krschtint in Leipzig Mittwoch, Freitaz, Sonnta«. Äbouncm-ntdprciS str g-oj Teurlchland 1 M, 6S Ps. pro Quartal. Monats- ÄbonncmentS i»ni«n bei allen deutichcn Poftanstaltcn «>' den 2. unt> 3. Monat, und auf den i Monat befondcri angenoinmen; im »inigr. Sachfen und Herzogth, Lachfen- Altenburg auch auf den Iten Monat de« Quartals i, 54 Pfg. Inserate isrtr.«crfammlungen fr. Petitzeile 10 Pf.. Srtt. Privatangelegenheiten und Feste vr» Petitzeile 20 Pf. Gestellungen nehmen an alle Postanstaltcn und Buch Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionrn, «ew-Vorl: Coz.-demotr Genoffen- fchaftsbuchdruckerei, 154 Llärlä�e Str. Philadelxhiai P. Haß,«20 RorlK SrU Street 3. Boll, 11211 Charlotte Str. bidoten K.J.; F. A. Jorge, 215 tVnoh- in?ton Str. Chicago: A. Lanfermaim, 74 Ctyboume«»«, Ean Franziseo: F. Entz, 418 v't'arroll Str. London W.: S. Henzc, 8 New Itr Golden Square. Eentra� Hrgan der Sozialdemokratie DeutsHiands. Nr. 7. Freitag, 18. Januar. 1878. Das Bevölkerungsgesetz und die Bewaldung. in. l Länder wie Deutschland sind als Kulturgeber so wichtig, daß bei der zukünftigen Gestaltung ihrer Gesellschaft auch die deutsche Eigenthümlichkeit der Waldlust geschont werden muß. Es giebt kerne andre Nation, welche eine solche Liebe zum Walde und Ausenthalte darin zeigt, welche so tief dessen Schönheit fühlte, so rasch verkümmerte, wo sie ohne Bäume, Rosen, Blumen, Schatten und Walde-duft leben soll. In etwas geringerem Grade finden wir dieselbe Eigenschaft auch bei andern germani- scheu Böllern. Sie würden ausarten, wenn ihre Waldfläche der sonstigen Kulturbedürfnisse halder zu sehr eingeschränkt würde. Allein daraus folgt nur, daß der Besuch des Waldes allen Volksglicdern zeitweilig erleichtert sein sollte. Sobald für Nah- rnng, Wasserzusuhr in geregelter Weise, gesunde Luft und Er- holung durch Waldflächen in nrcht zu großen Abständen und an Stellen, welche überhaupt— der schwierigen Wiederbewaldung wegen— nie ausgedehnt entwaldet werden sollten, gesorgt ist, sind alle Bedürfnisse germanischer Nationalität gedeckt. Jeder weitere Zuwachs an Bevölkerung muß seinen Unterhalt nicht durch weitere Entwaldung suchen, sondern durch bessere Benutzung des Acker-, Wiesen- und Waldbodens für Zwecke der Nahrung, Be- Wässerung und landschaftlichen Schönheit. Das Maß der gesammren Waldfläche kann ziemlich genau durch den Durchschnitt des Niederschlags für das ganze Land und dessen Theile bestimmt werden. Das Mindestmaß wird herabgesetzt werden können, im Berhältniß wie durch tiefe Auf- lockeruug alles Kulturbodens der Regenfall theilweis entbehrlich wird. Doch sollte das Mindestmaß darauf berechnet sein, daß die Nicderschlagmenge im Durchschnitt von elf Jahren(einer Sonnenflccken- Periode) in keinem Landestheile unter 15 Zoll für das Jahr sinkt, wofern nicht Wasierleitungen von fern her einen Zufchuß an Wassermcnge erlauben. Die Ersahrung lehrt, daß bei geringerer ßtiederjchlagmenge der Ackerbau ohne künst- liche Bewässerung überhaupt aufhört, der Waldwuchs sich auf Bergschluchten und an Flußihäler zurückzieht, die Steppe beginnt und bei noch weiterer Bermmderung in Wüstenbildung übergeht. In Teutschland mit durchschnittlich 22 Zoll Niederschlagsmenge ist also vorläufig, und auf lange hinaus, die Grenze der Enl- waldungsmögtichkeit nahezu erreicht, an größeren Stellen— wie in Rhernhessen, der Lüneburger Heide, auf der rauhen Alp und auf dem baltischen Landrucken schon fast überschritten. Es sollte also mit weiterer Entwaldung sehr bald innegehalten oder aber die tiesere Bodenaustockerung überall in Angriff genommen wer- den. In den erwähnten regenarmen Landestheilen sollte die Wiederbewaldung, aber mit Kunstwald, auf tiefgelockertem Boden in Angriff kommen. Der Flutzschififahrt nach chinesischer Art mittelst künstlicher Seen und Teiche aufzuhelfen,� wäre nicht räthlich, da der Boden so werthvoll, und die Eiscnbahnfracht billig genug herstellbar ist. Allein der künstlichen Fischzucht, der größeren Berdunstungsfläche und der künstlichen Bodenbewässerung wegen sollte diese Maßregel nicht ganz aus den Augen verloren werden. Wie sehr ein wachsender Einfluß der befreiten Wiffenschast auf die Bodenkultur der Menschenkultur wegen nöthig ist, ergiebt sich noch aus folgender Betrachtung. Bei der Abmessung der nöthigen Mindest- Waldfläche kommen eine Menge Rücksichten wissenschaftlicher An m Berechnung, welche an sich schon mit einander schwierig zu vereinbaren sind, welche aber eme jede ihrerseits wieder andere Rücksichten in Frage bringen. Fassen wir nur das Beispiel Teutschlands ins Auge! Seiner ziemlich nördlichen Lage wegen bedarf es viel Sonnenschein, und seiner Jnlandlage wegen kann die Niederschlagmenge nicht bedeutend sein, muß also mehr in Form von Nebel und leichten Strich- regen oder ianften Landregen und leichtem Schneefall als in kurzdauernden parken Wolken- Entladungen herabkommen. Da nun die Waldfläche auf allmählige Entwässerung der Lust, also auf Vermehrung des Nebels und der Himmelsbedeckung einwirkt, so ist es schwierig, die Grenze zu finvcn, bis zu welcher der Sonnenschein, und andrerseits die allmählige Entladung der Lustscuchtigkeit geregelt werden soll. Hätte man nun die Be- dürfnisse jedes T Heils von Deutschland in dieser Hinsicht durch sorgsältige Berechnung einigermaßen festgestellt, so könnte es kommen, daß dieselben einander widerstritten, weil das Klima �mschlonds im Norden und Süden, im Osten und Westen niedt�V1 iKmliche, wenn auch weniger Verschiedenheiten nach- Rvhfi'rf- Qn�rc gleich große Lander, und daß diese verschiedenen vpriöfaiitn t, an Niederschlägen und Sonnenschein schwierig zu vLJs s„v+? ven- Denn das Wetter jedes einzelnen Landstrichs bet übrigen theilweise mitbestimmt; und für i cv.w r/ Ä der Regenfall und Sonnenschein zu etwas verschied' Bedüisuiß— und doch soll jeder Landeetheil seinen groß, ö'l$tn Ertrag an Nahrungsmitteln und Kultur- bedingungen überhaupt erhalten, soweit dies die Naturkräste nicht geradezu verweh e i. Die Wasservertheilung im Boden hängt serner Nicht n dx� Niederschlägen, sondern auch vom Zuge und der �chich en age der Gebirge und Ebenen ab. Soll ste möglichst gleichmäßig geregelt werden, so sind Riesenwerke nöthig, und es gilt zu erwägen, ob die dafür nöthigen Arbeiten im rechten Verhältnisse zu den davon zu erwartenden Bvrtheilen sur jeden Landeetheil stehn werden. Ferner ist die zu große Anhäufung der Menschenmassen h,er und die zu dünne Bevöl- kerung dort ein zu beseitigendes Uebel. Bisher btstimmten sich die Dichtigkeiten der Bevölkerunz durch Naturgewalten oder durch despotische Herrscherwillkür rem passiv. Die moderne W-sstn- J�oft hat hier schon abändernd eingewirkt und wird die« voraus- stchtlich immer mehr thun. Die Erfindung der Dampfmaschine z. B. hat anfangs den Fabrik-Großbctrieb von den Wasserkräften und der gesundern Lebensweise des Landes in die Großstädte und Bevölkerungs- Centren verdrängt. Seit längerer Zeit aber zieht sie sich wieder mehr und mehr auf das Land zurück und zieht dorthin eine dichtere Bevölkerung nach sich. Hört nun einmal die Vielregiererei von oben, der Militarismus, die Be- amtenherrschaft und das Geldkönigthum auf, so daß Wissenschaft- liche Grundsätze den Großbetrieb zum Gemeinbesten regeln können, so muß das übermäßige Wachsthum der Städte schon aus ge- sundheitlichcn Rücksichten, nicht minder aber aus sittlichen, plan- mäßig eingeschränkt, die Bevölkerung gleichmäßiger über alles Land vertheilt werden, und dazu werden einerseits die Erfin düngen und Entdeckungen mithelfen, andrerseits ökonomische Rück� sichten hindrängen. So allein kann auch eine wachsend gleich- mäßige Volkserziehung durchgeführt werden. Aus dieser Betrachtung, welche hier nicht weiter fortgesetzt werden kann, ergiebt sich, wie nothwendig es ist, daß die Wissen- schaft von allen auf sie drückenden Fesseln befreit werde, um ganz ihrer schwierigen Aufgabe gerecht zu werden, indem sie den Menschen um seiner selbst willen dasein lehrt und ihm die � Naturgewalten dienstbar macht... Diese Ausgabe ist ihr heute künstlich erschwert. Was sie für da« Allgemeinwohl zu leisten im Stande ist, wenn ste sich ganz allein Gesetze geben darf und Herrscherin in der Mensckenwelt wird, läßt sich schon aus den ungemeinen Woblthaten schließen, welche sie in ihrer heutigen Fesselung dem Fortschritt erweist. Nach allem Obigen wird klar, daß Uebervölkerung, wo sie vorhanden ist, überall künstlich, durch alberne Menschengesetze geschaffen ist, also wahrscheinlich unter einer Vernunftherrschaft nie eintreten würde. In China gelten 20,000 Menschen auf ver Quadratmeile für Uebervölkerung, in England 8000, in den Vereinigten Staaten— es ist fast lächerlich, aber wahr— schon 2000. Der Begriff der Uebervölkerung ist also ein relativer. Eine absolute Uebervölkerung ist selbst in China nicht vorhanden, wenn der Reichthum nach Bedürfniß vertheilt, wenn die Ver- steinelung in uralten Vorurtheilen aufgelöst, wenn die freie Wissenschaft Rathgeberin werden kann. Würden in China Dampf- schiffe und Eisenbahnen gebaut, die überaus reichen Kohlenlager eröffnet u. s. w., so könnte die gesummte dortige arme Bevöl- kerung lohnender als jetzt beschäftigt, besser genährt werden durch Austausch unermeßlicher Mengen von Industrie- Erzeugnissen gegen die Lebensmittel, welche die Inseln der Südsee und des indischen Meeres, die Mandschurei und Neuholland liefern könnten, und eine höhere Geistesbildung müßte einziehen. Dieses Menschengewimmel Chinas ist wie geschaffen für den Zweck, die ungeheure Wüste der Mongolei Schritt für Schritt zu bewässern und anzubauen, wenn wissenschaftlicher Rath und geordnete Zu- stände zu haben wären. Seit der furchtbare Aufstand der muha- medanischen Dunganen ausgestorben ist, welcher die Provinz Sze-tschuen gänzlich verwüstet und entvölkert hatte, sind binnen zwanzig