:eiT«J >e ■, daß spotijld « ga'! ührec> nt-rÄ gcbck thr,' ieichSS lzial« Arn? lentbc rhüril .& dies teljä» schwa lu dü! ckerei, iescb!.'? nd Ä >ipien> rc Pfi et F- jeder> m M �olke»! Mon� nd Ha chen�j en,«t } an rzaffk aflit«! es' iffea. erscheint in Leipzig vitttwoch, Freitag, Sonntag. AbonnementSPrcis Mr ganz DeutZchl-nd t M. e« W. pro Quartal. Monat»-'Abonnement» «erden bei allen deutZchen Postanstalten All den S. und Z. Monat, und aus den ».Monat besonder» angenommen; im »»nigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- AlteNburg auch aus den lten Monat de» Quartali st 54 Psg. Inserate »etr. Versammlungen pr. Petitzeile 10 P>., detr. Prioatangelegenheiten und Feste pro Petitzeile 50 Ps. Vestellutigett nehmen an alle Postanstalten und Buch handluagen de« In- u. Auilandc«. Filial- Expeditionen. Rew-Porl: S°z.-demo«r Kenolirn. schastibuchdruckerei,>54 Eldriüife Str. Philadelphia: P. Hast,«SU Kurtd NrU Strent I. Boll, IIS" Charlotl,! Str jdoboten K.J.: F. A. Sorge, gl» Vaotl- Io?to» Str. Phicago: A.Lausermaim, 74 CiyboorD«:*t« San Franzi»-«; F. En»,«» O Farrell Str London W.: C. Henze, 8 IZvv tr Golden Squara Kentmt Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 12. Mittwoch, 30. Januar. 1878. Abonnements aus den„Vorwärts" fttr die Monate Februar u. März zu 1,10 M. werden bei allen deutschen Postanstalten, für Leipzig pr. Monat zu 60 Pf. bei der Exvedition, Färberstr. 12 tl, unserm Colporteur M. Ulrich, Hohe Str. 23. Hof Part., in den Filialen: Eigarrenladen des Hrn. PeterKrebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkst, am Königsplatz?; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: für H»lümarsdork, Hieudnitz, Weuschönefeld ic. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenweg 2S, 2 Tr., für Honnewitz ic. bei H ackert, Kurze Str. 10 pari., für Kkeinzlch»cher u. Umgegend bei Trost, Hauptstr. 10/1, für Thonberg bei B ösch, Hsspitalstr. 39/11, Leipzig, Aenreudnih bei Zschau, 151, für �lagwitz- Lindenau bei Frau »räfenstein, Aurelienstr. 3, für Hohkis k. bei A. Hermsdorf. Lindenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Papiermühle, angenommen. Für Pertin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf., frei m's Hans abonnitt, bei der Exvedition der„Berliner Freien Preise", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8», und bei Rubenow Brunnenstr. 34, im Laden. du Genüsse, die„s«. M-n l-Z-s.»�en s � können. Als Beispiel hat der Fragesteller gewählt. Aus Außerdem aber hat auch die Reichsregierung in dem Entwurf und Champagner. � s.ü da Nie- über die Gewerbegerichte in der entschiedensten Weise den Wun- Nicht übel! Unser Gourmand denkt sich wohl, daß bcr Unternehmerklasse- wir werden das im Einzelnen nrinlhron fÖNItC. McjC-ÖÖCilC. oleses(A�tranl,|Xc yuii W__ 15� ,in8 Mt»nn i»s Nbpvsinntzi manv.____ W r' jT' r öiinptnuna..�uae- i Simple Fragen und„simple" Frager. »Wie wollt ibr Sozialdemokraten denn euren Tukans heilit daß gebt» etfüjJ l Dl>t< tauin' lußeö atz: � licht' , ob» SP» tt»« wW INN 3*3 j aa) 4 (ritt1 ; slll» brat ifrstl ing�. in,» der' ebli» ingt 1 7e! >ettck ist'' bei' bei' lib st' ,ierß !tZ!» 11,* . M i0l i e' 4 4 4 „Wie wollt ihr Sozialdemokraten denn euren Zukunftsstaat einrichten, wie sieht derselbe aus in den Einzelheiten"? Diese und ähnliche Fragen werden uns oft gestellt und wir wollen, wir können auf derartige kindliche oder auch kindische Fragen keine Antwort ertheilen. Warum nicht? Weil die Gesellschaft, die wir erstreben, nach und nach sich selbst aufbaut, weil zukünftige Generationen die Bausteine, die wir herbeischleppen, erst behauen und zusammen stellen; weil wir keine Propheten sind und sein wollen, und weil wir wohl wissen, daß neue Ei findungen uns ebensolche breite Striche durch unsere Zukunftsgebilde machen