbittertsten Feinden aner- kannt worden sind, während die„Anarchisten" nichts aufzuweisen haben als ein Fiasko. Die deutschen Sozialisten sind eine Partei, die„Anarchisten" eine Sekte. Diese Sekte mag ruhig aussterben. Versucht man aber unsere Einheit zu stören, unsere Organisation zu verderben, dann werden wir solchem Unfug zu steuern wissen. Wer uns in den Rücken fällt und uns in die Waden kneipt, während wir der Bourgeoisie und Staatsmacht im Kampfe gegenüberstehen, der wird von uns als Feind be- trachtet und behandelt, mag er sich auch tausendmal Sozialist nennen.— Der Congreß begann dann die Diskussion der Frage des internationalen Vertrags. Chalain fragt, ob der Pakt für's Zusammengehen„bis zum Aeußersten" gelten solle, bis zur Revolution?(De Paepe:„Bis zum Putsch?") Brousse hält ein Zusammengehen der Anarchisten und So- zialisten für unmöglich, spricht sich aber für gegenseitigeMermei- dung aller persönlichen Gehässigkeiten aus. Greulich hält ebenfalls ein Zusammengehen für unmöglich. Jeder Theil möge seine eigenen Wege gehen und sich selbstständig organisiren. De Paepe ist für einen allgemeinen Pakt; sieht kein un- überwindliches Hinderniß; die-persönlichen Angriffe, die nicht nothwendig seien, hätten beide Parteien so weit auseinander- gebracht. Auf keinen Fall aber will Redner einen Pakt für „Putsche". Verschiedene„Anarchisten" sprechen in mehr oder weniger brüderlichen Ausdrücken. Gerambon, belgischer„Anarchist", spricht vermittelnd. Die „Anarchie" hat in Belgien ausgespielt. Hales begründet seinen Antrag. Derselbe lautet: „In Erwägung, daß es für die arbeitenden Klassen irgend eines Landes unmöglich ist, ihre Emanzipation zu erwirken, ohne die Mitwirkung der Arbeiter in den übrigen Ländern, be- schließt der Congreß, daß eine, Internationale sozialistische Par- tell nothwendig ist, organisirt auf Grundlage der Resolutionen, die dieser Congreß annehmen wird und die ein gemeinsames Programm bilden sollen. „In Erwägung, daß die Gewohnheiten, Ideen und Verhält- nisse der arbeitenden Klassen in jedem Lande verschieden sind und in Folge dessen auch die Taktik in den verschiedenen Ländern verschieden sein muß, erklärt der Congreß: Die Verbindung soll auf föderativer Grundlage beruhen, welche es jeder Sektion möglich macht, ihre eigene Taktik zu bestimmen. „Gleichzeitig erklärt der Congreß, daß es die Pflicht aller Sektionen ist, einander in jeder möglichen Hinsicht zu unterstützen; und er beschließt ferner, daß ein Generalrath eingesetzt werden soll, welcher als Correspondenzbureau, als Mittelpunkt des Verkehrs und der Verständigung dienen soll. „Jede Sektion soll das Recht haben, sich ihren eigenen Namen zu geben, wo es nicht möglich ist, den gemeinsamen Namen der Assoziation zu führen." Liebknecht führt sodann in Beantwortung mehrerer Aeuße- rungcn den Nachweis, daß der„Vorwärts" keine gehässige Po- lemik begonnen habe. Der„Parlamentarismus", richtiger die Benützung des allgemeinen Stimmrechts seitens der deutschen Sozialisten sei eben ein Kampfmittel. Die Propaganda mit „Flinten", statt mit Vernunftgründen, habe ihre Unannehmlich- ketten, wie die Herren Anarchisten in Italien erfahren hätten. Das allgemeine Stimmrecht könne den deutschen Arbeitern wieder entrissen werden, allein das sei doch kein Grund, es nicht zu benutzen,' so lange sie es haben. Die Taktik der deutschen So- zialisten wird sich nach der Taktik ihrer Gegner richten. Die vorliegende Frage betreffend, l ist Liebknecht für die all- gemeine Solidarität, und wenn De Paepe's Hoffnungen sich nicht verwirklichen sollten, für die Proklamirung und möglichst praktische Verwirklichung per Solidarität zwischen den Sozia- listen, welche sich nicht abseits stellen wollen. In der Donnerstags-Nachmittagssitzung, die um halb 3 Uhr begann, wurde die Debatte fortgesetzt, bis endlich nach zwei Stunden ein Schlußantrag angenommen wurde. Nach längerem Hin- und Herreden und der Einbringung verschiedener Anträge ward zunächst zur Abstimmung darüber geschritten, ob der Congreß überhaupt für einen Solidaritäts- Pakt ist. Zwölf Delegirte stimmen mit Ja, neun mit Nein, acht enthalten sich der Abstimmung. Mit Ja stimmten die Belgier, mit Nein die meisten„Auar- c.'ien", sowie Greulich und Frankel. Unter Denen, die sich enthielten, war auch der Delegirte Deutschlands, der einerseits auch nicht einmal scheinbar durch sein Nein das Prinzip der Solidarität verleugnen wollte, auf der andern Seite aber eben- falls, wie Frankel und Greulich, sich von der Unmöglichkeit eines Zusammengehens mit den Anarchisten überzeugt hatte. Hierauf wurde einstimmig beschlossen, die Sozialisten und „Anarchisten" sollten einander mit Achtung behandeln und aus'den Arbeitslosigkeit liefert die„Kattowitzer Zeitung". Nach der- dem Prinzipienkampf persönliche Gehässigkeit fernhalten. selben sind alle Aufforderungen zur Arbeitnahme an der Eisen- Ferner wurde einstimmig beschlossen, eine internationale bahnstrecke Tost-Peiskretscham erfolglos geblieben und die Föderation der Gewerkschaften anzubahnen. Ucbernehmer der Strecke sehen sich jetzt genöthigt, Arbeiter aus Zu lebhaften Debatten giebt der Antrag Greulich's und Oesterreich heranzuziehen. In Schlesien selbst ist an geeigneten Hales' auf Errichtung eines Correspondenzbureaus Ber- Arbeitskräften freilich kein Mangel, aber sie ziehen es vor, zu anlassung. Schließlich vertagt sich der Congreß, und es wird vagabondiren und zu betteln. Die sozialdemokratischen ! auf acht Uhr Abends eine separate Sitzung für diejenigen De- Agitatoren, welche in Schlesien ja sehr thätig sind, würden legirten anberaumt, welche den Solidaritätspakt mitunter- sich ein Verdienst verschaffen, wenn sie einmal die psychologischen � zeichnen wollen. Ursachen dieser Art von freiwilliger Arbeitslosigkeit näher er- Abends 8'/- Uhr. Der Pakt wird unterzeichnet von örtern wollten." den Vertretern Belgiens, Englands, Frankreichs, Wir wollen zu dieser Notiz nichts hinzufügen, als die Deutschlands, Dänemarks und einem der italienischen Bexnerkung, daß in jener Gegend die Sozialdemokratie noch gar Delegirten. Die vlämischen Sektionen werden beauftragt, die keinen Boden gewonnen und unsere Partei auch dorthin ihre Btonittelung zu übernehmen(Correspondenzbureau) und einen Agitation noch nicht verlegt hat. Die clericale Partei dominirt künftigen internationalen Congreß einzuberufen. ausschließlich in Oberschlesien— ihr überlassen wir es deshalb Das Bundesbureau wird wahrscheinlich in Gent seinen Sitz auch, die Arbeiter vor derartigen liberalen Infamien zu schützen; haben._ kann sie es nicht, so möchte wohl auf clericalen Einfluß die Damit wäre ein bedeutender Schritt in der Einigung der � Arbeitsunlust der dortigen Arbeiter zurückzuführen sein. Arbeiterbewegung gethan, und eine Brücke der Versöhnung für alle ehrlichen Sozialisten geschaffen.'