a Erscheint in fetptta MUtwoch, Freitag, Sonntag. Abouncmcntspreis lür ganz T-utichl-nd 1 M. KS Pf. pro Quartal. Monats- Abonnements werbe» bei allen deutschen Postanstalten ans den 2. und Z. Monat, und auf den ».Monat befonderi angenomnien: im zlsnigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Altenburg auch aus den lie» Monat des Quartals i. 54 Pfg. Inserate Jett. Bersannnlungen pr. Petitzeile 10 Bs., gell. Briralangelegenheiten und Feste pr» Peritzeile Z0 Ps. Bestellungen nehmen an alle Postanstalten und Buch- Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. New- Dork: Soz.-demokr. fflenosseu- schastsbuchdruckcrei, 154 Eldridge Str. Philadelphia: P. Haß, KZO Korth 3"i Street. I. Voll, 1129 Cbarlotte Str. Hrbolen N.J.: F. A. Sorge, 215 Wasli- ington Str. Chicago: A. Lansermann, 74 Ciyboumeavc. San Franzisco: F. Entz, 443 O F&TreU Str. London W.: C. Henze, 8 New 3tr, Golden Square. Kentrat Grgan der Soziatdenwkratie Deutschlands. Rr. 132 Freitag, 9. November. 1877. ¥3Bl Aus Frankreich. B. Paris, den 5. November 1877. Die Wahl des 14. Oktober ist bereits in einem Leitartikel des„Vorwärts", sowie in einem Briefe Buffenoir's bespro- chen worden, ocm Gesagten habe ich nur einige ergänzende Be- merkungen beizufügen. Von der Ausstellung sozialistischer Can- didatcn" mußte abgesehen werden, weil bei der mangelnden Or- ganisation keine Einigung in Bezug ans die Personen erzielt, und krine Agitation eingeleitet werden konnte, die eine achtung- gebietende Stimmenzahl verbürgt hätte. Die Sozialisten, welche sich nicht enthalten wollten, begnügten sich meist damit, weiße Zettel abzugeben; andere beschrieben ihre Zettel mit den Namen bekannter Sozialisten. Für die Bourgeoiscandidaten hat, mit Ausnahme Guesde's und einiger seiner Freunde sicher kein So- zialist gestimmt. Bonnct-Duverdier rechne ich natürlich nicht unter die Bourgeoiscandidaten. Die Bedeutung der letzten Wahl liegt in der endlichen Loslösung der sozialistischen Ele- mente von dem allgemeinen republikanischen Urbrei, überhaupt in der Zersetzung dieses Urbrcies. Von der Consternation der republikanischen Gefühlspolitiker über die fatale Thatsache, daß statt der Gambetta'schen„400" bloß 320„Republikaner" gewählt worden sind, macht man sich schwer einen Begriff. Und der arme Gambetta, der auf dem Punkt war, zum Heiligen creirt zu werden! Die unglückliche Prophczeihung hat ihm mehr geschadet, als ein plötzlich an den Tag gekommenes Verbrechen schwärzester Art ihm hätte schaden können— es hat ihn lächerlich gemacht. Und die„Einigkeit" der„Republikaner"? Es ist mit ihr ge- rade so bestellt, wie jeder vernünftige Mensch voraussagte: die entschiedenen Mitglieder der Linken wissen nicht was sie thun sollen, und die übrigen dcnkn nur an den Compromiß. Tie Orleanisten des linken Eentrums sind schon in wärmster Unter- Handlung mit den Agenten des Mac Mahon, der die Situation vollständig beherrscht. Was snützen da alle Witze, gute und schlechte, über die„pferdemäßige" Dummheit des Marschalls. Tsiat pis(um so schlimmer) für die pfisfigen Politikusse und Kannegießer, die sich von einem solchen„Roß" haben in den Sack stecken lassen. Jetzt redet man von einem„Geschäftsministerium", das dem „Eompromißministerium" den Weg ebnen soll. Zwar leiert die „Räpublique Franyaise" des verkrachten Gambetta noch gegen Mac Mahon das alte: abtreten oder sich unterwerfen! herunter, aber kein Mensch nimmt das mehr ernst, am wenigsten Herr Gambetta selbst, der sich bloß noch etwas sträubt, ehe er den saueren Apfel in den Mund steckt. Wie der Compromiß sich vollziehen wird, weiß ich nicht— es ist auch sehr gleichgültig; genug: er wird sich vollziehen, ist im„Prinzip" bereits fertig. Beiläufig ist das in der Bildung begriffene„Geschäftsministe- rium" ein Prämium für gute Aufführung, das den„republika- nischen" Orleanisten gnädig verliehen wird. Hätten sie sich nicht so lammjromm und entgegenkommend gezeigt, so würde Mac Mahon einfach die etwas— rauhere Praxis des Hrn. v. Bis- marck befolgt und gar nichts gethan haben, außer am Platze zu bleiben. Was dann? Nun— dann hätten unsere„Republi- kaner" gerade so erbärmlich zu Kreuz kriechen und den Koth Von den Soldatensticfeln ablecken müssen, wie weiland die deutsche Ausgabe unserer„Republikaner".— Ein„Manifest", das von einer Gruppe sozialistischer Ar- beiter vor den Wahlen entworfen wurde, dürfte für die Leser des„Vorwärts" von Interesse sein. Das Schriftstück, dem 'ämmtliche„republikanische" Zeitungen, einschließlich der Roche- orstschen„Laterne" die Aufnahme versagt haben, lautet in beut- cher Uebersetzung: Wahlen zum gesetzgebenden Körper. 1877. Departement der Seine. Die autonomistisch*)- sozialistischen Arbeiter von Paris an die Arbeiter und Kleinbürger.�*) Bürger! In einigen Tagen wird das allgemeine Stimmrecht abermals angerufen werden, um sich über den Conflict zwischen den ver- schiedenen Demagogenfraktionen***), die uns regieren wollen, aus- zusprechen. Der den Advokaten so theuere Parlamentarismus und die von den Männern der militärischen Disciplin so heiß geliebte Autokratie(unbeschränkte Regierung) fragen uns um unsere Mei- nung und haben die Herablassung, uns zu bitten, wir möchten! doch das entscheidende Wort sprechen: mit Einem Wort, man � hat die Güte, uns zu fragen, mit welcher politischen Sauce wir aufgespeist sein wollen. Ehe wir unsere Zettel in die Urne werfen, find wir ver- Pflichtet zu antworten. Da wir, geehrte Mitbürger, die Beweggründe und die Ziele der sich streitenden Gewalten: der gesetzgebenden und der aus- übenden Gewalt, kennen, so fühlen wir uns zu einigen aufklä- renden Bemerkungen gedrungen, damit unsere Gegner es wissen, daß sie umsonst auf unsere Mitwirkung rechnen. Ueberzeugt, daß keiner dieser Herren unsere Erklärung be- rücksichtigen wird, wenden wir uns ganz besonders an das Pro- *) Autonomie, Selbstbestimmung, Selbstverwaltung; autonomistisch,! vws die Autonomie betrifft, wer sür die Autonomie ist. **) Im Original heißt es: petits-commer�ants, Kleinkrämer, was vatürlich nicht wörtlich zu nehmen ist. Im Französischen konnte das "loß einen Theil des Kleinbürgerthums bezeichnende Wort um so eher gebraucht werden, als das ftanzösische Wort für„Arbeiter", ouvrier, auch die kleinen Handwerker umfaßt. ***) Demagogies.„Ehrendoktor" Bernstein, wie gefällt Ihnen der »Demagog"? Fallt Ihnen vor Schreck nicht die— Tugendrose aus der Hand? letariat; an die Proletarier der Werkstätten und Fa briken, und an die Proletarier des Kleinhandels und Kleingewerbes, die beide in gleichem Maß die ausgebeuteten Sclaven des Monopols sind, das ihnen den Credit und die Möglichkeit zur Erwerbung der Arbeitsinstrumente raubt. Den Proletariern sagen wir: Angesichts der schmachvollen Widerrufe und Gesinnungslosig- leiten, die, ohne jegliche Scham, seit 1870 sich vor uns breit gemacht haben— seit jenem Tag, wo unsere Naivität Männer an die Spitze des Staats hob, welche uns 20 Jahre lang vor- gelogen hatten, sie bekämpften den persönlichen Despotismus des Kaiserreichs im Namen der Revolution und warteten nur auf � einen Triumph des Volks, um uns alle politischen und ökonomi- schen Rechte zu sichern, die wir unablässig gefordert hatten; an- gesichts so vieler Heucheleien und so schnöden Verraths gebietet uns unsere Würde, nicht länger gutmüthig unsere Unterstützung Interessen zu gewähren, welche den unsrigen diametral entgegen- gesetzt sind. Es ist hohe Zeit, daß wir stolz das Haupt erheben, wie es den Söhnen der Revolution von 1789 geziemt, welche in ihrem Lauf durch die Selbstsucht einer Klasse aufgehalten ward, die ohne die Aufopferung unserer Väter, unserer im Kampf für die Freiheit Aller unter den Kugeln des monarchischen Despotismus i gefallenen Väter noch heute in Knechtschaft lebte. Ja im Kampf für die Freiheit Aller— denn als unsere Väter sich so groß- berzig opferten, gingen sie mit dem tröstenden Gedanken in den Tod, ihren Söhnen die vollständigste Unabhängigkeit errungen zu haben. Ihr wißt, Kameraden, wie die Männer, welche die Früchte des Siegs ernteten, ihre Versprechungen gehalten haben. Getäuscht, verhöhnt, verrathen, oft grausam gezüchtigt, wenn wir an die Versprechungen erinnerten, mit denen man unsre Stimmen erbettelt hatte— das war der Dank. Soll das ewig so fort- gehn? Nein! Es muß ein Ende gemacht werden. Wir wollen nicht länger die Betrogenen sein. Viele Male haben wir, seit 1863, in die Bourgcois-Parla- mcnte Kameraden einzuführen gesucht, die, mit unserem Ver- trauen bekleidet, dort unsere Rechte vertreten hätten; stets fanden wir den Weg durch jene famosen Schönredner verlegt, die uns schmeichelnd zuriefen: „Wartet! Die Stunde der Arbeitelkandidaturen hat noch nicht geschlagen; der Augenblick ist noch nicht passend; laßt uns erst alle Kräfte der Opposition gemeinsam organisiren, damit wir die Haupthindernisse, welche das Fortschreiten der Revolution hemmen, hübsch aus dem Weg räumen können. „Glaubt an unsere Ergebenheit, an unseren ehrlichen, festen Willen; wählt uns als die Mandatare, die Ihr mit der Vertheidigung Eurer Rechte, mit der Vorbringung Eurer Be- schwerden beauftragt! „Unsere Erfahrung, unsere Studien sind Euch eine sichere Garantie, daß Euere Interessen durch uns aufs Beste werden gewahrt werden." Das ist die Sprache, welche diese schönrednerischen Stellen- und Machtjäger seit der Eroberung des allgemeinen Stimmrechts uns