ichcir den die, liche nur- -ache erscheint i» Leidig M<««»>»ch. Freitag, Savutag. »do»»ea>e>etS»rets ->-zj Teutichland t M, S««.»r» Quartal. Mauali. ÄbHuuexreuti aerdai dei allen deutschen Postaultallea vi? deu S. und». Monat, und aus den 3. Monat besonder« angenommen: im »nigr. Sachsen und Heriogth. Sachsen- tlltenburg auch aus den ilen Monat de» Quartals k M Big. Inserate «et. Beriammlungen pr. Petitzetle tv Ps., d-tr. Brioatangelegenheite» und Feste vr» Petit, eile 30 Ps. Veisclluiizrn netnneu an alle Postaastalten und Buch. aaudlmlgen de« In- u. Auslande«. Filial- Expedit ionen. Aew-Dork: soi.-demolr»ienossen- schastsbuchdruckerli,>3.» I'llllrul?« Ste. Philadelphia l P. Hah, 030 livrtli 3"> Slronl I. Boll, nun Charlotte Str. Hohokeii N.J.: F. A. Sorge, Zlb Waah- in�ton Str. Chicago: A. Lanfermann, 74(>1)d(>uruo»v». San Franzisco: F. Eng, ilS O'Karrell Str. London W.: C. Henze, k Hew �»tr, Goldea Square. Kmtra5 Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Rr. 127 Sonntag, 28. Oktober. 1877. montanen an'jugendlichem Feuereifer.' Nur selten zeigt die So- zialdemokratie ihre wahren Ziele. Unter dem Borgeben: Frei- heit, Bildung und materielles Wohlergehen zu erstreben, hat sie in Wirklichkeit die Aufhebung aller Familienbande,(I) wonnemenls auf den„Vorwärts" S|™S ÄS? Ä f»r die Monate November u. Dezember zu 1,10 M. werden bei i � �"lttamontane Pa�i An �chlauhe.t und Organ,at.°n allen deutschen Postanstalten, für Leipzig pr. Monat zu 60 Pf. �letztne� gle.ch. �u�erw� Ultm bei der Expedition, Färberstr. 12 11, unserm Colporteur M. Ulrich, Hohe Str. 23, Hof Part., in den Filialen: Cigarrenladen des Hrn. PeterKrebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkst, am Königs- platz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpedittonen: für P»rk«arsdorf, Hleuduitz, Aeuschönefekd u. bei Frau Engel, Neudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr., für Konuewitz:c. bei Hackert, Kurze Stt. 10 pari., für Kleiazschscher u. Umgegend bei Trost, Hauptttt. 10/l, für Thonberg bei B ösch, Hospitalstr. 39/11, Leipzig, Nenrendnih bei Zschau, 151, für �kagwitz-Lindena» bei Frau �räfenstein, Aurelienstr. 3, für Koökis zc. bei A. Herms- dorf, Lindenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Papiermühle, angenommen. Für Aertiu wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf., frei iu's Hans abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien V, Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a, und bei Rubenow, enstr. 34, im Laden. zwar ein unendlich viel günstigeres, als es in Wirklichkeit vor- zukommen pflegt. Vermögen Sie danach zu begreifen, Herr Pastor, wie ein denkender Mensch, ohne vo» Genußsucht. Habsucht, Neid, Klassen- haß und dergleichen moralischen„Jrrthümern" getrieben zu sein, sich nider die bestehende Gesellschaftsordnung erklären kann? Vermögen Sie den„empörenden Undank" zu verstehen, der oft Arbeitern vorgeworfen wird, die trotz der„besten Behandlung" aller geordneten Staatengebilde,(!) ja aller Errungen- von Seiten�ihrer Dienstherren der sozialistischen Anschauung treu bleiben? Sehen Sie ein, daß auch die größte christliche Milde, die aufopferndste Wohlthätigkeit, so sehr wir den Menschen, der sie übt, zu achten vermögen, uns nicht bestimmen kann, Unrecht für Recht zu halten. Hören Sie, ivas A. Samter— ein Richt- sozialdemokrat— in seiner Soziallehre(p. 180) sagt:„Die Wohlthätigkeit ist nicht zu entbehren, aber sie ist nicht nur that- sächlich, sondern prinzipiell unzureichend. Nicht das Mitlest» darf das die Welt beherrschende Prinzip werden, sondern das Recht.... ein lebensvolles Recht, das man aus der auer- kannten Gleichberechtigung der Menschen wird abzuleiten ver- mögen, welches statt Almosen der Nächstenliebe zu geben, volle Anerkennung berechtigter Forderungen zugestehen wird." Das sch asten der Kunst und Wissenschaft(!) im Auge. Die Sozialdemokraten find also in Wahrheit die ärgsten Reaktio- näre. Daß diese Partei so sehr erstarken konnte, ist lediglich in der Uneinigkeit und Unthätigkeit der liberalen Parteien zu suchen. Möge es diesem Congresse gelingen, die begangenen Fehler wieder gut zu machen, dann wird auch der gewünschte Erfolg, unsere civilisatorische Gesellschaftsordnung vor wüster Anarchie zu bewahren, nicht ausbleiben." Seine ferne Dulcinea konnte dem braven Don für diese erste Heldenthat in dem Kampfe nicht danken; aus den Äußerungen der„Magdeburgischen Zeitung" geht sogar hervor, daß ihm der Dank der Liebsten überhaupt nicht wird— desto unbändiger aber geberdeten sich die Sancho Pansa's, sie riefen:„Heil dem Bewußtsein, daß wir im Recht sind, daß mit eherner edien Drachenbezwinger!" und nur einige der klügeren schnitten Roth wendigkeit unsere jetzige Geiellschaftsperiode dahin führt, hinter dem Rücken des Ritters demselben allerlei höhnische Ge- die Armen zu Sclaven der Reichen zu machen, daß die er. Sclaverei früherer Zeit in ihrer ganzen Schwere, nur verhüllt Erster Hieb des Don Quixste:„Aufhebung aller Familien- und modernifitt fortbesteht, daß sie kein Wohlwollen, keine Mild- bände— Antwort: Franz Dunckcr, Mäxchens Freund. Zweiter thätigkeit, kein Gesetz, welches auf der heutigen Rechtsordnung Hieb:„Aufhebung aller geordneten Staatengebilde"— Ant- basirt, sondern nur eine Aendcrung der Grundlagen dieser Orb- wort: Hungersnoth unter deutschen Arbeitern, Gründetthum, nung aufheben kann: dies Bewußtsein erzeugte den Sozialis- Waldenburgcr Strike. Dritter Hieb:„Aufhebung aller Er-�mus; und die tiesinnere Ueberzeugung, daß dies Bewußtsein ein rungenschaften in Kunst und Wissenschaft"— Antwort: Geld- sittliches ist, gibt uns die Kraft, über die Sie jetzt schon zitternd sacksmäcenenthum, das heutige obscvne Theater, Schlachtengemälde, staunen. bataillonsweise Aufstellung von B'.smarckbusten auf der Aus-' Und da reden Sie von unlautcrn Beweggründen! edlen"Drachn.belwinacr Schüdknappen"von'denen"sich lm'Laufe N�ung zu Philadelphia, Tühringaffaire, jüngste Rede des Herrn Haben Sie keine Empfindung dafür, wie tief eine solche des Wortkampfes übrigens viele als ungetreu zeigten. Vcrchow. � � t> Unterstellung das Herz ledes ehrlrcheu ivoz.aluten verletzen muß? Nicht ein Ritter hatte Heeresfolgc geleistet, nur untergcord- Doch wir werden allzu ernst m unserer Abwehr. wie empörend es am alle die wirken wnd d.e sie für e-nen -'■-'•---- Folgen Wir der Drach-nbekäwprung weiter. j besser luUanchttttn Mann halten? Wühlen sw nicht, daß Sie Der edle Max legt ein fortschrittliches Programm vor. Die mit solchen Thesen im eigene» Fleische wühlen, und nur dahin nationalliberalen Sanchos weigern sich, Heeresfolge zu leisten, arbeiten, daß die Menge, deren Augen sich mehr und uiehr sie wollen nicht unter einer bestimmten Fahne marschiren, son- öffnen, Ihnen noch energischer als biehcr den Rücken kehrt? dern lediglich dem verwaschenen antt-sozialistischen Lappen folgen. Wäre es nicht ein passend. r-s Ziel Ihres Strebens, Herr Deshalb großes Geschrei unter allen übrigen Sanchos. Einige der Pfarrer, wenn Sie. Patt derartige Anschuldigungen zu codifi- fortschritllichcu wollendienationalliberalenMittödter hinauswerfen,-i—------<—>-------- a— r-t— sie besteigen schon kampfesmuthig ihre Grauchen, diese schütteln Anti-sozialdemokratische Komödie. Da waren sie in Gera zusammen, die Herren Max Hirsch, Polle und Genossen und beriethen, auf welche Weise man den ftchter� Drachen des 19. Zahrhunderts, die Sozialdemokrotie. vernichte. Der moderne Ritter St. Georg, der aber eine verzweifelte Aehn- lichkeit mit dem Ritter von la Mancha besitzt, hatte zunächn in den Berliner Bezirksvereinen Allarm geschlagen, um 24 Sancho Pausa's zu werben, die ihm denn auch als Stütze und Beirath auf feiner abenteuerlichen Drachenvernichtungsreise von den Ber- � R 2) och� a u ch1 aus"b e m™ g a n z e n"b � u t J ch e n Reiche sandte man dem � bataillonsweise Aufstellung' von Bismarckbüsten auf dir Aus- nete Kämpfer, auf deren Schild al? Wahlspruch das Wort:„ig- norantia" prangte, waren herbeigeeilt, den hohen Helden Max von la Mancha in seinem Kampfe zu unterstützen. lieber diese Drachenbekämpfung in Gera, die zwei Tage, den 21. und 22. Oktober dauerte, schreibt die gewiß sehr antt-sozial- demokrattsche„Magdeburgische Zeitung" folgendes: „Der mit einigem Geräusch nach Gera berufene„anti-sozial- demokratische Arbeitercongrcß" ist nach zweitägigen Berathungen unter den üblichen Formalitäten gestern geschlossen. Selbst seine Freunde weiden nicht in Abrede stellen, daß die Verhandlungen über die Schulreform und die Lehrlingsfrage nichts Neues zu Tage förderten. Wenn die schließlich angenommenen Resolu- ttonen frei blieben von allzu großen Ausschweifungen, so war dies nicht das Verdienst der Berliner Wortführer; welchen be- sonderen Erfolg aber man von jenen landläufigen und trotzdem anfechtbaren Thesen sich verspricht, ist nicht abzu- sehen. Seine Physiognomie erhielt der Congrcß durch die Ver- Handlungen über das Programm und die Statuten. Auf einer Seite mar man so offen, das Aushängeschild„antt-sozialde- mokratisch" zu verwerfen; aber es gelang, die Majorität der Versammlung zur Aufrechterhaltung jenes Beiworts zu bestimmen. Die Führer fürchteten den Vorwurf der Jnconsequenz so wenig, daß sie in demselben Athemzuge die Vereinigung mit den Eon- servativen zur Bekämpfung der Sozialdemokratie verwarfen. Gegen die Nationalliberalen ließ man etwas mehr Rückficht walten. Zwar fand sich ein entänt terriblk!, welches kurzweg erklärte, ein Zusammenwirken der Fortschrittler und der Ratio- nalli beraten sei unmöglich; jedoch glaubte der Präsident diesen Ausfall durch Ermahnungen zur Einigkeit die Spitze abbrechen zu müssen und zu können. Die Wahrheit fand aber nicht nur ciren, vielmehr einmal ernsthaft darnach forschen wollten, ob die •■:»-ff ß fS■ heutigen Verhältnisse dazu angelhan sind, wahre Sittlichkeit zu allerdings die langen Ohren, denn sie sind verständiger als ihre verbürgen? Gerade Ihnen, Si. Prediger der Religion der Liebe. Herren, sie wissen, daß unter einem natlvnalllberalcn und einem �r Sie die Mensche» zur Sittlichkeit führen wollen, muß ei fortschrittlichen Esel gar kein Unter, ir.cd ist. darauf ankommen, zu erkennen, von welchen Bedingungen diese Der Tumult wird trotzdem immer größer; da besteigt Don j überhaupt abhängig ist. Ist sie wirklich so ganz unabhängig Max zum zweiten male seine Rostnante. und unter einem tiefen von der materiellen Lage des Menschen? Diese so ganz gleich- Seufzer über seine ungetreue wankelmüth'ge Dulcinea halt er qült.g für ihr Bestrhen? Manchmal scheint es, als wenn Ihre Partei das glaubte. Nach Ihrer vietten These meinen Sie uns durch„moralische Mittel" bekämpfen zu können. Soweit dar- eine Beschwichtigungsrede. Die Sanchos wurden schließlich einig und rüsteten sich zum gemeinsamen Kampfe gegen die Sozial-____ � �_______ demokratte. Es war nämlich Mittag geworden und das Festdiner unter nicht die Mittel.«oral, scher Ordnung" der sanften Ge- begann. � walt des Staates, dir Ihr Herr Amtsbruder, der Militärpastor Das war ein Hauen, ein stechen und Würgen— leoer Struck gern noch mehr gegen uns aneifern möchte, verstanden Sancho sah in einer Gcracr Bratwurst einen Sozialdemokraten sind, können Sie nur«eine«, es ließe sich durch bloße Predigt und in einem Stück Kälbsbraten einen„Führer" derselben.------~...... Der schönste Sieg wurde erfochten; der Drucke war schwer verwundet, und gerührt sanken sich die Sieger mit einem„Gott sei's gelobt"— es waren auch Priester dabei— in die Arme und weinten weinselige Siegesthränen.--— Am anderen Tage ging's weiter fort in der Bekämpfung der Sozialdemokratie. Ein Sancho war über Nacht von seinem Grauchen, das klüger war. als die Sancho's, über die Esels- streiche des vergangenen Tages belehrt worden und rebellirte schon früh Morgens. Er wollte durckaus das Wort„antt-sozial- demokratisch" im Programm gestrichen haben, da sich unter sol- ohne Aenderung der materiellen Verhältnisse, die Gefahr deS Sozialismus wirksam bekämpfen.— Das sieht ganz danach aus, als ob Sie glaubten, es gäbe in diesem an reale Verhältnisse geknüpften Leben eine Moral, die sich von allem Realen los- lösen könnes, und auf magifche Weise ins Menschenherz ein- pflanzen lasse. Lassen Sie sich von Herrn Pfarrer Malthus— der ein sehr„ftommer" Mann war— entgegnen:„Wenn Dürftigkeit nicht gerade Laster gebiert", sagt er(Bd. 2 S. 191 in der Uebersetzung von Hegewisch),„so lähmt sie doch jede Tu- gend. Die fortwährende Versuchung zu gesetzwidrigen Hand- lungen, mit welcher hoffnungslose Armuth zu kämpfen hat, und Ingrimm über ungerechte Satzungen in der menschlichen Gesell- schaft, der in der Regel damit verbunden ist, aus Unwissenheit der eigentlichen Ursache, strebt so mächtig, das Gemüth versauern, das Herz zu verhärten und das Ge- ÄtÄÄUlÄ cher Firma' doch zirksvereine wollet, wenn auch nicht ohne Widerspruch, so doch servativen) unter das Banner des Ebfcn von L- Mancha sam- maßgebend in dem sogenannten„antt- sozialdemokratischen Eon- E a, � Doch dleftr B Mors.« nuten R�tb greß". Indessen nicht nur die falsche Flagge, unter welcher überstimmt, denen ihre Grauchen in der l.ackt kemc guten Rath-�u versauern, das Herz zu verhärten und der Eongreß segelt, auch die Führerschaft erregt Miß- �schläqe ertheilt hatten. � �.! fühl für das moralisch Schöne zu vernichten, daß. im Allge- trauen, ttr. Max Hirsch wird, wenn nicht überhaupt, so doch sicher Und zum drittenmal bestieg der edle Ritter von la Mancha meinen gesprochen, die Tugend aus dem ekelhaften Winkel ganz außerhalb desKre.ses seiner nächsten Parteigenossen nicht für den seme Rosinante; er ledete seine ewig serne Dulcinea an, � und jar wegzufliegen und nur silten wiederzukommen pflegt." geeigneten Mann gelten, die an die Gründung des Eon- mit den üblichen Schlußworten ftmen Sancho s und erklarte_ Sie werfen uns vor, Herr Pfarrer, wir gingen von einer gresies so fiegesgewiß geknüpften Verheißungen zu erfüllen" ben Drachen für todeswund; ihm vollends den Garaus will er Gleichheit der Menschen aus. Sehen Sie zu, daß dieser Vor- Soweit die„Magdeburgische Zeituna" Man sieht daß nächsten Jahre zu Leipzig machen. wurf nicht auf Sie zurückfällt. H. v. Treitschke bekommt auf Harmoniedoklor voraus haben, daß sie nicht gleich Fluche der Lächerlichkeit verfallen, die, wenn auch keine Ritter St. Georg, so doch auch keine Don Quixote sind. In der„Tonhalle" zu Gera fand der Drachenkampf statt. Nach einigen geschäftlichen Mittheilungen, die Sancho Polle gab, bestieg der edle Ritter Max seine Rofinante, verbeugte sich und hielt an seine, ihm leider so oft ungetreue Dulcinea von To- bosa, vulxo öffentliche Meinung, folgende Ansprache jeder einzelne habe ungefähr dasselbe Gewissen, der Eine, wie der Andere höre den Gott in seinem Kämmerlein. Sie gehen ferner von einer Wahlfreiheit im menschlichen Handeln und da- mit von einer Selbstverantwortlichkeit des einzelnen Jndivi- duums aus, die ich nicht für richtig halten kann." Sie können aber, wenn Sie in Ihrer geistlichen Praxis Um- schau halten, unschwer einsehen, daß Wahlfteiheit und sittliche Verantwortlichkeit des Individuums mindestens sehr relattvc Die Motive deS Sozialismus. Ein Wort wider„christliche" Beschuldigungen von F. R. (Fortsetzung.) Die neue Zeit hat das Berhättniß zwischen Herr und Sclave .........0, ,--o________ Ir___... zwar der Form nach geändert. Das Wesen ist das Gleiche ge- „Während im Osten Europas Gräuelscenen geschehen, die un- 1 blieben, der Unterschied zwischen ewst und jetzt ist. daß einst der.,• lerem Jahrhundert zur Schande gereichen, tobt im Innern un- Arbeiter von einem bestimmten Herrn vermöge bestimmten Her-. Begriffe find, und daß die Materielle Lage em oft entscheidendes serer modernen Staaten ein sottaler Kampf, der alle Fortschritte kommens zu bestimmter Leistung verbunden wurde, daß ein festes Wörtchen dabei spricht. �. der Eultur und Civilisation ,n Trümmer zu schlagen droht. Personalverhältniß ihn zwang, während derselbe jetzt durch Hunger � Haben�Sle ,n Ihrer Gemelnde�noch nie die Bemerkung ge- Gegen alles Dasjenige, wofür unsere Brüder und Söhne ihr und Roth gezwungen wird, einem gesetzlich nicht Bestimmten in Herzblut vergossen, hat sich auf der einen Seite eine, in der einer gesetzlich nicht bestimmten Ausdehnung zu ftohnden. Vergangenheit stehende ultramontan-reakttonäre Partei und auf Auf die Größe der geleisteten Frohnarbeit kommt dabei gar »er anderen Seite eine, auf einen wüsten Zukunftsstaat hin- nichts an. Absichtlich habe ich. um Ihnen das Pr>nz'p recht arbeitende sozialdemokrattsche Partei oraanifirt, die nichts Ge- anschaulich zu machen, sowohl bn Feudal-, wie bei Kapital- nngeres beabfichttgen, als unser geeintes deutsche» Vaterland herreu ein dem Arbeiter günstiges Verhältniß vorausgesetzt; und macht, daß da, wo absolutes Elend in den Familien herrscht, auch die Kinder, die Sie doch unmöglich dafür verantworilich machen können, verkommen; daß die Kinder solcher Kinder sich meist in demselben Falle befinden? Hier kann ein Vater sein Kind nicht überwachen, weil er zu viel draußen beschäftigt ist. Sein Nachbar ist in dem gleichen Fall, hat aber die Mittel, einen Andern dasnr zu bezahlen, daß er seinen Knaben über- wacht.