— Schulze-Dejltzsch es. Am 12. September wurde der Direktor der Gewerbebank, eingetragene Genossenschast, zu Ohligs bei Solingen wegen Fälschungen und Unterschla- gungen verhaftet und nach Elberfeld in's Untersuchungsgefängniß Sozialpolitische Uebersicht. — Ein roher, gedankenloser und verlogener Patron abgeführt. Es handelt sich um die Summe von 45,000 Mark muß der deutschen Bourgeoispresse als Belastungszeuge gegen die der liberale Herr Direktor Plümacher unterschlagen die amerikanischen Arbeiter herhalten. Seit einigen Tagen geht haben soll. folgende Notiz durch die Organe des Ausbeuterthums: „Sehr beachteuswerth sind die brieflichen Aeußerungen eines— Die in Stuttgart versammelten Strafanstaltsbeamten Deutschen, der als 1848er nach Nordamerika gegangen ist und lehnten den Antrag des bekannten Zuchthausdirektors Strosser in Chicago ein ihn ernährendes Geschäftchen besitzt, über die aus Herford, die Prügelstrafe bei den Sträflingen wieder Eisenbahnarbeiter- Crawalle dort und über die sonstigen Um- einzuführen, ab, nahmen aber einen anderen Antrag an, der die sturzprinzipicn, die auch in jenem Lande der Volksfreiheit Prügelstrafe bei jugendlichen Sträflingen angewandt wissen jetzt wuchern:„Die Ernte ist gut gewesen, nur fehlte es an den will. Ein Redner, der sich gegen die Prügelstrafe wandte, be- nöthigen Arbeitskräften, sie schneller und daher besser einheimsen merkte sehr treffend, daß man die Brutalität nicht gegen die zu können. Es waren aber selbst für einen Lohn von 2 Dollars> Brutalität anwenden dürfe— sie sei ein verwerfliches, pro Tag und freier Station keine Arbeiter zuhaben; es gibt schlechtes Mittel. Der Antragsteller Strosser hob übrigens aus- zwar genug in Chicago, die so viel Geld schon lange nicht mehr drücklich hervor, daß er die Prügelstrafe nicht bei Personen, in der Stadt verdienen, aber auf's Land und arbeiten, das wollen die wegen politischer Vergehen verurtheilt seien, angewandt sie nicht, sie wolen in der Stadt saufen und lieber nichts wissen wolle, während der Direktor Grützmacher aus Breslau oder nur wenig arbeiten; wie könnten sonst in Chicago über dem gegenüber erklärte, daß die Prügelstrafe in Hinblick auf die 3600 Bier und Branntweinkneipeu existiren? Die„Jrregelei- sozialdemokratischen Umtriebe erst recht geboten erscheine; teten", so schreibt er über die Eisenbahnarbeiter-Revolte,„sind �„dieselbe übe Wunder an solchen unbotmäßigen Burschen"!—• vom Schnapsdusel schon beherrscht, sie wollen nur noch das � Der Name Grützmacher verdient der Nachwelt für alle Zeiten Eigenthum Anderer zerstören, auf deren Wohlbefinden und aufbewahrt, der Mann selbst aber verdient--„ausge- uüchternen Fleiß �sie mit scheelen Augen und stiller Wuth blicken. Chanen" zu werden. Sozialistische Zeitschristen. Die Gründung der beiden wissenschaftlichen sozialistischen Revuen(in Berlin und Zürich) veranlaßt Guido Weiß zu folgender Betrachtung in seiner„Wage". Er schreibt: Die Ankündigung, daß vom 1. Oktober d. I. ab zwei Zeit- schriften erscheinen sollen, die sich die wissenschaftliche Erörterung des Sozialismus zur Aufgabe stellen, äst einiger begrüßender Worte werth. Wir zweifeln nicht, daß sehr große Schwierig- keiten sich bei der Ausführung zeigen werden, aber wir halten den Entschluß selber schon für ein sehr bedeutungsvolles Zeichen. Die Gegner des Sozialismus machten sich's bis jetzt gar zu leicht. An eine eingehende kritische Würdigung von Werken, in denen ihnen sozialistische Lehre in systematischem Aufbau ent- gegentritt, denken sie nicht, auch fehlt ihnen wohl das Zeug dazu; bei der verdrießlichen Thatsache, daß neun Zehntel der Volks- wirthschafts- Lehrstühle an den deutschen Hochschulen, mit mehr oder weniger ausgesprochenen Ketzern besetzt sind, drücken sie sich mit einem Witzwort über die„Kathedersozialisten" vorbei und begnügen sich damit, ihnen Wasser in den Wein zli gießen, in- dem sie auf deren Congressen die Majoritäten zweifelhaft machen; das große Wort führen sie, wo ihnen bis jetzr kein Gegner ent- gegentrat, in den Zeitungen und in den Parlamenten. Sind sie einmal, der leidigen allgemeinen Wahlen wegen, genöthigt zum Volke herunterzusteigen, so verräth sich in jedem Worte das leichte Herz mit dem sie um die Sache selber und deren Ent- Wicklung sich gar nicht gekümmert haben. Und doch ist eine solche Entwicklung gar nicht zu verkennen. Die Formen und Mittel, mit denen die Fortsetzer des Lassalle'schen Werkes die Organisation ihrer Partei durchführen wollten, sind wesentlich andere geworden, in dem Personal der Führer selbst ist ein starker Wechsel eingetreten, ein noch stärkerer in der Kampfes- weise. Die Tageblätter der Partei wachsen raschen Schrittes in ihrer äußeren Verbreitung, mehr noch an innerer Haltung. Die Vernichten! Ruiniren! Umbringen! Brennen und Sengen, das steht auf deren rother Fahne, deren Träger viel bestialischer sind als die culturfernsten Indianer." Wie vernünftig und gebildet sein Wollende mit diesem Pöbel sympathisiren können, ist mir unklar, aber es gibt in Amerika zu wenig wahrhaft Gebildete und deshalb fühlt man sich selbst als alter Freiheitskämpfer heute in Amerika so un- wohl, daß ich, der ich aus des Lebens Kämpfen und Irrfahrten die heutigen Menschen nicht mehr verstehe, als Conservativcr lieber nach Europa zurückkehren möchte, welches ich als Republi- kaner verließ." Nun, den Burschen gönnen wir den Conservativen und sonstigen Reaktionären. Daß das Gerede von den 2 Dollars, die während der Ernte zu verdienen waren und von den städti- schen Arbeitern aus Faulheit verschmäht wurden, ein, obendrein sehr alberner, Schwindel ist, brauchen wir unseren Lesern nicht auszuführen. Thatsache ist: hunderttausende von brodlosen Ar- beitern durchstreifen seit Beginn der Ernte das Land, und suchen vergebens Arbeit, obgleich sie sich zu den bescheidensten Löhnen anbieten. Es wird dies von allen anständigen amerikanischen Bourgeoiszeitungen bestätigt. Thatsache ist ferner— und sie wird von der amerikanischen Bourgeoispresse zugestanden— daß die Löhne in Amerika so tief gefallen sind, daß die Arbeiter nicht davon leben können. Und angesichts dieser Thatsachen, angesichts eines beispiellosen,, zur nationalen Calamität ge- wordenen, einer nationalen Katastrophe zudrängenden Roth- standes, der alle denkfähigen Männer aller Parteien in Amerika beschäftigt, wagt es ein roher, gewissenloser Geselle, in blindem Haß gegen die Arbeiterbewegung, die Opfer des Nothstandes, an denen nicht sie, sondern die herrschenden gesellschaftlichen Zustände schuld sind, pöbelhaft zu verläumden und zu beschimpfen. Nur eine durch und durch gemeine Natur kann fo schnöde des Elends spotten, und wenn ein solcher Patron von deutschen Bourgcoisblättern als Autorität zitirt wird, so haben wir auf die fraglichen Redaktionen nur das bekannte Sprüchwort anzu- wenden: Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich sage Dir, wer Du bist.— — Liberaler Ulk. Fast durch sämmtliche Zeitungen geht folgende Notiz: „Einen lehrreichen Beitrag zu dem Kapitel von der herrschen- Energie beruht nicht mehr im rohen Ausdruck, das eigene Denken ist an die Stelle der landläusigeu Schlagworte getreten. Nicht daß es ganz an Rückfällen und gelegemlichen Ausschreitungen fehlte, aber das sind natürliche, keineswegs ungesunde Kinder- gebrechen einer jungen Partei, die aus der Armuth und Roth des Volkes heraufwächst und der gegenüber das Bildungsbcwußt- sein, will es gerecht sein, wahrlich nicht hochmüthig' auftreten ! darf. Die Vertreter, welche die Partei in den Reichstag geschickt hat, sind auf dem Wege der Verständigung— des Sich verständlich Machens, meinen wir— sogar noch weiter vorgeschritten, indem sie Anträge zur Gewerbegesetzreform stellten, denen das ärgerliche Schweigen der Gegner zunächst wenigstens das Zcugniß der Diskutirbarkeit ausstellte. Das Alles sind Dinge, die be- merkt sein wollen von denen, die in dieser Bewegung das Welt- geschichtliche nicht vevkennen und sich nicht mit dem kindlichen Glauben trösten wollen, der scharfe Polizist und der prompt arbeitende Strafrichter seien die Radikalmittel. Mit den neuen Monats-, resp. Halbmonatsschriften ist nun, wie wir hoffen, auch Denen die dem politischen Treiben des Tages fern bleiben, aber dabei doch ihr Interesse für die unsere Zeit bewegenden Ideen bewähren wollen, ein Sammelpunkt ge- geben. Das eine