gegenüber führen, und Jeder von uns weiß, was aus den blendenden Versprechungen geworden ist. Wir wissen, wie die Großmäuler uns vertheidigt, wie sie ihr Wort eingelöst haben. Sollen wir deshalb jammern, jene Herren anklagen? Es wäre sinnlos. Sie würden sich ins Fäustchen lachen, uns von Neuem den Bart streicheln, in ihrer Weise erklären, warum sie in unserem Interesse so handelten, wie sie gehandelt, und der gutmüthige Michel(Oros-�enn) würde sich wieder beschwatzen lassen und abermals die Rolle des geprellten Tölpels(clupe) spielen. Nein, wir wollen uns nicht in Jcremiaden darüber ergehn, daß wir stets die Opfer der Felonie einer Klasse sind, die so gegen uns handelt, wie sie handelt, wenn sie sich nicht selbst morden will. Von der Bomgeoisie das freiwillige Aufgeben der Privilegien verlangen, auf Grund deren sie herrscht, und deren Beseitigung die Lebensfrage für uns ist— das zu verlangen, das zu hoffen, ist einfach kindisch. Kommen wir endlich zur Einsicht, und lernen wir, daß wir in Wirklichkeit Niemand und Nichts anzu- klagen haben, als uns selbst und unsere Dummheit. (Schluß kolgt.) Aus Großbritannien. London, 31. Oktober. Die Vereins-, Versammlungs- und Preßfreiheit Englands ist wohl allbekannt. Geben sich doch die hiesigen Zeitungen die möglichste Mühe, mit derselben in der Welt herumzuprahlen. Welch patriarchalische Einrichtungen aber noch neben diesen Frei- heiten im klassischen Britenreiche existiren, darüber würde gewiß mancher Uneingeweihte, wenn man sie alle aufzählen wollte, die Hände über den Kopf zusammen schlagen. Folgendes möge als Pröbchen dienen. Vor einiger Zeit war in der City von London die Wahl eines Aclderman(Gemeinderathsmitglied) vorzunehmen. Die Wahl wurde regelrecht vollzogen und ein gewisser John Bennett ging als Sieger aus der Urne hervor. Derselbe wurde jedoch von den anderen Gemeinderathsmitgliedern nicht als College an- erkannt, und fand deshalb eine Neuwahl statt. Doch mit dem- selben Resultat. Allein der Gemeinderath beharrte ebenfalls bei seinem früheren Entschluß, so daß eine dritte Wahl anberaumt! werden mußte. Auch diesmal wurde John Bennett wiedergewählt, aber ebenso die Wahl für ungültig erklärt. Die weisen Stadt- väter hielten nunmehr einen Rath, ernannten selbst Jemanden zum Vertreter des betreffenden Wahlbezirkes, und zwar grade den durchgefallenen Candidaten, welcher John Bennett gegen- überstand. Hierauf folgte eine kurze Besprechung des Gegen- standes in der Tagespresse, und wurde nachgewiesen, daß schon im Jahre 1831 derselbe Fall passirte. Der damals Gewählte verfolgte seine Sache bis in die höchsten Instanzen, allein überall wurde ihm der Bescheid, daß der Gemcinderath vollständig nach dem Gesetze berechtigt sei, eine Wahl ohne Angabe von Gründen für ungültig zu erklären, und falls dieses dreimal geschehen, selbst Jemanden nach seinem Belieben wählen dürfe. Gewiß eine nette Illustration patriarchalischer Einrichtungen! Auch mit dem Hängen ist man im„Land der Preßfreiheit" noch sehr eifrig beschäftigt. Fast kein Monat vergeht, daß nicht hier oder da Jemand vom Leben zum Tode befördert wird, so daß der Scharfrichter, welcher für jede Exekution 1020 Mrk. erhält, mitunter ein recht schönes, oder wie soll ich es nennen, Geschäftchen macht. Doch mitunter hapert es auch. Erst vor einigen Wochen wurde über vier Personen das Todesurtheil gesprochen. Es erhob sich aber eine derartige Agi- tation gegen dasselbe, daß sich die Königin gemüßigt fühlte, so- genannte Gnade für sogenanntes Recht ergehen zu lassen und die Verurtheilten von der Todesstrafe zu befreien. Andere Hin- Achtungen fanden jedoch ungestört statt. Wie lange wird es noch dauern, bis man endlich einmal mit einem solch barbarischen Gesetze aufräumt? Mit dem Hängen der Personen, welche ein Verbrechen begangen, wird man doch sicherlich nicht das Verbrechen selbst aus der Welt schaffen. Die Ursachen der Verbrechen liegen eben größtentheils in unseren heutigen gesellschaftlichen Einrichtungen, und so lange man diese nicht aus der Welt schafft, wird auch das Verbrechen nicht be- seitigt sein. Einen schlagenden Beweis geben uns hierfür die vier Be- gnadigten � welche ich vorhin erwähnte. Einer dieser vier hei- rathete nämlich vor circa einem Jahre eine Frau mit ni ht unbedeutendem Vermögen. Seine Liebe, welche ihn zu di r Heirath bewog, galt jedoch weniger der Frau, als dem Kapital, welches dieselbe besaß. Nachdem er sich daher des Letzteren ver- gewissert hatte, beschloß er, seine Frau in einem Zimmer einzu- sperren, sie dem langsamen Hungertode preiszugeben und während- dem mit seiner Concubine ein flottes Leben zu führen. Vor mehreren Monaten starb die Frau. So standen hernach vier Personen, zwei weiblichen und zwei männlichen Geschlechts, vor Gericht und wurden zum Tode verurtheilt: Was war aber die Ursache dieses Verbrechens?— Nun die Sucht nach dem Vermögen der Frau. Aber doch vor allen Dingen das„Erbrecht", welches den Schlüssel dazu bot. Um vermöge des Erbrechts im Besitze des Kapitals jener Frau zu gelangen, wurde der Mord verübt. So trägt also eine der„heiligsten Institutionen" und Grundpfeiler unserer heutigen Gesellschaft die Schuld an jenem scheuß- lichen Verbrechen. Und da hängt man fortwährend die Personen und beseitigt nicht die Ursachen? 0 sancta simplicitas! Auch die„heilige" Ehe wird durch diesen Vorfall zugleich charakterisirt. Herr v. Unruh mag sich das hinter die Ohren schreiben. Nach umlaufenden Gerüchten wird Lord Hartington, ein Führer der Liberalen, in den nächsten Tagen in Edingburgh, Glasgow u. a. großartige Reden vom Stapel lassen und ver- suchen, für seine Partei ein neues Programm aufzustellen. Man ist gespannt, was daraus entstehen wird.— Die Differenz vom Risiko, welchem Kapitalist und Arbeiter ausgesetzt sind, hat sich hier wiederum einmal so recht gezeigt und zwar in schrecklichster Gestalt. Bekanntlich suchen die Herren Kapitalisten und ihre „Diener" fortwährend dem Arbeiter aufzubinden, daß nur sie, die Ersteren, bei der Produktion etwas zu riskiren, die Arbeiter hingegen nichts zu verlieren hätten, und doch riskiren Erstere mitunter nur einige Silberlinge, während Letztere fortwährend ihre Haut zu Markte tragen müssen. Die Kohlengruben-Explo- sionen in Schottland, welche vor einiger Zeit stattgefunden, geben jedenfalls genügend Zeugniß. Kaum war die Kunde von den Verunglückten in Wigan vernommen, als eine noch schrecklichere Nachricht aus Blantyre eintraf. 226 Männer, größtentheils Familienväter, haben daselbst ihren Tod gefunden, und noch mehrere liegen in hoffnungslosem Zustande darnieder. Der herz- zerreißende Jammer der Angehörigen, die Klagelieder der Mütter und Kinder, welche trostlos auf diesem„Schlachtfelde der In- dustrie" umherirren, um irgendwo den Ernährer, den Geliebten oder Freund zu erblicken, spotten jeder Beschreibung. Viele der Verunglückten hinterlassen eine Familie von 4 bis 8 Personen. Die Königin hat den Untersuchungs-Commissar beauftragt, ihr genaue Mittheilungen von dem Vorgefallenen und dessen Ursachen zu machen. Auch hat sie nebenbei den Hinterbliebenen ihre Sympathie ausgedrückt; aber welchen Werth hat das? „Gnädiger Herr, geben Sie mir gütigst einen Penny!" so bat ein armer heimathloser Knabe den Bischof von London. „Packe Dich, Du Vagabond," lautete die Antwort. „Gnädiger Herr, geben Sie mir dann gütigst ihren Segen." „Jawohl mein Sohn, nimm Deine Mütze ab." „Nein, ich will nicht." „Und warum nicht?" „Nun, weil— und der Knabe warf hierbei einen Blick au. die links und rechts von Wohlstand strotzenden Läden— wemn Ihr Segen so viel Werth hätte wie einen Penny, Sie ihn mir auch nicht geben würden." Ob die Sympathie der Königin Viktoria mehr Werth hat? Sicherlich nicht! Wäre die Regierung und ihre Partei willens etwas zu thun, so war sie längst dazu oerpflichtet. Denn dieses sind nicht die ersten derartigen Vorkommnisse. Schon anfangs der sechziger Jahre fand eine gleich große Explosion statt, und seitdem viele andere, aber dennoch machte man keine Gesetze, welche genügende Vorsichtsmaßregeln vorschrieben. Man kümmert sich einfach nicht darum. Was schadet es auch, wenn dann und wann einige „Hände" verloren gehen. Es fehlt infolge der langen Arbeits- zeit ja nicht an Ersatz. Darum wird eben die herrschende Klasse auch nur immer für ihren Geldsack bedacht sein und keine Gesetze zum Schutze der Arbeiter machen, so lange Letztere nicht selbst auf dem Plane erscheinen. Möchten doch hierüber die Arbeiter immer mehr zur Kenntniß gelangen. Der Strike der hiesigen Steinhauer dauert fort. Der Aus- gang desselben und die Folgen, welche er nach sich ziehen wird, dürften von nicht geringer Bedeutung sein. Bekanntlich wurde eine an den diesjährigen Trades-Union-Congreß gesandte Reso- lution, welche ein internationales Zusammenwirken aller Gewerk- schaften empfahl, sehr beifällig von den dortigen Delegirten auf- genommen. Sicherlich wird daher die von den Meistern unab- lässig fortgesetzte Jmportation von Ausländern zur Niederwerfung des Strikes für die Ausführung obiger Resolution wirken. Uebrigens haben die Herren Meister ziemlich Pech. Vor einigen Tagen legten wiederum 16 Deutsche die Arbeit nieder. Angeblich weil ihnen 22 Schilling zur Begleichung für Reise- spesen:c. abgezogen wurden. Gestern sollen wiederum 43 Mann aus Deutschland herübergekommen, und 60 noch unterwegs sein. Auch aus Amerika