Ur. 84. Abonnement«• Kedingungen: Obonnementä-Preis pränumerando! «ierteljährl. 3L0 Mr., monatl. wöchentlich 28 Pfg. frei InS Hau». Simeln« Nummer 5 Pfg. SonnIagS- Nummer mit MuNrierier Sonntags- «etlage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Pbonnement: 330 Mark pro Quartal. «ingetragen in der Post- Zeitung». Preisliste für lg 00 unter Dr. 7971. Unter«reu, band für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland s Marl pro Monat. Tisch, int täglich«utzer Zvonlag«. Devlinev VolKsblatl. 1?. Jahrg. Die Dnstrtions- Gebühr deträgt für die fechSgespallene Kolonet» zetle oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerlschafiltche PersinS- und Versammlungs-Anzeigen Lo Pfg. „Klein, Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen btS l Uhr nachmittag» in derSxpeditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher:»mk l, Dr. ISOS. Telegramm- Adresse: „Sorialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratifthen Partei Deutschlands. «edalilio»! SW. 19, Venlh-Str-che 2, Expedition: SW. 19, Venth-Strahe 3. Junkertum oder Industrie. Wie wir bereits mitgeteilt haben, hat der engere Vorstand des.Blindes der Landwirte", das heißt das Trifolium Hahn- Wangenheim-Rösicke, einen langen Kampfartikel erlassen, den er.Zur Klärung der Lage" betitelt. Und zur Klärung der heutigen politischen Situation ist der famose Erlaß allerdings vortrefflich geeignet, wenn auch in andrem Sinne, als seine Verfasser beabsichtigt haben mögen. Was aus der Art und Weise des Vorgehens der Agrarier für jeden, der das bauernschlaue Spiel der Herren kennt, sofort deutlich wurde, von den Rednern für das Fleischeinfnhrverbot und den agrarischen Blättern aber unter der Miene der in ihren heiligsten Gefühlen gekränkten ländlichen Unschuld versteckt wurde, die Thatsache, daß das verlangle Fleischeinfuhrvcrbot nichts andres sein sollte als die erste Etappe im«Entscheidungskampf um die Wieder- errichtung eines ausreichenden Schutzes der Produktion der deutschen Landwirtschaft durch einen neuen Zolltarif", das wird jetzt in diesem ungeschickten Machwerk der Bundesleitung, sdas freilich auch für alle Fälle bereits auf etwaige ReichStagswahlcn und die ländliche Stimmung gegen die»gräßliche Flotte" Rücksicht nimmt, offen zugestanden. Die Maske, als handle es sich um den Schutz der Volksgesundheit, um Trichinengefahr und Volkslvoblfahrt, wird fallen gelassen und als Ziel nur noch der.ausreichende" Zollschutz, die möglichste Verteuerung der Lebensmittel verkündigt. Stellt sich diesem Begehren die Re- gierung entgegen, so muß auch sie als Feind gelten; dann giebts nur eine Politik: die Politik strikter Opposition, auch bezüglich der Flottenforderungen. Zwar haben die Herren so oft "klärt,. auf der ReichstagS-Tribüne wie in der Presse, daß ihr patriotisches Herz sie bestimme, für die Flottenvorlage einzutreten, aber Voraussetzung war dabei, daß die patriotischen Herzenszuckungen recht hoch auf Reichskosten honoriert würden, womöglich mit beträcht- lichem Agio. Run, wo die Leitung des Bunds der Landwirte an nehmen zu können meint, daß das Honorar nicht ganz ihren be- kannten bescheidenen Erwartungen entsprechen wird, mag der viel- gerühmte Patriotismus sich zum Teufel scheren.' Mit nicht mißzuversteheuder Deutlichkeit heißt es im Aufruf:„Die Berücksichtigung der Landwirtschaft bei den kommenden Handelsverträgen kann nur dann erreicht werden, wenn die Abgeordneten, die die landwirtschaftlichen Jitteressen im Reichstag zu vertreten haben, jede gon vernementale und persönliche Rücksichtnahme schwinden lassen und»rein sachliche Politik" treiben, eine Politik, vor der die Regierung der Linken gegenüber stets kapitulierte." Was unter dieser»rein fach- liche» Politik", die in seiner Ungeschicktheit das Hahn-Wangenheimschc Machwerk bei der Linken anerkennt, zu verstehen ist, unterliegt keinem Zweifel: rücksichtslose oppositionelle Jnteressenpolitik. Tie komische Aufregung der modernen Don Quixotes, ist, wie ungeschickt es trotzdem auch von ihnen sein mag, ihren wahrsten Hcrzensgefühlen so unverhohlenen Ausdruck zu geben, mlS ihrer seltsamen Geistesverfassung heraus nur zu begreiflich. Alles war so schön eingefädelt. Zunächst sollten als Abschlagszahlung ans die Zu- stimmnng zur Flottcnvorlage unter hilfreichem Beistand des agrarischen Teils des Ecntrums und des an dem Zustandekommen der Flotten- Vermehrung interessierten Nationalliberalismus das Flcischeinfuhr- Verbot durchgesetzt und darauf bei Gelegenheit des weiteren Kampfs für die Flotte als Entgelt noch einige niedliche Nachforderinigen ge- stellt werden: die anSivärtige Konkurrenz ausschließende Zölle auf Obst und frisches Geuiiise, ein Pferde- Einfuhrverbot, viel- leicht auch eine für später in Aussicht zu nehmeude Er- höhung der Getreidezölle. Diese Errungenschaften gedachte man dann, wie sich aus den Auslassungen der agrarischen Presse zur Zolltariffrage genugsam ergiebt, als agrarische Minimalzollsätze einem sogenannten Mimmaltarif zu Grunde zu legen, unter den bei den Verhandlungen über die ablaufenden HaudelSverträge die Regierungsunterhändler nicht herunter gehen durften. Damit hätten, wie die.Berliner Politischen Nachrichten" neulichS ausführten, die Agrarier sich.dem sichern Gefühl hingeben köunen, daß ein gewisser Schutz ihnen auf alle Fälle geivahrt bleiben mutz und daß unter dieser Grenze ihre Interessen nicht zur Erreichung von Konzessionen auf andren Gebieten ge- opfert werden können". Daß unter diesen Umständen den Staaten, die vorzugsweise in Deutschland landivirtschaftlichc Produkte einführen, wie z. B. den Vereinigten Staaten von Ainerika und Rußland, von vornherein der Abschluß von neuen Handels- Verträge» verleidet worden wäre, darüber befinden sich die Herren ebenso wenig im Zweifel, als über die Folgen, die ein solches Ab- schließiiiigSsystem haben muß. Im Gegenteil, eine Durchlöcherung der ganzen heutigen HaudelSvertragS-Politik wäre ihnen in mancher Beziehung nicht unwillkommen; denn die von diesen Ländern un- zweifelhaft ergriffene» Repressivmaßregeln würde» nicht die Land- Wirtschaft, sondem die deutsche Exportindustrie, den Auslands- Handel und den deutschen Schiffsverkehr treffen. Von einem Zollkrieg mit den Vereinigten Staaten schreckt die edelen Bündler sogar nicht die anerkannte Thatsache ab. daß ein solcher Krieg ziemlich zweifellos mit einem Siege der Union enden muß, denn diese bezieht von Deutschland fast ausschließlich Industriewaren, die sie auch von England, Frankreich, Belgien erhält, lvährend sie nach Deutschland neben Lebensmitteln vorzugsweise Rohstoffe liefert, die, wie zum Beispiel Baumwolle, die deutsche Judustrie nicht entbehren kann. Der Plan war nicht schlecht ausgeheckt; aber in seiner Selbst- überHebung übertrieb das Junkertum gleich von vornherein seine Fordemngcn und weckte dadurch die Gegenaktion der Großindustriellen und Schisssreeder, denen trotz aller Flottenschwärmerei die ihren materiellen Interessen drohende Gefahr nicht verborgen blieb. Der Erfolg der übereilten Kraftprobe ist verschärftes Mißtrauen auf beiden Seiten und eine weitere Verschlechterung des seit dem Kanal- siege des Junkertums zwischen diesem und der Krone bestehenden gespannten Verhältnisses. ES erscheint keineswegs ausgeschlossen, daß nicht immerhin noch das Junkertum in nächster Zeit einzelne seiner Forderungen durch- setzt, und insbesondere die preußische Regierung wird offen und versteckt es an kleinen oder große» Liebesgaben für die Agrarier nicht fehlen lasten, aber zu dem Ziel, das es zu erreichen hoffte, wird es nicht gelangen, auch nicht, wen» es sich zu der von den Herren Hahn und Wangenheim vorgeschlagenen junkerlichen Oppositionspolitik versteht. Die Nationalliberalen können beim besten Willen, so sehr auch manchen sein Herz zur agrarischen Brüderschaft zieht, nicht mitthun, und noch weniger dürfte das Centrum geneigt sein, zur Stärkung des Bundes der Landivirte der feucht-fröhlichcn Führerschaft des Herrn Hahn zu folgen. Selbst unter den nicht zum agrarischen Mischmasch gehörenden Konservativen wird die Oppositionspolitik schwerlich großem Verständnis begegnen. Alle Ucberhebung des Junkertums, alle Rücksichtslosigkeit, niit der es auftritt, vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, daß es mit seiner politischen Herrschaft bergab geht, mag es auch heute noch die ivichtigsten Machtmittel des Staates, Heer und Bnreaukratie, ziemlich fest in der Hand halten und namentlich in Preußen allen Fortschritt mit schwersten Gefahren bedrohen. Die wirtschaftliche Entwicklung bröckelt, wenn auch nur laiigsam, von dem Fundament, auf dem es steht, ein Stück nach dem andern ab, und gerade die letzten Jahre haben an ihm manche VerlvittcrungSspnren zurückgelassen. Die Bourgeoisie, die gegen das Fleischeinfuhrvcrbot Front machte, ist doch nicht mehr so ganz die alte von vor zehn Jahren. Der Unterschied kommt, weil die Veränderung erst begonnen hat, nur noch nicht völlig zum Bewußtsein. Nicht»ur, daß in den letzten Jahren der Prosperität die Industrie mächtig fortgeschritten ist, der Außenhandel eine gewaltige Ausdehnung annimmt, und damit immer weitere kapitalkräftige Kreise sich mit ihren Existenzbedingungen in einen Gegensatz zu den agrarischen Bestrebungen versetzt finden, auch der Charakter des Kapitalismus hat sich verändert. Hinter den großen industriellen Unternehmungen steht heute vielfach nicht mehr der einzelne oder eine beschränkte Gesellschaft, sondern mächtige Banken und Bankgrnppen, deren Einfluß ans alle Zweige des wirtschaftlichen Lebens ein ungleich weitreichenderer ist, als der einer industriellen Aktiengesellschaft. Und zugleich nehmen die großen Betriebe immer gcivaltigere Formen an. ziehen immer weitere Jntercssenkreise in ihren Bann, ja verknüpfen mit sich das Schicksal ganzer Gegenden, wie z. B. die großen Bergwerks- und Hütten- betriebe, die Schiffswerften, Schiffahrtsgcsellschaften usw. Es ist ein andrer Kapitalismus, der sich dort zu regen beginnt, energischer, agressivcr, weniger geneigt, für kleine Zugeständnisse sich seine Bewegungsfreiheit durch agrarische Laudwirtschaftsretterei einengen zu lassen. Mit dieser Ausdehnung ist auch das Interesse der Großindustrie am Zollschlitz im Schwinden. War einst die Industrie gezwungen, der Landivirtschaft Konzcssionen zu machen, um mit Hilfe des Agrarier- tums seine Schutzzollfordcnmgcn durchzudringen, so besteht heute diese Notwendigkeit nicht mehr. Die meisten unsrer großen Industrien haben gar keine, oder doch nur noch in einzelnen Branchen, ein Interesse an Zöllen; sie sind zu Weltmarkts-Jndnstrien geworden, welche die ausivärtige Konkurrenz aufnehmen können. Macht aber derart in dem Verhältnis zwischen der Großindustrie und dem Junkertum eine Entfremdung sich bemerkbar, so zeigt sich auf der andren Seite, zwischen dem Industrie- und Handels- kapital, eine Annäherung. So lange der Jmporthandel meist fremde Fabrikate einführte, erblickte der Industrielle vielfach in dem Importeur seinen Feind, der ihm de» einheimischen Markt vcr- engerte; heute, wo die Einfuhr mehr und mehr auf Lebensmittel und Rohstoffe übergeht, schädigt der Auslandshandel den Industriellen nicht mehr. Im Gegenteil, die Industrie bedarf dieses Handels zum Bezug ihrer Rohstoffe und zur Absetzung dcS fertigen Fabrikats. So geht die Entwicklung langsam aber sicher ihren Weg zur Unter- grabung der Junkerherrschaft. Je mehr Deutschlands Industrie sich aus- breitet, je mehr muß sie sich in den Agrarländern ein Absatzgebiet für ihre Erzeugnisse sichern, und das kann sie nur, wenn Deutschland für die gelieferten Industriewaren die landwirtschaftlichen Produkte dieser Länder gewissermaßen in Rückvergütung nimmt. So stehen sich trotz aller schönen Phrasen Junkertum uud Industrie gegenüber,— der Ausgang des Jiiteressenstreits kann nicht zweifelhaft sein. Polilirrfse Mebevfichk. Berlin, den 9. April. Von der kaiserlichen Werft in Kiel. Aus Kiel wird uns geschrieben: Unsre Mitteilungen über die kaiserl. Werst in Kiel haben in die Kreise der höheren Werftbcamten wie ein Donnerschlag ein- geschlagen. Die Baubeamten des„Fürsten Bismarck" und die in Frage kommenden des Schiffsbauressorts bis herab zum geringsten Werkführer in der Schlosserei liefen gleich dem brüllenden Löwen herum. Erregte Konferenzen wurden abgehalten. Wer mag diese Dinge aus- geplaudert haben? Am Freitagnachmittag sind in der Schlosserei ca. lö— 20 Arbeiter plötzlich beauftragt worden, den Aufbewahrungsort der Fenster- blenden aufzuräumen. Bis zum Sonnabendmittag haben die Leute daran gearbeitet, alles auf dem Boden aufgestapelte Material, die Zeugen verfehlter Arbeit, in die Schmiede zu schaffen. Deck- verschraubungen, Kohlenbunkerdeckel, Dampfventile. Mcssingrohre usw.— alles ist unter dem Dampfhammer dev Schmiede zusammen- geschlagen und dann ins alte Metall geschafft worden. Für Tansende von Mark früher unbrauchbar gewordene Arbeit ist dort jetzt endgültig aus der Welt geschafft und reif für die Schmelze geworden. Man hat es eilig gehabt, die Zeugen zahlreicher verfehlter Konstruktionen zu beseitigen.— Ländliches zur Ist Hcinze. Heber die Sittlichkeit auf dem Lande giebt es jetzt eine eigen» tümliche gerichtliche Feststellung. Der„Bote aus dem Riesengebirge" berichtet: „Wissentlich falsche Anschuldigung wird dem Ritterguts- besitze r Georg P. ans Wie sa zur Last gelegt. Noch vor Verlesung des Eröffnungsbeschlnsses wird wegen Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit ans Antrag der Staatsanwaltschaft die Oeffcntlichkcit ausgeschlossen. Das öffentlich verkündete Urteil lautet auf Freisprechung. Wie aus der Urteilsbegründung hervor- geht, hatte P. gegen eine bei ihm früher bcdicnstete Wirt- schasteriit, die ihn der versuchten Notzucht au ihr be- schuldigte, Privatklage erhoben. Der Spieß wurde aber umgedreht und P. wegen wissentlich falscher Anschuldigung angeklagt. Der Gerichtshof hat aber weder objektiv in dem Borfall, der der Wirt- schafterin zu der Beleidigung den Grund gegeben, die Thatmerk- male der versuchten Notzucht feststellen können, noch aber subjektiv bei dem Angeklagten das Bewußtsein bei der Anstrengung der Privatklage, daß er sich durch sein Verhalten eines solchen Versuchs schuldig gemacht hatte. Dem Angeklagten ist hierbei die ans dem Lande gebräuchliche„Annahme", daß Personen in dergleichen Stellnugc», wie die der Zeugin, die sich zu unverheiratete» Ticnsthcrrc» vermieten, auch denselben sonst gegenüber ge- fällig sind, zu gute gerechnet worden. Es ließ sich deshalb nicht die Feststellung der wissentlich falschen Anschuldigung treffen. Der Staatsanwalt hatte zwei Monate Gefängnis beantragt." Diese jetzt gerichtsnotorische Annahme über das Agrarpascha- Ivcscn ist abermals ein Beweis, daß die Konservativen mit ihrer in der zweiten Lesung der lex Heinze erfolgten Zustimmung zu dem Arbcitgcber-Paragraphcn eine ebenso lächerliche wie ekelhafte Farce der Heuchelei aufgeführt haben. Sie wußten wohl, warum sie in der dritten Lesung dann.schweren Herzens, laber mit bereiter Begier ans die Bestimmung verzichteten, die eine» großen Teil der ländlichen Arbeitgeber schw r' bedroht haben iviirde.— «• 4* Deutsches Welch. Folgen dcö amerikanische» Pökelfleisches. Das amerikanische Pökelfleisch scheint in der That bcdenfliche Wirkungen zn haben, allerdings nur für diejenigen, die es nicht essen: Die Agrarier wolle» lieber den Tod in der Schlacht sterben, als arme Leute amerikanisches Pökelfleisch essen sehen. Das be- tcuert ein Herr v. Kamele- Biziker in der„ D e u s ch e n Tages-Zeitnng: „Ich sage in Uebereinstimmung mit meinen Bernfsgcnossen, ob großen oder kleinen ist egal:„Lieber gar kein Gesetz, als eins nach dem H c r z e n d e r H e r r e u M i n i st e r." Und wenn ich vorher sagte, kein Minister hoffe hoffentlich einen Socialdemokraten durch die Behandlung dieser Frage für die F l o t t e zu gewinnen, so sage ich jetzt als meine nnmnstößlicheAnsicht, für dieichBelcgehabe: Bei einem großen Teile der Landlvirte erreichen die Herren das Gegenteil. Viele iverdendurchsolche Vorgänge ans Freunden der Flotte Gegner, allein durch diese Sache. Denn ich kann es wohl verstehen, daß man als guter Pommer lieber den ehrenvollen Tod im Felde gegen England sterbe» will auch ohne Flotte, als den wirtschaftlichen, schrerklichc» und langsamen unter der jetzigen Regierung." Kein Fleischwucher— keine Flotte! Pökelfleisch oder Panzer-, schiff— das ist die agrarische Frage. Ehe denn das amerikanische Fleisch in das deutsche Land einbricht, lieber geht der gute Pommer flottenlos gegen die Engländer in den Kampf und stirbt. So furchtbar wirkt amerikanisches Pökelfleisch!— Konservative Lttgcnpolitik. Da den Konservativen selbst von den Regierungen bezeugt wird, daß ihre Wünsche zum Fleischbeschau- Gesetz zur Schädigung nicht nur der Industrie, sondern auch der Landivirtschaft führen müssen,'unternimmt die„Kons. Korresp." den Versuch, die ihr lästigen Anklagen durch lügnerische Ausstreuungen gegen die Socialdcmokratie zu verdrängen. Der socialdemokratische Antrag, der die Hausschlachtungen unter dieselbe gesundheitliche Kontrolle stellen will wie andre Schlachtungen, habe nur den Zweck, „die Landwirte zu schädigen".„Gerade die kleinen Leute auf dem Lande und in Laudstädten würde die Einführung einer doppelten Kontrolle bei HanSschlachtuugen am schlversten betreffen". Das ist ein rechtes Beispiel konservativer Gewissenlosigkeit im politischen Kampf. Die„Kons. Korresp." lvciß genau, daß die social- demokratische Fraktion des Reichstags einen Antrag gestellt hat, durch de« die Kosten der Kontrolle der HauSschlachtnngen den kleinen Land- Wirten abgenommen und der Gesamtheit auferlegt werden würden. Die Konservativen aber haben sich gegen diesen Antrag erklärt. Sie haben zudem den HausschlachtnngS-Paragraphcu so gestellt, daß der Verkauf kranken Fleisches, wenn er nur nicht gewerbs- mäßig geschieht, erlaubt bleiben soll. Nur durch faustdicke Unwahrheiten glaubt das Organ der kon- servativen Partei die Absichten der Socialdemokratie bei der Land- bcvölkerung herabsetzen zu köinien.— Attentatsjobbcr. Die„Post" und die„Kons. Korresp." ver- suchen noch immer, für den 6-FrankS-Schuß des belgischen„TranS- vaal-RächerS" den Anarchismus und die ihm„befreundete" Social» dcmokratie verantwortlich zu machen. Aber es ist doch bereits festgestellt, daß der„Kladderadatsch" an der grausen That schuld sei, uud der ist doch lvcder socialdemokratisch noch anarchistisch. Nebenbei bemerkt die„Kons. Korresp." selbst, daß niemand glauben könne,„der politisch ganz indifferente britische Prinz sei von einem politischen Fanatiker als Opfer ausersehcn worden". WaS Ivill das Organ also eigentlich beweiseii? Da§ schlechte Gewissen lvegen der Englandhctze hat das Geniiit der aintlich-konservativen Korrespondenz anscheinend heillos verwirrt.— LandtagSwahl f» Breslau. Die BrcSlaner Parteigenossen nahinen am Sonntag in einer zahlreich besuchten Versaimnlung Stellung zu der durch die Nngnltigkoitserklärnng der drei freisinnigen Mandate ttiitig gewordenen Breslauer Landtags-Nen« >v a h l, Genosse Julius B r u h n s charakterisierte in seinem die Debatte einleitenden Vortrag zunächst scharf die lügnerischen Velianp- tniigcn konservativer und ultramontaner Blätter und Parteimänner, die socialdemokratischcn Wahlmänner hätten sich für die Freisinnigen durch Bestechung gewinnen lassen. Redner legt im weiteren dar, datz, da es sich nur um Ersatzwahlen für die durch Tod, Wegzug oder Kassierung erledigten Wahlmämicr-Mandate handle, das Stärkc- vcrhältttiS der einzelnen Parteien sich nicht wesentlich ändern könne. Den Breslauer Socialdeinokraten sei es nicht nur vom politischen Interesse geboten, sondern in diesem Falle auch noch eine Ehren- sache, den Sieg der reaktionären Kandidaten zu verhindern und also für die bisherigen freisinnigen Abgeordneten einzutreten. Nach einiger Diskussion wurde fast cinstiminig folgende Resolution angenommen: „Die heutige Parteivcrsammlung beschließt: In der Erwägung, daß unter allen Umständen der Sieg reaktionärer Kandidaten zum Landtag verhindert werben mutz, auch im Interesse der Socialdcmokratie, bei den kommenden Neu- wählen der Breslaner Laudtags-Abgcordnetcn ans das scntschicdcnste für die Wiederwahl der drei bisherigen freisinnigen Abgeordneten einzutreten. Die Versammlung weist ferner die verleumderischen Be- schimpfnngen der socinldemokratischen Wahlmänner durch konservative und ultramontane Pretzorganc und Parteivcrtreter entnistet zurück und erklärt, dntz die Socialdeinokraten Breslaus es nunmehr als ihre ganz besondere Ehrensache ansehen, den Sieg der verbündeten Konservativen und Ultramontanen zu verhindern." Einstimmig wurde dann noch das bisherige Wahlkomitce mit den Arbeiten für die Neuwahl beauftragt.