anGe= oder viel diese often o be ation mei mir Die hren ende 1. 7. Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Abonnementspreis für ganz Deutschland 1 M. 60 Pf. pro Duartal. Monats Abonnements werden bei allen deutschen Postanstalten auf den 2. und 3. Monat, und auf den 3. Monat besonders angenommen; im Königr. Sachsen und Herzogth. SachsenAltenburg auch auf den iten Monat bes Quartals à 54 Bfg. Inserate Bett. Versammlungen pr. Petitzeile 10 f., betr. Privatangelegenheiten und Feste pro Petitzeile 30 Pf. Vorwärts Bestellungen nehmen an alle Postanstalten und Buch handlungen des In- u. Auslandes. Filial Expeditionen. New York: Soz.- demokr. Genossenschaftsbuchdruckerei, 154 Eldridge Str. Philadelphia: B. Haß, 630 North 3rd Street. J. Boll, 1129 Charlotte Str. Hoboken N. J.: F. A. Sorge, 215 Washington Str. Chicago: A. Lanfermann, 74 Clybourne ave. San Franzisco: F. Eng, 418 O'Farrell Str. London W.: C. Henze, 8 New Str. Golden Square. Central- Organ der Sozialdemokratie Deutschlands. Each Con Cach Rr. 126. die inen 7. eure ben, ung gen Sr. 48 elbe re δας efen ms bon gan nn. Ab. frt b. gen 60. der On 10= Ste en. Den Dent im jr, 830 30 ( a " folgendermaßen: Freitag, 26. Oftober. 1877. Abonnements auf den Vorwärts" narstrafen gegen F. ſpezialiſirt und da lautet das Aktenstück hauptete, es sei Simulation und versprach nur, den Gefangenen öfter für die Monate November u. Dezember zu 1,10 M. werden bei 25./11. 1834. Wegen Unterhaltung: 2 Tage Wasser und allen deutschen Bostanstalten, für Leipzig pr. Monat zu 60 Pf. Brod. bei der Expedition, Färberstr. 12 II, unserm Colporteur M. Ulrich, Hohe Str. 23, Hof part., in den Filialen: Cigarrenladen des Hrn. Peter Krebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkst. am Königsplay 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: für Bolkmarsdorf, Reudnih, Neufchönefeld 2c. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr., für Connewiß 2c. bei Hackert, Kurze Str. 10 part., für Kleinzschocher u. Umgegend bei Trost, Hauptstr. 10/1, für Thonberg bei Bösch, Hospitalstr. 39/ II, Leipzig, Heureudnik bei 3schau, 15 I, für Plagwik- Sindenau bei Frau Gräfenstein, Aurelienſtr. 3, für Gohlis c. bei A. Hermsdorf, Lindenthaler Str. 7, für Stötferik bei Grude, An der Papiermühle, angenommen. zu beobachten. Nichtsdestoweniger war F. in der That damals schon gemüthskrank und seinen Mitgefangenen, wie auch denjenigen Beamten der Anstalt, die ihn täglich sahen, war dies 5./12. 1834. Nicht erledigtes Arbeitspensum: 1 Tag Wasser vollkommen bekannt. Von früher her galt er das sagen auch die Führungs- Zeugnisse- als ein frecher und verschmitter und Brod. Mensch, verrichtete indeß im Allgemeinen seine Arbeit gut und 9./2. 1835. Unterhaltung: 8 Peitschenhiebe. 4./7. 1835. Eigenmächtiges Abschneiden der Kette: 5 Peitschen- wußte sich in die Disziplin der Anstalt zu finden. Dies Beugniß wird ihm mehrfach gegeben. Das Strafverzeichniß haben wir gelesen; sehen wir uns seit dem Jahre 1860, wo die Symptome des Frrfinns immer unzweifelhafter hervortraten, die Akten geFür Berlin wird auf den Vorwärts" monatlich für 75 Pf., frei in's Hans abonnirt, bei der Expedition der„ Berliner Freien Breffe", Kaiser- Franz- Grenadier- Platz 8a, und bei Rubenow, Brunnenstr. 34, im Laden. Zur Prügelstrafe. In der politischen Uebersicht des„ Vorwärts" Nr. 111 vom 21. September haben wir einer Versammlung des Vereins deutscher Strafanstaltsbeamten, welche am 13. September d. J. in Stuttgart tagte, Erwähnung gethan. Die Prügelstrafe in Gefängnissen und Zuchthäusern bildete den Hauptgegenstand der Verhandlung; Direktor Strosser und Geheimerath Illing empfahlen die Prügelstrafe, Direktor Grühmacher sogar mit Hindeutung auf die Sozialdemokraten, also auf politische Sträflinge. Zwangsjacke, Zwangshandschuh, Fesselung und dergleichen schöne Dinge mehr wurden als zu gelinde Züchtigungsmittel angesehen. Wir erhalten nun in Bezug auf die angedeutete Versamm lung und auf den Wunsch, die Prügelstrafe in den Strafanstalten wieder einzuführen, folgende Buschrift: Geehrter Herr Redakteur! Beifolgend übersende ich Ihnen einen Aufsatz aus Nr. 19 der„ Gartenlaube" vom Jahre 1865 mit der Bitte, davon den Ihnen geeignet scheinenden Gebrauch zu machen. Es würde sich empfehlen, den Artikel in Ihrem Blatt abzudrucken, sodann aber denselben sowohl im Landtage als auch im Reichstage bei passender Gelegenheit( Etatsberathung) zur Sprache zu bringen. Im Jahre 1865 war die Gartenlaube" in Preußen verboten, und zwar wegen eines Artikels über den Untergang des preußischen Kriegsschiffes„ Amazone",- und Sie werden daraus ermessen können, daß der beregte Artikel nur wenig gelesen sein dürfte. Er bildet eine herrliche Illustration zu der Rede des Geheimen Raths Jlling( Berlin) in der Versammlung deutscher Strafanstaltsbeamten, im September d. J. in Württemberg abgehalten, in welcher derselbe' die äußerst seltene Anwendung der förperlichen Züchtigung betont. Vergessen Sie nicht den frommen Kreuzzeitungsmann, Direftor Strosser aus Münster, der, trotz allen ihm zu Gebot stehenden Arten der Tortur Fesselung, Zwangsjacke, Zwangsstuhl u. s. w. ohne Peitschenhiebe" nicht auskommen tann. Ich theile Ihnen die Personalien dieses Herrn in Kürze mit. Stroffer war Feldwebel, dann Bürgermeister in Herford in Westfalen, wo er nicht wieder gewählt wurde und wo er in der legten Zeit, wie alle Welt erzählte, sich nur noch in Begleitung eines Gensdarmen zu zeigen wagte. Dann kam er als Straf anstalts Direktor nach Münster, und ich möchte gern wissen, ob die dortigen Atten nicht auch Ungeheuerlichkeiten nachweisen, wie die in der Gartenlaube" erwähnten. In Bezug auf diese erwähne ich, daß die betreffende Anstalt R.( Rawitsch) in der Provinz Posen, der tüchtige Verwaltungsbeamte" daselbst aber der Vorgänger des bekannten ehemaligen Polizei- Oberst Patzke in Berlin ist. Letterer soll übrigens, wie man hört, sehr human und ganz und gar gegen die Prügelstrafe sein. Der Name des Zuchthaus- Direktors thut nichts zur Sache;„ M." ist der Anfangsbuchstabe. hiebe. 7./9. 1835. Unterhaltung: 5 Peitschenhiebe. 10./12. 1835. desgl. 24./5. 1836. 16./6. 1837. Unterhaltung und Ungebührniß: 10 Peitschenhiebe. 1 desgl. 5 5 H H 29./5. 1844. Ungebührliches Vergreifen an Speiseresten: Tag Wasser und Brod. 27./7. 1844. Unterhaltung: 1 Tag Wasser und Brod. 3./8. 1844. Tabakrauchen: 10 Peitschenhiebe. 3./8. 1844. Raisonnement und Verhöhnung der ihm auferlegten Strafe: 10 Peitschenhiebe. 14./9. 1844. Weil er in elf Tagen elf Pfund Leistengarn zu wenig gesponnen: 10 Peitschenhiebe. 19./11. 1844. Weil er in fünf Tagen sechs Pfund Garn zu wenig gesponnen: 2 Tage Wasser und Brod. 2./12. 1844. Weil er in zwölf Tagen 16 Pfund Garn zu wenig gesponnen: 10 Peitschenhiebe. 3./12. 1844. Versuchte Verschleppung von Arbeitsmaterial nach dem Abtritt: 2 Tage Wasser und Brod. 16./12. 1844. Unterhaltung: 1 Tag Wasser und Brod. 23./12. 1844. Weil er in elf Tagen fünfzehn Pfund Leistengarn zu wenig gesponnen: 10 Peitschenhiebe. 14./4. 1845. Schimpfen gegen einen Mitsträfling: 2 Tage Wasser und Brod. 16./2. 1847. Hegung von Ungeziefer: 1 Tag Wasser und Brod. 9./1. 1851. Unterhaltung beim Antreten zum Abendgebet: 1 Tag Wasser und Brod. 16./1. 1851. Unterhaltung im Arbeitssaale: 8 Peitschenhiebe. 1./3. 1853. Suchte seine Augen zu beschädigen: 10 September 1853. Hinaussehen aus dem Fenster: 20 Peitschenhiebe. Beitschenhiebe. 27./12. 1853. Anzünden von baumwollenem Abgang in seiner Isolirzelle, so daß sich Brandgeruch verbreitete: 36 Stunden Latten bei Wasser und Brod. 1./5. 1854. Wegen Entwendung von 2 Blättern weißen Papiers aus seinem Arbeitsbuche: 15 Peitschenhiebe. 2./5. 1854. Garnverwüstung: 10 Peitschenhiebe. 22./5. 1854. desgl. 15 13./1. 1855. Weil er in 9 Tagen 40 Ellen Kattun zu wenig gewebt: 15 Peitschenhiebe. 24/7. 1855. 8u wiederholten Malen den Suppenrest in den Urinkübel gegossen: 2 Tage Wasser und Brod. 23./10. 1855. Zu wiederholten Malen raisonnirt, daß die Suppe schlecht ist: 3 Tage Entziehung der Morgen- und Abendsuppe. 16. 6. 1856. Raisonnement: 2 Tage Wasser und Brod. 25./8. 1856. Raisonnement über Essen und Beamte: 2 Tage Wasser und Brod. 2./9. 1865. Hat seine Abendsuppe in den Urinkübel gegossen, mit Raisonnement: 2 Tage Wasser und Brod. 7.11. 1856. Hat in 6 Tagen 70 Ellen Kattun zu wenig gewebt. 15 Hiebe. 24./8. 1858. Versuchte Entweichung. 15 Hiebe. 20./9. 1858. Brodkaupelei: 1 Tag Wasser und Brod. Wegen Verdachts der Brandstiftung und wegen Fluchtversuchs aus der Straf- Anstalt zu Kozmin am 1. Dezember 1852, isolirt. 27./11. 1861. Schlechte Arbeit als Weber: 6 Tage Latten bei Wasser und Brod. 12./6. 1862. Eigenmächtiges Ausschneiden seines Arbeits Fabrikats als Weber und Vernichten des Arbeitsgeräths: 12 Tage Latten bei Wasser und Brod und Entziehung jeder Geldzulage, auch Schadenersaz. 30./9. 1863. Wegen unangemessenen Betragens gegen den Beachten Sie ja den Artikel in der„ Gartenlaube". Solche Tyrannei schreit nach Sühne, und wenn nichts anderes, so lie- Aufseher: 1 Tag Latten. fern diese Vorgänge den schlagendsten Beweis dafür, daß mit überhaupt: 25 Lage Wasser und Brod, Hieben" kein Mensch gebessert wird. 3 Entziehung der Morgen- und Abendsuppe, 19 und 36 Stunden Latten bei Wasser und Brod, zu Breslau! " " 211 Peitschenhiebe( außer den durch das Erkenntniß festgesezten, siehe oben!)" Soweit das Aftenstück. nauer an. Am 25. Februar 1861 zeigte der Geistliche der Anstalt an: " Da der inhaftirte Melchior F. durch sein skandalöses Benehmen während des Gottesdienstes nur ergerniß giebt und troh meiner vielfachen Ermahnungen teine Besserung zeigt, so beantrage ich, denselben von dem Besuche des Gottesdienstes auszuschließen. 