U! >- T T >» Ir » n iT ti erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. AbonncmentZPreis str ganz Tentichland IUI. 69 Ps. pro Quartal. Monats»Abonnement? werden bei allen deutschen Postanstaltcn »ns den 2. u n d 3. Monat, und aus den ».Monat besonders angenommen: im »Snigr. Sachsen und Herzogth, Sachsen- Altenburg auch aus den lten Monat des Quartals ä 54 Psg. Inserate kfc. Bersammlungen dt. Petitzeile 10 Ps., lett. Prioatangelegenheiten und Feste pro Petitzeile 30 Ps. Vejtellungen nehmen an alle Postanstalten und Buch. Handlungen des In- u. Auslandes. Filial> Expeditionen. Rew-Bork: Soz.-dem»lr stienoslen- schaftSbuchdruckerci, IS« Eldridge Str. Philadelphia: P. Hab, 630 EortK 3-3 Strei.-t I. Boll, 112» Charlotte Str. hobolen N. J.: F. A. Sorge, 215 Washington Str. Chicago: A. Lansermaun, 7« Ovhourn-�.v-. Ean Franzisco: F. Sich,«ISO'b'arrell Str. London W.:£. Henzc, 8 New tr Golden Square. ßentrat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 140 Freitag, 30. November. 1877. M»» L Abonnements aus den„Vorwärts" pir den Monat Dezember zu 55 Pfennig werden bei allen d e u t s ch e n P o st a n st a l t e n, für Leipzig pr. Monat zu 60 Pf. bei der Expedition, Färberstr. 12 U, unserm Colporteur M. Ulrich, Hohe Str. 23, Hof pari., in den Filialen: Cigarrenladen desHrn.PeterKrebs, Ulrichsg.60, und Sattlerwerkst, am Königs- platz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: für -�olkmarsdorf, Yeudnitz, Zleuschönefetd ic. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr., für Connewitz K. bei Hackert, Kurze Str. 10 pari., für Kleinzschocher u. Umgegend bei Trost, Hauptstr. 10/1, für Thonberg bei B ös ch, Hospitalstr. 39/11, Leipzig, Zlenreudnitz bei Zschau, 151, für"Klagwih- Lindenau bei Frau «räfenstein, Aurelienstr. 3, für chohkis ic. bei A. Hermsdorf, Lindenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Papiermühle, angenommen. Für Verlin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf., frei in's Hans abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a, und bei Rüben ow, «runnenstr. 34, im Laden. Nochmals zur Marx'schen Werththeorie. Das Organ der Herren Konitzer, Mehring, v. Unruh und anderer Sozialistentödter, die„Magdeburgische Zeitung", bringt eine Erwiderung, und zwar ohne Quellenangabe der Böhmert'schen „Sozial� Correspondenz" nachgedruckt, auf unfern neulichen Leit- artlkel:„Zur Marx'schen Werththeorie." Das Blatt leugnet und verdreht seine eigenen Worte. Damals sagte die„Magdeb. Zeitung" nach der„Sozial- Correspondenz" wörtlich Folgendes: „Marx selbst, Lassalle, Dühring, Schäffle, F. A. Lange, kurzum alle wissenschaftlichen Sozialisten haben in ihr(in der Marx'schen Werththeorie) den Eck- und Grundstein des modernen Communismus erkannt, und so sehr war die deutsche Sozialdemokratie derselben Meinung, daß fie die These an die Spitze des Gothaer, noch heute giltigen Programms von 1875 stellte." Und zehn Zeilen weiter unten hieß es gleichfalls wörtlich: „Neuerdings aber haben mehr oder minder sotialisten- freundliche Schriftsteller, wie F. A. Lange, Dühring, Schäffle, Samter den gleichen Nachweis geführt(es handelt sich hier um einen Ausspruch der„Zukunft", der die Marx'sche Werththeorie zwar anerkennt, aber erklärt, daß die Begründung der sozialistischen Forderungen nicht mit dieser Theorie stehe und falle) und nun droht das Blendwerk so zu verblassen, daß es für agitatorische Zwecke nicht mehr verwendbar ist." Wir machten nun in unserer Nummer 134 auf den krassen Widerspruch aufmeiksam, der in obigen Sätzen liegt, und sagten: „Dühring, Schäffle, F. A. Lange werden zuerst als «wissenschaftliche Sozialisten" bezeichnet, welche in der Marx'schen Werththeorie„den Eck- und Grundstein des modernen Commu- nismus" erkannt haben; einige Zeilen weiter unten werden die- selben Namen als„mehr oder minder sozialistenfreundliche Schriftsteller" angeführt, welche„neuerdings" sich gegen die Maix'sche Wcrththeorie gewandt haben. Und in Bezug auf derartige Widersprüche und Fälschungen sprachen wir von Unwissenheit und Niedertracht. Nun kommt die„Magdeburgische Zeitung" und sucht sich rein zu waschen durch folgende geradezu unsinnige Verdrehungen:f „Wir sollen uns der„Unwissenheit und Niedertracht" schuldig gemacht haben, indem wir behaupteten, daß die Wissenschaft- lichen Sozialiften F. A. Lange, Dühring und Schäffle„in der Wcrththeorie von Marx die Eck- und Grundsteine des mo- deinen Communismus erkannt" und daß dieselben Männer „die Hinfälligkeit dieser.Theorie nachgewiesen" hätten." Esjvll hier in dieser gewundenen Erklärung gesagt werden, daß die Herren Lange, Dühring und Schäffle nur den Eckstein des modernen Communismus in der Marxschen Werththeorie „erkannt", aber die Werththeorie selbst geleugnet hätten. Wie kommt es denn aber, so fragen wir, daß man Marx, Lassalle, Dühring, Schäffle und Lange zusammen nannte und allen wis- senschastlichen Sozialisten und der gesammten deutschen Sozial- demokratie das gleiche Erkennen unterstellte? Dies kommt ein- fach dadurch, weil man mit dem„Erkennen" zugleich das„Aner- bet ��k'schen Werththeorie, resp. daß dieselbe„der Eck- und Grundstein des modernen Communismus" sei, aussprechen wollte und aussprach— sonst wäre es schier lächerlich gewesen, Dühring, Lange und Schäffle zwischen Marx- Lassalle und den Gothaer Congreß einzuschieben. Daß man nun schließlich— weil es in dem Kopfe des Artikel- schreibers der„Sozial-Correspondenz" resp. der„Magdeburgi- schen Zeitung so dumm aussah, als ging ihm ein Mühlrad drinnen herum— wenige Zeilen später dieselben genannten Männer, und zwar diesmal völlig richtig,„mehr oder minder sozialistenfreundliche Schriftsteller" nannte, welche die Marx'sche Werththeorie„neuerdings" bekämpften, dies zeigt ja eben die bodenlose Unwissenheit, weil man damit zugleich erklärte, daß � früher Anhänger dieser Theorie gewesen seien. Dühring ist ja— siehe die Beilage unserer vorigen Nummer ~ bekanntlich ein Gegner der Marx'schen Anschauungen und wird deshalb vom Parteigenossen Engels widerlegt; er war wes aber immer. Schaffte war früher ein absoluter Gegner der Marx'schen �erththeorle und ist„neuerdings" von seiner absoluten Gegner- ichast zurückgekommen. er hii1«$?n.8e fpricht sich nirgends klar darüber aus, inwieweit weil ber Marx'schen Werththeorie zugesteht, inwie- nicht; neuerdings aber konnte er fie nicht bekämpfen, weil er leider schon einige Jahre verstorben ist. Vielleicht wäre � Senats gesichert ist, vollständig auf dem Boden der Verfassung. er sonst„späterhin" noch ein Anhänger der Marx'schen Werth-— Daß er die Macht hat, und daß er das„Recht"(das ver- theoric geworden. fassungsmäßige) hat, verdankt er beides den Herren„Republi- Danach bleibt, es mögen die„Sozial- Correspondenz" und kanern", die sich auf die eine oder andere Weise der„Logik der die„Magdeburgische Zeitung" in noch so rabulistischer Weise' Thatsachen" werden fügen müssen— und zum großen Theil ihren Unsinn zu bedecken suchen, die„Unwissenheit und die Niedertracht" bestehen, und deshalb noch in markirterer Weise, weil von jenen Blättern der Versuch gemacht worden ist, durch Ver- drehungen ihre� eigenen, früher ausgesprochenen Mei- nungen zu fälschen. schon gefügt haben. Kommt es zu einer Auflösung— was sehr wahrscheinlich- so wird Herr Gambetta entdecken, daß seine Beschimpfung der Sozialisten eine noch größere— Dummheit war als weiland die Tirade von den„400". Obiger Correspondenz fügen wir Nachstehendes an: Das in Paris erscheinende sozialistische Blatt„Egalitä" schreibt unter'm 25. ds.: „Von verschiedenen Seiten erhalten wir Proteste gegen die Aus Frankreich. B. Paris, 26. November 1877. Ein unerhörter Skandal trug sich am 14. ds. Ms. in der: verläumderischen Beschuldigungen, die Jules Ferry und Gam- Dcputirtenkammcr zu Versailles zu Die französischen Sozia- betta m der Deputirtenkammer gegen das Mamfes: der Sozial- listen, die Unterzeichner des sozialistischen Programm-Manifests! demokratie des Seine-Departements gerichtet haben. Wir können der Seine-Wähler, sind in unwürdigster Weife verläumdet wor- uni® diesem Proteste nur�anschließen. den— von wem? Von den Bonapartisten? Nein. Von den Klerikalen? Nein. Sie sind feige verläumdet worden von Män- nern, die sich Republikaner nennen, von gemästeten Bourgeois (pur des bourgeois repus), die Leon Gambetta*), Jules Ferry und Consorten heißen. Die militante(kämpfende) Demokratie hat bereits geantwortet! tigen müssen."