Erscheint in Leipsiz Mittwoch, Freitag, Sonntag. AbonnemcnisprciS .in gua, Tentichland 1 M, 68 Ps. pr, Quartal. MonatS> Abonnement» «rden bei allen deutschen Poslanstalten «s den 2. und Z. Monat, und aus den t> Monat besonder» angenommen: im Mönigr. Sackien und Herzogth. Zachsau- Altenburg auch aus den tlen Monat des Quartal» i 54 Psg. Inserate Mr.«ersammlungen pr. Petitzeile 10"EU betr. Privatangelegenheilea und Feste pro Petitzeile 30 Pf. Jl.ut Jüeflcllimgcn nehmen an alle Postanstalten und Buch» Handlungen de» In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. 5ew-Nork: So�.-demokr. Genosien- schastsbuchdruckerel, 154 LlÄnäxs 8rr. Philadelphia: P. Haß, 630 Z?ortd 'örd Street. I. Voll, 1129 Charlotte Str. Hobofen N.J.: F. A. Sorge, 215 Washington Str. Chicago: A. Lanfermaim, 74 Clybourneave, San Franzisco: F. Entz, 443 OTarrell Str. London W.: S. Henze, 8 New otr. Golden Square. Kentrat Hrgan der Koziatdemokratie Deutschtands. Nr. 137. Mttwoch, Zl. November. 1877. .)|,- v; 1 Alt-««?»- ittth WnhitttfrrtnP wissen, daß er praktische Kenntnisse hat. Er ist selber Groß- Tie Gruno- uuo Booensrage Grundbesitzer(er treibt namentlich die Runkelrübenzucht im Großen) wurde am 13. d. M. wieder einmal im preußischen Landta� und�hat als solcher die Erfahrung gemacht, daß der behandelt, und natürlich so behandelt, wie wir es von dieser Großgrundbesitzer 61 lliger wrrthschaftet als der Klemgrund- Körperschaft gewöhnt sind. Ten Anlaß bot, wie bei früheren Wie der Abgeordnete sombart dazu gelangt ist, den Gelegenheiten, der Etat der Domänenverwaltung. Man Großgrundbesitzer L-ombart �.ugen zu irafen, und dessen wird sich erinnern, daß die liberale Majorität, unterstützt von Erfahrungen einfach auf den Kops zu stellen, das ist ein Rath, el, allen, auch nicht liberalen, Elementen, die ein Geschäftchen dabei �ssien Losung wir dem Scharfsinn unserer �eser uberlassen. zu machen gedenken, auf Parzellirung der Domänen in der®cn"9— � Abgeordnete sombart als„beeinen oder anderen Form hinarbeitet; und man wird sich ferner kannte Thatsache hingestellt hat, ist genau das Gegentherl erinnern, daß die preußische Regierung diesem gemeinschädlichcn?ksien, was Erfahrung und Wissensusaft sestgestellt haben, so Streben Conzessionen gemacht und sich, wenn auch unter aller- �k, daß es für Jeden, der sich ernsthaft mit der Grund- und Hand Clauseln, auf die schiefe Ebene der Domänenparzellirung Äodenfrage beschäftigt, eine„bekannte Thatsache ist. begeben hat. Vorigen Dienstag wurde die Debatte von dem vergleichende statis.ik der Grund- und Abgeordneten Sombart eröffnet. Derselbe sagte: Sodenverhaltn.sse von England und Frankreich genügt schon, „Als ich in der letzten Session die Auftnerksamkeit des Hauses, um jeden Zweifel zu besiitigen. Bei aller Plackerei des fran- auf die Parzellirung der königlichen Staatsdomänen innerhalb zosischen Parzellenbauern� ubersteigt der Bodenertrag Englands. des Regierungsbezirkes Stralsund lenfte, erhielten wir von der der Großgrundbesitz herrscht, den französischen Bodenertrag Regierung die Erklärung, daß man diese Parzellirungen der pr.Ackerumiech�ndiechzlgProz.,undlnEnglaiidverrichtenbelm schlechten Resultate wegen vorläufig habe fistiren müssen. Ackerbau zwei Menschen die Arbeit, zu welcher m Frankreich Nun sehen wir jedoch, daß grade im Regierungsbezirk Stralsund''eben erforderlich sind. Und dabei ist der Boden ,n Frankreich die Pachterträge gegen das Vorjahr erheblich zurückgegangen durchschnittlich ftuchtbarer als in England.-t.as sind sind, und in den„Bemerkungen" heißt es, daß daran die höheren Arbeitslöhne oder vielmehr die höheren Kulturkosten die Schuld tragen. Wir haben über die Gründe dieser Erscheinung schon in der vorigen Session ausführlich gesprochen. Im Regie- rungsbezirk Stralsund bestehen vom gesammten Grund und Boden 5—6 Proz. in Stadtfluren, 16Proz. fallen auf den kleinen Grundbesitz und der ganze Rest, also gegen 80 Proz., befindet sich in den Händen des Groß- grundbesitzes. Es ist aber eine bekannte Thatsache, daß der große Grundbesitz auf die Dauer nicht so billig bekannte Thatsachen", an denen nur ein Ignorant zu rütteln versuchen kann. Eine„bekannte Thatsache" ist ferner, daß der Kleingrund- besitz in unserem Deutschland sich in der jän.merlichsten Lage befindet, und, durch die Concurrenz des Großgrundbesitzes zu Boden gedrückt, seinem ökonomischen Untergang mit Riesenschritten entgegeneilt. Es bedarf keines besonderen Studiums der Grund- und Bodenfrage, um dies zu begreifen. Man braucht blos die Grundzüge der Nationalökonomie zu kennen. Daß der Groß- Produzent billiger produzirt als der Kleinproduzent, weiß nach gerade jedes Kind, und jeder kleine Handwerker, dem der Fabrn wirthschaften kann wi'e der Bauer. Daraus ergiebt sich kant den Strick um den Hals gelegt hat, weiß auch warum. für die Regierung die Pflicht, für eine Vermehrung des Klein- Was aber von der Produktton aus industriellem Gebiete gilt, grundbesitzes in solchen Landestheilen zu sorgen, wo derselbe, wie das gilt auch von der Produktion auf dem Gebiete der Land- in Neuvorpommern, vom Großgrundbesitz fast ganz verdrängt. w'fkchsichaft, die ja, genau genommen, nur ein Zweig der In- ist. Ich erklärte schon in der vorigen Session, daß wir die dustrie ,st und von denselben w.rthschaftlichen Gesetzen beherrscht schlechten Resultate, welche die Regierung bei der Gründung der! wirb, wie die Industrie im� engeren üimie des Worts. Bauergüter erzielte, dem verkehrten Verfahren zuschreiben müssen, und ich machte mich anheischig, etwas Besseres an die Stelle zu setzen. Leider haben sich meine Versuche aus anderweitigen Gründen zerschlagen. Die Schwierigkeit liegt in der Gebäude- frage. Man muß die Gebäude mit parzelliren und den Bauern- Höfen zuweisen. So viel vom wirthschaftlichen Standpunkte. Nicht minder wichtig ist der soziale, communale und polittsche Standpunkts Wir stehen am Vorabend einer Landgemeinde vrdnung (Schluß folgt.) ganz genau zu wissen, wie, wenn er an die Herrschaft gelangt, sich die Zukunft des Menschengeschlechtes gestalten wird. Eine größere Absurdität giebt es nicht." Ja, gewiß! Eine größere Absurdität giebt es nicht, als dem Sozialismus fortwährend Unwahrheiten in die Schuhe zu schieben. Wie oft hat der„Vorwärts" behauptet, daß die Zukunftsmalerei wohl interessant und gehirnstärkend sei, aber keirm Anspruch habe auf Wissenschaftlichkeit und auf besondere Bea�tung. Das Alles weiß Herr Schulze nicht, er kennt weder die sozialistischen Forderungen, noch die sozialistischen Anschauungen— möge er sich doch nur die Mühe nehmen, die„Quintessenz des Sozia- lismus" von Schäffle zu lesen, dann wird er, wenn er ein ehrlicher— nicht blos„christlicher", Herr Schulze, Sie ver- stehen mich— Mann ist, nicht solche Absurditäten sprechen, wie er es am 12. d. M. in der Aula des Schul- und Museum- gebäudes zu Hamburg gethan hat.--- Der hiesige Gastwirthsverein hat die Errichtung eines Unter- suchungsamts für Lebensmittel beschlossen und wird einen Berein hierzu gründen. Die ersten Kosten will der Gastwirths- verein selbst tragen. Es ist namentlich der Zweck, daß die Krämer, Fleischer, Weinhändler rc. in ihrem eigenen Interesse dem neuen Verein beitreten, und sollen die Firmen viertcljähr- lich veröffentlicht werden.— Der Plan ist gut, wenn man nur nicht den Bock zum Gärtner macht. Noch will ich Ihnen das historische Ereigniß mittheilcn, daß in unserer Nachbarstadt Altona der Vorstand des national- liberalen Vereins zu einer Generalversammlung eingc- laden hatte, daß aber dieselbe nicht abgehalten werden konnte, weil außer den 7 Vorstandsmitgliedern nur 3 Vereivsmitglieder sich eingefunden hatten. Sie sehen, daß unsere Gegner m Al- tona ihr Pulver schon verpufft haben, bei uns in Hamburg sind sie jetzt ä In Julius Schulze fest dabei, dasselbe gleichfalls zu verknallen« Schließlich hier so gut dort: großer Reichstagswahllärm, etwas Knallerei, etwas Rauch und dann— der Philister zieht die Schlafmütze über die großen Ohren, wie es auch bvav ist. Währenddeß erstarkt unsere Partei mehr und mehr, man räumt fast überall ihre Berechtigung ein. Wenn es Ihnen lieb ist, werde ich ab und zu Berichte ans Hamburg einsenden. Ans Hamburg. — 14. November. — n Da ich verreist war, habe ich Ihnen seit längerer Zeit keinen Bericht einsenden können. In Nr. 134 des„Vorwärts" ......._ u befindet sich ein dem„Hamburg-Altonaer Volksblatt" enwom- Wie können"Sie sich aber eine solche denken"in einem mener Bericht über einen Vortrag, den Herr Julius Schulze Regierungsbezirk, in welchem es keine Landgemeinden giebt? im liberalen Hamburger Reichswahlverein am 5. d. M. gehalten Sodann erwägen Sie, daß die Strömung der Zeit dahin geht, � hat. Ich glaube, daß Sic den Mann allzu ernst nehmen. In j daß die Leute ihren eigenen Heerd haben wollen und dann lieber Folge des Berichts fühlte ich mich nämlich veranlaßt, am 12. arbeiten und billiger arbeiten. Unsere ganze Organisatton, d. M. mit Hilfe eines guten Freundes, der zugleich, wenn auch unsere Staatsverfassung drängt dahin, ein communales Leben kein verbissener, ein Reichsfteund ist, dem zweiten Vortrage des -zu errichten. Auch das sind Gesichtspunkte, die den Gegenstand Herrn Schulze beizuwohnen. Auftichtig gesagt, es hat mir sehr als im höchsten Grade wichtig erscheinen lassen. Ich würde leid gethan. daß ich dieserhalb Zeit und Opfer gebracht habe; nun, wie ich schon früher ausführte, das landwirthschastliche als Entschädigung will ich über den Vortrag einige Worte Ministerium für geeigneter zur Verwalwng der Domänen halten schreiben. als das Finanzministerium. Ich nehme jedoch Abstand, einen Das Thema lautete: Einige besonders wichtige Spezialge- diesbezüglichen