8." Das geschah denn auch. Vom 25. November 1861 befindet sich bei den Akten folgende Anzeige eines Anstalts- Beamten: Belle beschäftigt, ist zwar ein sehr fleißiger, aber auch sehr Der Strafgefangene Melchior F., als Weber in der Isolirflüchtiger Weber. Wenngleich seiner Arbeit Egalität nicht abgesprochen werden kann, so ermangelt sie doch der Qualität, die fie verkäuflich macht, indem sie stets zu leicht ausfällt und nie den vorgeschriebenen Schuß enthält." H Mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand(!) sind zeither nur Verwarnungen angewandt und ihm nur ein niederes Material zur Verarbeitung verabfolgt, aber auch dieses ist erfolglos geblieben und fortwährend kommen seine Gewebe um vier bis fünf, ja noch darüber unterm Gewichte heraus, wie das gehorjamst beigefügte Arbeitsbuch ergiebt. Da hierüber bereits vielfach vom Fabrikanten geklagt worden ist und der Werkmeister Anstand nimmt, demselben weiter Kattun zu verabreichen, so verfehle Einer königlichen Direktion ich nicht, dieses hiermit zur weiteren Bestimmung gehorsamst anzuzeigen." K., den 25./11. 1861. Dieser Beamte constatirt also ausdrücklich, daß der Geisteszustand des Gefangenen zweifelhaft sei. Auf seine Anzeige erging folgende Verfügung: D. ,,&. muß, wie sich von selbst versteht,......( unleserlich) für die zeitherige schlechte Arbeit, demselben 6 Tage LattenArrest bei Wasser und Brod. 27./11. 1861. M." darunter: „ demselben publizirt und das Erforderliche veranlaßt 2c." Am 28. Dezember 1861 zeigte der Werkmeister wieder an, daß F. schlechte Arbeit geliefert habe. Der Arzt bemerkt daneben: „ Der Melchior F. ist züchtigungsfähig bis zu zehn Hieben." Darauf empfängt der Wahnsinnige auf Anordnung der Direktion 10 Hiebe und muß den verursachten Schaden mit Thaler 25 Silbergroschen ersetzen! 4 Am 5. Juni 1862 wieder schlechte Arbeit. Arzt: Züchtigungsfähig bis zu 10 Hieben. Verfügung: zwölf Tage Latten- Arrest bei Wasser und Brod. Am 12. November 1863 wurde F. nochmals ärztlich untersucht. Der Anstaltsarzt hält ihn noch immer für einen Simulanten und empfiehlt nur: ihn bei körperlichen Züchtigungen zu berücksichtigen.(?) Latten- Arrest sei zulässig. Endlich, am 17. Januar 1864, wird der Wahnsinn durch ein Attest des nämlichen Anstaltsarztes anerkannt. Am Schlusse desselben heißt es: " Dabei arbeitet er jedoch fleißig und liefert sogar Ueberpensa. Das Betragen des Kranken ist weder gegen die Sitten anstößig, noch der eigenen oder der Sicherheit Anderer gefährlich." F. wurde nun nach der Provinzial Irrenheil- Anstalt in D. gebracht, wo er sich zu Ende des Jahres 1865 noch befand. Dort erklärte man ihn für unheilbar. Die Krankheit wurde festgestellt als hallucinatorischer Wahnsinn,, der schon seit langen Jahren" sich ausgebildet habe. Die Ursachen waren verschie= dener Art. F. hatte noch eine lange Strafzeit vor sich. Seit dem 15. September 1853 war er in der Isolir- Zelle. Troß angestrengter Arbeit, trotz des von den Beamten anerfannten Fleißes tam er nicht weiter, wurde oft und hart ge= züchtigt und mußte seinen Ueberverdienst sich auf Schadenersaz abziehen lassen. Dabei mag ihn oft der Gedanke an seine heimathlichen Verhältnisse beunruhigt haben. F. war verheirathet; seine Frau hatte eine Bauernwirthschaft in die Ehe gebracht. Als er das erste Mal zu Buchthaus verurtheilt wurde, kam das Grundstück wegen der schuldigen Gerichtskosten zum öffentlichen Verkauf. Die Frau gerieth in große Noth und wandte sich einige Male an den Mann mit der Bitte, ihr ein paar Thaler von seinem Arbeitsverdienst zu schicken. Zuletzt hörte der Briefwechsel auf, die Frau mußte entweder gestorben oder nach einer andern Gegend verzogen sein. Schlägt einmal ein Kutscher sein störrisches Pferd sechs- bis achtmal hintereinander mit einer dünnen Hanfschnur, so ist der Auflauf" fertig; ein Mitglied des Vereins gegen Thierquälerei zeigt den Borfall an und der Missethäter wird bestraft. Die Menschen aber kann ein roher Henker schlagen lassen, schlagen mit einer dicken Peitsche, bis die Gemarterten in die Nacht des Die„ Gartenlaube" erzählt nun weiter: F. war bei der Wahnsinns finken! Herrlich, Herrlich, Herr Geheimerath Illing Behandlung wahnsinnig geworden. Schon im Jahre 1856 und Herr Direktor Stroffer! Und auch Sie, Herr Grühmacher fiel einem Departements- Rath bei Gelegenheit der Revision der J. E." Anstalt das eigenthümliche Benehmen des F. auf. Er nahm Aus dem in vorstehendem Briefe angeführten Artikel der davon Notiz und die Bezirks- Regierung forderte die Anstalts- In seinen verworrenen Phantasieen bezeichnete sich F. als Gartenlaube" wollen wir ein längeres Aftenstück, betitelt: Direktion auf, den F., der damals schon seit längerer Zeit in einen Menschen, der von Jugend auf zum Stehlen angeleitet Aften der Strafanstalt R.( Rawitsch) über Melchior F. der Isolir- Belle untergebracht war, wenigstens in ein helleres worden sei. Er glaubte sich fortwährend beobachtet, von bösen ( Litt. F. 377) theilweise zum Abdruck bringen, welches den Be- Lokal unterzubringen. In Folge dessen wurde F. durch den Geistern umgeben u. s. w. Man denke sich diesen Unglücklichen weis liefert von der Brutalität, die in einzelnen Buchthäusern Anstalts- Arzt untersucht. Der letztere bestritt, daß Wahnsinn in der Einsamkeit seiner dunklen Belle, wie ihm aus Groll über geherrscht hat, und da eine Regelung durch die Gesetzgebung bis vorliege; der Direktor berichtete dies und erklärte sich gleich seine Wehrlosigkeit, über das rohe Unrecht, das man ihm thut, jezt keinen Einhalt geboten hat, auch wohl zeitweilig noch zeitig außer Stande", dem Gefangenen ein anderes Lokal an- allmählich die Sinne schwinden. Den Hoffnungslosen umnachtet herrschen mag. Das Aftenstück ist zu Anfang der 30er Jahre zuweisen. der Wahnsinn. Er hat sein Schicksal erfüllen müssen. Trotz angelegt und endigt im Jahre 1864. Im Jahre 1857 kam der Departements- Rath wieder zur alljährlicher Revisionen, bei Gelegenheit deren der Wahnsinn des Nachdem die Verurtheilungen des Melchior F., von dem Revision und fand auch diesmal den Geisteszustand des F. be- F. schon im Jahre 1856 erkannt wurde, trotz der Gewissenfestgestellt wird, daß er eine mangelhafte Erziehung ge- sorgnißerregend. Der Anstaltsarzt, seinerseits zur Erklärung haftigkeit des Anstaltsarztes, der den Gefangenen hartnäckig als nossen habe, aufgezählt worden sind, werden die Diszipli- aufgefordert, wollte indeß noch immer nichts davon wissen, be- Simulanten bezeichnet und seinen Ferthum erst im Jahre 1864 eingesteht, wird zur Erleichterung des Kranken nichts gethan, ganzen Gegend. Gesagt, gethan! Er veräußert sein Gut einzuleben, ist von hervorragenden Mitgliedern der nationallibe ihm nicht einmal eine hellere Belle gegeben. Die Sache ist für und erbaut eine Fabrik. Da er ein sehr wohlwollender Herr ralen Partei wiederholt ausgesprochen. Die heutige Gesetzdie Verwaltung vollständig in Ordnunges befindet sich in ist( Sie sehen, Herr Pastor, ich bin geneigt, das Beste voraus gebung hat der sozialistischen Agitation einen so weiten den Akten, die sonst sehr vollständig sind, nirgends eine Rüge zusehen) und sein Geschäft einen wirklich überraschenden Auf- Spielraum geschaffen, daß es in der That Bedenken ergegen diese Verwaltung, und der Buchthaus- Direktor M. Schwung nimmt, so wird er nicht nur unerhört hohe Löhne zahlen, regen muß, die städtischen Verwaltungen noch mehr zu popula hat seiner Zeit, als er jene Direktion niederlegte, den sondern auch durch Beihilfe zu Kranken- und Versicherungs risiren und der Sozialdemokratie auch auf diesem Gebiete das Ruf eines sehr tüchtigen Beamten mit sich genommen. tassen, unentgeltlichen Unterricht, billige Wohnungen, die er zu Terrain einzuräumen."- Der„ liberale" Professor von Sybel Soweit schildert die Gartenlaube" den Vorfall. Eigenthum zu erwerben gestattet, seinen Arbeitern ein materiell agitirt deshalb gegen die Einführung der neuen Städteordnung Wir haben nichts hinzuzufügen, als daß es Pflicht der Ge- behagliches Dasein bereiten. Er hat nun hundert Arbeiter, die in Rheinprovinz und Westphalen, weil die Clericalen für ihre setzgebung ist, solchen Brutalitäten für immer und recht schnell einen durchschnittlichen Lohn von 4 Mark bei durchschnittlicher Agitation Vortheil daraus ziehen könnten; auf demselben Standim Interesse der von unsern Gegnern so viel gerühmten Moral Arbeitszeit von 300 Tagen à 12 Stunden erhalten. Sie sehen punkt steht das ganze übrige Gros der Liberalen uns gegenund im Interesse der Menschheit ein Ende zu machen. wiederum, Herr Pfarrer, wie unendlich viel rosiger für die Ar- über. Und dabei wagen wirklich die Herren Abgeordneten jolbeiter ich die Verhältnisse voraussetze, als sie wirklich find. So cher unmoralischen Partei laut in die Welt hinein zu schreien: zahlt der Herr an Arbeitslohn 120,000 m. jährlich, und nach Wir vertreten das gesammte Volk!" Wem aber die heutige dem er alle sonstigen Unkosten abgezogen, bleibt ihm ein jähr- Gesetzgebung in Deutschland schon zu freisinnig ist, der gehört licher Reingewinn von 60,000 m. nach Rußland, um die Knute auf seinem Rücken tanzen zu Die Motive des Sozialismus. Ein Wort wider christliche" Beschuldigungen" von F. R. ( Fortsetzung.) Sehen Sie, Herr Pfarrer, der zufällige Kapitalbesig weist die Stellung auf der Leiter der Gesellschaft an, und zwar mit Nothwendigkeit. Eine Stufenleiter geht aufwärts von dem, der blos frohndet durch den, der schon einen geringen Theil von dem Frohnprodukt Anderer einstreicht, bis zu dem, der auf dem Nullpunkt steht. An diesem Punkt beginnt die Reihe derjenigen, die mehr einstreichen, als sie an