Erscheint in Lelpjiz Mttiwoch, Freitag, Sonntag. AbonnemcntspreiS Kr ganz Teutschland 1 W, S« Pf. pro Quartal. Monats- Abonnement? »erden bei allen deutfchen Postanstalten nns den Z. und Z. Monat, und auf den «.Monat befonders angenommen: im Zltinigr. Sachsen und Herzogth. Sachsm». Wtenbnrg auch auf den tten Monat des Quartals i 54 Pfg. Inserate betr. Bersammlungen pr. Betitzeile tll Pf.�. wtr. Privatangelegenheiten und Feste pro Petitzeilc 30 Pf. Vtliellungen nehmen an alle Postanstalte» und Buch» Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. Reto-Dorl: Soz.-dcmotr Kenosten- fchaftsbuchdruikcrei, 154 Qistrillgo Str. Philadelphia: P. Haß,-SSO liorth SrU Street. I. Boll, 1123 Charlotte Str. Hob«l en N.J.: F. A. Sorge, 215 Wash- in�ton Str. Chicago: A. Lanscrmann, 74 lA�dournv»v«, San Zianziico: F. Entz, 41« d'arrell Str. London W.: C. Henze, 8 New Jfa- Goldeu Square. Henirak Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 151 Mittwoch, 26. Dezember. 1877. mm Der Weihnachtsfeiertage wegen fällt die'"nächsten Freitag, den 28. Dezember, fällige Nummer aus und erscheint Nr. 152 am 36. De- zember mit einer Doppelbeilage. Die Redaktcon u.'Expedition vor Kurzem auch mit dieser Angelegenheit beschäftigte, das Wort Arbeiter-Personal von der Anwesenheit des Fabrik- Inspektors geben- in Kenntniß gesetzt, um alles Ungesetzliche bei etwaiger An- „Das H-ftpflichtgesetz hat bisher, theils durch den Umstand, Näherung so schnell als thunlich zu beseitigen. Ein beliebtes daß die Beweislast aus dem Arbeiter liegt, theils durch Manöver ist es z.B., Kinder zu verstecken, und man Pflegt die Art, wie die«ersicherungs- Banken sich gestaltet haben, zur dann in der Wahl des Versteckes durchaus nicht wählerisch zu Verringerung der Unfälle oder Schärfung des Berantwortlick- keitsgefühls der Arbeitgeber nicht sehr merklich beigetragen; noch Abonnements-Einladung. immer kommen allzu viele Unfälle vor, welche durch bessere Vorkehrungen und etwas weniger Sorglosigkeit leicht zu ver- ! meiden gewesen wären. Wie groß die Gesammtziffer der jähr- ' lichen Unfälle ist, läßt sich zwar keineswegs mit Sicherheit an- ! geben, und unsere bisherige Unfallstatistik ist durchaus unzu- Mit dem 1. Januar 1878 beginnt ein neues Quartal, und verlässig, da bis jetzt noch keine Verpflichtung für die Arbeit- fordern Ivir deshalb zu zahlreichem Abonnement auf das wöchent- � geber besteht, die bei ihnen vorgekommenen Verunglückungen zur lich dreimal erscheinende Parteiorgan auf. Anzeige zu bringen. Fast sämmtliche Inspektoren sprechen daher Der Preis beträgt 1 Mark vv M..pro Quartal für ganz den dringenden Wunsch aus, daß eine solche Anzeigepflicht Deutschland.(fei es durch Verordnung oder noch besser durch Gesetz) wie in Alle Postemstalten und Buchhandlungen nehmen Abonnements England statuirt werden möchte, wenn auch nur für alle entgegen. � erheblicheren, etwa Arbeitsunfähigkeit von mehr als 6 Tagen Denjenigen Abonnenten, welche das Blatt per Kreuzöand bedingenden Unfälle. Auch darum ist dies wünschenswerth, weil, beziehen, wird dasselbe bei wöchentlich dreimaliger Zusendung in wenn die Sache zwar ruchbar wird, aber erst nach Verlauf folgender Weise berechnet: einiger Zeit, die Eruirung des Thatbestandes erschwert wird. fiir� Deutschland, Helgoland und Luxemburg 3 Mark per i Indessen selbst schon gegenwärtig kommen doch sehr betrübende Quartal für die Schweiz, Serbien, Belgien, Scandinavien,.Italien, die Niederlande, Großbritannien, Rumänien, Portugal, Frankreich, Spanien, Türkei und Vereinigten Staaten von Amerika 4 Mark; Eouvertsendungen innerhalb des deutschen Postgebietes incl. Oesterreich- Ungarn, Luxemburg und Helgoland wöchent!. 3mal 10 Mark pr. Quartal, wöchent!. Imal 4,80 Mark pr..Quartal. Der Abonnements-Betrag ist bei Bestellung einzusenden. In dem Zcitungskatalog steht der„Vorwärts" im Nachtrag XI, unter Nr. 4132, Seite 2. Für Leipzig und Umgegend ist der ALonnementspreis mit Bringerlohn) ans 1 Mark 80 Pf. pro Quartal und 60 Pf. pro .Monat festgesetzt. Man abonnirt bei der.Expedition d. Bl. .Färberstraße 12/ U, unserem Colporteur Moritz Ulrich, Süd- straße 12, in den Filialen: Cigavrenladen des Hrn. Peter Krebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkstatt am Königsplatz 7; � für die Umgegend von Leipzig bei den.Filialexpedittoncn:'Kolli- : marsdorf, Hieudnitz, Nntschönefeld iic. ic. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr.; für ßonuewitz ic. H ackert, � Kurze Str. 10 pari.; für Kleinzschocher und Umgegend bei F. Trost Hauptstr. 10 l; für Zhonöerg bei B ö sch, Hospitalstr. 39/11 dahier; für Menreudnitz bei Z schau, 15 1; für Köhlis:c. bei Schäfer, Eisenbahnstraße 8; für Stötteritz bei E. Grude, An der Papiermühle; für Klagwitz.Kndenan bei Frau Grebenstein, Aurelienstraße 3. Für Berlin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf. .(frei in's Haus) abonnirt, bei der Expeditton der„Berliner Freien Presse", Kaiser-Zranz-Grenadicr-Platz Sa und Rubenow, JBrnnnenstr. 34, im Laden. Die Leipziger Abouueote» werde««och besonders darauf aafmrrkfam gemacht, daß bei alle« Stadtpost-Fillalcn Quartals- mbouvementö angenommen werde». Die Expedition des vorwärts". Ueber die Berichte der Fabrikwspektoren iv Kreutzen. Ziffern zu Tage; so z. B. sind im Regierungsbezirk Arnsberg 1875 bei 30,218 Arbeitern 1695 Unfälle mit längerer als acht- tägiger Arbeitsunterbrechung vorgekommen, es sind also 5,6 Proz. der Arbeiter von solchen betroffen worden, darunter 10,8 Proz. der Gesammtsnmme durch Berührung mit Triebwerken. Im Regierungsbezirk Düsseldorf kamen 1876 in einer einzigen Fabrik bei 14— 1500 Arbeitern 105, also 71 Proz. Verletzungen vor; dabei waren die Arbeiter nicht versichert, und es soll darunter nach dem amtlichen Bericht kein Fall gewesen sein, in welchem das Haftpflichtgesetz in Wirksamkeit getreten wäre! In-Westphalen wurde in ein paar Fällen mit tödtlichem Aus- ?allge auf Anzeige des Inspektors wegen grober Fahrlässig- eit strafrechtlich gegen die Werkleitung eingeschritten; in der Rheinprovinz kam es vor, daß ein noch nicht 16jäh- riger Knabe, der nicht nur�gegen das Gesetz) regelmäßig dem Tag- und Nachtdienst der Schichten eingereiht, sondern sogar 22V2 Stunden lang beschäftigt worden war, in Folge der Uebermüdung einen Unfall erlitt, der zur Ampu- tativn eines Beines führte. Man bedenke, ganz abgesehen von Philanthropie, daß jeder bedeutendere Unfall, oft auch nur der Verlust von ein paar Fingern, eine Einbuße an produktiver Kraft, und, wenn der Verletzte oder seine Familie erhalten werden muß,.auch an Kapital für die Gesammtheit bedeutet, und man wird die Wichtigkeit dieser Sette der Thätigkeit der Inspektoren begreifen. Arbeitgeber und Arbeiter, durch Gewohnheit abge- stumpft, sehen die Gefahr häufig gar nicht, während sie der Inspektor, mit seinem vielseitig geübten Blick, sofort wahrnimmt. Man findet ferner in den Berichten verschiedene sehr beachtens- werthe Vorschläge auch in Bezug auf Versicherung und Haft- Pflichtgesetz; u. A. wünscht der Inspektor für Düsseldorf, in Uebereinstimmung mit dem von ihm mitgetheilten Votum«ines Kreisgerichtsdirektors, daß der Schuldbeweis, ähnlich wie schon jetzt bei den Eisenbahnen, dem Werkbesitzer auf- erlegt werden mochte. Die Arbetter können, in ihrer ab- hängigen und vereinzelten Stellung, in der Regel den ihnen obliegenden Beweis nicht erbringen, auch wenn er, gleiche Kampf- ! mittel vorausgesetzt, noch so leicht zu führen wäre." Sowest der„Hamkmrgische Correspondent".— Seit Bestehen des Haftpflichlgesetzes hat unsere Partei dieselbe Forderung in der Presse und in Vollversammlungen gestellt, wie sie jetzt der Die Jahresberichte der Fabrikinspektoren i« Preußen für 1876 Düsseldorfer Fabrik- Inspektor und zwar nach Zu- bieten ein äußerst veichhaltiges Material, besondors in Bezug �rnimung«mes sachverstrn'.digen Gerichtsdirektors stellt. sein; man läßt wohl auch Kinder einen Korb in die Hand nehmen ! und sendet fie weg, gleichsam als haben dieselben eben Essen ge- bracht u. s. w. Gott sei Dank ist aber diese Altersklasse von Kindern noch nicht so taktfest im Lügen, daß man nicht durch einige scharf gestellte Fragen in der Regel die Wahrheit zu hören bekommt." Und der Fabrik-Jnspektor für den Regierungsbezirk Frank- furt a. d. O. drückt sich noch schärfer aus: „Bei mehreren Amtsvorstehern der kleineren Städte bestand gänzlicher Mangel an Bekanntschaft mit den gesetz- lichen Bestimmungen! Die Industriellen sehen leider jene Bestimmungen nur als überflüssige Scheererei an und nehmen es mit der Beobachtung sehr leicht. In kleineren Städten üben die Fabrikanten in Folge ihrer sozialen Stellung einen unwillkürlichen Einfluß auf die Polizei-Verwaltung aus, welcher oft genug zu einer ungenügenden Handhabung der gesetzlichen Ordnung ausschlägt." Dem Berichte des Fabrik-Jnspektors für Hannover entnehmen wir noch, daß in den Glasfabriken der Provinz Kinder unter 12 Jahren vielfach beschäftigt werden; die jugendlichen Arbeiter aber von 12—16 Jahren wurden auch noch zumeist für Nacht- und Sonntagsarbeit verwandt. Wir sehen, daß sich das Institut der Fabrik-Jnspettoren auch jetzt schon wenigstens insoweit bewährt, daß verschiedenes brauch- bares statistisches Material herbeigeschafft wird, welches zur Aen- derung der Gesetze— Gewerbeordnung, Abeiterschutzgesetz, Hast- Pflichtgesetz— so sehr erforderlich ist. auf die Gesetzesübertretungen der Herren Fabrikasten, die za geradezu großartige Dimensionen vielfach angcn-mmcn haben. So bestimmt die Gewerbeordnung, daß Arbeitslisten zu führen und Arbeitsbücher auszugeben sind, hauptsächlich deshalb, um statistisches Material zu jeder Zeit erlangen, aber auch, um die Einstellung.und Beschäfttgungsdauer der jugendlichen Arbeiter controliren zu können. Die Ortspolizei hat diese Listen und Arbeitsbücher zu revidireu. Der Schuldbewei� muß dem Arbeiter genommen und dem Fabrikanten übertragen werden"— das ist nicht nur der Gerechtigkeit entsprechend, sondern es geht auch aus den Andeutungen der Fabrik-Jnspektoren zu Düsseldorf und Arnsberg hervor, daß ohne diese Aenderung das ganze Haft- Pflichtgesetz für die Arbeiter völlig werthlos ist— und ein werthloses Gesetz ist doch nur«in unnützer Ballast für die Gesetz- gebung. Wie wär's, wennn in dieser Hinficht bis zur Eröffnung des Aus dem Berichte des Fabrikinspektors für den Regienings- 1..... ,i(,.