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Die soziale und wirthschastliche Herrschaft des Staates. Daß wir mit den Schutzzöllnern und conservatiyen„Wirth- schaftsreformern" nichts weiter gemein haben, als die Unzufrie- denheit mit dem gegenwärtig herrschenden wirthschaftlichen System, brauchen wir wohl nicht besonders zu versichern. Fordern wir die Hilfe des Staates, so weiß Jeder, daß der heutige auf Säbel und Geldsack gestützte Staat das Recht der Arbeit durch Staatshilfe nicht feststellen wird, da er sich dann selbst sein Todesurtheil sprechen würde. Wir wollen den Heu- ti�en Staat erst zu derjenigen Höhe führen, auf welcher er sich semer sittlichen Aufgaben völlig bewußt wird, auf welcher er dann nicht mehr der„Nachtwächter" einer kleinen Klasse der Bevölkerung ist, sondern das Wohl des gestimmten Volkes gerade in sozialer Beziehung durch organisatorisches Eingreifen mit allen Mitteln zu fördern anstrebt. Anders liegt es bei den Schutzzöllnern und Wirthschafts- reformern, von denen zunächst die ersten eine direkte Staatshilfe für eine kleine Abtheilung der durch indirekte(„Nachtwächter"-) Staatshilfe schon bevorzugten Klasie der Bevölkerung erstreben und die zweiten zwar Arbcit für das ganze Volk durch Ein- greifen des Staates fordern, aber doch diese Arbeit wieder hauptsächlich der bevorzugten Klasse der Grundbesitzer dienstbar machen wollen. Und dies verlangen beide rcactionären Strömungen vom heutigen Staate, an dessen Säbelherrschaft sie nicht im Gc- ringsten rütteln wollen, dem sie sogar, wenn er zu ihren Gunsten eingriffe, gern und freudig auch das bischen Freiheit, welches das Volk in den sogenannten Culturstaaten nach langem, langem Ringen erlangt hat, zum Opfer brächten. Wenn wir nun auch Antipoden jener Bestrebungen sind, so begrüßen wir dieselben doch mit Freuden, weil durch dieselben vielfach Klarheit geschaffen wird und die herrschende wirth- schaftliche Richtung zwischen zwei Feuer geräth. Wem der endgültige Sieg zufällt, das wissen wir ja doch.--- Kürzlich erklärte ein Berliner Organ der Wirthschaftsreformer: „Nicht der Einzelne hat ein Recht auf Arbeit in dem ae- wöhnlichen sozialistischen Sinne, wohl aber Hot das Volk als Ganzes den berechtigten Anspruch an seine Regie- rung, nach Möglichkeit dafür Sorge zu tragen, daß kein Theil seiner Arbeitskraft unbenutzt und unverwendet bleibt." Zunächst wollen wir kurz betonen, daß es dem Sozialismus niemals eingefallen ist, einsn Unterschied bei seinen Forderungen zwischen dem Rechte des„Einzelnen" und des„Volkes" als Ganzes zu machen. Weiter aber heißt es in jenem Blatte: „Ter Staat soll die bisher isolirten Wirthschaftcn in Ein- nähme und Ausgabe, in Produktion und Cvnsumtion zu einer durch ein bestimmtes wirthschaftliches Centrum dirigirten und beherrschten Einheit zusammenfassen". Diese Sätze lassen nun dem großen Volkswirth, Hrn. Eugen Richter, keine Ruhe, der im Uebereifer für„seine gerechte Sache" folgendes Geständniß macht: „Dieses„Centrum" ist doch wohl im Handelsministeriuni zu suchen!?— Wir fragen nur: wie müßte Herr vr. Achenbach oder irgend ein Anderer an seiner Stelle es anfangen, um die Wünsche dieser Partei zu befriedigen? Soll er als Generalagent der Industriellen Preußens auf dem Weltmarkt den Einkauf und Berkauf übernehmen? Soll er den Fabrikanten ihre Arbeit zu- weisen? Soll er dafür sorgen,„daß kein Theil der nationalen Arbeitskraft unbenutzt bleibe", d. h. daß überall eine rege Produktion sich entwickele und nirgendwo eine schäd- liche Ueberproduktion eintrete? Möglich wäre das Alles schon, freilich nur unter der Bedingung, daß die Privat- industrie überhaupt zu existiren aufhörte, und daß alle ge- werblichen Unternehmungen von dem Staat in Be- trieb genommen mürben. Der Himmel bewahre uns in Gnaden vor der Verwirklichung solcher Möglichkeiten.' Also in seinem Uebereifer, den Schutzzöllnern und Wirth- schaftsreformern eins anzuhängen, ist hier Herr Richter in eine Falle gerathen. Wer hat den Sozialismus als Utopie bezeichnet, wer hat die Unmöglichkeit der Endziele des Sozialismus immer und immer betont, wer hat in geradezu pöbelhafter Weise bei der letzten Nachwahl im sechsten Berliner Reichstagswahlkreise diesen seinen Anschauungen Ausdruck gegeben? Es war der Herr Eugen Richter. Und jetzt im Kampfe gegen einen andern Feind giebt der- selbe Herr zu,„daß überall eine rege Produktion sich entwickeln kann, so daß nirgendwo eine schädliche Ueber- Produktion eintritt." Tritt aber ein solcher Zustand ein, so wird jeder vernünftige Mensch einsehen, daß damit das Ideal aller Bestrebungen in Bezug auf die Produktion erreicht ist. Die Verwirklichung'olchen Ideals, so sagt Herr Richter offen, kann nur auf sozialistischer Grundlage geschehen, wenn der Pri- vatbetrieb aufhört und der Staat den Betrieb übernimmt. Herr Richter merkt nun selbst, daß er im Kampfe nach techts durch solche Zugeständnisse nach links das Interesse seiner Auf- traggeberin, der Bourgeoisie, deren Commis-Voyageur er ja be- kanntlich ist, schädigt und deshalb bittet er mit frommen Augen- aufschlag den Himmel, daß er„uns in Gnaden vor solchen Möglichkeiten" bewahren möge. Nachdem Herr Richter sich von seinem Gebet erholt hat, er- blickt er eine realere Macht, die deutsche Reichsregierung, an die er sich um Hilfe wendet, und von der er überzeugt ist, daß sie solche„ungerechte und unkluge" Wirthschaftspolittk nicht einschlagen werde. Da ist er allerdings an die rechte Schmiede gekommen. Der Geldsack hat dem Säbel gegeben was des Säbels ist und so wird auch der Säbel immer den Geldsack beschützen,— natür- lich nur so lange, bis die Menschenvernunft beide Institutionen beseitigt hat. Zum Schlüsse seiner Auseinandersetzungen, nachdem Eugen sich der Gunst des Himmels und des Säbels versichert hat, crtheilt er den Schutzzöllnern und Wirthschaftsreformern recht väterlich noch folgenden Rath: „Sie aber werden mit der Zeit schon begreifen, daß das wirthschastliche Leben wie das physische, soziale und politische nur ein fortgesetzter Kämpf um's DaseinMt, der allerdings nicht mit äußeren Machtmitteln von Volk gegen Volk, sondern mittels der besseren Leistung von Mensch gegen Mensch ge- führt werden muß. Nur so kann dieser Kampf zu einem fried- lichen Wettstreit der Culturbestrebungen veredelt werden." Zu dieser geharnischten Kriegserklärung, daß ewig und immerdar die Menschen sich bekämpfen sollen durch bessere Leistung(und doch wohl auch durch etwas mehr oder weniger Glück), zu diesem ewigen Kriegszustand des Hrn. Richter wollen mir nur bemerken, daß gerade er im Kampfe um das Dasein durch die erdenklich schlechtesten Leistungen reufsirt, daß er aber durch das Zugeständniß der Möglichkeit einer staatlichen Orga- nisation der Produktion und somit auch der Consumtion in seinen ewigen Kampf selbst eine sehr bedenkliche Friedensbresche ge- schössen hat.— Die Culturentwicklung, der fortschreitende Geist der Mensch- hcit wird sich von den kampfivüthigen Manchesterleuten, welche den Kampf des Profits halber lieben, ebenso wie die beutegierigen Kosacken, auf die Dauer nicht gängeln lassen, er wird den Frie- den proklamiren nicht allein„von Volk gegen Volk", sondern auch„von Mensch gegen Mensch". Die Eigenthumsbegriffe der sogenannten besseren Stände können selbstverständlich nicht besonders stark ausgeprägt sein; der ewige Kampf um das Mein und Dein, die Concurrenz in allen ihren vielfach Ekel erregenden Erscheinungen stumpfen das Bewußtsein des Rechts und Unrechts in der bedenklichsten Weise in den betheiligten Kreisen ab. Stiehlt der Arme aus Roth, so stiehlt der Besitzende aus Begriffsverwirrung, wie nachstehendes„Eingesandt" der liberalen„Vegesacker Wochenschrift" zur Eoidenz beweist: „Ist es schon in hohem Grade rücksichtslos, wenn Gegen- stände, deren Besichtigung dem Gesammtpublikum freigestellt wer- den, von Einzelnen nicht mit der gehörigen Sorgfalt und Vor- ficht behandelt werden, so ist es unerhört gewissenlos, wenn mühsam erzielte Produkte der Blumen- und Obstzüchter vor- nichtet resp. den Eigenthümern entfremdet werden, wie dies auch auf der diesjährigen Blumen- und Fruchtausstellung des Vereins für Landwirthschaft und Gartenbau zu Aumund leider wieder mehrfach stattgefunden hat. Wenn Kinder, deren Zutritt zu einer solchen Ausstellung übrigens für die Folge nicht mehr ge- stattet werden sollte, sich einige Obststücke zueignen, so ist das an und für sich ja nicht in der Ordnung, immerhin aber mit Rücksicht auf das je nach der Art der Erziehung mehr oder we- niger entwickelte Unterscheidungsvermögen zwischen Mein und Dein zu entschuldigen; daß aber Erwachsene und gar den söge- nannten besseren Stünden Angehörende ihre Finger von den ausgestellten Früchten nicht fernhalten können, ist gewiß sehr bedauerlich und verdient wahrlich öffentlich an den Pranger ge- stellt zu werden. Wie viel von den ausgestellten Früchten„mit- gegangen" sind in den Taschen einzelner Besucher der Aus- slellung, das bewiesen am Montag Nachmittag die zahlreichen leeren Stellen auf den Tischen. Die Ausstellung der Herren Baron v. Knoop, Consul Schellhaß, Vereinspräsidenten Holzborn und anderer Herren waren durch das Ausräubern ge- radezu ruinirt, denn die schönsten Exemplare der Früchte, die je zu dreien ausgestellt waren, wiesen nur noch zwei Stück, in manchen Sorten gar nur noch ein Stück auf. Wenn dem Uebel- stände bei späteren Ausstellungen nicht abgeholfen wird, so wer- den diejenigen Herren, welche bislang für die Ausstellungen das