— Zur biindlerischcn Kriegserklärung bemerkt die konservative „Schlcsische Zeitung": „Wenig stichhaltig erscheint es, wenn zur Nechtfcrtigling des schroffen Vorgehens behauptet wird, es handle sich nicht um das bisher eingeführte geringe Quantum Pökelfleisch(etwa 6 Proz. der gesamten Einfuhr von Fleischprodnktcn), sondern inn eine General- probe für den Entscheidnngskampf um die Wiedererrichtung eines ausreichenden Schutzes der Produktion der deutschen Landivlrtfchaft durch den neuen Zolltarif." Auch meint das genannte Organ, daß die Erklärung des engcrcir Vorstandes nur der Ausdruck der Stimmung einiger Wcrbc-Offizierc sei, die die Maffe nicht hinter sich hätten. Demgegenüber versichert die„Deutsche TageS-Zeitimg", dntz der Aufruf nicht nur die Auf- sassung dcS G e s a m t v o r st a n d s des Bundes tviderspiegele, sondern sich auch mit den Ansichten der übergrotzen Majorität der k o n s e r- vativen Fraktion decke. Weiter erklärt das Bündlcrblatt, datz man es im Bundesvorstände abglehnt habe, die Flotten- fordernngcn irgendwie Pnit dem Fleischbeschan-Gcsetze zu verquicken: und die Abgeordneten der agrarischen Gruppen würde» bezüglich der Flottenvorlage ebenso sachlich urteile ir und von rein fach- Irchen Erwägungen ihre Abstimmung abhängig»lachen, wie beim Fleischbeschau- Gesetz. Die Erklärung gipfelte in dem Wort, datz die agrarischen Vertreter»nnmchr rein sachliche Politik ohne jede persön- liche Rücksicht treiben mützten. Sie würden diese sachliche Politik überall treiben, auch in der F l o t t e n f r a g e. Die Bündler haben sich mit der Wendung von der nunmehr zu betreibenden sachlichen Politik schändlich verheddert. Was nia» von den.gouverncmcntalcn" Rücksichten in dem Aufruf las, konnte sich am ehesten auf Berücksichtigung gewiffcr„allerhöchster" Lieb- Iingspläne beziehen, unter denen die Flotte keine geringste Rolle spielt. Nunmehr erklärt das Organ der Bündler aber, datz eS auch aus„sachlichen" Gründen für die Flotte eintreten Iverde, was bedeutet, datz kein Kuhhandel getrieben werden solle. Die Phrase von der„sachlichen" Würdigimg soll aber tvahrscheinlich nach oben Eindruck machen und den verlorenen gouverncincntalc» Einflutz zurückerobern helfe». Sehr tragisch, vielleicht über Gebühr tragisch, nimmt die„Frank- furter Zeitung" den Aufruf. Sie befürchtet vv» der so früh einsetzende» Wühlarbeit der Agrarier einen„furchtbaren Kampf" um höhere Schutzzölle, da auch die G r o tz i n d n st r i e zur Schntzpolitik neige. Wir halten die Chancen der Kanitzmänner für nicht ganz so günstig, möchten aber auch vor allzugrotzer Vertranensseligkeit warnen. Schusncht nach dem cntschwundcncn Znchthauögesctz. Die Handelskammer in H a l b e r st a d t hat folgende Resolution ange- nommen: „Auf allen Gebieten nnsres gewerblichen Leben? zeigt sich ein energisches Vorgehen der organisierten Arbeiterschaft auf Erweiterung ihres Machtbereichs. Mögen diese zielbcwutztcn Bestrebungen, sofern sie mit erlaubten und lauteren Mitteln betrieben werden, an sich als berechtigt anzuerkennen sein, so hat doch die Art und Weise ihrer Bethätigung vielfach zn Mitzslönden geführr. welche bei Ge- Währung der in Betracht kommenden Rechte nicht vorausgesehen werden konnten und einer Beseitigung dringend be- dürftig erscheinen. Alm Grabe Karl Oertels. Nürnberg, 8. April 1000. Bleigrau und schwer liegt der Sonntagmorgen über der ruhenden Arbeiterstadt: Rege», Regen, Regen,„zum Abschiednehmen just das rechte Wetter". Und zu Tausenden zogen die Arbeiter Nürnbergs aus allen Gassen heran, durch die Vorstadt hindurch, hier immer neue Taufende in sich aufnehmend, hinaus nach dem Central- Friedhof, um wiederum Abschied zu nehmen, diesmal von dem, den sie vor kurzem erst erwählt zu ihrem Sprecher, zu ihrem Banner- träger. Endlich nach dreiviertelstündigem Wege ist der Ccntralfriedhof erreicht; und während wir an den Stufen der Halle stehen, darin der Leichnam unsres Genossen Karl Oertel aufgebahrt steht, der so unerwartet, jäh und in so unsagbar tragischer Weise uns und den Seinen entrissen worden ist, grützt, alle andern Denkmäler mächtig überragend, uns die nbcrlebensgrotze Bronzebüste des un- vergessenen und unvergeßlichen Grillen berger, dessen Aschen- urne hier aufgestellt ist. Kaum zweieinhalb Jahre sind verfloffen. seitdem wir ihn in Gotha zur Feuerstätte getragen an jenem wundervollen Herbst- sonntag des 24. Oktober 1897— zum drittenmal erst ist seitdem der Frühling ins Land gegangen, und heute schon stehen wir vor dem Grabe seines Schülers und Nachfolgers in den Ehren- und Ver- trauensämtern der Partei Karl Oertel! Mit thränenerstickter Stimme hat Oertel in Gotha seinem Lehrer und Freund den letzten Gruß und Tank gegeben, strotzend von Ge- snndheit, ein Bild jugendlicher Manneskraft,' und heute liegt er im Sarg vor uns, nicht wie Grillenberger ein vom Blitz gefällter Eichen- stamm, nicht wie jener mitten im Kampfe vom stärkeren Tod be- zwungen, nein, von einem heimtückischen Leiden heimlich überschlichen, das ihn langsam und stnckweis gebrochen, seinen Körper geschwächt, den Geist ihm»mnachtet hatte I Erntereich hat das Leben vor ihm gestanden I Jung an Jahre», aber vom Vertrauen der Genossen an die höchste Stelle gehoben, versprach der politische Kanipfplatz ihm eine Zukunft voll innerer Befriedigung, voll Ehren, voll Erfolg: glückverhcitzend schien auch sein äußeres Leben ihm, seinem Weibe und seinen 4 Kindern sich zu gestalten: da tral das unerbittliche Schicksal über seines Glücks Schlvelle: die Krankheit seines Vaters warf über ihn ihren Schallen, wie dieser fast im gleichen Alter, ist er am 4. April in geistiger Umnachtung gestorben, kaum 34 Jahre alt, nachdem er seit Monaten, vielleicht schon seit Jahren mit dem Leiden ge- rungen hatte l ES hat sich gezeigt, datz die organisierte Arbeiterschaft mit großem Erfolge einen weitgehenden Zwang ausübt, welcher die Rechte der übrigen Arbeiter völlig aufzuheben geeignet ist, und datz sie jede Gelegenheit benutzt, den Einfluß und die Macht- stellnug der Lrganisationsleitnug überall in einem, durch die Wirt- schaftlichcn Verhältnisse nicht gerechtfertigten Matze zn stärken. Wir halten es daher für unsre Pflicht, im Interesse des socialen Friedens der verschiedenen Berufsstände und einer gedeihlichen und r u h i g e n E n t w i ck e I u» g der h e i m i s ch e n I n d n st r i e auf die bedenklichen Zustände hinzuweisen, welche infolge der Lücken in der bestehenden Gesetzgebung entstanden sind,»nd wünschen, datz dementsprechend eine Gesetzesreform zur Durchführung gelangt, welche insbesondre dem ruhige» und besonnenen Teil der Arbeiterschaft den erforderlichen nnd lange vcrmisllen Schutz der Staatsgewalt gegenüber de» diktatorische» Anordnnuge« gewerbsmäßiger Hetzer in vollem Umfang gewährleistet." Für einige Zeit ist ja den gewerbsmäßige» Hetzern vom Schlage der Halberstädtcr Handel Skannnerhcrren das Handwerk doch gelegt. Die Sorge um die Rechte„der übrigen Arbeiter" ist natnrtich eitel tlunkerei; nur nm eine Knebelung der Arbeiterklasse im Sinne deS �»chthnusgesetzcs handelt es sich, nm dem Unternehmertum eine ruhige und gedeihliche Ansbentnng zu gewährleisten.— Prinz Arenberg. Wie die Münchcncr„Allg. Ztg." ans Berlin erfährt, hat der Kaiser das gegen den Lieutenant in der Schntztrnppe Prinz Aren b erg wegen' der Kainschcn Affaire gefällte kriegS- gerichtliche Urteil wegen nnzureichcuderBe Messung der Strafe nicht bestätigt. Arcnbcrg hat bekanntlich den Kain auf die gransamste Weise ermordet. Dekorative Kunst in der Armee. Als erneuten Beweis seiner königlichen Gnade hat der Kaiser nach dem„Militär-Wochenblatt" am 22. März den Generalen zum Jnterims-Waffenrock eine neue Stickerei verliehen. Er bestimmte hierzu die Stickerei, „welche von dem Ncgimcnt Alt-Larisch getragen worden ist, ciiicin Truppenteil, der sich im siebenjährigen Krieg' einen nnoergänglickc» Ruhm erkämpft nnd auch auf scinenl letzten Waffengang des preußischen Namens sich würdig gezeigt hat".— Ehrenurkunden für Arbeiter. Aus Solingen wird uns geschrieben: Schallende Heiterkeit ivird ein Beschlnh der Handelskammer zn Solingen hervorrufen, der da bestinnnt, datz gciverbliche Arbeiter, die mindestens 2ö Jahre in eiiieni Betriebe beschäftigt wäre», durch eine besondere Ehrung, die nebenbei der Handclskainiuer keine Koslcn verursacht, ausgezeichnet werden. Die HandelSkaiuincr scheint z» vermuten, dntz für die Arbciterwelt noch jene Strebcrei fehlt, die man iimerhalb der Bourgeoisie mit OrdeiiSjagd bezeichnet. Da indessen die Handclskainmer noch nicht die Befugnis hat, förmliche Orden neu zu schaffen, so begnügt sie sich vor- läufig mit„künstlerisch anSgcstatteten Diplomen". Die Bei- lcihinig erfolgt jedesmal in einer feierlichen Sitzung der Handels- kannncr. Beileibe aber wird nicht jeder, der LS Jahre in ein ein Betrieb seine Arbeitskraft aufgebraucht hat, ohne weiteres mil der Ehrcnurknndc ausgezeichnet. Dazu ist noch eine besondere Be- schcinignng darüber»ölig, datz die Arbeitsleistungen des Jubilars befriedigend waren, nnd datz er ferner die ganzen 25 Jahre hindurch sich einer giiteii Führung befleißigt babe. Als ob ein einziger Fabrikant einen Arbeiter LS Jahre lang behielte, wen» derselbe zu seiner Unznfricdenlieit gcarbcitet nnd sich schlecht gcfiihrl hätte! Wahrscheinlich find diese Vorbehalte besonders gemacht, nm dadurch die socialdemokratischcn Arbeiter, die ja bekanntlich nach solchen Ehrungen überaus lüstern sind, ein für allcnial von den feierlichen Sitzungeii der Solinger Haudelskamincr ausziischlictzc». Wenn durch solche Perspektiven die Arbeiter nicht endlich davon abgehalten weiche». überhaupt noch Socialdeinokraten zn werden, dann trifft sicherlich die Solinger HandclSkaminer in Ziikiinft keine Schuld mehr. Jntcr- essalit für die Tendenz der ganzen Ehrnngsgeichichtc ist indessen noch folgende Ncbcnfachc. Bei der Beratung der Bcslininiungcn über die Verleihung von Ehrrnnrtniiden an gewerbliche Arbeiter wurde auch angeregt, nian möge dicUrkiinden auch an kanfinänui fcheAngestelltc verleihen. Dagegen wurde indessen geltend gemacht, daß Bedenken obwalten mützten, die gleiche Ehrung zivei in socialer Hinsicht recht von einander a b>v e i ch e n d e n P e r s o n e» g r u p p e n z u k o m m c n z n lassen— d. h. ein Diplom, das für den Arbeiter eine Ehre sein soll, das kommt einer B e I e i d i g» n g gleich, wenn man eS einem H a n d c l s a n g e st e l l t e n anvietel. Wie dankbar iverden die Arbeiter im Handelskammerbezirk Solingen für diese ihnen gnädigst erwiesene Einschätzung ihrer Ehre sein! Dresden, 7. April.(Eig.©er.) Die Dresdner Künstler nnd Gclcbrtc» hielten heule abend eine von über 1000 ein- geladenen Personen besuchte Protestversammknng gegen die lox Hciuze ab. Ansprachen hielten der KuiistschriftstcUer Ferdinand AvenariuS, Hofrat Professor Dr. Treu, Hufthcater- Dramaturg H. Meyer, Anitsrichtcr Dr. H e i u z e nnd Prof. Paul S ch n in a n n. Dem Komitee der Veranstaltung gehörten». a. noch an: Professor Diez, Professor Gotthard K n h l, Professor P a n w e l s, Professor W a I l o t, Professor Prell, Professor Schilling, Generaldirektor Graf S e e b a ch, Tbealerintendant War er selber dessen sich bewußt, hat die Furcht vor dem Geschick seines Vater? ihn in jene, oft so unerklärlichen Anfregnngen ver- setzt— wer möchte das sagen, wo die Diagnose deS Arztes noch wenige Tage vor seinem Tode so weit von der Wahrheit abirrte! Um S Uhr setzten die Klänge der Trauermusik ein, die Tansende und Abertausende' von Arbeitern, die den weiten Kirchhof füllten, entblößten zum letzten Grntz ihr Haupt, acht Genossen hoben den Sarg ans ihre Schultern nnd trugen ihn die wenigen Schritte von der Halle bis zur Grabesstätte. Ünmitlelbar neben der Aschennrne Grillenbergers. ihm zur rechten Seite gebettet, so haben die Niirn- berger Genossen Oerrel begraben, auch im Tode Lehrer und Schüler, Freund und Freund nebeneinander. Uninirteldar binter dem Sarge gingen seine beiden ältesten Kinder, die 14jährige Tochter, die die Größe des Verlustes bereits bitter empfand, der 10jährige Knabe, dem die Jugend die Schwere deS Schlages noch verheimlichte, der Stief- vater, der ihn so liebevoll hatte den Verlust des Vaters vergessen lassen. Schwester, Schwager nnd Schwägerinnen: nur ein Weib und seine Mutter waren auf Zureden der Freunde daheim geblieben, allein mit ihrem Schmerz. Himer der Familie folgten die unzähligen Freunde nnd Vertreter der Partei, der Gewerk- 'chaften. der Vereine usw. Für den Parteivorstand waren Auer und Singer erschienen, aus der Fraktion Fischer- Berlin und Wurm, von der bayrischen Landtagsfraklion der greise Gabriel L ö w e n st e i n, er. der älteste der Niirn- berger Garde, der die jüngsten vor sich ins Grab sinken sieht, weiter Birk, Ehrhart, Kerdel, Scherm.Segitz, Voll mar. Auch die liberale Kammerfraktion war durch vier Mitglieder ver- treten, darunter Sartorius und Friede!, der iieugewählte Reichstags- Abgeordnete für Beyreuth. ebenso ein Mitglied deS BauenibundeS. Die socialdemokratische Fraktion der zweiten badischen Kammer hatte die Genossen DreeSbach und Geck mit ihrer Vertretung beauftragt, aus einer Reihe bayrischer Städte waren Delegierte erschienen, und Kränze und Blumenspenden waren von Nah und Fern gesandt— ein leuchtender Berg von blühenden Blumen. mit strahlenden Inschriften auf sroteu und schwarzen Bändern und Schleifen erhob sich über dem Grabe, als in endloser Reihe alle die Delegierten ihren Abschicdsgrutz niedergelegt hatten. Nachdem die Nürnberger Arbeiter-Gesangvereine die Feier würde- voll eingeleitet hatten, trat der Prediger der Nürnberger freireligiösen Gemeinde, deren Mitglied Oertel gewesen war, an doS Grab,"lieber seine Ansprache wollen wir hier hinweggehen: sie erregte allgemeine Mitzstimmung, denn sie zeigte großen Mangel an HeimtniS der persönlichen nnd parteipolitischen Verhältnisse des Verstorbenen. der königl. Schauspiele. Ans Vorschlag des Komitees wurde eine Abteilung des G o e t h e- B n n d s gestiftet, dem sofort sämtliche Anwesende, auch die etwa 25 Journalisten am Berichterstattertisch als Mitglieder beitraten. Eine Resolution an den Bundesrat wurde von der Versammlung cinstinunig angenommen.— Erfreulich war es, datz sich alle Redner frei von allein byzantinisch-chanvi- nistischen Gepräge hielten. Besonderen Eindruck machten die ApS- sührnngen des' Amtsrichters Dr. Heinze. Datz ein amtierender sjn ch s r s ch e r Richter die Anslcgnngcn des Groben llnfng-Paragraphcn scharf verurteilt, datz er sogar verschiedene Fälle von Bestrafnngeii socialdemokratischer Groben-UnfiigS-Vernbcr mißbilligt, ist nicht unerfreulich. ErdrossclnngSstcncr in Sachsen. Die Abgeordneten Dr. Schill und Opitz haben in der Zweiten Kammer nachstehenden Antrag ein- gebrächt, der von den meisten konservattven nnd nationalliberalen Abgeordneten der Kammer initerzeickniet worden ist: Im Hinblick ans das gesetzgeberische Vorgehen in andern deutschen Staaten nnd da die Erreichung eines befriedigenden Erfolgs im Wege der autonomen Regelung des Gegenstands durch Geincindcbcschlüsie zweifelhaft bleibt.' vielfache Ungleichheiten hervorruft nnd jedenfalls mit vielen Schivicrigkciten nnd Weiterungen verbunden fem würde, wird die königl. Staatsregierung ersucht, dein nächsten Landtage einen Gesetzentwurf vorzulegen, der unter besonderer Berücksichtigung der sächsischen Verhältnisse durch eine stärkere Heran- z i e h nn g solcher gewerblichen Betriebe, welche durch die Konzentration des Handels mit ver- schiede ii en Warengattungcn oder durch von k> e n Gebräuchen des soliden Handels abweichende Matz- iiahincn sich besondere Vorteile verschaffen, zu den Stenern den Schutz nnd die Entlastung des kleineren und mittleren Gewerbe- betrievs erstrebt. Es ist bezeichnend für da? Widcrspiel der kapitalistischen Jnter- essen, datz in dem industriell so entwickelten Sachsen eine Mittel- stnndSrctlcrci wie die durch exorbitante Bcstcncrnng der Konsum- vereine nnd Warenhäuser möglich ist.— Gegen die Erdrossclnngöstcner agitieren unermüdlich die an der Uinjatzstencr interessierten Kreise. Sticht uninteressant ist die Drohung derselben. durch eine Abänderung der Form der Waren- Häuser den Mittelstandspolitikcrn ein Schnippchen schlagen zu wollen. So schreibt das„Warenhaus": „Die Inhaber der meisten größeren Warenhäuser sind entschlossen, die ihnen durch das in Aussicht stehende Gesetz zugemutete neue Be- kastnng keineswegs zn tragen. Soweit sie es nicht für angebracht halten, die Sonderstener ans die Lieferanlen und Angestellten oder das Publikum abzuwälzen, fassen sie eine Auflösung' ihrcS Geschäfts und eine vollständige Umändcrnng der Form, in der sie bisher betrieben wurden, ins Auge. In erster Reihe ist vorgeschlagen worden, zur Umgehung des Gesetzes den Weg zu wählen, daß. soweit mehrere Inhaber einer Firma vorhanden sind, jeder von ihn e.n eine der bisher geführten Warengrnppen über- nimmt. Zum Teil sollen an die Stelle der In« Haber die jetzigen A b t e i l n n g S. V o r st e h e r treten. gn einigen Fällen würden die Eigentümer von Waren- bänscrn bei einer Anfteilnng der verschiedenen � Gebiete ihrer Geschäfte gegenüber den Vorstehern der selbständig werdenden einzelnen Abteilungen die Rolle von G r o s s i st e n Übernehmen. Man glaubt, datz sich die geplanten Aendernngcn unter Beibehaltung der bisherigen Räinnlichkciten vollziehen lassen. Weitere Einzelheiten über die zum Schutz gegen die Steuer zu er- greifenden Matznahmen stchcn°noch nicht fest."— Im Grosihcrzogtum Sachscn-Wcimar sind unsre Partei- gcnosien schon rührig zn der im lomnienden Herbst stattfindenden LandtagZwabl. Ter LandeSanSschntz hat bereits die Forderungen der Partei sowie das Wahlprogramm veröffentlicht.— Eine Flottcuparade vor dem Papst. Dem protestantischen Gcinnt des.Rezchsboten" bereitet eS bittere Schmerzen, datz am gestrigen Sonntag der Papst die Absicht hegte, hundert katho- l i s ch e n Matrosen des deutschen G e s ch>v a d e r s eme Audienz zn gewähren. Wir für unsre Person wüßten nicht, warum wir an der inarinistischen Audienz besonders Anstoß nehmen sollten. Selbst eine päpstliche Flottenrede würde nach den vielen Flotten- reden, die wir über uns haben ergehen lassen müsse», keine Schrecken haben. Vielleicht aber handelt es sich gar nicht darum, durch den Papst ans das ohnehin nicht allzu flottengegnerischeCentrum einen sanften Druck ausziiüben. Vielleicht bcabsicht der Papst mir, die nicht gerade nn Ruf der Askese stehenden„blauen Jungen" vor jenen sittlichen Gefahren zn warnen, die ihnen in gewisse» Marincstädtcn durch zwar nicht behördlich konzessionierte, aber doch toleriere öffentliche Hänser drohen. Bei den schlechten Aussichten der le» Heinze wäre das nicht unverdienstlich.— Eine Parlamcntösessio», die nicht sterbe» kann. Ans S t r a tz b ii r g i. E. wird iins geschrieben: Der Landes- a u s s ch n tz für E l s a tz- L o t h r i n g c n besitzt unter andern auch die Eigentümlichkeit, datz seine Seftionen, allem guten Willen de« Hauses nnd der Regierung zum Trotz, des öfter» nicht sterben tonnen. Er bedarf zn letzter,» Zlvcck. wie bekannt, eines hoch- offiziellen Totenscheins in Gestalt der kaiserlichen Schließ u n gsordre, nnd da unser Rcntnerparlament just in der „wunderschönen Stadt" tagt, sein kaiserlicher Herr aber begreiflicher- Für die Nürnberger Genossen sprach Segitz das Ab- schiedswort. Würdig, ernst, klar, liebevoll schilderte er den Toten, mit dem ihn nnlösliche Bande jahrelanger Freundschaft verknüpft, mit dem er die gleickie politische Laufbahn betreten und dessen trogisches Geschick daher von ihm doppelt schwer empftmden ward. Kein Lebensbild könne er, an dieser Stelle, von ihm entwerfen, keine volle Würdigung dessen, was die Partei, die Arbeiterklasse an Oertel verloren, nur ein paar charakteristische Züge wolle er heraus- heben. Als blutjunger Mann betrat Oertel die politische Laufbahn: lange bevor er das wahlmündige Alter erreicht hatte, trat er als Rediiev in politischen nnd gewerkschaftlichen Versammlungen ans, wirkte er als Organisator. Unter dein Socialistengesetz inachte er seine Lehr- zeit, als die Partei am härtesten bedrängt war, als sie Männer be- durste von ganz besonderer Entschlossenheit, von ganz besonderer Ver- tranenswürdigkcit. Sein guter Stern hatte ihn nach Nürnberg ge- führt zu unserm inivcrgctzlichen Grillenberger, der den jungen, eifrigen von Hingebung nnd Wissensdurst erfüllten Genossen ins öffentliche Leben einführte nnd später stolz ans diesen Schüler war. Die Ge- fahren des politischen Kampfs unter den, Socialistengesetz schreckten den Freund nicht zurück, alle Nucken nnd Tücken des Gesetzes Über- wand er bis zum Elberfcldcr Geheiinbnndsprozetz, ans dem er mit Grillenberger frei von Strafe hervorging. Gleichwohl blieb es auch ihm nicht erspart, für seine Ueberzeugnng ins Gefängnis zn gehen: als er in einem Streik den Frieden vermittelte, da siel er der neuen Anwendung des Erpressimgsparagraphen zum Opfer und büßte mit 2 Monaten sein Friedensamt. War Oertel unter dem Socialistengesetz einer der Eifrigsten, zur vollen Entfaltung seiner Kräfte nnd Fähigkeiten gelangte er erst, als mit dem Fall deS Ausnahmegesetzes die Schranken für unsre Agi- tation weiter gezogen wurden. Und nun schilderte Segitz seine Thätigkeit und Bedeutlmg für die socialdemokratische Agitation in Nordbayern, die es erklärlich machte, datz, als Grillenberger, der Meister der Agitatton nnd Organisation, gefallen war. nur eine Stimme laut wurde, daß Oertel an seine Stelle treten muffe— ein Vertrauen, das bei der zweiten Wahl in der erhöhten Stinimcnzahl<22000 gegen 20 000) seinen Ausdruck fand. Und ein Jahr später nintzte er zu der schweren Bürde auch noch die neue, nicht minder schlvcre Bürde des Landtagsinandats übernehmen. Eiiie solch' intensive Thätigkeit auf dem politischen und ivirt- schaftlichen Kampfplatz erfordert nicht bloß Wisien, Geschick und Eifer, sondern mich stählerne Nerven; die Aufregungen, Wider- wärtigkeiten, Erfolge und Mißerfolge dieses Kampfs können auch den stärksten Körper erschüttern und ihn schließlich zu Grunde richten. wcisr in der Negcl.fern von Modrid" weilt, so geschieht es ab und zn, daß jene Ordre nicht zur richtigen Zeit beigebracht werden kann und die Herren Tepntss infolge dessen Wider ihren Willen und den der Landesregierung sich zn einer zwangsweisen Weitertagnng verurteilt sehen, obwohl der Eifer, mit dem sie ihren parlamentarischen Bernfspflichteir obzuliegen Pflegen— mit dein gesetzgeberischen Arbeitspensum längst aufgeräumt hat. Dieser in der Geschichte des modernen Parlamentarismus nicht gerade häufige Fall hatte sich bereits einmal, zu Anfang November 1833. ereignet, als das Reichsoberhanpt sich ans der Reise ins ge- lobte Land befand und die telegrophische Verbindung zwischen ihm und der Pnttkamcrschen Regierung in der Neichslaudshanptstadt, allen Bcnnihniigcii zum Trotz, nicht herzustellen war. Alle Versuche, die Schliiszrede für den LandeSansschns; zn beschaffen, blieben damals er- folglos. und man muszte sich notgedrungen mit dem Ausweg einer Vertagung an Stelle des Sessionsschlnsses bchelfcn. Der jüngste Donnerstag brachte nun das zweite derartige Er- cignis in den Qualen der jüngsten unter den Volksvertretungen Deutschlands. Die Herren Deputes, deren parlamentarischer Pflichteifer über jedes Lob erhaben ist— sie erhalten pro Tag und Kopf 20 Mark„AnwcscnhcilSgelder!"—, waren mit den Vorlagen der Session nahezu zn Rande und sollten sich vormittags nur zu dein Zweck nochmals ein Stelldicbcin geben, um nach Erledigung eines nnbcdcutendcn Gesctzciilwnrfs und einiger Petitivnchcn mit der Verl- leimig der kaiserlichen Schliegnugsordre die letzte Oclnng zn er- halten. Doch die Ordre kam nicht-, selbst die durch das höchsteigene Erscheinen des Staatssekretärs v. Puttkamer geweckte Hoffnung, man werde nun endlich nach den anerkannten Regeln der parlamen- tarischen Kunst zn den heimischen Penaten entlassen werden, erwies sich als trügerisch. Nach langen Viertelstunden, tvährend deren man .regierungsseitig-' in peinlichster Verlegenheit die kaiserliche Eni- scheidnng erwartete, griff der Präsident des Hauses, dem grausamen Spiel ein Ende zu bereiten, um die Mittagsstunde zum letzten Mittel des parlamentarischen Staatsstreichs. indem er kurzerhand die Sitzung schloff und eine neue auf nachmittags 3 Uhr anberannrte, für die er fürsorglich die Petition einer Bearntenivitwe nur Erhöhung ihres Pcnsionsb'ctrags als letzten VcrzivciflungSrcst des parlamentarischen BeratnngSstoffS hinüber- gerettet hatte. Doch damit war den sonst so geduldigen und will- fahrigen Herrn Deputes— sie erhalten pro Tag nnd Kopf 20 M. .AnwesenhcitSgcldcr!"— der Geduldsfaden gerissen. Als der Herr Präsident nachmittags nach zweistündigem Zurvarten um SVr Uhr zur Glocke griff, um die Sitzung wieder zu eröffnen, war von den 54 Volksvertretern nur etwa der vierte Teil ans dem Posten. Das Schlimmste aber ivar, dah die langersehnte schmerzlich erwartete Ordre aus Berlin immer noch nicht eingetroffen w a r. So blieb nichts andres übrig, als sich abermals zu ver« tagen und dem Prästdinm die Festsetzung des nächsten Sitznngstags zu überlassen. lieber die Zeit der Ostcrwoche wird es nun hoffentlich gelingen, das Versäumte nachzuholen, so dah nach dem Fest der„ordre- losen, der schrecklichen Zeit" unverzüglich ein sicheres Ende bereitet werden kann.— Dementiert wird von offiziöser Seite die Nachricht, daff die geplante llnterstellimg der Medizinalverwaltung unter das Polizeiministerium„endgültig beschlossen"' sei. Die An- gclegenheit sei vielmehr nicht über dos Stadium der Erörterung hinaus gediehen.