Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Abonnc«cntsPreiS {fir ganz T-ntichland l M, öS Ps. xr» Quartal. Monats- Abonnements »erden bei allen deutschen Postanstalten »of den S, und Z. Monat, und aus den ».Monat besonders angenommen: im «Snigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Allcnburg auch aus den lien Monat des Quartals i 54 Pfä. Inserate detr. Bersammlungen pr. Petitzeile 10 Ps., detr. Privatangelcgenbeiten und Feste»ro Petitzeil- Z0 Ps. ZZestcUlingeu nehmen an alle Postanstalton und Buch- Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. Rew-Borl: Soz.-demokr. Genossen- schastSbuchdruckerei, 154 Eldridge Str. Philadelphia: P. Haß, SSi> diorti» grö Street. I. Boll, 112D Charlotte Str. Hodoken N.J.: F. A. Sorge, 215 Washington Str. Chicago: A. Lansermaun, 74 Cizidourne Sun FranziSeo: F. Eich, 41 S O'Farrell Str. London W.; C. Henze, 8 Rsv Itr. Loläen Square. detrfraX'Hrgnn der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 141. Sonntag, 2. Dezember. 1877. Monnements aus den„Vorwärts" sur den Monat Dezember zu 55 Pfennig werden bei allen deutschenPostanstalten, für Leipzig pr. Monat zu 60 Pf. bei der Expedition, Färberstr. 12 11, unserm Colporteur M.Ulrich, Hohe Str. 23, Hof pari., in den Filialen: Cigarrenladen! des Hrn. P eterKrebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkft. am Königs- platz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: für ?»rkmarsdorf. Hleudnitz, Ileuschonefeli» ic. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr., für Connewitz ic. bei H ackert, Kurze Str. 10 part., für Kleinzschocher u. Umgegend bei Trost,' Hauptftr. 10!, für Thonberg bei B ö s ch, Hospitalstr. 39/11, Leipzig, � Jeureudnitz bei Zschau, 151, für Ulagwitz-Lindenau bei Frau räfenstein, Aurelienstr. 3, für chohlis:c. bei A. Herms- darf, Lindenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Papiermühle, angenommen. Für Verlin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf., frei in's Hans abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8s, und bei Rubenow, Vrunnenstr. 34, im Laden. Der Rechtsbegriff im Volke, dem sich selbst solche Organe, wie die„Kölnische Zeitung" eins ist, also die den echten Bourgeoisausdruck repräientiren, nicht immer entziehen können, deutet vielfach auf den Commu- nismus hin. So lasen wir kürzlich in dem genannten großen rheinischen Blatte: „Vor dem Zuchtpolizeigerichte in Köln stand ein 72jShriger Tagelöhner aus Kalk, der schon 28 Strafen wegen Holz- und Jagdfrevels erlitten hatte. Neuerdings war der Alte dabei erwischt worden, wie er ein Häslein aus einer Schlinge gezogen und unter seinem Kittel verborgen hatte. Die diesma- lige Ausübung des verbotenen Waidwerkes brachte dem Beschul- digten 3 Monate Gefängniß ein."— Wie gemüthlich das klingt! Ein 28 Mal bestrafter„Dieb" . wird in solcher Notiz gar nicht Dieb genannt. Der„Alte", das „Häslein", das„verbotene Waidwerk", wie nett und zart die Ausdrücke sind; es thut offenbar dem Berichterstatter der„Köl- nischen Zeitung leid, daß der„Alte" für Ausübung seiner Pas- sion 3 Monate Gefängniß erhält, während derselbe Berichter- statter sonst bei ähnlichen Anläsien gern mit den Schmeichel- namen:„Vagabunden",„Spitzbuben",„Subjekte" um sich zu werfen beliebt. Woher kommt denn diese ausfallende Zartheit des Ausdrucks in der obigen Notiz? Sie stammt aus den Rcchtsbegriffen des Volkes, die gerade! im Rheinlande noch ziemlich stark und deutlich geäußert werden. Holz- und Streudiebstahl, verbotene Waldhude, Jagdfrevel, Fischereifrevel, das sind sämmtlich beim Volke völlig erlaubte Sachen. Der Wald und das Wild gehört der Gemeinsamkeit, der Fluß und der See gleichfalls, und selbst das Gras und Alles, was wild wächst, es hat die Natur Allen gegeben und deshalb darf es auch von Allen benutzt werden. Das ist Volksanschauung, die kein Gesetz und keine noch so strenge Anwendung des Gesetzes verändern kann. Grund und Boden haben früher und gerade in Deutschland mehr oder weniger der Gemeinsamkeit gehört, die Tradition macht sich nun geltend neben den natürlichen Begriffen und so hat sich die kommunistische Volksanschauung in dieser Hinsicht erhalten. Während das Volk also die„Eigenthumsverbrecher" an den „wilden" Erzeugniffcn des Grund und Bodens vollständig durch seine Rechtsanschauung in Schutz nimmt, während es die Obst-, Frucht-, Feld- und Gartendiebstähle sehr milde beurtheilt, wendet es sich gegen jeden Eingriff in das Privateigenthum an son- stigen Tausch- und Gebrauchswcrthen. Hier deckt sich das Rechtsbewußtsein des Volkes mit den modernen Eigenthums- begriffen. Das Volk merkt wohl, daß nicht die Besitzer des Grund und Bodens die Werths, welche derselbe hervorbringt, erzeugen, es denkt auch nicht einmal an seine Arbeitskrast, aber es sieht das Wirken der Mutter Natur und fühlt, daß dieselbe nicht allein für die Befitzenden wirken will. Deshalb das Bewußtsein, daß es ein großes Unrecht ist, daß eine verhältnißmäßig kleine Anzahl von Menschen die Natur- erzeugniffe für sich in Anspruch nimmt. Aber das Volk merkt noch nicht, daß auch fast alle anderen Wertherzeugnisse Denen zu Gute kommen, die sie nicht hervor- gebracht haben, deshalb sehen wir hier das Rechtsbewußtsein des Volkes noch in Banden geschlagen, deshalb beschützt dies Rechts bewußtsein viel mehr, als das Gesetz, das Privateigen- thum. Der Rechtsbegriff d-s Volkes wird aber bei zunehmender Erkenntniß einen ganz anderen Standpunkt einnehmen, der- selbe wird siq gegen die„großen Diebe", gegen die Gründer und Ausbeuter wenden und schließlich nur das der Gesammt- arbeit entsprossene, der Gesammtheit gehörende Eigenthum für unverletzlich erklären. . Traditionell communisti'ch, durch Nawranschauung commu- ufftisch wird auch durch soziale Erkenntniß und zwar dann zum wahren Heile des Volkes der Rechtsbegriff desselben völlig com- wunistisch werden. elend und Jnvalidenpension", der ein gar getreues Bild giebt von jenen Bedauernswerthen in unserm herrlichen deutschen Reiche, die da im„glorreichen Kriege 1870/71"„für Gott, für König und Vaterland" sich durch die Strapazen des Feldzuges eine chronische Krankheit zugezogen und nun arbeitsunfähig ver- gebens bofien auf das„dankbare Vaterland", das sie durch seinen reichlich dotirten Jnvalidenfonds vor Nahrungssorgen schützen könnte. Die Zahl der Feldzugstheilnehmer, bei denen erst nach Ab- lauf der Anmeldungssrist für dienstlich im Kriege Beschädigte sich ihre ganze oder theilweise Arbeitsunfähigkeit feststellte, wie. derjenigen, bei denen wohl schon früher ein chronisches Leiden zum Ausbruch kam, aber zu spät von den wohlthätigen Bestim- mungen des Jnvalidenfonds Kenntniß bekamen, mag in Deutsch- land wohl weit in die Hunderte gehen. Mancher der Invaliden, bei denen sich bereits vor Ablauf des gesetzlichen Termins— der mit dem 20. Mai 1875 zu Ende ging — die Anfänge jener unheilvollen Krankheit zeigten, und ärzt- lichen Rath in Anspruch nahmen, blieben über die Tragweite ihrer Krankheit gar oft im Unklaren, da manche Aerzte die Kranken in falsch angebrachter Humanität mit der Hoffnung auf Wieder- Herstellung hinhalten, bis schließlich vollständige Arbeitsuniähig- keit eingetreten, aber auch der Termin zur Erhebung von An- sprächen an den Jnvalidenfonds verstrichen war. Wenn auch die Regierung, wie mir von maßgiftender Seite bei meinen Gesuchen um Jnvalidenpension entgegengehalten wurde, alles nur Mögliche gethan hat, um etwaige Invaliden noch zur Erhebung von Ansprüchen vor Ablauf des Termins aufmerksam zu machen, so hat doch mancher davon nicht recht- zeitig Kenntniß bekommen, wie z. B. ich, und doch bin ich schon durch meinen Beruf dem Zeitungslesen nicht ganz ferne. Dann wäre es am Platze gewesen, die Mannschaften bei den jährlichen Controlversammlungen darauf hinzuweisen. Bei meinem Land- Wehrbezirk geschah dieses wenigstens nicht. Rechnet man oben genannte Invaliden zu denen, bei welchen später erst das Leiden zum vollen Ausbruche gekommen, so wird sich eine große Zahl Unterstützungsbedürftiger finden, für die aber von dem moralisch dazu verpflichteten Staate nichts ge- schieht. Wendet nun ein solcher Invalide sich mit einem Bittgesuche um Jnvalidenpension an den Kaiser und begründet er durch ärzt- liche Zeugnisse seine Beschädigung auch noch so evident,� selbst durch Attest des betreffenden Militärarztes, so geht ein solches Bittgesuch einfach zur Bescheidung aus dem Kabinet des Kaisers dem zuständigen Landwehr-Bezirks Commando zu, welches, sich stützend auf das Gesetz vom 4. April 1874, das Gesuch abweist, doch läßt es in großmüthiger Weise den Rekurs an das Armee- Commando zu, und dieses, indem es die vorgegangene Entschei- dung aus gleichem Grunde bestätigt, läßt den Rekurs ans Kriegs- Ministerium offen, um auch hier, indem man sich hinter das an- gezogene Gesetz verschanzt, abgewiesen zu werden, weil zu Gunsten eines Einzelnen keine Ausnahme gemacht werden darf. Hier, wo es sich um das Geben handelt, wird streng an dem Gesetze gehalten.— Man schützt die Verjährungsfrist vor. Aber wenn ich Jemandem etwas schuldig bin und die Verjährungsfrist tritt ein, so brauche ich zwar nicht mehr zu zahlen, aber schuldig bleibe ich trotzdem doch!