Antrag zu stellen, weil der Minister Friedenthal biete der Sozialwissenschaft. Bon allem Anderen sprach Herr jetzt das landwirthschastliche Ministerium nur als das kleinere, Schulze, nur nicht über das Thema— gerade als ob er an den das Ministerium des Innern aber als das größere verwaltet, berühmten Ausspruch eines eine Versammlung auflösenden rhei- Ich möchte jedoch der Regierung im Allgemeinen die Frage ans nischen Gensdarmen gedacht hätte:„Hier darf vom ,Themw Herz legen, ob es nicht zweckmäßig wäre, eine ganz selbstständige, nicht gesprochen werden!",■, mit größerer Machtbcfugniß ausgerüstete und nur aus wenigen Wie der Redner es nun fertig brachte, um sein„Thema" Personen bestehende Commission, ähnlich der im Jahre 1817 herumzukommen, dafür nur einige Beispiele. Herr Schulze errichtettn Generalcommission. für diese Angelegenheit ins Leben meinte, die Sozialdemokratie behaupte, daß alle vorhandenen zu rufen und dieser Commission die Auswahl der betreffenden Mängel, Uebel und Mißstände ihren Ursprung 1) in dem Mangel Domänen und die Besetzung derselben mit ländlichen Stellen zu übertragen. Lassen Sie mich noch einen landwirthschaftlichen Gesichtspunkt erwähnen, den ich für äußerst wichtig halte. Wir produziren seit Jahren in Deutschland weniger Getreide, als wir consumiren. Vor 30 Jahren führten wir noch aus und im letzten Jahre haben wir 34,000,000 Centner Getreide mehr ein an Moral, 2) in dem Mangel an genügender Kenntniß, 3) in der ungenügenden Produktion, 4) in einigen in unserer Zeit mit besonderer Stärke hervorgetretenen Umständen hätten. Und an diese seine„sozialdemokratischen" Thesen biß sich der Mann fest, zerrte sie hin und ber, und er so wenig als das Publikum merkte, daß solche„Behauptungen" gar keine sozialdemo- als ausgeführt, darunter 20,000,000 Centner Roggen. In allen krattsche sind. Von einer ungenügenden Consumtion hütete dünnbevölkerten Distrikten jedoch wird nach meiner Ansicht noch sich der edle Herr wohl zu sprechen, von einer gerechten Ver- so extensiv gewirthschastet, daß man ein bedeutend größeres theilung der Produtte schien weder er, noch auch seine So- Quantum Getreide bauen könnte, wenn man Bauernwirthschaften zialdemokratie etwas zu wissen.— Tann sagte der brave Bor- einführte. Man läßt dort große Ackerstrecken brach liegen, um tragende, daß Lassalle's Lehre vom„ehernen Lohngesetz" den sie als Weidegang für das Rindvieh zu benutzen; man überlegt Vorwurf der größten sozialen Unsittlichkeit verdiene.— Richtig jedoch nicht, daß man auf diese Art den Dünger verliert. Zur ist, daß das„eherne Lohngesetz" selbst die größte soziale Unsittlichkeit Stallfüttcrung fehlen da die Arbeitskräfte. Ich glaube, daß in ist, die den Menschen zur Waare herabwürdigt, und daß der- dieser Hinsicht der Kleinbauer rationeller wirthschaftet. Ich jenige, der auf diese Unsittlichkeit aufmerksam macht, der dieses wiederhole nochmals, daß es sich hier um eine der wichtigsten unsittliche Verhältniß zwischen Kapital und Arbeit lösen will, Fragen handelt, die jetzt der Regierung vorliegen, und ich bitte auf der höchsten Höhe der sozialen Sittlichkeit sich befindet. Sie deshalb dringend, verlieren Sie dieselbe nicht aus den Derjenige aber, Herr Julius Schulze,— verstehen Sie mich Augen" recht— der solches tief unsittliche Abhängigkeits- und Lohnver- So Herr Sombart. Ohne uns bei dem Nebensächlichen hältniß beibehalten will, und sei er sonst noch so christlich- seiner Ausführungen aufzuhalten, wenden wir uns sofort zu dem fromm, der leistet der„größten sozialen Ungerechtigkeit" Bor- Kernpunkt. Herr Sombart, dem wir für seine höchst interessanten schub und müßte nach Ihrem Glauben einige hundert Jahre ........-"■■•-''"" länger in der Hölle braten, als jeder andere gewöhnliche Sünder. Sie sehen also, daß Ihnen über diese Ihre, nicht Lassalle's, Herr Sombart, dem wir für seine höchst interessanten statistischen Aufschlüsse über die Grund- und Bodenverhältnisse des Regierungsbezirks Stralsund aufrichtig danken, geht von dem Satz aus:„daß der große Grundbesitzer auf die Dauer nicht so billig wirthschaften kann, wie der Bauer." Wenn uns ein beliebiger Birnbaum oder sonstiger Professor der theoretischen und praktischen Nichtwisserei heute noch, im Jahre des Herrn 1877, von dieser„bekannten Thatsache" erzählt, dann Wundern wir uns weiter nicht: der Mann weiß es eben nicht Unsittlichkeit selbst Ihr Christenthum nicht forthilft. Zum Schlüsse aber sprach Herr Schulze ungefähr folgende Worte:„Wir leben als Kinder unserer Zeit in einer besonderen Gedankenwelt. Franzoien, Nordamerikaner und Chinesen haben auseinandergehende Vorstellungen und ist daher unsere geistige Entwickelung sicher noch einer namhaften EntWickelung fähig. besser— wir zucken einfach die Achseln. Allein Herr Sombart Während es der größte Borzug des men>chltchen Geschlechtes ist, ist kein Birnbaum. Wie es um die theoretischen Kenntnisse alle Kraft an diese Entwickelung zu sttzen, ohne sich des zu er- des Herrn Sombart steht, das wissen wir freilich nicht, aber wir reichenden Zieles klar bewußt zu sein, behauptet der Sozialismus, Die Corruption. (AuS Amerika.) Wir haben nachstehend alle Fälle von Corruption zusammen- gestellt, welche eine Zeitung(die„Newyorker Sun") an einem einzigen Tage mittheilte(12. Oktober). Wir haben diese Zei- tungsnummer auf's Gerathewohl herausgegriffen, zweifeln aber nicht, daß die Anzahl der Fälle an diesem Tage nicht größer als an andern war. San Francisco, 11. Ottober. Hr. Duncan, Präsident der Pionier Bank(eben verschwunden) hat kürzlich sein Leben für 90000 Doll. vorsichert. Man glaubt, er habe Selbstmord be- gangen. Die Bank soll zahlungsunfähig sein. Washington, 11. Oktober. Fünf Bundcssteuer- Einnehmer heben drei Whiskeybrennereien bei Morgantown in Nordcaro- lina auf, welche die Maischsteuer hinterzogen haben. Sie wer- den dabei alle durch die im Busche versteckten Kapitalisten meuch- lerisch durch Schüsse verwundet und der Wegweiser wird später aus seiner Wohnung geholt und ermordet. Washington. 11. ONober. Der Bundes-Landbeamte Wil- liamson in San Francisco berichtet hierher an das General- Landamt, daß er ausgedehnte Betrügereien entdeckt habe und vor Gericht zu ziehen ermächtigt sein möchte. Es handelt sich um Fällung von Bäumen auf Bundesland durch große Eisen- bahn- und andere Compagnien, welche gewerbsmäßig im größten Maßstabe betrieben worden sei und noch werde. In einem Falle handle es sich um zwanzig Millionen Dollars, in einem anderen um drei Millionen, in einem dritten um zwanzig Mil- lionen. Die Zahl der weniger ansehnlichen Holzdiebstähle soll sehr groß sein. Cincinnati, O., 11. Oktober. Bei einer Neuwahl der Di- rektoren der Ohio und Mississippi-Eisenbahn wurde von den Newyorker Attionären die regelmäßig erfolgte Wahl Nachtrag- lich durch eine andere Protest-Wahl umzustoßen versucht, um d:c Bahn zu stehlen. Bound Brook, N. I., 11. Ottober. Eine Bande Pferde- diebe, welche aber blos Vollblutpferde stiehlt, und deren in einer Nacht vier von verschiedenen Züchtern gestohlen hat, wird von den vereinigten Farmern der Umgegend bis zu einem unzugäng- lichen Sumpfe verfolgt, ist aber noch nicht erwischt worden. Hoboken, 11. Oktober. Der Stadtkämmerer, der einen Fehlbetrag von 70,000 Doll. in Kasse haben soll, wird vor Äe- richt gestellt, bekommt aber Aufschub der Verhandlung, weil seine Beweisstücke noch nicht fertig find. Editoriell(Redaktionell). Der eben beendigte Indianer- krieg mit den Siez Perces hat dreihundert Menschenleben auf feiten der Weißen allein und viele Millionen Dollars Bundes- ausgaben und an zerstörtem Eigenthum gekostet. Es war ein ganz ungerechtfertigter Krieg, den die Weißen von- Zaun ge- krochen hatten, um die stets friedlichen Nez Perces von ihren rechtmäßigen Ländereien zu vertreiben. Editoriell. Die„Newyorker World" wird beschuldigt, von einer britischen Unternehmergesellschaft bestochen zu sein, welche mit dem Khedive von Aegypten einig geworden ist, fiir 100,000 Doll. den bekannten Obelisk, Kleopatras Nadel genannt, der zum Ge- *) Ist uns sehr angenehm. Redaktion deS„Vorwärts". schenk für Amerka bestimmt ist, zu befördern. Eine amerikanische Unternehmungsgesellschaft hatte dem Khedive einen viel billigeren Transport versprochen. Editoriell. John Sherman, Minister des Präsidenten Hayes, und Karl Schurz werden beschuldigt, die Bundesbeamten' Stimmgeber, besonders aus der ehrlich arbeitenden Klasse um in Washington besteuert und zum„Stumpen" in Ohio besohlen eine Partei der Arbeit zu bilden und durch diese den Kapitalis- zu haben, im Widerstreit mit Hayes' bekannter Order, und der mus abzuschaffen? Sind nicht alle die oben berichteten Corrup- Finanzminister Sherman sagt selbst, daß er in Ohio„gestumpt" tionsfälle gesetzmäßige Früchte jener Gesellschaftseinrichtung, die habe, anstatt seines Amtes zu warten. kein oberstes sittliches Prinzip hat, sondern den Zufall heiligt, Editoriell. Es werden Beweise beigebracht, daß der Neger-! welcher es den Wenigen möglich macht, auf Kosten der Vielen Nepräsentant Robert Smalls von Südcarolina im Jahre 1873(der miseru contribuens plebs) zu leben und zwar herrlich und den größten Theil der Summe von 525,000 Dollars gestohlen in Freuden zu leben? A. D. habe, welche die Neger-Repräsentation in der Staatsgesetzgebung/ Wir fragen unsere Gegner, so viele deren nicht selbst ein Freie Presse", die frühere Verehrerin Bismarcks, welche aber Interesse am Fortbestand der Corruption haben: Wiss't ihr ein jetzt, nachdem Subsidien nicht mehr gezahlt werden, antibis- durchgreifendes Mittel, um eine entschiedene Wendung zum marckisch geworden ist, läßt sich von ihrem Brüsseler Correspon- Bessern zu bewirken, außer einer