— Leist in Amerika. Eine Skandakgeschichte, die den Wege» seiner in Kamerun begangenen Grausamkeiten schliefflich diSciplinarisch abgesetzten Heinrich Leist und den kürzlich zum Generalkonsul in New Bork beförderten früheren deutschen Konsul in Chicago Biinz betrifft, wird jetzt in dentsch-ainerikanischeii Zeitungen viel besprochen� Nachdem Leist nach den Vereinigten Staaten anSgeivaiidert, wuffte er sich auf irgend eine Weise die Bestallnng als' öffentlicher Notar für den Staat Illinois zu verschaffen, obgleich nach dem Gesetz der Posten nur von Bürgern der Vereinigten Staaten bekleidet werden kann, und Leist, der erst im Herbst 1895 auswanderte, das Bürgerrecht, das nur nach mindestens fünfjährigem Aufenthalt envorbcir Ivard, unmöglich schon rechtinäffig erlangt haben kann. Kaum hatte er sich indes ans noch unerklärte Weise die Ernennung znni Notar verschafft, als sein Freund Konsul Biinz ihn auch schon mit den Notnriatsgeschäften des Kon- sulats betraute. Die Rechtmäßigkeit der von einem Mann, der sein Amt in gesetzwidriger Weise erlangt hat, ausgestellten Beglaubigungen ist mindestens anfechtbar; aber trotzdem das Konsulat darauf auf- merksam gemacht worden ist, hat es Leist als seinen Notar bei- behalten. So ward Leist für die in Afrika der preuhischcn Civilisation geleisteten Dienste nachträglich belohnt.. Ein taktvoller Prediger. Bon einem Genossen, der dem Begräbnis unsres Genossen Oertel in Nürnberg beiwohnte, wird uns geschrieben: Beim Begräbnis unsres Genossen Oertel fungierte als Redner der freireligiösen Gemeinde deren Sprecher Z i e g l e r, ein gc- borener T h u r g ä u e r, der zuletzt in Königsberg angestellt war. Das Reden ist schliefflich nicht jedermanns Sache; es sollte freilich die eines Predigers sein. lind über den Geschmack läfft sich nicht streiten, weil die Uhl des einen des andern Nachtigall ist. So ist denn auch Oertel frühzeitig zusammengebrochen: ein uii« heimliches, tückische? Leiden hatte allmählich seine Gesundheit unter- graben. Aber wenn wir auch klagen ob des tragischen Geschicks, wenn unser Herz auch blutet über den Verlust des so früh Dahingegangenen, über den Schmerz der Familie: das Eine wissen wir, daff ivir sei» Andenken nicht besser ehren als wenn wir weiter kämpfen für die hohe heilige Idee, der er sein Leben lang gedient, der Befreiung der Arbeiterklasse. Dies Gelöbnis sei unser letzter Gruff ins offene Grab. Im Namen der socialdcmokratische» Partei Deutschlands, des Parteivorstands nnd der socialdemokratischen Reichstagsfraktio» legte Genosse Singer ein prächtiges Palmen-Arrangement am Grabe nieder. Tief erschüttert und schmerzerfüllt— so begann er— stehen wir am Sarge eines Genossen, der, obgleich so jung an Jahren doch in unsrcr Partei ein alter Mitkämpfer ivar. Deshalb wollen ivir auch unser Abschiedswort auSkliugen lassen in das Wort des Danks für die treue Liebe und die reiche Arbeit, die er, gemeinsam mit uns allen, für die groffe gemeinsame Sache geleistet hat. Und mit allgemein verstandener und allgemein gebilligter Bezugnahme auf die Taktlosigkeiten des freireligiöse» Predigers fuhr Genosse Singer fort: Heute, in dieser feierlichen Stunde nnd an dieser ernsten Stätte wollen wir kein Wort des Widerspruchs erheben, nicht mit dem tragischen Ende, nicht mit den Wahnvorstellungen eines Kranken haben wir uns hier zu beschäftige», heute beseelt' uns nur das eine Gefühl der Hochachtung, der Liebe und der Dankbarkeit gegen den. der was er als„junger Mann" versprochen, später gehalten und schon so früh bcivicfcn hat, daß auch ein Jüngling volle Mnnnesarbeit leisten kann. In den schwersten Zeiten der Partei war Genosse Oertel eine feste Stütze der Bewegung: in jener Zeit, da jeder Tag für den Einzelnen den Verlust persönlicher Freiheit auf Jahre hinaus bringen konnte, da setzte er Leben und Freiheit für die Partei ein, da stärkte und stählte er sich zu dem Charakter, der ihn in so jugendlichen Jahren das Vertrauen, die Liebe und Achtimg der Nürnberger Arbeiter gewinnen lieh. Wer da weih, was unser toter Freund in jciien trüben Tagen geleistet, der ist er- füllt von Liebe und Dankbarkeit für den, der all' sein Wissen, all' seinen Eifer, all' seine Energie in den Dienst der Partei gestellt hat, deren Lehren seinen Geist ersaht, deren Ideale sein Herz erfüllt hatten! Lange bevor jemand den frühzeitigen Hingang Grillenbergers ahnen konnte, wurde Oertel von seinen Freunden'scherzweise der „Kronprinz" genannt, weil seine Treue, seine Hingabe, seine Kennt- nisse, seine Tapferkeit ihn zum Nachfolger Grillenbergers geeignet erscheinen liehen. Und als dann so plötzlich der unersetzlich scheinende Verlust sich anfthat, da stellte Was uns bei der Grabrede wie Schmicren-Pathos erschien, mag für Andre freireligiöse Verzückung mit begeistertem Angenvcrdrchen gewesen sein. Auch Taktgefühl, Beurteilung dessen, was schliefflich gewesen ist, ist nicht jedermanns Sache. Wie wäre sonst dieser freireligiöse Pfaffe, der Prediger einer Gemeinde, die zu neun Zehnteln aus Socialdcinokrateu besteht, dazu gekommen» in einer Grabrede auf ein so tragisch von der Höhe des Glücks ge- stürztes Gemeiudemitglicd es als besonderen Widerspruch hinzustellen, dah der Verstorbene öffentlich gegen das Privateigentum geeifert. und doch selber Privateigentum erworben habe! Man kann' freilich von einem Ausländer, der die„Frankfurter Zeitung" als Partei- orgau bezeichnet, nicht verlangen, daff er deutsche Parteiverhältnisse überhaupt und Nürnberger persönliche Verhältnisse speciell kennt; was man aber verlangen kann, ist. daff er dann über solche Dinge schweigt oder nur an solchen Orten redet, wo die Möglichkeit der Gegenrede geboten ist. Welch' kleinliche Gesinnung lag auch darin, daff er am offenen Grab sogar einseitig die Polemik weiter spann, die unser Genosse Oertel vor Jahren mit dem früheren Prediger der Freien Gemeinde geführt hatte! Und höflich gesagt— der'Gipfel der Geschmacklosigkeit war es, daff er sogar die Wahnvorstcllnngen unsres erkrankten Genossen, dah er verhungern müsse, dah seine Freunde ihn verlassen hätten usw.. als Thatsachcn anführte und sie — o so recht freireligiös!— mit dem frommen Wunsch charakterisierte: „Mögen die Geschicke bald diese Vorstelluugc» als traurigen Wahn erkennen lassen I" Wir wollen nicht rechten, daff der freie Mann nur die eine Hälfte der Wahnvorstellungen unsres unglücklichen, erkrankten Genossen anführte, aber wir fragen, wenn der ärme Kranke den Wahn gehabt hätte. Kaiser von China oder frei- religiöser Prediger zu sein, ob er dann auch geschlossen hätte: „Mögen die Geschicke bald diese Vorstellmigen als traurigen Wahn erkennen lassen I" Wir thnn ihm Ivohl nicht Unrecht, wenn wir au- nehmen. daff er dann über diese Wahnvorstcllnngc» schweigend hinweggegangen wäre, weil sogar er sie als das erkannt hätte, was sie sind: die krankhaften Erscheinungen eines krankhaften Znstands, mit dem man Mitleid haben muff, die aber kein anständiger Mann gegen den Toten oder gegen die Lebenden ausspielt. Vielleicht tröstet aber den taktvollen Prediger das Bcwufftscin, daff er mit seinen Worten zwar nicht die Achtung der socialdemo- kratischcn Mitglieder seiner Gemeinde, wohl aber den Beifall der ordnungsparteilichcn Gegner seiner Gemeinde erworben hat, die in dem ncnbcnlfcncn Prediger Fleisch von ihrem Fleisch, Geist von ihrem Geist erblicken werden.— Ausland. Ocstreich« Ungarn. Strastcudcmonftratio» gegen die Prager Wahlreform. Prag, 9. April. Der von Czcchcn und Socialdemokratcn ab- gehaltene DcnwnstrationSninzng. welcher sich gegen die Präger Wahlreform rickitctc, verlief vhne besondere Störung. Nur beim Nathanse kam es zu kleinen Znsannncnsiöffcn mit der Polizei.— Frankreich. Kolonialherr nnd Staatsstreich. Gelegentlich der Vcrhand- linig über das zu bildende Kvlonialhrer, das mininchr ans einem stehenden Söldnerheer bestehen wird, wurde von so ei» listisch er Seite auch die Frage des Staatsstreichs angeschnitten. Der Socialist Seinbat brachte den Antrag ein. daff das Kolonialhecr niemals im festländischen Frankreich iveilcn dürfe, nm nicht in der Hand ehrgeiziger Abenlemer das gefügige Mittel zum Staatsstreich zn bilden. Der Kriegsministcr Gras G a l li f f c l sah sich durch diesen Antrag veranlagt, allerhand ans der Schule zn plaudern, das äuffcrst gemütlich und drollig klingen mochte, ans dem aber doch auch allerlei Schlüsse gezogen iverden konnten, die Galliffet nicht beabsichtigt hatte. Der interessante Passus ans Galliffcts Rede lautete; „Man spricht von einem Staatsstreich. Der Staatsstreich ist im- möglich. Man macht kciiicn Staatsstreich in Lorient nnd Brest. Nicht einmal in Toiikon. Man macht ihn in Paris. Ich habe einige Erfahrung in Staatsstreichen. Man hat mir häufig vorgeschlagen, ihn zn machen. Man hat dazu»lebt einmal abgewartet, daff ich Minister sei. Für einen Ministcr härte es mir natürlich geschienen. Man begnügte sich aber mit meinem Generalstitcl. Da sagte ich zu mir selbst: Freundchen, ivemi man dir init dicscm Vorschlag komnit. so hat man ihn offenbar vorher schon allen andren gemacht. Diese Erwägung hat mich gcdemüligt. Ich habe abgelehnt. Ans drei Ursachen. Ich bin erstens stolz genug, kein Verbrechen am Vatcrlande zn begehen. Ich habe zwcltciiS den Antrag dumm »nd unvorsichtig gesunden. Endlich hätte die Anfteltung, die dabei für mich herausgekommen wäre, mir äuffcrst lau gtv eilig geschienen. Zn einein Staatsstreich in Paris bedarf es der Ein- ivilligung des KriegSiuinisterS und dös Pariser MilitätgöuvcriieurS. Ich keime meinen Frenud. den Gcticral Brugöre. Er würde»sich verhaften lasier, wenn er mich im Begriff' sähe, einen Staatsstreich zu versuchen. Ich tvürde ihm denselben Gefallen thnn, tveun ich ihn bei dem Versuch ertappte.,. Die Kannner braucht sich bei der Furcht vor eiiiem Staatsstreich nicht anfznhaltcn." Galliffet ivar also verschiedentlich zum Exekutor des Staats- strcichs anSersehen. Die Absicht des Staatsstreichs war mehr als einmal vorhanden. Galliffet dankte freilich für die ihm zugedachte ehrenvolle Mission. Er war angeblich zn stolz, nm einen Auftrag ihit das Vertrauen scincr Genossen an diesen ebenso ehrenvollen wie vcrantlvortnngsreichcn Posten. Und ich darf es auch hier an dieser Stelle sagen, wir in der ReichStagS-Fraktion verlieren in dem Toten nicht nur einen guten Freund und tapferen Kollegen, sondern auch einen treuen Berater für nnsre Beschlnffe, dessen klares. logisches Urteil, dessen Energie von uns allen hochgeschätzt worden ist. Redner schildert dann i» kurzen Unirisse», wie überraschend die Kunde seines Leidens kam. wie hciffe Wünsche für seine Besserung, welch' große Hoffmmgen für seine baldige Genesung ge- hegt wurden, und tvie nun all' dieje Wünsche nnd Hoffmmgen mit ins Grah gesenkt werden müfftcn. Wenn auch für die Familie in diesen ersten Stunden des Schmerzes kein Trost ge- geben sei. so müsse dock, der Gedanke, daff in Millionen deutscher Arbeiterherzen das Andenken Oertels liebevoll eingegraben sei, der Gedanke, daff Millionen deutscher nnd Millionen andrer Arbeiter, die in der Socialdcmokratie ihre politische Vertretung gefunden haben, heute mit uns voll Dankbarkeit trauern, eine Milderung der Schmerzen bringen. Und er schloff mit de», Gelöbnis: Was Du geleistet, was Du erstrebt, was Du gelitten nnd erstritten hast, das' wird»»vergessen bleiben. Dein Namen und Dein An- denken wird von uns allen allezeit dankbar nnd freudig erhalten bleiben. Genosse Birk sprach dann im Namen der bayrischen. Genosse Dreesbach im Namen der badischen LaudtagSfraktiou einige warm empfundene anerkounungsreiche Abschiedsivorte, die Tranermnsik ließ ihre Weisen erklingen, die Arbeiter-Gesangvercine stimmten den letzten Abschiedsgrutz an, ergreiscud klang das Lied:„Ein Sohn des Volkes will ich sein und bleiben" über die Gräberreihe», dann legten all' die Hunderte ihre Kränze nieder und die Tausende von Genossen, dir i» schwarzen Massen die Gänge zwischen den Gräbern des weiten Friedhofs füllten, zogen schweigend und trauernd am Grabe vorüber, ein aufrichtiges Wort des Danks in das neue Grab, ein ebenso aufrichtiges emporsendend zu der mächtige» Büste des nnvergefflichen Grillenbcrgcr. Wie ein schwarzer Strom fluteten nnnmchr die Tansende nach der Stadt zurück, cillmälig sich verbreiternd nnd verlierend in un- zähliqe Adern. So war da? Begräbnis eine Riescndcmonstration für die Social- dcmokratic geworden, obgleich all' die Tausende mir der Schmerz über den Verlust, die Pflicht der Dankbarkeit gegen den zusammen- geführt hatte, der sein kurzes Leben mit ihnen nnd für sie gekämpft 'attc für das gemeinsame Endziel: die Befreiung der Arbeiterklasse. auszuführen, den man wahrscheinlich vorher schon andren angeboten hatte. Und die ihm in Aussicht stehende An- steilintg erschien ihm lan g tv eilig. Ja. iverden diese zufälligen Charaktcreigentümlichkeitcn dem, aber bei jedem Staats- streichs- Kandidaten vorhanden sein? Und werden die jeweiligen K r i e g s m i» i st e r und Pariser Militärgouverneure stets so verfassungstreu sein? Die Kolonialarmee aber wäre, wenn sie zum erheblichen Teil in Frankreich selbst garnisoisierte, in der That ein gefährliches Werkzeug der Staatsstrcichslnstcrncn. � Die Gefahren, die die Kolonialpolitil in sich birgt, sind, wie Fignra zeigt, äußerst mannigfaltig.— Paris, 9. April. Der Kriegsminister Galliffet erhielt durch den stellvertretenden Kommandei'ir des 19. Armeecorps ein Telegramm des Obersten Bertrand, in welchem bestätigt wird, daß die Ooase Jgli am 3. d. M. abends besetzt wurde. Die Expeditjonskolonne begegnete keinem ivirklichen Widerstand; jedoch nmffte am 1. April die Artillerie Anfstellnng nehmen, da die Taghit-Leute feindselig gesinnt schienen. Es erwies sich jedoch nicht als nottvendig, Feuer zu gebet»/ Paris, 9. April. Die Kammer bewilligte 300 000 Fr. Rcpräscntationsgelder für den Senntspräsidenten FalliereS und den Knmmcrpräsidcntc» Dcschnncl anläßlich der Eröffnung der Welt- ansstellmig. I», Lauf der Debatte hatte der Deputierte Binder sich gegen den für Falliäres bestimmten Posten alisgesprochen, indem er dessen Thätigkeit als Präsident des Staatsgerichtshofs kritisierte. und war deshalb zur Ordnung gerufen worden. Paris, 9. April. Die D c p u t i e r t e n k a in in e r beschäftigte sich im iveitercn Verlauf der Sitzung in langer Beratung init der Angelegenheit der Ableitnng der Abwässer von Paris in die Seine mid Oife; die weitere Berntnng wurde auf morgen vertagt. Co- dann wurde mit 487 gegen 30 Stimme» die Krcditfordcrung für die Bcrvollkomnnmng des Kriegsmaterials nnd die Vcrbefferung der Militärverwaltung bewilligt mid die Sitzung geschlossen. England. London, 9. April. Das Oberhans erledigte heute sämtliche Veratnngcit der Finanzbill»nd vertagte sich sodanii bis zum 30. d. M. Im U n t e r h a n s teilte Unterstaatssekretnr Brodrick mit, am 31. März 1899 seien 274 Meilen der Uganda-Eisenbahn fertiggestellt gewesen. Von den noch herzustellenden 303 Meilen seien iiizwifcheii 83 fertig geworden mid die vom Parlament für den Bahnbnu bc- willigte' Sinmite sei jetzt verausgabt. Die nötig gewordene Kredit- fordening für die Vollendung der Bahn werde am 30. d. M. dem Hanse unterbreitet iverden. Italic». Tic Ziiriickzichtuig dcS äeoreto-leggo. An dem gleichen Tag mit dem M n li i f e st d e c'q n ff e r st e n Linken gegen das parla- mcntarische Kncbclgcsctz erschien die Vcrsiigung, tvelchc daS Dekret- Gesetz zurückzog. Ter„Avanti" bezeichnet diese Maßregel als einen„Rückzug und einen Hinterhalt". Die Negicrung, so meint nnsrr Organ, rechne darauf, durch diesen„Rückzug" den Sltirm der' öffentlichen Entrüstung zu beschwöre», und hoffe dann in aller Stille mit Hilfe der„parlamentarischen Guillotine" ihre geplanten Neaktionsgesetzc bei passender Gelegenheit durchdrücken zn können. Dys entspricht sicherlich auch der. Wahrheit. Die Socialisten und Republikaiter sind aber ans der Wacht— sie werden in dem Kämpf nicht nachlassen, und sobald das Parlament ivicdcr zusammentritt, auch den parlmnentarischcn Sturmlauf- gegen das herrschende System fortsetzen. Die„Vossische Leitung" läßt sich zivar von ihrem berüchtigten CriSpi-Korrespondent ans Rom schreiben, das Manifest der' änffcrstcn Linken sei ohne jegliche Wirkung geblieben, allein ein Blick in die italieiiischeu Zeitirnge» zeigt deutlich, daff hier der Wniifch Vater des Gedankens ist. That- sächlich dehnt die Bcwegnng sich in Italien innncr mehr ans nnd geiviimt von Tag zu Tag an Stärke und Tiefe.— Rmerikn. Die Vcrlnstc Amcrikas im Philippinen- Feldzng. Nach einer amtlichen Anfstellnng hat die amerikanische Armee ans den Philippinen seit Besetzung der Jnfcln vom 1. Jlini 1898 bis 17. Februar 1900 im ganzen 1525 Mann, wovon 05 Offiziere, verloren. Die mir bis zum 1. Dezember i899 reichende Statistik des Generalarztes der Philippincn-Armce gicbt den Verinst auf 58 Offiziere und 1203 Mannschaften an. Davon kamen 48 Offiziere nnd 570 Mann gewaltsam um und 10 Offiziere und 093 Man» starben durch Krankheit. Zu den als gcivaltsam mngckominciicn sind auch diejenigeirgezählt, welche durch Selbstmord endeten. Wie viel Selbstmorde vorkamen, geht nicht ans der Statistik hervor. ES tvird nnr mitgeteilt, daß 137 Offiziere und Mannschaften gewaltsam, aber n i ch t d u r ch den Feind, n ni s L e b e n'k a m e n. Die Gegner des Kriegs behaupten, daff die Aerlnstziffcr viel größer sei. Im Kongreß verlangt Senator Allen darüber Ansknirft. Allen sagt, Amerikaner könnten es auf den Philippinen nicht länger als zwei Jahre aushalten, und es sei ihm von eingeweihter Seite gesagt worden, daß die ganze Armee sehr bald znriickbernfen iverden mähte. Erkrankung und Selbstmord nähmen erschrecklich zu. ES sei Pflicht aller, die' die Wahrheit wüßten, öffentlich vor Ei»tritt in die Philippinen-Armee zn wanien. Wenn, selbst nach der amtlichen Statistik, von den 1525 Mann der Verlustliste 137 durch Selbstmord geendet haben, so wäre das in der That ein so niigehcnrcr Prozentsatz, daff die Lage der amerika- nischen Occiipationsarmce eine verzweifelte sein müßte. Den an- gegebenen Verlusten an Menschenleben mid den enormiii materiellen Opfern gegenüber werden die merkantilen Vorteile des jungen amerikanischen Imperialismus verschivindend sein. Trotzdem wäre es sehr gewagt, ein Abflauen der impenalistische» Ströniuikg in den Vereinigten Staaten prophezeien zn wolle». Gewisse engere Kreise machen ihr Geschäft beim Imperialismus, die Masse aber läfft sich durch vorgespiegelte Vorteile und Aufstach lnng des nationalen Wahns leider noch allziiwillig ins Schlepptau nehmen.— Demonstration für die Boereu. Washington, 9. April. Gestern Abend fand im groffe» Opernhause eine jchr zahlreich besuchte Versammlung zu Gnuste» der Bocren statt, an ivelcher viele Senatoren, Mitglieder des Repräsentantenhanses nnd andre hervor- ragende Persönlichkeiten teilnahmen. Resolntioncn, in ivclchen die Sympathie für die Boereu ausgesprochen waren, wurde» unter allgemeinem Beifall angenommen.' General OtiS abberufen. General Otis, der bisherige Oberstkomninndiercnde auf den Philippinen, ist abbenifc» und durch General McArthnr ersetzt worden. Da die Philippinen mit AnS- »ahme der wichtigsten Küstenplätze sich»och immer in Hellem Auf- ruhr befinden und der von den Tagalcn geführte Guerillakrieg für die Amerikaner äuffcrst schwierig nnd verlustreich ist, wird es' den, neuen Kommandierenden nicht leicht fallen, glücklicher zu operieren, als sein Vorgänger. Asien. Ei» gcfiindcncö Fressen für die Wcltcrobcrer. Nach einer Shanghaier Dalzicl- Meldung vom 7. d. Mts., haben die G e- sfandteu Euglands, Amerikas, DbntschlandS»nd F r a n kr e sich 6 dem Ts» n g Ii- A a m e n eine gemeinsame Note überreicht, die i» brohrnden Ausdrücken die gänzliche Unterdrt'ickmrg drr„Boxers" bimien zivci' Monaten fordert, widrigenfalls dre beteiligten Mächte Truppen landen nnd sie nach dem I n n et n von S h a n t n n g nnd T f ch i li f e n d e n würden zum Schutz der dortigen Fremden. Das heißt kategorisch gesprochen. Geht der sehnliche Wunsch der Mächte, dah die Unterdrückung der„Boxers" bnmcn zwei Monaten nicht durchgeführt ist, in Erfüllung, so kann die Canipagne zum „Schutz der Fremden" losgehen. Bei einer bloffen Streife zur Züchtigung der„Boxers" wird man's ja nicht bewenden lassen, da eine definitive Pacifiziernng der LandcSteile erst von einer Eroberung und Belegung mit Garnisöncn zu erwarten ist. Die Rettmig Chinas würde auch'in diesem Fall nnr der gegenseitigen Mihgimst' der Mächte zn danken sein. Die„National-Zeitung" bemerkt übrigens zu obiger Meldung: Von unterrichteter Seite wird uns diese Meldung als un- zutreffend bezeichnet. Nichtig ist, daß jede der bezeichneten vier Mächte vor einiger Zeit eine besondere Note in Peking überreichen ließ, in der Maßregeln gegen gewisse Sekten verlangt werden. Es bleibt abzuwarten, ivelche Antivort von chinesischer Seite erteilt werden wird. Im übrigen sind die Angaben der„Agentur Dalziel* sehr übertrieben. Bestritten wird also nicht, daß thatsächlich etwas im Werke ist. Nur soll es sich um eine getrennte Aktion der Mächte handeln.