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Daß rein politische Parteigründe die Regierung leiten, ihre Zustimmung zu der Einführung der neuen Ordnung in Rhein- land und Westfalen zu versagen, ist männiglich bekannt, und daß hierzu die Einflüsterungen des national- conservativen Herrn von Sybel und die Denunziationen des deutschen Vereins mit bei- getragen haben, dies haben fortschrittliche und klerikale Redner im Abgeordnetenhause klargelegt. Wir stehen also selbstverständlich auf dem Standpunfte, daß den intelligenten Westprovinzen der Fortschritt in der Gesetz- qebung und Verwaltung nicht vorenthalten bleibe, den�die weniger intelligenten östlichen Provinzen des preußischen Staates ge- nießen. Aber hierbei ist zu betonen, daß der ganze Fortschritt, den die neue Kreis- und Gemeindeordnung bringt, für das Volk in den Industrieländern ein sehr geringer ist und daß deshalb die Einführung derselben in den Westprovinzen mehr aus moralischen- und Rcchtsgründen, denn aus Gründen des Nutzens, wie die Fortschrittsleute und Liberalen meinen, gefordert werden muß. Die Gemeinde nämlick, ihre feste Begründung und Aus- bildung, ist von jeher ein Hauptzielpunkt des Liberalismus ge- wesen; sie wird als die Grundlage des heutigen Staates an- gesehen. In der Gemeinde wurzelt bei den herrschenden Zuständen und da sich der Staat nach der liberalen Anschauung um das Wohl seiner Angehörigen wenig zu kümmern hat, das Eommuni- kations- und Sanitäts-, das Armen- und Vormundschaftswesen, und namentlich die Schule, so daß ohne eine gut organisirte Gemeinde die verschiedensten Interessen verkümmern und brach gelegt werden. Die Gemeinde bildet namentlich aber auch in dem politischen Staate mit der weiteren Vertretung des Kreisess den Hintergrund für das parlamentarische Leben, welchem der nvthige Nachdruck fehlt, wenn nicht hinter den Volksvertretern als eine nothwendige Ergänzung des Parlamentarismus lcbens- frische kräftige Organisationen und festgefügte Wahlkörpcr stehen. Deshalb bildete für alle Koryphäen der Liberalen von Waldeck bis Schwerin die Gemeinde-, Kreis- und Provinzial- Verfassung den Mittelpunkt ihrer Bestrebungen. Die preußische Regierung ist nun seit einigen Jahren selbst in die Bahnen des Liberalismus eingelenkt und hat die neue liberale Kreis- und Gemeindeordnung mit ziemlicher Energie trotz des Widerstandes, den die conservativen Elemente leisteten, eingeführt, spät genug freilich, wenn man bedenkt, daß eine solche Ordnung schon im Jahre 1850 Gesetz war, welches allerdings die Reaktion nicht zur Ausführung brachte; spät genug, wenn man bedenkt, daß in Frankreich schon seit Generationen eine Stadt und Land gleichstellende Gemeindeverfassung existirt. Die wohlthätigen Wirkungen einer den Zcitverhältnissen ent- sprechenden freisinnigen Gemeinde-, Kreis- und Bezirksordnung wollen wir nicht verkennen, und es würde die gegenwärtige Kreis- und Gemeindeordnung, wenn sie vor 50 Jahren in Preußen eingeführt worden wäre, gewiß großen Nutzen der Be- völkerung gebracht haben. Auch wollen wir ferner nicht ver- kennen, daß für die östlichen überwiegend ländlichen Provinzen die neue Kreis- und Gemeindeordnung noch immer Gutes er- wirken kann; für die industriellen Bezirke des Staates aber verlieren die Gesetze solcher Kategorie wegen des„zu spät" ganz außerordentlich an ihrer Bedeutung. Die Gemeinde hat wesentlich das Grundeigenthum zu ihrer Voraussetzung; sie ist der Complex einer Anzahl ansässiger, nachbarlich zusammenwohnender Einwohner eines Staates, die Bereinigung von verschiedenen Haus- und Hofbesitzern, die nächste Gtsammtheit, in welche man vom häuslichen Heerde eintritt. Für eine so charakteristische Organisation aber fehlen die Be- dingungen bei einer Bevölkerung, die einem steten Wechsel ihres Wohnsitzes ausgesetzt ist, wie dies ja in den großen Städten und in den Jndustriebezirken wesentlich der Fall ist. ,. Gemeinde ist aber auch die Grundlage des alten politi- scheu Rechtsstaates; sie hängt innig mit den herrschenden Eigen- thumsbegriffen und Rechtsanschauungen zusammen; deshalb tritt sie in den industriellen Gegenden mehr in den Hintergrund, weil sich dort in der letzten Zeit andere Rechtsanschauungen und Eigenthumsbegriffe zu bilden anfangen. Hieraus ersieht man, daß die Einführung der neuen Kreis- und Gemeindeordnung für die preußischen Wcstprovinzen nur von höchst untergeordneter Bedeutung ist, und daß man sie Haupt- sächlich nur der Rechtsgleichheit wegen fordern muß. Außerdem aber hat man bei der neuen Kreis- und Gemeinde- ordnung das englische Vorbild nachgeahmt, ohne ins Auge zu fassen, daß ein solange von der Bureaukratie beherrschtes Volk, wie das preußische, auch mindere Empfänglichkeit für das„Sclf- governement" zeigt; ohne ferner zu bedenken, daß auch in Eng- land neuerdings das arbeitende Volk, wie in Deutschland und Frankreich, mit dem allgemeinen Stimmrecht und den sozialen Forderungen zwischen die einschlägigen Institutionen tritt und das sogenannte„Selfgovernement" nicht mehr unversehrt geblieben ist. Bei dem allgemeinen Stimmrecht aber braucht der Parla- mentarismus nicht mehr als nothwendige Ergänzung und um sich den gehörigen Nachdruck zu verleihen, die freisinnigen Gemeinde-, Kreis- und Bezirksvertretungen, da tritt an Stelle solcher Or- ganisationen das Volk, das ganze arbeitende Volk, zusammen- gehalten und geleitet durch die gleichen Interessen uno Existenz- bcdingungen. Mögen daher auch Gesetze, wie die preußische Gemeinde- und Kreis- ordnung zur vollständigen Beseitigung des alten feudalen Wustes ihre guten Dienste thun, so wird ihre Wirkung durch das„zu spät" doch wesentlich abgeschwächt; jedenfalls aber müssen wir für den Sozialismus die ganze Frage für abzethan ansehen, indem auf seiner Fahne anstatt der corporativen Gemeinde bereits ein anderes Wort steht, nämlich: die, nicht an die Scholle und an den enterbten Besitz, sondern an die allein Werth ver- leihende Arbest geknüpfte, auf dem allgemeinen Stimmrecht und ! der ausgedehntesten Freiheit beruhende Assoziation. Ans dm Vereinigten Staaten. Newyork, 9. November. Die vorgestrige Wahl in zwölf Staaten der Union ist über- wiegend im Sinne der Partei, welche sich hier demokratisch nennt, ausgefallen. In drei von den zwölf Staaten haben die Republikaner mit sehr verminderter Mehrheit gesiegt; in den wichtigen größten Staaten, Newyork und Pennsylvanien, sowie in New-Jersey, Maryland, Virginien, Mississippi, Ne- braska haben die Demokraten— zum Theil ganz unerwartete Siege davongetragen; in Illinois und Wisconsin ist bis jetzt das Ergebniß unentschieden, weil die Arbeiterpartei das Ver- hältniß der Stimmenzahl so verändert hat, daß man aus den nur theilweise bekannten Zahlen keine verläßlichen Schlüsse ziehen kann. In Chicago hat unsere Arbeiterpartei ihren Richter für das Obergericht(Luperior vourt) erwählt, und wenn kein Be- trug bei der Stimmenzählung vorkommt, sind ihr noch weitere Erfolge gewiß. In einer Nachschrift wollen wir melden, was dort und in Wisconsin, wo unsere Wahlbewegung sich über größere Strecken des Staates ausdehnte, bis übermorgen fest- gestellt sein wird. In Newark, N.-J., hat der Verrath eines Parteigenossen verhindert, daß einer oder selbst zwei Vertreter der Arbeit in die Staatslegislatur kamen. In der Stadt New- York war nicht der mindeste Erfolg zu erwarten, doch haben unsere Genossen wenigstens ihr Dasein und ihre Unbestechlichkeit gezeigt. In mehreren Bezirken Pennsylvaniens haben die Kohlen- gräber sich gänzlich von den alten Parteien losgerissen und wirklich viele ihrer Vertreter und Grafschaftsbeamten erwählt; sie waren nicht mit unserer Partei verbunden, aber dieser uncr- wartete Sieg, welcher der pennsylvanischen Käpitalistenbande die Herrschast im Staate nimmt oder sehr verkürzt, muß auch für diese bedrückteste Arbeiterklasse wohllhätige Folgen äußern. Unerwartete Stärke entwickelte unsere Partei, theils mit, theils ohne Hilfe der Greenbackler, in Rochester, Utica und in anderen Fabrikorten des nördlichen Newyork. Es ist dabei an- zuschlagen, daß der eine Flügel unserer Partei nicht mit gewählt hat, was in den Städten Newyork, Brooklyn, Boston und ganz Neuengland, in Philadelphia und Pittsburgh einen ansehnlichen Stimmenausfall zur Folge hatte. Es war dies die ruhigste, aufregungsloseste Wahl, von welcher wir Zeuge waren, ausgenommen wo unsere Partei sich daran betheiligte, welche mit Begeisterung an's Werk ging. Ohne es zu wollen, hat sie die alten Parteien in eine ganz veränderte Stellung gebracht. Durch den Ausfall ihrer Stimmen hat sie an vielen Orten, welche Festungen des Republikanismus waren, diese, schon durch die Administration gespaltene Partei zersprengt und dadurch den Demokraten die Oberhand gegeben. Der alte Bann der Parteifcsseln ist in weiter Ausdehnung gebrochen. Das stimmgebende Volk hat sich, soweit es unabhängig und un- bestechlich ist, auf das Sclbstdenken verlegt, und die alten Orga- nisationen sind großentheils ohnmächtig geworden. Bestechungs- versuche helfen wenig mehr— sie werden mit Unwillen zurück- gewiesen und veröffentlicht. Den diesmal gewählten Volksver- tretern wird auf die Finger gesehen, ihre Abstimmungen in den Legislaturen werden überwacht werden. Es ist klar, die Mehr- heil der Stimmgeber wird ihr Votum nicht länger für ein Lin- sengericht verkaufen, oder blind einer Organisation ausantworten. Wahlbetrügereien werden seltener und müssen endlich auf- ' hören. i Das ist der eine Vortheil der Arbeiterbewegung. Indem aber alle Berechnungen der alten Organisationen sich trügerisch erweisen, müssen sie um die Wette auf die Gunst der Arbeiter Angebote machen. Sie müssen aus der Roth eine Tugend machen und ehrlicher handeln. Wir verlieren uns darüber heute nicht in Muthmaßungen, da die nächsten Monate schon Thatsachen zur Beurtheilung liesern werden. Im Staate Newyork hatten �die Kapitalisten, Herrn Otten- dorfer, den Eigenthümer der„Staatszeitung", an der Spitze, eine Beschränkung des Wahlrechts durch zwei verkäufliche Legis- laturen nach einander gebracht, und diese Maßregel lag dem Volke zur Abstimmung behufs eines constitutione� m Amende- ments vor. Dieselbe würde ein Dritttel der Wähler in den Großstädten um das Wahlrecht in allen gemeindlichen Finanz- angelegenheiten gebracht haben. Das Amendement ist natürlicy mit großer Mehrheit niedergestimmt worden, wofür sich die De- mokratcn ein Verdienst beimessen, während doch blos der Hand- greifliche Partei- Vortheil ihr Verhalten diktirte, da sie bei weitem die meisten Stimmen verloren hatten, wäre das Amendement angenommen worden. Im 7. Senator-Distrikt des Staates wurde ein berühmter Boxer für Geld und Besitzer einer Spielhölle, Morrissey, gegen das reguläre demokratische„Ticket" erwählt. Er verdankte das dem Zusammenwirken der armen demokratischen Arbeiter, weil er in den letzten Legislaturen nicht mit geschwindelt, überhaupt immer die Forderungen der Arbeiter vertreten hat, mit den un- abhängigen Republikanern, welche das Zusammengehen ihrer Partei mit der diebischen Demokraten- Organisation mißbilligten und den Gegenkandidaten Schell schlagen wollten, einen seit 30 Jahren mächtigen Aemterjäger. Solcher überraschenden Wahlergebnisse waren diesmal viele zu beobachten. Im Staate New- Jersey wurde ebenfalls von zwei Uebeln das kleinere, der bekannte General McLellan, Stockdemokrat und Arbeiterfeind, über den Republikaner Newell zum Governor gewählt, um der republikanischen Corruption in Staatsangelegenheiten ein Ende zu machen. Dies hätte die Arbeiterpartei verhindern können; aber der Sieg wäre dann einer unverbesserlichen Schwindlerbande zugefallen. Die Ent- scheidung war der Hälfte der Partei, welche sich der Wahl nicht enthalten wollte, sehr erschwert. Gegen das Vorurtheil, daß der amerikanische Bürger unter allen Umständen mitstimmen und daß er wo möglich auf der gewinnenden Seite sein sollte, kämpft unsere Partei noch immer mit geringem Erfolg. Er betrachtet die Wahl nur zu gewöhnlich als ein Glücksspiel, eine Wette, eine Lotterie, und die Auswahl des Candidaten, welcher der meisten Stimmen gewiß zu sein scheint, interessirt ihn vielleicht ebenso sehr als sein eigenes In- teresse, das bei der Sache auf dem Spiele steht. Für eine neue Partei zu stimmen, deren Bewerber auf Jahre hinaus noch zu unterliegen sicher find, gilt ihm beinahe für Thorheit, hat we- nigstcns keinen Reiz für ihn. Diejenigen, welche diesen unrepubli- kanischen Zug im Volksthum aus langer Erfahrung kennen, sind deshalb jeder Wahl abgeneigt, bevor durch ökonomische und organisatorische Parteithätigkeit ein durchschlagender Erfolg bei- nahe gewiß ist. Es kommt dazu ein zweiter unglücklicher Zug im Volksgeiste: was einem Ausschuß von Mehreren aufgetragen wird, bleibt schlecht besorgt, weil Jeder eine Fülle von Geschäften hat, und Jeder sich aus den Andern verläßt. Wird aber das Geschäft einem Einzelnen ausgetragen, der ihm seine ganze Zeit widmen muß, so liegt diesem die Versuchung gar zu nahe, dasselbe im eigenen Vortheile zu betreiben; denn Uneigennützigkeit ist eine � � 1"••» ff S* C»»>■»»» ir 1 V vi.v 4v V.«... a es einzelne unlautere Bestandtheile auszuscheiden' Und dies ist der zweite Hauptgrund, daß die bedächtigen Parteimitglieder noch keine Wahlbetheiligung wollen. Es ist mit einem Wort eine Herkules-Arbeit, unsere Partei hierzulande einflußreich zu machen, und den Muth und die Siegeszuversicht in ihr aufrecht zu er- halten. Eine Menge Verurtheilungen wegen Theilnahme am Eisen- bahnarbeiter- Ausstand sind m Scene gesetzt worden. Wegen Brandstiftung an der Readinger Eisenbahnbrücke sind zwei Ueber- führte zu fünf Jahren Zuchthaus verurtheilt, zwei als„Staats- zeugen"(Denunzianten) freigesprochen worden. Das Denun- ziantenwesen hat übrigens keine große Rolle gespielt. Unter den übrigen Verurtheilungen kommen ein paar juristische Ungeheuer- lichkeiten vor. In Indianapolis wurden vom Ver.-Staaten- Distriftsrichter Drummond fünfzehn Ausständige zu je drei Monaten Gefängniß verurtheilt, obwohl sie nichts begangen, als daß sie einen Frachtzug stehen gelassen hatten. Der Entschei- dungsgrund?„Eine Verschwörung, um die Geschäfte des Landes in Stillstand zu bringen."— Als ob nicht die Eisen- bahngesellschaft darauf hin hätte verurtheilt werden müssen! Denn, wie der Richter selbst sagt, sind die Arbeitskräfte bloße Waaren, welche durch Angebot und Nachfrage im Preise be- i stimmt werden. Wie kann man Waaren für angerichteten Scha- den verantwortlich machen? An der Erie-Bahn wurde ein Arbeiter Namens Dono hur zweimal wegen desselben Vergehens verurtheilt: das erste Mal vom Receiver, weil die Bahn im Bankerottverfahren von einem Richter verwaltet wird— dieser verurtheilte den Mann, weil er den richterlichen Befehl, mit der Störung des Bahnverkehrs einzuhalten,„verachtet" habe, zu sechs Wochen Haft; das zweite Mal vom Vereinigten- Staatcn-Richter, weil er den Bahnverkehr litt's Stocken gebracht, zu längerer Hast. Von anderen solchen Fällen können wir schweigen. . Abermals hat einer der Vereinigten- Staaten- Oberrichter, Strong, sich und dem Obergericht eine unheilbare Wunde ge- schlagen. Es wird ein Brief von ihm verössentlicht, worin er gesteht, daß er als Mitglied der Wahlbehörde dem Präsidenten Hayes gegen seine Ueberzeugung, daß er gewählt sei, blos aus technischen Gründen seine Stimme gegeben habe. Er habe sie ihm gegeben, weil die Regierung nicht competent gewesen sei, die gefälschten Wahlen in den Südstaaten wirklich zu untersuchen. Aber warum hat er denn nicht Tilden gewählt(er konnte den Ausschlag für diesen geben), oder vielmehr warum die Mit- gliedschaft in der Wahlbehörde nicht abgelehnt?— Wie soll das Volk der Vereinigten Staaten je wieder Vertrauen zu seinem Obergericht bekommen, wenn es von zweien seiner Mitglieder solchen Skandal erfährt?— Derselbe Oberrichter ist bekannt als ein Agitator dafür, daß in die Verfassung der Vereinigten Staaten(welche jetzt ganz atheistisch ist) ein Amendement auf- genommen werde, welches das Dasein Gottes und die Grund- lehren der christlichen Religion anerkennt. Sozialpolitische Ueberstcht. — Aus dem preußischen Abgeordnetenhause. In Nr. 137 haben wir erwähnt, daß eine Interpellation an die preußische Regierung in Bezug auf den Reptilienfonds ge- richtet werden würde, dabei aber zugleich bemerkt, daß die Re- gierung keine Antwort ertheilen würde. Am 21. November wurde die Interpellation vom Abgeordneten Eugen Richter nun auch eingebracht— es war kein Minister anwesend. Ein Regierungscommissar Namens Homeyer las ein Schreiben vor, in welchem einfach Seitens der Regierung erklärt wurde, daß sie nicht in der Lage sei, über die in der Interpellation enthaltenen Vunkte Auskunft zu geben— wir hatten also recht prophezeit. Das Centnlm und der Fortschritt wollten die Minister zur Stelle haben, die Majorität des Hauses aber war mit der Erklärung, in welcher indirekt gesagt wurde, das Haus habe nichts zu sagen, zufrieden. Wir wollen hier über die Entstehung des Reptilien- fonds dem„Frankfurter Beobachter" folgendes entnehmen: „Im September 1866 verlangte das Ministerium Bismarck unter Berufung auf die„politische Zweckmäßigkeit" vom Land- tage die Zustimmung zur Annexion von Hannover, Hessen, Nassau und Frankfurt a. M. Ja, wir sümmen zu, erklärte das preußische Abgeordnetenhaus, aber nicht auf Grund des vagen Begriffs der„politischen Zweckmäßigkeit", sondern auf Grund des Eroberungsrechts, das einen gültigen Theil des Staats- und Völkerrechts bildet. Mit Vergnügen erklärte sich die Regie- rung hiermit einverstanden und nahm die Annexion auf Grund des„Eroberungsrechts" vor. Einige Wochen später verlangte sie in einem Anflug von tiefem Mitleid für die depossedirten Fürsten in Hannover, Hessen und Nassau reichlich bemessene Entschädigungen, die für den König Georg allein, wenn wir nicht sehr irren, auf 16 Millionen Thaler sich beliefen. Die Majorität des Hauses stutzte und meinte, daß das„Eroberungs- recht" die Fürsten hinreichend für den Verlust ihrer Throne trösten könne. Nein, erklärte Bismarck, wir können die einst ge- krönten Häupter nicht darben lassen; sie müssen nach wie vor standesgemäß leben können; schon aus Rücksicht auf mächtige auswärtige Höfe wollen Sie dies anerkennen, meine Herren Volksvertreter. Und ein conservativer„Junker" bekräftigte die Worte Bismarck's mit dem Zusätze, daß man die Fürsten doch nicht wie die Abkömmlinge der irischen Könige„die Schweine büten lassen könne." Das Haus ging in sich und genehmigte die verlangten Summen. Wieder einige Monate später erschien Fürst Bismarck vor dem Landtage und gab ein interessantes Bild von den gefährlichen„feindlichen Umtrieben", deren sich Georg Rex und Friedrich Wilhelm von Hessen gegen den preußischen Staat schuldig machten; unmöglich dürfte man ihnen auch noch die Geldmittel hierzu liefern. Aber nicht Kassirung der Ent- schcidigung wollte Fürst Bismarck, sondern„Sequestration" bis zur vollständigen und ewigen Besserung der beiden Fürsten; bis dahin solle man ihm, dem Kanzler, bez. der preußischen Regie- rung, die Verwendung der Zinsen aus den Millionen ohne Rech- nungsablegung. lediglich zur Bekämpfung der„feindlichen Um- triebe" überlassen. Wir wollen damit die Reptilien in ihren Höhlen aussuchen, rief emphathisch Fürst Bismarck, und das Haus stimmte halb überzeugt, halb widerwillig ein, der famose Reptilienfonds, der größte geheime politische Fonds, den je eine Regierung besaß, war geschaffen." Dies die Entstehungsgeschichte des Reptilienfonds. Noch sei zu bemerken, daß der Minister Friedenthal, als man bei der Budgctberathung übcr den Reptilienfonds reden wollte, sagte, man möge doch auf dem Wege der Interpellation die Sache anregen. Man that's— die Regierung zuckte die Achseln ihre Vertreter blieben fern und— die Majorität des Hauses stimmte solchem Versahren, wodurch die Stellung der Landesver- tretung völlig erschüttert worden ist, willenlos bei. Der Mäch- Das Telephon. Der„Frankfurter Zeitung" entnehmen wir folgenden treff- lichen Artikel: Unser Jahrhundert hat auf dem Gebiete des Berkchrslebens durch Benutzung der Ergebnisse physikalischer Studien so viele staunenswerthe und nach allen Seiten befriedigende Resultate zu Tage gefördert, daß man eine Verbesserung der Verständigungs- mittel auf die Ferne bislang nicht mehr für nöthig erachtete. Man glaubte in dem so exakten Ausbau der Telegraphie, bei welcher es sogar so weit gebracht wurde, Original-Schriftzüge auf bedeutende Entfernungen wiederzugeben, den Culminations- punkt der praktiscken Verwerthung des galvanischen Stromes er- reicht zu haben. Als im Jahre 1860 der leider der Wissenschaft durch den Tod so früh entrissene Naturforscher Philipp Reis aus Frankfurt a. M., welcher in einem Erziehungs-Jnstitute zu Friedrichsdorf bei Homburg als Lehrer thätig war, den ersten Apparat erfunden hatte, mittelst dessen auf weite Entfernungen Töne telegraphirt werden konnten, betrachtete die zünftige Ge- lehrtenwelt diese weittragende Erfindung mit geringschätzigem Achselzucken; es war die Idee ja nicht dem Gehirne eines einge- sessenen„Herrn Universitäts-Pröfessors" entsprossen. So gerieth das Reis'sche Telephon in Vergessenheit und wurde erst im vo- rigen Jahre, als die Kunde einer neuen ähnlichen Erfindung aus Amerika nach Deutschland drang, wieder ans Licht gezogen. Mit dem Reis'schem Telephon können nur musikalische Töne auf elektro-galvanischem Wege fortgepflanzt werden, während die neue in den jüngsten Wochen vielfach besprochene Erfindung des Professors A. Graham Bell zu Salem im Staate Massa- chusetts in den Vereinigten Staaten die menschliche Sprache in allen ihren Nuancen, Modulationen und Worten auf elektro- magnetischem Wege in die Entfernung vermittelt. Das ursprüngliche Reis'sche Telephon besteht aus einem vier- eckigen Kästchen, über welches eine Membran aus Schweinsblase gespannt ist/ An der Seite des Käsichens ist ein zvllweites Rohr eingefügt, in welches hineingesungen wird. Die Schwingungen der Schallwellen bringen die Membran in eine gleiche Zahl von Schwingungen. Auf der Membran ist ein Platinstrcifen be festigt, über welchem sich ein kleines Platinstistchen befindet, das mit einem Hebelarm versehen ist. Der Apparat wird in d'.r Tige von Varzin nickte zufrieden mit dem Haupte— und. es wird weiter reptilisirt.