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Tas Organ der Herren Konitzer, Mehring, v. Unruh und v. Sybel, die„Magdeburgische Zeitung", bringt nach der Bäh- mert'schen„Sozial- Correspondenz" einen Artikel unter obiger Ueberschrist, der folgendermaßen lautet: „Das dritte Heft der„Zukunft", jener„sozialistischen Revue", welche das Wesen und die Ziele des demokratischen Sozialismus in wissenschaftlicher Weise darlegen und vertheidigen will, macht eine merkwürdige Entdeckung. Sie schreibt, daß nichts irrthüm- licher sei, als das Axiom, daß die Begründung der sozialdemo- kratischen Forderungen mit der Werththeorie von Marx stehe und falle. Diese Theorie ist bekanntlich der Satz, daß die Arbeit allein die Quelle allen Reichthums sei oder, genauer ausgedrückt, daß der Werth aller Produkte sich an der in ihnen enthaltenen „werthbildenden Substanz", d. h. der Arbeit mesie. Auf Grund dieses„unwiderlegten und unwiderlegbaren Satzes" ist seit nun- mehr anderthalb Jahrzehnten der Unternehmergewinn als ein „Raub" an den Arbeitern in allen Tonarten geschildert worden, und es liegt für den einfachsten Verstand auf der Hand, daß wenn die Sozialdemokratie überhaupt Recht hätte, sie es nur auf Grund der Richtigkeit dieser Theorie haben könnte. Marx selbst, Lassalle, Dühring, Schäffle, F. A. Lange, kurzum alle wissenschaftlichen Sozialisten haben in ihr den Eck- und Grundstein des modernen Communismus erkannt, und so sehr war die deutsche Sozialdemokratie derselben Meinung, daß sie die These an die Spitze des Gothaer, noch heute giltigen Pro- gramms von 1875 stellte. Nunmehr erklärt die„Zukunft", daß „nichts irrthümlicher sei", als dem Satze von Marx eine grund- legende Bedeutung beizulegen. Diese Schweukung ist über- raschend, aber sie ist nicht unerklärlich. Seit fünfzehn Jahren haben sich antisozialistische Männer der Wissenschaft müde ge- schrieben und gesprochen, um die Hinfälligkeit der Werththeorie von Marx nachzuweisen und sie haben es mit den überzeugend- sten Gründen gethan. Thut nichts, sie blieb„unwiderlegbar und' unwiderlegt". Neuerdings aber haben mehr oder minder sozialistenfreundliche Schriftsteller, wie F. A. Lange, Dühring, Schäffle, Samter den gleichen Nachweis geführt und nun droht das Blendwert so zu verblassen, daß es für agitatorische Zwecke nicht mehr benutzbar ist. Heute wird für „Jrrthum" erklärt, was, wenn es gestern bestritten wurde, nur von der„Unwissenheit und Niedertracht" bestritten werden konnte." Der„Zukunft" überlassen wir natürlich, die direkte Fälschung, welche in obiger konfuftn Notiz liegt, näher nachzuweisen. Wir bemerken nur, daß die„Zukunft", wie aus dem Schlußsatze der Nottz hervorzugehen scheint, nirgends die Marx'sche Werththcorie als einen Jrrthum erklärt hat, sondern nur behauptet, daß die Begründung der sozialistischen Forderungen nicht nur auf dieser Theorie beruhe, daß dieselbe nicht mit ihr stehe und falle. Ueber die Richtigkeit oder Unrichtigkeit dieser Ansicht, in solcher Form ausgedrückt, wollen wir hier nicht rechten, aber die„Magdcburgische Zeitung" fälscht solche Bemerkung flottweg dahin, als habe die„Zukunft" die Marx'sche Werththeorie selbst als einen Jrrthum bezeichnet. Doch betrachten wir uns das Artikelchen der Herren Böhmert, i Konitzer, Mehring und Genossen weiter. Dühring, Schäffle, F. A. Lange werden zuerst als „wissenschaftliche Sozialisten" bezeichnet, welche in der Marx'schen Werththeorie„den Eck- und Grundstein des modernen Commu- nismus" erkannt haben; einige Zeilen weiter unten werden die- selben Namen als„mehr oder minder sozialistenfreundliche Schriftsteller" angeführt, welche„neuerdings" sich gegen die Marx'sche Werththeorie gewandt haben. Sind nun dieselben Namen auch dieselben Personen? Wir kennen eben unter jenen Namen nur immer eine und dieselbe Person— haben sich denn diese Personen früher anders zu der obliegenden Frage gestellt? Nein! Besonders Schäffle hat die Marx'sche Wcrthlhcoric immer bekämpft und sich erst neuer- dings(Anmerkung zur dritten Auflage: Die Quintessenz des Sozialismus) etwas mehr mit derselben befreundet. F. A. Lange aber ist schon einige Jahre todt und kann somit„neuer- dings" keinen Nachweis mehr geführt haben. Von Dühring wollen wir hier schweigen— Friedrich Engels wird weiter über ihn reden. � Aber ist es nicht unerhört, wenn solche Fälschungen in einer großen liberalen Zeitung, in der„Magdeburgischen", von Viktor Böhmert gar nicht zu reden, vorkommen? Lügt diese Gesellschaft frech darauf los, daß drei Männer der Wissenschaft früher auf die Marx'sche Werththeorie geschwo- ren und neuerdings dieselbe verneint hätten! Und da soll man noch immer nicht von„Unwissenheit und Niedertracht" sprechen dürfen? Die englischen Trades Unions. i. Seit der Volksversammlung von Kennington Common*), am lO. April 1848, die das letzte Ausflackern des durch die fran- jösische Februarrevolution noch einmal in künstliches Leben gal- danistrtcn Chartismus war, hat England keine ernsthafte politische Bewegung gehabt. Der brave Ernst Jones, der wegen einer Bede auf jener Versammlung zu zweijährigem Kerker verurthcilt, und im Gefängniß wahrhaft niederträchtig malträtirt wurde, versuchte nach seiner Freilassung die Asche des Chartismus wieder . ,.*) Ein freier Platz im südlichen Theil Londons, jetzt als ösfent- "cher Park angelegt. anzublasen, aber umsonst: und dasselbe Schicksal hatten alle an- deren Versuche von anderer mehr oder weniger berufener Seite. Das liberale Bürgerthum brachte wiederholt die Reformfrage auf die Tagesordnung, indeß es handelte sich immer nur um jämmerliche Flickmaßregeln, für die sich mit Ach und Krach der nöthige Chorus zusammentrommeln ließ. Die Massen, das heißt die Arbeiter als Klasse, blieben fern. Aus der Erfolglosigkeit der chartistischen Bewegung— der umfassendsten politischen Be- wegung des Proletariats, welche die Geschichte bis jetzt zu ver- zeichnen hat— hatten sie, statt die Ursachen jenes Fiaskos zu erklären und dann die begangenen Fehler zu vermeiden, den vorschnellen Schluß gezogen, die Arbeiter als Klasse hätten sich überhaupt nicht mit Politik zu befassen, wenigstens sei ihnen die Politik nur von sehr sekundärer Bedeutung; der Schwerpunkt liege in der ökonomischen Frage, und auf die rein soziale Bewegung müsse daher das Haupt-, wo nicht das einzige Gewicht gelegt werden. Das Proletariat in den Gewerkschaften zum sozialen Kampf organifiren, und mit Hilfe der Gewerkschaften die Arbeit gegen die Uebergriffe des Kapitals schützen— darauf warf man sich mit ganzer Kraft. Und jeder Unbefangene muß zugeben: ebenso wie das englische Proletariat vor 1348 das Höchste in politischer Agitation geleistet hat, so hat es nach 1848 das Höchste in so- zialer Organisation geleistet. Wie die Ziffern des Chartisten- deers, so erfüllt die Mitgliedcrzahl der Trades Unionsarmee uns mit Staunen— mit einem Staunen, das blos übertroffen wird durch die Bewunderung der musterhaften Ordnung und Pünktlich- keit in diesen Riesen gewerkschoften. Da find die„Arbeiter- bataillone" Wahrheit geworden! Da find hundert echte, wirkliche, wohldisziplinirte Arbeiterbataillone, die zusammen eine Armee bilden, und doppelt größer als die, welche Napoleon im Jahre 1812 nach Rußland führte— nahezu eine Million Männer, Jeder von dem gleichen Gedanken beseelt, Jeder den Blick aus das gleiche Ziel gerichtet, Jeder entschlossen, sein Möglichstes zu thun, um dieses Ziel zu erreichen!— Wo ist die Macht, welche einer solchen Armee widerstehen könnte? Wo die Aufgabe, der eine solche Armee nicht gewachsen wäre? England ist thatsächlich in ihrer Gewalt; und England ist der Mittelpunkt, i» England der Hebel der ökonomischen Revolution. Ja, thalsächlich in ihrer Gewalt. Staat und Ge- sellschaft sind wie weiches Wachs in den Titanenhänden des organi- sirtcn Proletariats, das in England thatsächlich politische Allmacht hat. Thatsächlich— aber wirklich? Das weiche Wachs liegt unberührt vor den Titanenhänden, statt daß sie es gepackt hätten und zurechtknctcten nach ihrem Willen und Bedürfniß. Die Fabel des Tantalus wiederholt sich da drüben in dem meerum- gürteten Albion, nur mit einem wesentlichen Unterschied. Der fluchbeladene Heros der griechischen Fabelwclt dürstet und hun- gert, weil eine unsichtbare Zauberkraft ihm die goldenen Früchte wegreißt, sobald er sie mit den Lippen erfassen will, die silberne Wasserfluth, die ihn umwogt, zurückflichen läßt, sobald er sich, lechzend, nach ihr niederbeugt. Dagegen der— ohne seine Schuld — fluchbeladene Heros der modernen Welt hungert und dürstet inmitten der goldenen Früchte, inmitten des silbcrstroms, weil er— die Hand nicht ausstreckt, die Lippen nicht öffnet, um Hunger und Durst zu stillen! Was ihn hindert, den winkenden Ueberfluß zu genießen, das ist nicht die Kraft irgend eines äußeren Zaubers: der Dämon, der diesem Tantalus die Faust lähmt, sie unfähig macht, das in ihrem Bereich liegende Glück zu haschen, wohnt nicht im Himmel, nicht im Tartarus*), er wohnt»n des Tantalus eigener Brust und heißt: Selbsttäuschung. Nicht als ob wir das englische Proletariat unter die Arbeiter der anderen Ländir zu setzen gedächten. Im Gegentheil. Ueber- all, allüberall ist das Proletariat ein solch freiwilliger Tantalus, und nirgends sonst hat es, wie wir schon angedeutet, auch nur annähernd geleistet, was in England von den Arbeitern geleistet worden ist. Vergleichungsweise steht unstrcittg das englische Proletariat— was bei den entwickelteren industriellen Verhält- nissen naturgemäß,— an politischer und sozialer Erkenntniß über dem Proletariat anderer Länder— wohlgemerkt: als Ganzes genommen, und die Summe der Erkenntniß nach