*) So auch das Vaterland, für das wir unsere Gesundheit geopfert haben. Die gesetzliche Bestim- münz ist erloschen, aber darf sich das Vaterland jenen Unter- stützungsbedürftigen gegenüber seiner moralischen Verpflich- tung entziehen? Dann bleibt dem armen Invaliden weiter nichts mehr übrig, als zu betteln, wenn er es kann, dadurch zum Vaga- Kunden herabzusinken oder— zu sterben. Das ist sein Loos. Dagegen hat man Taufende von Mark zur Verherrlichung des Schlachtentages, genannt Sedanstag, und aber Tausende zum festlichen Empfange gekrönter Häupter übrig, und„heidenmäßig viel Geld" für Ruhmeshallen und Kriegerdenkmäler, aber für den armen Invaliden hat man nichts übrig, er kann nicht ein- mal, wäre er dazu noch körperlich fähig, Nachtwächter werden, weil er meistens ohne Civilversorgungsschein ist. Der Schlußtermin zur Anmeldung von Ansprüchen war er- wicsenermaßen zu kurz und unsere Abgeordneten zum Reichstage werden sich den Dank Vieler erwerben, wenn sie einen Antrag auf Erweiterung jener Frist, resp. einem nochmaligen Termin zur Einbringung von Ansprüchen auf Invalidität bez. des letzten Krieges stellen. An Belegen zur Begründung ihres Antrages wird es sicherlich nicht fehlen, dafür werden gewiß diejenigen sorgen, die so schwer geschädigt sind, die im Dienste für das Vaterland un- verschuldeter Weise ihre Gesundheit geopfert, und nun, nachdem sie den Rest ihres Vermögens dem Doktor und der Apotheke ge- bracht, verlassen vom Vaterlaude, also„vaterlandslos'' sind, und hungern, darben und verkommen. Ein Invalide. Kriegselend und Jnvalidenpension. Wir erhalten nachstehende Zuschrift: Sie brachten in Ihrer Nummer vom 14. November an der Spitze des Blattes einen Artikel mit der Ueberschrift„Kriegs- SoziaipoMsche Ueberstcht. —„Marionetten des Papstes"— so schallt es herüber; „Marionetten Bismarck's", so klingt es wider. Das geht im preußischen Abgeordnetenßruse bei Berathung des Cultusetat seit länger als einer Woche in der Art zu. Der Culturkampf treibt seine lieblicksten Blüthen. Donna Blanka würde, wenn sie Richterin über die edlen Maulkämpfer wäre, die sich täglich mit vollen Nachttöpfen begießen, den alten groben Spruch wie- der anwenden, den sie schon einstmals bei dem großen Kampfe *) Jeder Schuldner, der sich auf die Verjährung seiner Schuld stützt, verliert gemeiniglich in der Achtung seiner Mitbürger � � zwischen dem Rabbi und dem Mönche gebrauchte, sie würde sagen:„Und es will mich schier bedünken, daß der Rabbi, daß der Mönch, daß sie alle beide--." In einem Falle aber haben die pfäffischen Klerikalen die„liberalen" Culturstreiter.be- siegt, als sie in der Sitzung vom 27. November nachwiesen, daß selbst in lateinisch- deutschen Uebersctzungsbüchern, die in den un- teren Klassen der Gymnasien eingeführt sind, allerlei Kultur- kämpferische Angriffe enthalten seien. Der Regierun zscommissar erklärte, daß jene anstößigen Stellen ausgemerzt werden sollten, worauf Windthorst ganz trocken meinte, ob es denn erst zu sol- chem Ausmerzen eines äußern Anstoßes bedurft hätte. — Die dem preußischen Landtage vorgelegten Nachweisungen über die Klassensteuer und die klassifizirte Einkommen- sie u er haben ein Einkommen der gesammten vreußischen Be- völkerung für das Jahr 1877 ergeben von 7809 Millionen Mark, macht per Haushalt und Einzelstand 902 Mark, auf den Kopf 308 Mark jährlich. Man sieht, wie gering das Einkommen in Preußen ist. Nehmen wir nun die 8000 Haushaltungen mit den großen Einkommen von 20,000 bis eine Million Mark, dann die mittleren Einkommen von 3000 bis 20,000 Mark von der Gesammtsumme ab und dividiren die Bevölkerung, welche weniger als 3000 Mark auf den Haushalt erhält, in die Ge- sammtsumme, so erhalten wir schon ein durchschnittliches Ein- kommen von nur noch circa 6—700 Mark. Ziehen wir dann noch die Einkommen von 2000— 3000 Mark ab, also das Ein- kommen, mit welchem eine Familie noch anständig sich durch- schlagen kann, und dividiren wieder, dann erhalten wir die Durchschnittsziffer von circa 500 Mark auf den Haushalt inner- halb ungefähr 85 Proz. der Bevölkerung. Mache sich jeder Leser selbst seinen Vers aus dieser Zusammenstellung, wie jämmerlich schlecht in Preußen das Volk, das arbeitende Volk gestellt ist. Daß es demselben im übrigen Deutschland nicht besser geht, steht auch wohl fest. —„Intensiver Haß gegen die Sozialdemokraten ist nicht nur erlaubt, sondern sogar erforderlich"— so hat der Herr Julius Schulze in Hamburg in seinem vierten Vortrage über die Sozialdemokratie gesagt. Er begründete diesen Ausspruch durch die Beantwortung einer von ihm selbst aufgeworfenen Frage: Was ist die Sozialdemokratie? die er denn auch folgendermaßen beantwortete: „Die Sozialdemokratie ist die organisirte Revolution, sie hat den Zweck und zwar nur den Zweck, die organisirte Revolution vorzubereiten, sie hat u. A. den Zweck, eine große Menge bit- teren Hasses und tiefer Verachtung gegen alle Menschen, gegen die Spitzen unseres Staatswesens zu erzeugen und zu verbreiten, sie hat den Zweck, ihre Leute zu organisiren, um im entscheidenden Augenblicke zu wissen, über wie Viele sie verfügen kann." Wir citiren hier die in Anführungszeichen sich befindlichen Worte aus dem„Hamburgischen Correspondent", der ja im All- gemeinen auf dem Standpunkte des Herrn Julius Schulze sich befindet, wenngleicher niemals so ungereimtes, unlogisches und albernes Zeug schwatzt, wie dieser. Daß die Sozialdemokratie Haß und �Verachtung gegen alle Menschen und dann noch gegen die Spitzen unseres Staatswesens erzeugen wolle, ist sehr rührend. Wir fragen nun zunächst Herrn Schulze, ob die Spitzen unseres Staatswesens, da sie nicht zu den Menschen ge- hören, Götter oder Teufel sind? Gegen alle Menschen erzeugt die Sozialdemokratie Haß, also auch gegen die Sozialdemokraten selbst— oder sind auch die Sozialdemokraten keine Menschen? Fragen wir�gar nicht, ob sie Götter sind, sagen wir es gerade heraus:„Sie sind Teufel!" Gegen Teufel aber ist„intensiver Haß" erforderlich.— Wir aber versichern Herrn Julius Schulze, daß wir ihn nicht hassen, sondern daß wir ihn tief bedauern. — Die Moralität der heutigen Gesellschaft. Ein im Ausland lebender deutscher Kaufmann schreibt uns: In Folge einer der zahllosen Anzeigen, überschrieben:„Alles was aus Gummi gemacht werden kann", und welche sich hauptsächlich in den sogenannten„nationalliberalen",„respektablen" Zeitungen, als da sind„Kölnische Zeitung",„Kladderadatsch",„Oesterrei- chische Gartenlaube",„Moffe's Montagsblatt" und hundert an- dere, täglich vorfinden, hatte ich mich an einen derartigen „Gummiwaarenfabrikanten" gewandt— Hrn. H. Mielk in Ham- bürg— mit der Bitte, mir einen Preis-Tarif seiner„Spezial- Artikel" einzusenden. Bis jetzt hatte ich immer geglaubt, daß die obenerwähnten Zeitungs- Anzeigen mehr auf Täuschung eines nach„Pikantem" lüsternen Publikums berechnet find und daß „Alles was aus Gummi gemacht werden kann" in mehr oder weniger schlechten Spähen bestünde. Wie groß mein Jrrthum gewesen ist,�ersah ich, als mir die hier einliegenden Preis-Cou- rante und Schriftstücke zugingen, in denen sich eine schamlose Gemeinheit in der cynischsten Weise breit macht. Ich lebe seit fünfzehn Jahren im Ausland, und habe davon 7 Jahre in Paris, mehrere in England, in Holland, der Schweiz und Belgien zu- gebracht, jedoch zur Schande der„deutschen Industriellen" be- Haupte ich, daß weder in London noch in Paris, welches von vaterländischen Chauvinisten so gern mit dem Namen eines„mo- deinen Eodoms" bezeichnet wird, eine so grenzenlose moralische Versunkenheit sich öffentlich, ohne die geringste Scham, in Zei- tungen und anderen Druckschriften, an das Tageslicht stellt, als dies zu Hause in meinem Vaterland der Fall ist. Die An- noncen des„Figaro"(des Pariser Schmutz- und Schandblattes par excellence) können als Proben einer„reinen Moral" gelten, gegenüber denen der„Kölnischen Zeitung", wie z. B. der folgenden: „Eine hübsche Dame, heiteren Temperaments, welche ge- neigt wäre, Zwecks Anbahnung engerer Beziehungen mit einem Herrn in gesetzten Jahren zu correspondiren, würde gebeten, ihre Briefe zu richten unter Lit. X. B. 99 postlagernd nach Mainz." „Für ältere Herren. Eine hübsche, gebildete junge Dame, häuslich erzogen, wünscht behufs baldiger Berehelichung die Be- kanntschaft eines gebildeten, gut situirten, wenn auch ganz alten Herrn zu machen, welcher sich mit Liebe ihrer und ihrer Kinder annehmen würde. Selbige würde ihm dagegen durch treue Liebe und Hingebung ein glückliches Alter bereiten. Ernstgemeinte Of- ferten unter H 41477 postlagernd Köln erbeten." „Sollten die Herren Tessendorff und seine Collegen, statt Sozialisten zu verdonnern und einsperren lassen, nicht eine für das Wohl des Vaterlandes heilsame Thätigkeit ausüben, wenn sie sich für die Unterdrückung von dergleichen Schand-Annoncen und für die Unschädlichmachung jener„Gumm'.waaren-Fabri- kanten" ernstlich bemühten? Wahrlich, ein Mensch, ein Kauf- mann, eine Industrie, müssen weit heruntergekommen sein, wenn sie, um den Leuten das Geld aus den Taschen zu holen, zu so schamlosen Mitteln greifen müssen, als den Vertrieb von„männ- lichen und weiblichen Geschlechtstheilen von Gummi". Es ist dies einer der tausendfach variirenden Auswüchse des Kapitalismus. Denn daß diese Artikel keine„Bedarfsartikel" für den„arbeitenden Mann" find, sondern wohl mehr von„Ka- pitalisten" und von den„besitzenden Klassen" consumirt werden, geht schon aus dem hohen Preise von 28 Mark per„Stück" her- vor. Ein Arbeiter kann sich dergleichen„noble Passionen", der- glerchen„Jux- und Scherzartikel(nur für Herren) sehr amü- sant, interessant, pikant, überraschend, dem Naturell täuschend ähnlich" nicht bezahlen. Ich sollte meinen, in diesem Schlamm gemeinen Schachers hätten die Herren Staatsanwälte doch auch ein wenig ihre für Sozialistenriecherei so feinen Nasen zu stecken. Vielleicht regen Sie die Sache im„Vorwärts" resp. im Reichstag an?