und Italien erwartet man„frische Sendung". Eigentliches Glück haben die Arbeitgeber bis jetzt nur mit den Jralienern. Diese arbeiten ruhig fort, lassen sich die Reisespesen abziehen und verweigern jedes Zusammengehen mit den Stri- kenden. Anders die Amerikaner. Bon 58 herübergekommenen haben sich sofort 52 auf Seite der Strikenden gestellt. Beim Eingehen ihres Engagements wurde ihnen von dem betreffenden Agenten gesagt, es sei kein Strike in London. Unterwegs jedoch setzte man sie davon in Kenntniß. Hierauf wurde noch während der Fahrt eine Besprechung abgehalten und beschlossen, sofort das Strikecomitö aufzusuchen. So kamen dieselben am letzten Donnerstag in Cambridge Hall, wo eine Steinhaueroersammlung tagte, und traten zugleich mehrere von ihnen als Redner auf. Einen erhebenden Anblick bot die Versammlung, als der Vor- sitzende den Amerikanern ein Dankesvotum ertheilte, welches mit einem dreimaligen Hurrahrufen und Hüteschwenken sämmtlicher Anwesenden bekräftigt wurde. Infolge Intervention seitens der Polizei zu Gunsten der Arbeitgeber ist eine Deputation der Strikenden beim Minister Croß vorstellig geworden. Ob es nützen wird, ist sehr fraglich. Wie dem aber auch ist, und wie der Strike auch ausfallen mag, die Arbeitgeber haben durch die Jmportation fremder Arbeitskraft dem internationalen Prinzip der Arbeiterbewegung guten Vorschub geleistet. V. Aus den Vereinigten Staaten. Newyork, den 23. Oktober. Seit mehr als einer Woche besteht hier ein Ausstand der Cigarrenmacher, welcher bis jetzt an 11,000 Genossen umfaßt und bald sie alle vereinigen wird. Der Strike ist zunächst nur gegen Lohnerniedrigung gerichtet(2 bis 4 Dollars pro 1000), allein in seinen Folgen mag er das abscheuliche System der Hausindustrie mit erschüttern.— Seit dem großen Krach hat dieses System erst begonnen. Die Menge brotloser Arbeiter aller Fächer lud geradezu ein, dieselben recht im Großen auszu- beuten. Die Tabakfabrikanten kauften oder mietheten große Wohnkasernen(Tenemont-Häuser genannt) und ließen sie an Familien behufs Cigarrenmachens auf Rechnung der Herren ab. Der Tabak wird in's Haus geliefert, die fertigen Cigarren da- selbst abgeholt. Diese engen, unfreundlichen Wohnungen dienen zugleich zur Wirthschaft und Fabrik. Frau und Kinder sind bei den armseligen Löhnen zwei Drittel der ganzen Zeit an die Arbeit gefesselt— aus dem elenden Bette geht es an den Ar- beitstisch, der gewöhnlich zugleich der Eßtisch ist, und von da zurück in's Bett. Den meisten dieser Armen fehlt es an Klei- dein, in denen sie anständigerweise ausgehen können; denn man hat von vorn herein nur die Hilflosesten in diese Kasernen auf- genommen. Viele haben das Cigarremnachen hier erst gelernt; und da alle Nationen ihre Glieder zu diesem Heere gestellt haben(auch zahlreiche Czechen, Italiener, Polen, ja selbst Chi- ncsen sind darunter) so ist unter diesem Heere kein Zusamnien- t kein gemeinsamer Widerstand gegen die Ausbeutung. Mitten x\ dichten Beisammen von gleichbedrängten Schicksalsgenossen war bisher jeder Versuch fehlgeschlagen, ihr trauriges Loos durch � Einigkeit zu verbessern. Die Zahl der in großen Fabrikräumen beschäftigten Cigarrenmacher, welche die beste Waare liefern, nahm stetig ab, weil die billige Hausarbeit die Herren Kapita- listen in den Stand setzte, auch die Löhne dieser bessergestellten und geschickten Arbeiter tiefer und tiefer herabzudrücken, und es half dabei die Erfindung einer Maschine mit, in welcher die Ci- garre in eine gleichmäßige und glatte, gefällige Form gepreßt wird, so daß auch Anfänger bald eine schöne Waare liefern können. Die Zoll- und Steuer-Politik der Vereinigten Staaten begünstigt diese Ausbeutung; es wird der Rohstoff und außer- dem der fertige Rauch-, Schnupf- und Kautabak besteuert, und wer nicht ein genügend großes Lokal halten kann, um den Steuerbeamten die Controle zu erleichtern, darf nicht auf eigene Rechnung fabriziren. Es ist einleuchtend, daß der Widerstand gegen diese immer mehr in's Große getriebene Ausbeutung— es entstanden immer mehr Hausarbeit- Fabriken— nur von den nicht in Hausarbeit beschäftigten Arbeitern ausgehen konnte. Gerade diese aber hatten in der Stadt Newyork ihre Gewerkschaften eingehen lassen; obwohl die internationale Cigarrenmacher-Union(sie umfaßt die Vereinigten Staaten und Canada) sih alle Mühe gab, in New- York die Genossen zu organisiren, mißlang dies doch öfters. Erst seit Kurzem hat es die Ausdauer weniger Männer unserer Partei, besonders die des Genossen A. Stroßer, zu einer Or- ganisation der Shop-Arbeiter gebracht. Nun erst konnte der Versuch gemacht werden, die Hausarbeiter zum Ausstände um bessere Löhne zu bewegen. Es wurde eine neue Lohnherab- setzung derselben und die günstige Gelegenheit der vor der Thür stehenden Unions-Staats- und Gemeindewahlen geschickt benutzt, um einen Druck der öffentlichen Meinung auf die Arbeiter und Arbeitgeber auszuüben, und so gelang es, aber unter unsäg- lichen Anstrengungen, 11,000 Arbeiter im Cigarrenfache, deren Zahl sich noch täglich vermehrt, zum Ausstande zu bringen. Jetzt aber entstand auch eine schwer beschreibliche Begeisterung, wozu die Frauen nicht wenig beitrugen. Die Presse war dies- mal— aus Rücksicht auf die Wahlen— so anständig, möglichst richtige und eingehende Beschreibungen der Nothlage der Arbeiter und ihrer Massenversammlungen mitzutheilen. Dabei wurde nicht zu erwähnen vergessen, daß vor zwei Jahren die Gesund- heitsbehörde der Stadt schmählich der Wahrheit im Interesse der Arbeitgeber in's Gesicht geschlagen hatte; sie war aufgefordert worden, die Hausarbeit in den Miethkasernen zu untersuchen, weil das überaus dichte Beisammenleben und die Ausdünstungen des feuchten Tabaks einen Gemeinschaden mit sich bringe und sie hatte einen gedruckten Bericht erstattet, worin diese Gemeinschäd- lichkeit in Abrede gestellt wurde! Die Aufregung über dies Alles ist in Stadt und Land nicht gering und wird nicht verfehlen, wenigstens eine Ausbesserung der Löhne zu bewirken. Aber man kann kaum erwarten, daß diese Hausarbeit ganz abgeschafft werde, womit freilich immer neue Rückfälle in das alte Elend unausbleiblich werden. Leider ist in der Stadt Newyork auch keine politische Bewegung der Arbeiter zu erwarten,'welche deren Lage im Allgemeinen ver- bessern könnte. Die Bevölkerung ist hier zu bunt gemischt, großentheils der Landessprache zu unkundig und durch das tausendfach verzweigte Vereins-, Logen- und Sekten-Wohlthätig- keitswesen zu vielfach in ihren Zielen und Interessen zersplittert, um baldige Benderung ihrer vielfach grauenhaften Nothlage er- warten zu dürfen. Sozialpolitisch?. Usber�cht» — Das Pferdeausfuhrverbot, durch welches die Reichs- regierung direkt(durch Schädigung der Pferdszüchter) und in- direkt(durch Beunruhigung des Handels und der Geschäfte) dem Nationalwohlstand so schwere Wunden geschlagen hat, kam dieser Tage im preußischen Landtag zur Sprache. Kriegsminister von Kam ecke erklärte, das Verbot könne nicht zurückgenommen werden,„so lange noch eine Mobilmachung möglich" sei. Also noch immer„Krieg in Sicht"! Schöne Aussichten das. Oder hätten Diejenigen Recht, welche in den besagten Worten blos eine— Redefignr, eine Borbereitung auf bedeutende Mehrforderungen für den Militäretat erblicken? Wären auch schöne Aussichten. Ob aber das Eine oder das Andere richtig — was für Zustände! — Einhundertsechsundzwanzig Millionen Mark! Eine neue Anleihe für preußische Staatsbauten— wo sind die Milliarden geblieben? Wir haben nichts gegen die Staatsbauten; unserer Meinung nach ist in den letzten Jahren viel zu wenig gebaut worden, man hätte den Nothstand früher lindern können. Aber die Milliarden waren verschwunden und man scheute eine neue Ein Stück Geschichte. Defension(Vertheidigungsschrift) in der Untersuchungssache wider Wander. Bom Justijrath Robe(ä. ä. S. Sepiember 1845). (Schluß.) Wirft man hienach noch einen Blick auf das Gesammtergebniß der Untersuchung, so ist nicht zu verkennen, daß Stieber eigentlich nur das denunzirt hat, was Wander nicht ausgesprochen, aber verschwiegen haben soll. Der vielfach von dem Denunzianten wiederholte Ausdruck„hämisch" deutet darauf hin; Stieber denkt immer an Hinterhalte und Hinterhältigkeit. Bielleicht eben des- halb, weil der Feind, den er sich so fest eingebildet hatte, und den er zu bekämpfen kam, gar nicht da ist. Stieber möchte deshalb Wander's Gedanken inquiriren. Da hinein geht aber kein Kriminalgesetz, und will auch nicht. Denn das Strafgesetz, man mag der Abschreckungs- oder der Besserungs- oder Nothwehr- oder welcher anderen Theorie hul- digcn, ist immer doch nur dazu da, den dem Menschen von der Natur verliehenen Leidenschaften und Begehren als ein Gegen- gewicht zu dienen und zu verhindern, daß das gefährliche Be- gehren keine äußere That werde, daß die gefährliche und des- Yalb strafbare That ungeboren bleibt. Mit Gedanken hat das Kriminalgesetz nichts zu thun. Wer heute begehrte, dem König die Krone zu stehlen, morgen aber bedächte, wie ihn, sobald er nur einen Finger darnach ausstrecken wollte, das Gesetz auf die Hände klopfen würde, und sich nach reiflicher Neberlegung dann entschlösse, es doch lieber zu lassen— so wüßte ich gar nicht, was ein Solcher mit dem Kriminalgesetz zu schaffen hätte. Das Kriminalgesetz ist der Hilfsvollstrecker der Moral. Wo die civi- listische Beredsamkeit der Moral von