der Summe der Erkennenden berechnet. Blos wenn man Letzteres thut, kann man zu einer gerechten Würdigung kommen. In Teutschland z. B. haben die sozialdemokratischen Arbeiter weit correktere Ansichten, betreffend die politische Stellung des Proletariats, als im Durchschnitt die englischen Tradesunionisten; aber der engli- schen Tradesunionisten sind Hunderttausende, und der deutschen orga- nisirten Sozialdemokraten nur Zehntausende; unter den Hundert taufenden englischer Tradesunionisten sind Tausende, die den Stand- punkt der deutschen Sozialdemokraten theilen, an politischer Bil- dung ihnen mindestens gewachsen sind; und während die Hundert- tausende englischer Tradesunionisten das gesammte englische Pro- letariat vertreten, welches die Majorität der englischen Bevölkerung bildet, vertreten die Zehntausende deutscher Sozialdemokraten nur eine Minderheit des deutschen Proletariats, welches nicht die Majorität, sondern nur eine Minderheit der deutschen Bevölkerung bildet. Wir deutschen Sozialdemokraten müssen die Masse des deutschen Proletariats erst in die Bewegung hineinziehen. In England ist das ganze Proletariat in der Bewegung, und ist das ganze Proletariat organisirt. Das englische Proletariat hat die thatsächliche Macht, die wir erst durch mühsame Agitation und Propaganda zu erwerben haben. Ihm fehlt blos der Wille, seine Macht zu gebrauchen. Und der Wille fehlt ihm, weil es noch in der Selbsttäuschung befangen ist, die Emanzipation des Proletariats lasse sich durch gewerkschaftliche Organisation, ohne politischen Kampf, erreichen; weil es noch in dem Wahn sich wiegt, es sei möglich, innerhalb des heutigen Staats und inner- halb der heutigen Gesellschaft mit Hilfe der corporativen Ver- einigung aller Arbeiter das Joch des Kapitals zu brechen, und der Arbeit zu ihrem Recht zu verhelfen. Illusionen über praklische Dinge sind nur durch die Praxis zu tödten. Falsche politische und soziale Ideen leben so lange, bis sie Zeit gehabt, sich prattisch zu versuchen. Keine Polizei, kein Standgericht, keine theoretische Polemik kann dieses geistige Hinrichtungsamt versehn, das ausschließlich der Praxis zusteht. Jede zerstörte Illusion ist aber ein Schritt näher zum Ziel; der Weg zum Sieg ist mit überwundenen Jrrthümcrn gepflastert. Und dieser letzte große Jrrthum, diese blendende, bethörende, lähmende Illusion, die als täuschende Fata Morgana das englische Proletariat nun so manches Jahr vor der Schwelle des frucht- baren Landes mit den goldenen Acpfeln und den sprudelnden Silberquellen festgebannt, und in der sandigen, dürren Wüste zurückgehalten hat— dieser Glaube an die allein seligmachende Kirche der Trades Union sängt jetzt an erschüttert zu werden. Er zerbröckelt sich an dem harten Granit der Praxis. Die allein scligmachende Kirche hat alle Bedingungen des überschwenglicksten Erfolgs gehabt— und wo ist die Seligkeit? Zu größerer Vol- lendung lassen sich die Gewerkschaften nicht entwickeln, nie und nirgends hat das Proletariat über eine Organisation von ahn- licher Stärke und Schlagfertigkeit verfügt— und was ist tas Resultat? Der colossale Dampfhammer hat nicht eine Eierschale geknickt. Das Basiliskenei der Lohnsklaverei ist ganz unversehrt. Einzelunterdrückung ist seltener geworden, die Massenunterdrückung dauert ungeschwächt fort. Kurz, die Wahrheit läßt sich nicht mehr zurückweisen: die Gewerkschaften haben nicht erwirkt, was die englischen Arbeiter sich von ihnen versprachen. Noch sträubt man sich gegen die Wahrheit— auf eine Illusion zu verzichten ist so schwer; aber die Roth ist eine unerbittliche Zucht- und Lchrmeisterin. In England hat aber die rein gewerkschaftliche Organisation die höchste Vollkommenheit erreicht, deren sie fähig ist. Das Scheitern der reingewerkschaftlichen Organisation über- Haupt: die absolute Unmöglichkeit der an sich widersinnigen Auf- gäbe, mit Beibehaltung des Lohnverhältnisses die Lohnsklaverei zu beseitigen, ist durch die Erfahrung auf dem großar'iast-". Maßstab festgestellt. ozialpolitisch- Ueberstcht. — Der Erbfeind. Wenn kriegslustige deutsche Blätter oder Philister vom„Erbfeind" jenseits des Rheins sprachen, dann machten sich die anständigeren Männer aller Parteien über eine solche Absurdität lustig und spöttisch tönte es zuück vom schnapsvertilgcndcn und talglichtsressenden„Erbfreund". Wenn nun aber gar ein Blatt, der„Gewerkverein" des Ritters Max von La Mancha durch den Sancho Polle den„Erbfeind" schon diesseits des Rheins herausgewittert hat, dann ist die Absurdität schon in Hirnerweichnng übergegangen— doch drucken wir zur Erbauung unserer Leser den belrcffcnden Satz aus Nr. 45 des „Gewerkvereins"(der Artikel ist unterzeichnet H. P.) hier zunächst ab: „Da haben sich kürzlich in Gera Männer aller liberalen Parteien, die bisher in den wichtigsten Lebensfragen der Nation getrennt marschirten, zu dem bedeutsamen Zweck zusammenge- sunden, in einer der das deutsche Volk, die ganze deutsche Cul- tur eng berührenden Sache eine Einigung zu erzielen, um den gemeinsamen Erbfeind gemeinsam zu Boden zu schla- gen, haben sich auch nach leichter Ueberwindung der vorhan- denen Dissonanzen die Hand gereicht, um ein Werk zu vollführen, das den Nachbarvölkern zur Nachachtung gereichen sollte— und nun müssen eben diese Männer die Erfahrung machen, daß sie nicht Recht gethan, weil sie nicht all' die besonderen Wünsche der kleinen Gernegroße berücksichtigt, weil sie nicht die Ansichten beschränkter Köpfe zu den ihrigen gemacht haben!" Daß die anwesenden �nationalliberalen Sanchos von dem fortschrlttlichcu mit den Schmeichelnamen„kleine Gernegroße", „beschränkte Köpfe" bedacht werden, das rührt uns ebensowenig, als wenn ein Esel den andern Langohr schimpft: wir haben es hier nur mit dem Erbfeind zu thun.— Die Sozialdemokratie also ist der Erbfeind des deutschen Volkes, der zu Boden ge- schlagen werden muß— mit Laskerknüppcln und mit der Hans- wurstenpritsche der Herren Hirsch und Polke, dieser„Erbfreunde" des deutschen Volkes.— Das arbeitende Volk aber kennt seine „Erbfreunde", die genau so wie der russische„Erbsreund", wenn es etwas zu„theilen" giebt, den Löwenantheil nehmen, die ledig als lich sich als„Freunde" des arbeitenden Volkes gebehrden, um dasselbe bis auf's Hemd auszuziehen. Vor solchen„Erbfreun- den" wird sich das Volk schon zu schützen wissen. Mit dem Niederschlagen des sozialdemokratischen„Erbfeindes" hat es übrigens noch gute Weile, da sich sämmtlichc großprahlerische Sozialistentödter, die in Gera den Beschluß faßten, den Sozial- demokraten überall entgegenzutreten, in die Mäuselöcher vcrkro- chen zu haben scheinen. *) Die Unterwelt der Alten. — Durch die Nachricht unseres rumänischen Correspon- denten, daß 2000 deutsche Offiziere und Soldaten den Russen freundnachbarlich— abgelassen ivorden seien, hat das preußische Kriegsministcrium sich beleidigt gefühlt und bekanntlich Klage gegen uns angestrengt. Voraussichtlich werden wir Leidenscollegen erhalten. In einem Kriegsbriefe der Augsburger„Allgemeinen Zeitung", der von Gorni-Dubnik nach der Einnahme des betreffenden Ortes geschrieben, die Möglichkeit eines Wiedereroberungsver- suchs durch die Türken erwägt, heißt es wörtlich: „Die Dispositionen für den eventuellen Angriff leitete Major von Lignitz im Verein mit einem russl- schen Generalstabsobersten in folgender Weise.. Herr v. Lignitz ist preußischer Offizier, derselbe, auf dessen einseitige Auslage hin Fürst Bismarck seine verunglückte Huma- M—. nitätsvote nach �oustantinopel adressirie. Natürlich wird nun Herr v. Kamecke auch die Augsburger„Allgemeine Zeitung" der- klagen. Und wir— wir haben einen classischen Entlastungs- zeugen gefunden, dessen Vernehmung wir sofort beantragen wer- den, Herr v. Lignitz soll uns bessere Dienste thun, als er dem Fürsten Bismarck gethan hat. — Zur„Harmonie zwischen Kapital und Arbeit", bringt das„Leipziger Tageblatt", gewiß ein unverdächtiger Zeuge, in einem Bericht über die jüngste Generalversammlung des in Liquidation befindlichen Potschappcler Aktienvereins nach- stehende drastische Illustration: „.... Der Herr Vorsitzende brachte sodann eine Ein- gäbe der Vertreter und Vormünder der Wittwen und Waisen jener 24 Bergleute, welche am 10. December 1876 im Windbergschachte durch schlagende Wetter um's Leben gekommen sind, zur Kenntniß der Generalversamm- lung. Der Inhalt dieser Eingabe, welche das Elend der armen Hinterlassenen in grellen Farben schilderte, hätte Steine er- weichen müssen, fand aber bei der Mehrzahl der Erschiene- nen eine keineswegs sympathische Ausnahme. Es wurde in jener Eingabe gebeten, den armen Hinterlassenen seitens des Werkes eine freiwillige einmalige Unterstützung zu gewähren, nachdem die behördliche Untersuchung dargethan, daß weder die Actiengesellschaft, noch die Leipziger Unfall-Versicherungsgesell- schaft zu irgend welcher Leistung rechtlich verpflichtet sei und nachdem von beiden Gesellschaften freiwillig zur Linderung der Roth der Hinterbliebenen nicht das Mindeste geschehen. Die Liquidatoren befürworteten, den Hinterbliebenen eine Unter- fintzung von 2500 Mk. zu bewilligen, so daß auf eine der be- theiligten Familien ca. 100 Mk. entfallen wären. Hr. Schrift- steller Bromme(Berichterstatter der„Berliner Börsen-Zeitung") sprach zunächst gegen diese Bewilligung. Derselbe meinte, daß, wenn man nur das Herz sprechen lassen wollte, wohl kein Mensch sich gegen die erbetene Unterstützung erklären würde. Man wisse aber gar noch nicht, ob und was auf die Actien entfalle und somit habe man Nichts zu verschenken. Derselbe warf die Frage auf, ob es begründet sei, daß die Vormünder der Waisen der verunglückten Bergleute gegen den Verkauf des dem Verein gehörigen Rittergutes Protest erhoben hätteu, um die Ansprüche ihrer Mündel zu wahren. Vom grünen Tische aus mußte das allerdings zugestanden werden, es wurde aber hierzu ausdrücklich bemerft, daß die Vormünder nicht einseitig, sondern auf ausdrückliche Veranlassung der Obervormundschaftsbehörde den Protest erhoben hätten. Der eingelegte Protest habe den Liquidatoren infoftm schwere Stunden gemacht, als die Uebergabe des verkauften Rittergutes um volle 2 Monate hingezogen worden sei und erst nacb Beendigung der behördlichen Untersuchung habe erfolgen können. Ein Actionär verwandte sich warm für die Bewilligung und betonte, daß auf die Actie nur kaum eine Mark entfalle. Ein anderer, sehr wohlhäbig aussehender Actionär war für Ablehnung, in Rücksicht auf die Scbädigung der Ge- sellschaft durch Verzögerung des Ritterguts-Berkaufs.