— Ersteres ist hiermit geschehen, letzteres werden wir versuchen. Jedem Hrn. Staatsanwalt, der die Sache ernsthaft in die Hand nehmen will, stellen wir das in unseren Händen befindliche Ma- terial zur Verfügung. — Zum Arbeiterelend. Die Gesammtzahl der Fabrik- arbeiter in Berlin hat sich während des vergangenen Jahres um 9458 vermindert. Während 1875 in 2155 Fabriken Ber- lins 66,892 Arbeiter beschäftigt waren, wurden im vorigen Jahr 2119 Fabriken mit 57,434 Arbeitern betrieben. Man kann hieraus nur den Schluß ziehen, daß jene neuntausend Arbeiter eben brodlos sind und im größten Elende leben. — Das stehende Heer ist nach Moltke bekanntlich eine Pflaitzstätte für Bildung und.Gesittung. Den Beweis für diese seinerzeit aufgestellte Behauptung ist der„große Schweiger" bis heute aber nicht nur schuldig geblieben, erjuuß zum Ueberfluß auch noch die Erfahrung machen, daß die Thatsachen das grade Gegentheil von dem feststellen, was er behauptete. So berichtet z. B. die„Frankfurter Zeitung" unterm 24. November aus Darmstadt, daß in der dortigen Artllleriekaserne des Morgens ein Soldat in seinem Bette todt vorgefunden wurde. Die über den unerwarteten Todesfall eingeleitete Untersuchung ergab, daß drei Unteroffiziere den Artilleristen, der betrunken von der Kirchweihe heimgekehrt war, so mißhandelt hatten, daß in Folge der Verletzungen der Tod eintrat. Dieser Tage wurden die Unteroffiziere zur Degradation und zu Festungsstrafen verurtyeilt. In einem andern Falle, der sich in Breslau zutrug, fühlte sich ein Offizier berufen, Proben seiner Bildung und Gesittung an den Tag zu legen. Derselbe ließ nämlich eine Anzahl Per- soncn verhaften und unter den entehrendsten Nebenumständen auf die Wache transportiren, weil sie sich erdreistet hatten, wäh- rend der Exerzitien den Exerzierplatz zu betreten— ein„Ber- brechen", auf welches nach den Instruktionen ganz ausdrücklich nur eine Zurechtweisung als„Strafe" zulässig ist.— Wir könnten das Register über die Bildungsproben der Moltke'schen Zöglinge mit Leichtigkeit vervollständigen, wir unterlassen dies aber, weil ohnedies feststeht, daß das Kriegshandwerk, wie es burch die stehenden Heere geübt wird, wohl verroht und ver- wildert, aber nie Bildung und Gesittung verbreitet. — Sozialdemokratische Partei in der Schweiz. Sonntag den 25. November sand in Bern eine zweite Conferenz statt, an welcher theilnahmen: Gräub, Vonbergen, Hägler, Manz (vom Centralcomitä des Grütlivereins), Fischer, Kocher, Pfau, Warum sind wir arm! Der Dichter Karl Beck, der alt und so arm geworden ist, daß man zu milden Sammlungen jetzt für ihn auffordert, hat in seinen bessern Tagen unter der Ueberschrift:„Warum find wir arm!" nachstehendes Gedicht geschrieben: Ihr sitzet im Glanz und in Ehren geboren, Und spielt mit Dukaten und Louisdoren; Wir scheuern die Wappen an Euem Thoren. In Hunger und in Harm. In Hunger und in Harm. Wir werben um Ketten und nennen's Erwerben. Ha, trinkt und schlagt die Gläser in Scherben! Ha, laßt uns sterben und laßt uns verderben— Denn— warum sind wir arm? Denn warum sind wir arm? Ihr Seligen könnt Euch pflegen und mästen. Wir spähen für Euch nach Kohlen und Aesten, Wir frieren und hacken vor Euern Palästen, Doch Euch ist wohl und warm. Doch Euch ist wohl und warm. Ihr habet Orden und Aemter und Pfründen. Wir leben, um Euer Lob zu verkünden. Wir schmeicheln Euern Launen und Sünden, Denn— warum sind wir arm? Denn— warum sind wir arm? Wenn unsere Töchter um's Glück sich raufen, Euch in die lüsternen Arme zu laufen, Wenn die Mütter die eigne Brut verkaufen, Daß Gott, daß Gott erbarm,— Daß Gott, daß Gott erbarm:— Dann fürchtet nimmer der Väter Rache, Verloren und faul ist unsere Sache. Schlagt auf die weithin schallende Lache! Denn— warum sind wir arm? Denn— warum sind wir arm? Schröder(vom Bundescomitä des Arbeiterbundes), Greulich (Red. d.„Tagw."), Wolf. Zweifel, Mäder(vom Grütliverein Bern), Moor, Hofer und Wegmüller(von der Arbeiter-Union B�rn). In dieser Conferenz wurde nach reiflicher Berathung und Auseinandersetzung in Bezug auf die vorläufige gemeinsame Parteitbätigkeit einstimmig Folgendes vereinbart: 1. Das Centralcomite des Grütlivereins steht mit dem Bundes- comitö des Arbeiterbundes in Correspondenz; bei wichtigeren Fragen bilden beide Comitäs durch Delegirte eine gemeinsame Commission, die im Namen der Sozialdemokratischen Partei handelt. 2. Mit der Vorberathung von Spezialfragen, die an die Hand genommen werden sollen, werden die beidseitigen Sektionen ein- zelner Orte oder Kanton: beauftragt. 3. Die Sektionen des Grütlivereins und Arbeiterbundes werden aufgefordert, gemeinsame Bezirks- und Kantonaloerbände behufs gemeinsamer politisch-sozialer Wirksamkeit zu bilden. 4. Die weitere Regelung der Pcogrammfrage und gemein- samen Parteithätigkeit bleibt den Delezirtenversammlungen(Eon- gressen) und Urabstimmungen beider Organisationen überlassen. — Daß die Krisis in Frankreich auch auf die geschäft- lichen Verhältnisse drückend einwirkt, ist allgemein bekannt. Einen trefflichen Ausdruck gab dieser Erkenntnis der Senator Germain, indem er sagte: „Was sehen wir? Aus der einen Seite eine ungeheure Menge Kapitals unbeschäftigt, auf der anderen geschlossene Fabriken und Werkstätten ohne Arbeit. Woher kommt dieser seltsame Wider- sprach? Warum diese Ueberfülle der Kapitalien, welche den Wohl- stand der Industrie ausmachen sollten, und zu gleicher Zeit die geschlossenen Werkstätten, welche Trostlosigkeit unter den Arbei- beitern verbreiten? Sie kommt von der Unsicherheit des nächsten Tages, und die Unsicherheit des nächsten Tages ist das Ergeb- niß des Conflicts, welcher zwischen der Regierung und dem Willen des Landes ausgebrochen ist. Wenn wir uns in einer normalen Lag: befänden, wenn die Kammer ein ihr Vertrauen verdienendes Kabinet vor sich hätte, so würde es leicht sein, auf der Stelle wieder das Leben und den Wohlstand m die Unternehmungen zu bringen, deren Arbeiten fast überall zum großen Schaden der Bevölkerungen eingestellt sind. Und dann würde nicht allein eine halbe Milliarde in Umlauf gesetzt werden, son- dern eine große Anzahl von jetzt geschlossenen Werkstätten könnte wieder eröffnet und die Kapitalien benutzt werden, die jetzt in der Bank von Frankreich schlafen. Der neue Finanzminister und Präsident des Berwaltungsrathes der„Banque de Paris" weiß besser als ich, daß sich in den Kassen dieser Anstalt gegenwärtig zwei Milliarden, die nichts produziren, befinden, und diese zwei Milliarden sftid weit davon entfernt, die ganze verfügbare Er- sparniß Frankreichs zu bilden. Es hängt also von einer natio- nalen Regierung ab, den öffentlichen Arbeiten einen kräftigen Anstoß zu gebm, unser« Lande den durch den Akt vom 16. Mai so grausam vernichteten Wohlstand zurückzugeben." Wir wollen dem noch hinzufügen, daß der Krieg im Orient gleichfalls dazu beiträgt, daß nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland Handel und Wandel schwer darniederliegen, daß aber vor allen Dingen— und das sollten die Herren Se- uatoren und Gesetzgeber erst einsehen lernen— die kapitalistische Ausbeutung die Krisen und den Nothftand erz-uzt und daß ohne eine Radicalcur auf sozialem Gebiete selbst ver ewige innere und äußere Frieden in den Culturländern keinen dauernden, allgemeinen Wohlstand erzeugen kann. — Die englische Arbeiterbewegung lenkt mehr und mehr in das sozialistische Fahrwasser ein, und es ist nicht zuviel behauptet, wenn wir sagen, daß der völlige Anschluß an die Sozialdemokratie seitens des englischen Proletariats nur noch eme Frage der allernächsten Zeit ist. Das gilt nicht nur von den Fabrikarbeitern, auch die Landarbeiter haben, wie aus Nachfolgendem hervorgeht, ihre völlige Reife für den So zialismus b-kundet. So hat z. B. die„Nationale Landarbeiter- Bereinigung" in voriger Woche große Versammlungen abge- halten in Colchcster, Kelvedon und Maldon, in denen fol- gende Resolution einhellig angenommen wurde: „Die Petitwnircnden, im Hinblick darauf, daß die Bevölke- rung dieses Landes so zugenommen hat, daß der beschränkte Boden des vereinigten Königreichs nur bei steigender Cultioirung dieselbe ernähren kann, bitten, es möge ein Gesetz vorgelegt werden, wonach alles kultivirbare Land einer besonderen repräsentativen Körperschaft überwiesen wird, die gegen- Wir sind's; dafür ein Fluch den Alten, Die uns gelehrt die Hände falten: „Wer nur den lieben Gott läßt walten, Der ist erlöst von Harm. Der ist erlöst von Harm." Wir borgen und sorgen, Ihr häufet die Gulden, Wir füllen die Kirchen und beten und dulden. Dies Dulden ist unser unendlich Verschulden, Und— darum sind wir arm. Und— darum sind wir ann. Ja„dies Dulden ist unser unendlich Verschulden"!