Erschnni in Leipzig Mittwoch. Freitag, Sooatag. AbonncmcatspeeiS Va Tell�ch'.ano 1 l'i. 69 PZ. tto Quartal. Monats• ÄdouuemcntS ««Dcri bei allen dentjchen Poftanstaltm «ttden S. und 3. Monat, und aus den S.Monat besonders ailgenomnien: im Srätliflt. Sachsen und Herzogth. Sachsen« STttnbutg auch auf den lten Monat des Quartals k 54 Pfg. .„ Inserate Sttt. Bersammluugen xr. Petitzeile 10 Ps, »tr. Privatangelegknl�ite» und Fest« rrö Petitzeile 3U Ps. VtsteLultgtll nehmen an alle Postanstalten und Buch» Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. Rew-Norl: Soz.-demokr. Genossen« schastsbuchdruckerei, lös Dickl iches Str. Philadelphia: P. Haß,«30 North S'O Street. I. Boll, 1123 Chnilotte Str. Hnholen N.J.: F. A.. Serge, 215 Washington Str. llhicag»: A. Lanscrinao», 74 Qtxhvurne»?». San Franzisco: F. Enh, 44» O'Farrell Str. London W.; 6. Henze, 8 New tr. Gahlen Square. Genirat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 11. Sonntag, 27. Januar. 1878. Abonnements aus den„Vorwärts" Kr die Monate Februar u. März zu- 1,10 M. werden bei allen oeutschenPostan st alten, für Leipzig pr. Monat zu 60 Pf. bei der Expedition, Färberftr. 12 II, unserm Colporteur M.Ulrich, Hohe Str. 23, Hof Part., in den Filialen: Cigarrenladen desHrn.PeterKrebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkst, am Königs- platz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: für «»kkmarsdorf, Oeudnitz, Aeufchönefeld:c. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr., für ßonnewitz:c. bei H ackert, Kurze Str. 10 pari., für Kleinzschocher u. Umgegend bei Trost, Hauptstr. 10/1, für Thonberg bei B ö s ch, Hospitalstr. 39/11, Leipzig, Hleurendnitz bei Zschau, IS I, für Ulagwih» Lindenau bei Frau Gräfenstein, Aurelienstr. 3, für Köhlis k. bei A. Hermsdorf, Lindenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Papiermühle, angenommen. Für A erlin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf., frei in's Hans abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8», und bei Rubeüow Brunnenstr. 34, im Laden. Vorwärts! Schreckliche Krisen wüthen bereits feit länger als vier Jahren auf dem Gebiete der Industrie und des öffentlichen Verkehrslebens. Zu der ökonomischen Krise ist die politische hinzugeireten. Die bange Kriegserlvartung zuerst und dann der darauf folgende Krieg haben seit fünfzehn Monaten die Produktion, die sich wie- der zu erholen begann, gelähmt und eingeschränkt, ja stellenweise völlig zum Aufhören gebracht. Seit neun Monaten ist der ganze Osten von Europa ein Schauplatz grauenhafter Verwüstung durch Mord und Flammen. Obwohl diese Blutbäder, die selbst wilden Thieren ein Grauen einflößen könnten, bereit? neun Mo- nate gewährt haben, ist das Ende der Metzeleien noch immer nicht abzusehen und ganz Europa läuft Gefahr, hineinge- zogen zu werden in diesen gräßlichen Todtentanz. Wer will solche Gräucl? Das Volk? Sie find sein Tod.— Die Ju- dustrielleu? Mit sehr w-ingen Ausnahme» haben geraoe sie dar- unter zu leiden. Wer ist es denn sonst? Ein halbes Dutzend Könige und Minister, welche sich einbilden, die Erde nach ihrem Belieben zerstückeln und die Völker nach einer politischen oder religiösen Schablone zustutzen zu können,— ein halbes Dutzend Könige und Minister, umgeben von einer Meute heißblütiger Offiziere, umgeben von Pfaffen, Bankiers und hohen Staatsbe- amten, die schon vom Mutterleibe an mit einem unersättlichen Gelddurste behaftet sind. Und die große Menge, welche sie drängen und drücken, und von der sie doch leben, was thut sie? Sie zahlt, weint und stirbt. Zehntausend Meilen von uns entfernt, an dem uns entgegen- gesetzten Ende der Erdkugel, büßen auf einer Insel des stilleu ,.,...v... u.t,ruryioar-iroaenen unzugänglichen Einöden schon|tit fünf Jahren ihre Erhebung gegen diese Herren, die heute der Menschheit zur Ader lassen. Weniger glücklich als ihre 25,000 Kameraden, deren Leichen die Pariser Friedhöfe an- füllen, sehen sie ihrer langsamen Auflösung entgegen, gleichwie der Kranke, welcher die Krankheit stufenweise von seinen Füßen bis zum Herzen steigen fühlt. Jede von Neukaledonien anlan- gende Post bringt die Kunde von neuen Sterbefällen und Selbst- morden; es vergeht fast keine Woche, ohne daß in einigen jener ärmlichen Mansarden in Paris, die Frau, das Kind, der Vater oder die Mutter eines dieser unglücklichen Menschen in Cale- donien aus Kummer und Elend stirbt. Diese Geächteten, sie hatten wie ihre Kameraden die ewig unverjährten Menschenrechte für alle Völker der Erde gefordert. Auf allen ihren Fahnen stand zu lesen:„Hoch die Welt-Rcpublik!" Sie hatten es mit rothen Lettern an die Säule der Bastille geschrieben.„Ich wünsche ebensosehr die Freiheit für die übrigen Völker wie für Frankreich", sagte einer jener Männer zu einem Feinde der Freiheit. Einer ihrer Offiziere schrieb an den Führer einer Ab- theilung:„Bürger, leisten Sie mit aller Ihnen zu Gebote stehen- den Macht Widerstand, denn Sie wissen wohl, daß wir hier tzjx Interessen der Menschheit zu vertheidigen haben." Und Milliere rief, als er, von einer Kugel zum �vde getroffen hinsank:„Es lebe die Menschheit!" Waren vnrf* v�fche Phantasten oder Leute mit praktischem Verstände, r"018 zu den Völkern sagten:„Ihr müßt Eure eige- ■.• sein"? Die wahnsinnigen Orgien, welche das i* V«w?le�Un94Jh�em feiert, denen wir theils als Zuschauer, theils � 5°»'». Thun jener Hel- a, für diese Männer die große Menge des Volkes gethan, für das sie sich doch geopfert haben? Nichts.— Wohl hat man jenen Braven in den Zeitungen und in Zu- sammenkünsten Lob gezollt und Beifall aespendet.- Eitles Gerede.� Viel Geschrei und wenig Wolle! Tort unten sterben sie weg, einer nach dem andern, und von rhuen dieser und jener vielleicht mit den Worten:„Sozialismus, Solidarität, ihr seit nur leere Worte!" Es giebt also Niemanden in Europa, der es unternähme, jene Opfer zu retten? Die Arbeiter find also nur eine verwor- rene Masse, nicht fähig, sich zu einer gemeinsamen Anstrengung zu vereinigen? Die sozialistische Partei wäre also, wie die Reaktionäre auch sagen, nur ein bunt durcheinander gewürfelter Haufen von Sekten und Cliquen, die gegeneinander schreien und brüllen, die ihren wahren Feind vergessen, um ihren Nachbar zu fassen? Daß die französische Sozialdemokratie keinerlei Kund- ' gebungen wagen darf, ist sehr begreiflich.— Seiner edelsten Glieder beraubt, ohne Bcreinigungs- und ohne Assoziationsrecht, ohne eine Parteipresse, gehetzt und verfolgt von den Kriegsge- richten, die noch immer nicht abgerüstet haben, verleumdet von den Führern der Linken, die es noch immer verstehen, die Massen zu nasführen— umschmeichelt von einzelnen Ehrgeizigen, die ein? Rolle spielen möchten, kann der Sozialismus in Frankreich nichts anderes thun als abwarten, bis neuer Lebenssaft seinen Körper durchrieselt. Daß der Sozialismus in England sich noch im latenten Zustande befindet, ist bekannt. Dm englischen Trades-Unions, die unter der Leitung und Verwaltung von Schmarotzern stehen, welche von ihnen leben, halten sich fern von jeder Solidarität, und zwar nicht allein fern von der internationalen sondern auch von der nationalen Solidarität; sie haben die Bewegung in der Landbevölkerung ersterben lassen, sie haben die Vereinigung»- vorschlüge zurückgewiesen und werden niemals von ihrem Egois- mus frei werden— es sei etwa, daß sie durch unvorhergesehene Katastrophen dazu gezwungen würden. Aber in Deutschland! Deutschland, das eigentliche Boll- werk des Sozialismus, mit seinen ansehnlichen Arbeiterbatail- lonen, seinerParteipresse, den sozialistischen Tagesblättern, Wochen- schriften, illuftrirten Zeitungen, Deutschland mit seinen ge- schulten Rednern, mit seinen 12 sozialistischen Abgeordneten, welche von der National Tribüne herab den Ruf nach Vereint- gung können ertönen lassen, die deutsche Sozialdi mokratie mit ihren 600,000 gut disciplinirten und von gesundem Enthujias- mus erfüllten Kämpfern in Stadt und Land, die zur gegebenen Zeit mit der unerbittlichen Gewalt'des stürmischen Meeres handeln können,— Teutschland sollt: nicht helfen können? Sozialdemc- kralen Deutschlands! Die Söhne von Paris verstanden es, ohne! jegliche Vorbereitung ohne Schulung als Helden zu handeln,' und Ihr mit Eurer vortrefflichen Organisation, Ihr solltet es nicht verstehen, Sieger zu sein, wenn Ihr es nur wollt?! Wollen heißt für ein Volk handeln. Warum also diese Lähmung innerhalb der deutschen Sozialdemokratie? Was fehlt ihr denn? Etwa die Macht und Stärke? Nein. Wohl aber das Bewußtsein ihrer Macht und Stärke. In der Mitte des 16. Jahrhunderts brach in dem Lande der Sklaverei pur excellence, in Frankreich, La Boötie, ein junger Mann von 25 Jahren, begkistert von der jungen Epoche, die in Wahrheit den Namen„die Zeit der Wiedergeburt"(re- uaissanee) verdiente, in die Worte aus:„Arme und bedaucrns- werthe Menschen, thörichte