allgemeinen Aufraffung der deuten, der von gewisser Seite ohne Wissen der Redaktion rep- ..... tilisirt zu werden scheint, folgendes Kuckucksei in ihre Spalten legen: jeder mit 5000 Dollars bestochen, für Staatsdruckarbeiten ver- willigt haben. Editoriell. Es wird ein Brief des Richters I. I. Pas- chal von Texas mitgetheilr, welcher den Verdacht bestätigt, das Präsident Grant corrupte Pläne verfolgte, als er � die Republik San Domingo an die Union zu annectiren und den Mayor Raymond W. Perry auf bloße � Vorwände hin unschädlich zu machen suchte, weil dieser dem Senator Chas. Summer das Ge- heimniß mittheilte. New Aosrk, 11. Oktober. Ex-Senator Tweed setzt vor dem Untersuchungs-Comitö seine Geständnisse fort, in welcher Weise und mit Hilfe welcher Diebe er von 1860—72 die Stadt um etwa hundert Millionen Dollars bestohlen habe. Man lernt eine neue Anzahl mit schuldiger Beamten und Gesetzgeber kennen. New Jork, 11. Oktober. Die 1866 eingesetzte Behörde, welche die Matrosen-Kneipwirthe lizensiren und beaufsichtigen soll, damit die armen Matrosen von diesen Schwindlern nicht bestohlen werden, hat in diesen elf Jahren mehr als 10,000 Dollars an Lizensgebühren eingenommen und meist als Gehälter unter sich vertheilt, wozu sie nicht berechtigt war. Ein Unter- suchungsausschuß von Schiffseignern hat dies ermittelt, sowie daß sie keine der ihnen auferlegten Pflichten dafür erfüllt haben. New Orleans, 11. Oktober. Die Louisiana-Wahlfälscher werden doch noch zur Strafe gezogen werden können, da der Supreme Court des Staates entschlossen mit diesem Falle vor- geht. Dadurch wird möglicherweise das Recht des Präsidenten Hayes auf sein Amt entschieden. Washington, 11. Oktober. Der Verdacht, das Patent- office-Gebäude sei in Brand gesteckt worden um Beweisstücke für die Corruption des Grantschen Kabinets zu vertilgen, erhält sich hartnäckig in Umlauf. New Aork, 11. Oktober. Canby B. Aldrich wurde gestern von Brooklyn nach Philadelphia ausgeliefert. Er ist aus an- gesehener Familie und ein bisher unverdächtiger Geschäftsmann, soll aber seinem Bruder geholfen haben 11,500 Doll. zu stehlen und zu hehlen. Paters on, N. I., 11. Die Großgeschworenen klagen den Schatzmeister und zwei Direktoren der Merchants Loan u. Trust Comp, einer Unterschlagung von 20,000 Doll. an. Sie werden gegen Bürgschaft freigelassen. Damit ist die Liste der großen Schwindeleien, verübt von Kapitalisten und ihren Bertrauenspersouen geschlossen. Daneben werden noch etwa ebensoviel kleinere Diebstähle, Schwindeleien u. s. w. mitgetheilt, aber natürlich nur jene geringe Zahl, die auf New Aork und Umgegend entfallen und von der gewöhnlich sogenannten„Verbrecherklasse" ausgingen. Für einen einzigen der 314 Wochentage im Jahre gewiß eine große Zahl, und bei welcher es sich um sehr beträchtliche Summen handelt; schwerlich aber ist dieser eine Tag darin ausnahmsweise bevorzugt. Wir sind so daran g wöhnt, uns mit solchen Pröbchen der Corrup tion gerade unserer besten Gesellschaft überschüttet zu sehen, daß wir gar nichts Besseres mehr erwarten. Wir sehen nicht, daß diese massenhaften täglichen Vorkommnisse das Gewissen der Nation schärften, einen Sturm des öffentlichen Unwillens er- regten, oder anders denn als„pikante Lektüre" hingenommen würden. So weit ist es gekommen mit unsrer Republik, wenn man unsern Staat noch so nennen darf! Die sittliche Fäulniß, welche die herrschende Klasse in so furchtbarer Ausdehnung ergriffen hat und nach unten hin ein so verderbliches Beispiel giebt, ist jedoch nicht auf Rechnung des amerikanischen Volkscharakters zu setzen. Sie ist in Europa schwerlich geringer. Nur hängt man dort nicht alle solche An- zeichen der Corruption an die große Glocke. Wir sind über- zeugt, daß, falls wir wirklich mehr und ärgere Corruptionsfälle als Europa für eine gleiche Kopfzahl aufweisen, nichts als die Schrankenlosigkeit schuld ist, mit welcher bei uns der Kapi- talis: as herrscht, sowie die Straflosigkeit, welche er sich für seine Verb.�en verschassen kann. Wir fragen uns voll Verwunderung: Kann dies noch lange so fortdauern? Hozialpolichche Uebersicht. — Im preußischen Abgeordnetenhause wird eine In- terpellation über den Welfenfonds(Reptilienfonds) stattfinden. Bei dieser Gelegenheit weist die„Frankfurter Zeitung" auf die Entstehung dieses Fonds hin. Das sequestrirte Vermögen des Königs Georg bestand exclusive des für ihn reservirten Jnven- tars der Schlösser aus 40 Millionen Mark in preußischen Staats- papieren. Diese bildeten den zur Zeit der Beschlagnahme noch nicht ausgelieferten Theil der mit 43 Millionen Mark dem König Georg in dem 1867 abgeschlossenen Vertrage zuerkannten Ab- findung. Die Zinseinnahmen von jenen 40 Millionen betragen jährlich gegen 1,800,000 Mark. Hiervon wird eine halbe Million an Verwaltungskosten des Sequesters für die Schlöffer verbraucht. Der Rest von gegen 1,300,000 Mark würde oem Kapital zu- wachsen müssen, wenn nicht in dem bekannten Beschlagnahme- Gesetze der Regierung die Ermächtigung ertheilt worden wäre, diese Revenuen auch zur Ueberwachung und Abwehr der gegen Preußen gerichteten Unternehmungen des Königs Georg und seiner Agenten zu verwenden. Die Regierung vertritt nach wie vor die Anschauung, der sie vor längerer Zeit bei Beantwortung der Interpellation des Grafen Schulenburg im Herrenhause Aus- druck gab, daß an eine Herausgabe des Fonds an den König Georg so lange nicht gedacht werden könne, bis derselbe eine loyale Haltung gegen die Krone Preußen angenommen haben werde.— Wie allgemein verlautet, wird die Regierung die In- terpellation gar nicht beantworten. Das wäre allerdings nicht sehr respektvoll dem Hause gegenüber, aber das Resultat bliebe dasselbe, da die Resolution, welche die Herausgabe oder eine andere Verwendung des Fonds verlangt, von den Liberalen des Landtags nicht angenommen wird. Dieselben würden ja sonst in Verlegenheit kommen, womit sie ihre Reptilien füttern sollten, da diese interessanten Thierchen doch um keinen Preis aussterben dürfen. Und würde die Resolution durch irgend eine zufällige Majorität doch angenommen, nun, so handelte die Regierung einfach nicht danach. So liegt die Geschichte. —„Das Pentagramm a macht dir Pein?" Mit diesen Worten Goethe's(Faust, erster Theil) fragte die„Magdebur- zische Zeitung" den Abgeordneten für Magdeburg, den sie später noch oft genug angegriffen hat, den Herrn Lasker, seinerzeit, als er plötzlich innehielt in seinen Gründeroerfolgungsreden. Die Redaktion der„Magdeburgischen Zeitung" hatte damals nämlich den Gründervernichtungskrieg erklärt, weil dies Mode war, nicht aus Ucberzeugung, sondern lediglich um der Zeitung mehr Abon- nenten zu verschassen. Als Lasker, dem sie bis dahin Heerfolge geleistet hatte, nun plötzlich in seinem Kampfe innehielt, da paßte es der Magdeburgerin nicht und sie griff Herrn Lasker und ihre eigene Partei an, indem sie den„Faust" citirte und von dem Pentagramm sprach, welches dem Lasker-Mephisto den Weg verlege zum weiteren Fortschreiten in der Gründerentlarvung. Mit dem Pentagramm meinte sie natürlich die Gründer in der liberalen Partei selbst.— Am 15. d. M. citirte nun im Ab- geordnetenhause der klerikale Abgeordnete v. Ludwig obigen Aus- spruch der„Magdeburgerin" bei der Etatsberathung, Posten: Staatsanwaltschaft.„Das Pentagramms macht dir Pein?"— Lasker, ganz wüthend, erwiderte und warf den Herrn v. Diest- Daber, dann den bekannten Gründerentlarver Glagau und— die„Magdeburgische Zeitung" in einen Verleumdertopf. Die „Magdeburgische" hat jetzt trotz dieser Lasker'schen Insulte, weil es Mode geworden ist, die Gründerentlarver anzugreifen und zu verleumden, und weil dies gegenwärtig mehr Abonnenten schafft, den Spieß umgedreht und sticht nach Glagau w. k., erklärt das„Pentagramm" für einen launigen Scherz und hebt Laskerchen,„dem das Pentagramma Pein macht", auf den Schild. Man hat also in diesem Leiborgan der Herren Sybel, Konitzer, Mehring, v. Unruh und Genossen ein überaus schmutziges Reptil vor sich. Ueber die interessante Gründerverhandlung im preußi- schen Abgeordnetenhause selbst berichten wir in der nächsten Nummer. — Der Stieber geht wieder um. Die Wiener„Neue Ueber die Zustände des modernen Theaters. Von S.-G. (Schluß.) So wird, um von vielen Beispielen eins herauszugreifen, dem Künstler in Momenten der persönlichen Roth sein Contrakt in der stillen Voraussetzung gekündigt, daß der Künstler um ein „billigeres" arbeiten müsse, und im verzweifelten Augenblicke, den Fuß schon halb auf der Straße zum Elend, besinnt sich der „Menschendarsteller" und— arbeitet billiger, und wie in der Industrie, so in der Meininger„Dramatischen Fabrik"— je größer die Profitrate des Unternehmers, desto niedriger und elender die— Arbeitslöhne; oder was sagt man dazu, wenn auf> der einen Seite die Meinmger Direttion in einer deutschen Pro vinzialstadt innerhalb eines Monats gegen 60,000 Mark ver- einnahmt, und zählt anderseits unter ihrer Truppe circa 20 Künstler, welche nur eine Monatsgag? von— 50 fl. südd., ja einige sogar nur 30 fl. beziehen? Und noch sind diese armseligen Gagen nicht voll der Armen Eigenthum, denn da kommen erstens die Agentenprovisionen— von 5—10 Proz. variirend und so; lange als der Künstler lebt monatlich zahlbar— und sodann die Strafen und Steuern— letztere pränumerando fällig— zum Abzug! Damit diesem„rentablen" Theaterunternehmen auch nicht das Tipfelchen über dem i fehlt, um es als ein großindustrielles Unternehmen erscheinen zu lassen, sei auch des Fabrikanten- Cynismus gedacht, der sich den„Bühnenkräflen" gegenüber breit macht; oder ist es nicht Cynismus, wenn die materielle und in- tellektuelle Leiterin der Bühne, die frühere Schauspielerin und jetzige Frau von Hofstetten— die zur linken Hand dem Herzog angetraute Gemahlin— einer jungen Künstlerin auf ihren Vor- halt, sie könne mit dem geringen Gehalte unmöglich auskommen, die schleunige Antwort gab:„Ich(die ehemalige fürstl. Maitresse) bin nnt meiner Gage stets ausgekommen."