— Und warum ist Karl Beck arm und elend geworden? Weil die heu- tige Gesellschaft Kunst und Wissenschaft in die Banden des Mammons geschlagen hat, weil sie die Künstler, Dichter und Gelehrten nicht achtet und ehrt, sondern dem Egoismus, der Habgier und dem goldenen Kalbe fröhnt. Daß das Volk eine derartige Mißwirthschaft duldet, daß es sich nicht längst schon erhoben hat zu männlicher Kraft, um das veredelnde Prinzip der Arbeit und der Wissenschaft an Stelle der Herrschaft des Geldsacks zu setzen, das ist sein unendlich Verschulden, und ein Hohn ist es noch dazu, daß der arme alte Dichter gezwungen ist, von solcher Geldsacksgesellschaft Almosen anzunehmen. Das Hastpflichtgesetz betreffend, ist neuerdings eine beachtenswerthe Entscheidung ge- fällt worden. Der Techniker S. war bei der Bedienung der in der Ziegelei des Gutsbesitzers L. verwendeten Dampfmaschine durch Ausströmen heißen Wassers derart�verbrannt worden, daß er nach kurzer Zeit verstarb. Obwohl S. bei llebernahme des Betriebes die Untersuchung der bereits mehrfach reparirten Dampfmaschine verlangt, und L. auch die zuletzt vorgenommene Reparatur als eine an sich gefahrdrohende erkannt hatte, so lei- stete er doch dem Verlangen des S. keine Folge. Nach dem Tode des S. klagte die Wittwe desselben für sich und ihre Kinder auf Grund des Reichshaftpflichtgesetzes und der bezüglichen Be- simtmung des Allg. preußischen Landrechts gegen L. auf Ent- schädigung. Die Klägerin wurde vom Appellationsgericht zu Paderborn abgewiesen. Auf die von ihr eingelegte Revifions- bcschwerde vernichtete das Reichsoberhandelsgericht durch Er- kcnntniß vom 22. September c. das vorinstanzliche Urtheil und wältigen Eigenthümer entschädigt, die Wälder und Parks einge- schränkt werden, die Jagd künftighin nur auf Vögel oder in Gehäzen gehaltene Thiere beschränkt bleiben soll, die Jagdgesetz: aufgehoben werden, das Gemeindeland erhaltm, armes Weide- � land, das zum Pflügen geeignet ist. umackert wird, dem Bauer die Privilegien und Sicherheiten gewährt werden, welch: zu einer hohen Cultivirung nöthig sind und durch alles Das so- wohl lohnende Beschäftigung für die Arbeit im Ueberfluß als auch billige Nahrung für's Volk geschaffen werden. „Die Petitionirenden bitten sodann, da sie glauben, daß das Recht, Vertreter in's Parlament zu wählen, ebenso gut den Landbewohnern zukommt, wie den Städten, und da si: sehen, daß die Ersteren weder das Einkommen noch die soziale Siel- 1 lung wie die Letzteren besitzen, daß schleunigst eine Bill zum Gesetz erhoben werde, wonach das flache Land dieselben Rechte genießen soll, wie die Städte, damit die arbeitende Klasse in den Äckerbauvistrikten ihre Stimme laut werden lassen kann, um die Ursachen ihrer Armuth und Niedrigkeit zu entfernen." Das ist jedenfalls deutlich gesprochen. Wenn die englisch:« Landarbeiter die im Parlament sitzenden Bourgeois und Junker„bitten", ihren Wünschen gerecht zu werden, so werden sie durch die Verhältnisse sehr bald belehrt werden, daß sie sich da an die falsche Adresse gewandt haben; dann aber ist auch die Zeit zu bitten vorüber, dann werden die englischen Land- arbeiter fordern. Der Prozeß Diest-Daber, (Schluß.) Staatsanwalt Feige: Es sei ihm genau bekannt, daß Herr v. Diest keinerlei Beziehungen zu dem Fürsten gehabt und niemals in seinem Hause gewesen sei. Der Staatsanwalt verlas zum Beweise dessen etn(!) an ihn ergangenes Schrei- den— worin allerdings seine(des Staatsanwalts) Be- hauptungen bestätigt wurden.— Der Angeklagte repro- duzirte mehrere Briefe und berief sich auf mehrere Zeugen, daß er wohl sehr enge Beziehungen zum Fürsten Bismarck gehabt und mehrfach viele Stunden lang unter vier Augen mit ihm konferirt habe. Er werde, wie es einem Eh-! renmanne gezieme, öffentlich das beweisen, was der Fürst jetzt in Abrede stelle. Lertheidiger Rechtsanwalt Munkel verlangte ebenfalls die, persönliche Vorladung des Filrsten v. Bismarck. Die j oohe Stellung des Fürsten entbinde ihn von der Zeugenpflicht! keineswegs. Solle dem schon so lange geführten Streit ein de- finitives Ende gemacht werden, dann sei es das Beste, wenn! Bismarck selbst als Zeuge erscheine. Das von dem Herrn Staats- anwalt hier verlesene Schreiben könne auf gerichtliche Glaub- Würdigkeit keinen Anspruch machen. Zum mindesten müsse aber der Fürst darüber vernommen werden, wann ihm die inkrimi- nirten Aeußerungen zu Ohren gekommen. Wenn man alle in vertrauten Kreisen geführten Aeußerungen unter den Staatsan- j walt stellen wolle, dann empfehle es sich, dem Strafgesetzbuch als Anhang eine kleine Sammlung von„Gesprächen am häuslichen Heerde" beizufügen.(Heiterkeit.) Daß man sich � mit der eidlichen Aussage des Herrn v. Bleichröder nicht be- gnügen könne, gehe aus einem Jnjurienprozesse des Herrn von Bethmann-Hollweg contra Diest und Genossen hervor, in welchem Herr v. Bleichröder eidlich bekundete, daß er nicht genau wisse, ob dem Fürsten für etwa verkaufte Aktien die Coursdifferenz ausgezahlt worden sei. Er habe sich im übrigen um die Ge- schäftSführung der Central-Bodenkredit-Aktiengesellschaft nicht sehr gekümmert, sondern dies dem Direktor der Diskontogeseilschast, Herrn v. Hansemann, überlassen. Außerdem beantrage er(Ver-! i theidiger) die Herren v. Scheele, v. Hansemann, Miguel und Wagener zu laden und endlich die Bücher der Diskontogesellschaft vorzulegen und sie durch einen gerichtlichen Bücherrevisor unter- suchen zu lassen. Er(Vertheidiger) beantrage prinzipaliter die Freisprechung, event. eine Geldstrafe von 10 Mark. Der Angeklagte beantragte, noch den Bruder und Neffen des Fürsten als Zeugen zu laden.— Rechtsanwalt Munkel con- statirte, daß das vom Herrn Staatsanwalt verlesene Schreiben ohne Unterschrift sei. Staatsanwalt Feige bemerkte darauf, daß ihm das ver-s lesene Schreiben von einer so hohen Seite(Bismarck!) zugegangen sei, daß er dessen Glaubwürdigkeit ver- bürge. Gegen 5Vj Uhr Nachmittags zog sich der Gerichtshof zur Berathung zurück. wies die Sache zur Beweisaufnahme, besonders ob der verun- glückte S. bei Uebernahme des Betriebs die Untersuchung der Dampfmaschine verlangt habe, und anderweiten Entscheidung in die zweite Instanz zurück.„Das Gesetz vom 3. Mai 1872, den Betrieb der Dampfkessel betreffend", führt das Erkenntniß des Reichsoberhandelsgerichts aus,„bestimmt in§ 1, daß die Besitzer von Dampfkeffelanlagen oder die an ihrer Statt zur Leitung des Betriebes bestellten Vertreter, so wie die mit der Bewartung von Dampfkesseln beauftragten Arbeiter verpflichtet seien, dafür Sorge zu tragen, daß während des Betriebs die�bn Genehmigung der Anlage oder allgemein vorgeschriebenen Sicherheitsoorrichtungen bestimmungsmäßig benutzt und Kessel, die sich nicht in gefahr- losem Zustande befinden, nicht im Betriebe erhallen." Es be- droht sooann im§ 2 Zuwiderhandlungen gegen diese Verpflich- tungen mit Strafen. Aus dem hierzu erlassenen Regulativ vom 24. Juni 1872(Ministerialblatt für innere Verwaltung I. 183), insbesondere aus Ztz 2 und 9 geht hervor, daß sich jenes Gesetz nicht blos auf die Beobachtung der vorgeschriebenen Sicherheits« Vorrichtungen beschränkt, sondern allgemein auf Unregelmäßig- keiten im Betriebe sich bezieht und allen Mängeln, welche eine Gefahr herbeiführen können, entgegenwirken will. Nun wird zwar neben dem Besitzer der Dampfkesselanlage auch der mit der Bewartung beauftragte Arbeiter zur Sorgfalt verpflichtet, und es kann im vorliegenden Falle ohne Weiteres angenommen werden, daß S. als Techniker die Obliegenheit hatte den Ver« klagten auf den gefahrdrohenden Zustand der Maschine auf- merksam zu machen, daß denselben mithin ein eigenes Verschulden trifft, wenn er dies unterließ. Allein die Kläger haben bebauptet und den Beweis gestellt, daß S. bei Uebernahme des Betriebs die Untersuchung der Dampfmaschine verlangt habe und überdies die durch den Kesselschmied G. von Hannover am 1. Juli 1875 i vorgenommene Reparatur schon an sich eine gefahrdrohende ge- wesen sei. War dies der Fall, so muß Verklagter für den frag- lichen Unfall aufkommen, wenn er ungeachtet jenes Verlangens abseiten des S. oder trotz seiner Kenntniß von dem gefahr-� drohenden Zustande der Maschine den S. mit der Fortsetzung des Betriebes beauftragte. Dieses gerichtliche Urtheil muß uns freilich als selbstverständlich erscheinen. Aber bei den steter Versuchen der Fabrikanten, sich der Haftpflicht zu entziehen, ist es doch wesentlich, daß in bündiger Weise die höchste richterliche Instanz die Sache festgestellt hat. Abends gegen T'/a Uhr wurde das Urthal verkündet, das auf Bestätigung des erstinstanzlichen Erkenntnisses(3 Monate Gefängniß und Tragung der Kosten) lautete.— Dies der Bericht. Die geheimnißvolle Briefaffaire wird hoffentlich aufgeklärt werden; es scheinen allerhand Enthüllungen bevorzustehen. Wer wohl der Verfasser des anonymen Briefs „von hoher Seite" sein mag? Sehr bekannt muß die„hohe Seite" dem Herrn Staatsanwalt gewesen sein, da sonst das Schreiben„ohne Unterschrift" von ihm nicht als„von so hoher Seite" kommend hätte erkannt werden können, daß er dessen „Glaubwürdigkeit verbürgen" konnte. Die„Magdeburgische Zeitung"— man denke, das Bis- marckischste der Bismarckischen Blätter— schreibt über den Prozeß: .Herr v. Diest-Daber wollte vor dem Kammergericht neue Wahrheitsbeweise mit neuen Zeugen führen. Daß sich der Gs- richtshof hierauf nicht eingelassen hat, ist jedem Unbefangenen ohne Weiteres begreiflich(Oho! Jedenfalls sehr schlimm, wenn wabr. R. d.