der Blätter scheint sich streng in den Rahmen der deutschen sozialistischen Partei stellen zu wollen, das andere in der Schweiz erscheinende steckt seine Grenzen weiter und auch diese Verschiedenheit wird eine gedeihliche sein. Möge das Glück ihnen günstig sein! — Sin Bezug auf die Wahlordnung, resp. die Befug- nisse eines Wahlvorstehers ist eine in der Appellations- instanz vom Kriminalsenat des Kammergerichts getroffene Ent- scheidung von Juteresse. Der Förster Kneifel, welcher als Wahl- Vorsteher in Medewitz bei der Reichstagswahl am 26. Januar 1877 fungirte, sah sich genöthigt, den Husner Gottlieb Schuboth, der sich im Wahllokale unpassend benahm und einen Wähler noch — Zuweilen hat selbst Herr Professor Böhmert einen ver- nünftigen Gedanken. Er schreibt in seiner„Sozial-Correspon- denz" in Bezug auf die Mitwirkung der Frauen bei Ber- einsfesten und Versammlungen Folgendes:„Die Studenten in der Kneipe, die Soldaten in der Wachstube, die Matrosen im Volkslogis fallen nur zu leicht in einen niederen und rohen Gesprächston, weil sie zu sehr unter sich sind. Auch den jungen Gehilfen aus Fabrik und Werkstatt ist es nicht heilsam, wenn sie immer nur mit ihresgleichen verkehren oder doch von dem weiblichen Geschlecht zeitweilig nur den Abschaum näher kennen lernen. Eine rechtzeitige Neigung zu einem ehrbaren Mädchen kann zwar den Einzelnen bald wieder emporheben; ab.'r dabei spielt doch viel Zufall mit, und der Liebsien selbst, der künftigen Frau kommt es zu Statten, wenn der angehende Mann niemals ganz aus der Nähe ehrbarer guter Frauen verbannt gewesen ist. Darum sollten umsichtige Leiter von Vereinen die Gele- gcnheiten für gemischte Versammlungen und„bunte Reihe" eifriger als bisher aufsuchen."— Die Sozialdemokratie hat dies schon längst erkannt, hingegen nicht die preußische Polizei, resp. das preußische Vereins- und Versammlungsgesetz. Wir wissen längst, daß der Umgang mit Frauen veredelnd und besänftigend wirkt— daß die Liberalen jetzt zu derselben Anschauung schon gekommen sind, ist für sie recht schmeichelhaft, und vielleicht wird die löbliche preußische Gesetzgebung auch noch zu solcher Einsicht kommen. — Ein alter Bekannter. Die„Vossische Zeitung" vom 13. ds. bringt eine Londoner Correspondenz über den verstor- benen Mormonenhäuptling Brigham Ioung(spr. Breihm Jung). worin es u. A. heißt: „Was war die unmittelbare Folge dieser welthistorischen Er- Hebung, dieser großartigen Erfolge, welche der philosophische Ge danke der Neuzeit(im Jahre 1848) trotz aller Niederlagen er- rungen hatte? Neue großartige Erfolge der Dummheit, von denen sich unsere selbstzufriedene Weisheit nichts träumen ließ und die gynz danach angethan waren und sind, den Fanatikern des Fortschritts, den stolzen Enthusiasten der Civilisation, den sanguinischen Aposteln der Aufklärungstheorie Demuth und Be- scheidenheit zu predigen. Wenn es verdienstlich war, diesen in Selbstüberschätzung verhimmelnden Idealismus durch die verach- im Momente der Abgabe des Wahlzettels beeinflussen wollte, aus dem Lokal zu weisen. Schuboth gab der bezüglichen Auf- forderung jedoch nicht alsbald Folge und wurde veShalb wegen Hausfriedensbruchs angeklagt, auch in erster Instanz zu 100 Mark Geldstrafe verurtheilt, wobei auch noch eine geringe Verbalinjurie, die er sich erlaubt, in Betracht genommen wurde. Er appellirte hiergegen, indem er die Besugniß des Wahlvor- stehers bestritt, wogegen wiederum die Oberstaatsanwaltschaft ausführte, daß bei dem fraglichen Vorfall allerdings ein Umstand in Betracht komme, der aber nicht zur Competenz des Gerichtes gehöre und deshalb auch hier nicht zu prüfen sei; dies sei näm- lich die Rechtmäßigkeit der Wahl selbst, für welche der Wahl- Vorsteher dem Reichstag allein verantwortlich sei. Für den Ge- richtshof sei hier allein die Frage maßgebend, ob der Wahlvor- steher als berechtigter Inhaber des Lokals anzusehen und ob er als solcher zum Gebrauch des Hausrechts befugt gewesen wäre. Dies sei im Sinne des Reichsstrafgesctzbuches zu bejahen. Der Wahlvorsteher sei während des Wahlakts Reichsbeamter, habe Verfügung über die betreffenden Wahlräume, und jeder müsse sich seinen Anordnungen darin fügen. Der Gerichtshof erkaizute hierauf auf Bestätigung des ersten Urtbeils, indem er sich ganz den Ausführungen der Oberstaatsanwaltschaft anschloß. — Der Oberbürgermeister von Cöln, Dr. G. Becker, der rothe Becker genannt/ früher Communist, Fesiungsgefangener, vann Demokral, dann Fortschrittlcr, dann Herrenhausmitglied— jetzt achter Bismarcker, ist mit dem rothen Adlerordcn vierter(!) Klaffe, den sonst gewöhnlich Canzleisekrctaire und Gerichtsrendanten bekommen, be- glückt worden. Den Dr. Becker, der jedenfalls die Herwegh'schen Ge- dichte:„Die Lebenden an die Todten" in seiner besseren Zeit gelesen haben wird, machen wir bei dieser Gelegenheit auf das hübsche Distichon aufmerksam, welches folgendermaßen anfängt: „Adler, ihr classischen, ordentlich, rolhen und schwarzen, Wo nur immer:c. tete Macht der Dummheit unsanft aus seinen Träumen zu stören und an die Wirklichkeit zu gemahnen, so hat sich Brigham Joung ein unbestreitbar großes Verdienst erworben. Von allen Vorkämpfern der Dummheit war er der weiseste, thatkrä- tigste, muthigste und erfolgreichste. Die Pius IX., Manning, Ketteler, Napoleon III., Eugenie die Einzige, Manteuffel, Stahl, Gerlach, Lassalle, das berühmte spiritualistische Medium Home, die erfolgreichen Spekulanten auf den Gründeraberglauben, Strousberg, Grant u. s. w., die französischen und deutschen Ge- schäftsführer der wunderthätigen Jungfrau Maria und des hei- ligen Herzens Jesu,— alle diese Männer und Frauen, welche ihre Bedeutung der Reaktion gegen den Geist von 1848 ver- danken und sich nach Kräften bemüht haben, aus der Dumm- heit Kapital zu schlagen�, müssen klein und beschämt vor der Größe ihres erfolgreichen Mitbewerbers Brigham Joung zurückstehen. Dieser schlägt sie Alle, sowie sich denn keine Form des religiösen Aberglaubens mit dem Mormonenthum an grandioser Einfachheit, Ganzheit und Kenntniß der schwachen Menschen- natur zu messen vermag." Wir glauben die Frechheit, mit welcher hier Lassalle an die Seite eines Gerlach, Strousberg:c. gestellt wird, nicht empfind- 1 Itcher züchtigen zu können, als indem wir dem Schreiber die Maske der Anonymität abreißen. Der mit Vorliebe in Wissen- schastlichkeit und Staatsmannschaft machende;' Correspondent der„Bossischen Zeitung" ist Niemand anders als der berüchtigte Lumpacius Elard Biskamp, über den das Nähere nachzulesen in„Herr Vogt" von Carl Marx. Zur Ehre der Redaktion� der„Vossischen Zeitung" wollen wir annehmen, daß sie obige' Correspondenz nicht vorher gelesen und daß sie nicht weiß, mit! welch sauberen Früchtchen sie es zu thun hat. — Wir erhalten folgende Zuschrift zur Veröffentlichung: „In Nummer 108 des„Vorwärts" vom 14. September, d. I. übergeben Sie eine Correspondenz aus Rumänien der! Oeffentlichkest, welche die größte Bestürzung hervorzurufen ge- eignet ist. Es liegt im Interesse sämmtlicher Staatsangehö- rigcn, zu wissen, ob es Thatsache ist, daß 2000 Mann deutsches Militär nach Bulgarien kommandirt worden sind, und wenn dieses der Fall sein sollte, was dieselben denn dort bezwecken sollen. Es ist wohl anzunehmen, daß die Reichsregierung recht bald eine offizielle Erklärung hierüber abgeben wird. Gießen, den 17. September 1377. Namens mehrerer hiesiger Bürger B. Klerx." Wir verweisen auf unsere heutige Correspondenz aus Rumä- nien und müssen selbstverständlich unserm dortigen Berichterstatter die Verantwortlichkeit für die Wahrheit seiner Behauptungen