Jahren an zwei Millionen Chinesen eingewandert und haben aus der Wüste wieder einen Garten gemacht, weil ihnen dort kein Mandarinenthum in die Arme fallen kann. Kurz, das scheinbar übervölkertste Land der Welt besitzt der Menschenhände noch viel zu wenig, um der riesigen Aufgabe gerecht zu werden, welche seiner in nächster Nachbarschaft harrt— nur muß eine schützende Macht und die Beihülfe der Wissenschaft vorhanden sein. Man kennt heutzutage sogar ein Mittel, um Regen herab- zubeschwören, der von selbst nicht kommen will. Man weiß, daß nach jeder größeren Schlacht an Ort und Stelle Regengüsse ein- treten. Die gewaltige Erschütterung und dadurch bewirkte Auf- lockerung der Luft infolge massenhafter Gas- Explosionen bewirft einen niedrigen Luftdruck übn dem Orte der Kanonade. Von allen Seiten, wo höherer Luftdruck herrscht, strömen die Echteren Luftschichten strahlenförmig herbei und gleichen den gestörten Luftdruck wieder aus. Dabei wird auch ein bedeutender Feucktig- keits- Vorrath an der gestörten Luftstelle vereinigt und beim Herabsinken der oben einstürzenden Lust ufuhr zu Regen ver- dichtet. Man braucht natürlich keine Schlackt dazu, um ersehnten Regen herabzubeschwören— eine blinde Kanonade thut es eben so gut, und die Kosten davon dürsten wohl durch die geretteten Ernten mehr als gedeckt werden. Es� wäre doch eine prächtige Ironie des Schicksals, wenn der Menschenmord im Großen eine Erfindung an die Hand gegeben hätte, um die zukünftige Men- schenrettung im Großen durch erzwungene Entladung der Luft- feucktigkeit zu bewerkstelligen! Und so könnten wir noch einige Mittel angeben, die von der neueren Erfahrung an die Hand gegeben worden sind, um die Erde wohnlicher zu machen. D.-.s Gesagte aber schon genügt zu dem Beweise, daß alles Elend der Welt von der menschlichen Verdummung geschaffen ist und von der befreiten menschlichen Wissenschast abgestellt werden kann. Die Vorbedingung dazu ist freilich immer und immer wieder, daß die unterdrückte Klasse in dem Borsatze einig und damit bekannt wird, wie das Elend ab- zustellen ist. Und diese Klasse regt sich allerwärts und lernt denken. Und glücklicherweise ist das Denken ansteckend. Aus Heuchelland. An die verehrl. Redaktion des„Vorwärts" Leipzig. Auf Ihre zahlreichen Angriffe(?) gegen meinen vorigen Brief, welcher unsere Stellung zu der weltbedentenden orientalischen Frage zum Gegenstande hatte, habe ich bis jetzt noch nicht zu antworten Gelegenheit gehabt. Da ich jedoch jetzt lese, daß unsere Partei in dieser Frage durch Massenkundgebungen ec. entsckiedenere Stellung■ nehmen soll, so scheint es mir am Platze und jedenfalls den Grundprinzipien einer demokratischen Partei allein entsprechend, wenn vorher die verschiedenen Meinungen innerhalb der Parter selbst zur Klärung kommen. Ich bitte Sie demnach um Abdruck der nachstehenden Zeilen. Ich werde mich darin auf die einfache Darlegung der Haupt- sächlichsten Punkte, in welchen unsere Meinung auseinandergeht, beschränken, bin aber gern bereit, für Alles, was ich hier sage, unverdächtige Zeugnisse und Beweise zu erbringen. Ich bin und bleibe der entschiedenen Ansicht, daß es un- sere Sache nicht sein kann, für das russische oder für das tür- kische Regime Partei zu nehmen, da beide durchaus culturfeind- liche Interessen verfolgen und der ganze Unterschied zwischen ihnen darin besteht, daß der eine die unglücklichen Balkanvölker unter seiner Herrschaft(denn die„Freiheit", welche ihnen der Türke in seiner Todesangst jetzt— verspricht, kann doch bei einer ernsthaften Betrachtung der orientalischen Vorgänge nicht in Rechnung gezogen werden) erhalten, der andere sie aber erst unter seine Herrschaft bekommen will; daß wir vielmehr — soweit unsere leider noch so geringen Kräfte reichen— die Partei jener Völker selbst zu nehmen haben, deren Befrei- unaskampf, für sich betrachtet, eine den Sturz des letzten Feu- dal- und Sklavenstaats in Europa(und das ist die Türkei) be- zweckende soziale Revolution, ein Culturkampf im emi- nentesten Sinne des Wortes ist und der Freiheit und der Ci- vilisation hätte zu unendlichem Gewinn gereichen müssen, wenn sich nicht unsere„Ste-atsmänner" seiner zu bemächtigen und ihn für ihre entgegengesetzten Pläne zu mißbrauchen gewußt hätten. Die Balkanländer für die Balkanvölker! das ist die schlichte Antwort des gesunden Menschenverstandes auf die orien- talische„Frage", eine Antwort, die eben nur jene infame Staatskunst nicht finden kann, nicht finden will, welche die Völker als willenlose Heerden zu behandeln gewohnt ist, und deren ganze„Kunst" darin besteht, sich sie, sei es durch List, sei es durch Gewalt, gegenseitig zu entreißen. Für uns aber, die wie die Selbstbestimmung der Völker auf unsere Fahne g.- schrieben haben, kann und darf es nur diese eine Antwort geben. Ich meine ferner, daß das offizielle Rußland seinen Triumph in erster Linie gerade dem Umstand zu verdanken hat, daß es seine eigenen räuberischen Pläne an jenen Befreiungs und Cul- turkampf, der, eben weil er ein Culturkampf, und unvernichtbar ist, anzukoppeln gewußt hat;(auf wessen Anrathen dieser cäsa- ristisch-demagogische Coup, der noch vor einem Vierteljahrhundert dem damals streng legitimistischen Rußland widerstrebte, geschah, in wessen Sinne diese geschickte Ausbeutung der revolutionären Bestrebungen der großen populären Zeitströmungen für die eigenen, all und jedes Mittel heiligenden Zwecke ist, dürfte nicht allzuschwer zu errathen sein; hat doch die betreffende Person, welche ja auch hier der eigentliche Leiter des Ganzen ist, all ihre Erfolge eben dieser Ausbeutung zu verdanken) daß es aber die Aufgabe eines Europas, welchem an seiner Freiheit und Cultur ernsthaft gelegen ist, gewesen wäre, diesen geschickten Trumpf Rußlands zu übertrumpfen, indem es die Sache der unterdrückten Balkanvölker zur seinigeu machte und damit, unter Aufrechthaltung des Friedens, Rußland völlig auf's Trockene setzte, daß jedoch ein solcher wahrhaft culturbringender Schritt von dem heutigen reaktionären Europa natürlich nicht zu er- warten sei, woraus sich für uns eben nur ergibt, daß wir mit keinem Theile dieses offiziellen Europas irgendwie gemeinsame Sache macheu dürfen. Sie sind eben einer des andern Werth, diese Gortschakow, Disraeli, Bismarck, Andrassy. Auch hier gilt das Wort von der„einen reaktionären Masse". Ich glaube ferner behaupten zu dürfen, daß diese meine Auffassungen keineswegs, wie Sie zu erwähnen beliebten, mit denen unserer„Russophilen" identisch sind. Es geht dies aus vorstehenden Darlegungen wohl zur Genüge heroor, es geht dies ferner aber auch daraus hervor, daß meine Auffassung zu- gleich diejenige aller bewußt- revolutionären Elemente Europas (incl. die russischen Sozialisten) ist, sowie endlich daraus, daß ja heute alles, was„russophil" ist, über den vollständigen Triumph der guten Sache in Wonne schwimmt, während meine Gesin- nungsgenossen und ich das schwerste Verbrechen jener ebenso in- famen wie bornirten„Jnteressenpolitik", welche sich heute vor- ! züglich im englischen Cabinet verkörpert, eben darin erblicken, � daß sie, wie wir voraussahen, Rußland zum Siege verhalf und damit, wie wir überzeugt sind, viel und schweres künftiges Un- heil über Europa heraufbeschworen hat. Angesichts solcher fun- damentalen Unterschiede könnte eben nur noch die Böswilligkeit von einer Identität meiner und der„russensreundlichen" An- schauungen sprechen. Ich»bin eben nur der unmaßgeblichen Meinung, daß eine Politik, deren ganze Weisheit in� der gewaltsamen Niederdrückung der nach Freiheit dürstenden Südslaven und Griechen, in der Erhaltung des Unhaltbaren besteht, und welche so die tolle Farce der Weltgeschichte in Scene setzte, in der eine solche Ka—, eine so wenig geeignete Persönlichkeit wie der Czar, als Freiheits- bringer und Culturapostel auftritt,— daß eine derartige Poli- tik nicht das Recht hat, sich in sittlicher Entrüstung über die russische Cultur- und Hnmauitätsheuchelei zu ergehen, sintemal � ste selbst um nichts besser ist! Die Thatsachen bestätigen die hier dargelegten Auffassungen � nur zu sehr: die russischen Heeressäulen dringen siegreich gegen Konstanlinopel vor; die bedauern? werthen Balkanvölker glauben ihren- inzigen Hort in Rußland, in allen übrigen Staaten ihren Feind zu sehen; Väiercheü wurde bei seiner Rückkehr nach Petersburg vom Volk als Held und Befreier enthusiastisch»m- pfangen und damit hat die bedenftich wackelnde russische Despotie wieder festern Halt gewonnen, als sie ihn seit langer Zeit hatte. (Tout comme chez nous.) Europa aber sieht widerstandslos und ohnmächtig zu, wie das czariscke Rußland seine Netze weiter und weiter spinnt. Andrassy erklärt, er wie überhaupt kein Ztaatsmann Europas habe den Muth, für die türkische Mißwirthschaft einzustehen, deshalb müsic man Rußland eben gewähren lassen— eine Logik, die vielleicht nicht Jedermann einleuchten wird. Das englische Cabinet, welches im Namen der „britischen Interessen" Rußland entgegentreten wollte, sieht sich durch seine eigene Uneinigkeit, vor Allem aber durch die Pro- testationen des eigenen Volkes gelähmt. Denn das Volk, das industrielle und ländliche Proletariat ist es, wie ich leicht beweisen kann, vor Allem, das gegen die Hineinzerrung Englands in einen Krieg für die Türkei, als„eine Schmach für England" protestirt und den Frieden will, während gerade die„ripper ten", die„obersten Zehntausend", voran die Königin, und ihr Günstling, der Erzhallunke Disraeli, wie beseffen nach Krieg schreien. Möglich, daß Disraeli das Land in eine für dasselbe jeden- falls unrühmliche, unfruchtbare und unheilvolle, weil jeder hö- Heren Idee entbehrenden Kriegsaktion hineinreißt; wahrscheinlich aber ist, daß er sich, gleich Oesterreich, weil er eben nicht an- ders kann, von Rußland mit Versprechungen eines Anthcils an der türkischen Beute abspeisen läßt, oder aber daß er sich an seiner Kriegswuth schon nächstens im eigenen Lande den Hals bricht. So steht Rußland, das noch vor einem Vierteljahrhundert bei seinen Raubgelüsten so entschiedenen Antagonismen begcg- nete, heute ohne ernsthast zu fürchtenden Gegner da. Und warum das? Vor allem anderen deshalb, weil es sich eines kostbaren Amulets zu bemächtigen wußte, das ihm Macht und Stärke verleiht, während es seine Gegner zur Ohnmacht zwingt: der Revolution der Balkanvölker, einer reifen Frucht vom Baume der menschheitlichen Entwicklung, welche dem zufiel, der sie im rechten Moment zu pflücken verstand. Und so hat denn auch hier, wie in den letzten Jahrzehnten so oft— bei der E nigung Italiens, wo sich ja auch der Despot des eigenen Volkes als„Befreier" eines andern aufspielte, bei der sogenannten Einigung Deutschlands ic.