— Zur Fleischfrage. Die„Korrespondenz" des„Bundes der Landwirte" fühlt sich durch de» Artikel„Mitlelstauds- und Landwirtschaftsretterei" unsrer letzten volkswirtschaftlichen Sonntagsbeilage(Nr. 77) in ihren uneigennützigen Bestrebungen zur Behütung des deutschen Volks vor den ausländischen, nicht vaterländischen Trichinen tief ver- letzt und mit jener sittlich- verschämten Entrüstung, die ihrer ländlichen Ziichtigkeit so wohl ansteht, beschuldigt sie uns, jene bürgerlichen Blätter zu unterstützen, die aus dem Munde der Herren Kommerzienräte und Großreeder düstere Prophezeiungen von der baldigen Aushungerung des deutschen Volkes und der Ver- nichtung deutschen Handels und deutscher Industrie verbreiten. Zwei Missethaten sind es, welche den Hintermännern des ehrenlverten Blattes Anlaß zur xten Wiederholung dieser nicht mehr ganz neuen agrarisch- antisemitischen Insinuation bieten; erstens haben wir eine Auf- stellung der„Magdeburger Ztg." übernommen, in der die Schweins- und Rindsdärme zu den durch das Flcischeinfnhrverbot bedrohten Einiuhrgegeustäuden gezählt werden, und zweitens haben wir den Fleischkonsum in Deutschland als„außerordentlich niedrig" be- zeichnet. Zwei demagogische Vergehen, die tiefste Verachtung ver- dienen. Richtig ist, daß in der Tschierschkys Schrift„Das Fleischelnfnhv verbot" entlehnten Aufstellung der„Magdeburger Ztg." auch Därme als unter das Einfuhrverbot fallend aufgezählt sind, obgleich sie nach den Kommissionsbeschlüssen auch'nach dem 1. Jauuar 1904»och einge- führt werden dürfen. Falsch würde es jedoch sein, deshalb ohne weiteres anzunehmen, daß dieser Artikel— von Magen, Blasen ec. ist nirgends die Rede— später gleich ungehinderten Eingang in Deutschland findet, wie heute. Der§ 14d beschränkt die Einfuhr auf bestimmte Zollämter: eine Maßregel, die bei diesem Gegenstand bis zu gewissem Grade prohibitiv wirken muß, und überdies ennächtigt der§ 14 6 der Kommissions- beschlüsse den Bundesrat, jederzeit weitergehende Einfuhrverbote und -Beschränkungen zu erlassen. Doch abgesehen von allen derartigen Möglichkeiten, können überhaupt die Berechnungen über die Wirkung des vollen, fiir de» 1. Januar 1904" geplanten Fleisch« ciufnhrvcrbots bestenfalls nur auf ungefähr annähernde Nichtigkeit Anspruch erheben. Wahrscheinlich wird jedoch der Ausfall noch größer sein, als die„Magdeburger Zeitung" unter Zugrundelegung der letzten Eiiifuhrziffcrn berechnet. denn die Einfuhr von frischem und zubereitetem Fleisch hat in den letzten Jahren enorm zugenommen und ein weiteres Steigen steht zu erwarten. In den Jahren 1896-93 stieg der Import von 21 auf 72Ve Millionen Mark. Weit mehr noch scheint die„Korrespondenz" erbost zu haben. daß in der betreffenden Sonntagsbeilage der„Vorwärts" den deutschen Fleischkonsum mit dem französischen und englischen in Vergleich gestellt hat. Sie nennt den Nachweis, daß der deutsche Fleischkonsum dem englischen und französischen weit nachsteht, eine „tendenziöse Legende" und fügt hinzu: „Der Fleischkonsum ist keinesfalls ein„außerordentlich niedriger" und ohne Zweifel bedeutend-größer, als 20 bis 2ö Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung, wie der„Vorwärts" meint. Woher seine Schätzung stammt, ist nicht ersichtlich, aber sicherlich enb springt sie nicht einer Kenntnis der Thatsachcn. Ein Blick in die umfangreiche Begründung der Rcgiernngsvorlage zum Fleisch- beschaugesetze genügt, um auf Grund zahlreicher, recht eingehender Berechnungen zu erkennen, daß der Fleischkonsum Deutschlands gerade das Doppelte, etiva 4ö Kilogramm pro Kopf der Be- völkerung beträgt. Diesen umfangreichen Konsum ermöglicht fast ganz ausschließlich die inländische Erzeugung, da dieselbe etwa 23 Millionen Doppelcentner, der Import hingegen nur 2 Millionen Doppelcentner beträgt. Von diesen 2 Millionen Doppelcentner sollten indes durch sofortiges Eiufirhrverbot nur 200 000 Doppel ccntiier, d. h. nur etiva 0,3 Proz. des Konsums ausgeschlossen werden. Selbst socialdemokratische Unkenntnis landwirtschaftlicher Verhältnisse wird nicht bestreite» können, daß die deutsche Viehzucht in kürzester Frist diesen Ausfall von 0,8 Proz. zu ersetzen vermag. (�bcilfo fann b n n'i Ii W Fipt Ptiiiftpr9riifvTr�rftrtfpTffpmQMit»f:foT fiMit Snft filv Ebciffo kann darüber bei einigerAufrichtigkeitkemZwcifel sein, daß für die ZöO 000 Doppelcentner— 1,5 Proz., titr welche ein Einfuhrverbot mit dem 1. Januar 1904 in Kraft treten sollte, bis dahin ans der Steigerung inländischer Erzeugung Ersatz geschaffen werden kann. Die Sorge vor einer Schädigung der Konsumenten ist nach alledem nichts als ein tendenziöses Agitationsgcspenst." Wenn die„Korrespondenz" erzählt, es sei nicht ersichtlich, woher unsre Schätzung stammt, beliebt sie ihren lieben Lesern ctivas auf- zubinden. Der betreffende Artikel unsres Blatts weist ausdrücklich auf das Fehlen einer zuverlässigen allgemeinen deutschen Fleisch- Verbrauchs- Statistik hin und nimmt dann auf die sächsische Statistik als die beste Bezug, nachdem er erörtert hat, weshalb deren Ziffern nicht als Durchschnittsziffern gelten könne» Es mag ja Pen Hintermännern der„Korrespondenz" aus agiiatori- scheu Gründe» nicht angenehm sein, daß der Konsum pro Kopf für 1897 nur auf 20 bis 25 Kilogramm geschätzt lvird, doch steht diese Schätzung mit den Angaben der bedeutendsten Volkswirte im Ein- klang. Möglich, daß die„Korrespondenz" aus der Begründung der Regierungsvorlage und sonstigen Materialien einen Konsum von 45 Kilogramm pro Kopf oder noch mehr herausrechnet. Leider nur dürfte es außerhalb der leichtgläubigen Gefolgschaft des Herr Hahn kaum einen erusthaflen Menschen geben, dem solche mit den vagsten Annahmen manismlierenden Rechenkunst- stücke imponieren. Schiverlich lvird die„Korrespondenz" auch nur einen einzigen anerkannte» Statistiker aufzählen können, der zu ihrem famose» Ergebnis gelangt. Zum Vergleich sei hier aus dem Statistischen Jahrbuch deutscher Städte(VI. 1897) der Fleischkonsum einiger größeren Städte für 1895 angeführt. Selbst diese Ziffern erreichen zum Teil nicht die Höhe des Verbrauchs, welche das Agraricrblatt unterstellt, obgleich erstens der Fleischkonsum in den größeren Städten ungleich starker ist, als auf dem Lande, zweitens meist solche Städte noch einen größeren Umkreis sVorstädte, Nachbar- ortschaften, Dörfer) mit Fleisch versorgen und drittens in ihnen (vornehmlich in Bädern, Residenzstädten ec.), zeitweilig viele Fremde zusammenströmen, deren Verbrauch ein außergewöhnlich starker ist. Wie bedeutend dieser Einfluß ist, ergiebt sich schon daraus, daß Wiesbaden den höchsten Fleischverbrauch aller deutschen Städte hat. kam in 1895 an geschlachtetem Fleisch auf den Kopf der Bevölkerung in: Altona. Augsburg Barmen. Chemnitz. Dortmund Duisburg Begreiflich 38.8 Kg. 56,2„ 39.0, 51.2. 44.8„ 49,4„ ist, l daß solche falle.. önigsberg Liegnitz. Magdeburg Potsdam. Spandau. Ziffern den Herren 42.0 Kg. 45,4, 48,9. 57.03„ 43.4„ 53.4. Bündlern WWW m ihren Bemühungen um die augebliche Hebung der Volksgesundheit nicht recht passen; aber an den Thalsnchen ändert das nichts. Uebrigeus wenn der Fleischimport so außerordentlich unbedeutend ist, wie ihn die„Korrespondenz" darstellt, und wenn ferner, wie sie indirekt selbst zugiebt, heute die Landwirtschaft noch nicht im stände ist, den durch das Einfuhrverbot entstehenden Ausfall zu decken. tveshalb dann im Parlament und in der agrarischen Presse jene pathetischen- Deklamationen, als stehe oder fiele mit dem Fleisch- cinfuhrverbot zugleich die deutsche Landwirtschaft? Entweder wird das eine oder das andre Mal gelogen. NÄrkei-AÄitzvMzken» Der„Fall Oertel" wird weiter fruktifiziert. Zwar die authentische Erklärung Auers kann man nicht ignorieren, aber, so schreibt jetzt die„Frankfurter Ztg.", die von dieser Erklärung Notiz nimmt, die„Berliner Parteileitung" war ja gar nicht gemeint, es handle sich ja um die„Nürnberger Parteihänpt'linge". In Wahrheit sind aber gerade gegen die„Berliner Parteileitung" schwere Vor- würfe erhoben worden, der die Absicht unterstellt wurde, auf die angeblich dissentierende bayrische Partei Einfluß zu ge- Winnen. Das ist ein Vorwurf, den zu glauben bei Leuten, die mit den wirklichen Verhältnissen unbekannt sind, noch keine unanständige Gesinnung voraussetzt. Gegen solchen Vorwurf wehrt man sich, und das ist geschehen durch die Erklärung Auers. Wenn jedoch jetzt nur noch die„Nürnberger Parteihäiiptlings übrig bleiben, so kann es sich doch nur um Vorwürfe so niedrigen Charakters handeln, wie sie auch die„Kölnische Volkszeitung" in ihrer Ausgabe vom Sonnabendabend erhebt: Oertel sei erkrankt an dem gemeine» Neide der Genossen, der„Parteihäuptlinge", die das Blatt selbst in die Hände bekommen und den Gewinn selbst ein- streichen wollten für die Parteikasse,„über welche die Häuptlinge verfügen". Das ist die alte Geschichte von den Hetzern, die sich von den'Arbeitergroschen mästen; dieser Vorwurf ist auch dem Genossen Oertel nicht erspart geblieben und wird gerade von denen erhoben, die sich Oertels jetzt angeblich im Interesse von Recht und Gerechtigkeit annehme». Leute von anständiger Gc sinnung bekämpfen den politischen Gegner nicht mit solchen Schmutz Waffen. Uebcr das Nürnberger RcichStagSmaudat läßt sich die „Vossische Ztg." folgende Kombination aus Nürnberg melden: Die Socialisien haben zum Nachfolger Oertels im Reichstags mandat den ehemaligen Privatdocenten Dr. Arons-Bcrlin in Aus- ficht genommen. Pvliieiliches, GeriÄjklichrs ufw. — Zur Handhabung des VcrciuSgcsctzeS in Anhalt. Das anhaltische Staatsministerium hat jetzt im Landtag auf Anfrage eines Abgeordneten die Erklärung abgegeben, daß ihm die Entscheidung des Naumburgischen Oberlandesgerichts amtlich zugegangen sei und daß die Behörden nun angewiesen seien, bei der Handhabung des Gesetzes gleichmäßig zn verfahren, das heißt, das Gesetz so anzn wenden, wie es der unziveidcutige Wortlaut erfordert. Das Ministerium hätte sich viele Angriffe sparen und zur Erhaltung der Autorität der Behörden viel beitragen können, ivenn es nicht erst den Zwang eines gerichtlichen Urteils abgewartet hätte zur Herbei- führung der richtigen Handhabung des Gesetzes. Aus drv Ivolnenbcwegung. Zur Förderung der focialdeuiokratischeu Frauenbewegung soll nach einem von Berliner Paricigenossinuc» in der„Gleichheit" gemachten Vorschlage zwei Tage vor Beginn des nächsten Partei- iagcs in Mainz eine Besprechung her Genossinnen stattfinden. Es sollen dabei nur die Fragen der Organisation und der praktischen Arbeit zur Schaffung und Förderung eines festen Zusammenhalts unter de» socialdemokratische» Frauen diskutiert iverdeu. Die preußischen Fabrikinspcktoriuucu. Wie die„Gleichheit" erfährt, sei das Gerücht verbreitet, daß ein Fräulein v. Windheim eine der neuen Fabrikinspektorinnen sein soll. Sie schreibt: „Schon vor etlichen Monaten besuchte eine Dame, lvckche als Fräulein v. Windhcim vorgestellt wurde, in Begleitung des Ge- werbe-Juspcktors unter audcrm eine der größten Berliner Buchdruckercicn.„Das war die künftige Fabrikinspektorin", erklärte ciucr der Betriebsleiter der Firma später mehreren Ar- beitcriiincn. Von Leistungen eines Frl. v. Windhcim, welche die Qualifikation für das Amt der Gewerbeaufsicht erweise»», ist uns bis jetzt nichts bekannt." Das würde auch die außerordentliche, bei der preußischen Rc- giemiig in Erfüllung von Kulturaufgaben ganz nngcwobiite Schnelligkeit erklären. mit der diese' Stellen besetzt worden sind. Am 24. März teilt der unbekannte Herr ans dem Handelsministeriun» der Genossin Baader mit, daß die Stellen bereits vergeben sind; am 31. März, also sieben Tage nach der Vergebung der Stellen, ist der Etat und damit a u ch d i e s e S t e l l e n e r st v o m H e r r e u h a n s e g e n e h m i g t >v o r d e n. DaS ist ja beinahe schneller gegangen>me bei Schiff's- bautcn. v. Windheim giebt es nach dem Adreßbuch in Berlin außer dem Polizeipräsidenten' einen Kammergerichtsrat a. D. und einen Major im Gcueralstab._ diese Feiertage in den Wochenlohn eingerechnet.— An den übrigen Feiertagen wird gearbeitet und beginnt die Arbeitszeit um 3 Uhr früh und dauert bis 12 Uhr mittags und wird hierfür der ganze Tag in den Wochenlohn eingerechnet. Falls aber an einem Feiertag aus irgend welchem Grunde nicht gearbeitet werden sollte, so muß gleichfalls der ganze Tag in den Wochenlohn eingerechnet werden.— Am Karsonnabend sowie am heiligen Abend endet die Arbeitszeit um 2 Uhr nach- mittags und wird über die Mittagspause gearbeitet.— Am 1. Mai ruht die Arbeit, der entfallende Betrag lvird jedoch vom Wochenlohn in Abzug gebracht; dem Arbeiter steht es jedoch frei, an diesem Tag zu arbeiten. 6. Diese Vereinbarungen treten am 1. Mai 1900 in Kraft. GemevkschAftliches. «crlti» und ktuigcgcud. Die Arbeiter der Möbeltransport-Fimna Ucbel, Brunneu- straße, hatten Mitte März mit Hilfe des Centralvcrbands der Handels-, Transport- und Verkchrsarbeitcr einen Tarif durchgesetzt. Herr Ucbcl gab damals die schriftliche Erklärung, die gestellten Bedingungen einzuhalten. Am vergangenen Sonnabend prangte nun auf dem Hof der Firma Uebcl ein Plakat folgenden Inhalts: „Von heute ab zahle ich Arbeitslöhne nach meinem Ermessen. Den hiermit nicht einverstandenen Arbeiter» verbiete ich das Be- treten meines Grundstücks und machen sich Zulviderhandclnde des Hausfriedensbruchs schuldig. W. Uebcl." So halten Unternehmer ihr gegebenes Wort, aber die Arbeiter werden fiir die Zukunft ihre Folgerung daraus ziehen und sich die Handlungsweise des Herrn Ucbel merken. In so unbegründeter und 'krupcllos'cr Weise ist wohl selten ein Kontraktbrnch begangen. Herr Uebel hat auch die weitere Maßregel getroffen, sämtliche Arbeiter zu entlassen und fuhren seine Aufträge die Firmen G. Knaucr und Paul Schur aus. Ter Streik der Berliner Maßschneider ist erfolgreich be- endet, die Arbeiter haben in kurzer Zeit die Einführung der Tarife durchgesetzt. Darüber ist das Unternehmerorgan, die„Post", sehr er- bittcrt, besonders, daß den Arbeitern der Erfolg so leicht gelang. Das Blatt faselt wieder vom TerrorismuS der Arbeiter; es sollte ich nur um die Gewaltmittel der Unternehmer kümmern, an Beispielen fehlt es nicht, aber hier versagt die Entrüstung. Wie ja auch die„Post" das einzige Organ war. das seiner Zeit während des Streiks der so elend entlohnten Konfektionsarbeiterinnen tapfer die Interessen der Unternehmer vertrat. Ausland. Ter Warnödo»:fe»: Textilarbeiter- Streik, der länger als ein Vierteljahr dauerte, ist beendet. Die Hauptforderung der Streikenden, die zehnstündige Arbeitszeit, ist durch Vermittlung des Bürgermeisters Hübl bewilligt, dagegen sind einige andre Forderungen, so die Frei« gäbe des 1. Mai, abgelehnt. Den Arbeitern gebührt eine ehrende Anerkennung für ihre unermüdliche Ausdauer in diesem Kampf. Die B«chbi,»der in Brün» haben folgende Vereinbarung mit den Unternehmern getroffen; 1. Die tägliche Arbeitszeit ist eine neuneinhalbstündige und dauert von 7 Uhr früh bis 12 Uhr mittags und von halb 2 Uhr nachmittags bis 6 Uhr abends. 2. Der Wochenlohn beträgt im ersten Jahre nach der Auslehre 13 Kronen, im zweiten Jahre 15 Kronen und vom dritten Jahre an 18 Kronen. 3. Für Arbeiten außerhalb der Werkstätte wird per Stunde ein Zuschlag von 6 Heller geleistet. 4. Ucberstunden müssen auf Verlangen der Arbeitgeber in dringenden Fällen gemacht werden und wird hierfür nachstehende Entschädigung geleistet: Für die ersten zwei Stunden 21/1 Heller per Stunde von der Lohnkrone, für die dritte und folgenden Stunden 3 Heller per Stunde von der Lohnkrone. 5. An folgenden Feiertagen: Ostern. Pfingsten, Weihnachten, Neujahr und Cyrill und Method, wird nicht gearbeitet, und werden Der Krieg. J>» höchst«nangeuchmcr Lage scheint Lord Roberts sich zu befinden. Die Umzingelung durch die Boeren scheint vollendet zu sein. Roberts selbst vermag infolge seines schlechten Pferdematerials keine Aktionen gegen die beweg- lichen Feinde unternehmen. Zum Mangel an Pferden und zur W a s s e r k a l a m it ä t hat sich fiir ihn eine neue Sorge ge- seilt:„Daily News" melden aus Kapstadt, daß Roberts nicht nur Hunderte von Pferden gefallen sind, sondern daß auch viele Soldaten an Lungenentzündung daniederliegen, die durch die zu leichte Bekleidung hervorgerufen worden ist. So lange Roberts keine wärmeren Uniformen erhalte, sei er nicht im stände, größere Be- wegungen zu unternehmen. Roberts wird demnach den um Bloem- fontein konzentrierten Boerenabtcilungcn nicht allzuviel zu schaffen machen können. In Ermangelung andrer Thaten hat Roberts den jüngsten Bruder des Präsidenten Stejn von seinem zwölf Meilen nördlich von Bloemfontein belegenen Gute weg verhaften lassen, da man gegen ihn den Verdacht hegt, daß er die Boeren mit Informationen versehe. Wie schon gesagt, scheinen die Engländer vorläufig zur Unthätigkctt verdammt zu sein. Meldungen über wichtige Zusammenstöße liegen nicht vor. Die„Times" melden aus L a d y s m i t h: Eine Patrouille der 13. Husaren kam bei Waschbank mit den Boeren in Fühlung.— Dasselbe Blatt meldet ans B o s h o f: Lord Methuen rückte gestern auf Zwartskopfontein, 10 Meilen östlich von Boshof vor, ohne auf Widerstand zu stoßen. Die Boeren waren tags zuvor abgerückt. Dagegen hat sich G ata er e. der bei seiner Rekognoszierung Re ddersburg von den Boeren besetzt fand, ohne sich auf einen Kampf einlassen zu können, zurückziehen müssen. Von den 30 eutkoiiimeuen Boeren, die aus Simoustown entkommen waren, sind bei einer Absuchung des Geländes 15 wieder ergriffen worden. Drei derselben wurden durch Bajonnetstiche verwundet. Unter den gefangenen Boeren sind vier weitere Todes- fälle infolge typhösen Fiebers vorgekommen. Das Fieber hat auch die Stadtbewohner ergriffen und eS hat bereits unter diesen ein Todesfall stattgefunden. In London besteht die Befürchtung, daß bereits die tclegraphische Verbindung mit Bloe»ifo>»tcin abgeschnitten sei. Auch soll die Eisenbahnlinie von den i Süden sehr stark konzentrierten Boeren bedroht sein. Nach einer Meldung der„Central News" soll ein starkes Boeren-Kommando unter General de Wct südlich von Bethanie stehen, offenbar mit der Absicht, die Bahn zu zerstöre». Gelingt es den Boeren, die Bahn- linie abzuschneiden, so sitzt Roberts in der schönsten Mausefalle. Eine barbarische Kriegführung scheinen die Engländer in dem nördlich von Natal gelegenen Swaziland zu belieben. Ein Telegramm des Reutcrschcn Korrespondenten in Lebombo sSwazilaud) schildert die Lage des Landes als eine schreckliche. Die Regimenter der Königin«»»»»»• II III|P—........ III■■■Ml■........... IIMI HB giTff-— iu>K�Kvmmtr.mt*!faaa!asnzrr�� i Aus England. London, den 7. April. (TcrMunicipalsocialiömuS mid seine Anklig«.— Arbeiterircundliche Paria menlc-beschlüsse.— Ein NechtSspruch gegen den lÄrniichailörat.— Tie Jrlandreise der Königin und die Naiivnaiisten.) Der starke Drang nach AnZdehniina der Gemeindcthätiakcit. der sich unter der Wirkung der Demokratisierung der Gemeiiide- Vertretungen seit einer Reihe von Jahren in England bemerkbar»rächt, hat die Welt der kapitalistischen Unternehmer und ihre theoretischen oder doktrinären Vorkämpfer zu allerhand Gegenaktionen angestachelt. Das englische Parlament ist im ganzen uoch ivcuig vom SocialiSmus angc steckt, wenngleich es sich schon vieler Ketzereien gegen St. Manchester hat u. Schulden komme» lassen. Aber in den Gemeindevertretungen eiert der SocialismuS oder dessen Abart, der„Municlpalsocialisnius", seit Jahre» gllerhand Triumphe. Hier sitzen in vielen Städten Socialislcn der verschiedenen Schulen und Geioerlschaslsvertretcr im Rat, und selbst wo das nicht der Fall, zwingt, die Riicksicht ans die Wähler aus der Arbeiterklasse zum Bruch niit dem alten Schlendrian. Das Gcmcindeivahlrccht ist zwar noch immer an Beschränkungen ge- Iniipst, welche diejenigen, die ihre Wohnung nicht selbständig inne haben, von der Wahl ansschliefjcn, aber dafür hat England keine Sünder Vertretung von privilegierten Klasse». Das gicbt in den industriellen Orlen oder Bezirken der Arbeiterklasse, wenn nicht das thatsnchliche so doch das polentielle Uebergcwicht. Es nötigt zu stärkerer Für- sorge für die Bedürfnisse der ärmeren Klassen und damit zu erhöhten Ausgabe», waS ivicdcr zur Ausschau nach neuen Einnahnicqncllcn drängt. Vor die Wahl gestellt, die Gemeindesteuern hcranszuschraube» oder einträgliche Untern ehnimigc» in Gcincindcbctriebe zu verwandeln, wird aber der konservativste Stadtvater leicht zum Socialistc». Daher allerorts Konnnunalisiernng von Gasanstalten, Wasserleitungen, Straßenbahnen, elektrischen Anlagen»siv. Nach einer im Vorjahre veranstaltete» amtlichen Erhebung ziehen die städtischen Kommunen Englands zur Zeit aus iolchcn Betrieben durchschnittlich 3.ij Millionen Pfd. Stcrl., beziehungsweise 72 Millionen Marl im Jahr, und doch steht die Bewegung erst in ihren Anfängen. Aber nun beginnt sich die Gegenaktion zu regen. Bisher bloß lokal am Werk, hat sie jetzt sich zu nationalem Vorgehen aufgerafft. Alle größeren Unternehmungen, die ein natürliches Monopol rcpräsen- tieren, bedürfen in England der Konzcisionieruug durch das Parlament. Da ist eS nun in letzter Zeit wiederholt vorgekommen, daß die Gesuche kapitalistischer Gesellschaften, um die Konzessionicrmig von Elektricitätslvcrkcn k. an dem Einspruch der beteiligten Munizipaliäten gescheitert sind, die sich selbst die Anlage vorbehalten wollten. Dies ist unter andern einer Gründergcsellschaft passiert, die voriges Jahr einen mehrere Graffchaften nmspannenden Niesen distrikt MittekcnglandS für von ihr geplante ElcktricitntSivcrk zu „belegen" versuchte. Die Vereitelung des Versuchs führte zur Entdeckung, daß der GeincindefocialiSmuS Vornahme von Handels- gcschäften durch die Gemeinden—„municipal trading"— sei, und der Ruf erscholl, das Parlament möge diesem Einbruch in die legi- time Sphäre der privaten Unternehmung irgendwie steuern, de» ein- brccherischcn Gemeinden schärfer auf die Finger sehen. Bei Lord Salisburh, der in diesen Dinge» fast so halsstarriger Manchcstermann ist ivie Eugen Slichtcr, fand der Ruf williges Gehör. Und so hat sich die Regierung breitschlagcn lassen, den An- trag auf Anstellung einer parlamentarischen Untersuchung einzubringen, der befinden soll. „nach welchen Pnneipien die an Gemeinden und andren Orts- Verwaltungen übertragenen Bollniachten zum Betrieb industrieller Usitemehnmngen innerhalb oder außerhalb ihres BcrwaltuugS gcbietö zu regeln sind". Trotzdcm�ocr 27lZ Städte umfassende Verband der Gemeinde Vertretungen Englands sich einstimmig gegen die Untersuchung, d. h. dagegen erklärt hatte, daß man ein für allemal feste Regeln darüber aufstelle, welche Unternehmungen den Gemeinden anzuvertrauen seien»nd weiche nicht, ist der Antrag trotzdem vorgestern mit 141 gegen 07 Stimmen angenommen worden. Die Mehrzahl der Libe- ralen stimmteir gegen ihn, doch fanden sich anch einige von ihnen auf der RcgieruugSseite, während eine Anzahl Konservativer, darunter der Großfabrikant Mahle und der Präsident der Vereinigten Handelskammern. Sir A. K. Rollis, den Regiernngsantrag energisch bckänipften. ES wird also über den Municipalsocialiömns Uiitersnchnng er- öffnet, allerhand Material zum Beweis für seine Verwerflichkeit an- geschleppt werden. Dennoch ist ein Sieg seiner Gegner nntvahr- scheinlich. Es mag ihnen im äußersten Fall gelingen, ein bißchen z» bremse», aber auch das würde nicht lange vorhalten. Die Kräfle, die auf ihn himvirken, sind viel zu sehr Produkt der Verhältnisse und erhalten immer neue Verstärkungen. Ein Beispiel für die Lebenskraft des MunicipalsocialiSmnS liefert die jetzige Bewegung zu Gunsten einer energischeren Fürsorge der Gemeinden für gute L o l k s w o h n u n g c». In dieser Frage hat die Maucheiterlehre so sehr bankrott gemacht, daß die Regierung selbst sich genötigt gesehen hat, eine Vorlage einzubringen, die den Gemeinden das Bauen oder Erwerbe» von Häusern außerhalb ihres Berivaltungsgebiels erlauben soll. Diese Vorlage ist von allen Seiten als � nicht weitgehend genug bezeichnet worden. und die erwähnte Städtekonferenz verlangt in einer Resolution fernerhin da-Z Recht für die Gemeinden, Eirund und Boden für spätere Bauzwecke im voraus erwerben und halten zu dürfen. Ein Zusatzantrag. der das Recht ans Zwangs- c n t e i g n u u g für solche Zwecke verlangte, ward nur deshalb zurückgezogen, weil er im jetzigen Parlament keine Aussicht auf Annahme habe. Er wird aber im Parlament von den Radikalen und den Arbeitcrvertretcrn energisch verfochten. Weiter verlangt die Städtekonscrenz Erleichterung der Aufnahme von städtischen Anleihe» für Bauzwecke und Ausdehnung der gesetzliche» Frist für die Ab- lösung solcher Anleihen. Ebenso wurde die Forderung des Rechts der Besteuerung von bebauten und unbebauten Grundstücken vcr- langt. Die höhere Besteuerung der Grundwerte lvird voraussichtlich eines der Honptstiicke des Aktionsprogramms der Liberalen im nächsten Wahlkampf bilden.— Mit Parlamenten ist'S umgekehrt wie mit den Besen: sie kehren am besten, wenn eS mit ihnen zu Ende geht. Regierung und Parlameiitsmehrbeit haben sich für die Ausdehnung des Chamberlainschcn UnfallentschädigungS-Gesetzes auf die Landwirtschaft und andre, ursprünglich aus der Bill fort- gelassene Berufe eingesetzt, und vorgestern(am 5. April) hat das Parlanient ohne Opposition die zweite Lesung des Gesetze? ge- nehmigt, das de» Eisenbahn- Gesellschaften die Einführung an tomatischer Wagen verkoppeln» gen vorschreibt. Als Minister Ritchic voriges Jahr das dem Schutz des Lebens der Eisenbahn-Arbeiter bestimmte Gesetz einbrachte, brach ein wahrer Sturm von Angriffen wider dasselbe los. und der unglückliche Gelverbeminister konnte sich dieses Sturms nur dadurch erwehren, daß er eine Untersuchungskommission vorschlug, der die Frage zur Prüfung vorgelegt werden sollte. Diese Kommission hat ihre Sache wider Erivartcn gut gemacht. Eiscnbahn-Direktoren und Vertreter der Eisenbahnarbeiler haben in ihr. wie John Burn« im Parlament erklärte, in einer Weise zusammengearbeitet, die zu den erfreulichsten Erscheimingen des Parlaments gehöre, und haben einen Gesetzes- Vorschlag vereinbart, der nocb über die ursprüngliche Vorlage hinaus- geht. Dieser radikalere Vorschlag aber ward vorgestern im Parla- mcnt von einer ganzen Flut von Segenssprüchen überschüttet.