Völker, Nationen, die ihr hartnäckig seid, wenn es sich um Evern Nachtheil, blind aber, wenn es sich um Evern Vortheil handelt, Ihr laßt Euch das schönste und klarste der Euch zustehenden Rechte vor Euer» Augen'weg- nehmen(empörter devant vous).... Und all' dieser Schaden, dieses Unglück, diese Zerstörung, geht von Dem aus, der, so mächtig er auch sein mag, doch nur Euer Geschöpf ist. Als Mitschuldige des Mörders, der Euch mordet, als Verräthcr an Euch selbst, zieht Ihr Eure Töchter groß, damit er sich ihrer bedienen kann, um seiner Wollust zu fröhnen, zieht Ihr Euere Söhne groß, damit er sie in Kriege führe, damit cr sie! zum Massenmord treibe, damit er sie zu Dienern seiner Gelüste i und zu Vollstreckern seiner Racheakte m.che... Zudem ist es; nicht einmal nöthig, daß man diesen Tyrann direkt bekämpfe,> man braucht ihm nur nichts mehr zu geben. An den Völkern liegt also die Schuld, wenn sie unterdrückt werden, da sie schon befreit wären, wenn sie nur aufhörten zu dienen." Und diese seine Rede, in welcher cr den Völkern die Ver- sicherung gab, daß sie, um frei zu sein, nur aufhören müßten, dem Tyrannen ihre Arbeit und ihre Kraft zur Verfügung zu' stellen, deren er sich bediene, um sie zu Sklaven zu machen, � diese Rede betitelte La Boötie„Die freiwillige Sklaverei." Damals im 16. Jahrhundert, wo das Volk, bedrückt und gequält von tausend großen und kleinen Tyrannen, ohne alle Einficht und gegenseitigen Berkehr, nicht im Stand war, einen vernünftigen Gedanken zu fassen oder mit anderen in Verbindung zu bringen, damals und unter solchen Umständen war dieser Vorwurf ein ungerechter. Was vermochte der an die Scholle gebundene Leibeig-ne, der unter der Peitsche stand— was ver- mochte der in seine Werkstätte eingesperrte Handwerker, der unter dem drückenden Joch einer Zunftkörpcrsch aft stöhnte— was vermochten sie ohne Anregung von Außen, ohne Belehrung, ohne direkten Einfluß auf ihre Herren? Aber jetzt, am Anfange des 19. Jahr- Hunderts, wo die Arbeiter zehn Revolutionen zu Führerinnen haben, in weniger als hunvert Jahren schon so oft die Aristo- traten die Wucht ihrer Faust fühlen ließen, jetzt, wo der unge- heure Mcnscheuandrang zu den Städten und die Centralisation auf dem Fclde der Industrie ihnen es möglich machen, sich zu verständigen, die Lösung der sozialen Frage in die Hand zu nehmen,— kann man heute, wo dies alles der Fall ist, nicht sagen, daß die Knechtschaft der Menschen nur von ihnen ab- hängt? Im Jahre 1819 zeigte St. Simon in seiner berühmt gewor- denen„Parabel", wie Frankreich alle seine Fürsten, seine hohen Offiziere, seine Minister, seine Pfaffen, seine Präfetten, Richter und die 10,000 besser situirten Eigenthümer, zusammen 30,000 Personen, verlieren könnte, ohne daß daraus irgend ein Unglück :n politischer Hinsicht entstünde, während durch den Verlust seiner 3000 besten Gelehrten, Künstler und Landbebauer, Fabrikanten, Commis und Handwerker es ein Körper ohne Seele würde.! ! Heutzutage hat die mit Nothwendigkeit herbeigeführte Tentra- i lisation der nöthigsten gcsellsckaftlichen Arbeit das gesellschaftliche Leben in die Hände der verschiedenen Arbeitergruppen gegeben: i Wenn die Eisenarbeitcr sich weigerten in die Eisenhütten und Schmieden zu gehen; wenn die Eisenbahn- und Kanalarbciter sich weigerten, ihre Posten einzunehmen; wenn die Postbeamten sich weigerten, auf die Bureaus zu gehen; wenn die Seidenweber sich weigerten, ihre Webschiffe in Gang zu bringen; wenn die Buch- druckcr sich weigerten, die Winkelhakeu zur Hand zu nehmen; wenn die Arbeiter der Hochöfen sich weigerten, die Hochöfen zu speisen(auf diese Beispiele will ich mich beschränken)— wäre dann nicht das ganze gesellschaftliche Leben total aufgelöst? Und würde es denn für diese Arbeiter so schwierig sein, sich zu«erständigen? Wären sie wohl, da Niemand ohne sie leben kann, auf söge- nannte Strikekassen angewiesen? Könnte man gegen sie wohl die geringste Gewalt in An- Wendung bringen? Würden mcht vielmehr schon binnen 24 Stunden jene Herren sich genöthigt sehen, den Arbeitern nachzugeben? Könnten sie dann nicht auch gleich günsttge Bedingungen für die anderen Arbeiter, deren Dienste nicht so unmittelbar nöthig sind, auswirken? Was fehlt also den Arbeitern? In Amerika die Organisa- tion, in Europa die Aktion. Wir haben vor Kurzem gesehen, wie in Amerika die Eisen- bahnarbeiter in einem ernsten Kampfe besiegt wurden, und zwar einzig und allein besiegt in Folge des Mangels an Einverständ- niß. Werden sich in Deutschland die Arbeiter bei ihrer starken Organisation darauf beschränken, den Takt anzugeben?(ü marguvi le pas.) Kameraden, was nützt es Euch, daß Ihr Eure Kraft an- häuft, wenn diese Kraft sich nicht durch Thaten dokumentirt? Was nützt es Euch, daß Ihr hinsichtlich Eurer Zahl, Eurer Disziplin und Zucht die mächtigste sozialistische Armee der Welt seid, wenn Ihr die Tyrannen unbehindert ihre Schlächtereien sollt weiter betreiben lassen? Vorwärts! Vorwärts! Sagt nicht:„Wir wollen uns noch vorbereiten." Ihr seid schlagfertiger als Ihr es glaubst, und Eure Feinde fürchten Euch mehr als Ihr v.rmuthet. Ein großer Kricgsmann sagte:„Es ist nicht immer gut, zu verstä'dig in die Schlacht zu ziehen." Zeigt Euch! Die Stunde ist gekommen. Duldet nicht, daß der blutige Schandfleck des Ostens sich über ganz Europa ausdehnt. Laßt Eure Brüder in Caledonieu, die für Euch gekämpft haben, nicht hilflos in's Grab sinken. Wohl muß die Freiheit ihre Märtyrer haben, wohl müssen Viele sick für die Befreiung des Volkes in die Gefängnisse werfen lassen; Pflicht des Volkes aber ist es, den Seinen zu Hülfe zu kommen. Der Sozialismus wird seine ganze Macht erst dann beweisen, wenn er die Garantie für die Gegenwart übernimmt und die zerstreuten Trümmer der Vergangenheit sammelt. An's Werk! Eilt! Die Kriegsfurie schickt sich an, auch hier Generalmarsch zu schlagen. Dort unten wird das Röcheln der Opfer von Stunde zu Stunde schwächer. Sozialisten vorwärts! London, im Januar 1878. Lissagaray.*) Heber die Lage der Elementarlehrer in Preußen. Von einem Lehrer. Die meisten Leser werden sich noch der großen Freude er- innern, mit welcher der Rücktritt des Herrn v. Mühler als preußischer Cultusminister und die Ernennung Dr. Falk's zum Nachfolger desselben nicht nur von den Lehrern, sondern von allen, die es wohl mit dem Volke und der Schule meinten, be- grüßt wurde. Hatte doch der für die deutsche Nation unfehlbare Bismarck selbst den Hrn. Falk empfohlen und ihm somit den Stempel der Unübertresflichkeit aufgedrückt. Auf Falk setzten die Elementarlehrer ihr ganzes Vertrauen, von ihm hofften sie Erlösung von dir bittersten Armuth, die aller Beschreibung spottet. In dem Kampf ums. Dasein hatten die Lehrer den Mnth, in geschlossenen Reihen vorzugehen und ihre Wünsche an der rechten Stelle vorstellig zu machen, verloren; geistig und körperlich durch ihre drückende Lage abgespannt und daher untüchtig zu jeglicher politischen Bedeutung, lebten die meisten in ihrem Wirkungskreis dahin, geknechtet von einer herrschsüchtigen und feigen Geistlichkeit. Wenn trotzdem sehr oft von„liberalen" Zeiiungen mit einer gewissen Ironie gemeldet wurde, daß hier oder dort ein Lehrer seine Stelle verlassen habe, ohne vorher nur seinen Mittagstisch bezahlen zu können, wenn selbst von vielen Unterstützungs-Verelnen, welche die Lebrer unter sich zur Abhülfe ihrer Roth gegründet haben, in dem Rcchnungsbericht am Schluß des Jahres constattrt werden mußte, daß viele Mitglieder ihre jährlichen Betträge nicht haben ent- richten können, weil ihre Stellen so schlecht dotirt sind, daß sie sich nur mit Kummer haben nähren können— wen sollte da nicht tiefer Abscheu gegen die bestehenden Verhättnisse ergreifen?! Wer wollte sich deshalb nicht mit den Lehrern freuen, als Herr v. Mühler den Wanderstab ergriff und Dr. Falk seine neue Stellung antrat?