— Es wäre aber verwunderlich, wenn einem so musterhaften rentablen Kapital- unternehmen die„Fabrikordnung"— jenes moderne Gesetz zur Beschränkung der Freiheit des Individuums— fehlen sollte; in der That ist auch diese in der Form eines Theatergesetzes vor- Händen. Wie in der Fabrik die absolute Herrschaft in der Fabrik- ordnung, so ist in diesem Theatergesetz die Herrschaft des Mei- ninger„Kapitalisten" verkörpert, und so wenig als in der Fabrik- ordnung der Arbeiter als Mensch, so wenig ist in diesem Gesetze der gebildete Künstler als Mensch behandelt, denn nicht genug, daß dieses Fabrik- vulgo Theatergesetz außer dutzendweisen Ent- lassungsandrohungen Geldstrafen in Fülle verhängt, werden selbst Gefängnißstrafen mehrfach angedreht. Die Verbrechen, auf welche jene schmählichen Strafen gesetzt sind, sind natürlicherweise nur „Verbrechen gegen den Kapitalismus". Verletzung des Anstandes gegen den Vorgesetzten!— Wer soll da nicht lachen? In der That, das darf der Fabrikant seinen Arbeitern nicht bieten, das wird sich auch nicht der einfälttgste Mensch bieten lassen und nun gar ein— Künstler, ein Menschendarsteller!— Aber nicht genug, daß Strafen bis 5 fl. ohne Widerspruch hinzunehmen sind, hat der„Kapitalist der rentablen Kunst" gebildeten Männern einen Paragraphen zu bieten gewagt, den wir schwerlich in einem Strafgesetz finden. Man erinnert sich noch des sogenannten „Haß und Verachtungsparagraphen", den s. Z. der Strafantrag- steller en gros Bismarck ins Strafgesetzbuch zu haben wünschte, den ihm aber selbst die Prima- Eunuchen Deutschlands, die Libe- ralen nicht zugestehen wollten— dieser selbe Paragraph, nur auf beschränktere Verhältnisse angewandt, gilt den Mitgliedern der Meininger Hosbühne als Abschreckungsmittel.§ 2 des Tyeatergesetzes dieser Gesellschaft birgt die Androhung„sofortige Entlassung für das Bestreben, gegen die Anordnungen des Vor- standes aufzureizen!" Außer vielen anderen Strafandrohungen enthält dieses Theatergesetz nicht weniger denn 55 Gcldstrafen- androhungen. 55 gefährlicher Klippen, an denen gar leicht ein- mal die ganzen Subsistenzmittel eines Monats hängen bleiben können. In§ 7 finden wir für„ungünstige Bemerkungen über getroffene Anordnungen" 5 fl. Strafe angedroht; dies jedenfalls in der Absicht, Klagen der Mitglieder in der Oeffentlichkeit zu vereiteln. Gegenüber diesem eben so frechen als feigen Bergewaltigungs- system darf es nicht Wunder nehmen, wenn die persönlich? Ach- „Die Sicherheitsbehörde hier in Brüssel ist in nicht geringer Verlegenheit mit den auf Andringen des Fürsten Bismarck ver- hafteten beiden Sachsen(Erlecke und Mündt). Weder dem Einen noch dem Andern kann irgend ein Bergehen oder Verbrechen zur Last gelegt werden, das ihre Jnhafthaltung in irgend einer Weise rechtferttgt. Daß der ehemalige Buchhändler aus Halle an der Saale, der bis Juni 1877 in Zürich lebte, bereits von dort aus mit der Berliner Preßleitung in Unterhandlungen zum Verkauf von 10 Manuscripten stand, deren Veröffentlichung man um jeden Preis zu Berlin hintertreiben wollte, steht fest. Die Angelegenheit war bereits so weit gediehen, daß der preußische Legationsrath v. Stein hier im„Grand Hotel" zu Brüssel einen Contract abgeschlossen hatte, den der Professor der Stenographie, der zweite Jnculpat, gegen den sonst gar nichts vorliegt, steno- graphisch abgeschrieben, als man in Berlin auf die Kunde, daß die Schriften in Paris einen Abnehmer gefunden, die Verhaf- tung beider Individuen beantragte, und dies namentlich, weil der Ex-Buchhändler die Verfasser der Schriften nicht nennen will. Da die besagten Manuscripte sein Eigenthum und von ihm bezahtt worden sind, wie er angibt, so ist dies nicht ein- mal der Schein eines Vergehens. Es wurde den jetzt fast seit drei Wochen in Haft befindlichen Jnculpaten denn auch vergeh- lich mehreremal angeboten, sie nach einer beliebigen Grenze zu escortiren und dort in Freiheit zu setzen; beide verlangen vor das Gericht gestellt zu werden und drohen mit einer Jndemni- tätsklage wegen ungesetzlicher und nicht gerechtfertigter Freiheits- beraubung." Dies ist das Kuckucksei in den Spalten der Wiener„Neuen Freien Presse". Ter Buchhändler Er lecke hat sich schon längst in die sozial- demokratische Partei eindrängen wollen, doch wurde er bald er- kannt. Die Brochüren, die er von Zürich aus(Libraire internationale) in die Welt setzte, wimmelten von Hochverrath und Majestätsbeleidigungen; die deutsche Polizei wußte es merkwür- diger Weise immer schon vorher, wenn ein Ballen solcher Bro- j chüren in einer deutschen Stadt ankam und confiscirte dieselben natürlich; zu lesen brauchte den Schund Niemand, es kam le-, biglich darauf an, daß er da war, und einzelne Auszüge ge- nügten, dem staunenden Volke die großartigen Unterwühlungs- versuche gegen das deutsche Reich vor Augen zu führen. Daß man die Sozialdemokratie und mißliebige Personen anderer Par- teien nun mit dem Erlecke und den betreffenden Brochüren in Verbindung brachte, war natürlich und verschiedene liberale Zei-! tungen haben auch dahin gehende Andeutungen gemacht. In einer solchen Brochüre wurde offen die Bundesgenossenschaft der\ deutschen Südstaaten mit Frankreich empfohlen und zwar mit! der Hindeutung, daß in Frankreich diese Idee schon vielfach be- sprochen und die volle Souveränität für dle süddeutschen Staaten gewährleistet werde.— Als einige Sozialdemokraten die be- treffende Stelle in der Brochüre lasen, riefen sie entrüstet aus:> „Wir sind gegen den Krieg von 1866, gegen den Bruderkrieg gewesen und bekämpfen jetzt noch die Hegemonie Preußens, aber einen neuen Bruderkrieg anzetteln zu wollen vom Süden aus, das wäre schmachvoll, wenn die ganze Geschichte nicht zu dumm wäre."— Daß es dem Fürsten Bismarck angenehm ist, wenn durch solche Brochüren das Gespenst des„Erbfeindes" immer wach erhalten wird, weil das rothe Gespenst nicht so recht mehr ziehen will, damit die Spießbürger und Liberalen immer mehr abhängig von seiner Person werden, das liegt auf der Hand— deshalb glauben wir auch, daß es Freunde des Fürsten sind, die solche Sudelwerke schreiben oder schreiben lassen, deshalb glauben wir, daß es auch ein Freund von Bismarck war, der die vater- landsverrätherischen„10 Manuscripte" des Herrn Erlecke ent- deckt hat und die Nachricht von denselben auf den öffentlichen. Markt schleuderte. Und wie lieb wird es Bismarck sein, wenn diese 10 neuen Brochüren, deren Verfasser der famose Erlecke natürlich nicht nennt, gerade in Paris gedruckt werden. Die Verhastungscomödie der Herren Erlecke und Mündt war noth- wendig, damit nicht jeder hinter die Karten sehen sollte. Je häufiger und grausiger der„Erbfeind" jenseits der Vo- gesen und der„Erbfeind" diesseits derselben dem deutschen Mi- chel vorgeführt wird, desto geduldiger läßt er alle Steuer- und Freiheitssegnungen des herrlichen deutschen Reichs über sich er- gehen und desto mehr beharrt er in dem Glauben, daß Bismarck ein großer Mann, der einzige Mann sei, der die„Erbfeinde" besiegen könne. Daß die Gespensterfurcht noch wirkt, ist aber ein trauriges Zeichen für den Bildungsgrad des liberalen Spießbürgers. tung der Künstler unter sich, desgleichen die persönliche Selbst- achtung auf das denkbar bescheidenste Maß herabgedrückt wird, wie andererseits die Degradation des Künstlers durch die per- sönliche Gewalt keineswegs zu einer gehobenen Stimmung bei- trägt, denn was darf beispielsweise der Künstler sagen, dem— wie geschehen— bei Gelegenheit einer Theaterprobe, als er den nöthigen Stock auf die Bühne zu bringen vergessen, seitens des „kunstliebenden" Herzogs der„hoheitliche" Stock mit Kraft nach- geschleudert wird? Soll er Sr. Hoheit sagen, daß dieselbe mit dem Stocke zugleich die„Hoheit" mit hinweg geworfen, oder soll er ihr sagen, daß— doch für derartige Widerspenstigkeiten ordnet das famose Theatergesetz Gefängniß und Entlassung an. So wie mit dieser Bühne, so ist es mehr oder weniger mit allen modernen Bühnen; je toller der Menschendarsteller— der, mit Aristoteles zu reden, durch die Darstellung der Leidenschaften auf den Brettern unsere Leidenschaften„reinigen" soll— vor den Rampen lachen muß, desto ingrimmiger möchte er hinter den Coulissen weinen, denn persönliche Vergewaltigung, Geld- strafen, Gefängnißstrafen und Mißbrauch seiner Arbeitskraft stellen ihn dem Proletarier gleich. Der darstellende Künstler ist heute Proletarier, er muß es sein, oder die Kunst wäre nicht in den Dienst des Kapitals getreten. Während aber der Proletarier der Industrie durch Erkenntniß seiner Interessen mittels einer, allen Gegnern Achtung abnöthigenden Organisation in den große» Kampf gegen das'Kapital einmüthig eingetreten, läßt sich das Gleiche von dem Proletariat der Kunst leider nicht sagen. Es ist eine traurige Wahrheit, daß noch heute die Mehrheit dieser, von falschen Gefühlen geleiteten„freien Künstler" nicht den Muth hat, sich einzugestehen, daß sie nur Sklaven des Kapitals, und daß sie gleiche Interessen mit dem großen Proletariat der In- dustrie haben, daß auch ihre Zukunft einzig und allein in de» Zielen der Sozialdemokratie gewährleistet ist. — Wieder ein Justizmord. Die„Tudd. Post" meldet: lich ist ans dem Zuchthause in der Au ein Ma in entlassen worden, de> acht Jahr: unschuldig in demselben gesessen hatte. Ein Dienstknechi Kürz' de< — Das schweizerische Fabrikgesetz soll nach einem Eon- 1 ferenzbeschluß des National- und Ständeraths mit dem 1. Jam 1878 in Wirksamkeit treten, jedoch die Strafbestimmungen (Art. 19) mit Rückficht auf Art. 11(Normalarbeitstag), Art. 13(Nachtarbeit und ununterbrochener Betrieb) und Art. 16 (Kinderartikel) erst mit dem 1. Mai 1878 anzuwenden. Wenn immer möglich soll bis Neujahr noch das in Art. 5 llt. ä ge- forderte Regulativ erlassen, d. h. diejenigen Industrien bezeichnet werden, die erwiesenermaßen und ausschließlich gefährliche Krank' heiten erzeugen, auf welche die Haftpflicht auszudehnen ist. So kämen mit dem 1. Januar 1878 die Vorschriften zum Schutz der Arbeiter(Art. 2), über die Einrichtung von Fabriken(Art. 3), die Haftpflicht in ihrem ganzen Umfange(Art. 4—6) die Fabrikordnung(Art. 7 und 8), den Vertragsbruch(Art. 9), die Lohnausbezahlung(Art. 10), die Sonntagsarbeit(Art. 14), die Beschäftigung der Frauen in den Fabriken(Art. 15) zur An- Wendung, während für Einführung der Elfstundenarbeit, die Anwendung der Vorschriften über Nachtarbeiten und über Ber- Wendung der Kinder bis zum 1. Mai 1878 Frist gegeben und inzwischen die vom Gesetz geforderten Reglemente erlassen wür- den.