— Vor dem Londoner Chancery Gerichtshof ist gestern ein Rechtsfall entschieden worden, der in das Gebiet des Munizipal- focialiSmus hcriiberschlngt. Die Straßcnbahngesellschaft, deren Betrieb der Londoner GrafschaftSrat vor zwei Jahren übernahm, »mterhielt auch einige Omnibusse, die die Verbindung zwischen ihren Hauptlinicn durch Straßen herstellten, durch die keine Schienenstränge gelegt werden können. Der Grafschaftsrat hatte die Omnibusse mit übernommen und ließ sie als selbstverständlich in der alten Weise fungieren. Soweit stieß er auch auf keine Opposition. Als er aber vor kurzem eine neue und billige Omnibustour einrichtete, erklärten die OmnibuLgesellschaften. das sei unerlaubter Wettbewerb, der Graf- schaftsrat habe überhaupt lein Recht, Omnibusdienst zu betreiben. seine gesetzlichen Vollmachten lauteten ausschließlich auf den Straßen- bahndicnst. Und diese Ansicht ist in der That gestern im Ehanccry Gericht durchgedrungen. Der Richter erklärte, der GrafschaftSrat habe sich an den Buchstaben seiner Vollmacht zu halten, und da diese nichts von Omnibussen sage, sei der Betrieb un- gesetzlich. Natürlich wird die Sache nicht dabei bleiben. Aber vorläufig jubeln die Gegner des„socialistischen" GrafschaftSrats.— Die Blätter sind voll von Berichten über die Jrla ndreise der alten Königin. Wenn man ihnen Glauben schenken kann. war die Ausnahme der Königin in Dublin eine überaus herzliche Da Irland sehr viel Loyalistcn zählt, war vorauszusehen, daß es an Hurrarufern nicht fehlen würde. Zudem hat die Königin»ichtL nntcrla sse». lvaS die Jrländer günstig für sie stimmen konnte, und schließlich halten es die Führer der Nationalistischen Partei für politisch klug. der königlichen Familie sich zwar zurückhaltend, aber nicht feindlich gegenüberzustellen. So sind größere Demonstrationen feindseliger Natur unterblieben, die Loyalisten und die Masse der leicht zu ent- flammenden Gefühlsmenschen hatten das Feld für sich. Hier und da vcrsiichtcu Anhänger der extremeren Richtimg Gegcndcmonstratioiicn. die aber ohne Mühe zerstreut ivcrdcn konnten. Das Blatt., United Jrishman", das wegen eines sehr heftigen Ausfalls auf die „Huiigcrsnot-Königin" von der übereifrigen Polizei konfisziert ivurde. wird von den meisten Nationalisten, wie der .Star" berichtet, für ei» Lockspitzelblatt, seine Hcrausgcberin, Miß Tonne, die eine Schönheit ersten Ranges sein soll, für eine russische Agentin gehalten. Selbst Michael Davitt. der jetzt auf der äußersten Linken der Homcrulc-Partei steht, soll jeden Verkehr mit ihr und ihrem Anhang aus dem Wege gegangen sein.— Sociales. wird unter den Ei» internationaler Arbciterschutzkongreß Anspicicn des französischen Handelsministeriums vom 2b. bis 28. Juli diese« Jahrs in Paris tagen. Der Kongreß schließt sich an die bisherigen Arbeiterschutzkongresse von Zürich und von Brüssel an, lind wie jene Kongresse soll er allen Parteien offen stehen. Sargschtffe. DaS Seeamt in Bremerhaven verhandelte am Donnerstag über die Strandung der Schoonerbrigg„Friedrich" an der fchottiichen Küste. Das Schiff war 117 Registertons groß und 1804 erbaut. Nach Schluß der Beweisaufnahme führte der Reichskommissar Chüdcn aus: Aus den Zeugenaussagen sei ersichtlich, daß der Ver- lust des Schiffs lediglich auf dessen Altersschwäche und Seernitiichtigl keit zurückzusühre» sei. Vom Kapitän sei die Windstärke auf 0 bis 7 geschätzt. Das sei ei» Wetter, bei welchem die Schiffe in der Nordsee seetüchtig bleiben müßte». Es müsse im Interesse von Schiff nnd Be- satzung gefordert werde», daß Schiffe, die dies nicht leiste», von der Schiffahrt ausgeschlossen werden. In jedem andern Betrieb sei eine staatliche Aufsicht vorhanden, nur be» der Schisfahrt nicht. Um so mehr sei es Pflicht, dafür zu sorgen, daß die KlassifikationL- Gesellschaften das leiste». Ivos verlangt werden muß. Die Schiffs- leitung und die Mannschaft treffe keine Schuld. Der Energie und Umsicht de« Kapitäns sei es vielmehr zilzuschreiben, daß kein Menschen lebe» verloren gegangen ist. Die organisierten Seeleute fordern seit langer Zeit vergeblich Kontrolle der Schiffe sowohl beim Bau wie beim Auslaufen durch das Reich nnd gesetzliche Vorschriften über die Beschaffenheit, Aus- riistnng und Bemannung der Schiffe. Sie haben diese Forderung auch zu den dem Reichstage jetzt zugegangenen Gesetzentwürfe» betreffend Seemanns- Ordniing:c. gestellt. Ob man sie berück- sichtigen wird, ist allerdings mehr als zweifelhaft. An der Spitze der Socialreform soll bekanntlich Deutschland marschieren. Dabei läßt man sich fortwährend von andren Staaten übertreffen. Das Arbeitersckrctariat in Halle erhielt vom Arbeits- statistischen Amt in Wien— einer Einrichtung, die man bei uns auch noch nicht kennt— folgendes Schreiben: Für die Zwecke einer Arbeit über die Errichtung und bis- hcrige Thätigkcit der verschiedenen Arbeitersekretariate und Arbciterkammern erlaub« ich mir daS höfliche Ersuchen zu stelle», mir die hierorts noch fehlenden dortigen Statuten, Ge- schäftSordnungen, Jahresberichte und sonstigen Publikationen über- senden zu wollen, wofür ich im voraus meinen verbindlichsten Dank abstatte. Wie ans dein Schreiben hervorgeht, hat die östreichische Behörde die socialpolitische Bedeutung der Arbeitersekretariate erkannt nnd widmet ibnc» die gebührende Beachtung. In Deutschland werden diese und ähnliche Arbeiterschöpfungen fast ausnahmslos von polizistischen Gesichtspunkten aus betrachtet und als Einrichtungen zur Verhetzung der Arbeiter behandelt. Sociale Nettzkspflege. Ter Fensterputzer U. beanspruchte von Herrn Pohle, dem Inhaber eines FensterreinigungS-JnstitutS. den Lohn für zwei Tage, an denen er sich des Morgens vergeblich zur Ver- fiigung gestellt hatte. Der Beklagte bestritt vor der Kammer VIII des Ge Werbegerichts jede Verpflichtung. Er behauptete, es sei dem Kläger die Bedingung gestellt Ivorden, daß er sich stets des Morgens einzufinden habe; jedoch fei ihm ge- sagt worden, daß er nicht auf Bezahlung rechnen könne, wenn er nicht beschäftigt werde. U. widersprach dieser Behauptung. Er müßte indeffen zugeben, daß er schon öfter des Sonnabends mit Abzügen ein- verstanden gewesen war. wenn er im Laufe der Woche an einzelnen Tagen unverrichtcter Sache wieder hatte nach Hause gehen müssen. Der Kläger wurde mit folgender Begründung abgewiesen: An sich stehe selbst bei Kündigungsausschluß dem Arbeiter ein Lohnanspruch für einen Tag zu, wenn er am Morgen oder im Laufe des Tags fortgeschickt werde. Im vorliegenoen Falle sei ober an- zunehmen, daß ein stillschweigendes Einverständnis mit der Nicht- zahlung vorliege. Nachdem der Klüger sich wiederholt entspreckcnde Abzüge habe gefallen lassen, könne er jetzt nicht mit einem Male für die fraglichen Tage eine Entschädigung verlangen. Besser und billiger mit Rücksicht auf die Arbeiter wäre eS ja. wenn der Arbeitgeber den Arbeiter schon am Abend vorher davon unter- richte, daß' am andren Tage keine Arbeit für ihn vorhanden sei. Gevilfits-Leitung. Feurige Kohle» sind gestern dem bekannten Fabrikbesitzer D o p p von socialdcmokratischer Seite anfs Haupt gestreut worden. Dieser Herr ivar. wie noch erinnerlich sein wird, vom Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 20 Marl verurteilt worden, weil er den Arbeiter Weinberg, als dieser an die aus der Doppschen Fabrik kommende» Arbeiter E i» l a d u n g e n z» einer gewerkschaftlichen Versammlung verteilte,„verfluchter Socialdemokrat, Hetzer. Anarchist. Brandstifter" geschimpft hatte. Dopp legte gegen das Urteil erster Instanz Berufung ein, denn er will die an- ,eführten Schimpfworte nicht auf Weinberg, sondern aus die um- tcheiide Menschenmenge bezogen haben. Vor der Berufungskammer chlossen die Parteien, der Anregung d«S Vorsitzenden folgend, einen Vergleich auf folgender Grundlage: Der Beklagte Dopp erklärt. er habe nicht die Absicht gehabt, den Kläger Weinberg zu beleidigen, er bedaure, die beleidigenden Aeußerungen, falls fie auf den Kläger be- zogen werden könnten, gebraucht zu haben. Beklagter erklärt sich zur Uebcrnahme sämtlicher Kosten des Verfahrens bereit nnd der Kläger zieht die Klage zuriick. Seht, wir„Hetzer" sind doch bessrc Menschen, so kann man, cm bekanntes Dichtcrwort umschreibend, mit Bezug auf den Ausgang dieses Prozesses sagen. A»S Anlaß der Zettelverteilung vor der Doppschen Fabrik ist Weinberg lediglich infolge der Denunziation des Herrn Dopp wegen H a n S f rsi e d e n S b r u ch S mit einer Geldstrafe von 30 M. belegt worden, nachdem eine von Dopp eingereichte Denunziation wegen groben Unfugs nicht den von dem Fabrik- besitzer gewünschten Erfolg hatte. Trotzdem also Weinberg dein Eifer Doppö eine immerhin empfindliche Strafe verdankt, war der in Ausübung seiner gewerkschaftlichen Thätigkcit schwer g e- k r ä n k t e A r b c i t e r so g r o ß m ü t i g. auf eine Bestrafung der ihm widerfahrenen, und in erster Instanz durch drei Zeugen er- wiescnen Beleidigung zu verzichten. Möge Herr Dopp und seinesgleichen daraus für die Zukunft die nötige Lehre ziehen nnd socialdeinokratischen Arbeitern gegenüber namentlich dann, wenn diese in Ausübniig ihrer gewerkschaftlichen Pflicht begriffen sind, sich eines gesitteten, achtungswiirdigen Be- tragens befleißigen! In der' Strafsache v. Kricgsheim ist jetzt dem Angeklagten und den Rechtsanwälten Morris und Dr. S ch w i n d t das Urteil zugestellt worden. ES umfaßt nicht weniger als 220 Seiten. Der Angeklagte selbst hat neben der von den Verteidigern einzureichenden Revisions-Rechtfertigmigsschrift noch seinerseits Revisionsantrüge zu Protokoll des Gerichtsschreibers gestellt. Er beschwert sich darin insbcson- derc darüber, daß vor der Verhandlung jedes einzelnen Falles die Dar- stellling der Anklageschrift in der inüiidlicheii Verhandlung durch den Vor-- sitzenden verlesen worden sei. DcrAngcklagte behauptet, daß hierdurch die beisitzende» Richter gegen ihn eingenommen worden seien, da sie auf diese Weise die einseitige Darstellung der Anklageschrift in sich aufgenommen hätten, che die Zeugen zu jeden, einzelnen Punkt der Anklage gehört wurden. Da mm das Protokoll über diesen Bor- gang keine Angabe» enthält, so hat der Angeklagte v. KricgShcim am Sonnabend zunächst in der Gcrichtsschreiberci den Antrag auf Berichtigung des Sitzungsprotokolls gestellt, da dieses nach seiner Anffassung die thatsächlichen Vorgänge der mündlichen Ver- handlnna nicht richtig wiedergebe. Unter iolchcn Umständen dürfte die Enticheidung des Reichsgerichts in dieser umfangreichen Sache noch sehr lange ans sich warten lassen. Inzwischen wird in etwa t4 Tagen die Verhandlung in betreff des Graf Egloffstcinschcn Falls vor sich gehen.' Dieser Fall mußte ans der Hauptverhandlung im Februar ausgeschieden werden, ivcil K. behauptete, daß er sich hierüber erst erklären könne, wenn ihm seine beschlagnahmte» Papiere wieder zugänglich gemacht seien. Das sittliche Nornialmast. Daß eS auch ohne lex Hcinze geht, zeigt folgender Fall. Das Landgericht l Berlin hatte die bcan- tragte Uubranchbannachung einer Schrift„Eine Nacht in Venedig" abgelehnt, weil dieselbe zwar geeignet sei, daS Scham- und Sittlich- keitsgefühl in geschlechtlicher Beziehung zu verletzen und die Phantasie des Lesers in sittlich verwerflicher Weise zu er- regen, auch die Tendenz der Schrift dahin gerichtet sei: die Verletzung des Scham- und Sittlichkeilsgcfiihls sei'aber keine gröbliche. Das Reichsgericht hob das Urteil auf und führte»achsder„Dt. Juristenzcitiing" u. a. aus: In früheren Ur- teilcns sei allerdings das Wort„gröblich" bei Desinitton des Un- züchtigen gebraucht, bei andern aber nicht, nnd es habe damit durch- aus nicht ein Begriffserfordernis aufgestellt werden sollen. Es sollen die Begriffe von Scham, Sitte und Anstand in geschlechtlichen Dingen beim Einzelnen geschützt werden. ES könne nicht erlaubt sein, dieses ideale Gut bis zu einem Grade zu verletzen, sondern daS normale Maß jener Gefühle müsse unbedingt geschützt werden. Dieses normale Maß. eine gewisse Mittellinie, zn finden, fei Anfgabe thatsächlichcr Nattir nnb mir in diesem Sinne könne, man von gröb- lich oder nicht gröblich sprechen. Der Vordcrrichter habe es aber offenbar in andrem Sinne gethan; denn er hätte die Unzüchtigkcit verneinen und nicht bejahen müssen, wenn er nur gemeint hätte, die Schrift verletze nicht das normale Maß des im Volke herrschenden Scham- oder Sittlichkeitsgefühls. Außerdem habe der Vorderrichter aber auch unterlassen, in Betracht zu ziehen, auf Ivclches Lese- Publikum die Schrift berechnet sei: denn das gehöre zur richtigen Beurteilung einer Schrift. Extrablattschwindel vor Gericht.„Vollständige Vernichtung der englischen Armee." Unter diesem alarnnerenden Titel ivurde eines Tages in der Stadt eins der bekannten„Extrablätter" aus- gebrüllt.' Ein Rcdacteur erstand ein solches, um zu sehen, welcher Schwindel dabei wieder obwalte, und fand außer der sensationellen Ueberschrist nur noch eine Depesche, welche einem Morgcnblatt ent- nommen ivar und eine angebliche Depesche aus Pretoria, ivonach über. 20 Bahnzügc abgesandt werden mußten, um alle Verwundeten und Ge- fangenen aufzunehmen. Gegen den„Rcdacteur" dieses Extrablatts. HandclsmaniiE. Reiche wurde daraufhin die Anklage wegen Betrugs er- hoben, er wurde aber vom Schöffengericht freigesprochen. Das Schöffengericht ging dabei von folgende» Gesichtspunkten aus: Der angeblich geschädigte Rcdacteur, der das Blatt gekauft, sei nicht ge» schädigt ivorden,'denn er habe eS in der Erivarttnig erstanden, daß darin'ein Schwindel enthalten sei. Die sensationelle Ueberschrist sei eine Schlußfolgerung, die der Angeklagte aus der Depesche aus Pretoria gezogen, und stelle eine Uebertreibnng dar,„wie sie in der heutigen Presse gang und gäbe sei"(I>. Der Staatsanwalt legte Berufung ein und führte darin ans. daß die an erster Stelle im Extrablatt abgedruckte angebliche Depesche aus Pretoria überhaupt nicht vorgelegen habe und auch in keiner Tageszeitung abgedruckt worden fei. so daß die auf Sensation berechnete Ueber- schrist ahne jede materielle Unterlage hergestellt und nur gewählt sei, »in das Publikum hineinzulegen.' Der Angcllagte behauptete, er habe mit einem Ausläufer des Wolffschen Telegraphen- Bureaus in Verbindung gestanden, der eS ihm ermöglicht. habe, die Depesche»— unter denen sich auch die aus Pretoria be» funden habe— abzuschreiben. Obgleich der Vorsitzende der fünften Strafkammer. Landgerichtsrat Rimie, wiederholt betonte, daß auch eine solche Depesche den Angeklagten keineswegs berechtigt hätte, die Veriiichtnng der ganzen englischen Armee in die Welt auszuposaunen. beschloß der Gerichtshof doch, die Sache zu vertagen, um dem An- geklagten Gelegenheit zu geben, den angeblichen Ausläufer des Wolffschen Bureaus namhaft zu machen, damit er als Zeuge ver- nonimeii werden kann. Die bekannte Affaire Canit, gegen Dr. Echtermaycr hat kürzlich vor dem Schöffengericht ihren Abschluß gefunden. Der Sachverhalt war folgender: In einer öffentlichen Versammlung ain 5. Juli vor. I., in welcher Herr Canitz einen Vortrag über Männer- krankheitc» hielt, hatte Dr. Echtcrmayer den Vortragenden„Lügner" und„Schwindler" genannt und ihn{ins Gesicht geschlagen. Herr Canitz hatte deshalb Privatklaae erhoben. Im Tennin zog der Beklagte es vor. auf Verg'leichsvorschläge einzugehen. Er gab dem durch Rechtsanwalt Ulrich vertretene» Kläger folgende Erklärung ab:„Ich bedaure die Vorgänge in der Versammlung vom 5. Juli 1809 und nehme die Herrn Canitz zugefügten chrvcrletzenden Kränkungen zurück. Ich übernehme die Kosten des Verfahrens und räume Herrn Canitz die Befugnis ein, den Wortlaut dieses Ver- gleichs durch Veröffcntlichnng in einer Berliner Zeitung und im„Naturarzt" zu veröffentlichen." Nach anfäng- sicher Genehmigung des Vergleichs entfernte sich der Beklagte Dr. E. aus kurze Zeit mit seinem Verteidiger aus dem Sitzungssaale. Nach seine», Wiedereintritt erklärte er. seine draußen wartenden Kollegen seien über de» beabsichtigten Vergleich so ent- rüstet, daß er davon zurückträte. Erst als ihni der Vorsitzende vorhielt, daß er doch selbst MannS genug sei, um selbständig zu handeln und daß die Ehrenerklärung in seinem Interesse liege, kam der Vcr- gleich zum endgültigen Abschluß. In dem MciucidSprozcß gcqen die KutscherfiM Pusch und die Arbeiterfrau Z i e g r a n. welche beschuldigt waren, in' dem Prozeß R o s e u g a r t einen Meineid geschworen zu haben, wurden beide Angeklagte freigesprochen. Der Staatsauwalt hatte das Schuldig beantragt. VevlÄntmlungvn. Die Brauer beschäftigten sich in einer am Sonntag abgehaltenen ostentnchen Versammlung mit dem Resultat ihrer Lohnbewegung. Uebcr die von den Brauern Aufgestellten Forderungen haben Ver- Handlungen mit dem Verein der Brauereien stattgefunden und letzterer hat. wie der Referent Richter mitteilte,'folgendes be- willigt: 1. Die Arbeitszeit beträgt 10 Stunden per Tag und zwar innerhalb 12 Stunden einschließlich 2 Stunden Pause in allen Brauereien, welche mit doppelten Kolonnen in Tag- und Nacht- schicht arbeiten, und innerhalb 13 Stunden 3 Stunden Pause in denjenigen Brauereien, welche mit einfachen Kolonnen arbeiten. Dem Wunsche, auch in den Brauereien, welche zwar mit doppelten Kolonnen, aber nicht in Tag- und Nachtschicht arbeiten, die Arbeits- zeit, auf zwölf Stunden einzuschränken, wird man namentlich in den größeren Brauereien nach Möglichkeit Rechnung tragen. 2. Als Sonutagsarbcit gilt die Arbeit von Sonnabendnacht 12 Uhr bis Sonntaguacht 12 Uhr. Die Sountagsarbcit ist nach Möglichkeit einzuschränken. Es dürfen nur solche Arbeiten, die überhaupt gesetzlich zulässig sind, ausgeführt werden. Alle Arbeit an Sonntagen ist als Ueberarbcit zu bezahlen. 3. Der Miuimallohn für Brauergesellen soll für 6 Arbeits- schichten a 10 Stunden 30 M.— zuzüglich 2 M. als Wohnungs- entschädigung— zusammen also 32 M. betragen. 4. Ueberstuuden sollen an den Wochentagen nicht unter 50 Pf., au Sonn- und Feiertagen nicht unter 60 Pf. bezahlt werden. 8. Die Brauereien werden nach Möglichkeit für Beschaffung von Umkleideräumen sowie von Wasch- und Vade-Einrichtungen, wo solche nicht schon bestehen, besorgt sein. . 6. Die Brauereien werden, Ivo dies nicht schon geschehen ist, einen Arbeiterausschnß errichten und in Funktion treten lassen. 7. Die einzelnen Brauereien sind bereit, die, Lohnzahlung ans den Freitag zu verlegen, sofern der Arbeiterausschuß es beschließt. �. 8. Der Verein wird dahin zu wirken suchen, daß auch in den- Zeuigen Brauereien, wo dies noch nicht der Fall ist, den im Sud- Haus beschäftigten Brauergesellen eine Mittagspause von wenigstens einer Stunde gewährt wird. 9. Der Verein hat festgestellt, daß auch diejenige Arbeitszeit als Ueberarbeit zu bezahlen ist, während welcher Arbeitnehmer auf An- ordnung der Betriebsleiter im Betriebe anwesend sein müssen, auch wenn sie keine Arbeit auszuführen haben. Innerhalb dieser Zeit gewährte feste Pausen sind in Abzug zu bringen. 10. In den zum Verein gehörenden Brauereien werden bei den eigentlichen Brauerei- und Mälzerei- Arbeiten in der Regel nur ge- lernte Brauergescllen beschäftigt. Im übrigen mnß die Regelung dieser Frage den einzelnen Brauereien überlassen werden. Nach längerer Diskussion nahm die Versammlung folgende Re- solution au: Die Versamnrelten stimmen den Abmachungen, welche die Fünfer- Kommission mit dem Verein der Brauereien getroffen hat, z». Die Versammlung bedauert, daß die Arbeitgeber betreffs der Verkürzung der Arbeitszeit kein größeres Entgegenkommen gezeigt haben. Die Versammlung bedauert ferner, daß Punkt 10 der Abmachungen eine provisorische Fassung erhielt, und deshalb die Möglichkeit imnier noch nicht ausgeschlossen ist, durch Einstellung billigerer Arbeitskräfte das Errungene illusorisch zu machen. Die Versammelte» verpflichten sich, strengstens darüber zu wachen, daß die getroffenen Abmachungen gehalten werden, und wo es nicht geschieht,' die Fünfcr-Konnuission zu benachrichtigen. Hierauf berichtete T r ö g e r über die Stellung der riugfreien Brauereien zu den Forderungen der Brauer. Diese Brauereien haben der Kommission teils gar nicht, teils ausweichend geantwortet, und verhalten sich mit wenigen Ausnahmen den Arbeitern gegen- über ablehnend. In der Diskussion betonten alle Redner, daß eine Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den riugfreien Brauereien durchaus notwendig sei, umso- mehr, als in diesen Betrieben nicht selten arge Mißstände be- stehen. Die ringfreien Brauereien müßten zur Anerkennung der mit dem Verein der Brauereien getroffenen Abmachungen gezwungen werden. Die Versammlung beschloß, die Fünfer- Kommission soll nochmals Verhandlungen niit den riugfreien Brauereien versuchen. Sollten dieselben kein Resultat haben', so bleibt der Kommission beziehungsweise der öffentlichen Versammlung alles Weitere über- lassen. Die Braucrci-Hilfsarbciter waren am Sonntag in großer Anzahl in Kellers Saal versammelt, um über eventuell zu unter- nehmende Schritte zur Lohnfrage Stellung zu nehmen. Schüler leitete die Verhandlungen mit einem Vortrag über:.Zweck und Nutzen der Gewerkschaftsorganisation" ein. Redner weist nach, wie das einige und geschlossene Vorgehen der Organisation bereits Er- folge zu verzeichnen hat. So hat die Kaiser-Brauerei ihren ungc- lernten Arbeitern(Brauerei-Hilfsarbeitersn einen Miuimallohn von 24 M. per Woche bewilligt. Ebenso haben die Ringbrauereien ein Eutgegenlonimen gezeigt.'— So erfreulich diese Resultate als Anfang für die Lohnbewegung zu verzeichnen sind, so drohe aber von einer Seite Gefahr, welche sehr leicht Verwirnmg in dem Vorgehen der Brauerci-Hilfsarbeiter anrichten kann. Es ist dieses das Eingreifen der Organisation der Handels- und Transportarbeiter beider Rich- tungen. Redner erinnert an die Vorgänge der Hilfsarbeiter in der Unionsbrauerei seitens der lokalorganisierten Handels-Hilfsarbcitcr, ebenso verurteilt er auf das schärfste, daß der Ccntralverband der Handels-Hilfsarbciter die Kutscher bezw. die Mitfahrer) der Brauereien für sich gewinnen will; dieses sei um so mehr zu ver- werfen, als eine ganze Anzahl Kutscher bezw. Mitfahrer bereits dem Verband der Bräuer und Brauerei-Hilfsarbeitcr angehören. Die Versammlung bekundete ihr Einverständnis mit dem Referenten durch lebhaften Beifall. In der nun beginnenden Diskussion nimmt zu- nächst Streitner, Vertreter der Handels-Hilfsarbeiter centraler Richtung, das Wort und führt etwa folgendes ans: Seine Organi- sation habe nichts gethan, was die Bräuerei-Hilfsarbeiter schädige» könnte Die Kutscher sind von selbst zum Verband gekommen, um durch Anschluß an diesen ihre Lage verbessern zu wollen, weil, wie Redner behauptet, die Organisation der Brauerei-Hilfsarbciter es nicht verstanden habe, hier helfend einzugreifen. Außerdem habe seine Organisation in dieser Sache Verhandlungen anbahnen wollen. Zu diesem Zweck habe sich der Vertraucusmanu an den Vertreter der Brauer, Genossen Prcutz, gewandt, dessen Ans- treten jedoch jede Verhandlung zwecklos gemacht habe. Es sprachen noch einige Redner zu dieser Sache im Sinne Schülers. Link vom Ge- wcrkschaftskartcll meint, man solle in der Debatte alles unterlassen, was geeignet ist, nach außen hin Zerfahrenheit in der gegen- wärtigen Bewegung anzurichten. Die leidige Angelegenheit wird vor einem andren Forum geregelt werden.