— Herr Rittergutsbesitzer v. Beust stellte endlich den Antrag:„zur Unter- stützung der Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute 2500 Mk. zu bewilligen und die Verwendung dieses Betrages der Verwal- tung zu überlassen". In Zettelabstimmung wurde dieser Antrag mit 30 gegen 23 Stimmen abgelehnt!— Wir können dieses Abstimmungsresultat nur auftichtig bedauern, es giebt dasselbe nur neues Material für das Kapitel der Sozialdemokraten über „Kapital und Arbeit"."-- Allerdings, liebes„Tageblatt". Und königlich. Verzeihung. wir wollten" sagen: eckt sozialdemokratisch freuen wir uns, daß ein feindliches Organ uns das so brauchbare Material liefern muß! Daß dies vom„Tageblatt"„bedauert" wird, glauben wir gern. Nickt aber, daß das„Tageblatt" das System, die Zustände„bedauert", deren nothwendige Frucht derarttge Vor- kommnisse sind; andernfalls müßte es die Bestrebungen der Sozial- Demokratie als berechtigt anerkennen und nach Kräften unter- stützen, anstatt wie ein Rohrsperling gegen uns zu schimpfen und durch Abdruck der Böhmert'schen Sudeleien Attentate auf den gesunden Menschenverstand zu begehn. — Professorale Frechheit. Die„Mazdeburgische Zei- tung" bringt folgende„Erklärung": Eine verschämte Schamlosigkeit. Die anfänglich von Oscar Blumenthal, zur Zeit von Herrn Ernst Ecküein(dem Paneqyriker des Herrn Hoftath vor: Gott- schall) r � igirte„Deutsche Dichterhalle" wendet sich nicht blos an die Cr5. der gebildeten Welt, sondern erfreut sich auch der Gönnerschaft der„kunstsinnigen" kleinen Höfe. Wir verwahren uns ausdrücklich gegen die Unterstellung, als wollten wir damit auf die überaus zarten, privaten Beziehungen anspielen, die auf indirektem Wege zwischen dem Besitzer der Verlagsbuchhandlung und dem Träger der ältesten deutschen Fürstenkrone bestanden, bis sie sich auf etwas romanhafte Weise aus den anfänglichen Redakteur der Dichterhalle übertrugen— wir wollten nur be- tonen, daß Herrn W. French, dem Inhaber der Firma Joh. Fried-. Hartttioch, in Anerkennung der Verdienste, die er sich durch die Herausgabe der„Dichterhalle" erworben, das Verdienst- kreuz des Sächs.-Ernest. Hausordens verliehen wurde und daß mau. andrerseits, aus Rücksicht auf d e wohlgeneigten Leser an den Höfen, vor einigen Jahren in den für sie bestimmten Exem- plaren ein ziemlich zahmes Gedicht an Hecker unterdrückte und dur ein andres, für monarchisch-organisirte Ohren weniger an- stößiges ersetzte, während es in den übrigen Exemplaren der Nummer stehen blieb. Es erscheint nicht überflüssig, diese Bemerkungen vorauszu- schicken und die Stellung des Blattes zu constatireu und ließe sich vielleicht noch hinzufügen, daß es selbstverständlich mehr auf Leserinnen, als auf Leser rechnen muß. Welche Schlüsse soll man aber daraus ziehen, wenn Herr Ernst Eckstein sich erlauben darf, diesen zarten Leserinnen eine colossale Zote aufzutischen, deren Schamlosigkeit nur eine schwache Milderung dadurch erfährt, daß Herr Eckstein es für gut befunden hat. seinen„Traum" entweder gleich englisch zu erzählen, oder ihn klugerweise aus dem ehrlichen Deutsch in das minder anstößige Englisch zu übersetzen? Herr Ernst Eckstein hat also einen Traum, einen höchst wunderbaren(most mouärous) Traum. Wunderbar erscheint uns allerdings nur, daß er es für passend hält, diesen Traum zu versificiren, höchst wunderbar, daß er seine Versification aus dem heimlichen Dunkel des Schreibtisch» zieht, um sie dem Lichte des Tages auszusetzen. Der Traum selbst hat absolut nichts Wunderbares; er wurzelt in einem allgemein bekannten und wenig angenehmen physischen Zustand, dem eine ausgesprochene Abspannung und Niedergeschlagenheit zu folgen pflegt. Aller- dings hat es das Verdienst der Neuheit, auch die Hallucinationen, von oenen dieser Zustand in seiner Gipfelung begleitet zu sein pflegt, für die Poesie zu verwerthen. Es will uns freilich scheinen, als habe dies Herr Eckstein wenigstens mit allzu naturwüchsiger Plumpheit und Deutlichkeit versucht„ indessen— Herr Eckstein >„Ich erhalte so eben von dem löbl. Bürgerverein der Stadt Magdeburg die Einladung, am 15. ds. M. in einer von dem- selben berufenen Urwählers ersammlung zu erscheinen und dort Bericht zu erstatten: ob ich„das vom deutschen Berein organisirte System bezahlter Spionage mißbillige", und ob ich„mit einem vom Gerichte selbst als gefährlich und verderblich bezeichneten Vorgehen keinerlei, auch nur moralischen Zusammenhang habe". Wenn ich recht unterrichtet bin, waren die hier auftretenden Fragesteller eifrige Gegner der Wahl, durch welche ich mein jetziges ehrenvolles Mandat erhalten habe. Ihnen gegenüber habe ich nur eine Erwiderung: für jeden rechtschaffen Mann ist die Frage, ob er eine angeblich vorgekommene Nichtswürdig- keit billige oder damit Zusammenhang habe, eine Beleidigung, auf die es keine Antwort giebt. Meine geehrten Wähler verstatte ich mir, zur Sache auf meine parlamentarischen Erklärungen(S. 38 und 210 der steno- grapischen Berichte des Abgeordnetenhauses) zu verweisen, wo ich die völlige Nichtigkeit und Grundlosigkeit jener ultramontanen Verleumdungen dargelegt habe. Berlin, 10. November 1877. Heinrich v. Sybel." „Angeblich" vorgekommene Nichtswürdigkeit! Das ist wahr- lich frech. Konitzer, der Spion des„Deutschen Vereins" ist in zwei Instanzen von den Gerichten verurtheilt worden und zwar wegen Erpressungsversuch im Zusammenhange mit der Spionage, die er für den„Deutschen Verein"(Ehrenpräsident von Sybel) für Bezahlung ausübte— und dann noch immer„angebliche" Nichtswürdigkeit. Kann man sich da noch wundern, daß dieser Herr Professor v. Sybel auch die Geschichte gefälscht hat. Doch es nützt dem Manne nichts, und wenn er auch noch so frech-feige und hochtrabende Erklärungen erläßt: „Der Konitzer hängt ihm hinten!" — lieber„Gesundheitsverhältnisse" erhalten wir aus Jena folgende Zuschrift: „Anknüpfend an die Notiz in Nr. 131 des„Borw.":„Zur Professorenweisheit", sei es mir nochmals gestattet, über die Ge- sundheitsverhältnisse zwischen der wohlhabenden und armen Klasse die Worte von Männern anzuführen, die mit Recht eines be- deutenden Rufes in der medizinischen Welt sich erfteuen, um den Professor Billroth'schen Ausspruch zu widerlegen. Die Herren Uhle und Wagner(Letzterer ist unlängst an Stelle des Verstor- benen Professors Wunderlich als Direktor der Leipziger Klinik für innere Krankheiten berufen) schreiben in- ihrem vorttefflichen Handbuche der allgemeinen Pathologie(Seite 108, 4. Aufl.) in Bezug auf das erwähnte Thema:„Die Wohlhabenden haben eine ungleich längere Lebensdauer als die Aermeren. Bon 1000 Armen find nach Casper in Berlin schon im 5. Lebensjahre ein Drittel gestorben, von 1000 Vornehmen und Reichen war das Drittel noch nicht einmal im 40. Jahre todt. Die Hälfte der Armen überlebte das 30., die Hälfte der Reichen das 50. Jahr. In England sind die Peers ganz ungeheuer begüningt, die Gentry(Edclleute überhaupt) stehen noch weit über den Kaufleuten, die Kaufleute über den Arbeitern in Be- treff der Lebensdauer." Zu dem obigen Citat ist jeder Com- mentar überflüssig. Man halte die Thatsache fest, daß der Ar- beiter, der im halbhungernden Zustande erhalten wird, um mehr als die Hälfte seines Lebens beraubt wird durch eine soziale Ordnung, die selbst in den sogenannten liberalen Kreisen die eiftigsten Verfechter findet. Die soziale Frage wird die Magen- frage genannt; ganz recht! aber sie bezweckt auch dem Massen- morde der Menschheit— ich setze hinzu indirekten— hervorge- rufen durch eine der Humanität hohnsprechende Staatsorgani- sation, Einhalt zu thun. y...z. — Die Majorität des französischen Senats ist dafür, daß der Marschall Mac Mahon durchaus Präsident der Re- publik bleibe; sie wird sogar eventuellen Falles für eine zweite Kammerauflösung sick erklären. Das Organ Gambetta's, die „Republique Franyaise", hält eine solche Auflösung für ver- fassungswidrig und glaubt, daß die Kammer sich solcher Auf- lösung widersetzen und nur der Waffengewalt weichen würde. Das ist sehr heroisch— besonders das„weichen"; aber was kennt den Geschmack des Publikums, dem er alle vierzehn Tage eine neue Spende seiner keuschen Muse darreicht und vielleicht ist er ganz ohne Sorge über die Aufnahme seines Gedichts und glaubt mit Grund, daß dasselbe seine Beliebtheit steigern werde: er wird das besser wissen als wir und zuckt vielleicht zu unfern Bedenken überlegen lächelnd die Achseln. Das müssen wir nun freilich gestehen, daß wir uns nicht entschließen können, auch nur die Kritik seines Traumes in der„Neuen Welt" den Frauen und Mädchen des Volks zugänglich zu machen, und daß wir mit gutem Vorbedacht für die Brandmarkung dieses„Dichters" uns den„Vorwärts" ausersehen: es giebt gewisse Dinge, die man, so lange man kein Ernst Eckstein ist, den Blicken achtbarer Frauen und unschuldiger Mädchen nach Möglichkeit entzieht. In der zweiten Zeile des Gedicht» bereits sieht Herr Ernst Eckste:» seine geliebte Sophia zu Pferde und— nackt bis an die Hüften(bare unto tbe hips) und diese Nacktheit wird einige Zeilen später dahin erweitert, daß„nackt wie ihre theure Brust und ihr Nacken auch ihre beiden Füße waren"(bare as ber ctear breast anä nveü rvere bolh Lei- feet) und das wallende Himmel- blaue Rcitgewand fließt zwar herab bis zu den Knöcheln, ist aber anscheinend bemüht, seinen Berus als Kleidungsstück nicht allzu ernst zu nehmen. Fräulein Sophia erpreßt ihrem Schil- derer und Geliebten eine glühende Beschreibung der Reize ihres Busens, der schön und rund(kair anä reunä) erscheint, wenn der das Pferd zügelnde nackte Arin sich gegen die rechte Brust preßt; dieser Busen ist weiß wie eine Flocke Gebirgsschnee, aber doch so warm in der Färbung, so anbetungswürdig!