„V."). und es kommt hoffentlich die Zeit, wo auch Herr v. Diest einsehen wird, daß mit der Ablehnung neuer Zeugenvorladungen der Gerichtshof einen Akt der Toleranz(!) gegen ihn ausübte, denn Herr v. Diest war auf dem besten Wege, sich noch mehr wie bisher zu verrennen, und die Aussagen der von ihm begehrten neuen Zeugen hätten vielleicht eine Strafverschärfung bewirkt. Derr v. Diest, eine unzweifel- hast sittlich beanlagte Natur, hat sich selbst viel zu wenig in Zucht genommen und seine sittliche und logische Ausbildung vernachlässigt. Der frühere Landrath von Elberfeld, der, was wir ihm nicht vergessen wollen, als wackerer Beamter der altpreußischen Schule in Roth und Bedrängniß kam, weil er in seinem rauhen Gerechtigkeitssinn es nicht ruhig mit an- sehen wollte, daß die Söhne hochgestellter Männer sich in seinem Kreise durch unsaubere Mittel von der Militärpflicht befreit hatten, ist nachgerade ein Phantast geworden, und daran wird er noch ganz zu Grunde gehen, wenn er sein Unrecht nicht ein- sieht und nicht energisch anfängt, mehr Kritik an sich selbst wie an Anderen zu üben. Es überkommen den pommerschen Junker plötzlich Weltverbesserungsideen, und weil er findet, daß der Grundbesitz unter der Macht des Kapitals der Bankiers leidet, so ist die Börse und was damit zusammenhängt, die c-msa mali (Ursache des Bösen) in der Welt, und weil der erste deutsche Minister den Junkern nicht ihren Willen thut, so ist auch er von der Kapitalsmacht umstrickt und ein Werkzeug der Jobber. In Wirklichkeit verhält sich Alles anders, aber Herr v. Diest hält an der fixen Idee fest, er sei mit allen seinen Behaup- tungen im Recht. Was sind diese Behauptungen? Reine Phan- tasien. Der Richter erster Instanz zerstörte alle Diest'schen Truggebilde, und nun kommt Herr v. Diest'uf den Gedanken, er habe blos in der Wahl der zu vernehmenden Zeugen geirrt, Gravirendes werde statt der Bleichröder und Rothschild der Abgeordnete Dr. Miquel gegen Bismarck aussagen können. Ja, weshalb Miquel? Ein logischer Zchammenhang existirt nicht, denn Herr v. Diest folgt in seinem Wahn, der Kanzler sei der hohen Finanz verfallen, wieder und immer wieder reinen Ein- bildungen. In dem Verhalten des Angeklagten liegt etwas geradezu Gemeingefährliches, und wenn ihm der Strafrichter Gefängniß zuspricht, so thut uns das leid, weil Diest von Hause aus, wie gesagt, eine gute Natur ist, welche, knorrig, wie sie ist, erst mit der Zeit bis zur Gespensterseherei verbitter: wurde; aber weniger gerecht Wird darum die Strafe, die ihn um seiner bösartigen Verleumdungen willen trifft, sicherlich kei- neswegs." Aber von Rechtswegen hätte er in's Irrenhaus gehört— denkt das edle Magdeburger Blatt. Nun, das wäre freilich bequemer gewesen, als die Sache öffentlich vor Gericht zu ver- handeln; vielleicht befolgt man ein andermal den nicht ausge- sprochenen menschenfreundlichen Rath der„Magdeburgischen Zei- tnng". Daß für so„unzweifelhaft sittlich beanlagte Naturen" wie Diest-Daber, die das Pech haben, in gewisse Kreise zu kommen und dort„sittlich beanlagt" zu bleiben, auch den Leuten in gewissen Kreisen zuzumuthen, daß auch sie„sittlich beanlagt" seien— daß für solche Naturen das Irrenhaus der passendste Ort ist, das geben wir der„Magdeburgischen Zeitung" gern zu, der wir zugleich das Kompliment machen, daß sie mit ihrem stillschweigenden Rath und dessen Begründung dem Herr- schenden System einen wahrhaft klassischen Fußtritt versetzt hat, wie dem grimmigsten Reichsfeind kaum je einer gelungen. Uebrigens geht auch aus den Aeußerungen der„Magdebur- gischen Zeitung" hervor, welchen nichts weniger als günstigen | Eindruck die Verweigerung des neuen Zeugenbeweises im un- parteiischen Publikum hervorgebracht hat. Was Herrn Miquel betrifft, so hat er an verschiedene ? Blätter eine Zuschrift gerichtet, in der Alles, wofür er als Zeuge vernommen werden sollte, für„erfunden und absolut unwahr" erklärt wird. Natürlich! An die Parteigenossen! Im Laufe dieser Woche sind die Abrechnungen des Central- Wahlcomitös vom 1. Wai bis 39. September 1877 an die Agenten und Vertrauensmänner versandt worden. Die Partei- und Gesinnungsgenossen werden darauf mit dem Bemerken aufmerksam gemacht, daß die Abrechnungen bei den betreffenden Agenten und Vertrauensmännern zur Einsicht offen liegen. Hamburg, den 26. November 1877. Das Central-Wahlcomitö. Correspondenzen. Audapest, 21. November. Die am Sonntag den 18. No- vember d. I. stattgehabte Volksversammlung in der National- reitschule in der Bank- und Zollgebietaffaire war eine der be- suchtesten, die es jemals hier gegeben; man zählte zwischen 7 bis 8000 Personen, die an derselben Theil genommen. Daß dazu die Budapester Sozialdemokratie ein sehr bedeutendes Contingent lieferte, wußte man im Voraus, dafür haben unsere Parteigenossen Leo Frankel und Julius Kaczander am meisten beizetragen. Diese Frage berührt alle Volksschichten am lebhaftesten, denn wenn der Gesetzesvorschlag der ministeriellen Majorität zum Gesetz erhoben werden würde, dann träfe dies den Säckel der Reichen ebenso wie den der Armen gleich empfindlich, indem hierdurch die nothwendigsten Lebensbedürfnisse um wenigstens 40—50 Proz. stiegen. Auch wäre Ungarn von einer direUen Verbindung und dem Absätze seiner Rohprodukte nach den Nachbarländern, namentlich nach Deutschland, abgeschnitten, was man auch dort fühlen müßte. Die Ungarn wären gezwungen, ihre Produkte an die Oesterreicher zu verkaufen, diese hinwieder schlügen ihre Prozente dazu und vertheuerten sie in Deutschland, andererseits aber hätte auch Deutschland keinen Absatz für seine Fabrikate nach Ungarn, und die Oesterreicher spielten dann die Rolle von Maklern, die vom Käufer und Verkäufer gleichen Profit in die Tasche steckten. Es liegt demnach eben so nn Interesse Deutsch- lands wie Ungarns, daß dieses letztere ein von Oesterreich un- abhängiges Zollgebiet habe, um einen direkten Berkehr beider Länder mit einander zu ermöglichen. Die vorgeschlagenen Resolutionen wurden ohne Widerspruch und einstimmig angenommen. Dem Inhalt nach sprachen sie Folgendes aus: 1) daß der ministeriellen Majorität des Reichs- tages und der Regierung ein Mißtrauensvotum gebracht werde, weil sie das Prinzip einer unabhängigen ungarischen National- bank zum Falle gebracht und Ungarn für wettere 50 Jahre zu einem Contribuenten der österreichischen Bank gemacht. 2) Daß die Volksversammlung ein Veto gegen die Gesetzesvorlage be- züglich des Zolltarifs und eines gemeinschafilichen Zollgebiets einlege. 3) Daß diese Resolutionen durch eine aus dem Aus schusse der Volksversammlung bestehende Deputation den Reichs- tagsabgeordneten sämmtlichcr Budapester Wahlbezirke behändigt werden. Die Zolltariffrage kam bis jetzt im Reichstage noch nicht aufs Tapet, sondern die Codifikation der Kriminalgesetze. Unter diesen ist bereits ein in der Geschichte der Neuzeit bisher unerhörter Borschlag angenommen worden, nach welchem die Preß- Prozesse nicht mehr unter die Geschwornengerichte, sondern unter die anderen Tribunale gestellt werden, wo die Auslegung der Gesetze von der Willkür oder Emsicht solcher Richter abhängt, die nicht aus dem Volke sind, sondern von der Regierung er nannt werden. Dies ist ein Rückschritt, dessen Tragweite unab- sehbar ist. Hierdurch wird dem Einschüchterungssystem, den Ber- folgungen wegen politischer Ansichten ein weiter Spielraum ge- währt. Die Verfolgungen haben bereits begonnen. Namentlich wurden der Hauptredakteur des„Egyetertss" wegen eines Ar- tikels über das Brechen des Briefgeheimnisses, Julius Verkoray und Ernst Mezey, Mitarbeiter desselben Blattes, des Organs der Unabhängigkeitspartei, wegen Majestätsbeleidigung vor Gericht geladen. Dieser Schlag ist hauptsächlich aus Verkoray und die „Egyetertös" gemünzt, auf den Elfteren, um seinen Eintritt in den Reichstag als Vertreter des Wahlbezirks von Szegled an" möglich zu machen. Endlich hat das ministerielle Blatt„Hon", redigirt von Maurus Jokai, einen der Mörder der unabhängigen Bank, eine Polemik mit der„Egyetertös" begonnen, um dieses Blatt vor den ignoranten Massen der Aristokratie und der Bourgeoisie zu depopularisiren, indem er in einem Artikel:„Eine interessante Allianz" die Unabhängigkeitspartei, weil sie das Wort für die arbeitenden Klassen ergriffen und in den Lindenauer Briefen interessante Mittheilungen über das Wirken der Sozialdemokratie in Deutschland brachte, damit beschuldigt, daß sie mit der letz- teren gemeinschaftliche Sache machte,„Hon" betont namentlich, daß der Parteigenosse Hasenclever(diese Leute erinnern sich nur �dieses Namens aus den Lindenauer Briefen) unter den ungari- . schen Arbeitern Propaganda machen will.„Hon" schließt damit: �„Es ist im Voraus zu sehen, wie diese Aequisition den Nimbus der äußersten Linken vergröß-rn wird." Diese Leute riechen überall Petroleum und sehen Laternenpfähle. D. K. Kamönrg-Ättona. In nächster Zeit wird die gesammte antisrzialisti>che Preßmeute nichts Angelegentlicheres zu thun haben, als über das„Treiben" der hiesigen Sozialdemokraten, besonders über ihr„Treiben" bei den letzten Reichstagswahlen „Enthüllungen" zu machen. Diese„Enthüllungen" wird inan ! als um so„glaubwürdiger" hinstellen, weil derjenige, welcher sie gemacht, em„Sozialdemokrat" war. Die Sache ist, si: möglichster Kürze zusammengefaßt, folgende: Herr Radenhausen aus Altona, der früher eine Zeit lang Reporter beim„Hbg.-Alt. Volksblatt" gewesen, als solcher sich jedoch auf die Dauer nicht halten konnte, weil er es meisterhaft verstand, seine Berichte mit Zoten zu spicken, die dann natür- lich von der Redaction wieder ausgemerzt werden mußten, suchte selbstverständlich von da ab nach einer Gelegenheit, sich für die verlorene Reporterschaft zu revanchiren. Diese Gelegenheit sollte sich ihm denn auch bald darbieten. Nach der letzten Reichstags- wähl wurde er nebst mehreren Anderen als Generalrevisor für Altona gewählt. Als solcher fing er damals schon an, Stänke- reien zu machen, die keinen andern Zweck hatten als den, in erster Linie gewisse Personen und mit ihnen überhaupt unsere ganze Sache zu verdächtigen. Seine Verleumdungen, resp. verleumde- rischen Behauptungen öffentlich aufrecht zu erhaltest, dazu fehlte ihm jedoch der Muth. Als er in einer Versammlung zip Altona über die Wahlabrechnung Bericht erstatten sollte, erklärte er jedoch die Abrechnung für richtig, was Hunderte bezeugen können. Hinterher muß ihn dies jedoch gereut haben. Er suchte die Sache, die durch offene Rechnungsablage und dur si Erklärung der Revisionscommission abgethan war, wieder aufzuwärmen und war un— schuldig genug, zu glauben, die Redaction des„Hain- burg-Altonaer-Volksblalts" gäbe sich zu solchen unsaubern Ma- növern her. Seine„Berichtigungen" wurden zurückgewiesen. Um so verbissener wurde Radenhausen und da er sein Ziel nicht anders erreichen konnte, da er seine Verdächtigungen nicht an- ders an die Oeffentlichkeit bringen konnte, warf er dem Partei- genossen