>,- bezirk Düsseldorf geht nun hervor, daß die dortigen Fabrikanten, uachsten Reichstags von den Arbeitern Teutschlaudv Resolutionen weil Jahre lang die Polizei nicht mehr revidirt hat, meinten, 5�� und Petitionen emgerelchr wurden?— Die sozialdemo- die Regierung habe die betreffenden Bestimmungen fallen lassen! kratischen Abgeordneten werden gewiß ihre Schuldigkeit thun, sie Im Regierungsbezirk Aachen wurden in 467 Etablissements werden eine dahin zielende Geschc�anderung beantragen. Z88 Contraventionen in dieser Kategorie ermittelt. In demselben... wollen wir einzelne Andeutungen aus den Berichten Verhältnisse steht's auch in den anderen Bezirken im ganzen üb°r dleSlnderarbett machen. So heißt es.n dem Berichte Staate. � des Fabrik-Inspektors für die Provmz Preußen in Bezug auf Dem Fabrik-Jnspektor für die Provinz Preußen wurde von die DanzMr Glashütte zu Legan: den Ortsbehörden oft genug versichert:„In den hiefigen Fa-.»Die Kinder der dortigen Glasmacher, welche bei chren Eltern driken finden Sie gar keine jugendlichen Arbeiter", und dann seinem großen Arbelter-Wohnhause.� auf d�m Grundstuck der waren sie doch da, wohl aber meistens keine Arbeitsbücher k. In den meisten dortigen Fabriken ist noch jetzt eine 13- bis Hütte belegen, wohnen, fanden bis jetzt keine Gelegenheit, irgend welche Schule zu besuchen, sie� wurden vielmehr,� als nicht orts- 14 stündige Arbeitszeit üblich, weshalb die Arbeitgeber die Kinder an gehörig, vom Besuch der schulen m den naheliegenden Ort über 14 Jahre lieber entlassen, als die Vorschrift der nicht mehr gasten zurückgewiesen. So'st es gekommen, daß genannte als zthnstündigen Beschäftigung derselben erfüllen. Dieselbe Kinder � fast ohne i-gliche Ausbildung aufgewachsen sind. Ich bleibt überhaupt da, wo noch eine längere Arbeitszeit der er- Don 1�. 11611' rl? vierzehnjährige Knaben wachsenen Arbeiter herrscht, meist unbeachtet. So viel ist nach-und Madchen, examimrt und fand erschreckende Unw.ssenhett, fie Allem klar, daß, so lange nicht genügende und unparteiische konnten nur radebrechend lesen, das Einmaleins mit 2 und 3 Fabrik-Jnspektorate bestehen, von irgendwelcher Sicherheit für stümperhaft u. s. w." Ausführung der gesetzlichkn Bestimmungen keine Rede sein kann. Der Inspektor für Pommern sagt: In Bezug auf die Haftpflicht und die Vorkehrungen bei Un-!„In allen Industriezweigen ist man sehr geneigt, lesen wir, glücksfällcn kann die Wirksamkeit der Fabrik Inspektoren sich be- gerade diese Bestimmungen zu umgehen; und es sind viele Mittel sonders segensreich gestalten. Ueber die seitherige Wirksamkeit! und Wege ausgedacht, um die Aufsichtsbehörde zu täuschen. derselben wollen wir dem„Hamburgischen Corrcspondenten", als Sobald man die Fabrik betreten hat und bemerkt und erkannt einem in solchen Fragen völlig parteilosen Blatte, welches sich worden ist, so ist in der Regel kurze Zeit darauf das ganze Ein Urtheil. (Schluß.) Aus diesen Gründen erklärt das Königliche Landgericht, Zucht- polizei-Kammer den Beschuldigten Kaulitz für überführt: i. In den Monaten Juni und Juli dieses Jahres wieder- holt öffentlich vor einer Menschenmenge, das heißt in Bolksver- sammlungen, welche durch Zeitungsaufruf in St. Johann und Umgegend veranstaltet waren, zum Ungehorsam gegen Gesetze, rechtsgültige Verordnungen und gegen von der Obrigkeit inner- halb ihrer Zuständigkeit getroffenen Anordnungen aufgefordert zu haben; Paragraph einhundertundzehn des Straf- Gesetz- Buches; 2. Sowohl in den vorerwähnten Volksversammlungen, als auch in einer Reihe von Arttkeln, welche er theils selbst verfaßt, theils von Verfassern übernommen hat, deren Namen zu nennen er sich weigert und bezüglich deren er nach Paragraph einund- zwanzig des Preßgesetzes daher persönlich hastbar erscheint, und welche Artikel in den Nummern eins und zwei der„Freien Volkistimme" vom ersten und achten Juli dieses Jahres er selbst als verantwortlicher Redakteur und Verleger des genannten Blattes veröffentlicht und verbreitet hat; in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölke- rung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander angeregt, Paragraph einhundertunddreißig; auch erdichtete und entstellte Thatsachen, wissend, daß sie erdichtet und entstellt sind, öffentlich behauptet und verbreitet zu haben, um dadurch Staatseinrich- tungen und Anordnungen der Obrigkeit verächtlich zu machen, Paragraph einhunderteinunddreißig des Straf-Gesetz-Buches und Paragraph einundzwanzig des Preßgesetzes; 3. in der Versammlung zu Malstatt vom sechszehnten Juni dieses Jahres den Bürgermeister Meyer zu Malstatt öffent- lich beleidigt zu haben, Paragraphen einhundertundfünfundachtzig und zweihundert; 4. durch einen von ihm selbst verfaßten und von ihm als verantwortlichem Redakteur und Verleger der„Freien Volks- stimme" in Nummer eins dieses Blattes veröffentlichten Artikel „Paragraph einhundertundsiebzig und was daraus wurde", sowie durch den Vordersatz:„Locales", Malstatt den achtundzwanzigsten Juni—„Wem Gott ein Amt giebt, und so weiter", den Polizei- Commissar Schiller zu Malstatt öffentlich beleidigt zu haben durch Behauptung von Thatsachen, welche nicht erweislich wahr find, Paragraph einhundertsechsundachtzig; 5. durch einen von ihm selbst verfaßten und in Nummer zwei der„Freien Bolksstimme" von ihm als verantwortlichem Redakteur und Verleger dieses Blattes veröffentlichten Artikel: „Rußland, Borußland, Knutenwirthschaft, Rechtsstaat", den Gensdarm Claer, sowie die Ortspolizeiverwaltung zu St. Jo- Hann und zwar den Gensdarmen Claer im Sinne des Para- graphen einhundertfünfundachtzig und die Ortspolizeiverwaltung zu St. Johann im Sinne des Paragraphen einhundertundsechs- undachtzig öffentlich beleidigt zu haben, Paragraphen einhundert- sechsundneunzig und zweihundert des Straf-Gesetz-Buches; 6. durch einen von ihm selbst verfaßten und im Beiblatt zu Nummer zwei der„Freien Volksstimme" veröffentlichten Artikel, „Aus dem Lande des heiligen Zopfes" den Polizei- Commissar Wirtz zu St. Johann öffentlich beleidigt zu haben; Paragraphen einhundertfünfundachtzig,— zweihundert des Straf-Gesetz Buches; 7. durch einen von ihm selbst verfaßten und in Nummer eins der„Freien Volksstimme" veröffentlichten Artikel:„Ar- heiter Risiko",� die Inhaber der Firma Böcking und Dietzsch öffentlich im Sinne des Paragraphen einhundertsechsundachtzig des Straf-Gesetz-Buches beleidigt zu haben; Paragraph zwei- hundert; erklärt dagegen den Beschuldigten Kaulitz für nicht überführt, die Arresthausverwaltung zu Saarbrücken— Arresthausver- Walter Heitmann und Schließer Reimann— öffentlich beleidigt zu haben und spricht ihn deshalb von dieser Beschuldigung frei; erklärt sodann den Beschuldigten Hackenberger für über- führt: „in den zu Malstatt und St. Johann in den Monaten Juni und Juli abgehaltenen Volksversammlungen, sowie als Ver- fasser des in Nummer eins und drei der„Freien Volksstimme" veröffentlichten Artikels:„Die Ursachen des Elends und der Knechtschaft und die Mittel ihrer Beseitigung", sowie durch eine Reihe von Artikeln, welche er theils selbst verfaßt, theils von Verfassern übernommen hat, deren Namen zu nennen er sich weigert, und bezüglich deren er daher nach Paragraph einund- zwanzig des Preßgesetzes persönlich haftbar erscheint, und welche Artikel in den Nummern drei und vier der„Freien Volksstimme" vom fünfzehnten und zweiundzwanzigsten Juli dieses Jahres er selbst als verantwortlicher Redakteur und Ver- leger des genannten Blattes veröffentlicht und verbreitet hat, den Bestimmungen der Paragraphen einhundertunddreißig und einhundertundeindreißig zuwider gehandelt zu haben; erklärt dagegen den p. Hackenberger für nicht überführt, in den vorerwähnten Versammlungen sich des im Paragraphen ein- hundertundzehn des Straf-Gesetz-Buches vorgesehenen Vergehens schuldig gemacht zu haben; erklärt denselben ferner für nicht überführt, dem p. Kaulitz bei den vorangegebenen Volksversammlungen in Bezug auf dessen Bergehen gegen Paragraphen einhunderteinunddreißig durch Rath und That wissentlich Hilfe geleistet zu haben; verurtheilt demgemäß den Beschuldigten Kaulitz wegen der Bergehen gegen die Paragraphen einhundertundzehn— einhun- dertunddreißlg des Straf-Gesetz-Buches zu einer Gefängnißstrafe von je einem Jahre, wegen des Vergehens gegen den Para- jraphen einhunderteinundreißig zu einer Gefängnißstrafe von echs Monaten und wegen jeder Beleidigung zu einer Gefängniß- träfe von einem Monate, setzt diese Strafen auf eine Gesammt- träfe von zweiundeinemhalbem Jahre Gefängniß fest, giebt den öeleidigten: ». Bürgermeister Meyer; b. dem Polizei-Commiffar Schiller beide zu Malstatt; v. dem Gensdarm Claer zu St. Johann; ä. der Ortspolizei-Verwaltung zu St. Johann; e. dem Polizei- Commissar Wirtz zu St. Johann und {. den Inhabern der Firma Bölling und Dietzsch zu Saar- brücken, das Recht, innerhalb vier Wochen nach Beschreitung der Rechts- kraft dieses Urtheils den verfügenden Theil desselben, soweit er auf ihre Beleidigung Bezug hat, auf Kosten des p. Kaulitz durch die zu St. Johann erscheinende„St. Johanner-Zeitung" öffent- lich bekannt machen zu lassen; verurtheilt endlich den Beschuldigten Hackenberger wegen des Vergehens gegen Paragraph einhundertunddreißig zu einer Ge- fäugnißstrafe von zwei Jahren und wegen