überlassen. — Zum dritten, und wir können getrost hinzufügen: zum letzten Mal hat die russische Kriegsmacht sich an den Erdwällen von Plewna gebrochen. Nachdem die vom Groß- fürsten Nicolaus befehligte russische Hauptarmee im ötägigen Artilleriekampf und Sturmangriff einige Vorwerke der türkischen Position erobert hatte, ging Osman Pascha am 12. d. M. seinerseits zum Angriff über und brachte den Russen eine ge- radezu vernichtende Niederlage bei. Eine Episode des beispiel- los mörderischen Kampfs geben wir nach dem Bericht des russen- freundlichen Correspondenten der„Daily News", Oberst Fordes: „Skobelcw(der am 3. Lowatsch erstürmt und am 11. einige Vortheile vor Plewna errungen) hatte die Redoute eingenommen, allein dieselbe wurde durch die Krischna- Redoute beherrscht, und auf der Plewnaer Seite war sie dem Schützenfeuer und dem türkischen Feuer an der Straße von Sofia ausgesetzt. Da die Türken die Distanz genau kannten, traf jede Bombe. Die Position war unhaltbar, falls die Krischna-Redoute und das verschanzte Lager auf der anderen Seite der Straße nicht er- oben würden. Skobelew bat um Verstärkung, mit einem Regi- mente wollte er beide Positionen nehmen; aber er erhielt keine. Skobelew's Verluste sind gräßlich, denn bis zum Abend verlor er 5000 Mann. Die Kompagnien sind fast vernichtet, sehr viele Offiziere fielen und blos ein Oberst ist am Leben geblieben, fast kein Major. Dobrovolsky ist todt und nur Skobelew unver- wundet. Er haranguirte seine Mannschaft; bald würden sie Plewna nehmen, dieses sei die letzte Anstrengung für das heilige Rußland. Alle antworteten mit„Hurrah". Inzwischen schickt er wieder um Verstärkung— umsonst. Der Nachmittag ver- streicht, Levitzky verweigert die Verstärkung, entweder weil er keine hat, oder weil er glaubt, Skobelew könne die Redoute halten. Um 4 Uhr greifen die Türken zum sechsten Male an, und die Russen müssen weichen. Eine Bastion wurde von einem jungen Offiziere mit einer Handvoll Leuten gehalten; sie weigerten sich zu fliehen und wurden alle niedergemacht. Unmittelbar da- rauf begegnete Forbes Skobelew, welcher sich in einem Zustand schrecklicher Wuth und Aufregung befand; seine Uniform war voll Koth, das Schwert zerbrochen, das Gesicht schwarz von Pulver, die Augen blutunterlaufen, die Stimme ganz verloren, — Der Soldat steh t über dem Menschen. Unsere Reptilien- blätter tischen folgendes Geschichtchen zur Sedanseier auf:„Der Krieg von 1870 und 1871 war siegreich beendet. Betleidet mit der höchsten militärischen Würde, rüstete sich der ffeldmarschall-Kronprinz zur He rn- kehr. Als er in Begleitung des Kaisers nach Berlin zurückkehrte, waren beide auf das Freudigste überrascht, bereits aus jdem Bahnhofe in dem Gewühl der nach Tausenden und aber Tausenden zählenden Boksmenge von ihren theuren Angehörigen begrüßt zu werden. Thrä- nen der Freude hat es aber dem Kronprinzen entlockt, als er seinen ästesten Sohn dort stehen sah, angethan mit der Uniform seines Garde- Regiment«, der zuerst streng militärisch grüßte und sich erst dann dem Bater zärtlich in die Arme warf."— Daß darüber der Kronprinz Thränen der Freud« vergossen haben soll, ist uns unbegreiflich, als Mensch hätte er viel eher Thränen des Kummers über eine der- artige Erziehung, vergießen müssen. — Es geht doch nichts über— noble Leute! Finden wir da in den„Frankfurter Rachrichten" vom 13. September u. Ä. folgende Lokal- 1 noliz:„Ein alter Ledetträger von hier, der vorgestern auf der Leder- i messe eine Brieftasche mit ca. 6<)l)t) Mark fand, und, nachdem er! den Eigenthümer ermit elt, diesem wieder zustellte, wurde für seine Ehrlichkeit mit ganzen 20 Pf. belohnt."— Wir hätten nicht nur nichts, dagegen, sondern es würde uns im Gegentheil freuen, wenn der ehr- hche alle Lederträger die von dem 0000. Mark-Verlierer als„Lohn für seine Treue" empfangenen 20 Pfennig in neuer deutscher Reichs- Währung demselben ebenso m's Gesicht geworfen hätte, wie weiland' Ritier Delorges dem Fräulein Kunigunde den Handschuh in's Gesicht warf mit Abänderung des classischen Citates dahin:„Den Dank, Sie L..., begehr' ich nicht!"— o— — Ein verschlucktes Messer. Das 7 Monate alte Kind des Vostagenten Herrn Krambeck zu Satrup in Schleswig verschluckte ein 7VS Cm:, langes Taschenmesser mit neusilbernem Griff, welche« ihm zum Spielen gegeben war. Da das Kind sich völlig wohl befand, so wurde diese Angabe zuern von dem Dr. v. Ärencken bezweifelt, bis sich am 8. Tage schmerzliche Stuhlentleerung einstellte. Diese dauerte fort, bis das Kind nach gerade 3 Wochen noch einem vorhergehenden heftigen Schreianfall das Messer mit dem Stuhl wieder entleerte. Die Klinge war stark angefressen. so daß er nur flüstern konnte. Alw Abend im Zelte war er ruhig und gesammelt.„Ich that mein Bestes," sagte er,„meine Regimenter existiren nicht mehr, ich habe keine Offiziere, man schickte mir keine Verstärkung und ich verlor drei Kanonen." „Warum verweigerte man Verstärkung," fragte Forbes,„wer ist zu tadeln?" Skobelew antwortete:„Ich tadle Niemanden, es ist Gottes Wille."" Was„Väterchen" zu„Gottes Wille" sagt, wissen wir nicht. Seine Gemüthsverfassung kann man sich vorstellen. Er sieht sich von Mördern umringt und soll schon einen Selbstmordversuch gemacht haben. Während die russische Hauptarmee sich an den Felsen von Plewna den Schädel einrannte, schlug Mehemed Ali Pascha die von dem russischen Thronfolger commandirte Jantra-Armee, und nahm Suleiman Pascha die Schlüsselpositionen der Russen im Schipkapaß, der nun als forcirt betrachtet werden kann.' Die neuesten Telegramme sind ziemlich verwirrt. Sicher ist nur die kolossale Niederlage der Russen. Ob noch am 15. d. vor Plewna gekämpft wurde, oder ob das betreffende Telegramm eine Verwechselung mit der Schlacht des 12. involvirt, was wahrscheinlich, läßt sich noch nicht entscheiden. Blos vor Plewna sollen die Russen 30,000 Mann verloren haben; sie selbst gestehen 20,000 zu. Man erwartet nach einem Telegramm eine„Hauptschlacht" bei Biela zwischen dem russischen Thronfolger und Mehemed Ali Pascha, mit dem Suleiman sich vereinigt haben soll. Wird aber die russische Armee noch in der Verfassung sein, eine Haupt- schlacht zu schlagen? Oder kämpft sie jetzt blos noch um den Rückzug über die Donau? Wir glauben das letztere, und glauben des Weiteren, daß sie viel Glück haben muß, wenn ihr der Rückzug über die Donau gelingen soll. Die Verluste der Russen durch Krankheiten auf dem euro- päischen Kriegsschauplatz allein werden von einem wohlunterrich- teten englischen Blatt auf 60,000 veranschlagt. Und nun dieses Fiasko!— — Bübisch. Die Berliner„Bürgerzeitung" läßt sich aus Neustrelitz schreiben— und die„gesinnungstüchtige" Presse druckt es nach—:„In St. Louis in Nordamerika verstarb kürz- lich der hierorts als Buchhändler in traurigem Andenken stehende Sohn des früheren Postraths Lingenau Hierselbst. Derselbe hatte sich bedeutender Schwindeleien schuldig gemacht und floh nach Amerika. Darüber sind nun mehrere Jahre ver- flössen. Er hat nun folgende Personen zu Bollstreckern seines letzten Willens eingesetzt: 1) Becker in Genf, 2) August Bebel in Leipzig, 3) W. Liebknecht in Leipzig, 4) W. Bracke m Braunschweig, 5) August Geib in Hamburg und 6) Karl Marx in London. Seine Hinterlassenschaft beträgt 14,000 Dollars, welche er der gesammten, Sozialdemokratie vermacht hat."