(evben bei- nakeä arm was pressed against tbe side of her rignt breast; white was it as a flake of Mountain snow, yet oh how wann in Lue, how soothing, worth adoring.) Fräulein Sophia reitet aus unerfindlichen Ursachen ein nachtschwarzes Pferd— auf einem andern, aber schneeweißen Roß thront Herr Ernst Eckstein mit traurigem Blick wie immer, und zur Gesellschaft— ebenfalls nackt bis an die Lenden(I too was bare unto the loins; sad was rny look as ever). Sie reiten durch die morgenlichen stillen Straßen, drei alte Weiber sehen ihnen spöttisch grinsend nach. Wenn wir aber nun erwarten, daß die beiden so ungenügend bekleideten Reiter möglichst bald ins Freie zu gelangen suchen, so irren wir; es ist ihnen im Gegentheil um eine Demonsttatton zu thun. Es wird lebendig in der Stadt, der Marktplatz füllt sich mit Volk, das sie„wie zwei Ungeheuer" anstarrt; mitten unter die flüsternd die Köpfe zusammen steckenden Beamten und Offiziere, Commis und Geistlichen treibt Fräulein Sophia ihr Pferd und ihr Geliebter thut desgleichen; dort, vor aller Welt, legt er den nackten Arm um ihre nackte Taille und küßt ihren brennenden Nacken und ihren blühenden Mund; sein bezaubertes Auge begegnet einem schamvollen Blick; Gesicht und Nacken, ja dann? Glauben die Herren Bourgeoisrepublikaner, daß das Volk für sie und ihre„Republik" auf die Barrikaden steigen würde? Täuschung, nichts als Täuschung. Und so werden die Herren„Republikaner" sich mit dem Hrn. von Mac Mahon, � nachdem sich letzterer der Majorität im Senat versichert, nachdem der einflußreiche Senator und Marschall Canrobert ihm seine Ergebenheit noch besonders betont hat, nach dem alten Sprich- wort:„Pack schlägt sich. Pack verträgt sich", schon wieder ver- tragen und gemeinsam das Volk und die Freiheit betrügen, so lange, bis das Volk des Betruges müde, die ganze Gesellschaft beim Kragen nimmt und die conservativen und„republikanischen" Communemörder zum Teufel jagt. — Am Lordmayor's-Bankett in London(9. November) hielt der englische Ministerpräsident Disraeli(mit seinem Titel: Lord Bcaconsfield) nach landesüblicher Sitte eine lange polittsche Rede und sprach sich darin über den Stand der orientalischen Frage mit einer Schärfe aus, die in dem russischen Lager das Gegentheil von Beftiedigung erzeugt hat und erzeugen mußte. Er erinnerte daran, daß der Czar sein kaiserliches Wort und seine Ehre verpfändet habe, in diesem Krieg keine Eroberungen zu machen, und führte dann aus, wie der bis- herige Verlauf des Kriegs die Lebenskraft und Existenzfähigkeit der Türkei bewiesen habe. Da die russische Regierung den Krieg ihren ausdrücklichen Versicherungen gemäß nur unternommen habe, um die Lage der in der Türkei lebenden Christen zu ver- bessern, und da die türkische Regierung sich auf das Positivste zu Reformen in diesem Sinne bereit erklärt habe, so sei kein vernünftiger Grund für Fortsetzung des Kriegs vorhanden; er hoffe, daß die Zeil nicht mehr fern sein dürfte, wo England mit den übrigen europäischen Mächten zur Lösung der Schwierig- leiten beitragen könne, um nicht nur den Frieden, sondern auch die Unabhängigkeit Europa's zu sichern." Aus der diplo- matischen in die gewöhnliche Sprache übersetzt, heißt dies, daß England für die Integrität und Unabhängigkeit der Türkei ein- tritt und in diesem Sinn eine Vermittlung der neutralen Mächte herbeiführen will. Die offene Ankündigung dieses Entschlusses zeigt, daß man es nicht mehr an der Zeit hält, sich durch die in Berlin gegen eine Vermittlung erhobenen Bedenken lahm- legen zu lassen. Daß die englische Regierung auf den Beistand Frankreichs und Oesterreichs zählen kann, brauchen wir unsere» Lesern nicht zu sagen. Preußisch- Deutschland steht in seiner Freundschaft zu Rußland ganz isolirt— Italien zählt ja als Großmacht nicht. — Zum Strike der Maurer in London. Der Strike der Steinhauer in London dauert noch fort. Der Vorsitzende der Baumeistcr-Associatton, Mr. Trollope, war einverstanden, den verlangten Lohn von 10 d die Stunde zu bewilligen, aber nur denen, deren Arbeit so viel werth sei und unter der Be- dingung, daß sie keine Beiträge zum Strikefond leisteten. Dar- auf wurden die Verhandlungen von den Arbeitern wieder abge- brochen. — In Sachen der„Neuen Welt". Nachstehend bringen wir den Wortlaut des Rathskammerbeschlusses des Berliner Stadtgerichts, durch welchen die auf Tessendorff's Veranlassung erfolgte Beschlagnahme der„Neuen Welt" wieder aufgehoben wurde. „Königliches Stadtgericht zu Berlin Abtheilung für Untersuchungssachen. Rathskammer. Die Rathskammcr hat in der heutigen Sitzung auf den An- trag der Staatsanwaltschaft vom 5. November 1877 in der Untersuchung wider Rackow I-it. R. No. 506 de 1875 beschlossen, daß die auf Grund der§§ 7, 18 Nr. 2 und 23 Nr. 1 des Gesetzes die Presse vom 7. Mai 1874 erfolgte vorläufige Beschlag- nähme der Sonntags-Beilage zur Nr. 258 der„Berliner Freien Presse" vom 4. November cr.„Die Neue Welt" wieder aufzu- heben, weil„Die Neue Welt" eine durchaus selbständige, unter verantwortwortlicher Redaktion von Bruno Geiser in Leipzig er- scheinende Zeitschrift und nicht als Nummer oder Stück der unter v rantwortlicher Redattion in Berlin erscheinenden Zeit- selbst die Brust Fräulein Sophias färbt ein mädchenhaft Erröthen. (and there, before the world, I laid rny naked arm round her bare waist, and kiss'd her bnrning neck and kissed her blooming month; a bashfnl look met my enchanted eyes; her face and neck, ay, even her breast, was red with maiden blnshes.) Man reitet nach beendigter Demonstration davon— längere durch nichts hervorstechende Landschaftsbeschreibung. Am Saum des Waldes lassen sie die Pferde grasen und treten Hand in Hand in den schattigen Wald. Dort, auf dem moos'gen Grund, umgeben von jenem tiefen Schweigen, in welchem man die Zeit zu hören und den Raum zu fühlen und zu sehen glaubt,„genießt Sophia er zum ersten Mal." Er schlang seine Arme um sie, Brust an Brust lagen sie in zitternder Wonne... Alles was süß ist im Himmel und auf Erden, im Leben, in der Wirklichkeit und in der Phantasie, war zusammengedrängt in einen seines Gleichen nie findenden Moment, und mit unersättlicher Kehle wird der Kelch der Lust ausgeschlürft. Damit man nicht etwa glaube, daß wir irgendwie übertreiben, setzen wir auch diese Stelle trotz ihrer Länge her; man controlire uns: "liiere, on the mossy ground, in utter stillness. Were time is heard, and space is feit and seen, There I eujoyed Sophia for the first time. 1 wound my arms around her; breast to breast We lay in trembling plcasure— all that's sweet On earth, in heav'n, in life, in truth and fancy, Crowded together in one matcbless moment And swallowed down with greedy throat. Schluß: äußerste Liebesraserei(utter maduess) und Bergessen Alles dessen, was sie umqiebt, was vor und hinter, über und unter ihnen ist(forgetfnlness of all before, behind, above, below)._ Man schläft ein und Morpheus läßt seine Friedenspalme über den Beiden wehen. Die Herzen pochen und doch ist Ruhe in ihnen; die Wangen glühen, und doch ist Stille ausgegossen über ihre Gesichter; sie ruhen Arm in Arm und ihr Leben pulsirt herüber und hinüber; die Lippen haften fest aneinander, als stiegen die Seelen empor von ihrem Sitz in der Tiefe, um in den Mund zu schwellen und sich in einem ewigen Kusse zu ver- mischen. Er fühlt ihre Wärme, ihr Leben, ihr tiefftes Selbst und schläft doch den Schlaf der Glückseligkeit. (We feil asleep.— Oh sweetest hour of Lore, When Morpheus waves his palm of peaee above theo! Our hearts beat high, yet there is rest in them, Our cheeks glow deep, yet there is quietness Versed on our faces; arm in arm we lie; Each life is pulsiag in the other's; fast Clings lip to Up, as if the souls should fly schrift„Berliner Freie Presse" im Sinne des oben alleg.§ 7 anzusehen ist, wenn sie auch als Sonntags- Gratisbeilage des letztgenannten Blattes bezeichnet wird. So wenig ein Exemplar eines sonst allen Bestimmungen des Preßgesetzes entsprechenden Buches, welches als Beilage einer Zeitschrift bezeichnet und bei- gefügt wird, als Stück oder Nummer der Zeitschrift selbst an- gesehen werden kann, so wenig ist ein Exemplar der„Neuen Welt", welches den Abonnenten der„Berliner Freien Presse" mit einem Exemplar dieser Zeitung als Beilage übersendet wird, als Theil der Letzteren zu betrachten. Der von der königlichen Staatsanwaltschaft zur Begründung ihres Antrages in Bezug genommene Beschluß des königlichen Obertribunals vom 7. Sept. 1877 steht dem nicht entgegen. Die Beurtheilung der Frage, ob eine Beilage einer Zeitschrist als Stück oder Nummer oder Heft oder Theil der Zeitschrift zu betrachten ist, ist rein thatsächlicher Natur und im vorliegenden Fall wird diesseits von der An- nähme ausgegangen, daß Exemplare der Zeitschrift„Die Neue Welt" nicht Theile der Zeitschrist„Berliner Freie Presse" sind und daß daher nicht beide Zeitschristen nothwendig den Namen und Wohnort eines und desselben verantwortlichen Redakteurs enthalten müssen, oder daß für beide Zeitschriften hier in Ber- lin ein gemeinschaftlicher verantwortlicher Redakteur im Sinne des alin. 1 und 3 des alleg. K 7 des Preßgesetzes bestellt wer- den muß.