— die privilegirte Demagogie der Demokratie zuvorzukommen, die obschwebende „Frage" in ihrem Sinne zu„lösen" gewußt und dreht nun der Demokratie höhnisch eine Nase. Nie und nimmer darf dies aber letztere verleiten, von ihr heimtückisch entwendeten Prinzipien der Freiheit und Selbstbestimmung der Völker irgendwie abzuweichen und so die Rollen vollends zu vertauschen. Im Gegentheil muß sie nur so entschiedener an diesen Prinzipien festhalten, sie nur um so lauter und klarer verkünden, damit die Völker endlich zwischen ihr und jener elenden Betrügerin unter- scheiden lernen. Meine Meinung in Betreff der angezeigten Kundgebungen unserer Partei ist dementsprechend folgende: Sollen dieselben ein Protest gegen die ebenso heimtückische wie bluttriefende Politik der beiden europäischen Raubslaaten sein, deren geheimes Einverständniß und planmäßiges Zusammen- wirken in den letzten anderthalb Jahrzehnten so viele mörde- rische Kriege und so unsägliches Unheil über Europa Heraufbesch ooren hat und in Zukunft noch mehr heraufbeschwören soll, dann können unsere Kundgebungen gar nicht freu big genug begrüßt werden, als eine wahrhafte Friedensbe- monttration, und zugleich als ein neuer schöner Beweis, daß die Völker nicht mehr gewillt sind, mit ihren höchsten Gütern, mit ihrem Gut und Blut, nach Willkür schalten und walten, sich stumpfsinnig zur Schlachtbank schleppen zu lassen. Die reaktionäre englische Regierungspresse hat jedoch diese Kundgebungen bereits in dem Sinne darzustellen versucht, als sollten dieselben eine„turkophile" Demonstration sein und sie so dem englischen Volk als ein Beweis vorgeführt, wie auch das deutsche Volk gar nichts sehnlicher wünsche, als eine sofortige Kriegserklärung an Rußland behufs Aufrechthaltung des Türken- reiches, woran sich das englische Volk ein Exempel nehmen möge. Natürlich ist diese Darstellung eine falsche. In diesem Falle wären jene Kundgebungen nichts weniger als freudig zu begrüßen; denn sie wären dann, sowohl weil sie die Aufrecht Haltung jenes verrotteten Barbarenstaaten oerlangten, als auch weil sie— fern von einer Friedensdemonstration— indirekt die englische Regierung in ihrem verbrecherischen Treiben unterstützen würden, einer der frevelhaftesten Versuche, welche die Geschichte kennt, ein Volk wider seinen Willen in einen Krieg für ihm fremde, ja feindliche, weil reaktionäre Interessen hineinzureißen, der seinerseits wieder das Signal zu einem all- gemeinen, allseitig nur für die elendesten dynastischen und cul- turfeindl:chen Interessen geführten Racenkrieg werden kann, wel- Goethe als Sozialdemokrat in den Wander- jähren. Philologisch- sozialisiljcher Versuch von A. Pr o w e. (Forlsetzuiig.) Das subjektive Belieben des Einzelnen hat da keinen Spiel- räum mehr.*) Es giebt nur eine Gcsammtmirthschafl noch, keine zerstückelte Sonderindustrie. Ruhe und Würde nun ferner ge- währt die Gesellschaft dem alten, dem ausgedienten wohlverdienten Arbeiter am Gesawmtwerk der Menschheit, der seines Lcbens Tagewerk vollbracht hat. Beschäftigung aber wird ebenso von Obrigkeitswegen der rüstigen Jugend unnachsichllich zuze- theilt. Sogar die Frau, die Lebensgefährtin, theilt(wie bei den Herrnhutern das Loos) dem Jünglinge zu der sichere Schluß des Gemeindewillens. Wechselseitiges Vertrauen sorgt für Jeden, Keiner kann aus dem Verbände sich verlieren. Von der Wieg bis zur Bahre steht er unter der Obhut des Allgemeinen. Dae giebt es keine Verirruug mehr, die sich schrecklich am Einzelnen durch ein verlorenes Leben rächt. Jedem wird sein Häuschen gebaut, sein Heim bereitet, Hof und Garten zugewandt und ein- gerichtet. Jeder sorgt und schafft für Alle und Alle sorgen und wirken für Jeden. Ein Gewimmel„unzähliger seliger Leute", das ist der Traum des Poeten. Freilich möchte man mit einem andern Poeten wohl Denen, die schon jetzt im neunzehnten Jahr- hundert den Traum voll verwirklichen zu können träumen, warnend den schönen Nachklang der„Geharnischten Son nette" zurufen: Gleichwie die Juden, die in's Joch Gebeugten, Ausziehend aus Aegypti Knechtschaftsstande, Nicht selbst anlangten im v.rheißnen Lande, Sondern nur erst von ihnen die Erzeugten; So lasse sich auch dies Geschl- cht nicht deuchten, Freiheit zu finden, weil es bricht die Bande; Es muß verbrennen in dem Läutrungsbrande, Das reine Licht wird erst den Enkeln leuchten. *) Arme G-racr Artisozialisten, daß Euch schon vor, 45 Jahren selbst Goe h- im Boraus desovomrt ha:! Dafür desavo.i:rr ihr ihn jegt nachträglich. cher unsere Cioilisation vielleicht um Jahrhunderte zurückwerfen würde— jene Kundgebungen wären dann ganz einfach ein Hohn auf alles was Demokratie heißt. Unsere Devise soll und kann aber nur sein: Weder russen- freundlich, noch türken freundlich, sondern freigeitsfreundlich! Es zeichnet sich achtungsvoll Ihr Correspondent aus Heuchelland. (Was zunächst die„Kundgebungen" bezüglich der Oricntpolitik angeht, so sollen sie selbstoerftändlich keine„Kriegsdemonstra- tionen" sein; die Befürchtungen unseres geehrten Herrn Corre- spondenten beweisen, daß derselbe durch seine eigenthümlicht Auf- fassung der orientalischen Krise in die Atmoiphäce von Kreisen gerathen ist, denen er sonst sehr fern steht. Er begegnet sich z. B. in diesem Punkt mit der„Berliner Post", der„Nordd. Allgemeinen Zeitung" und so weiter, bei denen er auch seine Auffassung der orientalischen Krise bis auf's Tüpfelchen über'm i finden würde — wenn es die Aufgabe dieser Zeilungen wäre, den Rubel- und Knutenstandpunkt in der orientalischen Frage dem demokratischen oder demokratelnden Publikum mundgerecht zu machen. Aber in„Heuchelland"(das unser geehrter Hr. Corre- spondent übrigens auch außerhalb Englands finden kanns sind zahlreiche Blätter, z. E.„Daily News",„Reynolds' N ws- paper", die das vortrefflich besorgen— sogar die Schlagwörter: „Die Baltanländer für die Balkanvölker"[zu denen natürlich die Türken nicht gehören],„die freiheitdürstenden Südslaven" ec. fehlen nicht. Die Sache ist: unser Correspondent mag ein vorzüglicher Gefühls und Zukunstspolitiker sein, von der orientalischen Frage und überhaupt von der Realpolitik versteht er aber nichts. Wenn er nur die leiseste Kenntniß von den russisch- türkischen Angele- genheitcn hätte, die Geschichte der früheren Türkenkriege nur einigermaßen kennte, so würde er z. E. wissen, daß die„De- magogie", die er für eine neue Entdeckung hält, schon uralt, ein gewisser„Genialer", den er im Verdacht zu haben scheint. also ganz unschuldig daran ist; daß der„freiheitsdürstende Süd- slave" schon vor länger als einem Menschenalter erfunden war und russische Dienste thun mußte; und daß„die Balkaiilä»d:r für die Balkanvölker" russisches Reptil- Produkt ist. Möglich, daß unser geehrter Correspondent uns das als„Böswilligkeit" aus- legt, allein es kann durch„unverdächtige Zeugnisse und Beweise" in Hülle und Fülle festgestellt werden, daß es die reine Wahrheit ist. Der Zorn unseres geehrten Correspondenten über Disraeli's Versuch, einer„ebenso heimtückischen wie bluttriefenden Politik" das Handwerk zu legen, ist uns, austichtig ge- sprachen, nicht verständlich, indeß den englischen Ministerchef zu verthcidigen, fühlen wir uns nicht berufen, ebenso wenig die englische Königin, obgleich wir achtbaren Frauen gegenüber eine Sprache wie d-e unseres Herrn Correspondenten nicht gc- rade goutiren,— das englische Volk aber müssen wir gegen die Anklage in Schutz nehmen, es sei mit der„Friedensbewegung" des russischen Agenten Gladstone und der vaterlandslosen englischen Bourgeoisie zu identifiziren. Daß die englischen Tories der russischen Eroberungspolitik mit dem Schwert in der Hand Halt zu gebieten wünschen, ist doch sicherlich kein Grund für uns, jedes aktive Vorgehen gegen Rußland zu ver- urtheilen. Was kommt darauf aw ob die Hand rein ist, die einem Raubmörder in den Arm fällt? Für die türkische Serailwirthschast wird kein vernünftiger Mensch sich begeistern, das türkische Volk hat die Feuerprobe dieses Kriegs vorzüglich bestanden und eine Tüchtigkeit gezeigt, die Niemand ihm zugetraut hätte. Will man die Türken, die nach dem Zeugniß aller, auch der mit den eingewurzeltsten Vor- nrtheilensgegen dieselben auf den Kriegsschauplatz gekommenen Cor- respondenlen, den„freihe>tsdurstlgen Südslaven" an„Cultur" und Adel der Gesinnung entschieden voranstehen,— will man sie aus den Balkanländern vertreiben? Das geht einfach nicht; und ginge es, dann wäre es eine Barbarei ohne Gleichen. Die einzige Lösung der Frage liegt in der absoluten Gleichberech. tigung und Gleichstellung der verschiedenen Nationalitäten Und diese einzige Lösung erstrebt die Türkei.