— Sodann wird folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die heutige Ver- sauimlung der Brauerci-HilfSarbciter erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden. Die Versammelten erklären ferner, daß zur Erriiignng besserer Lohn- und Arbeitsverhältnisse eine starke Organisation notwendig ist. Daher verpflichten sich sämtliche An- we'scnden, soweit sie dem Verband der Brauerei- Arbeiter noch nicht angehören, diesem sofort beizutreten, da die Lebenshaltung der Brauerei- Hilfsarbeiter nur durch den Centraiverband der Brauerei- Arbeiter gehoben werden kann."— Im„Verschiedenen" wurden die Zustände einiger Brauereien besprochen. Ter Ccutralverband der Handels- Transport- und Vcrkehrsarbeiter hielt am Sonnabend im Moabiter Gesellschafts- Haus eine gutbesuchte Versammlung ab. Martini referierte über die letzten Lohnbewegungen im Berufe. In der Diskussion, an der sich verschiedene Redner beteiligten, wurde unter ander»» geschildert, wie nachlässig die JnnungS-Krankenkasse in der Erfüllung der ihr ob- liegenden Pflichten ist. So habe ein erkrankter Arbeiter drei Tage herumlaufen müssen, ehe er ärztliche Hilfe bekam. Es wurde den Arbeitern deshalb empfohlen, sich eifrig um die Verwaltung der Kasse zu kümmern und an den Generalversammlungen teilzunehmen. Tie Freie Vereinigung der Bauarbeiter llokale Richtung) hielt am 8. April ihre Mitgliederversammlung äb. Auf der Tages- ordnung stand die Abrechnung vom I. Quartal. Diese ergab mit eincin Bestand von 303,01 M. eine Einnahme von 1131,11 M. und eine Ausgabe von 907,09 M. Kickeber stellte den Antrag, von dem Bestand'200 M. dem Vertrauensmann, 74 M. dein Kassierer zu übcrlasicn, dem wurde zugestimmt. Beschwerden über unpünktliche Zustellung der Zeinmg soivie die Wohnungsänderungen sind an den Spediteur Hermann Lemke, Berlin, Graunstr. 5, Quergebäude II, zu richten. Charlottenburg. In einer Versammlung der Schmiede, die am 4. April tagte, sprach Tischler Bleek über Ziel und Nutzen der Gewerkschaften. Sodann besebästigte sich die Versammlung mit der Stellung zur Maifeier. Man beschloß, wo es möglich ist, die Arbeit ruhen zu lassen. Diejenigen, die arbeiten, sollen zum Maifonds 1 Mark beisteuern. Rixdorf. Am 3. April hielt die hiesige Zahlstelle des Central- Verbands der Maurer ihre Mitgliederversammlung ab. Nach einem Vortrag des Genossen Lankow beschäftigte sich die Versammlung mit der Maifeier. Es wurde beschlossen, den Besuch der Versammluiig durch einen Stenipel in das Verbandsbuch zu kontrollieren. Ein Accordmaurcr wurde aus dem Verband ausgeschlossen. Gingegaugcne Druckschriften. Im Verlage von I. H. W.Dietz Nachf. in StuUgait ist soeben Hest 13 und 14 des„Ärbeitcrrccht" von Arthur Sladthagen, Mitglied des Deutschen Reichstags, erschienen. Dem Werte direkt angeschlossen ist der Führer durch das Bürgerliche Gefeübuch. Mit vielen Beispielen und Foruiularen für Klagen, An- träge und Besiwerden usiv. Das..Arbeiterrecht" enthält alles, was für den Arbeiter notwendig ist zu»visien und macht Textausgabe» der Gesetze erst verständlich. Das Werk »vird in 22 Lieferungen von je 32 Seiten a 20 Pf. erschciuen. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen und Kolporteure entgegen. Alle acht Tage erscheint ein Heft. Von der„Neuen Zeit»(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben daS 28. Heft des 18. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Kant und der Soeialtsnius.- Zur deutschen Bergarbeiterbewegiing. Von Otto Hue.— Leo Tolstoi: Auferstehung. Von Robert Schweichel.- Die sociale Lage der Buchbinder und verwandter Bernfsgenossen in Deutschland. Von Robert Albert(Dresden).- Berliner Theater.- Littcrarischc Rundschau: Die Schriftstellerin von Marie Maucke; Die Aerztin von Dr. Hans Hacker; Die Lehrerin von Rosalie Büttner. Dr. Karl Eisenhardt, Die Ab- rcchnung mit England. Don der„Gleichheit«, Zeitschrist sür die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben die Nr. 8 des 10. Jahrgangs erschlenen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Vorschläge.- Zur Kcllnerinncnfrage.— Aus der Bewegung.- Die Untersuchung weiblicher Gefangener.- Notizenteil von Lily Braun und Klara Zetkin: Weibliche Fabritmspektoren.- Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.- Gewerk- schastliche Arbeiterinnen-Organisation.- Kellnerinncnbcmegung.- Frauen- bewegung.— Frauenstimmrecht.— Der Ziegelschlag. Gedicht von F. v. Saar.___ Marktpreise bo» Berli» am 7. April lvOO nach Ermittlnugen de« tgl. Polizeipräsidimiis. »)W-iz-n D.-Ctr. »)Noggcii Fnitcr-G erste« Hafer gut miltel«. .. gering„ Richtstroh. He» 1)Crbscn. DSpciscboIjlltll„ tjüiii'en Kartoffeln, neue. Rilid fleisch, Keule 1 kg do. Baiich„ ') Ermittelt pro 15,10 14,20 14,50 15,- 14,30 13,60 4,50 7,20 40,- 45,— 70,- 7,- 1,60 1,20 Tonne 14.10 13,50 13,- 14,40 13,70 13,- 4,00 4,80 25,— 25,- 30,- 5,— 1,20 1- von JchiDcini: fleisch Kalbfleisch Haiiiiiielfliisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hecbte Barsche Schleie Bleie Krebse 1kg 60 Stück 1 kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,60 4- 2,20 3,- 2,60 1,80 1,80 3,- 1,20 12,- 1 ,- 1,— 1- 2,- 2,40 1,20 1- 1,- I,- 0,80 1.20 0,80 3,50 der Centralstelle der Preith. Land- Vil limikU fllü JtUUUt VW41 Wt*-—- 1----- wirtschastskammem- Notierungsstelle— und umgerechnet vom Polizei- präsidimii für den Doppeleentner. f) Kleinhandelspreise. Produktcumarkt v o m 9. April. Die Tendenz war zu Beginn des Getreidemarkts sür Weizen und Roggen fest. Die amerikanischen Börsen meldeten niedrigere Rotterungen, doch blieben diese auf den hiesigen Markt ohne Einfluß, da die Nachrichten über den ungünstigen Saatenstand immer trüber lauten. Zwar sind die Meinungen über die Einwirkung der an- danentden Niederschläge aus die Felder geteilt, doch ist im großen Wanzen die Ansicht vertreten, daß die Wirkung auf die Saaten ungiinstig»ein wird. Die Umsätze am hiesigen Platz waren nicht belangreich. Das Angebot hielt sich zurück und AuSlandsware weniger reichlich offeriert. Weizen zog um ))/.— 1 M., Noggcn um Vj— M. an, Hafer uiiverändert, Mais ruhig. Rüböl zeigte schwache Haltung. Am Spiritus markt ging es ziemlich lebhaft zn. Gehandelt wurden 15 000 Liter 70er Locoware zur Sonnabends- noliz mit 48,90 M. Kartosfelsabrikate vom 9. April. Prima trockene Kartoffelstarke per 100 Kilogramm 19.60 M., do. supra 20,- M., do. secnnda 16-10M. Prima Kartoffelmehl per 100 Kilogramm 19,57 M., do. supra 20,25 M., do. secnnda 16-18 M. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kilogr. 10,70 M. Eier- Bericht vom 9. April. Normale Eier je nach Qualität von 2,65-3,00 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität von 2,45 bis 2,55 Ml per Schock. Tendenz: flan. Witte, iiligSüberstcht vom 9. April 1900. morgens 8»hr. Stationeii Swiiiemde Hamburg Berlin Wiesbaden Mliiichcn Wien s s S � 9~ «2 e 3 i« 750 OSO 750 WNW 749, WNW 754 W 755« 753!SW Wetter 4 Regen 2 Regen 3, Regen 4 bedeckt 4 Regen 3chedeckt •jS e � d II C � « Iiaüonen Haparanda Petersburg Cork Aberdcen Paris es »- 770,30 770 Still 758.91 753 3 758)SSW Weiler 2 wolkig! - Dunst 3hlb.bed 4'bedeckt Ibedeckt t*r. XS � ä" g* -2 -1 9 5 5 Weiter. Prognose für Dienstag, den 19. April 1999. Zeitweise aufklarend, vorwiegend noch trübe mit geringen Nieder- schlägen und mäßiger Liiftvewegnng; Temperatur wenig verändert. B e r l i n e r W e t t e r b u r e a u. Briefkasten der Redaktion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte Abonnementsquittmig beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant. wartet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. Die juristische Sprechstunde findet Montag. Dienstag und Freitag von 7-9 tthr abends statt. Ghriftiana. Kirste. Ein kurzer Auszug aus Ihrem Bericht ist am 5. April im„Vorwärts" erschienen. t Gilde. Einen solchen Verein kennen wir nicht. Bielletcht meinen sie den Verein sür Voilsunterhaltungen, Borsitzender Geh. Sanitätsrat Dr. Küster, Tempelboser User 21.- �. I. B. Uns unbekannt. Wenden Sie sich an einen höheren Bahn- beamten. D. 83. Das können wir nicht entscheiden,_ fleug flunKbleilter m flupferrastjerung Der große Bettall, den die zu Weihnachten erschienenen Kapseln Suppen-Würze stets vorrätig bei Hermann Liindke, N., Pankstr. 13. MlKk aI ittst Teilzahl. Oranienstr. 131. awiooei«oÄe H. z Lewent#ÄV Uebcr SOOOOOMk. verloren werden jährlich von Schneidermeistern! 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Specials- tälen-Vorstellung. Urania. Jnvalidenslr. 57/4!2 Täglich abends von ö— lv Uhr: Sternivarle. Danbenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr(im Theatcrsaal):„Bon den Alpen zum Besuv." Im Hörsaal:„Reijebildcr aus Kauierun". UU'ntvnl-Thrkrfrv Direktion: Jose Ferenoiy. Die Puppe.(La Poup�e). Operette in 3 Akten und einem Borspiel von Ed. Andrau. Mittwoch und Donnerstag: Die Puppe. Sonnadend, den 14. April.(Er- öffnung der Sommer-Saifon.) Berlin nach Elf. Große Ausstattung-Zposie mit Gesang und Tanz. Oster-Sonntagnachni. zu halben Preisen Der Bettetstndent. Oster-Montagnachm. zu halben Preisen Ter Zigennerbaron. Abends: Berlin»ach Elf. npl-Wer. Behrenstr. 55/57. Direktion R Schultz. Dienstag, den 10. April 1900: Das brillaute pfte Mil- Sßtmlitateit-PrMMla. Im lO L'lir: Die Frauenparade aus der Operette „Verkehrte Welt". Anfang au Wochentagen 8 Uhr, an Sonn- und Festtagen 7-/, Uhr. Rauchen in allen Räumen gestattet. Apollo-Itiestei'. Das grossarlige April- Programm. Kassen- Eröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. \ Icturia-'l licater, Alexanderplatz. Abends 8 Uhr: Ensemble-Gastspiel des Wilhelm-Theaters: Die Cirkns-Fee. Operette in 2 Akten von E. Felsch. Musik von H. Scheibenhoser. Vorher: Taö Versprechen hinterm Herd. vtandl.. Frau Tcckcr-Segisser a. G. falgst-IIikatkl' früher Bnrgstr. 22. Das große erstklassige .AxrU-k'rci�rumm. Noch nie dagewesen! Vle niz steiE««»;!» Klefaiiten 14 dreosluvte Ziegen. Ter iiinjif.- Clectric-GeiiiuS. SV Nurnoch bis Tonnerstag'7WD das erfolgreiche Berliner Liedcrspiel llie neue Berrin. Hauptrolle Direktor Fröbel. Auf. Vorst. 7l/j Uhr., Konzert 6V2 Uhr Billet-Vorverkanf v. II— l Uhr. Freitag u. Sonnabend gesoblossen. Am 1. Ostertag Fest- Vorstellung. Sensationelles neues Programm. Deile-Alliauce-Tiiealer. Eil! toller Einfall. Schwank in 4 Alten von Karl Lauffs. Kofienerösinung? Uhr. Ansang 8 Uhr.— Ende VjU Uhr. Urania Tniibcnntrasse 48/49. Im Theater abends 8 Uhr; „Von den Alpen zum Vesuv;' Im Hörsaal: „Eeisebilder aus Kamerun." Invulldcnstr. 57/0%: Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. Passage-Panoplicum. H e n t e Dienstag, den 10. April, abends 7 Uhr: Vortrag eines Arztes über das menschlicbe Äuge. castans■« PANOPTICUM Original-italienische Sänger- n. Konzert- Gesellschaft „Volon, ho". Die neuen sensationellen lebenden Photographien. Stiergefeoht.— Mann über Bord.— Stapellauf eines modernen Schlachtschiffs. — Baby-Wäsche u. v. a. m. Joubert f.— Krüger.— Cronje. SWtt-AMr (Wallner- Theater). Dienstag, abends 8 Uhr D inrieh Lornsen. Bürgerliches Trauerspiel in 3 Aus- zögen von Erich Schlaikjer. Mittwoch, abends 8 Uhr: Neu etnstndicrt: Brand. Donnerstag, abendS 8 Uhr: Brand. Thalia-Theater. Tel. AmtIVa 8440. Dresden erstr. 72/73. Drittletzte Woche vor der Abreise nach Hamburg Täglich: Riesenlacherfolg! Im Hintmelhof. Thomas, Thielscher, Hclmerding, Junkermann, Paulmüller. Anfang 7r/z Uhr. Morgen und folgende Tage: Im Hiniinclhof. Freitag, den 12. April(Karfreitag), abends UA Uhr: Oratorium-Aufführung„Bilas" von MendelSkohn. CarlWelss-Theater Gr. Franksiirterstrasie i:S2. Deutsche Volksbühne. Einmalige Ausführung: Maria Magdalena. Trauerspiel in 3 Alien von Hebbel. Regie R. Wach. Ansang 8 Uhr. 1». Ngacks Theater, Brnnnenslraße 10. Bom 9. bis 15. April Geschlofse«. Am 1. Ostcr-Peiertiig: Das Schloß am Meer. Schauspiel m 5 elfte» von Walthcr. Donnerstag, den 12. April: Unwiderruflich lctitc Borstelhing. Schlusi der erste» Saison. Ledmnson. Heute, DiciiSlag, de» 10. April, abends präc. Ih'z Uhr: ■<3a>a-'Vorstöliung. Ganz besonders gewähltes Programm. 12 der beste» Nummern deS reichhaltigen Repertoirs. Ferner Austreten der neu engagierten 5iunstlräftc sowie Direktor Alb. Tchnmaun mit seinen anerkannt unerreicht dastehenden Original- Dreffurcn. Zum Schluß: Zuui unwiderruflich lctztenmale der 1. und 2. Alt von Vohioii' Faust. Eine romantisch-phantastische Handlung in drei Abteilungen vom Hofballctt- mciftcr A. Siems. Mittwoch, den 11. d. M.: Grande soiröe equostre. Ehren-Abend des Direktors Alb. Schumann. Donnerstag, den 12. April: Dank- und Abschieds-LorsteUung. ii«««»»«i Bottbnserstr. 4 a. Heute geschlossen. Nächste Vorstellung: Sonntag, den 13. April 1. Ostcrfeiertag. An den 3 Osterseiertagen: Gr. Extra-Torstelloiigeii mit darauf folgendem Tanzkränzcbeii. Cirkns Buscli. Nur noch 3 Tage. Heute, abends 7'/, Uhr: Blit«. Kala»Abend. Zum 152. Male: D i e C a m 0 r r a. Auszerdemldie grandiosenSpecialitäten: Shadow Brothers, moderne Gladia- orcn, Stgnor Farini, Jongleur par escellence.||®nä Dreigespann. Die weiße Dame. Miß Lala Lee. Dir. Busch, der Gipfel der Dressur. kisletisusiisn. Täglich: �«tettiner«iinger Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pfennig. �Vorverkans 40 Pf. Dentsclie Konzert-Hallen «tadtbahnhoi Börse. Täglich: Grosselheater- und Variete- Vorstellung. Die Humoristen Hildach,(Broich, Zimmermann. Gursch, Bcnari. „Die Liicetl lum Rixbors" sowie SergeantSchtteidig und militärische Gindriicke. Beginn der ausländischen Orchester Wochent. K Uhr, der Thcaterabt. 8 Uhr. Kelmnntmachung. Die ordentliche Geiiera!-Ver5aminlimg der Oi'ts-Kraiikenkasse für de» Gewerbebetrieb derKklufleute, Kandels- leute u. Apotheder findet statt am TienStag, de» S4. April er., abends 8), Uhr, in den„Ai-niin liailen", Kommandanicilstr. 20. Tages-Ordnung: 1. Abnahme der Jahres- Rechnung pro 1899. 2. Abänderung deS Z 55 und Z 04 des KasicustaiutS. 3. Wie stellen sich die Delegierten zur ärztlichen Behandlung der Familienangehbrig. d. Mitglieder? Der Vorstand: Aug. Werner, H. Philipsohn, Vorsitzender. Schriftführer. «iiilsksttittil«0 Pf. pr. p\t.(Qxöltti»um Reißen). �chlachtfedcrn, wie sie v. d. Gans fallen, mit öücu Danucn Hl. 1,50, füllfertiaer Gänse rupf ITT. 2.00, brfirr» daunige Ivaare DT. 2.50, 3.00, beste schneeweiße DT. 3.50, rnf fische Sannen m. 3.50, weiße siichrn. Daunen M. 5.00, ge« rissene Gedern m. 1.50, 2.00, 3.50. Prima gerissene DT. 3.00, 2.50. Versand gegen Nachnahme. Kusisr lutii €rpe Bettfedcrufabrik m. electr. Betriebe, viele Anerkennnngsschreib. I«'»!!»« 44 LIsssssrsCr. 44 (am Oranienburger Thor). Bebandl. aller Hont-, Harn- ». Blasenleiden obncBerilfS- störilNg, ebiie-ahaitl. Nittel u. elfte. Svrcchst. 9 morg. bis 9 ab-iids.Sonntag».Donners- tag 9-3. 3970L» SV Bei Vorzeigung der i Berbaiidskarten 10 Proz. Socialdeiiiohratischei' Wahlvcreiii f. den 6, Beiliner Reichstags-Wahlkreis Den Genosscn zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Steindrmker am Freitag verstorben ist. Die Be- erdigung findet heute, Dienstag, den 10. Zlpril, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zionskirchhoss in Nieder-Schönhaulen aus statt. Zahlreiches Erscheinen erivartei 240/20 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannte» die traurige Nachricht, daß meiue liebe Frau und gute Mutter s414b Anna Rehfeldt geb. Wallals nach schwerem Leiden am 7. April verstorben ist. A. Rehfeldt. Gertrud Rehfeldt. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 10, ds., nachm. 5 Uhr, vom Begräbnisplatz der Freireligiösen Ge- mcinde(Pappcl-Allee) aus statt. Danksagmtg. Allen, welche unserm lieben Sohn und Bruder«Seerg Wonnke die letzte Ehre erwiesen, sowie für die vielen Kranzspenden und den Herren vom Gesangverein sagen wir unsern tiefgcsühltcn Dank. 421b Die trauernden Eltern und BrUder. Danksagttttg. Für die überaus große Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manns sage allen Freunden u. Be- kannte», im besonderen der Firma W. Spindler, seinen Kollegen, dem Tcxtilarb.-Verein Köpenick, dem Soc. Arb.-Bild.-Verein, sowie dem Gcsaugv. „Freiheit" unsern ticsgefnhltcn Dank. iVve. Richter nebst Kindern u. Angch. Kranzbindcrei n. Blmnen- handlnng von[40342* Rol>ert Meyer, Xb.Sä. MTarlanncnstr. No. 2. Widmnngs-Kränze, Gnirlanden, Ball- sträußchen, BouqnetS ic. werden sehr geschmackvoll und preiswert gelicsert. Orts-Kranken Kasse lies Maum'geveite. Donnerstag, den IL. April er.. abends S'/s Uhr, i» den„Armin- Ballon", Koiuiiiaiidaiitenstr. 30: Gellerai-Versammlimg der Vertreter der Kaffcn- Mitglieder nnd der Arbeitgeber. Pages-Ordnung I 1. Vorlegung des VenvaltungS- berichies und Rechnungsabschlnsies für das Jahr 1899. 2. Berichc des Ausschusses über die vollzogene Rechnungsprüfung und Beidilusisaflmig über die Abnahme der Jahresrcchnnug. 3. Antrag auf Bewilligung einer Entschädigung für die Kaijenmitglicder de» Nechnniigsabschlusses. 4. Beratung und Beschlußfassung über die Entscheidung des Bezirks- ausschufses bctrcsicnd die in der Geuernlversammlnng vom 9. No- dembcr 1899 beschlossene Abänderung vcs Statuts. 298b 5. Antrag der Kassenbeamte» auf Verkürzung der Arbeitszeit van 9 auf 8 Stunden und Gehaltserhöhung. 6, Verschiedene Mitteilungen des Vorstands. Berlin, den 2. April 1900. Her Verstand. A. Taebue, A.»elpin, Vorsitzender. Schriftsührcr. Ich habe meine Wohnung vom Mortyplatz(Aschinger-Haus) ..-chPriiijtilstrilßeRr. 33 verlegt. 272b Dr. Limmel. Specialarzt f. Haut- u. Harnleiden. II.«fekllu'vis. Dienstag, den 10. April er., abends 8'/z Uhr, bei Habel, Bergmannstraße Nr. S/7: Generalversaiiimliing des Walilvereiiis. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Kaisenbericht. 3. Neuwahl des Gesamt.- Vorstands. 4. VereinSangclegenheitcii. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Mitglieder sind vervsiichtet, pünktlich nnd zahlreich zu erscheine» Zur Beachtung! Die lviiiglicder werden daraus ausmerksam gemacht, daß noch eine große Anzahl Billets der Treptower Sternwarte aus den Zahlstellen liege» und ersucht der Vorstand, daß die Mitglieder während der Feiertage dieselben zum Besuch der Sterinvarte zahlreich benutzen. Ferner habe» viele Mitglieder die auf den Zahlstelleu bcsindlicheu Karten noch nicht nusgesnllt; dieselben haben dieser Pflicht schleunigst nachzukommen. 238,6« Der Borstand. Sotiaidemokrattscher Mahlverein sm den4.Derl.Re!chs!ags-Wahlkreis(Osten). Dienstag, de» 10. April, abends 8 Uhr, im Lokal des Herr» Breuer, Gr. Frankfurterstr. 117: General- Versammlung. TageS-Ordnnng: I. Vortrag des Genosten Rcichstags-Abgeordnetcn Vrit»! Knnert über:„Die gegenwärtige politische Situation". 2. Thätigkeitsbericht beS Vorstands. 3. Bericht des Kassierers. 4. Wahl des Vorstands. 5. Wahl der Revisoren. 6. Verschiedenes. 212/12" SV Die Versammlung wird pünviich eröffnet.— OuittunaSbuch legitimiert. Vor Vorstand. SocialiieiiieMclier WalMn für den seclisten Berlinei Reictistep-Weiras. DicnStag, beu 10. Avril, abcnbS S'/s Uhr, in de» Armiiiiushallen, Bremer st r a ß e 72/7S: MM- VevB&mmlunQ» Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen«triibei über:»Das Licbiiugeln der bürgerlichen Natioiialökoiiomcii mit der Arbeiterbewegung nnb die StcUnng der Socialdemokraiie.- 2. Diskussion. 3. Vereins- aiigelegcnhcitcn. SV Gäste haben Zutritt."VC Ter Vorstand. KB. Dcn Mitgliedern zur Nachricht, daß am 18., 30. und 37. Mai Sonder-Vorstellungen in der„Urania" stattfinden. BIlletS sind vom iL. April ab bei den Bczirköführeni zu haben.— Die BorstandS- Mitglieder werden gebeten, sich am Mittlvach, de» 11. April, abends 9 Uhr, bei Hiraase ciiiznsindcn._ 216/19» Älchtttttsi, Einsetzer! Von heute ab befindet sich der Arbeitsnachweis sowie das Bureau Cngcl-llfer 13(GewerkschaftShans). vorn 1 Treppe, Zimmer 12. Arbeits- verinittklnvg vormittags von 9 bis 1 Uhr. Die nächste Bersammluiig findet am 3. Ostcrfeiertag, vormittags 10 Uhr. bei Her/.bcrg, Alte Jalobstr. 75, statt. Die Kollegen werden ersucht, die Mitgliedsbücher in Ordnung zu bringen und zur Versammlung mitzubringen. Die Kommisalon. Achtung! Achtung! Den Genossen des 3. Berliner Neichstags-Wahlkreises zur Nachricht, daß am Freitag, den 13. April, ein- 245/4 Herrenpartie nach Picheiswerder Frennds Jiisclgarten. stattfindet. Abfahrt früh 8 Uhr Alexanderplatz. Für Nachzügler Treffpunlt nachmittags im Lokal l'reands Jnselgarten. Pichelswerder. Um rege Beteiligung ersucht_ Per Voratand. Mtmlg! Putzer._ Am Mittwoch, den 11. April, abends 0 Uhr, findet eine WM" Bandeputierteu-Sitzung im stiestanrant«ebliler, Rosenthalerstr. 57, statt. Jeder Bau muß vertreten sein. 131/12 I. A.: Franz«chnltc. Mnzüge und Paletot« von 30 ITI. an, liefert elegant sitzend[4382L* Reinliold Werner, Gr. I'raukfnrtorKtr. 70. Kl. Aadrcnsstr. IL Achtung, V. Wahlkreis. Sonntag, den 15. April(1. Osterf eiertag), im Grand Hotel Alexanderplatz; Wohlthätigkeit«» Matinee Teranstaltet von den Parteigenossen. Anftrrken von novznglichrm Vnnstlvv � Vrrfonnl. 217/2 Kaffcneröffnung 11 Uhr. Anfang prücise 12 Uhr. Billet 30 Ps. Jösliner kok" Köslinerstr. 8. Montag, den 16. April(2. Osterfelertag): — ff Grosse Matinee veranstaltet von de» Gtilofseilschllsts-BilOrillktm i» Lolingtu (Eingetr. Genossenschaft m. beschr. H.) Geschäfsbericht pro 1800. Aktiva. M. 1. 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Januar 1899... 74 Ausgeschieden sindi. abgelansenen Jahre....... 3 Eingetreten...... 29 Mithin Zahl der Mitglieder am 31, Dezember 1899.. IVO Der Borstand. I. A.: August Sobratnar, Borsitzender. Der Auffichtsrat. I. A.: Karl Asobeuar, Vorsitzender. 51 �" KHckcrei• Wrangelstr». Krantstr 19, Faldcnsteinstr. 28. Lniisilicrstr. L. 'II m«rot SSPfg. 2 II- AI brecht'« Chronische leiden seder Art ohne ÄcrufSstürnng Institut dost, obausseestr,»7, I. r, 9—3, 5—9, Sonntags 9—7. s* Arbeitern Lv Proz. Ermässigung. Sommer.Matetots'S III W IL m Thee!! TIibbIÜi Chinesische, Russische u. Indische. WWW»WWM>W>>>W>W>>W>WM>>>>>W itto otawa, Ä, Geschäft: TurmsSrasse 8>. lermeisseF, 3800L* pr. PM, 1,40, 1,60, 3,00. 3,40, :i,«0, 4,00. T h e c s r n s s pv. Pfd. 1,30, Deutsche Kaaee-Eöslerei A. Pennitz, Kosrntlinlrr SCrasse 59. Virlan'jinSle gntitii.fnnk» meinen 1 � illustr. 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April, eine Herrenpartic nach P i ch e I s- Werder sFreunds Jnselgarten). Abfahrt früh 8 Uhr vom Alexander- Platz. Treffpunkt für Nachmittag in Freunds Jnselgarten, Pichels- werder. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Charlottcnburg. Diejenigen Mitglieder des socialdemokratischcn Wahlvereins, die mit ihren Beiträgen noch im Rückstände sind, werden ersucht, dieselben zu begleichen. Wer länger als süns Monat rcstiert, mutz gestrichen werden. Stundungen können nur bei dem 1. Kassierer Hänschke, Goethestr. 13, beantragt werden. Der Vorstand. Rixdorf. Heute, Dienstag, findet die Generalversammlung des Vereins Vorwärts statt.