_ „lieber den innern Werth des betr. Dokuments wollen wir uns nicht aussprechen. Von den Unterzeichnern aber kennen wir eine so große Anzahl persönlich, daß wir das Angriffssystcm, dessen sich unsere Antichambre Republikaner gewohnheitsmäßig zu bedienen scheinen, ganz entschieden der Fälschung bezich- Buffenoir, einer der Verfasser des sozialistischen Programm- Manifests hat einer Anzahl von Arbeitern, die ihn ersucht, der Verläumdung entgegen zu treten, wie folgt geantwortet: „Bürger! Sie wünschen, daß ich die infamen Worte zurück- weise und widerlege, die in der Sitzung des 14. November in der Deputirtenkammer bezüglich des Programm-Manifests aus dem Munde der Herren Gambetta und Ferry gefallen sind. „Ich danke Ihnen, daß Sie an mich gedacht haben, um diese Pflicht zu erfüllen. Aber ich muß Ihnen sagen, daß es unser, der demokrattschen, revolutionären Republikaner unwürdig wäre, uns auf Argumentationen einzulassen mit diesen beschränkten Bourgeois, mit diesen unehrlichen Schönrednern(ces rheteura de mauvaise foi); mit diesen Leuten, welche die Lüge destilliren wie die Schlange das Gift. „Das einzige Argument, das wir gegenüber dieser Menschen-- forte(cette tourbe iniime) anzuwenden haben, ist das, welches St. Just im Jahr 1793 anrieth: „Was diesen erbärmlichen Heuchlern gebührt, das sind weder Erklärungen, noch Vernunftgründe, sondern Hiebe mit der Reitpeitsche. „Empfangen Sie, Bürger, die Versicherung meiner Er- gebenheit. Paris, den 17. November 1877. Hippolyte Buffenoir." und wird noch weiter nach Gebühr antworten auf die niedrigen Beschimpfungen(injnres de bas ötage), welche die reaktionären Opportunisten(Rechnungsträger) gegen überzeugungstreue, ehren- hafte Bürger geschleudert haben, die sich nicht mit banalen (seichten, abgedroschenen) Phrasen begnügen, sondern die revo- lutionären Theorien auf die Wirklichkeit angewandt wissen wollen. Der Sozialismus macht gegenwärtig in Frankreich bedeu- tende Fortschritte. Ter Sozialismus, dessen Existenz der Bour- gcois Gambetta geleugnet hat, stört den Schlaf der Politiker des 4. September, die Frankreich regieren möchten, wie Bonaparte es regiert hat. Um sich von ihrer Angst zu befreien, suchen die feigen Opportunisten die prinzipiellen Republikaner anzuschwärzen: sie sagen, die Polizei sei die Urheberin der sozialistischen Be- wegung in Frankreich. Kräftige Proteste erscheinen seit einigen Tagen in den hie- sigen Zeitungen. Uebrigens bedarf es derselben kaum, denn daS Volk, das arbeitende, seiner Klassenstellung bewußte Volk weiß was cS von den Lügen der Herren Ferry und Gambetta zu halten hat. Mögen diese Herren nach Herzenslust schimpfen und ver- läumdcn. Der Sozialismus steht ihnen Stint an Stirn gegenüber; sie werden sich, wohl oder übel, vor ihm zu beugen oder von der Bühne zu verschwinden haben. Der Tag naht, wo die Verläumdcten, die Parias der Gesellschaft, welche man so schäm- los beschimpft, kein Mitleid empfinden werden für die Ver- läumder.— Und nun noch Einiges über die letzten Theatervorstellungen auf der Parlamentsbühne. Vom Grcvy'schen Antrag und der „titanischen Redeschlacht", die aber au koud nur ein harmloser Froschmäuslerkrieg war, brauche ich Ihnen nicht zu schreiben. Genug, die„Republikaner" hatten den„Sieg": die beschlossene Untersuchungscommission war der Krupp'sche Dampfhammer, der das Mac Mahon'sche Regiment in Atome zerschlug. Ja Dampf, aber kein Hammer. Rededampf, blaue Dünste. Kaum hatten die tapferen Schwätzer den kühnen Beschluß gefaßt, da fiel ihnen das Herz in die Schuhe; sie erklärten eine Anzahl von beein- flußten Wahlen, die vor die Untersuchungscommission gehört hätten, für gültig, und verweigerten es, die Freilassung Bonnet- Duvcrdiers aus der Haft zu beanttagen, oder einen dahin zielenden Antrag zu unterstützen. Am 15. ds. wurde der Antrag Grövy mit 320 gegen 203 Stimmen von der Deputirtenkammer angenommen. Am nämlichen Tage wählte der Senat vier Anhänger Mac Mahon's zu Senatoren. Den 16. November wählte die Majorität der Deputirten- kammer lauter„Republikaner" in die Untersuchungscommission. Den 19. November siegte die Regierung im Senat mit 155...W„....._________; gegen 130 Stimmen. oaß der Angreifer seiner Sache selbst nicht sicher gewesen sei. Inzwischen hatte Mac Mahon, gerührt durch die Zahmheit Sie werden mir zugeben, Herr F. R., daß Sie ein bischen un- der„Republikaner", das Ministerium Broglie-Fourtou entlassen vorsichtig waren, und daß mir, zumal einem anonymen Gegner und die Zusammensetzung eines sogenannten„Geschäftsministe- gegenüber, die Voraussetzung einer absichtlichen Fälschung nicht riums", d. h. eines Ministeriums, bestehend aus reaktionären verargt werden kann Entgegnung auf„Die Motive des Sozialismus" von F. R.*) Die Redaktion des„Vorwärts" hatte die Freundlichkeit, mir zur Vertheidigung meiner in diesem Blatte angegriffenen Thesen über„Sozialdemokratie und Kirche" die Spalten ihres Blattes zur Verfügung zu stellen.**) Nachdem nun mein Gegner in einer Reihe von Artikeln seine Anschauungen entwickelt hat, mache ich von dem mir gewährten Rechte Gebrauch, indem ich mir zugleich vornehme, mich möglichst kurz zu fassen. � Mit Vergnügen constatire ich, daß die Entgegnung des Herrn F. R. im Ganzen ruhig und sachgemäß gehalten ist. Es ist mir dadurch möglich gemacht, in gleicher Weise zu antworten. Der Unterschied gegen früher ist so groß, daß ich versucht sein könnte zu glauben, ich hätte einen ganz andern Gegner vor mir.— Mit aufrichtiger Freude habe ich die Erklärung des Herrn F. R. gelesen, daß die von mir gerügten Abweichungen vom Texte meiner Thesen durch übereiliges Abschreiben veranlaßt seien. Ich denke stets gern das Beste von meinen Nebenmenschen und hätte lieber eine andere Erklärung als die einer absichtlichen Berän- derung versucht; allein der Umstand, daß gerade der Stil der betreffenden These bemängelt wurde, machte es mir undenkbar, Nullen, angeordnet. Eine Hand wäscht die andere: als am 20. November in der Deputirtenkammer der Antrag gestellt wurde, die Sitzungen„in Abwesenheit einer regelmäßigen Regierung" bis zum 22. zu vertagen, hatte die„republikanische" Majorität sich so ziemlich verduftet— der Antrag ging bloß mit einer Mehrheit von 2 Stimmen(233 gegen 231) durch. Nach dieser Blamage bekamen die„Republikaner" plötzlich wieder Muth: sie glaubten gemerkt zu haben, daß sich mit dem Marschall reden lasse und daß das Reden nicht gefährlich sei, und— eine neue Redeschlacht wurde geliefert. Mit großem Vergnügen nehme ich, da ich Ihrer Versiche- rung unbedingt Glauben schenke, den Vorwurf der Fälschung zurück. Ich dachte dabei gar nicht an eine Alterirung des Sinnes. Sie bemäkelten wesentlich nur den Ausdruck, und Sie wissen selbst, daß Fälschungen zu diesem Zwecke leider nicht selten sind. Aber ich wiederhole, ich freue mich herzlich, daß ich mich geirrt habe. Beiläufig bemerke ich noch, daß ich mit dem Stil meiner äußerst flüchtig hingeworfenen Thesen so wenig zufrieden war, daß ich vor dem Beginn der Debatte mich deshalb entschuldigte und erklärte, ich gäbe die Form meiner Thesen willig preis, stünde aber entschieden für den wesentlichen Am 24.(vorgestern) beschlossen die„Republikaner" mit 323 Inhalt derselben ein. gegen 208 Stimmen, daß das neue Ministerium das Vertrauen passant noch die kurze Bemerkung, daß Sie meine Er- des Landes nicht habe. klärung in Betreff der Ausdrücke„intellektuelle, bezw. wirth- Am selben Tag begrüßte die Mehrheit des Senats das-- 7— neue Ministerium mit lautem Beifall.*) Wir verweisen auf die Nummern des„Vorwärts" Nr. 123, 125, Und what next? Was nun? 1 t � Mac Mahon ist nicht bloß Herr der Situation, weil er die J �r- 117 tagten mir bei Gelegenheit einer„Entgegnung" des Macht hat, er bewegt sich auch, da ihm nun die Majorität des dm in"semen These� Li —- ihm mit Vergnügen die Spalten des„Vorwärts" zur Verfügung stellen *) Gambetta, der vor dem 4. September 1870 spindeldürre war, würden. Wir thun dies hiermit ohne jegliche Bemerkung unsererseits, ist heute so fett, daß er beim Gehen„wie eine gemästete GanS" überlassen vielmehr unserm Parteigenossen F. R. das Wort seiner Zeit watschelt. � zu einer Erwiderung. R. d.„V." chaftliche, und moralische Verirrunz" nicht ganz richtig aufge- sfaßt haben. Bei nochmaligem Lesen wird Ihnen das nicht ent- gehen.— Gefreut hat es mich, daß Sie den allerdings mißoer- ständlichen Ausdruck„Verkeilung" in meiner ersten These nicht vom„Theilen" verstanden haben, wie das Andere gethan haben, welche eine Anschauung bei mir voraussetzten, deren Gegentheil ich bei der Debatte energisch vertheidigte. Sie greifen zunächst den von mir gebrauchten Ausdruck: „unter Berufung auf die angebliche Gleichheit aller Menschen" an und meinen,„ich imput'.re den Sozialdemokra- ten damit eine Absurdität". Ich sehe soeben aus den Berichti- gungen in Nr. 133 des„Vorwärts", daß Sie den Ausdruck „völlige" als einen Druckfehler bezeichnen. Ich hatte denselben auch nicht gebraucht. Nein, so wert gehe ich nicht, diese Ansicht, daß die Menschen völlig gleich seien, den Sozialdemokraten beizumessen. Dagegen fühle ich mich durch Ihr Citat aus Lafsalle's„Die Wissenschaft und die Arbeiter" durchaus nicht geschlagen. Denn das werden Sie mir nicht abstreiten, daß die heutige Sozialdemokratie weit über Lassalle hinausgegangen ist. — Ich hätte mir die Sache viel leichter machen können, wenn ich das Wort„angeblich" einfach weggelassen hätte; denn als- dann hätten Sie den von mir gebrauchten Ausdruck nicht an- fechten können. Warum aber gebrauche ich das Wörtcheu„an- geblich"? Eben weil ich damit andeuten wollte, daß die Sozial- demokratcn den Begriff der Gleichheit aller Menschen überspannen. Herr Liebknecht, unstreitig einer der begabtesten Führer der heu- tigen Sozialdemokraten, sagt in seiner Rede„Zu Trutz und Schutz" S. 29:„Die Talente sind gleichmäßig unter die Men- schen ausgestreut— es ist dies eine Wahrheit, die durch die Wissenschaft über jeden Zweifel erhoben wird, und an der wir festhalten müssen, weil sie die Basis der sozialistischen und demokratischen Weltanschauung bildet." Man kann mir entgegnen, daß die erste Hälfte dieses Satzes, dessen Richtigkeit indessen durchaus nicht über allen Zweifel er- haben ist, auch anders verstanden werden kann, als von der ungefähr gleichen Begabung der Menschen. Allein der Nachsatz, wonach die angebliche Thatsache, daß die Talente gleichmäßig unter die Menschen ausgestreut seien, die Basis der sozialisti- schen und demokratischen Weltanschauung bilden soll, dürfte doch kaum eine andere Auslegung gestatten, als die von mir ange- deutete, wonach die Menschen nahezu gleichbegabt wären. Sicher- lich kann man es Niemandem verargen, wenn er aus solchen Aeußerungen den Schluß zieht, die Sozialdemokraten übertrieben es mit der behaupteten Gleichheit der Menschen. Und sind Sie nicht auch der Meinung, daß die große Masse Ihrer Parteige- Nossen solche Aussprüche sogar im Sinne einer völligen Gleich- heit verstehe? Ich für meine Person verstehe sie so nicht. Herr Hasenclever, ein anderer hervorragender Führer Ihrer Partei, sagte in einer am 29. Oktober 1871 zu Berlin gehalte- ucn Rede(„Neuer Sozialdemokrat" 1871, Nr. 54):„Da die Menschen nach der Entwicklung der zweiten Form des Sozialis- mus(wo derselbe streng genommen zum Communismus geworden wäre) sich so ziemlich auf gleicher Stufe der Bildung befinden und annähernd gleiche Bedürfnisse haben werden, so ist dieser Schritt nicht schwierig." Was setzt dieses„sich auf gleicher Stufe der Bildung befinden und annähernd gleiche Bedürfnisse haben", voraus? Doch gewiß eine hochgradige Aehnlichkeit aller Menschen in Bezug auf geistige und körperliche Anlagen. Denn ohne die Annahme einer solchen, fast„völlige" Gleichheit zu nennenden Aehnlichkeit wäre es undenkbar, daß die Menschen je „sich so ziemlich auf gleicher Stufe der Bildung befinden und annähernd gleiche Bedürfnisse haben werden". Oder wäre Herr Hasenclever der Meinung, daß alle Menschen im sozialdemokra- tischen Zukunftsstaate künstlich auf den: untersten Niveau der Bildung zurückgehalten werden sollten, damit das Prinzip der möglicksten Gleichheit ja nicht verletzt werde? Nun,„eine solche Absurdität imputire ich den Sozialdemo- kraten nicht". Aber wenn Sie unbefangen urtheilen, so werden Sie zugestehen müssen, daß man es mir nicht verargen kann, wenn ich finde, es werde von sozialdemokratischer Seite der Ge- danke der Gleichheit ein wenig outrirt.