verbotenen Thaten nicht abhält, da droht der Liktor. Und läßt sich auch noch durch eine Drohung die That nicht verhindern, so bestraft er den Thätcr, indem er ihn ins Gefängniß führt oder gar ihm den Kopf ab- schneidet. Das Kriminalgesetz ist also ganz eigentlich dazu da, die Ueberlegung, diesen inneren Wächter wach zu erhalten, danüt der Gedanke, der ungesetzliche Wunsch, nicht zur äußeren That werde. �„. Das Gesetz schreitet erst auf die That ein; und der Gesetz- geber ist zufrieden, wenn sein Gesetz diese verhindert hat. Ge- danken kommen und gehen, sie kommen unwillkürlich; es kann sich keiner dagegen schützen, es giebt keine Festungswälle, sie abzuhalten. Daher erkennt das Sprüchwort auch ihre Zoll- freiheit an. Dennoch ist in der heutigen Zeit eine unverkennbare Neigung, Gedanken vor Gericht zu stellen, Tendenzen aufzusuchen und sie strafbar zu finden. Es ist diese Meinung durch die Schriftcensur erweckt worden, welche in der Vorcensur allerdings auf Tendenzen achten soll. Die Vorcensur der Druckschriften ist aber, wie sie die Bundesbeschlüsse selbst ankündigen, blos eine zeitweilige und Provisorische Abnormität von der Regel der Schreib- freiheit; sie bezieht sich auf diese ganz allein, und kein Censor oder politischer Schriftwächter hat wohl jemals darauf Anspruch gemacht, das Muster für einen Kciminalrichter zu sein, welcher, nach ganz anderen Gesetzen, nur Thaten bestraft. Die Spaltung der Ansichten über das Leben im Staat ist bei unseren Zeitgenossen unverkennbar; es verräth sie der lebhafte Kampf. Hüben und drüben strebt man nach dem Sieg. Die Kämpfer greifen nach Waffen, um einander zu überzeugen, zu überreden oder zu vernichten. Wer nicht mit ihnen, der ist wider sie, oder veroächtig; und vom Verdächtigen zum Schul- digsn ist nur ein kleiner Schritt. Die Regierungen, wenn gleich mit Sympathien und Abneigungen, stehen gerecht über allen Parteien. Aber sie können nicht hindern, daß es Diener giebt, welche nach ihren geheimsten Gedanken fahnden, und in dem Glaubey, sich bei ihren Vorgesetzten angenehm und verdienstlich zu machen, weit über die Grenzen des Gesetzes hinausgehen, welche die Regierung überall gehalten wissen will. Darin liegt die Rechtfertigung des dieser Defension gegebenen Mottos. Solche Diener möchten den bisher gegoltenen Rechtsgrundsatz, daß Jeder so lange für vorwurfsfrei gelte, bis er eines Verbrechens über- führt ist, gern umkehren. Solche Diener erinnern an die russische Grenzsperre. Das Bewußtsein, unerschwingliche Einfuhrzölle auf wirklich unentbehrliche oder auch blos nach Ansicht und nach Gewohnheit des Volks unentbehrliche Bedürfnisse gelegt zu haben, nährt die Furcht vor dem Paschhandel; und in dem Bewußtsein, daß es unmöglich ist, die Grenze hermetisch zu versperren oder dem Volk seine Bedürfnisse gänzlich abzugewöhnen und unbegehrt Anleihe. Man hätte den Nothstand lindern können, wenn man einige Jahre hindurch die Hälfte des Kriegsbudgets für Bauten verwandt hätte, und eine neue Anleihe wäre überflüssig ge- Wesen. — Die Correspondenz des Konitzer'schen Vereins bringt folgenden, der Gemeinheit eines Konitzer und Genossen würdigen Bericht von der Saar:„Es ist ganz offenkundig, daß die sozialistische Bewegung bei uns, obgleich mit großem Lärm in Scene gesetzt, schließlich ein klägliches Fiasko gemacht hat. � Die energischen Maßregeln der Arbeitgeber, sowie die schweren Strafen, welche über die Hauptagitatoren verhängt wurden, haben einen Panischen Schrecken im sozialistychen Lager hervorgerufen. Zwar versuchte ein vierter Redakteur, ein Maschinenschlosser Wytzka, noch sein Glück, aber nach kurzer Zeit ereilte auch ihn das Schicksal seiner Borgänger. Er wurde zu einigen Monaten Gefängniß verurtheilt und verschwand, ehe er nennenswerthe Thaten gethan, vom Schauplatz. Dann ging das Gerücht, ein bekannter süddeutscher Agitator, Dreesbach, sollte die Redaktion der„Freien Volksstimme" und die Leitung der Bewegung übernehmen. Doch Herr Dreesbach zog wohlweislich vor, in sicherer Ferne zu bleiben und das so überaus gefährliche Terrain nicht zu betreten. So mußte denn die„Freie Volks- stimme" eingehen und wird hoffentlich von ihrem wohlverdienten Tode nicht wieder auferstehen. Volksversammlungen sind längst nicht mehr abgehalten worden. Die zugewanderten Sozialdemo- kraten fühlen sich nicht mehr sicher. Einer nach dem andern verduftete. Ein Handwerker sagte sich in den öffentlichen Blät- tern von seinen früheren Gesinnungsgenossen geradezu los und warnte die Arbeiter vor den Umtrieben der Volksverführer, die sie nur in's Unglück stürzen wollten. Natürlich ist die Wuth der sozialistischen Organe über diese Niederlage ihrer Partei eine ganz gewaltige. Die„Neue Freie Presse" und der„Vorwärts" brachten heftige Schmähartikel über die„schändliche Vergewal- tigung" ihrer Parteigenossen. In Folge dessen wurde der ehemalige Redakteur des„Bolksstaat", ein gewisser Marbach in Berlin,„wegen Beleidigung der Richter des königlichen Landgerichts zu Saarbrücken"— er hatte sie der Parteilichkeit geziehen— zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. Daß die Sozialdemokraten im Geheimen ihre Agitationen fortsetzen würden, war vorauszusehen. So zog in letzter Zeit ein sozialistischer Colporteur in Stadt und Land um- her, welcher den neuen„Volks-Kalcnder", Braunschweig, Druck und Verlag von W. Bracke jun., bis in die niedrigste Hütte des Arbeiters trug. Dieser Mensch— als Matrose gekleidet, um die Aufmerksamkeit des Volks auf sich zu ziehen— war so unverftoren, selbst in den Pfarrhäusern seine verderbliche Waare anzubieten und anzupreisen." So der Bericht. Die„energischen Maßregeln der Arbeitgeber", vor allem die Hungerpeitsche für die ganze Familie des Arbeiters, der neben der Arbeitskraft seine Ueberzeugung nicht verkaufen will, — das ist ein Eingeständniß der Herren Sybel, Endemann, Konitzer und Consorten, welches alle Phrasen von Freiheit und Arbeiterglück über den Haufen wirst und den Ausdruck: Lohn- sklaven nur allzu berechtigt erscheinen läßt.— Marbach hat, als der„Volksstaat" noch bestand, nach richterlicher An- schauung eine Beleidigung der Saarbrücker Richter begangen und ist in Folge dieser vor circa IVz Jahren„verübten" Beleidigung angeklagt und verurtheilt worden. Wenn nun in Folge der jüngsten„Niederlage" der sozialistischen Partei in der Saar- gegend, die ja doch erst von dem Auftreten der Genossen Kaulitz und Hackenbcrger datiren soll, und der neuerlichen„Schmäh- artikel" in der„Berliner Freien Presse" und dem„Vorwärts" Marbach, der mit diesen Schmähartikeln, auf welche übrigens gar keine Anklage erfolgt ist, nichts zu thun hat, zu drei Mo- naten Gefängniß verurtheilt worden wäre— so würfe das ein keineswegs günstiges Licht auf die Leipziger Richter in Bezug auf ihre Unparteilichkeit. Die Leipziger Richter sind aber nicht so„sozialistenfresserisch", wie sie Sybel, Konitzer und Consorten acrn haben möchten, sie achten auch höchst wahrscheinlich jene Gesellschaft in Bonn viel zu gering, um die Redaktion der Cor- respondenz des deutschen Vereins wegen Verleumdung zu ver- klagen.— Im Uebrigen ist es köstlich, daß die Sozialdemokraten im„Geheimen" ihre Agitationen fortsetzen, und der Colvor- tcur, der dies thut, sich in Matrosentracht kleidet, um die Auf- merksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen. Doch nun! Uebersetzen wir das„Gesindel" des alten Fritz in Rind- vieh— und es mögen uns alle Leser bedauern. — Die Fortschrittler sind doch recht komische Leute. Während dieselben alljährlich dem Militarismus mit bem größten Vergnügen Hunderts von Millionen Mark in den Rachen werfen, zu machen, wird der unschuldigste Wanderer, der sich auf der Grenze blicken läßt, für einen Schmuggler gehalten. Wenn man nichts bei ihm findet, so vermuthet man, daß er es im Walde versteckt oder einstweilen in die Erde gegraben, um eS gelegentlich heraus zu holen. Gott sei Dank! noch unterscheidet sich die preußische Justiz von den russischen Grenzkosaken. Zwar hat man seit den Gesetzen vom 29. März v. I. die Unabhängigkeit und somit die Parteilosigkeit der preußischen Richter besonders für diejenigen Rechtsangelegenheiten in Frage gestellt, bei welchen die Regierung irgendwie als Partei betheiligt ist. Wenn nun Stieber von dem Präsidenten der königl. Regierung zu Liegnitz zum Deuunziren autorisirt zu sein angiebt, wenn er überall als im Auftrage des Ministerii des Innern handelnd aufgetreten ist, so scheint ein Fall der verdächtigten Art hier wirklich vorzuliegen. Ohne auf die Kritik der Gesetze vom 29. März v. I. einzugehen, darf ich doch meine feste Meinung dahin aussprechen, daß, wenn diese Gesetze wirklich, wie man ihnen nachsagt, die Unabhängig- keit des Richterstandes gefährden können, diese bloße Möglich- keit doch bis jetzt weder von der Staatsregierung ausgebeutet, noch von dem ehrenwerthen preußischen Richterstande zur Wirk- lichkeit gemacht worden ist. Alle Deduktionen gegen diese Gesetze laufen mehr oder weniger darauf hinaus, daß Bortheile oder Nachtheile auf das richterliche Urtheil Einfluß üben könnten. Das glaube ich nicht. Der Richter der seinen Eid bewahrt: zu richten ohne Ansehn der Person, ohne Rücksicht auf Bortheil, ohne Nebenabsichten, wird schlimmsten Falls den Nachtheil hinnehmen und dafür sein Gewissen bewahren. Der Defensor(Bertheidiger) wäre, wenn die aus den Ge- setzen vom 29. März geschöpften