können, als z. B. die Eisenbahnen durch die Phalanstöres von Fourier. Tyrannisch wäre es deshalb, den späteren Generationen gegenüber, wenn wir schon jetzt bestimmen wollten über die ein- zelnen Formen einer zukünftigen Gesellschaft, und nutzlos aus den oben angeführten Gründen. Im Großen und Ganzen aber giebt das Programm der so- zialistischen Arbeiterpartei Deutschlands genügende Anhaltspunkte, S nächst die richtigen Mittel und Wege zu ergreifen und einzu- lagen, um zur sozialistischen Gesellschaft zu gelangen und es enthält ferner auch genügende Grundlagen, auf welchen eine vernünftige Gesellschaft aufgebaut werden kann. Noch fehlt der Wille dazu im Volke und unsere Hauptaufgabe ist. diesen Willen jetzt und für die nächste Zukunft zu erwecken. Die fim- plen Frager aber mögen das sozialistische Programm in die Hand nehmen und die sozialistische Literatur aufmerksam studiren — wenn es ihnen Ernst ist, so werden sie dann ferper keine solche albernen Fragen mehr stellen. Aber nicht genug damit, man versucht sogar durch einzelne Spezialzukunftsfragen an den Sozialismus das System defielben zu verwirren oder zu verdächtigen. So fragte die„Voltszei- wug" jüngst triumphirend und eine Anzahl ihrer fimplen Col- legmnen betete ihr nach: „Ist es wirklich ein Gebot des ZukunftsstaateS, daß dem Steinträger und Straßenkehrer gleiche Genüsie zu Theil wer- den, wie dem tiefen Denker und Erforscher der höchsten Geistes- Probleme, so mag man auch angeben, ob solche Genüsse, die wegen ihrer Seltenheit doch nicht Allen in gleichen Portionen zu Theil werden können, einfach ganz aus der Welt des Ge- nusses verbannt werden, oder ob sie vertheilt werden sollen, daß jedes Menschenkind alljährlich etwa einen Löffel Eham- pagner und eine Viertel Auster zu kosten bekommen wird." Und auf diese simple, einfache Frage, wie sie von dem Blatte selbst genannt wird, verlangt die„Vvlkszeitung" Antwort. Wir wollen dieselbe ertheilen selbst auf die Gefahr hin, daß wir inconsequent genannt werden; aber man bedenke, daß wir es hier nicht mit einem System zu thun haben, sondern mit einer Einzelheit, die man selbstverständlich bei der Beantwortung der- artiger Fragen nur berührt und nicht feststellt. Zunächst möchten wir die Fragesteller darauf aufmerksam machen� daß sie es allein sind, welche es als ein Gebot des Bukunftsstaates hinstellen, daß dem Steinträger und Straßen- � gleiche Genüsse zu Theil werden, wie dem Denkerund aufgenelü �at noch niemals eine solche Behauptung davon, daß die Thätigkeit der Steinträger , hnttn»1?». Maschinen ersetzt werden wird, ganz ab- w fifittinpti ßt t m J"** doch der simple Fragesteller einmal in � liipn um, und er sieht, daß die Leute, welche wt,->i'w!rt-i,n»���ültnissen leben, doch lange nicht die- selben_ � ftm i. ta ei' 9ar"ickt die gleichen Genüsie haben wollen. A®raf auf bet Jagd trinkt unter Umständen gern einen Kornbranntwe.n und ißt ein Stück Schwarzbrot m.t Speck, während W �mmerzienrath. der meist in der Stube h°ckt. an einemBn-quitund einer Tasic Chocolade sich vergnügt. Im Zukunjtsstaat'u rd�ebenfalls de, jenige, der in der freien Luft arbeitet, andere Bedürfnisse haben und andere Genüsie lieben, als der stille Denker tn der Studirstube. Und in an- deren Gegenden bedingt das Kl.ma wieder andere B-dürfnisie und Genüsse. Moses verbot das Esien des Schweinefleisches unter der Gluth der südlichen Sonne, im Norden würde er es sicherlich empfohlen haben. mand anrllyren roinir, rtr,c«vciic,, keinen allgemeinen Anspruch auf besondere Zuneigung. Zuge- geben! Obwohl wir viele Leute der besser situirten Minderheit kennen, die lieber ein Stück rohen Schinken als eine Auster essen und auch lieber ein Glas Rheinwein als Champagner trinken, aber zugegeben— und unsere Antwort lautet: Derartige Genüsse, die zugleich