— Wie aber, wenn ich gar auf dahin bezügliche Aeußerungen Ihrer weniger gebildeten Parteigenossen Rücksicht nehmen wollte? Ich hätte dazu das vollste Recht. Denn unsere Conferenzberathungen, zu denen meine bescheidenen Thesen blos die Disposition bilden sollten, hatten nicht den Zweck, die sozialistischen Systeme, wie sie von Ein„�errenrecht". In diesem Blatte wurde jüngst an einem Gedichte Ernst Eckstein's gezeigt, welcher Art die geistige Nahrung ist, die unfern „höheren Ständen" geboten werden darf. Und in der That, es ist ein charakteristisches Zeichen der Zeit, wenn ein Blatt, zu dessen hervorragendsten Mitarbeitern der aristokratische Emanuel Geibel, und der fromme Pfarrer von Köstritz, Julius Sturm gehören, wenn ein Blatt, das zumeist von den jungen Mädchen unserer heutigen„Gesellschaft" gelesen wird, wenn ein solches Blatt derartige Ausgeburten einer wüsten, unreinen Phantasie bringen kann, ohne daß auch nur eine Stimme aus den Reihen der Leser dagegen Protest erhebt. Doch steht dieser Fall nicht vereinzelt da. Ich möchte die Aufmerksamkeit der Leser des„Vorwärts" heute auf ein neues schamloses Produkt unserer modernen Literatur lenken, das sich des ungetheiltesten Beifalls der höheren Stände zu erfreuen hat. Es ist eine„Novelle in Briefen" des bekannten Wiener Feuille- tonisten Spitzer,„Herrenrecht" betitelt. Die Verbreitung des Büchleins ist so stark, daß der Verleger in vier Wochen bereits 5000 Exemplare verkauft hat. Kein Wunder also, daß in allen Salons unserer feinen Gesellschaft dieses„Herrenrecht" als das bedeutendste literarische Tagesereigniß auf das Lebhafteste dis- klitirt wird., m r.. Der Inhalt ist in Kürze folgender: Em lunger Graf ist. nachdem thm von seinem Oheim die Schulden bezahlt sind, auf das Landgut des letzteren geschickt worden, auf dem er sich natürlich sofort entsetzlich langweilt,„da auch nicht zu der kleinsten unglücklichen Liebe Gelegenheit ist." Doch diese bleibt nicht lange aus. In der Dorfkirche findet er eine Maid, wie geschaffen zu einer„unglücklichen Liebe" auf die Dauer von einigen Wochen. Sie ist allerdings verlobt, doch was kümmert das unfern jungen eroberungslustigen Grafen, besonders da der Bräutigam ein wahres Scheusal von einem Menschen ist— wenigstens nach der satyrischen Beschreibung des Autors. � Dieser Bräutigam Severin verfaßt zudem noch klerikale Broschüren und arbeüct grade an einem Werk, in dem er das Mittel- alier von seinem„größten Schandfleck" reinigen will. Er will nämlich nachweisen, daß das jus primae noctis, das die bösen Liberalen dem Mittelalter vorwerfen, gar nie existirt habe. Spitzer läßt seinen Grafen folgendermaßen an seinen Freund schreiben: „Ungeachtet der lateinilchen Bezeichnung brauchte man, wie Du vielleicht weißt, kein Gelehrter zu sein, um dieses llus aus- zuüben. Man bezeichnet damit das Recht, das sich unsere Ahn- einzelnen hervorragenden Leitern Ihrer Partei aufgestellt worden sind, einer Prüfung zu unterziehen. Nein, wir wollten blos an der Lösung der Frage mitarbei- ten: was die Kirche gegenüber der sozialdemokratischen Bewegung in unserm Volke zu thun habe. Und dabei interessiren uns vor- wiegend die Anschauungen der großen Masse, welche erfahrungs- gemäß gewöhnlich die Ichranken der grauen Theorie durchbrechen und eine Wirklichkeit des Lebens zu schaffen pflegen, von der die Theoretiker sich nichts träumen lassen. Doch ich will mich dieses Argumentes gegen Sie nicht be- dienen. Es giebt aber etwas, was bei der Entwicklung der heutigen Sozialdemokratie von prinzipieller Bedeutung ist: die entschiedenste Hinneigung zur materialistischen Weltanschauung, und insbesondere auch zur Darwinistischen Hypothese, oder rich tiger gesagt, zum„Häckelismus". Nun lesen Sie im„Volks- staat" 1873 Nr. 31:„Die Darwin'sche Theorie ist eine wichtige Stütze für den Sozialismus, sie ist, so zu sagen, unbewußt die Sanktion desselben von Seite der Naturwissenschaft; denn was ist wohl schließlich die Haupterrungenschaft oder die praktische Bedeutung der Darwinschen Lehre: neben dem tiefgeistigen Einblick in das Wirken der organischen Natur überhaupt doch gewiß nur die strikte Anerkennung des Satzes von der Gleichheit aller Menschen." Sind Sie der Meinung, daß auch hier blos von der Rechtsgleichheit die Rede ist? Diese braucht doch in unseren Tagen nicht mehr durch die„Darwin'sche Theorie" sanklionirt zu werden! Sie sagen:„eine solche Absurdität(daß die Sozialdemo- kraten sich auf eine angebliche Gleichheit aller Menschen be- riefen) wagte uns selbst Herr Professor Gareis in Gießen nicht zu imputiren." Ich' habe sein Schriftchen nicht gelesen; aber Sie selbst erzählen, daß er die Sozialdemokraten damit all ub- surdum zu führen suche, daß er nachweist, jene Annahme(der Gleichheit aller Menschen) sei eine unvermeidliche Consequenz des sozialdemokratischen Systems. Herr Professor Gareis ist nicht der Erste und nicht der Einzige, der das erkannt hat. Seine Bemerkung ist aber so unbestreitbar richtig, daß man füglich be- haupten könnte: es hieße den Sozialdemokraten die größte In- consequenz imputiren, wenn man sagte, sie leugneten trotz ihrer ausgesprochen communistischen Tendenzen die Gleichheit aller Menschen. Wer die Schlußfolgerung will, muß auch die Prämisse wollen, oder er macht einen logischen Schnitzer. Hoffentlich haben Sie aus dem Gesagten ersehen, daß ich nicht so leichtfertig, wie Sie meinen, behauptet habe: die Sozial- demokraten beriefen fich auf eine angebliche Gleichheit aller Menschen, d.h. auf eine Gleichheit, welche zwar keine völlige, aber doch eine so bedeutend weitgehende sein müßte, wie wir sie auf dem Grunde der Erfahrung nicht annehmen können. Denn das, und nichts Anderes, habe ich sagen wollen. Habe ich darin geirrt, so dürfen Sie nicht mich anklagen; Jyre Vorwürfe müßten sich einerseits gegen Ihre eigenen unvorsichtigen Par- teigenossen richten, andererseits gegen die Gesetze der bisherigen Logik. Auch ich, geehrter Herr, kenne eine Gleichheit aller Menschen: die Gleichheit vor Gott, in welcher die Rechtsgleichheit mit ent- halten ist, und ich rühme es als ein großes Verdienst des Chri- stenthums, daß es diese Gleichheit gelehrt und derselben Auer kennung verschafft hat, lange bevor die französische Revolution das Schiboleth:„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" auf ihre Fahne geschrieben hatte. (Fortsetzung folgt.) Sozialpolitifchs Ueberstcht. — Der Held von Bolanden und Kirchheim hat in Breslau einen Vortrag gehalten, in welchem er die Gefahr einer „inneren Revolution" auch für Deutschland in Hinweis auf die Sozialdemokratie als vorhanden betonte. Und der Held meinte nicht etwa eine Revolution, die sich im Leben des Volks voll- zieht, nein, er meinte eine blutige, eine Barrikadenrevolution; denn er sprach von ihr als dem Hinderniß, die drückende Militär- last herabzumindern. Armer Bim-Bam-Bamberger! Weißt du nicht, wie muthig du 1849 geflohen bist, wie du die langen Beme noch länger machtest? Wie lächerlich, Militär gegen solche Revolutionäre anwenden zu wollen, gegen sie wäre der Lasker'sche Knüppel gut gewesen. Aus dem Munde eines notorischen Feig- Herren herausgenommen haben sollen, bei ihren Unterthanen in der Brautnacht die Pflichten des eben angetrauten Gatten zu erfüllen. Da die Bauern damals ohnehin nicht viel anders, als das liebe Vieh behandelt wurden, wäre es immerhin sehr möglich, daß unsere Vorfahren kein Bedenken trugen, denselben auch die betreffenden Hörner aufzusetzen....... Wir Söhne des neunzehnten Jahrhunderts haben es allerdings weit bequemer, als ein Herr des vierzehnten oder fünfzehnten Jahrhunderts, denn wir holen heute ganz einfach eine Ballettänzerin uns, was denn aber freilich wegen der weit größeren Reinlichkeit, die die- selben vor den Bäuerinnen des Mittelalters voraushaben, auch viel kostspieliger ist." Wie sich das Weitere entwickelt, kann man sich leicht vor- stellen. Severin hat für nichts anderes Sinn als für sein Werk, in das er, Dank der Erfindungsgabe und dem Humor Spitzer's, die tollsten Dinge hineinbringt. Nach Vollendung des Werkes soll die Hochzeit sein; der Graf und Severin's Braut wissen die Zeit bis dahin nicht besser auszufüllen, als daß sie sich nach Herzenslust lieben und küssen. Endlich wird Seoerin mit seinem Werke fertig, die Hochzeit findet statt, und in der Nacht soll die Hochzeitsreise der beiden jungen Ehegatten nach Wien gehen. Natürlich nimmt der liebens- würdige junge Graf, dringender Geschäfte halber in Wien, daran Theil. Auf dem Wege zum Bahnhof vermißt Severin sein Manuskript, kehrt um, und dieses Stündchen bis zur Rückkehr des Gatten benutzt der Graf, die junge Frau zu unterhalten. Er schleicht sich leise auf ihr Zimmer; doch lassen wir ihn selbst erzählen; er schreibt an seinen Freund: „Ich wollte sie umarmen, aber sie entwand sich mir furcht- sam und wiederholte mehrere Male und immer leiser: Ich bin Severin's Frau!