Befürchtungen begründet wären, in derselben Lage wie der Richter; doch es ist seines Amtes, ohne Mcnscbenfurcht die Rechte seiner Klienten wahrzunehmen- Ich trage auf Wander's völlige Freisprechung an. Hirschberg, 9. September 1845. Robe. lajien sie sich in der fortschrittlichen„Volkszeitung" folgendes schreiben: „Die Vorstellung, daß eine republikanische Verfassung einen Staat schwächer mache für auswärtige Aktionen, enthält nur eine sehr beschränkte Wahrheit. Wir brauchen nicht erst auf die Siege der republikanischen Heere gegen die Coalition der mo- narchischen Heere am Wendepunkt des vorigen Jahrhunderts zu verweisen. Ein unparteiisches Urtheil der Kriegsgeschichte, welche wir in unserem Jahrzehnt erlebt haben, läßt es gar nicht ver- kennen, daß der National- Aufstand, welchen Gambetta wachge- rufen hat, gefährlicher als das unter Mac Mahon und Genossen gebildete Heer hätte werden können, wenn diesem improvisirten Aufstand nur die Zeit gegönnt gewesen wäre, sich besser zu or- ganisiren. Wir glauben, daß auch der jetzige Krieg an der Donau den Beweis liefert, wie irrig die Voraussetzungen sind, welche den Sieg stets an die größere Disciplin gefesselt wähnen. Die Begeisterung minder diSciplmirter Truppen ersetzt sehr oft die Kräfte der kriegerischen Vorbereitungen, die man für unfehl- bar hält." Merkwürdig, äußerst merkwürdig! Das sind vielfach dieselben Worte, die Hasenclever bei der letzten Wahlcampagne im 6. Ber- liner Wahlkreise gebrauchte und gegen welche Eugen Richter, Ludwig Löwe und die„Äolkszeitung" vereint ankämpften, und jetzt beten diese Leute jene Worte den Sozialdemokraten nach. Komische Leute das, diese Herren Fortschrittler! — Die Berliner und Brandenburger Sozialisten- Mörder, vulso Fortschrittler hielten am vorigen Sonntag in Berlin einen Parteitag, der von ca. 200 Personen besucht war. Eugen Richter hielt seine bekannte Rede gegen die Sozial- demokratie, die er nun schon das fünftemal wortwörtlich wieder- käut, und dann wurde beschlossen, daß Eugen Richter? gesam- melte Reden gedruckt und als„Sozialistentod" verkauft werden sollen. Auch Knörke war in der Versammlung. — Der Prozeß Ko nitzer ist am 5. November in zweiter Instanz in Bonn verhandelt worden. Es wurde das Urtheil der ersten Instanz(3>,z Monat Gefängniß und 1 Jahr Vertust der bürgerlichen Ehrenrechte) lediglich bestätigt. — Ein Mucker-Unternehmen. Von der„Conferenz für innere Mission in Thüringen" ist folgendes Preisausschrei- den erlassen: „Zum Dienst in der sozialen Frage, für Volks- und Austalts- bibliotheken wird vermißt und gewünscht eine Schrift, welche, nicht über 10 bis 12 Bogen füllend, im Gewände einer an- ziehenden und spannenden Geschichte den Entwickelungsgang eines Mädchens durch Dienstverhältnisse, Fabritarbeit, Verlöbniß, Hei- rath mit all seinen Gefahren und Versuchungen bis zum guten Ende schildert. Das Thema also ungefähr:„Die Arbeiterfrau, wie sie wird und was sie sein kann und soll." Die Conferenz hat beschlossen, die beste derartige Schrift mit 600 Mark zu Prämiiren. Bewerbungsschriften werden bis zum Schlüsse d. I. erbeten. Dieselben müssen, wie üblich, mit einem Motto ver- sehen und von einem versiegelten Couvert begleitet sein, welches außen dasselbe Motto, innen den Namen des Verfassers enthält. Spezifisch thüringische Färbung der Erzählung ist nicht Be- dingung. Nicht prämiirte Schriften erfolgen auf Verlangen zurück." Daß die Schrift natürlich vom spezifischen Hauche des kirch- lichen Christenthums durchweht sein muß, ist wohl selbstverständ- lich. Uns interessirt eigentlich nur die Forderung, welche an den Schriftsteller gestellt wird, daß er die Geschichte zum guten Ende führen soll— echt kirchlich- christlich wäre es doch, wenn die Heldin der Erzählung ein schlechtes Ende auf Erden nähme, schon deshalb, damit sie leichter„die Krone des ewigen Lebens" erwürbe.— Aber es soll neben dem Christenthum in sozialer Frage gemacht werden, und da ist das gute Ende noth- wendig, um Sand in die Augen der Leser und Leserinnen aus dem Arbeiterstande zu streuen. — An die falsche Adresse. Dem letzten Congreß der Hirsch'schen Gewerkvereine ging ein, ganz„international" gehal- tenes Schreiben der englischen Trades Unions zu, in welchem die lebhaftesten Sympathien ausgedrückt waren. Wie sich herausstellt, war diese Kundgebung eigentlich für die richtige Adresse bestimmt, wurde aber durch einen deutschen Exsozialisten und Exinternationalen, der einst mit Recht einen guten Namen hatte, und der die Unbekanntschaft der englischen Gewerkschafts- sekretäre mit der deutschen Arbeiterbewegung ausbeutete, aus Haß gegen die deutsche Sozialdemokratie an die falsche Adresse be- fördert. Am 9. November 1849. Die Sonne Deutschlands muß sich tief verschleiern, Der deutsche Himmel droht gewitterschwer, Und Todtenfefte muß die Freiheit feiern, Und über Gräber schreitet sie einher! Ein neues Grab! Senkt eure Fahnen nieder! Durch's ganze Volk ertönt ein Schmerzensschrei! O weint um Blum!— Er fiel für seine Brüder, Ein neues Opfer alter Tyrannei. Hört ihr die fernen Sturmesglocken schallen? In Flammen steht das kaiserliche Wien. Seht, wie des Herrschers siegende Vaiallen Mit Heeresmacht in seine Thore ziehn! O deutsche Freiheit! Deine Leichenbahre Wird von dem fremden Volke noch entehrt! Es wirst der übermüth'ge Serezare Auf deine Gruft mit Hohn sein klirrend Schwert. O triumphirt auf Trümmern und im Schutte— Ein Leichentuch im festlichen Gewand! Der rothe Mantel und die schwarze Kutte— Barbar"und Jesuit— gebt euch die Hand! Versucht's, des Kaisers morschen Thron zu stützen!— Beftiedigt eurer Rache wilde Lust; Und setzt ein Ziel den kaiserlichen Schützen— Ein würd'ges Ziel— des Volksvertreters Brust. Ihr zieltet gut, ihr wackeru Kampfgenossen! Das ist ein Meisterschuß von sich'rer Hand. Ihr habt der Freiheit in das Herz geschossen, Jn's Herz dem ew'gen deutschen Vaterland. Das ist ein Schuß, er sprengt die letzte Kette, Die Oestreich noch dem deutschen Volk verband. Es reicht auf Blum's geweihter Grabesstätte Der Kaiser dem Kroaten seine Hand. — Der Klassenkampf in England. Der Strike in Bolton ist, nachdem er fast ein Vierteljahr gedauert und 100.000 Pfd. St. gekostet hat, durch einen Vergleich beendigt worden. Die Arbeiter lassen sich eine Lohnreduktion gefallen, dafür müssen aber die Zahlungstarife der einzelnen Arbeiten revidirt werden. Die Arbeiter hoffen, daß eine solche Revision ihnen Vortheilhast sein werde, könnten sich aber getäuscht finden. Wie es scheint, wird, genau unter denselben Bedingungen wie in Bolton, ein Strike in Blackburn in Scene gesetzt werden. Die dortigen Spinnereibesitzer haben eine Lohnherabsetzung an- gekündigt, welche die Arbeiter sich wohl kaum gutwillig dürften gefallen lassen.— In Ashton sind die Baumwollenarbeiter im Strike— Ursache: Lohnreduktion.— Der Londoner Stein- Hauer- und Maurer-Strike dauert fort; die Bemühungen des Strike-Comites, die„importirten" Arbeiter zur Rückreise oder wenigstens Niederlegung der Arbeit zu bewegen, sind— außer den Italienern gegenüber— meist mit Erfolg gekrönt. (S. unsre heutige Correspondenz aus London.) Jndeß läßt sich nicht leugnen, daß in Folge der schlechten Zeiten ein ziemlich bedeutender Andrang fremder Arbeiter, namentlich aus Amerika stattfindet. Der Strike hat sich bekanntlich auch über andere Städte Englands ausgedehnt.— Die Londoner Schreiner und Zimmerer verlangen Lohnerhöhung und Verkürzung der täg- lichen Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden. Die Meister wider- setzen sich, und so dürfte es zu einem Strike kommen.— In North-Staffordshire haben 8000 Kohlengräber die Arbett eingestellt; dadurch sind 25,000 Personen brodlos geworden und mindestens 100,000 Menschen mehr oder weniger in ihrem Er- werb geschädigt. Ursache: Lohnreduktion. Es ist die alte Ge- schichte— sobald der Geschäftsprofit etwas sinkt, soll der Aus- fall von den Arbeitern getragen werden; wenn dagegen das Geschäft flott geht und die Arbeiter auch von dem erhöhten Profit etwas abhaben wollen, dann sagen die Herren Arbeitgeber Nein, wie die Londoner Zimmerer und Tischler soeben erfahren haben. Interessant ist, daß die beiden„Arbeiterabgeordneten" Mac Donald und Burt sich umsonst die größte Mühe gegeben haben, einen schiedsrichterlichen Vergleich herbeizuführen. Die Arbeiter wollten von einem Schiedsgericht nichts wissen; sie meinten, die Erfahrung habe gelehrt, daß die Schiedsgerichte meist im Sinne der Kapitalisten urtheilten; der Kampf biete wenigstens die Chance des Siegs. — Ein italienischer ,,Arbeiter"-Congreß tagte in den letzten Tagen des Oktober in Bologna. Wir markiren aus- drücklich das Wort„Arbeiter", weil dieser italienische Congreß viel Aehnlichkeit hatte mit dem Congreß des Herrn Max Hirsch und Consorten, auf welchem den Arbeitern bekanntlich eine sehr untergeordnete Rolle zugewiesen worden war. Von 422„Delc- girten" nämlich, welche auf dem Congreß in Bologna ihr Wesen trieben, gehörten der Arbeiterklasse ganze vierzig Mann an. Nach der„Voss. Ztg." waren die übrigen Theilnehmer meist Advokaten; anwesend war auch der Exminister Minghetti. Es versteht sich von selbst, daß sich von dieser sehr gemischten Gesellschaft die- jenigen Arbeiter fernhielten, welche ein Paktiren mit den Herr- schenden Klassen von sich weisen. So hatte u. A. der einfluß- reiche italienische Buchdruckerverband eine offizielle Betheiligung an dem Congresse abgelehnt und auch die mazzmistische Arbeiter- gesellschaft hatte einen Absagebrief eingesandt. Mit einem Be- richt über die Verhandlungen des„Arbeiter"- Congrcsses wollen wir unsere Leser nicht langweilen; es dürste zur Kennzeichnung der Herren Aucharbeiter, welche da in Bologna über Arbeiter- interessen beriechen, vielmehr die Mittheilung genügen, daß Re- gierung und Bourgeoisie keine Ursache haben, mit deren Thätig- keit unzufrieden zu sein. — In Bulgarien verfolgen die Russen mit Energie, und bis jetzt mit Glück ihr Ziel der Cernirung Plewna's. Ob Osman Pascha genügende Vorräthe hat, um seine Stellung auf längere Zeit d. h. bis in den Winter hinein zu behaupten; wie stark seine Armee ist; welche Pläne die türkische Armeeleitung mit Bezug auf Plewna und dessen eventuelle Entsetzung hat— darüber sind wir vollständig im Dunkeln. Vorläufig haben die Russen ausschließlich das Wort, und daß auf deren großmäulige Siegesbüllerins kein Verlaß ist, das brauchen wir unfern Lesern nicht zu sagen. Das Schweigen der Türken erklärt sich wohl nur zum Theil aus der Uuterbrechung�der Telegrapheuverbm- dung; wahrscheinlich wird irgend ein Schlag vorbereitet, der, um zu gelingen ganz unerwartet kommen muß.