„Bah— die türkische Verfassung ist durch die.Todesangst erpreßt, erst ge- macht worden, um Europa eine Nase zu drehen"— meint natürlich unser Herr Correspondent. Nein— der türkischen Re- gierung ist es mit ihren Freiheitsversprechungen gerade so ernst, wie allen anderen Regierungen, die sich je zu Conzessivnen an ihre Völker entschlossen haben. Oder kennt unser Herr Correspondent ein Beispiel vom Gegentheil? Die Niederlage Rußlands hätte diese Lösung zur sofortigen Nothwendigkeit gemacht; der Sieg Rußlands wird sie auf lange Zeit zur Unmöglichkeit machen. O dürft' ich nur, wie du. Mann Gottes, Mose, Dort, da du von Sinais Wolkenspitze Das Land, das du selbst durftest nicht betreten, Von ferne sähest, so im dunklen Schooße Der Zukunft auch, hell von propyei'schem Blitze, Sehn wahrer Freiheit Land, und stumm anbeten. % Soweit hat uns der Leser begleitet, das krause Labyrinth der Wanderjahre hindurch. Ruhig und kühl geht nun der selbstbewußte Praktiker davon. Er lächelt der Phantastereien, die er hier gehört. Bielleicht aber schlägt doch Einer und der Andere,� der nicht ganz Realist und Utililarier(Nützlichkeitsmensch) im schlimmsten Sinne geworden ist, zu Hause seinen Hamlet auf und liest die oft citirte Stelle wieder einmal im Zusammenhange: Es giebt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Als Eure Schulweisheit sich träumen läßt. Horatio ist todt, auch Polonius; auch jener französische Po- lonius, dem Mirabeau zurief: Sagen Sie Ihrem Herrn, daß wir hier sind durch den Willen des Volks! Bielleicht besinnt sich der Leser dann durch Manches, was einst war und jetzt ver- schwunden ist, spurlos wie der Zopfkurstaat und die Wessen- ewigkeit. Vielleicht besinnt er sich dann auch darauf, daß über hundert Jahre wiederum duser Erdtheil ein weit vom heutigen verschiedenes Aussehen wird angenommen haben; daß so wie ir das versumpfte heilige römische Reich mit seinen fünfhundert Zollgrenzen und grundlosen Wegen, die Thurn- und Taxis'sche Postschnecke, die Censur und Leibeigenschaft, den französircnden Hochwnth des Versailles nachäffenden Adels und die zopfig ver- zünftelte, ticfknechtisch feige Bersunkenheit d�s Pfahl- und Spieß- bürgerthums von vor 1789 uns gar nicht mevr denken können, daß so vielleicht auch unsere Ur- Urenkel absolut nicht werden begreifen können, wie uns heut' in der Zeit der Eisenbahnen und Telegraphen noch natwiiale Abgeschlossenheit erträglich-, ja wohl gar natürlich und sitilich berechtigt erschien; wie sich nationalliberale Staatenfeindschaft und Treitschke- bephraseter, Julian- Schmidt-motivirtcr Völkergegensatz in diesem winzigen Westeuropa erhalten konnte, das kaum halb so groß ist als Sehr naiv ist die Klage unseres Hrn. Correspondenten, daß Europa der russischen Demagogie nicht durch einen demokra- tischen Coup das Genick gebrochen habe. Von wem sollte der demokratische Coup denn ausgehen. Von Andrassy, Bis- marck, Disraeli? Oder von den„freiheitsdurstigen Süd- slaven?" Wer lacht da? Auch unser geehrter Correspondent lacht mit. Bleibt die europäische Demokratie, die internationale Sozialdemokratie. Gut, sie wird dieses Geschäft einst be- sorgen, wie so manches andere. Vorläufig ist sie jedoch noch nicht in der Lage, und wir haben keine Lust, bis dahin den Russen Europa gemächlich zu überlassen. In der Politik lieben wir es nun einmal, mit vorhandenen realen Faktoren zu rechnen und nicht mit unwägbaren Größen, nicht mit goldenen Nixchen und Nautchen von Gemeinplätzen— eine Auffassung, die, wie wir Grund haben zu glauben, die„aller bewußten Revolutionäre" ist, namentlich auch[wir sagen dies speziell mit Bezug auf die orientalische Frage] der russischen So- zialisten, mit denen wir uns, soweit sie nicht im bakunistisch-pan- slavistischem Quark stecken und folglich bloß„Maul- Sozialisten" sind, in vollster Uebereinstimmung wissen. Red. d.„Vorwärts".) Äv�klPolitijche u eberficht. — Blos 54,000 Mark Jahrcsgehalt! Durch die Presse ging in den letzten Tagen folgende Notiz:„Als General bezieht Fürst Bismarck keinen Gehalt. Sein amtliches Einkommen setzt sich folgendermaßen zusammen: Er bezieht als Reichskanzler 54,000 M., als preußischer Minister deS Aeußern 36,000 M. und als ehemaliger Minister für Lauenburg 9000 M., zusammen 99,000 M." Jetzt kommt das Organ des Fürsten Reichskanzlers, die „Post", und schreibt berichtigend:„Die Notiz ist eine ganz will- kürliche und unrichtige. Ausweislich des Etats bezieht Fürst Bismarck jährlich blos 54,000 Mark." Blos! Hoffentlich bieten die Dotationen(freilich blos im Betrag von einigen lumpigen Millionen lumpiger Thal er) nebst anderen lumpigen Kleinigkeiten ein klein Bischen Trost. —„Der Militarismus in Friedenszeiten" erfährt eine unerbittlichere Kritik, als ihm von irgend einer anderen Seite begegnen könnte, durch die Statistik. Wie beredt sind wieder die nachfolgenden Zahlen, welche wir dem amtlichen Haupt- berichte über den Krankenstand des preußischen Heeres(ein- schließlich Sachsen und Württemberg) entnehmen: Im Mouat November betrug die Gesammtzahl der Kranken nicht weniger als 21,682 Mann, oder 6,3 Proz. der Effektivstärke. Die Ge- sammtzahl der Gestorbenen beziffert sich auf 82, von denen allein 20 durch Selbstmord ihr Leben endeten. Also ein Viertel aller Gestorbenen im preußisch-sächsisch wllrttembergischen H:ere sind Selbstmörder!— Ob wohl die liberale Weisheit auch hier- orts die wirthschaftlichen Bortheile deduziren wird? Wie nämlich im„Leipziger Tageblatt" zu lesen, daß eine kürzere Dienstzeit das Angebot der Arbeitskräfte bedenklich mehren würde, so ließe sich ja hier wohl auch sagen, eine Regulirung des Angebots von Arbeitskräften durch Selbstmord! — SchulbildungimHeer. Im Ersatzjahre 1876/77— einem günstigeren als dem vorhergegangenen— stellte Preußen unter 86.670 Rekruten 78,661 mit Schulbildung in deutscher Sprache, bestehend in„genügendem" Lesen und im richtigen Schreiben ihres Vor- und Zunamens— und 5486 mit Schulbildung in an- derer Sprache ein. 2523 hatten keine Schulbildung!— Daß die Provinz Preußen und der Bezirk Köslin hierzu das weitaus stärkste Contingent stellen, ist eine berechtigte Eigen- thümlichkeit dieser„Stammprovinzen" des Hohenzollernreiches. Das deutsche Reich stellte im gedachten Jahre 140,197 Rekruten ein, wovön 2975 keine Schulbildung hatten. Geben wir Preußen hiervon seine 2523, so behalten die anderen Staaten des Reichs noch etwas über 400 auf ihren Theil.— Das Heer als Schule liefert Krankheiten und Selbstmorde, und die Schule— ihr Contingent Ungeschulter für's Heer. In einem wohlgeordneten Staate greift Alles hübsch ineinander! — Culturkampfblüthe. In Arnsberg in Westphalen befindet sich der Bürgermeister Wolff seit 35 Jahren au der Spitze der Verwaltung und wurde bei der Neuwahl vor kurzer Zeit einstimmig vom Stadtverordneten Collegium, in welchem sich 2/, klerikale und V, liberale Bürger befinden, wiederge- wähtt. Freund und Feind geben dem Manne das Zeugniß, daß er immer unparteiisch seines Amtes gepflegt habe; er wählt Nordamerikas Union, ein Sechstel nur ist vom russischen Welt- reich. Lachen wird man, wie wir der kindisch-winzigen Fehden des Mittelalters, so einst der großen Kriege auf diesem Schach- brett von kaum 60,000 Quadratmeilen!-- Nun, vielleicht liest man auch dann über hundert Jahre noch Goethe's Wanderjahre geringschätzig mit eines Gerouius kriti- schem Blick, der da sagte[unglaublich, aber es steht ge- druckt!]—: „Weder die Novellen haben Werth, noch der Faden, der um sie geschlungen ist— noch auch die quietistische Tendenz." Quietistische Tendenz! Man möckte seinen Augen nicht trauen Wenn ich nicht als Primaner die tiefsozialistische Grundstimmung schon erkannt, unseren Altersgenossen sie gepredigt, und stets wieder neu es gefühlt hätte, daß der größte moderne Dichter den vollen Herzschlag des modernen Lcbens, den zuckenden Puls der gegenwärtigen Geschichtsperiode durch und durch empsunden und mst voller Seele gepriesen hat: dann würde ich glauben, daß erst die Commentare von Rosenkranz, Gregorovius. Hotho, Grün, Jung und wie sie heißen, dem deutschen Publikum die Augen eröffnen mußten! Aber ich bin fest überzeugt, es ist nicht so— man hat die Wanderjahre einfach nicht gelesen; sonst hätte sie jeder Jüngling verstanden. Aber man las sie eben nicht, i Man hatte ja Angesich's der rein politischen Julrrevolution und ihrer Nachspiele von Brüssel, Kassel, Warschau:c. nicht Zeit i und Ruhe dazu. Selbst Börne, der Demokrat, schalt lieber den. „aristokratischen" Dichter, statt ihn zu erforschen und in seiner i innersten sozialdemokratischen Natur zu erkennen. Jetzt gilt umgekehrt gerade dieser endlich erkannte Kern der s Wanderjahrc für unpoetisch, für tendenziös. � Bielleicht gilt Goethe's Phantasie vom künstigen sozialistischen Arbeiterstaat— mit allgemeiner gleicher Volkserziehung und herrnbuter-] artiger Patriarchen-Regierung durch weise, die jüngere Welt be- j vormundende Aelteste— noch über hundert Jahre für Schwär- merei. Aber jedenfalls wird auch über hundert Jahre, wrnn wir längst verweht und verschwunden sind, noch Wilhelm Meister und sein Felix mit dem Abbö Jarno Montan und Loihario, mit Natalie, Balarine, Philiue und Hersilie—, mit Mokaria und Lydia ganz so frisch- lebendig und helläugig-gesund vor den Augen des dann existircnden Deutschland dastehen, wie es heute der Fall ist— bei Jedem, der nur des Dichters Wunsche gemäß allerdings klerikal, er agitirt aber nicht. Herr Wulff ist nicht! bestätigt worden; die Bürgerschaft hat sich in Berlin beschwert, doch fruchtlos. — Man schreibt uns aus Hannover: Ihrem geschätzten! Blatte erlaube ich mir folgendes Faktum mitzutheilen, um Ihnen wiederum einen Beweis von der vielgerühmten„Gleichheit vor j dem Gesetz" vor die Augen zu führen. In Folge einer zwischen einem Amtsrichter und einem Referendar B. stattgehabten Zwistes verfügte sich ein Vertreter der Kronanwaltschaft, der Amtsrichter K. im Auftrage des Amtsrichters S. zu dem erwähnten Refe-- rendar B., um demselben eine Forderung auf Pistolen mit mehr- fachem Kugelwechsel auf 10 Schritt Barriere zu überbringen. Durch diverse Zufälligkeiten kam die Angelegenheit zur Kenntniß der Kronanwaltschast und wurde im Verhandlungstermin von dem