gesunde Nahrungs- mittel sind, stehen in erster Linie den Kranken zu; in zweiter Linie dem kräftelosen Alter und nach diesem Grundsatze kann der Zukunftsstaat entscheiden. Bielleicht wendtt er sie auch einem verdienstvollen Künstler, Gelehrten oder sonstigen verdienstvollen Arbeltern als„Prämie" zu. Und eine weitere Antwort lautet: Diejenigen Genüsse, die nicht derartige Nahrungsmittel find, um sie zur Kräftigung der Kranken und der Greise zu gebrau- chen, und die nicht in genügender Anzahl vorhanden sind, Allen gleichmäßig zu Theil zu werden, diese Genüsie werden vermuth- lich von dem Volk solchen Frauen und Männern als„National- belohnung" zuerkannt werden, die auf dem Gebiete der Kunst, der Wissenschaft, der gewerblichen Arbeit Hervorragendes ge- llistet, oder durch edle Handlungen sich ausgezeichnet haben. Auf diese Weise würden„die tiefen Denker und die Erforscher der höchsten Geistesprobleme" in den Besitz dieser Genüsie gelangen und es würde damit der heutigen Gesellschaft, der Gesellschaft der„Berliner Volkszeitung" eine schallende Ohrfeige ertheilt.— Denn heutzutage erhält nicht der tiefe Denker und Er- forscher die seltenen Genußmittel, sondern der Gründer und Ausbeuter und der feile Literat, sie schwelgen bei Champagner und Austern. Fragt nur zu ihr„simplen" Frager, wir antworten euch und das Volk hört die Antwort! Vit,--- II-------------—---- y....... nachweisen— Rechnung getragen und damit, wenn es überhaupt noch nöthig war, wiederum gezeigt, was die Arbeitrklasse, trotz staatssoziallstisüer Hofprediger und ähnlicher Gimpe. jünger, für ihre Gleichberechtigung mit der herrschenden Klasse, wenigsten» in formellen Rechtsfragen, vom heutigen Staat zu erwarten hat. Wenn je einmal einer Regierung von einer ihr prinzipiell feindlich gegenüberstehenden Partei, die sich mit jedem Tage in höherem Grade als Repräsentant der weitaus zahlreichsten Klasse der Gesellschaft bezeichnen darf, eine goldene Brücke zur Ver- ständigung für eine große Reihe von Fragen auf dem Boden der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung gebaut wurde, so geschah das mit dem seitens der sozialistischen Reichstagsmitglieder in der vorigen ReichstagSsession eingebrachten Gesetzentwurf über die Gewerbeordnung. Dieser Gesetzentwurf enthielt nicht eine einzige Forderung, die nicht bei gutem Willen der herrschenden Klassen und ihrer Regie- rung hätte verwirklicht werden können. Dieser Gesitzentwurf schaffte mit einem Federzug eine ganze R-ihe von Fragen, die täglich zu den häßlichsten Streitereien zwischen den gegnerischen Klassen führen, aus der Welt und schuf eine so umfassende Or- ganisation unseres gewerblichen und industriellen Lebens, daß mit ihrer Hülfe alle auftauchenden Contraversen in sachlicher Weise erörtert und eine ruhige und organische Umbildung der gesellschaftlichen Einrichtungen hätte herbeigeführt werden können. Wir behaupten auch heute noch, und zwar ohne alle Anmaßung, daß der damals vorgelegte Entwurf, kleine nebensächliche Mängel zugegeben, das Beste war, was einem modernen parlamentarischen Körper in Bezug auf Organisation der ökononiislben Zustände ?! 1 I, � f8 wird Aufgabe der sozialdemokrati- chen Retchstagsmitglleder fem, nach Schluß der nächsten Reichs- tagsverhandlungen an der Hand des von dem Reichst- r Be- »�l).�,i�?n"?bkunstsstaat aber wird das Volk dann! schlosienen und von ihnen Gewollten in einer besonderen Denk- Den sozmUstlschen Zukunstssiaat aver wiro o°s �i d.es im Einzelnen nachzuweisen. Das Komi che, aber uns *JCU|U�mu|U|u�vu—,............ erst recht l>eb gewinnen und»lle Kräfte anspornen, ihn zu er streben, auf daß alle Glieder der Gesellschaft der ihnen ent- sprechenden Genüsse theilhaftig werden. Die Gewerbeordnungs-Novelle. Das Reichskanzleramt hat gesprochen. Was von ihm für die Arbeiter zu erwarten ist, das enthalten die Gesetzentwürfe, welche die letzte Mittwochs-Beilage dieses Blattes brachte. Die Ent- würfe gehen zwar noch an den Bundesrath, aber wer da weiß, was diese Behörde im Großen und Ganzen noch zu sagen hat oder zu sagen wagt, wenn das Reichskanzleramt gesprochen, wird keine wesentlichen Abänderungen ermatten. Dazu kommt, daß in dem vorliegenden Falle auch die wirkliche innere Uebereinstimmung aller Regierungen so gut wie gewiß ist. In Bezug auf das, was dem Arbeiter nicht gewährt werden soll, sind sie Alle einig. Dies vorausgeschickt, versteht es sich von selbst, daß die re- aftionären Bestimmungen, welche die Gesetzentwürfe enthalten, uns nicht überraschten. Eins durfte man aber doch billigerweise erwarten, nämlich daß, nachdem in den vorjährigen Reichs- tagsdebatten von keiner einzigen Seite im Hause der leiseste Wunsch ausgesprochen worden war, die bestehen- den gesetzlichen Bestimmungen über die Kinderarbeit zu Gunsten des Großkapitals zu mildern, vielmehr alle Redner, welche über diesen Punkt überhaupt sich äußer- ten, eine größere Beschränkung, oder wie die Sozia- listen und llltramontanen, gänzliches Verbot iss ' S'v"'ist' es nnf'ach"unmöglich, daß die Menschen gleiche Ge nüsse haben können und wollen— die simple Behauptung zeigt uns deshalb schon den simplen Fragesteller. � Doch wir wollen auch aus den Kerii der Frage eingehen. litten uno uiitom«'iuu..v..,.p der Kinderarbeit nnter 14 Jahren verlangten, die Reichs- regiernng es nicht wagen würde, Vorsct-läge für bessere Ausbeutung der Kinderarbeit zu erlassen. Das Reichskanzleramt hat, wte wir das nachweisen werden, dies dennoch gethan und es stehen demnach die den Gesetzentwürfen beigegebenen Motive mit der Wahrheit im schnei- densten Widerspruch, wenn sie sich darauf berufen:„man habe sich begnügt, nur in den Punkten eine Aenderung vorzu- nehmen, wo das Bedürfniß nach Abänderung am meisten hervorgetreten sei und die Anschauungen über die Art der Abänderung am meisten sich genähert haben.". �. Es hat nicht nur kein Redner tm Reichstag, wie schon bemerkt, eine solche größere Freiheit der Kinderausbeutung verlangt oder auch nur angedeutet, in den dem Reichstag vorgelegenen Anttägen und Resolutionen aus allen Parteien des Hauies war auch nicht ein Buchstabe entHallen, der die Reichs- regierung nach dieser Richtung vorzugehen ermuthigen konnte.. m Noch in Bezug auf einen and-ren Vorschlag wird es der Reichsregierung schwer fallen, ihre Motive mit den ausgesprochenen Anschauungen im Reichstag zu vereinbaren; dieser betrifft die Einführung der Arbeitsbücher. Dieselben sind nur gefordert worden von der äußersten Rechten, und nur em Redner der anderen Parteien, der Abgeordnete Grumbrecht war es, der sick bedin- gungsweise dafür erklärte, aber mit dem ausdrücklichen Hlnweis, daß er in diesem Punkte mit der Mehrzahl seiner Gesinnungs� genossen nicht übereinstimme.. � Die Reichsregierung hat mtt ihren Entwürfen nach zwei Seiten hin Rechnung zu tragen versucht, nach der Seite der nach größerem Consum von Kinderblut lüsternen Groglndustrie und nach jenem verzopften Theil unseres Handwerkerstandes, der, i» gänzlicher Berkennung seiner Stellung und seines Schicksales in der modernen ökonomischen Evtwtckelung. glaubt Mit so lacher- lichen und kleinlich- gehässigen Mittelchen wie Einführung von Arbeitsbüchern und Verleibeigenschaftung der Lehrlinge mit lu�vsiww---------, schrift dies im Einzelnen nachzuweisen. Das Komische, aber uns sehr wohl Begreifliche bei all diesen Vorgängen ist, daß, obgleich heute selbst innerhalb der herrschenden Klasse kaum noch eine Stimme zu bestreiten wagt, daß wir uns in einem Zustande all- gemeiner ökonomischer Anarchie und Auflösung befinden, durch welche das Bestehende mit rasender Eile