des Vergehens gegen Paragraph einhunderteinunddreißig zu einer Gefängnißstrafe von einem Jahre, setzt diese Strafen auf eine Gcsammtstrafe von zweiundeinemhalben Jahre fest, und legt die Kosten des Versah- rens, welche im Ganzen einschließlich eines Erkenntnißstempels von fünfzehn Mark auf zweihundertsechsundzwanzig Mark vier- undvierzig Pfennig liquibirt sind, beiden Beschuldigten solida- risch zur Last; mittelst Anwendung der Paragraphen einhundertundzehn,— einhundertunddreißig,— einhunderteinunddreißig,— einhundert- fünfundachtzig,— einhundertsechsundachtzig,— einhundertsechs- undneunzig,— zweihundert,— und vierundstebenzig des Straf- Gesetz-Buches; des Artikels fiebenundzwanzig Paragraph eins des Einführungsgesetzes zum preußischen Straf- Gesetz-Buche; so- Wie des Arttkels cinhundcrtvierundneunzig der Criminal-Prozeß- Ordnung, welche Gesetzesstellen von dem Herrn Präsidenten ver- lesen wurden und lauten: Paragraph einhundertzehn des Straf-Gesetz-Buches. „Wer öffenttich vor einer Menschenmenge, oder wer durch Verbreitung oder öffentlichen Anschlag oder öffentliche Aus- stellung von Schriften oder andere Darstellungen zum Unge- horsam gegen Gesetze oder rechtsgültige Verordnungen oder gegen die von der Obrigkeit innerhalb ihrer Zuständigkeit ge- troffenen Anordnungen auffordert, wird mit Geldstrafe bis zu sechshundert Mark oder mtt Gefängniß bis zu zwei Jahren bestraft." Paragraph einhundertunddreißig des Straf-Gesetz-Buches. „Wer in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klaffen der Bevölkerung zu Gewalthättgkeiten gegen einander öffentlich anreizt, wird mit Geldstrafe bis zu sechehun- dert Mark oder mit Gefängniß bis zu zwei Jahren bestrast." Paragraph einhunderteinunddreißig des Straf-Gesetz-Buches. „Wer erdichtete oder entstellte Thatsachen, wissend daß sie er- Zur Tragödie von Plewna. Von verschiedenen Seiten wird der Versuch gemacht, die letzten Ereignisse von Plewna in einer Weise zu erzählen, welche den Ruhm und das Feldherrntalent Osman Paschas verkleinern und die Knegführung des Marschalls als eine barbarische hin- stellen soll. Einestheils wird behauptet, daß Osman Pascha sich in einer Mausefalle fangen ließ und gar nicht zur Erkenntniß der russischen Cernirungsabsichten gelangte, andererseits wird versichert, daß sich in Plewna noch bedeutende Quantitäten von Lebensmitteln vorfanden und Osman nur deshalb Plewna nicht weiter halten konnte, weil die Russen bereits von Süd und Ost eingedrungen waren. Endlich wird versucht, in indirekter Form die Beweise für eine barbarische Kriegführung dadurch zu er- bringen, daß man sagt, es wäre weder ein russischer noch ein rumänischer Gefangener vorgefunden worden, was so viel heißen soll, als daß die Gefangenen umgebracht worden feien. Diese illoyalen«bfichten scheitern an den Thatsachen. Osman Pascha wußte sehr genau, was er wollte, als er am 5. Juli von Widdm nach Plewna marschirte, bewährte sich als Stratege und Taktiker, als er aus dem unansehnlichen Plewna ein mächtiges Bollwerk machte und die furchtbaren Sturmangriffe der Russen zurückwies, und war sich vollkommen der Gefahren bewußt, welche aus der Cernirung seiner Stellungen erwachsen konnten. Es liegt die Analyse eines Schreibens des Marschalls an das Seraskierat vor, wonach Osman sich erst dann zum Ausharren in Plewna entschloß, als der famose Kriegsrath in Konstantinopel ihm die bestimmte Versicherung gegeben hatte, daß für Entsatz ausreichend gesorgt sei. Aus dem Schreiben erhellt ferner, daß Osman sich nach Orchanie zurückziehen und dort ein neues Bollwerk schaffen wollte welches den großen Vorzug vor Plewna gehabt hätte, daß es schon durch die Natur vor jeder Cernirung gesichert ge- wesen wäre. Im Vertrauen auf die Dispositionen der Dan Schura und als Soldat gehorchend, blieb Osman m Plewna und harrte so lange aus, als es eben ging. Während der Zeit der engen Cernirung bewährte sich Osman als vorsichtiger Ge- dichtet oder entstellt sind, öffentlich behauptet oder verbreitet, um dadurch Staatseinrichtungen oder Anordnungen der Obrigkeit verächtlich zu machen, wird mit Geldstrafe bis zu sechshundert Mark oder mit Gefängniß bis zu zwei Jahren bestrast." Paragraph einhundertfünfundachtzig des Straf-Gesetz-Buches. „Die Beleidigung wird mit Geldstrafe bis zu sechshundert Mark, oder mit Haft, oder mit Gefängniß bis zu einem Jahre und, wenn die Beleidigung mittelst einer Thätlichkeit begangen wird, mit Geldstrafe bis zu eintausendfünfhundert Mark oder mit Gefängniß bis zu zwei Jahren bestraft." Paragraph einhundertsechsundachtzig des Straf-Gesetz-Buches. „Wer in Beziehung auf einen Anderen eine Thatsache be- hauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Thatsache erweislich wahr ist, wegen Be- leidigung mit Geldstrafe bis zu sechshundert Mark oder mit Haft oder mit Gefängniß bis zu einem Jahre und, wenn die Belei- digung öffentlich oder durch Berbrettung von Schriften, Abbil- düngen oder Darstellungen begangen ist, mit Geldstrafe bis zu eintausendfünfhundert Mark oder mit Gefängniß bis zu zwei Jahren bestrast." Paragraph einhundertsechsundneunzig des Straf-Gesetz-Buches. „Wenn die Beleidigung gegen eine Behörde, einen Beamten, einen Religionsdiener oder ein Mitglied der bewaffneten Macht, während sie in der Ausübung ihres Berufes begriffen find, oder in Beziehung auf ihren Beruf, begangen ist, so haben außer den unmittelbar Betheiligten auch deren amtliche Borgesetzte das Recht, den Straf-Antrag zu stellen." Paragraph zweihundert des Straf-Gesetz-Buches. „Wird wegen einer öffentlich oder durch Verbreitung von Schriften, Darstellungen oder Ahbildungen begangenen Beleidi- aung auf Strafe erkannt, so ist zugleich dem Beleidigten die Befugniß zuzusprechen, die Äerurtheilung auf Kosten des Schul- digen öffentlich bekannt zu machen, die Art der Bekanntmachung sowie die Frist zu derselben ist in dem Urtheile zu bestimmen. „Erfolgte die Beleidigung in einer Zeitung oder Zeitschrist, so ist der verfügende Theil des Urtheils auf Antrag des Belei- digten durch die öffentlichen Blätter bekannt zu machen und zwar wenn möglich durch dieselbe Zeitung oder Zeitschrist und in demselben Theile und mit derselben Schrift wie der Abdruck der Beleidigung geschehen. „Dem Beleidigten ist auf Kosten des Schuldigen eine Aus- fertigung des Urtheiles zu ertheilen." Paragraph vierundstebenzig des Straf-Gesetz-Buches. „Gegen Denjenigen, welcher durch mehrere selbständige Hand- lungen mehrere Verbrechen oder Bergehen mehrmals begangen und dadurch mehrere zeitige Freiheitsstrafen verwirkt hat, ist auf eine Gcsammtstrafe zu erkennen, welche in einer Erhöhung der verwirkten schwersten Strafe besteht." Artikel fiebenundzwanzig Paragraph eins zum früheren preu- ßischen Straf-Gesetz-Buche. „Im Bezirke des Rheinischen Appellations- Gerichtshofes kommen folgende Bestimmungen zur Anwendung: Paragraph eins. „Alle wegen eines und desselben Verbrechens oder Vergehens zur Strafe verurtheilten Personen sind zu den Kosten, zur Rück- gäbe und zum Schadenersatze, auf welche erkannt wird, solidarisch zu verurtherlen." Artttel einhundertvierundneunzig der Criminal-Prozeß-Ordnung. „Jede verurtheilende Entscheidung, welche gegen die Beschul- digten und die civilrechtlich verantwortlichen Personen oder gegen die Civilpartei erlassen wird, muß diese, selbst der öffentlichen Parter gegenüber in die Kosten verurtheilen. „Die Kosten werden in demselben Urtheile liquidirt." Also geurtheilt und verkündet zu Saarbrücken wie oben. gez. Schorn. Jerusalem. Opfergelt. gez. Doermer. Für die richtige Abschrrft ertherlt dem öffentlichen Ministerium mit der Bescheinigung der Rechtskraft gegenüber dem Kaulitz, und daß Hackenberger appellirt hat.(sie!) Der Landgerichts-Sekretär. Klus. Aus Berlin. ,— 18. Dezember. Die Zustände verwirren sich hier immer mehr. Die National- liberalen, welche sich in ihren Träumen schon auf stolzer Mi- nisterhöhe befanden, ziehen sich kleinmüthig zurück und klagen: „Wenn nur Bismarck selbst käme, mit ihm würden wir uns schon verständigen können." Daß diese„Verständigung" selbst in reaktionärstem Sinne von den Liberalen eingegangen würde, geht aus einem Artikel der„National-Zeitung" deutlich hervor, der besagt, daß, wenn die Krists auch nach den Wünschen der neral, mit den Lebensmitteln und mit den AuSrüstungsgegen- ständen wurde ökonomisch verfahren und kein Schuß ohne äußerste Nothwendigkeit abgefeuert, so daß die wirkungslosen aber unaus- gesetzten russischen Kanonaden tage- ja wochenlang unerwidert blieben. Osman Pascha fand bei seinen Truppen die vollste Hingebung; die Leute begnügten sich mit trockenem Brod. Nicht so opferfreudig benahm sich aber die Bevölkerung von Plewna, welche zum Theile aus Bulgaren besteht, die das Leben des Marschalls bedrohten und Spionage trieben. Die Russen waren von allen Vorgängen innerhalb der türkischen Linien vortrefflich unterrichtet und wußten auch ganz genau, an welchem Tage und um welche Stunde OSman den Durchbruchsversuch unternehmen werde. Die von den Türken in der Nacht zum 10. Dezember verlassenen Redouttn wurden von den auf der Süd- und Ost- front stehenden Russen sofort besetzt, und so war Skobelew's Division schon in die unm-ttelbare Nähe Plewnas gelangt, als der Kampf auf der Nordwestfront noch gar nicht begonnen hatte! In Plewna fanden sich gar keine Lebensmittel vor, und die Ausfallstruppen hatten nur kleine Brodporttonen bei sich. Osman konnte also gar nicht die Abficht gehabt haben, wieder nach Plewna zurückzukehren, weil der Platz ganz und gar unhaltbar geworden war. Hier konnte nur Entsatz hilfreich eingreifen; da dieser ausgeblieben war, so mußte man entweder siegreich durch- brechen oder die Waffen strecken. Es fällt uns nicht ein, das Verdienst Todtleben's um die Bezwingung Plewnas in Abrede zu stellen oder zu verkleinern, unerwähnt darf man