— Wir haben nicht nöthig zu sagen, daß, was hier über unseren braven Ge- nossen Lingenau gesagt wird, niederträchtig gelogen ist. Lingenau nahm Theil an der Revolution von 1848 und 1849, entging der Verfolgung durch die Emigration nach Amerika und hat nie eine Handlung begangen, deren er oder seine Partei sich zu schämen hätte. Ein Pfui über sie feigen Verleumder eines Todten. Sie brandmarken sich selbst und ihre Partei! Nachdem Obiges geschrieben, fiel uns nachstehender Passus einer amerikanischen(St. Louis, den 22. August datirten) Corre- spondenz des(ultranationalliberalen, acht„bettelpreußischen") „Schwäbischen Merkur" in die Hände: „Bor einigen Wochen starb in St. Louis(wie man sagt, in Folge des Schreckens der Julitage), ein alter deutscher Revolutionär, Ferdinand Lingenau, der sein etwa 12,000 Doll. betragendes Vemögen(wie schon berichtet)„der sozialdemokra- tischen Partei in Amerika und Europa" vermacht und zu diesem Zweck schon vor einigen Jahren in Genf ein Testament hinter- legt hat, dessen Ausführung neben Anderen den Herren Bebel und Liebknecht anvertraut ist. Nun stellt sich aber heraus, daß das Testament nicht vollkommen rechtsgiltig ist, weil keine be- stimmten Personen als Erben genannt sind. Somit wird das- selbe ohne Zweifel eine Beute der Advokaten werden. Lingenau selbst war in St. Louis allgemein als„lustige Person" bekannt, der sich überall herzuzudrängen wußte, wo irgend eine Erinnerung an die Revolution sich geltend machte; imUebc' rigen war er ein Hauptschmarotzer, dir sich an die Fersen von Hccker und anderen Revolutionsheiden heftete, sonst aber ein gutmüthiger und ganz und gar ungefährlicher Kerl. Da er nie in seinem Leben viel gearbeitet hat, und Niemand ihn einer Unredlichkeit zeihen kann, so wunderte man sich, daß er über- Haupt ein Vermögen hinterlassen konnte." Das die Notiz. Ergötzlich ist, wie dem Schwindler und Be- trüger des„Neuen Berliner Tageblatt" vom württembcrgischen Oberreptil das Führungsattest der Gutmüthigkeit und Redlichkeit ausgestellt wird. Man sieht, in dem Gelüge ist nicht einmal Methode und jeder dieser Preßkosaken wird vom anderen abge- than. Was sonst von Lingenau gesagt wird, kennzeichnet den Bildungsgrad, die Intelligenz und den Anstand�des Schreibers. Einen Revolutionär und Sozialdemokrat aus Schreck über die „Julitage"(den Ausstand der Eiseubahnarbeiter) sterben lassen ist ebenso albern, als es gemein ist, einen Ehrenmann, den man selbst als solchen anerkennen muß, nach dessen Tod, bloß des- halb, weil er seine politische Gesinnung in seinem letzten Willen bcthätigt, zur„luftigen Person" zu stempeln. Wahrhaft niederträchtig aber ist die Behauptung, Lingenau sei ein„Hauptschmarotzer" gewesen, der sich an die Fersen von Hecker und anderen Revolutionshelden geheftet. Gelogen, infam gelogen! Die Wahrheit in verläumderischer Bosheit auf den Kopf gestellt. Außerdem ein Verstoß gegen den gesunden Menschen- verstand, denn daß ein Mann, der so selbstlos und freigebig ist, wie Lingenau es notorisch gewesen, kein Schmarotzer sein kann, liegt auf der Hand. Wohl aber ist Lingenau vielfach das Opfer von Schmarotzern gewesen, und wir können hinzufügen, daß unter diesen Schmarotzern sich verschiedene„Revolutionshelden" im Sinne des„Schwäbischen" und des anderen„Merkur" be- finden, der bekanntlich der Schutzgott der Spitzbuben und sonstigen „Theiler" war. — Soeben wurde vor den Schranken des Zuchtpolizeigerichts in Saarbrücken der Redakteur der„Freien Volkssttmme", Wytzka, wegen Herausgabe der Nummern 6 und 7 der„Freien Bolksstimme" zu vier Monaten Gefängniß verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte 18 Monate beantragt. Wytzka vertheidigte sich ausgezeichnet. — Sozialisten-Prozeß. Am 17. September, so berichtet die„Berliner Freie Presse", gelangte der Prozeß gegen die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, und gegen den Berliner sozialistischen Wahlverein vor dem Kriminalsenat des Kammer- gerichts in zweiter Instanz zur Verhandlung. Von den Ange- klagten waren erschienen: Derossi aus Hamburg und von den Berliner Angeklagten Heinsch, Greifenberg, Rackow und Grottkau. Es wird den Angelegten zur Last gelegt, gegen die !§§ 8 und 16 des preußischen Vereinsgesetzes dadurch gefehlt zuhaben, daß sie in ihrer Eigenschaft als Vorsteher und Leiter der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands und des Berliner so- ! zialistischen Arbeiter- Wählvereins zu gemeinsamen Zwecken mit- ; einander in Verbindung' getreten seien. Der Oberstaatsanwalt Feige beantragte für Greifenberg eine dreiwöchentliche Zusatz ! strafe zu der vom ersten Richter erkannten vierwöchentlichen Ge- fängnißstrafe, die jedoch alsdann in eine Gesammtstrafe von ! 5 Wochen zusammenzufassen sei und für alle übrigen Angeklag- ten die Bestätigung des erstrichterlichen Erkenntnisses. Der Gerichtshof erkannte trotz glänzender Verthcidigung des Rechtsanwalts Munckel und trotz energischer Gegenwehr der einzelnen Angeklagten dahin, das erstrichterliche Erkenntniß, soweit es auf Freisprechung der Angeklagten Auer, Brasch, Hart- manu, Rackow und Grottkau lautete, zu bestätigen; den in erster hingegen Instanz zu drei Wochen Gefängniß verurtheilten Geib � ebenfalls freizusprechen und Derossi, dem eine Fortsetzung einer Bereinsthätigkeit nach Schluß der sozialistischen Arbeiterpartei ! Deutschlands ebenfalls nicht nachgewiesen sei, von dem Vergehen wegen Fortsetzung freizusprechen, denselben jedoch dem ersicn Er- I kenntniß gemäß, wegen gesetzwidriger Verbindung mit dem Berliner sozialistischen Arbeiter-Wahlverein mit 4 Wochen(also mit 14 Tagen Gefängniß weniger als in erster Instanz—) zu ver- urtheilen. Für Heinsch und Greifenberg blieb es beim Alten. An demselben Tage wurde Genosse Most wegen eines in der „93. rl. Fr. Presse" erschienenen Feuilletonartikels, betitelt:„Frau- zösische Proletarierlieder" vernommen. Der Artikel soll nack Teisendorf gegen Z 130, den Tessendorf besonders ins Herz ge- schloffen zu haben scheint, verstoßen. Wegen desselben Artikels wurde auch Genosse Baumann, der denselben im„Märkischen Volksfreund" zum Abdruck gebracht hatte, in's Verhör genommen. Wie man sieht, hat Tessendorf während seiner Ferienreise neue Kraft zu erhöhter Propaganda für die Sozialdemokratie gewon- nen. Es geht doch nichts über unsre nicht„bezahlten" unfrei- willigen Agitatoren. — Die Probenummer der Schleswig-Holsteinischen„Volks- zeitung", welche vom 1. Oktober an dreimal wöchentlich zu dem Preise von 2 Mark pro Quartal in Kiel erscheinen wird, liegt uns vor. Das Blatt erscheint in großem Format uud verspricht nach dem Inhalt der Probenummer zu urtheilen, den Anforde- rungen gerecht zu werden, welche die Arbeiterpartei an ihre Preßorgane stellt. Wir wünschen unserm schleswig-holsteinischen Bruderorgane das beste Gedeihen. Am 4. Oktober erscheint in Wien an Stelle der„Gleichheit" ein neues Centralorgan der österreichischen Sozialdemokratie, „Der Sozialist", vorläufig wöchentlich einmal. Es ist hierdurch der letzte Schritt zur Einigung der österreichischen Arbeiterpartei geschehen. Aus Rumänien. — 13. September Heute bin ich schon in der Lage, etwas Genaueres über die kaiserlich deutschen Reichstruppen, welche jetzt vermuthlich auch schon auf dem bulgarischen Kriegsschauplatz kriegsthätig sind, zu be- richten, dr. ich es mir angelegen sein ließ, mich darüber ein- gehender zu unterrichten, um nicht den Vorwurf leichtsinniger Berichterstattung auf mich zu laden. Ich habe Ihnen, wenn auch in der Eile, in meinem letzten Bericht die Thatsache genau so dargestellt, wie sie mir von durch aus zuverlässiger Seite erzählt wurde, und jetzt, wo ich Gelegen- heit und Zeit hatte, mich darüber näher zu informiren, finde ich, daß daran nicht das Geringste anders ist, als ich berichtet. 