— Vom asia- tischen Kriegsschauplatz wird von russischer Seite gemeldet, daß Moukthar Pascha, weil ihn die Russen im Rücken bedroht hätten, sich bis in die Nähe von Erzerum zurückgezogen habe. Jndeß wird gleichzeitig, ebenfalls aus russischer Quelle gemeldet, ein Sie haben dich zum Opfer auserkoren— Es soll dem Blut den Bund der Knechte weih'n! Fort mit den schwarz-roth-goldnen Tricoloren— Schwarzgelb soll wieder Ocstreichs Zeichen sein. Der Baum der Freiheit fällt mit einem Streiche— Dort mit dem deutschen Sinn, dem freien Sinn! Sie warfen eines Volksvertreters Leiche Mit bitt'rem Spott uns vor die Füße hin. Was kümmern sie des deutschen Volkes Rechte? Sie kennen nur den Kaiser Ferdinand! Er ist der blöde Gott der blöden Knechte, Ist ihre Freiheit und ihr Vaterland. Sie feiern ihn im blutigen Gericht! Die Gnade Gottes schützt ihm seine Kronen, Doch seine Rache kennt die Gnade nicht! Weint um das Opfer der Barbaren, Den Mann des Wortes und den Mann der That, Der kühn hinaus in Stürme der Gefahren, Kühn vor den Richterstuhl der Nachwelt trat; An seiner Urne weilt mit stummem Schmerze Legt auf das Grab des Märtyrers den Kranz! Denn schweigend löscht an seiner Gruft die Kerze Der Genius des Vaterlands. Doch nein! Mit rauschenden Triumphgesängen Erwacht er einst am Auferstehungstag! In wildem Sturm wird er die Gräber sprengen, Gewappnet dastehn wie mit Zauberschlag. *) In dem uns vorliegenden aus dem Jahre 1819 stammenden Truckabzuge des Gedichts fehlt an dieser Stelle ein Vers; ob der Herr Gottfchall dem„blöden Gotte", dem Kaiser, dort noch einen Tritt ver- setzen wollte und aus Angst plötzlich innehielt? Wir wissen es nicht, nur soviel wissen wir, daß seitdem Herr Gottschall sich vor manchem „blöden Gotte" gebeugt hat. D. R. d. V. Theil der türkischen Armee sei in der früheren Stellung bei Zewin stehen geblieben— was sich nicht gut zusammenreimen läßt.— — Tessendorff als Prophet— unter dieser Ueberschrift bringt die Nr. 5 der in Hamburg erscheinenden„Rundschau" einen Artikel, in welchem die Verdienste aufgezählt werden, die sich Tessendorff um die Sozialdemokratie erworben hat— er- worben, trotzdem sich derselbe hoch und theuer verschworen hatte, in Preußen und speziell in Berlin die Sozialdemokratie mit Stumpf und Stiel auszurotten.„Als Sie(Tessendorff) nach Berlin kamen", heißt es in dem Artikel,„um von dort aus den Vernichtungskrieg gegen die Sozialdemokratie im Allgemeinen und die Sozialisten Berlins im Besonderen zu führen, da lag die deutsche Sozialdemokratie zerspalten in fast zwei gleich starke Hälften, im bitteren Kampfe unter sich selbst; in der Presse waren wir in ganz Preußen nur durch den„Neuen Sozial- demokrat" vertreten, der freilich in bedeutender Auflage ver- breitet wurde, iudeß dem lokalen und provinziellen Bcdürfniß durchaus nicht genügen konnte; im Reichstage hatten wir nur einen Vertreter, Bebel. Da kamen Sie und prophezeiten, wie Sie uns vernichten wollten. Es sind nun fünf Jahre, daß Sie an unserer Vernichtung arbeiten, und wir wollen nun das Facit Ihrer Thätigkeit ziehen. Die alten Organisationen sind zerstört, das haben Sie erreicht, Herr Tessendorff; der alte Haß zwischen den Sozialisten Deutschlands ist erloschen, seit dem 25. Mai sind wir eine geeinte Partei, das hab.n wir erreicht, Herr Tessendorff! Der„Neue Sozialdemokrat" mit seinen 4000 Abonnenten in Berlin ist eingegangen und das Ccntralorgan der deutschen So- zialdemokratie ist nach Leipzig verlegt, das ist theilwcise Ihr Verdienst, Herr Tessendorff; in Berlin erscheint nun die„Ber- liner Freie Presse" täglich mit 10,000 Abonnenten in Berlin, das ist unser Verdienst, Herr Tessendorff. Sie haben die Or- ganisation in Berlin und in Preußen zerstört, das ist Ihnen gelungen, Herr Tessendorff; wir haben in Berlin 2 Abgeordnete durchgebracht und im übrigen Preußen ein Drittel mehr Stimmen als 1874 erhalten, das ist uns gelungen! Sie haben prophezeit, daß, wenn erst unsere Organisation zerstört sei, die Sozialdemokratie in Preußen todt sei; das war Ihre Meinung, Herr Tessendorff; wir haben jetzt in Berlin, Magdeburg, Halberstadt, Königsberg, Breslau, Wilhelmshaven, Kassel, Frankfurt, Köln, Barmen, Solingen, Hagen, Rem- scheid, Duisburg, Essen, Crefeld, Dortmund, Zeitz und für die Provinz Brandenburg, alles in Preußen, allenthalben Partei- blätter, das ist unsere Antwort auf Ihre Prophezeiung, Herr Tessendorff! Das das Facit Ihrer Thätigkeit und— wollen Sie gefäl- ligst fortfahren, Herr Tessendorff!" Soweit der dem Propheten Tessendorff gewidmete Artikel der „Rundschau". Ja, es ist wahr, und wir sind bescheiden genug, es einzugestehen: ohne„unfern" Tessendorff wären wir nicht so weit. Und mit Hilfe Tessendorff's und überhaupt mit„der Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft", hoffen wir noch weiter zu kommen. — Confiskation der„Neuen Welt". Nach einem am vorigen Sonntag gemachten vergeblichen Versuche— weil das Geschäft schon geschlossen war— fand Montag gegen Mittag eine Beschlaglegung der„Neuen Welt" in der Expedition der „Berliner Freien Presse" statt. Herr Tessendorff scheint sich darüber zu ärgern, daß der„Neuen Welt" von Berlin aus nichts anzuhaben ist, weil ihr Gerichtsstand sich in Leipzig be- findet, und ersuchte schon vor 14 Tagen die Verlagshandlung der„Berliner Freien Presse", für die„Neue Welt" in Berlin einen Redakteur zu bestellen, widrigenfalls er coufisziren werde. Nach einer Berufung auf das dem entgegenstehende Gesetz in der betreffenden Nummer der„Berliner Freien Presse" wurde Herr Tessendorff aufgefordert, zu coufisziren, was er aber nicht that. — Nun hat derselbe die Verleger der„Berliner Freien Presse" befragt, warum dieselben von der letzten Nummer der„Neuen Welt" kein Pflichtexemplar eingereicht hätten und ob der ver- antwortliche Redakteur der„Neuen Welt", Bruno Geiser, von ihnen als solcher bestellt sei. Der befragte Vertreter der Verlagshandlung erklärte, zu der Einreichung nicht verpflichtet zu sein und den Redakteur Bruno Geiser nicht bestellt zu haben. Nach dieser Erklärung erfolgte die Beschlagnahme von 37 noch vorhandenen Exemplaren der„Neuen Welt". Auf den Ausgang der Affaire sind wir gespannt. Ein freies Volk hält dann die Leichenmessen, � Die Throne fallen vor dem Geist der Zeit; Da schlingt der Lorbeer sich in die Cypressen, Den Namen Blum's weckt die Unsterblichkeit! Rudolf Gottschall. (Der Verfasser vorstehenden Gedichts ist der bekannte Dichter a. D., Hofrath, Ritter verschiedener Orden und gegenwärtige Herr Rudolf von Gottschall. D. R. d. V.) — Der Steinkohlen-Bergbau Westphalens hat in den letzten 20 Jahren einen sehr bedeutenden Aufichwimg genommen und haben die angestellten Berechnungen ergeben, daß im Westphälischen Stein- kohlen- Becken allein so viele Kohlen abgelagert sind, wie in England zusammen. Im Jahre Z876 förderte Wcstphalen ca. 360 Millionen Ceniner oder 18 Millionen Tons Steinkohlen. Die Erbauung der Venlo Hamburger Linie der Cöln-Mindener E senbahn. ve: Kunden mit der Ueberbriickung der Elbe und mit entsprechender Ermäßigung der Eiscnbahnfiachten hat Veranlassung gegeben, daß auch in Hamburg- Altona, Lübeck, Kiel und in drn Herzogthümern Schleswig-Holstein im Allgemeinen Versuche mit W-estphälischer Kohle im Gegensatz zur Eng- lischen Kohle, welche bisher den Con'um dieser Gebiete beherrschte, ge- macht wurden. Wie bei jeder neuen Sache, so hielt es anfänglich schwer, das gegen die Westphälische Kohle bestehende Vorurtheil zu be- siegen. Nachdem aber allmählich beinahe sämmtliche in Hamburg be- stehenden deutschen Dampsschifss- Gesellschaften den Verbrauch der West- phälischen Kohle an Bord ihrer Dampfschiffe eingeführt, und die kaiser- liche Marine-Verwaltung zu Wilhelmshafen durch die angestellten ein- gehenden Versuche thatsächlich constatirt hat, daß die Westphälische Kohle der besten Englischen Kohle wcht allein ebenbürtig, sondern an Heizkraft überlegen ist, nimmt der Verbrauch Westphälischer Kohle in regelmäßiger Weise zu. Wenn nun in Betracht gezogen wird, daß Deutsch- (and für die in Hamburg-Altona eintreffenden Englischen Steinkohlen selbst bei jetzigen niedrigen