Meiste und Beste beigetragen haben, ihre Hand vom Vereine zurückziehen, wodurch das Zustandekommen derartiger Arrange- ments unzweifelhaft in Frage gestellt werden würde. Glücklicher- weise ist es am Montag Mittag einem Comitvmitgliede ge- lungen, ein sauberes Pärchen, einen Herrn und eine Dame, auf frischer That zu ertappen. Gerade in dem Augenblicke, als dieselben die Knoop'sche Äusstelluog einer gründlichen Ausräube- rung unterwerfen wollten, erhob sich das in unmittelbarster Nähe befindliche Comitömitglied und setzte dem langfingrigen Pärchen auseinder, daß im Ausstellungslokale das Beistecken, Mitnehmen oder Stehlen von Ausstellungsgegenständen durchaus nicht ge- stattet sei, und forderte ein sofortiges Verlassen des Lokales. Roth vor Scham und das Tafchentuch vor dem Gesicht ent- fernten fich die Obstmarder. Der Nachsicht des Comitsmitglie- des haben sie es zu verdanken, daß ihre Namen verschwiegen bleiben; zur Warnung aber mag es jedem dienen, welcher fein Gelüste nach verbotenen Früchten nicht beherrschen kann, daß für ähnliche Vorkommnisse in Zukunft eine Bekanntschaft mit dem Strafrichter unausbleibliche Folge sein würde." Soweit das„Eingesandt" der„Vegesacker Wochenschrist". Lediglich gut situirte Personen haben jene Ausstellung be- sucht. Und angesichts solcher geradezu auffallenden Lust am Diebstahl der besseren Gesellschaft wirft man von Seiten eben derselben fortwährend Schmutz und Hohn auf die sogenannten niederen Klassen der Bevölkerung, aus denen allerdings und natürlicher Weise der größte Theil der Dieb- aus Roth her- vorgeht. Weshalb aber das Comitemitglied aus Nachsicht die Namen der Diebe verschweigt, das ist leicht ersichtlich. Hätte demselben eine arme Frau für ihre hungernden Kinder ein Brod gestohlen, fo würde er dieselbe schon der ewigen Gerechtigkeit halber, wenn auch vielleicht mit schwerem Herzen, dem Richter überantwortet haben— aber diese Aepfeldiebe gehören zu seinem Stande und der eigenen Standesehre, des Standes-, des Klasseninteresses wegen werden hier natürlich die Namen verschwiegen. Daß der Diebstahl in einer Ausstellung, ganz cbgesehen von dem Vertrauensbruch, welcher stattfindet, noch viel gravircn- der ist, weil dadurch das Interesse der Gesammtheit geschä- digt wird, das leuchtet uns Sozialdemokraten wohl ein, aber die Glieder der herrschenden Gesellschaft salviren ihr Ge- wissen gerade damit, daß kein Einzelner besonders hart durch solche Spitzbübereien getroffen wird. Die Lehre vom heutigen Privateigenthum findet dadurch eine negative, aber ziemlich krasse Beleuchtung. Sozialem che Ueberstchl — Der Genter Congreß nahm in Bezug auf die Grund- und Bodenfrage eine Resolution an, welche vom„Vorwärts" in deutscher Uebersetzung wiedergegeben ward: „In Erwägung, daß, so lange das Land und die ybrigen Arbeitsinstrumente, welche die Grundlage des Bestehens der Gesellschaft bilden, von einzelnen Individuen oder Klassen in Besitz genommen oder als Privateigenthum monopolisirt wer- den, die ökonomische Unterdrückung der Masse des Volkes mit ihren nothwendigen Folgen: dem Elend und der Aus- bungerung fortdauern muß. erklärt der Congreß: Es ist nöthig, daß der Staat, welcher das ganze Volk vertritt und umfaßt und innerhalb dessen die freien Com- munen organisirt sind, Eigenthümer des Landes und der übrigen Arbeitsinstrumente werde." Seitdem ist eine französische Version des Beschlusses veröffent- licht worden, in welcher der zweite Absatz also lautet: „(Jue l'Etat ou la Commune, röpresentant et conpre- nant la totalitö du peuple, doit poasöder la terre'et les autres instrumenta du travail," in wortgetreuer deutscher Uebersetzung: „daß der Staat oder die Commune, welche die Gesammt- heit des Volks vertreten und umfassen, die Erde und die übrigen Arbeitsinstrumente besitzen soll." Auf den ersten Blick sieht man das Mangelhafte dieser Fassung. Staat und Commune stehen nicht im Gegensatz z« einander: die Commune ist der Theil, der Staat das Ganze; die vereinzelten, verbündeten freien Communen sind der Staat. Die Fassung ist also an sich unlogisch, und dem Geiste der Resolution nicht entsprechend. Jeder Zweifel, der etwa in dieser Beziehung noch obwalten könnte, wird durch einen Rückblick auf die Entstehung der Resolution weggeräumt. Der Anttag wurde ursprünglich von Hales, einem der eng- lischen Delegirten, gestellt, und enthielt in der ersten Fassung nicht den, die Commune betreffenden Passus. Zweck des An- trags war: die ökonomische Stellung der Sozialdemokratie gegen- über dem„Gruppen"- Ideal der„Anarchisten" zu präzifiren, und das Prinzip des Staatseigenthums der Arbeits- instrumente, d. h. der Conzentrirung der Produttion in den Händen der Gesammtheit zu klarem Ausdruck zu bringen. Hie„Gruppe"— hie Staat: das war der Angelpuntt, um den fich die Debatte drehte. Unmittelbar vor der Abstimmung erklärte De Paepe, der entschieden für das Staats- und Gesammt- Eigenthum ein- getreten war, er wünsche, daß in der Resolution auch die freie Commune erwähnt werde, und könne nur unter dieser Bedingung für den Halcs'schen Antrag stimmen. Hales und die übrigen sozialdemokratischen Delegirten hatten nichts einzuwenden, der englische Text wurde demgemäß von Hales, Barry, Lieb- knecht und, wenn wir nicht irren, auch von Greulich umgearbeitet; und ebenso die deutsche Uebersetzung des englischen Originals. Des Wortlauts der französischen Uebersetzung, über den abgestimmt wurde, weiß Liebknecht sich nicht zu entsinnen. Aber die deutsche Version ist genau so angenommen. worden, wie der„Vorwärts" sie mitgetheilt hat. Sie ist correct und authentisch, während die oben ge- gebene französische Version sicherlich nicht correct ist, und, falls sie, was wir bezweifeln, im Congreß sollte verlesen worden sein, nur auf einen, in der Eile begangenen Redaktions- fch nitzer zurückzuführen wäre. Wir waren zu dieser Auseinandersetzung gezwungen, weil das„Bülletin" der Jurasser„Anarchisten" die vom„Vorwärts" veröffentlichte Fassung bemäkelt und sogar von einer„Fälschung" zu reden den brüderlichen Muth gehabt hat. Die Redaktion des„Bülletin" möge sich mit ihrer Logik und ihrem Anstandsgefühl abfinden. Mehr zu sagen verbietet uns die bekannte unser Verhältniß zu den„Anarchisten" betreffende Resolution des Genter Eon- gresses, welche zu respektiren wir uns verpflichtet haben. — Rückwärts! Rückwärts! Rückwärts! Die Reattions- reden der Herren Forckenbeck, Virchow und Bennigsen lassen die anderen liberalen Größen nicht schlafen; sie eifern ihren Führern .nach. So hat der fortschrittliche Abgeordnete Windthorst lBielefeld), ein Vetter von dem klerikalen Windthorst aus Meppen, kürzlich vor seinen Wählern eine Rede gehalten, in welcher er wörtlich sagte: „Der wesentlichste Grund unserer wirthschaftlichen Misere ist der bewaffnete Frieden Europas, der Militarismus, der uns am Marke zehrt. Wir. dürfen heute nicht an diesem Zustande rütteln, dürfen unsere Wehrkraft nicht schwächen, wenngleich wir einsehen, daß unsere stete Kriegsbereitschaft auf die Dauer unfern Wohlstand vernichten muß." Die Herren Fortschrittler und Liberalen könnten übrigens in Bezug auf die Wehrkraft einer Nation viel von dem russischen, wüsten General Skobeleff lernen, der zur Vertheidigung des Landes eine Volkswehr, ein Milizheer und tüchtige Ingenieure, welche befestigte Stellungen einrichten können, für genügend er- achtet. Doch was liegt den liberalen und fortschrittlichen Bauch- rutschern an dem Wohlstaude des Volks, wenn sie nur die Macht- Haber bewcdeln dürfen. Noch sei zu erwähnen, daß die Fortschrittler gesonnen sind, sich dem Nationalliberalismus völlig anzuschließen, daß man überall gemeinsame„liberale Bürgeroereine" errichten will— diese Sorte gehört auch völlig zusammen. — Ein Muster-Richter. Vor einigen Tagen prangte in den verbreitetsten sächsischen Zeitungen nachstehendes Inserat: „Ich der Unterzeichnete bekenne mich hierdurch als Einsender und Verfasser derjenigen Correspondenz im„Chemnitzer Tage- blatt" vom 5. September v. I., in welcher Herr Fabrikant Ro- bert Friedrich in Meerane, der zur Weltausstellung nach Phila- delphia gereist war, der Falschmünzerei und des heimlichen Aus- tretens nach Amerika u. s. w. beschuldigt wurde. Ich bedaure auf's Herzlichste, daß ich den mir anscheinend von berufenster Seite zu Ohren gekommenen bösartigen Verleumdungen Glauben geschenkt und diese mir gewordenen Mittheilungen, als damaliger Correspondent des genannten Blattes veröffentlicht habe. Es thut mir unendlich leid, Herrn Friedrich und desien Angehörige durch diese unselige Veröffentlichung so großes Leid und schweren Kummer zugefügt und auch seiner Ge- Gesundheit und seiner geschäftlichen Existenz geschadet zu haben. Da nun Herr Friedrich auf meine eindringliche Bitte, und mit Rücksicht darauf, daß diese Kränkungen meinerseits unwissentlich zugefügt worden sind, den gegen mich erhobenen Strafantrag zurückgezogen hat, so leiste ich demselben hiermit öffentliche Abbitte. Glauchau, am 23. September 1877. W. Gen sei, Gerichts-Rath." Ob der Mann, welcher dieses furchtbare Exempel der mora- lischen Selbsthinrichlung an sich statuirt hat, noch den Muth haben wird, das Richteramt zu üben? Das„Chemnitzer Tage- blatt", welches sich zum Ablagerungsplatz für die„bösartigen Verläumdungen" des ehrenwerthen Hrn. Gerichtsrath hergegeben hat, ist dreimal in der Wolle gefärbt nationalliberal, schimpft natürlich wie ein Rohrsperling auf die„unsittlichen" Sozialdemokraten und gefällt sich mit besonderer Vorliebe darin, die sozialistische Presse, wenn sie Mißstände geißelt, der„Ehr- abschneiderei" zu bezüchtigen. — Einer der hervorragendsten Führer der Fort- schrittspartei zu Esten aus der Zeit von 1867—1873, der Herr Gust. Ad. Waldthäusen, ist am 3. Oktober dem Kreis- gefängmß zu Esten übergeben worden. Derselbe war nach England vor einigen Jahren geflüchtet, da er die Zahlungen einstellen mußte. Die Passiven betrugen das kleine Sümmchen von IS Millionen Mark.