2000 deutsche Soldaten und Unteroffiziere sind in russischer Uni- form nach dem bulgarischen Kriegsschauplatz abgegangen, um dort ihre Erfahrungen aus den Jahren 1870— 71 und ihre Dienste dem„Erbfreund" zur Verfügung zu stellen; sie gingen durchaus nicht etwa als Freiwillige, sondern vom deutschen Kriegsministerium dazu beauftragt. Daß sie nicht von Rußland gegen baar Geld, das der deutschen Kriegskasse zu Gute gekommen wäre, abgekauft wurden, habe ich gleich Anfangs vermuthet, da es all- gemein bekannt ist, daß die russische Kriegskasse an Ueber fluß an Geldmangel leidet, daß ferner Deutschland„heidenmäßig viel Geld" hat und es„Gott sei Dank nicht nöthig habe", seine Leute für Geld zu verkaufen, aber„Leute" genug, um dem „Erbfreund", der sich momentan in großer Bedrängniß befindet, damit„auszuhelfen", ob leihweise oder nur in„hochherziger" Weise als„Geschenk", das vermag ich allerdings nicht näher zu erklären. Also an der Sache selbst giebt es nichts zu ändern und zu „berichtigen", dagegen aber ist die„Form" in etwas gewahrt worden, und als gewissenhafter Berichterstatter beeile ich mich, jene Sensationsnachricht richtig zu stellen. Nicht die deutsche Regierung hat die 2000 Unteroffiziere nach Bulgarien geschickt, sondern dies hat Rußland selbst gethan. Die deutsche Regierung hat die Leute nur als Instrukteure dem Moskowiter zur Verfügung gestellt und dieser die Jnstruktoren zu der einen Grenze zu sich herein gebracht, um sie unmittelbar in russischer Uniform zur anderen nach Bulgarien hinauszu- Aus dem Elsafz. Seit 14 Tagen ist auf den elsaß-lothringenschen Eisenbahnen buchstäblich kein Tag vergangen, an dem nicht irgend ein Unglück, sei es Schienenbruch, Entgleisung, Zusammenstoß k. vorgekommen wäre! Obwohl das Glück bei der Mehrzahl dieser Un- fälle sich nur mit der Gleichgiltigkeit der hohen Eisenbahnver- waltung diesen Thatsachen gegenüber an Größe zu messen ver- mag, ist es selbstredend doch nicht ohne Lebensverluste und zahl- reiche Verletzungen abgegangen, von Materialzertrüwmerung gar nicht zu reden. Das Publikum erfährt von alledem inchts, denii unsere Presse, zum größten Theile aus dem Reptilienfond ge- speist, hat von derartigen Bagatellen zusprechen keine Zeit und noch weniger Raum, da sie in endlosen Spalten die Kaiserartikec vom Rhein der„Kölnischen Zeitung" nachdrucken muß; die nickt subventionirten elsäßischen Blätter aber sind so gut gezogen, und durch die erst unlängst verhängte Unterdrückung des unbequemen ,Jndustriel alsacien" derart in Schrecken versetzt, daß sie nick: ivagen, Dinge zu berühren, die der Regierung nicht angenehm sein könnten. In den über die Sache näher informirten Kreisen ist man jedoch über die Ursache dieser zahlreichen Eisenbahnunfälite keines wegs im Zweifel. Es ist eine Stimme, daß nur die außer- ordentliche Arbeitsüberbürdung, welcher das niedere Eisenbahn- personal ausgesetzt ist, der Grund der erwähnten erschreckenden. Vorkommnisse ist! Das Zugspersonal z. B. steht Jabr aus Jahr ein 14 Tage ununterbrochen Tag und Nacht im-vienste. der 15. Tag ist— Reservetag! Urlaub gibt es selbstredend nicht, das ist überhaupt in der ganzen Verwaltung ein Begriff, Welcher nur auf die höheren Beamten, hier aber mit einer Regel- Mäßigkeit und Ausdehnung Anwendung findet, daß sich diese Herren als wahre Märtyrer ansehen lassen, wenn einer einmal, Gott weiß ans welchen Gründen, keinen Gebrauch davon macht. Erhält aber ja einer der nieder bediensteten und jämmerlich be- zahlten Eiscnbahnbeamten ein paar Tage Urlaub, die er nicht zu seiner Erholung, sondern zu Familienangelegenheiten u. s. w. unbedingt nothwendig hat, so muß er erst einen Ersatzmann stellen und auch bezahlen— Fortbezug des ganzen Gehaltes während 4, 6, 8, selbst 10 Wochen Urlaub, existirt nur für die höheren Beamten. Nicht weniger aufreibend als der Dienst des fahrenden Personals, dabei mit unendlicher Verantwortlichkeit verbunden, ist der Dienst der Weichenwärter! Wir haben Bahnhöfe, wo ein Weichenwärter vier und fünf Weichen zu bedienen hat! Man denke sich hinein in die Lage eines solchen Mannes der den ganzen Tag über bei Sturm und Regen oder in glühendem Sonnenbrand dasteht. Von allen Seiten ist er umbraust von ein- und abfahrenden Zügen, von einer Weiche springt er zur andern, um tausende von Menschen, die seiner Aufmerksamkeit und Pflichttreue anvertraut sind, glücklich zu befördern,— da, eines Tages ist seine Wachsamkeit einen Augenblick ermattet, er ist vielleicht krank oder von Nahrungssorgen gequält; ein Zug braust heran, er fährt empor, die Angst faßt ihn, er schleudert die Weiche herum,— falsch-- jetzt gähnt ihm das Zucht- Haus entgegen! O, wer all den stummen Jammer sehen könnte, der bei diesen armen Leuten wohnen mag! Vor wenigen Tagen erst bei dem Zusammenstoß in Molstein hat sich der dortige Weichensteller, ein langjähriger, braver, pflichttreuer Beamter aus Verzweiflung das Leben genommen. Er hinterläßt ein Weib und sechs arme Kinder! Doch an diesen Leuten muß gespart werden! Hundert Weichensteller im Lande weniger, macht a 20 Thaler monatlich Ersparniß, im ganzen Lande also 2000 Thlr., gerade so- viel als ein Eisenbahndirektor durchschnittlich Jahresgehalt be- zieht! Solcher Eisenbahndirektoren haben wir aber hier in Straßburg allein dreizehn, sage und schreibe dreizehn Eisen- bahndircktoren. Man kann faktisch um keine Straßenecke biegen ohne über einen Eisenbahndirektor zu stolpern. Daß diese Herren ein Leben führen wie Gott m Frankreich versteht sich von selbst. Neben ihren hohen Gehältern haben sie hohe Diäten, Eisenbahnsreikarten durch die halbe Welt, ja da die armen Herren bei der drückenden Wohnungsnoth sich nicht mit der Sorge um Beschaffung eines standesgemäßen Quartiers befassen können, so bat die hohe Eisenbahnverwaltung für die Herren Direktoren, soweit sie nicht im Bahnhofe untergebracht sind, ein besonderes hochelegantes Gebäude beschafft. Tie Leistung der dreizehn Eisenbahndirektoren, denen ein ganzes Heer von Sekretären, die die Arbeit machen, zur Verfügung sieht, soll eine wahrhaft colossale sein und bis mehreren derselben im Jahresdurchschnitte kaum 2 Stunden pro Tag betragen! Wenn mir die Roth und Drangsal und das stumme Dulden der weiter oben erwähnten geplagten Menschcnklasse vor den Sinn kommt, dann fällt mir als Contrast zu diesem tristen Bilde einer der hiesigen Eiscnbahndircktoreü ein, von dem be- kannt ist, daß er die Bouquets, deren er für seine Damen be- darf, in Baden-Baden holt! Genau betrachtet, warum soll er es nicht thun? Der Mann hat Zeit, selbstredend auch Geld, überdies ein Eisenbahnfreibillet, und— die Bouquets werden in Baden-Baden wunderschön gebunden! Dem Menschenfreunde aber krampst sich das Herz zusammen und in bitterem Grolle fragt er: Wann werden unsere sozialen Zustände eine Besserung erfahren!? � Cominiisioren zu ernennen. Diese Commissionen haben alle Fragen! möglichst genau zu beaniworten und dann in einer oder mehreren öffent- .ich hierzu arrangirten Versammlungen alle Fragen zu debattiren und j deren durch die Majorität sanktionirten Beschluß als maßgebend zu be-! trachten. Solche Orte, denen der Fragebogen nicht zugegangen ist,. mögen sich an Unterzeichneten wenden, auch ist derselbe bereit, alles zum Anschluß an den Bund der Tischler und verwandten Berufs- genossen benöthigte Material zu versenden. Ich hoffe, daß ein Jeder sein Möglichstes zur Erlangung einer genauen Statistik über unsere Lebenslage beitragen wird. Mannheim, 0 2, 16 Ferd. Weidemann. Borsitzender des Bundes der Tischler und verw. Berufsgcnosscn. Mannheim. Allen Eewcrks- und Gesinnungsgenossen zur Nach- richt, daß hier eine Allgemeine Gewerkschafts-Herberge gegrün- det wurde, und ersuchen wir daher alle zureisenden Genossen nur in dem Gasthaus zur„Neuen Welt" von I. Buttle, ö. 16, zu verkehren. Parteiblätler und Schriften liegen auf und ist für gutes Logis, Speisen und Getränke bestens gesorgt. I. A. der Herbergscommiision: Fr. Schneider, R. 5. 