Abgaben zahlen, und die von dem Produkt des Frohndienstes anders nur pro forma einen Theil in die gemeinsame Kasse zurückerstatten. Worin besteht nun die wesentliche Aenderung seit des Groß- lassen. vaters Beiten? Jener beanspruchte 100 Arbeitstage seiner Taglöhner und ließ ihnen 200 Tage zu beliebiger Verwendung. Der Congreß der Herren Max Hirsch und GeUnser menschenfreundlicher Kapitalherr läßt 300 Tage arbeiten; nossen, auch antisozialistischer Congreß genannt, welcher am der Lohn dafür beträgt 1200 M., der Werth des durchschnitt 21. Oktober in Gera eröffnet wurde, hatte bereits am 22. Dtlich erarbeiteten 1800 M. Also hat auch dieser den Ertrag tober seine Arbeiten beendet. Mit Dampfesgeschwindigkeit also von 100 Arbeitstagen seiner Arbeiter für sich behalten, 100 ist der Feldzugsplan gegen die Sozialdemokratie entworfen wor Arbeitstage derselben sich dienstbar gemacht. den. Am Sonnabend, den 20. Oktober, waren beim Lokalcomité, Sie entgegnen, Herr Pfarrer: der Fabrikherr arbeitet doch als dessen Vorsitzender der bei der reußischen Landtagswahl auch selbst. Nicht immer, Herr Pfarrer! und wenn er arbei gegen unsern Genossen Brätter unterlegene Lehrer Förster tet, so ist sein Arbeitswerth doch nur dem Betrag gleich, welchen fungirte derselbe war auch zweiter Vorsitzender des Conin Fällen, wo der Herr nicht arbeitet, der stellvertretende Leiter gresses bereits 57 Delegirte angemeldet, die angeblich 18118 des Geschäfts als Gehalt bekommt. Sie werden einsehen, daß Mitglieder vertraten; am Sonntag sollten es schon 90 Delegirte dieser in einer Fabrit von 100 Arbeitern sich nicht auf 60,000 mit 490 Vereinen und 40,000 Mitgliedern sein. Ob der MonM., sondern, reichlich gerechnet, vielleicht auf 5-6000 M. be- tag noch einen weiteren Zuwachs brachte, darüber wird nichts laufen kann. mitgetheilt. Als Vorort wurde Berlin und als nächstjähriger Congreßort Leipzig gewählt. Den Schluß des Congresses bildete ein Festessen und damit schließen wir für heut unsere Mittheilungen. Begreifen Sie dies, Herr Pfarrer? Verstehen Sie nun ein wenig, welch ungeheure Binsknechtschaft auf den Völkern Europas lastet; und wenn Sie ein klein wenig die Lehre von Nachfrage und Angebot kennen, so müssen Sie einsehen, wie die Zahl neuer Anleihen, die Nachfrage nach Kapital die Tendenz hat, den Binsfuß zu steigern und somit das Quantum der Frohnarbeit bei den niederen Volksklassen zu mehren. Und ahnen Sie nun, Sehr wesentlich wird jenes Resultat sich also nicht ändern. daß eine tiefe Berechtigung in dem Zorne liegt, welches die Früher hatte der Feudalherr die Gerechtsame über 100 Arendlich Erwachenden erfaßt; wenn sie sehen, wie leichten Herzens beitstage seiner Bauern, ohne ein anderes Verdienst, als daß die Herrschenden in Regierung und Barlamenten an's Werk er gerade Herr der Scholle war, mit deren Besitz jene Gerechtgehen, wenn es gilt, neue Arbeit des Volkes sich dienstbar zu same sich verknüpfte. Das war sehr ungerecht! - Zu den Wahlen in Frankreich bringt die Wage" machen? Ahnen Sie, daß schon dieses Bewußtsein genügen muß, Heute hat der Enkel Kapitalherr die Gerechtsame, den Ertrag folgende Ausführungen:„ Herr Gambetta mit seinen sicheren 400 um in den unterdrückten Massen Einsicht zu schaffen und das von 100 Arbeitstagen seiner Arbeiter für sich zu behalten, weil Republikanern, Herr Fourtou mit seinen unfehlbaren 300 Gou Volk selbst mündig zu machen, daß es sich selber regieren er zufällig Herr des Vermögens ist, das ihm gestattet, jene vernementalen: sie alle Beide haben sich am moralischen Sieg" tann? Arbeiter anzuwerben. Was ehemals Frohn und Zehnten hieß, genügen lassen. Der Eine weist stolz auf die verstärkten WählerUnd endlich haben Sie jetzt bereits eine leise Ahnung, ist jetzt Bins und Geschäftsgewinn. Das nennen Sie und ziffern hin, der Andere triumphirt über die 40 Sitze, die dem daß dieser Feudalherr„ Kapital" nicht nur in dem einen Ver- Ihre Gesinnungsgenossen recht und natürlich. hältniß, dem Steuerverhältniß, dem Volke gebietet, sondern daß er unser ganzes gesellschaftliches Leben beherrscht, die Beziehungen von Menschen zu Menschen bestimmt, und in allen Verhältnissen das Gleiche wirkt: diejenigen, die ihn nicht besitzen, sich zum Frohndienst zu zwingen? ( Fortsetzung folgt.) Sozialpolitische Uebersicht. Gegner abhanden gekommen. Und während die Beiden sich weiterstreiten, freut sich der Dritte, der den unzweideutigsten Erfolg bei dem Kampf errungen hat: der Napoleonismus. In der neuen Repräsentation find Legitimisten wie Orleanisten zu fleinen Häuflein zusammengedrückt, auch im linken Centrum, wo - Der preußische Landtag wurde am 21. ds. durch die Letzteren etwa noch ihr Nest hatten, sind sie stark ausge Ein Beispiel auch hierfür, Herr Pastor! Denken Sie sich, eine Thronrede eröffnet, die äußerst trocken und nüchtern räuchert worden immer compatter und geschlossener stehen ein Feudalherr habe ein Dorf besessen, in welchem durchschnitt- ebenso trocken und nüchtern vom Finanzminister Camphausen sich die einzigen beiden Parteien gegenüber, deren Existenz eine lich 100 Arbeitskräfte die Verpflichtung hatten, je 100 Tage, verlesen wurde. Rückwärts! Rückwärts! Rückwärts!- das war logisch berechtigte ist: Napoleonismus und Republik. Damit also gesammt 10,000 Tage im Jahr, für ihn zu frohnden, und der Grundton der Thronrede; man glaubte die Tischreden scheint uns aber auch der Charakter des bevorstehenden Kampfes sein Gut zu bestellen, ohne Entgelt. Die übrigen Tage des Forckenbeck's und Bennigsen's aus derselben zu vernehmen. Der entschieden. Wie auch vielleicht die Peripetien noch wechseln und Jahres durften sie ihr Lehnsgütchen nach Belieben bebauen. Culturkampf wurde mit Stillschweigen übergangen. Der einzige sich hinziehen, wie es auch vielleicht der Marschall noch mit dem Der Feudalherr strich also den Ertrag von 10,000 Arbeitstagen Passus, der uns interessirt, war, daß die preußische Regierung Ermüden versucht: das Ende wird napoleonisch, wird die anderer Menschen ein, ohne anderes Verdienst, als daß er gerade energisch mit den nothwendigen Bauten in dieser arbeitslosen Gewalt, wird der Staatsstreich sein. Und da sich Gewalt auf der Scholle geboren war, deren erblicher Besitz die Gerecht- Zeit vorgehen will möge aber die Energie nicht wieder er nicht gegen Gewalt erheben wird, da die republikanischen Führer same über 10,000 Arbeitstage mit sich brachte. lahmen, wie es so oft geschehen ist. Fürst Bismarck und Graf dasjenige Volt, das Barrikaden baut und auf ihnen zu sterben Nun sagte die öffentliche Meinung: Dieses Feudalwesen ist Eulenburg, die eigentlichen Leiter des preußischen Cabinets, weiß, nicht werden aufrufen wollen oder können, fintemalen unsittlich; alle Menschen sind als Brüder gleich", jeder muß fehlten. 70 Landboten, unter denen circa 25 Abgeordnete, die da noch eine seit sechs Jahren unbeglichene Rechnung aus eigner Kraft nach dem Höchsten streben können. Diese Mei- anderen gehörten dem Herrenhause an, waren zugegen. Die zwischen ihnen liegt: so wird die Gewalt Recht be nung gewinnt Einfluß auf die Gesetzgebung, und die Bauern erste Sizung des Abgeordnetenhauses wurde am selbigen Tage halten und wieder einmal Recht werden."- Wenngleich dürfen ihre Feudallasten ablösen. Nun bekommt das Dorf einen von Bennigsen mit dem„ althergebrachten" Rufe:" Es lebe der die" Wage" nicht völlig auf unserem Standpunkt steht, so mächtigen Aufschwung, die Formen des Erwerbs mehren sich, König!" eröffnet und in diesen„ althergebrachten" Ruf stimmten zeigen obige Ausführungen doch, daß sie weit entfernt von der der Verkehr mit Stadt und Land steigt und der Gutsherr muß, auch die Abgeordneten ein dann wurde die erste Sigung ge- Gefühlepolitik ist, die sich so vielfach in der Schwärmerei für wenn er anders seinen Ader bebaut haben will, jeden Tag" be- schlossen. die republikanische Staatsform oder gar für das Wort: Re zahlen".( Ob diese Bezahlung dem Werth der Gegenleistung publit in letzter Zeit kundgethan hat. Wir wiederholen, daß entsprechen kann, soll hier außer Acht bleiben.) Aber die Be Haß gegen die Sozialdemokratie und Furcht vor der die gegenwärtige französische Republit, welche ihre besten Söhne völkerung hat die Tendenz, sich zu mehren, und Sie werden selben wechseln in den Organen unserer Gegner fortwährend gemordet hat, keinen Schuß Pulver werth ist, hoffen aber, daß einsehen, Herr Pastor, daß eine Menge von Verhältnissen dahin ab. Hat man eben einen Fall berichtet, der von der Wuth und aus einem Staatsstreich, der sich noch sehr lange hinziehen kann, wirken muß, einen selbst bei Beginn als gleich vorausgesezten Roheit unserer Herren Gegner zeugt, so kann man schon wieder ja hinziehen wird, nicht der Bonapartismus, sondern die rothe Besiz mit der Zeit in der Weise zu wandeln, daß in unserem einen andern berichten, der das lustige Schauspiel uns vor- Republik siegreich hervorgehe. Bis dahin werden sich die Mac Dorf einige Vermögende, etwas mehr mäßig Begüterte und eine führt, wie eben dieselben Schmähhelden aus Angst vor der So- Mahonisten und Gambettisten nach dem alten Sprüchwort noch Anzahl Unvermögende vorhanden sein werden. Die Letzteren zialdemokratie ins Mauseloch kriechen. Unter sich erzählen sie oftmals schlagen", aber immer wieder vertragen. sind nun auf den Tagelohn bei dem Gutsherrn und bei Anderen immer, daß die jetzige Gesetzgebung noch nicht freisinnig genug sei, und das man sie ausbauen müsse auf der ewigen Grundangewiesen, also nicht mehr frei". Das schweizerische Fabrikgesetz ist am Sonntag Indes denkt der Entel jenes Feudalherrn: Der Grund und lage der Freiheit. Kommt ihnen aber bei solchen Tiraden der den 21. Oktober