— Ich will Dir lieber Paul, die Argumente, die ich gegen Severin und für unsere Liebe ins Treffen führte, nicht weiter berichten, denn sie werden Dir vielleicht nicht so überzeugend klingen, als sie waren, und ich könnte sie Dir auch nicht mit solcher überzeugenden Kraft vortragen, wie ich sie vor- trug, denn ich faßte Monica bei der Hand während ich sprach und preßte diese an mein Herz und meine Lippen, ich schlang den Arm um ihren Leib, zog sie an mich und küßte sie leiden- schaftlich, und da ich wieder geliebt wurde, begann meine Logik immer unwiderstehlicher zu werden"----- Die Scheidestunde schlägt; der Graf„schleicht aus dem Hause wie ein Dieb, aber wie ein glücklicher �Dieb". Alle drei fahren zusammen in einem Coups erster Klasse nach Wien; der Ehe- mann schläft und schnarcht natürlich in voller Seelenruhe, wäh- rend die Beiden sich prächtig unterhalten. lings klingt deshalb das Lob der Tapferkeit nicht einmal gut, denn das wird indirekt den Sozialdemokraten daourch ertheilt, daß man gegen sie das große mächtige Militärsystem aufrecht erhalten will.— Doch wir wollen den Flüchtling von Bolanden beruhigen; es fällt den Sozialdemokraten nämlich gar nicht ein, das Volk auf die Barrikaoen zu Hetzen und dann muthig davon zu laufen. Wir wissen, daß unsere Ideen das gesammte Volk und selbstverständlich auch das Militär erfassen werden, und daß dann von einer„blutigen Revolution", bei welcher die Bam- bergers flüchten, nimmermehr die Rede sein kann.— Der Rili- tarismus dient uns vielmehr; jemehr nämlich das Volk die „drückende Militärlast" verspürt, desto schneller wendet es sich der Freiheit zu, jemehr auch die Soldaten selbst unter dem Drucke leiden, sesto schneller nähern sie sich uns— und die friedliche Umwälzung ist fertig. —„Gut geschimpft Mäxchen"! Wir lesen im jüngsten „Gewerkoerein" folgende Schilderunq der Sozialdemokratie, die dem deutschen Reichsphilister eine Gänsehaut verursachen wird, den Sozialdemokraten hingegen nur ein mitleidiges Lächeln ent- locken kann: „Das größte Unheil unserer Tage, welches über die Arbeiter gekommen, das ist die Landplage der Sozialdemokratie, jene Seuche verderblicher Irrlehren, welche die Grundpfeiler unseres wirthschaftlichen, sittlichen, staatlichen, religiösen Lebens zu unter» graben und umzustoßen trachten, und deren letztes Wort die Verkündigung einer grausen Biereinigkeit ist: kein Eigenthum, keine Ehe, kein Vaterland, kein Gott! An Stelle des Emzel- Eigenthums tritt der„Collektivismus", d. h. der Besitz einer Gemeinschaft; welcher? ist nicht ausgesprochen; anscheinend der Orts-Gemeinden, da der Staat schlechthin aufgehoben werden soll. An Stelle des Staates tritt die Verneinung jeder Macht, die„wahre Anarchie". An Stelle der Ehe tritt die freie Vereinigung von Männlein und Fräulein; die Kinder werden„Kinder der Gesellschaft". An Stelle Gottes tritt die Verwerfung alles Uebernatürlichen.„Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen." Nur ein Band darf auf Erden bestehen: die brüderliche Liebe, welche die Natur den Menschen einflößt!-- und welche die Pariser Commune blutroth bezeugt hat!!— Jenen innersten Kern der sozial- demokratischen Blendwerke und Truggewebe und jenes letzte Ziel unserer modernen Vandalen kennen und bekennen unter sich zwar nur die Wissenden; vor der Masse der Arbeiter hütet man sich noch den letzten Schleier zu lüften; doch dem Gebildeten darf diese traurige Wahrheit nicht verhohlen bleiben." „Landplage",„Seuche",„blutroth",„moderne Vandalen"— äußerst günstige Schmeichelnamen— thut nichts, das arme Mäxchen Hirsch muß ja sein Herzchen erleichtern, welches durch die verunglückte Geraer Comödie und durch andere verunglückte Spekulationen so sehr schwer geworden ist. Selbst der Ge- meinderath von Gera hat dem Versinkenden nicht unter die Arme greifen mögen, da in einer der letzten Sitzungen desselben ein Antrag, den ein Mitglied desselben, wahrscheinlich auf einen „Brandbrief" des edlen Mäxchens hin, gestellt hat, nachträglich für den antisozialisttschen Congreß 30 Mark zu bewilligen, ab- gelehnt wurde. Wenn die Antisozialisten schon bei den Ge- meinden betteln gehen, werden sie auch bald die Staatshülfe fordern, um die bösen Sozialisten zu bekämpfen.— Daß auf dem Genter Congreß sowohl, als auf allen sozialistischen Congressen die Staatsidee besonders betont worden ist und die„anarchischen Bestrebungen" immerwährend bekämpft worden sind, das braucht der„Gewerkoerein" natürlich bei seinen Schimpfereien nicht zu wissen; daß er den übernatürlichen Gott beibehalten will ist seine Sache— der Schritt zum Herrn Pastor Knak ist dann allerdings nicht mehr weit. —„Gebildeter" Pöbel. In Nr. 274 der fortschrittlich- liberalen„Hanauer Zeitung" vom 24. November findet sich eine Lokalnotiz, die wir wörtlich hier wiedergeben wollen. Sie lautet: „Hanau, 23. November. In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch wurde am Haus des Herrn Kappenmacher Häffner in der Nürnbergerstraße das Firmenschild desselben abgemacht und) fortgeschleppt. Die Schildmarder wurden jedoch in ÜnArnuti von' dem Schutzmann Herbert ertappt. Es waren diesmal zwei' königlich preußische Lieutenants und zwei Civilisten, Letztere, wie wir hören, Reseroelieutenants!!"— Wir wollen der Die Novelle schließt folgendermaßen: „Wir überhäuften uns mit den liebevollsten Vorwürfen und verziehen einander großmüthig, wobei ich immer für neue Sünden die Verzeihung Monica's in Anspruch nehmen mußte.— Als wir am ftühen Morgen in Wien anlangten, griff Severin prü- send an seine Brusttasche und sagte beruhigt: Gott sei Dank, ich habe mein.Jus primae noctis nicht verloren. Armer Tropf!— Lebe wohl, lieber Paul! Ich weiß, Du hast manchmal noch feudale Anwandlungen, das macht Deine Erziehung. Aber die Zeit, da unser Stand noch auf seine Vorrechte pochen durfte, ist vorüber. Wir wollen also nicht mehr in Privilegien die Bürg- schaften unserer Erfolge suchen, sondern diese durch unsere Ver-■ dienste erreichen. Ich weiß nicht, ob das niederträchtige Recht des Gutsherrn, von dem ich Dir soviel geschrieben, wirklich ein- mal bestanden hat. Aber ist es nicht schöner, den Erfolg, den jenes Herrenrecht gewährleistete, dadurch zu erringen, daß wir gefallen und geliebt werden? Noch einmal lebewohl, ich reise nach Rom, aber nicht als büßender Tannhäuser will ich den Pantoffel des Papstes küssen, sondern als wonnetrunkener Ge- sandtschafts-Attachö. Ich suche keine Vergebung für meine Sünden, sondern nur die Gelegenheit, sobald als möglich Urlaub zu erhalten und zu meiner lieben Frau Venus zurückzukehren." Das wäre also das Buch, das zur Zeit, wie bereits gesagt wurde, einen wahrhaft reißenden Absatz findet und das allge- meinste Interesse erregt. Und in der That, die Novelle ist unserm modernen Zeitgeschmack aufs Schönste angepaßc: Pikant,- geistreich, witzig und in Styl und Form meisterhaft componirt; aber über diesen glänzenden Flitterstaat soll man doch nicht den Kern und das Wesen der Sache übersehen. Und die Thatsache,! daß es möglich ist, den Inhalt eines solchen Buches zum Ge- genstand der Bewunderung der„eleganten Welt" zu machen, die Thatsache, daß diese Novelle ungescheut in die Hände der jungen Damen der„Gesellschaft" kommt und von diesen eben so ungenirt besprochen wird, diese Thatsachen sind das Zeugniß einer wahrhast erschreckenden Sittenverwilderung in unser» höhere» Ständen. Vier Wochen sind seit Erscheinen deS„Herrenrechtes" verflossen, 5000 Exemplare sind verkauft, und bisher hat sich auch uicht eine Stimme in unserer gesammten Presse vernehmen lassen, die fich gegen ein solches Produkt der Dichtkunst verwahrt hätte; Herr Dr. Paul Lindau ausgenommen, der meint,„die Moral der Geschichte sei nicht zu retten, aber noch nie sei etwas Unerzählbares so graziös erzählt worden." Das Graziöse entscheidet— tout le genre est bon, hors le genre ennuyeux —(jedes Genre ist gut, mit Ausnahme des langweiligen), ist ja der Wahlspruch dieser Herren. Daß übrigens die Herren „Hanauer Ztg." das„diesmal" gern verzeihen, da sie ja sogar die königlich preußischen Herren Lieutenants nebst zwei Civilisten mit gesperrter Schrift auszeichnet. Nun, die Herren waren jeden- falls ein wenig„angeheitert", und da doch„der Muth in der Brust seine Spannkraft übte", wußten sie im Augenblick nichts — Vernünftigeres zu thun, die Herren Oberlehrer der Bildungs- schule des Herrn Mottle! Oder sollten es am Ende doch So- zialdemokraten gewesen sein, bei denen so ein kleiner Fonds von Rohheit fich eigentlich von selbst versteht? Wer weiß!— o— — Wie's die Fabrikanten treiben. Der„Schwyzer Zeitung" schreibt man aus Ibach unterm 15. November:„Heute läßt Herr Fabrikant Becker von Morgens 6 Uhr bis Abends 10 Uhr arbeiten. Für den morgigen Tag ist den Arbeitern bereits ein gleichlautender Befehl mitgetheilt worden. Wenn die Stunde Essenszeit abgerechnet würde, wären wir also zu einer fünfzehnstündigen Arbeitszeit gezwungen. Wenn um 10 Uhr Nachts der Arbeiter die Arbeit einstellt, kommt er um halb 11 Uhr ungefähr nach Hause, kann schnell noch etwas essen, um sich dann um 11 Uhr zu Bett zu legen. Nach blos sechsstündiger Ruhe muß er um 5 Uhr früh sein Lager verlassen, um wieder fünfzehn volle Stunden seinen kaum gestärkten Körper dem„Wohle" seines„Herrn" zu opfern. Wohin soll der Ar- bester mit Weib und Kind ziehen, wenn ihni solche Qual nicht gefällt? Er hat keinen Ausweg, er muß. Mag er den Zwang in seinem Innern verwünschen, er darf nicht einmal klagen, er weiß wohl warum."