— Auch die„Berliner Volkszei- tung" bringt diese Nachricht, erzählt aber in derselben Nummer ihren Lesern allerlei Anekdoten von den Sozialdemagogen, welche die Arbeiter und das Volk ausbeuten. Beirügt ein Fortschritts- mann das Volk um 15 Millionen, so ist das nobel, läßt sich ein Sozialdemokrat für seine Mühe und Arbeit eine zum Leben eben genügende Ablöhnung geben, so ist das Ausbeutung— dies ist die Anschauung des hochmoralischen Schreibers der be- kannten sieben lebendigen Leitartikel, des neugebackenen Doctors, des Herrn Rabbi Bernstein. — Aus offiziellen russischen Berichten erhellt, daß der, von den Russen amtlich längst todtgesagte Aufstand in Kau- kasien eine bedeutende und ganz ungeahnte Ausdehnung er- langt hat. — In Siebenbürgen ist eine„große ungarisch-pol- nische Verschwörung" entdeckt worden, die einen Putsch gegen die russischen Verbindungen in Rumänien und gegen die Russen in— Polen bezweckte. Das„Gespenst" Polen nimmt wieder Fleisch und Blut an, und die Diplomatie, namentlich die preußisch- russische, bekommt bei der bloßen Erwähnung des Namens eine Gänsehaut. Was wir vor Ausbruch des Kriegs über das zu erwartende Auftauchen der polnischen Frage sagten, beginnt sich zu verwirklichen. Ein Stück Geschichte. Defension(Vertheidigungsschrift) in der Untersuchungssache wider Wander. (Vom Justizroth Robe(ä. ä. 9. September 1315.) (Fortsetzung.) Der Verein begann seine Versammlungen. Nach der ersten constituirenden, in welcher keine Vorträge gehalten wurden, hat er noch sechs erlebt. Er machte natürlich bald von sich reden, auch und besonders unter Denen, die ihm nicht angehörten. Ein Verein mit öffentlichen Reden war eine den meisten Leuten un- gewohnte Erscheinung; es war also nicht wunderbar, wenn er die verschiedensten Beurtheilungen erfuhr. Konnte man aber dem Berein selbst nichts anhaben, so richtete man sich gegen einzelne Mitglieder desselben. In einem Kaffeehause war über Schlöffel's und Wander's Vorträge gesprochen worden, und ein hiesiger Pensionär, den ich zu wenig kenne, um das verbreitete Urtheil zu bestätigen, daß er keins habe, hatte sie revolutionär genannt. Diese Beschuldigung vernahm der Stadtsyndikus, Ju- stizassessor Crusius, welcher das magistratualische Decernat in städtischen Gewerbsachen hat, deshalb Mitglied des Vereins, aber bis daher noch nicht darin erschienen war. Er beschloß, die nächste Versammlung zu besuchen, um zu sehen, was vorgehe. Diese nächste Versammlung, die siebente und letzte, vom 1. März d. I., war eben gerade eine lebhaft angeregte. Wander hatte die Kaffeehaus-Beschuldigung erfahren und vertheidigte sich dagegen. Er rief den anwesenden Polizeivorstand zu einer Er- klärunz auf, der ihm denn bestättgte. daß in seinen Vorträgen durchaus nichts Ungesetzliches vorgekommen sei. Zugleich mit der seinigen versuchte Wander die Vertheidigung Schlöffel's, über dessen Reden nach dem strengsten Maßstabe der Loyalität der Verein selbst ebenfalls Censur geübt hatte. Diese Censur be- weist übrigens am besten, daß deiü Vereine nichts weniger als ungesetzliche Bestrebungen zum Grunde lagen. Schlöffe! hatte nämlich nach der Ansicht einiger Vereinsmitglieder in der sechsten Versammlung zwar nichts Ungesetzliches aber doch dem Verein*) nicht ganz Zusagendes gesprochen. Namentlich hatte er einige- ' mal das Wort„Constitution" gebraucht. Deshalb hatte ihm *) Genau, einzelnen Mitgliedern desselben. Wander. — Der frühzeitig eintretende Winter drängt auf dem Kriegsschauplatz zu beschleunigter Aktion; es sind nur noch wenige Tage, in denen das edle Waffenhandwerk geübt werden kann, und diese wenigen Tage müssen ausgenutzt werden. In Asi.n j haben die Russen schon die Entscheidung herbeigeführt— freilich in anderem Sinne, als sie erwartet: sie sind von Mnkthar Pascha, den sie am 2. d. mit verstärkten Streitkräften bei Kars angriffen, in dreitägiger Schlacht geschlagen und hiermit— aller Berech- nung nach— ist für dieses Jahr der Feldzug beendigt.— In Bul- garien stehen die Entscheidungskümpfe unmittelbar bevor. Mehe- med Ali Pascha, der in letzter Zeit etwas den Zauderer spielte, und dadurch das in ihn gesetzte Vertrauen erschütterte, wo nicht geradezu Mißtrauen hervorrief, ist durch den energischen„Drauf- gänzer" Suleiman Pascha ersetzt worden, der auch sofort, wenige Swuden nachdem er im Hauptquartier zu Rasgrad eingetroffen, zum Angriff übergegangen ist— bis jetzt mit Erfolg. Seine Absicht ist nnzweifelhast, die Russen an der Konzentrirung all' ihrer Kräfte gegen Osman Pascha zu hindern, dem ein Angriff mit überlegener Macht drohte. Das Kommando der Türken im Schipkapaß, der beiläufig für die Russen vollständig verrannt ist, führt jetzt Reuf Pascha, der bisher nur Mißerfolge aufzuweisen gehabt hat und im Ruf höchster Unfähigkeit steht. Wie es scheint hat er den Befehl, das Gros seiner Armee mit Suleiman Pascha operiren zu lassen. Wenn er die Kooperatton(das Zusammen- wirken) mit Suleiman ebenso versteht, wie Suleiman weiland die Kooperation mit Mehemed Ali, dann wird freilich seine Armee bei den kommenden Ereignissen eine sehr unwichttge Rolle spielen. — Am Freitag(S.d.) erhielt Liebknecht folgende Zuschrift: „An Herrn Schriftsteller Wilhelm Liebknecht in Leipzig. Nachdem der Umstand, daß Sie noch nicht seit drei Jahren im Besitze der sächsischen Staatsangehörigkeit sich befinden, vom Stadtrath zu Leipzig obrigkeitlich bescheinigt worden, hieraus aber auf Grund§ 4 des Wahlgesetzes vom 3. Oktober 1868 Ihre NichtWählbarkeit sich ergeben, mithin Ihre am 19. vorigen Monats erfolgte Wahl zum Abgeordneten im 36. Wahlkreise des platten Landes Erledigung gefunden hat, ist von dem königlichen Ministerium des Innern nach§ 32 und 48 Abs. 2 des gedachten Gesetzes die Einleitung einer Neuwahl in dem nurerwähnten Wahlkreis angeordnet und die Bestimmung des Wahltags sowie die Besorgung des weiter Erforderlichen mir übertragen worden. Der deshalb unterm 3. dieses Monats an mich ergangenen Verordnung entsprechend werden Sie von dieser Entschließung des königlichen Ministeriums des Innern hierdurch in Kenntniß gesetzt. Zwickau, den 4. Oktober 1877. Der königliche Wahlkommissar im 36. Wahlbezirke des platten Landes. Regierungsrath Ficker." So weit wäre Alles in Ordnung. Das sächsische Ministerium stellt sich auf den Standpunkt des sächsischen Wahlgesetzes, und von diesem Standpunkt aus handelt es vollkommen correkt. Aber die Reichsverfassung! Der Wortlaut der Artikels 3 der Reichs- Verfassung, den wir in einer früheren Nummer mitgetheilt, steht mit der Bestimmung des sächsischen Wahlgesetzes, auf Grund dessen das sächsische Ministerium die Wahl Liebknecht's für un- giltig erklärt hat, in unversöhnlichem Widerspruch. Nach Art. 3 der Reichsverfassung ist die Wahl Liebknecht's giltig. Es ist wahr, man hat den Versuch gemacht, dem Ausdruck„öffentliches Amt" Gewalt anzuthun und zu behaupten, er könne auf die Ausübung eines Mandats nicht angewandt werden. So schreibt z. B. die„Deutsche Allgemeine Zeitung"— und die meisten sächsischen Blätter drucken es nach—:„Der gewöhnliche Begriff „öffentliches Amt" umfaßt nicht auch das Landtagsmandat. Daß man in jenem Art. 3 ihn auch nicht dahin hat erweitern wollen, geht u. A. daraus hervor, daß man selbst für das Wahlrecht in der Gemeinde den Fortbestand ausdrücklich vorbehielt."— Schlimm genug das. Aber für die Wählbarkeit in die Landtage ist ein solcher Vorbehalt weder ausdrücklich, noch unausdrücklich gemacht worden. Daraus müssen wir schließen, daß er nicht hat gemacht werden sollen. Um so mehr, als ein solcher Vorbehalt weder mit dem gesunden Men- schenverstand noch mit der einfachsten Gerechtigkeit verträglich wäre. Man stelle sich nur vor: die Rechte, welche Art. 3 der Reichsverfassung giebt, gelten nur für solche Aemter, die der Fürst durch seine Minister, d. i. eine Handvoll Individuen, die selber Beamte des Volks sind, verleihen; aber nicht für die- der Vorstand der hiesigen Polizei die schriftliche Bitte zugesendet, seine Vorträge in den dem Verein gegebenen Grenzen zu halten. Schlöffet, der diese Grenzen genau beachtet zu haben vermeinte, hatte diese Erinnerung mcht ganz gut aufgenommen. Er hatte darauf erklärt, daß er, unter solcher Censur, vom Verein zu- rücktrete. Einen Rücktritt Schlöffel's hatten aber mehrere andere Lercinsmitglieder für einen Verlust gehalten und deshalb Schlöffe! bewogen, seinen Borsatz wieder aufzugeben, woraus er denn auch in der siebenten Versammlung wirklich wieder er- sckiien. Um nun zu beweisen, daß der gegen Schlöffe! ausgesprochene Tadel keineswegs die Ächtung der Versammlung für ihn ge- schmälert, vielleicht auch, daß man die Ansicht des Polizeidiri- genten, als zu ängstlich, nicht getheilt habe, wurde Schlöffel von Einem, Einigen, und alsbald von Allen zum Reden aufgefordert, und als er nach einigem Zögern dazu Heroortrat, begrüßte man ihn mit Bravos und Händeklatschen. Alles dieses, die Vertheidigung Wander's, für welche die Versammlung, welche sich durch das oben erwähnte pensionirte Urtheil für verletzt