„. Hat nun Dr. Falk im Verein mit der liberalen Partei dem Rothstand der Lehrer Abhülfe verschaff-? Gehen wir im Geiste nur einmal die Verhandlungen im Abgeordnetenhaus durch, wo von Schulfragen die Rede war, und erinnern wir uns nur, in welcher Art und Weise jene Fragen behandelt wurden. Groß- müthige große Herren gaben wohl zu, daß das Gehalt eines Lehrers zu niedrig sei, da ja ihr erster Kutscher einen höheren Lohn beziehe. Der Abgeordnete Kiesel— der ja selbst Ele- *) Von dem Geschichtsschreiber der Commune für den wäris" geschrieben. mentarlehrer war— begnügte sich mit Lobreden auf den Cultus- minister; er sprach über dessen gute Gesinnungen und über die Zukunft der Volksschule. Diese Lobreden— nebenbei bemerkt— scheinen dem Cultusminister gefallen zu haben, denn vor kurzer Zeit ist Herr Kiesel zum Seminarlehrer befördert worden. Wenn mir nicht irren, hat er das vorgeschriebene Examen nicht abgelegt. Der Cultusminister selbst tröstete mit dem nahen(!) Unterrichts- gesetz. So ging man denn zur Tagesordnung über. Die„Libe- ralen", denen sich die Lehrer in die Arme geworfen hatten, schwiegen alles todt, sie schienen nichts wissen zu wollen. Wie gut die Elementarlehrer bei den„Liberalen" aufgehoben sind, hat vor kurzer Zeit ein tragischer Fall in Kassel bewiesen. Als nämlich ein dortiger Lehrer gerechte Besch verden gegen den städtischen Schulinspektor, Hofrath Dr. Hochhut, durch die„Hes- fische Morgenzeitung"— ein entschieden„liberales" Blatt— an die Oeffentlichkeit brachte, kannte die königliche Regierung zu Kassel den Verfasser jenes Artikels schon vor dessen Erscheinen. Man war mit Recht hierüber erstaunt und empört und ging der „Morgenzeitung" zu Leibe. Da beichtete sie kleinklaut, daß sie in Schulsachen einen Herrn von der Regierung als Vertrauens- mann habe, der solche Aufsätze vor ihrem Erscheinen erst durch- sehe. Dieser Vertrauensmann ist zugleich der Vorgesetzte aller hessischen Lehrer. Kann nun solch eine„liberale" Zeitung nicht auch aus andern Regierungs- Abtheilungen einen Herrn Rath als Vertrauensmann haben? Und wer wollte dann noch Artikel an solche Zeitungen einschicken? 9) Abschaffung der Arbeitsbücher. den Mittel betrifft, was ferner die Art und Weise betrifft, auf 10) Aufhebung des Artikels 1781 im Civil-Gesetzbuch, welcher welche wir unsere Stimme nicht nur vor der Bevölkerung, son- lautet:..Den Meistern(Arbeitgebern) wird auf ihre Versicherung dern auch vor der Regierungsgewalt wollen erschallen lassen, so hin Glauben geschenkt in Betreff des Betrags der Löhne ic. werden wir uns zu diesem Zwecke der Volksversammlungen, der 11) Umgestaltung des Gesetzes über die gewerblichen Schieds- öffentlichen Kundgebungen, der Massenpetitionen und, soweit als gerichte auf der Grundlage der Demokratie und Gleichheit. 12) Abschaffung der Kinderarbeit, gesetzliche Regelung der Knabenarbeit, indem ein Maximum(längste Frist) für die Dauer der täglichen Arbeitszeit festgesetzt wird, ebenso wie ein bestimmtes Alter, unter welchem jugendliche Personen(uäolvsoeuts) in in- dustriellen Etablissements nicht beschäftigt werden dürfen. 13) Gesetzliche Regelung der Arbeit der Erwachsenen(der Männer und Frauen) insbesondere in allen der Gesundheit nach- theiligen Industriezweigen; Verpflichtung für den Arbeitgeber, in den Werkstätten, Bergwerken ic. alle von der Wissenschaft fest- gestellten Gesundheitsmaßregeln zu treffen. 14) Strenge Hastpflicht der Prinzivale bei Unglücksfällen, welche den Arbeitern während ihrer Arbeitszeit und in Aus Übung ibrer Arbeit zustoßen. 15) Beseitigung ver Concurrenz, welche der Privatindustrie durch die Gefängniß- und Klosterarbeit geschaffen worden. 16) Einführung eines Normal-Arbeitstages(im Einklang mit den zur Wiederherstellung der Körperkräfte, sowie zur Entwicke- lung der intellektuellen und moralischen Anlagen des Menschen nothwendigen Bedürfnisse); und zwar soll dieser Normalarbeits tag gesetzlich bindende Kraft erhalten für alle Arbeitsplätze, Die strenge Controlle über die Lehrer ist keineswegs beseitigt Werkstätten, Eisenbahnen, die dem Staate, der Provinz oder der oder vermindert worden. Durch die Schulinspcktoren wird jede Einmischung in Politik sireng geahndet, wie uns die Bekannt- machung des Oberschulinspektors zu Köln bewiesen hat. Man ist in der Ausübung der Controlle über die Lehrer sehr erfin- derisch. Den größten Fortschritt hierin hat indeß doch der königliche Landrath zu Rinteln in Hessen gemacht, der die Lehrer seines Kreises noch vor nicht langer Zeit unter Aufsicht der Gensdarmcn Commune gehören, und insonderheit bei allen Arbeiten des öffentlichen Verkehrswesens, da es die Pflicht des Staates und der Communen ist, der Prioatindustrie in dieser Hinsicht mit einem guten Beispiel und mit der Anregung voranzugehen. 17) Aufhören der Conzessionsertheilung zu Bergwerken, Eisen- bahnen k. an Kapitalisten- Gesellschaften. Rückkehr der Berg- werke und Eisenbahnen in den Besitz des Staates, welcher- mit stellte. den Arbeitern und Beamten dieser Industriezweige in Verbin- Mit banger Sorge können wir dem neuen Schulgesetz dung zu treten hätte, um hier die genossenschaftliche Arbeit ein- entgegensehen. Vernünftig wäre es doch, daß alle Schüler eine zuführen. gemeinsame Elementarschule besuchten; diejenigen, welche eine 18) Die Verwaltung der gesetzlich in diesen Industriezweigen höhere Schule absolviren wollen, gingen aus der gemeinsamen gegründeten Versicherungskassen soll wieder in die Hände der Elementarschule mit einem gewissen Maß von Kenntnissen in die Arbeiter gelegt werden. Diese Verwaftung soll unter die Ober- höhere Schule über. Anders jedoch will es Falk in dem neuen aufsicht von Staatsbeamten gestellt werden, jedoch ohne jegliche Unterrichtsgesetz haben. Die schon lange auf dem Aussterbeetat! Einmischung der Prinzipale oder Chefs der industriellen Eta- stehenden Vorschulklassen höherer Schulen sollen auch künftig' blifsemcnts. bleiben, damit diese Schüler ja nicht mit denen armer Eltern! 19) Aufhören der Veräußerung von Gemeinde- und Domäne- auf eine Schulbank zu sitzen kommen. Auf diese Weise scheint.' eigenthum; allmählige Rückkehr in Gemeinbesitz des bereits ver Falk die Kluft zwischen den verschiedenen Klassen der Nation nur noch vergrößern zu wollen. äußerten Eigenthums dieser Art, dessen Besitzergreifung durch die Allgemeinheit ein dringendes Bedürfniß ist. 20) Abschaffung der indirekten Steuern; Einführung einer durch Das Manisch der s-ziaNstisch.n Partei in Braban.. � (Belgien). legien. (Schlub.) Wenngleich wir uns als politische Partei constituiren, um Von den Forderungen der Gegenwart, behufs deren Ver-, vorstehendem Programm zum Siege zu verhelfen, so halten>->ir wirklichung wir, je nachdem es die Umstände und das allgemeine; uns dennoch für verpflichtet, die Erklärung abzugeben, daß wir Wohl erfordern, den Kämpf aufnehmen werden, können wir nach- dieses Programm nur als Programm einer Vorbereitungs- stehende anführen: und Uebergangs- Periode betrachten— einer„Garantie- 1) Für alle belgischen Bürger das Stimmrecht, zur Wahl Periode", wie man es auch genannt hat.— Fürwahr, unser sowohl der gesetzgebenden Körperschaften, als auch der Provinzial- Ideal ist nicht die gegenwärtige gesellschaftliche Organisation, und Gemeindevertretungen. 2) Für alle belgischen Bürger die Gewährleistung des Rechtes der Wählbarkeft zu den Jurys(Schwurgerichten). 3) Obligatorischen, unentgeltlichen Unterricht in Elementar- schulen, die unter weltlicher Leitung stehen. 4) Demokratische Organisation des Fach-, Industrie- und landwirthschaftlichen Unterrichts. 5) Bollständige und radikale Trennung der Kirche vom Staat; demgemäß also auch Aufhebung des Artikels in dem Gesetz von 1842, welcher die Geistlichen zur Einmischung in die Angelegen- heiten der Schule berechtigt; Abschaffung des religiösen Eides, Säkularisation(Uebergehen in weltlichen Besitz) der Friedhöfe, Abschaffung des Cultus- Budgets K.:c. 6) Abschaffung der stehenden Heere, Reorganisation des Milizwesens durch Wehrhaftmachung aller waffenfähigen Männer. 7) Aufhebung des Gesetzes, betreffend die Fremden, besonders in den Punkten, die sich auf die Ausweisung politischer Flücht- linge beziehen. 8) Unbedingte Aufhebung eines jeglichen Gesetzes über die Strikes und Arbeiter-Coalitionen. selbst dann nicht, wenn sie erweitert und verbessert ist Erlangung einiger der Gesamintheft günstigen Garantien. Ziel, wclches wir im Auge haben, ist die Verwirklichung einer Gesellschafts-Organisaiion, welche, wie sich ein berühmter engli- scher Schriftsteller, John Stuart Will, ausdrückt,„die größt- möglichste Freiheit der Handlungen des Einzelnen vereint mit dem gemeinsamen Besitz der von der Erde erzeugten Rohstoffe und einer gleichmäßigen Antheilnahme Aller an den Wohlthaten der gemeinsamen Arbeit". Wir wissen wohl, daß mehrere von den Reformen, die wir anstreben, eine Verfassungsrevision erfordern; aber wir wissen auch, daß die belgische Verfassung Alles in Allem genommen nichts Anderes ist, als ein Symbol, ein gesetzlicher Ausdruck der Privilegien, die man als unüberstelgliche Schranke jedem Fortschritt entgegenstellt. Wir beugen uns in politischer Be- ziehung ebenso wenig vor dem Dogma, als wir dies in philo- sophilcher Hinsicht thun, weil wir wissen, daß der Stillstand mit den Naturgesetzen sowohl, wie auch mit den Gesetzen der menschlichen Veroollkommnungsfähigkeit unvereinbar ist. Was nun die uns zum thätigen Eingreifen zu Gebote stehen- Ein pädagogisches Buch. (Schluß.) Und nun ein anderes für uns sehr interessantes Kapitel: „Die Volksschule und die Nationalität." Wir werden dieses Kapitel unverkürzt hersetzen, um nicht einer willkürlichen Auslese beschuldigt zu werden: „Mehr Berechtigung als die Consession hat in der Volks- schule die Nationalität. Es läßt sich keine vernünftige Erziehung, kein vernünftiger Unterricht denken, ohne die Sprache und den Culturschatz