Wintcrfeldt in Altona vor, derselbe habe„wissentlich und absichtlich" das Wahlcomite resp. die Sozialiften Altona's betrogen, indem er sich zweimal 6 Thlr. für Salonmicthe habe zahlen lassen und dem Wirthe nur je 5 Thlr. für Miethe ent- richtet habe. Natürlich klagte Winterfeldt auf diese Anschuldi- gung hin, und das war es gerade, was R. wollte; war ihm doch nun eine Gelegenheit geboten, bei der öffentlichen Ge- richtsverhandlung seine Denunciationen gegen die sozialdemokca- tische Partei anzubringen. Mittwoch, den 21. Nooember, kam die Sache vor dem Amtsgerichte zu Altona zur Verhandlung. Daß, wie wir bereits erwähnt, Radenhausen durch die Beleidigung des Genossen Winterfeldt nur auf eine Klage von Seiten desselben speculirt hatte, um seine Verdächtigungen öffentlich anbringen zu können, beweist der Umstand schon zur Genüge, daß er, trotzdem das Gericht in Folge eines bei den Zeugenaussagen unterlaufenen Jrrthums annahm, er habe Winterfeld nicht absichtlich und wissentlich beleidigt, dennoch zu einer Strafe von 15 Mk. und in die Kosten des Verfahrens verurthcilt wurde. Bon den de- nunciatorischen Angaben Radenhausen's, denen das Gericht, ob- wohl sie mit der eigentlichen Klagesache in gar keinem Zusam- menhange standen, sonderbarer Weise höchst bereitwillig Gehör schenkte, wollen wir folgende besonders hervorheben: Radenhausen erklärte, die Zeugen Reimer und Forschner gehörten einem ver- botenen politischen Arbeiterverein an, der mit der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, deren Borstand(bis auf ein Mit- glied, welches in Altona wohne) in Hamburg seinen Sitz habe, in Verbindung stehe. Redner überreichte hierbei dem Richter ein Nachwehen des„Eckstein'schen Traumes". Die in Frankfurt erscheinende„Deutsche Reichspost" läßt sich Folgendes schreiben: „Stuttgart, 18. November. Die„Deutsche Dichterhalle", eine literarische Zeitschrift, die sich bisher rühmte, in guten Kreisen Eingang zu haben und die ihrem Charakter als ästhetisches Blatt gemäß vorzugsweise in der Damenwelt ihre Leser hat, wagt es in ihrer Nummer 20 ihren Lesern ein in Verse gebrachtes Mach- werk aufzutischen, das, voll der frivolsten und ekelhaftesten Un- sittlichkeiten, keinen andern Namen verdient, als den einer wider- lichen und über alles Maß schamlosen Zote. Der Verfasser deffelben ist der Redakteur der genannten Zeitschrift selbst; sein Gedicht führt den Titel:„A Dream by Ernst Eckstein." Zum Beleg unserer Behauptung können wir es nicht wagen, einem anständigen Blatte den Abdruck irgend einer der verfänglichen Stellen des Gedichtes, obwohl dasselbe in englischer Sprache ver- faßt ist. zuzumuthen; wir verweisen auf das Original sowie auf den„Verschämte Unverschämtheit" überschriebenen Artikel des sozialistischen„Vorwärts" und begnüge» uns, dem Herrn Ernst Eckstein auf diesem Wege die bezeichnende Thatsache zur gefäl- ligen Kenntnißnahme mitzutheilcn, daß auf dem hiesigen Museum eine unbekannte Hand beim Lesen seines Gedichtes sich bewogen fand, an demselben in der Weise Lynchjustiz zu üben, daß sie die gedruckte Ueberschrift„A dream" strich und an ihre Stelle die Ueberschrift:„Eine Schw...." einsetzte. Referent konnte dem unbekannten Glossator seinen Beifall nicht versagen. Oder glaubt Herr Eckstein, seinem Schamgefühl damit schon Genüge geleistet zu haben, daß er seinen famosen„Traum", den er dock wohl nicht englisch geträumt hat, in englischer Sprache ver- öffentlichte? Hierüber mag sich England selbst bei Herrn Ernst Eckstein bedanken! Wir aber können nur auf's Tiefste bedauern, daß eine Zeitschrift, die den Namen der deutschen Dichtkunst vertreten will, sich zu solch widrigen Ausgeburten einer niedrigen Phantasie verirren kann, und sind überzeugt, daß Herrn Ecksteins Mitarbeiter an der„Dichterhalle", unter denen sich, wie schon die fragliche Nummer beweist, höchst ehrenwerthe Namen be- finden, höchlich und unangenehm überrascht sein werden, ihren Arbeiten für die„Dichterhalle" in solcher Gesellschaft begegnen zu müssen." Daß lediglich unsere Abhandlung im Feuilleton des„Vor- wärts" die Schuld trägt an der geharnischten Kriegserklärung der „Deutschen Reichspost" gegen E. Eckstein, kann Jeder merken. Dennoch werden die Böhmerts, Unruhs, Ecksteins und Consorten fortfahren zu behaupten, daß wir die Unmoralität förderten. Der Arzt also, der das Uebel entdeckt und heilen will, hat das Uebel verschuldet! Noch wollen wir nicht verfehlen, mitzutheilen, daß die Ver- lagshandlung A. H. Payne in Leipzig demnächst ein Werk her- ausgiebt:„Italiens Kunstschätze." Nachbildungen der Statuen in den Galerien von Rom, Florenz, Venedig:c.:c. Herr Ernst Eckstein wird dazu den erläuternden Text schreiben,„gewissen- hast und unterhaltend". Wir sind auf das Gesudel nicht neugierig, da wir glauben, daß die Erläuterungen unter den Marmorstatuen der Venus zum Beispiel derart sein werden, daß wenn der Marmor lebendig würde, er erröthen müßte. An E. Eckstein. csr. Nr. 135 des„Vorwärts". Was der Dichter auch erschafft, Diesen Zweck muß stets es haben: Den Verstand und das Gemüch Zu erhöhen, zu erlaben. Wer nur schreibt für Ruhm und GUd, Nicht, was nöthig ist der Well, Was sie bessert und veredelt; Wer nur schreibt für die„gemeine" Menge, die belacht das Reine; Wer im Beifall sich gefällt, Den sie jauchzend um ihn wedelt, Müßt ersticken, müßt ertrinken In Kloaken, weil sie stinken. Frankfurt a M., den 22. November 1877. Ludwig Rosenberg. — Ein Beitrag zur Charakierisirung der„gebildeten" Kreise. In den liberalen Blättern wird ganz offen die Frage be- sprachen, rn welchem Bett prinzliche Hochzeilspaare ihre Braulnacht feiern werden. Da lesen wir:„Aus Berlin wird geschrieben: Die Hoch- zeiisfeierlichkeiten unserer beiden Prinzessinnen bringen das Haus Hohen- zollern einigermaßen in Verlegenheit. Selbstoerständlich kann den bei- den Brautpaaren, wenn die Vermählungsfeierlichkeiten und der Hoch- zeitsschmauS vorüber sind, nicht gestailel werden, nach gewöhnlicher Sterblichen Weise den Ehestand zu beginnen und sich in ihr gemein- schaftliches Heim zu begeben. Es muß eben das alte Ceremoniell auf- recht erhalten werden, und dieses schreibt vor, daß die jungen Eheleute die Brautnacht in der alten hoheuzollern'schen Brautkammer, in den alten kurfürstlichen Gemächern auf dem Schlosse zubringen. Wie nun aber? Zwei Brautpaare und nur eine Brantkammer. Es hat sich der Fall bisher noch nicht ereignet, daß im Hause der Hohenzoliern zwei Brautpaare an einem Tage Hochzeit machten. Man hat daher dazu schreiten müssen, eine zweiie Brauikammer herzurichten, und hat hierzu die alle hohenzollern'sche Privaikapelle neben dem„Grünen Hut" ge- wählt, welche, ganz eingebaut zwisch-n diesem und dem„Hause der Herzogin", neuerbings vollständig restaurirt ist, aber außer einigen Heiligenbildern sonst teiuen Kapellenschmuck besitzt. An diese Kapelle stoßen im zweiten Stockwerke, an der Wafferseite des Schlosses, die so- genanten braunschweigischen Kammern, die zu den Hochzeitsfeierlichkeiten ebenfalls ganz neu restaurirt werden."— Was in den gewöhnlichsten Bürger- und Arbeiterkreisen im Stillen abgemacht wird, das bringt man in der Presse der„gebildeten" Gesellschaft an die Oeffentlichkeit. — Das Auge des Gesetzes wacht zwar, aber doch nicht immer. Die„Hanauer Zeitung" schreibt näm ich unterm 24. Novbr.: „Nachfolgenden Brief, den wir der Kuriosität halber mittheilen, er- hielt ein hiesiger, frühe- in Frankfurt beschäftigter junger Kaufmann: Frankfurt a. M., 21. Novbr. 1877. Im Juli d. I. wurde von Euer Wohlge'ooren c'N Portemonnaie mit Inhalt von 13 M. 53 Pf. gefunden und abgeliefert. Da der Ber> lierer trotz erfolgtet Bekanntmachung dasselbe nicht reklamirt hat so würde naa? hiesiger Uebung Ihnen das Eigenthumsrechi zustehen. Das Fundstück ist jedoch von einem untreuen Beamten, welcher deshalb be» reits gerichtlich bestraft worden ist, unterschlagen worden. Zum Ersatz sind, außer einer Summe von drei Mark, wertere Mätel nicht vor- Händen, und würde dieser aus einem zu mildthätigen Zwecken bestimmten Fonds erfolgen müssen, falls Euer Wohlgeboren nicht etwa zu Gunsten dieses Armer>fonds aus die Rückzahlung verzichten, wie dies in ähn- lichen Fällen geschehen ist. Euer Wohlgeboreu ersuche ich ergebenst, mir hierüber Ihre gefällige Entschließung mitzutheilen. Sollte binnen acht Tagen solche nicht ein- gehen, so würde ich annehmen, daß Euer Wohlgebvren hierdurch in- direkt Ihre Verzichtleistung ausdrücken. Der Polizei-Präsident. Hergen Hahn." Wir hoffen, daß sich selbst Herr Teffendorf darüber freut, daß auch in dieser ernsten Zelt mitunter noch was Heiteres pajsirt. Gekun- denes und auf der Polizei abgeliefertes Geld aus dieser selben Polizei von einem Beamten unterschlagen das streift denn doch so an's Un- gtaubliche, daß Ben Akibas Weisheit kaum dagegen Stand halten dürfte. Doch Spaß bei Seite, ist so was wirklich schon dagewesen?