Preisen noch emen jährlichen Betrag von 15 bis 18 Millionen Reichsmark an England zahlt, welche es durch den Ersatz de: Englischen Kohle durch die deutsche Kohle möglich ist, Deutschland zu erhalten, so verdient die Thatlache um so mehr Beachtung, daß Westphalen im Stande ist, jedes Quantum und jede Qualität Kohle i i Coneurreuz zur Englischen Kohle zu liefern und um den diee beziig- lichen Nachweis zu liefern, hat unter der Aegide des Bergbaulichen Vereins Westphalens zu Ende September eine reichhaltige Ausstellung von Kohlen, Coaks und Cinders aller Sorten in Hamburg stattgefunden. Der Nachweis ist auch als gelungen zu erachten. Correspondenzem Budaxck, 3. Oktober. Der österreichische Zopf, ein Zwil- lingsbruder des deutschen reichseinheitlichen, hielt mich auf der Reise von Deutschland nach Ungarn einen ganzen Tag zu Prag auf. Indessen hatte sogar diese Säumniß ihren Nutzen, denn ich fand hierbei Gelegenheit, mich zu überzeugen, daß die tschechische Türkenfresierei eine künstlich erzeugte ist und von eini- gen unter der Aegide Rieger's stehenden schwindelköpfigen Prager Studenten und faulen Journalisten ausging. Die Masse des Volkes kümmert sich hier wenig um Politik, doch lechzt sie nach Neuigkeiten, welche ihr eine Erleichterung der Lasten versprechen sollen, denn die Abgaben sind in Oesterreich-Ungarn von Jahr zu Jahr drückender; mit diesen wächst die Unzufriedenheit im Volke, und obschon das Zerschlagen des Handelstraktats zwischen Deutschland und der österreichischen Monarchie dem nichtunga- rischen Theile derselben günstig zu sein scheint, so trägt dieser Umstand doch nichts dazu bei, um das Volk zu Hoffnungen auf Erleichterung zu berechtigen. In Prag und in ganz Böhmen und Mähren fehlt es aber an Aufklärung, man weiß dort von den Fortschritten, die die Sozialdemokratie in Deutschland ge- macht, wenig, ja beinahe gar nichts, hier und da kennt man in den genannten Ländern kaum Etwas von der Existenz der- selben. Erfreulich aber ist es für die Sache des Volks, daß das Militär, namentlich die in Prag garnisonirenden ungarischen Truppen, Infanterie und Husaren, aus den Kinderschuhen heraus- gewachsen sind und sich für die Rechte des Volks und des Men- scheu überhaupt interessiren. Als ich auf der Kleinseite einen ungarischen Infanteristen anredete, um ihn nach einem gewissen Gebäude zu fragen, antwortete er mir mit einer Gegensrage, als er seine Landessprache vernahm:„Sagen Sie mir, mein guter Herr, wann wird unser Vater Kossuth uns gegen unsere Feinde führen?" Aehnlich sprach ein in der Zcltnergasse als Ordonnanz reitender Husar. Mit einem Worte, der ungarische Soldat hat überall aufgehört, Maschine zu sein und fängt an zu fühlen, zu denken und— wenn die Zeit kommen sollte— zu handeln, wie er es gethan im Jahre 1843, welchem Verspiele auch einige deutsch-österreichische, italienische und polnische Trup- Senkörper folgten. Daß die ungarischen Truppen viel leichter .r Sache des Volkes zu gewinnen wären, als selbst die Hon- veds, dies ist natürlich, weil die ersteren ihre nicht magyarischen Offiziere hassen, zu ihnen kein Vertrauen haben, was bei den Honvcds— die von magyarischen Offizieren commandirt werden — nicht der Fall ist. Von der Richtigkeit dieser Annahme übsr- zeugte ich mich noch mehr in Budapest selbst. Was die Verbreitung der sozialdemokratischen Prinzipien be- trifft, so ist die Sozialdemokratie in Budapest erst im Werden, obschon die Thätigkeit Leo Frankel's es dahin gebracht, daß einer der Pester Wahlbezirke— der Thercsienstädter— welcher zumeist von unbemittelten Händlern und Handwerkern bewohnt wird, bereits große Fortschritte gemacht und bei den nächsten Reichstagswahlen den Ausschlag geben wird, trotz der allgemein herrschenden Corruption. Wenn Frankel der magyarischen Sprache mächtig wäre, dann zweifle ich nicht, daß er zum Abgeordneten gewählt werden würde. Indessen ist es zu befürchten, daß bei der zunächst zu Stande kommenden Codifikation in Criminal- fällen die hiesige Sozialdemokratie, wie einst die Schismatiker des Glaubens, von der Regierung zu einer verfolgten Kaste ge- macht werden wird. Außer Frankel's Arbeiter- Wochenchronik", welche etwa 2600 Abonnenten zählt, deren Zahl im Zunehmen ist, hat hier ein Schriftsetzer, Julius Kaczandcr, auch ein ma- gyarisches sozialistisches Wochenblatt gegründet, welches aber leider bis jetzt noch wenig Abonnenten hat. Hera. Wie schwierig die Bekämpfung der Sozialdemokratie in ihren Versammlungen sei, wie diese laut Beschluß des anti- sozialistischen Congresses ausgeführt werden soll, das konnten in der letzten öffentlichen Partciversammlung der Sozialisten im Straube'schen Lokale Herr Jonas aus Berlin und seine Be- gleiter erkennen. In jener Versammlung, die außerordentlich zahlreich besucht war, trotzdem eS nur eine Parteiversammlung war, so daß Viele wegen Mangel an Platz wieder umzukehren genöthigt waren, hat der antisozialistische Congreß eine gute Antwort erhalten, wie sie auf seine Beschlüsse nicht besser passen konnte. Als Tagesordnung war aufgestellt:„Der antisozialistische Arbcitercongreß", und refcrirte Herr Brätter über die Bestrebungen desselben in kurzen Zügen. Hierauf nahm Herr Jonas, GewerkoereinSapostel aus Berlin, das Wort; er meinte, daß die Bestrebungen der Sozialisten sich nicht realisiren ließen, und wollte dies an Aussprüchen einzelner Sozialisten beweisen; auch fehlten Redensarten wie: sie wollten auch das Wohl der Arbeiter:c. nicht. Seine Ausführungen wurden von Seiten Brätter's und Ufert's treffend widerlegt. Die Versanimlung hörte Herrn Jonas(der, nebenbei bemerkt, anständig sich ausdrückte) ruh>g an, und so wird wohl dieser, wie er auch selbst zugestand, die Ueberzeugung mit nach Berlin nehmen, daß die Sozialisten denn doch nicht die Horde seien, wie sie enragirten Feinde derselben hinzustellen belieben.— Von einzelnen Sozia- listen wurde noch das Verfahren gegeißelt, wie man Arbeiter ihrer sozialdemokratischen Gesinnung halber öffentlich als solche denunzirt und sie auf solche Weise wahrscheinlich zu schädigen sucht. Der stürmische Beifall, welcher den sozialistischen Rednern zu Theil wurde, gegenüber dem Schweigen bei den Ausfüh- rungen des antisozialistischen Opponenten beweist, auf welcher Seite die Sympathie der zahlreich Anwesenden war. Das erste Debüt der Bekämpfung der Sozialdemokratie am Orte, wo der antisozialistische Congreß getagt, war daher ein gescheitertes, dem mehrere dergleichen wohl folgen werden. Hieran sei noch die Mitlheilung geknüpft, daß auch in der zweiten Stadt unseres Ländchcns der antisozialistische Congreß große Enttäuschung hervorgerufen hat. Herr Schuldirektor Böhme nämlich, der Vertreter des Schleizer Bildungswesens auf dem Arbeitcrcongreß in Gera, erstattete in der Vereinsver- samn lung Bericht über die Verhandlungen des Congresses. Herr Böhme sagte am Schlüsse feines Referats, daß er mit den freudigsten Hoffnungen zu dem Congreß gegangen, aber mit einem Gefühl der Enttäuschung wieder zurückgekehrt sei, und so mit ihm auch Andere.— Wenn dies also schon in dem Ländchcn geschieht, welches sich die Hirsche und Genossen zum Tummelplatz ihrer„Sozialistenmörderei" gewählt hatten, wie kläglich mag es dann mit ihren„Bestrebungen" erst im übrigen Deutschland aussehen. Wuskau, 2. November. Nachfolgend gebe ich Ihnen einiges über die hiesigen Schulverhältnisse, und können Sie aus diesem vielleicht etwas für den„Vorwärts" brauchen. In dem Anzeiger unseres Städtchens wurde in letzter Nummer bekannt gemacht, daß der Herr �Generalfuperintendent am Sonnabend eine Abend- andacht und Sonntag eine Prüfung sämmtlicher innerhalb der drei letzten Jahre confirmirten Knaben und Mädchen abhalten werde. Mag zu dieser Prüfung von den Kraben und Mädchen gehen wer Lust hat,— aber eine unerhörte Thatsache ist es, daß zu dieser Prüfung auch Schulknaben und Mädchen geschickt werden sollen, und diese, wie ich aus sicherer Quelle erfahren, 'jetzt die ganze Woche hindurch Religion üben. Gestern hatten B. Die Knaben der ersten und zweiten Klasse hiesiger Bürger- schule von Morgens 8 bis 12 Uhr und Nachmittag 1 bis 3 Uhr nur Religionsunterricht und müssen deshalb das praktische Rech- nen, Schreiben, Lesen, Geographie und Geometrie mit der doch gewiß nicht so nothwendigen Rcligionskunde vertauschen, und dies blos um der Prüfung wegen! Weiter! Vor ungefähr 10 Tagen hatten sich mehrere Schul- knaben im Alter von 13 bis 14 Jahren das Vergnügen gemacht, Abends auf der Straße Cigarren zu rauchen. Bei der Dunkel- hcit, die gerade an jenem Abende tiefe Finsterniß genannt wer- den konnte, hatten es die Schulknaben nicht bemerkt, daß ein Kaufmann auf sie zugegangen kam,— und die natürliche Folge davon war, daß dieser den von den Knaben weggeblasenen Dampf bemerkte und constatirte, daß die Knaben Cigarren rauchten. In einem Kneiplokal erzählte genannter Herr diese Angelegenheit einem Lehrer und wurden die Knaben in der Art bestrast, daß — hören und staunen Sie!— dieselben von Morgens halb 9 bis Mittags 12 Uhr und Nachmittags von 1 bis 3 Uhr in der Schulstube knieen mußten. Was geht den Knaben wohl dadurch verloren? 1) die körperliche Gesundheit und 2) S'/z Stunden Schulunterricht! (Wir tadeln das Rauchen bei den Kindern gewiß, doch scheint uns die Strafe durchaus unangemessen und das Maß einer ver- nünftigen Rüge weitaus überschreitend. R. d.