es aber nicht lassen, daß die Russen den Angriff wohlvorbereitet erwarteten unv auf dem gefährdeten Punkte überlegene Streitkräfte concen- trirten. Gegen die 20,000 Grenadiere und 8000 Liniensoldaten Ganetzkys gingen nicht ganz 20,000 Türken vor und es gelang Osman Pascha trotz der Uebermacht und der Befestigungen des Gegners, die erste Fortifikationslinie zu nehmen. Die Russen zogen fortwährend Verstärkungen an sich, die Truppen der Süd-, Ott- und Nordfront drangen in Plewna ein, der Widerstand wurde immer aussichtsloser und so erfolgte die Waffenstreckung, welche keine Spiegelfechterei war. Auch fand der Kampf vom staatsfreundlichen Majorität des Landes beigelegt, die Geschichte jedenfalls nach rückwärts revidirt werde. Im Abgeordnetenhause fand bei der dritten Berathung des Etats wieder einmal eins der bekannten Rededuelle zwisch'n dem klerikalen Herrn v. Ludwig und dem„großen" Lasker statt; die liberalen Blätter behaupten natürlich, daß Lasker einen Triumph gefeiert habe. Ich gestatte mir anderer Meinung zu sein. Es handelte sich um das bekannte Glagau'sche Gründerbuch, welches v. Ludwig den Staatsanwälten wiederholt empfahl und bei welcher Gelegenheit er denn auch dem Abg. Lasker wiederum vorwarf, daß er mit seiner Gründerverfolgung plötzlich inne- gehalten habe. Lasker hielt darauf eme von seinen bekannten Enttüstungsreden, in welcher er zunächst sagte, das Buch von Glagau tauge nichts, er habe es aber nicht gelesen. Lasker liest bekanntlich nur die„National-Zeitung" und kennt deshalb das Glagau'sche Buch nur aus diesem Blatte. Dann sagte Lasker, daß es ein lächerliches Unternehmen sei, dem Herrn v. Ludwig immer zu erwidern— und trotzdem sprach Lasker länger als Ludwig. Und drittens meinte der ehrenwerthe Herr, daß er sich nur gegen die Eisenbahngründer gewandt habe, nicht gegen alle Gründer. Faßt man die drei Bemerkungen zusam- men, so muß jeder vernünftige Mensch einsehen, daß Laskerchen in der Hitze des Gefechts, wie tchon so oftmals, sich arg com- promittirt hat, trotz des Beifalls auf den Bänken der National- liberalen. Im Herrenhause hat man gestern einen scharfen Hieb gegen die Armen und Elenden geführt. Bei Berathung des Forstdieb- stahlgesetzes nämlich hat das hohe Haus die Beeren und die Pilze denjenigen Waldprodukten mit angereiht, auf welche die Strafe des Holzdiebstahls gesetzt ist. Selbst die Regierung wollte diese beiden Nahrungsmittel, durch deren Einsammeln sich in den ärmeren Gebirgsgegenden Hunderte von armen Leuten Monate hindurch ernähren, nicht unter den Strafparagraphen für Holzdiebstahl gestellt wissen— doch das Haus der„Edelsten" beschloß dem entgegen. Lobend ist zu erwähnen, daß der Re- gierungsvertreter Assessor Steineberg und von den Groß- grundbesitzern Fürst Carolath-Beuthen sich alle Mühe gaben, „das hohe Haus" von solchem ungemein lieblosen Beschlüsse abzu- halten. Das Reichstagspflänzchen, Hr. von Kleist- Retzow, stimmte natürlich mit der Majorität, obwohl der Mensch sonst gern sagt, daß er ein warmes Herz den Armen entgegentrage. Nachdem eben die jüngste Attentäterei auf den Kaiser in das Reich der Vergessenheit gesenkt worden ist, taucht eine andere Attentäterei gegen das Reich auf. Nach der„Nationalzeitung" hat man nämlich auf Befehl der Commandantur Hierselbst einen Engländer verhaftet, der unser armes, schon so vielfach verrathenes deutsches Vaterland wieder einmal„verrathen" will. Bei dem Verhafteten sollen Pläne von Metz-c. te. vorgefunden worden sein. Die schlauen Franzosen, sie schicken zu solchem Verrath einen Engländer, einen halben„Erbfreund", der ungenirt seiner Landsmännin, der deutschen Kronprinzessin, einen Besuch machen und daneben so recht gemüthlich Deutsch- land verrathen kann. Uebrigens muß der Engländer doch ein Esel sein, der seine Pläne von Metz nach Berlin und nicht nach Paris schleppt!— Ein trauriges Beispiel sittlicher Verkommenheit bei einem Lehrer muß ich Ihnen noch mittheilen. Unser hiesiges Parteiblatt läßt sich nämlich berichten, daß ein Volksschullehrer folgende Frage an seine Schüler gerichtet habe:„Wißt Ihr denn, welches die schlechtesten Menschen find?" Die Schüler antworten natürlich:„Mörder, Räuber, Diebe k. zc." Doch unser Culturkämpfer ist nicht zufrieden mit solchen Antworten. Er wirft sich in die Brust und beantwortet seine Frage selbst folgendermaßen:„Die schlechtesten Menschen sind diejenigen, welche anderen nach dem Eigenthum trachten, selbst nicht arbei- ten, sondern faullenzen wollen und außerdem Alles, was unS heilig ist, umstürzen möchten, und sie nennen sich Sozialdemo- kraten."— Ich schließe mich der Ansicht der„Berliner Freien Presse" völlig an, wenn sie sagt:„Diese Unwissenheit des Leh- rers über die Prinzipien der Sozialdemokratie hält seiner Roh- heit die Wage." Aber ein Moment, und zwar gewiß das be- deutendste, welches mich zu dem Ausdruck:„sittliche Ver- kommenheit" völlig berechtigt, möchte ich hier noch anführen. Durch derartige Aeußerungen zerstört der Lehrer vielfach die Familienbande, indem er den Kindern die Achtung vor ihren Vätern, die sich ja gerade hier so zahlreich zur Sozialdemokratte bekennen, zu rauben sucht, er säet Haß und Unfrieden zwischen Kindern und Eltern und versündigt sich so in der eklatantesten Weise gegen ein Gebot, welches er berufen ist den Kmdern einzuprägen:„Du sollst Bater und Mutter ehren!"— Man steht aber, wohin die Hetzerei der liberalen Presse, wohin die Verfolgungen der Regierung den Sozialisten gegenüber, wohin die ganze Culturkämpferei führte: zur Demoralisation und zur Corruption. 10. Dezember nicht nur zur äußerlichen Wahrung der Waffen- ehre statt. Ein Gefecht kann nicht zum Scheine geführt worden sein, wenn von beiden Seiten 7—8000 Tobte und Verwundete den Kampfplatz bedecken. Was aber die Verdächtigung einer barbarischen Kriegführung anbelangt, so ist dieselbe ganz haltlos. Daß kein Gefangener vorgefunden wurde, kann doch unmöglich als Beweis gelten, daß Gefangene getödtet wurden. Uebrigens haben die Türken nicht einmal nach ihrem entscheidenden Siege vom 30. Juli Gefangene gemacht, weil sie keine Kavallerie hatten und ihren Sieg durch eine rasche Verfolgung des fliehenden Feindes nicht ausbeuten konnten. Daß aber Osman Pascha strenge auf Soldatenehre und Disziplin gehalten hat, beweist die Thatsache, daß das Eigenthum der bulgarischen Einwohner von Plewna geschont wurde. So gentil haben sich die Russen den Mohamedanern gegenüber nicht benommen und nach der Er- stürmung von Kars ihrer Ptünderungswuth die Zügel schießen lassen. Wenn diese auf Thatsachen beruhende Widerlegung noch weiterer Beweismittel bedürfte, so könnten wir auf die Aeußerungen der Anerkennung und Bewunderung von Seite der russischen Offiziere aller Grade hinweisen und auf den Ausspruch de» jüngeren Skobelew, welcher Osman den„größten Feldherrn unserer Zeit" nannte. Angesichts solcher Worte müssen die vor- erwähnten Berdächtigungsversuche völlig verunglückt und gänzlich wirkungslos erscheinen.(»Boss. Ztg.) — Die Geheimnisse der Bierbrauerei, schreibt die in Bremer Hafen erscheinende„Provinz.-Ztg.", haben in den letzten Tagen in Bremer" Hafen eine recht interessante Bereicherung erfahren. Bei Untersuchung des Braunbiercs, wie solches in's Hospital geliefert wurde, stellte sich nämlich heraus, daß tiefes ein Mixtum von Syrup war, somit also den gewünschten Zweck, Stärkung der Kranken, durchaus nicht erreichen konnte. Der Verfertiger dieses edlen Getränkes wurde darauf vor das Medizinalamt gefordert und gestand auch ganz naiv ein, daß er sein Braunbier aus Wasser, Hefe und Syrup verfertigte; diese Mischung lasse er auf dem Faß vier Wochen liegen, und nachdem dann Gährung ein- getreten, würde solche auf Flaschen gezogen und gäbe das schönste Braun- Sozialpolitische UeBetftcht — Zur Fabrikgesetzgebung. Unter dem Titel:„Die Fabrikgesetzgebungen der Staaten des europäischen Continents" ist soeben von Hrn.„Th. Lohmann, Gebeimen Oberregierungsrath und Vortragendem Rath im preußischen Handelsministerium", eine Schrift herausgegeben worden, deren amtlicher Ursprung schon aus den Titeln des Herausgebers er- hellt. Die Fabrik- und Werkstätten- Gesetzgebung Englands war bereits im vorigen Jahr auf Veranlaffung des Handelsministe- riums(von Legationsrath v. Bojanowsky) zusammengestellt und erläutert worden. In der vorliegenden, 171 S. in Groß' Oktav umfassenden Schrift find vertreten: Deutschland, Elsaß- Lothringen, Oesterreich, Ungarn, die Schweiz(und zwar werden auch die Eantonalgesetze mitgetheilt), Frankreich, die Niederlande, Dänemark und Schweden. Gar keine Fabrikgesetze haben also bislang Portugal, Spanien. Italien, Belgien(!!), Rußland(wo zwar 1874 ein aus- sthrlicher Gesetzentwurf ausgearbeitet wurde, der aber bis jetzt im Schöße der aä Koe niedergesetzten Commission vergraben ge- blieben ist), die Türkei und Griechenland. Das Buch, welches uns noch nicht vorliegt, giebt nach einer Berliner Correspondenz des„Hamburgischen Eorrespondcnten", —„leider dem einzigen unter den größeren deutschen Blättern, welches die Pflicht anerkennt und übt, seine Leser über die wich- tigsten Erscheinungen der sozialpolitischen Theorie und Praxis auf dem Laufenden zu halten", bemerkt der Correspondent— „Das Buch giebt nicht blos den Text der Gesetze, sondern in Form einer Einleitung nach einigen orientirenden Winken über den allgemeinen Charakter der verschiedenen Fabrikgesetzgebungen eine höchst instruktive und bequeme vergleichende Uebersicht der Hauptbcstimmungen aller, hier auch der englischen, und zwar an- langend: 1) den Ausschluß gewisser Personen von der Fabrik- beschäftigung; 2) Beschränkungen oder Bedingungen derselben für gewisse Personen; 3) Anforderungen an den Fabrikbetrieb zum Schutze von Leben und Gesundheit der Ardeiter; 4) Vorschriften und Einrichtungen zur Sicherung und Durcbführung der