in der Urabstimmung angenommen worden. Boden ist zwar ein schöner, sicherer Besitz, aber er wirft wenig Gedanke an die Sozialdemokratie, so bereuen sie ihre Freiheits- Für das Gesetz stimmten 171,000, gegen dasselbe 157,000. Rente ab. Wie wäre es, wenn ich ihn veräußerte und eine gesinnung und man hört sofort das reaktionärste Gekrächz. So Glückauf den schweizerischen Arbeitern! Der schamlosen AusFabrit erbaute; die Bedingungen dafür sind günstig, ich könnte geht jetzt durch die liberalen Zeitungen folgender Waschzettel: beutung der Arbeitskraft ist jetzt ein Ziel, wenn auch nur ein den..beitern einen weit höheren Lohn geben als den Tage-" Die Mahnung, das Reformwert nicht zu überſtürzen und den unzulängliches, gesetzt. Das ist immerhin ein Gewinn. Was löhnern auf dem Gute, und würde so zu einem Wohlthäter der bisher geschaffenen neuen Gesetzen Zeit zu geben, sich im Volke den Sieg aber zu einem bedeutungsvollen macht, ist der Um Ein Stück Geschichte. Defension( Vertheidigungsschrift) in der Untersuchungssache wider Wander. Vom Justizrath Robe( d. d. 9. September 1845). ( Fortsetzung.) wenn er diese Grenzen je verlassen sollte. Es sei aber in der lodien als vor 30 bis 40 Jahren." Er wiederhole: Achtung That schwer, einestheils immer den rechten Ton zu treffen, an- vor dem Gesetz! Eine freie würdige Sprache aber ehre Bürger derntheils gewisse Dinge" unberührt zu lassen. Die Nichtbe- wie die Regierung. Der Verein sei seines edlen Geistes, seiner rührung sei übrigens auch fruchtlos, weil Kopfschmerzen deshalb Ordnung und Ruhe wegen zu loben; sollte ein Rufen und noch nicht zu schmerzen aufhörten, daß man davon zu sprechen Brausen zwischenher vorkommen, so werde sich das legen. E unterlasse, und weil, wenn man auch in Hirschberg solche The- sei dies Ausbruch der Freude über ein neu erwachtes Bürger Wander fährt darauf fort: Er habe es sich zum Grundsatz mata der Erörterung entzöge, man damit nicht hindern könne, leben, und die Strömung sei immer am heftigsten, wenn die gemacht, bei allen seinen in dem Verein zu haltenden Vorträgen daß sie an hundert andern Orten besprochen würden. Bei Schleuße erst nur gezogen sei. Ruhe sei auch nicht mehr die an sich selber die Frage zu stellen: ob ein preußischer Censor, spielsweise: Wenn das preußische Volk wirklich eine Braut einzige Bürgerpflicht, sie habe überhaupt aufgehört, zu den wenn der Vortrag gedrudt werden sollte. das Imprimatur von guter Constitution hätte" und mit ihr seit 1815 durch ver- Bürgerpflichten zu gehören". Alle wären sich eines gefeßlichen ( Druckerlaubniß) ertheilen würde. Er kenne die Strenge der gossenes Verlobungsblut" und Ringe verlobt wäre; so würde es Strebens bewußt und deshalb würde auch das freie Wort Nah Censur und wisse, wie sie in Berlin, Breslau, Leipzig, Dresden diese Braut nicht deshalb vergessen, weil man ihm verböte, rung erhalten, wenn nicht die Meinung, daß geheime Bericht und am Rhein gehandhabt werde, habe also in diesen Dingen von ihr zu reden. Immer würden Ring und Blut es an sie erstatter" unter den Zuhörern wären, wie ein Alp auf der Ver ein durch Erfahrung erworbenes Urtheil. Seinem Urtheile nach erinnern. fammlung läge. Er aber denke: was ihm die Censur gestatten habe er nun, wie er glaube, im Verein nichts gesprochen, was Dürfte es von ihr nicht reden, so würde es um so öfter an würde vor Millionen zu sagen, würde vor 200 Personen gesagt ein Censor gestrichen haben würde. Er müsse hinzuseßen wie sie denken, der Polizei sei es noch niemals möglich geworden, auch gestattet sein. An geheime Berichterstatter, die in dem er glaube", denn unbedingt lasse sich darüber nichts behaupten, zwei liebende Herzen zu trennen, wenn sie recht warm für ein Verein wären, glaube er nicht; denn eine gute Regierung habe weil die Censur ein Institut sei, das, wie man eine Hand um ander geschlagen hätten. Es gäbe Leute, welche anregen von ihre Bürger nie zu fürchten. Eine Gewalt aber, welche die drehe, andere Instruktionen bekäme. Daß dies so sei, lasse sich aufregen nicht zu unterscheiden wüßten, und ihnen schiene Alles, Bürger fürchten müsse, spräche sich ihr Urtheil selbst. Das sei aus einem Beispiel ersehen. In der vorigen Woche nämlich was sie aus dem Schlummer weckte, revolutionär. seine unmaßgebliche Meinung. habe die Breslauer Zeitung" Schlöffel's Petition an den Land- Verstehe man diesen letzten Ausdruck im Sinne des Jahres Der leitende Faden, der durch diese Rede geht, ist nicht zu tag noch besprechen dürfen, was in der gegenwärtigen Woche 1789, so sei dies in Beziehung auf den Verein herzlich dumm. verkennen. Wander sagt: Man habe einen seiner früheren Vor in der Schlesischen Zeitung" verhindert worden wäre. Könne Es sei keiner Seele der Vereinsmitglieder eingefallen, eine Re- träge revolutionär genannt, das sei falsch; er sage nichts, was er demnach aber auch für einzelne Ausdrücke nicht haften, so sei volution zusammen zu brauen, gleichsam so mir nichts dir nichts. nicht ein Censor zum Druck zulassen würde. Er wolle und hoffe er sich doch bewußt, das angegebene Prinzip, den Censur- Maß- Hier in Hirschberg sei, soweit die Geschichte reiche, teine jemals sich immer auf dem Wege der Gesetzlichkeit zu befinden, und stab, genau zu beachten; denn man sei nur stark, wenn man sich vorgekommen, und werde auch wahrscheinlich keine vorkommen. fürchte daher auch keine geheimen Berichterstatter. Seine Vor auf gesetzlichem Boden bewege. Ohne Achtung vor dem Gesetz Uebrigens wie der Bote aus dem Riesengebirge", das hie- träge revolutionär im Sinne von 1789 zu nennen sei Unfinn fönne teine gesetzliche Ordnung bestehen, auch das schlechte Gesez sige Wochenblatt, in voriger Woche geschrieben habe, nicht verstehe man aber unter revoluiionär auf gesetzlichem Wege den müsse man, so lange es bestehe, befolgen, aber man müsse durch die Bürger machten Revolution, sondern die schlechten Re- Fortschritt huldigend, die Vereinsmitglieder anregend zu einer gefeßliche Mittel dahin wirken, daß ein schlechtes Gesetz durch gierungen". Nähme man das Wort„ revolutionär" aber in selbstbewußten Thätigkeit", so sei er damit einverstanden. ein besseres ersetzt werde. Uebrigens möge man den Raum, der Bedeutung des Umwandelns und Bessergestaltens, dann wäre Ueberhaupt möge die Versammlung weder bei ihm noch bei den das Gesetz zur Wirksamkeit offen gelassen, nur benugen; es Alles revolutionär, das Messer, das ins Brod, die Scheere, die andern jedes Wort mit zu großer Furchtsamkeit abwägen; und fehle noch nicht an Raum; es sei aber die Art der Furchtsamen, in das Beug, der Wagen, der über die Straße fahre, Bunge wenn einmal ein mißliebiges Thema zufällig und absichtslos wenn das Gesetz 100 Theile Raum offen gebe, nur zwei oder und Magen, ja jogar der Kirchhof, besonders aber die Zähne berührt und angestreift würde, so möge man ihm dadurch, daß drei Theile zu benutzen; und, wenn nun Einer 99 Theile be- seien die Hauptrevolutionäre, weshalb die Hasen, welche für das man sich daran festhänge, nicht erst zu einer nicht beabsichtigten nuge, so geschehe es, daß er für einen„ Revolutionär" aus ge- Königreich Hannover noch nicht eingefangen wären, sich sofort Bedeutsamkeit verhelfen, sondern vielmehr bedenken, daß wenn schrieen würde. Auch er sei gesonnen, von den gestatteten 100 die Zähne ausnehmen lassen möchten. Es ändere sich selbst nach einmal die Existenz einer Sache nicht abgeläugnet werden könne, Theilen 99 zu benuzen, dabei bleibe er immer noch innerhalb den Zeitungen die Natur; denn nach Berichten von Reisenden sängen man ihrer Erwähnung nicht immer ohne Schwierigkeit aus dem der Grenzen des Gesetzes, und er bäte Jeden, ihn zu erinnern, sogar die Finken im Thüringer Walde gegenwärtig andere Me- Wege gehen könne. Durch Nichterwähnung werde sie überhaup it 11 te 6. S if б 1 2 6 D D 11 A 11 f t - stand, daß die schweizerische Arbeiterbewegung in Zukunft mit mehr Zuversicht auf Erfolg und mit mehr Energie ihre Ziele verfolgen kann. Der Anfang ist gemacht, jetzt gilt's dem wei- teren Ziele, der völligen Emanzipation der Arbeiterklasse vom Joche der Ausbeutung, zuzustreben. Vorwärts also! — Aus Glasgow wird gemeldet, daß in einer Kohlengrube bei High-Blantyre eine Explosion am 22. Oktober stattgefunden hat, während circa 490 Arbeiter in derselben beschäftigt waren. Bis jetzt sind 232 Todte aufgefunden worden. — Während die neueren Nachrichten aus Asien den russischen Sieg bei Kars ziemlich zusammenschrumpfen lassen, wird vom europäischen Kriegsschauplatz wieder ein schwerer Mißerfolg der rusfisch-rumänischen Armee gemeldet. Und zwar ist's wiederum Plewna, das— nun zum viertenmal— den Sol- baten des„milden Czars" verhängnißvoll geworden ist. Am 19. wurde der seit Wochen vorbereitete Sturm auf die türkischen Schanzen versucht und abgeschlagen. Es wird in den offiziellen russischen Depeschen bles von Rumänen gesprochen, die an der Asfaire Theil genommen— dies scheint aber nur eine bundes- brüderliche Redewendung zu sein, um die Schande der Nieder- läge von den russischen„Befreiern" auf die inbrünstig geliebten Schützlinge abzuwälzen. Die Verluste sind jedenfalls sehr be- beutend gewesen— die Russen gestehen über 1000 Mann, barunter 200 Offiziere, ein, und türkische Berichte liegen noch nicht vor. Das Ammenmährchen der Rubelpresse von den in Plewna hungernden nnd massenweis desertirenden Türken dürfte nun außer Cours gesetzt werden. Sonst in Bulgarien nichts von Bedeutung. Die angeblich bevorstehende Uebergabe von Kars ist natürlich eine slberne Ente; Kars ist eine der stärksten Festungen der Welt.. � Um das schmachvolle militärische Fiasko Rußlands in diesem Krieg zu verhüllen, wird jetzt ausgesprengt, das großherzige Rußland, das an Eroberungen nie gedacht, sei ein Opfer seiner Humanität geworden: es habe die Donquixotische Rolle uber� nommen, im Namen Europas und der Kultur eine„Exekutions- campagne" zu führen, und in Folge der unbegreiflichen Hart- köpfigkeit der Türken habe sich diese gemüthliche Urtheils- Vollstreckung in einen höchst ungemüthlichen Krieg verwandelt; ba es nun aber einmal so gekommen sei, werde Rußland auch zeigen, daß es Ernst machen und die Türkei zum Frühstück ver- speisen kann. Die zwanzigjährigen Militär- Vorbereitungen und die zweijährigen Rüstungen aus diesen Krieg waren also tzlos— eine optische Täuschung; oder eine harmlose Theater- Vorstellung„Väterchens"— a U Plewna. — Dr. Rüder hat„zu Recht" erkannt, daß unser verant- wortlicher Redakteur, Helßig, zu 10 Mark Geldstrafe sowie zu 7 Tagen Haft zu verurtheilen sei, weil derselbe„glaubhaft beschuldigt" ist,—„die in London zu Gunsten der politischen Berurtheilten in Neu-Caledonicn veranstaltete Waaren-Lotterie durch Aufnahme von Inseraten in der Zeitschrift„Vorwärts", sowie durch Beförderung von Loosen an die Besteller und durch Annahme und Einsendung der dafür gezahlten Geldbeiträge be- fördert zn haben."