— Die„Tagwacht" fügt dem hinzu: Wir möchten schließlich die öffentlichen Blätter bitten, von dieser Mit- theilung Notiz zu nehmen, damit die Bundesversammlung um so eher das Fabrikgesetz ausführe, wie es vom Schweizer- Volk beschlossen ist und nicht wie es den Fabrikanten gefällt, und zwar so, daß die Kinderarbeit sofort abgeschafft und der Normalarbeitstag sofort eingeführt wird, denn das Gesetz kennt gar keinen Vorbehalt. — Strang oder Guillotine? Das ungarische Ab- . geordnetenhaus hat am 24. und 25. d. M. bei Berathung eines Entwurfs des Strafgesetzbuches die Todesstrafe beibehalten. Die Deputirten waren aber so gnädig, zu beschließen, daß die Delinquenten hinfüro nicht mehr gehenkt, sondern geköpft werden sollen. — In Westbulgarien ist es den Russen gelungen, sich durch Umgehungsmanöver verschiedener wichtiger Positionen in der Näve von Orkhanie zu bemächtigen, wodurch der Vormarsch Mehemed Ali's zum Entsatz Osman's erschwert wird. Einem Telegramm zufolge hätten die Türken Orkhanie, das un- haltbar geworden, bereits geräumt. Sonst vom Kriegsschauplatz keine Nachrichten von Belang.— Auf diplomatischem Gebiet herrscht eine bedeutende Thätigkeit; die Wahrheit ist da schwer zu ermitteln, indeß so viel steht fest, daß die englische und die österreichische Regierung— erstere durch die Fortschritte der Russen in Armenien, letztere durch die Gefahr einer serbischen Kriegsaktion erschreckt— mehr und mehr aus ihrer reservirten Haltung heraustreten. Allein ehe in Bulgarien ein entscheiden- der Schlag gefallen, kann von einer Friedensvermittlung über- Haupt nicht im Ernst die Rede sein.— Das angebliche Jnter- ventionsgesuch der Pforte, welches dieselbe an die österreichische Regierung gerichtet haben sollte, hat sich als Zeitungsente ent- puppt._ — Nr. 5 der„Zukunft" enthält: Die Arbeitslöhne in Bel- gien. Von Louis Bertrand.— Die Werththeorie von Carl Marx. Von C. A. Schramm.— Maximilian Robespierre. Von Dr. Karl Brunnemann.— Die Proportional-Bertretung. Von C. Lübeck.— Polemik.— Rezensionen. — Zur Klarstellung der Dühring- Angelegenheit. Wir erhalten folgende Zuschrift:„Berlin, 24. November. Herr Dr. Dühring hat auch nach der öffentlich an ihn wiederhslten Aufforderung sich nicht veranlaßt- gesehen, diejenigen Personen namhaft zu machen, auf welche er mit den in seiner„Erklärung" vom 13. d. M. enthaltenen ehrenkränkenden Verdächtigungen wirklich abzielte, obwohl wir als Grund unseres Vorgehens an- führten, daß dieselben thatsächlich auch auf uns eine Auslegung erfahren hatten. Wir glauben dem gegenüber uns lediglich mit Kritiker sich hüten, Spitzer etwas am Zeuge zu flicken, ist sehr er- klärlich, sie kennen sehr wohl die spitze Feder des Wiener Feuille- tonisten, sie wissen sehr wohl, daß er die Lacher stets auf seine Seite zieht.— Jawohl, die Lacher, die mit einstimmen in alles das, was ihre Ssttenlosigkeit, ihre Eitelkeit witzig vertheidigt,— das sind dieselben vornehmen Herren mit den blasirten Gesichts- zügen, den feinen schmalen Händen und den eleganten Tournüren, die mit sittlichem Abscheu von der angeblichen„Weiber-Gemein- schafl" der Sozialdemokraten reden. Sie spotten ihrer selbst und wissen nicht wie! Das„Herrenrecht"! ein bezeichnender Titel für das Recht des Starken über den Schwachen, des Reichen über den Armen, es ist dasselbe„Herrenrecht", das die Töchter des Proletariats nach kurzem Genuß in die Arme der Prostitution wirft. Früher wurde derartiges doch noch vor den Augen der Frauenwelt ver- borgen gehalten; daß man jetzt derartige Apotheosen des Ehe- bruchs und der Prostitution an das helle Licht des Tages ziehen darf, und dabei noch allgemeinsten Beifall erntet, das ist der Beweis einer Sitten-Fäulniß, die jeden Unparteiischen aufs Tiefste empören muß. S. M. Die Attentätetatetuterei oder: Per blutige IJfrivatschreiber von Schonlanke. Wiff't Ihr schon?— das Attentat?— in Berlin?— Er- schrick nicht, lieber Leser!— es hat fich Gottlob bereits alles als„gänzlich erfunden" herausgestellt. Der vermeintliche Attentäter heißt Lukowski, ist seines Zei- chens ein Schreiberlein, kommt aus Schönlanke, wohnte früher einmal in der Cichorienstraße in Bromberg und die Indizien gegen ihn bestanden in einer anonymen, von„Damenhand"— man sagt von einer verlassenen mehr oder weniger Schönen— geschriebenen Denunziation, in welcher unser Schreiberlein be- schuldigt wurde, Se. Majestät den Kaiser und bei der Gelegen- heit auch Se. Durchlaucht, den Herrn Reichskanzler(wenn schon — denn schon, dachte die sich offenbar) durch einen Pistolen- schuß vom Leben zum Tode befördern zu wollen. Man sieht, alle Boraussetzungen eines raffinirt angelegten Attentatsplanes waren gegeben. Wenn der Attentäter trotz alle- dem d och kein Attentäter war, nun, dann ist das offenbar eben seine Schuld �und nicht die der wohllöblichen Polizei. Und das schönste ist, der Attentätetatetuter hatte bereits die der einfachen Constatirung dieses Sachverhalts begnügen zu müssen, dessen Beurtheilung wir nicht sowohl jedem Unparteiischen, wie ganz besonders dem— Moralisten Dühring anheimgeben. Namens des für Dr. Dühring im Sommer dieses Jahres thätig gewesenen Comites Fr. Adam, Dresdenerstraße 32, IV. Der Prozch Diest-Daber, über dessen Verhandlung vor dem Berliner Stadtgericht wir in Nr. 64 flg. des„Vorwärts" berichteten, kam am 22. d. vor dem Kammergericht in Berlin zur zweitinstanzlichen Verhandlung, über welche die Zeitungen(z. B. die„Frankfurter Zeitung" vom 24. November) wie folgt referiren: Der Angeklagte war bekanntlich beschuldigt, in Prioatunter- Haltungen, die er im vorigen Jahre mit verschiedenen Personen seiner Umgebung gepflogen hat, den Fürsten Bismarck sowohl durch die Verbreitung nicht erweislich wahrer verächtlich machender Thatsachen, als auch durch verschiedene Ausdrücke beleidigt zu haben. Die erhobene Anklage hatte sechs solcher Fälle aufgezählt. Die Unterhaltung in allen diesen Fällen drehte sich um die an- gebliche Consortialbetheiliguug des Reichskanzlers bei der preußi- schen Central-Boden-Kredit-Akticn-Gesellschaft. Die beiden ersten Anklagepunkte betrafen Gespräche des Angeklagten mit Dr. Rud. Meyer und mit Joachim Gehlsen, welch letzterer in einem an den Staatsanwalt Tessendorff gerichteten Schreiben als Denunziant aufgetreten war; der dritte Anklagepunkt hatte Bezug auf eine im Eisenbahncoupe gepflogene Unterhaltung des Angeklagten mit den Rittergutsbesitzern Freiherrn v. Hammer- stein, v. Bergell und Major v. Jena, der vierte betraf eine Aeußerung des Angeklagten zum Grafen v. Borcke bei Gelegen- heit einer Jagd bei Herrn v. Wedell-Malchow, der fünfte eine Aeußerung des Angeklagten im Hotel de Prusse zu Stettin wäh- rend des internationalen Pferdemarftes dortsclbst, und der sechste bezog sich auf eine Unterhaltung des Angeklagten mit dem Rittergutsbesitzer v. Bülow während einer Jagd in Camenz. Die dritte Kriminaldeputation des Stadtgerichts erkannte den Angeklagten der qualifizirten und einfachen Beleidigung nur in vier Fällen für schuldig, die Unterhaltungen zu Dr. Rud. Meyer und zu Joachim Gehlsen schied sie als nicht beleidigender Natur aus. An Einzelstrasen arbitrirte der Gerichtshof für Punkt 4 zwei Monate, für Punkt 3 und 5 je einen Monat, für Punkt 2 vierzehn Tage, welche 4V, Monate er in Gemäßheit des§ 74 des Strafgesetzbuches zu einer Gesammtstrafe von 3 Monaten Gefängniß ermäßigte. Die auf dem Stettiner Pferdemarkte fest- gestellte Beleidigung erachtete der Gerichtshof für eine öffentliche, weshalb er dem beleidigten Reichskanzler auch die Befugniß zu- erkannte, den Tenor des Urtels nach der Rechtskraft an der Gerichtsstelle zu publiziren.— Gegen dieses Urtheil hat der Angeklagte die Appellation eingelegt, auf welche hin die erste Kriminal-Abtheilung des Kammergerichts unter dem Borsitze des Vwe-Präsidenten v. Mühler zum 22. d. M. Audienztermin an- beraumt hat. Die Oberstaatsanwaltschaft vertrat Staatsanwalt Feige, der Angeklagte ist selbst erschienen und außerdem als sein Vertheidiger der Rechtsanwalt Munkel. Angeklagter v. Diest: Eine Verleumdung oder Beleidigung des Fürsten v. Bismarck habe ihm fern gelegen. Seine früheren freundschaftlichen Beziehungen zu demselben lassen wohl eine andere Annahme gar nicht zu. Und obwohl Bismarck seit einem Jahre anders gegen ihn aufgetreten, so sei er demselben trotzdem nicht feindlich gesinnt. Sein ganzes Leben zeuge dafür, daß er stets, mit vollster Hintansetzung seiner Interessen, nur das Wohl des Vaterlandes und das Glück seines Königs im Auge gehabt habe. Seit dem letzten deutsch-französischen Kriege sei die Geld- Aristokratie in Preußen und Deutschland zu einer Macht gelangt, daß sie alle Moral, alle Gottesfurcht und Autorität im deutschen Volke erschüttert habe. Ja, das preußische Königshaus sei ge- fährdet gewesen, durch diese Gelvherrschaft in seinem Bestände erschüttert zu werden. Er sei von allen Börsen- und Witzblättern auf das Schmählichste angegriffen worden. Dies Alles vermochte ihn aber nicht abzuhalten, so zu handeln, wie er gehandelt. Er war umsomehr veranlaßt, gegen die Uebermacht des Großkapitals aufzutreten und den Fürsten vor einer allzu engen Allianz davor zu warnen, da diese Geldaristokratie unter erheblicher Schädigung der Landwirthschaft von der Gesetzgebung wesentlich begünstigt worden. Zu einer Zeit, wo Landwirthe keine Hypotheken er- „umfassendsten Geständnisse" abgelegt! Er hatte sich nicht nur zu den beiden Mordplänen bekannt, sondern man hatte ihm auch bereits das Bekenntniß zu entreißen gewußt, daß er ein Sohn des Erzbischofs v. Ledochowski ist und direkt mit der Curie zu Rom und mit hohen ultramontanen Per- sonen in Verbindung steht(Huhu!)