materiellen Bestimmungen der Gesetze. Am Schlüsse werden auch noch die wesentlichsten Vorschriften aus den Fabrikgesetzen der nordamerikanischen Staaten mitgetheilt, von denen übrigens nur wenige über dasjenige hinausgegangen sind, was Folge der Schulgesetzgebung ist. Bundessache ist in den Bereinigten Staaten die Fabrikgesetzgebung nicht, die Bundesgesetze enthalten nur eine allenfalls hierher gehörige Bestimmung, daß nämlich in allen Fabriken, welche für Rechnung der Union betrieben werden, ein Normalarbeitstag von 10 Stunden innezuhalten sei." Ferner macht der Corre'pondent des Hamburger Blattes noch folgende interessante Mittheilungen:„Als Gesammtcrgebniß jener Uebersicht, speziell in Bezug auf Deutschland, stellt sich heraus, daß die weitverbreitete Anficht, als ob die deutsche Fabrikgesetz- gebung durchgehends einen geringeren Schutz gewähre, als der zenige der übrigen großen Jndustrievölker Europa's, ein« irr: �'(?) ist. In mancher Beziehung ist dieselbe, wenn man von' dem neuen Schweizer Bundesgesetze absieht, vielmehr bei Weitem die schärfste(!), vor Allem was die Beschränkungen der Kin- derarbeit(I!). Dag«gen(aha!) ist sie, was gleichfalls in dem Buche selbst constatirt wird, hinter denjenigen Englands und Frankreichs entschieden zurückgeblieben in dsen Einrichtungen, welche zurDurchführung der materiellen Bestimmungen dienen, denn die deutsche Gewerbeordnung hat es bekanntlich den Einzelstataten überlassen, ob sie diese Durchführung der ordentlichen Polizeibehörde anheimgeben oder durch besondere Organe sicher stellen wollen. Mit einem Worte, «S ist, wie der Herausgeber schließlich sagt,„die Durchführung der Fabrikgesetzgebung von Rechtswegen nicht gesichert"; denn daß ohne besonders hierzu bestellte Organe keine wirkliche Sicherung besteht, ist durch die Erfahrung sattsam nachgewiesen. Es wird also auch in diesem Buche, wenngleich nicht ausdrück- lich, doch immer deutlich genug, der Wunsch ausgesprochen, daß nämlich das Institut der Inspektion durch Reichsgesetz- gebung in ganz Deutschland eingeführt werden möchte. Ob dieser Wunsch so bald zur Erfüllung kommen wird, ist freilich insofern zweifelhast, als nach ziemlich allgemeiner Annahme es der mächtige Reichskanzler ist. der sowohl dieser wie anderen Reformen der Gewerbeordnung widerstrebte. Die Industrie darf bei diesen schlechten Zeiten nicht gemrt wer- den, soll sein eeterum eenseo sein. Wenn nur mcht au�u be- kannt wäre, daß in flotten Zeiten die Arbeitgeber von irgend welcher Gene erst recht nichts wissen wollen! Für die humanen und gesetzestreuen Fabrikanten ist übrigens speziell das Fabrik- inspektorat nicht sowohl eine Fessel, als vielmehr eine Hilfe— nämlich den Concurrenten gegenüber, welche sich durch Mlßach- tung des Gesetzes einen unrechtlichen Vortherl zu verschaffen *"�@0 der Herr Correspondent. Die Notiz über die eigenthüm- bier. Auch Taselbier würde auf dieselbe Weise hergestellt, nur nehme man statt Syrup als Zusatz Honig. Der moderne Bierbrauer aus kal- tem Wege erklärte ferner, daß er ganz Vom üdc gehandelt habe, denn er habe das Rezept zu seinem Biere von einem Braunschw-lger für 1200 M. gekauft und wäre die Bierfabrikation in Braunschweig nach diesem Rezept durchaus nichts Aubergewöhnliches. Die Medizinalbehörde dachte übrigens anders über diese Braumethode, denn sie beantragte sofort d» Bestrafung des Syrupwasser-Fabrikanten, und durfte die Sache demnächst zur Verhandlung kommen. Selbstredend wurde d!« Lieferung sür das Hospital dem„Biersabrikanten auf kaltem Wege" sofort ent- sogen und die kranken so geschützt, weiterhin die Mixtur des Betresien- den als„Stärkung" genießen zu müssen. — Engelmacherei. Aus Königsberg i. Pr. wird gemeldet. „Die neulich polizeilich wegen Engelmacherei verhaftet« Bizefeldwebel- stau ist dem Berichtsgesängnisse überliefert worden. Das Kind, um welches es sich diesmal handelte, war ebenfalls, wie andere zuvor, bei- nahe verfallen. Es hatte in Folge der unzureichenden Nahrung, die es seit langer Zeit gehabt, und der grenzenlosen Unreinlichkeit, die soweit ging, daß der ganze Körper des unglücklichen Geschöpfes bereits mit Maden bedeckt war, nur noch wenig Lebenskraft, als es dem städtischen Krankenhause übergeben wurde, woselbst das Seschöpfchen, ein uneheliches Kind einer in Berlin lebenden Person, wieder hergestellt worden ist."— Solche„Engelmacherei", die übrigens sehr häusig vorkommt, ist so recht ein Zeichen der Heiligkeit der Ehe und der Familie in unserer Gesellschaft! — 6000 Sack verfälschtes und verdorbenes Reismehl, welche von England aus in den Handel gebracht waren, wurden kürz- «n Antwerpen mit Beschlag belegt, nachdem ein Theil bereits in den Handel gelangt war. Ein Käufer dieser schönen Waare, dem ein Schwein nach dem Genüsse derselben crepirte, machte von dem Borsalle Anzeige beim Ministerium, welches eine chemische Untersuchung und später die Beschlagnahme des verdorbenen MehleS verfügte.— Wäre ein Proletarier an dem Genüsse des Reismehles gestorben, so wäre wahrscheinlich keine so rasche Anzeige erfolgt, aber ein Werthgegenstand, ein Schwein, das bringt die Gesellschaft in Auflegung. lidie Arbeiterfreundlichkeit des Herrn Reichskanzlers wird keinen unserer Leser überrascht haben. Und von dem Geständniß, daß die deutsche Fabrikgesetzgebung bis änto blos ein werthloses Stück Papier ist, nehmen wir Akt, ohne indeß damit die naive Be- hauptung d-s Herrn Correspondenten, daß auf diesem werthlosen Stück Papier wenigstens etwas Gutes geschrieben stehe, für richtig anzuerkennen. Die deutsche Fabrikgesetzgebung ist theoretisch genau ebenso mangelhaft wie praktisch. Ueber die Frage des Reichsfabrikinspektorats sprechen wir uns jetzt nicht aus. Nur eine Frage: ganz abgesehen von der Opposition des Fürsten Bismarck— bietet„das Reich" uns für die Durchführung eines vernünftigen Fabrikgesetzes irgend bessere Garantieen als die Einzelstaaten? Die Schatten Camp- hausen's und Achenbach's huschen an uns vorüber.(I. unfern heuttgen Leitartikel.) — Bei der letzten Culturkampfdebatte im preußischen Abgeordnetenhaus;: sträubten sich die Culturkämpfer gegen die Anklage der Klerikalen, daß auch die„Barmherzigen Schwestern" vielfach schlimmer als Vagabunden behandelt würden; die An- klage war ihnen offenbar äußerst unbequem. Jetzt wird aus Posen berichtet, daß gegen den Pfarrer Czechowski zu Gryzyn bei Kosten seit einiger Zeit eine gerichtliche Untersuchung darüber schwebt, ob derselbe im Krankenhause der„Barmherzigen Schwestern" zu Kosten priesterliche Funktionen vollzogen hat, worin man vielleicht eine Uebertretung der Maigesetze erblicken könnte. Da Herr Czechowski sich nicht veranlaßt sah, in dieser Sache gegen sich selbst gravirende Aussagen abzugeben, sollten mehrere barmherzige Schwestern als Zeugen gegen den der Uebertretung der Maigesetze verdächtigen Priester vernommen werden; die Schwestern weigerten sich jedoch, dies zu thun, und wurden in Folge dessen bekanntlich verhaftet. Dieselben find nunmehr, nachdem die zuerst verhaftete zehn Wochen und die beiden anderen beinahe zwei Monate„qesessen", am 14. d., obwohl sie kein Zeugniß abgelegt, aus der Hast entlassen worden. In derselben Angelegenheit wurde auch Dr. Bojanowski, prak tischer Arzt in Kosten, vernommen; derselbe verweigerte jede Aussage. Nicht genug! Es wurde nun auch die Frau Doktor Bojanowski vorgeladen, und da sie sich weigerte, gegen Herrn Czechowski Zeugniß abzulegen, sofort verhaftet. Erst nach nach einigen Tngen wurde sie wieder in Freiheit gesetzt.— Das ist wieder einmal ein herrliches Culturkampfbild! — Staats- und Kirchensozialismus. In Berlin ist unter dem Titel„Centtalverein für Sozialreform auf religiöser und konsttwtionell- monarchischer Grundlage" ein Verein zusam- mengetreten, der jeden„Sozialreformer", welcher kein Atheist und kein Republikaner ist, aufnimmt. Jeden ohne Unterschied. Natürlich giebt das eine sehr gemischte Gesellschaft, und schon jetzt finden sich da in buntem Durcheinander zusammengcwürfllt, die Herren Schäffle(!), Poterniann(natürlich nicht der Statt- stiker, sondern der Geograph dieses Namens, der ein altes ge- müthliches Haus ist), der Pfaffe To dt, der Sonnenschieber Stöcker(Hofprediger in Berlin), der Consusionsrath Calberla, ein„arbeiterfreundlicher" Fabrikant Namens Krüger(Branden- bürg) u. s. w. Wir wünschen den Herren viel Glück und werden sie in unserem nächsten Feuilleton sich vorstellen lassen. — Geld regiert die— Bourgeois-Welt. In der „Deutschen Reichspost" erläßt Herr Professor W. Meyer aus Hersseld einen„Offenen Brief an Herrn Rudolf Mosse in Berlin." Er giebt eine„sehr energische" Erklärung aus dem „Berliner Tageblatt" wieder geg-n den sich mit jedem Jahre mehrenden Unfug der Versendung von Neujahrskarten, welche die Sittlichkeit auf das Aergste verletzen. Dem Herrn Professor kommt es„unbegreiflich" vor,„wie auf der einen Seite im „Berliner Tageblatt", dessen Druck und Verlag in der Hand von Herrn R Mosse ist, der sittlichen Enttüstung über eine schändliche Gemeinheit ein so beredter und kräftiger Ausdruck gegeben werden kann, und auf der andern Seite im Beiblatt zum„Kladderadatsch", für das ebenfalls Herr R. Mosse die alleinige Inseraten-Annahme hat, Jahr aus Ahr ein sich die Unsittlichkeit in der Ankündigung von sogenannten hochpikanten Photographien und Büchern breit machen darf" zc. Daß wir uns über dergleichen angebliche Unbegreiflichkeiten nicht wundern und mit dem besten Willen nicht wundern können, haben wir dem Herrn Professor jüngst schon gelegentlich der Beantwortung seiner in demselben Blatte erlassenen„Anfrage" auseinandergesetzt.„Geld stinkt nicht", sagt ein Sprichwort, welchem Hr. Rudolf Mosse am allerwenigsten abhold ist.