—„Glaubhaft beschuldigt"? oho! Darüber wollen wir erst die Meinung des Gerichts hören.— Der „Mecklenburgische Arbeiterfreund", ein Blatt, das wacker für die Interessen der Arbeiter eintritt, hat in der Person seines Re- bakteurs Wettengel auch bereits mit den Gerichten zu thun gehabt. Wegen Verleumdung eines Tessiner Arztes wurden ihm 30 Mark und wegen Beleidigung eines Schweriner Gerichts 60 Mark Geldstrafe zuerkannt. Im zweiten Prozeß wurde des- halb auf ein höheres Strafmaß erkannt, weil der incriminirte Artikel das betr. Gericht in der Meinung der Leser des„Ar- beiterfreund", die dem ungebildeten Publikum angehörten, herabsetze. Aber die Sozialdemokratie hat sich ja gerade die Aufklärung des„ungebildeten Publikums" zur Aufgabe gemacht — warum verfolgt man sie also? — Unbrauchbarmachung von Schriften. Folgende, im Verlagsmagazin in Zürich erschienenen Druckschriften: 1)„Der Militarismus", 2)„Der europäische Krieg", 3)„Das kleine Buch vom großen Bismarck" und 4) die bekannte in Paris er- schiencne Appcllationsrechtfertigung des Frhrn. v. Loü„Fürst Bismarck und die Reichsglocke", in denen von der Staatsan- waltschaft und den Gerichtshof Beleidigungen des Kaisers und des Fürsten Bismarck gefunden wurden, sind auf Antrag des Staats- anwalts Schütz von der siebenten Deputation des Berliner Stadtgerichts am 20. Oktober unbrauchbar gemacht worden. Die Strafanträge des Fürsten Bismarck haben vorgelegen. Ein mysteriöses Schristchen. Die„Bergische Volksstimme" bringt folgenden bemerkens- werthen Artikel: Wer sich an den politischen und sozialen Bestrebungen der Neuzeit aktiv betheiligt, dem stoßen, inmitten der wichtigen Er-> eignisie des Tages, inmitten des Ringens der großen Parteien, der Wahlschlachten und parlamentarischen Kämpfe mitunter ganz unscheinbare Dinge auf, welche für gewöhnlich vergessen werden,' welche aber, wenn sie von einem guten Gedächtniß ausgefaßt werden, dem Beobachter den Indizienbeweis liefern, daß myste-' riöse Elemente thätig sind und unter der Oberfläche des öffent-' lichcn Lebens und Treibens eine geheimnißvolle Maulwurfs- arbeit vollführen. Ein solcher Maulwurf ist dem Schreiber dieses jetzt zum drittenmal in die Quere gekommen, weswegen die Mühe nicht umsonst sein wird, ihn einmal an das Tageslicht zu fördern. Es berichtete nämlich vor einigen Tagen die„Sozmldemo- kratische Correspondenz" Folgendes: „Das Berliner Polizei-Präsidium läßt in allen Buchhand- lungen nach einer Druckschrift mit folgendem Titel suchen: „Ein Europäischer Soldat an seine Kameraden; nachzu- drucken und in alle Sprachen zu übersetzen, in allen Ländern und Kasernen zu verbreiten." Wahrscheinlich, daß hiermit die Durchsuchung der Berliner Kasernen im Zusammenhang steht. Dem Titel nach zu urtheilen, hat man es hier zweifellos mit einem sehr plumpen und zweideutigen Machwerk zu thun, welches anfangs der fünfziger Jahre, als der Spion Hentze Verschwörungen braute und Bomben fabrizirte, verfaßt worden und vielleicht auf einen ähnlichen Ehrenmann zurückzuführen ist. Andere schreiben es Carl Heinzen zu; seine Verbreitung geschah aber durch Bomben-Hentze und Consorten. Auch in neuerer Zeit hat das Schriftchen eine merkwürdige Rolle gespielt. Während des Hochverrathsprozesses gegen Bracke und Ge- nassen und jenes gegen Bebel und Liebknecht fand sich ein Exemplar dieser zu„Hochverrath" und„Königsmord" direkt auffordernden Schrift bei den Akten vor, aber ohne jeden Ber- merk, wo es gefunden sei, so daß schließlich die Richter von diesem„Mädchen aus der Fremde" ganz absahen. Nur eine Quelle wußte merkwürdigerweise, woher die Schrift angeblich stammte, das war die vom„Gründer" Wagener inspirirte „Zeidler'sche Correspondenz". Diese berichtete, daß die Militär- behörde den Mitinternirten Bracke's, Herrn v. Bonhorst aus Lützen entlassen habe, daß man ihn dann bis Chemnitz verfolgt und dort wieder verhaftet habe, und daß bei dieser Gelegenheit bei ihm das geheimnißvolle Schriftchen gefunden sei. Diese„Enthüllung" stand lange vor Beginn des Prozesses in jener Correspondenz, berechnet auf Abdruck in der conser- vativen Presse, und doch fand sich, wie gesagt, in den Akten selbst Nichts davon, daß bei von Bonhorst oder sonst Jemand die Schrift confiszirt sei. Wie kam Wagener, während die Untersuchung noch streng geheim geführt wurde, dazu, zu wissen, was nach„eingehendstem Studium" nicht einmal die Staats- anwälte hernach wußten? Ein hübsches Räthsel!— Doch zum zweiten Fall, wo wir dem Maulwurf begegneten. Als im Sommer 1874 Hasselman» von der Hannoverschen Generalversammlung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins spät Abends nach Berlin zurückkehrte, fand er in seiner Woh- nung an Hundert dieser kleinen, leicht in der Westentasche zu transportirenden Druckschriften vor. Ihn wunderte das nicht gerade, denn da er kurz zuvor im Reichstage mehrere scharfe Reden gegen den Militarismus gehalten hatte, konnte irgend ein unbekannter alter Achtundvierziger ihm dies Geschenk zugedacht haben. Merkwürdig aber war es, daß dieser Verschwörer die Schriftchen nicht unter Couvert, sondern frei für Jedermanns Ansicht unter Kreuzband geschickt hatte! Hasselmann er- innerte sich dann der Äffaire mit der„Zeidler'schen Correspon- denz" und den Hochverrathsprozessen, und da bei einem solchen Vorrath von Exemplaren seitens„haussuchender Behörden" natürlich der„Zweck der Verbreitung" gemuthmaßt wird, die Schrift auch so wie so nichts werth ist, beschloß er, dieselbe sich so rasch als möglich vom Halse zu schaffen und verbrannte so- fort den ganzen Haufen. Und das war gut, denn am nächsten Morgen, früh 5 Uhr, rückten ihm unter der Führung des berühmten Criminalinspcktors Pick vier Polizeicommissare vor das Bett und durchsuchten seine Wohnung so gründlich, daß ihnen keine Stecknadel entgangen wäre, geschweige denn ein solcher Fund. Gegenwärtig spukt nun dieser Maulwurf in Berlin und treibt nicht unexistent gemacht. Das ist in Kürze der ganze Inhalt des Wander'schen Vortrages.,.... t_ Stieber sagt nun darüber zunächst, es sei darin ein„ha- Mischer Tadel der Censurgesetze" enthalten, und meint, die von ihm angestrichene Stelle, in welcher Wander gesagt hat: er alaube die Censurgesetze beachtet zu haben, doch wolle er es nicht behaupten; denn die Instruktionen der Censoren änderten sich wie man die Hand umdrehe, wie das durch die binnen acht Tagen in den Zeitungen einmal zugelassene, einmal verhinderte Besprechung der Schlöffel'schcn Schrift bewiesen werde. r In welchen von Wander's Worten das denuncirte tadelnde Moment seinen Sitz haben soll, ist von Hrn. Stieber nicht an- gegeben. Damit es also der Vertheidigung mcht an einem Gegenstande fehle, muß es, auf die Gefahr hin, ein falsches zu finden, erst aufgesucht werden. (Fortsetzung folgt.) Literarisches. Deutscher Schwerspath. Satyre aus der Gegenwart von Rudolf Röttger. Mainz. Commissionsverlag von I. Diemer. In humoristisch-satyrischer Erzählungsform geißelt dcr Verfasser in recht gelungener Weise den Schund und die Verfälschungen auf allen Gebieten. Wir können das Schriftchen bestens em- �Die freien religiösen Gemeinden und die Sozial- demokratie. Ein Wort zum Frieden. Von Carl Scholl. Heidelberg im Selbstverlag des Verfassers. Commissionsverlag der Buchhandlung des„Vorwärts" in Leipzig.