— Am 22. d. Mts. tobte eine Culturkampfdebatte, in welcher sich der fortschrittlche Abgeordnete Petri zu folgender Tirade aufschwang: „Nein, meine Herren, dieser Kainpf ist uns aufgedrängt, wir müssen ihn zu Ende führen, denn es gilt unseren Staat, unser Reich, die gesammte Cultur, ihre Errungenschaften und idealen Güter zu retten, ohne die das Leben unerträglich wäre. Ich wünsche und glaube, jeder aufrichtige Vaterlandsfteund muß das wünschen, daß unser große Kanzler die große Schicksals- tragö die, an die er sein Leben gesetzt hat, auch vollenden möge. Das Borspiel, überschrieben„Schleswig-Holstein 1864", ist fertig, der erste Theil der Trilogie„Oesterreich 1866" ist fertig, der zweite Theil„Frankreich 1370—71" ist fertig, es fehlt also nur noch der dritte Theil, überschrieben„Rom".(Leb- hafter Beifall links.) Ich hoffe, daß ihm die Vorsehung die Kraft schenken wird, mit Hilfe seines treuen Eckehard, des Cul- tusminifters Falk, auch den dritten Theil zu Ende zu führen. (Stürmischer, anhaltender Beifall. Zischen im Centrum.)" Wenn wir diese Trilogie etwas näher in's Auge fassen, so hätte ein Fortschrittsmann am allerwenigsten Ursache zu ju- beln— in der„großen Schicksalstragödie" ist die Fort- schrittspartei nämlich zu Grunde gegangen nach dem alten tragischen Spruche:„Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit." Der Kampf gegen Rom ist unserer Meinung nach von Bismarck und dem heutigen Staate, der seine Stützen immer noch in der Kirche sucht, gar nicht durchzuführen— wird der römische Papst auch gestürzt, so behalten wir sicherlich das Papstthum in Deutschland doch bei. Dann aber auch sind beide Kämpfer so ermattet, so zer- fetzt und zerhauen, daß die erste beste Gelegenheit trotz Petri ergriffen wird, mit Petro Frieden zu schließen. Wohl uns dann! Hinter der Trilogie, die keineswegs einen großen Abschluß dann erhält, steht nämlich der Sozialismus, dem keine„große Schicksalstragödie" imponirt, weil er lebensfrisch im Volke wur- zeit— er tritt unfehlbar die Erbschaft Bismarcks sowohl, die Erbschaft der Staatsomnipotenz, als auch die Roms, die Herr- schaft über die Geister, er tritt sie beide an. — Die von dem Fürsten Bismarck eingesetzte Reichs- stempelsteuercommission hat dem deutschen Reiche folgende Einnahmequellen in Aussicht gestellt: Naturalisationsurkunden Mk. 230,000, Auszüge aus Standesregistern Mk. 50,000, Pässe und Paßkarten Mk. 90,000, Berechtigungsscheine zum einjährig- freiwilligen Dienst Mk. 300,000, Militärfteischeine Mk. 2,000,000, Schiffs-Certifikate, Musterrollen und Befähigungszeugnisse für Seeschiffer Mk. 30,000, Approbationsscheine für Aerzte, Zahn- ärzte, Thierärzte und Apotheker Mk. 24,000, Erlaubnißscheine für Schauspiel-Unternehmer Mk. 1000. Gewerbe-Legittmattons- karten für Handelsreisende ec. Mk. 180,000, Eintragungen zum Schutz von Urheberrechten, Eintragungen in die Handels- und Genossenschaftsregister zusammen Mk. 80,000, Eintragungen in die Musterregister Mk. 90,000, Auszüge aus den vorgenannten Registern Mk. 10,000, Wechselproteste Mk. 500,000. Den Er- trag der Stempelabgaben von Werthpapieren, Lombard-Darlehen und Schlußnoten veranschlagte die Commission auf rund 5'/- Millionen Mark, die Abgabe von Lotterieloosen soll 6 Millionen Mark erreichen und der Erlös aus der Quittungssteuer ist auf 4 bis 4'/- Millionen Mark geschätzt. Aus dem Spielkarten- stempel sollen 2 Millionen Mark gewonnen werden. Hiernach würde die Gcsammt-Einnahme aus den vorgeschlagenen Stempel- Abgaben etwa 22 Millionen Mark betragen. Wenn diese Vorschläge im Reichstage Genehmigung finden würden, so sähe man später fast jeden Reichsbürger immer- während mit einem Steuerzettcl in der Hand umherlaufen. Jede ausgeschriebene Quittung muß einen Stempel tragen! Das ganze Verkehrslcben wäre ja dann in unerhörter Weise belastet und belästigt. Wir hätten nichts dagegen, wenn die Majorität des Reichstags sich für solche Steuern erklärte, weil dann sehr bald alle Handwerker und Mittelbürger in der Sozialdemokratte ihr Heil suchen würden. — Rückschritt zur Leibeigenschaft. Die preußische Regierung hat dem Herrenhause folgenden Gesetzentwurf zugehen lassen:„Gesinde, welches hartnäckigen Ungehorsam oder Wider- spenstigkeit gegen die Befehle der Herrschast oder der zu seiner Aufsicht bestellten Personen sich zu Schulden kommen läßt, hat auf den Anttag der Herrschaft, unbeschadet deren Rechts zu seiner Entlassung oder Beibehaltung, Geldstrafen bis zu 15 Mark oder Welse in die Drahtleitung eines elektrischen Stromes eingefügt, daß das eine Ende der Stromkctte mit dem auf der Membran befindlichen Platinstreifen, das andere mit dem Hebelarme des Platinstiftes in Verbindung steht. Der l tztere berührt das Pla- tinplättchen. Wenn die Membran schwingt, so entfernt und nähert sich gleichzeitig in der gleichen Schwingungszahl der Mem- branschwingungen das Platinplättchen dem Platinstifte; ebenso rasch entfernen sich diese beiden wieder von einander. Durch das beständige sich einander Nähern und Entfernen der beiden Platinstückchen wird abwechselnd der elektrische Strom geöffnet und geschlossen, und zwar ebenso oft als der in den Kasten hineingesunge Ton Schwingungen macht. Die Drathleitung führt auf der anderen Station um einen Eisendraht, denselben in ei- nigen hundert Windungen umkreisend. Der amerikanische Physiker Page hatte schon im Jahre 1838 beobachtet, daß das Magnettsiren eines Eisenstabes mittelst einer galvanischen Spirale von einem Tone begleitet sei, der dem Longitudinaltone des Stabes identisch war. Bon dem Professor Werthcim zu Pest war hierauf im Jahre 1848 die Thatsache be- kannt gemacht worden, daß ein um einen Eisenkern rotirender elek- irischer Strom das Eisen in bestimmte Schwingungen versetze und die Tonhöhe abhängig sei von der Zahl der Unterbre- chungen des umkreisenden elektrischen Stromes. Philipp Reis benutzte diese Thatsache. Der von seinem Telephon kommende, um den Eisenkern circulirende elektrische Strom war so geeigen- schaftet, daß er das Eisen in die gleiche Schwmgungszahl des in das Telephon gesungenen Tones versetzte. Der Eisendraht begann gleichsam zu singen und in der Entfernung die gleichen Töne vernehmbar zu machen, welche in das Telephon der an- dern Station hineingesungen worden waren. Der galvanische Ton wurde ferner 1857 von Poggendorff an einem eisernen Cylinder beobachtet, der über eine aufrechtstehende Magnetisirungs- Spirale geschoben wurde. Der Apparat des Professors Bell hat mit dem Reis'schen Telephon nur das Schwingen einer Membran gemein, sowie die Uebertragung dieses Schwingens auf einen Eisenkern. Voll- kommen diffcrent aber von der Reis'schen Erfindung ist die Art der Fortleiwng des in dem Eisenkern gewonnenen Stromes. Professor Bell hat nämlich die Zuhilfenahme einer elektrischen Batterie ganz aufgegeben und an deren Stelle Magnete einge- Haft bis zu 3 Tagen verwirkt. Dieser Antrag kann nur inner- halb 14 Tagen seit Berübung der Uebertretung oder, falls die Herrschaft wegen der letzteren das Gesinde vor Ablauf der Dienst- zeit entläßt, vor dieser Entlassung gemacht werden. Bis zum Anfang der Vollstreckung der Strafe ist die Zurücknahme des Antrags zulässig."— Der„Braunschweiger Volksfreund" bemerkt dazu recht treffend: Also die Gesindeordnung vom Jahre 1811 ist noch zu freisinnig; dieselbe entzieht den Dienstboten das Recht ihrerseits wegen Beleidigung gegen die Heraschaft zu klagen. Das ordentlichste,� sittenreinste Mädchen muß sich von dem lüder- lichsten, ekelhaftesten Weibsbilde oder dem rohesten, gemeinsten Kerl, denen ihre Mittel erlauben, sich ein Dienstmädchen zu halten, selbst Mißhandlungen gefallen lassen, ohne klagbar werden zu können. Es wird zwar vorausgesetzt, daß die Beleidigung oder kleineren Thätlichkeiten durch die Herrschaft zugefügt seien, weil sie vom Dienstboten zum Zorn gereizt sei, aber— ist das nicht bei einer solchen Herrichaft, welche so ehrlos ist, ein Mädchen zu schlagen, immer der Fall, wenn der Untergebene den geringsten Widerspruch wagt?— Aber dieses Gesetz von 1811 genügt noch nicht. Es muß noch neuer Schutz für die„Herrschaft" eingeführt werden. In diesem Falle dürfte doch mancher Bürger Bedenken tragen, es zuzugeben, daß seine Tochter sich als Dienstmädchen vermiethet, und es ist daher nicht zu verwundern, daß gerade in Preußen Dienstboten stark gesucht werden. — Der folgenden Berichtigung, die uns mit der Bitte um Veröffentlichung zugegangen ist, glaubten wir die Aufnahme nicht versagen zu dürfen, obgleich wir in der Jmpffrage die Polemik im„Vorwärts" bereits für geschlossen erklärt haben. Thatsächliche Berichtigung. Ein Blick auf die Reihenfolgen des Erkrankens in Pocken- epidemieen(vgl. die Tabellenabdrücke in nieiner neuesten Flug- schrift„Auf der Anklagebank") zeigt evident, daß nicht die Ge- fahr, an Pocken zu erkranken, sondern die Gefahr, wenn er- krankt, an Pocken zu sterben, bei den(ungeimpften) Säuglingen größer als bei den Erwachsenen(geimpften) ist. Man vergleiche hierauf das Erkrankungsprozent im Gegensatz zum Sterbe- Prozent in den Zahlen der Buckauer Epidemie! Diese Thatsache ist aber eben so erklärlich, wie die, daß die Gefahr des Bett- nässens bei dem ungeimpften Theile der Bevölkerung(Säuglinge) eine viel größere als bei dem geimpften und revaccinirten Er- wachsenen ist. Ergebenst Dr. H. Oidtmann. — Das Briefgeheimniß im deutschen Reich. Wir erhalten folgende Zuschrift: Montag, den 12. d. M., gab ich hier eine Werthseudung an S—. in Berlin auf. S—-. schreibt mir darüber: „Das Päckchen war auf der Post in Leipzig so ramponirt angekommen, daß es dort in einen neuen starken Umschlag ver- packt worden ist. Die eine schmale Seite des Papiers war ganz zerfetzt, zum Theil glatt aufgeschnitten, die eine Ecke des Packeis eingekniffen, so daß sich der Bindfaden ohne Verletzung des Siegels über diese Ecke schieben, der Inhalt herausnehmen und wieder in das Papier hineinschieben ließ! Welch wunder- bare Fügung Gottes, daß Ihre Sendungen auf der Tour nach nig so sonderbar ramponirt werden!" ia meine früheren Beschwerden über Verletzung des Brief- geheimnisses völlig resultatlos geblieben und die Briefstieber unentdeckt geblieben sind, so verzichte ich auf eine neue Unter- suchung und begnüge mich damit, das Faktum im„Vorwärts" zu constatiren. Fluntern b. Zürich, 19. Novbr. 1877. C. Lübeck. — In der schweizerischen Arbeiterbewegung ist ein Fortschritt von großer Bedeutung zu verzeichnen. Dieser Fort- schritt besteht darin, daß die seither auf Grund verschiedener Programme wirkenden Organisationen des Grütlivereins und der Arbeiterpartei nunmehr ein gemeinsames Programm zur Richt- schnür ihres Handelns festgesetzt haben. Das Programm lautet: Programm der Sozialdemokratischen Partei in der Schweiz. (Berathen und festgestellt am 18. November zu Bern unter An- Wesenheit folgender Delegirten: Gräub(Centralcomitä des Grütlivereins), Schröder(Bundescomitä des Arbeiterbundes), Greulich(Redakteur der„Tagwacht"), Wolf, Wüst, Mäder (Grütliverein Bern), Hofer und Wegmüller(Arbeiter-Union Bern). I. Die Sozialdemokratische Partei in der Schweiz erstrebt die Wahrung und Förderung der Interessen des arbeitenden Volkes in jeder Beziehung. Sie ist sich bewußt, daß die Be- führt, an denen die Stimme die zur Uebermittelung der Töne erforderlichen Stromwellcn selbst erzeugt. Er benutzte nämlich die Eigenschaft der Induktion. Unter Induktion versteht man die Erzeugung von elektrischen Strömen durch elek- irische Ströme oder durch Magnete. Letzteren Umstand, die Magneto-Jnduktion, hat Prof. Bell benutzt. Die Verwandtschaft der elektrischen Ströme mit den Wir- langen der Magnete ist nämlich eine sehr nahe, indem ein jeder Magnet nichts anderes ist, als ein perpctuirlich von elektrischen Strömen umkreistes Stahlstück. Jeder Magnet ist von paral- lelen elektrischen Elementarströmen umkreist. Die anziehende und abstoßende Wirkung der Magnete ist demnach nichts anderes, als die anziehende Wirkung gleich gerichteter und die abstoßende Wirkung entgegengesetzt gerichteter elektrischer Ströme. Diese perpetmrlich um die Magnete kreisenden elekttischen Strömungen können auf dem Wege der sogenannten Jnduktton freigemacht und perpetuirlich fortgeleitet werden. Wenn man nämlich einen Leitungsdraht an einen Magnet hält, so entsteht in dem Leiter ein Sttom von entgegengesetzter Richtung, wie derjenige des ele- mcntaren Stromes des Magnets; wenn man aber von einem Leiter einen Magnet entfernt, so entsteht in dem Leiter ein Strom von derselben Richtung, wie derjenige der elementaren Ströme des Magnets. Als Leiter benutzt man Spiralen von Kupferdraht, welche um den Magnet herumgehen. Die auf diese Weise entstehenden elektrischen Ströme nennt man Jnduktions- Ströme. Dieselben find geeignet, in weiten Entfernungen an Magneten durch Schluß und Oeffnung des Stromes dieselben Wirkungen hervorzurufen. welche durch den ersten Magnet ver- liehen worden sind. Diese Thatsache hat Professor Bell bei Er- findung seines Telephons benutzt. Der Apparat besteht aus einem kurzen hölzernen Rohre von etwa 6 Zoll Länge und ca. l'/z Zoll Durchmesser, das an einem Ende 2 Klemmschrauben für die Leitungsdrähte besitzt. An das andere Ende ist ein zweites kurzes, etwas weiteres Rohr von Holz angefügt. Das weitere Ende� zeigt in der Mitte eine Oeff- nung von der Größe eines Zehnpfennigstückes, hinter welcher ein schwarzes membrandünnes Eisenplättchen sichtbar ist; in dem längeren Rohre befindet sich ein stabförmigcs Stück magnetischen harten Eisens(Stahls), währenddem die kurze vordere Röhre einen Elektromagnet enthält, welcher mit einer größeren Anzahl rciuug der Arbeiterklasse durch die Arbeiter selbst errungen werden muß. II. Der Kampf für die Befreiung der Arbeiterklasse ist kein Kampf für Vorrechte eines Standes, sondern für gleiche Rechte und gleiche Pflichten und für die Abschaffung aller Klassen- Herrschaft. III. Die ökonomische Abhängigkeit des Arbeiters von dem Kapitalisten bildet die Hauptgrundlage der Klassenherrschaft und es erstrebt deshalb die Sozialdemokratische Partei die Ersetzung der jetzigen Produktionsweise(Lohnsystem) durch die genossen- schaftliche Arbeit. IV. Da die Befreiung der Arbeiterklasse nur möglich ist, wenn diese gemeinsam und einheitlich den Kampf führt� ver- einigen sich der Schweizerische Grütliverein und der Schwei- zerische Arbeiterbund— unter Wahrung ihrer Selbstständig- reit— zu einer Sozialdemokratischen Partei in der Schweiz.. �.. Als die nächsten Forderungen sind in der Agitation geltend zu machen: a) Vom Standpunkte der Gesetzgebung: 1) Vollständige Durchführung der direkten Gesetzgebung durch das Volk(obligatorisches Referendum und Initiative) im Bund wie in den Kantonen. 2) Abschaffung des Ständeraths. 3) Einführung der Proportionalvertretung. 4) Rechtsprechung durch das Volk und unentgeltliche Rechts- pflege. 5) Unbeschränktes Schweizerdürgerrecht und unbedingtes Stimmrecht für alle schweizerischen Mitbürger in kantonalen und Gemeindeangelegenheiten. Uebertragung der Armenpflege an die Einwohnergemeinde mit ausreichender Beihilfe der betreffenden Landestheile und des Staates. 6) Obligatorischer, unentgeltlicher und weltlicher Volksschul- Unterricht bis zum zurückgelegten 15. Lebensjahre mit fortschrci- tenden Jahreskursen, so daß Sekundär-, resp. Bezirksschulen und Gymnasien unentgeltlich und obligatorisch und erforderlichenfalls mit Stipendien für Unbemittelte, den Kindern des Volkes offen stehen. Einführung obligatorischer Fortbildungsschulen bis zum militärpflichtigen Alter. Unentgeltlichkeit der Lehrmittel. Unent- geltlicyer Unterricht auch an allen höheren staatlichen Bildungs- anstalten. Stipendien sür fähige Unbemittelte, welche mittlere und höhere Lehranstalten besuchen wollen. 7) Arbeitergesetz mit einem den Gesellschaftsbedürfniffen ent- sprechenden Normalarbeitstag. Verbot der fabrikmäßigen Kinder- arbeit bis zum zurückgelegten 15. Altersjahre. Haftpflicht für alle Fabrik- und gewerblichen Arbeiter. 8) Unentgeltliche Krankenpflege. 9) Staatliche Statistik über die Lage der arbeitenden Klassen. 10) Gesundheits- und Lebensmittelpolizei, sanitarische Kon- trole der Wohnungen, Fabrik-, Werkstatt- und Hausindustrie. 11) Steuerreform im Sinne der consequentcn Durchführung der Progression und Jnventarisation. Progressive Erbschafts- steuer bis zu 50 Prozent des Nachlasses, hauptsächlich zu Er- ziehungszwecken für arme Kinder. Abschaffung der indirekten Steuern. 12) Uebernahme der Eisenbahnen durch den Bund. 13) Bundesbank mit Banknotenmonopol(alleiniges Recht zur Banknotenausgabe). 14) Regelung der Gefängnißarbeit. 15) Volle Selbstverwaltung für alle Arbeiter-Hilfs- und Un- 16) Verbot aller Fabrikbußen und Dekomptes(Lohnzurück- beHaltungen als Caution). b) Vom Standpunkte der gewerkschaftlichen Bewegung: 1) Gründung von Gewerkschaften, welche ihren Mitgliedern Rechtsschutz gewähren und für die ökonomische Besserung der- selben eintreten. 2) Durchführung des Grundsatzes, daß das gleiche Quan- tum Arbeit, ob von Männern oder Fraaen geleistet, gleich be- zahlt werde. 3) Errichtung von Auskunfts- oder Arbertsnachweffungs- büreaus in den Händen der Arbeiter. 