„Eine Presse, die auf ihre Ehre hält und der die Sittlichkeit des beut- schen Volkes noch etwas gilt, sollte doch mit solchem Schmutz sich nicht befassen." Zum Schlüsse heißt es: „Nachdem wir den so sehr tüchttgen Arttkel in Nr. 271 des „Berliner Tageblattes" gelesen, erwarten wir von der Ehren- haftigkeit des Herrn R. Mosse, daß er die dort ausgesprochenen Grundsätze auch in seinem Jnseratengeschäft zur vollen Geltung bringen werde. Wenn wir noch einen dringenden Wunsch äußern dürften, so wäre es der, daß die so höchst verderblichen Geld- offerten gewisser dunkler Ehrenmänner an Offiziere und Beamte ebenfalls keine Aufnahme mehr fänden; der kleinste Theil von dem unsagbaren Elend, das durch diese Seelenfängerei erzeugt wird und häufig genug zu Ehrenverlust und Selbstmord führt, dringt in die Oeffentlichkeit. Eine wahrhaft menschen- fleundliche Presse sollte doch den Muth und die Uneigennützig- keit beweisen, nicht durch Aufnahme solcher verführerischer Lock- stimmen zahlreiche Mitmenschen in's Verderben zu ziehen. Nur eine gottlose Selbstsucht könnte sprechen:„Was geht das mich an?"— Trotzdem wir nicht ganz so viel von Herrn Mosse erwarten, als Herr Professor Meyer, so würde es uns doch zur Freude gereichen, seinen Optimismus über unseren Pessimismus siegen zu sehen, und wir würden das sofort registriren als em— wirkliches Wunder!— Wie jener Artikel übrigens ausdrücklich besagt, stammen jene Zoten-Karten nicht aus dem„versumpften" Lande des so. verkommenen" Erbfeindes, vulxo Frankreich, sondern aus unserem lieben deutschen Vaterlande, wo ja be- kanntlich Gottesfurcht und fromme Sitte en rnasse vorhanden ist,— Hierher paßt auch noch, was sich die„Deutsche Reichspost" aus Elsaß-Lothringen, 11. Dezember, schreiben ��Es ist schon oft in anständigen Blättern geklagt worden über' die Pest, die im Publikum eingeschleppt und verbreitet wird durch Anzeigen unsittlicher Schriften oder obscöner Bilder. Dieser Arttkel wird jetzt auch Elsaß-Lothringen geboten, und zwar in einem Blatte,„General-Anzeiger" genannt, welches als Berlage die offiziöse, von der Regierung unterstützte„Straßburger Zer- tung" dieser Tage ihren Abonnenten und Lesern zugesendet hat. Da werden unmittelbar nach der Anpreisung ernes Mittels zu schneller und dauernder Heilung rother Nasen angeboten und durch vier beigedruckte schwarze Hände empfohlen„25 höchst pikante Photographien" und ein„umfassender Spezialkatalog pikanter Bücher u. s. w."; an einem andern Orte:„Unentbehr- liche Belehrungen für Frauen" und Anderes mehr. Solches war früher in unserem Lande unerhört. Keine elsässische Zeitung hat je Aehnliches ihren Lesern geboten. Das kommt uns zu von Ält-Deutschland. Welche Beschämung für diejenigen Elsässer, die aus der Verbindung mit dem deutschen Reiche Stärkung und Förderung der Sittlichkeit und der Religiosität erwartet und ihren Landsleuten verheißen hatten!" Nicht wahr, die„verkommenen Franzosen"! Uebrigens dürfte, nebenbei bemerkt, diese angebliche Hoffnung der Elsässer sich in Verbindung mit noch verschiedenen anderen als trügerisch er- wiesen haben! — Das neue Ministerium in Frankreich hat so ziemlich alle von Mac Mahon ernannten bonapartistischen und klerikalen Präfetten abgesetzt. Darob großer Jubel bei den Schwärmern für die französische„Republik". Wenn wir uns aber die Per- fönen der neuen Präfekten ansehen, so erkennen wir auch sofort, daß die Veränderung keine Verbesserung ist: die neuen Prä- fetten sind fast ausnahmslos Orleanisten, das heißt reaktiv- näre Bourgeois, oder, wie man es in Deutschland nennen würde, Nationalliberale, und zwar meistens vom rechten Flügel. Kein Wunder unter solchen Verhältnissen, daß die Prozesse gegen die Communarden weiter floriren. Erst dieser Tage wurde ein Com- munekämpfer, dem kein anderes„Verbrechen" nachgewiesen wer- den konnte, als daß er gekämpft, unter der„neuen Aera" zu fünfjährigem Gefängniß verurtheilt. Dafür läßt sich nun aller- dings die Kammermajorität nicht direkt verantwortlich machen. Allein Thatsache ist, daß bis jetzt alle Versuche der äußersten Linken, die Amnestiefrage auf die Tagesordnung zu bringen, vergeblich gewesen sind. — Unsere Knuten- und Rubelpresse ist durch den türkischen Vermittlungsantrag und die neuesten Vorgänge in England ganz aus dem Häuschen gekommen. Die neueste Lesart ist, England rüste nicht für, sondern gegen die Türkei, und wolle Aegypten rasch in die Tasche stecken, damit ihm Frankreich nicht zuvorkomme. Die guten Leutchen thäten vielleicht wohl, sich daran zu erinnern, daß einst die russische Regierung durch den Mund des Czaren selbst den Engländern Aegypten ange- boten hat und daß diesem Angebot der Krimkrieg gefolgt ist. England hat aber heute noch genau dasselbe Interesse an der Erhaltung der Türkei wie damals. Uebrigens sticht die Verlegenheit der Russenblätter über die Regungen in England gar seltsam ab von den brutalen Renom- mistereien über die„Siege" und beweist, daß diesen Renommi- stereien, wie das ja gewöhnlich der Fall ist, der Zweifel an der eigenen Heldenhaftigkeit zu Grunde liegt. Eine Festung kaufen (Kars) kann jeder Waschlappen, wenn er nur das nöthige Geld hat und mit dreifacher, ja vierfacher Uebermacht ein feindliches Armeekorps nicht besiegen, es schließlich blos durch Hunger be- zwingen— das ist ein Kunststück, dessen kein Unteroffizier fähig wäre, und das nur ein russischer Großfürst fertig zu bringen vermochte. Die Türken sind auch durch die russischen Erfolge keineswegs eingeschüchtert: in Konstanttnopel giebt man das Spiel noch lange nicht verloren und ist zum Aeustersten entschlossen. Na- türlich können die Nachrichten aus England nur ermuthigend wirken. Midhat Pascha's Rückberufung soll bevorstehen. Manches spricht dafür, daß das Gerücht diesmal nicht ganz unbegründet ist. — Einundzwanzig Preßprozesse schweben gegen unser Dresdner Parteiorgan, die„Bolkszeitung"; die drei Redakteure des Blattes partizipiren daran: Wollmar mit 12, Kayser mit 5 und Z a um s e g e l mit 4 Prozesse. Dafür erfleut sich die„Dresdner Volkszeitung" aber auch eines steten Aufschwunges. Der Liebe Müh' wäre also nicht umsonst. — Nicht weniger als 128, schreibe einhundertundacht- undzwanzig Maurer waren am 17. Dezember vor den Ro- stocker Kriminalsenat geladen und Mann für Mann wurde darüber befragt, ob der Maurerbund politische Zwecke verfolge. Natür- lich konnte jeder der Vernommenen nur das aussagen, was er wußte, nämlich daß der Maurerbuud sich um Politik nicht küm- mere. Man hat eben wieder einmal das GraS wachsen gehört. — Parteigenosse W. Wolf, so wird aus Offenbach berichtet, hat am 15. d. M. seine Hast von 71/» Monaten im Gefängniß zu Darmstadt angetteten. — Das Zuchtpolizeigericht in Saarbrücken verhandelte am 19. Dezember gegen den seiner Zeit wegen„Gewerbevergehens" verurtheilten und sich gegenwärtig dort in Haft befindlichen Col- vorteur, Genossen Franz Heinrich Mathies aus Büddenstedt in Braunschweig. Derselbe ist auf§ 131 angeklagt wegen unent- geltlicher Vertheilung sozialdemokratischer Zeitungen, namentlich aber der Zeitung„Die Tagwacht", in deren Inhalt das straf- bare Delikt gefunden worden ist. Das Gericht erachtet den An- geklagten als überführt, von dem strafbaren Inhalt Kenntniß gehabt zu haben und verurtheilt denselben zu vier Monaten Gefängniß. Wer das„Urtheil" desselben Gerichts, dessen Schluß wir in der heutigen Nummer bringen, gelesen hat, wozu übrigens wegen des haarsträubenden Stils schon einige Ueberwindung gehört, der wundert sich auch über die Verurtheilung des Genossen Mathies nicht. — Die Notiz in der polittschen Uebersicht der Nr. 145 des „Vorwärts", beginnend:„Die Wiener Arbeiter", haben wir, soweit sie von Herrn Trojan in Wien handelt, nach einer Zu- schrift des Genannten wie folgt zu berichtigen:„Ich sehe mich Senöthigt, einen Jrrthum zu berichtigen, welcher der Redaktton es„Vorwärts" bezüglich meiner Person unterlief. Ich war nie„Mitglied der Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereine und eifri- ger Fortschrittler", konnte es schon aus dem Grunde nicht sein, da ich nie in Deutschland domizilirte, dagegen aber schon im Jahre 1868 von Rumänien aus im Wiener Buchdrucker-Journal „Vorwärts gegen die Gründung von Produktivgenossenschaften und den ganzen Schulze'schen Humbug energisch Front machte. All' das von mir damals gegen die„Selbsthilfe"(?) in's Feld Geführte haben die seitdem bei den Genossenschaften gemachten bitteren Erfahrungen bestätigt. Obwohl der Uebertritt von der Hirsch-Duncker'schen Richtung zum Sozialismus immerhin nur ehrenvoll für den Betreffenden sein könnte, muß ich doch auf diese Ehre verzichten, da ich mir in dieser Beziehung nicht des mindesten Prinzipienwechsels bewußt bin. E. Trojan." Correspondeuzen. Irankfwrt a. W., 18. Dezember.(Weihnachtsbilder.) Die„schöne, ftöhliche Weihnachtszeit" steht vor der Thüre, die Weihnachtszeit, an der sich doch die ganze„erlöste" Menschheit freuen soll! Aber noch heute ist weder der kleinste Theil von dieser Menschheit„erlöst", noch kann sie sich mit Recht fteuen. Denn„König Mammon" führt sein grausames Regiment und hat der Freiheit den Nacken gebeugt, die freilich deshalb einst ihr Haupt desto kühner erheben wird! Doch ich will hinciw greifen in's volle Menschenleben, und wo man's packt, ist's mehr traurig als interessant. Schon vor 14 Tagen schrieb der hiesige „Bolksfrcund": „Die wirthschastliche Lage in Frankfurt und in der Umgegend ist eine noch viel schlechtere, wie sie es noch vor einem Jahre war. Alle Hoffnungen, die man auf„Besserung" gesetzt hatte, haben sich als trügerisch erwiesen. Handel und Gewerbe gehen täglich mehr zurück und leicht begreiflich ist es, daß sehr viele Geschäftsleute mit Bangen der nächsten Zukunft entgegen- lehen. Das nöthige Vertrauen im Geschäftsverkehr will sich nicht wieder einstellen; allgemeines Mißtrauen scheint es völlig ver- drängt zu haben. Jever ist selbstverständlich bemüht, sein Be- sitzthuni sicherzustellen, oder zu retten, was zu retten ist, wobei gewöhnlich ein Anderer mehr oder weniger Schaden hat. Am schlimmsten sind natürlich die„Lohnarbeiter" daran, welche von der Hand in den Mund leben müssen und dabei gor keine oder doch nur wenig und dazu meist schlecht bezahlte Beschäftigung haben.