ansah, große Theilnahme zeigte, seine Berufung auf den Polizeivorstand, dessen Erklärung, die dem Fa- brikbesitzer Schlöffel gespendeten Beisallsbezeugungen, mit einem Worte diese lebendige Theilnahme Aller, welche sich in einer Versammlung von Leuten sehr verschiedener Bildungsstufen etwas aufgeregt ausgenommen haben mag, erschien dem heute zum ersten Male den Versammlungen beiwohnenden Mitgliede, das durch die im Kaffeehause ausgesprochenen Urtheile bereits eingenommen gewesen zu sein scheint, auffallend und ungehörig. Unbekannt mit dem Ton, wie er sich in einer früher nicht dagewesenen Zusammensetzung der Gesellschaft eigenthümlich entwickeln mußte, würde vielleicht auch ein Unbefangener anfänglich davon befremdet worden sein. Wer von uns Allen wäre nicht schon einmal zu einem fröhlichen Beisammensein alter Freunde zu spät gekommen und hätte sich sogleich in die herrschende Stimmung zu versetzen gewußt? in eine Stimmung, welche bei den von Anfang an Anwesenden vom ersten Worte der Begrüßung allmälig und ganz natürlich bis zu einer Steigerung gelangte, die dem länger Anwesenden gar nicht auffällt, dem neu Ein- tretenden, Unvorbereiteten aber, so sehr immer sich die Gesell- schaft in den Grenzen des Erlaubten gehalten, dennoch, wenn auch nur im ersten Moment, als übermäßig vergnügt er- scheint? jenigen Aemter, welche das Volk selbst verleiht. Das wäre ja wider alle Vernunft, und obendrein eine Beschimpfung des Prin- zips der Volkssouveränetät.' Das hieße die Reichsverfassung zu einer heuchlerischen Farce machen, zu einer reaktionären Leim- ruthe, auf die man zum Schein etwas demokratischen Zucker ge- streut, um die Gimpel zu fangen. Genug: das Amt(welch' anderes deutsches Wort schlägt Herr Prof. Biedermann für diesen„Begriff" vor?) das Amt eines Abgeordneten ist nicht blos dem Sprachgebrauch und Sinne nach, sondern auch nach der Etymologie(Ursprung, Ableitung) des Wortes„Amt" ein „öffentliches Amt".*) Und die Entschließung, welche das sächsische Ministerium auf Grund eines vorsündfluthlichen, engherzigen, dem nationalen Einheitsgedanken hohnsprechenden Parttkulargesetzes getroffen hat, muß auf Grund der Reichsverfassung kassirt werden. Oder die Reichsverfassung ist kassirt. — Berurtheilungen. Der frühere verantwortliche Re- dakteur der„Berliner Freien Presse", Dolinski, ist wegen einer ganzen Anzahl sogenannter Preßoergehen— es sind in runder Summe zwanzig— zu 9 Monaten Gefängmß verur- thellt worden.— In Arnstadt wurden den Genossen Pabst, Gläser und Schörnig je 8 Tage Gefängmß zuerkannt, weil sie bei einem stattgehabten Volksfeste die überwachenden Polizei- beamten wegen mangelnder schriftlicher Legitimation aus dem Saale gewiesen hatten.— Das Kieler Appellationsgericht als zweite Instanz verhängte über den Genossen Gundelach aus Hamburg wegen Beleidigung der Geistlichkeit, begangen durch ein Wahlflügblatt, 4 Wochen Gefängmß; die erste Instanz hatte auf 6 Wochen erkannt.— Und endlich ist der Redakteur der „Freien Niederrheinischen Zeitung" Grünewald wegen Ber- letzung des§ 131 des St.-G.-B. von dem Zuchtpolizeigericht zu Düsseldorf mit 4 Monaten Gefängniß bedacht worden, jeden- falls zur großen Betrübniß des Staatsanwalts, der die Kleinig- keit von nur 15 Monaten beantragt hatte.— Diese Strafgesetz- dragonaden nennen unsere Gegner„Kampf mit geistigen Waffen". Ist das nicht köstlich? — Die„Duisburger Freie Zeitung" hat seit dem 1. Oktober den Namen:„Rheinische Freie Zeitung" angenommen— möge sie diesem schönen Namen volle Ehre machen.— Die„Thüringer Freie Presse" erscheint vom 1. Oktober an, wesentlich vergrößert, in Gotha.— Die Probenummer der„Erfurter Volkszeiwng", eines Parteiblattes, welches vom 1. Oktober ab regelmäßig er- scheint, ist von der Polizei mit Beschlag belegt worden. An- laß zu der Beschlagnahme soll der Abdruck des Artikels:„Was wir wollen" aus der Agitationsnummer des„Bolksstaat" ge- geben haben. Unsers Wissens ist die Erfurter Polizei die erste' Behörde, welche in dem fraglichen Artikel etwas Strafbares ent- deckt hat— der kreißende Berg wird also wahrscheinlich nur ein winziges Mäuschen gebären. — Am 12. Juni d. I. wurde Liebknecht in dem bekannten „Flinte schießt Säbel haut"-Prozeß vom Stadtgericht in Berlin freigesprochen. Herr Tessendorff hatte an dieser Nie- derlage nicht genug und appellirte. Wie Liebknecht jetzt mitge- theilt wird, ist Herr Tessendorff in allen Instanzen abgewiesen worden, und dieser für die Rechtsstellung der Presse hochwichtige Prozeß damit endgiltig entschieden. Wir werden in nächster Nummer die Erkenntnisse veröffentlichen. Ferdinand Lingenau kenne ich seit dem Jahre 1830, wo derselbe Inspektor in Georgen- bürg bei Jnsterburg war. Später administrirte er das Gut Krausenwalde bei Gumbinnen und ging von da, wegen Unglück- lichcr Liebe nach Amerika. Sein Vater, Johann Lingenau, ist am 10. Januar 1810 in Grieben als Besitzer eines Bauern- grundstückes, 61 Jahr alt, verstorben und auf dem Kirchhof in Trempcn beerdigt. Seine Mutter, Henriette geb. Peters, ver- starb 77 Jahre alt am 2. April 1854 im Dorfe Grieben und ") Das Wort Amt kommt bekanntlich von dem lateinischen ambiro» berumgehen(nach dem lateinischen Lexikon von O Kreuhler, Leipzig, Tauchnix in Ucbereinstimmung mit jedem andern Lexikon—):„von den Candidaten in Rom, die bei ihrer Bewerbung um ein öffeut« liches Amt bei den Bürgern die Runde machten und sie um ihre Stimme baten"— eine Definition, die jedenfalls für das Amt eines Abgeordneten besser zutrifft, als für die eigentlichen Staatsämler. Daß Vereine dieser Art eine durchaus neue Zeiterscheinung sind, für welche der Maßstab nicht paßt, den man auS der Ge- selligkeit in Ansichten und Lebensweise wesentlich gleich gebildeter Beamten, oder aus den Sitzungen einer Akademie der Wissen- schaften, oder gar aus. der Kirche entnimmt, liegt auf der Hand. Jndeß wechseln die Erscheinungen des Tages jetzt so rasch, daß man wohl sich gewöhnen muß, jede in ihrer neu mitgebrachten Eigenthümlichkeit ohne Vcrgleichung mit früher Gegoltenem auf- zufassen. In dem Verein war freilich weder die Ruhe einer Nachmit- tagspredigt, noch die Müdigkeit einer Beamten-Ressource, noch endlich die gehaltene Gelehrsamkeit einer wissenschaftlichen Aka- demie. Ueberdies konnte Herr Syndikus Crusius, bei seinen mannichfachen historischen Kenntnissen, den auf die lauten Bei- fallsbezeigungen geschichtlichen Vortrag Schlöffel's, eines Mannes ohne Universitätsstudium, für eine so theatralische Akklamation einer, in seiner Ansicht, urtheilsunfähigen Menge allerdings nicht für gründlich genug anerkennen. Man darf endlich auch die damaligen Zeitumstände nicht ver- gesscn. Vielleicht schien ihm in einer Zeit, als alle Zeitungen sich mit dem Gerücht von einer � von Sr, Majestät dem König zu verleihenden Constitution trugen, zur Zeit der versammelten Landtage, zur Zeit, als vom Ministerium des Innern eine Ueberwachung der Stimmung der Bürger anempfohlen� war, ein Vortrag über frühere Besteuerungsrechte und ständische Ver- fassungen unzeitgemäß und unpassend, und die in der Versamm- lung kundgegebene Stimmung der Bürger bei der sich mit jeder Sitzung mehrenden Zahl der Zuhörer etwas Bedenkliches und überhaupt der ganze Verein etwas von einem englischen Meeting oder französischen Revolutionsklub an sich zu tragen. . Es ist mehr Furcht in der Welt, als nöthig ist. Ueberdies hatte ja die Regierung ihre Ansicht schon kundgethan, die Bür- gerversammlungen zu Naumburg a. S., zu Magdeburg und Königsberg waren aufgehoben worden. Dieses Alles mochte nun zusammenwirken, um auf ic, Crusius einen unangenehmen Eindruck zu machen. Crusius ist ein Mann von scharfem Ver- stände, aber wo er nicht mitgcrathen, sieht er auch nicht gern Thaten. Ueberdies war er gekommen, um zu kritifiren; und, wie er in dem nicht vollständig bei den Akten befindlichen Bericht an die Regierung sagt:„mit innerem Widerstreben". Er fürchtete schon lange, namentlich für.Schlöffel, eine„Kata- strophe", indem er dessen„trostlose demokratische Grundsätze" für hat ihre Ruhestätte auf dem dortigen Kirchhof gefunden.— Vor zwei Jahren kam Ferdinand Lingenau zum Besuche nach Europa um alte Freunde in großen und kleinen Orten aufzusuchen. Auch mich erfreute er mehrere Tage mit seinem Besuche und t sprach mir gegenüber bereits die Absicht aus, sein Vermögen der Sozialdemokratie der ganzen Welt zu vermachen und dabei auch Gumbinnen nicht zu vergessen.