Kronanwalte L. eine fünftägige Festungshaft gegen den Kartellträger, Amtsrichter K., beantragt, und zwar, wie sich der Herr Kronanwalt L. ausdrückte, veranlasse ihn die Schwere und Bedenklichkeit der in Frage stehenden Kampfart, einen Strafantrag auf fünf Tage Festung zu stellen, da er sonst nur einen Tag Festung beantragt haben würde, denn die Handlungsweise des Amtsrichters K. verdiene eine milde Beurtheilung, weil derselbe, von seinen College» um die Uebermittelung der Herausforderung ersucht, nach den in den betreffenden Kreisen bestchenden Ehr- begriffen in eine Zwangslage versetzt worden sei, der er moralisch nicht wohl anders, als wie geschehen, hätte entgehen können. Der Gerichtshof verhängte über K. die �i'stungsstrafe von fünf Tagen. Das Strafmass geht im vorliegenden Falle bis zu sechs Monaten. So geschehen zu Hannover im Jahre des Heils 1877. — Der Strike in Asch(Böhmen), welcher bekanntlich, in Folge skandalösester Provokation Seitens der Arbeitgeber, am 15. Mai v. I. zu einigen Arbeiterkrawallen führte, hat am Schlüsse des vergangenen Jahres vor dem Geschwoniengcricht seinen endgültigen Abschluß erfahren. Es waren 22 Arbeiter wegen des..Verbrechens des Aufstandes", 4 wegen des„Ver- gehens der Herabwürdigung behördlicher Verfügungen", 26 Arbeiter wegen des„Vergehens des Auflaufes" nach§ 283 St. G. und � endlich 9 der Uebertretung des§ 3 des Gesetzes vom 7. April 1870— wegen„gewaltsamer Hinderung" der von meh- reren Webern wieder aufgenommenen Arbeit— angeklagt. Gegen 4 Personen hat die Staatsanwaltschaft die Anklage zu- rückgezogen. 14 Personen wurden zu schwerem Kcrk-r, darunter Mathias Silbermann und KatharinaRiedel zu je 2 Iah. verurtheilt, 2 Personen zu je 15 Monaten, 1 zu 10 Monaten, 4 zu je 7 Monaten, 4 je 6 Monaten und 1 zu 5 Monaten, verschärft m>t Fasten und Einzelhaft. 18 Personen wurden wegen Vergehens des Auf laufs zum Arrest von 1 Monat bis zu 12 Tagen herab verur- theilt. Acht des Verbrechens des Aufstandes und sechs des Ver- gehens des Auflaufes Angeklagte wurden freigesprochen.— Aber wer trieb denn die Arbeiter in den„Aufruhr"— der Hunger. Und wer trägt denn zum nicht geringsten Theile die schuld daran, daß die Arbeiter schon seit Jahren am Hungertuch nagen — der Staat. Und dieser selbige Staat, dessen Mitschuld an dem sozialen Elend und dessen Folgen klar zu Tage liegt, wagt es zu Gericht zu sitzen über den Opfern seiner Schuld? ..— Oesterreichisches, lieber die neueste ftaatsretterische That der österreichischen Polizei diesseits der Leitha schreibt uns deren Objekt, der„abgeschaffte" Genosse Schapira: „Tie Wiener Polizeibehörde hat es noch immer verstanden, sich lacherlich zu machen, und namentlich unter dem Regime des derzeitigen Präsidenten Ritter von Marx leistet sie das Un glaublichste. So hat sie es für nothwendig befunden, den Ge- fertigten„aus Rücksichten der öffenllichen Ordnung aus sämmt- lichen im Reichsrathe vertretenen Königreichen und Ländern für beständig abzuschaffen." Mit dieser recht büttclhasten Phrase sucht sie den infamen Willkürakt zu motiviren. Infam ist hier eigentlich noch ein viel zu schwacher Ausdruck. Ohne Urtheils- spruch, ohne je vor ein Gericht gestellt zu werden, ja ohne selbst mit der unterm Glassturze placirten Polizeibe- Hörde in irgend welcher Weise carambolirt zu haben, erfolgte meine Ausweisung. Wäre mir die Geschichte nicht selbst passirt, ich würde Bedenken tragen, solche brutale Hand- lungsweise von irgend einer Behörde eines sogenannten Rechts- staates zu glauben- Zu weit führen, wollte ich die Leser des„Bor- warts mit den Ernzelheiten dieser Maßregelung bekannt machen. Weil ich be» cmer Polizeilichen Vernehmung(bei der ein avauce- mentbedurfnger mosaischer„Kümüfsör" das Protokoll führte) er- mit Innigkeit allabendlich den Wmter durch im stillvertrauten Heim die wundervoll anziehenden DichtungSgcstalten langsam an sich vorüberziehen läßt und sich mit ihnen genau bekannt, ja vertraut macht. Möge darum, auch wenn die Schwärmereien Goethe's auf den Leser keinen Eindruck machen, ihm wenigstens die Poesie der Wanderjahre nicht entgehen, sondern recht oft ihn er- laben. (Schluß folgt.) klärt hatte, daß ich mich für die soziale Frage und die damit zusammenhängende Arbeiterbewegung interessire, erschien ih dem Herrn Polizeipräsidenten als einer jener sagenhaften sozmldemo- � kratischen Agitatoren, die nach„authentischen Berichten" der Wiener Polizeidirektion, alljährlich zu Hunderten von der„Jnter-' nationale" nach dem glücklichen Oesterreich importirt werden. Und dies genügte vollkommen.— Ich wurde Landes verwiesen, mußte Brod, Stellung und Familie verlassen, ohne, wie ich schon oben bemerkt habe, durch Schriften, noch durch Vorträge, oder in irgend welch anderer Weise den Behörden Anlaß zu einem Einschreiten gegeben zu haben.— Ich will nicht glauben, was man mir noch kurz vor meiner Abreise von Wien mittheilte, daß eine abfällige Kritik über Herrn v. Marx, die eine mir nahe verwandte Persönlich-� keit wenige Tage vor meiner Ausweisung in einem Wiener Blatte veröffentlicht hatte, keinen unwesentlichen Antheil an der mir widerfahrenen Unbill trage. Ich habe eine viel zu gute Meinung von den Menschen überhaupt, als daß ich irgend Je-| manden solcher Gemeinheit für fähig hielte. Es ist zwar Vieles möglich im Lande der Unwahrscheinlich- leiten, wovon man sich anderswo Nichts träumen läßt.— So habe ich mir von Jemanden folgendes nette Geschichtchen über einen österreichischen Polizeidirektor erzählen lassen: Dem äu jvnr habenden Commissär eines Polizemmtes wird ein junger Mann eingeliefert— der Sohn eines angesehenen Generals— der ertappt worden war, als er eine Frau ihrer Baarschaft berauben wollte. Der Commissär vernimmt den Taugenichts, und steckt ihn dann in Verwahrungshaft. In- zwischen hat die Famllie des jungen Menschen die ,, geeigneten" Schritte gcthan. Der Polizeidirektor läßt den betreffenden Com- missär zu sich bescheiden, und ersucht ihn, die Angelegenheit nicht dem Landesgerichte zur Amtshandlung zu übergeben, sondern den jungen Menschen mit einer tüchtigen Verwarnung zu ent- lassen. Der Commissär ist entrüstet über eine solche Zumuthung, und entgegnet seinem Vorgesetzten: es sei ihm noch nicht vorgc- kommen, daß sich der Herr Polizeidirektor für ein armes Wesen, welches aus Hunger und Roth ein Stück Brod gestohlen, ver- wendet habe, während er sich des sauberen Generalsöhnchens, das sich aus Leichtsinn und gemeiner Bereicheungssucht fremdes Gut anzueignen suchte, in ganz auffälliger Weise annehme. Der Polizeidirektor, auf solchen Widerstand nicht gefaßt, versucht gnädig zu sä», aber es hilft ihm Nichts, der Commissär macht die nöthige Anzeige und liefert den jungen Dieb dem Landes- gerichte ein.- Wenn es deu Herrn Ritter von Marx interessirt zu er- fahren, wer der betreffende Polizeidirektor gewesen ist, ich din gern bereit ihm meinen Gewährsmann für die Geschichte zu nennen. llebrigens fällt mir da ein, daß man mit Nächstem der Wllt eine Geschichte erzähl«. n könnte: wie man aufhört Präsident zu sein. Leipzig, den 12. Januar 1878. Leopold Schapira." Wir haben dem nichts hinzuzufügen, die Weisheit der öfter- reichischen Staatsmänner und Polizisten ist ja längst sprichwörtlich. Die Lorbeeren der Staatsretter dieseits der Leitha haben die Staatsretter jenseits der Leitha nicht schlafen lassen. Wie uns ein Pester Telegramm mittheilt, hat Minister Tisza an den Oberstadthauptmann einen Erlaß gerichtet, in welchem er „darauf aufmerksam macht, daß im Reiche der Stepbans- kröne(!) sozialistische Verbindungen verboten seien, und ist in Folge dessen sofort eine Arbeiterversammlung aufgelöst und die für nächstens anberaumte Versammlung eines Arbeiter- Vereins"(? Soll wohl heißen Arbeitercongresses) verboten worden." Bravo! Da Herr Tisza auf andere Weise die Un- strrblichkeit nicht erlangen kann, will er sich wenigstens unsterb- lich blamiren! — Aus dem Leben Raspail's. Frantzois Vincent Raspail wurde im Januar 1794 in Carpentra» geboren. Ursprünglich von seinen Eltern für den geistlichen Stand bestimmt, besuchte Raspail das Seminar von Avignon. Das finstere Studium der Theologie sagte dem nach Aufklärung strebenden Raspail aber wenig zu, und kaum in Paris angekommen, gab er sich den Naturwissenschaften mit solchem Eifer hm, daß er schon in deu Jahren 1324— 1830 auf den Gebieten der Physiologie, der Physik und namentlich der organischen Chemie Hervorragendes zu leisten vermochte. In de» Julitagen von 1830 kämpfte R. auf den Barrikaden und wurde bei der Einnahme der Kalerne der Rae de Babylone verwundet. Er schlug alle ihm von der neuen Regierung angetragenen Aemter und Stellen aus, wurde - Gefahr des Reifens sonst und jetzt. Der Statistiker Gartianx hat nachgewreie», iv.e durch im Volke weit verbreitete Annahme, daß die Gesahr> die Anwendung des Dampfes wesentlich gesteigert worden. Jm Ä «Uer der Dilingme- und Posttuische kam in Frankreich«Ulf 3)0,000 Reisende ein Todesfall und auf 30.000 e.ne Verwundung. In den ersten beiden Jahrzehnten des(Sistitbichnroeiens, b. h. von 1835 1855, kam ans ,(100,000 Reiiende ein Todes, all und auf � Verwundung. Von 1855-1875 hat sich aber die, es VerhaUnch v günstiger gestallet, denn es Um nur aus 3,000,000 cm-roves,all unv auf 600,00) eine Verwundung. — Wenn's wahr ist. dann ist's allerdings»gräßlich", abc doch febr erklärlich in der heutigen SpekulaiionS- und Conrurrenz Gesellschaft, die natürlich AlleS. den Menschen selbst und deshalb auch wohl die Zähne der Erschlagenen alS Äaare b-tra-bt-t. Die..T'M-S ...