! Woher diese Bekenntnisse, trotzdem der Mensch thatsächlich an all den Dingen so unschul- dig ist, wie ein weißgewaschener Waisenknabe? Wie dergleichen zu Stande zu kommen pflegt, wollen wir dem Leser hier an der Hand von Präcedenzfällen zu erklären versuchen. Kaum wird so ein unglückliches Opfer hochgradigster Nervo- sität in Nummer Sicher eingebracht, kommen die verschiedenen großen Herren Beamten mit ihren großen Bäuchen und den großen Uhrketten daran im größten Diensteifer aus ihren ver- schi-denen Wohnungen herbeigestürzt, stellen sich um den Armen- sünder herum und bestürmen ihn nun mit einem Kreuzfeuer von Fragen, Drohungen, Vorwürfen, Entrüstungsausbrüchen, Ab- scheubekundungen u. s. w. u. s. w.— bis so ein Unglücksmensch schließlich ganz verdreht geworden, gar nicht mehr weiß, was mit ihm vorgeht, und nun in seiner Duseligkeit darauf los„ge- steht", was man nur irgend von ihm haben will. Wir sind überzeugt, wenn man unser Schreiberlein in jenem Moment gefragt hätte: Ob denn nicht der Papst seine Tante sei? Und ob er denn nicht der Präsident der geheimen Jnter- nationalen, genannt:„Die olle Petrolcumkrucke" sei? Und ob er denn nicht, um die katholische Kirche zu rächen, habe unsere ge- sammte hohe Regierung, vom Geheimrath aufwärts, heimlich abschlachten und einpökeln wollen? Und ob er denn nicht habe die Ostsee heimlich nach Barzin leiten und dieses heimlich darin ersäufen wollen? Und ob er denn nicht Jeden, der ein Mark- stück bei sich im Portemonna-e trägt, also zu den besitzenden Klassen gehört, habe, heimlich in Petroleum stippen und dann langsam schmoren lassen wollen? Und ob er denn nicht der Dilta- tor der geheimen polnischen Nationalregierung sei? Und ob er denn nicht habe mit sämmtlichen polnischen Juden heimlich gegen Berlin rücken, es heimlich mit Sturm berennen und dann heim- lich in die Luft sprengen wollen? u. s. w. u. s. w.— der arme Kerl hätte in seiner Confusion ohne Zaudern immer nur darauf zu„gestanden":„Ja wohl— natürlich— warum nicht?"— In dieser Verzweiflungsstimmung kommt es Einem auf ein halbes Dutzend gräßlicher Schandthaten mehr oder weniger eben gar nicht mehr an. Als man aber unser Schreiberlein wieder nach seiner Zelle zurückgebracht und dort zur Besinnung kommen gelassen hatte, „erklärte" er natürlich alsbald alle„Angaben" für unwahr, wie halten konnten, habe Fürst Bismarck die preußische Central- Bodcn-Kredit-Aftien-Gesellschaft unter Bedingungen conzessionirt, wie sie ähnlich niemals einer Landschaft zugestanden worden. Einzelne hohe Finanzbeamte seien sogar der Meinung gewesen, der Central-Boden-Kredit-Aktien-Gesellschaft seien Bedingungen zugestanden worden, wie sie dem Gesetze nicht entsprechen. Ob- wohl Fürst Bismarck von sachverständiger Seite gewarnt worden, habe er der genannten Aktien-Gesellschaft die Conzession ertheilt, und obwohl nur 40 Proz. eingezahlt gewesen, sei die Gesellschaft mit dem 20fachen Betrage conzessionirt worden. Alle anderen Aktien-Gesellschaften seien nur mit dem 10 fachen Betrage con- zessionirt worden: Nicht nur der Grundbesitz, sondern das ganze deutsche Volk sei dadurch erheblich zu Gunsten Weniger geschädigt worden. Am meisten wundere es ihn aber, daß Privatgespräche, die er unter Standes- und Berufsgenossen im einsamen Walde oder im Zimmer geäußert habe, zur Anklage kommen könnten. Diese Thatsache gebe Zeugniß von dem Vorhandensein eines geradezu ekelhaften Denunziantenthums. Und daß Fürst Bismarck auf solche Zwiegespräche hin einen Strafantrag stellen konnte, verstehe er nicht. Er behaupte, daß Bismarck schon vor langer Zeit von den Zwiegesprächen gehört, und erst die Blancken- burg'sche Auslage in dem Rudolf Meyer'schen Prozesse habe ihn zur Stellung des Strafantrages veranlaßt. Er, Angeklagter, beantrage, den Fürsten darüber als Zeugen zu vernehmen, ob er innerhalb dreier Monate, nachdem er von den inkriminirten Zwiegesprächen Kenntniß erhalten, den Strafantrag gestellt habe. Er sei durch die unaufhörlichen Angriffe der Reptilienpresse, welch letztere er mit dem Grafen Hermann von Arnim als An- fang zur Corruption des deutschen Volkes bezeichne, veranlaßt worden. Wie weit die Preßcorruption bei uns schon gediehen sei, erhelle aus einer Behauptung des Stadtgerichtsraths Will- manns, wonach Herr von Bleichröder über fünfzig beut- sche Zsitungen disponire. In länger denn dreistündiger Rede suchte der Angeklagte sein „bona fides"(daß er in gutem Glauben gehandelt) nachzuweisen. Auf die diesbezügliche Bemerkung des Herrn Vertreters der Oberstaatsanwaltschaft müsse er bemerken, daß er zwar nicht Sozialdemokrat sei, daß die Sozialdemokratie jedoch inmitten der Schäden der heutigen Gesellschaft eine große Berechtigung habe. Schließlich ersuchte der Änge- klagte um seine Freisprechung, event. die eidliche Vernehmung des Fürsten v. Bismarck. (Schluß kolgt.) An die Parteigenossen: Im Laufe dieser Woche sind die Abrechnungen des Central- Wahlcomitös vom 1. Mai bis 30. September 1877 an die Agenten und Vertrauensmänner versandt worden. Die Partei- und Gesinnungsgenossen werden darauf mit dem Bemerken aufmerksam gemacht, daß die Abrechnungen bett den betreffenden Agenten und Vertrauensmännern zur Einsicht offen liegen. Hamburg, den 26. November 1877. Das Central-Wahlcomitö. Correspondeuzen. Wremen, 26. November. Wir haben heut die traurige Pflicht zu erfüllen gehabt, einem braven Parteigenossen das letzte Geleit zu geben. Es ist unser Parteigenosse Meyer, den der Tod aus unserer Mitte gerissen hat. Meyer hatte das hohe Alter von 74 Jahren erreicht und stets stand er da, wo es galt, für die Rechte des Volkes einzutreten. Viele seiner früheren Freunde und Gesinnungsgenossen sah Meyer in's Lager der liberal- reaktionären Partei abschwenken, doch er stand treu zur Fahne der Demokratie; und als die Sozialdemokratie stolz ihr Banner erhob, da scheute er den Schritt nach vorwärts nicht— er wurde Sozialdemokrat. Das Andenken des Dahingeschiedenen wird in den Herzen seiner Parteigenossen fortleben. HUuttingen.(Glaubens- und Bildungspöbel.) Heut- zutage, wo in den Köpfen der meisten Menschen eine heillose Begriffsverwirrung über gewisse Dinge herrscht, ist es noth- wendig, immer und immer wieder Vergleiche anzustellen, gewisse Worte und Begriffe klarzulegen und ihre wahre Gestalt und Bedeutung aufzudecken. So ist man heute so sehr daran ge- es in der betreffenden offiziösen Zeitungsnotiz heißt, und das ne Vergnügen hatte ein Ende.— lnsere Ansichten über das Attentiren gegen hohe Personen — um den Vorfall auch von der ernsten Seite zu betrachten — sind unseren Lesern genugsam bekannt. Wir haben das Ver- wersliche, Sinn- und Zwecklose derartiger Armuthszeugnisse po- litischer Einsicht zu wiederholten Malen und von den verschie- densten Gesichtspunkten aus beleuchtet. Um hier nur einen — bisher weniger beachteten— Gesichtspunkt hervorzuheben: � Die Zeiten sind schlecht. Jedermann schränkt sich so viel wie nur möglich ein, alle zwecklosen und Luxusausgaben werden ver- mieden. Ein Schuß Pulver aber kostet Geld! Natürlich frägt sich also jeder vernünftige Mensch, wenn ihm etwa ja einmal einen Augenblick der Gedanke an den Ankauf eines solchen Schusses Pulver käme, sofort:„Wofür gicbst du dein Geld aus?" Man sieht das Resultat— all- Welt ist sich darüber einig: Wir geben das Geld für den Schuß Pulver nicht aus!— Aeußerst sonderbar ist aber die prädisponirte Gemüthsstim- mung, mit welcher man auf die plumpen Foppereien irgend einer hysterischen Gans von einem Frauenzimmer so ohne Weiteres hereinfällt, darauf hin die ganze Staatsmaschinerie in Bewegung und alle Welt in Allarm versetzt und sich doch nur so ungeheuer l— leere Besorgnisse macht. Dergleichen ist auch schon in früheren Zeiten öfter dagewesen und war immer ein Zeichen von— na, jedenfalls ist es dies- mal ausnahmsweise anders. Die Zeitungen aber berichten übereinstimmend: „Welchen Eindruck das Gerücht auf die dem Kaiser nahe- stehenden Personen gemacht hat, geht daraus hervor, daß dem Fürsten Bismarck nicht nur Rapport abg stattet, sondern daß demselben sogar Abschriften von den in den Vernehmungen auf- genommenen Protokollen ausgefertigt und(nach Varzin) zuge- schickt werden mußten." —„Der Hohenzollern historischer Beruf" als Makulatur. In der reichstreuen„Schlesischen Presse" vom 23. November er. steht folgendes Jnsera»:„Hugo Wauer's geschichtliches Sbauspiel der Hohen- zollern historischer Berus, Er. Majestät dem Könige gewidmet(mit dop. peltem Perlonen-Berzeichniß), von welchem bis jetzt nur einige Dedr- kativns-Exemplare an Höchste und Hohe Herrschaften abgegeben, ist als schöne Makulatur das Pfund mit 10 Sgr. zu haben in Carl Adler'S Buchdruckerei, Cüstrin." wöhnt, mit dem Wort„Pöbel" die niederen Volksklass-'n: Ar-■ Tüchtiges auf ihrem neuen Posten geleistet haben, ihnen in dank- beiter, Handwerker u. A. zu bezeichnen, daß selbst viete Ange- barer Anerkennung ihrer Verdienste die schaflederne Medaille zu hörigen dieser Stände dies ganz in der Ordnung finden, die verehren. Ein deutscher Landwehrmann. Privilegirten aber, d. h. diejenigen, welche mit dem Privileg der Besitzer auch das Privileg der Bildung und des Wissens für sich allein beanspruchen zu dürfen glauben, Jeden auslachen und geradezu für verrückt halten würden, der dem Wort„Pöbel" eins andere Bedeutung geben und dasselbe gar auf sie selbst an- wenden wollte. Trotzdem hat das Wort eine andere Bedeutung und muß, richtig verstanden, aus ganz andere Leute angewendet werden, als dies gewöhnlich geschieht. Wo ist denn die gar plebejische oder pöbelhafte Rohheit und Unwissenheit zu finden, wo anders, als bei den sogenannten Gebildeten? Die Versumpfung und Unwissenheit, in der diese Menschen dahin- leben, ist wirklich haarsträubend! Trotzdem diese Klasse aus Menschen besteht, die zum großen Thcil das Denken verlernt haben, hält sie sich doch immer noch für die„gebildete" Gesell schaft.