— Unter vorstehendem Titel hat Herr Karl Scholl seinen bei Gelegenheit des Stiftungsfestes der Fürther freireligiösen Gemeinde gehaltenen Vortrag dem Druck übergeben Daß er dabei den sozialistischen Be- strebungen Gerechtigkeit widerfahren ließ, hat unsere Gegner arg verschnupft, und es suchte deshalb auch die Tagespresse m be- kannter Manier den Vortrag todtzuschweigen. Deshalb ist es gut, daß Herr Scholl seinen Vortrag weiteren Kreisen in Form einer Brochüre zugänglich macht, namentlich auch solchen Kreisen, wie der Herausgeber ausdrücklich sagt, wo bisher Vorurthell und Egoismus der Sache der Wahrheit und Gerechtigkeit im Wege stand. Jllustrirter Volkskalender für 1378. Barmen. Her mann Lange's Verlag. Mehrere hübsche Erzählungen, eine große Anzahl Anekdoten, Sinnsprüche, Gedichte— Alles in volksthümlichem Sinne gehalten, machen den Kalender empfehlens- werth. Allgemeine Betrachtungen über die Gesammthan- delsflotte mit besonderer Berücksichtigung der deut- schen Seeschiffahrt. Für die deutschen Schiffszimmerleute zusammengestellt von Heinrich Groß. Hamburg. Genossen- schaftsbuchdruckerei daselbst. Für die zunächst betheiligten Schiffs- zimmerleute ist der Inhalt der kleinen Schrift höchst Wissenswerth. sein„verschwörerisches" Wesen. Wir meinen daher, daß es gu ist, obige Thatsachen recht gründlich zu prüfen; man kommt dann dem Mautwurf auf die Fährte. Kritische Gedanken eines Subalternen über das Verwaltungsfystem der preußischen Staats eisenbahnen. (Schluß.) Bevor durch den vorerwähnten ministeriellen Erlaß Com- Missionen eingerichtet wurden, sind die Geschäfte derselben, aller- dings in etwas beschränkterer Vollmacht, durch Betriebs-Jnspek- tionen geführt. Man möge aber nicht glauben, daß diese Be- triebs- Inspektionen nunmehr als überflüssig beseitigt worden sind. Im Gegentheil, dieselben bestehen noch, haben ihre bisherigen Funktionen beibehalten; nicht genug daran— es sind sogar bei jeder Commission noch sogenannte Bau-Jnspektionen errichtet worden— kurz, man ist bemüht gewesen, soviel Zwischenbchör- den zu gründen, wie nur möglich. Ob dies zur Erleichterung des Geschäftsganges dient, erhellt aus folgendem Beispiel: Erstens: ein Stationsbeamter wendet sich in einer generellen Angelegen- heit an die Direktion. Sein Bericht geht nun durch die Hand a. seines Stations-Vorstehers, b. des Betriebs-Jnspektors, c. der Commission und gelangt dann erst zur Direktion. Viele Köche verderben den Brei— das ist ein Sprichwort, das hier wirklich seine Nutzanwendung findet. Ich kann mich nicht der Ansicht erwehren, als wenn die Eisenbahn-Commissionen, die in der That, wie wohl aus Vor- stehendem ersichtlich, weiter nichts wie erweiterte Betriebs-Jn- spektionen sind, keinen anderen Zweck haben, als um dem Ber- sorgungsinstitut für junge gut empfohlene Assessoren eine noch größere Ausdehnung zu geben. Und diese Herren werden, was ihre Einkommensverhältnisse betrifft, wahrlich nicht schlecht ver- sorgt. Ein eben in den Eisenbahnverwaltungsdienst eingetretener Regierungs-Assessor soll allerdings nach dem Etat nicht mehr als 1800 Mark erhalten und soll dieser Gehalt während der Dauer seiner Hilfsarbeiterschaft auf nicht mehr wie 3600 Mark steigen. Bei dem Minimalgehalte bleibt derselbe jedoch nur ganz kurze Zeit stehen und er hat meist schon nach 2—3 monatlicher Thätig- keit eine Aufbesserung von 900 Mark. Nachdem ihm Sitz und Stimme im Collegium ertheilt ist, erhält er 3600 Mark. Das jüngste etatsmäßige Mitglied einer Eisenbahndirektion erhält 4200 Mark nebst dem tarifmäßigen Wohnungsgeldzuschuß, wel- cher für Berlin beispielsweise 900 Mark beträgt. Dieses Ge- halt erfährt zumeist bereits in Jahresfrist eine nochmalige Auf- besserung von 300 Mark. Auf diese Weise beziffert sich das Einkommen eines Assessors, der, abgerechnet seine Lehrzeit, als Referendarius dem Staat 3 Jahre Dienst geleistet hat, auf 4500 Mark nebst dem Wohnungsgeldzuschuß von mindestens 600 M. Wenn man hingegen das auf 2700 Mark nebst Wohnungsgeld- zuschuß normirte jüngste Gehalt eines Kreisrichters, der den- selben Anforderungen an juristische Bildung genügt haben muß, und der gewiß ungleich mehr zu leisten hat, in Betracht zieht, so muß jeder die Ungleichmäßigkeit einsehen und sich unwillkür- lich fragen, nach welchen Prinzipien die Regierung da wohl ge- handelt haben mag. Weniger günstig gestalten sich die Besoldungsverhältnisse der Subalternbeamten. Sie haben nach bestandenem Sekretär-Exa- men noch jahrelang auf Anstellung zu warten, denn es ist öfter bereits vorgekommen, daß dadurch Ersparnisse erzielt wurden, daß im Etat vorgesehene Sekretärstellen lange Zeit nicht besetzt, sondern durch Hilfsarbeiter verwaltet wurden. Die zwischen der geringeren wirklichen Besoldung und dem im Etat vorgesehenen Ge- halt der Stelle entstandene Differenz kommt dann dem Erspar- nißfonds zu Gute und können diese Ersparnisse, die aus dem sauren Schweiße der armen Subalternen gequetscht find, dann vielleicht zu Remunerationen und Dotationen für die höheren Beamten verwendet werden. Ob dies richtig gehandelt ist, über- lasse ich der Beurtheilung des Publikums. Meiner Ansicht nach ist jeder Arbeiter des ihm versprochenen Lohnes Werth. Die Eisenbahnverwaltungen veröffentlichen alljährlich einen Betriebsbericht. Man möge indessen nicht glauben, daß die- jenigen Summen, welche in den verschiedenen Ressorten als de- finitiv verausgabt mitgetheilt werden, nun auch wirklich die Ge- sammtausgaben der Eisenbahnverwaltung für das betreffende Jahr rcpräsentiren. Die Verwaltungen haben, um nicht über alle Ausgaben Bericht an die Oeffentlichkeit erstatten zu müssen, Ausgabetitel erfunden, der Summen, deren Spezialisirung sich in dem Geschäftsberichte schlecht ausnehmen würde, mit dem Mantel der Liebe bedeckt, indem er sich der Publicirung ent- zieht— es ist dies der sogenannte„allgemeine Baufonds". Dorthin werden alle diejenigen Summen gebucht, welche für — Hans Blum. Wie unsere Leser sich erinnern werden, hat das bekannie Individuum dieses Namens den Genossen Liebknecht auf Beleidigung verklagt, weil von demselben die allerdings unangenehm- Thatsache an's Licht gezogen worden war, daß obengenann.er Hans Blum in seinen„Grenzboten" den Fürsten Bismarck als Urheber der notorisch gefälschten Emser Depesche bezeichnet hatte. Der Prozeß, über den wir nach seiner Beendigung ausführlich berichten werden, zog sich in die Länge; in erster Instanz wurde Liebknecht zu einer Geld- buhe von 300 Mark verurtheilt. Bor etwa 4 Wochen fand nun der erste öffentliche Termin(2. Instanz) statt. Herr Hans Blum, dem persönlich gegenüberzutreten Liebknecht erwartet und gehofft hatte, glänzte durch Abwesenheit, und war nur durch ein Schriftstück vertr?ten, in welchem er Ausschluß der Oeffentlichkeit beantragte, ein Antrag, dem leider nach der Gerichtsordnung ohne Weiteres Folge geleistet werden mußte. So war Liebknecht um ein vergnügtes Stündchen ge- prellt. Die Vertheidigung wurde von dem Angeklagten selbst und vom Rechtsanwalt Frey tag geführt, selbstverständlich in nicht allzu schonen- der Weise für den tapferen Kläger. Der Beweis, daß die von Liebknecht behauptete Thatsache richtig, war leicht zu erbringen, ebenso der Beweis dafür, daß einige mit Bezug auf diese Thalsache und die von Hans Blum dabei gespielte Rolle im„Vorwärts" gebrachte Notizen(zu deren Urheberschaft sich der Angeklagte mit Vergnügen bekannte), die ver- schiedene starke Ausdrücke enthielten, durch maßlose Schimpfereien des Hans Blum provozirt, und, verglichen mit demselben, im Ton höchst maßvoll und natürlich anständig waren. Das schlug durch. Die betreffenden Blumiaden wurden zu den Akten gegeben und vom Gerichts- Hof die Wiederaufnahme der Untersuchung beschlossen und der Termin vertagt. So hätte also Hans sich bis dato umsonst— aus- gezeichnet. O Jerum!(Siehe auch Correspondenz Leipzig.) — Die Moral der heutigen Gesellschaft spiegelt sich recht deutlich ab in dem„Berliner Fremdenführer", einem Blatt, das gratis vertheilt und allen Reisenden in den Bahnzügen nach Berlin eingehin- digl wird. In einer der letzten Nummern finden wir hintereinander zwischen einer Menge ähnlicher Annoncen folgende, meist ständige Annoncen: 1) Ballhaus. Jeden Abend Extra-Tänze von eigens dazu engagirten Ungarinnen, Wienerinnen ec. 2) Baumbach's Casino, Prinzenstraße 80, täglich Tanz bei freiem Entree. 3) Victoria-Salon, Friedrichstraße 179, 1. Cafe Chantant der Rest- denz. Concert einer ausgezeichneten Damen- Capelle, ff. Weine und Biere, gute Küche. C. Ulbrich. 4) Deutscher Reichs-Salon, Friedrichstraße 37, an den Linden, Can- cert-Salon 1. Ranges. Das schönste und feinste Chantant Berlins. Täglich Austreten zehn junger Damen, nur Spezialitäten, sowie Auf- treten der beliebten Chansonette Rosa von Horwarth, des Professors Herrn M. Rößner. Tag und Nachts geöffnet, prompte und f. Bebte- nung. ff. Weine, echte Biere, gute Küche. C. Ulbrich. 5) I-es deantes du jour de Berlin sont aasemblies cliez Mr. E. Mulertt.(Zu deutsch: Die Berliner Schönheiten des Tags sind ver- sammelt bei—), Friedrichstraße 37a. K) Einzig in seiner Art Fremden empfohlen: Restaurant Goldenes HauS, Friedrichstraße 89, E. Schubert. Freundliche Bedienung. Wein und echte Biere. 7) On dit qae se trouvent les plus belies Alles de l'Europe et les plus(!) ineillenrs vins de la France et de rAllemagne dans lo celebre Chäteau Mila Jasper(Man sagt, daß die schönsten Mädchen Europa's lc. sich finden bei—), Berlin, Kochstraße 56. 