— Inzwischen suchen sich die Fabrikanten durch Arbeitsent- lassung von Arbeitern, die für das Fabrikgesetz gestimmt haben, nach Möglichkeit für die Niederlage zu rächen, die sie am 21. Oktober erlitten haben. Die„Tagwacht" zählt mehrere solcher Fabrikfirmen auf, denen die Ueberzeugungstüchtigkeit der Arbeiter hinreichend Grund war, sie dem Elend und Hunger preiszu- geben. Es ist das nicht zu verwundern, denn gesinnungslumpig, wie die Bourgeoisie geworden ist!, verlacht oder verfolgt sie die Gefinnungstüchtigkeit der Arbeiter je nach dem Grade, wie deren Bethätigung ihren Interessen gefährlich wird. — In Paris hitzige Redeschlachten der„Republikaner" gegen Mac Mahon. Wenn eine Regierung sich durch den Wind kräftig bewegter Lungenflügel wegblasen ließe, dann hätte der Marschall allerdings seine Sache verloren. Sintemalen das aber nicht der Fall ist, befindet er sich vollkommen wohl— ebenso wohl wie Bismarck während der Konfliktszeit. Oder richtiger noch wohler, denn die preußische Fortschrittspartei hatte damals das ganze (politisch lebende) Volk für sich, während die Herren Repu- blikaner das kämpfende Volk, das Volk der Kommune gegen sich haben. Unsere„liberale" Presse, der die verzweifelte Aehn- lichkcit der jetzigen Situation in Frankreich mit der Konfliftszeit in Preußen aufzudämmern scheint, fängt an zu begreifen, daß der Sieg der„Republikaner" doch nicht ganz so sicher und leicht ist, als sie sich eingebildet hatte. Die„Nationalzeitung" nennt die Annahme der Grevy'schen Resolution(Niedersetzung einer parlamentarischen Kommission zur Untersuchung der Regierungs- Wahlumtriebe) eine„Donquixoterei", was allerdings zutreffend ist. Mac Mahon hat die Gewalt in Händen, Mac Mahon hat, da der Senat zu ihm steht, das Gesetz auf seiner Seite, wenn er am Platz bleibt— ergo bleibt er und, gleich Heidenröslein, müssen die„Republikaner"„es eben leiden". Ein tapferer San- guiniker glaubt in einer Steuerve rweige rung das unfehlbare Mittel gegen den Marschall entdeckt zu haben, und stellt sie in nächste Aussicht. Bah! Die Zeiten Hampden's, d. h. der revo- lutionären, thatkräftigen und thatfähigen Bourgeoisie sind vorbei: die verzwergten Epigonen von 1848 hatten zwar in Berlin die Kühnheit, die Steuerverweigerung zu dekretiren, er schraken dann aber so heftig vor ihrer eigenen Kühnheit, daß sie Emissäre in die Provinz schickten, welche dem Volk zu sagen hatten:„Nehmt unseren Beschluß nicht ernst! Bezahlt ruhig, aber mit Protest,— das Gewehr ist zwar bloß blind geladen, es könnte aber doch losgehn!" Und 15 Jahre später, da waren sie noch mehr verzwergt und brachten es, trotz Jacoby's Drängen, nicht einmal zu der blind geladenen Flinte. Der Einzige, welcher den Rath Jacoby's befolgte und die Sache ernst nahm, war Reitenbach-Plicken, kein„Republikaner", aber ein Republikaner (ohne Gänsefüßchen) und Sozialdemokrat. Die„Republikaner" in Frankreich sind aber genau von demselben Holze geschnitzt wie unsere deutschen Epigonen, und haben obendrein kein so einmüthiges Volk hinter sich. Zur Heilung etwaiger Schwärmer, die aus Verliebtheit in das Wörtchen Republik sich noch Illusionen hinsichtlich der Hrn. Gambetta und Genossen hingeben sollten, sei hier bemerkt, daß besagter Gambetta bei seiner letzten rednerischen Vorstellung er- klärte: das(unfern Lesern bekannte) sozialistische Pro gramm der pariser Arbeiter sei von Federn geschrieben, welche der Minister des Innern bezahlt. Herr Gambetta sollte wissen, daß dies eine Anklage ist, die bewiesen werden muß,— wenn anders der Urheber sich nicht zum ehrlosen Verleumder stcm- peln will. Weiter ist charakteristisch, daß— bei derselben Ge- legenheit— auf den Zwischenruf eines Mac Mahonisten:„Aber für die Kommune seid ihr verantwortlich!" von der gesammlen Linken mit sittlicher Entrüstung die Kommune verleugnet und den Beschimpfungen der Gegner preisgegeben wurde. Und für„Herr Dr. Dühring hat eine Erklärung veröffentlicht, in die Leute sollen wir uns ins Zeug legen? Der Redestrom, in welcher unrichtige Angaben in Betreff seiner Betheiligung an dem sie jetzt schwimmen, wird sich verlaufen und sie mit weg- der sozialistischen Zeitschrift„Die Zukunft" sich vorfinden. Er spülen. hat keineswegs„von vornherein jede Betheiligung an derselben abgelehnt", sondern als er seiner Zeit zur Mitarbeiterschaft auf- — Eine Fälschung. Wir lesen in Bourgeoisblättern: gefordert wurde, weder eine bestimmt zusagende, noch eine ab- „Das 3. Kriegsgericht von Paris verhandelte gestern gegen einen lehnende Antwort gegeben. Herrn Dr. Dühring in dieser Zeit- Mitschuldigen der Brandstiftungen der Commune, den schrift eine leitende oder nur besonders hervorragende Stellung 50jährigen Föderirtenhauptmann Pierre. Derselbe befehligte, einzuräumen war niemals beabsichtigt. Von einer„Ausnutzung" als die versailler Truppen siegreich durch den größeren Theil desselben und ihm zugemutheten„advokatorischen Fälschungen" von Paris vorgedrungen waren, in der Vorstadt Villete. Er kann um so weniger die Rede sein, als er selbst sich in seinen wies dort allenthalben eine von Delescluze unterzeichnete Ordre Schriften unzweifelhaft zum Sozialismus bekannt hat, und als vor, welche wörtlich lautete:„Commune von Paris! Alles die wissenschaftliche Vcrtheidigung des Sozialismus Fälschungen ist verloren. Brennt, brennt, brennt!" Demgemäß leitete in keiner Weise benöthigt. Die Redaktion der„Zukunft." Pierre selbst den Transport der Petroleumfässer, mit welchen die Mremen, 15. November. Montag den 12. d. M. hatten großen Docks und Mauthgebäude von Billette, sowie einige an- wir hier Gelegenheit, unseren Genossen Geib aus Hamburg in stoßende Privathäuser niedergebrannt wurden. Auch sonst werden einer von nahezu 2000 Personen besuchten Versammlung sprechen ihm zahllose Gewaltthaten zur Last gelegt. So hat er einen elsässer Arbeiter, Namens Ruppert, wie dieser zeugeneidlich aus- sagt, durch die Drohung, ihn sonst zu füsiliren, gezwungen, zwei Stunden lang an einer Barrikade in der Rue d'Allemagne mit- zuwirken. Auf der anderen Seite kann sein Vertheidiger als mildernden Umstand die Thatsache beibringen, daß Pierre auf dem Westbahnhofe einem Stadtsergeanten, den die Föderirten er- schießen wollten, das Leben gerettet hat. Pierre, der schon kurz zu hören. Auf der Tagesordnung der Versammlung standen folgende Punkte: 1) Die Schlachthausfrage, Referent Genosse Neisser; 2) Die Kampfesmittel der Sozialdemokratie und ihrer Gegner, Referent Geib. Nach dem Vortrage Neisser's wurde Die Schlachthausfrage durch Annahme einer Resolution erledigt, in welcher die Errichtung von Schlachthäusern unter umfassender Kontrole der Fleischproduktion verlangt wird. Nach Erlevigung dieses Gegenstandes verbreitete sich Geib über den zweiten Punkt nach der Bewältigung des Aufstandes dem Sieger in die Hände der Tagesordnung. In äußerst klarer und faßlidfl'r Weise ergefallen, aber aus der Haft entwichen und erst im August d. I. örterte der Redner das Wesen des sozialen Kampfes, welcher wieder ergriffen worden war, wird zu zwanzigjähriger Zwangs- der stets wachsenden Ungleichheit des Besitzes und ihrer poli- arbeit verurtheilt."' tischen und sittlichen Folgen entfließe. Die Erbitterung, mit In obigem Bericht ist nichts wahr, als daß die französischen welcher er geführt werde, begründe sich einerseits in der zu- Ordnungsbanditen einen neuen Justizmord begangen haben. Die nehmenden Erkenntniß über seinen endlichen Ausgang und anoe- angebliche Ordre von Delescluze ist eine infame Fälsch un g rerseits durch die auf gegnerischer Seite gebrauchten Mittel und — vielleicht von demselben Lumpen verübt, der Ferro durch die berüchtigte gefälschte Ordre den Kugeln der Versailler Standrechtsmörder überlieferte und jetzt wegen Fälschung im Zuchthaus fitzt. — Die sozialistische Bewegung in Nordamerika macht fort und fort die erfreulichsten Fortschritte. So z. B. gaben die Arbeiter von Baltimore bei der im vorigen Monat erfolgten Mayors(Bürgermeister)wahl über 17,000 Stimmen für ihren Caudidaten ab, und in Burlington(Iowa), wo der bürgerliche Mayor mit 100,000 Dollars auf und davon ge- gangen war, gelang es den Arbeitern sogar, in der Person des Schriftsetzers Wooward ihren Candidaten durchzubringen. Man bedenke dabei wohl, daß die sozialistische Bewegung in Nord- amerika sich erst in ihrem Anfangsstadium befindet; geht es mit den Erfolgen so fort, und an energischen Anstrengungen, neue zu erringen, fehlt es nicht, dann wird der Sozialismus in Nord- amerika in nicht zu ferner Zeit eine Macht bilden, mit welcher der übermüthige kapitalistische Mob zu rechnen haben wird. die thatsächliche Rechtslosigkeit, in