4) Feststellung der Arbeitslöhne auf die Höhe einer ange- messenen Existenz mit Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse. 5) Gründung von Produktivgenoffenschaften, die Eigenthum der betreffenden Gewerkschaften sind und nur ausnahmsweise Lohnarbeiter beschäftigen. — Die Berliner„Provinzial-Correspondenz" heulmeiert über die französische Krisis, verzweifelt an einer fried- lichen Lösung und bemitleidet das unglückliche Frankreich. Die „Provinzial-Correspondenz" möge sich doch an der eigenen Nase zupfen und ihre, vor 12 und 13 Jahren geschriebenen Artikel einmal durchlesen. Sie wird dann finden, daß sie damals das Handeln eines Mannes, der genau dieselbe Rolle spielte, die Mac Mahon jetzt spielt, für durchaus correkt, zum Heile des Vater- lands nöthig erklärte u. s. w. Und, wenn sie ihr Gedächtniß ein Bischen auffrischt, wird sie des ferneren finden, daß besagter Mann mit seinen Gegnern auch fertig geworden ist, obgleich sie einmüthiger und relativ mächtiger waren, als die Gegner Mac Mahon's. Doch freilich, der Sieg jenes Mannes über die „inneren Feinde"(das„innere Düppel") hat uns drei aus- wältige Kriege gebracht, einen immer größer und blutiger als den vorhergehenden. Nun— wir glauben, Mac Mahon, der es leichter hat, wird es auch billiger thun. Apropos noch Eins: Sollte die„Provinzial-Correspondenz" und ihr Bismarck'sches Zeitungsgeschwister etwa gar blos„aus Bosheit" mit den französischen„Republikanern" sympathisiren, um sie in Mißkredit zu bringen? Wenn das die Absicht, dann ist sie vollkommen erreicht worden: der Beifall der beut- schen Reptilienpresse ward in der letzten Versailler„Redeschlacht" von den Freunden des Marschalls mit wahrem Behagen aus- genutzt und tönte den„Republikanern" wie Grabgeläute in die Ohren. Inzwischen geht es lustig vorwärts mit der„Zerbröcklung" der Majoruät. Am Dienstag verfügte dieselbe bei einer wichtigen Abstimmung— ein indirektes Mißtrauensvotum— nur über eine Mehrheit von zwei Stimmen! Und wie lange wird diese Mehrheit noch vorhalten? So gut das orleanistische(Bourgeois tcmt pur) Centrum des Senats zu Mac Mahon übergelaufen ist, wird auch das orleanistische Centrum der Deputirtenkammer beim ersten besten Anlaß zu ihm überlaufen. Und da faselt man von einem„Staatsstreich", von drohenden „gewaltsamen Conflikten", von„ernster Gefahr für die Republik!" Bah! wer wird mit Kanonen auf(parlamentarische) Spatzen schießen, denen man mit einer blindgeladenen Taschenpistole das Zwitschern und Lärmen vertreiben kann? Und die„Republik" in Gefahr! Weshalb? Sie hat Mac Mahon nichts zu Leid gethan und wird ihm nichts zu Leid thun. Im Gegentheil! Nein, die„Republik" ist sicher. Man redet von„Erfolgen der Achtung"— suceös d'ästime. Es giebt auch„Erfolge der Verachtung". Die französische„Republik" hat den glänzendsten „Erfolg der Verachtung" errungen: sie bleibt besteh n. — Der Strike der Ciqarrenarbeiter in New-Iork dauert noch fort, da die Fabrikanten sich nicht bequemen wollen, den berechtigten Forderungen der Arbeiter nachzugeben. Durch den Anschluß der Cigarrenpacker an den Strike ist die Hoffnung auf den Sieg für die Arbeiter gestiegen. Bis jetzt sind die Unterstützungen für die Strikenden zwar nur spärlich eingegangen, in nächster Zukunft dürften die Hülfsgelder aber reichlicher zu- fließen, da sich die Arbeiter in den größeren Städten für den Strike zu interessiren beginnen und bereits Geldsammlungen ver- anstaltet haben. — Der Fall von Kars hat den Mderstandsmuth der Türken durchaus nicht gebrochen, wie man im russichen Haupt- quartier erwartet zu haben schien; es werden von ihrer Seite bedeutende Anstrengungen gemacht, um einen Umschwung auf den beiden Kriegsschauplätzen zu erwirken. Auf dem asiatischen steht's allerdings sehr schlimm, und, falls nicht bald der Winter herein- bricht— dessen Ausbleiben die letzten Erfolge der Russen ermög- lichte— dürfte Erzeruin kaum zu retten sein. In England, wo die Nachrichten aus Armenien große Aufregung hervorge- bracht haben, glaubt man ziemlich allgemein, daß Kars nicht dem russichen Eisen, sondern dem russischen Golde erlegen sei. Dem- entgegen vertritt die„Vossische Zeitung" die Ansicht, die Be- satzung von Kars hrbe ihre Schuldigkeit gethan, sie sei aber der mindestens dreifachen Uebermacht gegenüber zu schwach zur Ver- theidigung der äußerst umfangreichen Werke gewesen. Daß die Besatzung sehr schwach war und die Russen mit großer Ueber- macht angriffen(die anderslautenden Berichte aus russischer Quelle sind eitel Renommisterei), ist richtig, allein trotzdem will es uns bedünken, daß, bei der zähen Tapferkeit der türkischen Soldaten, die Festung nicht hätte genommen werden können, wenn nicht die Vertheidigung durch Verrath gelähmt worden wäre. Auf dem europäischen Kriegsschauplatz wurde in den letzten Tagen mit wechselndem Erfolg, meist übrigens den Türken günstig, gekämpft. Mehemed Ali rückt zum Entsatz Osman Pascha's vor; gelingt die Vereinigung beider Armeen, dann wäre der Verlust von Kars reichlich wettgemacht. Daß Osman Pascha auf längere Zeit mit Proviant und Munition versehen ist, scheint gewiß zu sein.— — Parteigenosse Bebel hat am 23. November in Plötzensee bei Berlin die ihm vom Berliner Gericht zuerkannte Haft von 6 Monaten angetreten.— Parteigenosse Ostermann, Redakteur der„Westfälischen Freien Presse", verbüßt gegenwärtig in Dortmund eine Gelängnißhast von einem Monat wegen Preß- vergehen. — Eine merkwürdige Ueberraschung wurde, wie die „Wahrheit" berichtet, dem Redakteur derselben, Maximilian Schlesinger, auf dem Stadtgericht bereitet. Derselbe hatte eine Vorladung erhalten, und es wurde ihm im Termine eröffnet, daß Voruntersuchung gegen ihn eingeleitet sei, weil das im Auf- trage des Genter Congresses erlassene„Manifest an die Arbeiter- und Sozialisten-Vereinigungen aller Länder" in Nr. 244 der „Wahrheit" abgedruckt war. Dieses Manifest soll gegen§ 110 und, wenn wir uns nicht irren, auch gegen§ 130 verstoßen. — Am 20. November Vormittags stand der Redakteur der „Berliner Freien Presse", Paul Grottkau, vor der 4. Depu- tation des Berliner Kriminalgerichts unter der Anklage der Gotteslästerung. Die Staatsanwaltschaft beantragte ein Jahr Gefängniß. Der Gerichtshof schloß sich im Wesentlichen der Auffassung des Staatsanwalts an, erkannte aber wegen der ob- jektiven Fassung der Gotteslästerung nur auf ein Monat Ge- fängniß. — Aus Danzig schreibt man uns: Am 20. d. M. stand vor dem hiesigen Königl. Stadt-Kreisgericht Termin wegen Ueber- tretung des Vereinsgesetzes und zwar der ZZ 8d und 16 gegen den Schiffszimmerer I. Dorowsky als Vorsitzenden des am 29. März 1876 geschlossenen Danziger Arbeiter-Wahlvereins und E. Dyck als Parteiagenten an. Im Laufe der Verhandlung wurde die Anklage bis auf Weiteres vertagt, weil die Akten in Sachen des geschlossenen Allgemeinen deutschen Zimmerervereins, aus welchen die Verbindung mit dem erstgenannten Verein er- wiesen werden sollte, nicht zur Stelle waren und weil zweitens der Angeklagte I. Dorowsky sich nicht zum Termin gestellt und derselbe in Hamburg, Kiel und Berlin auch nicht aufzufinden war. Nach den Bemerkungen des betreffenden Stadtgerichts- rathes ist nunmehr die Anklage gegen den p. Dorowsky in Berlin bis auf günstigere Gelegenheit deponirt worden. Correspoudenzen. Nuda-3?eff, 18. November. Am 11. Noqember hatten wir in Ofen eine Arbeiterversammlung, in welcher I)r. Csillag und Leo Frankel über das allgemeine Wahlrecht referirten. Die Versammlung war eine sehr gut besuchte. Dr. Csillag eröffnete dieselbe um 33/« Uhr Nachmittags mit einer Ansprache, in welcher er die Ungerechtigkeit in dem seitherigen Wahlmodus nachwies. Hr. Csillag bediente sich der ungarischen Sprache.— Nach ihm ergriff Leo Frankel in deutscher Sprache das Wort und führte aus, daß die Rechte der Arbeiter(physischer wie gei- stiger), welche sie im gegenwärtigen Staate genießen, ver- schwindend klein gegen die Leistungen seien, welche sie in ebendem- selben Staate zu verrichten hätten. Man gewähre ihnen nicht einmal das erste und heiligste Recht: das allgemeine Stimm- recht, und darin ist die Ursache zu suchen, daß mehrere Reichs- tagsabgeordneten nur 900,000 Personen vertreten, welche mit ihren Familien höchstens 4 Millionen zählen, wogegen die übrigen eilf und ein halb Millionen keine Vertretung ge- nießeii, also keinen Einfluß auf die Gesetzgebung in Staat und Gemeinde haben. Frankel schloß mit den Worten: Wenn aber einmal die 75 Prozent der Staatsbürger, die heute noch nicht wahlberechtigt sind, es begriffen haben, daß sie Nichts sind, während sie Alles sein sollen und einstimmig den Ruf ertönen lassen werden: Das allgemeine Wahlrecht! dann wird es keine Macht geben, welche diesen Ruf unerfüllt lassen wird und unerfüllt lassen könnte.— Die Versammlung wurde um ö'/a Uhr geschlossen. Schwarzenberg, 18. November. Da uns durch den Ober- gensdarm Kleebeck die erste Bersammlnng in dem nahen Raschau aufgelöst wurde, so sahen wir uns genöthigt, eine zweite einzu- berufen, und welch einen Erfolg die Auflösung uns gebracht hat erhellt daraus, daß der ziemlich große Saal überfüllt war.— Genosse Temmler aus Geyer hatte das Referat über 1)„Warum verfolgt und verdächtigt man die Sozialdemokratie?" 2)„Wird man im Stande sein, die Sozialdemokratie zu vernichten?" über- von seidenumsponnenen Kupferdrähten versehen ist. Der Kern des Elektromagnet ist von weichen: Eisen und bildet mit dem er- wähnten Stahlmagnet eine und dieselbe Achse. Direkt vor dem Elektroniagnet ist das dünne Eisenblech angebracht, welches man von außen durch die kleine erwähnte Oeffnung sehen kann, und welches als schwingende Membran dient. Der ganze Apparat hat von außen die Form zweier aneinander geleimten Cylinder eines kurzen und weiten, und eines langen und engen. Zwei derartige Apparate werden durch Leitungsdrähte mit einander verbunden. Während man in den einen Apparat hineinspricht, wird der andere auf der entgegengesetzten Station an das Ohr gelegt, um das Gespräch zu vernehmen, und umgekehrt. Der Apparat fungirt demnach ze nach Bedarf als Sprech- oder Hörrohr. Die Stimme wird an dem einen Ende in Elektrizität umgesetzt und die fortgeleitetc Elektrizität verwandelt sich gleich- sam am anderen Ende in Schallwellen. Die durch die Schall- wellen verursachte Annäherung und Entfernung des Eisenplätt- chens gegen den in der Fortsetzung des Stahlmagnets liegenden Kern des Eleftromagnets bewirkt, ebenso wie die Annäherung und Entfernung des Ankers eines gewöhnlichen Elektromagnet, Veränderungen in den oben erwähnten, den Stahlmagnet um- kreisenden elektrischen Strömungen. Diese durch den Schall verursachten Veränderungen in den Molekulartheilen des Magnets machen elektrische Ströme frei, welche auf den entfernten zweiten Apparat mittels einer Drahtleitung so einwirken, daß der er- zeugte Strom das Metallplättchen jenes Apparates in gleiche Schwingungen versetzt, die sich dem Ohre des Hörenden kund- geben. Was also an einem Apparate den Schall, verursacht wie- derholt die Elektrizität an dem anderen. Wenn man bedenkt, wie viele Hunderte von Schwingungen in einer Sekunde nöthig sind, um einen Ton zu Gehör zu bringen, so muß man über die Präzision staunen, mit welcher die Elektrizität die tausende von Strömen, die sich hier in rascher Aufeinanderfolge entwickeln, vermittels des kleinen einfachen Apparates zur Empfindung bringt. Das Telephon giebt, wie erwähnt, nicht nur Töne, son- dern die Sprache, Wort für Wort, wieder. Man kann sogar die Modulation der Stimmen verschiedener Personen genau unterscheiden; freilich ist die Wiedergabe der Töne an dem dem Sprech« entgegengesetzten Instrumente eine sehr zarte und leise und muß in dem Räume, woselbst das am andern Ende der Drahtleitung Gesprochene gehört werden soll, eine absolute Ruhe herrschen. Was die Vernehmung des Gesprochenen oder Gesungenen be- trifft, so macht dasselbe den Eindruck eines in einem benachbarten Zimmer gesprochenen Wortes, das man an der Wand des Neben- zrmmers erhorcht. Um überhaupt etwas mit dem Apparate zu hören, muß das oben erwähnte Rohr direkt an die Ohrmuschel wie ein Hörrohr angelegt werden. Diese Methode der Benutzung eignet sich ganz besonders zur telegraphischen Verbindung ver- schiedener Bureaux für militärischen und Verwaltungs-Verkehr in Krieg und Frieden, sowie ganz besonders für unterirdische Befehlsertheilung in Bergwerken. Die jetzige Form des Tele- phons ist trotz ihrer staunenswerthen, fast geisterhaften Leistungen als die embryonale Entwicklung einer Erfindung zu bezeichnen, welcher in ganz kurzer Zeit sicher eine bedeutendere Auedehnung vorbehalten ist. Das gesammte Telegraphenwesen, bei welchem die Instandhaltung der elektrischen Batterien zur Erzeugung kräftiger Ströme hie und da auf große Hindernisse stößt, wird durch die Telephonie und besonders durch die einfachere Hervorrufung eleftrischer Ströme einer bedeutenden Umge- staltung entgegengehen. Sir William Thomson, der große englische Physiker, sprach sich kürzlich in einer zu London gehaltenen Rede folgendermaßen über das Telephon aus:„Dasselbe ist einer der interessantesten Apparate, welche in diesem Jahr- hundert auf dem wissenschaftlichen Gebiete construirt worden sind ja man kann sogar sagen, es ist die bedeutendste Erfindung, die je in der Geschichte der Wissenschaft zu verzeichnen war." — Viktor an der Arbeit. Viktor hrt es seit einigen Wochen mit der Liebknecht'schen„Grund- und Bodenfrage" zu thun; er will sie widerlegen, und damit„die Methode" der(sozialistischen) Parteigelehrten an den Pranger stellen. In der Nr. 59 und 60 seiner„Sozial-Corre- spondenz" machte er den ersten«nlauf: cilirte aus dem Zusammenhang und zunl Theil falsch ewige Sätze des ersten, historischen Theils der Schritt, behauptet, dieselben„mit Leichtigkeit widerlegen zu können", thi:t es aber nicht,— und ruft, mit seiner„Arbeit" zufrieden, triumphi- rend aus-„was beweisen sie sür die Baseler Beschlüsse?"— als ob ! diese Sätze Beweise sein sollten. Den zweiten Anlauf macht Viktor in Nr. 63 und 64(der„Gelehrte" Viktor ilt sehr fruchtbar, er bringt blos Zw ll ngs-Nummern zur Welt): � dies Mal hat er es mit dem von Liebknecht erwähnten„Gottesgericht" an Ananias und Saphira zu thun.„Nicht deswegen mußten Ananias und Saphira ihren Geist ausgeben, weil sie einen Theil ihres Privat- eigenthums der Gemeinde zu entziehen versuchten, sondern weil sie ge- logen hatten." Beweis des bibelfesten Vltor:„Petrus sagt ausdrück- lich: Anania, warum hat der Satan dein Herz erfüllet, daß du dem heiligen Geist lögest und entwendetest etwas vom Gelde des Ackers?" Ist der„Beweis" nicht augenfällig erbracht? DaS Genie erkennt man daran, daß es mit kleinen Mitteln große Wirkungen erzielt. DaS Genie unseres Vik-or äußert sich hier durch— gesperrte Schrift. Hätte er statt blos das Wort„lögest" zu sperren, auch die folgenden Worte gesperrt, so wäre der sinnreiche„Beweis" unsichtbar geblieben. Anlauf 3 in Nr. 65 und 66. Diesmal übertrifft Viktor sich selbst und wir bringen deshalb seinen Erguß vollständig zum Abdruck. Also: „Sozialdemokratische Wahrheitsliebe. Herr Liebknecht bemerkt auf Seite IV seiner Schrift„Zur Grund- und Bodcnfrage":„„Mit hoher Befriedigung muß unsere Partei constatiren, daß die ländliche Bevöl- kerung Deutschlands— Landarbeiter und Kleinbauern— aus ihrem Schlummer zu erwachen beginnt und bei den letzten ReichStagswahlen ein tüchtiges Contingent zu der halben Million sozialdemokratischer Wähler gestellt hat. Der Zauber ist gebrochen; das arbeitende Volk der Dörfer schaart sich Schulter an Schulter mit dem arbeitenden Volk der Städte und unter gemeinsamem Banner kämpfen die nicht mehr feindlichen Brüder sür die gemeinsame Sache der Arbeit. Ohne die Landarbeiter und Bauern war unser Ringen ein hoffnungsloses. Mit ihnen ist der Sieg uns gewiß." „Auf Seite 184 derselben Schrift bemerkt derselbe Herr Verfasser: „Man hört vielfach die Behauptung aufstellen, die sozialistischen Ideen möchten wohl für die städtischen Verhältnisse, für die eigentliche In- dustrie passen, seien aber nicht auf die ländlichen Verhältnisse, auf die Landwirthschaft, anzuwenden. Das ist ein Jrrlhum, der in der unbe- streitbaren Thatsackie wurzelt, daß die ländliche Bevölkerung sich bisher den sozialistischen Strebungen gegenüber größtenheils entweder gleich- gillig oder geradezu feindlich verhalten hat. Diese Gleichgiltigkeit, wo nickt Feindschaft, beruht aber nur auf mangelnder Kenntniß der sozia- listischen Grundsätze." „An welcher Stelle hat Herr Liebknecht die Unwahrheit gesprochen?" „Auf Seite IV"(Vorwort der 2. Auflage) befindet sich das „Leipzig, den 15. Juni 1874" datirte Nachwort der ersten Auflage. „ luf Seite 184 derselben Schrift" befindet sich ein Thei des am 12. März 1870 gehaltenen Vortrags über die„Grund- und Boden- frage". Wo hat Herr Viktor seinen Verstand gehabt, als er diese„sozial- demokratische Wahrheitsliebe" entdeckte? Wo?— Freilich eine überflüssige Frage.— _ nommen. Es ist Wohl kaum nöthig, hervorzuheben, daß Temmler: seine Aufgabe zur Zufriedenheit aller Anwesenden erledigte und der Redaktion. großen Beifall erntete. Gegner waren zu der Versammlung ein- ehrten Redaktion des geladen, aber trotzdem viele anwesend waren, unter andern der Herr Pastor, Lehrer u. dgl. mehr, so war doch Niemand von ihnen zu bewegen, Temmler entgegenzutreten.