„Diese Leute sind aber durchaus nicht zu bedeuten und so verwachsen mit ihrer Gemeinheit, so unfähig selbst darüber nachzudenken, daß sie gar nicht begreisen, wie Jemand die Grund- sätze und Begriffe eines gesitteten Mannes haben und dennoch sie' als das, was sie sind, nämlich als Gesindel, behandeln und betrachten könne."(Schelling.) Doch seien wir gerecht! Ueberhäufen wir mit unseren Vor- würfen nicht Unglückliche, die weit eher unser Mitleid ver- dienen! Pfaffenlist und Pfaffentrug haben es nämlich durch an- haltende Mißhandlung des Gehirnes der Völker so weit gebracht, daß die ganze Schafherde, welche sich in den Pferch der christ- lichen Kirchen hineintreiben läßt, vollständig unzurech- nungsfähig ist und daher für ihre Handlungen nicht verant- wortlich gemacht werden kann! Es wäre eine unwürdige und schmachvolle Herabwürdigung des menschlichen Geistes, anzu- nehmen, Menschen befinden sich im vollen Besitz ihrer Vernunft, welche heute noch es wagen, als geistige Speise das Christen- thum dem Volke vorzusetzen und selbst, wenn auch nur äußer- lich, dasselbe zur Schau zu tragen, wie dies unsere„gebildeten" Bourgeois thun. Um die ganze Ungeheuerlichkeit dieser Zu- muthung zu verstehen, muß man eingedenk sein, daß die christliche Religion, in ihren Anfängen zwar groß und erhaben, jetzt nach der schlimmsten Seite hin ausgeartet ist. Können wir es daher dulden, daß Menschen, die dem Volke die religiösen Verirrungen als eine Wohlthat anpreisen— eine Wohlthat, die freilich in Wirklichkeit dazu dient, um die„Kanaille" leichter im Schach halten zu können— können wir es dulden, daß diese Menschen sich ferner die„Gebildeten" heißen und das Recht sich anmaßen, das Volk zu verachten und auf dasselbe als„Pöbel" herab- zusehen? Noch sind wir nicht im Stande, die Anmaßungen der Herr- schenken Klassen gebührend zurückzuweisen, dagegen können und müssen wir mit allen Kräften daran arbeiten, den Autoritäts- glauben im Volke zu vernichten, das Selbstbewußtsein in dem- selben zu wecken und ihm namentlich die übertriebene Achtung und untcrthänige Furcht zu benehmen, die es so vielfach noch an den Tag legt vor dem hochmüthigen Geldprotzenthum sowohl als vor büreankratischer Grobheit und Flegelei. So lange wir aber noch die Anmaßungen einer sogenannten gebildeten Kaste, resp. des„wahren Pöbels" in seiner hätzlichsten Gestalt ertragen müssen, trösten wir uns mit den schönen Worten F. A. Lange's:„Das schnelle Wachsen der Reichthümcr mackit Viele verfeinerter Lebensfreuden und Genüsse theilhastig deren Gemüth innerlich roh ist. Andere verwildern in sittlicher Beziehung, in- dem sie keine Aufmerksamkeit, keine Thcilnahme mehr übrig be- halten für etwas, das außerhalb des Kreises ihrer Vergnügungen liegt. Die lebhafteren Formen der Sympathie mit dem Leiden schwin- den schon durch das gleichförmige Wohlleben der Bevorzugten. Diese fangen an, sich als besondere Wesen zu fassen. Ihre Diener sind ihnen wie. Maschinen; die Unglücklichen sind ihnen eine unvermeidliche Staffage; sie haben für das Schicksal der- selben kein Verständniß mehr. Mit dem Abreißen der sittlichen Bande erlischt die Scham, welche früher von allzuüppigen Ge- Nüssen zurückhielt. Die geistige Kraft erstickt im Wohlleben; das Proletariat allein bleibt gedrückt, aber geistcsfrisch. In einem solchen Zustande war die alte Welt, als das Christenthum und die Völkerwandelung ihrer Herrlichkeit ein Ende machten. Sie War zum Untergang reif geworden." C. F. Laudshut, 21. November. Am Montag fand im Kaisersaale des Kronprinzen eine von über 1000 Personen besuchte Volksversammlung statt, in welcher Genosse Kräcker aus Breslau die Stellung des Kleinbürgerthums zu den Forderungen der Sozial- demokratie in längerer Rede beleuchtete, und ichloß sich Genosse Alexander Schlesinger in ergänzenden Ausführungen an, in- dem dieser vorzugsweise die Forderung nach Organisation der Produktivgenossenschaften mit Staatsintervcntion besprach. Diesen Referaten schloß sich eine lebhafte Diskussion an. Welchen Er- folg wir mit unserer Volksversammlung gehabt haben, zeigt deutlich ein in der„Schlesischen Presse" enthaltenes Referat, dessen Schluß lautet:„Wir haben die Ueberzeugung mit hinweg- genommen, daß die Sozialdemokratie seit der letzten Versammlung hier doch schon einigen Boden gewonnen hat und wird es der Bemühungen aller gutgesinnten Bürger bedürfen, um dieser Propaganda entgegensteuern zu können." Wir haben die Uebcr- zeugung schon längst gewonnen, daß wir von unseren„Spießern" keine Früchie ernten werden, und erwarten deshalb deü erklärten Diskussionskrieg in aller Ruhe; es wird sich dann zeigen, ob das jung ersprossene Reis der sozialdemokratischen Bewegung nicht den Sieg über das morsche Plunderwesen der sogenannten liberalen Richtung davontragen wird. Im Kampfe mit dem Geiste stählen sich die Nerven des werkthätigen Volkes und dies komnit denen zu Gute, die noch etwa nicht gehörig unser Pro- gramm auf ihre Fahne eingegraben haben. Kommt nur, wir stehen gewappnet und erwarten Euch! r. Mannheim, 25. November.„Rutsch Mutter, die Landwehr kommt!" Wer kennt nicht das alte preußische Soldatenlied? Unwillkürlich fielen mir diese Verse ein, als ich in dem letzten Heft der„Gartenlaube"(Nr. 11) einem Auszug aus der Viktor Böhmert'schen Social- Correspondenz(Nr. 6) begegnete. In dem- selben werden alle regsamen und umsichtigeren Elemente des Bürgerthums aufgefordert, sich wirthschaftliche Kenntniß zu ver- schaffen, um den Ruin des Volkes aufzuhalten gegenüber der Agitation einer Anzahl geschickter, kühner, eiftiger und begei- sterter Agitatoren dir Sozialdemokratie, welche Alles aufbieten, um Hunderttausende von Arbeitern, Gesellen und Lehrjungen auf falsche, irrige Wege zu leiten und ihre Begierden zu ent- flammen.(Wer lacht da?) Es solle sich eine geistige Land- wehr bilden zur Bekämpfung sozialdemokratischer Unterjochung. Als Commandantcn derselben werden Viktor Böhmert und Arthur v. Stübnitz vorgeschlagen. Gönnen wir diesen beiden Arankturt a. M.(Irren ist menschlich.) Auch in der jüngst durch„Kaisertage" noch besonders berühmt und geschichtlich gewordenen Stadt Frankfurt hat man sich ein wenig geirrt oder eigentlich verrechnet, verrechnet in des Wortes reinster Bedeutung. Daselbst wird nämlich ein neues großes Opernhaus gebaut, dessen jetziger Voranschlag sich auf 4,250,000 Mark beläuft. Dieser Voranschlag ist nun um 1,926,041 Mark überschritten worden. Die Herren Stadtverordneten verhandelten nun am 20. November über die Kreditforderung des Magistrates. Es wurde da auch die Ernennung einer Spezial-Commission von sieben Mitgliedern beschlossen, welche unter Zuziehung von geeigneten Sachverstän- digen die Sachlage zu prüfen hat. Zu dieser Prüfung gehört u. A. auch:„welche unverschiebbare Bewilligungen nothwendig sein werden, um das im Rohbau fertiggestellte Gebäude vor Schaden zu bewahren?" Sag' Liebchen was willst du noch mehr?— o— Frankfurt a. M. Auf Wunsch vieler Parteigenossen des Mamgaucs hat Genosse Frohme auf Mittwoch den 26. Dezember eine Delegirten- Conferenz nach Frankfurt a. M. berufen. Die Conferenz wird in dem Lokal des Herrn Pfuhl, Zeil 47, tagen und gelangen folgende Punkte zur Berathung: 1) Die letzten Reichstagswahlen und ihre Lehren. 2) Regelung der Agitation. 3) Die sozialistische Presse für den Maingau und die angrenzenden Kreise. 4) Vertrieb der„Rundschau" und der sozialistischen Broschüren.— Bei der Wichtigkeit, welche diese Conferenz für die künftige Gestaltung des hiesigen Preßwesens und der Agitation hat, ist mit Sicherheit auf zahlreiche Bethei- ligung zu rechnen. Tie mit Mandaten versehenen gewählten Delegirten haben sich bis Sonntag den 23. Dezember in der Redaktion des„Frankfurter Volksfreund" anzumelden. Arestau, 25. November. Die Leser des„Vorwärts" wissen, daß das Berliner Polizeipräsidium nach langem Zögern endlich zu der Einsicht gelangte, daß die Theilnahme der Frauen an Volksversammlungen dem Vereins- und Versammlungsgesetz nicht zuwiderlaufe. Unser Polizeipräsidium ist bis heute noch anderer Ansicht. Wenigstens läßt sich das aus Nachfolgendem schließen. Am 21. Juli d. I. hatten wir hier eine Volksversammlung ein- berufen, zu welcher wir den Frauen natürlich den Zutritt bereit- willigst gestatteten. Dem überwachenden Polizeibeamten was das aber Grund genug, die Versammlung aufzulösen. Auf erhobene Beschwerde erhielten wir nachfolgenden Bescheid: „Nach den über den Sachverhalt vorliegenden Erhebungen sowie nach in Frage stehenden gesetzlichen Bestimmungen ist der in Ihrer Eingabe vom 31. v. Mts. einem der hiesigen Polizei- Commissare gemachte Vorwurf des Mißbrauchs der Amtsgewalt durchaus unbegründet und ist das nach Lage der Sache vorge- schriebene Strafverfahren wegen Uebertretung des Vereinsge- setzcs und des deutschen Strafgesetzes bereits eingeleitet. Ter Königl. Polizei-Präsident. I. V.: Eberhard, Regierungsrath." Seit jener Zeit sind mehr als vier Monate verflossen und noch haben wir von dem angeblich eingeleiteten Strafverfahren nichts weiter gehört. Nach dem obigen Schreiben ist das Straf- verfahren bereits eingeleitet, in Wahrheit hat aber noch nicht einmal eine gerichtliche Voruntersuchung stattgefunden, so daß wir wohl die Hoffnung aufgeben müssen, daß eigentliche Straf- verfahren noch zu erleben. Wie schade! wir hofften sicher, daß durch eine gerichtliche