die man die Kämpfer auf der Seite der sozialen Revolutton als angebliche Feinde des Staates versetze, und endlich durch die erkenntliche Verschlimmerung der Volkslage. Der Redner führt zur Erläuterung der Ungerech- tigkeit der heutigen Besitzverhältnisie Zahlen auf, welche der englische Statistiker Baxton aufgestellt hat, und erörtert alsdann die Mittel, welche von den Gegnern der Sozialdemokratie gegen sie in's Feld geführt werden, zeigt, wie man anfangs die Be- wegung ignorirte und belächelte, wie man dann zur böswilligen Verdächtigung der Sozialisten als Feinde jeden Eigenthums, der Ehe, der Familie und der Religion griff, und stellte die Stellung der Partei zu jedem dieser gesellschaftlichen Institute fest Der gewaltigen Wucht der politischen Macht ihrer Gegner, die im Militarismus den Schutz suchen und in einer 4000 Organe zäh- lenden Presse die Agitation gegen die Sozialisten betrieben, stände das Proletariat mit der Waffe der Verbreitung des Klassenbewußtseins der Arbeiter und einer mit allen Mitteln der mündlichen und schriftlichen Aufklärung betriebenen Agitation gegenüber. Diese werde es herbeiführen, daß die Bourgeoisie in dem Militarismus ihr eigenes Grab auswerfe. Man müsse — Genosse Pollinger aus Dessau hat am 13. November l sich auf sozialistischer Seite mit dem Errungenen nicht begnügen, eine Gcfängnißhaft von 6 Monaten angetreten. Die 6 Monate erhielt Pollinger, weil er in einer Versammlung am 3. Mai 1876 die Existenz Gottes abgeleugnet hatte, denselben aber auch gelästert haben sollte.— Der Redafteur des Münchener„Zeit- geist", Genosse Rohledcr, hat am 14. November eine ihm zu- erkannte mehrwöchentliche Gefängnißhaft angetreten. An Stelle Rohleder's hat Genosse Sigmund Politzer die Redaktion des „Zeitgeist" übernommen. aus Fricdberg wurde seiner Zeit von den Geschworenen des Erschießens eines Revierförsters schuldig gesprochen und darauf zu 16 Jahren Zucht- Haus verurtheilt. Die Hälfte dieser Strafe hat er verbüßt. Bor Kurzem kam der wirkliche Mörder zum Sterben und gestand, daß d-.r Ber- urtheilte unschuldig sei." Und noch immer giebt's keine Entschädigung für unschuldig verbüßte Hast! — In Gera ist die egyptische Augenkrankheit ausgebrochen. Sie hat immer größere Ausdehnung gewonnen. Es sind außer dem Gymnasium und der Realschule auch noch die Handelsschule und die Bürgerschulen geschlossen worden; aus der Realschule allein sollen 260 Schüler von der Krankheit betroffen sein. — War die Haft oder der Schrecken über dieselbe schuld? Aus Kosten wird dem„Kuryer Poznanski" geschrieben, daß die wegen Zeugniß Verweigerung am 16. d. verhaftete Borsteherin der dortigen barmherzigen Schwestern, Morawska, am 12. d. wegen schwerer Erkrankung wieder freigelassen worden ist.— Wir wollen hierzu nur bemerken, daß, man mag über das Pfaffenthum und die Pietisterei denken, wie man will, gerade die„barmherzigen Schwestern" überall, wo sie ausgetreten sind, bei der Krankenpflege mit großer Selbstauf- opferung segensreich gcwirkl haben. Dies den Culturkämpfern in's Album. — Bekanntmachung. Der Redakteur Herr Rudolph Benja- min Seiffert hier ist aus Anlaß der Veröffentlichung der in der dies- jährigen Nummer 66 der Zeitschrift„Vorwärts" unter der Ueberschrist: »Wenn Einer eine Reise thut, dann kann er was erzählen" wegen öffent- licher Beleidigung des Herrn Polizeidirektor Dr. Rüder hier in Be- Ziehung auf sein: amtliche Thätigkeit auf Grund tz 185 des Reichsstraf- gesetzbuchs zu 66 Mark Geldstrafe und Tragung der Untersuchungskosten rechtskräftig verurtheilt worden, was in Gemäßheit des§ 200 des gedachten Gesetzbuchs antragsgemäß hierdurch bekannt gemacht wird. Lechzig, den 10. November 1877. Königliches Gerichts Amt im Bezirksgericht daselbst. Abtheilung 11. B. Bieler. vr. Käubler. An die Parteigenossen! Durch die Zeitungen macht eine Erklärung des Herrn Dr. E. Dühring die Runde, in welcher genannter Herr sein Ver- hältniß zur deutschen Sozialdemokratie bespricht und unter anderm behauptet, daß die in Folge Congreßbeschlusses(siehe Protokoll des Sozialdemokratischen Congresses in Gotha 1877, Seite 57, 58 und 59) ins Leben gerufene sozialistische Revue„Zukunft" „auf seine(Dühring's) Sache und seinen Namen" hin in Gang gebracht werden sollte. Dasselbe behauptet Dühring von einer angeblich seitens der Sozialdemokratie ins Leben zu rufenden „freien Universität". Wir können dagegen auf das bestimmteste erklären, daß seitens der Partei als solcher uud ihrer berufenen Vertreter auch nie entfernt daran gedacht wurde, die„Zukunft" mit dem Namen und der Sache des Herrn Dühring zu identifiziren oder Herrn Dühring zum Bortheil derselben ausnützen zu wollen. Wenn Herr Dühring seitens der Redaktion der„Zukunft" zur Mitarbeiterschaft eingeladen wurde, so ist zu bemerken, daß dasselbe mit allen anderen sozialistischen oder der sozialistischen Sache geneigten Gelehrten und Schriftstellern geschehen ist. Wenn deshalb Herr Dr. Dühring der Meinung ist— der er in seiner Erklärung mit der ihm eigenen Bescheidenheit Aus- druck giebt— daß die Sozialdemokratie in ihm den ihr fehlenden „Kapitalisten des Geistes" gesucht hat, so befindet er sich im großen Jrrthum. Von einer seitens der Sozialdemokratie geplanten„freien Universität" ist uns nichts bekannt und dürfte der Plan hierzu nur das Produkt einiger sozialistischer Schwärmer für Dühring sein. Die Behauptung des Herrn Dühring, daß die Sozialdemo- traten„ihn in ihren Dienst nehmen und ausnützen" wollten, ist � also einfach unwahr, und Herr Dühring ist nicht im Stande, einen einzigen Beweis dafür zu erbringen, daß dies von irgend sondern nach weiteren Erfolgen streben. Der Kreis müsse er- wettert werden, die ihn Bildenden aber sich enger aneinander- schließen. Dieser mit lebhaftem Beifall aufgenommene Vortrag beschloß die Versammlung. Stotp(in Pommern).„Wann wird es in Pommern hell werden?" Mit dieser Frage endete eine mit H. D. gezeichnete ! Correspondenz aus Stettin in Nr. 114 des„Vorwärts", und wenn irgend eine Frage gerechtfertigt erscheinen muß, so ist es diese. Man sehe fich um in dieser fruchtbaren Provinz! Reiche Forsten, üppige Felder, fischreiche Flüsse und Seen, herrliche Vieh- zucht, das Alles ist vorhanden, aber trotzdem findet man auch wieder ein Proletariat, wie es bedürftiger kaum gedacht werden kann. Man gehe in die Dörfer und auf die Güter der reichen Krautjunker und sehe sich die Wohnungen der Tagelöhner, die Schlafstellen der Knechte an, und man wird staunen über die Löcher, die man dort als Wohnungen bezeichnet. Die Arbeits- Verhältnisse sind gleichfalls die denkbar schlechtesten. Man sehe sich einmal die Contrakte dieser Tagelöhner an, und man wird mit Recht sagen können, daß diese Leute, obgleich rechtlich frei (d. h. vogelfrei), dennoch häufig schlimmer daran sind, als der Leibeigene des Mittelalters. Schulen für die Kinder sind zwar auch vorhanden, aber wie sieht es mit denselben aus? Sehr viele von den Lehrerstellen sind so erbärmlich dotirt, daß sich zu diesen Niemand findet, der auf dem Seminar seine Prüfung bestanden hat, sie werden daher von Präparanden(Knaben im Alter von 15— 18 Jahren) versehen; was aber unter solcher Leitung gelernt werden kann, mag sich Jeder selbst sagen. Ka- techismus, Bibel und Gesaugbuch nehmen den ersten, Geschichte, im borussifizirten Sinne vorgetragen, den zweiten Platz ein, erst dann folgen etliche andere Lehrgegenständc in dem Unterrichts- plan. Unter solchen Verhältnissen ist es denn wahrlich kein Wunder, daß der hiesige Tagelöhner und Knecht hinsichtlich der Schulbildung sehr schlimm dran ist. Wie niedrig das Niveau des Wissens hier ist, dafür mag ein Vorfall sprechen, der in den Hallen der heiligen Themis seinen Abschluß fand. Ein jüdischer Handelsmann, Guther Seelig, aus einem Dorfe bei Stolp, wurde wegen Betrugs zu einer Gefängnißstrase verurtheilt, und dieser Betrug bestand darin, daß er einem Tagelöhner oder Knecht eine Fünsthaler-Note für eine solche zu zehn Thalern aufgeschwinoelt hatte, nachdem er demselben vorher plausibel zu machen gewußt, daß dieser Schein den doppelten Werth habe, weil zweimal die Zahl fünf auf demselben zu lesen war. Anschließend an dies Beispiel sei hier auch gleich die Be- merkung gestattet, daß es fast ausschließlich Juden find, die in itr td ei1 einer hiezu berufenen Seite geschehen sei. Welche Pläne einzelne Personen, die mit der Leitung der Partei absolut nichts zu thun den Do°rfern"Hw'terpomincrns den Krame/ und Gastwirth/dort haben, Herrn Dühring gegenüber in ihrem Uebereifer entwickelt Krüger genannt) abgeben, und meistentheils fließt auch das Geld, haben, kann hier nicht in Betracht kommen. Wir wissen nichts welches der Tagelöhner und Knecht verdient, in die Tasche jener von solchen Plänen.. Leute, die ihn gewöhnlich aus die schamloseste Weise übervor- Herr Dühring hat innerhalb der sozialdemokratischen Partei theilen; bleiben dem gerupften Tagelöhner dann noch einige Deutschlands seine Anhänger und Gegner. Keiner aber findet Pfennige übrig, so gehört cs keineswegs zu den Seltenheiten, sich unter uns— das behaupten wir kühn—, der zu dem daß diese der Pfaffe zu irgend einem pietiftischen Zweck erhält. schmutzigen Manöver die Hand geboten hätte, dessen Dühring Lektüre, überhaupt geistige Anregung irgendwelcher Art, sind uns m seiner Erklärung zeiht. Bedürfnisse, die der pommerscke Tagelöhner nicht kennt; hat er Wenn heute einzelne sozialdemokratische Organe ihrer Ent- sich satt gegessen, dann hat er nur noch ein Bedürfniß, und täuschung über Herrn Dühring in etwas harten Worten Ausdruck dieses Bedürfniß ist Spiritus, gemeiner Kartoffel- Spiritus, den geben, so bedauern wir dies, und sind wir in dieser Beziehung er in einer Stärke von 75— 80 Prozent am liebsten und in großen der Meinung, daß es mehr am Platze gewesen wäre, früher Quantitäten consumirt. weniger überschwenglich zu loben und heute weniger hart zu � Wenn man sich dies Alles vergegenwärtigt, dann wird man tadeln. Dühring ist geblieben was er war; getäuscht haben sich es auch begreiflich finden, warum Pommern bis jetzt fast aus- nur seine Anhänger. Hamburg, 17. November 1877. Das Centralwahlcomitä der sozialistischen Arbeiterpartei. Correspondenzen. schließlich die Domäne der Conservativen ist. Die Landbevölkerung giebt bei den Wahlen den Ausschlag, und diese ist voll ständig in den Händen jener Herren und weiß oft die Wichtig- j keit der Wahl nicht nur nicht zu schätzen, sondern sie weiß oft auch gar nicht, um was es sich handelt. In den meisten Fällen werden die wahlberechtigten Tagelöhner uud Knechte nach dem Wahllokale geführt und jedem Einzelnen bedeutet, er mv-e Ccn Nerkin, 18. Oktober. Die„Volkszeitung", der Hr. Düh- Zettel, den"er von dem Inspektor"oder sonst einer Bertr. u ns- ring seine„Erklärung" geschickr hatte, veröffentlicht folgende Zu w s*.,»,..