— Wir können mit dieser Versammlung sowie mit den Fortschritten, welche wir hier machen, vollständig zufrieden sein. E. G. Dresden, 21. November. Unser Parteigenosse Freytag ist in dem Landtag nicht unthättg; er hat schon bei drei Gelegen- heiten das Wort ergriffen. Das erste Mal in der Eisenbahn- frage(am 30. Oktober). Bekanntlich hat die sächsische Regierung alle Privatbahnen in Sachsen angekauft und hierdurch den Aerger unserer Nationalliberalen erregt, die darin einen Schachzug gegen das famose Bismarck'sche Eisenbahnprojekt erblicken. Diesem Aerger machte das parlamentarische entant terrible seiner Partei Abgeordneter Krause, der an compromittirender Ungeschicklichkeit beinahe den kaltgestellten Hans Blum erreicht, in der Sitzung des 30. Ottober Luft, und war unter Andern so tölpelhaft, die sächsische Regierung wegen der Steuererhöhung zu tadeln; wenn man so viel für den Staatshaushalt brauche, dann sei es unver antwortlich, das Volk durch solche Ausgaben, wie die für den Ankauf der Eisenbahnen, zu belasten. Für diesen ebenso dreisten als albernen Angriff wurde Herr Krause von verschiedenen Seiten tüchtig gezüchtigt. Am gründlichsten von Freytag, der ihm den Rath gab, mit seinem Sparrezcpt nach Berlin vor die richtige Schmiede zu gehen; seine(Krause's) Parteigenossen hätten dort ja ausschlaggebenden Einfluß, und möchten denselben für Entlastung des Volks benutzen. Bisher hätten sie aber das Gegentheil gethan, und daß die Steuern in Sachsen so gestiegen, sei wesentlich ihr, der Herren Nationalliberalen, Werk. Freytag erklärte sich dann von unserem Standpunkt aus für das Prinzip der Staatsbahnen. Wenn die sächsische Regierung die Bahnen theuer bezahlt habe, so liege der Fehler darin, daß der Bau der Eisenbahnen überhaupt jemals Privatgesellschaften überlassen und eine für die Gesammtheit so wichtige Einrichtung Gegenstand einer wüsten, die öffentliche Moral schädigenden Spekulation ge worden sei. Die Haupffache sei jetzt, daß den Privatgesellschaften der Betrieb der Bahnen genommen und daß die gebauten Bahnen den betreffenden Landestheilen erhalten worden seien; die Motive hierfür seien gleichgiltig. Auch solle der Staat die Verwaltung der Staatsbahnen gar nicht zu einem einträglichen Geschäfte machen, gar nicht aus denselben Prozente ziehen. Die Eisen- bahnen seien unter demselben Gesichtspunkt zu betrachten wie die Landstraßen und Brücken. Das Einzige, worauf es ankomme, sei die Förderung des allgemeinen Wohlstandes, sei das Interesse der Staatsbürger. Das zweite Mal sprach Freytag am 12. d. M. anläßlich einer Wahlprüfung, an welche sich eine längere, ziemlich lebhaste Debatte über Wahlbeeinflussungen seitens der Behörden knüpfte. Freytag ging mit der Regierung und den agitatorischen Beamten scharf ins Gericht. „Wenn er die höchst gewundene Erklärung des Justizministers richtig verstanden habe, so habe derselbe ausgesprochen, daß er die agitatorische Thätlgkeit der Beamten dann nicht mißbillige, wenn sie nicht Tendenzen vertreten, welche mit ihrer Berufs- stellung nicht zu vereinbaren seien. Also nur für loyale Ten- denzen sei die Agitation zu billigen, nicht aber für solche Ten- denzen, die nach der Ansicht des Justizministers nicht loyal seien. Er(Freytag) als Jurist und Parteiniann finde die Wahlagitation eines Gerichtsbeamten in dem ihm untergebenen Sprengel höchst ungehörig, da der Richter über den Parteien stehen solle. Der Wahlkampf finde häufig seine Fortsetzung am Tische des Gerichts- amtmannes, und glaube man, daß dadurch der Glaube an die Unparteilichkeit des Richters gehoben werde, wenn derselbe Mann, der Jemand erst als Wahlagitator gegenübergestanden habe, den Betreffenden verurtheile wegen einer Beleidigung oder einer Aeußerung, die in einem Wahlaufrufe desselben enthalten sei? (Sehr wahr! links.) Ein geradezu abschreckendes Beispiel habe man in dieser Beziehung im Gerichtsbezirk Glauchau gehabt, wo die Namen derselben Richter, die erst unter einem Wahl- aufrufe gestanden hätten, auch unter einem Erkenntniß wieder- zufinden seien, daß die Verfasser eines gegnerischen Wahlaufrufes verurtheile. Auch ruhige Leute würden leidenschaftlich bei der Wahlagitatton. Auch in Reichenbach sei der Gerichtsamtmann leidenfchastlich geworden, indem er dem am Orte erscheinenden nichtamtlichen Blatte verboten habe, die amtlichen Bekannt- machungen gratis nachzudrucken(Heiterkeit), ein Verbot, dem natürlich keine Folge gegeben worden sei." Die Leser sehen:„Der erste sozialistische Landtagsabgeordnete" thut seine Schuldigkeit. Vorigen Donnerstag bekämpfte Freytag das Streben des Justizministeriums, die kleinen Gerichtsämter aufzuheben. Dadurch werde allerdings etwas erspart, aber vafür auch bedeutende Nachtheile und Unbequemlichkeiten für zahlreiche Staatsbürger geschaffen, die ihr Recht in weiterer Entfernung und unter größeren Zeit- und Gcldopfern zu suchen hätten als jetzt. Fernerhin hat unser Parteigenosse Freytag einen An- trag auf volle Einführung des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts bei den Wahlen zum sächsischen Land- tage eingebracht. Derselbe lautet:„Die Kammer wolle beschließen: Die Regierung ist zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach welchem m dem Gesetze, die Wahlen für den Landtag betr., vom 3. Dezember 1868, die Bestimmungen, a. welche die aktiven und passiven Wahlrechte von dem Eigenthum eines Grundstücks oder der Entrichtung eines gewissen Abgabenbetrags abhängig machen und d. welche zur Wählbarkeit bei den Wahlen Erfüllung des 30. Lebensjahres, sowie dreijährigen Besitz der sächsischen Staatsangehörigkeit erfordern, aufzuheben sind.— der Expedition. L. Petersen in Lausanne: Der„Vorwärts" wöchentlich einmal nach dort per Kreuzband versandt kostet 2,50 M. Quittung. I. Bst Mainz Ab. 24,05. Glk hier Ab. 0,60. Ar- beiterbildungs-Berein hier Ann. 2.40. Wnnr Ucckendorf Ab. 3,60. Bund der Tischler Hannover Ann. 2,40. Schltr Dresden Schr. 100,00. Lndau Hamburg Ab. 38,54. Hrbg Würzburg Ab. 16,00. Schlgl Graz Ab. 8,40. Expedition d. Fr. Pr. Magdeburg Schr. 18,20. Brnkmnn Henne Ab. 5,60. Cvll Iserlohn Schr. 6,<.0. F. A. Schmdt d. Lgs Hannover Ab. 200,00. C. Grllbrgr Nürnberg Schr. 100,00._ Glaserverein Winterthuz Ann. 1,55. Wgnr Wien Ab. 20,00. Wß Pegau Schr. 10,00. Hhff Hüffe Schr. 2,00. Trst Klein-Zschocher Schr. 1,60. Nrt hier Schr. 1,50. An die Sozialisten der Pfalz und Baden! Verschiedene Umstände veranlassen uns die Parteigenossen zu er- suchen, sich in Bersammluugsangelegenheiten nur an das Agitativns- comiie in Mannheim zu wenden und erst nach der von uns empsan- genen Rückantwort die weileren Schrille zu veranlassen. Wer dies außer Acht läßt, hat es sich dann selbst zuzuschreiben, wenn kein Red- ner kommt. Zugleich ersuchen w r, sich beim Schreiben mehr der Briefe zu bedienen, da wir mit den Postkarten öfters Unzuträglich- keften hatten. Die Adresse des Comitös ist: PH. Koch,„Neue Welt", J 5, 16, Mannheim. An die Borstände der deutschen Gewerkschaften! Bis zum 30. November sollen an die Vorstände der Gewerkschaften »ichtige Circulare, betreffs der Centralisalionsfrage versandt werden, iclche bis zum 15. Dezember beantwortet sein müssen. Ich befinde tich nun nicht im Besitze sämmtlicher Adressen der Centralvorstände, esp. der lokalen Fachvereine, d�e nicht ccntralisirt sind, bitte deshalb ie Adressen sofort per Karte an mich einzusenden. Achtungsvoll August Kapell, Hamburg, Kraienkamp 22, Haus 7, 1. Et. Briefkasten. Br. S.: Sie fragen uns:„Wäre es einer ge- ehemaligen„Volksstaat" vielleicht möglich, im Briefkasten des„Vorwärts" mir den Verfasser der im„Bolksstaat" im Jahre 1874(?) erschienenen Artikel, betitelt:„Herr von Treitschke mit Anmerkungen", anzugeben?" Mit Vergnügen erfüllen wir Ihren Wunsch. Ter Verfasser des Ar- tikels:„Herr von Treitschke der Sozialistenfresser. Mit An- merkungen"(veröffentlicht in Nr. SS und Nr. 100 des„Volksstaat" vom Jahre 1874— 26. und 28. August)'.st Herr Franz Mehring. Der Artikel erschien später zusammen mit einigen in der„Waage" veröffent- lichten Artikeln des Herrn Mehring über das gleiche Thema als befon- dere Broschüre unter dem Titel:„Herr von Treitschke der Sozia- listentödter und die Endziele des Liberalismus. Eine sozialistische Replik. Leipzig. Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei." Seitdem ist Herr Franz Mehring selbst unter die„Sozialistcniödter" ge- gangen— allerdings ein lohnenderes Geschäft, als„sozialistische Repliken" zu schreiben, wenn wir auch gestehen müssen, daß Hr. Franz Mehring für diese Arbeit weit mehr Geschick hatte, als für die Sozia- listentödterei. Wer sich davon überzeugen will, kaufe sich das oben er- wähnte Broschürchen. Man lese blos„Herr Franz Mehring" anstatt „Herr von Treitschke" und man hat die beste„sozialistische Replik" auf das von unseren Gegnern jetzt, in Ermangelung von besserer Waare, so eifrig colportirte Machwerk des Sozialistentödters Franz Mehring. Der Sozialist Mehring thut den Sozialistentödter Mehring so gründlich ab, daß für uns nichts zu thun übrig bleibt. Srsterer braucht sich nicht zu geniren, Letzteren ohne Handschuhe anzugreifen, was uns nicht möglich wäre.— A. K. in Crefeld: 1) Ihr erster Brief ist uns nicht zugegangen. Wir wissen nicht, welchen Artikel des„Volksstaat" Sie meinen. Ueber Schiller, wie über Göthe und jeden anderen öffentlichen Charakter auf dem Gebiete der Kunst, Wissenschaft, Politik u. f. w. können je nach der Verschiedenheit des Standpunktes die verschiedensten Urtheile gefällt werden; und die Redaktion eines sozialistischen Blattes ist am wenigsten berechtigt, der Kritik Schranken zu setzen. Wie gesagt, wir entsinnen uns nicht der Aeußerung über Schiller, durch welche Sie sich verletzt fühlen— wir könnn Ihnen aber bemerken, daß Schiller schon lange, ehe es einen„Volksstaat" gab, von demottattscher und radikaler Seite seiner„philisterhaften Gesinnung" wegen scharf angegr ffen worden ist— von Angriffen auf den Künstler Schiller gar nicht zu reden. Und man kann ja die Verdienste eines Mannes sehr hoch schätzen, ohne für feine Schwächen und Fehler blind zu sein. 2) Der 11. Theil der„Grund- und Bodenftage" ist noch nicht er- schienen. 3) Lassalle hat der Huber citirt. Die Lösung scheint uns darin zu liegen, daß im Laufe der 10 Jahre eine Anzahl Arbeiter aus irgend einem Grunde aus der Assoziation ausgeschieden find. L. Fr. in Speyer: Wenn wir nicht irren, so besteht in Hamburg eine Vereinigung der Reper und Seiler; die Redaktion des„Hamburg- Altonaer Volksblattes" wird Ihnen hierüber genaue Auskunft geben können. Die Parteigenossen werden vor einem gewissen Franz Kühn, Buch- binder aus Riesa in Sachsen, gewarnt. Kühn soll sich jetzt in Magde- bürg oder dessen Nähe aufhalten. Unterzeichneter ersucht die Vororts-Verwaltung des Schneidervereins um genaue Angabe ihrer Adresse im Interesse des deutschen Schneider- Vereins. Kaiserslautern. Ph. Böhler. Aufforderung! Sängcrchor des sozialdemokratischen Wahlvcreins. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die nächste Uebungsstunde nicht wie bisher Donnerstags, sondern Freitags halb 9 Uhr im Vereinslokale Miltelstr. 11 stattfindet, und werden hauptsächlich die Sänger aufge- ordert, vollzählig zu erscheinen. Die Commission. s180 Ocum-r/, Donnerstag, den 23. November, Abends'/,S Uhr, im Saale des Hrn. Michael, gr. Windmühlenstr. 7: Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Darwinismus und Sozialismus. Referent Herr F. Nauert. 70) Der Agent. O/verni/1» Krankenkasse der Metallarbeiter für Leipzig und Wpzlg. Umgegend(E. Gen.). Jeden Sonnabend, Abends halb S Uhr, in der Thieme'schen Brauerei, Tauchaerstraße Nr. 12 7 0 Versammlung und Aufnahme neuer Mitglieder. R. Ludwig, Vorsteher. Of+ortfim Arbeiter-Verein. Donnerstag, den L9. November, Abends 8V2 Uhr, in Burmeisters Salon, 1. Treppe: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Borttag über Verfaffungswesen. 2. Fragekasten. 70) F. Hecrhold. Bekanntmachung. Die Genossenschaftsbuchdruckcrci AugSburg(Eingetragene Ge- nossenschaft) beyndet sich in Liquidation. Alle Diejenigen, welche For- derungen an die Genossenschaft zu mach'.n haben, werden aufgefordert, diese sofort bei der Liquidationscommission anzumelden.(2,10 Die Liquidations-Commission. f&tn fcrfirifi-whnr(Parteigenosse) sucht baldigst Stellung, vTllt am liebsten in der Druckerei eines erfolgen. Offerten bittet man einzusenden._[1,20 Parteiblattes. Eintritt kann jofor unter O. E. an die Expidition d. Bl. Rundschau Den Mitgliedern der Genossenschafts-Buchdruckere:(E. G.) zu Kiel zur Nachricht, daß im Laufe des nächsten Monats die Jnterimsscheine eingefordert und die Antheilscheine versandt werden. Ehe jedoch dies geschehen kann, muß das Namensverzeichniß noch vervollständigt werden; denn viele Mitglieder haben statt einen vollen Bornamen anzugeben, nur den Anfangsbuchstaben gezeichnet trotzdem vor der Gründung mehr- fach aufmerksam gemacht worden ist, daß der volle Vorname erforder- lich sei. Jetzt muß das Versäumte schleunigst nachgeholt werden, denn das Königl. Handelsgericht hier verlangt, daß mindestens ein voller Vor- name verzeichnet wird. Die Orte, in welchen sich solche Mitglieder befinden, deren Namen mangelhaft angegeben, werden nachstehend veröffentlicht: Kiel, Jnterimsschein-Nr.: 19, 20, 66, 70, 71. 72, 76. 77, 80, 84, 89, 91, 192, 196, 198, 201, 202, 203, 204, 208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 223, 227, 228, 230, 235, 238, 239, 240, 242, 246, 247, 248, 251, 252, 283, 284, 290, 309, 310, 328, 331, 332, 333, 375 444 456._ Gaarden und Ellerbeck, Jnterimsscheiu Nr.: 14,229,231,254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268, 269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278, 279, 281, 316, 322. Elmschenhagen, Nr.: 280. Wellingdorf, Nr.: 236. Itzehoe und Oelixdorf, Nr.: 53, 54, 55, 57, 58, 391, 396, 399, 401, 402, 403, 404, 407. Wöhrden und Ketelsbüttel, Nr.: 426, 427, 431, 432. Tönninq, Nr.: 156, 157, 158. Flensburg, Nr.: 159, 169, 170. Rendsburg, Nr.: 364. Bei den Inhabern vorstehender Jnterimsscheine also fehlt der volle Vorname. Es ist daher nothwcndig, daß jedes dieser Mitglieder bei denjenigen, die Unterschriften, sowie Eintrittsgeld und Beitrag entgegen- genommen und eingesandt haben, einen seiner Vornamen noch im Laufe dieses Monats angiebt, damit diese Angelegenheit bis Ende d. M. ge- regelt wird. F. d. Vorstand:[400 Heinrich Dickmann. Hermann Walther. Soeben ist im Verlage der Genossenschaftsbuchdruckerei erschienen und durch die Unterzeichnete zu beziehen: Ein Bilderbuch sür kleine und große Kinder. 25 % Yfr Seiten Text. X Xä V 12 Tafeln in Farbendruck. Sntworfm und gezeichnet von L. Verg. Zusammengestellt von K. Rokbach. <5 � M Quart-Format. Preis 1 Mark 20 Pf. pro Stück. Das Buch verdankt seine Entstehung den mannigfachen Anregungen, wie solche auf den verschüdencn Partei- Congressen zum Ausdruck gekom- men sind, und wird namentlich in Familienkreisen mit Freude begrüßt werden, da es das Gemüthsleben der Kinder im sittlichen Sinne anregt und dieselben zum Nachdenken anspornt. Leipzig. Etpedition des„Vorwärts" Färberstraße 12. Nachbestellungen aus Nr. 5 können noch ausgeführt werden. Be- tellungen sind zu richten an den Verlag der„Rundschau". Hamburg, Amelungstr. 5. Annoncenrestanten. Folgende Bereine, Gewerkschaften und Personen werden aufgefor- dert, ungesäumt ihre Annoncenschulden an uns zu bezahlen: Cöln: Wahlverein 1,80. Mülheim a. Rh.: Wahlverein f. De- ccmbcr 1876 0,60. Thonberg b. Leipzig: Wahlfest-Comitv f. Februar 1877 1.10. Leipzig, den 8. November 1877. Die Expedition deS„Vorwärts". „Der arme Conrad." Jllustrirter Kalender für das arbeitende Volk pro 1878. (Dritter Jahrgang.) Gegen die Borjahre bedeutend vergrößert(132 Seiten stark). Trotz der gediegenen und reichhaltigen Ausstattung kostet� der Ka- lender geheftet nur 40 Pfg., gebunden und mit gutem Schreib» papier durchschossen 6(1 Pfg., gegen baar oder Postvorschuß. Den Bestellern von Einzel- Exemplaren ist anzuempfehlen, für jedes Exemplar brochirt 50 Pf., gebunden 70 Pf-, einzusenden, wofür wir es franco per Kreuzband zusenden. Die Lieferung des Kalenders erfolgt nur gegen baar oder Postnachnahme. Irei-Kzcmpkare werden nicht abgegeben. Auf Posten von 1 Dutzend aufwärts berechnen wir ZÄ.%*.!■----- Krpedition des„vorwärts", Leipzig, Färberstraße 12/11. Krpedition der„ZaAek", Leipzig, Kleine Fleischergasse 15. Krpedition der„Ireien presse", Berlin, Kaiser Franz- Grena- dierplatz Nr. 8a Sozialistisches Central-Wahl-Coniit�. Die Sitzungen des Eomites finden jeden Dienstag und Freitag Bor- mittag statt. Briefe für dasselbe sind zu adressiren an die Sekretäre I. Auer oder C. Derossi, Pferdemarkt 37 III. in Hamburg. Geldsendungen sind zu richten an August Geil»', Rödingsmarkt 12 in Hamburg. Da Kalender wieder vorhanden, so werden die bisherigen Bestellungen nunmehr sofort effektuirt und neue Bestellungen erbeten. Die Expedition des„Vorwärts". Verantwortlicher Redakteur: Hermann Helfig in Reudnitz- Leipzig» Redattion und Expedition Färberstraßc 12/11. in Leipzig. Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruckerei in Leipzig. Hierzu eine Beilage. Beilage des„Vorwärts". zbtittwoch, 28. November 1877. Arbeitsstunden nöthig sind, um den Arbeiter während 24 Stun den am Leben zu erhalten, hindert diesen keineswegs 12 Stunden aus den 24 zu arbeiten. Ter Werth der Arbeitskrast und ihre Verwerthung im Arbeitsprozeß sind zwei verschiedene Größen. Ter Geldbesitzer hat den Tageswerth der Arbeitskraft gezahlt, ihm gehört daher auch ihr Gebrauch während des Tages, die tagelange Arbeit. Taß der Werth, den ihr Gebrauch während eines Tages schafft, doppelt so groß ist wie ihr eigner Tages- Herrn Eugen Dühring'S Umwälzung der politischen Oekonomie. Bon Friedrich Engels. VIl. „Vom Kapital hegt Herr Marx zunächst nicht den gemein- gültigen ökonomischen Begriff, demzufolge es produzirtes Pro- duktionsmittel ist, sondern versucht es, eine speziellere, dialestisch- historische, in das Metamorphosenspiel der Begriffe und der Geschichte eingehende Idee auszutreiben. Tas Kapital soll sich aus dem Gelde erzeugen: es loll eine historische Phase bilden, die mit dem 16. Jahrhundert, nämlich mit den für diese Zeit vorausgesetzten Anfängen zu einem Weltmarkt, beginnt. Offen- bar geht nun bei einer solchen Begrifisfassung die Schärfe der volkswirthschaftlichen Analyse verloren. In solchen wüsten Kon- zeptionen, die halb gesd|chtlich und halb logisch sein sollen, in der That aber nur Bastarde historischer und logischer Phantastik find, geht das Unterscheidungsvermögen des Verstandes sammt allem ehrlichen Begriffsgebrauch unter"— und so wird eine ganze Seite fortschwadronirt..„mit der Marx'schen Kennzeich- nung des Kapitalbegriffs lasse sich in der strengen Volkswirth- schaftslehre nur Verwirrung stiften... Leichtfertigkeiten, die für tiefe logische Wahrheiten ausgegeben werden... Gebrechlichkeit der Fundamente" u. s. w. Also nach Marx soll sich das Kapital im Anfang des 16. Jahrhunderts aus dem Geld erzeugen.. Es ist das, als ob man sagen wollte, das Metallgeld habe sich vor stark dreitausend Jahren aus dem Vieh erzeugt, weil früher unter Anderm auch Vieh Geldfunttionen vertrat. Nur Herr Dühring ist einer so rohen und schiefen Ausdrucksweise fähig. Bei Marx ergiebt sich bei der Analyse der ökonomischen Formen, innerhalb deren der Prozeß der Waarencirkulation sich bewegt, als letzte Form das Geld.„Dies letzte Produkt der Waarencirkulation ist die erste Erscheinungsform des Kapitals. Historisch tritt das Kapital dem Grundeigenthum überall zunächst in der Form von Geld gegenüber, als Geldvermögen, Kaufmannskapital und Wucher- kapital... Dieselbe Geschichte spielt täglich vor unfern Augen. Jedes neue Kapital betritt in erster Instanz die Bühne, d. h. den Markt, Waarenmarkt, Arbeitsmark oder Geldmark, immer noch als Geld, Geld, das sich durch bestimmte Prozesse in Kapital verwandeln soll." Es ist also wieder eine Thatsache, die Marx konstatirt. Unfähig, sie zu bestreiten, verdreht sie Herr Dühring: Tas Kapital soll sich aus dem Geld erzeugen! in K w.»d-nn ist Mich i» Geld als Kapital cirkulirt, die Umkehrung derjenigen Form ist, es ein allen Ge? checkst. Perioden gemeinsames Verhaltiiiß,�„es ist Unser angehender Kapitalist, der zum Betrieb seines Geschäfts Arbeitskaft einkauft, d. h. einen Arbeiter miethet, zahlt also diesem Arbeiter den vollen Tagcswerth seiner Arbeitskaft, wenn er ihm eine Geldsumme zahlt, die ebenfalls sechs Arbeitsstunden verKitt. Sobald der Arbeiter nun sechs Stunden im Dienst des angehenden Kapitalisten gearbeitet hat, hat er diesem vollen Ersatz geleistet für seine Auslage, für den gezahlten Tageswerth der Arbeitskraft. Damit aber wäre das Geld nicht in Kapital ver- wandelt, es hätte keinen Mehrwerth erzeugt. Der Käufer der Arbeitskraft hat daher auck eine ganz andere Ansicht von der des Kapitals, die es befähigt, sich die Früchte fremder Arbeit anzueignen, und wodurch allein es sich vom bloßen Produktions- mittel unterscheidet? Sie beruht, sagt Herr Dühring,„nicht auf der Natur der ProduKionsmittel und auf deren technischer Un- entbehrlichkeit." Sie ist also geschichtlich entstanden, und Herr Dühring wiederholt uns auf S. 252 nur, was wir schon zehn- mal gehört haben, wenn er ihre Entstehung erklärt vermittelst des altbekannten Abenteuers von den beiden Männern, von denen am Anfang der Geschichte der Eine sein ProduKionsmittel in Kapital verwandelt, indem er den Andern vergewaltigt. Aber Natur des von ihm abgeschlossenen Geschäfts. Daß nur sechs nicht damit zustieden, der sozialen Funktion, durch welche eine Werthsumme' erst zu Kapital wird, emen geschichtlichen Anfang zuzuschreiben, prophezeit Hr. Dühring ihr auch ein geschichtliche? Ende. Sie„ist es auch grade, welche verschwinden muß". Eine Erscheinung, welche geschichtlich entstanden ist und geschichtlich wieder verschwindet, pflegt man, in der gemeingültigen Sprache geredet,„eine historische Phase" zu nennen. Es ist also das Kapital eine historische Phase nicht bloß bei Marx, sondern auch bei Herrn Dühring, und wir sind daher zu dem Schluß genö- in der es als allgemeines Waarenäquivalent cirkulirt. Der ein- fache Waarenbesitzer verkauft um zu kaufen; er verkauft was er nicht braucht und kauft mit dem erhandelten Gelde das, was er braucht. Der angehende Kapitalist kaust von vornherein das, was er nicht selbst braucht; er kauft, um zu verkaufen, und zwar um theurer zu verkaufen, um den ursprünglich in das Kauf- gcschäft geworfenen Geldwerth zurückzuerhalten, vermehrt durch einen Zuwachs an Geld, und diesen Zuwachs nennt Marx Mehrwerth. Woher stammt dieser Mehrwerth? Er kann weder daher flammen, daß der Käufer die Maaren unter dem Werth kaufte, noch daher, daß der Verkäufer sie über dem Werth verkaufte. Denn in beiden Fällen gleichen sich die Gewinne und Verluste jedes Einzelnen gegenseitig aus, da Jeder abwechselnd Käufer und Verkäufer ist. Er kann auch nicht aus Prellerei stammen, denn die Prellerei kann zwar den Einen aus Kosten des Andern bereichern, nicht aber die von Beiden besessene Gesammlsumme, also auch nicht die Summe dcr cirkulirenden Werthe überhaupt vermehren.