„Arbeitslosigkeit— Berdienstlosigkeit"— das sind die Worte, die man überall hört, wohin man kommt!— Die selbst- ständigen Handwerker hört man darüber klagen, daß kein Geld für gelieferte Arbeit einzutreiben sei, selbst nicht von solchen Leuten, die ohne sich zu schaden zahlen könnten. Schlimm genug, daß es so viele Schuldner giebt, die zahlungsunfähig find, da sollten doch wenigstens diejenigen, welche fähig sind ihre Schuld zu berichtigen, damit nicht säumen. Aber man kennt ja die in gewissen Kreisen herrschende„Noblesse" zu zahlen nach Belieben. Der Handwerker muß ja borgen können, und wenn er's zehn- mal nicht kann!— Auch das kaufmännische Proletariat mehrt sich; wie uns ein Mitglied des Kaufmännischen Vereins versicherte, sind bei demselben so viele Anmeldungen von Stelle- suchenden geschehen, daß nur der allerkleinste Theil davon wird Berücksichtigung finden können.— Die Stellenvermittelungs- Bureaus werden überlaufen. Eine natürliche Folge davon est die Zunahme der Zahl der Agenten und Commissionäre; ihnen wird oft der letzte Pfennig von stellesuchenden Personen hinge- tragen.— Daneben treibt natürlich der Wucher seine üppigsten Bluthcn; er hat jetzt seine goldene Zeit, täglich fordert er mehr der Opfer aus den Kreisen der kleinen Gewerbtreibenden, Hand- werker und Arbeiter. Der Wucher ist wie die Hyäne des Schlachtfeldes; er findet sich überall da ein, wo die wirthschaft- liche Corruption khm das Feld vorbereitet; nichts ist ihm heilig, und wäre es das letzte Bett einer armen, ruinirten Familie! Aber was will man dagegen machen? Von der gegenwärtigen Zeit, die keinen reellen Eigenthumsbegriff, kein ehrliches und vernünftiges Arbeitsverhältniß im Allgemeinen mehr kennt, son- dern nur wahnwitziges Jagen nach den Früchten Anderer,— kann man nichts Besseres erwarten." Das also schrieb, wie gesagt, vor 14 Tagen der sozialistische „ÄLlkssreund". Heute kommt nun auch der weniger„verhäch- tige" hiestge Herr Lokalberichterstatter de?„Beobachter" Nachgs- humpelt und läßt folgendes, freilich weniger„verfängliche" und �aufreizende" Klagelied los— für den Verständigen trotzdem genügend, nämlich: „Die Geschäfte auf Weihnachten gehen sehr schlecht; nirgends sieht man ein fröhliches Gesicht.(Kommt noch! Red.) Der Handwerker hat keine Bestellungen und der Kaufmann für seine Waaren zwar Liebhaber, aber keine Käufer, wenn anders er nicht auf Borg giebt.(Wenn das ganze Jahr geborgt wird, kann's auch auf Weihnachten geschehen. Red.) Die Pelzhändler alten Versteigerung und die Spielwaarenhändler werden durch ie 50 Pfennig- Läden lahm gelegt. Selbst die Wirthshäuscr, namentlich die Weinstuben, sind leer und scheint es fast, als ob der Durst abhanden gekommen sei. Nur Pfandhaus und Rück- kaufsgeschäste floriren.(Nur nicht so griesgrämig, Herr Müller- Reich! Red. d. Beob.) Die Einschaltungen rühren von der Redattion des„rcpubli- kamschen"„Beobachter" her und lassen mindestens auf eine große Portion sogenannten Halgenhumors schließen; die Klage des Herrn Berichterstatters über die Abnahme des„Durstes" aber beweist mindestens eine noch größere Portion-- Geist! Vielleicht hält mancher Leser in Anbetracht der sehr traurigen und sehr wahren Thatsache, daß sogar in der Residenz so vieler Geldfürsten gar manches Menschenkind Hunger leiden muß, eine andere Bezeichnung für weit besser am Platze! Da mag gleich wieder der Herr„Lokale" citirt sein: „Seit einigen Tagen wird ein Fahrbursche und ein Taglöhner, letzterer Familienvater, vermißt. Elfterem wollte es trotz red- licher Bemühungen nicht gelingen, eine Stelle zu finden, und er zeigte sich deshalb sehr niedergeschlagen, der Andere klagte sehr über die Zeitverhältnisse und schlechten Verdienst. Man fürchtet, daß sie sich ein Leid angethan haben.(Sie können auch nach Auswärts gegangen sein, um Verdienst zu suchen.)" Die Einschaltung stammt wieder von der Redaktion des „Beobachter" und mag vielleicht für sie recht tröstlich sein, ändert aber für uns nicht das Mindeste an der Sache selbst. — Dann wird im gestrigen„Volksfteund" berichtet: erstens aus Darmstadt,„daß eine für die nächsten Tage beabsichtigte ,Haussammlung� zu Gunsten des ,Nationaldcnkmals auf dem Niederwald� allenthalben in dasigen Bürger- und Geschäftskreisen gerechtes Befremden hervorruft"; zweitens aus dem nahen Frievberg,„daß ein dasiges Spezereiwaarengeschäft sich in die Nothwendigkeit versetzt sah, einer großen Anzahl dasiger Ein- wohner ein recht betrübendes Weihnachtsgeschenk zu machen; es schickte nämlich circa 300 Mahnbriefe an seine werthe Kund- schast!"--- O Weihnachtsfest mit deiner schönen Mythe! Wird nicht bald die Zeit kommen, wo der Glanz und Licht- schimmer aller dir zu Ehren geputztenjJTannenbäume von einem schöneren Lichte überstrahlt wird? Werden nicht bald die Glocken, anstatt zum unnützen Kirchenbesuch zu laden, die wahre Erlösung der Menschheit verkünden? Wird nicht bald auch der Schein jener„Nächstenliebe" gänzlich verblaßt sein, von deren Wesen schon längst keine Spur mehr vorhanden ist? Ja, dann wird„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" sein! Darum helfe Jeder sich selbst und die Gesammtheit erlösen!— o— Ehkingen, 19, Dezember. Die vor Kurzem erfolgte Wahl unseres Parteigenossen Morlok zum Stadtschultheiß ist seitens der Regierung nicht bestätigt worden. Als Grund der Nicht- bestätigung wird angegeben, daß Morlok die Majorität der Be- völkerung Eßlingens nicht für sich habe, was die Gemeinderaths. wählen, bei denen die Partei Morlofs, die Sozialdemokratie. unterlegen sei, hinlänglich bewiesen hätten. Richtig ist, daß unsre Partei bei den Gemeinderathswahlen den Sieg nicht er- rungen hat, Dank der„einen reaktionären Masse", welche, die Bolkspartei an der Spitze, geschlossen gegen die sozialdemokrati- schen Candidaten stimmte. Unsre Niederlage bei den Gemeinde- rathswahlen ändert aber nichts an der Thatsache, daß die sozial- demokratische Partei unter den Wahlberechtigten die relative Majorität für sich hat;— welcher Partei anders also als der unsrigen gebübrte der Vortritt in der Gemeindeverwaltung? Doch der Sozialdemokratie gegenüber sind ja die Voltsparteiler, Fortschrittler, Liberalen, Conservativen und was dieser bunt- scheckige Parteimischmasch sonst noch für Elemente in sich birgt— sind sie ja bekanntlich Alle ein Herz und eine Seele. Und so ist es denn gekommen, daß an Stelle Morlok's ein Gegner, der die zweitgrößte Stimmenzahl auf sich vereinkgt hatte, von Königs Gnaden zum Stadtschultheiß bestimmt ist. Unerwähnt soll hier auch nicht bleiben, daß ein Eßlinger Corrcspondent der„Frank- furter Zeitung" die scharfsinnige Entdeckung gemacht hat, daß Morlok nicht zum Stadtschultheiß gewählt worden wäre, wenn die übrigen Parteien wie bei der Gemeinderaths-, so auch bei der Stadtschultheißenwahl gemeinsam gegen die Sozialdemokratie angekämpft hätten. El, Bruder Straubinger, guckst du da heraus? Mannheim, 15. Dezember. Am 13. d. M. tagte hier im Gambrinuekeller unter dem Vorfitz des Herrn Dreesbach eine sehr zahlreich besuchte Volksoersammlung. Die Londoner Depu- tation erstattete über den dortigen Steinhauer- Strike Bericht und nahm zunächst Herr Weber das Wort, um einen Rückblick auf die Entstehung des Strikes zu werfen und sodann die Londoner Arbeiterverhältnisse im Allgemeinen zu schildern. Diesen Mit- theilungen ist zu entnehmen, daß bis jetzt, mit Ausnahme von 16, sämmtliche Londoner Baumeister, die Forderungen der Stein- Hauer(Erhöhung von 9 auf 10 Pence pro Stunde) bewilligt haben. Unter diesen 16 befindet sich ein Mr. Bull, der den Bau des Justizpalastes übernommen hat, und dieser Mr. Bull ist der Hauptentreprencur der Jmportatton ausländischer Ar- beiter. Die Steinhauer aller andern Nationen hätten die betr. Anträge refusirt und nur aus Deutschland speziell Süddeutschland komme noch Zuzug, um die englischen Arbeiter zu unterdrücken. Als zweiter Redner trat Herr ErHardt auf und beleuchtete die Frage in der drastischsten Weise. Zugleich schilderte er ein Ren- contre, welches jüngst die Deputation in Stuttgart mit Mr. Bull und seinem Agenten, Herrn Napp aus Heidelberg, hatte. Die Rede Erbardt's machte einen großen Eindruck. Zuletzt hielt auch Mr. Bradder noch eine Ansprache in englischer Sprache. Nachdem noch der Vorsitzende eine kurze Erläuterung gegeben hatte, nahm die Versammlung folgende Resolution an:„Die heute Abend hier tagende Volksversammlung erklärt sich mit den Ausführungen der Arbeiterdiputation aus London vollständig einverstanden, sie spricht ihre volle Sympathie für die strikenden Steinhauer in London aus und erklärt es für eine Schmach, wenn deutsche Arbeiter sich noch ferner im Interesse der engli- schen Bourgeoisie gegen die dortigen Arbeiter gebrauchen lassen; aber für noch viel verwerflicher hält sie es, wenn einzelne ge- wissenlose Agenten ihre eigenen Landsleute für schnödes Geld verkaufen, und spricht die Erwartung aus, daß sämmtliche An- wesenden mit allen ihnen zu Gebot stehenden Mitteln der wei- teren Jmportatton deutscher Arbeiter entgegentreten." Es sind außerdem 10,000 Aufrufe in Steinhauerkreisen ver- th-'ilt worden, in welchen nachdrücklich vor dem Zuzug nach London gewarnt wird. Kettwig. Wiederum tritt das Fest der Liebe und des Wohl- thuns an uns heran, aber die seit vier Jahren erhoffte Besserung unserer gewerblichen Verhältnisse ist noch immer nicht eingetreten, vielmehr ist die Zahl der Hülfsbedürstigen mit jedem der letzten abgelaufenen Jahre eine viel größere geworden. Wir wollen nicht verkennen, daß es ein angenehmes Gefühl ist, seinem