Freisprechung die Ungesetzlichkeit der Ver- sammlungsauflösung dargethan werden würde, und jetzt gelangt die Sache gar nicht zur richterlichen Entscheidung. Trösten wir uns damit, daß die Einstellung resp. Unterdrückung des Ver- fahrens am Besten beweist, daß man in polizeilichen Kreisen fühlt, daß die Auflösung vom 31. Juli jedes gesetzlichen Grun- des entbehrte. Crimmitschau. Die am 22. November Hierselbst vollzogenen Stadtverordnctenwahlen sind zu unseren Ungunsten ausgefallen. Aber obgleich wir unterlegen sind, so können die Gegner von einem„Erfolge" doch nicht reden, denn für's Erste ist die Ma- jorität nur eine sehr geringfügige, sodann aber haben unsere Gegner vor keinem unerlaubten Wahlmanöver zurückgeschreckt, wozu noch kommt, daß eine Anzahl halbgewalkter„Genossen" in's jenseitige Lager übergetreten ist. Unsere höchste Stimmen- zahl beläuft sich auf 667, während die Gegner im Maximum 764 erhielten. Natürlich werden wir Alles aufbieten, um bei der nächsten Stadtverordnetcnwahl den Gegnern zu zeigen, daß sie ihren heurigen Sieg nur ganz besonders günstigen Umständen zu verdanken haben, und daß in Crimmitschau die Sozialdemo- kratie noch immer obenauf ist. obgleich Selbstvelständtiches einmal zu sagen eigentlich schon zu viel ist. Wir meinen es eben ernst mit der Gleichberechtigung und wollen nicht wie Sie die Türken aus Europa vertreiben,„weil sie dort nichts zu sagen haben" und„erst vor einigen hundert Jahren in Rumänien,. Montenegro u. s. w. eingefallen sind." Gehen Sie„einige hundert Jahre" zurück, und Sie werden finden, daß auch diejenigen Be- wohner, welche von den Türken überwunden wurden, in jene Länder „eingefallen" sind und Bewohner unterjocht haben, die ihrerseits einge- fallen waren und so weiter rückwärts, bis wir bei den Menschenaffen und sonstigem Vieh ankommen, dos nach Ihren Begriffen allein das Recht hätte, in den„Balkanländern"— und allen sonstigen Ländern zu wohnen. Begreifen Sie doch, daß die Gleichberechtigung sich nicht mit dem„Nationalitätsprinzip" verträgt, und daß letzteres, mag es sich auch in das demokratiichste Mäntelchen hüllen, stets den Zwecken des Despotismus, der Unterdrückung und Ausbeutung dienen muß. A. D. in M.: Ihr Schreiben nebst 40,66 M. Einlage haben wir der Expedition übergeben; von dieser wird das Geld in dem von Ihnen vorgeschriebenen Sinne verwendet werden.— A. St. in Lahr: Ihre Correspondenz hat sich durch den Agilationsbericht von Fritzsche er- ledigt. der Expedition. I. Link Nürnberg: Das gewünschte Gedicht haben wir nicht einzeln, Sie können aber den betr. Kalender durch uns beziehen und wollen zu diesem BeHufe 56 Pfg. in Briefmarken ein- senden.— W. L. Wiesbaden: Das Buch:„Die Parteien im deutschen Reichstage und die Sozialdemokratie", Verlag Kirchheim in Mainz, be- handelt das Thema vom pfäsfischen Standpunkte aus. Geld für das Buch auszugeben, rathen wir Ihnen nicht.— Jahnke, Prenzlau: Ihre Reklamation haben wir dem Zeitungspostamte zur Recherche übergeben. — R. Wdmn, Lauban: Sie haben wohl bei dortiger Post abonnirt. Dieses Exemplar geht Ihnen auch dann noch zu, wenn wir Ihrem Wunsche nachkommen. Das Beste ist, Sie theilen der Post mir, daß Ihr Exemplar von nun an dort abgeholt wird, was Sie selbst oder Jemand anders für Sie thun kann, oder Sie müssen das Exemplar ganz abbestellen bei der Post. Bestehen Sie auf Ausführung Ihres Wunsches so wollen Sie b6 Pfg. in Briefmarken einsenden. " Franz Albrecht Stöhr, Maschinenbauer, bitte um Ihre Adresse Heinr. Meyer, Bremen, Gurtshof 16. Sonntag, den 23. Dezember, Nachmittags XJv.liU lllvj. 3 Uhr, in Bernburg, im Gasthof„zu den drei Kronen", eine Außerordentliche Generalversammlung der Mitglieder der Allgem. Anhaltischen Assoziationsbuchdruckerei (Eigetragene Genossenschaft) statt, zu welcher dieselben m t dem Bemerken eingeladen werden, daß die Tagesordnung später veröffentlicht werden wird. (F. 46) Der Anfsichtsrath.(150 Sozialdemokratischer Wahlverein. tyHUllVvli. Sonnabend, den 1. Dezember, Abends 8'/, Uhr, im Vcrcinslokal, Mittelstraße Nr. 11:(F. 164) cheschtossene Mitglieder-Versammrung. Tagesordnung: Abrechnung und Verschiedenes.(6V Der Vorstand. Für Hannover und Linden. In Folge der hier am Orte herrschenden schlechten Herbergsverhält- nisse, sowie wegen der Prellereien, welchen unsere wandernden Genossen oftmals in den einzelnen Herbergen ausgesetzt sind, ingleichen um den söge- nannten„christlichen" Herbergen entgegen zu treten, habe ich mich ver- anlaßt gefunden, Hierselbst in der Neustraße 2? einen Centra!l- Verkehr,' sowie' einen unentgeltlichen Arbeitsnachweis für alle wandernden Genossen— mögen sie einer Gewerkschaft oder Berufs- branwe angehören, welcher sie wollen— zu eröffnen. Für gute und billige Bcwir.hung, sowie reinliche Betten ist bestens gesorgt. Mögen mich daher die wandernden Genossen— auch wenn durch Arbeitslosig- keit mittellos auf der Reise- durch ihre Einkehr freundlichst beehren. Das Centralorgan der deutschen Sozialdemokratie, der„Vorwärts", sowie das Centralorgan der deutschen Gewerkschaften, der„Pionier liegen im Central-Verkehr aus. Adolph Matthes, Neustraße 27. Arbeiterbildungsverein. � T 6 u* Die Mitglieder machen wir hierdurch nochmals auf die Badcbillete aufmerksam. Wannenbäder für's Johannabad, Bassin für Sopbicn- und Friedrichsbad, auch sind von jetzt an Billete zu Dampfbädern dcS SvphienbadcS vorhanden. Die Billete zu allen Bä- dern, zu bedeutend ermäßigten Preisen, sind im BereinSlokal Abends an der Kasse, zu jeder andern Zeit beim Castellan zu haben.(90 Nächsten Sönnlag Abends 7 Uhr: Gesellige Zusammenkunft. Der Borstand. .Engl. 3. Hamburger Wahlkreis. Sonntag, den 2. Dezbr., Mittags halb 12 Uhr, im Tivoli" St. Georg: Allgemeine Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Fortsetzung der letzten Versammlung. E. Breuel.(80 ! I soll Fraly Ädam Henning Messerschmidt aus Würzburg(F320> seinem Bruder in Wnrzburg, Domstraße 14,. wegen Todesfall seine Adresse angeben. s2,00 In der Stollberg'schen Vcrlags-Buchhandlung in Gotha ist er- schienen und durch jede Buchhandlung für nur 56 Pf. zu beziehen: IVeii'eliKiösei' Kalender 1878 von Dr. Aug. Specht.(130 Durch uns ist von nachstehenden Zeitungen je 1 Expl. zu beziehe«: „Demokratisches Wochenblatt": Jahrgang 1868 1 Bd. u. 1869 1 Bd., gebunden. „Deutsches Wochenblatt": Jahrgang 1865 von Nr. 16 bis 28 1367, 1 Bd., gebunden. „Nordstern": Jahrgang 1863 von 2. Mai bis 16. März 1866, 1 Bd.. geb. „Sozialdemokrat": Jahrg. 1865 von 1. Juli bis 36. Dezember, -' 1 Bd., geb „Freie Zeitung": Nr. 1 1867 bis 11. Sept. 1868, 1 Heft, brach. olksstaat": Jahrg. 1871 1. Jan. bis 36. Sept., 1 Bd. 1870 !7D. Bitte alle Partei- und Gewerkjchaslsblätter um Abdruck dieser 2_ guU bis 30 Dez., 1 Bd. 1869—70 20. Okt. bis 36. Juni, 1 Bd. für die reisenden Genoffen so wichtigen Bekanntmachung. 1871—72 14. Okt. bis 36. Juni, 1 Bd. 1872 1 Jan. bis 36. Juni, --—'—. 1 Bd. 1873 II. Semester, 1 Bd. 1874 I. Semester, 1 Bd. 1874 Briefkasten n. Semester, 1 Bd. 1875 1. Juli bis 31. Dez., 1 Bd. der Redaktion. Hrn. K. W. L. in Hannover: Ihre Manuskripte„Zukunft": Jahrg. 1868 26. März bis 36. Juni, 1 Bd. 1369 wurden Ihnen im Sommer fchon zurückgeschickt- damals schrieb auch?. April bis 29. Sept., 1. Bd. 1863 1. Juli bis 2. Oktbr., 1. Bd. L. an Sie im Gesängniß. Ihren Standpunkt betr. die Religion theil.m iggg i. Jan. bis 8. März, 1. Bd. 1868 1. Ott. bis 31. Dez., 1 Bd. -<, 4.. r....___ Äkl- X.L«itm m tu So ff ort foSt* i'rSor--t Ctnc\ c\ Ot t.1 a Ol Qmx«« 1<13 S wir nicht; darin aber haben Sie recht, daß es zum mindesten sehr über- 1869 2 Jan. bis 31. März, 1. Bl> flüssig ist, durch ungeschickte Angriffe auf Christenthum und Kirche„Volksstimme": Jahrg. 1873 18. Aug. bis 28. Dez., 1 Prozesse zu provociren und einen großen Theil unserer Mitbürger,„Bolksstaat-Erzählcr": Jahrg. 1874, 1 Bd. Bd. der uns sonst nicht abgeneigt ist, vor den Kopf zu stoßen.— Ihre „zweite j�age�� graf!e jst pjeft.„Sind denn die Balkanvölker nicht auch Menschen? Wie darf ein Sozialdemokrat, und ganz vorzüg- lich ein Führer derselben, das Wort Unterthan gebrauchen. Wer Gleichheit für Alle aus seine Fahne geschrieben, sollte doch wohl dieses Wort vermeiden, gleichviel spricht er von Einzelnen oder von Bielen. Wird dies Wort im Ton des Spotts gebraucht, dann Der Berkauf geschieht im Ganzen wie in einzelnen Bänden und werden hierauf Reflektircnde gebeten, ihre Preisofferte an uns ein- zusenden. Leipzig im Novbr. Die Expedition des„Vorwärts'�. �-cuvkNv �gticytagen. Wonnen W oiqen vetoen,.„r.;:"- roit„icht.' Wir erinnern uns nicht, den Ausdruck„Unterthan edlen Geistern ,hr neues Avancement von.Herzen, und wünschen � Bolkanvölkern gebraucht zu haben, jedenfalls nicht in Ihren. wir, daß sie als ihre Landwehrwaffe auch fernerhin den krah- Sinne Sollie elwa von„Unlerihanen" der Pforte die Rede gewesen winklcr- Landsturmspicß vorantragen mögen, auf welchem be- Win, so wäre damit doch blos das bisherige Berhälmiß bezeichnet wor- kanntlich das Motto:„Tu soffst nicht tödten!" verzeichnet ist.— den.' Daß wir die Gleichberechtigung aller Menschen, und folglich auch _____________... B 1,.1 Da Kalender wieder vorhanden, so werden die ; bish-rig-» B-Mung-n nunm.hr I°s°rt-is-ktuirt und ._.... n— � neue Bestellungen erbeten. Die Expedition des„Vorwärts". sten Ernst hingestellt werden, da weiß man schließlich nicht mehr, was ein Sozialdemokrat und was ein Streng-Conservativer ist." Wir werden dann auch nicht versäumen, wenn sie einmal etwas der Balkanvölker und Türken wollen, haben wir dutzendmale gesagt, I Berantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz- Leipzig. Redaktion und Expedition Färberstraße 12/11. in Leipzig. Druck und Verlag der Gcnossenschastsbutdruckerei in Leipzig.