„Die Neue Welt" ist eine selbständige Beröffent- lichung einer Druckschrift, für deren Inhalt als Redakteur der- jenige verantwortlich ist, welcher als solcher am Ort des Er- scheinens des Preßerzeugnisses auf der Zeitschrift benannt ist und im Jnlande seinen Wohnsitz hat und darin wird auch dadurch nichts geändert, daß einzelne Exemplare dieser Zeitschrift einem anderen Preßerzeugniß als Beilage beigefügt werden. Berlin, den 6. November 1877. Johl. Braun. Bailleu." Um die durch obiges Erkenntniß davongetragene Scharte wieder auszuwetzen, hat Tessendorff gegen den Verleger der „Berliner Freien Presse" nunmehr Strafantrag wegen Ber- letzung des Preßgesetzes gestellt. Die Sache fängt nachgerade an heiter zu werden. — Zur Dühring-Angelegenheit. Die„Sozialdemo- kratische Correspondenz" schreibt: Verschiedene Blätter können oder wollen nicht verstehen, warüm sich die Berliner Sozial- demokratcn, welche bis vor Kurzem für Dühring eingetreten waren, nun gegen ihn erklären. Sie meinen, die Ursache dieser Schwenkung sei Mißmuth darüber, daß Dr. Dühring einen rein wissenschaftlichen Verein ohne politische Tendenz und sozialdemo- kratische Nutzanwendung gründen wolle. Das ist selbstverständ- lich eine Verdrehung der Verhältnisse und Verkennung der that- sächlichen Motive. Tie Sozialdemokraten waren bei der Remo- tion Dühring's für ihn eingetreten, weil sie in ihm öinen Mär- ihrer wissenschaftlicher und politischer Ueberzeugung erblickten; sie treten ihm jetzt entzzegen, weil sie fiirchten, daß er selbst nicht freie Meinungsäußerung will, sondern ein unfehlbares Papst- thum Dübring. Sie würden einen Berein, der rein wissen- schaftliche Tendenzen hat und sich von Parteirücksichten nicht be- einflussen läßt, nach wie vor mit Freude begrüßen, wenn er auch in wissenschaftlicher Beziehung unparteiisch geblieben wäre. Vor- erst scheint aber hierfür keine Aussicht vorhanden zu sein. Die Erforschung der Wahrheit steht den Sozialdemokraten hoch, ja sie steht ihnen höher, wie irgend einer Partei, weil sie wissen, daß ihren Bestrebungen die Erkenntniß der thatsächlichen Ver- Hältnisse nur förderlich sein kann— und wenn man auch nicht bei jeder missenschaftlicheu Diskussion darauf hinzuweisen nvthig hat, so kann doch jeder Verständige zwischen den Zeilen lesen und zwischen den Worten hören. — Parteigenosse Klute wurde am 10. d. M. von dem Appellgericht in Neuenbürg in zweiter Instanz zu drei Monaten Gefänguiß verurtheill, und zwar wegen Beleidigung des Landraths Müffliug zu Erfurt. Zur Jmpssru�e. i. Herr W. Bracke hat sich in Nr. 131 Ihres Blattes über die Jmpffrage ausgesprochen und Sie erlauben, entsprechend b'rom tbeir interior seats, swell to the rnouths, And rningle tbeir in one eternal Idas. 1 feel her warrntb, her life, her very seit, And yet I sleep the aleep of happineas.) lieber ihren Häuptern zittert das dunkle Laub; Halme und Blüthen umsckmiegen, vor Entzücken schauernd, ihre Glieder; die ganze Natur fühlt, daß sie genießen, was Niemand allein zu genießen vermag, daß sie genießen und im Genuß zu sterben wünschen. (Above our heads the duaky leaves are treinbling, Around our lirnba the halrns and gaudy flowers Are quivering with delight: all Nature feela, That we enjoy, what none enjoys alone, That we enjoy, and wish to die in this.) Der Schlaf der Erschöpfung währt bis Mittag. Der Blick Frau Sophia's scheint ihm zu sagen:„Mein Freund, nun hast Du Alles gehabt, was ich geben kann— mich selbst.(„My friend, now thon hast had all I can give, rnyself.") Mit einer letzten Anstrengung erheben sich Beide und besteigen die Pferde, die ihnen gefolgt waren. Er hält ihr den Steigbügel und kann nicht umhin, während sie aufsteigt, ihr schneeiges Bein zu pressen und ihren Rücken mit glühender, gieriger Lippe zu küssen,(l preas her snowy leg, and Idas her back with glowing grcedy Ups.) In tiefer Waldeinsamkeit wählen sie einen lieblichen Platz zur Ansiedlung, bauen sich eine Hütte und leben von Quellwasser, von Wurzeln und Beeren. Nachts liegt sein Haupt in Sophia's Schooß; er hält ihre lieblichen Hände fest wie Anker in der See des irdischen Lebens und Gott gießt Frieden über sie aus.(Von derartigen Sentimentalitäten ist das ganze Gedicht in einer für ein unverdorbenes Gefühl widrigen Weise durchädert. � Am siebenten Tage ist die Hütte fertig, und als er ihr seine Schöpfung zeigt, die fernerhin ihr Heim sein soll, schlingt sie ihre hübscheu Arme um seinen Nacken und küßt ihn; ein Schauer läuft durch sein Herz, als er auf seiner Brust den glühenden Druck ihres vollen Busens fühlt; er kann nicht mehr sprechen, aber er führt sie in die Hütte; auf ihrem Lager liegen sie zusammen und noch ein Mal heischt er ihr Selbst von ihr; erröthend willigt sie ein und die Liebe kettet sie aneinander wie früher. (Fhe wound her pretty anns around rny neck, And kissed nie; what'a thrill went through rny heart, When on rny breast 1 feit the glowing pressure Of her füll bosorn; speak I could no-rnore, But to our hut I led her; on our couch We lay together, and I asked from her Once rnore herseif; ahe yielded with a blush, And Love tied ua together, as betöre.—) dem Schlüsse seines Artikels, wohl auch einem Ihrer schmelze- rischen Leser einige Zeilen. Herr Bracke ist durch die Gesundheitsstattsttk der Stadt Braunschweig und die Ausführungen des Dr. med. Reck von einem Saulus zu einem Paulus in der Jmpffrage geworden. Vorerst hat er sich beweisen lassen, daß die Gefahr, an Pocken zu erkranken und zu sterben, für das erste Lebensjahr am größten sei, daß sie dann bis zum 20. Jahre sehr bedeutend abnehme und von da an wieder rasch wachse. Die erste Jugend unter- liege der Ansteckungs- und Lebensgefahr darum am meisten, weil viele Kinder vor der Impfung angesteckt werden, und die gleiche Gefahr wirke vom 20. Altersjahr wieder um so stärker, weil die Jugendimpfung nicht mehr wirke. Hieraus ergebe sich, daß die Impfung ein vortrefflicher Schutz gegen die Pocken sei. Das hört sich vortrefflich an, allein ich bitte zu beachten, daß nach der Sterblichkeitsstattstik eben die früheste Jugend im Allgemeinen dem Tod am meisten Opfer liefert, daß die Zahl der Opfer abnimmt bis zum 20. Altersjahr und von da an wieder zunimmt. Ich greife aus dem amtlichen Berichte des zürcherischen Sanitätsdirektors das Jahr 1870 heraus. In diesem Jahr wurden lebend geboren 8520 Kinder und starben im Ganzen 8184 Personen und zwar 2712 im ersten Lebensjahr. Speziell starben: unter 1 Monat alt 329; 1—2 Monate alt 252; 2-3 M. 176; 3-4 M. 176; 4—5 M. 161; 5-6 M. 150; 6—7 M. 99; 7—8 M. 109; 8— 9 M. 106; 9-10 M. 88; 10-11 M. 69; 11-12 M. 68. Dann starben im 1-2 Jahr: 366; 2-3 I. 176; 3-4 I. 121; 4-5 I. 102; 5—10 I. 179; 10-15 I. 84; 15—20 I. 135; 20-25 I. 164; 25-30 I. 193; 30-35 I. 180; 35— 40 I. 232; 40-45 I. 212; 45-50 I. 293; 50—55 I. 349; 55-60 I. 449; 60—65 I. 489; 65—70 I. 549; 70—75 I. 468; 75— 80 I. 358; 80-85 I. 250; 85-90 I. 86; 95—100 I. 14; über 100 I. 2; bei 16 war das Alter unbekannt. In diesem Jahre 1870 wurden im Kanton Zürich 85 Pocken- fälle gezählt, darunter allerdings 5 ungeimpste Kinder, die von einer Hebamme angesteckt worden waren, nachdem die Frau hatte einen Pockentodten ankleiden helfen. Vier der Kinder waren im zartesten Alter von 3—6 Wochen verstorben,— gar nicht zum Verwundern, vielleicht wären sie auch an der Impfung gestorben! Ein dreiviertel Jahr altes Kind kam davon. Es ist ali'o ein allgemeines Gesetz, nach welchem die Sterb- lichkeit im ersten Lebensjahr am größten ist, auch bei den Pocken, und ein großer Jrrthum, die nachherige Abnahme der Morbilität und Mortalität bezüglich der Pocken der Impfung zuzuschreiben. Im Gegentheil werden beide durch die Impfung gefördert. Ich war jahrelang Jmpfarzt und kann das leider aus Erfahrung behaupten. Zwar habe ich keine übertragene Syphilis gesehen, allein ich habe beobachtet, daß vie geimpften Kinder in der Regel mindestens an Fieber, Rose, Geschwüren, Achseldrüsengeschwul- sten u. dergl. erkrankten, und ich wurde durch die verneinende Beantwortung der Frage, ob es wohlgethan sei, die Kinder wegen einer Krankheit, die sie möglicherweise einmal bekommen könnten, gerade in demjenigen Alter krank zu machen, wo sie der allergrößten Sorgfalt bedürfen, ein entschiedener Gegner des Impfzwanges und besonders der Impfung im zarten Alter. Ich wurde aber auch ein Gegner der Impfung überhaupt, weil ich diese nicht nur für unnütz, sondern geradezu für schädlich halten lernte. Ein einziges Beispiel von vielen Tausenden: Nach dem in meinen Händen liegenden Brief eines betheiligten Arztes erkrankten in Reinach, Kanton Aargau, von 83 bis 85 geimpften Kindern nach der Impfung alle in höherm Grade als gewöhnlich,— wörtlicher Ausdruck meines Gewährsmannes. Es bildeten sich nicht, wie sonst, durchsichtige Blattern, sondern es stellte sich ftüh Eiterung und Geschmürbildung ein. Die eiternde Fläche hatte einen Stich in's Bleigraue. Der Reaktionshof war fast bei allen sehr groß, die rothlaufige Umgebung derb an- zufuhlen. Am merkwürdigsten war der Umstand, daß alle se- kundäre Ausschläge bekamen am ganzen Leibe und zwar theils erythematöser, theils papulöser, theils cczematöser Art. Fieber hochgradig. Es starben