— �"genen als Waare betrachtet. Die„Times" enthiel! nämlich vor Kurzem eine Notiz mit der Usberschrist:„Motive zur Verstümmelung". ES wurde in derselben der Handel mit Todtee- köpfen refp. mit Rulsen- oder Türkenlinnladen von den bul ooritrfion.. _- �.uticiiiinniaaen von vcii oui- garifchen Schlachtfeldern erwähnt, der förmlich organisirt fein soll. „Spekulative Köpfe" kaufen von der Wahlstait Kinnladen ein, die ue mit 10 Frank. n bezahlen und in Kisten zu 500 Stück nach Paris ver- schicken, wo sie Engros mit 50 Prozent Gewinn verkauft werde». Die Zähne werden erst in Pars ausgebrochen und sorlirt, um zu iünst- lichen Gebissen verwendet zu werden.— Wenn man nur den Tobten die K.nnladen und Zähue ausbricht, so mag es noch angehen; schneide« man doch iu der ganzen W l den Todten die Haare ad und veraibeitei sie zu Flechten, Zöpfen und Chignons. Aber/z Ohm billiger), klor?» Malvae atboris m t und ohne Kelche, wenn Vorrath zum Tages- preise. Weinbouquets: Moselblümchenkraut, ohne Stengel, starkricchend, zur Herstellung von Muskateller Bouquets, Mascai-Lunel- Bouquet, Muscateller- Bouquct, Riesling- Bouquet(X>erle du Kliin), Trammer- Bouquet, Bordeaux- Bouquet, Roihwein- Bouquet, Rüster- Bouquet, Tokayer-Bouquet, alles superfeinst haitoarfteS und per y, Kilogr. 3,00; ferner noch Bouquet-Sprit, feinst französischer, per Liter 4,00 M.; Cognac oder Weinbeeröl, grün und weiß, in diversen Qualitäten, per i/z Kilogr. 100—300 M.; dasselbe superieinst, höchst rektificitt(beste Qualität, die bis jetzt fa-ricirl wird) per V, Kilogr. 350,00 M,; Wein- Giycerin, chniufch reinstes, conjistertes, ver Va Kilogr. 1,00 M. jc." Man sieht, Auswahl ist für die Herren Weinsäsicher genug vorhanden. Da lass-u sich ja mit leichter Mühe die schönsten Weinjonen sabriciren; man braucht blv- nach irgend einer Bougiielflaiche zu greifen und hat den gewünschten Wein sofort bei Haiii>. W-e sehe ein derartiges Ge- fchäfl blüh«, zeigt eine Anmerkung d.s vo. erwähnten Fabrikant n auf seinem Waarenverzeichniß, loelcke folgendermaßen'aulet:„Die gute Qualität der einzelnen Artikel, welch- ich verseude, ist allgemein auer- kannt, und hat sich die Anwendung derselben schon seit einer Reihe von Jahren stets auf das vorzüglichste bewährt!"— Wenn diese Leu'e chre „Weine" nur selbst trinken müßten! Präsident der revolutionären Gesellschaft der Bolksfceunde(�.m!s äu Leupte) und sah sich bald in eine Reihe politischer und Preßprozesse verwickelt, die ihm schon unter Ludwig Philipp mehr als sieben Jahre Gefängniß und an 100,000 Frcs. Geld- strafe zugezogen. Am 24. Februar 1348 gehörte er zu den Ersten, die im Namen des Volkes von dem Stadthause Besitz nahmen und die Republik ausriefen, am 15. Mai nahm er an der Demonstration gegen die reaktionäre Kammer Theil und wurde deshalb mit seinem Sohne verhaftet, nach Vincennes ge- bracht und dort bis zum März 1849 in Untersuchunghaft ge- halten. Während dessen wählten ihn die Pariser im September 1848 in die Kammer und bei der Präsidentenwahl am 10. De- zember desselben Jahres erhielt er als sozialistischer Candidat 36,226 Stimmen. Am 2. April 1849 verurtheilte ihn der Staatsgerichtshof von Bourges wegen des 15. Mai zu fünf Jahren Gefängniß, die er in der Strafanstalt von Doullens abbüßte, um dann nach Belgien auszuwandern und bis gegen das Ende des Kaiserreichs ausschließlich der Wissenschaft unv der praktischen Berwerthung seiner medizinischen Entdeckungen zu leben. Im Jahre 1869 wurde er in Lyon gegen Jules Favre zum Abgeordneten gewählt, wie er denn auch als Bertreter dieser Stadt der Nationaloersammlung vo» 1871 und der im Juni dieses Jahres aufgelösten Deputirtenkammer angehörte. Am 12. Februar 1874 wurde der damals schon 82jährige Mann, weil er in seinem Kalender die Commune ver- herrlicht hatte, von dem Pariser Schwurgerichte zu zwei Jahren Gefängniß verurtheilt; ein Formfehler in dem Erkenntnisse fübrte zu einer neum Verhandlung vor den Geschwornen von Versailles, welche die Strafe auf die Hälfte herabsetzten. Raspail saß auch diese Strafe mit philosophischer Gelassenheit in dem Gefängniß von Bellevue ab, und der Zufall fügte, daß er kurze Zeit nach seiner Entlassung aus der Haft den Ehrenplatz des Alterspräsi- deuten in der Deputirtenkammer von 1876 einnahm. Am 14. Oktober wiedergewählt, wäre ihm am 8. Januar 1878 dasselbe Ehrenamt zugefallen, wenn nicht der Tod Tags zuvor(7. Januar) seinem bewegten Leben ein Ziel gesetzt hätte. Als Mann des Volkes, als Sozialdemokrat wird Raspail dem arbeitenden Volke unvergeßlich bleiben. — Der Waffenstillstand ist noch nicht abgeschlossen. Rußland macht Schwierigkeiten. Der Gegensatz zwischen den russischen Interessen einerseits, und den östreichischcn und engli- scheu anderseits tritt wieder schärfer und bedrohlich hervor. Von deutschen Interessen ist nach wie vor nichts zu hören und zu sehen; sie verstecken sich hinter den Rockschößen„Väterchens", das nennt man„nationale Politik." — Die von uns in Nr. 4 signalifirten, die Interessen der Arbeiter nahe berührenden Gesetzentwürfe, betreffend die Reform der Gewerbeordnung und Einführung der Gewerbegerichte werden wir in einer der nächsten Nummern dem Wortlaut nach zum Abdruck bringen. Die beiden Gesetzentwürfe sollen bekanntlich dem im Monat Februar zusammentretenden Reichstage zur Be- rathung und Annahme vorgelegt werden. Aus Berlin. -- 14. Januar. Daß die„Friktionen" und besonders in Hinsicht auf den Culturkampf noch längere Zeit den Reichskanzler heimsuchen werden, möchte auch wohl aus einem Briefe d?s deutschen Kai- sers hervorgehen, den derselbe zu Ende vorigen Jahres an den russischen Staatsrath Theodor v. Grimm, der früher Erzieher am tussischen Hofe mar, bei Gelegenheit des 50jäyrigen Jubi- läums desselben, geschrieben hat. Nachdem der Kaiser nämlich die Thätigleit und Hillgebuiig erwähnt hat, die Grimm seiner verstorbenen Sch vcster, der Kaiserin von Rußland, und ihren Kindern, die jetzt in einem blutigen Kriege als Helden daständen, gewidmet, und ihm den Kronenoiden I.Klasse verliehen hat, fährt er wörtlich fort:„Ich hoffe bald Ihr Mir geuanntes Werk er- scheinen zu sehen, was in dieser Zeit, wo namentlich die evangelische Kirche der unerhörten Willkür preisge- geben scheint, von großer Wichtigkeit und Wirkunz werden kann."— Dieser Absatz des kaiserlichen Briefes scheint mir gar nicht so sehr tröstlich für die Herren Falck, Hermann, Hoßbach ec. ic. zu lauten und deshalb mag auch Bismarck selbst in dem ganzen Culturkampf ein urangenehmes Haar jetzt finden. Aber ohne Culturkampf geht ja das bischen Popularität, welches Herr von Bismarck noch besitzt, vollends flöten— deshalb„Frik- tionen" über„Friktionen". Das wird iu einigen Tagen ein Leben im preußischen Ab- geordnetenhause geben! Die Nationalliberalen wollen nämlich bei dem von mir Ihnen unlängst mitgetheilten Marpinger Antrage den Marpinger Äunderschwindel selbst in Betracht ziehen und sollen diese„Wunder" in eine scharfe Beleuchtung gesetzt werden. Wenn die katholischen Klerikalen klug sind, so ftudiren sie einige protestantische Sonntagsblätter, in denen ebensoviel Wunder- glauben gepredigt wird als bei den Katholiken. Auch der Hof- Prediger Stöcker ist den Herren zur geneigten Beachtung zu em- pfehlen, da derselbe auch an Wunder glaubt, an das Wunder nämlich, daß er mit seinen Trabanten Grüneberg, Zielowsky und Klinckhardt von Gott dazu ausersehn worden sei, die Sozialdemokratie zu vernichten. Dagegen ist ja das Marpingen Wunder förmlich glaubhast. Der Bundesrath ist vieliach gescheidter als die Juristen des Reichstags. So soll derselb' beschlossen haben, in Bezug auf die Maßregeln gegen Berfälschung der Nahrungs- und Genuß- mittel, sowie gegen gesundheitswidrige Beschaffenheit� anderer Berbrauchsgegenstände, Tapeten, Kleidungsstoffe, Spielsachen zc. nicht eine Novelle zum Sirafgesetzbuche, wie Lasker und Ge- nossen früher immer als richtig erklärten, sondern ein vollstän- digcs Gesetz einzubringen. Dabei braucht man bei dieser eigen- thumlichen Materie nicht an vorhandene Gesetze anzuknüpfen, sondern es können auch— und das ist der Vortheil— wesentlich neue Gesichtspunkte berührt werden, ohne daß fortwährend die Herr«. Gesetzesmacher pur oxoollonee sagen können:„Der Vorschlag ist ganz gut, aber er paßt incht in den Rahmen un- serer heutigen Gesetzgebung." Mit diesen einfältigen Phrasen haben die Herren Lasker, Mchuel, Reichensperger schon manchen vernünftigen Borschlag erstickt. Als Eugen R-cht-r werkte, daß er von Bennigsen und Forckenbeck nicht zum Fmanzminister vorgeschlagen werden würde, preiste er nach Breslau und hielt eine Rede, in der er den erst- genannten Herrn das Paktiren mit Äisinarck leid machen ivollte. � Et lobte sie nämlich wegen ihres Heldenmuthes der sie begeistere, treu bei der liberalen Sache auszuharren und nicht den Ber- � lockung n Bismarcks gefolgt zu sein, der von ihnen ein Aufgeben ihres Parteiprogramms gefordert habe. Bennig'en und Forcken- Heck lachen naturlich den braven Eugen herzlich an» seiner plumpen Schmeicheleien halber, k.nd die Fortschrittler im eigenen Lager machen Krawall. Wenn die Nattonalliberalen mit Bis- | ma eck paktiren, so kommt die Fortschrittspartei doch immer Nltr foaeit in Betracht, daß es ihr erlaubt wird, das heißt, wenn sie recht artig ist, ein Sckwänzchen der nationalliberalcu Partei zu bilden, und Eugen Richter wird sich dann wohl mit einem Posten als Hilfsarbeiter im Finanzministerium zufrieden geben müssen. Ein englischer Frieden smann, das Parlamentsmitglied Forster, warnt in einer Rede, die er in Bradfort jüngst gehalten, Preußen und Deutschland. Er sagte:„Es ist nicht speziell unsere Sache, durch englische Truppen oder englisches Geld Rußland von Konstantinopel fern zu halten. Es ist eine europäische Sache, noch mehr eine österreichische und noch vielmehr eine deutsche. Die eigentliche Existenz steht bei Oesterreich auf dem Spiele und es weiß dies und Rußland weiß, daß eS dies weiß. Die Gefahr aber, die Deutschland von einem übermäch- tigen Nachbar zu fürchten hat, ist eine, die jedes Heim in Deutschland interesfirt. Im Krimkriege kämpften wir die Schlachten Preußens; aber wir wollen nicht wieder seine Schlachten schlagen."