„Em Sozialdemokrat und na- mentlich einer aus St. Louis in Amerika, mit dem muß es einen Haken haben"— so waren denn auch viele Leute mit sich einig, daß er ein Hauptschwindler sei, nur hergekommen, um alte Freunde anzupumpen. Lingenau, dem ich diesen Verdacht scherzeshalber mittheilte, als ich ihn einige Tage nach seiner Ab- reise von hier wieder in Königsberg traf, lachte und zahlte in meiner Gegenwart einige hundert Thaler für Denksteine, die er auf die Gräber seiner Eltern gesetzt. Wenige Wochen darauf, las ich in den Zeitungen, daß Je- mand, der Name war nicht genannt, in Genf fem Vermögen der Sozialdemokratie vermacht habe. In Briefen, die ich aus ver- schiedenen Orten Deutschlands und später aus St. Louis von Lingenau erhielt, hat er freilich nie dieses Testaments gedacht, trotzdem zweifelte ich nicht einen Augenblick, daß er der Erb- lafser sei. Am 4. August d. I. verstarb mein alter Freund in St. Louis in Amerika und wurde jetzt der Name des Erblassers in verschiedenen Zeitungen genannt, das fragliche Testament in verschiedenster Weise besprochen, ein fetter Bissen für die ver- schiedensten Reptile! Ein solches Reptil hat es aber in seinem Eifer zu komisch getrieben. Der„Mecklenburger Anzeiger" bringt aus Neustrelitz folgende Mittheilung: „Der hier nicht im besten Andenken stehende Buchhändler Lingenau, ein Sohn des früheren hiesigen Postmeisters Lingenau, hat der Sozialdemokratie aller Länder 14,lX>l1 Dollars vermacht und zu Testamentsvollstreckern unter Andern auch Bebel und Liebknecht ernannt" zc ic. Das Reptil bezweifelt natürlich, wie alle, daß das Testament rechtsgiltig sei, und führt als Grund an, daß, wenn der Erblasser auch von seiner Frau rechtskräftig geschieden sei, doch noch drei Kinder da seien, die jedenfalls auch an die Erbschaft Ansprüche erheben dürften. Wie schön liest sich diese Reptilnachricht: ein Sozialdemokrat, der„nicht im besten Andenken steht', der seine Kinder ent- erbt" ze. Alles nicht wahr, liebstes Reptil! Unser Ferdinand Lingenau ist ein ehrlicher Ostpreuße, niemals verheiratet gewesen und erfreute sich bei alten und neuen Freunden des besten Rufes. Kurz wir Ostpreußen sind stolz darauf, daß er unser Landsmann gewesen. Zu näherer Auskunft, verehrtes Reptil, ist gern bereit I. Reitenbach-Plicken. Aus Heuchelland. Stille Beobachtungen eines Berliners in London. II. Lassen Sie mich heute ein wenig kannegießern, ich meine, um in der Sprache der Journalistik zu reden, das Roß der hohen Politik besteigen— nein— wie sagt man das doch gleich?— das hohe Roß der Politik oder die höhere Rösser- polit— mein Gott, ich verwirre mich! Na, Sie verstehen mich schon. Mit größter Spannung folgt man hier den Vorgängen im Orient. Alle Welt ist in der Lektüre der neuesten Kriegs- »achrichten vertieft und die ältesten Zeitungsjungen erinnern sich keiner so glänzenden Geschäftscampagne, wie die gegenwärtige. Auf der Straße, auf dem Omnibus, der„Tram" und der Eisen- bahn, in Cafä's, Wirthshäusern, Theatern rc. K., überall sieht man die Leute in die ellenlangen englischen Zeitungen eingewickelt und kommt man mit einem Engländer zusammen, so kann man 100 gegen 1 wetten, daß er innerhalb der ersten zehn Minuten gefragt haben wird: Wie man denn über„Turkey" und„Russia" denke? Und wie sich die Dinge wohl zunächst gestalten werden? Und ob die Großmächte auch weiterhin neutral bleiben dürften? U. s. w., u. f. w. Anfangs, als man mir immer und immer wieder dieselben kitzlichen Fragen stellte, glaubte ich schon, die Leute meinen offen- bar, ich sei von Bismarck in geheimer diplomatischer Mission bierhergeschickt und wollen mich veshalb aushorchen. Natürlich schnieichelte mir solches sehr und ich strengte mich deshalb auch jedesmal an, meinem Gesicht den echt diplomatischen Ausdruck zu geben, d. h. so dämlich wie nur irgend möglich auszusehen bis zur„Manie" gesteigert ansah. Sein Gemüth wurde daher von den„verwerflichen Tendenzen" der Redner so erregt, daß er die Versammlung schon vor ihrem Schluß verließ, weil er sich die„Gefühle, welche ihm, dem Himmel sei Dank, sein Lebe- lang für den Thron und Staat beseelt haben, unmöglich durch solche Borgänge verkümmern" lassen wollte. (Fortsetzung folgt.) — Eine Proklamation Mukthar Paschas, die er kürzlich erlassen hat, liefert den Beweis, daß für die einzelnen türkischen Grausamkeiten, die als Revanche verübt sein mögen, die türkischen Generale und auch die Regierung nicht Schuld sind, was man von den russischen Generalen in Bezug auf die russichen großartigen Gräuelthatcn gerade nicht sagen kann. Die Proklamation lautet:„Dank dem Allmächtigen"— so bedeutete Mukthar Pascha seinen an der Gränze bei Man und Bajafid operirenden Truppen—„sah der Feind sich gezwungen, ge- schlagen und gedemüthigt in sein Land zurückzuweichen. Nun ist unser sehnlichster Wunsch der Erfüllung nahe: wir werden die Offensive ergreifen und die Grenze überschreiten. Obwohl wir von den Russen in unserem Lande ungerechte, rechtswidrige und barbarische Thaten zu dulden hatten, erwarte ich, daß Jeder von euch sich milde benehme gegen die unterdrückten Bewohner von Eriwan; daß ihr, entsprechend den euch angeborenen guten Ge- fühlen und eurem angeerbten Edelsinne, jede That vermeiden werdet, die eine Befriedigung der Leidenschaften zum Zweck hat; daß ihr nie überschreiten werdet die Grenzen unseres heiligen Gesetzes, welches höher steht als alle bürgerlichen Satzungen; und daß Niemand unter euch sich erniedrigen wird, Thaten des Raubes und der Unterdrückung nach dem Beispiele der Russen zu verüben. Es ist"— so heißt es im Verlaufe dieser langen Ansprache an die türkischen Soldaten—„ein furchtbares Ver- brechen, ein menschliches Wesen, Gottes herrlichste Schöpfung, gesetzwidrig zu tödten. Enthaltet euch somit jedweder unge- rechten Tödwng und jedweden Raubes. Thut kein Leid allen denen, die euch um Schonung anstehen, kein Leid den Gefangenen und Ausreißern, sie müßten denn Handlungen begehen, die ihre Vernichtung nothwendig machen. Achtet das Eigenthum, die Wohnungen und die Ehre der armen Landesbewohner, die in Wirklichkeit zu euch stehen; kauft nichts ohne Genehmigung der Besitzer; hindert sie nicht in ihren Religionsübungen; erweiset und mit wichtiger Miene allerlei geheimnißvolle Brocken fallen zu lassen, aus denen kein Mensch, am allerwenigsten ich selber, klug wurde. Zu meinem Aerger bemerkte ich aber bald, daß man zene Fragen keineswegs nur an mich richtete, sondern daß sie hier zur allgemeinen conventionellen Redensart geworden sind, etwa wie man sonst zu sagen Pflegt:„Gesegnete Mahlzeit allerseits!" Seitdem sehe ich gar nicht mehr diplomatisch aus. Es war mir ohnehin immer sehr sauer geworden. Aber— seien wir ernst in so ernster Zeit. Welches die öffentliche Stimmung hier ist in Bezug auf die bedeutungsvollen Ereignisse im fernen Osten? Das läßt sich in wenigen Worten zusammenfassen— es ist eben die alte, alte Geschichte: Das Volk will den Frieden, die Herrschenden wollen den Krieg. Ja, das Volk will den Frieden. Wer auch nur einige Ge- legenheit hat, mit ihm zu verkehren, dem wird das bald zur Gewißheit. Aber beileibe muß man nicht etwa so naiv sein, das wüste Geschrei der Zeitungspresse als den Ausdruck der Volksmeinung ansehen zu wollen. Eine Volkspresse gibt es hier nicht. Und das, was es gibt, das singt eben ein Jedes das Lied dessen, deß Brod es gerade ißt, und kümmert sich den Teufel um Volkes Stimme. Gerade wie anderswo auch. Dieser Krieg stellt überhaupt unsere modernen Preßzustände so recht in ihrer ganzen unglaublichen Verkommenheit blos. Wie man zur Zeit des„wirthschaftlichen Auffchwungs" in Gründungen „machte", genau so wird letzt in orientalischem Krieg„gemacht". (Gottlob, es gibt doch immer was zu handeln.) Anstatt sich hier auf den Standpunkt zu stellen, der einer echten, sich ihres hohen Berufs bewußten Presse einzig würdig wäre, nämlich Türken wie Russen mit gleichem Maße zu messen, in den auf beiden Seiten verübten Scheußlichkeiten die natürliche, unausbleibliche Folge der Entfachung aller schlimmen Leidenschaften bei zwei ohnehin halbbarbarischen Nationen zu erkennen, dafür aber immer von Neuem den tiefsten Haß uno Abscheu gegen die elenden Urheber dieses Krieges auszusprechen und gegen die heutigen Machthaber unseres Europas, deren niederträchtige Staatskunst es glücklich zu diesen unser Jahrhundert schändenden Hunnen- greueln gebracht hat, die sich bei ein wenig Ehrlichkeit doch so leicht hätten vermeiden lassen— statt dessen sehen wir die Presse überall in die wüthendste Parteigängerschaft für den einen oder den anderen der Kriegführenden getheilt, eine Parteigängerschaft, der die gemeine Bezahltheilt an allen Ecken und Enden hervor- guckt. Da werden— je nachdem man den Weg zum Rubel des Russen oder zum Backhschisch des Türken und seiner guten Freunde gefunden hat— bei den Abscheulichkeiten der nichtzahlenden Partei die Backen voll sittlicher Entrüstung genommen, während man eben dieselben Unthaten, von Seiten des Brodgebers ver- übt, entweder ftech leugnet oder doch zu beschönigen und zu verkleinern sucht. So ziemlich unsere gesammte„anständige" Presse steckt heute entweder im Kaftan oder im Kosakenrock, Alle sind sie fanattsche Fürsprecher entweder des Türken oder des Russen, Keiner Fürsprecher der Menschlichkeit, mit welcher diese beiden so blutwenig zu thun haben. Es ist allerdings wahr'— die Menschlichkeit verfügt über leinen Preßfonds. Was thut man also mit der Menschlichkeit? Das Großarttgste leistete und leistet darin wohl die berüch- tigte Preßdirue an der Donau, welche die eben nur ihr eigene Stirne besaß, die bekannten vorjährigen Grcuelthaten') der Türken an der bulgarischen Bevölkerung dem entrüsteten Europa gegenüber zu vertheidigen. Was mag ihr wohl diese Gefällig- keit eingetragen haben? Das englische Volk will den Frieden, sagte ich oben. Aber indem es den Frieden will, hat es sich doch nicht etwa engherzig auf sich selbst zurückgezogen, nur an das eigene Interesse denkend. Mit jenem warmen Mitgefühl für die Unterdrückten, das eben nur den Unterdrückten eigen ist, hat das englische Volk in den bekannten großartigen Meetings") kurz nach den vorjährigen „bulgarian atrocities", seinen Sympathien für die unglückliche Rajay Ausdruck gegeben und, indem es die Länderraubgier des Czarenthums verurtheilte, entschieden erklärt, daß die so höchst berechtigten Besttebungen der Balkanvölker nach Befreiung von der Türkenschaft auf's Mäftigüe zu unterstützen seiend) Durch diese das englische Boll in so hohem Grade ehrenden Kundgebungen hat es erreicht, daß erstens dem Lande, bis jetzt wenigstens, der Friede erhalten wurde und daß zweitens der englische Name vor der Schmach bewahrt blieb, daß englisches Blut für eine so elende Sache, wie es die Zurückführung der Balkanvölker in das alte Sklavenjoch ist, vergossen wurde. Achtung den ihnen heiligen Stätten, ihren Kirchen und auch ihren Priestern. Zerstört keines ihrer Gebäude, sie müßten denn von den Russen zu Verschanzungen verwandt worden sein. Laßt euch wegen der Verschiedenheit ihres Glaubens, ihrer Sprache und ihrer Sitten nicht zum Uebelwollen gegen sie stimmen. Quält und tödtet nicht Gefangene und Verwundete; verfolgt nicht die Flüchttgen um ihnen das Leben zu nehmen. Ahmt nicht den Russen in ihrer Grausamkeit und Gewaltthätigkeit nach. Tödtet Keinen, den ihr gefangen nehmen könnt, und bringt die Verwundeten darunter in die Hospitäler. Jeder Mensch, weß Glaubens er sei, ist ein edles Geschöpf Gottes: hindert deshalb den Feind nicht, seine Tobten zu begraben, und begrabet selber, die er nicht begrub. Führt keinen Streich gegen einen gefallenen Feind und verstümmelt keines feiner Glieder außer im wirklichen Kampfe. Nehmt euch, als denkende Menschen, diese meine Mah- nungen zu Herzen, gehorcht euren Führern und haltet in Ach- tung unser heiliges Gesetz."