von den erkrantten Kindern 5—6. Ein ilaie schrieb mir. die Lebenden seien fast alle, so zu sagen, durch Verlust der Oberhaut geschunden worden; aber impfen lasse man dort nicht mehr. Die Untersuchung ergab keine Schuld des Arztes, keine Schuld Nach neun Monaten— Herr Eckstein liebt die Pünktlichkeit — ein Knabe; das Gluck ist keiner Steigerung fähig, und die Götter find neidisch. Während er„mit Pfeil und Bogen" der Jagd obliegt, kommt Wilhelm. Sophia's eigentlicher Verlobter, in schwarzer Verhüllung nach der Hütte; sie hatte das häßliche Ungeheuer nicht lieben können(ahe could noa love that ngly monater) und er nimmt nun seine Rache, indem er den Säugling fluchend an die Wand schleudert; er ist im Begriff, auch sie zu massakriren, als Herr Eckstein hinzukommt und ihn mit einem seiner Pfeile tödtet. Nach dieser letzten Anstrengung hält er es für angezeigt zu erwachen; das Tageslicht scheint durch die Läden; feucht von Thränen sind seine Wangen, sein Kissen und seine Hände, und er erhebt sich, um zu leiden und zu lieben. Ist es nöthig, dem noch etwas hinzuzufügen? Wir meinen, die Thatsache, daß es Schriftsteller giebt, die sich solche— Kühn- heiten erlauben dürfen(es hat sich unseres Wissens bis zum heutigen Tage keine Stimme gegen diese„Idylle" erhoben), führt eine so beredtsame Sprache, daß wir uns eines besonderen Plaidoyers auf„Schuldig!" enthalten können. Wir glauben kaum, daß der Traum an den Absatzverhältnisien der„Deut- schen Dichterhalle" nur die kleinste Ziffer ändern wird, aber die Tugend-, Sittlichkeits- und Zartgefühls-Heuchelei unserer„Ge- bildeten" wird durch die schweigende Hinnahme dieser„Leistung" in einer Art und Weise illustrirt, wie sie der grimmigste Feind der heutigen Gesellschaft sich nicht besser zu wünschen vermöchte. Wir gratuliren uns dazu, keine Tochter in einem Pensionat zu haben; die„höheren Töchter" kultiviren ja das Englische heut- zutage mehr, als die Sprache des„sittlich verkommenen" Erb- seinds und wir muthmaßen, daß Ernst Eckstein's Novellen und seine„Dichterhalle" in diesen Instituten unbeanstandeten Eingang finden. Ist aber das der Fall, so wird auch von den deutschen Pensionaten bald das schlimme Wort gelten: „Tue jeune fille peut sortir du pensionat vierge-peut-etre; chaate uon."(Ein junges Mädchen kommt vielleicht als Jung- frau. niemals aber keusch aus dem Pensionat.) Der Stoff, den das Genie zu den schönsten Gebilden formt, wird unter den Händen der Mittelmäßigkeit zur Fratze, zur Karrikawr, und wo Ernst Eckstein mit Milton(Adam und Eva im Verlorenen Paradiese), Byron(Don Juan und Haidin) und Göthe(der Gott und die Bajadere) zu eoneurriren glaubt, ent- steht„ein häßliches Ungeheuer"(an ngly monster), das nur in der Äordell-Literatur einen Platz verdient und das man nicht ! energisch genug zurückweisen kann, wenn es in die Hallen sich drängt, die der Kunst geweiht sind oder mindestens geweiht sein �sollten.. R. L. des Jmpfens: die Hitze mußte es gethan haben, obschon die e am Impfen so unschuldig war, wie ein Kind. Dieses einzige Beispiel wird Sie überzeugen, daß man über die Jmpffrage so wenig allein die Aerzte hören muß, als über die Frage des Glaubens die Geistlichen. Man hat darüber auch die Passiven, die Leidenden, die Eltern und Ge- impften selber zu fragen und zu hören. Da ich aber als Renegat möglicherweise selber befangen bin, so empfehle ich Ihnen die Arbeit des Statistikers G. Fr. Kolb über die Jmpffrage, welche wegen Unzulänglichkeit der bis- herigen Ermittelungen zum Verlangen nach Aufhebung des Impfzwanges kommt. Bulach(Zürich), 9. November 1877. F. Scheuchzer, Nationalrath. II. In Nr. 131 des„Vorwärts" bringt Genosse W. Bracke einen Beitrag zur Jmpffrage, der dem statistischen Bericht der Stadt Braunschweig entnommen ist und welcher leider mit der- selben Oberflächli�keit wie alle anderen derartigen, von Impf- sreunden angefertigten Berichte verfährt. Es ist von anderen Statistikern bewiesen, daß die größte Sterblichkeit unter den Kindern herrscht, welche noch nicht das erste Lebensjahr erreicht haben, und da finden wir denn die Mehrzahl der Gestorbenen in der Rubrik„noch nicht geimpft" vor. Auf die Ursachen dieser rapiden Sterblichkeit einzugehen ist hier nicht der Ort, zumal der„Vorwärts" diesem Kapitel jeder- zeit seine Aufmerksamkeit zugewandt hat. Ein weiterer Beleg rst auch noch der, daß sehr viele Erkrankungen und Tooessälle von den Jnipffteunden gar nicht angemeldet werden und dadurch auch nicht zur Eintragung gelangen können. Wir werden durch diesen Bericht nicht dazu bestimmt, mit Genoffen Bracke auszurufen:„Ich bekenne offen, daß ich von dem Äugenblicke an, wo ich mich davon überzeuge, daß bei pflichtgemäßer Sorgfalt der Aerzte die Gefahr der Ansteckung anderweiter Krankheiten verschwindend gering ist, aufhöre, ein Gegner des Impfzwanges(??) zu sein. Denn wenn die Impfung einmal vor den gefährlichen Menschenpocken schützt, so haben Alle ein Interesse daran, daß der Ausbruch dieser entsetzlichen Seuche nach Möglichkeit verhindert werde.„Wenn", ja wenn die Impfung vor den gefährlichen Menschenpocken schützte? Sollte Genosse Bracke im Drange der Zeit den Artikel von Or.Resau„Die Schutzpocken- Impfung" undvonvr. Oidtmann, Jmpfarzt in Linnich,„Die Schutzpocken, eine Woll- und Lum- Penseuche" in der„Neuen Welt" noch nichl gelesen haben? Sollte dem Reichstagsabgeordneten Bracke der„Hülferuf an den deutschen Reichstag" des Dr. Meinert in Chemnitz nicht zu Gesicht gekommen sein? Der letztere kann mit massenhaftem Ma- terial in dieser Frage aufwarten und wird auch der kommenden Session des Reichstages wiederum„Fortsetzungen" bringen. Möchten alsdann unsere Parteigenossen wenigstens versuchen, den Impfzwang zu entfernen, damit das Volk fernerhin nicht gezwungen werden kann, gelehrten Streites halber seine Kinder als„Versuchsobjett" hinzugeben. Das Material, welches wir seit Jahren einzusehen Gelegenheit hatten, hat nns die feste Zuversicht gebracht, daß der„Zwang" unter allen Umständen entfernt werden muß. Die Gesetzgeber haben kein Recht, den einzelnen Bürger zur Impfung zu zwingen, so lange als die Wlsseuschaft nicht ihr letztes Won in dieser wichtigen Frage gesprochen hat. So will es die Gerechtigkeit. Uebrigens könnte es nichts schaden, wenn Jmpffreunden und Jmpfgegnern, wie Genosse Bracke wünscht, die Spalten des „Vorwärts" geöffnet würden*); die letzteren würden den Kür- zeren nicht ziehen und die öffentliche Meinung könnte nur dabei gewinnen. Leipzig, im November 1877. C. Lienig. H. Thieme. W. Taute. *) Ist durch Abdruck dieser sowie der vorstehenden Entgegnung geschehen. Fernere Einsendungen können wir aber nicht mehr in den „Vorwärts" aufnehmen, da die Jmpffrage nicht durch eine Zeitungs- polemck, sondern nur auf dem Wege der wisjenschaftlichen Forschung zum Austrag gebracht werden kann. Red. d.„Vorwärts". — Ein heroischer Arbeiter. In verschiedenen Zeitungen finde» wir folgende Notiz:„Französische Zeitungen erzählen einen seltenen All von Heroismus, der in seiner Art etwas von antiker Erhabenheit hat. Es handelt sich allerdings nur(!) um einen Barrieren- Wächter einer Eisenbahn, Namens Planticr. Derselbe bewachte eine Barriere an der Rive de Gier. Plötzlich bem rkte er, daß sich eine Maschine aus ihn zu bewege, die nicht erwartet worden war. Er eilte, die Barriere der emen der beiden Passagen zu schließen, wollte schnell über das Geleise lausen, um mit der andern das Gleiche zu thun, hatte sich aber in der Zeit verrechnet, die Maschine eröriff ihn, riß ihn nieder und trennte den linken Arm vom Rumpfe. Troß seiner ungeheuren Leiden erinnerte sich Plantier, daß um diese Zeit seine Wache noch nicht beendet sei, daß Züge kommen müßten, daß, wenn er seinen Posten verlassen würde, ein Unglück wahrscheinlich entstehen würde— genug ohne zu zögern, legte er irgend einen Lappen auf die Stelle, an der der Arm abgetrennt war, und kehrte zu seinem Dienst zurück. Das Gerücht von dem Unfall verbreitete sich indeß, der Chef des Bahnhofs kam herbei und man fand den Wächter in einer Blutlache stehend, aber noch ausrecht versah er seinen Dienst. Er antwortete auf der Frage, die man ihm vorlegte, daß er verwundet, daß er furchtbare Schmerzen leide, daß er seinen Posten nicht verlassen habe— genug der Dienst hatte nicht gelitten. Pariser Zeitungen verlangen, daß die Behörde das Kreuz der Ehrenlegion für diesen Akt der Tapferkeit auf die Brust des Braven befestigen solle."— Das Kreuz der Ehrenlegion— unserthalben, wenn der Arbeiter, was wir nicht glauben, besonderen Wunsch darnach hat; richtiger ist es, wenn die Gesellschaft, in deren Dienst der Arbeiter die Heldenthat verrichtet hat, demselben ein sorgenfreies Dasein verschafft.