— So spricht ein englischer Staatsmann, der kein Russenfeind ist— merkwürdig, daß er den Grundton der Befürchtungen des„Vorwärts" getroffen bat, der in der ganzen rusfisch-türkischen Frage nur einen deutsch-nationalen Siandpunkt einnimmt, welcher allerdings hier, wie jeder mahr- Haft nationale Standpunkt, mit den Interessen der Menschheit zusammenfällt, wohing. gen die Preßorgane, die sich vorzuasweise national nennen, wie z. B. die„NationalZeitung", die„Magdc- burgische Zeitung" zc.:c. sich auf einen kosackischen Stand- Punkt gestellt haben. Correspondenzen» ZVürzburg. 9. Januar. Ueber unsere bayerischen Partei- Verhältnisse wird so selten im„Vorwärts" berichtet, daß es wohl nicht überflüssig fein dürfte, hier eine flüchtige Skizze derselben zu entwerfen. Als am 10. Januar 1877 die Reichs- tagswahl die Probe auf die Stäeke der Parteien gemacht Hatte, erwies sich eine bedeutende Verschiebung der Kräfte der sozial- demokratischen Partei, die selbst die Genossen mancher Orte überraschte. Während Nürnberg beim ersten Wahlgange für unseren Candidaten die relative Mehrheit der Stimmen abgab, während in Fürth- Erlangen und Würzburg die Stimmenzahl gegen das Jahr 1874 sich verdoppelt hatte, wies München nur einen vcrhältnißmäßig kleinen Zuwchs auf und andere Orte, wie Augsburg, Regensburg. Landshut, Bamberg, Bayreuth und Hof, gingen sogar, zum Theil gar nicht unbed-utend, zurück, d. h. hatten kleinere Siimmenzahlen als bei der vorhergegangenen Wahl. Wieder eine Reihe weiterer Orte, an denen nie irgend eine Agitation stattgefunden hatte, brachten ganz respektable Mi noritäien auf, so daß die Stimmenzahl im ganzen Königreiche trotz der einzelnen„Rückgänge" eine ansehnlich größere war als vor drei Jahren. Es ist nun ganz richtig, daß an dieser Ver- schiebung der Stimmverhältnisse wohl vor allem die ökonomische Krisis die Schuld trägt, welche eine Menge ländlicher Arbeiter, die früher in den Städten beschäftigt waren, wieder auf die Dörfer zurückschleuderte, so daß die Stimmenzahl einzelner Städte sich verringerte, während wieder eine Reihe kleinerer Orte in die Bewegung hineingedrängt wurde. Andererseits ist aber in's Auge zu fassen, daß sich die Bevölkerung durchaus nicht in dem Grade verringert hat, um dadurch die Stimmenabnahme zu er- klären, im Gegentheil, alle oben aufgeführten Städte haben an Bevölkerung zugenommen. Es bleibt daher nur die Erklärung übrig, daß der Abgang der aufgeklärten Arbeiter durch den Zu- gang weniger denkender und aus diesem Grunde wohl auch billiger arbeitender ersetzt wurde, und daß es unserer Agitation nicht möglich war, diese Massen heranzuziehen und über ihre wahren Jnter,ssen aufzuklären. In der That suchen wir auch hauptsächlich in der mangel- hast organisirlen Agitation allein die Ursache davon, daß unsere Partei m Bayern nicht bedeutend größere Fortschritte macht. Es ist dies um so bedauerlicher, als in Bayern eine Reihe alter, geschulter Kräfte sich befinden, die bei richtiger Verwendung und selbstverständlich genügender finanzieller Entschädigung wohl aus- reichen dürften, um eine regelmäßige und allen Orten Rechnung tragende Agitation zu entfalten. Namentlich mit dem finan- iclltn Theile des Vorhergehenden haben wir die wundeste Stelle er süddeutschen und vor allem der bayerischen Arbeiterbewegung berührt. Während in den großen Arbeitercentren Norddeutsch- lands, z. B. Hamburg Altona, Berlin, durch einen großen Kern besser bezahlter Arbeiter Tausende von Reichsmark aufgebracht und für die Agitation verwendet werden konnten, hatten die bayerischen Städte durchschnittlich nicht einmal so viel Geldmittel aufgebracht, um die Wahlflugblätter bezahlen zu können. Selbstverständlich mußte Kredit beschafft werden und an dieftn Kre- diten laborirt heut noch mancher bayerische Platz, der sonst seine Parteisteuern regelmäßig abführte. Ist nun vor allem der Mangel an finanziellen Hilfsmitteln schon ein arges Hinderniß für eine ausgiebige Agitation, so ist doch andererseits richtig, daß, wenn überhaupt eine planmäßige Organisation zwischen den an den verschiedenen Plätzen Bayerns wohnenden Rednern bestünde, selbst hier den schwersten Uebel- ständen abgeholfen werden könnte. Es ist zum Beispiel klar, daß Nürnberg eher im Stande ist, sich einen Redner aus Leipzig oder Berlin auf eigene Kosten kommen zu lassen, als es einem Orte wie Regensburg möglich ist, einen Nürnberger Redner zu entschädigen. Wenn nun aber z. B. eine Agitationskasse de- stünde, in welche jede bayerische Stadt, in der sich Sozialisten befinden, einen verhältnißmäßigen Beitrag entrichtete, dann könnte man es wohl möglich machen, mindestens alle drei Mo- uate einmal eine Tour durch Bayern machen zu lassen. Wenn dann ferner die agitatorischen Kräfte selbst einen Modus fänden, nach welchim sie der Reihe nach abwechselnd die Tour übernäb- men, wäre auch die Bürde des Einzelnen eine leicht zu bewäl- tigende. Zum mindesten dürfte dieser Vorschlag Werth fein, daß nian ihn diskutirt, damit in unserer Bewegung nicht ein Still- stand eintrete, der sich sehr schädlich erweisen dürfte. Allerdings arbeiten die Freunde an den verschiedenen Orten fort, allerdings werden an jenen Plätzen, an welchen seßhafte Agitatoren wohnen, die Kreise unserer Partei immer weitere, aber wie ist's an den Orten, die keine seßhafte Agitationskraft besitzen und die, wenn's hoch kommt, jährlich einmal, höchstens zweimal so eu p-rosant einen„einundeinhalbstündigen" Vortrag zu hören bekommen? Doch auch wo eine Kraft am Orte selbst sich befindet, schadet es nicht, wenn zum Oeftern„fremde" Redner hin kommen, denn auch bei uns gilt ja in sehr vielen Fällen das Sprichwort vom Propheten, der in seinem Vaterlande nichts gilt.— Um aber gleich im Voraus einem Einwurfe zu be- gegncn, der vielleicht darauf gegründet wäre, daß die Polizei eine solche Organisation wie die oben bezeichnete nicht dulden werde, so ist zwar richtig, daß in München Das verboten ist, was in Regcnsburg Niemand genirt, und daß in Würzburg kein Hahn nach Dingen kräht, welche man in Landshut wieder „staatsgefährlich" findet; aber damit ist noch lange nicht gesagt, daß nicht einzelne Männer sich über die vorliegende Angelegen- heit besprechen und je nach dem für gut Befundenen handeln. Allerdings, den Gefallen dürfte man der„hohen Obrigkeit" nicht thun, sich mit Vereinsspielerei zu befassen, aber das ist auch durchaus nicht nothwendig, um einen Agitationsfond zu bilden. Ob nun dieser Vorschlag von den bayerischen Genossen ge- billigt wird, oder ob andere Vorschläge zur Behebung der Hin- dernisse, die sich jetzt der Agitation entgegenstellen, gemacht werden, darauf kommt cs mir schließlich n'.cht an. Für mich ist eben nur Hauptsache, daß bessere, der Ausbreitung unserer Ideen mehr Rechnung tragende Einrichtungen an Stelle der gegenwärtigen trostlosen Zustände treten! Ueber das Wie? wird man sich ja schließlich verständigen können. Jedenfalls dürfte von einem sogenannten Arbeitertage abzu- sehen sein und an seiner Stelle vielleicht lediglich eine Conferenz angestrebt werden, wenn sich nicht durch einfachen Briefwechsel die Sache regeln licße. In der Hoffnung, nicht umsonst die Spalten des„Vorwärts" in Anspruch genommen zu haben, will ich hiermit schließen, und ersuche nur die Genossen, sich die Sache näher zu überlegen. C. F. Rick. Khtingcn, 10. Januar. Gestern wurde der Redakteur der „Süddeutichen Volkszeitung", Parteigenosse Leininger, von dem hiesigen Schwurgerichtshofe zu 10 Monaten Gefängniß ver- unbeilt, ohne Anrechnung einer Untersuchungshaft von 6 Wochen. Dieses harte Urtheil wird dem hier zu Lande fich äußerst breit machenden Muckerthum sehr viel Freude bereitet haben, denn die Anklage lautete auf„Vergehen in Beziehung auf die Re- ligion". Dieses„Vergehen" hatte sich Leininger zu Schulden kommen lassen durch einen in der„Süddeutschen Volkszeitung" veröffentlichten Artikel, der im Anschluß an einen im November v. I. erlassenen Aufruf an die Bürger Stuttgarts zur Theil nähme an dem alljährlich stattfindenden Ernte- und Herbstdank- feste die Gottes idee einer gerechtfertigten Kritik unterzog. In dem Artikel war die Rede von dem �„lieben, alten Herrgott", der aber so„machtlos" sei, daß er sich Ales,„sogar den Kampf gegen fich selbst, gefallen lassen müsse, und der sich dem liberalen System angepaßt habe, das keine Staatshilfe wolle",— diesem Herrgott„habe man rein gar nichts z» danken". Ferner hieß es in dem Artik.l:„Wenn aber die Stillen im Lande sagen, solche Naturereignisse(es ist Hagelschlag gemeint) seien eine Heimsuchung, dann, ihr Mucker, betet nur r.cht zu Eurem Idol, daß es Euch im nächsten Jahre wieder mit der gleichen Vorsebung heimsucht. Doch gegen Dnmmbeit kämpfen natürlich selbst Götter umsonst." Auf die letzten Sätze namentlich stützte der Staatsanwalt feine vage Anklage; er verschmähte es auch nicht, zur leeren Wortklauberei seine Zuflucht zu nehmen, indem er behäupiete, der Angeklagte habe offenbar mit der Schreib- weise„Herrgott" eine Herabwürdigung Gottes bezweckt, da es doch heißen müsse:«Herr Gott". Trotz der glänzenden Ver- theidiguug des Rechtsanwalts Becher und trotz des Umstandes, daß überall in Deutschland weit schärfere Kritiken über Religion und Gott anstandslos geübt worden, sprachen die Geschworenen das Schuldig aus und haben damit auch dem heutigen Bour- geois-Schwurgericht, das nur ein Mittel der Klassenjustiz ist, das Urtheil gesprochen. Hleutkingcn, 6. Januar. Heute, am Morgen des sogenannten Erscheinungssestes, hatten unsere Briefträg-.r über 200— söge zweihundert— Pfändungsbefehle auszutragen! In dieser übri- gens ganz„zeitgemäßen" Erscheinung dürfte vielleicht mit ein Grund dafür zu suchen sein, warum unsere Partei trotz der größten Rührigkeit der Parteigenossen keine besonders großen direkten Erfolge am hiesigen Platze aufzuweisen hat. Für uns erfreulich ist dabei nur, daß auch die anderen Parteien, vor allen die der„demokratischen", wie der„nationalen" sogenannten Liberalen, nur Mißerfolge aufzuweisen haben und bei dieser Gelegenheit immer mehr fchwinden und abbröckeln, was indirekt nalürlich nur uns zu gute kommen kann. Während bei der G-.meindcrathswahlen die„Nationalen" die meisten ihrer Cands- baten durchbrachten, errangen bei den Bürgerausschußwahlcn die „Demokraten" mehr Erfolge; die Betheiligung, namentlich aber b i der letzten Wahl, war eine so geringe, daß eine Nachwahl anberaumt werden mußte und im Ganzen kaum der dritte Theil abstimmte.