— Wo ist die größte Wahrscheinlichkeit, daß das Kind auf Abmcge geräth? Zwei Mädchen wandern zur Stadt, Arbeit zu suchen. Sie finden reichlichen Lohn z. B. als Näherinnen in zwei verschiedenen Geschäften; in der Krise fallirt das eine; und eines dieser Mädchen sitzt obdachlos und ohne Nahrung da. Beide werden seit lange von reichen Dandys umworben. Bei welchem, Herr Pfarrer, ist es wahrscheinlicher, daß es der Ver- führung zum Opfer fällt? Und von mehreren jungen Leuten, welcher wird wahrscheinlicher die Verführung vollbringen, der, welcher über ungezählte Summen verfügt, oder der, welcher durch seine Arbeit leben muß? Wahrscheinlicher? frage ich. Sie haben hier das Beispiel von dem frommen, auch im Unglück zu- friedenen Armen bei der Hand.— Wir sagen indeß nicht: Je- den verdirbt Reichthum, und Ärmuth treibt Jeden zum Frevel, denn es gibt in der That noch eine Menge anderer Einflüsse, die die sittliche Tüchtigkeit des Menschen bestimmen. Aber jene sind ein Hauptmoment, welches Einfluß auf diese übt, und so wird sie immer den Durchschnitt bestimmen. Doch das wissen Sie am Ende selbst:„Armuth und Reichthum gib mir nicht".„Es ist leichter, daß ein Kämest durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in's Himmelreich komme." Warum steht dies in Ihrem Buch der Bücher. Doch wohl nur, weil dessen Verfasser ein- sahen, welchen Einfluß Ärmuth und Reichthum auf die sittliche Persönlichkeit ausübten.— Und nicht Armuth und Reichthum als solche sind das, was den Hauptemfluß auf die Sittlichkeit ausübt, sondern ein Faktor, den man gewöhnlich ganz zu übersehen pflegt, die oben geschil- derte, durch Reichthum und Arinuth bei oen letzigen Gesellschafts- zuständen bedingte ökonomische Abhängigkeit des Menschen vom Menschen. F. Schleiermacher sagt: Jedes Einzelwesen ist nur sittlich, in wiesern in ihm und von ihm ans die Vernunft überhaupt orga- nisirt wird und symbolisirt(Philos. Sittenl.§ 157) d. h. in wiefern das Individuum seine Handlungen nicht nach äußeren Rücksichten, oder äußerer Autorität, sondern nach Bernunstgrün- den bestimmt. Ist dies heute prinziell möglich? Das Beispiel unseres oben erwähnten"doch gewiß menschenfreundlichen Fabritherrn soll es Ihnen zeigen. Jener gute Mann ist beispielsweise streng katho- lisch uno muß natürlich der Ueberzeugung sein, daß er thun müsse) was in seinen Kräften stehe, um der alleinseligmachenden .Kirche ihre Mitglieder zu erhalten. Er nimmt daher, das kann ihm Niemand wehren, nur katholische Arbeiter an, die gern und willig die Bedingung auf sich nehmen, nur katholische Zeitungen zu lesen, katholische WeiSer zu nehmen u. s. w. Aber im Lauf oer Zeit ändert sich das. Einer macht Bekanntschaft mit evan- qelischen Gedanken und findet diese vortrefflicher als die katho- tischen, ein zweiter liebt ein evangelisches Mädchen/ ein dritter ist anderer politischer Meinung geworden, als seine katholischen Zeitungen und möchte liberal wählen, ein vierter kann sich mit der Beichte nicht ferner einverstanden erklären u. s. w.— Die Leute haben ja nun wohl die Freiheit, auszutreten, und anders- wo ihren Lebensunterhalt zu finden? Theoretisch wohl! Aber praktisch— in entfernter Gegend ist wohl noch eine Fabrik, wo der Eine seine Fertigkeiten verwerthen könnte, aber wer zahlt ihm die Umzugskosten dahin? Der Andere hat sich beinah das Eigenthumsrecht an einem Hause er vorben, wenn er seine Stellung aufgäbe, hätte er erst recht iricht die Möglichkeit, seine Geliebte heimzuführen, denn die Wahrscheinlichkeit, sein Besitz- thum zu veräußern, ist gering; der dritte ist kränklich und sieht emem Leben voll Elend entgegen, wenn er das Anrecht an die Krankenkasse, der er seit langen Jahren angehört, aufgeben muß, der vierte denk: an Weib und Kind, die er hier gesichert hat, und die er einem ungewiffen Schicksal Preis gäbe. Hat er nicht auch Pflichten gegen diese? Was hilft allen diesen Leuten nun ihre Ueberzeugung? Können sie wirklich danach leben? Sie müssen bleiben uno heucheln. Wie mancher möchte anders reden, anders wählen— aber seine Kundschaft besteht aus solchen, die seine Ansicht nicht thei- len; und es ist döch natürlich, baß diese bei gleicher Leistung den Verdienst einem Solchen zuwenden, der ihre Ansicht theilt. — Mancher Beamte empfindet schwer, daß in gewissen Regionen des Beamtenthums Vieles zu wünschen � übrig bleibt. Indeß, wenn er seinen Mund öffnen wollte, was stände ihm bevor? Doch zum mindesten möglichste Hintansetzung seiner Interessen. Tw muß er meiden, um seiner Angehörigen willen. Und in der That, es wird vom öffentlichen Rechtsbewußtsein eine derartige Aufopferung meist zur Pflicht gemacht, und der gewissenlos ge- schölten, der die Freiheit seiner sittlichen Ueberzeugung über das Wohl und Wehe auch seiner Angehörigen stellt. Eine lange Stuftnleitcr führt von den Fällen, wo die öffentliche Meinung, casuifiisch urtheilend, wie sie ist, ein Thun oder Lassen aus Rück- Ei« Stück Geschichte. Defension(Vertheidigungsschrift) in der Untersuchungssache wider Wander. (Sßnrn Justizrath Robe(d. d. 9. September 1845.) (Fortsetzung.) Tadeln heißt ursprünglich urtheilen, jetzt: bei Beurtheilung einer Sache, Gebrechen daran finden, und diese herausstellen, also Ausstellungen machen. Ich kann nicht finden, daß Wander die Censur selbst und überhaupt, noch auch, daß er eine besondere einzelne Censur- Maßnahme als ein Gebrechen bezeichnet hätte. Er sagt nur, daß die Censur-Jnstruktionen rasch wechseln, wie man eine Hand umdrehe. Diesen raschen Wechsel bezeichnet er weder lobend noch tadelüd. Dennoch kann allein in diesen Worten der Grund der Denunziation gefunden werden; und es entsteht die Frage, ob der behauptete rasche Wechsel schon an und für sich ein Ge- brechen der Censur ist, dessen bloße Nennung als eine Frechheit, eine Unehrerbietigkeit angesehen werden muß. Die Behauptung rascher Aufeinanderfolge amtlicher Jnstruk- tionen ist an und für sich gar kein Tadel; und noch weniger ist es einer in Beziehung auf die Censur. Die Censur hat es zum großen Theil mit Zeitschriften zu thun, also mit Tagesereig- nissen. Tagesmeinungen, Tagesgesprächen. Sie hat von der sie dirigirenden Politik die Aufgabe, auf die Tagesmeinung einzu- wirken, hemmend, besänftigend, fördernd, oder gehen lastend. Je nachdem also die öffentliche Meinung über einen Gegenstand des Tagesgesprächs gelellet werden soll, müssen die Instruktionen wechseln. Da die Zeit von Tag zu Tag neue Ereignisse bringt, so kann es geschehen, daß auch mit jedem Tag neue Instruktionen gegeben werden müssen, und ihnen gemäß der Censor einen Gegenstand der Besprechung heute noch freiläßt, welche ihm morgen eine neue Instruktion momentan oder gänzlich ihr zu entziehen anweist. Rascher Wechsel ihrer Instruktionen ist für die Censur also nicht nur kein Gebrechen, sondern eine ihrem Wesen entsprechende Eigenheit. Demjenigen, welchem weder das vesen der Censur klar ist, noch die eben herrschenden, sie lei- fichmahme auf äußere Interessen für erforderlich erllärt, bis zu den graderen Fällen, wo sie den verurtheilt, der einen äußeren Bortheil erstrebend, sich den Mächtigen beugt. Wo ist die Grenze, die anzeigte, wann jenes, wann dieses Urtheil eintreten muß? Wir sind so in diesen Verhältnissen eingelebt, daß wir die tiefe prinzipielle Unfittlichkeit kaum merken. Wir selbst, jeder vou uns, Herr Pfarrer, auch Sie, wenn Sie es sich klar überlegen — ist von der Erbsünde dieser gesellschaftlichen Verhältnisse an- gesteckt und thut achtlos in seinem Leben unzählige Thatsn, die er ohne Aufopferung besserer Ueberzeugung geschaffen, unterläßt unzählige, die er, besserer Ueberzeugung folgend, gethan hätte. (Schluß folgt.) Sozialpolitische Ueberficht. — In der dritten(Mittwochs-) Sitzung des preußi- schen Landtags wurde ein Schreiben des„Bicepräsidenten des Staatsministeriums" Camphausen verlesen, das die Beurlaubung Eulenburg's anzeigt. Anläßlich dieses Schreibens soll nun der Urlaub des Flinte-schießt-Säbel-haut-Manns mit Etlichem was drum und dran hängt in einer der nächsten Sitzungen zur De- batte gelangen. Ein charakteristischer Borgang bildete den Schluß der Sitzung.„Abgeordneter Windthorst— wir folgen dem Bericht der„Magdeburger Zeitung"— spricht sein Bedauern darüber aus, daß wiederum Manches nicht fertig sei, was dem Hause vorgelegt werden solle. Er begreife unter diesen Um- ständen die Eile nicht, mit welcher das Haus einberufen sei. Besonders befremdlich erscheine es, daß die Einberufung zu einem Sonntage erfolgt sei und zwar um 11 Uhr, also zu einer Zeit, wo der Gottesdienst noch fortdauere. Ich glaube, fährt Redner mit Emphase fort, daß ein solches Vorgehen im ganzen Lande entschiedene Mißbilligung finden wird.(Rufe links: Nein, nein! Im Centrum: Ja!) Ich constatire mit Befriedigung, daß die Herren rechts von mir„Nein" gerufen haben; mit Be- friedigung, weil nun das Land weiß, wie Sie denken. Ich er- blicke in einem solchen Vorgehen Symptome der Auflösung, über welche von hoher Stelle so lebhaft geklagt wird. Ich hätte es mindestens für passend gehalten, daß wir an dem Tage keine Sitzung im Hause hielten. Das Herrenhaus hat keine Sitzung gehalten; wir aber sind so weit— vorgeschritten." So der alte Fuchs. Daß ernsich mit Rosenkranz und Gebet- buch genau ebenso— ehrwürdig ausnimmt, wie weiland Reineke, ist ja unzweifelhaft richtig, allein das oerhindert nicht, daß er mit seinem Tadel vollkommen recht hatte. Thatsache ist: daß für den Landtag keine bedeutenden Gesetzesvorlagen ausgearbeitet sind, und die Berufung auf den Sonntag, der nach dem Gesetz ein Ruhetag sein soll, durchaus unpassend war, wenn auch nicht aus den von Windthorst vorgebrachten Gründen. Und ferner muß zugegeben werden, daß die Anspielung auf die bekannten Äeußerungen des Kaisers über die„Symptome der Auflösung" ein sehr guter Treffer und durchaus berechtigt war. So dachte aber nicht der große Fortschrittsmann in den Rückschrittsstiefeln: der pfaffgewordene Materialist Virchow. Offenbar beneidete er seinen Collegen, den bankrouten Duncker um dessen Lorbeeren als freiwilliger Regierungscommissar (in der clsäsfischen Frage). Er fühlte ein unwiderstehliches Be- dürfniß, auf die Bemerkungen des Abg. Windhorst zurückzu- kommen.„Ich(Virchow) habe nicht zu Denjenigen gehört, die „Nein" gerufen haben. Nichtsdestoweniger glaube ich dagegen Protestiren zu müssen, daß Herr Windthorst auf Aeuße- rungen von hoher Stelle provozirte. Das widerspricht vollständig dem parlamentarischen Gebrauch, den wir bisher beobachtet haben.(Zustimmung.) Zudem wissen Sie ja, daß die Einberufung unter der Sanktion Sr. Majestät des Königs erfolgt ist." Selbst angenommen, gegen das, was Herr Virchow h:er sagt, sei an sich nichts einzuwenden, so hätte er es doch einem offiziellen Vertreter der Regierung überlassen sollen, es zu sagen, da die Rolle des parlamentarischen Polizeidieners für einen Abgeordneten, und gar ein Mitglied der Opposition. das obendrein sich für einen Vertreter des Fortschritts ausgiebt. sich sehr wenig schickt. Die Fortschrittspartei hat es förmlich darauf abgesehen, ihr Verhalten in möglichsten Gegensatz zu ihrem Namen zu bringen und allen übrigen Parteien wenig- sten« auf dem Gebiete der Servilität den Rang abzulaufen. Daß die Schlußbemerkung des Herrn Virchow nur Wasser auf die Mühle Windthorst'S ist, und dessen Pfeil noch tiefer ins Fleisch eindrückt, davon scheint der scharffinnige Gelehrte Virchow keine Ahnung zu haben. — Antisozialdemokratischer Arbeitercongreß zu Gera. Die auf dem Congreß festgestellte Liste der anwesenden Sozialistentödter zeigte nach der Zusammenstellung des Bureaus tenden politischen Regierungsanfichten bekannt sind, kann bei solchen Vorkommnissen, wenn er nur den Censor im Auge hat, dessen heutiges Verfahren allerdings mit dem gestrigen in Wider- spruch zu stehe» scheinen. Aber er kann, daß er diese Erschei- nung bemerkt habe, ungehindert aussprechen, denn die bloße Mittheilung dieser Bemerkung enthält noch keineswegs die Er- klärung, daß das Wahrgenommene ein Gebrechen sei. Wander thut nun eben auch nichts weiter, als daß er eine Wahrnehmung mittheilt. Er führt, ohne ein Urtheil darüber zu fällen, ein reines Faktum an und nennt, weil zwischen der ersten zugelasseneu Besprechung und der versuchte», aber ver- hinderten zweiten nur ein Zeitraum von 8 Tagen verflossen war, die Aenderung der Instruktionen eine sehr rasche. Daß er die Erscheinung aus dem Wechsel der Instruktionen hervor- gegangen annimmt, und nicht aus der Willkürlichkeit oder der Laune des Censors beweist, daß er dem Handhaber der Censur weder Willkür noch Laune, sondern richtiges Berständniß und strenges Festhalten der ihm gegebenen Vorschriften zutraut. Stur, wenn das von Wander behauptete Faktum unwahr und wider sein besseres Wissen von ihm erfunden wäre, könnte man eine Beschuldigung gegen ihn daraus machen, weil eine solche Erfin-' dung eine Verleumdung sein könnte. Das von Wander er-. wähnte Faktum ist aber wirklich wahr, worüber nöthigenfalls die Redaktionen der beiden bezeichneten Zeitungen Auskunft geben können. Ebenso könnte eine Eigenschaft der Censur, welche kein Gebrechen ist, von Wander falsch beurtheilt und als ein Gebrechen dargestellt worden sein, ohne daß man mehr als eben ein unrichtiges Urtheil darin finden dürste. Eine Beschuldigung könnte man ihm nur dann daraus machen, wenn bewiesen würde, daß Wander zwar ein anderes Urtheil gehabt, aber absichtlich und wider besseres Wissen das, was keins ist, als ein Gebrechen dargestellt hätte, nur um Unzufriedenheit gegen diese Eigenschaft zu erregen. Dieser Beweis ist nicht nur nicht geführt, sondern, da Wander den raschen Wechsel der Censurinsttuktionen blos anmerkt, ohne ihn als ein Gebrechen zu bezeichnen, so ist ein Tadel der Censurgesetze gar nicht vorhanden. Die Worte „wie man eine Hand umdreht" enthatten nur eine populäre Bezeichnung der Schnelligkeit, ohne eine tadelnde Eigenschaft mit [88 Theilnehmer an, dele�irt zu an-gestzrochen poli- tischest Zwecke von fortschrtttlichen und nattonalttberalen Wahl-, [Reichs-, Bürger, Gewerbe-, Bildungs-, Bezirks- w. Bereinen; auch ein Knappschaftsoerein, der unter der direkten Controle der preußischen Regierung steht, der St. Johann- Saarbrückmer, hatte seinen Beitritt erklärt. Aus Preußen/wo das Vereins- � g-setz die Verbindung polittscher Bereine zu gemeinsamen Zwecken verbietet, war die Mehrzahl der Herren delegirt. Kein Staats- ; anmalt, kein Polizeimann wird dagegen einschreiten— es find ja Anti-Sozialdemokraten. Wir gönnen gewiß unseren Gegnern volle politische Freiheit, wir erachten die betreffende Stelle des preußischen Äereinsgesetzes für äußerst reakttonär— aber sie wird, das bestätigt uns wohl Herr Tessendorff, gegen uns mit aller Schärfe angewandt, während sie für unsere Gegner gar nicht existirt. Und das nennt man Gleichheit vor dem Gesetze. — Auf dem Congreß erhob der Schatzmeister, Herr Maurer aus Cassel, lebhafte Klagen über die mangelhasten finanziellen Verhältnisse. Sehr bezeichnend!