„Es handelt sich allerdings nur um einen Bahnwärter"— schmachvoller Hohn! Ein Bahndirektor hätte allerdings solche Heldenthat nicht verrichtet. — Zum Kapitel der Lebensmittelverfälschung enthält die „Post" aus Langensalza folgenden Beitrag:„Am 5. Oktober verschwand der Mehlhändler Johann Gottlob Lange von hier mit nicht unbedeutenden Geldmitteln, nach deren Abhandenkommen er sich am 17. Oktober dem Gericht stellte. Inzwischen war über sein Vermögen Concurs er- öffnet und ergab sich bei der Inventur seines Waarenlagers ein Bestand von 4 Sack Schwerspat ä ll/j Ctr. Laut aufgefundener Rechnung hatte Lange am 2. August d. I. 25 Sack weißen und grauen Schwerspat ä 1«/z Ctr. von der Handlung Henkel u. Züllich in Gotha(ä 2 M., resp. 2 M. 50 Pf. der Centner) geliefert erhalten. Verdeckt wurde der saubere Handel noch dadurch, daß Lange auf der Rechnung nichl als Mehlhändler, sondern als Tünchermeister bezeichnet war. Einige Säcke Waizenmehl und Roggenkleie aus dem Lager ergaben bei fachmännischer Untersuchung Untermischung von Schwerspat, desgleichen der Absatz in einem Mehltasten, in welchem Lange sein Mehl zum eigenen Klein- verlause zu mischen pflegte. Auch ein leerer Sack wurde vorgefunden, welcher offenbar mit weißem Schwerspat gefüllt gewesen war. Sollte Lange in seinem kleinen Geschäfte die fehlenden 21 Sack Schwerspat allein verbraucht haben, so würde er täglich ca. einen halben Centner Stein statt Brod seinen vielfach ärmeren Kreisen angehörigen Abneh- mern verkauft haben." Correspondenzeu. Acrtin, 12. November. Am Sonntag wurde von den hie- figen Sozialisten em neuer Arbeiterverein gegründet, dem sofort eine große Anzahl Personen beitraten. Der neue Verein führt den Titel:„Verein zur Wahrung der Interessen der werk- thätigen Bevölkerung Berlins." Die Versammlung, welche im Louisenstädtischen Theater stattfand, war von 3000 Personen be- sucht, trotzdem das Lokal im dritten Wahlkreise lag und daher die Genossen der entlegenen Stadttheile', namentlich des sechsten Wahlkreises, nur wenig zahlreich vertreten waren. Dazu kommt noch, daß infolge des Üeberfülltseins die Einzeichnungen nicht rn�dcm Maße bewirkt werden konnten, in dem das offenbare Interesse für den neueren Berein sich bei den Anwesenden kund- gab. Diese Anzeichen lassen auf massenhafte Betheiligung der Berliner Arbeiter an dem Vereine für die Folge schließen. Wenngleich sich das ncuentworfene und von der Versammlung genehmigte Statut in keinem Punkte an die Statuten früherer aufgelöster Bereine anlehnt, wird doch abzuwarten sein, ob Herr Tessendorff, welcher seit Jahren jede sozialistische Vereinsthätig- Kit für Berlin unmöglich zu machen gewußt hat, auch gegen diesen Berein wieder einschreiten und in ihm eine Fortsetzung der früheren Parteithätigkeit erblicken wird.— Wuttcrstadt, 8. November. Gestern Vormittag 10 Uhr haben wir hier unfern alten und treuen Parteigenossen, den Schuhmachergesellen Johann Schmalbach, gebürtig aus Orb, beerdigt. Schon seit den K0er Jahren Mitglied der sozialdemo- kratischen Partei(Allg. Deutscher Arbeiterverein), hat er bis zum letzten Athemzuge treu und unentwegt trotz aller Chikane und Anfeindungen die Fahne der Sozialdemokratie, die heilige und gerechte Sache der enterbten Menschheit hoch gehalten. Immer und immer wieder versuchte er es, in seiner schlichten und ein- fachen Weise den Wall von Vorurtheilen zu zerbrechen, um dem Sozialismus neue Kämpfer zu gewinnen. Und nicht ohne Er- folg! Wie er unter seinen Gesinnungsgenossen ein gern ge- sehener Gast war, so hat er es auch verstanden, sich die Achtung seiner Gegner zu erringen. Die 21 Jahre, die er ununtcr- brocken bei einem Meister thätig war, sowie die überreiche sBlu- menspende und die zahlreiche Betheiligung bei seinem Leichen- begängniß find der sprechende Beweis hiefür. Da er Mitglied der freien religiösen Gemeinde war, fand die Beerdigung selbst- redend ohne zede kirchliche Ceremonie statt. Herr Schubenell, Borstand der freireligiösen Gemeinde in Mannheim, hielt an Stelle des Svrcchers Herrn Karl Scholl, der anderweitig be- schäftigt war, vie Grabrede. Hierauf ergriff unser Genosse Aug. Dreesbach aus Mannheim das Wort, um in kurzen Zügen das Leben und Wirken des Dahingeschiedenen zu schildern und die Anwesenden zur eifrigsten Nachahmung aufzufordern. Die ganze Feier ging ohne jeden Mißton vorüber, und find wir überzeugt, daß der Eindruck, den dieselbe auf alle Anwesende gemacht, ein guter und nachhaltiger sein wird. Den auswärtigen Orten sagen wir hiermit unfern Dank für ihre Bctheiligung, und schließen mit den Worten unseres Genossen Dreesbach:„Wenn wir auch die sterbliche Hülle unseres Freundes der Erde wieder zugeführt, so ist er doch nicht todt für uns, denn sein Wirken lebt unter uns fort", und deshalb:„Vorwärts über Gräber!" Die Mutterstadter Sozialisten. St. Arnual, 9. November. Daß der Absagebrief, den der Schlosser Wölflinger in den hiesigen Blättern gegen die Sozial- demokratie veröffentlichte, den Gegnern ein„gefundenes Fressen" sein würde, konnte ich mir lebhast denken. Mit dem Absage- briefe hat es aber so seine eigene Bewandtniß, und wer da meint, daß Wölflinger etwa aus freiem Antriebe den Widerruf erließ, der rrrt sehr stark; im Gegentheil, es hat einer langen Zeit der ärgsten Verfolgungen bedurft, um Wölflinger, der übrigens nie direkt Parteigenosse war, zum Abfall von der Sozialdemokratie zu bewegen. Nur Einiges über die Verfolgungen. W. arbeitete früher in der Bahnhofswerkstatt als Schlosser; ganz plötzlich erhielt er seine Entlassung, weil er sozialistische Zeitungen zur Bertheilung gebracht hatte. Den Entlassungsschein warf W. in den Ofen und erhielt Arbeit bei einem Meister in St. Johann, der Kemttmß von dem Vorfall hatte. Aber bald wurde ihm auch hier gekündigt, da der Meister, wie er sagte, die städtischen Arbeiten von Saargemünd zu verlieren fürchtete. W. suchte nun lange Zeit vergebens Arbeit: überall, wo er nachfragte, wies man ihn, sobald er seinen Namen genannt hatte, kurzer Hand ab. W., der verheirathet ist, ging darauf in die Fremde und war so glücklich, in Mannheim Arbeit zu bekommen. Hier in Mannheim erhielt W. eines schönen Tages von seiner Frau ein Schreiben, in welchem ihm mitgetheilt wurde, daß er auf der Eisenbahn wieder Arbeit bekommen könne; W. eilt natürlich freudigst zurück— aber mit der Arbeit war es vorläufig nichts. Man vertröstete ihn absichtlich für einige Zeit, um ihn durch Hunger mürbe zu machen. Endlich warf man die Maske ab und eröffnete ihm, daß er nur dann Arbeit bekommen würde, wenn er eine„Erklärung" abgebe, in der er fich von der Sozial- demokratie lossagte; man händigte ihm auch sofort die schriftliche „Erklärung" ein. Aber dieses Machwerk zerriß W. in kleine Fetzen, nachdem ihm einige Arbeiter gesagt hatten, daß sie lieber verhungern wollten, als solche ehrabschneidcnden Zeilen zu unter- schreiben. Es geschah dies in einem Gasthaus. Sofort aber war ein Mann bei der Hand, der ihm eine andere Erklärung ausfertigte, in welcher es hieß, daß er wohl früher Parteiblälter gelesen habe, in Folge des Verbots aber dies in Zukunft unter- lassen wolle; die Existenz seiner Familie gehe ihm über alles. Auch diese Erklärung weigerte sich W. zu unterschreiben. Es vergingen nach diesem Vorfall 14 Tage, in welcher Zeit die Lage W's. fich wahrlich nicht gebessert haben mag, denn eines schönen Tages brachte die„st. Johanner Zeuung" folgende öffentliche Erklärung: „Ich erkläre hiermit, daß ich mich von der Partei der Sozialdemokraten gänzlich und für immer lossage, und warne jeden braven und soliden Arbeiter dringend, sich nicht durch die schön klingenden Phrasen dieser Herren bethören zu lasten, deren Bestrebungen nur auf den Umsturz aller göttlichen und menschlichen Ordnung hinauslausen und die, wie ich jetzt deutlich erkannt habe, anstatt den Arbeiter glücklich zu machen, wenn sie zur Herrschast gelangen sollten, die ganze Menschheit in unsäglichen Jammer und Elend stürzen würden. St. Arnual, 1. Oktober 1877. Wölflinger, Schlosser." Der Umstand, daß Wölflinger seit dem 1. November wieder in der Bahnhofswerkstatt beschäftigt ist, beweist zur Genüge, wer der eigentliche Macher der„öffentlichen Erklärung" ist. Und mit solchen, ebenso kindischen als infamen Mitteln glauben die Gegner die Sozialdemokratie aus dem Felde zu schlagen? Zwar ist es bereits dahin gekommen, daß ein freimüthiges Eintreten für die Sozialdemokratie hier zu Lande von den schlimmsten Folgen begleitet ist, aber trotzdem ist ihre Anhängerschaft im Wachsen begriffen und sie wird und muß mehr und mehr an Terrain gewinnen, da sie allein die Partei ist, welche für die Interessen der ausgebeuteten Klassen ficht. Allgemeiner Arbefter-Sängcrbund. Auf Anregung mehrerer Arbeiter- Gesangvereine soll für die Rhein- Pfalz und einen Theil von Baden mit der Gründung eines Rhein- pfälzisjen Arbeiter-Sängeibundes im Anschluß an den Allgemeinen Ar- beiter-Sängerbund vorgegangen werden, um den Zweck des Letzteren besser erreichen zu können. Die Arbeiter- Gesangvereine der Rheinpfalz zc. werden daher aufgefordert, mit Herrn Jakob Frank in Frankcnthal(Wallonenstraße) in Correspondenz zu treten, um das Nähere wegen Anschluß an den Bund zu erfahren. Außerdem werden die Arbeiter aufgefordert, zu Gesangvereinen zu- sammen zu treten, und wird der Unterzeichnete mit Lokalstatutcn, L'e- dern k. und sonstigem Rath zur Seite stehen. Da die Organisation unter den Arbeiter-Gesangvereinen immer weitere Forsschritte macht, hofft Unterzeichneter auf zahlreiche Bethei- theiligung. Gotha. Mit Gruß Emil Sauerteig, Vorsitzender. An die Saarbrückcr Parteigenossen! Nachdem wir vor einiger Zeit an den Colporteur MatthieS Druckfachen zur Agitation gesandt hatten, aber infolge seiner Vcrhaf- tung keine Antwort über deren Empfangnahme erhalten konnten, so er- suchen wir einen rechsschaffenen Parteigenossen von dort um Angabe seiner genauen Adresse im„Vorwärts", welcher bereit wäre, weitere Zusendungen von Broschüren von uns entgegen zu nehmen und zur Bertheilung zu bringen. Es würde alsdann jeden 1. und 15. eines jeden Monats ein gehöriges Packet hier abgesandt werden, über dessen Empfang wir durch den„Vorwärts" wieder benachrichtigt werden könn- ten. Der Sicherheit halber ersuchen wir irgend einen Parteigenossen, welcher in St. Johann- Saarbrücken schon gesprochen hat, uns einen zuverlässigen Mann vorschlagen zu wollen, damit nicht etwa unsaubere Hände uns die Sache verderben. Hamburg, den 11. November 1877. A. Nelle. W. Rudolph. An die Parteigenossen in Pirmasens sRheinpfalz). Um auch dvrtselbst agitatorisch wirken zu können, wünschen wir mit den dortigen Sozialisten in Verbindung zu treten. Zuschriften sind erwünscht unter der Adresse: PH. Koch,„Neue Welt", I. 5. 