7. NB. Wir ersuchen dringend, die zugesandten diesbezüglichen Plakate im Verkehrslokal aufhängen zu wollen. D. O. An die Parte igen offen und Leser des London. .Vorwärts" in d. H. und Michael Fürst, Schuhmacher, aus Speier, als nicht mehr zur Partei gehörig betrachtet werden. Mannheim, 2S. August. Das pfälzisch-badische Agitationscomite. I. A.: Ph. Koch, Mannheim J. 5. 16. BriefkCstc» der Redaktion. P K. in Frankfurt a. M.: Wir halten die ganze Angelegenheit nunmehr für abgethan. Rede und Gegenrede ist erfolgt und so wollen wir Schluß machen.— H. B. in Schmölln: Es sind Schritte gethan, damit die Wahrheit endlich an den Tag kommt. Ihren Bericht werden Sie inzwischen im„Vorwärts" gefunden haben.— N. S. in Liege: Der erste Bericht war nicht gut verwendbar; senden Sie doch einen präciser ausgearbeiteten über die dortigen Arbeitsverhält- nisse ein, den wir gern verwenden wollen. Besten Gruß. W. H.— I. G. in Landau: Der Artikel:„Friede ernährt, Unfriede verzehrt" ist ein Böhmert'sches Machwerk, mit dem wir uns nicht befassen können. Den Fall Deter haben wir übrigens genügend behandelt.— der Expedition. R. Hockstein in Pößneck: 25 Marktverzeichnisse an H. sind abgegangen. Bei Bestellung stets zu �bemerken, was für Maiktverzeichmsse gewünscht werden.— L. L. Kngsbrg: Wenden Sie sich nach London direkt. Hier Niemand bekannt.— H. Todt in M.r Antheile der Genossensch.-Dr können nicht auf Rückzahlung gekündigt, sondern nur an Parteigenossen verkauft werden.(§ 13 d. St.) Hier Berauf z. Z. nicht möglich. Schaffen Sie Jemanden. Gruß! Da ich vom hiesigen Cvmmunistischen Arbeiter-Bildungs-Verein zum � Agenten des„Vorwärts" gewählt bin und ich als solcher von heute ab in. Funktion trete, so ersuche ich die hiesigen Abonnenten und Leser 1 des„Vorwärts", da mit dem 1. Oktober ein neues Quartal beginnt, -Abonnements für das 4. Quartal sowohl rechtzeitig zu erneuern, als auch die Gelder pränumerando einzusenden, damit in der Zusendung des„Vorwärts" keine Unterbrechung eintritt. Die Preise sind wie bekannt folgende: 1 Exemplar Ima! wöchentlich 3s—<1. 1„ 3ma!„ 4s 2d. 2„„„ 6s— d. 3„„„ 7s 6 d. An die Redaktion der„Zukunft". Bis jetzt(Mittwoch, den 19. ds., Vormittags) ist uns noch kein Exemplar des 1. Heftes der„Zukunft" zu- gegangen. Wo bleibt Bestellung der Expedition? D. R. d.„B." 6 lös— d. Quittuyg. I. Schmdt München Ab. 3,60. Arbeiterpartei hier Ann. 10,60. Rdgr Halle Ab. 13,50, Schr. 3,00. Psrtzschnr Hohenstein Ab. 18,00. Flr Schwäb.-Gmünd Ab. 10,00. Knstmnn Erlangen Ab. 18,10, Schr. 25,00. Sch Düsseldorf Ann. 1,00. Wnnr Bochum Ann. 0,80. Schft Gohlis Ab. 13,50. Grmm Braunschweig Schr. 0,30. Dr. F. Jena Schr. 0,50. Dr. Herr Schluckenau Schr. 2,23. R. Mtzgr Oggersheim Schr. 13,40. Lnz Jnnstadt-Passau Schr. 1,00. Bnnwtz Brandis Schr. 1,25. Schndr Beerfelden Schr. 0,60. Correspondenzen. Heringswatde, 12. September. Am Sonnabend, den 8. September, hielten wir hier im Hotel„zum goldenen Anker" eine von über 500 Menschen, unter denen sich auch Frauen be- fanden, besuchte Volksversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand der heutige Nothstand und die Mittel, denselben zu be- seitigen. Als Referent war der Reichstagsabgeordnete Herr W. Hasenelever erschienen. Schade war es, daß die hiesigen Fabrikanten zu wenig vertreten waren; dies lag vielleicht daran, daß die Herrchen an der Lektion, die ihnen in der vor der Reichstagswahl im Januar stattgefundenen Volksversammlung ertheilt wurde, noch genug haben. Die Versammlung war da- mals von den Liberalen einberufen und wir hatten uns mit unserm Candidaten Burkhardt als ungeladene Gäste natürlich auch eingestellt. In der letzten Sonnabendveri'ammlung war größtentheils das jüngere Element, auf das es ja namentlich ankommt, vertreten. Die Versammlung folgte dem gut durch- dachten Vortrag des Herrn Hasenclever mit größter Aufmerk- samkeit und spendete dem Redner reichlichen Beifall. Wenn übrigens unser hiesiges Lokalblättchen, das„Geringswalder Wochenblatt" über die Versammlung einen etwas absprechenden Bericht bringt, so gcnirt uns das nicht im geringsten. Für uns ist die Sozialdemokratie nun einmal die einzige Partei des Volkes, und zu ihr werden wir laiten in Freud und Leid. Adorf i. Vgtl. Sonnabend, den 8. ds. M., fand hier eine Volksversammlung statt, in welcher Genosse Ph. Wiemer über: „Was wollen die Sozialdemokraten" referirte und wurde der l'/« Stunde andauernde Vortrag sehr beifällig aufgenommen. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Um die Unkosten der Versammlung zu decken, wollten wir eine Gcldsammlung veranstalten, welche aber vom Bürgermeister verboten wurde, alsdann forderte der Einberufer zu freiwilligen Beiträgen auf, da sich jedoch während dieses Zwischenfalls der größte Theil der Versammelten entfernt hatte, so waren die Beiträge nicht hin- reichend, die Unkosten zu decken, obwohl die noch Anwesenden nach besten Kräften steuerten. Gegen den Bürgermeister wird Beschwerde geführt werden. Aramöach i. Vgtl., den 10. Sept. Gestern wurde hier eine Volksversammlung abgehalten, in welcher Wiemer unter großem Beifall sprach. Es waren besonders aus Böhmen viele Arbeiter anwesend, da in Böhmen Volkversammlungen nicht gestattet sind. Es ist auch ein im Voigtland allgemein ausgesprochener Wunsch, ein Parteiblatt zu besitzen, und werden wir auf dasselbe hoffent- lich nicht mehr lange zu warten haben. Da ein Wechsel in der Agentur eingetteien ist, so ist es nothwendig, daß die Leser und Solche, die es werden wollen, ihre Bestellungen nebst genauer Angabe ihrer Adresse vor dem 28. September besorgen, um jede Verzögerung in der Zusendung müglichst zu vermeiden. Alle nicht bis dahin speziell abbestellten Exemplare gelten als weiter abonnirr. Bestellungen nehme ich 4n der Versammlung und in meiner Wohnung jeder Zeit entgegen. W. Hoffmann. 37 a, Brincks Str. Leicester squ. London W. An die Leser des„Vorwärts" und der„Neuen Welt" und die Parteigenossen zu Qsnabrüch. Wiederum naht ein Quartal sich dem Ende. Pflicht jedes Lesers und Parteigenossen ist es, irit aller Kraft für die Verbreitung des „Vorwärts" und der„Neuen Welt" einzutreten, die Zeit des Handelns ist jetzt gekommen, Worte ohne Thaten nützen uns nichts, deshalb muß Jeder, der einen Abonnemen auftreiben kann, behilflich sein und ihn mit Rath und That unterstützen. Selbst die Parteigenossen, die längere Zeit lässig in der Sache waren, müssen wieder in die Aktion eintrcren und aus den„Vorwärts" und die Neue Welt" abonniren. Denn ohpe den„Vorwärts" zu lesen, ist es nicht gut möglich, ein richtiges Urtheil über unsere Bewegung, sowie über die politiiche und ökonomische Lage des Volkes zu erhalten. Auch die„Neue Welt" ist eine Lektüre, die auf dem Gebiete der Unterhaltung, Belehrung sich jedem anderen zur Seile stellen kann, dos heißt, soweit sie noch nicht von der„Neuen Welt" überflügelt sind. Am 1. Oktober tritt der Abschluß eines Abon- nementsjahres sür die„Neue Welt" cm. Die„Neue Welt" kostet in Heften 30 Pf., per Quartal 1,20 M. Etwaige Bestellungen sind bei Graue, Mellcrstr. 2w, zu machen. Nochmals, Leser und Genossen, tretet kräftig ein sür die Verbreitung obiger Blätter, auf diese Weise wirken wir nachhaltig sür unsere Grundsätze.