8) Eine echte Afriianertn und Damen verschiedener Nationalität ser- Viren in R. Mulertt's Weinhandlung, Berlin, Friedrichstraße 37a. Und so weiter! Was in diesen Anzeigen angezeigt, ist, daß es sich um die mehr oder weniger verhüllte Prostitution niederster Art handelt, das weiß Jeder, der mit dem„großstädtischen Leben" einigermaßen vertraut ist. Diese Höhlen des Lasters, die, gespeist von der Corruption, ihrerseits die Corruption wieder speisen, floriren unter den Augen der Behörden, unter dem Schutz des Gesetzes— und Herr Teffendorff, der es für seinen Beruf hält, die Gesellschaft vor den„unmoralischen" Sozialisten zu retten, steht billigend oder gleichgiltig vor diesen Auswüchsen und Be- thätigungen der von ihm vertheidigten Bourgeois-Moral. vtite Unmasse von Beamten, die dem Etat unbequem sind, für alle möglichen überflüssigen Anschaffungen, welche man nicht mit Namen bezeichnen will, verausgabt sind. Ebensowenig wird über den„Neubaufonds", welcher zur Classisicirung derjenigen Einnahmen und Ausgaben dient, die zum Bau einer neuen Bahnstrecke erforderlich(?) sind, Aufschluß gegeben. Bei diesem Fonds ist dem betreffenden bauleitenden Beamten ein so freier Spielraum gelaffen, daß man sich unwillkürlich über die Ver- trauensseliakeit unserer Behörden wundern muß. Zwar ist je nach dem Kostenanschlag eine bestimmte Summe für die betreffen- den Bauobjekte ausgeworfen, aber wenn es nicht ausreicht, so kommt es auf eine Handvoll Noten nicht an und es wird mehr bewilligt. Weshalb wird denn die Thätigkeit der Verwaltung in baulicher Beziehung niemals veröffentlicht, da doch der Bau einer neuen Bahnstrecke gewiß auch das Interesse des Publi- kums erregt und dem Urtheile desselben unterbreitet werden müßte. Ich habe im Vorstehenden vorzüglich die persönlichen und Besoldungsverhältnisse der höheren leitenden Eisenbahnbeamten im Auge gehabt und da. auf hinzuweisen gesucht, wie durch die eigenthümliche Organisation des Berwaltungswesens bei Staats- bahnen die persönlichen Interessen anscheinend absichtslos aber gewiß übermäßig gefördert sind, und wie dadurch die Einnahmen eines Instituts, daß dem Staate wesentlich pekuniäre Vortheile zu bringen im Stande ist, gemindert werden. Es liegt ja auf der Hand, daß, je mehr Mittel der Staat durch seine inneren Einrichtungen, die Jedermann zu Gute kommen, erzielt, er desto weniger zur Erschwingung seiner Ausgaben die Beiträge der Bürger mittelst Besteuerung heranzuziehen braucht. Allerdings, so lange jede Einnahme nur zur Vermehrung der sehr kostspie- ligen bewaffneten Macht, so lange die Steuerschraube trotz der Vermehrung der Einnahme aus anderen Mitteln immer noch mehr angezogen wird, kann es dem Einzelnen gleichgültig sein, zu welchem Zwecke die Steuerbeträge verwendet werden. Ich will damit auch nur sagen, daß dem Staate Mittel und Wege genug offen stehen, um durch Einschränkungen seine Schuldenlast zu vermindern und seine nöthigen Ausgaben zu regeln, ohne den Bürger immer mehr in Anspruch zu nehmen. Ich behalte mir für spätere Zeit vor, die Augen derer, die überhaupt sehen wollen, noch über andere merkwürdige Verhält- nisse in unserem Verkehrswesen zu öffnen. A. S. Correspondenzen< — t StoMerg, 20. Oktober. Neuer Wahlkampf, neuer Wahlsieg! könnte ich im Napoleonischen Bulletinstil schreiben. Nun— es war eine herrliche Woche. Doch lassen Sie mich Einiges vorausschicken. Als Licbknecht's Wahl kassirt worden, war der erste Gedanke eines jeden Genossen im 36. Landtags- Wahlbezirk:„Gut, dann müssen wir die Gegner noch einmal klopfen. Zweimal gehämmert hält besser!" Und man ging ungesäumt an die Arbeit. Zunächst: wer sollte Candidat Nr. 2 sein? Man einigte sich rasch auf Freytag in Leipzig, der allen Genossen durch seine Vertheidigungsrede im Leipziger Hochverrathsprozeß, vielen Persönlich durch unentgeltliche Füh- rung ihrer Prozesse bekannt war. Freytag gehört zu unserer Partei, seit sie besteht, vertritt unser Programm bis zu den letzten Consequenzen— dies zur Notiz für diejenigen Gegner, die sich jetzt für ihre Niederlage damtt zu trösten versuchen, daß Freytag kein eigentlicher Sozialdemokrat sei—, und würde längst ein Reichstagsmandat haben, wenn er nicht bisher hartnäckig jede Rcichstagskandidatur abgelehnt hätte. Man sieht, er ist kein Stellenjäger. Von Bebel, an den man ebenfalls dachte, mußte abgesehen werden, weil er seines Geschäftes wegen und mit Hin- blick auf die Tessendorff'sche Rechnung, welche noch zu begleichen ist, ein sächsisches Landtagsmandat, obendrein für zwei Jahre das einzige sozialistische, anzunehmen durchaus nicht in der Lage war. Die zwingenden Gründe, die ihn zur Ablehnung der Eandidatur in Chemnitz veranlaßten, bestehen in voller Kraft fort. Dies zur Information für auswärtige Parteigenossen. Die fast wie„Ueberrumpelung" aussehende urplötzliche Anberau- mung der Wahl auf den 17. d. verblüffte uns nicht— das Schiff war„klar zum Gefecht". Am Sonntag, also drei Tage vor dem Wahltermin, begann die eigentliche Campagne. Schon Tags zuvor war Kayser aus Dresden gekommen, um das Centralcomits in Lugau zu unterstützen. Sonntag Mittag brachte die Leipziger Bahn Liebknecht und Hasenclever. Und nun ging's lustig an die„Sauhatz"— a 1» Bismarck, aber mit mehr Glück. Das Wetter war prachtvoll, echtes Sozialistenwetter, die Sonne lachte vergnügt herab auf unsere Treibjagd. Unser Wild, ein alter Keiler und ein junger Frischling, gingen nicht aus dem Versteck heraus, hielten sich„perdu", wie es in der Jägersprache heißt. Nur unsaubere Spuren des Keilers in Gestalt schmutziger Wahlaufrufe und ditto Zeitungsnotizen, waren zu finden. Doch das„Bersteckensspielen" half nichts— oder richtiger, es half doch, aber uns. Mittlerweile war auch Frey tag aus Leipzig eingetroffen(Montag Abend), und daß er der einzige Eandidat war, der den Muth und den Anstand hatte, sich den Wählern persönlich vorzustellen, das nützte unserer Sache sehr wesentlich. Im Ganzen hatten wir 10 Versammlungen: Freytag zusammen mit Liebknecht 3, Liebknecht außerdem noch 2, Hasenctever 4, Kayser 1. Der Verlauf durchweg ausgezeichnet. Unsere„Agi- tatorcn" thaten ihre Schuldigkeit und Freytag's ganzes Auf- treten machte einen höchst vortheilhaftcn Eindruck. Ein großer Theil der gleichgiltigen oder uns bisher feindlichen Wähler wurde „moralisch erobert".„Wenn das Sozialisten und sozialistische Lehren find, dann sind auch wir Sozialisten", konnte man nach den Versammlungen oft aus dem Munde wohlhabender Männer hören, die mit den gang und gäben Ammenmährchen vom „Theilen" im Kopfe hergekommen waren. Die volle Wirkung unserer Agitation wird sich indeß erst allmälig bemerkbar machen. Genug— Alles klappte, und als der Wahltag anbrach, waren wir unserer Sache sicher. Das Wetter hatte sich unterdessen un- angenchm verschlechtert: Sturm, Schnee, vermischt mit Regen. Doch einen Sozialdemokraten schreckt das nicht ab. Mit dem frühesten Morgengrauen waren die Genossen auf den Beinen. Die Wahl- lokale wurden besetzt, die Säumigen an ihre Pflicht gemahnt. Und es ging. Die Betheiligung war eine sehr gute, und wir sahen sofort, daß die Majorität uns gehörte. Abends waren wir in Lugau versammelt, um die Resultate zu erfahren und zusammenzustellen. Lauter Siegesbotschaften. Indeß erst gegen Mitternacht— der weiten Entfernungen wegen — wußten wir, daß wir die Majorität hatten. Hurrah! Der 19. September glorreich bestätigt durch den 17. Oktober! Der Feind doppelt geschlagen! Die Bresche, die man schon wieder verrammt zu haben glaubte, von Neuem geöffnet, breiter als vorher, und der erste Sozialist sitzt im sächsischen Landtage. Vivat sequena!— nein, vivant aequentes 1 Es leben die Nachfolger! In zwei Jahren wird Freytag Gesell- schaft haben. Die Stimmung ist hier eine außerordentlich günstige, hätte! uns ein einziger Kandidat gegenübergestanden, wir hätten doch gesiegt. Kein Zweifel, wir haben bedeutend an Terrain ge- Wonnen: die nächsten Wahlen für Landtag und Reichstag werden das zeigen. Wir aber sind stolz, daß unser Wahlbezirk den„Schimpf" (es wurde in einem conservativen Wahlflugblatt als Schimpf bezeichnet, wenn ein Sozialdemokrat gewählt würde), von sich abgewendet hat, durch einen Jasager im Landtag vertteten zu sein, und daß er sich die Ehre erhalten hat, den ersten Sozialisten in einen Landtag geschickt zu haben. Leipzig, 23. Ottober. Unser Hans Blum hat bekanntlich mit Fürst Bismarck die Eigenschaft gemein, daß er kein Urtheil, das nicht Lob ist, vertragen kann und gegen Jeden, der sein nicht lobendes Urtheil über Hans Blum ausspricht, mit einer Anklage bedentt. Ob er es schon zu„Formularen" gebracht hat, wissen wir nicht. Brauchen könnte er sie jedenfalls. So hatte unser Hans neulich wieder einen Prozeß wegen irgend einen Lappalie, in dem es ihm auch gelang, seinen zwei Wider- Parten je 70 und 30 Mark Buße auflegen zu lassen. Ueber dieses Prozeßchen in majorem Hansii gloriam, zur größeren Ehre des Hans, bringt das Organ für Schweinsknöchel und Klöse(vom heutigen Tage) einen Artikel, der genau eine Spalte lang, vermuthlich von einem Individuum, dessen Namen mit B. anfängt, verfaßt ist, und u. A. folgenden Passus enthält, der uns näher angeht: „Weiter enthält der zweite Artikel(wegen dessen Hr. Hans Blum geklagt hatte) die Wiedergabe der von Seiten des So- zialdemokraten Liebknecht gegen Dr. Blum ausgesprochenen Anschuldigung, daß Letzterer als Schriftführer des Reichsvereins die Aeußerung gethan habe, der deutsch-französische Krieg sei von deutscher Seite freventlich in Folge einer gefälschten Depesche angefangen worden; es handelt sich also um Verbreitung einer(nach Maßgabe der in Pri- vat-Anklagesachen Blum's gegen Liebknecht ergangenen Akten) nicht erweislich wahren Thatsache, welche geeignet erscheint, den Privatankläger in der öffentlichen Meinung herab- ! zuwürdigen und verächtlich zu machen." So viel Sätze, richtiger: so viel Satztheile, so viel Unwahr- heiien. Der„Sozialdemokrat Liebknecht" hat es nicht mit dem „Schriftführer des Reichsvereins", der ihm domo ignotua ist, zu thun, sondern mit dem Redakteur des„Grenzboteu", der„erweislich" Hans Blum heißt; und die Thatsache, welche Liebknecht von besagtem Hans Blum behauptet hat, ist nicht blos„erweislich", sondern erwiesen wahr. Das corpua delicti liegt bei den Akten. Wenn diese Thatsache„geeignet erscheint, den Privatankläger in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen und verächtlich zu machen", so ist das nicht Licbknecht's Sache. Irankfurt, 18. Oktober. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, sei von vornherein zugestanden, daß Frankfurt in festlichem Schmucke prangte, in einem Maße, das die kühnsten Erwartungen der Gutgesinnten übertrifft und über das auch Mancher von uns bösen Reichsfeinden— deren Anzahl ja bekanntlich Legion ist— in Erstaunen geräth. Bei enigermaßen nüchterner Betrachtung wird man sich aber sagen müssen, daß zu solchem Erstaunen kein Grund vorhanden ist. Zunächst kann man es ja den zahlreichen Fahnenstangen, Kränzen und Guirlanden nicht ansehen, ob sie auf Wunsch der Obrigkeit aufgestellt— und gesteckt wurden oder aus eigenem Antriebe der Bürgerschaft. Dann aber zerfallen die, welche ihre Häuser schmückten, ohne dazu einer Auffordernng zu bedürfen, in mancherlei Categorien; doch davon später. Daß es überhaupt möglich ist, daß in Frankfurt elf Jahre nach der „Eroberung" ein preußischer König mit solchem Enthusiasmus aufgenommen wird, einerlei ob man denselben als„gemacht" oder als ursprünglich betrachtet, wird den nicht wundern, der sich einigermaßen auf die Wandlungen im Volkscharatter ver- steht. Shakespeare hat sie im Cäsar mit unvergleicher Wahrheit und Lebendigkeit geschildert und auch in der Bibel folgt das „Kreuzigt ihn" dicht nach dem„Hosiannah". Doch seien wir ge- recht gegen die guten Frankfurter und referiren wir kurz die Gründe, welche dieser Feier einen so unerwarteten Erfolg zu Theil werden ließen. Vor allen Dingen muß erwähnt werden, daß alle die, welche diese Feierlichkeiten nicht billigen, nichts thun können, als sich schweigend fern zu halten. Daß in der Presse keine Opposition dagegen gemacht wird, dafür ist schon gesorgt; auch wacht unsere vielbeschäftigte Polizei sorgfältig über jedes unvorsichtige Wort, was schon einige zu ihrem Schaden erfahren mußten. Nach diesen Passiven sind nun Diejenigen zu erwähnen, welche die Mehrzahl der Massen bilden, die im Mo- ment, da ich dies schreibe, die Straßen überfluthen, die Gleich- gültigen, welche überall mitlaufen, wo sich Menschenhaufen zu- sammenfinden und welche, wenn wir demnächst(hoffentlich recht bald) eine Freiheitsfeier veranstalten, auch dabei sein werden. Soweit hatte ich geschrieben, als ich durch die Ankunft des Zuges unterbrochen wurde. Theils um ein richtiges Urtheil zu gewinnen, theils aus anderen für die Leser nebensächlichen Gründen, begab ich mich ins Vorderhaus ans Fenster. Es war in der That ein stattlicher Anblick, draußen die reich illuminirten Häuser, die hin- und herwogenden Volksmaffen und den sehr gut geordneten Fackelzug zu beobachten. Der Kaiser zeigte sich einige Augenblicke auf dem Balkon des Postgebäudes und wurde mit Hurrah begrüßt. Ich mußte unwillkürlich an einen Abend denken, den ich neulich in der hiesigen Rollschlittschuhbahn zu- brachte; es schien mir, daß der Enthusiasmus, welchen die „Künstler" erregten, die dort das Publikum ergötzten, anhaltender und tiefer war. Vielleicht ist aber die wenig loyale Construktton meiner GeHörapparate schuld an solcher Wahrnehmung. Doch lassen Sie mich in meiner Schilderung der Festtheil- nehmer fortfahren. Ein großer Theil derselben besteht aus den nationalliberal- conservativ- reaktionär- monarchisch- preußisch Ge- sinnten, worunter wieder eine Anzahl ist, welche hofften, daß die kaiserliche Gnadensonne einen Abglanz ftn ihr keusches Knopfloch zaubern werde, andere, welche auf die Zier ihrer Schilder durch ein„K. K. Hoflieferant" hoffen. Wieder ein Theil, der sich noch gut Frankfurtisch nennt, meinten Seiner Majestät nicht den preußischen König, sondern das Symbol der deutschen Ein- heit zu feiern; als ob der preußische König vom deuffchen Kaiser zu trennen wäre. Dann kommt es der Festlichkeit zu Gute, daß der Kaiser doch persönlich eine durchaus ehrenwerthe und an- sprechende Natur ist; auch ehren Viele in ihm den Greis. Wohl hundert Mal habe ich den selbstbeschwichtigenden Ausdruck gehört: „So ein alter Mann!" Endlich muß ich derer gedenken, welche es dem Interesse Frankfurts entsprechend erachten, dem Kaiser einen solchen Empfang zu bereiten. Die Einen meinen oder sagen wenigstens, daß nun unser neues Theater zu einem Hoftheater erhoben werden, daß das Reichsgericht seinen Sitz in Frankfurt nehmen würde und dergl. mehr. Mich erinnert das von der Ferne ge- zeigte Reichsgericht immer an das Spiel der Kinder mit jungen Katzen, welchen sie ein an einem Faden gebundenes Röllchen vorhalten, um dasselbe, so oft das Kätzlein danach haschen will, rasch wegzuziehen. Ob sich diese sanguinischen Hoffnungen er- füllen werden, scheint mir sehr fraglich, vielmehr glaube ich an- nehmen zu dürfen, daß alle die Anstrengungen, welche Frankfurt machte, das Vergessen der Vergangenheit nur----poxir le roi de Prusae" waren. o. Die englischen Steinhauer an die Arbeiter von Deutschland! Arbeitsgencssen! Wir fühlen, daß das edle Betragen der deutschen Steinhauer, welche bekanntlich nach England gebracht wurden, um den Bestrebungen ihrer Fachgcnossen entgegengesetzt zu werden und die, sobald ihnen die Thatsachen und der Zweck derer, durch deren falsche Aussagen sie in eine ungünstige Stellung gerathen waren, bekannt wurden, aus freiem Willen mit ihren Londoner Genossen gemeinsame Sache machten, mehr als eine vorübergehende Beachtung verdient. Als wir zuerst von dem Versuche hörten, daß Arbeiter aus Deutsch- land importirt werden sollten, um den Slrike der Londoner Steinhauer ein Ende zu machen, hielten wir es für sicher, daß falsche Aussagen und Vorspiegelungen angewandt worden waren, um Euch aus Eurer Heimath zu locken, und daß, hätte man Euch die Wahrheit gesagt. Ihr nicht bereit gewesen wäret, irgend einer löblichen Bestrebung Euerer Arbeitsgenossen in England oder anderswo entgegenzutreten. Dieses ward durch Eueren einmüthigen und enthusiastischen Anschluß an unsere Sache vollkommen bestätigt. Euere Ankunft unter uns, welche als der Anfang des sozialen Krieg? zwischen den deutschen und den englischen Arbeitern von unseren Gegnern angesehen wurde, hat die gegenseitige Anerkennung unserer gemeinsamen Interessen zur Folge gehabt und den Grundstein zu einer dauernden Allianz gelegt, und wir geben uns der Hoffnung hin, daß sich dieselbe nicht nur bald auf jede Stadt der beiden Länder erstrecken wird, son- dern, daß sie fortdauernd an Ausdehnung gewinnen mag, bis die ge- sammle Arbeiterklasse von Europa und Amerika hinreichend miteinander bekannt wird, um zu verhüten, daß der Arbeitskraft der Einen die Ar- beitskraft der Andern, selbst auf die temporärste Weise, fein-dlich ent- gegengestellt werden kann. Die Zeit ist vorbe, den Arbeiter als willen- lose Kriegsmassc zur Zerstörung der Völker zu benutzen und das Erkennen unserer beiderseitigen gemeinsamen Interessen ist eine Lektion, welche die Herrscher wohlthun werden, zu erkennen. Gegenseitiges Mitgefühl und die Identität der Interessen überwinden leicht die Sprachschwierig- leiten und unser Zusammenkommen heißt Verbrüderung. Wir legen nochmals Zeugniß ab für den männlichen Charakter un- serer deutschen Genossen. Unser Umgang mit ihnen, obgleich kurz, hat uns mit der größten Bewunderung und Hochachtung erfüllt. Der ge- müthlichen Stunden, welche wir in ihrer Gesellschaft zugebracht, werden wir stets init Freude und Vergnügen gedenken und als wir uns am Ufer der Themse von ihnen trennten, empfanden wir, daß wir Män- nern und Brüdern„Lebewohl" sagten. Wir wünschen Euch Glück zu Euerem Werk, die Arbeiter Deutsch- lands zu vereinigen und versichern Euch unsere Bereitwilligkeit, mit Euch in Verbindung zu treten und auf jede mögliche Weise beizustehen, wann immer sich die Gelegenheit darbietet Mit tiefster Hochachtung verbleiben wir im Bunde der Arbeiter- Brüderschaft die Eurigen. London, den 16. Oktober 1877. Im Namen der englischen Steinhauer: Albert Werber. Berichtigung. In dem Leitartikel der vorigen Nummer:„Das Resultat der Wahlen in Frankreich" sind in einem Theil der Auflage zwei Druckfehler enthalten: In der zweiten Spalte 5. Zeile von oben muß es heißen:„sind noch nicht vorhanden" und in der 14. Zeile von oben:„war die Verhinderung zc. k." Briefkasten der Redaktion. E. B. in Zwenkau: Der sogenannte Reptilien- fond, über den Bismarck verfügt, besteht aus den Zinsen(ca. 7-800,000 Thlr.) des vorläufig consiscirten Vermögens des Königs von Hannover. Der Reptilienfond heißt auch Welfenfond.— S.— G.:„Ein Beitrag über die Zustände des modernen Theaters" wird, wenn auch erst in einiger Zeit, im Feuilleton des„Vorwärts" erscheinen.— a in H.: Das Gedicht eignet sich aus verschiedenen Gründen, die wir im Brief- kästen nicht angeben können, nicht zur Aufnahme in unserem Blatte. Quittung. Schrdr Cöln Ab. 3,00. Gewcrkvcrkverem d. Sattler Wien Ab. u. Schr. 6,70. I. Thlr Jassy Ab. 6,00. Brthl Jankowitz Ab. 6,00. H. Rdgr Halle Ab. 20,00. Zmmrmnn hier Ab. 4,3£>. Zfch Neurendnitz Ab. 9,20. Schuhmachergewerksch. Wien Ab. S,14. Hlzngr Wien Ab. 1,37. Mcknsy Düsseldo-f Ab. 7,00. Zhtnr Darmstadt Schr. 26,80. Sprngr Aachen Schr. 1,08. Hbr Obermeißn Schr. 0,50. I. Krjc Staußen Schr. 2,50. Khn Niederspaar Schr. 3 50. Grbnstn Lindenau Schr. 3,80. Stphn Oschatz 0,60. Fonds für Gemaßregelte. Von Brendels Schneiderwerkstatt hier 3,00. Anzeigen Korbmacher-Bund. opuUlvUlj}. Sonnabend, den 27. Oktober, Abends 8»/, Uhr„ im Salon zum Roland: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Halbjährige Abrechnung. 2. Vorstandswahl. 3. Die Organisation der Gewerkschaften.(80 F. Wirckeling. CkitytmxtMyv Sonnabend, den 27. Oktober, findet im Ball- �)NNNv0rr. hofsaale die(F. 164)(1,50 Hodtenseier Aerdinand Lassalke's statt. Anfang halb 9 Uhr Abends. Parteigenossen seid alle am Platz. Das Comite. 'rmmlrcvr' Montag, den 29. Okt 1877, findet im Saale des «ytUUll/lAI-. Union-Garten, der diesjährige Herbst-Ball der Schneider statt. Gesinnungsgenossen und Freunde laden wir hierzu ein. (F 160) DaS Fest-Comitö. Central-GewerkschaftS-Krankenkasse Leipzig. der Metallarbeiter. Sonnabend, den 27. Oktober, Abends halb 9 Uhr, bei Herrn Hunse, Roßstraße Nr. 4d: Generalversammlung. Tagesordnung: Neuwahl. Abrechnung. Aufnahme neuer Mit- glieder.(0,90 Zahlreiches Erscheinen erwünscht. R. T. Prachtvoll und solid gearbeitete Einbanddecken