«.-!«wh-n* hni ! schrift: Person erhält, nur in der Stube bei dem„Herrn" abgeben; das wird denn auch gethan und, wie gesagt, häufig weiß Niemand, _ — daß er soeben eines der wichtigsten staatsbürgerlichen Rechte ausgeübt hat. Zur Zeit der letzten Reichstagswahl kursirte eine Anekdote, über die viel gelacht wurde, die aber als durchaus glaubwürdig bezeichnet werden kann. Em Kutscher im Kreise Rügenwalde richtete nämlich, nachdem er seinen Zettel an den Wahlvorsteher abgegeben hatte, an diesen die naive Frage: „Kveeg' ick denn ook Antwurt?* l Bekomme ich auch Antwort?) Wie gesagt, man hat viel über diese Anekdote gelacht, die, selbst wenn fie nur erfunden wäre, und daran zweifelt Schreiber dieses, doch den Nagel auf den Kopf trifft, insofern nämlich, als sie das oben Behauptete der Wahrheit gemäß bestätigt. Soviel vom Landproletariat! In den Städten sieht es aber auch nicht viel besser aus, denn die städtischen Arbeitgeber, mögen sie sich nun Handwerks- meifter oder sonstwie nennen, gleichen in mehr als einer Be- ziehung den gutsbesitzenden Krautjunkern. Nicht allein, daß der Arbeiter, sei er nun Geselle, Gehilfe, Arbeitsmann zc., über die Achsel angesehen wird, es maßen sich diese Spießbürger auch häufig so ein Stück Vormundschaft über„ihre" Arbeiter an, und wehe dem Arbeiter, der sich etwa beikommen ließe, gegen diese Vormundschaft opponiren zu wollen oder etwa nicht Alles für gut zu finden, was der Arbeitgeber in seiner hohen Weisheit zu bestimmen für gut fand. Der Arbeitgeber würde dem Be- treffenden auf das Weitläufigste auseinandersetzen, daß nicht nur er(der Arbeitgeber), sondern auch sein Vater und sein Groß- vater es noch viel schlimmer gehabt hätten, daß er ein sehr „humaner" Mensch sei und nur im besten, wohlverstandenen Interesse des Arbeiters gehandelt habe, wenn er dies so oder so angeordnet habe; und am Abend, wenn er mit noch ein paar Collegen Spießbürgern den landesüblichen Schafkopf spielt, dann würde er erzählen von der„Unbotmäßigkeit", der„Unver- fchämtheit" und„Unzufriedenheit" der Arbeiter, Gevatter Hinz würde ihm sekundiren und Gevatter Kunz durch Kopfnicken seine Einverständniß bekunden. Das ist der sogenannte und vielgerühmte patriarchalische Zu- stand, welcher unter der Herrschaft der Zunft zwischen Meister und Gesellen bestanden haben soll, denn wohlverstanden, erst in den letzten Jahren beginnt die Großproduktion in Pommern sich Eingang zu verschaffen, und Gcwerbefreiheit und sonstige, dem Zunftzn ange zu nahe kommende Gesetze standen bis vor ganz kurzer Zeit und theilweis heute noch nur auf dem Papiere. Sehen wir uns nun diese Verhältnisse etwas näher an! Was jedem in Pommern Fremden sogleich auffällt, ist die lange Arbeitszeit, im Sommer gemeinhin um 5 Uhr beginnend und häufig bis 8 Uhr Abends und noch länger dauernd, im Winter um 6 Uhr Morgens beginnend und wiederum bis 8 Uhr Abends, häufig aber auch bis 9 oder 11 Uhr dauernd(nament- lich bei Schuhmachern oder Schneidern), wird dem einzelnen Arbeiter häufig nur die zum Essen durchaus nöthige Zeit ge- lassen; ist der letzte Bissen in den Mund gesteckt, dann geht es auch schon wieder an die Arbeit.— Der Lohn ist, wie man fich nach dem Vorhergesagten wohl denken kann, ein äußerst ge- ringer, so daß Verselbe kaum hinreicht, die allerdings nur geringen Bedürfnisse der Arbeiter zu befriedigen. Die Wohnungsverhältnisse des städtischen Arbeiters sind nur um weniges besser als die des ländlichen. Gewöhnlich wird „beim Meister logirt". Aber dieses Logis besteht in der Regel aus einem Gelaß, das man zu anderen Zwecken nicht verwenden kann oder mag. Allein es wird und kann nicht immer so bleiben. Schon führen sich, wenn auch langsam, die alles revolutionirende Groß- Produktion und der gabrikbetrieb auch in Pommern ein j Arbeiter aus anderen Provinzen, die unter ein wenig günstigeren Verhältnissen aufgewachsen sind und denen das Gefühl für Men- schenrecht und Menschenwürde noch nicht abhanden gekommen ist, finden in immer größerer Zahl in Pommern Beschäftigung, und„ist auch der Boden rauh und hart", sie werden jenen Armen und Elenden auch das Evangelium des Sozialismus lehren, sie werden ihnen zeigen, daß sie dasselbe Recht an die Güter der Erde haben wie ihre Unterdrücker, und— wenn diese Lehre auch im Anfang auf heftige Opposition stoßen, wenn man auch von Seiten der herrschenden Parteien versuchen wird(wie es thatsächlich schon geschehen, man denke nur an das Versammlungs- verbot von Seiten der Polizeiverwaltung in Gollnow), der Ausbrei- tung unserer Lehren Hindernisse über Hindernisse inden Weg zu werfen, endlich wird doch auch hier die Erkenntniß von der Rich- tigkeit der sozialistischen Lehren zum Durchbruch gelangen und dann wird auch die Frage: Wann wird es auch in Pommern hell werden?" ihre Beantwortung finden. Die ersten Anzeichen dafür find schon vorhanden. Wir zählen in Stettin und Stargard schon eine ganze Zahl von Parteige- nossen, in anderen Städten, wie z. B. hier in Stolp, haben sich schon innerhalb der verschiedenen Vereine Oppositionspar- teien gebildet, die, zumeist aus Arbeitern bestehend, nicht mehr im blöden Dusel hinter den Spießbürgern Hermarschiren, son- dern schon selbst ihre Forderungen geltend machen, und, obgleich diese meist keine Sozialisten sind und von der Lehre des Sozia- lismus fast nicht die geringste Ahnung haben, merkwürdiger Weise das Prinzip der Gleichberechtigung auf ihre Fahnen ge- schrieben haben. Darum nur gemach, die Lehre des Sozialismus wird auch in Pommern verkündet werden und zur Aner- kennung gelangen. R. O. HLusüau, 16. November. Ich muß einen Jrrthum in meiner letzten Correspondenz berichtigen. Wie ich aus guter Quelle jetzt gehört, mußten die Knaben, die auf der Straße Cigarren ge- raucht hatten, nicht früh von halb 9 bis 12 Uhr und Nachmittags 1 bis 3 Uhr, sondern nur circa zwei Stunden knieen. Im Uebrigcn ist auch das Knieen eine Strafe, die wohl nicht mehr zu Schulstrafen gehört; eine Tracht Prügel(?) wäre dem Körper der Knaben gewiß dienlicher gewesen, als das Knieen. wenn man annimmt, daß der Schmerz nach den Prügeln vielleicht zehn Minuten oder eine Viertelstunde gedauert hätte. Man mag es nehmen wie man es will, die Strafe der Knaben war eine harte Züchttgung. Ioyanngeorgenstadt(in Sachsen), 10. November.(Zum Gedächtniß.) Sonntag, den 4. November, früh 6 Uhr starb hier unser alter Vorkämpfer für Freiheit und Recht, einer der Pioniere der Arbeiterbewegung in Sachsen, unser Parteigenosse Karl Schneider. Er war erst im 48. Lebensjahre und erlag den Folgen eines Hirnsa,lags. In den 60 er Jahren wirkte Schneider in Lugau, wo er den Consumverein leitete. Nach dem großen Unglücksfall in der„Fundgrube" wandte sich Schneider an die Leipziger Genossen, bewirkte, daß Liebknecht nach Lugau gerufen wurde, um die Sache zu untersuchen und veranlaßte die Bildung eines zweiten Hilfscomitös. Da das erste Hilfscomitv für die Wittwen und Waisen nur sehr unvollständig sorgte, ob- gleich so vieles Geld eingekommen war, so hatte das zweite Comite viel Arbeit und zog fich natürlich auch viel Haß zu. Schneider's Stellung in Lugau wurde unhaltbar und er fiedelte den 14. April 1868 hierher, nach Johanngcorgenstadt über. Das Glück lächelte ihm aber nicht— er kam um sein ganzes Hab und Gut. Alle seine Versuche, sich ein unabhängiges Geschäft zu gründen, blieben erfolglos— die Gegner verkehrten nicht nur nicht bei ihm, son- Act statt Ernployer and Work men Acte; Connty franchise, statt dern boten Alles auf, um ihm jede Kundschaft zu entziehen und Coontry franchise; Labour at home and abroad statt Labonr at ihm die Existenzquelle abzuschneiden. Der unerschütterliche So- �use and abroad u. s. w. ialist ließ sich aber nicht„mürbe machen". Die Saat, die er ier ausgestreut, lag lange im Boden und schien keine Wurzel fassen zu wollen. Allein jetzt fängt fie an aufzugehen und zu blühen.— Schneider hinterläßt sechs Kinder: einen Sohn, der Soldat in Straßburg, einen zweiten, der vorläufig vom Militär zurückgestellt ist, drei Töchter: eine von 24, eine von 15 und eine von 13 Jahren, und noch einen Sohn von 3 Jahren. Die Familie ist ganz mittellos. In Johanngeorgenstadt hat sie auf rechnen. Der Gedanke an die Seinigen, der Redaktion. X. Briefkasten. in Delitzsch: Eine derartige Schrift existirt keine Unterstützung zu denen er nur sein Elend das Sterben. zu vermachen hatte, erschwerte ihm Friedrich Strobel. Rechnungs-Abschlutz des Berliner Central-Wahl-Comitös vom 15. Septbr 1876 bis 15. Septbr. 1877. Einnahme. Auf 1. Liste M. 86,36; 2. 85,55; 3. 155,97; 4. 272,80; 5. 170,66; 6. 303,30; 7. 