— d— Frankfurt a.M. u. Umg. und Monats-Abonnements auf alle sozialistischen Zeitungen„Vor- wärts",„Neue Welt",„Rundschau",„Die Zukunft", ,,Bcr- lincr Freie Presse",„Hauiburg Altonaer Lolksblatt",„Bolks- srcund" u. s. w. zu jeder Tageszeit angenommen werden, serner mache ich darauf aufmerksam, daß bei mir Auflräze auf Drucksachen aller Art, z. B. Adreßkarteu, Visitenkarten, Rechnungen, Circulaire u. s. w. angenommen werden. Alle Drucksachen werden billig und nach Wunsch schnell und bestens besorgt. W. Knoke, Kl. Eschenheimersttaße 34 II. NB. Den geehrten Abonnenten des„Vorwärts" u. s. w. die noch im Rückstand sind mit Abonnementsgeld vom 1. und 2. Quartal zc. werden ersucht ihren Pflichten nachzukommen, widrigenfalls sie kein Blatt mehr erhallen und veröffentlicht werden. Dieses gilt auch für Diejenigen, die abgereist sind. Aufruf an die gescmmtcn Gewerkschaften Deutschlands. Hcnttburg. Sonnabend L�Scp'tember, Abends halb 9 Uhr, in,„Salon zum Roland", 1. Jakobstraße Nr. 19: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Zuchthausangelcgenheit. 3. Ar- beitsangelegenheit.[80 F. Wirckcling. 'TM'tflVTiwf Die Versammlungen des sozial- Uss tu Li), demokratischen Wahlvereins findeir von jetzt ab regelmäßig Samstags Abends 9 Uhr im Lokale des Herrn Deussen, Mühlenstraße am Burgplatz, statt. s1,00 Der Vorstand. Mannheim.(Bund der Tischler und verwandten Berufs- genossen.) Zur statistischen Ermittelung über die Arbeitszeit, Löhne, Arbcitsräume, Wohnungen, Lebensmittel, Krankheiten Steibefälle, sowie das Lchrlingswcsen der Tischler und verwandten Bcrussgenossen in Deutschland hat der unterzeichnete Vorsitzende«in Formular versandt, dessen Rubriken möglichst sorgfältig auszufüllen sind. Der Zweck der statistischen Erhebungen ist eine genaue Kcnmniß von unseren Verhält- nissen, sowie die immer mehr um sich greifenden Berufskrankheiten und deren Ursachen zu erlangen. „Einer für Alle, Alle für Einen", das war stets unsere Devise und soll es stets bleiben. Es ist auch diese uniere Devise die Veranlassung, daß wir heute mit einem Aufrufe an die Gewerkschaft en im Allgemeinen herantreten. Glaube aber ja Niemand, daß wir mit etwas Neuem an die Gewerkschaften herantreten, denn Dasjenige, was wir in Nachstehendem den verschiedenen Gewerkschaften zur dringenden Beach- tung empfehlen, wurde schon in früheren Jahren behandelt. 'Wie den älteren Mitgliedern der Gewerkschaften bekannt ist, wurde im Jahre 1875 auf der Allgemeinen Gewerkschaftsconferenz, die in Gotha tagte, eine Sache verhandelt, die von allen Seiten sreüdigst begrüßt wurde, nämlich:„Die Vereinigungsfrage der sämmtlichen Gewerkschaften." Ist die Vereinigung in einzelnen Beziehungen nun auch durchgeführt worden, so harrt sie dennoch ihrer vollkommenen Lösung. Um diesem Ziele immer mehr und mehr zuzusteuern, glauben wir, es sei jetzt an der Zeit, sich darüber klar zu werden, in wie weit die Bereitwilligkeit in dieser Beziehung in dc«r Gewerkschaften Vorhänden ist. Zwar wissen wir, daß eine allgemeine Centralisation unter den heutigen Verhältnissen nicht durchführbar ift, aber es ihut dennoch Roth, immer mehr und mehr darauf hinzuwirken, und erlauben wir uns in dieser Beziehung den verschiedenen Gewerkschaften folgenden Vorichlag zu unterbreiten: In Erwägung, daß die einzelnen Gewerkschaften nicht im Stande sind, eine Ausbesserung in ihrer Branche herbeizuführen, möge man daraus hinwirken, daß eine allgemeine Centralisarion der sämmtlichen Gewerlschastxn angebahnt werde; als nächstes Anbahnungsmittel muß i ein Centtalorgan für sämmtliche Gewerkschaften in's Leben gerufen werden. Dieser Vorschlag gewährt auch in jeker anderen Beziehung den Gewerkschaften Voriheile. Augenblicklich hat fast jede Gewerkschaft ihr eigene» Organ, aber sie sind nicht immer im Stande, nur die Kosten sür die Redaktion aufzubringen, geschweige denn noch etwas für die Verbreitung ihrer Organisation leisten zu können. Haben w r erst ein Centtalorgan, so tritt in dieser Beziehung zunächst eine große Vermin- derung der Ausgaben ein. Wohl werden uns Einzelne entgegen halten, das Centtalorgan könne sich nicht so eingehend mit den verschiedenen Gewcrksangelegenheiten befassen. Dieser Ansicht haben wir entgegenzu- halten, daß diejenigen Sachen, welche in den Gewerkschaftsorganen über die EntWickelung der einzelnen Gewerbe mitgetheilt werden, von den Abonnenten der Organe am wenigsten Beachtung finden. Dem muß entgegengearbeitet werden und das kann nur am besten geschehen durch j Schaffung eines Centtalorgans. Hierdurch wäre ein großer Schritt in der Weiterentwickelung der Gewertschaften geschehen und unser Wahl-: sprach:„Einer sür Alle, Alle sür Einen" würde zur Wahrheit werden.� i Darum ersuchen wir nocbmals, über diese Sache nicht hinwegzugehen, sondern möge ein Jeder sich dieselbe zu Herzen nehmen, reiflich über- ' legen und sich in leincr Beziehung durch Borurthcile, Kastengeist und dergleichen beeinflussen lassen, dann werden wir uns auch immer mehr und mehr dem Ziele, welches wir uns gestellt haben:„die Arbeit zu befreien vom Drucke des Kapitals", nähern. Hannover, 12. Septbr. Mit brüderlichem Gruß Die vereinigten Gewerkschaften in Hannover. Im Austrage der Commission: A. Wellert. H. Schaars. C. Weemann. NB. Alle arbeiterfteundliche Blätter werden um Abdruck obigen■ Anfrnfs gebeten.__ Sozialdemokratischer Wahlvcrein. «yVUUlvvti. Sonnabend, den 22. September, Abends halb 9 Uhr, im Vereinslokal, Mittclsttaße Nr. 11:(F. 164) Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Fortsetzung der Borträge über die zehn Gebote von H. Meister.[80 Ter Borstand. Gcwerkschafts-Krankcnkassc VvlfgHV* Leipzig nnd Umacgcnd. Sonnabend, den 22. September, Abe Gcwerkschafls-Krankcnkassc der Metallarbeiter für rd.(Eingetr. Genossenschaft.) Abends halb 9 Uhr, bei Hrn. Träger, Thiem'schc Brauerei, Tauchaersttaße Nr. 12: Versammlung. Zahlreichem Erscheinen sieht entgegen Der Borstand. NB. Aufnahme neuer Mitglieder.[80 Zur Beachtung.»-TK.«?'-"' � � 45 jetzt 34 II. W. Knoke, Franksurl a. M., KI. Eschenheimersttaße 34 II.' Durch gerichtlichen Beschluß gezwungen zu liquidiaen, unterstellt hiermit die Genossenschaftsbuchdruckerei Augsburg (E. G. in Liquid.) ihr Geschäft, den Druck und event. Verlag des hiesigen wöchentlich drei- mal ericheinenden sozialistischen BlatteS der„Volkswille", nebst Privat- arbeiten aller Art dem Verkaufe. Ges. Anftagen sind an den Geschäftsführer der Druckerei Herrn Leonhardt Tauscher zu richten.[3,60 Die Liquidations-Commission. Für den Kreis Bochum. Sonntag, den 23. September, Nachmittags 4>/, Uhr findet im Lokale des Herrn Wilh. Schober, Wittener Straße Nr. 42 zur Eon- stituirung einer Zeitungscommission eine Zusammenkunft statt, wozu sämmtliche zum Kreise Bochum gehörende Gesinnungsgenossen einge- laden werden.[80 Hoffentlich werden alle Mann am Platze sein. Mit Gruß und Handschlng__ Mehrere Genossen. Vom Protokoll des zu Gotha stattgehabten Sozialisten-Congreffes Damit man diesem allgemein anerkannten Bedürfniß keine tendenziöse Absicht unterschieben kann, ersuche ich olle Genossen, aus ihrer Mite Bekanntmachung. Tie unterzeichneten Vertreter der pfälzisch- badischen Parteigenossen erklären, daß die Parteimitglieder Anton Grablcr aus Neustab st noch eine kleine Partie vorräthig. Preis 25 Pfg., bei Bezug von mindestens 5 Exemplaren 20 Pfg. Versendung nur gegen baar oder Nachnahme unter Beifügung von 10 Pf. Porto für je 5 Exemplare. Bestellungen sind zu machen bei C. Derossi, Hamburg, Pferde- martt 37 III. a. Verantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipzig. Htsd-'-tn Nif Sxptdttum Färberstrss- Uf/n, toi Leipeig. Dr i» urb S5cri»< kr nschaflsbuchdruckkr?! in LrPztg, ..