der Nation, zu welcher das Kind gehört, oder welcher trieben wird. es einverleibt wird. Die Sprache, welche das Kind von seiner„Die höchste Norm Mutter lernt, und welche Sprache es in der Schule hört, ist eben die nationale; und woher sollten wir den Stoff zu unseren Lesebüchem nehmen, wenn nicht aus dem Schatze der National- litmtur? Wir beginnen ferner die Geographie und die Ge- schichte mit den heimathlichen und den vaterländischen Verhält- nissen. machen die Wohnfitze, die Schicksale, die wirthschaftlichen Angelegenheiten, die Culturzustände unserer Nation zum Mittel- punkte des Unterrichts. Und knüpfen wir nicht die Naturkunde eben an diejenige Natur an, welche uns umgiebt? Das Rechnen ferner geschieht vorzugsweise mit Münzen, Maßen und Ge- Wichten, welche bei uns gebräuchlich sind. In der Geometrie kommen die heimischen Längen-, Flächen- und Körpermaße zur Darstellung. Kurz: wo ist überhaupt ein zweckmäßig organi sirter Volk-. Unterricht, der' nicht national wäre, nicht national berechtigt ist, Genüge gethan. Vieles, was man sonst noch als „national" bezeichnet und empfiehlt, ist, sofern es gut, vernünf- tig, sittlich, der Würde und dem Wohle des Menschen gemäß ist, von den besten Gliedern aller Kulturvölker anerkannt und gilt nicht blos für die Deutschen, sondern auch ebenso sehr für die Engländer, Franzosen, Italiener u. s. w. Und in so fern ist das Beiwort„national" bei den Auedrücken„Erziehung" und „Bildung" gleichbedeutend mit vernünftig, folglich, da ja alle Pädagogik und Didaktik eben auf das Vernünftige gerichtet ist, ein bloßer Pleonasmus, mit welchem übrigens Mißbrauch ge- D.,.. für alle Erziehung und Bildung kann immer und überall nur das Ideal des Menschen, die möglichst vollkommene Ausgestaltung aller in der menschlichen Natur an- gelegten Entwickelungseinrichtungen sein. Nationalfehler sind stets Abirrungen von mcnschheitlichen Idealen, dürfen also nicht begünstigt, müssen vielmehr bekämpft werden. National« orzüge hingegen sind reale Ausprägungen menschheitlicher Ideale, sind also festzuhalten, zu pflegen und wo möglich über alle Völker zu verbreiten. Aber eine Jnthronisirung der Nationalität um ihrer selbst willen ist unvernünftig, unsittlich, barbarisch, verderblich und daher unberechtigt. Das Nationalitätsprinzip ist einer der bösesten Dämonen des Menschengeschlechts. Von jeher hat es zu fortwährenden Vernichtungskriege», zum Unheil und Untergang der Völker geführt. Sollte die Menschheit "' paß die einzelnen nach dem möglich, der Wahlagitation bedienen' In letzterer Beziehung hat die sozialistische Partei in Belgien noch nicht alle ihr zu- kommenden Rechte, so lange nicht Alle stimmberechtigt sind. Trotzdem aber machen wir, da viele Sozialisten wahlberechtigt sind, es denselben zur Pflicht, sich zusammenzuschaaren. sich zu ver- einigen und zur Zeit der Communalwahlen, der Wahlen in die Provinzial- Verwaltung und der Wahlen in die gesetzgebenden Körpeychaften(des Landes) ihre Stimmen nur für sozialistische Candidaten abzugeben oder doch wenigstens für solche Candidaten, die so weit Freunde der fortschreitenden gesellschaftlichen Ent- Wickelung sind, daß sie sich verpflichten, die praktischen Reformen, welche wir unter heutigen Umständen fordern, unter- stützen, so wie auch alle Beschwerdepunkte klarlegen zu wollen, deren unverzügliche Beseitigung wir zu verlangen ein Recht haben. Endlich müssen wir, wenn wir uns als politische Partei in Belgien auf gesetzlichem und constitutionellem Boden consti- tuiren, zur Steuer der Wahrheit auch eine zwiefache Erklärung abgeben: Erstens ist es keineswegs unsere Absicht, dadurch, daß wir in die politische Thätigkeit unseres Landes eingreifen, uns von der internationalen Solidarität loszusagen, im Gegentheil, wir bieten unseren Brüdern aller Länder die Hand zum Bunde. Ferner wollen wir dadurch, daß wir uns der verfassungsmäßigen Rechte und der zu unserer Verfügung stehenden gesetzlichen Mittel bedienen, keineswegs gesagt haben, daß wir die revolutionären Mittel für immer verwerfen und daß wir das Recht der In- surrektion(Volkserhebung) leugnen, ein Recht, dessen sich unsere Bäier, die flämischen und wallonischen Communalisten. so häufig bedient haben. Wenn man dem Volke trotz all seiner Beschwerden und Proteste hartnäckig die Beseitigung der Ursachen seiner berechtigten Unzufriedenheit verweigert, dann bleibt ihm nichts übrig, als von jenem Rechte Gebrauch zu machen. Und die Geschichte hat uns gelehrt, daß die Revolution oft der letzte Beweisgrund eines Volkes ist. ebenso wie die Ka- nonen der letzte Beweisgrund der Könige sind. Für die Verwaltungs- Commission: Die Sekretäre C. de Paepe und E. Steens. Sozialpolitische Nebersicht. — Zur„Friedensfrage", die nach wie vor eine sehr fragliche Frage ist, schreibt die amtliche„Provinzialcor- respondenz": „Mit gespannter Erwartung sind in diesem Augenblicke Aller Augen auf das russische Hauptquartier in Rumelien gerichtet, nicht mehr um über weitere Kriegsoperationen Aufschluß zu er- halten, sondern um die Kunde von den mehr oder minder nahen Friedensaussichten zu vernehmen. Früher als irgend Jemand es noch vor Kurzem, selbst nach dem Fall von Plewna, ahnen konnte, ist durch die gewaltigen Erfolge des kühnen Winterfeld- zuges der Russen ver Augenblick herbeigekommen, wo die Türkei ihre militärische Widerstandskraft erschöpft sieht und um Frieden bittet. Nachdem sie die V-rmittlung Europas, dessen Stimme die Regie sie vor dem Kriege nicht gehört hatte, und die besondere Ver- fspruch da m tlluiig Englands vergeblich angerufen hatte, mußte sie den /'abgebroch einzig möglichen Weg zum Frieden, den Weg unmittelbarer Ver-— � Handlung mit Rußland einschlagen. U-Seit einigen Tagen sind denn die Abgesandten der Pforte im Hauptquartier zu Käsanlik mit den russischen Feldherren ver- sammelt, um die Borbedingungen eines Waffenstillstandes zu verabreden. Da aber die wichtigste und entscheidende Voraus- setzung für den Waffenstillstand die wirkliche Bereitschaft der l. rtd zum Friedensschlüsse ist. so wird man in ernstm und erfolgreichen Waffenstillstands-Verhandlungen zugleich die Wahr- scheinlichkeit eines baldigen Friedens erblicken dürfen. „Der volle Abschluß freilich wird nicht durch die Ent« schließung der beiden kriegführenden Mächte allein bestimmt werden: die Lösung der in Betracht kommenden Fragen wird theilweise nicht ohne das Einverständniß und die Mitwirkung der europäischen Mächte erfolgen können. Aber die bisherigen Beziehungen unter den Mächten scheinen die Erziehung und nationalen Unterricht zu reden. Erziehet und unterrichtet vernünftig, d. h. nach den allgemein giltigen Gesetzen der Pädagogik und Didaftik, nach den Gesetzen der Menschen- bildung, so erziehet und unterrichtet ihr auch national! WaS darüber ist, was auf Fälschung der ethischen Gesetze, auf Beein- trächtigung der Humanität durch Nationaldünkel und National- haß, auf Gewaltthätigkeit und Unterdrückung hinausläuft, das ist von Uebel und kann dem deutschen Volk ebenso wenig zum Heil und zur Ehre gereichen, als irgend einem anderen. Das nattonale Element ist in Erziehung und Unterricht zur Geltung zu bringen, so weit es vernünftig, sittlich, edel ist; einer be- anderen Hervorhebung aber bedarf es nur dann, wenn es gegen ungerechte Angriffe vertheidigt, vor Verkümmerung und Fälschung bewahrt werden muß. „Besonders nachtheilig wird das Nationalftätsprinzip für das Schulwesen dann, wenn sich die Staatsgewalt desselben be- dient, um selbstsüchtige Zwecke zu fördern. „Wir schließen diese Betrachtung mit eiuem Worte Schleier- macher's:„„Zur EntWickelung der Nationalität darf nichts Besonderes geschehen, wenn fie in der alten Generatton da ist, außer insofern fremdartiger Einfluß abgewehrt werden müßte.""-- Was sagen unsere Nationalliberalen zu dieser Auffassung eines gewiß competenten und von seiner Aufgabe durchdrungenen Mannes?— Knaben wie Mädchen will Dittes bezüglich des Unterrichts beinahe völlig gleich behandelt sehen.„Auch im Hinblick auf ______„. das praktische Leben", sagt er,„muß man wünschen, daß das und der eigentliche Kern des Mädchen in der Hauptsache dasselbe lerne, was der Knabe lernt. ............__________ für immer dazu verdammt sein,.„.„ sein müßte? Er muß es' schon deshalb sein, weil er anschau- Recht des Stärkeren einander vernichten, weil eine jede;o bormrt (ich und daher an das Naheliegende geknüpft sein muß. Und wäre, nur sich allein für daseinswürdig zu halten'. welcher vernünftige Erzieher möchte das Kind von der Sitte und„Es ist das große Verdienst und der eigentlich„. � �--,.