184,45; 8. 172,49; 9. 323,36; 10. 297,12; 11. 256,27; 12. 203,61; 13. 156,37; 14. 176,96; 15. 441,00; 16. 199,52; 17. 344,25; 18. 264,45; 19. 90,12; 20. 26,72; 21. 107,87; 22. 212,80; 23. 181,33; 24. 155,35; 25. 200,47; 26. 44,06; 27. 64,25; 28. 33,30; 29. 21,70; 30. 56,50; 31. 650,65; 32. 289,22; 33. 256,16; 34. 224,92; 35. 225,90; 36. 473,89; 37; 179,22; 38. 101,52; 39. 274,45; 40. 278,60; 41. 530,80; 42. 355,89; 43. 355,30. Summa M. 9,490 48. Von den Mitgliedern des Wahlcomitös dem Wahlfonds überwiesen 6,209,93. Summa M. 15,700,41. Ausgabe. 1) Drucksachen M. 5,830,60; 2) Inserate 1,307,55; 3) Lokalmiethen 1,102,50; 4) diverse Ausgaben, Entschädigungen für Arbeitsversäumniß, Ausgaben an den Wahltagen:c. 2,474,77; 5) Wählerlisten, Versendung der Wahlkarten, Porto:c. 761,93; 6) für Barmen-Elberfeld 300,00; 7) dem Comits in Hamburg 420,00; 8) für Altona 1. Rate 500,00, 2. Rate 300,00; 9) für Wahlagitation in der Provinz 706,20; 10) allgemeine Agitation 1,844,71. Summa M. 15,548,26. Rekapitulation. Einnahme... M. 15,700,41 Ausgabe....- 15,548,26 noch nicht; Sie müssen sich mit der sozialistischen Literatur bekannt machen. Ein Schriftenverzeichniß erhalten Sie auf Wunsch von unserer Expedition. Häven Sie Ihre Adresse angegeben, so würden wir Ihnen sofort eins zustellen lassen.— Einige Genossen in Kratzau: An wen sollen wir schreiben? Geben Sie uns eine Adresse!— E. G. in Stutt- gart: ad 1(Format) Nein! ad 2(Schlüssel) Ja!— y. z. in Jena: Wir haben vom Long ok the Shirt schon zwei Uebersetzungen veröffent- licht. Wir wollen eS der Red. d.„Neuen Welt" übergeben.— S. in Göppingen: Correspondenz vom 1. November zwar erhallen, aber zurück« gelegt, weil die Narretheien des„alten Schäfers Thomas" für unsere Leser wenig Erheiterndes bieten.— B. in Calb: Wegen des betr. Ar- ! tikels ist gegen den„Borwärts" keine Anklage erhoben worden. Den Parteigenossen zeige ich hiermit an, daß ich meinen Wohnort von Jarocin nach Osllowo verlegt habe. I oh. Blum.' Der Schneider Rieg aus Würtlemberg, im Dezember 1876 in Kempten beschäftigt, wird in seinem eigenen Interesse ersucht, eine Adresse an uns einzusenden. Expedition des„Volkswille" Augsburg. Quittung. Wllmr Rgrs Newyork Ab. 26,66, Gldwtz Bpenrade Ab. 4,20. Brg Zeitz Schr. 16,00. Wrtmnn Berlin Ann. 6,50. Schh Düsseldorf Ann. 1,00. Bcrnsk Stanislau Schr. 10,00. Ptr Admont Ab. 1,87. K. Pzz Altgratiska Ab. 9,50. Otttbch Stuttgart Ab. 3.90. Orbg Gießen Ab. 4,00. Grbnstn Lindenau Schr. 3,50. Schfflr Stettm Schr. 3,50. Wmnn Braunschweig Schr. 30,00. Anzeigen ic< Annoncen für die Mittwoch S-Nnmmer müssen bis Mon- tag BormittagS 9 Uhr; für dir Freitagö-Nummer bis Mitt« woch-Bormittags 9 Uhr; für die Sonntagö-Mnmmer bis Frei- tag Bormittags 9 Uhr hier sein, wenn solche noch bestimmt Anfnahme finden sollen. Annoncen, denen der Betrag nicht ibeliegt, oder für welche der Einsender kein Depot bei unS hat. rönnen eine Aufnahme nicht finden. Bleibt Bestand M. 152,15 Das Wahlcomitö: C. Anders. E. Dastig. H. Ecks. C. Greifenberg.! A. Heinsch. A. Keitel. F. Werthmann.—~ Vorstehenden Rechnungs- Abschluß haben wir geprüft und ji, W. Ha,enclever. Donnerstag, den 22. November, Abends>/,S Uhr, im Saale des Hrn. Michael, gr. Windmühlenstt. 7: Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Die Angriffe auf Lassalle und Marx. Referent allen Theilen für richtig befunden. "Berlin, den 21. Oktober 1877. Die Revisionscommisfion. Wölky. Siegrist. Dietzmann. Stiller. A. Paul. 70) Der Agent. Gottmann. Quittung über die für die Berliner Nachwahlen von außerhalb eingegangenen Gelder, welche in der vorstehenden Abrechnung mit einbegriffen sind. Bekanntmachung. Die Genossenschaflsbuchdruckerei Angsburg(Eingetragene Genossenschaft) befindet sich in L'quidation. Alle Diejenigen, welche For» derungen an die Genossenschaft zu machen haben, werden aufgefordert� diese sofort bei der Liquidattonscommission anzumelden.(2,10 Die Liquidations-Commission. Arbeiter-Berein. ill vU. Donnerstag, den 22. November, Abends 8'/» Uljr Löske in Jnowraclaw M. 2,30; von Sozialisten in Weimar in Burmeisters Salon, 1. Treppe: rr(\*-l 9�* rtpfAmtnoff irr WoflAYivAMf Vi Cy.tf C A s\ 1 WV; durch Dörnfelder 3,25; gesammelt in Eicke's Restaurant v. Jul. Gollon in Königsberg 5,55; Uhrmacher Wellner in Harzbnrg 1,50; von dem Harzburger Arbeiter-Gewerkverein durch Wellner 5,00; Harzburger Arbeiter- Gewerkvcrein(2. Rate) 10,00; von den Parteigenossen in Stötteritz 5,00; aus Bockenheim durch Daniel Göll 7,00; Expedition der Bremer Fr. Zeitung 18,90; Altona durch Carlson 6,80; gesammelt von einer Spielgesellschaft in Hannover durch Linde 5,50; vr, Pauli Rheinau durch Hadlich in Leipzig 5,00; durch Heinrich Neumann in Neustadt, Heide 29, 8,00; C. Niemann, Picpko, Paul und Fink in Linden bei Han- nover 2,00; d. W. Petersen in Hamburg 7,30; aus Hannover durch W. Knollmann 49,80; von der Schneiderwerkstelle A. Berg in Hildesheim 3,75; von einigen Parteigenossen in Dessau durch Räbiger 2,05; Schusterius in Gumbinnen 1,95; Schumann in Leipzig 3,00; Arbeiterverein Plagwitz 1,00; Reginald Neuhausen 10,00; Loese's Werkstatt in Leipzig 2,50; K. N. K. in Schwarzen- dach a. d. S. 3,90; von sechs Gesinnungsgenossen in Offenburg 14,90; vom Comm. Arbeiterbildungsverein in London d. Th. Koll 61,15; von einigen Gesinnungsgenossen in Cöln a. Rh. d. Bürsten 6,00; von der Schuhmachergewerkschaft in Offenbach d. Dworzak 5,00; D. R. in Geislingen 5,00; drei Studenten der Universität Greifswald 3,00: aus Hastädt bei Bremen d. C. Grope 9,00; Dr. Weinmann in Brandenburg a. d. H. 20,00; gesammelt in der Paterkü'schen Schneiderwerkstatt in Bromberg 1,00; Heidelberg I. G. 5,00; aus Bochum d. Decke 3,00; Verein „Älopstock" in Wilhelmshafen 9,00; W. Nolte in Lünen 1,00;' A. Rick in Hamburg 2,50; d. Julius Schäfer in Münsterberg 2,00; d. W. Bogt in Bayreuth 4,50; d. A. R. in Geislingen 5,00; für die Berliner Nachwahlen d. Sch. in Bautzen 2,00; d. Hadlich in Leipzig 14,25; Wittgensdorf bei Chemnitz d. Alban> Spindler 2,90; von Arbeitern der Cigarrcnfabrik v. Lutterbeck u. Fiedler in Leipzig 2,75; von Rebentisch in Tannenberg d. Hadlich in Leipzig 0,50; von Voigt in Halberstadt 5,63; von den Arbeitern der C. Cigarrenfabrik in Leipzig 3,45; von C. F. Honnenhorn in Leipzig 4,85; C. W. in Ernstthal 7,50; H. D. in Hofgeismar 1,00; Genossen in Gohlis 10,00; H. P. daselbst 1,00; Ardsff in Leipzig 0,25; von Bielefelder Parteigenossen� 32,42; von B. Schandt in Mainz- Gartenfeld 3,00; von drei Schlossern in Leipzig 6,20; ein ostpreuß. Lehrer 1,40; von Brendel's Schneiderwerkstatt in Leipzig 6,50; Exped. d. Braun- schweizer Volksfteund 10,10; für die Berliner Nachwahl d. G. Vorst 6,00; aus Rendsburg d. Wacherhagen 20,00; d. Hadlich in Leipzig 9,30; d. denselben 11,00; von A. W. in Minchen d. Hadlich in Leipzig 25,00; durch Hadlich in Leipzig 3,84; vom Schneiderball in Hannover d. Rudolph 4,50; gesammelt auf der Kindtaufe bei Flügge in Hannover 4,50. Berlin, den 21. Oktober 1877. I. A.: C. Anders, Kasfirer, Steglitzerstr. 53. Oeffentliche Versammlung. irdnung: 1. Abrechnung für Monat Oktober. 2. Tagesordnung über die Ronsdorfer Rede. 80) Vortrag F. Hcerhold. Theilhaber für eine Buchdruckerei mit dem Ber- läge einer sozialistischen Zeitung gesucht. Am liebsten Fachmann mit Vermögen. Näh. durch die Exped.[90 Im Selbstverlage deö Verfassers �und zum Parliebezug für |__ L_ Arbeitervereine im alleinigen CommissionSVcrlage der Mitunter- . Kuollmann 49,80; von der Schneid'erwerkstell�A. Berg Zeichneten ist soeben erschienen: Die freien religiöfeu Gemeinden und die Sozialdemokratie. Hin Wort zum Krieden von Carl Scholl in Heidelberg. 2>/« Bogen gr. Octav. Behufs Förderung des Massenvertriebs zum Preise von: Mk.—,35 bei Entnahme von 100 Exemplaren „ ,30„„„ 500„ „-,25„„„ 1000 — das Einzelexemplar 45 Pf.— gegen Baarcinscndung des Betrags. Porto zu Lasten der Empfänger.. Kleinere Beträge in Briefmarken erbeten. Colporteure erhalten ent- sprechenden Rabatt._[4,60 Carl Scholl in Heidelberg. Die Erpedition des./Vorwärts". Leipzig, Färberstr. 12/11. Soeben erschien in neuer Auflage und ist durch uns zu beziehen: Die biirgerliche Gesellschaft. Ein Vortrag gehalten vor freireligiösen Arbeitern des Wupperthals i« Elberfeld-Barmen von Joseph Vietze n. Preis 10 Pf. Die Expedition des„Vorwärts". Für Lokal- u. Gewerkschafts-Vereiue jeder Art passend sind praktisch eingerichtete Cassenconto-�Mitgliederbeitrags- öücher zum Selbstkostenpreis a 50 Pfg. zu beziehen. Port» bei 1— 2 Paar 20 Pfg.; 3 Paar 30 Pf.; darüber Geib Berichtigung. Die englischen Eitate des Artikels„Eine verschämte Schamlosigkeit" (Nr. 135) enthalten verschiedene Druckfehler. Auf der 3. Spalte muß es Z. 27 v. u. heißen where statt were; Spalte 4 Z. 2 v. o. there statt their, Z. 8 v. o. seif statt seit, Z. 18 v. o. thou statt thou; Spalte 5 Z. 6 v. o. not statt nos.— Beiläufig bemerkt, ist das Eck- stein'sche Machwerk zum größten THeil, wo nicht ganz abgeschrieben �«„s t■ ar oder richtiger aus verschiedenen englischen Zotengedichten zusammen- �•vT*-öesteUUNgeN sind zil machen bei 3fl. gestoppelt. Nur einige Sprachfehler sind unzweifelhaft original, z. B. in Hamburg. Rödingsmarkt 12. Spalte 3 Z. 3 v. u. versed, welche» Herr Eckstein nach dem Franzö- fischen verser— ausgießen gebildet hat, während doch ein Zeitwort�---- verse mit der Bedeutung von verser im Englischen nicht existirt.«erantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz- Leipz'». Ebenso finden sich in der englischen Correspondenz in Nr. 130 zahl- i Red aktton und Expedition Färberstraße 12/11. in Leipzig. reiche Drudfehler. Es muß u. A. heißen: Ernployer and Worlunen's Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei in Leipzig.