16, Mannheim. Das Central-AgitationScomitö. , Nundschau" Nr. 3 haben bezogen: Afchersleben, Achim, Altona, Apenrade, Ahrensberg, Aachen, Alveslohe, Annaberg-Buchholz, Augsburg, Biele- seid, Bockenheim, Breslau, Barmen, Brandenburg, Burscheid, Born- heim, Barmstedt, Barlt, Braunschweig, Bromberg, Bernburg, Calau, Cassel, Crefeld, Cottbus, Coblenz, Cölhen, Chemnitz, Duisburg, Dort- mund, Delitzsch, Dörnigheim, Düsseldorf, Dessau, Ernsdorf, Eckernförde, Elmshorn, Erfurt, Edderitz, Essen, Frankfurt a. M., Flensburg, Fulda, Freden, Forst, Fürth, Gcestendorf, Glückstadt, Göttingen, Görlitz, Greiffcn- berg, Gelsenkrrchen, Goldlauter, Garding, Guben, Gablenz, Gohlis, Hemme, Hannover, Hanau, Harburg, Halle, Hildesheim, Halberstadt, Heide, Jüterbogk, Jeßnitz, Kalk, Kleinkrotzenburg, Kiel, Kirchhain N.-L., Kellinghusen, Lokstedt, Lundcn, Liegnitz, Lüneburg, Langenbielau, Leo- poldShall- Staßfurth, Lesum, Lechhausen, Lindenau, Meldorf, Mölln, Marburg, München, Naumburg a. d. S., Nordhausen, Neumünster. Neustadt i. H., Nowaweß, Nordhastedt, Neundorf, Nürnberg, Osnabrück, Ollensen, Osterode, Oldesloe, Oederan, Peterswaidau, Potsdam, Pinne- berg, Peitz, Rendsburg, Rostock, Rheda, Rixdorf, Sossenheim, Sorau, Seih, Slricgau, Schleswig, Steele, Schönberg, Sühlen, Stelle, Schweidnitz, Schloßchemnitz, Spremberg, Tönning, Uelzen, Verden, Werden, Wands- deck, WüstegierSdorf, Wisster, Waldenburg i. Schl., Wilhelms Hafen, Wiesbaden, Zeitz. Nr. 4 haben bezogen: AscherSlcben, Achim, Altona, Apenrade, Ahrensburg, Aachen, Alveslohe, Annaberg-Buchholz, Augsburg, Alten- bürg, Barmstedt Bielefeld, Bockenheim, Brcslan, Barmen, Burscheid, Braunschweig, Bernburg, Calau, CoubuS, Coblenz, Cölhen, Chemnitz, Duisburg, Dortmund, Delitzsch, Düsseldorf, Dessau, Dahme, Ernsdorf, Elmshorn, Erfurt, Edderitz Essen, Eimbeck, Frankfurt a. M., Flensburg, Fulda, Freden, Forst, Fürth, Seestendorf, Göttingen, Görlitz, Greiffenberg, Gelsenkirchen, Goldlauter, Guben, Gablenz, Gohlis, Hemme, Hannover, Hanau, Halle, Hildesheim, Halberstadt, Hecklingcn, Harburg, Jüterbogk, Jeßnitz, Kalk, Kleinkrotzenburg, Kiel, Kellinghusen, Königs- berg, Lunken, Liegnitz, Langenbielau, Leopoldshall-Staßfurth, Lechhausen, Lindenau, Magdebi rg, Marburg, Neumünster, Neustadt, Nowaweß, Neundorf, Nürnberg. Ottensen, Oldesloe, Oberhausen, Osnabrück, Peter- Waldau, Potsdam, Pinneberg, Rendsburg, Rostock, Rixdorf, Ronsdorf, Sossenheim, Sorau, Striegau, Schleswig, Steele, Sühlen, Spremberg, Schloßch-mnitz, Tönning, Uelzen. Wandsbeck, WüstegierSdorf, Wilster, W'lhelmshafen, Wiesbaden, Wivkhausen, Zeitz. Etwaige Reklamationen sind an untenstehende Adresse zu richten. Die Parteigenossen an denjenigen Orten, wohin das Blatt nicht geht, werden ersucht, sich über einen Filial-Expcdienten zu verständigen und dessen Adresse einzusenden. Verlag der„Rundschau". Hamburg, Amelungstraße Nr. 5. Berichtigung. Vorerst muß ich bemerken, daß ich mich irrte, als ich sagte, daß der srühere Sirgeant Wilh. Wirtz aus Kreuznach in der ersten Compagnie des betr. Jägerbataillons diente— er diente in der vierten Compagnie. Dann heiße iä> nicht Voinhagen, sondern Vornhagen, und sollte „Freund" Wirtz diesen Namen lesen, so wird er i nwillkürlich denken: „Die Geister, die ich rief, werd' ich nun nicht los." Ueberhaupt ersuche ich aus Saarbrücken oder St. Johann um gefällige Adressen von Partei- genossen. Carl Bornhagen, Cöln, Kleiner Griechenmarkt 71. Briefkasten Quittung. R. W. Schr. 0,20. Pltzr Himmelberg Ab. 5,10. Schrter Türkheim Ab. 2,80. Rttmnnr München Ab. 100,00, Schr. 21,85. Lgs Hannover Ann. 2,40, Schr. 11,20. Mllr Mannheim Ab. 25,00. Wgr Brdstdt Schr. 8,80. Jlnch Linz Ab. 3,40. Gnwld Al- tenburg Schr. 10,00. Exped. d.„Fr. Presse" Magdeburg Ab. 265,00. Pnngr Bremen Ab. 43,60. Mltg Altona Ab. 52,90. Anzeigen zc* Frankfurt a. M.». Nmg. N.Z,?chV und Monatkabonnements aus alle sozialistiichen Zeitungen„Vorwärts", „Neue BWt",„Rundschau�„Die Zukunft",„Berliner Freie Presse",„Volksfreund",, Reue Olcstllschaft",„Hamburg- Al- tonaer Volksblatt" u. f. w. zu jeder Tageszeil angenommen werden. Ferner mache ich darauf aufmerksam daß bei mir Austräge auf Druck- fachen aller Art, z. B. Adreßkarten, Bisittenkarten, Rech- nungen, Circuläre u. f. w. angenommen werden. Alle Drucksachen werden billig und nach Wunsch schnell und bestens besorgt. W. Knoke, Kleine Eschenheimerstraße 34, 2. Etz. dkL Den geehrten Abonnenten des„Vorwärts" zur Nachricht, daß vom Sonntag, den 18. November, an das?lbonnementSgeld erhoben wird.[140 fÄz-nitfutrit Korbmacher Bund. Sonnabend, den 17. November, Abds. halb 9 Uhr: Mitglieder-Versammlimg. Tagesordnung: Innere Angelegenheiten. Der Vorstand.[60 Gewer kschafts-Borstände. Freitag, den 16. November, Abends 8 Uhr, im Lokale des Hrn. Kern, gr. Windmühlenstraße Nr. 5:[70 Zusammenkunft. Tagesordnung: 1. Die Centralisation. 2. Verschiedenes. Carl Stammer. Neue Welt Heft 2 Jahrgang III.(mit dem 1. Oktober a. e. beginnend) ist versandtfertig und wird nur auf ausdrückliche Bestellung geliefert. Wir bitten also, rechtzeitig Nachricht hierher zu geben. Leipzig, den 27. Ottober 1877. Die Expedition der„Neuen Welt". _ Färberstr. 12. n. Prachtvoll und solid gearbeitete Einbanddecken (Goldpressuna) für die „Neue Welt" Jahrgang 1876 u. 77 sind in Schwarz ä Stück M. 1,20, in Roth M. 1,50 gegen baar oder Nachnahme durch die Buchbinderei von H. Jansen, Leipzig, Universitätöstrasie 16 zu beziehen. Colporteure und Filialexpedittonen erhalten bei Partiebezug entsprechenden Rabatt. Porto zu Lasten der Empfänger. XL. Bestellungen hierauf werden entgegengenommen und effektuirt von der Expedition der„Neuen Welt", Leipzig, Färberstt. 12 II. „Der arme Conrad." Jllustrirter Kalender für das arbeitende Volk pro 1873. (Dritter Jahrgang.) Gegen die Vorjahre bedeutend vergrößert(132 Seiten stark). Trotz der gediegenen und reichhaltigen Ausstattung kostet der Ka» lender geheftet nur 40 Pfg., gebunden und mit gutem Schreib» papier durchschossen 60 Pfg., gegen baar oder Postvorschuß. Den Bestellern von Einzel-Exemplaren ist anzuempfehlen, für jedes Exemplar brochirt 50 Pf., gebunden 70 Pf., einzusenden, wofür wir es franco per Kreuzband zusenden. Die Lieferung des Kalenders erfolgt nur gegen baar oder Postnachnahme. Krei-Kremptare werden nicht abgegeben. Auf Posten von 1 Dutzend aufwärts berechnen wir brochirt 25 Pf. pro Stück>. gebunden 40„„„( nctt0 baar. Krpedition des„vorwärts", Leipzig, Färberstraße 12/11. Hrpedition der„Zacket", Leipzig, Kleine Fleischergasse 15. Srpedition der„Zsreien grelle", Berlin, Kaiser Franz- Grena- dierplatz Nr. 8 a Absatz bis 15. Oktober 20,000 Exemplare. Es erschien und ist sowohl dirett wie durch alle sozialistischen Zei- tungsexpeditionen zu beziehen: Volkskalender für 1878. 13 Bogen gr. 4. Schön illustrirt. 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Die SNaven-Emanzivation, von Glaßbrenner. Eine seltsame Geschichte. Vom Bau der Pflanzen. Die seltsamen Menschen, von Lichlwer. Nachts, von Prutz.„Heil Dir im Siegerttanz", ein Beilrag zur Geschichte der Bolkshymnen, von Ed. Sack. Die Ent- stehungSursache des Keuchhustens. Abenteuer eines Grafen mit seiner Miichschwester, von B. Becker. Der Stein der Mutter oder die Gua- Hiba-Jndianerin, von Chamisso. Das große Loos, von Langbein. Die Diebe, von Glaßbrenner. Jnsetten- Geschichten. Lied von dem deutschen Phil'ster— Flora Germanica— Persönliche Sicherheit, von Hoffman» von Fallersleben. Die abgestellte Hungersnoth, von Rückert. Nieder mit den Fälschern!„Hütekinder", von Ed. Sack. Blumen von Eis. Der Krieg im Orient. Testament Peter's des Großen. Drei helle Köpfe: Lessing, von W. Bracke; Joh. Jacoby, von S. K.; Karl Marx, von F. Engels. Der deutsche Reichstag, von einem sozialistischen Ab- geordneten. Die Städtebevölkerung des deutschen Reichs. Tabellen: Portotabellc, Banknotenverzeichniß, Depesckien- und Wechseistempel-Tarif, Korn- und Fruchtrechnung, Trächligkeitstabelle. Am Schlüsse befinde! sich ein vollständiges Berzeichniß der Messen und Märkte für die be- treffende Ausgabe. Den nach der Nordseeküste gehenden Exemplaren wird die Ebbe- und Fluthlabelle der Nordsee beizelegt. Ällustrationen: Titelbild. Monatsbilder. Erde und Mond. Die Planeten. Die Sonne und die Planeten. Durchgang des Merkur 1710, der BenuS 1761. Nistkästen. Pflanzenzellen, Markzellen, Holzzellen mit Ber- dickungsschichten, Zellen der Nadelhölzer, Längsschnitt eines Gefäß- bündels. Baumwolle, Flachsfaser, Wollenhaar, Seidenfaden. Palmen- gruppe. Landschaft in Sibirien. Der Upasbaum. Die drei Grazien, kalifornische Mammouthbäume. Tropischer Palmenwald. Mangrove- Wald im Tieflande von Ecuador. Ameisen, von einem Raubzug zurück-- kehrend. Ameisen, im Bau eines gedeckten Weges gestört. Schnee- kistalle. Lessing's Denkmal zu Braunschwcig. Portraits: Gotth. Ephr. Lefsing; Johann Jacoby; Karl Marx. Sitzungfaal des deutschen Reichstages. Der Kalender dient der Aufklärung und der Sache des Volks, Bestellungen werden erbeten von Braunschweig, 1. August 1877. W. BrUlfo jp. Sozialistisches Eclitrill-Wlihl-Comito. Die Sitzungen des Comitös finden jeden Dienstag und Freitag Vor- mittag stall. Briefe für dasselbe sind zu adrcssiren an die Settetäre I. Auer oder C. Derosfi, Pferdemartt 37 in. in Hamburg. Geldsendungen sind zu richten an August Geib, Rödingsmartt IS in Hamburg. Berantwoctlichcr Redaveur: Hermann Helßia in Reudnitz- Leipzig. Redaktton und Expedition Färb-rstraße 12/Il. in Leipzig, Druck und Verlag der GenoffenschaflSbuckdruckerei in Leipzig.