(Siehe Inserat in der letzten Sonnabend- nummer). Gleichfalls werden die Parteigenossen auf die Matinee am 2. Osterfeiertag aufmerksam gemacht. Billcts sind an den bekannten Zahlstellen und bei den Vorstandsmitgliedern zu haben. Der Vorstand. Steglitz-Friedcnau. Im Arbeiter-Bildungsvcrein spricht ani Dienstag in Grubes Lokal. Kaiser-Allee, der Genosse Conrad über amerikanische Arbeiterverhältnisse. Gäste sind willkommen. Vokales. Die Streikklausel sucht der Verband der B a u g e s ch ä f t e mit heitzcm Bemühe» einem verehrlichen Philisterinm mundgerecht zu machen. Die Blätter be- richten über eine in diesen Tagen abgehaltene Versammlung des Verbands, in der die Herren B a u m e i st e r und L a ch m a n n hervorgehoben haben sollen, datz der Konflikt mit der Stadt Berlin nur ein scheinbarer, und die ablehnende Haltung der Barr deputation nur erfolgt sei infolge einer falschen A u f> fassung des Begriffs„Sperre* und in Unkenntnis der in den Vcrbandssatzungen darüber vorgesehenen Bestimmungen. Hiernach kann eine Sperre der Arbeitgeber nur von der Generalversammlung nach Scheiterung' vorheriger Cinigungs verhandlungen mit den Arbeitern beschlossen, und dieser Beschlutz mutz zur öffentlichen Kenntnis gebracht werden. Die Versammlung beschlotz den Blättermeldnngen zufolge einmütig, an der Ansstands- klansel als dem Lebensnerv eines jeden Baugcschäfts u n t e r allen U m st ä n d e n festzuhalten,»m damit eine Gleichheit für Arbeitgeber und-nehmer zu erzielen, da der jetzige Zustand eine indirekte Begünstigung der Arbeitnehmer bildet,' denen niit den Konventionalstrafen das beste Mittel zur Erlangung ihrer Forderungen an die Hand gegeben sei. Auch eine Zuschrift, die der Baumeister Lachmann an die„Voss. Zeitung* gerichtet hat, liest sich wie lauter Honigseim. Darin heitzt es: „Nichts liegt dem Verband der Baugeschäste von Berlin und den Vororten ferner, als in der Streikklausel eine Streitklausel zu erblicken, vielmehr soll diese Klansel in Uebercinstimmung mit den sonstigen Verbandsprincipien nur der friedlichen Abwehr gegen den Terrorismus der Arbeiter dienen. Ein Unternehmer, welcher ohne Ausstandsklausel einen Bau über nimmt, ist während der Bauausführung willenlos den social- demokratischen Führern verfallen. Wird die Sperre über einen Bau verhängt und de» Bauuutemehmer schützt nicht die AuSstands klausel, so mutz jede Forderung bewilligt werden. Wer ohne Aus standsklausel Bauten übernimmt, hat sich schon beim Unterschreiben des Vertrags in die Hand der Agitatoren begeben, denn die Konventionalstrafen. welche bei Uebcrschrcitung der Hcrstcllungs fristen verhängt werden, machen jeden Unternehmer mürbe. So lange die Ausstandsklausel fehlt, kämpfen Arbeitgeber und Arbeit nehmer mit ungleichen Waffen. Ist es bei so zuckrigem Gerede ein Wunder, wenn der freisinnige Philister auch in der Stadtverordneten-Versammlung sein Herz, das imnier seinesgleichen hold und dem Arbeiter unhold war, ganz besonders lebhaft für das arg bedrängte Unternehmer- tum schlage» lätzt. Brauchen die Bauunternehmer da noch wie zum Hohn bekannt zu geben, datz die Rüdersdorfer Kalkwerke. die zum sechsten Teil der Stadt gehören, ebenfalls so etwas wie eine Streik- klausel in ihren Lieferungsbedingungen haben? Die Verhandlungen in den Baudeputationen, über die wir am Sonntag berichteten, haben gezeigt, datz die Stadtverordneten bei dieser Gelegenheit mehr lvie je ihre leidigen liberalen Principien zum Teufel wünschten und sich am liebsten init Haut und Haaren dem Unternehmertum überantworten möchten, Da heitzt es wachsam sein. Nicht aus dem Grunde, datz wir dächten, die Stadtvcrordneteu-Mehrheit ivürde sich, die nötigen Er- Mahnungen vorausgesetzt, der Arbeiterschaft gegenüber doch noch von Gefühlender Gerechtigkeit leiten lassen. Diese Illusion hat bei uns und auch bei der Mehrheit der Bevölkerung gewitz keinen Ailgenblick bestanden. Aber was die Herren Liberalen bedenklich machen sollte, das ist die immerhin nicht geringe V e r- antwortung. die sie der Stadt gegenüber zu tragen haben. Wenn die Stadtvcrordneten-Mehrheit dem Verlangen der Bau- Unternehmer nachgiebt, dann ist die Stadt in Zukunft bei öffentlichen Arbeiten, die sie Unternehmern überweist, verraten und ver- kauft. Dann brauchte ein Baumeister in Fällen, wo er seine Sub- missionsbedingungen nicht einhalten zu können glaubt, und von der Konventionalstrafe freikommen will, nur irgend einen frivolen Streik vom Zaun zu brechen, eine Mahregelung zu verftigen, eine Lohnkürzung oder Arbeitsverlängerung vorzunehmen und der Zweck ist erreicht, die Arbeiter sind in den Ausstand getrieben. Ja, aber die Kautelen der Unternehmer-Organisation, die Genehmigung des Verbands der Baugeschäfte, die doch erforder- lich ist? Das ist nichts als eine Form. Es ist einfach lächerlich, wenn eine Unternehmer-Organisation sich anmaßt, in e i g n e r S a che alsjSchieds- kichter urteilen zu wollen. Ist es schon einmal dagewesen, datz die Arbeitgeber und ihre Organe einen Ausstand, und' sei er auch noch so sehr von der N o t diktiert worden, nicht als frivol und u n- berechtigt, hingestellt, daß sie die Arbeiter nicht in Gnmd und Boden verdammt und dabei die landesüblichen Phrasen von den geiverbsmätzige» Hetzern usiv. heruntergerasselt haben? Wenn die liberalen Stadtväter sich unter solchen Umständen ihrer kommunalen Pflicht bewußt sind, so haben sie den Herren Bau- Unternehmern zu antworten, datz das Prunken mit der gerecht urteilenden Gcnerakversanunlung und der Scherz über die Gleich- Berechtigung, die erstrebt werden soll, geradezu beleidigende Zweifel am Intellekt der Kommunalbchörde enthält, und datz die Arbeit- geber, wenn ihnen wirklich der Friede im Baugewerbe am Herzen liegt. sich ja nur mit der von ihnen selber im vorigen Jahre aufgerichteten Organisation, der Acht- K e h n e r» K o m m i s s i o n, in ein gehöriges Einvernehmen zu setzen brauchen, datz ober die Berücksichtigung der Ausstandsklausel eine unverantwortliche Verletzung der kommnnalcu Pflichten bedeuten würde, ein Verlangen, an dessen Erfüllung um so weniger zu denken sei, als die Stadt ganz bequem des Unternehmertums, dieses aber kaum der Stadt cntraten könne! Datz die Gesamtheit der kommunalen Körperschaften eine solche, ihrer einzig würdige Haltung einnehmen wird, glauben wir aller- dings nicht. Ob aber nicht wenigstens einige, den demokratischen Blattern nahestehende Herren sich bei passender Gelegenheit die ge- bührenden Worte auf die Zumutung der Bauunternehmer abpressen werden?_ Die Eröffnungsfeierlichkeit im„Gcwcrkschaftshans* mutzte wegen nicht vorherzusehender Verzögerungen bei der inneren Aus- stattung auf Sonnabend, den 14. April, verschoben werden; die Besichtigung durch die Presse zc. ist für Donnerstag, den 12. April, festgesetzt. Dem öffentlichen Verkehr werden die Räum- lichkeiten am Ostcrsonntag übergeben. Die Müllschmclznng, welche bis zum Oktober vorigen Jahrs in dem VersuchLofen Gitschinerstr. 15 ausgeprobt wurde, soll, wie wir er- fahren, im Lauf dieses Sommers nochmals aufgenommen werden. Nachdem damals festgestellt war, datz das Müll sich schmelzen läßt, soll nunmehr durch Einbauung von Kesseln und Ausstellung von Maschinen praktisch bewiesen werden, wie sich die überschüssige Hitze in Elektricität umwandeln lätzt. Die Versuche, welche seiner Zeit unter Kontrolle von Beamten des Berliner Magistrats angestellt wurden, haben ein sehr bemerkenswertes Resultat ergeben. Der Ver- suchsofcn verschmolz täglich 500 Centner Berliner Hausmüll. DerZnsatz an Kohlenstaub, der anfangs auf öll Proz. des Mülls bemessen war, ließ sich zuletzt bis auf 30 Proz. herabmindern. Der Rückstand des verschmolzenen Mülls betrug dem Volumen nach nur noch ca. 8 Proz. Wenn es also, so bemerkt man von fachmännischer Seite, auch nicht gelungen wäre, den geschmolzenen Rückstand in nutzbringender Weise zu verwerten, so wären 92 Proz. desjenigen Terrains, welches heute zur Unterbringung des Berliner Mülls dient, für andre Zwecke frei geworden. Die Schmelzrückstände sollen jedoch für Wcgcbcfestignngen, ferner zur Herstellung von Sandpapier und sehr widerstandsfähigem Kunststein schlanken Absatz finden. Nunmehr bereitet eine Gesellschaft eine große Müllschinclze vor, bei der, wie schon angedeutet, die Ver- Wertung der beim Schmelzprozctz entwickelten Wärine zur Erzeugung elektrischer Energie versucht werden soll. In den hygienischen Vortragsknrsc», welche die„C e n t r a l- kommission d e r K r a n k e n k a s s e n Berlins" für die Ar- beiterschaft veranstaltet, wird an den nächsten Vortragsabenden „die Hygiene des Auges" und„die Hygiene des Ohrs, der Nase usw." behandelt werden. Ucber jedes dieser Themata wird ein Arzt sprechen. Es ist mit Rücksicht darauf, daß zwei Vorträge über so wichtige Gegenstände natnrgemätz auch bei größter Kürze mehr Zeit in Anspruch nehmen, als einer der sonstigen Vorträge, pünktliches Erscheinen der Zuhörer gerade an diesen Abenden dringend erforderlich. Es sprechen über die erwähnten Themata am D o n n c r s t a g, den 12. A p r i l, in der 80. Gc- meindeschule, Wrangelstr. 128, Herr Dr. Max M a s ch k e und Herr Dr. G. Rosen th a l, in der 84. Geincindeschnle. Keibelstr. 31/32, Herr Dr. Wurm undHerrDr. Brühl, in der 118./127. Gemeinde- schule, Pankstr. 8. Herr Dr. Jacobsohn und Herr Dr. S t e i n i tz und in der 107. Gemeindeschule, Genthinerstr. 4, Herr Dr. Selig- söhn und Herr Dr. Alfred B r u ck. Dann folge» am Donnerstag, de» 19. April, in der 110./174. Gemeindeschule, Schönhauser Allee 16ös. die Vorträge der Herren Dr. W n r m und Dr. S t e i n i tz, in der 189. Genieindeschule, Stephanstr. 27, die der Herren Dr. I a c o b s o h u und Dr. R o s c n t h a l und in der 40. Gemeinde- schule, Gneiscnaustr. 7, die der Herren Dr. M a s ch k e und Dr. Bruck. Auch diese Vorträge werden jeder für sich ein Ganzes bilden, so datz also auch denen die Teilnahme möglich ist, welche den bisherigen Vorträgen nicht oder wenigstens nicht regelmäßig folgen konnten. Zum Besuch ist ei neLegitimation nichterforderlich. Die Berliner Handwerkskammer setzt sich nach der voll- zogenen Wahl aus folgenden Vertretern der Unternehmerschaft zu- sammen: A. Mitglieder: 1. I. Vernarb, Obermeister der Bäcker-Jnnung, Charlottenburg, Eise- nacherstr. 6. 2. L. Kann man», Bäckermeister, Schulzendorferstr. 14. 3. Karl Vogler, zweiter Obermeister der Bäcker-Jnnung„Konkordia", Reichenberger- strotze 176. 4. Fritz Wollschläger, Obermeister der Barbier-, Friseur- und Pcrrückenmacher-Jnnung, Köpenickcrstr. 98b. 5. Fr. W. Pattly, Barbier, Friseur und Perrlickenmacher, Grüner Weg 23. 6. Friedrich Schulz, DrechSlermcister, Wasicrihorstr. 72. 7. Moritz Schmidt, Fleischermeister, Prinzcustr. 46. 8. Richard Berger, Klenipnerineister, Zofscnerstr. 43. 9. Friedrich Schnare, Malermeister, Grüner Weg 38. 19. Wilh. Lohmann, Malermeister, Frankfurter Allee 73b. II. Hermann Zeble, Sattlermcister, Friedrichsgracht 34. 12. Paul Heinrich, Schlostermcister, Neue Wilhclmstr. 12. 13. Gustav Krause, Schneidermeister, Niederwallste. 21. 14. Gerjet Böhling, Schneidermeister, Jägerstr. 73, 15. Paul Bierbach, Schnhmachcrmeister, Behren- stratze b. 16. Louis Schumann, Schiihmachenucistcr, Wärtherstratze 45. 17. Hugo Kretz, Tapezierermeister, Köpnickerstr. 79. 18. Ferdinand Marschall, Tischlermeister, Naunynstr. 56. 19. Hermann Riebt, Tischlermeister, Lausitzer Platz 3. 29. Bruno Scholz, Webermeister, Friedrichsberg, Kreutziger- stratze 1. 21. Robert Otto, Rats- Zimmcrmeister, Köpnickerstratze 72. 22. Fritz Bergmann, Korbmachermeistcr, Attdreasstratze 53. 23. I. F. Warncke, Schmiedemeistcr, Fisch erstr. 23. 24. Wilhelm Suhr, Damenmäntel- Schneider, Stallschreibcrstr. 4. 25. Wilhelm Faster, Schornstein- fegeruieister, Strautzbergerstr. 18. 26. Albert Packbusch, Uhrmacher, Neue Jakobstr. 9. 27. Immanuel Clausen, Schuhmachermeister, Grotze Frank- surterstr. 64. 28. Ferdinand Döbler, Baumeister, Rursürslendamm 28. 29. Paul Schade, Schuhmachermeisler, Schützenstr. 6a. 30. Paul Fürkampf, Konditor, Koulmandantenstr. 51. L. Ersatzmänner. 1. W. Paersch, Bäckermeister, Schäneberg, Hauptstr. 135. 2. G. Mille- ville, Bäckermeister, Alte Schönbanserstr. 36/37. 3. Oskar Lehmann, Bäcker- meister, Alexanderstr. 22. 4. Heinrich Leopold, Barbier, Friseur u. Perrücken- macher, Adalbertstr. 21. 5. Gustav Grützmann, Barbier, Friseur u. Perriickcn- machcr, Göbenstr. 14. 6. Berthold Ehrlich, Drechslermeistcr, Kronenstr. 31. 7. Richard Thomas, Fleischermeister, Frankfurter Allee 118a. 8. Alfred B ertlich, Klempnermeister, Kauonierstr. 39. 9. Wilhelm Kluth, Malermeister, Gitschinerstr. 6. 16. Theodor Kappstein, Malermeister, Kursllrstenstr. 159. 11. Hermann Luczynski, Sattlermeister, Johannisstr. 3. 12. Julius Stahl, Schlosserin eister, Belle-Alliancestr. 83. 13. Fritz Müller, Schneidermeister, Gr. Franksurterstr. 95. 14. Richard Möller, Schneidermeister, Breitcflr. 29. 15. Gotthcls Rothbarth, Schuhmachermeister, Markgrasenstr. 78. 16. Louis Rauschenbach, Schuhmachermeister, Melanchthonstr. 3. 17. Adolf Friedrich, Tapezierenneister, Kleinbeerenstr. 24. 18. Reinhold Schultz, Tischlermeister, Boppstr. 4. 19. Heinrich Schöning, Tischlernieister, Pallisadenstr. 96. 20. Alex. Kölzer, Webermstr., Weberstr. 17. 21. Louis Jesiel, Glasernleister, Zimmerstr. 64. 22. Wendelin Goretzky, Lackierennstr., Schiffbauer Damm 11. 23. Albert Münster, Kupferschmiedemeister, Schützenstr. 23. 24. Rudolf Lampe, Kürschnernrelster, Friedrichstr. 46. 25. Paul Richter, Hosbuchbindcr- meister, Neanderslr. 4. 26. Max Bergner, Uhnnacher, Charloitenstr. 71. 27. Hermann Pladeck, Schuhniachernleistcr, Katzlcrstr. 17. 28. Wilh. Kümmel, Tischlermeister, Frankfurter-Allee 117 b. 29. Hermann Wegener, Schneidermeister, Ruppiiierstr. 19. 39. Adolf Westphal, Bildhauer, Gleditschstr. 45. Auch die Wahlen zum GesellenauSschutz sind bereits vollzogen. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, datz diese Wahl für ungültig erklärt wird, da von den Gewählten einige die Vor- anssctziing nicht erfüllen, datz sie bei JnnungSmeistern be- fchäftigt sind. Die BetriebS-Kraukenkaffe der Stadtgemcindc Berlin wird. nachdem das Statut vom 17. März genehmigt worden ist, an, 21. Mai ins Leben treten. Das Kasscnlokal wird sich Wallslr. 72, 1 Treppe, befinden. Für die Bemessung der Beiträge bezw. der Unterstützungen werden die Kassenmitglieder nach der Höhe des Ver- dienstes ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht in sechs Klassen ein- geteilt. Der durchschnittliche Tagelohn für diese Klassen ist auf 4 M., 3 M.. 2.50 M.. 2 M.. 1,60 M..—.90 M. festgesetzt. Für die vom 17. bis 20. April vorzunehmenden Wahlen von 94 Vertretern zur Generalversamnilung und von 94 Ersatzinänncrn sind die Wahl- berechtigten nach ihrer Beschäftigung in folgende 18 Abteilungen ein- geteilt worden: 1. Krankenhäuser; 2. Markthallen; 3. Gasanstalten nebst Ccntralmagazin und Revierinspektionen; 4. Schlachthof. Viehhof, Fleischbeschau; 5. Obdach, Desinfektionsanstalt II, Friedrich Wilhelms- Hospital, Siechenanstalten; 6. Arbeitshans Nninmelsburg, Waisen- haus Rummclsbnrg, Irrenanstalt Herzberge, Epileptikeranstalt Wühl- garten, Erziehungshaus Lichtenberg, Wasserwerk Lichtenberg, Friedhof iFricdrichsfclde. 7. Berliner Betrieb der Wasserwerke, Werkstatt Mclchiorstratze, Wasserwerk Charlottcnburg. 8. Kanalisation, Pmnp- stationcii. 9. Wasserwerk Tegel, Irrenanstalt Dalldorf. 10. Wasier- werk Müggelsee. 11—17. Die sieben Administrationsbezirke der Rieselfelder mit den Heimstätten. 18. Alle Übrigen Wahlberechtigten. Sonntagsruhe im HnndclSgcwcrbc während der koinme»- den Festtage. Das Polizeipräsidiiim teilt mit: Gemäß§§ 105b Absatz 2, I05e und 41a der Ncichs-Gcwcrbe-Ordmiiig wird folgendes zur öffentlicheii Kenntnis gebracht: I. Am ersten Oster- nnd Pfingst- scicrtag dieses Jahres dürfe» im Handclsgcwcrbc, soweit der Gewerbe- betrieb in offenen Verkaufsstellen stattfindet, Gehilfen, Lehrlinge nnd Arbeiter nnr nach Matzgabe der folgenden Bestimmungen beschäftigt werden:») im Handel mit Milch, mit Back- und Konditorwaren, sowie mit Confitüren während der Zeit von 5 bis 10 Uhr vor- mittags nnd von 12 bis 2 Uhr nachmittags; b) im Handel mit Fleischwaren während der Zeit von 5 bis 10 Uhr vormittags; c) im Handel mit Kolonial- und Vorkostwaren, niit Brennmatcrialien, mit Bier und Wein, mit Tabak nnd Cigarren während der Zeit von 3—10 Uhr vormittags; ä) im Handel mit Blinnen während der Zeit von 7—10 Uhr vormittags und von 12—2 Uhr nachmittags; s> im Handel mit Druckschriften auf den Bahnhöfen während der Zeit von 71/2—IO Uhr vormittags; f) in der Zeitungsspedition während der Zeit von 4—9 Uhr vormittags. II. An, ziveiten Oster- und Pfingsifcicrtag finden lediglich die allgemeinen Vorschriften über die Sonntagsruhe im Handclsgewerbe Anwendung. Kanalisationöwerke und Rieselfelder. An die Kanali- sations werke waren im Jahre 1898/99 durchschnittlich 25 994 Grniidstücke(von denen 1078 zu den Nachbarorte» Charlottenburg, Schöneberg und Lichtenberg gehörten) mit zusammen 1 773 782 Vc- wohnern angeschlossen. Die Kanäle bezw. Thonrohrleitungcn hatten am Schluß des Jahrs eine Länge von 861 653 Meter. Durch die Pumpstationen wurden im ganzen Jahr rund 731/2 Millionc» Kubik- nieter(751/2 Milliarden Liter) Abwässer gefördert, durchschnittlich pro Grundstück und Tag 7,970 Kubikmeter(7970 Liter), pro Kopf und Tag 0,117 Kubikmeter(117 Liter). Die Betriebskosten der Kanalisationswerke stellten sich ans über 1 Million Mark, durch- schnittlich pro Grundstück 41,73 M., pro Kopf 61i/lo Pf. Die Rieselfelder umfaßten am Schluß des Jahrs 11 478 Hektar. Die Einnahmen aus den Rieselseldcrn betrugen im Jahr 1898/99 ziemlich 2>/2 Millionen Mark, die Ausgaben ziemlich 2i/s Mill. Mark, der Ueberschutz 155 554 Mark. Aus dein gesamten Betrieb der Kanalisation, also der Werke und der Rieselgntcr zu- sammen, fließt der Stadt— wenn die Aufwendniigen für Schulden- tilgung und Verzinsung mitgerechnet werden— kein Gewinn zm sondern es mutz alljährlich noch ein Zuschuß geleistet werden. 1393/99 betrugen die gesamten Einnahmen über 73/4 Millionen Mark, wovon allein über 4�/4 Millionen ans die Kanalisationsabgabe kamen, die gesamten Ausgaben 91/4 Millionen Mark, einschlictzlich 2 Millionen für Schnldentilgnng und über 3 Millionen für Verzinsung Das Mehr an Ausgaben stellte sich demnach auf ziemlich 1>/2 Millionen Mark, genauer 1 433 605 M. Dieser Betrag mutzte ans dem Stadthanshalt gedeckt werden. Wäre zu seiner Deckung die Kanalisationsabgabe entsprechend stärker in Anspruch genommen worden, so hätten von den abgäbe- Pflichtigen Grundstücken statt 11/2 Proz. des Nutzcrtrags 1,94 Proz. erhoben werden müssen. Oder, anders ausgedrückt: Wäre die Kanalisationsabgabe im Jahr 1894 nicht bloß ans 11/2 Proz., sondern auf 2 Proz. festgesetzt worden— die Bemühungen scheiterten be- kanntlich an dem W t d e r st a n d der H a n s b e s i tz e r— so hätte die Stadt für die gesamte Kanalisation im Jahr 1898/99 keinen Pfennig zuzuschießen brauchen. Was jetzt den Hansbesitzern erspart wird, das mutz alljährlich aus den Taschen der Einkommcuftcuerzahler genommen werden. Der Opernplay wird in diesem Jahre endlich daS neue Pflaster erhalten, dessen er seit langem dringend bedarf. Das alte Holz- Pflaster, das bereits seit 1383 liegt nnd trotz vielfacher Ausbesserung kaum noch befahrbar ist, wird durch Asphalt ersetzt werden. Die Gesamtkosten cinschlictzlich Pflastermaterial werden sich bei einem Flächeninhalt von 10 800 Meter auf 168 000 M. belaufen. Bei der Westlichen Berliner Vorortbahn fand gestern vor- mittag die landespolizciliche Abnahme der für den elektrischen Betrieb eingerichteten Strecke Kaiser Fricdrichstratze— Gruncwaldstratze— Wilmersdorf— Schmargendorf— Grunewald statt, nachdem schon am Sonnabend eine Probefahrt ausgeführt lvorden war. Heute früh wird der elektrische Betrieb auf der Stocke eröffnet. Gleichzeitig verschwindet das letzte Pferd der ehemaligen D a m p f b a h n- g e s e l l s ch a f t. die als erste von den älteren Gesellschaften den elektrischen Betrieb vollständig durchführt, abgesehen von den gleich mechanisch eingerichteten Straßenbahnen, den Ostbahnen, der Südlichen Vorortbahn und der Bahn nach Nieder-Schönhausen. Mit der Durchführimg des elektrischen Betriebs bringt die Westliche Vor- ortbahn bereits den Sommerfahrplan zur Einführung nnd stellt eine während des ganzen Jahres und des ganzen Tags durchgeführte Vor- bindnng zwischen dem Potsdanierplatz. nnd dem Grunewald Herl Nach Huiidekehle geht von der Linkstratze über Schöneberg- Wilmersdorf »ach Schmargendorf alle 60 Minuten ein Wagen, nach Grunewald (Roseneck) auf demselben Wege alle 20 Minuten und nach Wilmers- dorf(Wilhclmsaue) über Echöneberg alle 10 Minntcn. Mit Hilfe der Steglitzer Linie wird zwischen dem Poisdainerplatz und Bahnhof Grotz-Görschenstratzc ein Fünfminutenbetrieb eingerichtet. Die Fahr- preise betragen vom Potsdamerplatz bis Ringbahnhof Schniargen- dorf 10 Pf., bis Rosencck 15 Pf., bis Hundekehle 20 Pf. Unterschlagungen in Höhe von 80000 M. hat sich, der „Modistin" zufolge, ein hiesiger Vertreter eines bedeutenden Hamburger Hauses, das namentlich in rohen Strautzfedem be- deutende Summen in Berlin umsetzt, zu Schulde» kommen lassen. Der Chef des Hauses hatte vor einigen Wochen in seinem Bank- konto einige Unregelmätzilskeiten und bat seinen Prokuristen, der schon 18 Jahre bei ihm thätig ist, um Aufklärung, die dieser aber, ohne zunächst dadurch Aufsehen zu erregen, in die Länge zog. Schlietzlich verschwand er aus dem Geschäft und bald darauf auch aus seiner Wohnung. Bei der dann sofort vorgenommenen Durch- ficht der Bücher stellten sich nicht nur Unterschlagungen in Höhe von ca. 12 000 M., sondern auch die Abrechnungen mit dem Berliner Vertreter als so inkorrekt heraus, datz der Chef so- fort nach Berlin fuhr, um hier weitere Ermittelungen anzustellen. Diese brachten eine traurige Aufklärung. Der Vertreter, der seit langen Jahren das vollste Vertrauen genotz und sich gerade zur Zeil zum Einkauf größerer Warenmengen in London zur Auktion be- fand, hatte sein HauS schwer hintergangen, so datz sich der Chef entschließen mutzte, die Hilfe der Kriminalpolizei in Anspruch zu nehmen. Diese legte zunächst Beschlag auf das bei einer hiesigen Bank untergebrachte Privatvcrmögen und wartete dann mit dem Chef die Rückkunft des Vertreters ab. Dieser wurde, nach- dem er in feiner Wohnung eingestanden, datz er seit 1887 fort- gesetzt Unterschlagungen verübt habe, in Untersuchungshaft ab- geführt. Etwa 40 000 M. lieferte er dem Chef in Gestalt von Bankguthaben, Lotterielosen. Privatdepots zc. noch aus. Der un- getreue Vertreter war verheiratet und hatte ein Einkommen von 15 000 M. Ein cutseylicher Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag 51/2 Uhr im Haufe Markusftr. 