■-• v cm �'r•---r- t Art seiner Nation, so lange dieselbe nicht verdorben ist, ab- reinen Christenthums(?). die Menschheit über den engherzigen Wust Es wäre gewiß gut. wenn fede Mutter so viel Kenntnisse be- schließen und absondern?'Wer wollte nicht das Beste, was der Nationalität zur Menschlichkeit erhoben und hiermit der Pä- säße, daß sie die Schularb-, ten und Fochchritte ihrer Kinder ein Volk aufzuweisen hat, zur V redelunq der Jugend an- dagogik eine ewige Norm gegeben zu haben. Wer die Interessen ordentlich kontroftren könnte; wenn fede Frau so viel Bildung wmden? seiner Familie zum alleinigen Zielpunkte seines Strebens macht, hätte, um ihren Mann verstehen, die wichtigsten Erscheinungen „Wir Deutschen insbesondere haben nicht nöthig, unsere steht schon etwas höher als der, welcher nur sein liebes Ich in der Nawr, die wichtigsten Vorgänge im sozialen und Poll- Kinder frühzeitig mit der Welt des alten Judenthums, oder der! vor Augen und im Herzen hat; wer in der Nationalität sein tischen Leben richtig beurtheflen und auf ihre Umgebung einen alten Hellenen, oder mit Sibirien und Neuseeland vertrauter zu Ideal erblickt, ist dem„Kirchthurmspolftiker und auch dem„Klein- heilsamen Einfluß ausüben zu können. Ungebildete Weiber, machen, als mit dem Schauplatze, dem Leben den Errungen-. staatler" voraus; aber engherzige Philister sind sie alle zu- namentlich wenn sie in Massen auftreten, sind immer ein offent- �»erztlicl schaften und der Geschichte unserer eigenen Nation. Zwar darf sammen. Jede wahre Pädagogik ist ihren Endzielen nach kos- lichcs Unglück, em Hemmschuh des Forffchrltts� UeberdieS muffen ck brr sich kein modernes Kulturvolk gegen andere Völker absperren: mopolitisch, sie trägt die Fahne der Humanität. Und die wir doch auch daran denken, daß ein Madchen in die Lage kom-. Wenr aber ohne Zweifel müssen in der Volksschule die beimischen Ele- besten Männer, die Zierden und Geisteshelden der deutschen men kann, sich m,t eigenen Kräften durch die Welt zu Helsen und. hmid mente herrschen' und die fremdländischen in zweite Linie gestellt �Nation sind Kosmopoliten. Apostel der Humanität gewesen. ein praktlsches Geschäft führen zu müssen; da werden ihm den» � werden. Hiermit ist aber auch dem nattonalen Element, soweit es „Für die Pädagogik ist die Lösung der nationalen Frage eine Schulkenntnisse gute Dienste leisten. sehr einfache Sache. Wir brauchen nicht viel über nationale �„In jedem Falle braucht auch das Wind Welt- und Menschen- auf son- t, so , der t als hung : ZU' sind. htigt ver- l die nden tische aten, Ent- schen nter- zllen, Recht artei insti- rung . wir von wir wde. »igen iiltel lären In- sich isten, einer achen ihm ution ; Ka- sehr ilcor- Aller ichtet, u er- liahen mand ahnen rfeld- Türkei rieben timme Ber- - den Ver- Pforte i ver- :s zu »raus- t der l und Lahr- Ent- llein ragen d die innen. en die t und esetzen ischen- Was Seein- ional- , das i zum Das eltung er de- gegen ■schung ip für >en be- leier- nichts on da werden fassung ngenen -rrichts ick auf aß das ! lernt. Se be- inder Zildung nungen o poli- j einen Weiber, öffent- müffe« ;e kom- rn und tn denn enschen- Zuversicht zu begründen, daß es auch in diesem entscheidenden Abschnitte der orientalischen Verwickelung gelingen werde, die Lösung unter voller Wahrung des Friedens zu erreichen. „Die Weisheit und Mäßigungs!) des Kaisers Alexander, die innige und vertrauensvolle Verbindung desselben mit den benachbarten Mächten, und nicht minder die soeben von Neuem bekundeten friedlichen Neigungen Englands scheinen die Bürgschaft zu gewähren, daß die jüngste orientalische Krisis, früher als es gehofft werden konnte, einen friedlichen Abschluß finde." Aus dieser Kundgebung des offiziellen Russenorgans erhellt, daß man in Petersburg einen bescheideneren Ton anzuschlagen beginnt, und einem Conflikt mit England aus dem Weg gehen möchte. Daß die Widerstandskraft der Türkei so vollständig erschöpft sei, wie die„Provinzial-Correspondenz" es hinstellt, ist übrigens nicht ganz richtig. Suleiman Pascha hat sich mit seiner Armee durchgeschlagen und kann nun die im Süden Rumeliens stehen- den türkischen Streitkräfte sammeln; und die türkische Haupt- armee im Festungsviereck ist noch vollständig intakt und wird für den Fall der Fortführung des Kriegs einen sehr wichtigen Faktor bilden. Auffallend— oder auch nicht auffallend, je nachdem— ist, daß die„Provinzial-Correspondenz" auf die schwere Anklage der englischen Regierung, die deutsche Reichsregierung habe den Friedensvermittlungsversuch nach dem Falle von Plewna zum Scheitern gebracht, nicht mit einer Silbe antwortet. Der Leser wird selbst wissen, ivelcher Schluß daraus zu ziehen ist. Was die Behauptung der„Provinzial- Corre- spondenz" angeht, die Türkei habe vor dem Kriege nicht auf die Stimme Europas gehört, so ist dieselbe, gelind ausgedrückt, ungenau: eine Zeit lang herrschte wohl vor Ausbruch des Kriegs scheinbare Einigkeit unter den europäischen Mächten, allein die englische Regierung sah sich genöthigt, sich von dem„En- ropa" der„Provinzial-Correspondenz", d. h. von Rußland und dessen Vasallen, zu trennen. Und Englands„Stimme" hat doch ein gewisses Gewicht—, sonst würde das„Europa" der „Provinzial-Correspondenz" nicht plötzlich so gelinde Saiten aufziehe». Daß die Pforte zu unmittelbaren Verhandlungen mit Rußland hat schreiten müssen, ist wahr,— und insofern hat das russische Organ recht; aber ebenso wahr ist— und das sagt die �Provinzial-Correspondenz" nicht direkt, obgleich sie es am Schluß indirekt zugiebt—, oaß Rußland, wenn es den Krieg mit England vermeiden will, sich gezwungen sieht, auf sein Lieb- lingsprojekt: den Separatfrieden mit der Türkei, zu ver- zichten und die Garantiemächte des Pariser Friedens zu den Friedensverhandlungen zuzuziehen. — Zum Krieg gehört die Pestilenz. Die„Kölnische Zeitung" läßt sich aus Kairo schreiben, daß die Cholera,„das unheilvolle Gespenst, langsam seine drohenden Finger nach den blutgedränkten Feldern des Krieges ausstrecke". Noch allerdings wird dasselbe durch die Kälte in Schach gehalten; zieht sich aber der Krieg noch bis in die wärmere Jahreszeit hinein und ist die Nachricht der„Kölnischen Zeitung" richtig, daß die Cholera sich in Egypten und Kleinasien jetzt in ziemlichem Umfange zeige, s° raun auch für uns aus dem blutigen Kriege ein grausiger Feind geboren werden, gegen den Krupp'sche Kanonen und Mausergewehre nicht verfangen. Aber diese Anzeichen schon sollten die Regierungen Europas bewegen, durch einen raschen Macht fpruch das Ende des Krieges herbeizuführen, damit die Brücke abgebrochen wird, auf welcher das grause Gespenst leichten Schrittes zu uns herüberschreiten kann. Doch—„es gibt ja kein Europa mehr". Das alte ist ein faulender Cadaver, das neue noch ein„gefesselter Prometheus". — Gute Meinung. Die„Kölnische Zeitung" ist der Ueberzeugung, daß in Zukunft, wenn die Nationalliberaten an der Regierung betheiligt seien, die Fortschrittspartei„noch -etwas mehr, als bisher, compromißwilhg" sich zeigen würde. Die Fortschrittspartei habe allerdings die Verfassung des beut- scheu Reichs von 1871 nicht sehr willig anerkannt, doch nach und nach habe sie sich darein geschickt und erstrebe nur noch die Vervollkommnung dieser Verfassung.— Durch solche Anschau- ungen soll der Fortschrittspartei ein Compliment geniacht wer- den— das mögen alle diejenigen Schwärmer beherzigen, die noch einen Funken Hoffnung auf die Energie oder auf den Frei- ! keuntmß, und es wird also gut sein, wenn das Mädchen eben- s falls in der Volksschule die Vorbildung für's Leben findet; auch das Weib soll vernünftig werden, sich über das subjektive Be- lieben erheben und allgemeinen Gesetzen gehorchen lernen, und daher möge das Mädchen gleichfalls eine strenge Schule durch- machen. Und wenn es wahr ist, daß das weibliche Geschlecht zur Zerstreutheit, Oberflächlichkeit, Schwatzhastigkeit, Eitelkeit, ! Empfindlichkeit, Launenhaftigkeit, Putz- und Vergnügungssucht neigt, so dürften ein gründlicher Schulunterricht und eine gemes- Isene Schuldisziplin die besten Gegenmittel gegen diese Schwächen ssein." Wir wollen mit diesem Wenigen schließen, denn der Eingangs «wähnte Zweck ist völlig erreicht. Wir wünschen den Schriften Dittes' die allerweiteste Ver- breitung, besonders in Lehrerkreisen, damit der gute Same, den er ausstreut, baldigst Früchte bringe; ihm selbst aber, dem Ver- fasser, müssen wir die größte Hochachtung aussprechen für den Muth, mit welchem er unter keineswegs. günstigen Vorbe- rungungen für Reorganifirung der Volksschule, dieses wichtigsten i1»«» eintritt. Vielleicht kommt ihm unser Beifall KU»»'. �äre es doch nicht das Erstemal, daß mit idealem kU wi e' wahrhaft humane Geister über sich selbst erstaunt lav ,n unseren Bestrebungen ein Bild ihrer eigenen Gedanken wieder erkennen. . r dieser Stelle den Wunsch aussprechen, • lßn(f-hnrf. en»Grundriß der Erziehungslehre" zu des„milden" Czaren und seiner Creaturen„Befreiung" heißt. Die gegenwärtige mehr als traurige Lage des russischen Volkes beweist zur Genüge, daß die rastlosen Bemühüngen der russischen Regierung„für das Wohl des Volkes" nicht