„Die Gesammtheit der Kapitalistenklasse eines Landes kann sich nicht selbst übervortheilen." Und doch finden wir, daß die Gesammtheit der Kapitalisten- klaffe jedes Landes sich fortwährend vor unfern Augen bereichert, indem sie theurer verkauft als sie eingekauft hatte, indem sie sich Mehrwerth aneignet. Wir find also soweit wie am Anfang: Woher stammt dieser Mchrwerth? Diese Frage gilt es zu lösen und zwar auf rein ökonomischem Wege, unter Ausschluß aller Prellerei, aller Einmischung irgend welcher Gewalt— die Frage: Wie ist es möglich fortwährend theurer zu verkaufen, als man eingekauft hat, selbst unter der Voraussetzung, daß fortwährend gleiche Werthe ausgetauscht weiden gegen gleiche Werthe? Die Lösung dieser Frage ist das epochemachendste Verdienst des Marx'schen Werks. Sie verbreitet helles Tageslicht über ökonomische Gebiete, wo früher Sozialisten nicht minder als bür- gerliche Ockonomen in tiefster Finsterniß herumtappten. Bon ihr datirt, um sie gruppirt sich der wissenschaftliche Sozialismus. Diese Lösung ist folgende. Die Werthvcrgrößerung des Gel- des, das sich in Kapital verwandeln soll, kann nicht an diesem Geld vorgehen, oder aus dem Einkauf herrühren, da dies Geld hier nur den Preis der Waare rcalisirt, und dieser Preis ist, da wir voraussetzen, daß gleiche Werthe ausgetauscht werden, nicht verschieden von ihrem Werth. Die Werthvergrößcrung kann aber aus demselben Grunde auch nicht aus dem Verkauf der Waare Hervorgehn. Die Veränderung muß sich also zutragen mit der Waare, die gekauft wird, aber nicht mit ihrem Werth, da sie zu ihrem Werth gekauft und verkaust wird, sondern mit ihrem Gebrauchswerth als solchem, d. h. k>ie Werthverände- rung muß aus dem Verbrauch der Waare entspringen.„Um aus dem Verbrauch einer Waare Werthe herauszuziehn, müßte unser Geldbesitzer so glücklich sein... aus dem Markt eine Waare zu entdecken, deren Gebrauchswerth die eigenthümliche Beschaffenheil besäße, Quelle von Werth zu sein, deren wirklicher Verbrauch also selbst Vergegenständlichung von Arbeit wäre, daher Werthschöpfung. Und der Geldbesitzer findet auf dem Markt eine solche spezifische Waare vor— das Arbeitsvermögen oder die Arbeitskraft." Wenn, wie wir sahen, die Arbeit als solche keinen Werth haben kann, so ist das keineswegs der Fall mit der Arbeitskraft. Diese erhält einen Werth sobald sie zur Waare wird, wie sie heutzutage thatsächlich eine Waare ist, und dieser Werth bestimmt sich„gleich dem jeder andern Waare, durch die zur Produktion, also auch ReproduKion, dieses spezifischen Artikels nöthige Arbeitszeit," d. h. durch die Arbeitszeit, welche erforderlich ist zur Herstellung der Lebensmittel, deren der Arbeiter zu seiner Erhaltung in arbeitsfähigem Zustand, und zur Fort- Pflanzung seines Geschlechts bedarf Nehmen wir an, diese Lebens- mittel repräsentiren, Tag für Tag, eine sechsstündige Arbeitszeit. werth, ist ein besonderes Glück für den Käufer, aber nach den thigt, daß wir uns hier bei den Jesuiten befinden. Wenn Zwei Gesetzen des Waarenaustausches durchaus kein Unrecht gegen den dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe. Wenn Marx sagt, das Verkäufer. Der Arbeiter kostet also dem Geldbesitzer nach unserer Kapital ist eine historische Phase, so ist das eine wüste Kon- Annahme täglich das Werthproduft von sechs Arbeitsstunden,! zeption, ein Bastard historischer und logischer Phantastik, bei dem aber er liefert ihm täglich das Werthprodukt von 12 Arbeits-' das Unterscheidungsvermögen sammt allem ehrlichen Begriffs- stunden. Differenz zu Gunsten des Geldbesitzers— 6 Stunden gebrauch untergeht. Wenn Herr Dühring ebenfalls das Kapital unbezahlte Mehrarbeit, ein unbezahltes Mehrprodukt, in dem die als eine historische Phase darstellt, so ist das ein Beweis von Arbeit von sechs Stunden verkörpert ist. Das Künststück ist Schärfe der volkswirthschaftlichen Analyse und von letzter und gemacht. Mehrwerth ist erzeugt, Geld ist in Kapital verwandelt, skengster Wissenschaftlichkeit im Sinne der exakten Disziplinen. Indem Marx auf diese Weise nachwies, wie Mehrwerth ent- n Wodurch unterscheidet sich nun die Dühring'sche Kapitalvor- steht und wie allein Mehrwerth unter der Herrschaft der, den stellung von der Marx'schen.,„. Austausch von Waaren regelnden Gesetze entstehen kann, legte„Das Kapital," sagt Marx,„hat die Mehrarbeit nicht erfun- er den Mechanismus der heutigen kapiialistischen Produktions- Ueberall, wo ein Theil der Gesellschaft das Monopol der weise und der auf ihr beruhenden Aneignungsweise bloß, enthüllte � Produktionsmittel besitzt, muß der Arbeiter, frei oder unftel. der er den Krystallkern, um den die ganze heutige Gesellschaftsordnung! Z» feiner selb, terhaltung nothwendlgen Arbeitszelt uberfchufstge sich angesetzt hat. Arbeitszeit zusetzen, um die Lebensmittel für den Eigner der Diese Erzeugung von Kapital hat jedoch eine wesentliche Vor- Produktionsmittel zu produziren." Mehrarbeit, Arbeit über die aussetzung:„Zur Verwandlung von Geld in Kapital muß der zur Selbsterhaltung desArbeitcrs nothige Zeit hinaus, und An- Geldbesitzer den freien Arbeiter auf dem Waarenmartt vor- e.gnung des ProdnKs dieser Mehrarbe.t durch Andre, Arbeits- finden, frei in den. Doppelsinn, daß er als ftcie Person über; ausbeutung ist also allen bisherigen Gesellschaftsformen gemein, seine Arbeitskraft als seine Waare verfügt, daß er andrerseits! soweit diese sich in Klassengegensätzen bewegten. Aber erst wenn andre Waaren nicht zu verkaufen hat, los unb ledig, frei ist von � Produkt dieser Mehrarvelt die Form von Mehrwerth an- allen zur Verwirklichung seiner Arbeitskraft nöthigen Sachen."' nimmt, wenn der Eigner der Produktionsmittel den freien Arbeiter Aber dies Verhältniß von Geld- oder Waarenbesitzern auf der j 17 sr" von fozialen Ueffeln und frei von eignem Besitz— als einen Seite, und von Besitzern von Nichts, außer der eiguen Gegenstand der Ausbeutung sich gegenüber vorfindet, und ihn .......'' ausbeutet zum Zweck der Produktton von Waaren, erst dann nimmt, nach Marx, das Produktionsmittel den spezifischen Cha- rakter des Kapitals an. Und dies ist auf großem Maßstab ge- schehen erst seit dem Ende des 15. und Anfang des 16. Jahr- offenbar selbst das Resultat Entwicklung, das ProduK einer vorhergegangenen historischen des Untergangs einer ganzen Reihe älterer Formationen der gesellschaftlichen Produktion." Und Hunderts. zwar Kitt dieser freie Arbeiter uns in der Geschichte zuerst massen- Haft gegenüber am Ende des fünfzehnten und Anfang des sechs- zehnten Jahrhunderts, in Folge der Auflösung der feudalen Pro- buktionswcise. Damit aber, und mit der von derselben Epoche datirenden Schöpfung des Welthandels und Weltmarkts, war die Grundlage gegeben, auf der die Masse des vorhandenen beweg-! Herr Dühring dagegen erklärt jede Summe von Produktions- Mitteln für Kapital, die„Antheile an den Früchten der allge- meinen Arbeitskraft" bildet, also Mehrarbeit in irgend einer Form erwirkt. Mit andern Worten, Herr Dühring anneKirt die von Marx entdeckte Mehrarbeit, um damit den ihm augenblicklich nicht passenden, ebenfalls von Marx entdeckten Mehrwerth todtzu- lichen Reichthums sich mehr und mehr in Kapital verwandeln schlagen. Nach Herrn Dühring wäre also nicht nur der beweg und die kapitalistische, auf Erzeugung von Mehrwerth gerichtete liche und unbewegliche Reichthum der mit Sklaven wirthschaften- ProduKionsweise mehr und mehr die ausschließlich herrschende! l>en korinthischen uild� athenischen� Bürgn, sondern auch der der werden mußte......"" k""' Soweit sind wir den„wüsten Konzeptionen" von Marx ge- folgt, diesen„Bastarden historischer und logischer Phantastik", bei denen„das Ünterscheidungsvermögen des Verstandes sammt allem ehrlichen Begriffsgebrauch untergeht". Stellen wir diesen„Leicht- fertigkeitcn" nunmehr die„tiefen logischen Wahrheiten" und die „letzte und skengste Wissenschaftlichkeit im Sinne der exakten Disziplinen" gegenüber, wie sie uns Herr Dühring bietet. Also vom Kapital hegt Marx„nicht den gemeingültigen öko- nomischen Begriff, demzufolge es produzirtes Produktionsmittel gültig wieder nur in der Vulgärökonomie.'ÄußerhalbTiefer ist"? er sagt vielmehr, daß eine Summe von Werthen sich dem Herrn Dühring so theuren Vulgärökonomie wird das pro- erst dann in Kapital verwandelt, wenn sie sich verwerthet, duzirte Produktionsmittel" oder eine Werthsumme überhaupt erst indem sie Mehrwerth bildet. Und was sagt Herr Dühring? dadurch zu Kapital, daß sie Profit oder Zins erwirkt, d h das Das Kapitalist ein Stamm ökonomischer Machtm.tte zur Fort- Mehrprodukt unbezahlter Arbeit in der Form von Mehrwcrth führung der Produktion und zur Bildung von Antheilen! und zwar wieder in diesen beiden bestimmten Unterformen des an den Fruchten der allgemeinen Arbeitskrast."� So Mehrwerths aneignet. Es bleibt dabei vollkommen gleichgültig römischen Großgrundbesitzer der Käiserzeit, und nicht minder der- jenige der Feudalbarone des Mittelalters, soweit er in irgend einer Weise der Produktion diente, alles ohne Unterschied Kapital. Herr Dühring selbst hegt also„vom Kapital nicht den gemein- gültigen Begriff, demzufolge es produzirtes Produktionsmittel ist", sondern vielmehr einen ganz entgegengesetzten, der sogar die unproduzirten Produktionsmittel einschließt, die Erde und ihre natürlichen Hülfsquellen. Nun ist aber die Vorstellung, daß Kapital„produzirtes Produktionsmittel" schlechthin sei, gemein- der allgemeinen Arbeitskraft._ orakelhaft und loddrig dies auch wieder ausgedrückt ist, so ist doch daß'die'ganze'bürgÄich7 OekVo� dVrliörsteto so v'el ficher: der Stamm ökonomischer Machtmittel mag die ist, die Eigenschaft. Profit oder Zins zu erwirken, koinme ganz Produktion m Ewigkeit sortfuhren er wird nach Hrn. Duhrings, von selbst jeder Werthsumme zu. die unter normalen Bedingunaen eignen Worten nicht zu Kapital, so lange er nicht„Antheile an � �. den Früchten der allgemeinen Arbeitskraft", d. h. Mehrwerth oder wenigstens Mehrprodukl bildet. Die Sünde also, die Herr Dühring Marx vorwirst, nicht den gemeingültigen ökonomischen Begriff vom Kapital zu hegen, begeht er nicht nur selbst, sondern er begeht außerdem noch ein durch hochtrabende Redensarten „schlecht verdecktes", ungeschicktes Plagiat an Marx. Auf S. 262 wird dies weiter ausgeführt:„Das Kapital im sozialen Sinne"(und ein Kapital in einem nicht sozialen Sinn soll Herr Dühring noch entdecken)„ist nämlich spezifisch von dem reinen Produktionsmittel verschieden; denn während das letztere nur einen technischen CharaKer hat und unter allen Umständen erforderlich ist, zeichnet sich das erstere durch seine gesellschaftliche Kraft der Aneignung und Antheilsbildung aus. Das soziale Kapital ist allerdings zum großen Theil nichts Anderes als das technische ProduKionsmittel in seiner sozialen Funktion; aber diese Funktion ist eS auch grade, welche... verschwinden muß." Wenn wir bedenken, daß es grade Marx war, welcher zuerst die„soziale FunKion" hervorhob, vermittelst deren allein eine Werthsumme zu Kapital wird, so muß es allerdings„für jeden aufmerksameren Betrachter des Gegenstandes bald feststehn, daß sich mit der Marx'schen Kennzeichnung des Kapitalbegriffs nur Verwirrung stiften lasse"— nicht aber, wie Herr Dühring meint, in der strengen Volkswirthschaftslehre, sondern, wie Figura zeigt, einzig und allein im Kopf des Herrn Dühring selbst, der m der„Kritischen Geschichte" bereits vergessen hat, wie stark er im„Kursus" von besagtem Kapitalbcgriff gezehrt. Jndeß Herr Dühring ist nicht zufrieden damit, seine Definition des Kapitals, wenn auch in„gesäuberter" Form, von Marx zu entlehnen. Er muß ihm auch folgen in das„Metamorphosen- spiel der Begriffe und der Geschichte", und das, Angesichts seiner eignen bessern Erkenntniß, daß dabei nichts herauskommt, als „wüste Konzeptionen", Fundamente" u. s. w. in der Produktion oder im Austausch verwandt wird. Kapital und Profit, oder Kapilal und Zins, sind in der ganzen klassischen Oekonomie ebenso untrennbar, stehen in derselben nothwendigen Wechselbeziehung zu einander, wie Ursache und Wirkung, Vater und.Sohn, gestern und heute. Das Wort Kapital in seiner modern-ökonomischen Bedeutung kommt aber erst vor zu der Zeit, wo die Sache selbst austritt, wo der bewegliche Reichthum mehr und mehr Kapitalfunktion erhält, indem er die Mehrarbeit freier Arbeiter ausbeutet um Waaren zu produziren, und zwar wird es eingeführt durch die erste historische Kapitalistennation, die Italiener des 15. und 16. Jahrhunderts. Und wenn Marx zuerst die dem modernen Kapital eigenthümliche Aneignungswcise bis auf den Grund analysirte, wenn er den Begriff des Kapitals in Einklang brachte mit den geschichtlichen Thatsachen, aus denen er in letzter Instanz abstrahirt worden war, denen er seine Existenz verdankte; wenn Marx damit diesen ökonomischen Begriff befteite von den unklaren und schwankenden Vorstellungen die ihm auch in der ttassischen bürgerlichen Oekonomie und bei den bisherigen Sozialisten noch anhafteten, so war es grade Marx der mit jener„letzten und strengsten Wissenschastlichkeit" verfuhr die Herr Dühring stets im Munde fährt und die wir bei ihm so schmerzlich vermissen. In der That geht es bei Herrn Dühring ganz anders her. Er ist nicht zufrieden damit, erst die Darstellung des Kapitals als einer historischen Phase einen„Bastard historischer und logischer Phantastik" zu schelten und es dann selbst als eine histo- rische Phase darzustellen. Er erklärt auch alle ökonomischen Machtmittel, alle Produkttonsmittel, die„Antheile an den Früchten der allgemeinen Arbeitskraft" aneignen, also auch das Grund- eigenthum in allen Klassengesellschaften, rundweg für Kapital; was ihn aber nicht im Mindesten genirt, im weitern Verlauf Grundeigenthum und Grundrente ganz in der hergebrachten „Leichtfertigkeiten",„Gebrechlichkeit der Weise von Kapital und Profit zu scheiden, und nur diejenigen Woher stammt diese„soziale Funktton" ProduKionsmittel als Kapital zu bezeichnen, welche Profit oder Zivs erwirken, wie auf S. 146 u. fl. des Kursus des Breiteren soziale Verfassung mit ihren aufsaugenden Positionen keineswegs> als kurzweg zu dekretiren: der Kapitalgewinn ist das Erzeugniß nachzusehen. Ebensogut könnte Herr Dühring zuerst unter den als der letzte Grund der weißen Sklaverei erkannt worden. Im der Gewalt, was allerdings ganz einstimmt mit Art! 2 der Namen Lokomotive auch Pferde, Ochsen, Esel und Hunde ein- Gegentheil hat sich immer das Politischsoziale aus dem Oekono- Dühring'schen Gesellschaftsverfassung: Die Gewalt vertheilt. Dies begreifen, weil man auch mit diesen Fuhrwerk fortbewegen kann, mischen erklärt finden sollen." iit allerdings sehr schön gesagt; aber jetzt„entsteht die Frage": und den heutigen Ingenieuren vorwerfen, indem sie den Namen Nun haben wir aus den oben angeführten Stellen gesehn, Die Gewalt vertheilt— was? Es muß doch etwas zu ver- theilen da sein, sonst kann selbst die allmächtigste Gewalt beim« bellen Willen nichts vertheilen. Der Gewinn, den die konkur- tionen, Bastarde historischer und logischer Pdantastik u. s. w.; Umständen im Durchschnitt zu seinem vollen Werth verkauft, wie rirenden Unternehmer in die Tasche stecken, ist etwas sehr Hand- "" �..... v-, oxr s. � cm.......-«..„X.IX...x g�tches und handfestes. Die Gewalt kann ihn nehmen, aber nicht erzeugen. Und wenn Herr Dühring uns hartnäckig die Erklärung weigert, wie die Gewalt den Unternehmergewinn nimmt, so hat er gar nur Grabesschweigen als Antwort auf die Wo nichts ist, hat der Kaiser, Lokomotive auf den modernen Dampfwagen beschränkten, machten'daß Marx keineswegs behauptet, das Mehrprodukt werde vom sie ihn zu einer historischen Phase, verübten sie wüste Konzep- industriellen Kapitalisten, der sein erster Aneiguer ist, unter allen tionen, Bastarde historischer und logischer Pdantastik u. s. w.; Umständen im Durchschnitt zu seinem vollen Werth verkauft, wie und dann schließlich erklären, die Pferde, Esel, Ochsen und Hunde Herr Dühring hier voraussetzt. Marx sagt ausdrücklich, daß auch seien doch von der Bezeichnung Lokomotive ausgeschlossen und i der Handelsgewinn einen Theil des Mehrwerths bildet, und dies diese gelte nur für wieder genöthigt zu griffsfassung des Kapitals ist, den Dampfwagen.— Und somit sind wir ist unter den vorliegenden Voraussetzungen doch nur dann mög- sagen, daß es grade die Dühring'sche Be- lich, wenn der Fabrikant dem Händler sein Produkt unter dem itals ist, bei der alle Schärfe der Volks- Werth verkauft, und ihm damit einen Antheil der Beute abtritt. Frage, woher sie ihn nimmt. wirthschaftlichen Analyse verloren und das Unterscheidungsver- Wie die Frage hier gestellt wird, konnte also allerdings nicht wie jede andere Gewalt, sein Recht verloren. Aus Nichts wird mögen sammt allem ehrlichen Begriffsgebrauch untergeht, und einmal ihre Aufwerfung bei Marx einen Platz finden. Rationell nichts, namentlich nicht Profit. Wenn das Kapitaleigenthum keine» daß die wüsten Konzeptionen, die Verwirrung, die Leichtfertig- � gestellt, lautet sie: Wie verwandelt sich Mehrwerth in seine Unter- praktischen Sinn hat und sich nicht verwerthen läßt, so lange leiten, die für tiefe logische Wahrheiten ausgegeben werden, und formen: Profit, Zins, Handelsgewinn, Grundrente u. s. w.? Und nicht in ihm zugleich die indirekte Gewalt über den Menschenstoff die Gebrechlichkeit der Fundamente in voller Blüthe stehen eben diese Frage verspricht Marx allerdings im dritten Buch zu lösen, eingeschlossen ist, so entsteht abermals die Frage, erstens, wie der bei Herrn Dühring. 1 010---- �------- w— l—-- /o— �«—<-• � c. Das alles aber Wenn aber Herr Dühring nicht solange warten kann, bis der Kapitalreichthum zu dieser Gewalt kam, die mit den oben ange- verschlägt Nichts. Herrn Dühring bleibt zweite Band des„Kapital" erscheint, so mußte er sich einstweilen führten paar historischen Behauptungen keineswegs erledigt ist, <. i... r.c.- gj,(ottnte dann, außer zweitens, wie sich dieie Gewalt in Kapitaloerwerth ung, in Profit S. 323 lesen, daß nach verwandelt, und drittens, woher sie diesen Profit nimmt. Wir mögen die Dühring'sche Oekonomie anfassen wo wir wollen, wir kommen keinen Schritt weiter. Für alle mißliebigen Umstände, für Profit, Bodenrente, Hungerlohn, Arbeiterknechtung darum doch der Ruhm, den Angelpunkt entdeckt zu haben, um im ersten Band etwas genauer umsehn. Er konnte dann, außer den sich die gan�e bisherige Oekonomie, die ganze Politik und i den schon angeführten Stellen, z. B. aus& SM Wen ha5 nnrh Juristerei, mit Einem Wort die ganze bisherige Geichichte bewegt. Marx die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion in £>!,.»• tft hi>r mi6(>rn 93i>m?ftitnn h(>r!ÖVihitYtf(> firfl nfS igmormsopfpU? hi>r er: „Gewalt und Arbeit sind die zwei Hauptfakroren, die bei der � Konkurrenz geltend machen Bildung der sozialen Verknüpfungen in Anschlag kommen."'stvntin?