— Es ist dies eine Soldatensprache, wie sie der christlichst: aller Generäle und der gottesfürchtigste unter den alten Propheten nicht eindringlicher hätte zu Papier bringen können._ — Wir Heiden sind doch bessere Menschen, decken die Hindus von Benares(Indien) und haben einen Verein zur Ausbrei- lung der brahmanischen Religion unter den Christen, zunächst unter den in Australien wohnenden, gegründet. Die Sache wird so erzählt: „Ein vornehmer Brahmine, Namens Suradschi, halte einen Besuch in den englischen Colonien in Australien gemacht und gefunden, daß die Trunksucht dort in schauerlichem Maße unter den Chrften herrsche. Ali er nach Hause zurückkehrte, berief er eine Versammlung ein, in welcher er nachwies, daß man diesen Leuten helfen könne, wenn man sie zur brahmanischen Religion bekehre. Er bekam sofort 12,000 Mark zur Gründung einer G.sellschaft für diesen Zweck; einige Brahminen erklär- ten sich bereit, als Missionare nach Australien zu gehen, und Suradschi selbst hat sich mit E'.fer an's Werk gesetzt, um passende Stellen aus den Wedas, den indischen Religionsbüchern, in's Englische zu über- setzen."— Bravo! Hoffentlich kommen die indischen Missionäre mit der Zeit auch nach Europa, und haben Glück mit ihren Bekehrungs- versuchen! Man denke nur, der B>qymanismus verbietet(und ver- hü: et erfolgreich) Nicht blos die Völlerei und ähnliche Tugenden unserer C vilrsatiou; er lehrt überhaupt die reinste menschliche Moral, verkündigt die Heiligke't und Unantastbarkeit des menschlichen Lebens, stempelt das Blutvergießen, den Mord im Großen und Klei- neu zum fluchwürdigsten Verbrechen. Ach, wenn Herr Suradschi doch recht bald käme und den Brahmanismus importirte. Wir wären Denn unzweifelhaft erscheint es mir, daß ohne jene Kund- gebungen, d. h. hätte man die öffentliche Meinung im eigenen Lande nicht zu fürchten gehabt, der englische Soldat schon längst im schönen Verein mit Baschibozuk und Tscherkesse an der Wiederherstellung des„status guo" im Orient„arbeiten" würde, Dank der elenden Krämer- und Fuchsjägerpolitik der herrschenden Kasten, die für ihre blutsaugerischen„Interessen" in Indien zittern. Jene rühmenswerthe Haltung des englischen Volkes hat von Neuem den schönen Beweis geliefert, wie allzeit und überall der wahre Vertreter des Rechtes, der Menschheit und der Cultur das Volk und nur das Volk ist— gegenüber der engherzigen „Jnteressenpolittk" der Reichen, deren einziger Leitstern ihr Geldsack, und gegenüber den finstern und blutigen Plänen, welche in den„Cabinetten" der Könige zum Unheil der Völker ersonnen und ausgeführt werden. Viele Parteigenossen in Deutschland haben jene Kundgebungen des englischen Volkes, die. seitdem der Russe auf dem Plan er- schien, zwar verstimmt sind, gewiß aber in der alten Stärke wieder aufleben werden, sobald man daran gehen wird, die Balkanvölker von Neuem in die türkische Sklaverei zurück- zuführen und sie der furchtbaren Rache ihrer Peiniger zu über- lassen— viele Parteigenossen sage ich, haben jene Kundgebungen in anderem, viel absprechenderem Sinne beurtheilt, als ich es hier thue. Es hängt dies mit der Stellung zusammen, welche sie den ganzen Orientvorgängen gegenüber eingenommen haben. Sie haben die südslavische Bewegung von Anfang an durchaus verurtheilt und sich voll und ganz auf die Seite des Türken ge- stellt. Ich gestehe, daß ich diese Auffassung der Sache nicht theilen kann, ja sie geradezu bedauerlich finde. „Es thut mir in der Seele weh, Daß ich dich in der Gesellschaft seh'." Nämlich in der türkischen. Nicht fehlzugehen glaube ich, wenn ich sage, daß diese Stellung- nähme gegen die südslavische Bewegung und für den Türken, wie sie sich eben bei vielen Parteigenossen kundgiebt, ihrem Hasse gegen Rußland entsprungen ist. Nun, wer, der Freiheit und Fortschritt will, möchte ihn nicht theilen, diesen Haß gegen das czarische Rußland, den alten Erbfeind der Freiheit? Aber— heißt es nicht ein wenig das Kind mit dem Bade ausschütten, wenn man aus Haß gegen dieses Rußland die Revolution der Balkanvölker verdammt, nur weil jenes seine eigenen räuberischen Pläne an diese anzuknüpfen versucht? Ihr sagt, diese ganze südslavische Beivegung sei von Rußland gemacht, sei nickts als das Werk russischer Aufhetzungen. Hui! wie schrill diese Worte durch's Ohr tönen, wenn sie aus dem Munde von Männern kommen, die es jenem blödsinnigen Pack, das sich unsere„Gegner" nennt, so oft und so klar be- wiesen haben, daß Revolutionen niemals„gemacht"�) werden können, sondern stets in den Verhältnissen ihre Wurzel haben und daß nur dort„aufgehetzt" werden kann, wo es was auf- zuHetzen gibtP) Benutzt hat das ländergierige Rußland die unglückliche Lage und die tiefe Unzufriedenheit der türkischen Rajah für seine räuberischen Zwecke— das erscheint auch mir ganz zweifellos. Dieses Spielen mit dem Feuer der Revolution, sobald es den eigenen Plänen dienlich erscheint, ist ja eines der Hauptgaukler- stückchen des modernen Cäsarismus, von dem auch das Czaren- thum zu profitiren angefangen hat. Rußland hat bewirkt, daß der Ausstand gerade jetzt, wo ihm der rechte Moment gekommen zu sein schien, zum Ausbruch kam, es hat zu diesem Ende seine Emmissäre gesandt, die jene Völker zu der laug und heiß er- sehnten Abschüttelung des Türkenjoches aufmunterten, ihnen durch den Hinweis auf das mächtige Rußland, das seine„Brüder" nicht im Stiche lasse und ihre Sache vor ganz Europa vertreten werde, Muth einflößten, es hat dann den Aufständischen Waffen, Geld und Führer geliefert, kurz es hat die Lunte an's Pulverfaß gelegt, gewiß, gewiß— aber ist es deshalb schon richtig, das Vorhandensein des Sprengstoffs selbst bestreiten zu wollen? Seit Jahren schon sehen wir, wie diese Völker- Gut und Blut opfern in diesem grauenvollen Kampfe, wie sie ihre fruchtbaren Gelände verwüsten, ihre Frauen schänden, ihre Kinder ermorden lassen von den Barbarenhorden, die ihre grau- samen Peiniger gegen sie losgelassen und wie sie— in wirklich bewundernswerthem Heldenmuth— doch immer und immer wieder zu den Waffen greifen")— und das Alles soll ohne ernstlichen Grund, nur in Folge„russischer Aufhetzungen", rein pour los beaux yeux(für die schönen Augen)„Väterchens" geschehen? Das glaube wer will. Nein, so wird kein dynastischer Krieg aus immer von den„irischen; ftöhlichen Kriegen" und sonstigen Be- Ihätigungen unserer christlich- germanischen Cullur gründlich erlöst. Freilich, gewisse Leute bekämen dann keine Dotationen und müßten aus Mangel an Erwerb auswandern. — Wie aus Therapia der„Times" telegraphirt wird, haben, die türkischen Soldaten strikte Befehle erhalten, aus keinen russischen General zu feuern, damit er nicht getödtet oder kämpf- unfähig gemacht und ersetzt werde. — Die holländische Bourgeoispresse ist in großer Aufregung. Der König der Niederlande soll nämlich im Begriffe stehen, eine Sängerin zu Heirathen, und dies wird von den Getreuen als ein„großes Unheil für die geliebte Dynastie und das Land" bezeichnet! Auch eine even- tuelle Abdankung nütze nichts, da der Kronprinz ein geradezu skandalöses Leben führt und häufig in total betrunkenem Zustande aus den ordinärsten Kneipen der Hauptstadt höchst respektwidrig hinausgeworfen wird.— Der englische Krön- prinz, welcher in ähnlichen„noblen Passionen" macht, soll seinem College» in Holland Brüderschaft angetragen haben. Verwandte Seelen finden sich— auch unter Kronprinzen! — Bier Eier und etwas Mehl geben einen guten Eier- kuchen— dies erzählte vor einiger Zeit ein vortragender Professor im Handwerkerverein zu Breslau. Das hatten die alten Weiber beider- lei Geschlechts bis dahin noch nicht gewußt und dieselben nickten der Entdeckung verständnißinnig zu. Vier Eier und etwas Mehl geben einen guten Eierkuchen wiederholen leise auf dem Nachhausewege einige Philister bis in ihre Wohnung vor sich hin, um diese welterschütternve Entdeckung ihrer Ehkhälste mitzutheilen. Doch eine im Hause anwesende alte Köchm eines sonst achtbaren Zopfbürgers schüttelte bei dieser Nach- richt ungläubig den Kopf und behauptete kühn, daß dies nicht er schöpfend genug vorgetragen sei, denn damit vier Eier und etwas Mehl einen guten Eierkuchen geben, sei es auch nöthig, daß be des ge- hörig untereinandergerührt nnb über das Feuer gebracht würde, sonst würde kein Eierkuchen entstehen. Der Hausherr, ergrimmt über solche freche, revolutionäre Dreistigkeit seiner Dienstmagd, die klüger als die vortragenden Professoren und Doktoren sein wollte, stellte sofort ein inquisitorisches Berhö. mit ihr an, um zu ermitteln, ob sie sich vielleicht einen Schatz angeschafft habe, der sozialistische Ideen hege, da sie dann sein Haus sofort verlassen müsse. Ob die Inquisition von einem günstigen Resultate begleitet wurde, konnten nicht ermittelt werden. gekämpft, so wird vm dort gestritten, wo es sich um die eigensten Interessen, um die werthvollsten Güter eines Volkes handelt, wo es einfach heißt: Entweder menschenwürdig leben oder todes- freudig sterben, mit einem Worte— so wird nur die soziale Revolution gekämpft.