unbelohnt geblieben sind, denn das Proletariat ist im Handumdrehen geschaffen worden. Die selbstständigen Bauern, ihres Eigenthums beraubt, mit un- geheuer hohen Steuern, direkten und indirekten, belastet, vom Gutsbesitzer geknechtet, von dem ersten bis zum letzten geheimen oder offiziellen Polizeiknecht gemißhandelt, laufen aus den Dör- fern in die offenen Arme der Fabrikanten. Die Zahl der Besitzlosen steigert sich von Jahr zu Jahr. *) Ein Landsmann von mir ist jetzt mit der Uebersetzung dieses Artikels für den„Borivärts" beschäftigt. — Die richtige Körperstellung der Kinder während des Schreibens. Wir glauben vielen unserer Leser einen Dienst zu leisten, wenn wir nachstehende Veröffentlichung des „Aerztlichen Bezirksvereins der Stadt Leipzig" hier zum Ab- druck bringen: Wenn Eltern sich über die fehlerhafte Haltung ihrer Kinder während des Schreibens und über die hierdurch verursachte Ver- krümmung der Wirbelsäule beklagen, so beschuldigen sie meistens gleichzeitig die Lehrer wegen ungenügender Aufmerksamkeit auf richtige Körperstellung während des Schreibunterrichts. Dieser Vorwurf erscheint jedoch nicht gerechtfertigt. Es kann mcht un- erwähnt bleiben, daß in Leipzig in ewigen Schulen noch alte Bänke vorhanden sind, welche theils durch unpassende Form den Kindern die richtige Körperhaltung unmöglich machen,— theils sogar der Rückenlehne entbehren. Hier ist von Seiten des Leh- rers auch bei der größten Aufmerksamkeit eine richtige Haltung des Kindes niemals zu erreichen. Allein die Eltern sollten sich andererseits auch erinnern, daß unmöglich Alles von der schule verlangt werden darf, daß vielmehr sie selbst es sind, welche be, der Erziehung der Kinder mitzuwirken und mit der Schule ge- meinsam zu arbeiten haben. Freilich gehört hierzu(guten Willen und Zeit vorausgesetzt) als unumgänglich nöthlge Grundlage die sichere und genaue Kenntniß dessen, was sie vom Kinde zu ver- langen haben. Um dem mehr und mehr um sich greifenden Uebel einer unrichtigen Schreibstellung der Kinder steuern zu helfen, theilt der obengenannte Verein die nöthigsten Vorschriften über Sitz und Haltung der Kinder beim Schreiben mit. 1) Die Entfernung der Sitzfläche des Stuhles oder der Bank, auf welcher das Kind beim Schreiben Platz nimmt, von der Schreibfläche des Tisches sei so groß, daß der Oberkörper des Schreibenden sich vom oberen Ende der Magengrube an oberhalb der Schreibfläche befindet.-„ 2) Die Sitzfläche sei so weit vorgerückt, daß ihr vorderer Rand 2-3 Centimeter unter die Schreibfläche vorgeschoben ist. Der Rand des Tisches, an welchem das Kindes sitzt, muß al o über die Sitzfläche des Stuhles oder der Bank etwa einen Zoll hinüberreichen; Stuhl oder Bank dürfen daher nicht vom Tische abstehen, so daß, senkrecht von oben gesehen, ein Zwischen- räum zwischen Tisch und Sitz wahrnehmbar wäre. 3) Die Borderarme des Schreibenden f ollen mit etwa zwei Dritttheilen ihrer Länge auf der Schreibfläche aufliegen. Der Ellenbogen muß freibleiben.,■. �..„ 4) Das Papier oder die Tafel, auf welchen das Kind schreibt werde mit dem oberen Rande ein wenig schräg nach links gedrcht�er � aufrecht gehalten und nur der Kopf I ein wenig gebeugt werden, Zur Erleichterung dieser Stellung dient es, wenn der Schreibende sich mit dem unteren Theile des Rückens(d. h. der Gegend der Lendenwirbel) anlehnen kann. Die Sitzfläche darf daher von vorn nach hinten nicht breiter sein, als die' Entfernung der Kniekehle vom Rücken des Kindes beträgt.— Die„Kunze'sche Schulbank" ist mit der Form ihrer Lehne auf diese Stellung des Schreibenden berechnet. An ge- wöhnlichen Stühlen kann man zum Zwecke des Anlehnens ein Rolliissen an der Lehne in Taillenhöhe des Kindes quer be- festigen, doch nur dafern das Tiefenmaaß der Sitzfläche der Länge der Oberschenkel des Kindes beim Sitzen angemessen ist. 6) Wenn die Füße des schreibenden Kindes den Fußboden nicht erreichen, so ist eine Fußbank unterzustellen. Dieselbe darf aber nicht so hoch sein, daß der vordere Theil des Oberschenkels von der Sitzfläche abgehoben wird. Im Hause können alle diese Regeln bei einiger Sorgsam- i keit leicht beobachtet werden,— am leichtesten auf passenden (verstellbaren) Schulbänken. Doch muß auch auf solchen das Kind angeleitet und überwacht werden. In der Schule kann der Lehrer nur dann eine gute Schreibhaltung erzielen, wenn zweckmäßige Bänke vorhanden sind. — In Danzig ist vor Kurzum ein beschäftigungsloser Ar- belter, der an den Festungswällen Knochen ausgrub, von einem Soldaten erschossen worden. Das Knochengraben ist selbstvor- ständlich an den Festungswällen nicht erlaubt, da die Wälle dadurch lädirt werden; die Wachen sind deshalb strenge angewiesen, das Graben zu verhindern Doch Roth kennt kein Gebot— der Arbeiter giäbt auf dem Walle, die Wache naht, der Arbeiter droht mit dem Spaten, die Wache fällt das Gewehr, der Arbeiter läuft fort, die Wache ruft:„Halt!", doch der Arbeiter flieht weiter. Da donnert der Schuß und der Ar- bester sinkt, in den Rücken getroffen, nieder. Man sagt:„Der Soldat hat seine Pflicht gethan!" Er hätte sie als Soldat auch gethan und zugleich als Mostch gethan, wenn er zwar geschossen, aber vorbei- geschossen hätte Der Soldat soll der Instruktion gemäß nach dem Flächt- ling schießen, er soll ihn erschrecken—"nd das genügt. Ein ver- nünftiger Commandeur müßte diesen Soldaten befirafen, da er über seine Pfl'cht hinaus gehandelt hat. — Die„Kölnische Zeitung" schreibt:„Im deutschen Reiche bestehen jetzt öS65 organisirte Feuerwehren; davon treffen auf das Königreich Preußen mit üS Millionen Einwohnern nur etwa Kl)», währe d Bayern bei nur 5 Millionen Einwohnern 3324 organisirte freiwillige Feuerwehren besitzt, Württemberg zählt 572 und Baden 273 organisirte Feuerwehren. Im Berhälwiß zu Bayern müßte Preußen 16,000 statt 600 Feuerwehren haben. Woher kommt es nun, daß der Norden so weit hinter d.m Süden zurückgeblieben ist?"— Antwort: In Preußen har d.e Polizei jahrelang die fteiwilligen Feuerwehren verhindert, und wo sie sich doch bildeten, eine höchst lästige und ungeschickte Oberauf- sicht über dieselben und zwar aus- während der aktiven Thätigkest ge- führt. Und das schreckt ab! Die Fabriken füllen sich mehr und mehr, das Proletariat wächst und mit diesem das Elend, die Corruption und die geistige und physische Entartung. Daß dem ss ist, kann man schon daraus schließen, daß sogar die„Petersburger Zeitung", welche ausschließlich die Interessen des Junkerthums vertritt, die Thatsache zugeben mußte, daß das russische Volk von Jahr zu Jahr immer ärmer wird. Weiter meint das Blatt, daß die projektirten Steuer- reformen die sich mehr und mehr entwickelnde Eigenthumslosig- keit der Bauern nicht hemmen können, und ferner, daß die ruf- fische Landbevölkerung sich mehr und mehr in ein Proletariat umwandelt. Einem Zeugnisse von solcher Seite kann man trauen. Die Annahme, daß der russische Bauer deshalb die Fabriken aufsucht, weil er fich dort reichlichere Mittel zur Beftiedigung semer Bedürfnisse verschaffen zu können glaubt, ist falsch. Man muß den russischen Bauern, der ein Landmann in der vollsten Bedeutung des Wortes ist, kennen, um zu wissen, wie schwer es ihm fällt, sein Stückchen, ihm heiliges, Land zu verlassen. Der rusfische„Vorwärts" schreibt darüber:„Unser Bauer ist doch, wenn auch blas über einen geringen Theil, eigener Herr seines Stückchen Landes geblieben. Er fühlt sich mit seinem Grundstück innigst verbunden. Stoisch wird er unter der Last des Gottes- fluchs und der Strafe für die Sünden der Eltern seufzen; hoff- nungslos wird er seinen Antheil*") bebauen, er wird seine Lebens- bedürsnisse bis auf ein unglaubliches Minimum reduziren, er wird sogar Rückstände an Steuern, für deren Austreibung die nicht weniger als humane Landcsverwaltung ganze Birkenhaine (zum Prügeln!) auf Kosten des Bauers vernichten kann, fich an- häufen lassen— und doch wird er nicht zum„Herrn" in die Arbeit gehen und zum Knecht wird er sich freiwillig nicht hergeben." Groß, unendlich groß muß also das Elend sein, das den rusfischen Bauer zwingt, die Fabriken aufzusuchen. Und nun erst das Leben in den Fabriken! Im Moskauer Bezirke befinden sich 156 Fabriken, die zu- sammen 21,5(10 Arbeiter beschästigen.(In 11 Fabriken konnte die Zahl der dort beschäftigten Arbeiter nicht ermittelt werden, weshalb sie auch nicht in Betracht gezogen worden find.) Es befinden sich darunter: Männer 66,4 Proz., Frauen 20,1 Proz., Kinder(Knaben 3,7 Proz., Mädchen 4,3 Prsz.s 13,5 Proz.