< In diesem einen Satz liegt die ganze Verfassung der bis herigen ökonomischen Welt. Sie ist äußerst kurz und lautet: Artikel Eins: Die Arbeit produzirt. Artikel Zwei: Die Gewalt vertheilt. J der äußern Bewegung der Kapitale sich als Zwangszesetze der und in dieser Form als treibende � Motive dem individuellen Kapitalisten zum Bewußtsein kommen; hat sie nur Ein Wort der Erklärung: die Gewalt,, und immer ' daß also eine wissenschaftliche Analyse der Konkurrenz nur möglich, wieder die Gewalt, und der„gewaltigere Zorn" des Herrn Düh- sobald die innere Natur des Kapitals begriffen ist, ganz wie die ring löst sich eben auch auf in den Zorn über die Gewalt. Wir : scheinbare Bewegung der Himmelskörper nur dem verständlich, der ihre wirklich, aber sinnlich nicht wahrnehmbare Bewegung haben gesehn, erstens, daß diese Berufung auf die Gewalt eine faule Ausflucht ist, eine Verweisung vom ökonomischen Gebiet Und hiermit ist,„menschlich und deutsch geredet", auch die kennt; worauf Marx an einem Exempel zeigt, wie ein bestimm- aufs politische, die keine einzige ökonomische Thatsache zu erkläre» ganze ökonomische Weisheit des Herrn Dühring zu Ende. 3 VIII. „Nach der Ansicht des Herrn Marx vertritt der Arbeitslohn nur die Bezahlung derjenigen Arbeitszeit, welche der Arbeiter wirklich für die Ermöglichung der eignen Existenz thätig ist. Hierzu genügt nun eine kleinere Anzahl Stunden; der ganze übrige Theil des oft langgedehnten Arbeitstags liefert einen Ueberschuß, in welchem der von unserm Autor sogenannte„Mehr- Werth" oder, in der gemeingültigen Sprache geredet, der Kapital- gewinn enthalten ist. Abgesehn von der auf irgend einer Stufe der Produktion bereits in den Arbeitsmitteln und relativen Roh- stoffen enthaltenen Arbeitszeit, ist jener Ueberschuß des Arbeits- tags der Antheil des kapitalistischen Unternehmers. Die Aus- dehnung des Arbeitstags ist hiernach reiner Auspressungsgewinn zu Gunsten des Kapitalisten." tes Gesetz, das Werthgesetz, in einem bestimmten Fall innerhalb der Konturrenz erscheint und seine treibende Kraft ausübt. Herr Dühring konnte hieraus schon entnehmen, daß bei der Verthei- lung des Mehrwerths die Konkurrenz eine Hauptrolle spielt, und bei einigem Nachdenken genügen diese im ersten Band gegebenen Andeutungen in der That, um die Verwandlung von Mehrwerth in seine Unterformen wenigstens in ihren allgemeinen Umrissen erkennen zu lassen. Für Herrn Dühring ist indeß die Konkurrenz grade das ab- solute Hinderniß des Verständnisses. Er kann iticht begreifen, wie die konkurrirenden Unternehmer das volle Erzeugniß der heißt es S. 158: im Stande ist; und zweitens, daß sie die Entstehung der Gewalt selbst unerklärt läßt, und dies wohlweislich, indem sie sonst zu dem Ergebniß kommen müßte, daß alle gesellschaftliche Macht und alle politische Gewalt ihren Ursprung haben in ökonomischen Vorbedingungen, in der geschichtlich gegebenen Produktions- und Austauschweise der jedesmaligen Gesellschaft. Versuchen wir jedoch, ob wir dem unerbittlichen„tieferen Grundleger" der Oekonomie nicht noch einige weitere Aufschlüsse über den Profit entringen können. Vielleicht gelingt es uns, wenn wir bei seiner Behandlung des Arbeitslohns ansetzen. Da Arbeit und hiermit das Mehrprodutt dauernd so hoch über den natürlichen Herstellungskosten verwerthen können. Es wird sich hier wieder mit der gewohnten„Strenge", die in der That Liederlichkeit ist, ausgedrückt. Das Mehrprodukt als solches hat bei Marx ja gar keine Herstellungskosten, es ist der Theil des Produkts, der dem Kapitalisten Nichts kostet. Wenn also j die konkurrirenden Unternehmer das Mehrprodukt zu seinen Nach Herrn Dühring wäre also der Marx'sche Mehrwerth natürlichen Herstellungskosten verwerthen wollten, so müßten sie weiter nichts, als was man in der gemeingültigen Sprache Kapi-' es eben verschenken. Doch halten wir uns bei solchen„miknr talgcwinn oder Profit nennt. Hören wir Marx selbst. Auf i logischen Einzelnheiten" nicht auf. Verwerthen denn in der That S. 195 des„Kapital" wird Mehrwerth erklärt durch die hinter die konkurrirenden Unternehmer nicht täglich das Erzeugniß der diesem Wort eingeklammerten Worte:„Zins, Profit, Rente." Auf S. 210 giebt Marx ein Beispiel, worin eine Mehrwerth Arbeit über den natürlichen Herstellungkosten? Nach Herrn Dühring bestehn die natürlichen Herstellungskosten„in der Arbeits- „Der Arbeitslohn ist der Sold zum Unterhalt der Arbeits- kraft und kommt zunächst nur als Grundlage für Bodenrente und Kapitalgewinn in Bstracht. Um sich die hier obwaltenden Ver- Hältnisse recht entschieden klar zu machen, denke man sich Grund- rente und weiterhin auch Kapitalgewinn zuerst geschichtlich ohne Arbeitslohn, also auf Grundlage der Sklaverei oder Hörigkeit.. Ob der Sklave und Hörige, oder ob der Lohnarbeiter unterhalte» werden muß, begründet nur einen Unterschied in der Art und Weise der Belastung der Produktionskosten. In jedem Fall bildet der durch die Ausnutzung der Arbeitskraft er- zielte Reinertrag das Einkommen des Arbeitsherrn.. Man sieht also, daß... namentlich der Hauptgegensatz, vermöge dessen auf der einen Seite irgend eine Art von Besitzrente S. 188 erfahren, ein gemeinsamer Ausoruck für Bodenrente und Krpitalgewinn. Ferner heißt es S. 174:„Der Charakter des Kapitalgewinns ist eine Aneignung des hauptsächlicUten summe von 71 Schillingen in ihren verschiedenen Vertheilungs- oder Kraftausgabe, und diese kann wiederum in ihren letzten und auf der andern die besitzlose Soldarbeit steht, nicht aus formen erscheint: Zehnten, Lokal- und Staatssteuern 21 Sch., Grundlagen durch den Nahrungsaufwand gemessen werden"; also schließlich in einem seiner Glieder, sondern stets nur in beiden Bodenrente 28 Sch., Pächters Profit und Zins. 22 Sch., zu- � in der heutigen Gesellschaft aus den an Rohstoff. Arbeitsmitteln zugleich betroffen werden kann." Besitzrente ist aber, wie wir sammen Gesammtmehrwerth 71 Schillinge.— Auf S. 542 erklärt und Arbeitslohn wirklich aufgewendeten Auslagen, im Unterschied � 100»-■f'-f"-»" n>ni<.;n?nmov ra- Marx es für einen Hauptmangel bei Ricardo, daß dieser„den von der„Bezollung", dem Profit, dem mit dem Degen in der Mehrwerth nicht rein darstellt, d. h. nicht unabhängig von seinen■ Hand erzwungenen Aufschlag. Nun ist es allbekannt, daß in der.„ besondern Formen, wie Profit, Grundrente u. s. w." und daß Gesellschaft, in der wir leben, die konkurrirenden Unternehmer Theils des Ertrags der Arbeitskraft. Ohne das' Korrelat er daher die Gesetze über die Rate des Mehrwerths unmittelbar ihre Maaren nicht zu diesen natürlichen Herstellungkosten ver- der in irgend einer Gestalt unmittelbar oder mittelbar unter- zusammenwirft mit den Gesetzen der Profitrate; wogegen Marx werthen, sondern den� angeblichen Aufschlags den Profit, hinzu-! worfenen Arbeit läßt er sich nicht denken." Und S. 174: Der ankündigt:„Ich werde später, im dritten Buch dieser Schrift,—■' nachweisen, daß dieselbe Rate des Mehrwerths sich in den ver- schiedensten Profittaten, und verschiedene Raten des Mehrwerths, unter besttmmten Umständen, sich in derselben Profittate aus- drücken können." Auf S. 587 heißt es:„Der Kapitalist, der den Mehrwerth produzirt, d. h. unbezahlte Arbeit unmittelbar aus den Arbeitern auspumpt und in Maaren fixirt, ist zwar der erste rechnen und in der Regel auch erhalten. Die Frage, die Herr Arbeitslohn„ist mster allen Umständen nichts weiter als ei» Dühring, wie er glaubte, nur auszuwerfen braucht, um damit Sold, vermittelst dessen im Allgemeinen der Unterhalt und die das ganze Marx'sche Gebäude umzublasen, wie weiland Josua Fortpflanzungsmöglichkeit des Arbeiters gesichert sein müssen" die Mauern von Jericho, diese Frage existirt also auch für die ökonomische Theorie des Herrn Dühring. Sehen wir, wie er sie beantwortet. „Das Kapitaleigenthum", sagt er,„hat keinen prattischen Aneigner, aber keineswegs der letzte Eigenthümer dieses Mehr- Sinn und läßt sich nicht verwerthen, wenn nicht in ihm zugleich Und endlich S. 195:„Was der Besitzrente zufällt, muß dem Arbeitslohn verloren zehn und umgekehrt, was von der allge- meinen Leistuiigssähigkeit(!) an die Arbeit gelangt, muß den Besitzeinkünsten entzogen werden." Herr Dühring führt uns von Ueberraschung zu Ueberraschung. Werths. Er hat ihn hinterher zu theilen mit Kapitalisten, die die indirette Gewalt über den Menschenstoff eingeschlossen ist. J» der Werththeorie und den folgenden Kapiteln bis zur Lehre t.'"v...?______ i___ /Tf.._ n________ /t»_______ �...— tY r x. z*-i*~c% � ,» rrs 2 rc,,.. � l �/ 11. V», �• Ti. t\■», 4 /> I � a vvi* v* v» ,<>,?'> s» � l> � ♦ v.*.« m s» s.•* /X, I �» I,»» � l � va«*■» i � e? e Das Erzeugniß dieser Gewalt ist der Kapitalgewinn, und die Größe des letztern wird daher von dem Umfang und der Inten- sität dieser Herrschaftsübung abhängen... Der Kapitalgewinn stücke fallen verschiedenen Kategorien von Personen zu und erhalten ist eine politische und soziale Institution, die mächtiger wirkt als Auslagen an Rohstoff, Arbeitsmitteln verschiedne, gegen einander selbständige Formen, wie Prpfit,-—>-— andere Funttionen im Großen und Ganzen der gesellschaftlichen Produktion vollziehn, mit dem Grundeigenthümer u. s. w. Der Mehrwcrth spaltet sich daher in verschiedene Theile. Seine Bruch- von der Konkurrenz und diese eingeschlossen, also von I. 1—155, theilten sich die Waarenpreise oder Werthe erstens in die natür- lichen Herstellungskosten oder den Produktionswerth, d. h. die und Arbeitslohn, und Zins, Handelsgewinn, Grundrente u. s. w. Diese verwandelten Formen des Mehrwerths können erst im dritten Buch behandelt werden." Und ebenso an vielen andern Stellen. Man kann sich nicht deutlicher ausdrücken. Bei jeder Gelegen- heit macht Marx darauf aufmerksam, daß sein Mehrwerth durch- aus nicht mit dem Profit oder Kapitalgewinn zu verwechseln, daß dieser letztere vielmehr eine Unterform und sehr oft sogar nur ein Bruchtheil des Mehrwerths sei. Wenn also Herr Düh- ring dennoch behauptet, der Marx'sche Mehrwerth sei,„in der gemeingültigen Sprache geredet, der Kapitalgewinn", und wenn es feststeht, daß das ganze Marx'sche Buch sich um den Mehr- Werth dreht, so sind nur zwei Fälle möglich: Entweder weiß ers nicht besser, und dann gehört eine Schamlosigkeit sonder Gleichen dazu, ein Buch herunter zu reißen, dessen Hauptinhalt er nicht kennt. Oder er weiß es besser, und dann begeht er eine absichtliche Fälschung. die Konkurrenz. Die Unternehmer handeln in dieser Beziehung zweitens in den Aufschlag oder Bertheilungswerth, die mit dem als Stand, und jeder einzelne behauptet seine Position. Ein Degen in der Hand erzwungene Besteuerung zu Gunsten der gewisses Maß des Kapitalgewinns ist bei der einmal herrschenden Wirthschaftsart eine Nothwendigkeit." Leider wissen wir auch jetzt noch immer nicht, wie die kon- kurrirenden Unternehmer im Stande sind, das Erzeugniß der Arbeit dauernd über den natürlichen Herstellungskosten zu ver- werthen. Herr Dühring denkt unmöglich von seinem Publikum so gering, um es mit der Redensart abzuspeisen, der Kapital Monopolistenklasse; ein Aufschlag, der, wie wir sahen, an der Bertheilung des Reichthums in Wirklichkeit nichts ändern konnte, indem er mit der einen Hand das wiedergeben mußte, was er mit der andern nahm, und der außerdem, soweit uns Herr Düh- ring über seinen Ursprang und seinen Inhalt Auskunft giebt, i aus Nichts entstand und daher auch aus Nichts bestand. In den beiden folgenden Kapiteln, die von den Einkünftearten handeln, gewinn stehe über der Konkurrenz, wie seiner Zeit der König von also von S. 156— 217, ist von Aufschlag keine Rede mehr. Preußen über dem Gesetz. Die Manöver, durch die der König von Preußen in seine Stellung über dem Gesetz kam, kennen wir; die Manöver, wodurch der Kapitalgewinn dazu kommt, mächtiger zu sein als die Konkurrenz, sind grade das, was Herr Dühring uns erklären soll und was er uns hartnäckig Statt dessen theilt sich der Werth jedes Acb.itserzeugnisses, also jeder Waare, jetzt in folgende zwei Theile: erstens in die Pro- duktionskosten, worin auch der bezahlte Arbeitslohn einbegriffen, und zweitens in den„durch Ausnutzung der Arbeitsttast erzielten Reinertrag", der das Einkommen des Arbeitsherrn bildet. Weiter:„Der giftige Haß, mit dem Herr Marx diese Vor- als Stand handeln, und dabei jeder einzelne seine Position be- stellungsart des Auspressungsgeschäfts pflegt, ist nur zu begreiflich, hauptet. Wir sollen ihm doch nicht etwa aufs Wort glauben, zu erklären verweigert. Auch kann es nichts ausmachen. Und dieser Reinertrag hat eine ganz bekannte, durch keine Täto- wenn, wie er sagt, die Unternehmer in dieser Beziehung Aber auch ein gewaltigerer Zorn und eine noch vollere Äner-! eine Anzahl Leute brauche nur als Stand zu handeln, damit kemmng des Ausbeutungscharatters der auf Lohnarbeit gegrün- jeder einzelne von ihnen seine Position behaupte? Die Zünftler «..X...------ Ifi. � iona 4-ft CTOJffnf 1 7äQ /■» rtffaM fio. ist möglich, ohne daß jene theoretische des Mittelalters, die französischen Adligen 1789 handelten be- _...' kanntlich sehr entschieden als Stand und sind doch zu Grunde gegangen. Die preußische Armee bei Jena handelte auch als deten Wirthschaftsform......... Wendung, die sich in der Marx'schen Lehre von einem Mehr Werth ausdrückt, angenommen wird." Die gutgemeinte, aber irrige theoretische Wendung von Marx Stand, aber statt ihre Position zu behaupten, mußte sie vielmehr bewirkt bei diesem einen giftigen Haß gegen das Auspressungs- ausreißen und nachher sogar stückweise kapituliren. Ebensowenig geschäft; die an sich sittliche Leidenschaft erhält in Folge der � kann uns die Versicherung genügen, bei der einmal herrschenden "" 1' Wirthschaftsart sei ein gewisses Maß des Kapitalgewinns eine Nothwendigkeit; denn es handelt sich ja gerade darum, nachzuweisen, warum dem so ist. Nicht einen Schritt näher zum Ziel kommen wir, wenn Herr Dühring uns mittheilt:„Die Kapital- Herrschast ist im Anschluß an die Bodenherrschaft erwachsen. Ein Theil der hörigen Landarbeiter ist in den Städten zu Gewerbs- falschen„theoretischen Wendung" einen unsittlichen Ausdruck, sie tritt zu Tage in unedlem Haß und in niedriger Giftigkeit, wäh- rend die letzte und strengste Wisienschaftlichkeit des Herrn Dühring sich äußert in einer sittlichen Leidenschaft von entsprechend edler Natur, im Zorn, der auch der Form nach sittlich und dem gif- tigen Haß zudem noch quantitativ überlegen, ein gewaltigerer Zorn ist. Während Herr Dübring diese Freude an sich selbst arbeitern und schließlich zu Fabrikmaterial umgestaltet worden. erlebt, wollen wir zusehn, woher dieser gewaltigere Zorn stammt, i Nach der Bodenrente hat sich der Kapitalgewinn als eine zweite „Es entsteht, heißt es wefter, nämlich die Frage, wie die Form der Besitzrente ausgebildet." Selbst wenn wir von der konkurrirenden Unternehmer im Stande sind, das volle Erzeug- historischen Schiefheit dieser Behauptung absehen, so bleibt sie niß der Arbeit und hiermit das Mehrprodutt dauernd so hoch doch immer eine bloße Behauptung und beschränkt sich darauf, über den natürlichen Herstellungskosten zu verwerthen, als durch das berührte Verhältniß des Ueberschusses der Arbeitsstunden angezeigt wird. Eine Antwort hierauf ist in der Marx'schen Doktrin nicht anzutreffen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil in derselben nicht einmal die Aufwerfung der Frage einen Platz finden konnte. Der Luxuscharakter der auf Soldarbeit ge- das wiederholt zu betheuern, was grade erklärt und bewiesen werden soll. Wir können also zu keinem andern Schluß kommen, als daß Herr Dühring unfähig ist, auf seine eigne Frage zu ant wirung oder Anstreicherkunst zu verdeckende Physiognomie.„Um sich die hier obwaltenden Verhältnisse recht entschieden klar zu machen", denke sich der Leser die soeben angeführten Stellen aus Herrn Dühring gedruckt gegenüber den früher angeführten Stelleu aus Marx über Mehrarbeit, Mehrprodukt und Mehrwerth, und er wird finden, daß Herr Dühring hier das„Kapital" in seiner Weise direkt ausschreibt. Die Mehrarbeit in irgend einer Form, sei es der Sklaverei, Hörigkeit oder Lohnarbeit, erkennt Herr Dühring an als Quelle der Einkünfte aller bisherigen herrschenden Klassen: genommen aus der mehrfach angeführten Stelle: Kapital, S. 227: das Kapital hat die Mehrarbeit nicht erfunden u. s. w.— Und der „Reinertrag", der„das Einkommen des Arbeitsherrn" bildet, was ist er anders als der Ueberschuß des Arbeitsprodukts über den Arbeitslohn, welcher letztere ja auch bei Herrn Dühring, trotz seiner ganz überflüssigen Verkleidung in einen Sold, im Allgemeinen den Unterhalt und die Fortpflanzungsmöglichkeit des Arbeiters sichern muß? Wie kann die„Aneignung des Haupt- sächlichsten Theils des Ertrags der Arbeitskraft" vor sich geh», außer dadurch, daß der Kapitalist, wie bei Marx, dem Arbeiter mehr Arbeit auspreßt, als zur Reproduttion der von diesem Letzteren verzehrten Lebensmittel nöthig ist, d. h. dadurch, daß der Kapitalist den Arbeiter längere Zeit arheiten läßt, als erfor- derlich ist, den Werth des dem Arbeiter gezahlten Arbeitslohns zu ersetzen? Also Verlängerung des Arbeitstags über die zur warten: wie die konkurrirenden Unternehmer im Stande sind, Reproduktion der Lebensmittel des Arbeiters nöthige Zeit hinaus, das Erzeugniß der Arbeit dauernd über den natürlichen Her Marx'sche Mehrarbeit— das und nichts Andres ist es, was sich i______________....„ stellungskosten zu verwerthen, d.h. daß er unfähig ist, die Eitt verbirgt unter Herrn Dührings„Ausnutzung der Arbeitskraft"; gründeten Produktion ist gar nicht ernstlich angefaßt und die stehung des Profits zu erklären. Es bleibt ihm nichts übrig,' und sein„Reinertrag" des Arbeitsherrn, worin anders kann er sich darstellen als in Marx'schem Mehrprodukt und Mehrwerth? And wodurch'anders als durch ihre unexakte Fassung, unterscheidet sich die Dühcing'sche Besitzrente vom Marx'schen Mehrwerth? Den Namen„Befchrente" übrigens hat Herr Dü iring von Rod- bertus entlehnt, der die Bodenrente und die Kapitalrente oder den Kapitalgewinn schon unter den gemeinsamen Ausdruck: Rente, zusammenfaßte, so daß Herr Dühring nur den„Besitz" hinzuzusetzen hattet) Und damit ja kein Zweifel bleibe über das Plagiat, faßt Herr Dühring die von Marx im 15. Kapitel (S. 539 u. fl. des„Kapitals") entwickelten Gesetze über den Größenwechsel vom Preis der Arbeitskraft und Mehrwerth in seiner Weise so zusammen, daß, was der Besitzrente zufällt, dem Arbeitslohn verloren gehen muß und umgekehrt, und reduzirt damit die inhaltvollen Marx'schen Einzelgesetze auf eine inhalt- lose Tautologie, denn es ist selbstredend, daß von einer gegebnen, in zwei Theile zerfallenden Größe der eine Theil nicht wachsen kann, ohne daß der andre abnimmt. Und so ist es Hrn. Dühring gelungen, die Aneignung der Marx'schen Ideen in einer Weise zu vollziehen, bei der die„letzte und strengste Wissenschaftlichkeit lm Sinne der exakten Disziplinen", wie sie sich in der Marx'- schen Entwicklung allerdings findet, vollständig verloren geht. Wir können also nicht umhin anzunehmen, daß das auffallende Gepolter, das Herr Dühring in der„Kritischen Geschichte" über „Das Kapital" erhebt, und namentlich der Staub, den er auf- wirbelt mit der famosen Frage, die beim Mehrwerth entsteht, und die er besser ungefragt gelassen hätte, sintemal er sie selbst nicht beantworten kann— daß das Alles nur Kriegslisten sind, schlaue Manöver, um damit das im„Kursus" an Marx bcgan- gene grobe Plagiat zu verdecken. Herr Dühring hatte in der That alle Ursache, seine Leser zu warnen vor der Beschäftigung mit„dem Knäuel, welches von Herrn Marx Kapital genannt wird", vor den Bastarden historischer und logischer Phantastik, den Hegel'schen konfusen Nebelvorstellungen und Flausen u. s. w. Die Venus, vor der dieser getreue Eckart die deutsche Jugend warnt, hatte er sich selbst zum eignen Gebrauch aus den Marxs- schen Gehegen im Stillen in Sicherheit gebracht. Gratuliren wir ihm zu diesem durch die Ausnutzung der Marx'schen Arbeitskrast «rzieuen Reinertrag und zu dem eigenthümlichen Licht, den seine Annexion des Marx'schen Mehrwerths unter dem Namen der Besitzrente auf die Motive seiner hartnäckigen, weil in zwei Auf- lagen wiederholten, falschen Behauptung wirft, als verstehe Marx unter Mehrwerth nur den Profit oder Kapitalgewinn. Und so müssen wir Herrn Dühring's Leistungen schildern in Herrn Dühring's Worten wie folgt:„Nach der Ansicht des Hrn." Dühring„vertritt der Arbeitslohn nur die Bezahlung derjenigen Arbeitszeit, welche der Arbeiter wirklich für die Ermöglichung der eignen Existenz thätig ist. Hierzu genügt nur eine kleinere Anzahl Stunden; der ganze übrige Theil des oft langgedehnten Arbeitstags liefert einen Ueberschuß, in welchem die von unserm Autor sogenannte" Besitzrente...„enthalten ist. Abgesehen von der auf irgend einer Stufe der Produktion bereits in den Arbeitsmitteln und relativen Rohstoff.'N enthaltenen Arbeitszeit, ist jener Ueberschuß des Arbeitstags der Antheil des kapitalrsti- schen Unternehmers. Die Ausdehnung des Arbeitstags ist hier- nach reiner Auspressungsgewinn zu Gunsten des Kapitalisten. Der giftige Haß, mit dem Herr" Dühring„diese Vorstellungs- art des Ausbeutungsgeschäfts pflegt ist nur zu begreiflich"... Weniger begreiflich dagegen ist, wie er nun wieder zu seinem „gewaltigeren Zorn" kommen will? Die Grenzen der Erkenntnijz. Bon I. Diepgen. In Sachen dieses Themas gelangte jüngst von fachkundiger Hand an die Redaktion des„Vorwärts" ein anonymes Schreiben, welches in sachlicher Erörterung den Beweis zu bringen suchte, daß Philosophie und Sozialdemokratie zwei separate Dinge seien, so daß man vollblütig der Partei angehören könne, ohne mit der„sozialdemokratischen Philosophie" einverstanden zu sein, woraus weiter erhelle, daß das Centralorgan der Partei unrecht thue, wenn es erlaube, daß philosophische Abhandlungen fich ausdrücklich als Parteisache darstellen. Die Redaktion des„Vorwärts" war dann so freundlich, mir, da der Brief sich auf meine Artikel bezog, die Einsicht desselben zu gestatten. Obgleich der Verfasser ausdrücklich gewünscht hat, mit seinen Widersprüchen keine öffentliche Diskussion zu veran- lassen, weil, wie er sagt, die Hin und Herrede m Zeitungen keine gründliche Behandlung dieser Dinge zulasse, so glaube ich doch, daß er es unmöglich indiskret finden kann, wenn seine Ein- und Vorwürfe hier als Mittel dienen zur Erläuterung einer Sache, die dem Schreiber jenes, dem Schreiber dieses und wie aus der allgemeinen gegenwärtigen Betheiligung hervorgeht, dem ganzen Zeitalter noch am Herzen liegt. Und was die Gründlichkeit anlangt, will mir dünken, daß dazu dickleibige Bücher nicht besser angethan sind, als kürzere Zeitungsartikel. Im Gegentheil, die weitschweifige Salbaderei ist derart Haufen- weise vorhanden, daß einem großen Theile des Publikums gerade dadurch der Geschmack an der Sache verloren geht. Zunächst möchte ich widersprechen, daß Philosophie und So- zialdemokratie separate Dinge seien, die nicht zusammengehören. Ganz recht! man kann ein wirksames Parteimitglied sein und nebenbei ein„kritischer Philosoph", vielleicbt gar ein guter Christ. Ist doch die Menschenseele ein wunderliches Ding, da auch mit den ausgemachtesten Widersprüchen sie leicht sich abzufinden weiß. Und nicht nur in philosophischen oder religiösen, auch sogar in volkswirthschaftlichen Dingen ist ein großes Maß der Ketzerei zulässigi In der Praxis sollen wir tolerant sein bis zum Exlrem, und gewiß, kein Sozialdemokrat wird daran denken, die Partei- Mitglieder in eine Uniform stecken zu wollen. Aber eine theo- retische Uniform muß sich Jeder anlegen, der der Wissenschaft huldigt. Theoretische Uniformirung, systematische Einhelligkeit ist das erstrebte Produkt und der bewunderte Borzug aller Wis senschaft. Daß die Sozialdemokratie wissenschaftlich und die Wissenschaft sozialdemokratisch ist, wird der geehrte Widersacher hoffentlich zugeben. Allerdings gicbt es viele wissenschaftliche Disziplinen, die das sozialistische Streben nach Befreiung der geknechteten Menschheit weniger tangiren. Aber die philosophische Frage, die Frage, ob etwas Metaphysisches,„etwas Höheres" hinter oder über der Welt haust, welches zu begreifen für unfern Intellekt zu monströs, das zu erklären den menschlichen Verstand übersteigt, also die Spezialfrage der Philosophie nach den »Grenzen der Erkenntnis?", berührt ganz fühlbar die Knechtschaft des Volks. Die Sozialdemokratie erstrebt keine ewigen Gesetze, keine bleibenden Einrichtungen oder festgeronnenen Formen, sondern im Allgemeinen das Heil des Menschengeschlechts. Geistige Er- *) Und auch dies nicht einmal. Rodbertus sagt(Soziale Briefe 2. Brief, S. 5»):„Rente ist nach dieser(seiner) Theorie aöes Einkom- wen, was ohne eigene Arbeit, lediglich auf Grund eines Besitzes, bezogen wird." leuchtung ist das unentbehrliche Mittel dazu. Ob das Erkennt- niß-Jnstrument ein begrenztes, d. h. ein untergeordnetes, ob die wissenschaftlichen Erforschungen wahre Begriffe, Wahrheit in höchster Form und letzter Instanz liefern, oder ob nur arm- selige„Surrogate", welche das Unbegreifliche über sich haben, — die Erkenntnißtheorie also ist eine eminent sozialistische Angelegenheit. All-: Herrschaften, welche die Völker ausgebeutet hab-n, stützten sich bis heute auf eine höhere Mission, auf eine Ab- stammung von Gottes Gnade, auf heilige Salben und metaphy- sichen Weihrauch. Und wenn sie auch die Aufklärung, die reli- giöse Freiheit, den polittschen Fortschritt und die kritische Philo- sophie rm Munde führten, so wußten sie doch sehr wohl, daß ohne„etwas Höheres", etwas Unbegreifliches, ohne etwas Me- taphysisches, und wäre es auch nur eine„sittlich- Weltordnung", die Zügel nicht mehr haltbar sind, welche das Volk in Rand und Band, und die Herrschaften in Besitz und Würde er- halten. Nur kein Mißverständniß! Nicht als wenn die Sozialdemo- kratie die Gegnerin der sittlichen Weltordnnng wäre. Auch wir wollen die Welt sittlich ordnen; aber wir wollen die Ordnung nicht von oben, sondern von unten haben, d. h. wir wollen sie selbst machen. Wir gebrauchen dann zu ihrer Anordnung und Erhaltung keine höhere Phantasterei und keine„Grenzen der Erkenntniß". Es ist im Gegentheil ganz vornehmlich eine so- zialdemokratische Aufgabe, der verkehrten Welt klar zu machen, daß wohl mein, dein und sein Intellekt ein armseliges Jnstru- ment ist, im Verhältniß zum unermeßlichen Problem der Wissen- schaft, so also, daß jede Person ihre Aufgabe begrenzen muß; daß aber anderseits das Erkenntnißvermögen der menschlichen Gattung so absolut einsichtsvoll und unbegrenzt, so unermeßlich ist, wie die Aufgabe, welche ihm die Natur zur Lösung vorlegt. Die Armseligkeitstheorie, die Lehre vom begrenzten Menschen- verstand ist der letzte Rest des religiösen Humbugs. Wer mit dem sozialdemokratischen Programm- die Befreiung der arbei- tenden Klasse durch die Arbeiter selbst erstrebt, der muß das närrische Harren und Hoffen, das philosophische Spintisiren und Forschen, insofern es auf eine andere Welt gerichtet ist, gründ- lrch ablegen. Diese„andere Welt" ist von der Wissenschaft und in wissen- schaftlichen Kreisen beseitigt, bis auf den mehrerwähnten Rest von den„Grenzen der Erkenntniß". So lange die aber da sind, so lange steckt die Idee von einer höheren unbegrenzten Erkenntniß dahinter, so lange ist auch das„Unbegreifliche" da, und so lange kann derjenige, dem ein solcher Spuk vor Augen steht, zu keinem rechten Selbstvertrauen in die menschliche Kraft und Zurechnungsfähigkeit gelangen. Zur radikalen Umgestaltung der unsittlichen herrschenden Weltordnung ist das energische Bewußtsein von der unbeschränk- ten Fähigkeit der menschlichen Intelligenz erfordert; dazu ist unumgänglich, daß wir das Gerede von der Möglichkeit" einer „höheren" Erkenntniß in dieselbe Kategorie stellen, wo die Leiber der Seligen stehen, die wohl einen Magen haben, der aber keine Speise und keinen Trank bedarf. Wenn es ein anderes Er- kennen geben kann, wie das, was man gemeinlich Erkennen nennt, dann kann es auch Fleisch und Blut geben, was so aus- sieht, so schmeckt und ganz so besa.affen ist, wie Mehl und Wasser; kurzum, dann sollen wir katholisch werden, unser Heil im Gebet suchen und nicht in der Arbeit; wir müssen dann die Sozialdemokratie aufgeben. Der unbekannte Genosse ist anderer Meinung. Er will für die Existenz von etwas Unbegreiflichem, für die begrenzte Er- teniiinch streiten, und doch nicht Ernst machen, nicht an den Grenzen festhalten. Wer wahrhaft glaubt, daß Etwas unbegreiflich ist, muß und wird auch mit seinen Begriffen davon bleiben und nicht wieder forschend daran herumknabbern, sonst behandelt er ja das Uebernatürliche wie Natürliches, das Unbe- greifliche wie Unbegriffenes. Solche Gleichsetzung, meint der Widersacher, sei nur eine„äußerliche", der Widerspruch nur scheinbar, indem damit nichts weiter als die Weigerung des Menschengeistes angedeutet werden soll, welcher die obige Gleich- setzung unwillkürlich vollzieht, weil er die Existenz des unbe- greislichen nicht zugeben will und es darum für nur unbegriffen erklärt. Thäte er das nicht, nähme er vielmehr ruhig an, daß das Unbegreifliche wirklich vorhanden und für ihn das unent zisserbare„Buch mit sieben Siegeln" wäre, so würde ihm mit diesem Zugeständniß auch aller Trieb des Forschens verschwinden und es gäbe keine Wissenschaft mehr. Demnach hätte der Mensch zwei Geister, der eine muß etwas Unbegreifliches haben, und der andere muß es erforschen. Da- gegen halte ich es an der Zeit, den Menschengeist zu in- struiren, daß das Unbegreifliche kein Objekt der Wisssenschaft ist, und dabei die Forschung doch mehr wie Stoff am Unbegriffenen habe. „Es ist dies", fährt der Gegner fort,„ja nichts weiter als der alte Streit über die Grenzen der menschlichen Erkenntniß, den Ihr(des„Vorwärts") Correspondent in seiner eigenem mir allerdings nicht sehr sympathischen Weise dargestellt hat. Sehen wir daher doch einmal zu, heißt es weiter, ob denn unsere Phi- losophie- Professoren diesen Punkt so sehr malträtirt haben, daß wir ihnen nothwendig„den Laufpaß" geben müssen. „Der Erste, der die Untersuchung über die Grenzen der Er- kenntniß wissenschaftlich durchgeführt hat, war Kant. Allerdings ist er nicht über die„Verstandeskategorien" hinausgekommen und mußte für seine„praktische Vernunft" Hypothesen annehmen, welche seinem System einen inneren Zwiespalt aufnöthigten. Eben dadurch entwickelte sich aber aus diesem System, obgleich es die Grenzen des formalen Erkennens scharf genug ange- geben hatte, die Nöthigung, auf der betretenen Bahn weiter fort- zuschreiten. Und was war das denn anders, als der Trieb, das Unbegreifliche zu begreifen, d. h. den innern Widerspruch des Denkens zu lösen. „Fichte versuchte diese Lösung, indem er zc.-c. „Dann trat Hegel dem Unbegreiflichen um einen noch viel größeren Schritt näher, indem er demonstrirte ec.:c..... er zeigte, daß es nur darauf ankommt, unseren eigenen Geist zu begreifen, um damit auch den Geist der Welt zu erfassen. Somit war uns doch offenbar das„Unbegreifliche" viel, viel näher gerückt. Und wenn wir also bedenken, wie sehr die drei ge- nannten Philosophen unsere wissenschaftliche Erkenntniß gefördert haben, da sie es versuchten, das Unbegreifliche zu begreifen, sollten wir uns dann nicht wohl dafür hüten, die„zünftige" Philosophie zu verdammen und ihr den Laufpaß zu geben." Darauf antwortet die sozialdemokratische Philosophie folgen- dermaßen: sie hat nie im Entferntesten daran gedacht, den ge- schichtlichen Philosophen die gebührende Anerkennung zu versagen. Im Gegentheil geht sie davon aus, daß Kant, Fichte und Hegel das Unbegreifliche(nämlich das Erkenntnißvermögen) soweit in Begriffenes verwandelt haben, daß nunmehr die Zeit gekommen ist, wo wir mit der ganzen Metaphysik allen zünftigen Philo- sophen den Laufpaß geben, allen, welche die geschichtliche Er- rungenschaft verkennen und immer noch aus irgend einem Unbe- griffenen etwas Unbegreifliches machen. Die„Kritik der Ver- nunft", die„Wissenschaftslehre", die„Logik" oder die Erkenntniß- theorie ist mittels ihrer geschichtlichen Entwicklung so weit ge- diehen, daß nur die Sozialdemokratie klar weiß, was erkennen heißt, und dürfen wir deshalb wohl mit Hohn von den ge- lehrten Kapuzinern reden, welche dem Naturerkennen noch ein „Höheres" überordnen. Von Kant heißt es, sein System habe„die Grenzen des formalen Erkennens scharf genug angegeben". Nun ist das der Punkt, den wir mit aller Macht bestreiten, der Punkt, wo sich die sozialdemokratische Philosophie von der zünftigen durchaus trennt. Kant hat die Grenzen des formalen Erkennens nicht scharf genug angegeben, weil er mit dem bekannten„Ding an sich" auch den Glauben an ein anderes, an ein höheres Er- kennen, an einen übermenschlichen Monstreverstand hat bestehen lassen. Formales Erkennen! Naturerkennen! Nach anderem Erkennen mögen die„Philosophen" schmachten, aber den Nach- weis, wo etwas davon ist, und den Bericht, wie es beschaffen, sollen sie noch liefern. Von der wirklichen, im täglichen Gebrauche befindlichen Er- kenntniß sprechen sie so geringschätzig, wie die alten Christen vom„schwachen Fleisch". Die reale Welt ist eine schleckte„Er- scheinung", und ihr wahres Wesen ein Geheimniß. Nachdem diese faule Redensart in anderen Disziplinen unpopulär ge- worden, wird der Schwindel in der Erkenntnißtheorie fortgesetzt. Ein anderes Blech wie Naturblech will Niemand haben, aber eine andere Erkenntniß— nun Bauer, warum ist das etwas Anderes?— Wenn die Naturwissenschaft sich überall sonstwo mit dem Phänomen befriedigt, warum nicht mit der Phänomens- logie des Geistes? Hinter den„Grenzen des formalen Er- kennens" sitzt immer der höhere unbegrenzte metaphysische Ver- standskasten, hinter dem zünftigen Philosophen der Theologe und das beiden gemeinsame„Unhegreifliche". Und wenn nun Hegel zeigte,„daß es nur darauf ankommt, unsern eigenen Geist zu begreifen, um damit auch den Geist der Welt zu erfassen", so sind wir vollkommen einverstanden. Nur den mysteriösen Ausdruck würde die sozialdemokratische Philo- sophie rektifiziren: sie kennt nämlich nur einen Geist, der Menschengeist ist der Geist der Welt. „Aber was ist denn nun das Unbegreifliche?" fragt der be- treffende Brief an die Redaktion des„Vorwärts".—„Wenn wir eingestehen müssen, daß jeder richtige wissenschaftliche Versuch, es zu begreifen, uns ihm ein gutes Stück näher bringt, sollten wir da nicht meinen, es würde sich am Ende wirklich in das Begriffene verwandeln? Und damit wäre ja dann die Forde- rung Ihres Correspondenten, allerdings nicht auf seinem Wege, sondern auf dem der zünftigen Philosophie erfüllt. Auch auf diese Frage giebt der zünftige Philosoph die Autjvort, indem er erklärt, daß das„Sein" als das absolut Ruhende sich auf keine Weise in die absolute Bewegung des Denkens auslösen läßt. Mit diesem Wort ist also die Grenze der Er- kenntniß, d. h. das Unbegreifliche bestimmt, fährt der Gegner fort. Folgt denn nun daraus, daß wir seine Existenz leugnen, daß wir ihm fern bleibe» sollen? Sicher nicht! Jeder wissen- schaftliche Versuch, ihm näher zu kommen, es zu be- oder doch u umgreifen, führt uns dem dunklen Punkte näher und ver- reitet neues Licht über ihn, wenn wir ihn auch niemals zur absoluten Klarheit zu bringen vermögen. Und die Verfolgung dieses Zieles ist Ausgabe der Philosophie im Gegensatz zu der- jenigen der Naturwissenschaft, welche nur Gegebenes betrachtet und Erscheinungen erklärt." Erscheinungen erklärt: Phänomen! Hm! Hm! Also das Objekt der Philosophie, das Unbegreifliche ist ein Vogel, dem wir mit unserm Begriffsvermögen wohl hin und wieder ein Federchen ausrupfen können, der aber niemals nackt zu pflücken ist, sondern ewig unbegreiflich bleiben muß. Be- trachten wir näher die Federn, welche historische Philosophen be- reits gerupft haben, so erkennen wir daran den Vogel: es ist der Menschengeist, um den es sich handelt. Und da sind wir denn wieder an dem entscheidenden Punfte, der die Materialisten von den Idealisten trennt: uns ist der Geist ein Naturphänomen und ihnen ist die Natur ein Geistesphänomen. Wenn es nur dabei bliebe. Nein, im Hintergrund lauert die schlechte Absicht, den Geist zum„Wesen", zum Dmg höherer Herkunft, und alles andere zu einer Platitüde zu machen. Wir müssen deshalb daran erinnern, wie der Welt wohl be- kannt ist, daß nicht nur der Geist, das Bewußtsein oder die Em- pfindung, sondern alle Dinge„im letzten Grunde" unbegreif- lich sind.„Wir sind nicht im Stande, die Atome zu begreifen und wir vermögen nicht aus den Atomen und ihrer Bewegung auch nur die geringste Erscheinung des Bewußtseins zu er- klären", sagt Lange in seiner„Geschichte des Materialismus", oder ein Anderer:„das Wesen der Materie ist schlechthin unbe- greiflich". Dies Causalitätsbedürfniß nennt sich mit anderm Namen auch„Trieb des Forschens", der, unbändig, es nicht unter- lassen kann, auch dem„Unbegreiflichen" an den Federn zu rupfen. Dagegen behaupten wir: was sich möglicherweise begreifen läßt, ist nicht unbegreiflich. Wer Unbegreifliches will, treibt Eulenspiegelei. Wie mit dem Auge nur das Sichtbare, mit dem Ohr nur das Hörbare, so kann ich mit dem Begriffsvermögen nur das Begreifliche begreifen. Und wenn auch die sozialdemokra- tische Philosophie lehrt, daß Alles was da ist, vollkommen zu begreifen, so soll doch auch das Unbegreifliche nicht geleugnet sein. Das sei anerkannt; aber nur nicht in dem zwieschlächtigen vertraktcn„philosophischen" Sinne, der das Unbegreifliche doch wieder höheren Orts begreiflich werden läßt. Wir machen Ernst mit der Sache, wir wissen von keiner höheren Erkenntniß als von der gewöhnlichen, menschlichen, wissen positiv, daß unser Verstand wahrhaft Verstand heißt, und es so wenig einen wesentlich andern Verstand wie viereckige Kreise geben kann. Wir stellen den Intellekt in die Reihe der gemeinen Dinge, die ihre Natur nicht ändern können, ohne ihre Namen zu ändern. Die sozialdemokratische Philosophie ist mit der„zünftigen" einverstanden:„das Sein läßt sich äuf keine Weise im Denken auflösen", auch kein Theil des Seins. Aber wir erkennen es auch nicht als Aufgabe des Denkens, das Sein aufzulösen, son- dern nur formell zu ordnen, die Klassen. Regeln und Gesetze zu ermitteln, kurz das zu thun, was man„Naturerkennen" nennt. Alles ist begreiflich, insofern es zu klassifiziren ist, alles ist un- begreiflich, insofern es sich nicht in Gedanken auflösen läßt. Dies können, sollen und wollen wir nicht und bleiben ihm dar- um fern. Wohl aber können wir das Umgekehrte: das Denken im sein auflösen, d. h. das Denkvermögen als eine von den vielen Arten des Daseins klasnfiziren. Der widerstreitende Parteigenosse will sich darauf stützen, daß Kant, Fichte und Hegel dem Unbegreiflichen sich genähert haben. Was aber diese Philosophen begriffen, war nichts Unbegreifliches, sondern nur der begriffsmäßige Theil des Intellekts, oder das „formale Erkennen". Wir gehen nur ein klein Stückchen weiter, und begreifen den Intellekt vollständig als ein formales Jnstru- ment, das in der Erkenntnißtheorie nur dasselbe thun kann, was es tn der Naturwissenschaft praktizirt. Uns ist die Wissenschast ein einheitlicher Genus. Philosophie und Naturerkennen sind Spezies, die beide„Gegebenes" betrachten, oder„Erscheinungen" erklären. Wir finden den Intellekt ebenso erfahrungsmäßig gegeben. wie die Materie. Denken und Sein, Subjekt und Objekt befinden sich innerhalb der Erfahrung. Das eine nur als ab- solule Ruhe vom andern als absolute Bewegung zu unterschei- den, das ist, seit die Naturwissenschaft alles und alles auf Be- wcgung reduzirt, eine unhaltbare Unterscheidung. Was der par- teigenössische„Philosoph" vom Unbegreiflichen gesagt hat, daß jeder wissenschaftliche Versuch dem dunklen Punkte näher führt, wenn wir ihn auch niemals zur absoluten Klarheit bringen können, dasselbe gilt ohne alle Mystisikation auch vom Objekt der Naturwissenschast, vom Unbegriffenen. Auch das Natur- erkennen hat sein unbegrenztes Ziel, auch ohne mysteriöse „Grenzen" kommen wir dem dunklen Punkte immer näher, ohne es jemals zur vollen Klarheit bringen zu können, d. h. die Wissenschaft hat keine Grenzen. Geben wir zu, der Mensch hat den Trieb, alles zu erforschen, aber um diesen Trieb rationell zu verwenden, muß man ihn verstchn. Der rationelle Forschungstrieb will das Dasein regeln, die Gesetze des Daseins ermitteln. Wo er über das Dasein hinaus soll, soll er über seine und über alle Natur hinaus. In dieser Zumuthung besteht die philosophische Ueberschwenglichkeit, die sie von der Religion geerbt hat. Sie erkennt die„letzten Gründe" aller Begreiflichkeit: nämlich die Empirie oder That- sacke. Auf finnliche Thatsachen und Erfahrungen sollen sich wesentlich die Gedanken gründen. Wer umgekehrt auf den Geist oder die Logik Thatsachen gründen will, darf das nur formell verstehn. Der letzte Grund, warum der Stein fällt, oder die Wärme sich ausdehnt, ist die Thatsache, und das Gesetz der Schwere und das Gesetz der Wärme sind Abstraktionen, sind formelle Gründe. Nicht nur läßt sick das Sein nicht im Denken auflösen, sondern es versteht fich klar, daß das philoso- fchische Begehren nach solcher Auflösung eine idealistische Ueber- pannung ist. Wie der Mensch den Trieb hat, alles zu erkennen, so hat er auch den Trieb, alles sehen zu wollen. Gut! Da ist eine Glas- scheide, die ist durchaus sichtbar, sichtbar durch und durch. Und doch ist sie nicht durchaus sichtbar. Bon ihrer Schwere oder Härte läßt sich nichts sehen, ihr Vermögen, zu klingen, läßt sich nur hören zc. Ebenso mit der Erkenntniß: wir können alle Dinge durchaus erkennen; aber nebenher sind sie noch mehr wie kenntlich, und daß sie noch mehr sind, daß sich das Sein nicht auflöst im Denken, darf nur der Phantast beklagen. Wenn wir alles erkennen könnten, alles, alles ganz und gar, so wäre da- mit die Erkenntniß alles ynd kein Objekt vorhanden. Wissen- schaft und nichts zu wissen! Licht und nichts zu sehen! da wäre es genau so, wie dazumal, als noch Nichts war—„da war alles wüst und leer." Zur Kulturgeschichte der Deutschen. in. Daß die Schweden, Norweger und Jnsel-Dänen sich ftüh zu einigen Völkern und Reichen ausbildeten— worin ibnen die um 450 nach Chr. aus Jütland gekommenen Anaelsachseir in England glichen— erklärt sich leicht aus der ganz abgeschlossenen Grenze, welche jedes dieser Völker besaß, und erweift dies zugleich, daß in der deutschen Naturanlage die Fähigkeit zur Staatenbildung nicht fehlt, aber begünstigender Umstände bedarf, wenn der un- bändige Selbstständigkeitsdrang in Grenzen gehalten werden soll. Es ist aber naturgesetzlich zu erklären, wie diese Völker jenen unbezwinglichen, beispiellosen Eroberungs- und Abenteuerdrang um der Abenteuer selbst willen ausprägten. Die gesammte ger- manische Familie fühlte sich von jeher noch mehr als alle andren weißen Völker zur Weltherrschaft berufen; bei den Skandinaviern oder Normannen aber finden wir zuerst die bekannte„Berserker- wuth", die tolle Lust am Drcinschlagen, die Versess.nheit auf das zwecklose Abenteuern, welcher der Sieg, der Ruhm, die Beute und die Herrschast erst in zweiter Linie kamen, den halb wahnwitzigen Thatendrang und Unternehmungsgeist, besonders zur See, kurz den Größenwahnsinn als beherrschende Volks- leidenjchast. Und dies ist um so bemerkenswerther, da die Nor- mannen nie mit dem Römerreiche in dauernde Berührung, nur in Handelsaustausch aus zweiter Hand getreten waren und fast ein Jahrtausend ganz abgeschlossen für sich hingelebt und keine Feinde gehabt hatten, ausgenommen die armselige Mongolen- Urbevölkerung ihrer Länder, welche sie theils versklavten, theils volwärts vertrieben, ohne daß davon ein Denkmal vorhanden ,st als das mongolische Wort Thräl, Knecht, welches in die Sprache der genannten Völker eingebürgert ist, und eine dunkle Erinnerung bei den Lappen selbst an ihre Verdrängung und Verelendigung vor Alters. Zur Erklärung dieses Räthsels bieten sich zwei Ursachen: die Natur des Landes und Kl mas und die zur Schiffahrt einladende Küste, welche fast überall sichtbar ist. Der Boden ist stellenweis fruchtbar, und bis zum 62. Grad in Schweden, bis zum Polar- kreise in Norwegen(des warmen Golfstroms wegen) zum Acker- bau so geeignet wie für den Lebensunterhalt unentbehrlich; er war aber dicht bewaldet und seine Beurbarung erschwert, so daß beim Mangel an Sklaven die Zeit vieler Jahrhunderte darauf ging, um eine rasch wachsende Bevölkerung mit den vielen Be- dürfnissen zu versorgen, welche das schroff wechselnde Klima und der harte lange Winter erfordern. Da diese Bevölkerung am Ende der bekannten Welt sich nicht ausbreiten konnte, führte ihre wachsende Dichtigkeit zu vielen Kriegen zwischen den Stämmen um den Boden, und der siegende Stamm gab jedem der drei Länder seinen Adel und seinen König, also politische Einheit. Der Adel und die Könige mußten bei dem erwachten Herrscher- bewußtsein außerhalb des Landes Beschäftigung suchen. Mittler- weile aber hatte die Küste mit ihren zahllosen tiefeingeschnittenen und schmalen Buchten, welche hier und da fast die einzigen Verkehrsstraßen bilden, die zahllosen Landseen und schiffbaren Flüsse, die nahe in Sicht liegenden Inseln, der Fischreichthum der umgebenden Meere und zuletzt die geringe Ferne andrer Länder zur Seefahrt von wachsender Kühnheit eingeladen. Wir finden dreselbe Erscheinung überall auf der Erde wieder, wo es viele Meerbusen, Inseln, Halb n,eln und in einiger Nähe andre Länder giebt— so bei den Bewohnern Griechenlands und des alten Phönizicns, bei den Venedigern und Genuesen und Eng- läudern, den Friesen und Holländern des Mittelalters, bei den Malaien und bei den Anwohnern des Behringsmeeres in Ost- asien und Nordwestamercka. Nirgends aber ist die Landschaft so wild, bezaubernd großartig und doch wieder idyllisch lieblich, so sehr aus die Einbildungskraft und körperliche Abhärtung wirk- sam, als in Skandinavien. So begannen denn um 600 n. Chr. die Handelsfahrten über die Ostsee, die Düna hinauf und den Dnjepr hinab ins Schwarze Meer und bis Konstantinopcl, die Oder hinauf, die March hinab, die Donau und den Inn hinauf über den Brenner nach Venedig, und die ganze atlanttsche Küste entlang bis ins Mittelmeer. So wurden die Schwächen aller europäischen Länder ausgekundschaftet, die Habgier nach deren Schätzen erregt, und es folgte der Seeraub dem Handel, während er sonst immer in der Geschichte ihm vorangeht. Die ersten Raubzüge an den norddeutschen, französischen und englischen Küsten glückten(seit 800) und nun gingen die Normannen mit vollem Bewußtsein auf die Eroberung der Welt aus— ein Volk von insgcsammt wohl nicht fünf Millionen, welches auf einmal wohl nicht mehr als ein paar Tausend Krieger sparen konnte. Es ist bezeichnend, daß nicht mehr als diese Zahl er- forderlich waren, um festen Fuß an der Mündung der Seine zu fassen, Paris zu plündern, dem fränkischen Reiche die ganze, nach ihnen genannte Normandie zu entringen und sich da für immer zu behaupten; daß siebzig Normannen genügten, eine Stadt Unteritaliens, Aversa, einzunehmen und zu halten, bis Verstärkung genug kam, um dort ein normannrsches Königreich über Sizilien und ganz Unteritalien auszudehnen. Von der Normandie aus wurde später(1066) England eingenommen, welches vorher schon einmal vom dänischen König Kanut er- obert worden war und noch ftüher zweimal großcntheils; von Unteritalien aus eroberten die Normannen den besten Theil des griechischen Kaiserreichs, welches ihre in Rußland herrschenden Genossen seit Jahrhunderten unsicher gemacht, ja zum Tribut gezwungen hatten. Eine friedliche Bauernschaar entdeckte 875 Island und 899 Grönland und Nordamerika, welche sie befie- delten, während sie blos in Island fich halten konnten. Die Bataver und Friesen, aus welchen die heutigen Holländer erwachsen find, waren von je ein nicht minder freiheitsliebendes und tapferes Volk als die Skandinaven und sind nie leibeigen oder unterworfen gewesen, wie es die Dänen und Südschweden zeitweilig waren. Woher kommt es, daß sie nie erobernd auf- getreten sind, außer spät und nothwendigerweise in Ostindien? Bei ihnen war die Tapferkeit nie mit Tollkühnheit, sondern mit Bedächtigkeit und Ausdauer gesellt; ihnen war immer„Vorsicht der Tapferkeit besseres Theil", nur in anderem Sinne als bei Falstaff. Das kommt davon her, daß sie ihr Land dem Meere aberobern und täglich es vor seiner gewaltigen Macht durch un- ermüdliche, geduldige Arbeit beschützen mußten. Das kommt nicht minder von der eintönigen Landschaft, dem nebligen, oft trüben Himmel und rauhem Klima, welchen auch gar nichts von Einwirkung auf die Phantasie und die Lebenslust eigen ist, und welche die Viehzucht zum überwiegenden Theile der Landwirth- schaft gestalten, während sie den Seefahrer ausschließlich zum berechnenden Großhändler anstatt zum Helden umprägen. Daß einem solchen Volke alle hervorragende Begabung zur schönen Kunst fehlt, während die zur Forschung und Wissenschaft höchst bedeutend dasteht, nimmt nicht Wunder. Ihnen verdankt es die Welt, daß die republikanische Selbstregierung, nachdem sie in der Schweiz zu verfallen begonnen hatte, von der alten Zeit auf die Neuzeit herüber gerettet wurde, in England Wurzel schlug, nach Nordamerika verpflanzt wurde und dem greisen Europa als Vorbild weiterleuchtete. Die Republik Holland, eben erst in dem Riesenbefreiungskampfe mit der ganzen Macht Philipps II. fertig geworden, kam nahe daran— wie Ed. Dulter bewiesen hat— aus ganz Deutschland eine Bundesrepublik zu machen(kurz vor dem dreißigjährigen Kriege, welcher in diesem Falle nebst allen seinen entsetzliche» Folgen uns erspart geblieben wäre). Etwas mehr Kühnheit bei den Holländern und etwas weniger Eifersucht und Halbheit bei dem czechischen Adel Böhmens und Mährens, welcher damals das Schicksal Deutschlands in der Hand hielt— und Holland wäre bei Deutschland geblieben, dieses hätte werden müssen, was England geworden ist, und alle Verhältnisse Eu- ropas hätten sich viel fortschrittlicher und menschlicher entwickeln müssen! So furchtbar rächte sich an den Deutschen die Ver- gcwaltigung seiner Slawen! Daß die keltischen Völker soweit von den Deutschen abgewichen sind, wird begreiflich aus ihren Sprachen selbst, in welchen die deutsche Beimischung nur eine mäßige ist. Auch in allen andern Zügen ihrer Eigenthümlichkeiten erscheint das deutsche Wesen nur eben noch erkennbar. Nur unter der Annahme, daß es schwache Abenteurerbanden der Deutschen waren, welche, den Pionieren des amerikanischen Westens vergleichbar, die dunkelfarbigen und die mongolischen Urbewohner Westeuropas, nicht ausrotten, nur umbilden konnten durch Rassenmischung und mitgevrachte Erfin- düngen, nur unter dieser Annahme erklärt sich das örtlich so verschiedene und doch im Ganzen ähnliche Gepräge der kelttschen Völker. Das bei allen Uebereinstimmende scheint durch die Deut- schen, das örtlich Verschiedene durch die bunte Urbevölkerung, klimatische und Bodenverschiedenheit hineingekommen zu sein. Wo, wie in Hochschottland und Nordirland die Viehzucht fast allein Lebensunterhalt bot, finden wir den mongolischen Com- munismus und das Patriarchenthum, mit häufigen Kriegen und Stammesfehden und der Blutrache stark ausgebildet. Wo phö- nizische und griechische Seefahrer Bergwerke und Handel ein- geführt hatten, wie an den Küsten von Spanien, der Bretagne, Wales und Westirland, da entstehn gewerbfleißige, friedliche Landstriche, Schiffahrt und Handel. In fruchtbarem Binnenlande entstehn keine Dörfer, sondern umwallte Städte, in welchen Ackerbauer wohnen, und kleine Königreiche, und durch deren Fehden unter einander ein Lehnsadel und Eroberungskriege, also Staaten von wachsender Größe, besonders in Gallien. Das Uebereinstimmende erscheint, außer im Sprachbau und Wurzeln, besonders in der Religion, in der Bearbeitung der Erze(neben der Bronze schon das Eisen) in der Kriegskunst, in der etwas höheren Stellung der Frauen und in der stolzen Ueberschätzung des eignen Volkes über alle andern, welche die Nachahmung des bei andern Völkern Vorzüglichen erschwert. Da die keltischen Völker alle auf Halbinseln oder Inseln wohnen, oder ziemlich geschlossene Grenzen haben, bildeten sie früh abgeschlossene Nationalitäten, selbst ohne politische Einheit, und so oft sie auch von fremden Völkern unterjocht und mit ihnen vermischt wurden, bildete sich doch bald eine neue geschlossene Nationalität aus der Mischung. So sieht man es denn vielfach bestäsigt, was wir zur Er- klärung der Verschwommenheit der deutschen Nationalität in Deutschland selbst angenommen hatten, daß nämlich der natür- liche Grund davon der Mangel einer geschlossenen Grenze ist. Diese Grenze wird oft verschoben, durch Kriege und politische Schicksale bald erweitert, bald verengert. Bei der Erweiterung werden stets sremdarttge Volksstämme und Volkszüge, geistige ! und sittliche Eigenthümlichkeiten der Fremden eingestreut, bei der Verengerung gehen dem werdenden Volksthum werthvolle Stämme mit ihren Leistungen für die nationale Kultur mehr oder weniger verloren. Es wechseln infolge dessen die Politik, die Religion, die Kulturbestrebungen. Das Volksthum wird vielseitiger, bieg- samer, nachahmender, aber weniger selbstständig und charaktervoll. Seine Kulturentwickelung geht langsamer vonpattcn, stellenweis und zeitweis mehrfach zurück; es fehlt ihm an Selbstvertrauen und Klarheit, aber seine Anlage wird reicher. Solch' ein Volk ist nicht zur Beherrschung der Welt geeignet, wohl aber zum Lehrer der Völker, zum endlichen Stifter des ewigen Fridens auf Erden. Vermischtes. — Ueber das Bier sonst und jetzt bringt die„Allgem. Chemiker Zeitung" einen interessanten Artikel, dem wir nach- stehende Zeilen entnehmen: „So oft man Beschreibungen von Festlichkeiten aus früherer Zeit zu lesen Gelegenheit hat, erstaunt man unwillkürlich über die außerordentlichen Quantttäten von Bier, welche dabei ge- trunken wurden: man findet es indessen nicht so unnatürlich, wenn ein Vergleich zwischen der Beschaffenheit dieses Getränkes aus dem vorigen Jahrhundert und solchem aus dem vorigen Jahre angestellt wird. Dieses wird durch die Angaben des 1737 zu Berlin gestorbenen Hofraths Professor Caspar Neumann möglich. Neumann, eine allseitig anerkannte Autorität in seinem Fache, war der Gründer der chemischen Pharmakognosie, der erste Apo- theker und Chemiker, welcher seine wissenschaftlichen Werke in I deutscher Sprache schrieb und darin, also vor 150 Jahren, die � Verfälschungen von Lebens-, Genuß- und Heilmitteln mit sehr scharfer Kritik bekämpfte. Welchen Werth er einem gesunden I extraktreichen Bier beimißt, geht aus den folgenden Worten her- vor:„es ist insonderheit uns Deutschen am Biere, ich meine an gutem, gesundem Biere, verständigen Brauern und wohlbestellten Bräuhäusern fast ebensoviel, wo nicht noch mehr, daran gelegen, als an guten Apotheken und guten Mcdicamenten." Neumann, der bei der Beurtheilung der Biere großes Ge- wicht auf deren Hopfengehalte legte, untersuchte 15 verschiedene j damals in Berlin gebräuchliche Biere auf ihren Gehalt. Die I Grenzen, innerhalb welcher fich die Bestandtheile dieser Biere be- wegten, waren für Alkohol von 0,85— 2,84 o/g für Extract von 3,12— 11,080/,, während der Gesammtdurchschnitt: für Alkohol 1,780/,, für Extract 6,40 o/g für Wasser 91,82 o/o Slellen wir diesen Angaben gegenüber die Untersuchungs-Re- sultate von 15 unserer besten jetzt gebrauten Biere. Sie sind entnommen aus dem„Jahresbericht über die Leistungen der che- mischen Technologie für das Jahr 1876." Es waren 1. Schwe- chater Export, 2. Liesinger Export, 3. Brünner Lager, 4. Pil- sener Export(Actienbrauhaus), 6. Dreher's böhmisch Bier, 7.! Leitmeritzer Lager, 8. Olmützer Lager, 9. Münchener Bock, 10. Hamburger Lager, 11. Münchener Saloator, 12. Culmbacher, 13. Nürnberger, 14. Ale, 15. Porter. Diese 15 Biere zusammengestellt mit jenen von Neumann er-! geben Folgendes: Alkohol. Extract. Frühere Biere 0,85— 2,84o/o, 3,12— 11,080/, Jetzige Biere 3,22— 9,720/,, 4,78—9,780/, Der Gesammtdurchschnitt beträgt demnach bei früheren, jetzigen Bieren für Alkohol 1,78o/,, 4.12o/„ für Extract 6.40»/,. 6,38 o/� Die wichtigen Schlußfolgerungen, welche hieraus gezogen werden, sind folgende: während früher auf 1 Theil Alkohol 3,6 Theile Extract kamen, entsgllen jetzt auf 1 Theil Alkohol nur 1,55 Theile Extract, d. h. der Extractgehalt der Biere hat in seinem Verhältnisse zum Alkohol seit 150 Jahren um ca. 50»/». abgenommen. gerner ist deutlich zu ersehen, daß, während früher der höchsie Alkoholprocentsatz 2,85 betrug, jetzt diese Zahl dem nie- drigsten Alkoholsatz unserer Biere entspricht, denn höchst selten trifft man Biere, die wesentlich weniger als 2,850/, Alkohol enthielten. Der Hauptunterschied der Biere wurde ftüher durch den Extractgehalt bedingt, jetzt wird mehr Gewicht auf den Altohol-\ als auf den Extractgehatt gelegt. Aus diesen Betrachtungen ist leicht zu begreifen, daß die frü- Heren Biere der Gesundheit weit zuträglichrr gewesen sein müssen, als die jetzigen; noch günstiger für die älteren Biere stellt sich das Berhältniß, wenn die gewöhnlicheren Schenkbiere, welche nach 11 Analysen des Leipziger pharmazeutischen Kreisvereins auf 4-60/, Alkohol nur 3,55 bis 4,480/, Extract enthielten, zum Vergleiche gezogen werden; hier übersteigt sogar der Alko- hol den Extractgehalt. — Die Baumwoll-Fabriken auf dem europäischen Continent haben im Ganzen 19,000,000 Spindeln, während sich im bri- tischen Königreich deren 39,500,000 und in den Vereinigten Staaten 10,000,000 Spindeln befinden. Eine amerikanische Spindel ist für 63 Pfund berechnet, eine solche auf dem euro- � päischen Continent für 53, eine englische für 33 Pfund. In Großbritannien werden jährlich 1303,500,000, in den Vereinigten Staaten 630,000,000 Pfund verarbeitet. — Die indirekten Steuern in Preußen(wohl ge- merkt blos die für das Königreich— nicht die für das deutsche Reich bestimmten) ergeben nach dem Etat 1878— 79 eine Einnahme von 46,614,300 Mark, 225,300 Mark mehr als nach dem laufenden Etat. Zu diesen Einnahmen liefern A. die Reichssteuern(als Vergütung für Erhebungs- und Berwaltungskosten) die Zölle 5,213,270 Mark(— 11,180 Mark), Rübenzuckersteuer 1,702,420 Mark(+ 35,980 Mark), Salzsteuer 134,120 M.(— 3060 M.), Tabaksteuer 56,980 (— 8960 M.), Branntweinsteuer und Uebergangsabgabe von Branntwein 7,054,730 M.(+ 103,940 M.), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 1,987,560 M.(ch- 760 M),»u- sammen 16,149,080 M.(-|- 117,480 M.) B. Einnahmen für alleinige Rechnung Preußens: Antheil an der deutschen Wechsel- stempelsteuer 81,480 M.(— 4900 M.), Stempelsteuer 21,500,000: M.(1877—78), Erbschaftssteuer 4,800,000 M.(desgl.), Brücken-, � Fähr- und Hafengelder, Strom- und Canalgefälle 2,050,000 M. (4- 50,000 M.), Niederlage-, Krahn- und Wagegeld 190,000 M. (wie 1877—78), Controlgcbühr für Salz 46,500 M.(-) 1000 Mark), Hypotheken und Gerichtsschreibereigebühren im Bezirk des A.-G. zu Köln 990,000 M.(-ft 40,000 M.). Wirthschafts- abgaben in den hohenzollern'schen Landen 36,500 Mark(wie 1877—78), Strafgelder 240,000 M.{-f- 40,000 M.), ferner Verwaltungskostenbeiträge 390,000 M.(-f- 15,000 M.), Miethen 35,000 M.(-f 3000 M.), außerordentliche Einnahmen 105,740 Mark(— 36,280 M.), zusammen 30,465,220 M.(+ 107,820 Mark). Druck und Verlag der GenoffenschaftSbuchdruckerei in Leipzig.