„Llodoek ili smert."„Freiheit oder Tod' haben die Aufständischen aus ihre Fahnen geschrieben— in diesen drei Worten drückt sich das Wesen dieses Verzweiflungs- kampfes am deutlichsten aus. Ja, eine soziale Revolution im vollsten Sinne des Wortes ist es, für welche die Völker an Donau und Balkan zu den Waffen gegriffen habend) Wohl wird dieser soziale Kern der Sache durch den Umstand, daß die herrschende Klasse zugleich einen andern Glauben und zum größten Theil auch einer andern Ra�e angehört, in etwas verhüllt, aber er bleibt deswegen doch der Kern. Der leibeigene Bauer dort unten will eben nicht leibeigen sein, er will, daß sein„Herr" ihm nicht mehr die Früchte seines Schweißes rauben, ihn nicht mehr zum Frohndienst antreiben, nicht nach Willkür mißhandeln, einkerkern, tödten, sein Weib nicht mehr nach seinen Burgen schleppen, an seinen Töchtern nicht mehr das jus primae noctis verüben könne8)— er will anfangen, Mensch zu werden, das ist es, wofür er kämpft und stirbt. Kurz gesagt, handelt es sich hier darum, daß Feudalismus und Leib- eigenschaft aus ihrem letzten Schlupfwinkel in Europa ausgetrieben, und jene Länder endlich auch zur modern- bürgerlichen Entwicklung übergeleitet werden8) und wir, die wir die ernste Sprache der Geschichte so wohl zu verstehen uns rühmen, die wir alle ihre Vorgänge so gern auf sozial-ökonomische Ursachen zurückführen, wir sollen uns dieser so höchst natur- gemäßen und naturnothwendigen Entwicklung, dieser ersten Regung der Cultur in einem bisher barbarischen Lande entgegenstellen, wir sollen für die Reaktion, gegen die Revolition, für die Unterdrücker, gegen die Unterdrückten, die Rajah, den Prole- tarier des Orients Partei nehmen, die Sache mit einigen Witzen über den Haufen„Hammeldiebe", der auf Raub auszog, ab- gethan zu haben glauben? Anmerkungen. 1) Die beiläufig zum Theil erlogen, zum Theil übetrieben, und, so weit sie stattgehabt, durch russische Aufstachlungen provozirt waren. R. d.„V." 2) Die Meeting? waren nicht so„großartig", wie die russen- feindliche Presse sie hinstellte. Die Gladstone'sche„Bewegung" hat viel Lärm gemacht und sich schließlich im Sand verlaufen. R. d.„V." 3) Was jetzt, wo die Russen die„Befreiungs" Mission über- nommen haben, auf Unterstützung der Russen hinauslaufen würde. R. d.„V." 4) Aber sehr wohl Putsche, Kravalle, Raubzüge, die man vermittelst einigen Aufwands von Dinte und Druckerschwärze sehr leicht zu„Aufständen",„Volkserhebungen",„Revolutionen" ausbauschen kann. R. d.„V." 5) Haben die Südslaven sich etwa nach dem Einmarsch der Russen und der Entblößung ihres Landes von türkischen Truppen „erhoben"? Da war doch die beste Gelegenheit. R. d.„V." 6) Steht alles in den russischen Zeitungen, ist aber zu neun Zehnteln erlogen, und im letzten Zehntel mit Lügen versetzt. Man erinnere sich nur der Mordgcschichten, die dem griechischen Befreiungskrieg vorhergingen und unsere Väter auf die russische Leimruthe lockten. Und hieß es nicht neulich, auf Kreta habe das Volk sich gegen die türkischen Peiniger„erhoben" und ihnen heroische Gefechte geliefert, bis ein zufällig dort ansässiger Deutscher im„Hamburgischen Correspondent" den Beweis lieferte, daß an der ganzen Insurrektion kein wahres Wort. R. d.„V." 7) Haben nicht zu den Waffen gegriffen. R. d.„V." 8) Russische Mordgeschichten. Die Zustände der Rajahs sind keine idealen, aber immerhin in jeder Beziehung ungleich besser als die der russischen Bauern und der englischen Land- arbeiter. R. d.„V." 9) Kann aber doch nicht durch Rußland geschehen, daß erst selbst„zur modern-bürgerlichen Entwicklung übergeleitet werden" muß. R. d.„SB.' (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Lond«n, 30. September. Es sind hier, wie schon mitge- theilt, die Steinhauer(Stone masons) seit längerer Zeit im Strike wegen Lohndifferenz, die Meister hatten sich deshalb nach Deutschland gewandt, um von dort Arbeitskräfte zu erlangen, und war es denn auch gelungen, durch Agenten einige 20 Stein- Hauer von dort zu erhalten. Zur Ehre der deutschen Arbeiter sei es aber gesagt, daß sie sofort die Arbeit niederlegten und abreisten, als sie erfuhren, weswegen sie nach England gelockt worden waren. Es hatte sich nämlich eine Commissivn der Strikenden mit den Deutschen in Verbindung gesetzt, die Deut- schen erklärten, die Sachlage vorher nicht gekannt zu haben, und versprachen, nachdem dieselben das Reisegeld von dem Strike- Comitä erhalten hatten, unter diesen Umständen aufzuhören, was dieselben auch thaten. Als die deutschen Steinhauer am Montag Morgen wieder erwartet wurden, kamen dieselben nicht zur Arbeit, man sandte in ihre Wohnungen und erhielt die Nachricht, dieselben seien wieder nach Hamburg gereist. Es möge daher jedem deutschen Arbeiter zur Warnung dienen, sich nicht durch Agenten nach England locken zu lassen, der Arbeits- markt ist hier so gut wie in Deutschland überfüllt in allen Zweigen, und ist es hier in England überhaupt ein viel zu gewagtes Unternehmen, sich zu Zwecken gegen die Arbeiterinter- essen gebrauchen zu lassen, die Erfahrung hat dieses an Bei- spielen, namentlich in New-Castle gelehrt. Alle Arbeiterblätter, namenllich die Gewerkschaftsorgane, werden um Aufnahme dieser Zeilen ersucht. W. H. — a. Hamburg, 3. Oktober. Da weder Ihr noch ein anderes mir bekanntes Blatt bei der Besprechung des Thiers'schen Wahl-' mamfestes den folgenden Punkt gerügt hat, so erlauben Sie mir wohl, auf einen historischen Jrrthum aufmerksam zu machen, den der„große" Geschichtsschreiber begangen hat. Er sagt nämlich bezüglich des Budgets:„Der Senat hatte zum Budget sieben Amendements gestellt. In England hat das Haus der Gemeinen niemals dem Haus der Lords in Finanzsachen ein Recht zu- gestanden, und wenn letzteres in dieser Angelegenheit eine nütz- liche Idee angibt, so ist es demselben niemals erlaubt, sie als Amendement einzuführen; man wartet, um sie zuzulassen, bis dieselbe Idee durch das H z der Gemeinen wiederkehrt." Diese Behauptung ist incorrekt. Wohl ist es durch das Alter geheiligter Usus, daß das Haus der Lords sich nicht in die finanziellen Befugnisse des Hauses der Gemeinen mischt, aber das Recht! der Einmischung wird dem Oberhause nicht formell abgesprochen,' wie folgendes Ereigniß beweisen möge. Leider habe ich keine Notiz bei der Hand, um die Zeit des Allgemeiner Arbciter-Tängcr-Bund. Ereignisses genau angeben zu können; so viel ich mich aber ent- Quittung. A.-G.-V. München 2,00. V. d. F. Ottensen 2,00. sinne, war es unter dem letzten Ministerium Palmerston, oder F. Darmstadt 0.65. A.-G.-B. München 6,00. A.-B.-V. Leipzig 37,00. Russell, in welchen Gladstone das Portefeuille der Finanzen hatte. E. Verden l3,K5. L. Mannheim 8,45. A.-S.-B. Kiel 11,70. L. Pforz- Tersclbe schlug die Abschaffung der Steuer auf Papier vor, und heim 4,50. E. Lübeck 5,45. B. Barmen 3,00. B. Cassel 2,00. sein Vorschlag wurde vom Unterhaus angenommen. Das Ober 53,-B. Kiel 10,50. S.b.ip. Kiel 2,00. Fr. Darmstadt 6,00. haus aber, unter Führung des Grafen Derby, des Vaters des Glauchau 6,00.«. C. Greiz 3,60. Al. yanau 3,15. jetzigen Ministers des Aeußern verwarf diesen Punkt. Es ent- �Zh'a.ien 30. September 1877. stand ein allgemeiner Sturm des Unwillens im Lande über diese.'- sogenannte Anmaßung des Oberhauses. Aber das Unterhaus,____ wohl wissend, daß die Ausschließlichkeit des Stenerbewilligungs- rechts nur dem historischen Gebrauch, keineswegs aber einer aus- S. A.-B.-V. Emil Rüger, Kassirer, Heinoldsgasse 26. drücklichen gesetzlichen Bestimmung gemäß den Gemeinen zu- kommt, wollte um einer solchen Kleinigkeit willen keinen Couslikt mit dem Oberhause herausbeschwören und genehmigte daher das so amendirte Budget des Oberhauses ohne großen Widerspruch. Als aber die Abschaffung der Papiersteuer im nächsten»lahre vom Unterhaus wieder beschlossen wurde, genehmigte das Ober- Haus den Beschluß ohne Widerspruch. Dieser Vorfall beweist erstens, daß das englische Oberhaus allerdings am Steuerbewilligungsrecht theilnimmt, wenn es auch nur ausnahmsweise thätigen Gebrauch von diesem Recht macht; und zweitens, daß eine Collision zwischen den beiden Häusern der englischen Volksvertretung dadurch vermieden wäre, daß Briefkaste» der Redaktion. S. in Elbing: Senden Sie die Verhandlungs- berichte; auch über die Brandstiftungen der„Petroleure" bitten wir um einen Bericht.— Z. in O.: Die Fabrikordnung wird gelegentlich be- nutzt werden. der Expedition. Klute Forst: Preuß. Gefängnißvrdnung hier nicht zu haben. Wenden Sie sich an die Kortkamp'sche Buchhandlung Berlin. H. statistische Tabelle kaufen Sie in jeder Buchhandlung dort billig. Arno Ktz Ottensen: Ja. Kostet Mk. 5,00 nebst Porto. Caffa erbeten. Quittung. Dnkr Paris Ab. 13,00, Schr. 2,00. Sozialisten Lü- beck Ann. 1,20. Kpsr hier Ab. 5,60. Rhn hier Ab. 1,25. Dg hier Ab. 2,40. Wfrlng hier Ab. 0,55. Schmr Lübeck Ab. 10,20. Krß München Ab. 67,00. Grstmr München Ab. 97,05. Knk Frankfurt Ab. 40,00 Cznk Böhm.