— Es wurden folgende Arbeiter in den Ausschuß von dem antisozialdemvkratischen Arbeiter- Congreß, auf welchem keine Arbeiter anwesend waren, gewählt: Doktor und Gewerkvereins-Anwalt Max Hirsch, Fabrikbesitzer Goldacker, Maschinenbauer Hugo. Hamien, Fabrikbe- sitzer Dr. Max Weigert und Kaufmann S. Arons(Berlin), Wanderlehrer Julius Keller(Breslau), Redakteur Kutschbach (Dortmund), Rechtsanwalt Jonas(Wandsbeck), Schlächter- meister Fortmeyer(Fürth), Buchhändler Maurer(Kassel), Rechtsauwalt Müller(Gotha), Tischler Lederer(Nürnberg), Lehrer Arnold(Oschatz), Jnstitutsvorfteher Koch(Vinne- J berg), Fabrikbesitzer Wiedemann(Apolda), Rechtsanwalt Georgi(Eßlingen), Prediger Sachse(Magdeburg), Maschinen- bauer Sebastian(Gera), Redakteur Schloßmacher(Greiz) und Lithograph Hahn(Burg bei Magdeburg).— Betrachten war uns die Hauptmacher dieses Ausschusses. Dr. Max Hirsch, der unfreiwillige Komiker der Fortschrittspartei; Wanderlehrer Keller. der würdige Nachfolger des Herrn Lindwurm; Kuffchbach, unser braver Kutschbach, dem der Arbeiter Pfannkuch in Kassel ein Licht aufgesteckt hat; Rechtsanwalt Jonas in Wandsbeck, der sich verletzt fühlt, wenn über die Advokaten geschimpft wird, nach dem bekannten Sprichwort:„Wen's juckt, der kratzt sich"; In- ftitutsvorsteher Koch in Pinnebecg, der bis jetzt im Sozialisten-; kämpfe immer unterlegen ist; Rechtsanwalt Georgi in Eßlingen, der bekannte Turnbruder, und Redakteur Schloßmacher in Greiz, der bei Leibe kein„grüner Junge" ist.— Das sind die Helden der Komödie; es fehlen nur noch Nathan Schlesinger, Ehren-' Duncker, Bojatzky und Liesenberg(Hamburg)— doch der Aus- schuß hat das Recht der Cooptation und wird nicht verfehlen, genanntes vierblätteriges Kleeblatt in seine Bruderarme zu schließen. — Der Fall Konitzer erfährt folgendes Nachspiel. Inder, zu Bonn erscheinenden„Deutschen Reichszeitung" befindet sich folgende Annonce: „An den Borstand des Deutschen Vereins der Rheinprovinz hier. Nachdem der— wie es scheint, sehr dauerhafte— Vorstand mit sammt seinem Spione, dem sehr dunklen Ehrenmanne f Konitzer, ein so gründliches Fiasko gemacht, glaube ich es mir selbst schuldig zu sein, aus dem Vereine, wenn gleich zu meinem großen Bedauern, auszutreten, wovon ich gefälligst Notiz zu nehmen bitte. Bonn, den 17. Ottober 1877. Frhr. v. Hilgcrs, Landrath a. D." Herr v. Hilgers ist uns noch aus dem norddeutschen Reichs- s tage her bekannt, dem er als Mitglied des linken Centrums I (Fraktion Bockum- Dolffs) angehörte. Er war ein anständiger| Mann und deshalb auch ein anständiger Gegner der politisch i Andersdenkenden. Um so mehr waren wir erstaunt, ihn in den Reihen des„Deutschen Vereins", dem ein Sybel präfidirt, zu finden. In einer„patriotischen Laune" mag er in den eteler- i regenden, unduldsamen Verein getreten lein, und so ist es auch: zu erklären, daß er die erste beste Gelegenheit wahrgenommen/ Hat, aus dem Vereine zu treten, und diese bot ihm der Fall' Konitzer.— Was den Fall Konitzer aber selbst anbelangt, s» wundern wir uns, daß über denselben soviel Aufhebens gemacht wird, daß man dieserhalb so gewaltig über den„Deutschen Reichsverein" herzieht. Wenn das des„Deutschen Reichsver-' eins" ganzes Verbrechen wäre, daß er einen Lumpen an seinem Busen genährt hat, so könnte man ibn wahrlich noch achten; aber die ganze Tendenz des Vereins, seine ganze Angriffsweise- gegen Andersdenkende ist so perfide und nie oerträchtig, daß man dieserhalb den„Fall Konitzer" sehr gut begreifen und dem Vereine den„Konitzer" fast noch verzeihen könnte. Außerdem sind die Besttebungen der nationalliberalen Partei, ist ihr Auf, sich zu führen. Wie man eine Hand umdreht ist man roch' und todl. Dabei ist nicht zu vergessen, daß die Erkennung eines Ge-- brechens an einer Sache, eine Ausstellung daran, nicht schon an und für sich strafbar ist, sondern nur eine mit frechen, unehrer- bietigen Worten ausgesprochene. Wenn nun die Worte„wie man eine Hand umdreht" zwar auch kein Lob enthalten, so ent- halten fie deshalb doch auch keinen Tadel; und, wenn sie Tadel enthielten, so wäre er doch weder„ftech" noch„unehrerbiettg". Stiebcr scheint aber schon die Abwesenheit des räuchernden Lobes: für eine Unehrerbietigkeit anzusehen. In der Stelle des Vortrags, in welcher Wander zur Ab- 4 Wendung des Vorwurfs revolutionärer Reden das Wort„revo- lutionär" ausdeutet, und dessen Auffassung im Sinne des Jahres 1789 in Beziehung auf den Hirschberger Gewerbeverei» ohne! Rückhalt für eine Dummheit erklärt, kitzelt es ihn, diese Dumm- heit zu verspotten. Eine Revolution, meint er ironisch, lasse| sich eben so mir nichts dir nichts nicht zusammenbrauen. JnS--l besondere die Hirschberger könnten die Furcht davon ablegen; denn noch sei nach Hensel's Hirschberger Chronik eine Revo-) lution hier nicht vorgekommen, und werde auch wohl künftig� keine vorkommen. Auch wüßten sie ja aus ihrem Wochenblatte/ dem„Boten aus dem Riesengebirge", fährt er fort, die Revo- I lutionen würden nie von den Bürgern, sondern von schlechten■ Regierungen gemacht. Eine gute Regierung, sagt er nack einigen, Zwischensätzen weiter unten, habe ihre Bürger nie zu fürchten. Stieber meint, daß diese Stelle„die Staatsregierung als die Ursache der mancherlei verbrecherischen Bestrebungen zu ver-; dächttgen suche, welche in neuerer Zeit hervorgetreten find." Auf diese wunderbare Ansicht von dem Jnhatt der Rede konnte nur Stieber komme», von dessen entsetzlicher Logik wir schon so viele vortreffliche Proben gesehen haben. Unbedenklich muß die Begründung seines Urtheils in den beiden Sätzen gesucht werden:- Die Revoluttonen würden von den schlechten Regierungen, nicht von den Bürgern gemacht, und: eine gute Regierung habe ihre Bürger nicht zu fürchten. Von beiden Sätzen ist nur der eine: � eine gute Regierung habe ihre Bürger nicht zu fürchten, Wander's angenommenes Eigenthum. Den andern: die Revolutionen Ueuu derart, daß derselben immer die Äonitzer an de» Rock- schSßen baumeln werden. Die Austrittserktärungen aus dem„Deutschen Verein" wegen der Konitzer-Äffaire mehren sich übrigens. Der Bürgermeister von Siegburg, ein dortiger Arzt und ein dortiger Advokat sind ausgetreten. Herrn v. Sybet's langes Gestcht soll dieserhalb um einige Zoll länger geworden sein— gönnen wir's ihm. — Eine eigenthümliche Zwangsvollstreckung. In Psorzheim, wo durch die schon jahrelang darniederliegende Goldwaarenfabrikation der Lrach kein Ende nehmen will, sind Zwangsvollstreckungen durchaus nichts Seltene«; dessenungeachtet macht eine in letzter Zeit vollzogene, allerdings einzig dastehende Pfändung viel von sich reden. Ein von seiner Frau schon längere Zeit getrennt lebender Mann hatte für ein aus der Ehe ent- sproflenes Kind, das die Mutter bei sich behielt, das Kostgeld zu bezahlen, auch wurden ihm die Rechnungen für Kleidungs- stücke des Kiüdes, sowie für Medikamente u. s. w. zur Zahlung vorgelegt. Der Vater verlangte die Ausfolgung des Kindes, wenn er doch alle Verpflegungstosten tragen solle, was ihm aber von der Mutter verweigert wurde. Um zu seinem Recht zu gelangen, machte er eine Klage auf 6000 Mark Entschädigung oder Herastsgabe des Kindes gegen seine Frau anhängig. Letztere, die Enkelin eines reichen liberalen Fabrikanten, konnte sich nicht zu einer Geldeutschädigung entschließen und so wurde das etwa. dreijährigeKnäblein vom Gerichtsvollzieher gepfändet und dem Vater zur Verfügung gestellt. Diese liberale Gesell- schast will mit der Heiligkeit der Familie prahlen. Schöne Heiligkeit, wenn eine vermögende Mutter, bezw. reicher Groß vater, sich das eigene Kind lieber auspfänden läßt, als dasielbe aus eigenen Mitteln zu ernähren. Dieser Gesellschaft mit ihrer heiligen Ehe, Familie, Vaterland und wie die Heiligthümer alle beißen, ist ja nichts, gar nichts heilig, als ihr Geldhelltel. — Ein merkwürdiges Erkenntniß. Inder eingeaange- uen„Magdeburger Bolkszeiwng" erschien zur Zeit her Reichs- tagswahl eine Rotiz, in welcher gesagt wurde, daß ein Magde- burgcr Hoslieferant— ein Name wurde nicht genannt— aus Versehen den sozialistischen Candidaten Bracke gewählt habe. ,Ob dieser Notiz fühlte sich ein Magdeburger— bekannter Hof- lieferant beleidigt— er brachte zwei Zeugen, welche beschworen, daß»ach ihrer Meinung unter dem Hoflieferanten in der„Volks- zeitung" nur der Kläger gemeint sein könne, und das Gericht verurtheitte den Redakteur der„Magdeburger Bolksz.", welcher sich im Termine weigerte, den Einsender der Notiz zu nennen, zu einer Woche Gefängniß, da der Herr Hoflieferant durch die Behauptung, er habe Bracke gewählt, schwer beleidigt sei, daß die Notiz geeignet, ihn in dem Ansehen seiner Mit- bürger herabzuwürdigen.— Appellation ist eingelegt. Wir sind äußerst neugicrig auf den Ausgang dieses Prozesses.- — Tie Annahme des schweizerischen Fabrikgesetzes durch das Volk hat in allen Ardeiterkreisen die freudigste Be- wegung hervorgerufen. Und es ist auch Grund genug dazu vorhanden, denn das Gesetz stellt den 11 stündigen Normal- arbeitstag fest, setzt also der unbeschränkten Anspannung der Arbeitskraft seitens der Arbeitgeber bestimmte Grenzen, die nur in Ausnahmefällen überschritten werden dürfen; das Gesetz schränkt ferner die Frauen- und Kinderarbeit ein und stellt die Fabriken und Werkstätten unter sanitätspolizeiliche Controle— lauter Bestimmungen, welche den Arbeitern sehr zu statten kommen werden. Doch hören wir. wie unser Schweizer Partei- organ, die„Tagwacht" sich über den Sieg der Arbeit über das Kapital ausläßt: „Tie erbärmlichen Machinationen der Gegner haben von der Mehrheit des Schwdzervolkes eine Zurückweisung erfahren!— Der Kampf war schwer— aber unsere Agitation hat ihre Früchte getragen— wir haben ein Recht, uns des Sieges zu freuen. Das Votum vom 21. Lktober ist ebenso eine Ehre für die Republik, wie ein Preis für unsere Anstrengungen. Das Schweizervolk hat gezeigt, daß es im Staate den Vater sieht, der seine vernachlässigten Kinder schützen soll, daß die Republik da« hohe Richteramt ausübt, vermittelst besten sie der kapitalisti- scheu Ausbeutung zuruft: Bus hierher und nicht wetter! Das Schweizcrvolk hat durch sein Votum der demokratischen Republik einen Denkstein gesetzt in den Herzen aller Unter- drückten uud Enterbten— einen Eckstein/ der für die Unab- hängigkeit unserer Schweiz in den Herzen der Völker eine stärkere Schutzwehr schafft, als alle Bajonette und Kanonen! Aber die Volksabstimmung vom 21. Oktober hat auch gezeigt, daß der Appell an die edlern Gefühl« des Volkes im Schweizer- polke Boden findet, daß jede wahrhafte Volks-Agitation ihre guten Früchte trägt und daß wir daher auf dem eingeschlagenen würden durch die schlechten Regierungen, und nicht von Bürgern gemacht, führt er ausdrücklich als eine Aeußerung des hiesigen Wochenblattes an, ohne sie irgend wie als die seinige zu adop- tiren. Der Zusammenhang der Rede ergiebt überdies deutlich genug, daß die Anführung dieser Aeußerung nur eme scherzhafte ist. Würde aber die in diesem letztern Satz ausgesprochene Meie' nung auch von Wander völlig getheilt. 1° ist sie, abgesehen von' ihre» vielfachen Verbreitung, hier doch nur ganz allgemein und ohne alle Beziehung auf die preußische, auf unsere Regierung ausgesprochen. Nähme man aber eine solche rucht vorhandene Beziebung auf unsere Staatsregierung als wirklich vorhanden an, so würde grade das Gegentheil von dem damit gesagt sein, was Stieber herausgefunden hat.(Forts, folgt.) — Die Abschaffung der Todesstrafe ist ein Gebot der Hu- maniläl, politischen Moliven aber und dem Umstände, daß die Humani- tät der heutigen Gesellschaft nur dem Namen nach bekannt ist, ist es zu»ulch«iben, daß die Todesstrafe in den meisten Staaten fortbestehl. So wurde erst dieser Tage in dem„Staate" Hamburg die Todesstrafe an einem Raubmörder vollstreckt, trotzdem der Veruriheilte in einem Gnadengesuch an den Senat die tiefste Reue über seine Thai an den Tag leate. Das Gnadengesuch lautet:..Hoher Senat! Durch Urlhell des Geschworenengerichts vom 12. Juli d. I. zum Tode verurtheilt, flehe ich den hohen Senat hiermit um Gnade an. Ich betheure nochmals daß ich an jenem schrecklichen Abend, an dem mein Geist umnachiel' war— nicht die Absicht gehabt habe, der Frau Hegemann das Leben zu nehmen, meine Absicht ist,- wie ich feierlichst veruchcte - nur dahin geganaen, sie zu betäuben und für den Augenblick un- schädlich zu machen.— Meine Neue über das Gescheheue ist unendlich, und ich versichere hoch und theuer, daß mein zukünftiges Leben— wenn der hohe Senat mir Gnade schenkt— der Reue und Buße gewidmet sein soll. Die Gnade des hohen Senats, die schon so Manchcm zu Theil geworden ist rufe auch ich mit dem vollen Vertrauen an, datz der allmächtige Gott— wie er selbst gnädig und barmherzig ist, auch die Herze» derer zur Bormherziakeit lenken werde, die über mein Leben zu entschetden haben. So bitte ich denn: Ein hoher Senat wolle im Wege der Gnade die gegen mich erkannte Todesstrafe in eine Zuchl- hauSstrase verwandeln, deren Dauer ich ganz dem hohul Senat anheim .gebe.