— Pfändungsbefehle, Gantlisten. Selbstmorde, Raub- morde, Verbrechen aller Art gegen Eigenthum und Sittlichklüt, in geometrischer P' ogression steigend, dazu die Aussicht auf einen allgemeinen europäischen Krieg— dies ist die Signatur des be ginnenden Jahres, dies die Signatur der Bourgeoisie, die keinen Finger rührt, Zustände, welche sie selbst geschaffen, zu ändern, sondern mit unverantwortlicher Gleichgiltigkeit jetzt schon sich auf die Karneval- Festlichketten vorbereitet, uin in gewohnter Weise weiter zu tanzen auf dem Vulkan, mit den frivolen Worten auf den Lippen: �.prös nous Is üöluxs— nach uns die Sündfluth!" -- Glücklicherweise bin ich in der�Lage, auch etwas Elfreu- liches mtttheilen zu können. Zum Schluß des Jahres fanden h er nämlich zwei höchst gelungene Arbeite rfc ste statt: das eine am 27. Dezember von den vereinigten Gewerkschaften, das andere am 31. Dezember von der sozialistischen Arbeiterpartei, bei welchen in anerkennenswerther Weise die Liedertafel„Las- sallea" aus Stuttgart mitwirkte. Den Glanzpunkt des Festes bildete die in gewohnter meisterbafter Weife vorgetragene zun- dende Festrede von 1)r. Dulk. Beide Feste waren von zusam- men über 1000 Personen besucht und ergaben den tröstlichen Beweis, daß die Sozialdemokratie auch hier, trotz Allem, in stetigem Wachsen und Erstarken begriffen ist. C. F. Irankfurt a. M. Mittwoch, den 9. Januar, tagte hier eine so stark besuchre Volksversammlung, wie wir sie hier kaum je zu sehen G-legendeit hatten. Die brennendste aller gegen- wältigen politischen Fragen:„Die orientalische Frage" stand auf der Tagesordnung und hatte Genosse Frohme das Referat übernonimen. Nach Frohme, dessen scharfer Kritik der Bis- marck'schen Pol tik die Versammlung unter großem Beifall bei- pfliattete, nahmen noch die Hrn. Zollinger, Professor Gambs und Opificius das Wort, um sich im Sinne der Frohme- fchen Ausführungen zu äußern. Zum Schluß nahm die Ver- sammlung folgende Resolution einstimmig an:„Die Volksver- fammlung macht es den sozialdemokratischen Abgeordneten des deutschen Reichstages zur Pflicht, sofort bei Beginn der nächsten Session desselben Aufschlüsse zu verlangen über die Politik der deutschen Reichsregierung, besonders insoweit dieselbe die orien- talische Frage betrifft. Sie dürfen sich dabei der moralischen Unterstützung der Majorität des deutschen Volkes versichert halten." Der zweite Punkt der Tagesordnung:„Das Arbeiterschutz- gesetz im deutschen Reichstage", fand nach kurzem, aber doch eingehenden Referat des Herrn Frohme durch Annahme folgen- der Resolution seine Erledigung:„Die heutige Volksversamm- lung erwartet von den sozialdemokratischen Reichstagsabgeord- nct-n, daß sie in der demnächst beginnenden Session mit aller Entschiedenheit eintreten für das Zustandekommen eines allen rechtlichen Ansprüchen genügenden Arbeiterschutzgesctzes resp. Aus- dehnung desselben auf die Bauhandwerker." Aschatz, 14. Januar. Sonnabend den 12. d. M. sprach hier Genosse Hadlich aus Leipzig über:„Die Soziaidemokratie und ihre Feinde" in einer von ungefähr 500 Personen besuchten Volksversammlung. Hören wir nun einmal spaßeshalber, wie sich die„Leipziger Volkszeitung", das von der sächsischen Fort- schrittspartei, also von den eigenen Porteigenossen auf den Index gesetzte„Fortschrittsblatt" über den Vorttag Hadlich's ausläßtt „In zweistündiger Rede wiederholte unter der Flagge„die Sozialdemokratie nnd ihre Feinde" Herr Hadlich aus Leipzig alles, was hier am Orte tcon ihm und seinen Parteigen ossco schon zu öftesten gesagt worden ist. Zuerst zog er gegen dit „Sozialcorrefpondenz"(Zeitungsfutter genannt) oon vr. Böhmers danach gegen den antisozialdemokratischen Congreß und endlich gegen den„Staatssozialisten"(Organ der Stoeckerpartei) und ir bekannter Weise gegen die Fortschrittspartei los. Beim Letzterei gedachte er auch der Hirsch Tuucker-Gewerkoereine und bezeichnetl alles zu ihrem Vortheile darüber Gesagte als Lüge und Schwindel Für die meisten seiner Zuhörer bot der Vortrag nichts Neues Es war eine allbekannte Wiederholung dessen, was dazu dient die Massen„unzufrieden zu machen", was Redner auch als eine Hauptaufgabe der Sozialdemokraten hinstellte.— Bei der Beschimpfung der Fortschrittspartei kam Herr Hadlich auch auf vie Wahl des Sozialisten Brätter in Gera zu reden und meinte, daß bei der zweiten Wahl auch die Fortschrittler mit der reaktiv- nären Masse gegangen seien, um den verhaßten Baterlandlose» nicht in den Landtag kommen zu lassen. Hier glauben wir jedoch, daß der Herr Hadlich falsch unterrichtet ist. Sooiel wir wissen, haben sich die Fortschrittler der zweiten Abstimmung ent- halten, weil sie der Ueberzeugung waren, daß ein Recht zur Cassirung der ersten Wahl nicht vorlag. Zum Schlüsse sei nun noch für Herrn Hadlich im Interesse seiner eigenen Sache her- vorgehoben, daß Disposition, edlere und reinere Ausdrucksweise, Sicherheit man überall cm Vortrag vermißte und Wiederholungen sich nur zu oft bemerkbar machten." Vorstehender Bericht ist von Herrn Lehrer Arnold hier der „Leipziger Volkszeitung" zugesandt worden und glauben wir gern, daß der Vortrag Hadlich's den fortschrittlichen Ohren dieses Herrn nicht zusagte; bezeichnend ist aber, daß trotz mehrmaliger Aufforderung seitens des Vorsitzenden fich kein Gegner zum Wort meldete, und auch Herr Arnold nicht den Muth hatte, seine Partei zu vertkddigen. Freilich, es ist bequemer, vom Schreibtisch aus den Gegner zu bekämpfen, als in offener Volks-' Versammlung Mann gegen Mann sich gefallen lassen zu müssen -rck absurdum geführt zu werden, wie dies dem Herrn Arnold bei früheren Gelegenheiten geschehen ist. Die Versammlung hat übrigens durch den ungetheilten Beifall, den sie dem Vortrage spendete, gezeigt, daß sie mit Allem, was der Redner ausführte, einverstanden war. Nur öfter derartige Versammlungen abge- palten und den Leuten wird bald klar«erden, daß der allein wahre Fortschritt bei der Sozialdemokratie zu suchen ist. In Bezug auf die Landtags wähl rn Gera ist zu bemerken, daß der Redner die Mdnung aussprach, die Fortschrittspartei habe sich bei der G raer Landtagswayl nur um deswillen der Abstimmung enthalten, weil sie einer Niederlage gewiß gewesen sei. Ottensen.(O-ffentliche Quittung über eingegangene Gelder zur Deckung der Kabttchulden im 6. schleswig-holstemüchen Wahlkreise) Von Neele's Fabr-k M. 5,05; durch Schulz von Dunkelmann's Fabrik 10,60; von Bire's Fabrik 8,00; durch Grewe von Stein's Fabrik 15,25; durch Brohl von Heß' Fabrik 5,00; von Quasl'k Fabrik 18,00; von Ha- drowT Fab. 0,C0; a. Varch'- Fabrik 15,35; d. Doutinc aus Glückstadt 11,50; d. Hörig aus Barmstedt 15 00; o. Funk 0.50; v. Hanien's Fabrik 30,00» v. Lauge'S Fabrik 12,00; von Drogmeyer's Fabrik 6,00; v. Möhrmg letz:e Ra e 16,00; v. Füge 13,40. Ten 13. Januar 1878. D. Köster. F. Heerhold. Briefkaste« der Redaktion. C. F. in Reutlingen: Rohleder„sitzt" noch.--{ der Expedition. S. Brgr. in Ober- Cunewalde: Wenn Ihne». eine Nummer ausbleibt, reklamiren Sie bei der Postexpedition, bei der Sie obonmrt haben.— E. S„ Steltin: Der complelte Jahrgg 187? d-r„Neuen Welt" kostet in eleganter rolhrr Decke gebunden incl. Port» Mk. 6,40. Quittung. Arbeiterbildungs-Verein London 50,00. NM Düss l- dorf Ab. 8,00. Wsk't Düsseldorf Ab. 2,10. Ch. Ostermann Mariilly Ab. 4,80. Tttlbn Alfeld Ab. 3.60. Arbeiter-Bild.-Verein hier Ann. 2 40. Prbstl München Ab. 280,00. Lnd Hamburg Ab 100,00. Dßbch Hanau Ab. 1,80. Zhtnr Darmstadr Scbr. 27,30. Pllk Weiß- tirchen Ab. 9,27. Plr Aamont Ab. 1,70. Hrld Nadworna Ab. 1,70. Trst hier Ab. 0,80. E ll Schwab. Hall Schr. 16,90. Sprngr Olden- bürg Schr. 10,50. Ullrch hier Ab. 139,70. Lhmnn hier Ab. 14,35. Schlz Erfurt Ab. u Schr. 30,00. Mllr Weichenbach Schr. 35,00. Prß Me dling Ab. 18,96. Wst Christvphsgrund Ab. 17 55. Kizgr Rittersfeld Ab. 4,09. Kng Crefeld Schr. 0,80 Pschn Slockum Schr. 3.60. Rhd Sigmaeingln Schr. 2 40. Frb Pbstlthn Sch-. 1,10. Fnk Hannover Schr. 7,50. Khn Jockgrün Schr. 0,70. Whdr Steinach SÄr. 3 00. Zn'hn Mülheim Schr. 5 50. Ehbrg«lraßburg Schr. 1,oO. Anzeigen zc» Molto:„Alle Menschen gleich geboren, Sind ein adliges Geschlecht." Die Neue Gesellschaft, reich?« Mitarbeilern heben wir hei vor: A. Bcbcl, W. Bruck, Ludw. Büchner, Dietzgen, A. Dulk, Fabian. H. Greulich, Jul. Guesde, Frau Guillaume, M. Lehn, P. Losiau, C. Lübeck, Joh. Most,. A Mulbergcr, De Pacpe, Polistcr, A. Schaffte, G. Schau- mann, Maria di Santaria, Ed. Sack, Specht, Stamm, S. Bogclin, F. Wiede u. v. a. Die„N. G." erscheint in Monats« hesien, elegantester Ausstattung, 3— 4 B-'gen stark. Lexicon- Octav. Abonnemenlspreis pro Quartal M. 3,00. Zu beziehen direkt durch die Expedition der Zeitschrist, die Post und alle Buchhandlungen; in Leipzig durch die Expedition des„Vorwärts". Zürich, im Januar 1878. Vertag der„Aeuen Hesessschst". Die bürgerliche Gesellschaft. Ein Vortrag gehalten vor freireligiösen Arbeitern des Wupperthals i» Elberfeld- Barmen von Joseph Dietzgen. Preis 10 Pf. Leipzig. Die Expedition des„Vorwärts"' Verantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipzig. Redaktion und Expedition Färberstraße 12. II in Leipzig. Druck und Verlag der Genossenschaftsbuchdruck-r-i in Leipzig.