42. Während die Frau des Werk- führerS Wolff in der Wnsckikiiche beschäftigt war, ließ sie in ihrer 'Wohnung ihre beiden Kinder im Alter von 8 und 3 Jahren allein zurück. Die Abwesenheit der Mutter benutzten die Kleinen, um aus dem Fenster zu sehe». In einem Augenblick, als das achtjährige Mädchen sich entfernt hatte, kletterte der Knabe auf das Fensterbrett und stürzte hinab. Die sofort hinzugezogenen Acrzte konnten nur noch den Tod des Kleinen konstatieren. Einen furchtbaren Selbstmordvcrsnch im Untcrsnchnngö gcsäugnis beging der Telegraphenaufsehcr Neumann. Er führt von dem Tisch seiner Zelle einen Kopfsprung gegen den Futzbodcn aus. Die Schädelverletzung, die er hierdurch erlitt, ist derart, daß der Kopf vom Wirbel bis auf die Stirn wie durch einen Scheitel geteilt ist. Ncmnan« hatte in rasender Eifersucht seine Frau mit einem Beil schwer verletzt. Die Frati leidet noch jetzt an den Folgen der schweren Verwundung und es ist nach dem Ausspruch des behandelnden Arztes nicht sicher, ob sie niit dem Leben davon kommen wird. So lange man in dieser Bczichnng keine Sicherheit hat, wird die Anklage nicht erhoben werden. Im Falle ihrer Gesundung wird die Anklage auf versuchten Mord, im Falle deS TodcS auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgang lauten. Einen Zusammen stoß zivischen einem elektrischen Wagen der Aushilfslinie Trcptolv— Spittclmarkt und einer Taxaineterdroschke gab es gestern Nachmittag ans dem Spittclmarkt. Das Droschken Pferd scheute und lief vor den elektrischen Wagen. Dieser faßte das Fuhrwerk und beschädigte es schivcr. Der Fahrgast rettete sich, indem er hinanssprang. Der Kutscher ans dem Bock blieb unversehrt. Das Pferd lief, da sich die Schcrbänme und das Gcstränge lösten, weiter. wurde aber bald von einem Schntzmaun angehalten, bevor es weiteres Unheil anrichtete. Fran Gönczi ist am Sonntagvonuittag aus dem UnterfuchnngS pefängnis nach einem Krankenhaus gebracht worden. Sie ivar im Besitz von 75 M., die das Ergebnis der am letzten SitzungSrage im Schwurgerichtssaal veranstalteten Sammlung bilden. Gönczi wird i» den nächsten Tagen durch seinen Verteidiger die Ncvision beim NcichSgcricht beantragen. Seltsamer Unglnrksfall. Zu falschen Gerüchten von einem KindeSinorde gab der scstsame Tod eines Kindes in der Reichen bcrgerstraße Veranlassung. Dort wohnt in dem Seitenflügel des Hauses Nr. 114 im vierten Siock das Wolkncrsche Ehepaar. Der Mann ist in einem Speditionsgeschäft thälig, die Frau in einer Btolkerci, die sich auf demselben Grundstück befindet. Den Leuten starben in der Zeit, die sie dort wohnen, vier von ihren Kindern im jugendlichsten Alter ani Brechdurchfall. Während Wolkncr sich noch auf seiner Arbeitsstelle befand, ging seine Frau am Freitag gegen Abend in die Molkerei. Der kleinste, zehn Monate alte Knabe lag allein im Bett, sich selbst überlassen. Als Frau Wolkncr 10 Minuten nach 7 Uhr in die Wohnung zurückkehrte, fand sie ihn als Leiche am Küchcnstuhl hängen. Dieser Stuhl, der in der Nückenlehne zwei Onerleistc» hat, eine breitere oben und eine schmalere darunter, stand vor dem Bett, in dem der Knabe gelegen hatte. Der Kleine hatte sich nun aufgerichtet und seinen Kopf zivischen den beiden Querleisten hindurch gesteckt. Dabei hatte sich der Stuhl so tvcit nach vorwärts geschoben, daß der Knabe auch mit den Beinen aus dem Bette herausgefallen war. So konnte er den Kopf aus den Leisten nicht mehr herausbekommen und mußte hilflos ersticken. Als die Mutter ihn fand, war der Körper noch warin Die Frau suchte zunächst vergeblich nach ciiieni Arzt und trug den leblosen Körper nach der Rcttungstvache am Görlitzcr Bahnhof. Hier erwies sich jedoch ärztliche Hilfe als vergeblich. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Das Gerücht von einem Morde fand Nahrung bei der Kunde von den voranfgcgangeuen vier Todesfällen. Hier war aber nach Ausweis der Totenscheine Brechdurchfall die Ursache. Die gerichtsärztliche Ocffnung der Leiche wird wohl feststellen, wie lange das Kind schon tot war, als die Mutter es auffand. Beim Reiten tödlich verunglückt ist gestern, Montag, mittag der 48 Jahre alte Bereiter August Voigt ans der Karlstr. 8. Voigt ritt ein»en eingestelltes junges Pferd zu. Das feurige Tier bäumte, überschlug sich und stürzte mit den, Reiter gegen die Bande. U»- glücklicherweise fiel der schlvere Ticrkörpcr Voigt gerade auf den Brustkorb und drückte ihn zu Boden und gegen die Bande. Als man ihn aus feiner schrecklichen Lage befreite, hatte der Verunglückte das Bewußtsein bereits verloren. Tie Mitangcftelltcn lind ein Schutz- mann brachte» ihn mit einer Droschke nach der Charitö. Hier vor- suchte man sofort, durch einen ärztlichen Eingrifi das Leben noch zu retten, die Verletzungen waren jedoch zu schwer. Mehrere Rippen waren gebrochen nnd zum Teil in die Lungen eingedrungen. Voigt starb bereits um 12 lihr mittags. Er war verheiratet und Vater mehrerer Kinder. Von der elcririschen Straficnbahn ist am Sonnabendabend die 2S Jahre alte Tochter des in der Gleditschstraße wohnenden Vice-AdniiralS a. D. Livonius so unglücklich überfahren ivordcn, daß sie bereits nach einer Stunde ihren Geist aufgab. Diebstahl im Rnbatt-Sparvercin Südost. In den Bureau- räumen des genannten Vereins wurde am Sonntag, de» 8. d. M., ein Einbruch verübt und sind dabei lIOOOuittungsmarken entwendet worden. Die Geschäftsinhaber von Berlin Südost und Nixdorf werden von der Verwaltung dringend gewarnt, diese Marken an zukaufen oder zu verwenden. Metropol-Thcatcr. Die Jubiläen in den Berliner Theatern werden zahlreich tvie Sand am Meer. Zu den Kunstinstitutcn. die eS auf eine hundertste Anfführung ihres Repertoirestücks ankommen lassen, gehört auch das Haus in der Behrenstraße, das seit Jahres frist sich halb dem Brettl und halb der AnSstattnngSoperctte ergeben hat. Die«Verkehrte Welt", deren Jubeltag am Sonnabend ivar, zeigt bei dieser Gelegenheit, daß sie in der vortrefflichen Darstellung. die sie findet, auch noch eine Reihe fernerer Aufführungen vertragen kann. Ein gutes SpecialitätKiprogramm bildet die Einleitung z» dem lustigen Prunkstück. Unter den Artisten zeichnen sich aus' die Trapezkünstler Helsina, die Excentrics CoSmos und das Jupiter- Trio. Als„Stern" des Programms gilt die französische Sängerin und Tänzerin Alice de Tender. Orgelkonzert. Fräulein Hanna Kirchhoff, Fräulein Marie Albrecht, Herr Karl Rachü, der Hofuiunkns Herr Karl Geist aus Weimar und der Organist der Charlottenburger Trtnltatis-Kirche, Herr Wilhelm Schmidt, unterstützen den Orgelvortrag des Mnstkdtreltors Otto Dienet in der Marien-Kirche am Mittwoch, den II. April, mittags lg Uhr. vs werden Kompositionen von Bach, Händel, Kiel, Merkel, Rheinberger ec. für Orgel, Oboe, Englisch Horn und Gesang aufgeführt. Der Eintritt ist frei. Fcuerbcricht. In der Nacht zun, Sonntag hatte die Wehr kurz hiutereiiiaiider bei zwei Brände» einzugreifen. Neichcnbergerstr. 57 ivaren Gcriimpel und Hölzer und Petersburgcrstr. 76 Stoffe, Kleidcr- Ivaren, Regale u. dgl. in Brand geraten. In beide» Fälle» nahm das Löschen längere Zeit in Anspruch. Kleinere Zimmerbrände er- folgten nach Klopstockstr. 7, Möckernstr. 79 und Gollnowstr. 2. Ilm blinden Lärm handelte es sich bei Alarmiernngen nach Oranieii- straße 108, Admiralstr. 81 und Wusterhausenerstr. 8. AiiS de» Rnchbarovtcn. Zur Abstellung der gröstte» Miststände auf Bauten hat der' Negier ungS-Präsident zu Potsdam für den Geltungsbereich der Baupolizei- Ordnungen vom 5. Dezember 1892, *om 24. August 1897 nnd vom 22. Ängust 1898, soivie für die Städte Potsdam, Brandenburg nnd Spandau soeben eine neue P o l i z e i v e r o r d n u» g erlassen. Sie bestimmt, daß bei Hoch- bauten, wenn einschließlich der Poliere und Lehrlinge mehr als 10 Personen zur Zeit der Rohbauausführnng gleichzeitig be- schäftigt sind, und ebenso bei von Unternehmern ausgeführten Tief- bauten, wenn an einer Baustelle mehr als 10 Personen länger als eine Woche gleichzeitig beschäftigt sind. Räume zur Unterkunft für die Arbeiter bei ungünstiger Witterung und indenRuhepauscnbercitgchaltcn werden müssen, die mindestens 2,20 Meter hoch anzulegen, mit dicht haltenden Wänden zu umschließen und mit einem wasserdichten Dache sowie mit Fenstern zu verschen sind. Sie müssen mindestens so groß sein, daß bis zu einer Gesamtzahl von 20 beim Bau dauernd beschäftigten Arbeitern auf jeden derselben eine Grundfläche von 0,75 Quadratnieter, auf jeden weiteren Arbeiter eine Grundfläche von 0,50 Quadratmeter entfällt, einen trockenen hölzernen Fußboden haben nnd sind auf Verlangen der Polizeibehörde mit Heizeinrichtungen zu versehen. Für die dauernd beschäftigte» Arbeiter sind Sitzplätze einzurichten. Baumaterialien dürfen in de» Uiiterknnftsräumen nicht gelagert werden. Bei Tiefbauten müssen die Untcrknnftsränme so belegen sein, daß der B e s ch ä f t> g u» g s o r t eines jeden Arbeiters von der Untcrkunftsstättc der Regel»ach höchstens 650 Meter eut- fernt ist. Bei Hochbauten müssen für die dauernd beschäftigten Arbeiter Aborte in solcher Anzahl vorhanden sein, daß ein Abort für höchstens 25(!) Personen dient. Die Aborte müssen derartig ein- gerichtet sein, daß von außen nicht hineingesehen werden kann. Für Ticfbantcn kann die Polizeibehörde die'Herstellung solcher Abortc ebenfalls verlangen. UnterkimftSränme und Abortc müssen g e n ü g e n d erhellt sein und stets reinlich gehalten iverdcn. Uebertretuiigen dieser Verordnung werden an dem Bau nntcrnchmcr, nnd wo ein solcher nicht vorhanden ist, an dem Bau- Herrn mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder ciitsprechcudcr Haft geahndet. Eine Familicntragödie hat sich in R i x d o r f abgespielt. Dort wohiiie bis zun, 1. d. M. in der Rosenstr. 21 der Töpfer Eichel mit seiner 38 Jahre alten Frau Auguste geb. Marquardt und den beiden 10 und 8 Jahre alten Töchtern Lucie und Hedwig. Die Leute lebten in geregelten Verhältnissen und bester Eintracht. Eine Erkrauknng der Frau aber führte zu einer schrecklichen Katastrophe. Frau Eichel litt, wie sich herausstellte, an Krebs. Als sie das Krankenhaus verließ, um mit ihrer Familie am 1. d. M. nach der Bcrgstr. 143 überzusiedeln, war fie zwar etwas gebessert, hatte aber keine Hoffnung, jenialS ganz wieder hergestellt zu werden Die neue Wohnung wurde von Grund aus in stand gesetzt. Frau Eichel jedoch, die durch ihren hoffnungslose» Znstand in nervöse Anfregnng versetzt war, äußerte zu den Nachbarn, wenn die Wohnung fertig sei, werde sie auch fertig sein. An, Freitag in der siebenten Abendstunde ging Frau Eichel mit ihren beiden Kindern, an denen sie sehr hing,' ans, um ihnen neue Schuhe zu laufen. Ihr Mann »'artete vergeblich auf die Rückkehr von Frau und Kindern. Als er auch am nächsten Tage nichts von ihne» hörte, zeigte er ihr Verschwinden der Polizei an. Seine Vermutung, daß sie zu Vcr wandten gegangen seien, stellte sich als irrig heraus. Uiiterdcsscn sah ein Arbeiter am Soniiabcndnachmittag in dem abseits vom Ver kehr gelegenen, an die Chnnssce anstoßenden Teiche, der zu den Rix- dorfcr EiSwerken gehört, drei weibliche Leichen liegen, in denen erst später die der Frau Eichel und ihrer Kinder f e st g e st c l l t wurden. Frau Eichel hat wohl zuerst ihre jüngere Tochter Hedwig hineingeworfen, denn deren Leiche lag etwas vom Ufer entfernt für sich allein im Wasser. Mit der älteren Tochter Emma zusammen sprang dann die Unglückliche selbst nach und er- trank mit ihr dicht am Ufer, wo die' beiden Leichen aneinander geschmiegt gefunden wurden. Die Leichen wurden zunächst in den EiSwerken untergebracht nnd dann nach der Halle dc§ Gemeinde fricdbofs übergeführt, nachdem die Persönlichkeiten nnd die Vorgänge festgestellt worden waren. Der Oberfeuerwerker Eckmaun von der königlichen Geschütz- gießcrei in Spandau, der, wie bekannt, vor einiger Zeit verkästet wurde, weil er ohne Wissen seiner vorgesetzten Behörde zu der Türkei in Bczichungcii getreten war, indes wegen der Harmlosigkeit des Falles nur eine geringe Strafe erhielt, hat sich entschloffcn, aus dem M i l i t ä r v c r h ä l t ii i s auszutreten. Er übernimmt eine tcllnng an einem industriellen Untcriichmcn in Berlin. Seine Behörde hatte seine Versetzung zum Artillcriedcpot in Knstrin vcr- fügt; diesen Posten hat er jedoch nicht mehr angetreten. Einen Kindesmord uurer entsetzlichen Umständen soll das 28 Jahre alte Dienstmädchen Johanna Wegcner begangen haben, da? in Schöncberg, Eiseiiacbcrstraßc 8 bei der verwitweten Gchcim- rat M. in Stellung ivar. Als Sonntagmorgcn der Verwalter des Hauses Gossowstr. 1. Friseur Hackbarth, auf die Straße trat, um den Bürgcrsteig zu reinigen, bemerkte er dort abenuals einen in braunes Packpapier gewickelten kleinen runden Gegenstand, den er schon am onnabend spät abends mitten ans dem Bürgcrsteig liegen gesehen, jedoch achtlos bei Seite gestoßen hatte. Er hob jetzt das Päckchen auf nnd wickelte das Papier ab. worauf er zu seinem Entsetzen den a b g e s ch n i t t c n c n K o p f eines n e u g e b o r n e n K i n d e s darin vorfand. Er brachte den grausigen Fund nach dem Polizei- rcvicr-Biircau, von welchem sofort die Kriuiiiialpolizei beuachrichligt wurde, die dann bei näherer Uiiterslichimg des Packpapiers auf diesem die Aufschrift„Maeutcll, Eiscuachcrstraße 8" und an dem ab- gcschilittncii Hals des Kinds im Schlund ein Blatt von einem Ab- rcißkalcndrr vom 7. d. M.. also dem letzten Sonnabend, vorfand. Die Beamten erfuhren bald, daß die Wegcner der That verdächtig sei, und nach nnfäiiglichem Leugnen gestand das Dienstmädchen auch, daß es bereits am 2. d. M. abends hcimlicki geboren nnd das Kind die Nacht über bei sich im Bett liegen gelassen zu haben. Am nächsten Morgen sei das Kind rot gewesen, und so habe sie bcnb sichtigt, es unauffällig zu beseitigen, wcShalb sie es zerstückelt nnd zwar ihm den Kopf' sowie die' Arme abgeschnitteii habe. Diese letzteren habe sie ins Klosett geworfen, während sie den Kopf am Sviiiiabcndabcnd beim„Einholen" an der Ecke der Gossoivstraßc ans das Trottoir gelegt habe. Den übrigen Körper jedoch habe sie noch eingewickelt in ihrem Kasten liegen. Die darauf von den Beamten vorgenommene Untersuchung des KastcuS förderte in der That den kleinen Leichnam in ein blaues Tnck gewickelt zu Tage, worauf dann die W., welche übrigens schon einmal ein Kind gehabt hat, daS dann ancb gestorben ist. verhaftet und nach Moabit gebracht wurde. Der noch gefimdeue Rumpf deS Kindes wird der Obduktion unterzogen werden. Aus Grofi-Lichtcrscldc berichtet man nnS: Am Freitag ver- gangener Woche verunglückte auf einem Neubau des AnumeifterS Hausherr, Augusta- und Eiiscustraßeii-Ecke, der Maurer Jul. V ö l l e r t von hier, indem er vom ovcren Stockwerk in die Treppen- Etage herabfiel. Er zog sich eine schwere Quetschung des Rückgrats zu. Die Schuld an dein Unglücksfall ist der schlechten Rüstung und dem Umstand zuzuschreiben, daß der Treppenflur vorschriftsividrig nicht abgedeckt gewesen ist. Sofort nach dem Unfall wurde nach dem hiesigen Amt um Requisition des Gcincindc-KranrenwagcnS telcphonicrt, ivorauf dem Anrusrnden die ebenso liebcnSivürdige wie nienschenfrcuiidlichc Antwort zu teil wurde, er möge den Wagen selbst besorgen: in fünf Minuten sei die Wohiiiing des Kutschers— die sich übrigens ganz in der Nähe des Rathauses befindet— mit der elektrischen Bahn zu erreichen!— Dabei muß aber bemerkt werden, daß die elektrische Bahn mir alle 20 Minuten verkehrt. Der Ver- nnglückte blieb bis zur Abholung durch den Krankenwagen 3 Stunden liegen. Eine Untersuchung deS Falls durch die Lokalbchörde hat bis Sonntag nicht stattgesunden. Gekentert ist gestern nachmittag um Vel Uhr bei Karolinenhof ein Segelboot mit zwei Insassen. Der eine derselben, der Maurer Karl Sauer, ist ertrunken._ GeLilszks��oikunig. Unter der Anklage, unzüchtige Bilder verkauft zu haben, stand gestern der Kurzivatenhändler Carl L i c ni a n n vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I. Anfangs Januar dieses Jahres erschien ein Krimina'lbcamtcr i» dem Geschäft des Angeklagten und ließ sich Transparent-Aiisichtskarten vorlegen. Er fand dannitcr eine. die er wie die Behörde in sittlicher Beziehung für anstößig hielt. Im Termin behauptete der Angeklagte, daß er nur Großhandel betreibe. Als der Knude Karten verlangt have, sei ihm von der Verkäuferin eine Sammlung vorgelegt worden, die von einem Dctaillifteu zurückgesandt Ivorden sei. Er selbst habe die fragliche Karte überhaupt nicht zu Gesicht gekonimc!!. Er habe bei der Firma Stricker in Mnncheii einen Posten von 150 000 Stück bestellt, die in Bündeln von je 100 Stück verpackt werden. In dieser Verpackung würden sie auch an den Kleinhändler wieder abgegeben. Er habe sich damit begnügt, den Licfcrantcn aufzugeben, nur solche Karten zu schicken, welche in München polizeilich nicht bcanstmidet seien. Der Gerichtshof war mit dem Staatsanwalt der Ansicht, daß der An- geklagte für die von ifim verbreitete Ware verantwortlich nnd daß die fragliche Karte anstößig sei. Das Urteil lautete auf 20 M. Geldstrafe. Eine ans drei Köpfen bestehende Gesellschaft von inter- nationalen Taschendieben stand gestern vor der ersten Straf- kainincr des Landgerichts I. Die Angeklagten, der Schuhmacher Simon F e I d b a u m, die unverehelichte Rosali« Rotters« mann und der zwölfjährige Sallq Pinker wollen aus Warschau stammen und sich gegenseitig nicht leimen. Es ist über ihr Vorleben nichts zu ermitteln gewesen. Die als Zeugen vcniomnienenKriminalbenmten bckniidcten.daß sie alle drei Angeklagten mehrere Tage lang beobachtet hatten, wie sie in der Lcipzigerstraße atzf Taschendieb'stähle ausgingen. Fcldbaimi, der. wie die meisten Taschen- dicbe, eine Pcllcrine lrng, ließ seine Hand in die Taschen der zu bc- stehlenden Damen gleiten, während die beiden Mitangeklagten ihn deckten. Als eS schließlich gelang, den Fcldbaimi auf der That zu ertappen, warf er das soeben gestohlene Portemonnaie in ein Gebüsch auf dem Dönhoffplatz. Es wurden bei Fcldbaum mehrere hundert Mark Geld gefunden, die wahrscheinlich von Diebstählen her- rührten, denn kurz vor der Verhaftung der 3 Angeklagten waren viele Diebstähle zur Anzeige gelangt, während solche später nicht mehr vorkamen. Der Gerichtshof konnte den Angeklagten Fcldbaum nur wegen eines völlendeten nnd eines versuchten Dieb- stahls und die Rottersmanii nur wegen Beihilfe verurteilen. Der erstere wurde zu einem Jahre, die letztere zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der Kuave Pinker wurde freigesprochen, weil der Gerichtshof im Zweifel war, ob derselbe daS strafmündige Alter bereits erreicht hatte._ Schönholz. Die Eingemeindung unsreS Bezirks in den Gcmeindebezirk Nieder-Schönhansiu ist wiederholt Gegenstand leb- haster Erörterungen gewesen. Die Gemeindevertretung von Nieder- Schünhauscn hat der Regierung erklärt, daß sie nicht abgeneigt sei, Schönholz einzuverleiben, vorausgesetzt, daß ihr ein Baarzuschuß von 80 000 M. gewährleistet würde. Die Bewohner von Schönholz haben sich nunmehr an die Regierung gclunudt und den Wunsch ausgesprochen, dem Gcmeindebezirk Reinickendorf einverleibt zu werden. Tegel. Hierselbst hat eine Bauaesellschaft daS Terrain zwischen Tegel und Waidmaimslnst für SpekulationSzwecke erworben.� Den Wert der Gegend hofft man dadurch zu erhöhen, daß Geleise der traßenbahn nach Waidmaunslust gelegt werden. Ein elektrischer Bahnbetrieb wird dann die neu entstehende Kolonie mit der Berlin— Tegeler Bahn verbinden. Geplant wird die Errichtung von Häusern mit kleinen sogenannten Arbeitenvohmingen, wobei ans die Ansiedlung Berliner Arbeiter selbstverständlich stark gerechnet wird. DaS Katastcramt. welches die Amtsbezirke Reinickendorf, Tegel. Dalldorf:c. bis Oranienburg umfaßt, wird am 1. Juli nicht, wie ursprünglich beabfichtigt. nach Oranienburg, sondern nach Reinickendorf kommen._ VormifiMes. Sieben Personen verbrannt. In Leipzig hat sich am Sonnabend ein großes B r a U d u n g l ü ck ereignet: In der Celluloid- favrik von Engelmaim n. Richter brach durch die Unvorsichtigkeit eines Lehrlings, der in einem Nicderlagsraum des Kellers eiue breimeudc Petroleumlampe fallen gclaslen haben soll, plötzlich Feuer aus, welches im Augenblick den feuergefährlichen Inhalt des große» EtabliffcincntS ergriff und den ganzen Bau in wenigen Minuten in Flnniiiieu dastehen ließ. Der im oberen Stockwerk der Fabrik wohnenden Familie des HansinaimS Thätcr war von dem wogenden Flammenmeer sofort jede Verbindnng mit außen und jede Gelegenheit zur Rettung abgeschnitten. Der Ehemann sprang in der Verzweiflung zum Fenster hinab und blieb mit zerschmetterten Gliedern liegen. Als die Feuerwehr herbeieilte, stürzte das Etablissement bereits zum Teil zusammen. Außer der Frau und Tochter deS Hausmanns Thätcr wurden ein Buchhalter, ein andrer Mann, eine zweit« Frau, ein Lehrling und ein Kind— ilisgesumt also ficbcn Personen in schrecklich verkohltem Zustand als Leichen zu Tage gefördert. Der Lehrling, welcher den Brand verschuldete, vermochte sich zu retten, er wurde schwerverletzt in daS Krankenhaus geschafft. Hochwasser wird von verschiedenen Seiten gemeldet: Dresden, 8. April. Wegen Hochwasser wird vom Montag, den 9. d. M. ab der Betrieb auf der ganzen Strecke der sächsisch- böhmischen Dampf» schiffsahrts-Gcscllschaft eingestellt. Die Elbe steigt infolge des Regens anhaltend.— H i r f ch b e r g i. S ch l., 9. April. Nach zweitägigem Rrgrnwettcr nnd infolge Schmclzens des Schnees ist der Bober gestern früh stellenweise über die Ufer getreten und hat weite niedrig ge- legciie Wieieiistrccken überschwemmt. DaS Wasser steigt sehr langsam.— Wien, 8. April. Infolge rapiden Sckimclzens des Schnees und heftiger Rrgengüne schwollen mehrere Znflüffe der Donau an, wodurch' in einigen Orten in der Umgebung von Wien und in einigen Bezirken Wiens ein nainhaftcr Schaden angerichtet und Verkehrsstörungen berveigcführt wurden. Auch ans mchrcren Bezirken Mährens liegen Meldungen über Hochwasser vor.— B n d a p e st, 8. April. Ans dem Ocdenbnrgcr Komitat werde» zahlreiche Hochwasserschäden gemeldet. Mehrere Ortschaflcii sind überflutet. In Rcpczelak wurden vom Bahndanim 220, i» Repczc Szcmere 100 Dieter fortgeschlvemmt. Der Bahnvcrkehr ist vielfach unterbrochen. Menschen sind bisher nicht zu Schaden gekoimncn. In Köln sind Sonnabendabend in der Fnßartillerie-Kaserne 7 durch Explosion eines DoppelzündcrS sechs Personen verletzt worden, ein Obergefreiter wurde tödlich verwundet. Die Kasernen- stube wurde demoliert. Kunbcuiiiord. Nach einer Meldung deS„Erossener Wochen« blatts" wurde in dem benachbarten Orte Treppeiii der achtjährige Sohn des Häuslers Müller gestern allend ermordet aufgcsiuideii. Man vermittet cincii Lustmord. Als Thätcr ist der Knecht Heinrich Müller verhaftet worden. Wieder ei» Warcuhansbrand. Das erst am 4. April er- öffnete Warenhaus der Gebrüder Alsberg in Worms ist am gestrigen Sonntag vollständig anSgebrannt. Das Feuer entstand durch das Hcrabfallcn eines Lämpchen in einer Schaufcuster-Dekoration. Der Feuerwehr gelang es. die benachbarten Gebäude zu retten. Menschen sind nicht verunglückt. Eine Aufsehen erregende Mordthat wird aus der Pfalz berichtet: Die„Pfälzische Presse" meldet ans Zwcibrücken am Lnitpoldbach: Hier crlckiotz heute nachmittag Oberlieutenant r ü ck n e r zuerst die Frau Hauptmann H a n f st i n g e l und dann sich selbst. Von einem fürchterlichen Woltenbrnch ist Mittel-TexaS heimgesucht worden. DaS Land ist wciihin überschwemmt. Eine 17 Meilen nördlich von Austin befindliche Eiscnbahnbrücke wurde von den Fluten weggerissen. Infolge deficn stürzte ein von Saint-LouiS kommender Eilzug in die Tiefe, wobei viele Per- sonen innS Leben gekommen sein sollen.— Nach weiteren Meldungen ans Mittel-TexaS ist infolge des WolkcnbnichS ein großer Material». schaden verursacht. Etwa 40 Menschen haben daS Leben eingebüßt. Der Damm deS ColoradofliisscS in Austin ist gebrochen; das große Reservoir hat sich über daS Land ergoffen. Viele Häuser sind zer stört.~ �---------' �" �----------------- Austin Z zufolge deS Sturzes deS EffenbahnzugeS von der Brücke bei nd Menschen nicht verunglückt. Briefkasten der Redaktion. Seit der 192. Lotterie im Jahre 1895 gewinnt genau ?» Ja, gleichzeitig ist Einstellung der Zwangs- 2 b. Rem. 3. Nein, überhaupt nicht. B. B. 100. jedes zweite Los. Alexis IIS. I. Ja. Vollstreckung zu beantragen. H. Tch., Müftlenstr. Schwach gebaute Brust. F.«. 3. Normale Sehschärfe. Körperschwäche durch zurückgeblieben« Entwicklung. Ruinmclsburg S. Wir bitten dt« Anfrage zu wiederholen. Schinargendorf 7. Der Ausgang des Prozesses hängt davon ab, welchen Preis der gerichtliche Sachverständige für angemessen halt._ Verantwortlicher.Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich:»b. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.