— Eines hohen Senris Unterthän giier p. P- H-mburg, ,m Wege fest und energsich weiterzugehen habe». Das eioaenö, fische Fabrikgesetz ist der erste Schritt zur wetteren sozialen Befteiung. Mi harter, schwerer Arbeit ist die erste Position erobert worden. Unsere Kräfte find in diesem Kampfe angestrengt, aber sie find auch gestählt worden. Der Erfolg berechtigt uns nicht zum Ausruhen— er verpflichtet uns zu weitereu. Anstrengungen! Unterbrochene Arbeiten sind wieder aufzunehmen und auf dem Boden des Errungenen ist rüstig weiter zu arbeiten. Die Gegner des Gesetzes werden noch ihre Minen springen lassen, um die Ausführung desselben illusorisch zu machen. Arbeit ist noch in Hülle und Fülle da! Es lebe die sozialdemokratische Agitation!" Jawohl,„Arbeit ist noch in Hülle und Fülle da", denn daß die Arbeitgeber das Gesetz zu umgehen trachten werden, unter- liegt keinem Zweifel. Es wird seitens der Arbeiter einer strengen Aufsicht bedürfen, damit die Gesetzesbestimmungen auch eingehalten werden; um das aber zu können, bedarf es einer guten und weitverzweigten Organisation, welche in der Schweiz nur zum Theil vorhanden ist. Alle Anstrengungen unfrei Schweizer Genossen werden sich daher auf die Ausbreitung und Stärkung des Arbeiterbundes zu richten, haben. — Die Lage in Frankreich. Um das fatale Geständniß zu vermeiden, daß sie sich gründlich geirrt haben, verbreiten ge- wisse Phantasie-Politcker und-Zeitungsschreiber, der„Sieg" der „Republikaner" vom 14. d. habe die Situation so„gespannt" gemacht, daß ein friedlicher Ausgleich gar nicht mehr möglich sei. Gut phantasirt das. Erstens ist der„Sieg" der„Repu- blikaner" ein sehr problematische� und zweitens ist die Situation nichts weniger als„gespannt", sondern im Gegentheil der„Com- promiß" bereits im volsten Gang. Daß es dabei„Opfer" giebt, und zwar rechts und links, versteht sich von selbst, ebenso wie es sich von selbst versteht, daß die„Opfer" krampf- hafte Versuche machen, sich selbst und das Publikum über ihre unbeneidenswerthe Situation zu täuschen. — Auch ein„Kulturkampf". Während das„erbfreund- liche" Rußland sich nach Außen hin nun schon seit mehreren Monaten vergeblich abmüht, die störrischen Türken durch Mord und Brand zu„Humanisiren" und zu„civilisiren", versäumt es auch nach Jimen nicht, seiner„Kulturmission" gerecht zu werden, d. h. alle Kulturbestrebungen, welche nicht von„Väterchens" dritter Abtheilung gleichsam legalisirt sind, werden auf das grau- samste verfolgt und darniederzuhalten versucht. So verlautet jetzt, daß am 30. Oktober in Petersburg ein großer Prozeß gegen die der revoluttonären Propaganda in Rußland Ange- klagten beginnen werde. Nach dem Umfange desselben werde es vielleicht die größte Verhandlung Rußlands, wenn nicht Europas werden. Auf der Anklagebank befinden sich 196 junge Leute, von der Procuratur find 472 Zeugen aufgerufen, von der Ber- theidigung 150. Die Boruntersuchung umfaßt 200 Bände, die Anklageakte 300 Druckseiten. Die Staatsanwaltschaft und die Vertheidigung bieten ihre besten Kräfte auf. Man behatte im Auge, daß es sich bei diesen mit einer ge- wissen Regelmäßigkeit wiederholenden Prozessen gegen die„revo- lutionäre Propaganda" fast ausnahmslos um die Verbreitung von Schriften sozialistischen Inhalts handelt, welches„Ver- brechen" mit„Sibirien" und langjähriger Kerkerhaft bestraft wird. Und dieses Rußland, welches nach Innen jede Opposition barbarisch verfolgt, soll im Stande sein, nach Außen Humanität und Eivilisation zu verbreiten?- — Nach russischen Berichten wäre ein Winterfeldzug beschlossene Sache. Ob der Beschluß sich, angesichts der klima- tischen Hindernisse und der unbezwungenen türkischen Festungen und Heerlager, wird durchführen lassen,.ist freilich eine andere Frage. Von erfahrenen Militärs wird eine Ueberwinterung in Bulgarien, außer im Falle der Erstürmung Plewnas und der vollständigen Niederwerfung der Armee Suleiman Pascha s, einfach für unmöglich gehalten. Und daß eins dieser beiden Er- eignisse vor Winter, ja daß es überhaupt eintreten werde, dazu ist vorderhand auch nicht die mindeste Aussicht. Wie aus den Mittheilungen eines englischen Correspondenten in Plewna er- hellt, hat Osman Pascha seine von Natur schon außerordentlich starke Position nach dem verunglückten Sturip vom vorigen Monat durch ein neues System von Redouten noch derartig be- festigt, daß sie für nahezu uneinnehmbar gelten und wohl nur durch Aushungerung bewältigt werden kann. Mit der Aus- hungerung aber hat es gute Wege, da die Verbindungen zwischen Plewna und Sofia ganz offen sind. Gegen Suleiman Pascha scheinen die Russen offensio vor- gehen zu wollen. Jndeß ist aus den bezüglichen Depeschen nicht klug zu werden. Das Wetter hat sich in Bulgarien gebessert September 1877."— Wir fragen: Gebot hier nicht die Humanität, dem Beruriheilten die Möglichke l zu bieten, dermaleinst wieder ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft zu werden? Und war der Senat, so gewiß, daß das„abschreckende Beispiel" der Todesstrafe in .Zukunft Morde verhüten würde? — Zur Charakteristik der Fortschrittspartei dient folgen- deS Ereigniß, welches sich nach dem Berichte des Berliner„Börsen- Couriers" auf der Generalversammlung der Thüringer Bank zugetragen hat. Dort behauptete nämlich der Assessor Löwenfeld, es seien Asten, deren Kenntniß und deren Besitz nur dem früheren Aussichtsraths- Borsitzendcn, Commerzienrath Hornung gebührte, in Privatbesitz ge- kommen. Aus der Versammlung wurde die Frage gestellt, wer auf so illegale Weise eine derartige Handlung hätte ausführen können, und vom Vorßandstische her wurde Herr vr. Zimmermann, Landtags. und Ncichtags-tlbgeordneter, auch Berliner Stadtverord. neter, als diese Persönlichkeit genannt. Der Genannte bezeichnete diese Behauptung zuerst als eine„Lüge", gab aber schließlich zu, er hätte allerdings gewisse Auszüge aus den Conten der Bank erhalten. Das gab denn einen starken Tumult, es wurden Herrn vr. Zimmer- mann noch mancherlei Privatangelegenheiten vorgehalten, sogar der Antrag gestellt, Herrn Vr. Zimmermann von der Versammlung auszu- schließen, welcher Antrag jedoch abgelehnt wurde! Und solch' ein Herr gilt als die Zierde her Fortschrittspartei, ist der Besten Einer und würdig, das Volk in den verschiedensten Körperschaften zu vertreten! Darf man sich denn nun noch wundern, wenn sich auch die ehrlichen Bürjjer allmählich immer mehr von dem Liberalismus abwenden? — Eine Erinnerung. Oliver Cromwell war ein kluger Mann; ,r kannte die Menschen und wußte u. A. den Werth öffentlicher Kund- gedungen richtig zu würdigen. Alle„Huldigungen" waren ihm deshalb in den Tod hinein verhaßt. Als er nach glücklicher Beendigung des irischen Feldzugt in England landete, wurde ihm ig irgend einer Stadt, wenn wir nicht irren in Bristol, ein großartiger Empfang bereitet. Im Triumph zog das siegreiche Puritanerheer durch die jauchzenden Massen; voran ritt schweigend Oliver Crömwell, neben ihm Fairfax. Dieser äußerte seine Freude über das großartige Schauspiel und meinte, es sei ein glänzender Beweis der Popularität.„Freund," ant- wortete Cromwell trocken,„glaube mir: wenn ich gehängt würde, wäre der Andrang der Schaulustigen noch größer."— und die Wege sind wieoer ziemlich gangbar, so daß mtlttän.che Feldoperationen in größcrem Stil möglich wäre». Ob aber die Russen über genügende Streitkräfte verfügen? Di« blutige Schlappe, welche die. Rümäiien am 19. d. er- litten(die Verluste sollen das Vierfache der offiziellen Angabe betragen), hgt das Kciegsfieber in Bukarest, wenn nicht kurirt, doch stark gemindert. Die Herren Rumänen fangen an zu de- greifen, daß sie nichts zu gewinnen, blos zu verlieren haben, und von den Russen nur als Kanonenfutter benutzt und zum Dank mit Fußtritten regalirt werden. Freilich, das hätten sich die unglücklichen Gerngroße vor sechs Monaten sagen sollen. Einen kaum geringeren Schreck hat die Niederlage der Rü- mänen in Belgrad verursacht; das Barometer.steht zur Ab- wechselung wieder auf„Friede". In Asien suchen die Russen ihren Sieg vom 15. d. nach Kräften auszunutzen, hie Türken ihre Niederlage nach Kräften wieder gut zu machen. Mukhtar Pascha hat mit den gerettete» Theilen seiner Armee eine feste Stellung bezogen und erwartet Verstärkungen und die Russen an demselben Punkte(hei Zwin), wo er im vorigen Sommer den bis dahin siegreichen Russen Hatt gebot und die Wende des Feldzugs herbeiführte. — Wie wir aus den amerikanischen Parteiorganen er- sehen, haben sich unsere Genoffen in den Bereinigten Staa- ten an den Staaten- und Gemeindewahlen des laufenden Monats— der in Amerika ja der allgemeine Wahlmonat ist— mit großem Eifer becheiligt und dabei Resultate erzielt, welche der Partei den besten Beweis liesern, daß sie. jetz' auf dem rich- tigen Weg ist, und ihr ein mächtiger Sporn sein wird, auf diesem Wege weiter zu wandeln. Der geradezu kolossale Auf- schwung, den seit einigen Monaten unsere Presse in den Bern- »igten Staaten genommen hat, zeigt, welch tresslicher Bodeu dort für den Sozialismus ist, und wie wirksam, die Krisis siir uns gearbeitet hat. — DaS„Bulletin" der Jurasser Anarchisten vom 20. d. MtS. bemängelt unsere Aufklärungen über den Wortlaut des Genter Congreß-BeschlusseS betr. das E.genlhnm au Grund und Boden(S.„Vorwärts" vom 10. d.). Es behauptet, daß die Version:„l'Ltnt ou In Lommune" wirklich verlesen uud in dieser Gestalt auch angenommen worden sei. Wir haben die Mödlich- keit, daß es so gewesen sein könne, nicht be'stritipn, und nur unsere Zweifel ausgesprochen, mit dem ausdrücklichen Bemerken, daß, falls dem so sei, die iucorrekte französisch: Uebersetzung„auf eineu in der Eile begangenen Redaktionsschnitzer zurückzuführe« wäre." Wir haben dies einfach zu wiederholen und halten jedes Wort unserer Notiz vom 10. d. M. aufrecht. Leider ist ein authentisches Congreßprotokoll nicht veröffe«t- licht worden; sonst hätte diese iacorrekle und unlogische Bersion überhaupt nicht in Cours kommen können. Wenn das„Bulletin" am Schluß seiner angeblichen Berich- tigung meint, wir hätten die unser Perhältniß zu den Anarchisten betreffende Resolution des Genter Congresses. vor dem l0. Oktober nicht respekttrt,.so richtet es damit gegen uns eine Auflage, die jeder Begründung entbehrt. Der von uns veröffentlichte. Con- greßbericht war, wenn auch nicht unparteiisch, doch durchaus wahrheitsgetreu, und, wenn auch nicht schmeichelhaft für die „Anarchisten", doch frei von jeder ehrenkränkenden Beschuldigung oder Insinuation, linset späterer Artikel über den Eongreß war von dem brüderlichsten Geiste diftirt. Oder hätten wir, um unseren Respekt vor jener Resolution zu beweisen, mit„Fäl- schung" und ähnttchen Liebtnswürdigkeiten um uns werfe« müssen, wie das„Bulletin" es gegen uns gethau hat? — Der Redakteur unseres Parteiorgans in Halberstadt („Halberstädter Freie Presse"), August Kruhl, ist wegen drei« inkriminirter Artikel am letzte» Dienstag zu 8 Monaten Gefängniß iMurtheilt worden; der Verleger war mitaugeklagt und wurde zu 10 Tagen Gefängniß verürth'eilt. Appellasion ist eingelegt worden. Correspondenzen. Dresde», 20. Oktober. Der„Vorwärts" hat über den säch- fischen Gemeindetag btjreits in Kürze berichtet. Nachzutragen wäre aber doch noch, daß auf dem Gemeindetag auch Sozialisten erschienen warey, und zwar nicht zur sonderlichen Freude der übrigen, aus allerlei politischen Schaltirungen zusammengesetzte« Gemeindevertreter, die sich zuweilen eine derbe Zurechtweisung gefallen lassen mußten. So hatte z. B. der inzwsschen zum be- soldeten Stadtrath von Leipzig avancirte Bürgermeister Ludwig- Wolf aus Großenhain bei Gelegenheit der Berathung über die zweckmäßigste Enischräftkung des Schankbetriebes die ungeheuer- liche Behauptung aufgestellt, daß die Sozialdemokrätie zum großen Theil an dem Laster des Schnapsttinkens Schuld träge, denn der Schnapsconsum sei mit den immer steigenden(!) Löhnen ge- wachsen; die letzteren aber rührten allein von dem Wachsen der Ansprüche, der Genuß- und Vergnügungssucht der„niederen Klassen" her und jene ihrersefts würden wieder nur durch die Irrlehren der Sozialdemokratie erzeugt. Die verderbliche Lehre des Sozialismus sei es, die dadurch, daß sie Männer, ja wo möglich auch noch die Weiber in den Strudel der Parteiagita- tion, in Vereine, Versammlungen, kurz in's öffentliche Leben reiße, das geheiligte Familienleben mit frevler Hand zerstöre und das Wirthshauslaufen und Schnapssaufen fördere. Die Pest des Schnapstrinkens könne also erst mit dem Sozialismus aus der Welt geschafft werden, und da letzteres leider nicht so ohne Weiteres angehe, beantrage er einstweilen, daß die Regierung das sogenannte„Bergläsern" des Schnapses verbiete und den Verkauf erst von einem Liter an aufwärts gestatte. So albern dieser Ausfall gegen die Sozialdemokratie auch war, so enthielt er doch viel zu viel Injurien, als daß er mit Stillschweigen hingenommen werden konnte. Es erhob sich unser Genosse Mehlhorn au? Crimmitschau, um dem superklugen Herrn Stadträth Ludwig-Wolf den Nachweis zu liefern, daß er in's Blaue hineingeredet Hab:. Gerade der Schnapstrunk, so entgegnete Mehlhorn, sei so recht ein Produkt der durch und durch elenden und faulen Zustände von heute, jener Zustände, welche der Sozialismus gründlich zu beseitigen strebe. Nicht je besser, sondern vielmehr je schlechter die Löhne, die Lebens- bedingungen des arbeitenden Bolkes seien, desto mehr werde Schnaps getrunken, weil sich da der arme Arbeiter für seine wenigen Pfennige einen besseren Genuß nicht verschaffen könne. Er, dem das Bier zu theuer, trage eben seinen Dreler in die Branntweinkneipe, um sich eine kleine Stärkung zu verschaffen. Und wie viele verachtete Schnapssäuser hätten sich anfänglich nur betrunken, um ans eine Zeit das ganz: Elend ihrer Lage zu vergessen! Solche Zustände aber könnten nicht durch klein- liche Mielchen, durch den ewigen Polizeiknüppel beseitigt werden, dazu bedürfe es mehr, nämlich die Beseitigung der Ursachen des zu Tage tretenden Schadens, eine Radikalkur, und eben diese sei seine Partei willen» an de« siechen Leibe der heutigen Ge- stattung der Wechsel, um sie kaufmännischen täuschend ähnlich anftärdigen Mädcken 4 Jabre hindurch e-ne Cetannrfchajt, pflra«6er sellschaft und de» heutigen Staates auszuführen. In ähnlichem Sinne sprach sich Genvffe Hoch aus Nieder- Planitz aus. Köstlich war e» anzusehen, welche verdutzten Ge- fichter die würdigen Gemeindevertreter ob solcher Entgegnung «achten. Damit aber nicht genug, brachten die sozialistischen Ge- «eindevertreter, deren sich drei auf dem Gemeindetage befanden, noch folgenden Antrag ein: „Geehrter Gemeindetag wolle beschließen: Bei der Landes regierung sei dahin zu wirken, daß 1) alle Arbeiter, namentlich auch die Bergarbeiter, mit chren Kassen unter das Hilfskassen- gesetz gestellt werden, da namentlich die Knappschastskassen der Bergarbeiter ihrem wahren Zwecke nicht entsprechen; 8) für den Bergbau ein strengeres Hastpflichtgesetz eingeführt werde, da die jetzigen auf den Bergbau bezüglichen Bestimmungen nur wenig oder gar nichts nützen.— Mündliche Motivirung vor- deHalten.— David Heinrich Hoch in Niederplanitz. Friedrich Edelmann in Oberplanitz. Unterstützt durch Ludwig Mehlhorn in Crimmitschau. � Leider kam der Antrag wegen eines Formfehlers nicht mehr zur Berathung; das wird aber die Antragsteller nicht hindern, rh» auf dem nächstjährigen Gemeindetage wieder einzubringen. Das war's, was ich über den Gemeindetag noch sagen wollte. Oreij, 19. Oktober. Am 17. Oktober fand hicrselbst eine von circa 1000 Mann besuchte Volksversammlung statt, in welcher Herr Reichstagsabgeordneter W. Hasenclever über das Thema: „Der Stand der Arbeiter gegenüber der heutigen Industrie" referirte. Doch bevor Herr Hasenclever sein Referat begann, nahm er Gelegenheit, eines Tags zuvor erschienenen Leitartikels der hiesigen.Greizer Zeitung" zu erwähnen. Der Artikel war überschrieben:„Herr Hasenclever z. fr. Er." und enthielt zwei Briefe von Arbeitern, in denen der Sozialdemokratie abgcschwo- ren wurde. Der Redakteur der„Greizer Zeitung", ein gewisser Schloßmacher, fragt darin naiv, ob es Herrn Hasenclever ge- lingen wird, durch seine„Phrasen" die Arbeiter von dem Abfall von der Sozialdemokratie abzuhalten. Herr Hasenclever übersetzte das über dem Leitartikel befindliche dunkle„z. fr. Er." mit: „zur fröhlichen Erwiderung", und diese fröhliche Erwiderung war denn auch derart, daß Herr Schloßmacher sich künftig wohl zweimal besinnen wird, derartige Artikel zu schreiben. Den 1'/«ftündigen Vortrag selbst nahm die Versammlung mit dem größten Beifall auf. Räch Beendigung des Vortrags forderte der Borsitzende Treuter die etwaigen Gegner auf, sich zum Worte ui melden, aber Niemand ergriff das Wort, selbst der anwesende Redakteur Schloßmacher nicht, der seine Kauwerkzeuge in diesem Augenblick gerade an einer dampfenden Bratwurst erprobte. Die Versammlung nahm schließlich folgende Resolution an:„Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten völlig einverstanden, und verspricht, trotz der vielen Berkum- düngen und'Schmähungen der hiesigen liberalen Presse, die Be- strebungen der Sozialdemokratie auch fernerhin in Greiz mit allen Kräften fördern zu wollen." Fr. Tr. Ziannftadt, 23. Oktober.(Berichtigung.) Der in der letzten Sonntagsnummer des„Vorwärts" enthaltene Artikel über die Damstädter Communalverhältnisse enthält insofern eine Unrich- tigkeit, als für das 10. mittelrheinifche Turnfest nicht 5000, sondern blas 1500 Mrk. bewilligt wurden. Dies zur Steuer der Wahrheit. dIL. Daß Herr Bürgermeister Ohly in der betr. Sitzung, wo die 10,000 Mrk. für daS Kaiserfest bewilligt wurden, nicht anwesend, sondern erkrankt war, thut nichts zur Sache, er war doch Derjenige, welcher vorher den Borschlag gemacht, der durch die Commisfion ausgeführt wurde. FteilOro««, 10. Oktober. Der Verlauf einer von uns ar- rangirten allgemeinen Arbeiter-Herbstpartie hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen. Es war ein großes und ein schönes Arbeiterfest, das wir letzten Sonntag feierten. Der Festzug be- sonders wird uns auf lange Zeit eine freudige Erinnerung bleiben. Zwischen 150 und 200 Mann marschirten„stramm" hinter der rothen Fahne drein, die zum ersten Male durch Heil- bronn getragen wurve. Eine dunlle Ahnung von der Denk- Würdigkeit dieses Ereignisses schien in die Massen gedrungen: Alles wollte den Zug sehen, als derselbe die Hauptstraßen be- rührte, da bildeten die Massen ein regelrechtes Spalier. Selbst unsere Bourgeoisie vergaß vor lauter Neugierde ihren Haß gegen die rothe Fahne und Kopf an Kopf beguckten sie uns aus ihren Fenstern. Ueber 500 Herrenkarten waren an der Kasse gelöst worden, so daß— Damen und Kinder hatten freien Zutritt— gewiß mehr denn 1000 Menschen auf der„Wilhelmshöhe" ver- zu machen. Wie groß der Geschäfts- Umsatz g« Wesen, mag schon daraus hervorgeben, daß allein Wilke für sechs Millionen Mark solcher Wechsel gegen Zahlung von durchschnittlich 2 Proz. der Wechselsumme jährlich verkaufte und daraus etwa 720 Mrk. monatlichen Reingewinn erzielte. Ter Gerichtshof, bestehend aus den Lreisgerichtsräthen Hücking, Frielinghans und dem Assessor vr. jur. Bitzer, verurtheilte, indem er als Strafver- schärfungsgrund namentlich betonte, welche Gefahr besonders in den heutigen trüben Verhältnissen dem soliden Kredit erwachse, die Angeklagten: Haupthändler Wilke zu 3, Kucht zu l'/a, Alt- mann und Neukrantz zu je 1 Jahr Gefängniß und gleichem Ehrverluste, den Papiersabrikanten Heidland mit Rückficht auf frühere Betrügereien zu 5jährigem Gefängniß und gleichem Ehr- Verluste, die beiden Hauptschlepper Rehberg und Engel zu IV, bezw. 1 Jahr Gefängniß und Ehrverlust, 17 sonstige Bctheiligte zu Gefängnißstrafen unter einem Jahre, fast alle Strafen mit Ehrverlust verbindend. Gegen die meisten der Hauptbctheiligten wird im nächsten Monat ein schlimmes Nachspiel vor dem Schwurgerichtshofe zu Hamm wegen betrügerischen Bankerotts bezw. Wechselfälschung beginnen. trotzdem noch ein Verhältniß mit einem Mädchen zweifelhafte" Rufes, welches er aber, obwohl ein Junge als lebender Beweis des Verhält- nisses die Folge war, im Stiche ließ. Eöln. Carl Boinhagen, Kl. Griechenmarkt 71. Verband sächsischer Berg- und Hüttenarbeiter. Hierdurch bringe ich den Mitgliedern zur Kenntniß, daß laut Ver ordnuug des Königlichen Ministeriums des Innern vom 6. Oktober d. I. der Eintragung des Verbandes in das Genossenschaftsregister nichts im Wege steht. Der Z 2, welcher nach dem sächsischen Bereinsgesetze politische Zwecke verfolgen sollte urd lie Verzögerung der Statuten zur Folge halte, ist somit gesexl.ch anerkannt, jedoch dürfen nildtdi-positionssähige Per- sonen(unter 21 Jahr alte) nicht aufgenommen werden; desgleichen ist die Bildung von Zweigvereinen oder die Verbindung mit anderen Ver- einen unterfagt, und ist der Borstand dafür verantwortlich. Was Letz- leres anlangt, bleibt die Gejchäfteführung wie bisher dieselbe. Vor- stehende Verordnung wurde mir heute durch den Stadt ath zu Zwickau eröffnet und wird oemnächst der Beschluß vom Königlichen Gericht- aml schriftlich erfolgen. , Gleichzeitig sei bemerkt, daß in der am 11. November stattfindenden BvrstandSsitzung unter Milanwefenheit des Rechtsanwalts und Königl. Notars P.— in welcher auw die Eontrvlcommission vertreten sein wird— alles Weitere über Orgoni'at on und Gejchästsführung be- ralhen resp. beschlossen wird. Die Ausgabe der Statuten erfolgt jeden- falls zu Ansang Dezembir und zwar für die bis 1. November d. I. eingetretenen Mitglieder gratis— Alles Nähere bringt das für den Monat Dezember erscheinende C'reulair.— Diejenigen Personen, welche noch nicht 21 Jahre alt sind, desgleichen solche, welche den vom Bor- stände aufgestellten Grundsätzen nicht entsprechen(stehe Circulaire) sind nicht ausnehmbar, dahingegen find solche, welche länger als drei Mo- nate Steuern restiren oder ausgeschieden waren, vom 1. November d. I. statutarisch als Reueiwretende zu behandeln. Vorort Zwickau(Schedewitz), 20. Oktober 1877. C. Ebert, z. Z. Borsitzender. Hirfichtlich der am 11. November stattfindenden Conserenz findet am 4. November von Vormittags II Uhr an eine Borbesprechung im Schießhause zu Hartenstein statt. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Lugau-Würschnitz. Die Cor trolcommissio». An die Arbeiter Deutschland»! Daß die hiesigen Steinhauer mit ihren Arbeitgebern seit einiger Zeit im Strike liegen, wurde bereits von anderer Seile berichtet. Be wissenlose Agenten, deren schmutziges Metier es ist, durch allerlei lügen. hafie Beriprechungen und Vorspiegelungen den Mcnschenschacher zu de treiben, bereisen Deutschland, Amerika rc., um die hiesige» ftrikenden Arbeitskräfte durch ausländische zu ersetzen. Es gelang auch wirklich, eine Anzahl deutscher Arbeiter herzulocken, aber mit freudiger Genug tduung tonnten wir berichten, daß die Verleiteten sofort die Arbeit ein stellten, als sie erfuhren, um was es sich handle. Die hiesigen Stein. Hauer glaubten sich nunmchr der Hoffnung hingeben zu dünen—(da sie sich anch wahrhaft nobel mit den Deutschen abfanden, denn jeder derselben erhielt ein Handgeld von 40 Mark, fte-e Fahrt nach Hamburg und von da ein Bisset 2. Classe, wohin er sich begeben woll-e)—, am Sieg nicht mehr verhindert zu w-rden. Jedoch iaum waren einige Tage verflossen, da kam eine noch größere Anzahl Savoyarden und Deutsche, um hier Judassilberlinge einzuhe msen. Mit gerewtem Schmerze muß es jeden Deutschen erfüllen, daß> erade seine Landsliute es sind, die sich zum stnöden Berrathe an ihren Mitarbeitern gebrauiten lassen. Solche verrätherische» Dienste leisten die englischen und französischen Arbeiter den Ausbeutern nicht. Deutsche Arbeiter, die Ihr Euch auf diele Wesse schmählich kaufen lasset, begresiet, daß Ihr dadurch in erster Linie Euch selbst moralilch und materiell schädigt. Während Ihr Euch dem Spotte jedes selbstbewußten Arbeiters aussetzt, werdet Ihr die Niederlage einer großen Anzahl braver englischer Familienväter herbeiführen; ist dies geschehen, dann werdlt Ihr ohne Gnade aus das Pflaster geworfen, deß>eid ge Laut Beschluß der Generalversammlung des Comm. Arbeiter Bil- dungs-Vereir.s zu London am 6. d. MS. wurde Genosse Ehrhart zum correspondirenden Sekreiär ernannt, und sind alle Briefe ic. ic. nur an dessen Adresse zu richten, welche ist: F. I. Ehrhart. 4, Francis Street, Tottenham Court Road, Loub«n W. Da durch die bereits 2jSbrige Krankheit unseres Genosse» Buhle, deren Ende überhaupt noch nicht abzusehen ist, dessen materielle» Ver- Hältnisse gerade keine glänzenden sind, so ersucht Unterzeichneter die auswärtigen Schuldner Buhle's, sich ihrer Verpflichtungen zu ermuern, und dieselben baldmöglichst begleichen zu wollen. _ W. Pfanuknch. Sollte irgend einer der Genossen einen sächsischen Siegesthaler der Prägung 1870—71 auftreiben können, so bitte ich denselben bis z» dem Preise von 4,50 M. unter Nachnahme an die Expedition des„Hessischen BolksblattS", Cassel, Pferdemarft 5, einsenden zu wollen. W. Pfauukuch. Quittung. LgS Hannover Ann. 1,50. Anglstn hier Ab. 1,80. Schudrverein Hannover Ann. 1,50. Hstn hier Ann 0.60. Wlk Limmer Ann. 1,80. Bglr hier Ab. 3,75. Zchrds Hermannstadt Ab. 4,00. Hssnr Mainz Ab. S,50. Uhlmnn Cainsdorf Ab. 14,05. L. Lrn Agram Ab. 2,41. Lndr Stollberg Ann. 0,90. Lnz Paffau Ab. 3,00. St Oschatz Schr. 0,60. Bllstdt Reumünster Schr. 14,25. Stmmlr Hanau Schr. 21,00. Flhbr Budenbeim Schr. 1,40. (A/ttnlmr/'r Allgemeiner deutscher Töpferverei». Dienstag, den 30. Oktober, Abends 80, Uhr, bei Herrn Hübner, gr. Rosenitraße 37: Geschlossene Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom Slistungsfest. 2. Wichtige Or-- ganisanonsfrogen.[80 Jedes Mi glied muß erscheinen. G. LlawS. Q.PtllltO Allgemeiner Deutscher Schneiderverei«. Allen Collegen hierdurcv zur kenntniß, daß w« unier Versammlungslokal nach der Roßstraße 4b, bei Hrn. H u n s e, verlegt haben.[40) Der Bevollmächtigte. ftormi/r Krankenkasse der Metallarbeiter für Leipzig und �erpM. Umgegend(E. Gen.). Jeden Sonnabend, Abends halb 9 Uhr, in der Thime'schen Brauerei, Tauchaerstroße Nr. 12[70 Versammlung und Aufnahme neuer Mitglieder. R. L»d«ig, Vorsteher. Leipzig. fammeli maeen bi, der n tTm Srtf, wiß. Bereits haben Demorst, atwnen gegen die ausländ.schen Arbeiter n Ä, Dn« w Ä, hier stattgefunden. Vorkommnisse, wie die eben°nq. deuteten. werden lauschten. Das Fest»erluf m der schönsten Weise. An Musik, � jetzt keinesfalls beneidevswerihe Loos der Demschen hierfetbst Dcklamai tonen, Gesang und lebenden Btlderu fehlte es nicht, geradezu unerträglich machen. Unsere Parteigrundsätze machen es uns Besonders aber erfreuten NU» die folgenden Begrüßnngstele- zur Pflicht, gerade jetzt alles aufzubieten, um dem elenden Menschen- gramme: schacher Einhalt zu gebieten; thue Jeder feine Schuldigkeit; es darf „Den Heilbronner Genossen zn ihrer Herbstfeier brüderlichen keine Versammlung vergehen, in der man nicht auf obige Borkomm- Glückwunsch und dreifach donnerndes Hoch! Nisse aufmerksam machte. Namentlich Thüringen und die kleweren Die Stuttaarter Genossen Kaufmann" deutschen Städte weiden von den Agenten heimgesucht. Möchten doch «-.errli-ften Bruderar� d� die Genossen in den deutschen Seestädlen recht auf der Hut se n. Auch ..nw iÄ ifXZ Z.--suche ich alle diejenigen Organe, die es mit dem Wohle der Arbeiter nosten, nur itnmer muthig oorluärt-. Es lebe dle mternattonale, östlich meinen, diese Not-z in ihre Spa'Ien auszunehmen. Der Lon- Soztaldemokratte._.,, Stuttgart." doner Arbeitsmarkt ist vollständig überfüllt, und ersuche ich alle die- Asell m Westfalen. Von hier wird der„Kölnischen Ztg.", jenigen Arbeiter, welche nach hier Engagements eingehe» wollen, sich Folgendes geschrieben: Die Verhandlungen des hiesigen Kreis- zuvor an Unterzeichneten zu wenden. gerichts in dem Monstreprozesse gegen die Berliner Keller- London, den 20. Oktober. Wechselhändler, Hersteller und Veransgaber haben nach neun- Mit brüderlichem Gruß tägigcr Dauer ihr Ende erreicht. Die Angeklagten find alle aus' � 3-®ht6ort, Corr. Sekretär d. Eomm. Arb. Bild-V? rein. guter, zum Thcil feiner Familie, es befinden sich darunter Söhne � iCr-: 4' S'reet. TM-enham Evurt Road. London w. Soeben erfahre ich, daß auch in Wolverhamton, wo die Zimmer leule und Banschreiner ausstehen, deutsche Arbeiter als Eijatz für die Strikenden eingetroffen sind. Umsomehr ist eS daher unsere Pflicht, jeden wei'eren Zuzug von demschen Arbeitern zu verhindern. Ich er- suche deshalb nochmals alle arbeiterfteundlichen Blätter Deutschlands, eines Tribunalrathes, Superintendenten, Landrathes, praktischen Arztes u. f. w., einer ist oanck. med., ein Anderer war Landwehroffizier, ein Dritter Offizier der päpstlichen Armee. Ter beendete Prozeß verdient von einem andern Gesichtspunkte,_____ höhere Beachtung. Unseres Wissens ist das Soester Gericht das obige Zeilen abzudrucken. erste in Deutschland, welches in der bloßen Begebung von Keller---------------- wechseln, auch wenn solche ohne besondere positive falsche Bor- Allgemeine Gkwcrkschafts-Vcrsammlnng spiegelungen geschieht, einen Betrug, in dem Handel mit solchen, Dienstag den 30. d. M., Abends'/»� Uhr, im Saale des Herrn dem Hergeben von solchen werthlosen Unterschriften gegen Ent- Jacob,, Rosenthai gösse. Tagesordnung: Central-Organ-Frage. gelt, dem Heranschleppen der Unterzeichner Beihülfe zum Betrüge Referent Oehme. Die Borstände der hier bestehenden Gewerkschasien, erblickte, während früher namentlich auch von dcr Siaalsanwalt-' sowie die der Umgegend werden ersucht, ihre resp. Mitglieder besonders fttaft in Berlin, aus rechtlichen Bedenken ein Einschreiten abae- i aufmerksam zu machen und zu zahlreichem Besuch aufzusvrdern. lehnt wurde. Erst seit dem Vorgehen des Soester Gerichts find! � cv t-rnberuser. überall in Nord- und Süddeutschland solche Untersuchungen an- hongig gemacht und zum Theil beendet. Jenes rasche und energische Vorgehen und die von einem eigens dazu deputirten Rnhter geführte anderthalbjährige mühsame Untersuchung hat deshalb den Behörden einen Blick in jenes Geschäststreiben ge- Briefkaste« der Redaktion. R. B. in Kopenhagen: Dank für die Austlärung; bitten um Zusendung der Broscküre.