**) Wenn die vcrhältnißmäßig große Prozentzahl der letzten Kate- gorie von Arbeitern schon allein eine recht traurige Thatsache ist, so muß einen Jeden, der nur menschlich denkt und menschlich fühlt, ein Schauder ergreifen, wenn er erfährt, daß fast die Hälfte(45 Proz.) dieser Arbeiter nicht einmal das 12. Jahr erreicht hat, ja oaß darunter eine sehr beträchtliche Zahl 8 bis 9 jähriger Kinder sich befindet. Ich glaube, diese Thatsache ge- nügt, um den Beweis zu liefern, daß die Arbeiter alles andre, nur nicht glänzend gestellt find, denn wie sollten sie sonst dazu kommen, ihre Kinder anstatt in die Spielschulen in die Fabriken zu schicken? Daß diese Kinder moralisch und physisch verkommen müssen, darum kümmert fich hier zu Lande Niemand, am allerwenigsten aber die Fabrikanten und die Regierung, welch letztere ohnedies eifrig bestrebt ist, das Volk in der Dummheit zu erhalten.— Der Arbeitstag ist, wie nicht anders zu erwarten, sehr lang; durchschnittlich beträgt er 16 Stunden mit zweistündiger Pause. Aber damit sind wir Fabrikanten immer noch nicht zufrieden, denn man findet in vielen Web- und Ziegelfabriken den Arbeits- tag bis auf 18 Stunden hinaufgetrieben, und in den Fabriten von Belajew und Emeljanow sogar bis auf 20, schreibe zwanzig Stunden, ausgedehnt! Unglaublich aber wahr. Ja die Unver- schämtheit eines Fabrikanten ging so weit, daß er den Befehl erließ:„die Arbeiter dürfen fich nicht, auch während der Mahl- zeit nicht, vom Kessel(Farbenfabrik) entfernen." Von den Löhnen der Arbeiter ist ebenfalls nur Trauriges mitzutheilen. Durchschnittlich verdienen die Männer 10 Rubel (1 Rubel jetzt— 2,00 M.), die Frauen 5—7, und die Kinder 3— 5 Rubel monatlich. Diese angeführten Zahlen beweisen, daß die Löhne, mit denen man die„Hände" kauft, keinesfalls„zu hoch" sind, und doch erlauben sich die Fabrikanten, diesen klag- lichen Lohn noch durch schamlosen Betrug zu kürzen. Es ge- schieht sehr häufig, daß die Arbeiter bei der Generalrcchnung (was sehr oft am Ende eines halben Jahres geschieht) statt ge- troffener Abrede gemäß 50 Rubel nur 40 Rubel erhalten, und wenn seitens des Arbeiters gegen solche Schurkerei Protest er- hoben wird, so wird ihm einfach vom Fabrikanten oder dessen Vertreter die Thüre gewiesen, in der festen Ueberzeugung, daß die Regierung ihn(den Fabrikanten) von der lästigen Zudring- lichkcit des Betrogenen schützen wird. In dem oben angeführten Artikel ist weiter zu lesen:„Ebenso willkürlich, wie es mit der Lohnreduktion zugeht und ebensowenig wie der Arbeiter vor dem Zurückhalten seines Lohnes geschützt wird, eben so gebräuchlich sind auch die harten Strafen, die die Arbeiter für versäumte Stunden, für Beschädigung des Materials, für zu spätes Er- scheinen in der Fabrik, für sog. Nichtachtung gegen den Aufseher und für ähnliche„Vergehen" über sich ergehen lassen müssen. Für jeden versäumten Tag trifft den Arbeiter eine Geldstrafe von 1— 2 Rubel oder die unerhörte Verpflichtung zwei- tägige unbezahlte Arbeit zu leisten. Wenn ein Arbeiter eine viertel Stunde zu spät kommt, wird ihm eine Geldbuße von 1 Rubel auferlegt. Es giebt Fabriken, in denen, trotzdem der Arbeiter sein Nichterscheinen durch eine Krankheit motiviren kann, dennoch eine Geldstrafe über ihn verhängt wird." lim möglichst vollständig die Lebensweise des russischen Pro- letariers zu schfldern, möchte ich noch einige Worte über die Wohnungen, in welchen der geplagte Arbeiter nach ca. 20stün- diger täglicher Anstrengung ausruhen soll, hinzufügen. Die Wohnungen sollen, wie selbst die Moskauer Landesver- waltung(sewstvo) zugiebt,„in'/s der Fabriken sehr finster, naß und dichtbevölkert sein, außerdem jeder Ventilation, außer der natürlichen aus Löchern und Thören bestehenden, entbehren. In 18 Fabriken existiren gar keine Wohnungen, die Arbeiter schlafen dort unter fteiem Himmel, jedem Unwetter ungeschützt ausgesetzt." Die Motive, die einige Fabrikanten über das Nichtvorhandensein der Arbeiterwohnungen vorbringen, sind oft sehr interessant. Einer von diesen„Schutzengeln" meinte,„daß es für den Ar- beitcr viel besser sei, wenn er sein ganzes Leben in den Fabrik- räumen zubringe, damit er— seiner Arbeit näher stehen könne." O diese Fürsorge! Der größte Theil der vorhandenen Wohnungen besteht aus einer Kaserne, in welcher Männer, Frauen und Kmder in buntem Durcheinander zusammen wohnen und schlafen müssen. Mobiliar ist keines vorhanden, selbst die Betten fehlen, so daß die Arbeiter gezwungen sind, fich aus allerhand Abfällen ein Lager herzu- richten. In vielen Fabriken besitzen die Arbeiter auch nicht einmal solche Wohnungen, sondern es weiden speziell kleine Erdhütten für sie hcrgerichtet, in welchen bei 13 Fuß Länge, derselben Breite und bei 7 Fuß Höhe sehr oft bis 12 Personen, ohne Unterschied des Geschlechts, zusammen wohnen müssen. Fenster oder sonst welche Oeffnungen für den Durchlaß des Lichtes und der Luft existiren nicht. Welche Luft in solchen Wohnungen existirt, kann man fich demnach leicht vorstellen. Genug, die Lei- den der russischen Arbeiterklasse find grenzenlos. Beim Anblick solcher Zustände kann man schwerlich glauben, daß sich dieselben noch lange halten werden. Kommen wird der Tag, das ist gewiß, wo das Volk sich aus diesen Zuständen befreien und den sozialisttschen Staat gründen wird. Zwar schmachtet das russische Volk noch in tiefer Unwissenheit, aber die rusfische studirende Jugend, die sozialistisch gesinnte Jugend, die sich mit der größten Bereitwilligkeit für die Aufklärung des Volkes aufopfert, wird es endlich auch dahin bringen, daß das russische Volk sich dieser menschenentwürdigenden Fesseln entledigen wird. Es lebe die Sozialdemokratie! R.*) *) Ein dem Bauer von der Regierung abgemessenes Stückchen Land. **) Die hier mitgctheilten Zahlen sind sämmtlich einem in der russischen Monatsschrift(„Vater ändische Memoiren" Sept. 1877) erschienenen Artikel entnommen worden. Correspondenzen» Mandsbeck, 9. Januar. In der gestern stattgehabten Mit- gliederversammlung des hiesigen Volksvereins kam die Stellung des„Vorwärts" gegenüber unserer neulich stattgefundenen Kirchen- Eollegiumswahl zur Besprechung. Es machten sich zwei Mei- nungen geltend. Der eine Theil der Anwesenden meinte, die Betheiligung wäre aus praktischen Gründen nothwendig gewesen und könnten die Kirchencollegiums-Mitglieder von unserer Seite nicht wieder zurücktreten, da es dann heißen würde, der„Vor- wärts" hätte commandirt und die Wandsbecker müßten wie die Puppen tanzen. Der andere Theil, zu dem auch der Schreiber dieser Zeilen gehört, sprach sich dahin aus, daß es, da man jetzt wüßte, daß die kirchlichen Gemeindevertreter nichts im Schul- und Armenwesen mitzusprechen hätten(vor der Wahl wußten wir dies nicht), Pflicht sei, die Wahl rückgängig zu machen und der Kirche den Rücken zu kehren. Wir brauchten uns als So- zialisten nicht zu geniren, das zu thun, was Recht sei und fich in Uebereinstimmuug mit unseren Prinzipien befände. Die An- Hänger für die Betheiligung an der Kirchenwahl meinten dagegen wieder, es wäre sehr gleichgiltig, ob fie ihre Kinder taufen ließen oder nicht, auch würde dem Prinzip nichts vergeben, wenn fich Sozialdemokraten an Kirchenvorstandswahlen betheiligten. Es ist abzuwarten, was in der Sache weiter geschehen wird. (Es ist selbstredend, daß wir mit unserer Briefkastennotiz eine Pression auf die religiösen oder antireligiösen Anschauungen der Wandsbecker Genossen nicht ausüben wollten— auch wir hul- digeu dem Grundsatz:„Jeder mag nach seiner Fa?on selig wer- den." Das wird und darf uns aber nickt abhalten, immer und bei jeder Gelegenheit hervorzuheben, daß der Sozialismus an sich mit der Religion nichts gemein hat. Red. d. V.) l�ötzneck, 16. Januar. Gestern Abend fand hier im Saale „zum Vereinsgarten" eine Volksversammlung statt. Auf der Tagesordnung stand: Die gegenwärtige politische und wirth- schaftliche Lage und der Sozialismus". Als Referent war Fr. Nauert aus Leipzig erschienen. In einem anderthalbstün- digen Vortrage entledigte sich derselbe seiner Aufgabe auf's treff- lichste. An der sich hieran anknüpfenden Debatte betheiligte sich Postdirektor Schimmelpfennrg und der Landtagsabgeordnete Herr Eberlein. Ersterer erklärte, daß der von Dr. Bock in seinem bekannten Buche„Vom gesunden und kranken Menschen" angeführte Satz, welchen Herr Nauert in seinem Referat mit an» gezogen hatte, daß jeder Mensch, um vollkommen gesund zu bleiben und arbeiten zu können, täglich 1 Pfd. Fleisch genießen müsse, durchzuführen unmöglich sei, da die Mutter Erde über- Haupt gar nicht so viel liefere, daß alle Menschen gleich gut leben könnten. Es sei richtig, daß heute 10 pCt. der Bevölke- rung im Ueberfluß lebten, während die übrigen 90 pCt. nur nothdürftig existirten; allein dies ließe sich nicht abändern. Herr Nauert trat hierauf demselben entgegen und erklärte, daß diese Meinung durchaus unrichtig sei, denn abgesehen davon, daß so- aar in unserem deutschen Reiche ganze Strecken des Landes nur sehr mangelhaft, tbeils noch gänzlich unbebaut liegen, so liefere doch das bisher urbar gemachte Land sckon so viel, um die dar- auf lebenden Geschöpfe vollkommen den Ansprüchen der Gesund- heit gemäß zu ernähren. Die vielen Magazine seien mit allen möglichen