„B.") Kirschöerg in Schlesien. Auch hier fängt die sozialistische Partei an immer mehr und mehr an Boden zu gewinnen, und im Verlauf von kurzer Zeit hoffen wir im Verein mit der be- nachbarten Ortschaft Cannersdorf ein Bollwerk der Sozialdemo- kratie zu schaffen. Vorerst haben wir einen Arbeiterwahlverein gegründet, der sich schon jetzt des besten Zuspruchs erfreut und bereits 70 Mitglieder zählt. Auch haben wir kürzlich zwei gut besuchte Versammlungen hier abgehalten, in denen M. Schle- sing er aus Breslau in wirkungsvoller Weise als Redner auf- trat. Gelingt es uns für die nächste Zeit, noch etliche Versamm- lungen mit gleich guten rednerischen Krräften zu arrangiren, so haben wir gewonnenes Spiel; hoffen wir das Beste. K. Heisenheim a. Hlh., 3. November. Wie verlautet, hat der Kassirer der hiesigen Vorschuß- und Creditbank eine Summe im Betrage von 28,000 Mark unterschlagen. Es wäre doch wirk- lich interessant, wenn man einmal erfahren könnte, wie viel Gelder auf diesem nicht niehr ungewöhnlichen Wege zu Verlust gegangen sind. Vielleicht ist Herr Schulze- Delitzsch, der Vater dieser Geldgenossenschaften, in der Lage, diesen Wunsch zu er- füllen; er weiß doch sonst so genau anzugeben, wie viele Hun- derte von Millionen seine Genossenschaften umgesetzt haben, warum sollte er nicht auch wissen, wie viel Tausende abhanden gekommen sind? Stollberg, 5. November. Den Parteigenossen des IS. sächsischen Wahlkrc>ses zur Nachricht, daß am 3. d. Mts. das Centralcomitö sich Hierselbst constituirt hat. Als Vertreter wurden gewählt: Conrad Frenz el, Vorsitzender; Otto Neubert, Stellvertreter; Ernst Lohse, Schriftführer; Clemens Beckert, Kassirer. Wir ersuchen alle Vertreter im Bezirk, ihre Adressen schleunigst an dem Borsitzenden einzusenden. Gleichzeitig fordern wir die Genossen auf, mit der Gründung von Fi- lialen in Betreff des Zeitungsunternehmens vorzugehen; und ihre Be- vollmächtigten uns sofort anzuzeigen. Es ist keine Zeit zu verlieren. Thue ein Jeder seine Pflicht. MZ. Den Genossen diene hiermit zur Kenntniß, daß wir jede Be- schlußfassung in Betreff einiger Veränderungen der letzten Lößnitzer Consercnz strengstens zurückweisen müssen. Wir werden uns blos nach den protokollarisch gefaßten Beichlüffen richten. Conrad Frenze!, Vorsitzender. Karlsruhe, 4. November. Allen Parteigenossen zur Nachricht, daß wir am 31. Ottober unseren Genossen Joseph Pfaffenholz, Schreiner aus Cöln, nach kurzem Leiden durch den Tod verloren haben. Unter zahlreicher Beiheiligung gaben ihm die Karlsruher Genoffen am 3. d. das letzte Geleit. Durch sein Wirken für die Panei hat sich Pfaffen- holz ein dauerndes Andenken erworben. R. Aufforderung. Auf Wunsch eines Juristen, der die Absicht hat, über die politischen Prozesse der letzten Jahre eine eingehende statistische und kritische Ab- Handlung zu schreiben, ersucht der Unterzeichnete alle politisch Verfolgten, ihm womöglich die gegen sie gefällten Urtheile mit den ErkennMiß- gründen, zum mindesten aber genaue Notizen über ihre Prozesse zu- gehen zu lassen. Für unbeschädigte Zurücksendung des gesammten Ma- terials wird garantirt. Leipzig, den 7. November 1877. Bruno Geiser, Plagwitzerstr. 29. Aufforderung an die Partei- und Gesinnungsgenossen in Trier und St. Johann! Da schon vielfach über die Person des Herrn Polizeicommissar Wirtz in St. Johann Aufklärung verlangt wurde, sehe auch ich mich genöthigt, an die Genossen in Trier und St. Johann die Frage zu richten, ob der genannte Herr Commiffar Wirtz vielleicht mit der Person identisch ist, die 18S5 als Gensdarm von Berlin nach Trier versetzt wurde dort als Commiffar fungirte und den Namen Peter Wirtz führte. Derjenige, welcher mir hierüber Auskunft geben kann, wird gebeten, diesbezügliche Antwort an mich gelangen zu lassen. Cöln. Johann Heesch, Follerstr. 14. Briefkasten. der Redaktion. H. L. Berlin: Nein! Die betreffenden Nummern sind abgesandt. der Expedition. Nesselbosch in Carlsruhe: Sie können Beides durch uns beziehen.— Julius Steudtner in Lückendorf: Ein Qrtsstatut erhalten Sie im Laufe dieser Woche zugesandt. Das stagliche Gedicht ist von Heinrich Heine.— Jeremias in Philadelphia: Bon Chr. Plank finden wir kein weiteres Buch, ein K. Ch. Planck hat von 1872— 7S verschiedene Bücher, aber nicht in diesem Genres herausgegeben. Hannover. Sonnabend, den 10. November, Abends halb 9 Uhr: �1,20 Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins. T.-O.: Neuwahl des gesammten Vorstandes und Commissionen. Der Präsident. Donnerstag, den 8. November, Abends>/,S Uhr, nn Saale des Hrn. Michael, gr. Windmühlenstr. 7: Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Rechnungsablage. Fragendiskussion. Der Agent.(60 Zu Weilmaclitsgesclienken geeignet! In unserem Verlage ist erschienen und durch alle Buchhandlungen, sowie durch unseren Commissionär Alwin Georgi(stüher Siegismund und Volkening) in Leipzig zu beziehen: VerlirechcnausGolddilrllundNache oder Ursache und Wirkung. Ein Charakter- und Zonenbild, unserer Jugend und dem Volke gewidmet zur nützlichen Unterhaltung und praktischen Belehrung über die gesellschaftlichen Zustände unserer Zeit von K. AmSach. Oktav. 8 Bogen stark, mit elegantem Umschlag. Preis: M. 1,20. Bei 10 Exemplaren 1 Freiexemplar und Rabatt. Inhalt: Vorrede.— Eine Menschcnversteigerung.— Verstand ohne Herz.— Die Sklavenpeitsche.— Ein Organ in der tropischen Zone. — Ein Negergericht in der rothen Felsenschlucht.— Eine teuflische List. — Verfehlte Lebensrechnung. Versendung nur gegen Baar oder Postnachnahme; bei Einzelexem- plaren wolle man den Betrag in Briefmarken einsenden. Der Kleinbürger und dieSozialdemokratie. Ein Mahntvort an die Kleingelverbtreibenden von Johann Woll. (Eine Gefängnißarbeit aus Plötzensee.) 4>/z Bogen stark, mit elegantem Umschlag. Preis: 50 Pf., in Partien billiger. Inhalt: Die Macht des Borurtheils.— Das Handwerk in der' Vergangenheit.— Das Handwerk in der Gegenwart.— Des Hand- werkers Klage über die Lohnarbeiter.— Illusionen.— Rothe Ge- spenster.— Revolutionsfieber.— Unsere Grundprinzipien.— Unsere politischen Forderungen.— Soziale Reformen.— Die Organisation der Klassen._ Arbeiter- Krankheiten. I. Schädliche Gase. II. Schädliche Dämpfe. Von A. Moralt. ä 10 Pf, in Partien billiger.(15,00 Bestellungen sind zu richten an die Volksbnchhandlnng von I. Endrcs in Augsburg. „Der arme Conrad." Jllustrirter Kalender für das arbeitende Volk pro 1878. (Dritter Jahrgang.) Gegen die Vorjahre bedeutend vergrößert(132 Seiten stark). Trotz der gediegenen und reichhaltigen Ausstattung kostet der Ka- lender geheftet nur 40 Pfg., gebunden und mit gutem Schreib- papier durchschossen 60 Pfg., gegen baar oder Postvorschuß. Den Bestellern von Einzel- Exemplaren ist anzuempfehlen, für jede» Exemplar brochirt 50 Pf., gebunden 70 Pf., einzusenden, wofür wir es frauco per Kreuzband zusenden. Die Lieferung des Kalenders erfolgt nur gegen baar oder Postnachnahme. Arei-Kzcempkare werden nicht aögegeöen. Auf Posten von 1 Tulicnd aufwärts berechnen wir S'-. ü f sf 1-----"«-• ßzcpedition des„vorwärts", Leipzig, Färberstraße 12/11. D-pediti-n der„Iackek", Leipzig, Kleine Fleischergasse 15. ßFpedition der„Ireien presse", Berlin, Kaiser Franz- Grena-- dierplatz Nr. 8a Neue Welt Heft 2 Jahrgang HI.(mit dem 1. Oktober a. c. beginnend) ist versandtfertig und wird nur auf ausdrückliche Bestellung geliefert.. Wir bitten also, rechtzeitig Nachr-cht hierher zu geben. Leipzig, den 27. Oktober 1377. Die Expedition der„Neuen Welt". Färberstr. 12. II. Die Angelegenheit mit dem sächsischen Siegesthaler ist erledigt. Cassel. Pfannkuch. Quittung. Esngrtn hixr Ann. 1,50. Brtgm Straßburg Ab. 2,50. Hrbg Würzburg Ab. 10,00. Frnhlz Leobersdorf Ab. 3,93. Krstnr Wien Ab. 3,25. I. Bll Philadelphia Ab. 50,00. Mrtn Schmölln Ab. 7,22. Schmdt Hannover Ab. 300,00. Brthn Treben Ab. 1,50. Orbg Gießen Ab. 6,30. Dln Verden Ab. 10,10. Drfld Lambrecht Ab. 2,80. F. Lud Hamburg d. G. 300,00. Grßm hier Ab. 6,00. Schlsngr Glauchau Schr. 21,50. Brtlng Mannheim Schr. 26,30. Gglr hier Schr. 3,60. Fonds für Gemaßregelte. Von C. Sch. hier 3.00. O. Grsch hier 1,70. Sozialdemokratischer Wahlvcrein. "Ptllvlllfz. Sonnabend, den 10 November, Abends halb 9 Uhr, im Lokal des Hrn. Beelen, Rathhausstraße: Geschlossene Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: Bortrag, Verschiedenes und Fragekasten. Zuin zahlreichen Besuch ladet ein(80 Der Vorsitzende. Prachtvoll und solid gearbeitete Einbanddecken (Goldpressung) für die „Nene Welt" Jahrgang 1876 u. 77 sind in Schwarz a Stück M. 1,20, in Roth M. 1,50 gegen baar oder Nachnahme durch die Buchbinderei von H. Jansen, LtiPzuj�. Universitätöstraße 16 zu beziehen. Colporieure und Filialexpeditionen erhalten bei Partiebezug entsprechenden Rabatt. Porto zu Lasten der Empfänger.„.. � NB. Bestellungen hierauf werden entgegengenommen und effekwirt von der Expedition der„Neuen Welt", Leipzig, Färberstr. 12 IQ Sozialistisches Centrai-Wlihi-Comits. Die Sitzungen des Eomites finden jeden Dienstag und Freitag Bor- mittag statt. Briese für dasselbe sind zu adressiren an die Sekretäre I. Auer oder C. Derossi. Pferdemarkt 37 III. in Hamburg. Geldsendungen sind zu richten an August Geib', Rödingsmarkt 18. in Hamburg. Verantwortlicher Redatteur: Hermann Helß ig in Reudnitz- Leipzigs Redaktion und Expedition Färberstraße 12/11. in Leipzig. Druck und Verlag der Genossenschastsbuchdruckerei in Leipzig.