— N. N. in Kellinghusev: Ihr „Eingesandt" ist durch eine anderweitige bereits veröffeml chte Corre- »lg! tt 2; SISÄte$5 uchkett des Keuerwechfels war man ja schon langst aufmerksam wir Aulwort erhalten, werden wir Sie benachrichttgen. geworden, aber erst dieser Prozeß zeigte die wunderbar gute_ Organisation des Kellerwechselhandels, sowohl im Verkehr der xx. j. offene Anfrage an P. I. Pauly in Kettwig. einzelnen pro jes sionsmaßigen Handlcr."Uttreinander, als mit den Ist der derzeiiigePolizeicommissorWirtz mSt. Johann identisch mit KeraulwortOiNer Redakteur: Hermann Hetßig m Reudnitz- Lewzi» Ober-�und Unterschleppern, �die gr�ße Vorficht bei Ankanf�von dem ehemaligen Sergeanten Wilh. Wirtz, l. Comp, rheinischen Jäger- Redaktton und Expediiitrn Färbe rstraße 12/11. in Leipzig. bataillons Nr. 8? Ter ftühere Sergeant Wirtz unterhielt mit einem Druck und Verlag der GeuoffenschastSbuchdruckerei in Leipzig. Arbeit erb ilduugSverrin. Querstraße 24. Der Unterricht in der Stenographie beginnt Sonnabend, den 27. ds. Ms., Abend« 8 Uhr; im Zeichnen Sonntag, Bormittag VelO UHrp im Rechnen für Anfänger Moniag. Abends 8 Uhr, für Fortgeschrnte- nere um 9 Uhr; in der französischen Sprache für Anfänger M twoch, Abends 8 Uhr, eben, all« 8 Uhr in der deutschen Sprache für Fange- schriltenere; im Englischen für Anfänger Donnerstag, Abends 9 Uhr. Der Unterricht im Englischen für Fortgeschrittene, e beginnt iiiit dem 2. Theil des Leitfaden der englischen Sprache von Ahn; Montag, den 29. ds., Abends 8 Uhr, im Französischen mir Lectton 50 Plötz. Gram- maiik der französischen Sprache Donnerstag 8 Uhr.— Außerdem beginnt ein CursuS im Laufe dieser Woche in der Rundschrift un» in der Phonograph, e, auch wenn die Tbeilnahme eine genügende in der Geo- graphie. Alles Nähere ist im Vereinslokal, Querstraße 24, einzusehen, wo auch jeden Aoend von halb 9 Uhr an die Ausnahme erfolgt.— Alle, die sich an dem Unierricht in dcr russischen Sprache betheiligei, wollen, werten ersucht Dienstag Abend 9 Uhr im Vireinslokal zu erscheinen. Allen Partei- und Gewerksgenossen von hier und Umgegend bei meiner Abreise ein herzliches, Leb wohl! Otto Leander. Stollberg. 90)(F. 280) sind 2 freundliche Schlafstellen. Nr. 18 Hinterhaus 2 Tr. bei 85 Leipzig i. Hauste . Albertstraßc er».(8.213)[60 Im Belage der Volksbuchhandlung(früher Rottmauuer 4 Cie) in München ist erschienen und durch uns zu bez-ehen: Dr. M. Lkhn's Zuristischrs Tlischnikkikoil. Ein Bademecum für Studirende»nd Richt-Juristeu zur Orie« tiruug auf dem Gesammtgebiete der Jurisprudenz. Preis pro Exemplar 1 Mark. Die Expedition des„Borwätt»". Prachtvoll und solid gearbeitete Einbanddecken (Goldpressuug) für die „Neue Welt" Jahrgang 1876 u. 77 sind in Schwarz k Siück M. 1,20, in Roth M. 1,50 gegen baar oder Nachnahme durch die Buchbinderei von H. Jansen, Leipzig, UniderfitätSstraße 16 z» bezieh». Colporteure und Filialexpeditionen erhalten bei Paniebezug enttprechenden Rabatt. Porto zu Lasten der Empfänger. NU. Bestellungen hieraus werden enigegengenommen und effettuin von der Expedition der„Renen Welt", Leipzig, Färberstr. 12 II. Zweite Zahlungs-Aufforderung. Wir fordern folgende Schuldner zur Erfüllung ihrer aus den Jahren 1875 und 1876 herrührenden Verbindlichkeiten gegen Unterzeichnete aus: Alois Treibenreif. f. Z. in Zürich, d. Z w«ugsbu'.g Fr. 1�10 (Mk. 8,10); Arbeiterbildungsverein Wien Fl. 16 lMk. 32,00); E. Settel, Apolda, Mk. 24,06; Valentin Schröder, Sedanstraße in Stuilgurt, ehemaliger Expedient dcr„Stuttgarter Bolkszeiiung", 16,70; I. Heinze, Düsseldorf, 6,00; R. Gensberg,«erlin. 2 00; G. Nesselbosch, Baden- Baden, 3.00; Michel Schwab, Gießen, 0,45; L. Schröder, Dortmund, 26,36; Wasmer u. Keuders. Eonftanz, 23,65; O. Scbütte, ftüher Offen dach, jetzt Hamburg, 7.50; August Reinsdorf, Schriftsetzer, ftüher in Zürich, zuletzt in Bern, jetzt in Le pzig, Fr. 6,00 lMk. 4,801; Uger, Sind., ftüh-r'n Zürr», jetzt auf einer deutschen Universität. Fr. 28,70(Mk. 23.00); Mohrhenn, Bar- wen, 0,65; Bönfch, Schottengasse in Wien, 1,50? Sc. Manz, Offenbach, 3,00; O. Kühne, Freibergerstraße in Dresden, 0,60; H. Kühne, Palmstraße in Dresden, 1,20; W. Boge, Bromberg, l,10; Jeckert, Kleidermacher. Heidelberg, 2,20.. Die Parteigenoffen, welche mit Obigen m Berührung kommen, bitten wir, dieselben an ihre Berbindlichkett zu erinnern, sowie unS deren Adreffen miizutheilen. 8ü,.4,»®»...877, � Eigenthum de» Schweizerischen ArdeilerbiwdeS. Unterschriften, Firmenstempeln, die große Sorgfalt bei Aus- Veilaae des„Vorwärts". Sonntag, 28. Oktober 1877. Herrn Eugen Dühring's Umwälzung der politischen Oekonomie. Von Friedrich Engels. V. o,; Werth, der soviel verschiedene Werthe ist als er Preise hat, hätte .. � er mit aller Theologik nicht fertig gebracht. Man mutt eben w.T"' oav o.»«uiung oiejes �rgunu«« nre.n.g uno einige die Zuversichtlichkeit des Herrn Dühring besitzen, um ei �! neue, tiefere Grundlegung der Oekonomie mit der Erklärung digern, Menschenfreunden aller Art verbreitet, vertheilt und den Volksschulen allgemein als Lesebuch zugewiesen wurde. Dieses Buch hieß: Weise's Kinderfreund. Es hatte den Zweck, die jugend- lichen Sprößlinge der Bauern und Handwerker über ihren Lebens- beruf und ihre Pflichten gegen ihre gesellschaftlichen und staat- lichen Vorgesetzten zu belehren, ingleichen ihnen eine wohlthätige Zufriedenheit mit ihrem Erdenloose, mit Schwarzbrot und Kar- toffeln, Frohndienst, niedrigem Arbeitslohn, väterlichen Stock- prügeln und andern derartigen Annehmlichkeiten beizubringen, und alles das vermittelst der damals landläufigen Aufklärung. Zu diesem Zweck wurde der Jugend in Stadt und Land vor- keinen andern Unterschied zwischen Preis der eine in Geld ausgedrückt sei und der eröffnen, man kenne und Werth, als daß andere nicht. Damit wissen wir aber noch immer nicht, was der Werth ist und noch weniger, wonach er sich bestimmt. Herr Dühring muß also mit weiteren Aufklärungen herausrücken.„Ganz im All- gemeinen liegt das Grundgesetz der Vergleichung und Schätzung, auf welchem der Werth und die ihn in Geld ausdrückenden Preise beruhen, zunächst im Bereich der bloßen Produktion, abgesehen von der Verthcilung, die erst ein zweites Element in den Werth- begriff bringt. Die größern oder geringern Hindernisse, welche �Verschi�nhettde��rveMlS� N ke Bchh� Mensch sich' n Lebensunterhalt und seine Genüsse durch � Dinge gerichteten Bestrebungen entgegensetzt und wodurch sie Mensch ?'be�-rwerben musse und wie glücklich sich demnach der Bauer i größern'oder geringern Ausgaben Vn wirthschaftlicher Kraft � S b$Ä f tattetA r nöthigt. bestimmt auch.. den größern oder geringern Werth" TOnnpn � und dieser wird geschätzt nach dem„von der Natur und den hinunter zu würgen. Dieselben Gemeinplätze, die der alte Weise gut genug hielt für die kursächsischen Bauerjungen seiner Zeit, bietet uns Herr Dühring auf Seite 14 und folgende des„Kursus" als das„absolut Fundamentale" der neuesten politischen Oekonomie. „Die menschlichen Bedürfnisse haben als solche ihre natürliche Gesetzmäßigkeit und sind hinsichtlich ihrer Steigerung in Grenzen eingeschlossen, die nur durch die Unnatur eine Zeitlang über- schritten werden können, bis aus derselben Ekel, Lebensüber- i'ruß, Abgelebtheit, soziale Verkrüppelung und schließlich heilsame Vernichtung folge.... Ein aus reinen Vergnügungen bestehendes Spielen, ohne weitern ernsten Zweck, führt bald zur Blasirtheit oder was dasselbe ist, zum Verbrauch aller Empfindungsfähigkeit. Wirkliche Arbeit in irgend einer Form ist also das soziale Naturgesetz gesunder Gestalten.... Wären die Triebe und Bedürfnisse ohne ein Gegengewicht, so würden sie kaum ein linder- Haftes Dasein, geschweige eine geschichtlich gesteigerte Lebensent- Wicklung mit sich bringen. Bei voller müheloser Befriedigung würden sie sich bald erschöpfen und ein leeres Dasein in Geitalt lästiger, bis zu ihrer Wiederkehr verfließender Intervalle übrig lassen.... In allen Beziehungen ist also die Abhängigkeit der Definitionen. Dies ist um so bequemer, als er seine Defini tionen gleich so einrichten kann, daß dasjenige, was mit ihrer Hülfe bewiesen werden soll, schon theilweise in ihnen enthalten ist. So erfahren wir zunächst, daß der leitende Begriff der bis- herigen Oekonomie sich Reichthum nennt, und Reichthum, wie er Reich entwickelt hat, ist„die ökonomische Macht über Menschen und Dinge". Dies ist doppelt unrichtig. Erstens war der Reich- thum der alten Stamm- und Dorfgemeinden keineswegs eine Herrschaft über Menschen. Und zweitens ist auch in den, in Klassengegensätzen sich bewegenden, Gesellschaften der Reichthum, soweit er' eine Herrschaft über Menschen einschließt, vorwiegend, fast ausschließlich eine Herrschaft über Menschen vermöge und vermittelst der Herrschaft über Dinge Von der sehr frühen Zeit an, wo Sklavenfängerei und Sklavenausbeuwng getrennte Geschäftszweige wurden, mußten die Ausbeuter von Sklaven- arbeit die Sklaven kaufen, die Herrschaft über den Menschen erst durch die Herrschaft über die Dinge, über den Kaufpreis, die Unterhalts- und Arbeitsmittel des Sklaven erwerben. Im ganzen Mittelalter ist großer Grundbesitz die Vorbedingung, ver- mittelst deren der Feudaladel zu Zins- und Frohnbauern kommt. Und heutzutage gar sieht selbst ein Kind von sechs Jahren, daß der Reichthum menschenbeherrschend ist ausschließlich vermittelst der Dinge über die er verfügt. Warum aber muß Herr Dühring diese falsche Definition des � gekommenes Austauschvcrhältmß betrachten zu wollen... Im Reichthums verfertigen, warum den thatsächlichen Zusammenhang, Gegentheil wird das Merkmal einer richtigen Werththeorie sein, wie er in allen bisherigen Klassengesellschaften galt, zerreißen? daß die in ihr gedachte allgemeinste Schätzungsursache nicht mit Um den Reichthum vom ökonomischen Gebiet auf- moralische der auf dem Bertheilungszwang beruhenden besondern Gestaltung hinüber zu zerren. Die Herrschaft über die Dinge ist ganz gut, der Geltung zusammenfalle. Diese wechselt mit der sozialen aber die Herrschaft über die Menschen ist vom Uebel; und da Verfassung, während der �eigentliche ökonomische Werth nur ein Herr Dühring sich selbst verboten hat, die Herrschaft über die der Natur gegenüber bemessener Produktionswerth sein kann und Menschen aus der Herrschaft über die Dinge zu erklären, so sich daher nur mit den reinen Produktionshindernissen natürlicher kann er wieder einen kühnen Griff thun und sie kurzer Hand und technischer Art ändern wird." � erklären aus der beliebten Gewalt. Der Reichthum als menschen- Der praktisch geltende Werth einer Sache besteht also nach beherrschender ist„der Raub", womit wir wieder angekommen Herrn Dühring aus zwei Theilen: erstens ans der in ihr ent- sind bei einer verschlechterten Ausgabe des uralten Proudhonschen i haltenen Arbeit und zweitens aus dem„mit dem Degen in der „das Eigenthum ist der Diebstahl". Hand" erzwungenen Besteuerungs- Aufschlag. Mit andern Worten, Und hiermit haben wir denn glücklich den Reichthum unter der heute geltende Werth ist ein Monopolpreis. Wenn nun, nach die beiden wesentlichen Gesichtspunkte der Produktion und Ver- dieser Werththeorie, alle Waaren einen solchen Monopolpreis theilunq gebracht: Reichthum als Herrschaft über Dinge: Pro haben, so sind nur zwei Fälle möglich. Entweder verliert Jeder duktionsreichthum, gute Seite; als Herrschaft über Menschen: als Käufer das wieder, was er als Verkäufer gewonnen hat; bisheriger Vertheilungsreichthum, schlechte Seite, fort damit! die Preise haben sich zwar dem Slawen nach verändert, sind sich Auf die heutiaen Verhältnisse angewandt, lautet dies: Die kapi- aber in Wirklichkeit— in ihrem gegenseitigen Verhältniß— talistische Produktionsweise ist ganz gut und kann bleiben, aber gleich geblieben; Alles bleibt wie es war, und der vielberühmte die kapitalistische Vertheilungsweise taugt nichts und muß ab Vertheilungswerth ist bloßer Schein.— Oder aber, die angeb- geschafft werden,»su solchem Unfinn führt es, wenn man über lichen Besteuerungsaufschläge repräscntiren eine wirkliche Werth- Sekonomie schreibt' ohne auch nur den Zusammenhang von summe, nämlich diejenige, die von der arbeitenden, wertherzeugen- Produktion und Vertheilunq begriffen zu haben. den Klasse produzirt, aber von der Monopolistenklasse angeeignet Nach dem Reichthum wird der Werth definirt, wie folgt: wird, und dann besteht diese Werthsumme einfach aus unbezahlter „Der Werth ist die Geltung welche die wirthschaftlichen Dinge Arbeit; in diesem Fall kommen wir, trotz dem Mann mit dem und Leistungen im Verkehr haben" Diese Geltung entspricht Degen in der Hand, trotz der angeblichen Besteuerungsauftchlage Worten wiederzugeben: der Werth find die Preise. Denn S. 19„Es ist auch die Preisgestaltung vermöge der individuellen Kon- sagt er:„der Werth und die ihn in Geld ausdrückenden Preise", kurrenz als eine Form der ökonomischen Verthcilung und der konstatirt also selbst, daß derselbe Werth sehr verschiedene Preise gegenseitigen Tributauferlegung zu betrachten... man denke und damit auch ebensoviel verschiedene Werthe hat. Wenn Hegel sich den Vorrath irgend einer nothwendigen Maare plötzlich nicht längst verstorben wäre, er würde sich erhängen. Diesen bedeutend verringert, so entsteht auf Seiten der Verkäufer eine unverhältnißmäßige Macht zur Ausbeutung... wie die Steigerung ins Kolossale zehn kann, zeigen besonders diejenigen abnormen Lagen, in denen die Zufuhr nothwendiger Arttkel für eine längere Dauer abgeschnitten ist" u. s. w. Außerdem gebe es auch im normalen Lauf der Dinge fattische Monopole, die eine Willkühr- liche Preissteigerung erlauben, z. B. Eisenbahnen, Gesellschaften zur Versorgung der Städte mit Wasser und Leuchtgas u. s. w. — Daß solche Gelegenheiten monopolistischer Ausbeutung vor- kommen, ist altbekannt. Daß aber die durch sie erzeugten Mono- polpreise nicht als Ausnahmen und Spezialfälle, sondern grade als klassische Exempel der heute gültigen Feststellung der Werthe gelten sollen, das ist neu. Wie bestimmen sich die Preise der Lebensmittel? Geht in eine belagerte Stadt, wo die Zufuhr abgeschnitten ist, und erkundigt Euch! antwortet Hr. Dühring. Wie wirft die Konkurrenz auf die Feststellung der Marktpreise? Fragt das Monopol, es wird Euch Rede stehn! Uebrigens ist auch bei diesen Monopolen der Mann mit dem Degen in der Hand, der hinter ihnen stehn soll, nicht zu ent- decken. Im Gegentheil: in belagerten Städten pflegt der Mann mit dem Degen, der Kommandant, wenn er seine Schuldigkeit thut, sehr rasch dem Monopol ein Ende zu machen und' die Monopolvorräthe zum Zweck gleichmäßiger Vertheilung mit Beschlag zu belegen. Und im Uebrigen haben die Männer mit dem Degen, sobald sie versuchten einen„Vertheilungswerth" zu fabriziren, nichts geerntet als schlechte Geschäfte und Geldverlust. Die Holländer haben mit ihrer Monopolisirung des ostindischen Handels ihr Monopol und ihren Handel zu Grunde gerichtet. Die beiden stärksten Regierungen, die je bestanden, die nord- amerikanische Revolutionsregierung und der französische National- konvent, vermaßen sich, Maximalpreise festsetzen zu wollen, und scheiterten elendiglich. Die russische Regierung arbeitet nun seit Jahren daran, den Kurs des russischen Papiergeldes, den sie durch fortwährende Ausgabe von uneinlösbaren Banknoten in Rußland drückt, in London durch ebenso fortwährende Ankäufe von Wechseln auf Rußland emporzutreiben. Sie hat sich dies Vergnügen in wenigen Jahren an die sechszig Millionen Rubel kosten lassen und der Rubel steht jetzt unter zwei, statt über drei Mark. Wenn der Degen die ihm von Hrn. Dühring zugeschriebene ökonomische Zaubermacht hat, warum denn hat keine Regierung es fertig bringen können, schlechtem Geld auf die Dauer den „Vertheilungswerth" von gutem, oder Assignaten denjenigen von Gold aufzuzwingen? Und wo ist der Degen der auf dem Welt- markt das Kommando führt? Weiter gibt es noch eine Hauptform, in der der Vertheilungs- Werth die Aneignung von Leistungen Anderer ohne Gegenleistung vermittelt: die Besitzrente, d. h. die Bodenrente und der Kapital- gewinn. Wir registriren dies einstweilen blas, um sagen zu können, daß dies Alles ist was wir über den berühmten,„Ver- theilungswerth" erfahren.