— o— Exemplar der„Rundschau" mit dem Bemerken, daß dies die Le- gitimationskarte sei. Da ein solcher„Lappen" 20 Pfg. koste, so liege es auf der Hand, daß ein anderer Zweck(als der des Lesens) damit verbunden sein müsse. Wer eine solche„Karte" nicht aufzuweisen vermöge, sei vor einer tüchtigen Tracht Prügel nicht sicher. Zu der Reichstagswahl seien 31,000 Mk. Arbeiter- gclder verausgabt und in der betreffenden Versammlung, wo die Abrechnung vorgelegt worden, sei er behufs nochmaliger Re- vidirung mit zum General-Revisor ernannt. Es seien nicht nur kleine Aussetzungen, sondern sehr große gewesen, die er an der Abrechnung zu machen gehabt; u. A. sei ein städtischer Beamter dadurch zum Mißbrauch seiner Amtspflicht verleitet worden, daß er die Wählerliste ausgeliefert, wofür ihm 210 Mark ausgezahlt worden. Dieser Posten sei in der Abrechnung aufgeführt, ein Beleg aber, nicht von dem Betreffenden, sondern von einer an- deren Person dafür vorhanden(die Abschrift derselben wurde den Richtern überreicht). Ein Mitglied des Wahlcomites sei be- auftragt worden, sich nach Wandsbeck zu begeben, um Stimm- zettel an sich zu bringen, dieses Mitglied habe sich dabei für einen Polizisten ausgegeben und die Regierung betrogen(!!!), die daraus entstandenen Kosten habe der verbotene Verein getragen (!!!). Eine Rechnung, auf der verzeichnet gestanden:„60 Pf. für 3 Seidel Bier verausgabt, wofür drei Stimmen gekauft", sei un- beanstandet in der Rechnung aufgeführt. Redner übergiebt hierbei den betreffenden Beleg dem Gerichtshof— was es mit diesem angeblichen Beleg, auf dessen Vorhandensein sich Niemand besinnen kann, auf sich hat, wird eine spätere Untersuchung ergeben. Radenhausen fügt hinzu:„Hiernach können Sie beurtheilen, mit was für Mitteln diese Leute vorgegangen find". Solches sagte Ehren-Radenhauscn vor Gericht.- In der„Reform", einem hier erscheinenden gegnerischen Blatte, machte er noch andere„Ent- hüllungen", die er mit folgenden, für seine Charakterlosigkeit cha- rakteristischem Satze schloß:„Wer jedoch, wie ich, die Spitzen der Sozialdemokraten und deren Moral kennen gelernt, der wundert sich nicht darüber, sondern bedauert nur den armen Ar- beiter, der sein wenig Erspartes, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, in diesen Abgrund hineinwirfl".— Das also ist der Mann, auf den sich unsere Gegner demnächst berufen werden, wenn es sich darum handelt, die sozialdemokratische Partei zu verdächtigen, zu verunglimpfen und zu dcnunciren. Daß derselbe nichts weiter ist, als ein Krakehler von Geburt, dürste Jedem aus Vorhergehendem einleuchten. Ohne die geringsten Beweise für seine Verdächtigungen und denunciatorifchen Behauptungen beizu- bringen, verdächtigt und denuncirt er einfach. Daß unsere ehren- werthen Herren Gegner von der Presse solchen Verdächtigungen ihre Spalten öffnen, das ist so recht bezeichnend für sie. Wir unsererseits glauben durch Klarlegung der Angelegenheit Herrn Radenhausen so hingestellt zu haben, wie er wirklich ist; seine Verdächtigungen erweisen sich als Ausflüsse seiner Bosheit und wenn es den Herren Preßturkos Spaß macht, mögen sie sich immerhin damit belustigen, solche unver— gleichlichen Behaup- tungcn eines Renegaten wiederzukäuen. Die Parteiblätter wer- den gebeten, von Vorstehendem Notiz zu nehmen. Leb. ßoswig bei Dessau, 26. November.(Wahlsieg.) Bei der in voriger Woche hier stattgehabten Stadtverordnetenwahl sind unsere sämmtlichcn Kandidaten— 6 an der Zahl— mit be- trächtlicher Majorität gewählt worden. Darob großes Entsetzen und Wehklagen bei den„Liberalen". Das allgemeine und di- rcktc Wahlrecht, welches hier bei Gemeindewahlen herrscht, tauge ganz und gar nichts und es sei geradezu unerhört, daß die Stimme eines Fabrikbesitzers in den kleinen Städten nicht mehr als die seines Arbeiters gelte. In dieser Tonart heulmeiert die hiesige„liberale" Presse. Man fragt sich unwillkürlich, ob man es mit„Liberalen" oder mit Erzreaktionären zu thun hat. Das Letztere wird wohl das richtige sein, denn ein Liberalismus, der für das arbeitende Volk nur unter Umständen und dann auch nur ganz problematische politische Rechte zugestehen will, für die befitzenden und herrschenden Klaffen aber den Löwenantheil an Reckten beansprucht— ein solcher Liberalismus ist reaktiv när. Um so freudiger begrüßen wir unfern Sieg, denn es ist ein Sieg des wahren Liberalismus, welcher nur allein im Sozia- lismus, der für Alle gleiche Rechte und gleiche Pflichten ver- langt, zum Ausdruck gelangt. Wuckau, 28. November. Am 22. November c. fand hier die Stadtverordnetenwahl statt. Von Seiten der hiesigen Par- teigenossen wurde zum erstenmal beschlossen, sich an der Stadt- verordnetenwahl zu betheiligen, und wurden am 10. November in öffentlicher Versammlung die Genossen Clees und Gütge aufgestellt. Bei der Wahl erhielten die Candidaten der Gegner 194 resp. 153 Stimmen. Clees erhielt 166, Gütge 129 Stimmen. Da die absolute Majorität 183 beträgt, so ist eine Stichwahl nothwendig geworden. Diese ist auf den 13. Dezember angesetzt. Bis dahin werden wir uns also noch tüchtig zu rühren haben, um den Sieg an unsere Fahnen zu heften. G. Z. ghttngen. 30. November.(Telegramm.) Bei der gestrigen Stadtschultheißenwahl erhielt Parteigenosse Mo rlock 1019, Stadt- Pfleger Nick 939, Volksparteiler Weith 377, Volksparteiler Cam- merer 294, Justizasseffor Schöpufer 6 Stimmen. Hoch die So- zialdcm okratie! S i e d e r. Gießen. Gemäß Beschluß einer allgemeinen Gewerkschaftsversamm- lung ist chierselbst ein Central-Arbeitsnachweisebureau errichtet; dasselbe befindet sich unter Leitung und in der Wohnung des Unterzeichneten. Alle Zureiscnden wollen dasselbe benutzen. Das Comits: I. A.: B. Klerx, Neustadt D. 201. Nachstehende Schriften sind durch die Expedition des„Vorwärts" in Leipzig, sowie durch die Expedition der„Freien Presse" in Berlin, Kaiser Franz-Grenadier-Platz 8, zu beziehen: Ztriuen- und Heimathsgcjrhzebung....... Mar! 1. 50. Auerbalh, Tagebuch aus Wien...........—.70. Ausschlüsse über die badtsche Revolülien von 1849.... 1. 50. Aus den stninen von Nimrut und Olymvia......—.10. Vaumann, Berechnung über das Gewindeschn-iden.... 1. 60. Aevel, A., Unsere Ziele. 6. Auslage........—.25. -- Bauernkrieg............ 2.—. Ieter, B., Der alte und der neue Jesuitismus..... —— Briese deutscher Bettelpatrioten. 5 Lies...... -- Die Reaktion in Deutschland gegen die Revolution r. 1848 -- Mißbrauch der Nationalitätenlehre....... -- St. Fourier............... -- Geschichte der Arbeiter-Ägiiation F. Lassallc?. 5 Lies. -- Geschichte der revolutionären Pariser Commune 1789— 94 Kecker, I. PH, Vorbote. Soz-pol. Monatschrift.(6 Jahrgänge 1366— 71).............. -- Wie und Wann? Ein ernstes Wort über die Fragen und Aufgaben der Zeit.......... 2,—. —— Le Precuraeur. Organe dömocratique social des associations des travailleurs(Janvier— Mars 1877).—. 80, Bergmann» Zluch. Bericht über den Delegincntag sächfischer Berg- und Hüttenarbeiter zu Zwickau 1874....—.10. Kl«», W., Unsere Preßzustände..........—.10. -- Blut und Eisen od. die Entstehung d. Kriege» von 1866—. 50. -- Zur Geschichte der Commune von Pari?�.....—.40. -- Die Revolution zu Mainz 1792—1793.....—.60. B»rutlau, Religion und Sozialismus........—.40. Bracke, W., Der Lassalle'schc Borschlag........—.50. -- Nieder mit den Sozialdemokraten.......—.15. -- Verzweiflung im liberalen Lager.......—.15. prunnemann, Skizzen u. Studien zur französischen RevolutionS- G-schichte................ 1.—. Bürgerkrieg in Frankreich............—.15. i Shristenthum und Sozialismus. Eine religiöse Polemik..—. 15. Äivilehegtsetz............... Kulturkampf und Nolksschule in Preußen....... paniel in der Löwengrube. Gedicht........ llcdekind, Dr. Fr., Prozeß SieverS gegen Bogel v. Falkenstein ster arme Konrad. Jllufirirter Kalender für das arbeitende Bold 1877. b-och. 40 Pf. gebd....... -- für 1878. broch. 40 Pf. geb......... ! Oer Braunschweiger Ausschuß der sozial-demokratischen Ar- beiterpartei in Lotzen und vor Gericht 1871.... Der Republikaner, Schweizer Volkskalender für 1878... Die ZUSrlqrer der Commune........... Die parlamentarische Shätigkeit des demschen Reichstages von von 1871—74............. Die Dolksschule und die Lage ihrer Lehrer in der Provinz Preußen pietzgru, National-Oekonomisches. 2. Auflage..... —— Die bürgerliche Gesellschaft......... -- Die Religion der Sozialdemokratie. 4. Auflage.. -- Das Wesen der menschlichen Kopsarbeit..... pisfidentengesetz................ Douai, Dr. A., ABT des Wissens für die Denkenden. 2. Aufl. -- Antwort an den Bekenner des Theismus..... -— Kindergarten u. Volksschule als sozialdemokr. Anstalten Dulk, A., Nieder mü den Atheisten......... Sccarius, I. G., Kamps des großen und kleinen Kapital«.. Sinkommensseuergesetz............. ?»gels, F., Zur Wohnungsfrage. 3 Hefte...... -- Der deutsche Bauernkrieg.......... -- Soziales au? Rußland........... -- Bakunisten an der Arbeit.......... -- Herrn Eugen Dühring's Umwälzung der Wissenschaft. I. Theil. Philosophie...........—.50. Engländer, Sigm, Gesch-.chte der sranzöfischen Arbeiter-Asso- ziaüonen. 4 Bände, comp!.......... 3.—. tkrinnernng an Herwegh............—.10. Erinnerung an Böine.............—.20. Zranz, I., Herr Böhmert, Professor der Nationalökonomie und seine Fälschungen der Wissenschaft..... Zur die sranzöfischen Brüder........... Seid, Ä., Der NormalarbeitStag.......... -- Gedichte............... Seifer, Forderunzen des Sozialismus an Gegenwart u. Zukunft Beneralabflimmungsliste des deutsch. Reichstag» v. 1367—73. 2. —— Nachtrag von 1873—76.......... 1. Senossenschastsgeseh(Bundcsgesetz)......... 1. Sewerbeordnung für da» deutsche Reich........ 1. Sefindeordnung................ 1. besprach am Kachelofen.............—. vreulich, H., Der Staat vom sozialdemokratischen Standpunkte aus. Eine Auseinandersetzung mit den Anarchisten. flasenclever, Wilh., Liebe, Leben, Kamps(Gedichte).... hepner, Ad., Meine 3>/zjährige Leipziger Polizeicampagne.. flerr v. Treitschke der Sozialistentödter und die Endziele de« Liberalismus.............. —, 10. —. 50. 1.—. —. 60. —. 60. 1. 25. —. 40. —. 30. -. 10. -. 10, 15. -, 10. —. 15. 1. 50. -, 20. -. 15. -. 10. -. 25. -. 25. —. 15 1.—. -. 30. —. 50. -. 15. -. 10. Photographien: Gruppenbilder(Tableaux) der sog. Wiener, Braunschweiger, Leipziger und Pester Hochverräther, von der Tourbet'schcn Büste der„Liberte"(Freibei!) ä -- in Kabinetformat ä............ -- in Groß-Folio............. Pfau, L., Das Preußische Regiment vor Gericht..... Preußischer Schnaps im deutschen Reichstage...... Presjgesetz vom 7. Mai 1374.......... Protokoll des Stuttgarter Kongresses 1870...... -- de« Dresdener Tongreffe» 1871........ -- des Toburger Tongreffe» 1874........—.30. -- des Gothaer Tongresses 1876.........—.80. -- de» Gothaer Tongresses 1877........—.25. -- Holzarbeitercongreß zu Nürnberg 1873.....—. 20, Protokoll, des Schweizer Arbeiter-Tongreffe« zu Olte»..—. 25, -- des Schweizer Arbeiterbundes zu Wwterthur....—. 50, --- des 3. Tongresses des Schwei, er'schea Arbeiter-BuudeS.—. 30. Prozeß gegen Dr. H. Taufchiuski und 31 Genossen in Graz wegen ReligionSstörung und geh. soz.- dem. Verbindungen................—.76, -. 25. -. 60. 3.-. —. 30. -. 5, -. 25. 15. 20, L-. 8. 50. 90. 40. 90. 1. 1. -.60. 45, 40, 10. 60, 60. Mmann» Die internst. Arbeiter-Assoziation 1864—71, ihre Gesgichte, Programm und Thätigkeit...... —— Praktische EmanzipatiouSwinke........ —— Die Orgarnsetion der Massen........ shils-kosseugeseh. 8 Hefte, ä 0.15 Dl........ Hirsch, Die angeblichen sozialen Theorien und di« wirklichen Bestrebungen be» Herrn Bakuniu....... -- di» Partetpresse, iare Bedeuluvg und Organisattoo. Zacodi, L., ES werde Licht(Poesien)......... -- Die Idee der Emwickelung. 2 Bde. ä..... Zacotm, Joh., Da« Ziel der Arbeiterbewegung..... KnappschaflsKassenwesen vor dem deutschen Reichstag... Pomplot gegen die Intern. Arb.- Assoziation. Aus dem Französischen übersetzt von KokoSky...... König. Schwarze Kabinette............ Krasser. Dr. F., Anti-SyllabuS(Gedicht)....... -- Cetarnm cenoeo(Gedicht)......... Kunst und Sozialismus............. Lange, Arbeiterfrage.............. 80. 15, 15. 50. 50, 20. 40 50. 50. 50. 25. 40. 60. 20 15.! io.; 20. 45. Prowe, John Osawatomie Brown, der Negerheiland Kathgeber für«ewerbtreibende........... Kevidirte Landgemeindeorönung für Sachsen...... Klädteordnung............. l-littinghauseu. Sozial-demotraiische Abhaublungen. 5 Heft«- Kohleder, die Pariser Commune vor der Deputirtenkammer in Bersaille«...............—.30, Kiickcl, Sachsens Erhebung und da» Zuchthaus zn Waldheim. 1. Sack, llnsere Schulen im Dienste gegen die Freiheit.. Sauerteig, Für Männerchöre L Bmideslied, 4 ssimmig m. Partitur 0,65, ohne Partititur—. IL Der wahre Mensch„„ 0,55,„—. III. u. IV. Republik u. d. ArbeiiSmann 1,50,„ 1. V. An Michel. 4sttmmig m. Partitur 0,75,„—. VI FrühlingSgedanken„„ 0,80,„—. VII. Sängermarsch„„ 1,50,„ 1.—. Schäffle, Dr. A., Quintessenz de« Sozialismus..... 1. 20. Kchlefinger, M., Eine Reis« nach Utopien.......—.10. Scholl, Carl, die freien religiösen Gemeinden und die Sozialdemokratie...............—.25, Ichramm, Grundzüge der Nationalökonomie, 1. Abth...—.25. —— Ein Wort zur Verständigung der sozialen Frage..—. 20. Schulze, S., Der große Krach, ein Märchen für große und i kleine Kinder........... geb. j—. 50. broch.)—. 40. Serno-Solowiewitsch, Unsere rusfischen Angelegenheiten...—. 20. Sozialistische Theaterstücke. Nr. 1: Sin Schlingel...........-.35. (Zur Aufführung gehören 4 Expl. für die Rollen und 1 Expl. sür den Soufleur. Preis'complet M, 1.50) Nr. 2: Preßprozess«............—. 25. (Zur Aufführung gehören 5 Expl. sür die Rollen und 1 Expl. für den Soufleur. Preis compler M. 1.40.) Nr. 3: Ein Opfer............—.40. (Zur Aufführung gehören Ig Expl. für die Rollen und 1 Expl. sür den Soufleur. Preis complet M. 6.) Specht, Populäre EutwickluugSgesiplchtt de» Weltalls... 2. 50. Statuten der Znternattonalm Arbeiter« Affoztatiou 10. Statistische Tafel der sozialistischen Wahlen z. deutschen Reichstage—. 20. Strafgesetzbuch für das deutsche Reich Strodtmann, Die Arbeiterdi�tung in Frankreich l broch. I eleg. gbd. | broch, eleg. gbd. 1. 1. 60. 50, 60, 50. 40, 1. 15. 10 —, 50 1.—. -. 20. -. 12, 60. S. 75. 2. 25 1.—. 30. 3—, 2.—. 5.-. Lassalle, F., Arbeiterfrage............ -- Ueber Berfassungsweser, Macht u. Recht, Was nun?. -- An die Arbeiter Berlins.......... --- Offenes Antwortschreiben.......... -- Arbeiterlesebuch............. -- Arbeiterprogramm............ -- Die Wissenschaft und die Arbeiter....... -- Criminalprozeß, III. Instanz......... —— Die Feste, die Presse:e........... -- Bastiat Schulze............. -- Indirekte Steuern..'.......... -- Düsseldorfer Asfissenrede.......... -- Fichte'« Philosophie............ -- Julian Schmidt...........%. Leben und Thaten des Generals JaroSlaS Dombrowskt.. Lehn, Juristisches Taschenlexikon.......... Leipziger Hochverrath-prozek..........-. Liebknecht, W., Zn Trutz und Schutz........ --- liebe: die politische Stellung der Sozialdemokratie.. -- Wissen ist Macht— Macht ist Wissen. 2. Aafl... -- ReichitagSrede 1874........... -- Zur Giuud-.,nd Bodenftaze 2. Aufl....... Lübeck, C., die Baterlandslosen(Novelle)....... Lammet, Jesu» von Nazarctb........... — Johannes Huß............. Mari, Der Cölner Communisten- Prozeß. 2. Auf..... --- Da« Kapital. 2. Aufl........... -- Der XVIII. Brumaire des Louis Bonaparte.... -- und Engels, Kommunistisches Manifest..... Mznet, Geschichte der franz. Revolution von 1789 bi» 1814, deutsche Uebersetzung gebd.......... Minister Eulenburg und die deutsche Sozialdemokratie... Most, Liederbuch, gbd. 40 Pf., broch......... -- j)ie Pariser Commune vor den Berliner Gerichten.. -- Sammlung von Reichs- Gesetzen: 1. Heft: Gewerbeordnung.......... 2. Heft; Freizügigkeit!!., Impf-, Lohnbeschlaguahme- und Haftpflicht-Gesetz........ -- Kapital und Arbeit............ -- Bastille am Ptötzensee........... -- Der Kleinbürger und die Sozialdemokratie..... -- Die Lösung der sozialen Frage........ Moralt, F. A,, Arbeiierkrankheiten. 1. Schädliche Gase. 2. Schädliche Dämpte, al« Krankheitsquellen.... Vldenburg, Was wollen die Sozialdemokraten?..... lStto-Watfter, A., Allerhand Proletarier. Sine HauSgeschicht«. -- Rieuzi. Drama in 5 Auszügen........ -- Am Webstuhl der Zeit. Soz. Roman...... -- Sine mittelalterliche Internationale. Histor. Novelle. -- Kranke Herzen............. -- Braunschweizer Tage........... -- Schutz in den Gewerkschaften......... Photograpizien: Fenerbach, Heß, Herwegh, Johann Jacobp, Lassalle, Lauge, Aorck, Blauqui, Cremieux, Delescluze, DombrowSki, Ferrö, Flourens, Maral, Milliäre, Owen Raoul-Rigault, Rossel ic.; in Bifitenkartenformat a. 15. 35 10 08. 30 10. 15, 30, 15. 50, 40, 30. 25. -- Brutus I schläfst Du?..... Tessendors und die deutsche Sozialdemokratie Theokraiisches Kirchenthum und autokratischeZustiz. Ein Gottes- lästerungsprozeß vor dem Schwurgericht zu Eßlingen—. 75. Pahlteich, Der Deklamator. Heft 1, 2, 3, 4 ä.....—.15. Pereins- und Versommlungsgeseh für Sachsen.....—.10. Nersalsung de« dezitfchen Reiches..........—.75. fiogel,-potbeken-Monopol............—.60. ;-- Verfälschung der Lebensmittel........—.60, LolKsstaat- Kalender für 1874...........—. 20, -- für 1875...............—. 20. Uolksstaat-Zremdwörterduch........ j—! 66! volksschulgesetz für Sachsen............ 1.—. Villmar, G., Waldverwüstung und Ueberschwemmung...—. 15. Wahre«estalt des Christenthums..........—.50. i Wohnungsfrage. Ein soziale Skizze.........—. 10, WiiltKe, Die deutschen Zeitschriften......... 2.—. tzorck, Die industrielle Arbeitersrage.........—.10, Zimmermann, Pfaffcnpeitsche. 1. Bd......... 1, 60. ■ Zeitgeist, Eine Studie.............— 25, Briefkasten Herrn Ph. Böhler in Kaiserslautern. Die gewünschte Adresse lautet: B. Klerx in Gießen, Neustadt D. 201. E. L. Mainz: Wenn möglich soll die Uebertragung bald geschehen. 1.—. -. 75. 1.—. 3.-. 10. 20. 10. 75. 75 30 30 25. 5ö! 20, 80. 30. 30. 60. 25, 15. 50. 60. 50. 40. Quittung. Anhalter Assoziationsbuchdruckerei Bernburg An. 150. Sämmtl. Gewerksch. hier An. 0,70. F. W. Christophsgrund Ab. 20,00. Sänger des Wahlvereins Linden Ab. 1,50. Zhtnr Darmstadt Ab. 2-i,05. Hnng Würzburg Ann. 2,00. Lgs Hannover Ann. 3,00, Schr. 1,40. Mj Bremen Ami. 0,60. Rchlr Ziegenrück Ab. 0,60. Englmnn- Achim Ab. 5,70. Oehm hier Ann. 0,40. Wlthr Kiel Ab. 0,55. Rdgr Halle Ab. 15,00, Schr. 5,00. Khn Oldendrs Schr. 0,60. Fr. Engl Reudnitz Ab. 26,30, Schr. 2,60. Frtz Offenbach Ab. 30,00. Mrtn Schmölln Ab. 7,85. Kn Sckußenried Schr. 5,00. Sbrt Cassel Ab. 15,15. Ick Delitzsch Schr. 1,60. Rhr Markirch Schr. 3,20. Fonds für Gemaßregeltr. Vom Arbeiterverein Plagwitz 1.00. C. W. Zürich 32,25. Volkse Versammlung Zwenkau d. N. 4,30. Arbeiterverein Plagwitz 1,17, Dittrs Pforzheim 0,90. A. D. i. M. 30, CO. Gewerkschaft der Manufaktur, Fabrik- u. Handarbeiter Deutsch- lands(Sitz Crimmitschau). Den 25., 26. und 27. Dezember a. c. wird obengenannte Gewerkschaft in Grra ihre ordentliche Generalversammlung abhalten. 60)(F. 65) Für die Verwaltung: (3a) C. Uhlmann. Die Geburt eines gesunden Knaben zeigen an Leipzig, 29. November 1877. W. Liebknecht. Natalie Liebknecht geb. Reh. Prachtvoll und solid gearbeitete Einbanddecken 10 30. 40. 30. 3. -. 75. 1.—. 2. (Goldpressunglfür die z; S:„Neue Welt" Jahrgang 1876 u.<7 —. 40. sind in Schwarz a Stück M. 1,20, in Roth M. 1,50 gegen baar , n,,. v____ u v;, OQ.----„nr,.vv i'rth!!« 50. 10. 21. iinv in-cujiuuij a«mu a/i.> ,~v,>» cTv'V 3 a;:••— oder Nachnahme durch die Buchbinderei von H. Jansen, Leipzig» UniversitätSstraße 16 zu beziehen. Colporteure und Filialexpeditionen erhalten bei Particbezug entsprechenden Rabatt. Porto zu Lasten der Empfänger.«»x. NB. Bestellungen hierauf werden entgegengenommen und effekwirt von der Expedition der„Neuen Welt", Leipzig, Färberstr. 12. Verantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipzig. Redaktton und Expeditton Färbersttaße 12/11. in Leipzig. Druck und Verlag der Gcnossenschaflsbucbdrnckerei in Leipzig.