-Leipa Ab. 1,25. Czrkn Stemamanger Ab. 1,73. beide an den Grundsätzen des höflichen Entgegenkommens und Jnschr Newyork Ab. 96,42. F. Entz S. Franziska Ab. 82,06. Exp-d. des Compromisses, wie sie sich in dem obigen Vorfall offen- der„Wahrheit" Breslau Ab. u. Schr. 1475,26. Sfrt hier Ab. 1,80. baren, festhalten. Herr Thiers aber hätte diese Thatsache kennen Jlf1':�c™,ar™ �on�on_®b. u. achr. 325,00. und nicht sagen sollen, daß�die französische Kammer„dem Senat ��-"� 35'�'. Dßbch Rechte zuerkannte, welche England dem Hause der Lords nicht zuerkenne," denn England erkennt sie, wie wir gesehen, dem Oberhause zu. Wenn es aber auch anders wäre, mit welchem Recht könnte Thiers folgern, daß die ganz moderne französische Verfassung nach den Grundsätzen der althergebrachten englischen behandelt werden müsse? Alarmen, 3. Oktober. Vorgestern tagte hier eine stark be- suchte Volksversammlung, welche die in Aussicht gestellte Re- Vision des Haftpflichtgesetzes zum Gegenstand ihrer Verhandlung erkoren hatte. Nach einigen einleitenden Worten des Genossen Praast aus Hamburg verbreitete sich Genosse Hasselmann! 2,70) in ausführlicher Weise über die festgesetzte Tagesordnung. Die Versammlung nahm schließlich folgende Resolution einstimmig an: „Die aus mehrjähriger Erfahrung sich ergebende Forderung einer gründlichen Umgestaltung des Haftpflichtgesetzes ist durch- aus gerechtfertigt und ist eine Gesetzesnovelle nach folgenden Grundzügen zu gestalten: 1) Das Hastpflichtgcsctz muß ausgedehnt werden auf den Betrieb aller jener Erwerbszweige, bei deren Ausübung eine Gefahr für die Arbeiter oder das Publikum möglich, insbeson- dere also auf das Baugewerbe, den Landwirthschaftsbetrieb mit Maschinen und die Schifffahrt; die Unterstellung der Erwerbs- zweige unter das Gesetz hat auf Grund der statistischen Daten über Unglücksfälle zu erfolgen. 2) Die Haftpflicht hat in allen Fällen unter jenen Ba- dingungen stattzufinden, welche gegenwärtig beim Eisenbahnbe- trieb maßgebend sind, dergestalt, daß zur Entbindung von der Entschädigungspflicht der Beweis einer Fahrlässigkeit des Verun- glückten geführt werden muß. 4) Durch technisch erfahrene Inspektoren sind im ganzen deutschen Reiche die Sicherungsmaßregeln der gefährlichen Betriebe zu con- trolliren; im Falle eines Unglücks ist sofort eine genaue Unter- suchung seiner Ursachen seitens der Inspektoren zu veranstalten; die Inspektoren sind verpflichtet, dem Verunglückten oder seinen Hinterbliebenen Familiengliedern die erforderlichen Mittheilungen zu machen, wie seitens derselben eine Klage auf Grund des Haftvflichtgesetzes erfolgen kann. 5) Für jeden durch gefährlichen Betrieb Verunglückten oder London Ab. u. 1,80. Wllbrcht hier Ab. 1,20. Hanau Ab. 12,10. Schfr hier Ab. 3,75. Bit Neusatz Ab. 1,73. Thmr hier Ab. 3,75. Dr. R. Worms Ab. u. Schr. 5,00. en Ii«fr Arbeiterbildungsverein. -v tl-p/gly» Sonntag, den 14. Oktober Abendimterhaltung in den Sälen des„Hotel de Pologne". Anfang Abends 6 Uhr. Freunde und Gönner sind hierzu freundlichst eingeladen. Der Lorstand. Donnerstag, den 11. Oktober, Abends>/,9 ,Uhr, im Saale des Hrn. Michael, gr. Windmühlenstri 7: Leipzig. Sozialisienversammlung rung: 1. Wahl einer Preßcommission. 2. S Tagesordnung Rundschau. Referent H. Dehme. 70' Preßcommission. 2. Sozialpolitische Der Agent. seine Hinterbliebenen Familienglieder findet auf Verlangen eine Vertretung im Civilverfahren behufs Geltendmachung der Ent- '" ex officio statt, ohne daß ein Nachsuchen um Ertheilung des Armenrechts nothwendig wäre. 6) Die Haftpflicht verjährt in zehn Jahren vom Tage des Unfalls an gerechnet. 7) Falls eine freiwillige Unterstützung eines Verunglückten durch den Unternehmer stattgefunden hat, so giebt Letzterer hier- durch das Zugeständniß seiner Haftpflicht kund und kann bei eventueller späterer Verweigerung der Unterstützung die Verjäh- rung nicht als eingetreten erachtet werden. Die Volksversammlung beschließt behufs Vertretung dieser Forderungen im Reichstage sich an die sozialdemokratischen Ab- geordneten zu wenden. Freuen. Am 30. September wurde eine Volksversammlung vom Bürgermeister aufgelöst, weil der Referent, Genosse Oehme aus Leipzig, nach dem„Voigtl. Anz." gesagt habe:„Wenn es den herrschenden Gewalten einfiele, einen frischen fröhlichen Krieg zu führen, wie man es nenne, so wären die 20 Jahre alten Jünglinge gut genug, ihre gesunden Knochen zu Markt zu tragen und sich, wie man zu sagen pflege,„mit Gott für König und Vaterland" zum Krüppel schießen zu lassen." Auch soll er ge- sagt haben, has Kasernenwesen habe den Zweck, die Soldaten dem andern Theile des Volkes zu entfremden.— Mit diesen Mittheilungen glaubt das voigtländische Blatt die eigenmächtige Maßregel des Bürgermeisters gerechtfertigt zu haben; das Blatt conststirt dadurch unfreiwillig, daß es strabar sei, die Wahrheit zu sagen. Der Verkehr und Arbeitsnachweis für Schneider befindet sich jetzt große Windmühlenstraße Nr. 5 bei Kern. Indem wir darauf hinweisen, daß alle Aufträge nach unserer jetzigen Einrichtung sofort zur Erledigung kommen bitten wir unfern Arbeitsnachweis möglichst zu berücksichtigen. s0,6t> Die Commisfion. Limmer. Sozialdemokratischer Wahlverein. Sonntag, den 14. Oktober, im Gasthans zum Kronprinz von Hannover: Kränzchen verbunden mit Festrede. Anfang 4 Uhr. Eintritt 20 Pfg. Tanz 70 Pfg. Ueberschuß zum Besten des Wahlfonds. s2,70 Das Comits. Ofl-rmfmt Arbeiterverein. ,wi4v4l|vU. Donnerstag, den 11. Oktober, Abends halb 9 Uhr, in Burmeister'ö Salon, 1. Treppe:[7ö Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Bortrag über daS Arbeiterlesebuch. Fragekasten. F. Heerhold. Zu vermiethen jfcöfc Sozialistisches Central-Wahl-Comitv. Die Sitzungen des Comitcs finden jeden Dienstag und Freitag Bor mittag statt. Briefe für dasselbe sind zu adressiren an die Sekretäre I. Auer oder C. Derosfi. Pferdemarkt 37 III. in Hamburg. Geldsendungen find zu richten an August Geib°, Rödingsmarkt 12 in Hamburg. Rundschau �0. 4 ist erschienen und an diejenigen Filial- Expeditionen zur Versendung ge» langt, welche über Nr. 3 abgerechnet haben. Den Parteigenossen dringend zur Verbreitung em- pfohlen: Die Rundschau. Organ für sozialistische Propaganda. �.,,.,„ c r, Erscheint monatlich einmal und kostet durch die Filial- rsrÄr Ö SPÄ» PI-.; d..ch d;-P.» Die in der Ulli �v. u,;yu». uuycijuucucu-utiiurnuuuuy utp i ,, 7 tYi■ r'*7' Ottenser Arbeitervereins beschlossen wurde, eine Bibliothek anzuschaffen."G bü PffJ. tjcl. onngcrlohtt. Zu diesem Zwecke wurde eine Eommiision, bestehend aus den Herren D. Köster, H. Mehte und aus Unterzeichnetem gewählt. Wir richten nun an alle Parteigenossen die dringende Bitte,- uns bei der Verwirk» lichung dieses Beschlusses nach Kräften zu unterstützen. Alle diejenigen Parteigenossen, welche im Besitz von soz'alpoliti;chcn Werken, Büchern zc. sind und geneigt wären, dieselben der Bibliothek zur Verfügung zu stellen, d. h. durch Leihen(mit dem Borbehalt, daß die Leiher stets Eigenthümer der Bücher bleiben) oder auch durch Schenkungen von wissenschaftlichen Werken, die Bibliothek mit vervollständigen zu helfen, oder die in der Lage sind, uns mit Geld zu unterstützen, alle Diese bitten wir, es bald ihun zu wollen. Zur Beachtung diene, daß Herr fi. Wehte, Eulenstr. 25, 1 Etz., ermächtigt ist, jede Unterstützung ent- Indem w r uns der Hoffnung hingeben, recht bald Verlag: Amelungstr. 5, Hamburg. Abonilemcnts-Eiittadlmg. Mit 1. Oktober beginnt der 3. Jahrgang des in einer Auflage von 40,000 Exemplaren erscheinenden illuftrirten Familienblattes Die Neue Welt. Wöchentlich l'/z Bogen. Preis vierteljährlich Mk. 1,20, I Hefte» ü 30 Pfg., � Alle diejenigen Gesinnungsgenossen, welche Gelegenheit haben, die innen Kurzem erscheinenden Prospekte in Versammlungen, Vereinen, gegen zu nehmen. J1 eine zweckentsprechende Bibliothek zu erlangen, bitten wir nochmals, � binnen., W„. unsere Aufforderung nicht unbeachtet zu lassen. Werkstätten, Wirthschaften und Familien zu verbreiten, werden dringend Ottensen, im September 1877. um sofortige Angabe ihrer Adresse und der Zahl der ihnen zu senden- I. A. der Commisfion: Emil Hoffmann den Prospekte gebeten.— Eine entsprechende subscriptionsliste(Abon- XL. In meinem Aritationsbericht in Nummer 112 des„Vorwärts" neuten-Sammelliste) wird in mehreren Exemplaren der Sendung' bei- hatte ich vergessen, die Namen der Vorstandsmitglieder des Ottenser gefügt.__ Arbeitervereins anzugeben; die Parteigenossen mögen das entschuldigen. Die Freundschaft und AnhängUchkeü unserer so großen Leserzahl Der Vorstand besteht aus folgenden Personen: F. Heerhold, 1. Vor- begleitet uns in das neue Jahr unserer Wirksamkeit und wird uns noch sitzender; Herrn. Molkenbuhr, 2. Vorsitzender; D. Köster, 1. Kassirer; weitere Bolkskreise erschließen helfen— darauf meinen wir mit Sicher- Stöhr, 2. Kassirer; R. Lindemann. 1. Schriftführer; E.' Hoff- heit rechnen zu dürfen. � � mann, 2. Schriftführer; die Revisoren sind die Herren Steegen, Redaktion und Verlag der„Neuen Welt Mehte und Stahl. D. O. Verantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipzig Redaktion und Expedition Färberftraße 12/11. in Leipzig. Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei in Leipzig.