— Alles? Doch nicht ganz Alles. Hören wir: „Ungeachtet des zweifachen Gesichtspunkts, welcher in der Erkenntniß eines Produktions- und eines Vertheilungswerths hervortritt, bleibt dennoch stets ein gemeinsames Etwas als derjenige Gegenstand zu Grunde liegen, aus welchem alle Werthe bestehen und mit welchem sie daher auch gemessen werden. Das unmittelbare, natürliche Maß ist der Kraftaufivand und die einfachste Einheit die Menschcnkraft im rohesten Sinne des Wortes. Die letztere führt sich aus die Existenzzeit zurück, deren Selbstunterhaltung wiederum die Ueberwindung einer gewissen Summe von Ernährungs- und Lebensschwierigkeiten darstellt. Der Vertheilungs- oder Aneignungswerth ist rein und ausschließlich nur da vorhanden, wo die Verfügungsmacht über unproduzirte Dinge, oder, gewöhnlicher geredet, diese Dinge selbst gegen Leistungen oder Sachen von wirklichen Produttionswerth ausgewechselt werden. Das Gleichartige, wie es sich in jedem Werthausdruck und daher auch in den durch Bertheilung ohne Gegenleistung angeeigneten Werthbestandtheilen angezeigt und vertreten findet, besteht in dem Aufwand an Menschenkraft, die sich... in jeder Waare... verkörpert findet." Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn alle Waarenwerthe gemessen werden an dem in den Waaren verkörperten Aufwand von Menschenkraft— wo bleibt da der Vertheilungswerth, der Preisaufschlag, die Bezollung? Hr. Dühring sagt uns zwar, daß auch unproduzirte, also eines eigentlichen Werthes unfähige Dinge einen Vertheilungswerth erhalten und gegen proouzirte, werthhabende Dinge ausgetauscht werden können. Er sagt aber gleichzeitig, daß alle Werthe, also auch die reine» und aus- schließlichen Vertheilungswerthe, bestehen in dem in ihnen ver- körperten Kraftaufwand. Wobei wir leider nicht erfahren, wie in einem unproduzirten Ding ein Kraftaufwand sich verkörpern soll. Jedenfalls scheint bei all diesem Durcheinander von Werthen schließlich soviel klar, daß es mit dem Vertheilungswerth, mit dem durch die soziale Positton erzwungnen Preisaufschlag auf die Waaren, mit der Bezollung vermittelst des Degens wieder Nichts ist; die Waarenwerthe werden bestimmt, einzig durch den Aufwand von Menschenkraft, vulgo Arbeit, die sich in ihnen ver- körpert findet? Hr. Dühring sagt also, abgesehen von der Boden- rente und den paar Monopolpreisen, dasselbe, nur liederlicher und konfuser, was die verschriene Ricardo-Marx'sche Werth- theorie längst weit bestimmter und klarer gesagt hat? Er sagt es, und er sagt im selben Athen, das Gegentheil. Marx, von den Untersuchungen Ricardos ausgehend, sagt: Der Waarenwcrth wird bestimmt durch die in den Waaren verkörperte gesellschaftlich nothwendige, allgemein menschliche Arbeit, die wieder nach ihrer Zeitdauer gemessen wird. Die Arbeit ist das Maß aller Werthe, sie selbst aber hat keinen Werth. Hr. Dühring, nachdem er in seiner loddrigen Weise ebenfalls die Arbeit als Werthmaß hingestellt hat, fährt fort: sie„führt sich auf die Exlstenzzett zurück, deren Selbstunterhaltung wiederum die Ueber- Windung einer gewissen Summe von Ernährungs- und Lebens- schwierigkeiten darstellt." Vernachlässigen wir die auf purer Origi- nalitätSsucht beruhende Verwechslung der Arbeitszeit, auf die Umfang, in welchem wir unsre eigne Kraft in sie(die Dinge) hineinlegten, ist die unmittelbar entfcheidende Ursache der Exi- stenz von Werth überhaupt und einer besondern Größe desselben." Soweit dies Alles einen Sinn hat, heißt es: Der Werth eines Arbeitsprodukts wird bestimmt durch die zu seiner Her- stellung nöthige Arbeitszeit und das wußten wir längst, auch ohne Herrn Dühring. Statt die Thatsache einfach mitzutheilen, muß er sie orakelhaft verdrehen. Es ist einfach falsch, daß der Umfang, in dem Jemand seine Kraft in irgend ein Ding hinein- legt,(um die hochtrabende Redensart beizubehalten), die unmittel- bar entscheidende Ursache von Werth und Werthgrvße ist. Erstens kommt es darauf an, in welches Ding die Kraft hineingelegt wird, und zweitens, wie sie hineingelegt wird. Verferttgt unser Jemand ein Ding das keinen Gebrauchswerth für Andere hat, so bringt seine sämmtliche Kraft kein Atom Werth fertig; und steift er sich darauf, einen Gegenstand mit der Hand herzustellen, den eine Maschine zwanzigfach wohlfeiler herstellt, so erzeugen neunzehn Zwanzigstel seiner hineingelegten Kraft weder Werth überhaupt, noch eine besondere Größe desselben. Ferner heißt es die Sache total verdrehen, wenn man die Bethättgung der Triebe und Leidenschaften von der Ueberwindung' produktive Arbeit, die positive Erzeugnisse schafft, in eine bloß einer wirthschaftlichen Hemmung ein heilsames Grundgefetz der negative Ueberwindung eines Widerstandes verwandelt. Wir äußern Nawreinrichtung und der inneren Menschenbeschaffcnheit" würden dann etwa wie folgt verfahren müssen, um zu einem u. s. w. u. s. w. Man sieht. Ehren-Weise's platteste Plattheiten Hemde zu kommen: Erstlich überwinden wir den Widerstand des feiern bei Herrn Dühring ihr hundertjähriges Jubiläum, und Baumwollsamens gegen das Gesätwerden und das Wachsen, dann das obendrein als„tiefere Grundlegung" des einzig wahrhaft den der reifen Baumwolle gegen das Gepflückt-, Verpackt- und kritischen und wissenschaftlichen„sozialitären Systems". Verschicktwerden, dann den gegen das Ausgepackt-, das Gekratzt- Nachdem der Grund also gelegt, kann Herr Dühring weiter und Gesponnenwerden, ferner den Widerstand des Garns gegen bauen. In Anwendung der mathematiscken Methode gibt er das Gewebtwerden, den des Gewebes gegen das Gebleicht- und uns zuerst, nach Vorgang des alten Euklid, eine Reihe von Genähtwerden und endlich den des fertigen Hemdes gegen das Angezogenwerden Wozu all diese kindische Verkehrung und Verkehrtheit? Um vermittelst des„Widerstandes" vom„Produktionswerth", dem wahren, aber bis jetzt nur idealen Werth, auf den in der bis- hcrigen Geschichte allein geltenden, durch die Gewalt verfälschten wirklich weltgeschichtlich bis jetzt verstanden worden ist und sein„Vertheilungswerth" zu kommen:„Außer dem Widerstand, den die Natur leistet...' gibt es noch ein anderes, rein soziales Hinderniß... Zwischen den Menschen und die Natur tritt eine hemmende Macht, und diese ist wiederum der Mensch. Der einzig und isolirt Gedachte steht der Natur frei gegenüber... Anders gestaltet sich die Situation, sobald wir uns einen Zweiten denken, der mit dem Degen in der Hand die Zugänge zur Natur unv ihren Hülfsquellen besetzl hält und für deu Einlaß in irgend einer Gestalt einen Preis fordert. Dieser Zweite... besteuert gleichsam den Andern und ist so der Grund, daß der Werth des Erstrebten größer ausfällt, als es ohne dies politische und gesell- schaftliche Hinderniß der Beschaffung oder Produktion der Fall sein könnte... Höchst mannichsaltig sind die besondern Gestaltungen dieser künstlick gesteigerten Geltung der Dinge, die natürlich in einer entsprechenden Niederdrückung der Geltung der Arbeit ihr begleitendes Gegenstück hat... Es ist daher eine Illusion, den Werth von vornherein als ein Aequivalent im eigentlichen Sinne des Wortes, d. h. ein Gleichvielgelten, oder als ein nach dem Prinzip der Gleichheit von Leistung und Gegenleistung zu Stande . �WWW>W>W �MW�WWWWß»» 7_______ �_______ auf___ „dem Preise oder irgend einem sonstigen Acquivälentnamen, und dem behaupteten Vertheilungswerth, wieder an— bei der es hier allein ankommt, mit der Existenzzeit, die bisher noch nie j. B. dem Lohne." Mit andern Worten: der Werth ist der Marx'schen Theorie vom Mehrwerth. �Werthe geschaffen oder gemessen hat. Vernachlässigen wir auch Preis. Oder vielmehr, um Hrn Dühring kein Unrecht zu thun Sehen wir uns jedoch um nach einigen Exempeln des viel- den falschen„sozialitären" Schein, den die„Selb st Unterhaltung" und den Widersinn seiner Definition möglichst in seinen eigenen berühmten„Vertheilungswerths. Da heißt es s. 12» u. folg.: dieser Existenzzeit hineinbringen soll; so lange die Welt bestanden hat und bestehen wird, muß Jeder sich in dem Sinne selbst unter- halten, daß er seine Unterhaltsmittel selbst verzehrt. Nehmen wir an, Hr. Dühring habe sich ökonomisch und präcis ausge- drückt, so heißt obiger Satz entweder gar nichts, oder er heißt: Der Werth einer Waare wird bestimmt durch die in ihr ver- körperte Arbeitszeit, und der Werth dieser Arbeitszeit durch die zur Erhaltung des Arbeiters für diese Zeit erforderuchen Lebens- mittel. Und das heißt für die heutige Gesellschaft: der W.-rth einer Waare wird bestimmt durch den in ihr enthaltenen Ar- b e i t s l o h n. Hiermit sind wir endlich angekommen bei dem, was Herr Dühring eigentlich sagen will. Der Werth einer Waare bestimmt sich, nach vulgärökonomischer Redeweise, durch die Herstellungs- kosten; wogegen Carey„die Wahrheit hervorhob, daß nicht die Produktionskosten, sondern die Reproduktionskosten den Werth bestimmen"(Krit. Gesch. S. 401). Was es mit diesen Her- stellungs- oder Wiederherstellungskosten auf sich hat, davon später; hier nur dies, daß sie bekanntlich bestehn aus Arbeitslohn und Kapitalprofit. Der Arbeitslohn stellt dar den in der Waare verkörperten„Kraftaufwaud", den Produktionswerth. Der Profit stellt dar den vom Kapitalisten kraft seines Monopols, seines Degens in der Hand erzwungenen Zoll oder Preisaufschlag, den Vertheilungswerth. Und so löst sich die ganze Widerspruchs- volle Verwirrung der Dühring'schen Werththeorie schließlich auf in die schönste harmonische Klarheit. Die Bestimmung des Waarcnwerthes durch den Arbeitslohn, die bei Adam Smith noch häufig mit der Bestimmung des Werths durch die Arbeitszeit durcheinanderläuft, ist seit Ricardo aus der wissenschaftlichen Oekonomie verbannt und treibt heut- zutage ihr Wesen nur noch in der Vulgärökonomie. Es sind grade die allerplattsten Sykophanten der bestehenden kapitalisti- scheu Gesellschaftsordnung, die die Werthbestimmung durch den Arbeitslohn predigen, und dabei gleichzeitig den Profit des Kapitalisten ebenfalls als eine höhere Art von Arbeitslohn, als Entsagungslohn(dafür daß der Kapitalist sein Kapital nicht ver- jubelt hat), als Risicoprämie, als Geschäftsführungslohn u. s. w. ausgeben. Herr Dühring unterscheidet sich von ihnen nur dadurch, daß er den Profit für Raub erklärt. Mit andern Worten, Herr Dühring begründet seinen Sozialismus direkt auf die Lehren der schlechtesten Sorte Vulgärökonomie. Soviel an dieser Vulgär- ökonomie, genau soviel ist an seinem Sozialismus. Beide stehn und fallen mit einander. Es ist doch klar: was ein Arbeiter leistet und was er kostet, sind ebenso verschiedene Dinge wie was eine Maschine leistet und was sie kostet. Der Werth, den ein Arbeiter in einem Arbeits- tage von zwölf Stunden schafft, hat gar nichts gemein mit dem Werth der Lebensmittel, die er in diesem Arbeitstage und der dazugehörenden Ruhepause verzehrt. In diesen Lebensmitteln mag eine drei-, vier-, siebenstündige Arbeitszeit verkörpert sein, je nach dem Entwicklungsgrad der Ergiebigkeit der Arbeit. Nehmen wir an, es seien sieben Arbeitsstunden zu ihrer Herstellung nöthig gewesen, so besagt die von Herrn Dühring angenommene vulgär- ökonomische Werththeorie, daß das Produkt von zwölf Arbeits- stunden den Werth des Produkts von sieben Arbeitsstunden hat, daß zwölf Arbeitsstunden gleich sind sieben Arbeitsstunden, oder daß 12-7. Um noch deutlicher zu sprechen: Ein Arbeiter auf dem Lande, gleichviel unter welchen gesellschaftlichen Verhältnissen, produzirt eine Getreidesumme meinetwegen von zwanzig Hekto- litcr Weizen in, Jahr. Er verbraucht während dieser Zeit eine Summe von Werthen, die sich in einer Summe von fünfzehn H.ktoliter Weizen ausdrückt. Dann haben die zwanzig Hekroliter Weizen denselben Werth wie die fünfzehn, und das auf demselben Markt und unter sonst sich vollständig gleichbleibenden Umständen, mit andern Worten, 20 sind gleich 15. Und das nennt sich Oekonomie! Alle Entwicklung der menschlichen Gesellschaft über die Stufe thierischer Wildheit hinaus fängt an von dem Tage, wo die Arbeit der Familie mehr Produkte schuf, als zu ihrem Unterhalt noth- wendig waren, von dem Tage, wo ein Theil der Arbeit auf die Erzeugung nicht mehr von bloßen Lebensmitteln, sondern von Produktionsmitteln verwandt werden konnte. Ein Ueberschuß des Arbeitsprodukts über die Unterhaltungskosten der Arbeit, und die Bildung und Vermehrung eines gesellschaftlichen Produktions- und Reservefonds aus diesem Ueberschuß, war und ist die Grundlage aller gesellschaftlichen, politischen und intellektuellen Fortentwick- lung. In der bisherigen Geschichte war dieser Fond das Besitz- thum einer bevorzugten Klasse, der mit diesem Besitzthum auch die politische Herrschaft und die geistige Führung zufielen. Die bevorstehende soziale Umwälzung wird diesen gesellschaftlichen Produktions- und Reservefond, d. h. die Gesammtinasse der Roh- stoffe, Produktionsinstrumente und Lebensmittel, erst wirklich zu einem gesellschaftlichen machen, indem sie ihn der Verfügung jener bevorzugten Klasse entzieht, und ihn der ganzen Gesellschaft als Gemeingut überweist. Von zwei Dingen eins. Entweder bestimmt sich der Werth der Waaren durch die Unterhaltskosten der zu ihrer Herstellung nöthigen Arbeit, d. h. in der heutigen Gesellschaft durch den Arbeitslohn. Dann erhält jeder Arbeiter in seinem Lohn den Werth seines Arbeitsprodukts, dann ist eine Ausbeutung der Klasse der Lohnarbeiter durch die Klasse der Kapitalisten eine Unmöglichkeit. Gesetzt, die Unterhaltungskosten eines Arbeiters seien in einer gegebenen Gesellschaft durch die Summe von drei Mark täglich ausgedrückt. Dann hat das Tagesprodukt des Arbeiters nach der obigen vulgärökonomischen Theorie den Werth von drei Mark. Nehmen wir nun an, der Kapitalist, der diesen Arbeiter beschäftigt, schlage auf dies Produft einen Profit, eine Bezollung von einer Mark und verkaufe es für vier Mark. Dasselbe thun die andern Kapitalisten. Alsdann aber kann der Arbeiter seinen täglichen Unterhalt nicht mehr mit drei Mark bestreiten, sondern braucht dazu ebenfalls vier Mark. Da alle andern Umstände als gleichbleibend vorausgesetzt sind, so muß der in Lebensmitteln ausgedrückte Arbeitslohn derselbe bleiben, der in Geld ausgedrückte Arbeitslohn muß also steigen und zwar von drei auf vier Mark täglich. Was die Kapitalisten in der Gestalt von Profit der Arbeiterklasse entziehen, müssen sie ihr in der Gestalt von Lohn wiedergeben. Wir sind genau soweit wie am Anfang: wenn der Arbeitslohn den Werth bestimmt, ist keine Ausbeutung des Arbeiters durch den Kapitalisten möglich. Es ist aber auch die Bildung eines Ueberschusses von Produkten unmöglich, denn die Arbeiter verzehren nach unsrer Voraussetzung genau soviel Werth wie sie erzeugen. Und