Lebens- und sonstigen Bedarfsartikeln vollgespeichert und man lasse daselbst die Sachen eher zu Grunde gehen, als daß man daran dächte, die Roth der Masse des Volkes zu lin- dern. Man schaffe nur ein vernünftigeres Berhältniß zwischen Produktion und Tonsumtion, d. h. man mache die Masse � des Volkes consumtionsfähig, so wird sich die Produktton von selbst beben und in gleichem Äaße wird Roth und Elend verschwinden. Man verwende ferner einen Theil der ungeheuren Steuer- summen anstatt zu Militärzwccken zur Hebung des Ackerbaues und es wird sich zeigen, daß die Mutter Erde ihre Geschöpfe m Ueb-rfluß zu ernähren im Stande ist. Herr Richard Eberlein, welcher hierauf das Wort nahm, erklärte, daß das Volk auch vielseitig selbst schuld sei an seiner gedrückten Lage und an sei- nem Nothstande, es mache sich einfach selbst zum Sklaven. Er sei nicht damit einverstanden, daß die Sozialisten Alles vom Staate erwarteten, das Volk müsse sich seine Lage selbst zu er- leichtern suchen, es müsse sich Bildung aneignen und dürfe nicht mehr vor Fürsten im Staube kriechen. In politischer Be- ziehung müsse er jedoch dem Referenten beistimmen; leider würde in unseren heutigen Staaten nirgends das Culturrecht, sondern überall nur das Kanonenrecht geübt. Er charatterifirt hierauf sehr treffend die sogenannten Culturbestrebungcn Rußlands, wel- ches durchaus kein Recht habe, in die inneren Verhältnisse der Türkei hineinzureden, daß es überhaupt eine sehr zweifelhafte Ehre für das deutsche Reich sei, sich der Erbfreundschaft eines aller Culwr und Humanität spottenden despotischen Staates wie Rußland zu rühmen, und daß jeder vernünftige Mensch nur wünschen könne, daß diesen despottschen Ehristenbefteiern ein Damm gesetzt würde.— Referent Nauert nimmt hierauf noch- mals zur Entgegnung das Wort und erklärt, daß die Sozialisten die Selbsthilfe durchaus nickt verwerfen. Er erinnere nur daran, daß von verschiedenen Sozialisten schon Consum- und ähnliche Vereine ins Leben gerufen worden seien, um ihr Da- fein sich etwas angenehmer zu machen; er erinnere ferner an die Gewerkschaften k. Doch seien dies Alles nur Palliattvmittel und sein Heil dürfe der Arbeiter durchaus nicht darin allein suchen. Die wahre Selbsthilfe sei überhaupt erst nur in einem sozialistischen Staate denkbar, in welchem einfach kein Unterschied zwischen Staat und Volk existtre.— Die Versammlung nahm hierauf einstimmig folgende Resolution� an: „Die heu»e am 15. Januar im Saale des Vereinsgartens tagende, von circa 200 Personen �besucht? Volksversammlung protestirt einmütbig und energisch gegen die die Cultur, die Frei- *) Wir hoffen auf weitere Beiträge von dem geehrten Einsender. R. d. V. � i heit und Wohlfahrt der T ölker überhaupt und die Interessen> diutschcn Volkes insbesondere auf's schwerste schädigende der deutschen Reich-regierung und fordert von Letzterer, daß von jetzt ab den culturfeindlichen Anmaßungen der despoti'a Ezarenrcgierung mit allen Mitteln entgegentrete und ihren gca! Einfluß auswende, daß zwischen den beiden kriegführe Mächten baldigst ein die Interessen aller Nattonen garantirnt Friede geschlossen werde." Die sozialdemokratischen Abgeordneten werden gcbcr sich Dienstag, den 5. Februar, Nachmittags t Uhr,' Reichstagsgebäude einzufinden. An die Parteigenossen in Thüringen! Da fäjon längere Zeit und namentlich seit den leften Reichs» wählen auch für Thüringen ein größeres Lokal- resp. Provinzial« Bedürfniß war, beschlossen die Genossen von Gotha, Erfurt, Arn? � Apolda und Weimar auf einer Conferenz zu Erfurt im Siptembe Jahres, die seither wöchentlich Imal in Apolda erscheinende„Thürii Freie Preffe" mit dem 1. Oktober nach Goth.: zu verlegen und die! von da ab wöchentlich 3mal zum Preise von M. 1.50 vierteljäb erscheinen zu lassen. Für Erfurt, Suhl u. s. w. wurde als Schwei Organ die„ErfurUr Volkszeiwng" in's Leben gerufen. Zu dit Zwecke wurde gleichzeitig die Errichtung einer eigenen Buchdruckerei, � „Thüringischen Genoffenschafts- Buchdruckerei zu Gotha", besch>'! Mit der„Neuen Welt" kostet das Blatt M. 2,25. Genoffen Thüringens! Wenn wir allerorts, in Stadt und ü» für unsere Sache mit Erfolg aqitiren, wenn wir unsere Prinzipien i mer weiter und nachhaltig verbreiten wollen, so ist es unsere# für die weiteste Verbreitung unserer Organe, der„Thüringer F» Preffe"»nd der„Erfurter Volkszeitung", zu sorgen. Thue jeder' nosse seine Schuldigkeit! Daß unser Organ unentwegt auf dem Bs der Partei steht, daß es em wahres Organ des arbeitenden VolkeS beweist wohl am besten, daß es bis jetzt, also in kaum vier Moirf schon mit zehn Prozessen, außer einigen Confiscationen und suchungen, beglückt ist. Auch ergeht an alle Genoffen das Ersuchen,• nach Kräften Correspondenzen einzusenden. Zuverlässige Genossen, roi gewillt sind, Filialexpeditionen zu übernehmen� wollen sich an Expedition der„Thüring. Freien Preffe", Gotha, Schwabhäuscrgasse wenden. Diejenigen Orte, welche für Verbreitung der Presse Pgitt' wünschen, werden ersucht, dies der Redaktion mitzutheilen; cS» diefim Wunsche nach Kräften Rechnung getragen werden. Gotha, im Januar 1378. M't sozialdemokratischem Gruß NamenS der Gothaer Parteigenossen. W. Bock. Für Im Verlage Lieder-Sammlung de« Allgemeinen Arbeiter-Sängerbundes. II. Litfernng. Inhalt: Nr. 3. Motto, Wahlspruch und Trinkspruch deS S® meinen Arbeiter-SängerbmideS von G. Scholz. 0x. 17. Nr. 4. Vivat der neue Wein von C. Sahm. Nr. 5. Die Arbeitsmänner von C. ArendS. Preis der Lieferung Partitur mit 4 St. 1,60, 4 St. 1,L0� Zur Agitation wie zur Gewinnung v\ Abonnenten sind gegen Einsendung des Portobetra!') Mr ein Kreuzband zu 10 Stck. 10 Pf., zu 30& 20 Pf., zu 60 Stck. 30 Pf., über 60 Stck. per W* 50 Pf.) überzählige Nummern aus früheren gängen des„LorWärtS" von uns zu beziehen.. Leipzig, im Januar 1878. Expedition des„Vorwärts" Beran-wortlicher Redalteur: Hermann Helßig m Reudnitz-L« Ridaktton und Expedüion Färberstraße 12. II in Leipzig. Druck und Vkrlog dir Tinrffeuschafttkuckdruckm' in LeipziA' stl al be A de pl H- Briefkasten der Redaktion. Dem Einsender des Artikels:„Zur Betheilit des Sozialismus an kirchlichen Angelegenheiten".— Schade, daß' Ihre gewandte Feder zu solchen überflüssigen Expektorationen gebc« haben; es stehen Ihnen doch wahrlich andere Themata zur Verfüg Wir können den Ariikel nicht aufnehmen, auch deshalb nicht, weil vor* sichtlich eine Anzahl Erwiderungen zu erwarten wären. Der Raum' „Vorwärts" würde zu sehr in Anspruch genommen werden. Außeö finden Sie in unserem Programm den behcrzigenswerthen Satz:) Religion ist Privatsache". Und ferner möchten wir Ihnen nicht* geben, wenn Sie eine Institution mit einem Lande vergleichen, ob» wir nicht verkennen wollen, daß außerhalb deS Landes, dessen Sp» und dessen Bewohner man von Kindsbeinen auf kennt, die Thäw für den Sozialismus bei den meisten Menschen eine nicht so wirk» ist, als innerhalb desselben. Sie übersehen aber, daß man inne» eines Landes eine große Anzahl beengender und abstoßender J«i» tioncn meiden und trotzdem Propaganda für den Sozialismus rt- kann. Zur Bernur ft bekehren kann man cbensoleicht und ebeiffost einen„Gläubigen", wenn man innerhalb oder außerhalb der„Kir steht.— Wohl wissen wir, daß es eine ganze Anzahl tüchtiger, bis Männer giebt, die bei den heut gen Verhältnissen ihren Austritt der Kirche gar nicht erklären können— z. B. die Schullehrer; dei auch stellen wir die Frage dem Einzelnen anHeim. Prinzipiell sind religionslos, einen Druck aber iu Bezug ausdieäußerenFormen brat wir nicht auszuüben, weder zu Gunsten, noch zu Ungunsten dersel diese Formen stürzen sehr bald zusammen vor dem herandringck Geiste einer neuen Gesellschaft.— I. W. in W.: Daß Sie ein/• schädigung, selbst auf dem Wege der Klage erhalten könnten, � wir nicht. Sie werden sich schon gedulden müssen, biS es ist' g-erung genehm ist, Ihnen den Gewerbeschein zuzustellen. Uebtts kann ja auf Ihre briefliche Anfrage die Anlwvrt nicht mehr lang� sich warten lassen. der Expeditiou. Ed. Brgr Herford: DaS letzte Quartal 7S „Neuen Welt" ist zu haben, Preis rncl. Porlo 1,50 Mk. Unterzeichneler ersucht, Briefe, welche Parteiangelegenheiten beiti nicht mehr an ihn zu senden, da er nicht mehr in der Lage ist, ihm hieraus häufig entstehenden Unkosten zu tragen. Cottbus.___ H. Teichert. KaSpar Koutzen in Meidrich. Da Sie die„Zukunft" bei! Post abonnirt haben, so müssen Sie das fehlende Hest auch bei' Post reklamiren.— Wir(ragen an dem Ausbleiben keine Schuld Berlin. Expedition der„Zukunft" Quittung. Grd Slötteritz Ab. 8,40. Schr. 1.50. Schlz hielf 7,60. Schfr Gohlis Ab. ll.40. Sbrt Cassel Ab. 15,96. Schmdt Ab. 7,48, Schr. 4,62. Dnkr Paris Ab. 6,00. Nfrt Apolda Ab. W Schr. 1,65, Thm hier Ab. 1,00. Fonds für Gemaßregeltc. Vom Arbeiter-Berein Reudnitz ges. bei einem Vergnügen Mk. � v. T. 0,50. für Männer-Chöre( e von Emil Sauerteig in Gotha ist erschienen: