erscheint in feipjij tRÜttsoA, Fr-it-ig, Sonntag. ÄbonnemcntspreiS tno ganz Teutschland 1 M. LS Pf. pro Quartal. Monats- Äbonncments «erden bei alle» deutschen Postanstalten »at den 2. und 3. Monat, und aus den : Monat besonders angenoinnten: im «Snigr. Sachsen und Hcrzogth. Sachsen- Altenburg auch aus den llen Atonal des Quartals st 54 Psg. Inserate detr. Persammlungen vr. Petitzcile 10 Ps., i-etr. Prtratangelegenheiten und Feste pro Petitzcile ZS Pf. Gentrat Hrgan der Sozialdemokratie rcstellunizcn nehmen an alle Postanstalten und Bnch. Handlungen des In- u. Auslandec. Fillal- Expeditionen. New-Uorl: Soz.-demotr. Genossen- schastsbuchdruckerc,, IM Eldridge Str. Philadelphia: P. Hab, 630 Korb 3-0 Street. I. Voll, 1129 Charlotte Str. Hoboten N.J.: F. A. Sorge, 215 Wash- iDgton Str. Chicago: A. Lansermann, 74 Clybourn«- uve., Ean Franzisco: F. Enh.«S O'FarrclI ftr. London W.: C. Henze, 8 Rqw Golden Square» Deutschtands. Nr. 146. Preußische und liberale Urtheile über Unab- hängigkeit des preußischen Richterstandes. Als vor einigen Tagen ein sächsischer Junker sich scharf über die preußische Justiz aussprach und die Legende von den„Richtern in Berlin" für„ein Mährchen aus alten Zeiten" erklärte, brach unsere nationalliberale Presse in einen wahren Sturm der Ent- rüstung über diese abscheuliche Blasphemie aus. Und als wir daran erinnerten, daß das, was der„sächsische Junker" gesagt, weit schärfer vorher von preußischen Liberalen, zum Theil Führern der nationalliberalen Partei gesagt worden, da pöbelte uns der bekannte Postheld Leonhardt in der„Weser-Zeitung" und an- dern Blättern dieser Couleur mit Ausdrücken wie„Infamie" an. Nun, da wir einmal„infam" sind, wollen wir auch die „Infamie" so weit treiben, jene preußischen und liberalen Urtheile hier abzudrucken. Versetzen wir uns in den Anfang des Jahres 1866 zurück: die Verurtheilung Twesten's wegen einer, nach der Verfassnng gerichtlich nicht verfolgbaren Rede im Landtag hat die liberale Majorität des preußischen Abgeordnetenhauses in die höchste Aufregung versetzt. In der Sitzung vom 9. Februar(1866) kommt die Sache zur Besprechung und es äußern sich bei dieser Gelegenheit: v. AorckenvecK: In der Verfassung steht: es soll kein Geld ohne unsere Bewilligung ausgegeben werden,— seit vier Jahren wird das Geld des Landes ohne unsere Bewilligung ausgegeben; — in der Verfassung steht, daß die Minister verantwortlich sind und wegen Verletzung der Verfasiung, des Verbrechens des.Ver- raths zur Anklage gezogen werden können. Was erklären die Minister? Ja, wir sind verantwortlich, aber nur Gott allein, wir sind aber Menschen. Es steht ferner in der Verfassung: Wir Abgeordnete sind unverantwortlich und die Minister sind ver- antwortlich, und was antwortet uns der höchste Gerichtshof? Ihr Abgeordnete seid verantwortlich! Meine Herren, das ist das Zerrbild einer Verfassung, welches dieses System dem preußischen Volke jetzt zu bieten wagt. Und was haben wir in dieser Lage zu thun? Meine Herren, einfach zu constatiren, daß der Einbruch in die Verfassung, in das letzte Bollwerk der Ver- fassung geschehen ist, auszusprechen, daß wir ohne Geld, ohne Verfügung über Leute, ohne den Schutz unabhängiger Richter, diesem System entgegentreten wollen fort und fort, wie es unsere Pflicht ist, die uns das Land auferlegt. Professor Wommsen: Es ist Heuchelei, wenn man spricht von der Heiligkeit des Rechts, wo das Recht täglich in einer Weise gebrochen wird, daß es unmöglich ist, nur an die dona fides der Richtenden, der Beschließenden in ihrer Mehrzahl zu glauben. Ich gebe allerdings zu, es kann einen einzelnen Mann, einen einzelnen Fürsten geben, der den Artikel 84 bona üde in dem Sinne auslegt, daß eine Anklage der Ab- geordneten dabei möglich ist. Aber wo das höchste Gericht des Landes in seiner Majorität einen solchen Beschluß faßt, welcher dem gesunden Menschenverstände, der einfachen Auffassung der Dinge, der auowritas rerum xerpetuo similiter juäieatarum (Die Autorität, die in dem Vertrauen wurzelt, daß die Recht- sprechung unparteiisch und gegen Jeden unwandelbar die gleiche sei. Red. d.„B.") in dieser Weise in's Gesicht schlägt, ist es nur möglich dadurch, daß unter den Richtern einzelne sind, die unter Beeinflussung stehen, die nicht nach dem Recht richten, son- dern nach Gunst, und die das Recht nicht bloß unwissentlich brechen, was Jedem begegnen kann, sondern wissentlich. Professor Hncist: Unsere ganze Staatsverwaltung in Preußen ist so gestaltet, daß sich noch immer jedes Staats-Hoheitsrecht handhaben läßt. gegen das Gesetz und gegen die Verfassung, so lange sich unter vielen Personen nur eine kleine Zahl findet, welche auf Pflicht und Gewissen versichert: Uns scheint es so noth- wendig, recht oder angemessen.—(Nach einem Hinweis auf englische Vorkommnisse): Ein unverwerflicher Zeuge und Zcitge- nosse, der conservativste uller Lordkanzler, der Earl Clarendon, Schwiegervater Jacob II., sagt darüber die Wahrheit: Diese Jrrthümer sind nicht dem Hofe zuzurechnen, sondern dem Geiste und der Ueberdienstfertigkeit der Juristen, die sich sorgfältiger hätten hüten sollen, ihren Berus und ihre Col- legen zu entwürdigen durch solche Dienste, welche beide so sehr dem Vorwurf ausgesetzt haben. Es ist nicht zu sagen, welchen Schaden und welches Unheil Krone und Staat er- fuhren durch den verdienten Tadel und die Infamie, welche die Richter traf, die sich in diesen und ähnlichen Akten der Gewalt brauchen ließen. Meine Herren! Ich könnte das selbst sagen! Sie werden aber zugestehen, daß in dem Munde eines Lordkanzler Clarendon diese Worte mehr bedeuten als in meinem Munde. (Gneist führt nun weitläufig aus, wie auf die Richter einge- wirkt worden ist, und sagt dann): In der That hat die eindringliche Fragestellung Erfolg gehabt. Der General-Staatsanwalt hat sich eines Besseren belehrt, die Richter und Hilfsarbeiter haben sich einer besseren, so oft und von solcher Seite empfohlenen besseren Interpretation insoweit befleißigt, daß ein Mehrheitsbeschluß zu Stande gebracht ist.... Ich habe es stets ausgesprochen, daß kein Fortschritt unserer Justiz den Krebsschaden jemals gutmachen kann, daß diese Auf- lösung der Gerichte in kleine, unter dem Einfluß der zeitigen Verwaltung ernannte Commissionen ein sehr schlimmes Ende wit Schimpf und Schande nehmen müsse. Commissionen, die unter der falschen Firma von Collegien erkennen, haben selbst ein Gefühl der Unwahrheit in sich, denn ße wissen, daß die politische Jurisdiktion in diesem Lande geübt wird durch Vertrauenscommissionen der jetzigen Staatsminister!..... Das weiß jeder Mensch, daß so lange die menschliche Natur sich treu bleibt, unter 4000 Freitag, 14. Dezember. Richtern und Hilfsrichtern, die dem Herrn Justizminister un- mittelbar und mittelbar zu Gebote stehen, einmal drei, und ein- mal fünf, und einmal sieben Commissarien zu finden sind, die uns verurtheilen. Wenn man drei Männer aus einer solchen Zahl heraushebt, drei Männer, denen gegenüber man der Vertrauensgeber, oft der Wohlthätcr ist, da entspricht es der menschlichen Natur, daß ein in die Person so gesetztes Vertrauen selten getäuscht wird!— Abgeordneter Kanngießcr: Der Herr Justizminister sprach es als eine Tendenz bei Besetzung des höchsten Gerichtshofes des Landes aus: lediglich charakterfeste Männer zu wählen, die der öffentlichen Meinung Widerstand zu leisten im Stande wären! Nun, meine Herren, wir haben diese Aeußerung ver- standen und das Land hat sie verstanden. Es hat sich in uns, wie im Lande, die Ueberzeugung befestigt, daß das Ober-Tri- bunal den Anhängern unserer Partei verschlossen ist, und sich nur solchen Männern öffnet, welche vermöge ihrer Traditionen, ihrer ganzen Lebensrichtung und ihrer politischen Stellung den Grund-Anschauungen und den Grundsätzen des modernen Staats und Berfassungslebens fern stehen.— Wenn die preußische Justiz den Art. 84 mit seiner unbeschränkten Rede- freiheit aus der Verfassung herausinterpretirt, dann hat das Königthum in Preußen eine Schlacht verloren; denn es wankt der Glaube des Volks an die Herrschaft und die Hei- ligkeit des Rechtes! Stadtgerichtsrath tzmeflen: Wenn der Regierung daran ge- legen ist, daß von einer langen Praxis, von einer feststehenden Auslegung der Gesetze abgegangen und eine neue Interpretation an die Stelle gesetzt werde, dann werden neue Möglichkeiten auf- gestellt, es wird über Unzuträglichkeiten, Ungeheuerlichkeiten geklagt, die Nothwendigkeit einer andern Entscheidung negirt, Gesichts- punkte aller Art werden geltend gemacht—, Staatsanwälte, Prä- sidenten sprechen mit Einzelnen umher, die Stimmung wird gemacht. Von dem Präsidenten des Ober-Tribunals, v. Schlieck- mann, wird gesagt, daß er schon in der Zeit, als er noch Vice- Präsident des Ober-Landesgerichts in Naumburg war, sehr wohl verstand, auf die erkennenden Richter einzuwirken. Ein Fall derart ist gerichtlich constatirt worden.— Meine Herren! Nicht alle Richter antworten in solchen Fällen, wie der Prästdrnt Sicn-.iev auf die recht-widrigen Zumuthungen des Restaurations-Ministers Pcyronnet:„La. cour rend des arrets et non pas des Services!"(Der Gerichtshof ist da, um Urtheile zu fällen, nicht um Dienste zu leisten sLakaiendienste zu ver- richten). Die Red. d.„V.") Sie leisten Dienste, das wieder- holt sich zu allen Zeiten. Freilich könnte sich die rechts- verachtende Gewalt nicht am Ruder erhalten, wenn sich ihr nicht die servile Ehrlosigkeit zur Verfügung stellte. Der Herr Minister-Präsident(Bismarck) rief uns in diesem Saale zu:„Verklagen können wir Sie nicht",— im Herren- hause sagte er:„Wir werden es versuchen". Nun, es ist ver- sucht und es ist gelungen. Die Richter des Criminal- Senats für die ostländischen Provinzen stimmten die Mitglieder des rheinischen Senats nieder, aber es mußte noch eine Majorität beschafft werden. Der Präsident Uhden sandte noch zwei zu- verlässige Hilfsarbeiter in den Criminal-Senat und nun war die Majorität von einer Stimme gewonnen! Die Herren Minister können in der That triumphiren über ihre Erfolge, aber mögen Sie Ihre Richter mit allen Orden des preußischen Staats behängen, Ihre Sterne decken die Wun- den nicht, welche diese Männer ihrer Ehre vor der Mit- und Nachwelt geschlagen haben, leider aber nicht blos ihrer Ehre, sondern auch der Ehre ihres Vaterlandes. Prediger Richter: Was die Revolution von unten nicht ge- wollt und nicht gethan hat. nämlich die Rechtspflege zu er- schüttern, das ist jetzt eingetreten, und darum können wir nicht die Augen verschließen. Es steht leider sehr übel mit dem, was uns so oft vorgehalten wird, mit der Selbständigkeit unserer Richter. Ich will Ihnen nicht einen Präsidentendes Ober-Tribunals nennen, aber doch einen Chefpräsidenteu eines anderen Tribunals;— er schloß im vorigen Jahr seine klagende Rede über die Angriffe unseres Collegen Twesten mit dem Wahl- spruch:„Wie er länger als 50 Jahre bisher gethan habe, so wolle er auch weiter thun, nämlich eine unparteiische, Gott und Sr. Majestät wohlgefällige Justiz zu admiuistriren." M. H.! Sehen Sie nicht den furchtbaren Widerspruch in den beiden Worten? Was ist denn Gott wohlgefällig? Ohne Ansehen der Person! Und wenn es heißt:„wohlgefällig Sr. Majestät", ist denn das eine Justiz, die als selbstständig in unserer Ver- fassung hingestellt wird? Von wohlgefällig ist weder in der Ver- fassung, noch in der Ordnung Gottes etwas zu lesen! Und wenn solche Sprüche als Wahlsprüche der höchsten Gerichtsbe- amten ausgesprochen werden, dürfen Sie sich dann wundern, daß Zweifel und ernste Erwägungen über die Unabhängigkeit der Richter, namentlich der in den höheren Regionen gehegt werden? Es ist das früher ein öffentliches Geheimniß gewesen, jetzt ist es ein lautes geworden! Schulze-Delitzsch: Weiter wird auch durch das Vorschreiten des Königlichen Staatsministeriums die richterliche Gewalt, indem man sie zur offenbaren Mithilfe bei den in Frage stehenden Verfassungsverletzungen heranzieht, auf das Schwerste in ihrer Stellung compromittirt. Mit den Verwal- tungsbeamten hat es begonnen, bei den Verwaltungsbeamten war es die Purifikation, mit der man die Sache angriff. Die widerwilligen Werkzeuge wurden entlassen. Bei der Justiz geht das nicht, mit der Purifikation kommt man nicht fort, man muß vielmehr den entgegengesetzten Akt anwenden um hier Einfluß zu erlangen. Man entläßt nicht Widerwillige, die sich nicht dienstbeflissen in dieser Beziehung erweisen dem Ansinnen der Minister gegenüber, sondern man zieht Dienstwillige hinzu. Hier werden wir erleben, daß ganz besondere Probestücke in passenden Fällen abgelegt werden müssen, vermöge welcher man solcher Probe und Hilfsarbeiter für alle Zeiten sicher sein kann, weil eine Umkehr, wenn man einmal derartige Dienste geleistet hat, für immer unmöglich ist. Vice- Präsident Simson: Ich habe die Ueberzeugung ausge- sprachen, daß es auf dem Wege, den die Königli'�e Regiening geglaubt hat, betreten zu müssen, kein Anhalten giebt; daß mit dieser Art der Regierung schlechterdings unverträglich ist, was der Freiheit auch nur entfernt ähnlich sieht. Die Herren können nicht regieren mit einer freien Presse; sie können nicht regieren ohne Einfluß auf die Zusammensetzung der Gerichte, und sollte dadurch das Ansehen der Justiz im Lande untergraben werden; sie können nicht regieren, ohne Ein- fluß auf die Wahlen, und sollte dadurch ein scheinbares Re- sultat gewonnen werden, wodurch das Gegentheil von dem aus- gesprochen wird, was wirklich in dem Herzen der Nation lebt, sie können nicht regieren mit einer freien Communal- Verwaltung, sie können schließlich auch nicht regieren mit einem Hause, in welchem unbedingte Redefreiheit herrscht. Gutsbesitzer Frentzel: Wenn ich und mein College Twesten verurtheilt werden, so ist ein Verbrechen dann gegen mich und den Abgeordneten Twesten begangen; es ist ein Ver- brechen, wie es vor mehr als 200 Jahren gegen die beiden eng- tischen Abgeordneten begangen ist, und ich kann nur wie jener Engländer sagen: „Es haben sich verbunden die Räthe der Krone, die Staats- anwälte und leider auch die Richter, um meine individuelle Freiheit und die Freiheit meines Collegen Twesten zu unter- drücken, und zu unterdrücken die Freiheit und die Rechte dieses Hauses und des preußischen Volkes." (sineiß(persönlich): Der Abgeordnete für Ratibor hat mich so verstanden, ich hätte nur Vorwürfe gegen die Einrichtungen erhoben, nicht gegen die Personen. Ich halte es für nothwendig, darüber keinen Zweifel zu lassen, daß ich diese Hergänge und Beschlüsse nicht als ein bloßes Produkt von Einrichtungen und Zufällen ansehe. Ich bin vielmehr der Meinung, daß in dieser ganzen Kette von Handlungen eine Reihe von Verletzungen der persönlichen Pflichten von Justizbeamten stattgc- funden hat.....Aber ich muß den Vorwurf gegen die Per- sonen in zweite Linie stellen. So weit diese Entschuldigung nicht ausreicht, erhebe ich laut und ausdrücklich den Vorwurf der Pflichtwidrigkeit gegen die Personen!--- Genug. Man steht, der„sächsische Junker" ist sehr zahm gewesen im Vergleich mit den nationalliberalen Führern: Gneist, Forckenbeck, Twesten, Simson, Mommsen. Auf Wunsch können wir mit einer weiteren Blumenlese auf- warten. Idealismus— was ist's damit? Von A. Douai. V. Die theoretischen Idealisten pflegen nun bei solchen Aus- einandersctzungen, wie unsere bisherigen, einzuwenden, daß es ein Bedürfniß des Menschen, also von Natur gerechtfertigt sei, nach den letzten Gründen aller Dinge zu forschen— und da reden sie scheinbar unsere eigne Sprache. Denn wir gestehn ja bereitwillig zu, daß alle wirklichen Bedürfnisse ihre Befriedigung verlangen und in der Regel auch erlangen. Es fragt sich also blos, ob es wirklich ein Bedürfniß gebe, über die denkende Erwägung unsrer Sinnenerfahrung hinaus ins Uebersinnliche zu schweifen. Und hier werden wir in unsrer Antwort sehr scharf unterscheiden müssen. Es kann vielleicht mehr nützen als schaden, wenn man an der Hand der langen Reihe von Philosophen alle Irrwege kennen und meiden lernt, welche der Menschengeist in seinem Aufst. g vom Thierscin zum Selbstbewußtsein hat wandeln müssen. Nur wird das so zu Lernende sehr theucr erkauft, und unsere Z:t sollte viel besser angewandt werden, indem wir sofort Sinne u id Verstand nach Maßgabe heutiger Naturerkenntniß schärfen u.b gegen Irrlehren wappnen lernen. Was krankhafte Gelüste, eig c- finniges Anstreben gegen bewährt heilsame Gesetze und Verbr:?, Widerwillen gegen Waffer und Seife im Leibcsleben sind, las stellen die spekulativen Flugversuche, die ldealistischen Theo: im im Geistesleben vor. Sie gleichen der Selbstbefleckung. Die Menschheit hat ein unerbittliches Interesse daran, alte Jrrwe e, auf denen sie selbst mit genauer Roth an's Tageslicht des wnk- lichen Erkennens und sittlichen Wollens emporgeklimmt ist, gänzlich zu versperren, damit Zeit und Kraft der Nachkommen zu rascherem Fortschritt aufgespart werde. Jeder neue Versuch, den thcor ti- scheu Idealismus am Leben zu erhalten, ist reaktionär und sollte ernstlich widerrathen werden., Zu Kant's Zeiten, da das Selbstdenken und Erkennen noch ein Vorrecht der herrschenden Klassen war, beurkundete sich ein riesiger Geistesfortschritt, eine wahre Großthat in der Feststellung dieses Denkens, daß Raum und Zeit bloße Anschauungs- formen und die Kategorien(Grundbegriffe) bloße Denkformen des menschlichen Geistes find. Heutzutage, da die arbeitende Menschheit, Kopf für Kopf, nach dem Mitgeuuß der praktischen Ideale strebt, ist es schon reaktionär, diese Ausdrucksweise bei- zubehalten, welche die Nachfolger Kant's(ja in älteren Jahren ihn selbst) in den Irrgarten der Wortschwindelei zurückgeführt hat. Raum und Zeit sind nichts, sobald sie auf das Ueber- sinnliche oder Unendliche angewandt werden; es sind dies von den endlichen Dingen entnommene Begriffe, denen etwas Wirk- liches nur entspricht in endlichen Dingen. Wenn wir durch das Bedürfniß der Sprache genöthigt werden, von unendlichem Räume und unendlicher Zeit zu sprechen, so sollen wir wissen, daß dies dichterische, bildliche, ja nicht buchstäblich zu nehmende Ausdrücke sind. Die Kategorien(Begriffe von Quantität und Qualität, Ursächlichkeit, Möglichkeit, Nothwendigkeit:c.) finden mit Recht ebenfalls nur auf Erfahrungsgegenstände Anwendung, welche dieselben uns aufdrängen. Sie bedeuten gar nichts und führen uns nur in unlösliche Widersprüche, sobald sie vom nicht End- lichen, nicht Erfahrungsgemäßen ausgesagt werden. Es ist Schwindel mit Worten und oft genug Selbstbetrug, wenn man noch immer mit Spinoza das Denken und die Ausdehnung, oder mit Kant eine sittliche Weltordnung, oder mit Hegel die absolute Idee, oder mit Schopenhauer den unbewußten Willen als das Grundprinzip aller Dinge, das erste Bewegende hin- stellt. Etwas ganz Anderes aber muß es genannt werden, wenn man die vielen verschiedenen Stoffe und Kräfte möglichst auf einen oder wenige zurückführt. Ja, der denkende und forschende Mensch hat ein unabweisbares Bedürfniß, die Einheit in den vielen Dingen, die erste Ursache in einer langen Reihe von Wirkungen, Ordnung und Gesetz in der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen zu suchen und zu finden. Das ist das Verfahren der Wissenschaften, welche auf beweisbare Erfahrung bauen. Jede neue solche Erfahrung und jede darauf gegründete denk- richtige Schlußfolgerung gewährt höchste Befriedigung, eröffnet aber zugleich den Ausblick auf neue Räthsel, und darin liegt das reine Glück, welches alles ernste wissenschaftliche Streben mit sich bringt. Fertig zu sein mit aller Forschung— dieses Bewußtsein könnte der Mensch gar nicht ertragen. Allein damit hat es eben gute Wege; es ist dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Wer aber, auf seine Geisteskraft vertrauend, in das Ueberfinnliche flüchtet, um aus der Zerglie- derung und Wiederverknüpfung von Begriffen und Worten, welche stets bloße Spielmarken bleiben, das reine Gold ewiger, unbe- dingtcr, grundlegender Wahrheiten zu Prägen, der verwüstet nicht nur seine Kraft, die ihm nicht allein gehört— er hilft des- potische Gesellschaftseinrichtungen stützen. Man fühlt sich ver- sucht, über sein Streben zu lachen, daß er sich wie Münchhausen am eignen Schöpfe aus dem Sumpfe ziehen will; man muß ihn warnen vor der Gefahr, welche das Geltendmachen angeblicher „unbedingter Wahrheit" für die Menschheit mit sich bringt. Er hat kein Recht, die gesunde Nahrung, welche die Gesellschaft ihm bietet, blos mit den Ausscheidungen seines Körpers zu vergelten; er soll ihr nützen durch beweisbare Früchte seines Denkens. Die Gesellschaft der Zukunft kann keine spekulativen Philosophen dulden, sowenig als Giftmischer; oder vielmehr ihre Mitglieder werden von selbst sich ohne solchen Schwindel mit hohlen Worten ehrlich ihren Lebensunterhalt verdienen wollen. Der menschliche Geist ist auch ohne alle spekulativen Ausflüge in das übersinnliche Gebiet bewundernswürdig in seinen Lei- stungen, und wenn erst alle Menschen sich am Verständniß, Genuß und Fortschritt derselben betheiligen können— welche reiche Quelle reinsten Glücks wird ihnen sprudeln! Um das Ergebniß unserer Untersuchung zusammenzufassen, müssen wir sagen: Die Beschränftheit unseres Geistes ist ebenso gut auch keine Beschränktheit. Innerhalb desjenigen Gebietes der Erkenntniß, in welches wir eingeschlossen sind, weichen die Grenzen unablässig weiter zurück, weil unsere Sinne durch neue Werkzeuge geschärft, unsere Beobachtungs- Methoden verbessert, unsere Verstandesschlüsse durch neue Versuche und die Wechsel- seitige Unterstützung der verschiedenen Wissenschaften mit ihren neuen Forschungsergebnissen berichtigt werden. Außerhalb dieses Gebietes haben wir, d. h. hat die jugendliche Menschheit sich ein übersinnliches Gebiet erträumt und mit unwirklichen Gestalten und Erscheinungen angefüllt. Sie hat es gethan und thun müssen, weil sie in Gegensätzen zu denken gewohnt ist, am Gegen- satz erst denken lernt, und weil ihre sinnliche Beobachtung und ihre Verstandesschlüsse noch sehr mangelhaft waren, während doch das Streben nach Erkenntniß Befriedigung suchte. Durch die unlösbaren Widersprüche, in welche dabei ihre Gedanken sich verwickelten, ist fie dahin gedrängt worden, ihre einzig wirklichen Erkenntnißmittel zu verbessern und ihren kindischen Einbildungen S mißtrauen. Indem sie sich auf das einzig Erkennbare be- ränkte, wurde ihr Erkenntnißkreis nicht enger, sondern stets weiter. Indem sie ihre früheren Träume als Träume verwarf, wurde ihre beweisbare und beglückende Wirklichkeit, ihr Tagleben nur immer reicher. Sie begann einzusehn, daß der Dichter mit Unrecht singt:„ein Wahn, der mich beglückt, wiegt eine Wahr- Demimonde-Poeste. (Schluß.) Außerdem sind diese neuesten Blüthen an dem alten Wun- derbaum deutscher Lyrik dazu bestimmt, den jungen Mädchen, welchen er jetzt in löblicher Selbsterkenntniß zuruft: „Blonder Schatz mit Lockeuhaaren, Ter Du hängst noch an der Pflicht, Keusch die Tugend, Dir zu wahren, Engelsköpfchen, lies mich nicht. Böses wirst Du bei mir finden, Was vorher Du nie gedacht":c. in späteren Jahren zu einer angenehmen Emotion zu dienen. „Engelskopf mit blonden Haaren, Glaube mir, die Tugend schmerzt, Ist sie etwas reif an Jahren, Hat sie jeden Kuß verscherzt. Denn, ach dann fragt fie vergebens, Ob es keinen Räuber giebt, Der sich für den Rest des Lebens Sterblich noch in fie verliebt. Wo Du gern dann abgegangen Von der Tugend strengem Pfad, Bleibst Du in den Dornen hangen, Denen sich kein Räuber naht. Dann greif still zu diesen Blättern, Du begreifst mein Lied vielleicht, Das mit seinem lust'gen Schmettern Seine Liebe nicht verschweigt." Weibliche Tugend ist also unssrm„Dichter" ein Gräuel, eine lächerliche Dummheit und er gibt unfern jungen Mädchen mit klassischer Unverblümtheit den Rath, sich dieses lästigen Besitzes so rasch als möglich zu entledigen. Man begreift nun wohl das zustimmende Kopfnicken, mit dem wir auf S. 253 lasen: Ich warf euch kühn den Handschuh hin, Wohlan, beginnt zu schreien, Weil ich ein wenig anders bin, Solch' einer von den Freien, heit auf, die mich zu Boden drückt." Denn der erkannte Wahn macht bereitwillig der erkannten Wahrheit Platz. Was von den Gespenstern und der Teufelsfurcht, kurz von jedem Aberglauben gilt, daß sie nicht beglückender Wahn sind, sondern den Geist zu Boden drücken, und daß ihre Vernichtung im klaren Denken eine Erlösung und Bereicherung des Geistes ist, das gilt von allem llebersinnlichen. Das gilt vom Unend- lichen, vom schrankenlosen Räume, von der ewigen Zeit, von der ersten Ursache, vom Weltzweck, von der sittlichen Weltordnung, von der Schöpfung, vom Absoluten oder Unbedingten, vom stoff- losen Geiste und vom geistlosen Stoffe, von der ersten Bewegung und von der schlechthinigen Vollkommenheit. Alle diese Begriffe sind dichterisch, und es entspricht ihnen keine Wirklichkeit. Sie im eigentlichen Sinne auffassen, verwickelt uns nicht nur in unlösliche Selbstwidersprüche, sondern macht uns auch unfähig, die Wirklichkeit, welche in uns hereinscheint, zu zergliedern, be- greifen und benutzen. „Ein Mensch, der immer spekulirt, Ist wie ein Thier auf dürrer Heide, Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt, Und rings umher liegt schöne grüne Weide." Allerdings hat Hegel Recht mit dem Worte: Der Widerspruch ist die Seele der Dinge. Rur muß man hinzuverstehen, daß dies blos vom lösbaren Widerspruch gilt, von demjenigen, welcher in unserem Denken der Dinge ist, und welcher den Reiz abgiebt, der uns zu seiner Lösung unaufhörlich antreibt. Ein Gedanke, der nicht blos scheinbar und theilweis, sondern wirklich in allen seinen einzelnen Bestandtheilen sich widerspricht, ist— Unsinn und eine Mahnung zur Umkehr im Denken. Solche unlösbare Widersprüche sind in allen übersinnlichen Begriffen, wie wir sie oben ansgezählt, zu finden. Und die idealistische Spekulation ist gänzlich aus solchen zusammengesetzt. Mit diesem theoretischen Idealismus viel zu glimpflich ver- fahren zu haben, das ist der einzige Vorwurf, den wir der Lange'schen Geschichte des Materialismus machen. Sozialpolitische Ueöerficht. — Es kriselt fort in Berlin, Paris u. s. w. Der Var- ziner Mac Mahon hat wieder einmal die Flinte ins Korn geworfen: er will vor dem nächsten Frühjahr nicht zurückkommen — die„Friktionen" find zu heftig— die unglücklichen preußi- schen und Rcichsminister wissen nicht, was sie thun sollen, die organische Gesetzgebung stockt, für den Reichstag werden keine Vorlagen gemacht, Niemand weiß, wie es um die in letzter Stunde noch angeknüpften Verhandlungen zur provisorischen Er- Neuerung des deutsch. östreichischen Handelsvertrags steht, Niemand weiß, wie es sich mit den in Ausficht gestellten Steuerreformen verhält und ob es mit der„wirthschaftlichen Umkehr" Ernst ist oder nicht— kurz Niemand weiß,„wer Koch und wer Keller" ist und wir stecken in schönster Kanzlerkrise, Ministerkrise, Ne- gierungskrise, wenn man anders die absolute Regierungs- losigkeit eine Regierungskrise nennen kann. Die Regierungs- lofigkeit(über welche die Herren Reichsfreunde jetzt so wehmüthig klagen) heißt auf griechisch Anarchie— daß unser deutscher Reichskanzler ein solches Talent für den Bakunismus bethätigen würde, hätten wir ihm nie zugetraut. Besseren Muths scheint der Versailler Bismarck zu sein— wenigstens zeugen die Späße, welche er sich mit der Kammermajorität erlaubt, von gutem Humor. Sein deutsches Vorbild ging etwas gröber zu Werk. Jndeß das Grobe und die Grobheit kommt vielleicht noch. Freilich nöthig ist's kaum. Diese bieg- und schmiegsamen „Republikaner" sind in das kleinste Mausloch hineinzutreiben. Was für Leute es find, das zeigt sich recht deutlich bei Gelegen- heit der Pariser Neuwahl an Stelle des doppelt gewählten Grcvy, welcher das Provinz- Mandat angenommen hat. Es galt, einen passenden Candidaten zu finden. Man berieth lang. Und auf wen hat man sich zuletzt geeinigt? Auf den gesinnungslosesten, Wetter- wendischsten aller lebenden Politiker, nicht bloß Frankreichs, son- dern der Welt, also unsere deutschen Nationalliberalen mit ein- geschlossen; auf die politische Wetterfahne pnr exvellenee; auf den Mann, der seit 40 Jahren jedem Regime gedient, nach jedem Lüftchen den Mantel gedreht hat— auf die verkörperte Prinziplosigkeit und Rechnungsträgerei: auf den ersten aller politischen Seiltänzer und Windmacher, Herrn Emile von Girardin. Das nackte Faktum spricht Bände. Die Wahl kennzeichnet die Wähler. Und in der That eine geeignetere Per- sönlichkeit hätte die Mischmasch-Partei des Opportunismus Der nicht katzbuckelt jeder Zeit Vor jeder großen Nase, Und stets verfolgt die Heiligkeit In der modernen Phrase. Schreit zu, schreit zu! Denn, wie ihr wißt, Könnt ihr mir doch nichts nehmen, Der Käfer, der bestimmt für Mist, Braucht drob sich nicht zu schämen. Wir sagten uns froh überrascht:„Mistkäftr ist gut, sehr ;ut sogar!" und wir waren dem Sinne des Verses nach gewiß lerechllgt, anzunehmen, daß derselbe nur eine(sehr zarte und duftige) Umschreibung des alten Satzes sein solle, daß über den Geschmack nicht zu streiten sei. Leider ergiebt sich aus der Fort- setzung, daß unser„Poet" seine Gedanken nicht logisch zu for- muliren und zu ordnen liebt, denn er wendet den„Mistkäfer" plötzlich auf seine Gegner an, und es scheint, daß er die Tugend für„Mist" erklären will, indem er weiterreimt: „So wühlt denn zu, wie er getrost, Müßt ihr euch so ernähren, Weiß ich, weshalb ihr euch erbost, Auch mir nicht zu erklären. Für euch der Mist— die Freiheit mir, Ich dächte, das wär' gründlich, Genügt es nicht, sag' ich's statt hier Noch einem Jeden mündlich." Wir verzichten wirklich darauf und bitten den Herrn Ver- fasser dringend, uns bei diesen mündlichen Erklärungen ja zu übergehen—; wir geben gern zu, daß seine Verse an„Gründ- lichkeit" nichts zu wünschen übrig lassen; es giebt freilich auch unergründliche Sümpfe und in einem solchen scheint uns der Herr Verfasser bis über die Ohren zu stecken. Die Höflichkeit verbietet uns, diesen Sumpf näher zu bezeichnen. Der Herr Polizeiarzt(wir wiederholen nochmals, daß es uns in diesem Falle beim besten Willen unmöglich ist, den Poeten von seiner Lebensstellung zu trennen— nie hat ein Mensch weniger seinen Beruf verfehlt) möchte uns am Ende vorwerfen, daß wir von dem reichen Diner, das er uns vorsetzt, nur in den cynischen Delikatessen herumstochern, statt auch die pidoes äe rösistance zu berühren, die öfters eingeschoben find, wollten wir unerwähnt lassen, daß er ein großer Demokrat vor (nicht finden können, als Herrn Emile Girardin, den pwsonifi- zirten Opportunismus. Kuriositätshalber theilen wir nachfolgende Auszüge aus zwei Reden mit, die Viktor Hugo, das Prasen- Monstrum und die Monstre-Phrase, und Gambetta der Dicke in einer Wählerversammlung für Girardin hielten. Ersterer:„-- Der Kampf hat begonnen und jetzt müssen auch wir bis ans Ende gehen. Ich für meine Person erkläre Ihnen: ich werde bis ans Ende gehen! Dies vorausgeschickt, ist nichts leichter, als die uns vorliegende Frage zu lösen, die Ihnen gestellt ist. Sie kämpfen.(„Mit Worten bis auf den letzten Mann" wie weiland der„tobte" Duncker gesagt. R. d. V.) Nun haben Sie eben einen Deputirten zu wählen, das ist einen Kämpfer. Suchen Sie ihn nicht, er ist schon gefunden. Er steht vor Ihnen: es ist Emil v. Girardin. Sie werden keinen kräftigeren Kampfgenossen, keinen Namen finden, der eine schlagendere und bestimmtere Bedeutung hätte. Seit dem 16. Mai ist Emil v. Girardin nicht einen Tag von der Bresche der Gerechtigkeit und Freiheit gewichen. Er hat in allen Formen seine uner- schöpfliche Beredsamkeit, seine strafende Logik und alle Blitze und Donner seines lichtvollen Geistes verschwendet. Emil v. Girardin ist ein großer Kämofer des großen Kampfes. Ich stimme für ihn. Stimmen wir Alle für Emil v. Girardin! Wer für Emil v. Girardin stimmt, stimmt gegen die persönliche Regierung. (Stürmischer Beifall.) Und Gambetta: Niemand kann besser die politischen Anschauungen des 9. Arrondissements vertreten, als Emil von Girardin, der ausgezeichnete Mann, welcher dem Un- willen des Landes einen so beredten Ausdruck gegeben hat. Lassen Sie mich denn mit dem Rufe schließen, welchen derselbe Emil v. Girardin in einem denkwürdigen Momente, nach dem 24. Februar 1848, ausgestoßen hat: Vertrauen, Vertrauen, habt Vertrauen!" Das ist denn doch selbst der nationalliberalen„Magdeburger Zeitung" zu arg. Sie bemerkt zu diesen Saturnalien der Ge- sinnungslosigkeit: „Girardin also an Stelle des makellosen Grevy republikaui- scher Candidat von Paris und von den beiden angesehensten Männern der französischen Demokratie auf den Schild erhoben! Wir lassen den Privatcharakter des Mannes ganz bei Seite, wollen aber aus seiner öffentlichen Laufbahn nur folgende Kleinigkeiten erwähnen: Girardin hat vermöge des publizistischen Einflusses, den er im Jahre 1843 besaß, das Meiste dazu bei- getragen, daß Ludwig Napoleon Bonaparte am 10. Dezember gegen Cavaignac und andere Republikaner zum Präsidenten der Republik gewählt wurde. Girardin war im Jahre 1870 mit demselben Eifer für die Politik seines intimen Freundes Emil Ollivier und das Plebiszii vom 8. Mai thätig; Girardin war also der Pathe und der letzte Helfershelfer des Kaiserreichs— ohne uns weiter dabei aufzuhalten, daß er während der ganzen Dauer desselben der Hausfreund der Tuilerien und namentlich des Palais Royal(Prinz Napoleon!) gewesen ist und sein Name bei allen Ausgeburten des damaligen Gründerschwindels obenan stand. Und dieser Mann wird jetzt von dem Dichter der„Chati- ments" und dem Verfasser der„Histoire d'un Crime" von dem Tribunen von Tours und Bordeaux als eine Grundsäule der französischen Demokratie angepriesen; dieser verhängnißvolle Fäl- scher des allgemeinen Stimmrechts von den berufensten Männern der Republik dem allgemeinen Stimmrecht als würdigster Ver- trauensmann empfohlen! DikKeile est satyram non scribere." Mit diesem nationalliberalen Fußtritt entlassen wir für heute die Herren„Republikaner". — Nachdem der Culturkampf im preußischen Abgeordne- tenhause ausgetobt hat, geht man mit„affenartiger Geschwin- digkeit" über die einzelnen Etatposten hinweg, indem man die- selben natürlich genehmigt. Es ist sogar der außerordentliche Fall vorgekommen, daß die dauernden Ausgaben für das Ver- waltungsgericht ohne eine dahinzielende Regierungsvorlage vom Abgeordnetcnhause auf den Antrag Gneist's aus eigener Jnitia- tive in der Sitzung vom 10. Dezember erhöht worden find.— In derselben Sitzung wurde über den Bau eines Polytechnikums in Berlin berathen; die Regierungsvorlage im Einverständniß mit der Commission hat den Platz dazu zwischen Berlin und Charlottenburg bestimmt, dagegen erhob sich Herr Ludwig Löwe, der im 6. Berliner Wahlkreise unterlegene Reichstagscandidat, und schlug zwei andere Bauplätze vor(neben der frühern Eisen- gießerei und bei der Arttlleriekaserne am Kupfergraben). Wir kennen nun allerdings das Terrain nicht näher und wollen auch dem Herrn ist und für Freiheit, Toleranz u. f. w. bedeutend„in die Aepfel haut", ja sogar(armer Schiller!) ein pomphaftes Opus zum 10. November losläßt. „Wir lauschen feierlich dem Glockenschlage, Wo sich der Gott mit seiner Welt vermählt, So fragt euch denn an seinem Sarkophage, Ob wir's verdient, daß er zu uns gezählt." Wir fürchten nicht, uns einer Voreiligkeit schuldig zu machen, wenn wir diese Frage, soweit es sich dabei um den Verfasser eines Gedichts handelt, das also anhebt: „Götterweibchen, süßes, schlankes, Als du so vor mir gesessen Auf der weichen Ottomane Mit den Augen wollustsprühend" entschieden und bedingungslos verneinen. Wir hätten dem Verfasser seine„pieces de rösistance" mit großem Vergnügen erlassen; es ist immer verdrießlich, Gedanken und Anschauungen, die sich da und dort mit den unsrigen berühren(wennschon wir fie muthmaßlich niemals in so jammervolle Verse bringen werden), von einem Manne aussprechen zu hören, mit dem an einem Tische zu sitzen für uns zu den nicht eben zahlreichen mora- lischen und physischen Unmöglichkeiten gehören würde, die wir kennen. Es erübrigt uns noch, einige Worte an den Epilog zu knüpfen, mit dem wir entlassen werden und in dem uns, damit wir es ja nicht vergessen, nochmals feierlich wiederholt wird, daß er „nur offen sang, was ihm im Herzen brannte, Statt heuchlerisch, wie wir, es zu verschweigen." Es scheint, als habe sich der Herr Poet von den Krittkern keiner besondern Freundlichkeit versehen(und wie Figura zeigt, hat diesen„ahnungsvollen Engel" sein Vorgefühl nicht betrogen), denn er beginnt: „Nun weiß ich schon, wie ihr mich krittsirt, Wenn ihr den tollen Krimskrams solltet lesen, Das ist, sprecht ihr, ein rechter Narr gewesen, Der sich mit Versemachen amüsirt." Das Wort„Krimskrams" will uns doch etwas zu glimpflich erscheinen, uns summt vielmehr ein Wort wie„tollgewordene nicht untersuchen, welcher Platz am zünftigsten wäre; vielleicht aber wird sich die Redaktion der„Berliner Freien Presse" der Aufgabe unterziehen, nachzuforschen, ob bei diesen gesetz- geberischen Vorschlägen des Abgeordneten Ludwig Löwe ähn- liche Motive vorgewaltet haben, wie bei den Vorschlägen des Stadtverordneten Ludwig Löwe in Bezug auf die Anlegung des neuen Viehhofs zu Berlin. Wir haben nachgerade genug Parlamentarier, die ihren Einfluß dazu mißbrauchen, um Pro- zent- oder Consortialinteresien zu fördern. In welchem Ansehen das preußische Abgeordnetenhaus selbst bei den gemäßigtsten unabhängigen Organen in Deutschland steht, das geht aus folgendem Satze des„Hamburgischen Cor- respondent" hervor:„Im Abgeordnetenhause spielen politische Heuchelei(Fürst Bismarck hat ja dem Worte durch sein groß- sinniges B-kenntniß jeden Zug des Verletzenden genommen) und Komödie weiter."— Also doch— Komödie! — In dem letzten De Camp'schen Feuilleton der „Magdeburger Zeitung" befindet sich folgende Stelle: „Sobald die lodernden Flammen das letzte Kampfsystem, zu dem die Commune ihre Zuflucht nahm, erkennen ließen, erhielten die Corpsführer sämmtlich Befehl, die Soldaten des Aufstandes, die in ihre Hände fielen, auf der Stelle zu füsiliren. Dieser allgemeinen Weisung wurde nur mit Zurückhaltung(!) gehorsamt; die ungeheure Zahl der Ge- fangenen beweist dies mehr als zur Genüge. Gleichwohl haben einige sehr bedeutende Massen-Eekutionen stattgefunden. Zwei davon kann ich nebst den Zahlen mit Sicherheit bezeichnen. Sonntag den 28. Mai, früh, wurden 148 Insurgenten aus dem Gesängniß Mazas, wo man sie eingesperrt hatte, hervorgeholt, auf den Pere-Lachaise geführt, dort unweit der gemeinsamen Grube, welche die Reste des Erzbischofs und der mit ihm ge- tödteten Geißeln barg, in Abtheilungen von zehn Mann auf- gestellt und erschossen. Sie hielten sich bei den Händen und riefen:„Vivo la Commune!" ehe sie lnederstürzten. Drei von ihnen entwichen und verkrochen sich hinter ein hügeliges Terrain in der Nähe; sie wurden ergriffen und ebenfalls getödtet. An demselben Tage und beinahe zu derselben Stunde sah der Rundgang des kleineren Roquettegefängnisses 227 Insurgenten fallen; von diesen haben die meisten, wie mir ein Augenzeuge sagte, geflennt und um Gnade gebeten." Wir nehmen Akt von der im ersten Satz enthaltenen That- fache. Also die sämmtlichen Corpsführer hatten Befehl, alle ge- fangenen Communekämpfer auf dem Fleck füsiliren zu lassen. Bisher wurde das geleugnet: da Herr De Camp das Versailler Material besitzt und sicherlich der Letzte wäre, die Versailler zu verleumden, so müssen wir seine Mittheilung für richtig er- achten. Wer hat den barbarischen Befehl ertheilt? Nur ein Mann kann es gethan haben, der Mann, welcher damals an der Spitze der Geschäfte stand: Herr Thiers. Und diesen Massenmörder, diesen grausamsten und brutalsten Feind des Proletariats hat man uns neuerdings als— Bundesgenossen, als besten Freund zu empfehlen den Muth gehabt!— Der Rest des Berichts spricht für sich selbst. Nur über das angebliche „Flennen und um Gnade bitten" ein paar Worte, die wir dem „Hamburg Altouaer Volksblatt" entnehmen: „So beschimpfen die Maulhelden der„Magdeburgischen Zsi- tung" die tobten Communekämpfer. Diese liberalen Helden, die schon„flennen", wenn Bismarck mit seinem Rücktritt droht und die in ihrem Leben noch nicht den Muth gehabt haben, ein freies Wort zu schreiben, weil sie das Gefängniß fürchten, er- dreisten sich, jene Pariser Insurgenten zu höhnen und von „Flennen" zu sprechen. Solche„liberale" Helden„flennen" schon um Gnade, wenn sie zu der geringsten Strafe wegen Prcßver- gehcns verurtheilt werden; sie„flennen", wenn die Gründer an- gegriffen werden; sie„flennen", wenn sie die Fortschritte der Sozialdemokratie sehen; sie„flennen", wenn von ihnen nur ein Fünkchen von Courage verlangt wird; sie können nur denunziren und verleumden— und da ist es begreiflich, wenn wir finden, daß die Pariser Opfer der„Ordnung" durch den Haß dieser Sorte von deutschen„Helden" geehrt sind." Daß unter den gefangenen Communarden sich auch einige Feiglinge befunden haben mögen, sei zugestanden. Wurde doch notorisch eine ziemliche Anzahl Bourgeois irrthümlich mit gefangen genommen unv füsilirt! Aber das ist durch das einstimmige Zeugniß aller Augenzeugen— Feind wie Freund — thurmhoch über jeden Zweifel hinaus festgestellt, daß die Brunst" in den Ohren. Auch bei„Narr" haben wir innege- halten und uns nach einem Wort umgesehen, das sich besser und vollständiger mit unseres Herzens eigentlicher Meinung deckt; wir müssen indessen darauf verzichten, dieses Wort aus unserer Jeder fließen zu lassen, da wir in's Thierreich greifen müßten. Wir erfahren dann noch einiges recht Pikante über den Kühnen,„der auf der Erde sich sein Leben ganz frei wie Gott nach eigenen Gesetzen" geschaffen(man kann im Polizeistaat unserer Tage doch noch so Manches, wie's scheint). „Das Erz von allen Schlacken rein zu brennen, Im Meer der Liebe ließ ich es verkühlen. Kein Hochgenuß ist mir da fern geblieben, Die schönsten Frauen habe ich genossen, Befriedigt hat mich keine und verdrossen Schied ich mit Lachen endlich von dem Lieben." Es wird uns erlaubt sein, über diesen Punkt unsere ganz «Parten Gedanken zu haben. „Mit Rebenblute füllt' ich meine Becher Und träumte mich in's Reich der Ideale, Begrüßt gar oft vom ersten Morgenstrahle Empfing der Schlaf den seligsten der Zecher." Es würde interessant sein, ein klares Bild von des Herrn Polizeiarzts Idealen zu erhalten, wahrscheinlich gehen wir nicht fehl, wenn wer vermuthen, daß eins derselben ein Zustand der Dinge ist, der keinem Mädchen gestattet, ihre Tugend länger als bis höchstens zum 15. Jahre zu bewahren. Auf die supponirte Frage, warum er seine Lieder,„deren Bater er zwar gewesen, ohne sie doch dann weiter zu beachten" (wir erlauben uns keine Vermuthung darüber, inwieweit der Herr Polizeiarzt diese Maxime auch auf andere Gebiete übertragen hat,„in die Welt gesendet, statt in Vergessenheit sie zu begra- ben", erwidert er mit einer verblüffend geistreichen Wendung: „Gewiß!— Ihr müßt auch schlechte Dichter haben, Damit ihr euch zu euren Guten wendet." Ohne dem Urtheil des Herrn Polizeiarztes über seine dich- terische Begabung auch nur im Mindesten widersprechen zu wollen(es gereicht uns zu einiger Genugthuung, wenigstens in diesem einen Punkte im höchstmöglichen Grade seiner Meinung 8« sein), erlauben wir uns, über die Wirkung, die keine„Be- enntnisse" ausüben werden, eine wesentlich andere Anficht zu Männer der Commune wie Helden gekämpft haben und wie Helden gestorben sind. — Die herrschenden Sittenzustände werden durch eine Correspondenz der Berliner„Volkszeitung" aus Bonn über die soeben beendigten Sitzungen des dortigen Assisengerichts grell beleuchtet.„Fast die Hälfte der Angeklagten, nämlich zehn, hatten Verbrechen gegen die Sittlichkeit begangen, die übrigen 14 standen unter der Anklage des Mordes, tödtlichen Körperverletzung, der Brandstiftung und Fälschung, des Betrugs, Diebstahls und Meineids. Der Präsident des Gerichts, Appel- lationsgerichtsrath Nacken aus Köln, verabschiedete sich von den Geschworenen mit einer Ansprache, worin er ihnen im Namen des Richtercollegiums seinen Dank für ihre Mühe aussprach und sich äußerst günstig über das Institut der Geschworenengerichte ausließ.„Bei den vielen Verhandlungen wegen grober Unfitt- lichkeiten", so fuhr der alte Jurist dann fort,„wird Sie ein Gefühl der Trauer und des Schmerzes beschlichen haben und der Gedanke in Ihnen aufgetaucht sein, daß wir im Niedergange begriffen sind. Wer könnte auch leugnen, daß seit Jahren die� Verbrechen überhaupt und insbesondere die der Unsittlichkeit und der brutalen Mißhandlungen sich vermehrt haben? Unsere Hoffnung auf die Wiederkehr besserer Sitten, auf Rückkehr zur alten deutschen Einfachheit und Reinheit ist jedoch um so mehr begründet, als zu ersichtlich nicht der eigent- liche Kern des deutschen Volks, sondern nur die äußere Schale vom Wurm der Zeit angefressen ist." Wozu die„Volkszeitung" bemerkt: Möge die fromme Zu- verficht sich erfüllen!— Nun, das wünschen wir auch, obgleich wir nichts„Frommes" in den Worten des Richters entdecken können. Jedenfalls faßt er die Sache weit richtiger auf, als der Correspondent der„Volkszeitung", welcher seinen Brief mit einer gedankenlosen Tirade über die„zunehmende Corruption der unteren Volksklassen" begann, als ob es heute nicht schon die Spatzen von den Dächern herab pfiffen, daß die Corruption der„unteren" Volksklassen nur die Folge und obendrein ein schwacher Reflex der Corruption der oberen Volksklassen ist. Da redet der Präsident des Bonner Gerichts vernünftiger.„Der eigentliche Kern des Volks ist gut, nur die äußere Schale ist angefressen." Der„Kern"— das sind die„unteren" Volks- klaffen: das eigentliche, das arbeitende Volk; die„Schale"— die glänzende, vergoldete, unter dem Gold aber faule Schale— das sind die oberen Klassen, die von dem Wurme der Hab- sucht, der Spekulations- und Gründungswuth bis in das Mark zerfressen sind. — Noch ist Polen nicht verloren! Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt:„Die Zeit dürfte nicht fern sein, wo die preußische Regierung es als Pflicht gegen sich selbst und das deutsche Reich betrachten wird, sich der Polen mit demselben Recht und denselben Mitteln wie der Jesuiten zu erwehren!" — Hoffen wir, daß die„Norddeutsche" ihr Versprechen erfülle. Niemals hat der(protestantische und katholische) Jesuitismus in Deutschland auch nur annähernd so geblüht, wie in der gegen- wärtigen Zeit und Dank den von der„Norddeutschen" gepriese- neu„Mitteln". Wenn man so freundlich wäre, dasselbe Rezept auf die Polen anzuwenden, so würde die wunderbare Wirkung nicht ausbleiben und die Wiederherstellung Polens wäre eine vollendete Thatsache. — Die nach Deutschland entsendete Deputation der Londoner Steinhauer, deren Zweck es bekanntlich ist, den Zuzug von deutschen Steinhauern nach London zu verhindern, war am 5. Dezember in Köln. Von Köln begab sich die De- putation nach Mannheim, um von dort aus Baden und die Pfalz zu bereisen, von wo sich der Zuzug nach London beson- ders rekrutirt. Jeder Partei- und Gewerksgenosse wird ersucht, die Deputation in ihrer schwierigen Aufgabe nach Kräften zu unterstützen und unverzüglich an PH. Koch, Neue Welt, 1. 5, 16 in Mannheim, Mittheilung zu machen, wenn er vernimmt, daß ein Agent Steinhauer anzuwerben versucht.— Welche kolossalen Geldmittel die Londoner Stcinhauer aufwenden, um zum Siege zu gelangen, erhellt daraus, daß sie bis zum 4. d. M. bereits 16,000 Pfund Sterling(320,000 Mark) theils zur Unterstützung der Strikenden, theils zur Heimbeförderung der fremden Stein- Hauer verausgabt haben. Bis zum eben genannten Tage sind 173 Iteinhauer nach Hause befördert worden und zwar: 5 nach Dublin, 15 nach Italien, 36 nach Canada, und 66 nach dem haben. Statt sich nach der Lektüre dieser(schlechten) Poesien zu guten zu wenden, um den fatalen Geschmack möglichst bald von der Zunge zu bringen, werden die Patienten des Herrn Ver- fassers(viel andere Käufer wird er hoffentlich nicht haben) sich ohne Zeitverlust auf dem kürzesten Wege zu einer der von ihm gepriesenen Damen begeben und dann wird geschehen, was er in einem Gedicht, das gegen das lächerliche Geschrei über eine Verführung im Beichtstuhl energisch Front macht, also schildert: „Dann muß der alte Adam Feuer fangen Und Satans Lust muß aus der Hölle steigen." Ergeben sich, trotz der Untersuchung durch den Herrn Poli- zeiarzt, schlimme Folgen: was ist's weiter? Der Herr Polizei- arzt heilt, wenn auch nicht gratis, die Wunden, die er indirekt geschlagen, und so trifft sein Buch zwei Fliegen mit einer Klappe. Wir sind als Lügner entlarvt, die kein Haar besser sind als er, und er erntet als Arzt das Honoear, das dem Dichter viel- leicht versagt ist. Wir sind zu Ende und fragen jeden anständigen Gegner: „Wie ist es möglich, daß ihr uns das Richteramt an solcher Verhöhnung aller Sittlichkeitsbegriffe überlaßt, uns, denen ihr tauseud Mal vorwerft, daß wir die Familie und die Ehe unter- graben?" Wir fragen zweitens:„Ist es gesunder Boden, in dem eine solche Pflanze in saftiger, geiler Ueppigkeit aufschießen kann?" Wir fragen orittens:„Wo bleibt die hochwohllöbliche Polizei, die doch sonst zuweilen auf unsittliche Bücher und Bilder Jagd macht und z. B. die Carnevals-Literatur verdienter Ueber- wachung unterzieht? Hat sie zu viel mit der Sozialdemokratie zu thun?" Das Buch aber, das eine unerhörte Verhöhnung aller an- ständigen Leute ist, und seinen Verfasser überantworten wir dem Richterspruch dieser anständigen Leute. Es giebt ihrer doch noch mehr, als der Herr Polizeiarzt ahnt. R. L. — Die in Frankfurt erscheinende conservative„Deutsche Reichspost" schreibt über den„Vorwärts" Folgendes:„UebrigenZ wollen wir nicht unterlassen, auf das energische Borgehen des sozialisttschen Blattes gegen seine und grobe Unsittlichkeit unserer Gesellschaft aner- kennend hinzuweisen. Wie neulich Eckstein's Traum, so brandmarkt es jetzt die Novelle des Wiener Feuilletoniften Spitzer:„das Herren- recht", die sich nicht entblödet, das mrttclalterliche jus primae noetis zum Gegenstand ihrer Besprechung zu machen. Ebenso wiro in der- übrigen Amerika. Der Rest(53) waren Deutsche. Diejenigen Steinhauer, welche nicht durch die Agenten befördert werden und auf ihre eigenen Kosten nach London reisen, erhalten keine Arbeit, weil man befürchtet, die übrigen möchten verleitet werden. — Am 10. d. M. hat Osman Pascha nach heißem Kampfe kapitulirt. Nähere Nachrichten fehlen noch. Durch den Fall Plewnas wird eine Armee von mindestens 100,000 Russen frei und kann nun zu der neuen Balkan-Expedition verwandt werden, die man übereinstimmenden Mittheilungen zu- folge im russischen Hauptquartier plant. Ob und inwieweit das Ereigniß die Fciedensaussichten berührt, das hängt von Ver- Hältnissen ab, über die uns bis jetzt jede sichere Information fehlt. — Nachdem die Verurtheilungen des Parteigenossen Hasen- clever in Bezug auf ein Gedicht(Märzgedanken) und eine Notiz (Briefgeheimmß), die im„Vorwärts" seiner Zeit veröffentlicht worden sind, zu 8 Wochen Gefängniß auch in zweiter Instanz bestätigt worden find, hat derselbe nunmehr sein Winterquartier im Leipziger Bezirksgerichtsgesängniß bezogen. Briefe an den- selben sind nach wie vor: An die Redaktion des„Vorwärts", Färberstraße 12 II, zu richten. — Genosse Kinski in Mehlauken ist aus dem Gefängniß in Labiau entlassen worden, nachdem er wegen Kreisrichterbe- leidigung eine Gefängnißhaft von 4 Monaten verbüßt hatte. Kinski erhielt die gewöhnliche Gefängnißkost und durfte sich nicht selber beköstigen. Eine doppelte Strafe! — Die amerikanische Parteipresse hat in dem„Phila- delphia Tageblatt" einen abermaligen Zuwachs erhalten. Das Blatt führt das Motto:„Brod ist Freiheit, Freiheit Brod" und erscheint in einem Format, welches unser größtes deutsches Par- teiorgan, das„Hamburg-Altonaer Volksblatt", bei weitem an Größe übertrifft. Das„Philadelphia Tageblatt" kostet jährlich 8, halbjährlich 4, vierteljährlich 2 Dollars und wöchentlich 15 Cents. Des Reichskanzlers königlich bayerischer Leib- gensdarm. (Der Kronzeuge im Münchener Sozialistenprozeß.) München, 4. Dezember. „Es soll Niemand gericht't werden, außer durch seines Gleichen"— das soll ein altdeutscher Rechtssatz gewesen sein, eine Gewissensmaxime unserer Altvordern zur Zeit, wo noch so ein Stück direkter Gesetzgebung vom Volke geübt und danach Recht gesprochen wurde. Sie ist vorbei, diese Zeit; andere Zeiten, andere Leute, andere System: haben sich abgelöst und uns auf eine„Culturhöhe" ge- hoben, von der herab dem schlichten Menschenverstände manchmal schwindeln möchte, wenn er zurückschaut nach der einfachen kal- turnackten Vsrzeit mit ihrem Volks- und Faustrecht, dessen Untergang der beredte Bureaukratenmund nicht genug zu rüh- men weiß. Mag sie auch gewesen sein wie sie will, diese Zeit, mit ihren rauhen und harten Menschengestalten, sie dringt zu uns herüber in unsere dressirt- glatten, süßlich- duftenden und wissenschaftlich- aufgedunsenen Tage, wie ein kühler Luftzug in die Parfüm und Todeskeime bergende Krankenstube. Gewaltig und blutig war das Recht unserer Alten, starr und gerade, wie ihr Sinn, bevor er, vom zerfaulenden, heuchlerischen Römerthum angefressen, seine klügelnden Rechtsformen aufge- nommen. Das„Auge um Auge, Zahn um Zahn" der Ver- gangenheit hat einem„milderen" Systeme Platz gemacht, das dem Scharfsinn seiner Erfinder alle Ehre und seinen Hütern und Pflegern manche schwere Stunde machen mag. Herausge- wachsen aus dem Boden des„Bestimmungsglaubens" einerseits, und anderseits entwickelt durch die Lehre von der„gottgesendete« Obrigkeit", finden wir unser modernes Recht und seine Geschichte häufig Arm in Arm mit Gewalten, über deren Ursprung und Wesen zu disputiren zwar von sehr hohem Interesse, aber nicht immer von praktischen Erfolgen begleitet sein mag. Die große Masse des Volkes weiß und kennt es nicht anders, oder richtiger gesagt, gar nicht. Also rechten wir nicht, sondern selben Weise, wie die„Deutsche Reichspost" schon mehrfach that, gegen die im„Kladderadatsch" und dergleichen Blätter durch Aufnahme von Annoncen protegirte obscöne Industrie angekämpft, und, was wohl der Beachtung werth wäre, Staatsanwälten, die Murh und Geschick hätten, hier vorzugehen, wichtiges Material zur Verfügung gestellt. Es ist ein Zeichen unserer Zeit, daß das Vorgehen gegen die Jmmora- lität vom Sozialismus ausgehen muß, wird man ihm auch im Reichs» tag, wie der„Vorwärts" in Aussicht stellt, den Bortritt in dieser Sache lassen?"— Dasselbe Blatt läßt sich aus Baden schreiben:„Die sozia- listischen Redner wissen oft ihre Themata recht geschickt zu wählen. So hat in diesen Tagen einer derselbe» die unsittlichen Inserate der libe- ralen Zeitungen gegeißelt, um dann die Erklärung abzugeben, daß von allen 66 sozialistiichen Blättern in Deutschland nicht ein einziges An- zeigen von unsittlichen Büchern oder sonstige unsaubere Anzeigen auf- nehme. Etwas bleibt dann immer beim Publikum hängen, um so mehr als die meisten liberalen Blätter längst aufgehört haben, zu fragen, ob das Geld, das sie auf diese Weise verdienen, stinkt oder nicht."— Daß die Herren Liberalen sich über solche Aeußerungen ärgern, ist na- türlich— schadet aber nichts. — Elektrisches Licht. Auf der Eisenbahnstation Lyon wurden zwölf elektrische Lampen aufgestellt und werden weitere zwölf aufgestellt werden. Man glaubt, daß eine Maschine von 24 Pferdekräften aus- reichen wird, um ein Licht zu liefern, welches 2460 Gaslampen gleich ist, 166 Liter Gas per Stunde auf jede Lampe gerechnet.— Das Kriegsschiff Alexandra erhielt elektrische Beleuchtung zu dem Zwecke. Torpedoboote zu entdecken. Die clekttische Lampe wurde auf dem Fock- mast angebracht. Die Auslagen für diese Ausrüstung betrugen 1666 f fund Sterling. Der große Erfolg. welcher mit dem elektrischen icht bereits erzielt worden ist, hat den Ingenieur Jackson bewogen, dasselbe bei seinen Arbeiten bei dem Stobcroß Dak in Anwendung zu bringen. Es werden zwei starke Flammen von einbrechender Dunkelheit bis jum Tagesanbruch erhalten und die Arbeiter werden dadurch in die Lage versetzt, schnell arbeiten zu können. Eine von den zwei Flam- men ist 360 Ellen vom Arbeitsplatz entfernt, und es ist die Beleuchtung so stark, daß man in dieser Entfernung noch ganz gut eine Zeitung lesen kann. E- K. — Selbstmord aus Furcht vor dem städtischen Kranken- hause. Der Gürtler Berthold, der in der Stralauerstraßc zu Berlin auf dem Hofe, 3 Treppen, als Chambregarnist wohnte, war bereits seit längerer Z-it an der Wassersucht leidend. Seine Freunde und Ange- hörigen machten ihn daraus aufmerksam, daß es für ihn besser sei, in das städtische Krankenhaus gebracht zu werden, und regelten die Ange- legenheit so weit, daß er nach dort gebracht werden sollte. Dies regte den Kranken so auf, daß er in einem unbewachten Augenblicke sich durch die Schläfe schoß. Sein Tod war ein augenblicklicher. es that und thun wird, macht er uns die Arbeit leichter, den Sozialistenprozeß in seinem letzten Stadium vor das Tri- bunal der Oeffentlichkeit zu bringen nebst seinem„Stamm- und Kronzeugen", dem königlich baierischen fürstlich bis- marckischen Leibgensdarm, und setzen wir hinzu: Chronist Jjes Sozialismus sowie Schriftsteller„in sps Wir werden es nicht verabsäumen, dem„Entdecker unseres möchn Stammbaumes" so eifrig zu seiner Verbreitung zur Hand zu sein, wie er es uns und unserer Sache allezeit gewesen ist. Die nach uns aber kommen werden, mögen�entscheiden, ob Correspondenzeu« London, 30. November. Am 17. d. wurde dahier, 16 Rath nehmen wir aus der neuesten Geschichte irgend ein Exempel! leitet, das kann Herr G. nicht anders wisien, als er es heraus, um daran klar zu machen, was wir meinen, wenn wir wissen darf. Eingangs unserer Betrachtungen von der„guten alten Zeit" ge- redet haben. Der hiesige Sozialistenprozeß hat uns ja neuerdings wieder ein Stück modernen Rechtslebens vorgeführt, aus dem wir heute nicht von den sattsam bekonnten„Hauptverbrechern", den angeklagten Sozialisten, und den ihnen zudiktirten, insge- sammt jetzt nahezu 11 Jahren Gefängniß reden wollen,— nein, so unbescheiden sind wir nicht,— wir wollen den Lesern nur ein Stück des lebendigen Geistes vor Augen führen, der gewisser- maßen das Charakteristikon, die Seele dieses Prozesses ist, und wie die Dinge heute liegen, 11 Jahre Menschenfreiheit auf dem Altar der Justitia gefordert hat. Von keinem Geringeren gedenken wir zu reden, als von dem „Haupt- und Kronzeugen" des erwähnten Prozesses, dem viel- genannten Polizeikommissär Münchens, Herrn Michael Gehret, dessen vorzüglichster Eigenschaft wir in der Auffchrift unserer Betrachtungen bereits Erwähnung thaten. Mit Wohlbehagen verweilte unser Auge nicht auf dem preußi- scheu Orden, den der treue Bismarckbegleiter bereits in seinem sterblichen Knopfloch von Kissingen nach München herübergerettet hat, sondern auf einer anderen Leistung im Dienste unserer Sache, auf einem„künstlerisch wie wissenschastlich" in der That sehr bc- merkenswerthen„Kinde der Colleftiv Musen" unseres strebsamen Speziallandsmannes. Herr Gehrct steht nämlich im Begriff, ganz unter die Wissen- schaftler und Schriftsteller zu gehen, und so hat er denn ein „Kunstblatt" herausgegeben, welches im Verlage der Lithogra- phischen Anstalt von L. A. Schmidt, Kailsplatz Nr. 6, erschien und durch alle, also auch die sozialistischen Buchhandlungen und Zeitungsexpeditionen zu bezichen ist. Bescheidentlich finden wir vor der Verlagsfirma in den Buchstaben: I. G.(Jos. Göhler, Exstudent) und M. G.(Mich. Gehrct) angedeutet, was uns der joviale Polizist in Stunden gcmüthlicher Anwandlungen rück- haltslos mitgetheilt hat. Ja! Herr G. ist wirklicher und leib- haftiger Schöpfer der Idee eines von seinem Freunde und Col- lega Jos. Göhler wahrscheinlich„mitgczeugten"„Chronologischen Stammbaumes der sozialen Entwicklung von 1516— 1877.*) Diesem„Kunstwerk" soll, wie Herr G. in Aussitt stellt, folgen ein spezieller„Stammbaum für Bayern oder München", und endlich„ein Roman", worin der vielseitig Begabte gewiß seiner „Lieblinge", der hiesigen Sozialisten, in„historisch-poetischer" Weise nicht minder, als seiner eigenen„Thaten im Dienste der Cultur" gedenken wird. Möglich, daß Herr Schmidt im Ton- druck einige ebenso wohlgetroffene Portraits der Hauptcharaktere des Polizeiromans in Bereitschaft hält, nachdem er schon früher als befreundeter Mitarbeiter des Herrn G. und als Mitglied der hiesigen Genossenschaft deren Denunziation bei der Polizei auf's Erfolgreichste zu besorgen die Güte hatte. Die Einzelnheiten„unseres Stammbaumes", so, wie er sich in den Gehirnfalten seines Verfertigers nach historischen Ueber- lieferungen und bis zu uns herauf eingedrückt hat, können wir leider hier nicht genauestens schildern. Wir erwähnen deshalb nur die Grundidee: 15 sehr solide Wurzelstränge(—„soziale Frage" umschrieben—), verbunden durch vier„siamesische" Quer- kanäle mit der Jahreszahl 1831, steigen im Schooße des Bildes herauf zu 3 compakten und vertrauenerweckenden Wurzellappen (— England, Frankreich, Deutschland—), denen just über der Erdoberfläche zwei kräftige Stämme entsteigen, deren Hauptgeäste sich in gedrungener Stammhöhe nach rechts und links auszwei- gend, in der Mitte verbinden. Eine Art„Zwergbäumchen" steht zwischen innen, der Kathedersozialismus� u. A. die Namen: Mohl, Saint Simon In einer Correspondcnz aus Liegnitz in Nr. 141 d. Bl. wird der Name Seibt erwähnt. Ich möchte nun einen der Licgnitzer Genossen Daß er das Bedürfniß empfunden, seinem bisherigen Thun bitten, mir mazutheilen. ob dieser Seib:'dentisch ist mtt einem Maurer auch ein wissenschaftliches Gewand umzuhängen, und indem er«/ mav, �'er3arten(p�'n1fcn ��berg, Kr. es hat ,,nh tfi, n Mird rnarff er„nS die Aebeit WAfer den L'egn.tz). Das Alter des Betr. kann ungefähr 32-35 Jahre sein, wenn möglich, bitte auch um die genaue Adresse desselben. Emil Müller. Expedition des„Braunschw. Volkssreund". Diejenigen Parteigenossen, welche den Aufenthalt des Buchbinders Glück auf den Weg Paul Stürmer von hier kennen, werden freundlichst ersucht, demlelben und mag das Geschäft blühen*) und reichliche Früchte tragen! bekannt zu machen, daß derselbe mir seine Adresse zukommen lassen Cottbus. G. Teichert. Klostergaffe 209. Quittung. Rsl Giengen Ann. 1,50. Gglr hier Ab. 8,25. Gr es billig war, daß wir nach alter Satzung und Recht die Hand Osnabrück Ab 14,65. Brns hier Ab. 4,00. Hch Frankfurt Ab 13,40. verwiesen, die selbst unter dem„Mantel der Wissenschaft" keine � �« Ab. Wß Pegau Schr. 5,10. Rßmnn Ernstthal Ab. 16,00. Usrt Weimar Schr. 12,00. v. Schrb Jena Schr. 12,00. Wlthr Wst Breiten- ist von unseres Gleichen, wie sie die Finger auch spreizen und �1 Schr. 12,00. Fllrwn'n Bremerhafen Schr. 35.00. drehen mag.— Verlorene Liebesmüh', Herr Commiffär! bach-Hückeswagen Ab. 7.50. G. Hfmnn Kopenhagen Schr. 7,86. Bhlmnn Aachen Schr. 0,30. Grßr Reichenau Schr. 2,70. Anzeigen , /r f e � wuroe oayler, 10 Rath- Sozialdemokratischer Wahlverein. bone-Place Oxfort- Street— so wird unserm Dresdener Partei- Jeden Montag, Abends halb 9 Uhr: Mitgliederversammlung (m)(0,50 organ, der„Dresdner Volkszeitung", geschrieben— die stellung der für die Tombola(Verloosung) zu Gunsten der Communedcportirten in Neu-Caledonien bestimmten Gewinnste wozu Jeder freien Zutritt hat. "öffnet. Dieselben bestehen, wie ich Ihnen schon gemeldet.°us Ein Parteigenosse, welcher bereits längere Geschenken hnsi Sozialisten aller Lander, zum uberwi�enden l Cll Cg C| II d), fjcit als Redakteur eines Parteiorgans in Ber» Thea eigenhändige gewerbliche, kuustgewerbliche, künstlerische und Wendung war, sucht bei der Redaktion oder Expedition eines sozial- literarische Arbeiten ihrer Geber und bietet so die Ausstellung demokratischen Blattes Stellung. Tiesbezügliche Anträge werden unter der Adresse W, Expedition des„Vorwärts" in Leipzig erbeten. ein erhebendes Bild des einträchtigen Zusammenarbcitens der denkenden Arbeiter der ganzen Welt zum Besten ihrer noth- leidenden Vorkämpfer. Täglich laufen noch neue Geschenke ein, � von welchen wir insbesonders eine werthvolle Gabe der deutschen Sozialdemokratie, welche zwar noch nicht angekommen, aber bereits angekündigt ist, nennen, nämlich 300 photographische Abdrücke(größeren Formats) des trefflichen und ergreifenden Gemäldes„Triumph of Order". Die Ausstellung, welche selbst von gegnerisckcn Blättern, wie„Echo",„Globe",„Daily News", „Wcckly Dispatsch" k. für interessant genug gehalten wird, sie ihren Lesern zum Besuch zu empfehlen, erfreut sich eines leb- haften Besuches, der natürlich sowohl durch den Eintrittspreis, als die dabei abgesetzten Loose wiederum dem Unternehmen i— m Ou wesentlich zum Vortheil gereicht Die diese Ausstellung besuchenden Preis ungebunden M. 4,50 franco.' Angehortgen der„oberen Zehntausend" aber können dabei lernen,- welche Opfer das arme Volk für seine Sache und deren Vor- Wir empfehlen als besonders geeignet zu Fcstgeschenken Die Neue Welt. Jahrgang 1876. Preis: ungebunden M. 5,00 franco. In elegantem Einband M. 7,50 franco gegen baar. Jahrgang 1877. In elegantem Einband M. 0,30' franco gegen baar. u■■ t•—....._ n, i Z>ie SinöanddeKcn tragen das große Titelbild des Heft- -mich---- i- Brentano, Ketteler zeigend. Baboeuf(1797) w. und San (1809— 25) find die zwei mittelsten Wurzellappen des linken Stammes, aus denen der„Sozialismus", Considörant, Cabct, Bucher(1837), die 3 rechten Wurzellappen, mittelst deren der „Communismus" über„Proudhon 1839" hinaus seine Säfte saugt. Der rechte Stamm,„Deutsüland", wurzelt in„Engels 1845", „Wcitling 1841" und„Aug. Becker 1844"(?). Der„Arbeiter- tag in Berlin 1848" treibt den Stamm„Ferd. Lassalle 1862— 64" und hat noch unter der Erde„Schulze-Delitzsch" und„Hirsch- Duncker" nebenaus abortirt.