da die Kapitalisten keinen Werth erzeugen, ist sogar nicht einmal abzusehen wovon sie leben wollen. Und wenn nun ein solcher Ueberschuß der Produktion über die Konsumtion, ein solcher Produftions- und Reservefond dennoch besteht und zwar in den Händen der Kapita- listen, so bleibt keine andere Erklärung möglich, als daß die Arbeiter blos den Werth der Waaren zu ihrer Selbstunter- Haltung verzehrt, die Waaren selbst aber den Kapitalisten zum weitern Gebrauch überlasten haben. Oder aber: wenn dieser Produftions- und Reservefond in den Händen der Kapitalistenklasse thatsächlich besteht, wenn er that- sächlich durch Aufhäufung von Profit entstanden ist(die Boden- rente lassen wir hier einstweilen aus dem Spiel): so besteht er nothwendig aus dem aufgehäuften Ueberschuß des der Kapitalisten- klaffe von der Arbeiterklasse gelieferten Arbeitsprodukts über die der Arbeiterklasse von der Kapitalistenklasse gezahlte Summe Arbeitslohn. Dann bestimmt sich aber der Werth nicht durch den Arbeitslohn, sondern durch die Arbeitsmenge selbst; dann liefert die Arbeiterklasse der Kapitalistenklasse im Arbeitsprodukt eine größere Werthmenge als sie von ihr im Arbeitslohn bezahlt er- hält, und dann erklärt sich der Kapitalprofit, wie alle andern Formen der Aneignung fremden, unbezahlten Arbeitsprodukts, als bloßer Bestandtheil dieses von Marx entdeckten Mehrwerths. Beiläufig. Von der großen Entdeckung, mit der Ricardo sein Hauptwerk eröffnet:„Daß der Werth einer Waare abhängt von der zu ihrer Herstellung nöthigen Arbeitsmenge, nicht aber von der für diese Arbeit gezahlten höheren oder niedrigeren Ver- gütung"— von dieser epochemachenden Entdeckung ist im ganzen Kursus der Oekonomie nirgends die Rede. In der„Krit. Geschichte" wird sie mit der orakelhaften Phrase abgefertigt:„Es wird(von Ricardo) nicht bedacht, daß ein größeres oder geringeres Ver- hältniß, in welchem der Lohn eine Anweisung auf die Lebens- bedürfniffe sein kann(l), auch eine verschiedenartige Gestaltung der Werthverhältnisse... mit sich bringen muß!" Eine Phrase wobei sich der Leser denken kann was er will, und wobei er am sichersten geht, wenn er sich gar nichts dabei denkt. Und nun möge der Leser sich von den fünf Sorten Werth, mit denen Herr Dühring uns aufwartet, selber diejenige aussuchen, die ihm am besten gefällt: den Produftionswerth, der von Natur kommt, oder den Vertheilungswerth, den die Schlechtigkeit der Menschen geschaffen hat und der sich dadurch auszeichnet, daß er nach dem Kraftaufwand gemessen wird, der nicht in ihm steckt; oder drittens den Werth der durch die Arbeitszeit gemessen wird, oder viertens den der durch die Reproduktionskosten, oder endlich den, der durch den Arbeitslohn gemessen wird. Die Auswahl ist reichlich, die Konfunon vollkommen, und es bleibt uns nur noch übrig, mit Herrn Dühring auszurufen:„Die Lehre vom Werth ist der Probirstein der Gediegenheit ökonomischer Systeme!" Zur Kulturgeschichte der Menschheit. i. Wenn man mit ziemlicher Gewißheit weiß, wie ein Volk das geworden ist, was es ist, so läßt sich erschließen, was es noch werden wtll. Und wie den einzelnen Menschen Selbsterkenntniß noth thut, um aus ihrer vergangenen Entwicklung ihre zukünf- tige Bestimmung zu folgern, so mit ganzen Völkern. Nun ist zwar noch Manches dunkel, was betreffs der Urgeschichte der Deutschen zu wissen wichtig wäre; wir denken aber, daß nach- stehender gedrängter Ueber icht derselben keine beweisbaren Irr- thümer werden vorgeworfen werden. Lassen wir die gewiß berechtigte Annahme gelten, daß die weiße Rasse am Südablmnge des Himalaya aus einem Gemisch gelber Völkerstämme entsprungen, zum Ackerbau, zur Veredlung der Nahrungspflanzen und Hausthiere, zur planmäßigen Ver- cdlung der eignen Rasse durch Gatten- und Nahrungsauswahl, durch körperliches und geistiges Turnen, und durch das stolze Bewußtsein ihrer Bestimmung zur Weltherrschast mächtig ge- worden sei, und von da nach Nordwesten hin— der einzigen, noch nicht stark bevölkerten erreichbaren Erdgegend— theils erobernd sich verbreitet habe, theils durch die viel zahlreicheren Mongolen weiter und weiter verdrängt worden sei. Die semi- tischen Völker(Egvpter, Juden, Araber und alle alten Völker Vorderasiens) müssen die ältesten Auswanderer gewesen sein, weil sie die älteste urkundliche Geschichte und die am weitesten von allen Sprachen der Weißen abgewichenen Sprachen entwickelt haben. Von den arischen Weißen, welche Jahrtausende später auswanderten, muß geschlossen werden, daß sie ein so mildes Klima und einen so üppigen Boden als möglich gesucht haben werden; daß die frühest Gekommenen sich also die besten Länder zur Heimath gewählt und da sich rasch vermehrt und höher ge- bildet haben müssen, so daß die in den rauheren Himmelsstrichen und auf weniger fruchtbarem Boden Gefundenen auch die zuletzt Ausgewanderten gewesen sein müssen und erst viel später die Bildung. Volksmenge und Staatengründung erlangt haben können, um ihren vorangegangenen Verwandten den Besitz der besseren Länder streitig zu machen. Diesem denkrichtigen Schlüsse ent- sprechen die geschichtlichen Urkunden, welche das Dasein der hellenisch-italischen Völker in Südosteuropa ein Jahrtausend früher nachweisen, als die nordeuropäischen nur insoweit erwähnt werden, daß man ungefähr unsere Vorfahren in ihnen erkennen kann. Und die Sprachforschung widerspricht dem nicht. Es ist leicht einzusehn, daß ein Volk, welches seinen Heimathboden nicht verläßt, seine Sprache langsamer umbilden wird, als ein von Land zu Land wanderndes; denn die Sprache ändert sich im Maße, wie neue Eindrücke auf den Volksgeist einwirken, Völker- Mischungen und größerer Verkehr eintreten. Unter den Töchter- sprachen einer gemeinsamen Muttersprache werden also diejenigen die alterthümlichste Form, das ursprünglichste Gepräge aufzeigen, welche von den zuletzt ausgewanderten Stämmen gesprochen wurden. Wenn diese Folgerung schwerlich anfechtbar ist, so sind die deutschen und nächstverwandten Völker, nach ihrer altgothischen Sprache zu urtheilen, später vom Himalaya ausgewandert als diejenigen, welche wir als alte Griechen und Römer kennen; vor ihnen die Perser, zuletzt die Hindu, deren Auswanderungszeit um 1500—500 v. Chr. Geb. wahrscheinlich ist. Dann wären die alten Perser vielleicht um 2000, die Griechen und Jtaler vielleicht um 1500, die Germanen vielleicht um 1000 v. Chr. ausgewandert,. und alle jetzt in Europa wohnenden Weißen müßten, bevor sie ansprechende noch dünnbevölkerte Wohnsitze fanden, mehrmals ihren dauernden Aufenthalt gewechselt haben. Die deutschen(besser germanischen) Völker fanden, als die Nesthäckchen, die ganze Welt vergeben. Nur in dem Lande, welches, heute Turkestan heißt, gab es eine dünne mongolische Hirten bcvölkerung, welche sich verdrängen ließ. Das Land war aber dazumal noch nicht so sehr über das Meer erhoben, noch nicht so ausgedörrt als heute; es gab noch Baumwuchs und Acker- boden, wo heute Steppe, Steppe, wo heute Wüste herrscht. Die Germanen mußten sich also zu demselben Leben, welches die gelben Ureinwohner geführt hatten, bequemen, ein Reiler- und Hirten- Volk mit nur mäßiger Ausdehnung des Ackerbaus werden. Und in dem Maße, wie sie sich vermehrten, mußten sie sich weiter nordwestlich ausbreiten, wo es nur dünngesäcte Mongolen-Stämme gab. So füllten sie, über den Kaukasus vordringend, mit ihrem Nachwuchs das heutige Südrußland— ebenfalls eine Steppe— und alles Land, welches heute Ungarn, Rumänien und Bulga- rien heißt, ja— seit 500 v. Chr. Geb. Thrazien, Mazedonien und Jllyrien. Die Griechen erwähnen sie jetzt zuerst unter dem Namen der Skythen(die Bedeutung ist vielleicht Schützen), da sie aber daneben noch die Sarmaten nennen, in welchen wir die Slawen wiedererkennen, so war schon damals eine Stammes- und Sprachenspaltung der Germanen eingetreten, und zwar in die Littauer, welche sich bis an die Ostsee, zwischen Oder und Peipussee, verbreiteten, in die Slawen, welche Mittel- Ruhland, damals dichtbewaldet, innehatten, und in die Deut- schen, die südlichsten Stämme. Diese frühzeitige Trennung nächstverwandter Völker, welche nie dazu gekommen sind, das Bedürfniß einer nationalen Vereinigung in einem Gesammtstaate zu fühlen, wie es alle ihre übrigen Verwandten gefühlt haben, bedarf einer naturgesetzlichen Erklärung. Wir können diese germanische Eigenthümlichkeit nur durch eine Raturthatsache, durch diese aber auch vollständig erklären. Es fehlte dieser Völkerfamilie in ihrer gesammten Geschichte an einer natürlichen Grenze gegen alle andern Völker. Nur die schwer wegsamen Gebirge, die Wüsten und die größeren Meere bilden natürliche Völkergrenzen, bewirken eine Abschließung nahe verwandter Stämme in sich zu einem sprachlichen und nationalen Ganzen. Dies gilt in ähnlicher Weise von Pflanzen und Thieren. Unter den Völkern sind die schlagendsten Beispiele die Chinesen, Koreaner und Japanesen, die amerikanischen Indianer, die Araber, Abessinier, und in geringerem Grade die Bewohner der euro- päischen Halbinseln. Die germanischen Völker aber hatten seit ihrer Auswanderung aus der Urheimath nie eine nur einiger- maßen abgeschlossene Grenze, außer nach Süden hin— hier aber fanden sie jederzeit Nationen vor, welche staatlich geeinigt und mächtig waren und ihnen durch Eroberungsoersuch: ihr Gebiet streitig machten. Sie wohnten auf der breiten offenen Heerstraße der Völkerwanderung, auf einem Boden, welcher keine dichte Be- völkerung erlaubte, während alle benachbarten Völker entweder geschlossene Nationen bildeten, oder durch Naturfestungen und zahlreiche Bevölkerung ihnen überlegen waren und sie in steter Kampfbereitschaft erhielten. Waren sie weniger kriegstüchtig und unbändig gewesen, so würden sie spurlos unter den Eroberer- Völkern verschwunden sein. Als die am längsten in der Urheimath hochgezüchtete Völkersippe aber entwickelten sie. langsam vor der Uebermacht zurückweichend, welche sie im Süden(das persische, makedonische und römische Weltreich) und im Osten und Nord- osten(die wilden Mongolenscharen) bedrängte, eine mit der stei- genden Bedrängniß sich steigernde Spannkraft. Sie wurden Mann für Mann lebende Urbilder des von Schiller im„Tell" ausge- sprochenen Grundsatzes: Der Starke steht am besten allein. Es wohnte jeder Hausvater auf seinem Landantheile abgesondert; sie haßten die Dörfer und Städte und bildeten Verbindungen blos zu vorübergehenden bestimmten Zwecken, indem Jeder sich auf die eigene Kraft verließ, selbst die Frauen stark in allen Knusten des Kriegs geübt, und die jüngeren Söhne, welche nichts als Waffen erbten, genöthigt wurden, den steten Grenzkrieg zu führen, oder als erobernde Abenteurerschaaren westwärts eine neue Heimath zu suchen. So ist es denn kein Wunder, daß eine Menge germanischer Volksstämme vom großen Stamme abge- trennt worden sind, welche blos noch durch Besonderheiten des Körperbaus, der Sprache und Sitten ihre Abstammung verrathen; daß andere Stämme, von den Mongolen unterworfen und mit diesen zu neuen Völkern, den Tartarm(Türken, Finnen, Ugrier, Bulgaren, Tscherkessen zc.) verwachsen sind, welche eine lichte Hautfarbe und Sprachen mit mongolischen Wortstämmen, aber arischem Satzbau aufweisen; daß noch andere mit den Griechen und deren Verwandten verschwommen sind und heute die Alba- nesen in der Türkei bilden: daß die Slawen und Littauer, unter ein anderes Klima und auf einen dichtbewaldeten Boden versetzt, von den Deutschen sich immer verschiedener entwickelt und sich in mancherlei abweichende Stämme z-rsplitlert haben; daß die beut- schen Abenteurerbanden rm Westen Europas schon früh die schwachen mongolischen, dunkleren und Mischoölklcin zu keltischen (gälischen, welschen) Mischvölkern umgebildet haben und schon 400 v. Chr. G. den Römern als Eroberer gefährlich wurden, mit Sprachen, Körperbau und Sitten, in welchen das Deutsche bald mehr, bald weniger hervortritt; daß zuletzt, noch v. Chr.G., ein Theil der deutschen Stämme Schweden, Norwegen und Däne- i mark einnahm und sich in diesen schwerer zugänglichen Ländern eigentbümlich als Nationen weiter entwickelte, während der Rest dieser Stämme das heutige Deutschland besiedelte, die Nieder- lande und Schweiz eingeschlossen. Aber auch von diesen alt- deutschen Stämmen ging die Hälfte verloren durch Eroberung des weströmischen Reiches, in dessen einzelnen Provinzen sie neue Mischnationen bildeten. Es sind also wohl neun Zehntel des deutschen Völkerstammes verloren und nur ein Zehntel Deutsche geblieben. Die übrigen sind verbraucht worden, um abgestorbene Völker oder Kulturen neuzubeleben oder neue Nationen zu bilden.! Aber in der neuen deutschen Heimath fehlte es erst recgt an einer allseitig abgeschlossenen Grenze. Eine solche giebt es blos z im Süden an den Alpen. Im Osten strömten also eine Menge slawischer Völker, von den Mongolen und Tartaren bedrängt, herein, um die Plätze zu füllen, welche die ins Römerreich aus- gewanderten deutschen Stämme leergelassen hatten. Diese Slawen wurden nach langem friedlichen Nebeneinanderleben von den Deutschen bezwungen und gewaltsam deutsch gemacht; ebenso ein Theil der Littauer(die Kassuben, Preußen, Samgallen und Letten). Und dies war, nächst dem Christenthum und dem römi- schen Rechte, das größte Unglück für das Deutschthum. Denn auf diesem slawischen Boden allein konnte sich ein Oesterreich und Preußen entwickeln, und infolge dessen die Zersplitternng, poli- tische Ohnmacht, der dreißigjährige Krieg mit seinen verderblichen Folgen und die Knechtseligkeit der Deutschen, wie später erklärt werden wird. Die Alpen aber sind für ein kriegstüchtiges Volk kein unwegsames Gebirge, und so kam es, daß die Schicksale Deutschlands und Italiens in einer für beide Theile höchst unheil- vollen Weise verkettet, daß beide durcheinander an der Entwicklung eines geschlossenen Volksthums und einer Nationalität ver- hindert wurden, wie ebenfalls noch weiter zu erklären ist. Vermischtes. — Statistisches. Dr. Mayr, Vorsteher des bayrischen statistischen Bureaus gibt in seinem trefflichen Werke über die Verbreitung der Blinden, Taubstummen ec. die Zahl der Blinden m Deutschland auf 38 000 an oder 88 auf 100,000 Einwohner. Die meisten Blinden sind im Osten(90—120), in ganz Europa und Amerika gibt es 215,000 oder 87 auf 100,000 Einwohner. In Amerika und Australien ist das Verhältnis nur 52 und in den englischen Colonien 38. In Europa haben sehr wenig die Niederlande(44) und Oesterreich(55), viel England(98), Jta- lien(101), Spanien(112), Ungarn(120) und Norwegen(136), Finnland hat gar(224). Zur Heilung der Augenkrankheiten und Verhütung derselben mag dies manchen Wink geben. Taub- stumme gibt es weniger(152,000 für beide genannte Welttheile). Auch hier ist Amerika mit 42 im Vortheil gegen Europa(78), und Holland(33) steht mit Belgien(43) am günstigsten. Die schlimmsten Verhältnisse zeigt wieder der Osten(Preußen, Posen) mit(120—178 und die Schweiz(wegen ihrer Kretinen) mit(245). Die Zahl der Blödsinnigen ist ziemlich groß: 140 in Deutschland, Frankreich nur 114. Bei den Irrsinnigen(40-60) fällt zunächst die hohe Quote der städtischen und industriellen Bezirke auf. Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei in Leipzig.