Mit- menschen wohlzutbun, müssen jedoch bestreiten, daß ein sonderlich großes Verdienst darin liegt. In Wirklichkeit giebt ja der Wohl- habende höchstens ein kleines Prozenttheilchcn seinem ärmeren Mitmenschen wieder zurück, was dieser ihm direkt oder indirekt zugeführt hat. Vergleichen wir nun das Verhalten des arbeitenden Volkes mit der hergebrachten Leistung der Besitzenden, so finden wir, welch' hoher sittlicher Werth dem Elfteren zuerkannt werden muß. Wie hat nicht die sorgende Hand der liebenden Lebens- gefährtin des Arbeiters und Kleinbürgers, vielleicht unter Ent behrung, gespart und gearbeitet, um sfür alle Familienglieder etwas Ueberraschendes und Angenehmes bieten zu können. Wie ist nicht der sorgende Gatte bemüht, auf jede mögliche Weise ein paar Groschen mehr zu erarbeiten, um seiner treuen Lebens- gefährtin und den lieben Seinen eine Freude zu bereiten. Die vom zartesten Alter zu mühevoller Arbeit gezwungenen Kinder, sie olle suchen sich zu übertreffen in Fleiß und Sparsamkeit, um ihren Eltern und unter einander sich ihre Liebe zu beweisen. Der Reiche aber greift bei dieser Gelegenheit etwas tiefer ins Portemonnaie, begleitet noch gar die paar Mark, welche er auch, weil es so Gebrauch, für sein Dienstpersonal auszugeben ge- zwungen ist, mit einem Seufzer und das edle Werk deS Wohlthuns für ihn ist vollbracht. Wir fragen, welchen Werth hat eine solche Leistung gegenüber dem sauer erworbenen und ersparten Groschen des Arbeitsmannes? Leider wird es einer großen Zahl der aufs Pflaster geworfenen Arbeiter in diesem Jahre nicht möglich sein, sich der Festtage zu fteuen. Denken wir uns ein- mal den Salon des reich geword. nen Gründers und Fabrikanten mit seinen vom Schweiße des Arbeiters erworbenen Schätzen, und sehen wir dann hinein in die Hütte des brodlosen Arbeiters, und wenn wir dann können, so stimmen wir mit ein in den Festruf:„Friede auf Erden und allen Menschen ein Wohlgefallen." Sollte das letzte Wort nicht lauten Wohlergehen? Dann, ja nur dann, hat das Wort Friede eine gesunde Unterlage, wenn es allen Menschen wohlcrgeht auf dieser Erde. Es scheint zwar, als wenn einzelne Menschen es nur darauf abgesehen hätten, recht viel Unfrieden rcsp. Krieg in unserer Zeit anzustiften, damit es den Menschen nur ja nicht zu wohl ergehe.— Die Sozialdemokratie, und nur sie allein, ist berechtigt, den Festesgruß für sich in ihren Bestrebungen in Anspruch zu nehmen, denn nur sie allein ist im Stande, der Gesammtmenschheit einen ewigen Frieden und ein größtmöglichstes Wohlergehen zu gewähren. Hannover. Den Abonnenten des„Vorwärts", der„Neuen Welt", sowie der„Zukunft" zur Nachricht, daß der Colporteur Herr Loges plötzlich schwer erkrankt ist. Sollte irgend ein Abonnent der obenge» nannten Zeitungen nicht bedient worden sein, so wende man sich an Herrn Rudolph, Mittelstr. 11, 2 Tr., oder an die jetzigen Colporteure Urban, Posthornstr. 3, Linden, und Fr. Beck, Fundstraße(?) Die Zeuungscommission. Unbefugter Kalenderhandel in der Mittwcidaer Gegend. Es ist abermals die liebe Weihnachtszeit und mit dieser der Wechsel des Jahres herangerückt. So wie jede Zeitperiode ihr Gutes und ihr Schlimmes hat, ist es diesmal auch mit der Weihnachtszeit der Fall. In unserer Gegend fangen nämlich die Herren LanSgeistlichen, oder Hochehrwürden, wie man sie nennen soll, an, mir Kalendern zu han- deln, ohne vielleicht einen Gewerbeschein zu haben und machen dadurch Colporteuren und andern Leuten, welche ihre Abgaben darauf geben müssen, furchtbare Concurrenz. Auf verschiedene Anfragen in unserm Amtsblatt ereifern sich die Herren Hochehrwürden dermaßen!, daß in der zweiten Beilage der vorigen Sonnabendnummer ein langer Auksay, verschiedene Verdächtigungen über andere Kalender enthaltend, erschien. Ich glaube aber ganz gewiß, wenn man die von jener Seite verbrei- teten Kalender(Sächsischer BolkSkalender) mit den von uns empfoh- lenen(Braunschweiger BolkSkalender und„Armer Konrad") vergleicht, so sind letztere lehrreicher, als jener. Die Herren Geistlichen rühmen sich, mit den Kalendern ganz ohne Verdienst zu handeln, was jeden- falls bemerkenswerth ist, denn viele der Herren Geistlichen machen doch sonst nicht gern einen Handgriff umsonst. Dem Gesetz sind sie aller- dings wegen unbefugter Colporiage schon verfallen, da aber in vielen Orten die Polizeidiener Helfershelfer gewesen sind, so sind diese in Ausführung ihrer Pflicht blind, denn auf mehreren Dörfern hat der Dorswächter oder Bemeindediener selbst die Kalender von Haus zu Haus getragen und das Werk des Herrn Pastors unterstützt. Auch die Herren Schullehrer haben Hand ans Werk gelegt, indem sie den Kindern die betreffenden Kalender mit nach Hause gegeben haben, mit der Bedingung, das Geld am andern Tage dafür mitzubringen. August Berndt, Colporteur für Miltweida. Aufruf. In Sachen der Petition an den Reichstag betr. die Abschaffung der Zuchthaus- und Gefängnißarbeit. Wir ersuchen die Genossen allerorts dringend, welche Material: Denkschrift und Sammelbogen in Händen haben, selbiges, da die Eröffnung des Reichstages bevorsteht, schleunigst an unseren Vorsitzen- den Aug. Scharlibbe einzusenden. Zugleich erlauben wir uns noch besonders daraus aufmerksam zu machen, daß wir der Unterstützung bedürfen, da die Agitation, Druck, Porto zc.:c. viel Unkosten verursachen. Etwaige Ueberschüsse werten wir im Sinne der Geber verwenden. Wir bitten etwaige Gelder an unfern Kassirer Breul zu senden. Berlin, im Dezember 1877. Die Commission. Aug. Scharlibbe, Borsitzender, Kastanien-Allee 5t, bei Winnen. Beruh. Breul, Kassirer, Koppenstraße 35, H. 2. NB. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Abonnements-Einladung. An die Genossen von Elmshorn und Umgegend! Wir stehen am Schlüsse des Quartals und auch am Schlüsse des Jahres Es wird wohl den meisten Lesern des„Vorwärts" bekannt sein, daß mit Beginn des neuen Jahres auch ein neuer Colporteur für unsere Zeitungen in Thätigkeit tritt, nämlich der Unterzeichnete. Ich gebe hiermit die Versicherung, daß ich keine Mühe scheuen und durch nichts mich schrecken lassen werde, um den Leserkreis des„Vorwärts" zu vergrößern; ich bitte aber auch jeden Leser, mich in der Ausübung dieses Vorsatzes zu unterstützen und dafür zu wirken, daß dem Sozia- lismus immer mehr neue Anhänger gewonnen werden. Bestellungen auf den„Vorwärts" und alle übrigen Parteiorgane nehmen der Unter- zeichnete sowie die Gastwüthe F. Bod und C. Vehrs entgegen. C. H. Hammer. Briefkasten der Redaktion. E. H. in Ottensen: Sie ftagen, warum wir den Bericht über die Kirchenvorstandswahl nicht aufgenommen haben?— Im Briefkasten der Nr. 149 dcS„Borw." finden Sie die Antwort auf Ihre Frage.— W. in London: Der Bericht ist unS allerdings zugegangen, zu verwenden war er aber— nehmen Sie uns dieses offene Gestände, ß nicht übe!— aus verschiedenen Gründen nicht. Quittung. Mttg Altona Ab. 37,00, Schr. 1,00. F. Ws Christophsgrund Ab. 15,00. Hrbg Würzburg Ab. 18,00. Ufrt Apolda Schr. 5.00. Sch d Straßburg Ab 19,90. Adlr Possek Schr. 0,10. Brnhrdt Göttingen Schr. 1,30. Frtzsch Gera Schr. 1,40. Elnstn Lim- dach Schr. 1,40. Hrimn Mainz Schr. 2,65. Brgmnn Krahenhöhe Schr 11,65. Frisch Wigandsihal Schr. 3,65. Nssk Dessau Schr. 15.00. Brkgr Stuttgart Schr. 10,00. Gnthr Meißen Schr. 1,50. Rlnd Ramitz Schr 0,50. Gnkl Kleinauheim Schr. 3,75. Hbncht Meißen Schr. 3,00. Fonds für Gemaßregelte. B. B. Grsr Barmen 10,00. E. Lhm Frankfurt 3,50. Nach fast vierjährigem Prozesse freigegeben! Rasch, G., Die Preußen in Elsaß und Lothringen. Einzeln 2,50, bei Partien 2,00. Soeben erschien: Sack, Ed., Gegen die Prügclpädagoaen. Oktav. T/4 Bogen. Mit bekannter Meisterschaft züchtigt der Verfasser das gerade in der Neuzeit wieder stark hervorgetretene Bestreben unserer Muster-Pädagogen, die„Prügel für das Volk" in den Schulen ausrecht zu erhalten oder neu einzuführen. Er führt diese« Bestreben auf seine wahren Ursachen zurück und ruft zum Kampfe dagegen auf. Jedem Freunde der Schule wird das Schriftchen Freude machen. Es sei warm empfohlen. Einzeln(für Arbeitervereine) 80 Pf., bei Partien 60 Pf. Nur gegen baar oder Postvorschuß. Im Buchhandel ist der Preis 1 M. Braunschweig. W. BniCkG JF. Die hier angekündigten Schriften sind in der unterzeichneten Expe- dition zu haben. Expedition des„Vorwärts". (2b) Leipzig, Färberstr. 12/ll. „Der arme Conrad." Jllustrirter Kalender für das arbeitende Volk pro 1878. (Dritter Jahrgang.) Gegen die Vorjahre bedeutend vergrößert(132 Seiten stark). Trotz der gediegenen und reichhaltigen Ausstattung kostet der Ka- lender geheftet nur 40 Pfg.. gebunden und mit gutem Schreib- papier durchschossen 60 Pfg., gegen baar oder Postvorschuß. Den Bestellern von Einzeln Eremplaren ist anzuempfehlen, für jedes Exemplar brochirt 50 Pf., gebunden 70 Pf., einzusenden, wofür wir es franco per Kreuzband zusenden. v; Die Lieferung des Kalenders erfolgt nur gegen baar oder Postnachnahme. Irei-Hrempkare werden nicht abgegeben. Auf Posten von 1 Dutzend aufwärts berechnen wir broch'rt 25 Pf. pro-ttick i ��o gegen baar. gebunden 40> 00 Srpcdition des„-Dorwarts", Leipzig. Färberstraße 12/11. Kzpedition der..Sacket", Leipzig. Kleine Fleischergasse 15. Krpedition der„Ireien Yresse", Berlin, Kaiser Franz Grena- dierplatz Nr. 8 a Durch unS ist zu beziehen: Ein vernuglücktcr Agitator oder Die Grund- und Bodeufrage. Lustspiel in 2 Akten von A. Otto-Walster. Preis per Exemplar 60 Pfg. gegen baar oder Postvorschuß. Wieder- Verkäufer erhalten Rabatt. Leipzig. Die Expedition des..vorwärts". Der Feiertage wegen mußte die heutige Nummer 24r Stunden früher als gewöhnlich fertig gestellt werden, was wir zu berücksichtigen bitten. Berantwortlicher Redakt-ur: Hermann Helßig in Reudnitz-Le,pz:g. Redaktion und Expedition Färberstraße 12. II m Leipzig. Druck und Verlag der Genoffenschastsbuchdruckerei in Leipzig.