— Links die gefürchtete„Interna- tionale", in trotzigem Stamm aufsteigend in alle möglichen Länder- firmen, darunter„Polen" über der Aufschrift:„Die Soldaten der Revolution", ohne Zweifel der genialste Einfall des Autors! Sehr anerkennenswerth wird im Stamme unter den Grundlagen erwähnt das„Kommunistische Manifest 1847, Leipzig 1872, Exped. des Volksstaat", wie wir denn noch manches weiter Wis- senswerthe angezeigt finden. Vorzüglich erfreut uns aber die correkte Darstellung des Stammes zur Rechten:„Deutschland. Von 1875 an die „Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands" hervorhebend, bekundet das Bild eine ebenso genaue Kenntniß unserer einheit- lichen**) Organisation, als deren Organe und Weiterentwicklung. Als vorletzter und letztoberster Blätterbnsch vom rechten Haupt- aste des linken Stammes aufgestiegen, fehen wir die„Gewcrk- schaften" und über ihnen, an demselben Äste, den„Genter Welt- Congreß"!— Freilich, etwas dunkel zwar, aber immer wunderbar, ist für den„Nicht-Polizei-Romantiker" diese Auffassung.— Ringsum ein lichter Morgen und im Busche hinter dem Stamm ein trautes Kirchlcin im modernen Styl. Ob es die Kirche des Regierungssozialismus ist, den viel- leicht unseres erlauchten Kanzlers Leibgensdarm als Hohepriester in Zukunft lehren wird, wir wissen es nicht, aber Eines wissen und schauen wir auch in diesem Bilde klar: daß die„Utopia des Thomas Morus 1516", daneben die„Jesuiten"(Paraguay), und hiernach„Joh. Beckold von Lehden 1534" über dem Strich, welcher Herausgeber und Verleger von ihrem Kunstwerke trennt, das Einzige find, das wir neben der I. I. Rousseau'schen„Lehre von der Gleichheit der einzelnen(— nicht aller?—) Menschen" citirt finden und das uns andeutet, daß unser polizistischer Herr Sozialwissenschafter es nicht allzuleicht gefunden haben mag, sich trotz anderweitig reichlich vorgethaner Collektivarbeit in den Ele- menten zurechtzufinden, die binnen dreier Jahrhunderte nahezu den Boden gebildet haben, darin der Riesenbaum„Sozialismus" wurzelt und steht!— Drei Phrasen für drei Jahrhunderte, das ist Alles, was Herr G. von 1516—1797 bieten kann! Ja, Herr G. ist und bleibt, so lange er nicht die Ursache statt der Wirkung studirt, nur ein Stück des lebendigen Geistes, der sich vergebens am Sozialismus verbeißt und an ihm sich zerreiben wird. Sein„chronologischer Stammbaum" ist nichts Anderes, als die Darstellung der sozialen Entwicklung, d. h. des Sozialismus in seiner polizistisch eingebildeten äußeren Erschei- nung; wie er diese aber aus seinen inneren Bedingungen ab- ziehen für die Zukunft.— Außer der genannten Tombola besteht auch noch eine permanente Subscription für die poliftschen Ge- fangenen von Neu-Caledonien. Dem vor Kurzem erschienenen ersten Bericht des Comitäs an die Genossen aller Länder ent- nehmen wir folgende Angaben: Die Einnahmen beliefen sich auf Frcs. 10766,15. Im Juni 1876 übersandte das Comitä die erste Summe an den ftanzösischcn Senator Edmond Adam zur Ueberlieferung an die Deportirten. Um die Nichtigkeit der gegnerischen Lüge, als ob es unmöglich sei, die gesammelten Gelder wirklich für die Deportirten zn verwenden, zu beweisen, sei folgender Auszug aus dem Rapport des Territorial-Com- Mandanten der Halbinsel Ducos, vom 2. Juni 1877, hierher- gesetzt:„Der Terr.-Commandant:c. bringt zur Kenntniß der Deportirten, was folgt: Der Senator Edmond Adam, beauf- tragt, den Deportirten eine zur Verbesserung des Looses der Colonie der Commune-Verurtheilten bestimmte Geldsumme zu überliefern, hat dies Geld zum Ankauf von Kleidungsstücken verwendet. Das Schiff„France chörie" wird vier Collis Effeften ausschiffen, wovon zwei Kisten für die Jsle des Pins, die andern beiden für die Halbinsel Ducos bestimmt sind." Im Weiteren wird der Inhalt der Kisten(Kleider, Wäsche und Schuhe) auf- gezählt und dann die Art der Vertheilung angeordnet. Die Deportirten wählten gruppenweise je 2 Delegirte, welche die für ihre Abtheilungen bestimmten Gegenstände in Empfang nahmen j und vertheilten. Die Vertheilung(mit Ausnahme jener Gegen- � Dftt. stände, welche speziell für die Frauen der Colonie bestimmt waren) geschah durch Verloosung. Die Deportirten waren auf's!— Lebhafteste erfreut und ergriffen über die Geschenke, dies erste Zeichen von Sympathie seitens ihrer Gesinnungsgenossen in allen Ländern, das ihnen seit fünf Jahren zu Theil ward. Möchten die Sozialisten der ganzen Welt dafür sorgen, daß das Comitä für permanente Subscription(I. Joffrin, 60 Hartland Road, Kentish Town, N. W.) den nothleidenden Vorkämpfern des Proletariats in Neu-Caledonien noch recht oft solche Freude und Unterstützung bieten kann. Die Besreiung der Menschheit. Bei Partien-Bezug entsprechender Rabatt. Kleinere Beträge in Briefmarken erbeten! Leipzig. Dte Expedition der„Neuen Welt". Färberstr. 12. II. Soeben ist im Berlage der SenossenschaftSbuchdruckerei erschienen und durch die Unterzeichnete zu beziehen: Ein Bilderfmcli kleine und große Kinder. 12 Tafeln Farbendruck. Ennrorsen und gezrichnkl»IN *) Zehntausend Exemplare sollen bei Herrn G. allein für Nord- deutschland bestellt sein. Aufruf au die Wähler und Sozialisten des 2. Nassauischen Wahlkreises(Wiesbaden und Umgegend). Es ist endlich an der Zeit, daß wir uns rüsten und in die Agi- tativn eintreten. Zu diesem Zwecke haben wir eine Confereuz anbe- räumt, welche Sonntag, den 16. Dezember, Nachmittags 3 Uhr im Lokale des Hrn. Reinemer, Langgasse Nr. 12 stattfinden wird mit der Tagesordnung:„Besprechung über Beschickung der Conferenz in Frankfurt a. M. und Gründung eines Wahl- Vereins." Es ist Pflicht eines jeden Sozialisten, wegen der Wichtigkeit der Sache, pünktlich zu erscheinen. Also auf zur Conserenz! Mit sozialdemokratischem Gruß Wiesbaden im Dccember. I, A.: Th. M. Wieger, Tchachtsttaße 30. L. �3erg. Zusammengestellt K. Nohbach. Quart-Format. Preis 1 Mark 20 Pf. pro Stück. Das Buch verdankt seine Entstehung den mannigfachen Anregungen, wie solche auf den verschiedenen Partei-Congreffen zum Ausdruck gekom- men sind, und wird namentlich in Familienkreisen mit Freude begrüßt werden, da es das Geniüthsleben der Kinder im sittlichen Sinne anregt und dieselben zum Nachdenken anspornt. Leipzig. EMdition des„PsrwSrts" Färberstraße 12. „Der arme Conrad." Jllustrirter Kalender für das arbeitende Volk pro 1878. (Dritter Jahrgang.) Gegen die Vorjahre bedeutend vergrößert<132 Seiten stark). Trotz der gediegenen und reichhaltigen Ausstattung kostet der Kalender gehestet nur 40 Pfg., gebunden und mit gutem Schreib. papier durchschossen 6l) Pfg., gegen baar oder Postvorschuß. Den Bestellern von Einzel-Exeniplaren ist anzuempfehlen, für jedes Exemplar brochirt 50 Pf., gebunden 70 Pf., einzusenden, wofür wir es franco per Kreozbano zusenden. Die Lieferung des Kalenders erfolgt nur gegen baar oder Postnachnahme. Arei-Kzemptare werden nicht abgegeben. Aus Posten von 1 Dutzend aufwärts berechnen wir S'-n Iii!!• T T( Kzpcdition des„'Aorwarts", Leipzig, Färberstraße 12/11. Expedition der..Zsacket", Leipzig, Kleine Fleischergasse 15. E-pcdition der..3-reien presse", Berlin, Kaiser Franz-Grenadierplatz Nr. 8a i---------- ♦*) Herr G. behauptet im Sozialistenprozeß(— dieser Auflassung noirs sind Privatbriefe, gerichtet an einen der Redakteure Verantwortlicher RedaAenr: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipz j. —), es habe in München ein separater Verein bestanden, des„Vorwärts". Redaktton und Expeditton Färberstraße 12/11. in Leipz-g. *) Offenbar benutzten die Herausgeber das Werk von Roßbach „lieber Entstehung der Internationale." Briefkasten der Redaktion. M. Strobcl i. Augsburg: Wir kennen Dr. Airy's Naturheilmethode nicht, sind also außer Swnde, ein Urtheil darüber abzugeben. Bielleicht hat ein fachkundiger Parteigenosse die Güte, die Schrift einer Prüfung zu unterwerfen und das Resultat zu veröffent- öffentlichen.— D. in Verden: Bei der Länge Ihrer Correspondenz können wir dieselbe nicht so schleunig, wie Sie es zu wünschen scheinen, zum Abdruck bringen.— H. A. in Osnabrück: Wann das Oberttibunal den Beschluß gefaßt hat, können wir nickt genau jagen; es genügt, daß er existirt. Tragen Sie aus richterliche Entscheidung an. Uebrigens ist ja der Excommunist und jetzige Liberale Miguel der oberste Chef Ihrer Polizei, rücken Sie diesen« doch direkt auf den Leib wegen des Ueber- griffs de» Polizei._____ L. in A.: Tie bisher von uns veröffentlichten Briefe Bnffe- entgegen DM.. der mit der sozialistischen Arbeiterpartei in sträflicher Verbindung stand Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdrrtckerei:n Leipzig.