seinem Untergang ent- gegengeführt wird, dennoch Keiner aus der herrschenden Klasse anzugebe» im Stande ist, wie in diese allgemeine Zerrüttung einigermaßen Ordnung zu bringen, dem rapiden Untergang ein Zustand organischer Ueberleitung in die neuen Verhältnisse zu subjiitu'ren sei, und schließlich diejenige Partei allein mit prak- tischen Vorschläge» zu kommen vermag und kommt, der man so gern die helle Freude am gewaltsamen Umsturz und allgemeinen Ruin nachsagt. Das in sehr lehrreich und muß mit allem Nachdruck hervor- gehoben werden. Indem wir zur Besprechung der einzelnen Gesetzesvorschläge des Reichskanzleramts übergehen, seien zunächst diejenigen Fragen erwähnt, welche von den Entwürfen nicht berührt werden, ob- gleich sie schon seit Jahren Gegenstand der Erörterung weitester Kreise sind, im Reichstag selbst schon mehrfach erörtert wurden und auch schon der Gegenstand praktischer Abänderungsvorschläge im Reichstag selbst waren. Dahin gehört in erster Reihe die Ausbeutung der Zuchthaus- und Gefäugnißarbeit als Concurrenzmittel der freien Privat- arbeit, Verbot resp. Einschränkung der Sonntags- und Feiertags- arbeit auf das unumgänglich Nothwendigste. Gleiches Vorge'ien in Bezug auf die Nachtarbeit, wobei die Frauen- und Kinder- arbeit aus Sittlickkeits- und McnschlichkeitSrücksichten ganz zu verbieten wäre. Einschränkung der Frauenarbeit, um wenigstens einigermaßen die Erfüllung der häuslichen Verpflichtungen zu ermöglichen und das Ehe und Familienleben nicht noch gewalt- famer und rascher seinem Untergang entgegcnzuführen, als es durch die angeblich das Ehe und Familienleben so„heilig" und „hochhaltende" bürgerliche Gesellschaft ohnehin schon geschieht. Verbot der Nachtarbeit für jugendliche Arbeiter— das absolute Verbot aller Kinderarbeit unter 14 Jahren erwähnen wir hier nicht weiter, weil schon im Eingang dieser Arbeit darauf Rücch ficht genommen wurde— obligatorische Verpflichtung zum Besuch von Fach- und Fortbildungsschulen für alle jugendlichen Arbeiter. Die allgemeine und ausreichende Einführung von Arbeilsinspek- toren, ausgestattet mit allen nöthigen Mitteln und Machtvoll- tommenheiten u. s. w....„.„. Tagegen zeichnen sich die Gesetzentwurfe aus durch viele ein- gestreute„kann" und„können", die'hre Abführung und Jnter- pretirung in das Belieben der betreffenden BeHorden stellen, was gleichbedeutend ist mit dem Belieben der herrschenden Klasse. Es versteht sich von selbst, daß wir, so wenig wrr sonst mit dem ins freie Beliebcnstellen wichtiger, das öffentliche Wohl betreffenden Gesetze einverstanden sind, wir hier gegen die kann" und können" wenia einwenden, wenn der Grundcharakter der Ge- sifce im einsiitigen Interesse der Unternehmerklasse beibehalten werden soll, wie das von diesem Reichstag nicht anders zu er- 1Uar$ie deutsche Bourgeoisie ist noch nicht offiziell durch ihre Glieder in der Reichsregierung vertreten— wie es indeß durch die Verhandlungen mit Herrn von Benningsen geplant ist—, gleichwohl beherrscht schon ihr Geist seit lange die Reichs- reaicrung. In allen witthschaftlichcn Gesetzen spielt das l-risssr fairs, auch heute noch, trotz aller bösen Erfahrungen die Haupt- rolle.' Das liegt im Wesen der Bourgeoisie; dagegen liegt in den politischen Gesetzen die Gewalt und der Zwang, da spiel� an Stelle des„kann" und„können" das„sollen" und„müssen" seine gewichtige Rolle und schnürt die Freiheit der Meinung und des Handelns in spanische Stiefel ein. Der Gesetzentwurf betr. die Gewerbegerichte beginnt gleich im Eingang mit der sich überlebthabenden Rubrizirung der„Ge- sellen, Gehülfen, Fabrikarbeiter und Lehrlinge", obgleich Arbeiter und Lehrlmge das einzig richtige ist, deren Streitigkeiten durch Gewerbegerichte entschieden werden„können". Das„können" soll nicht blos die Einrichtung von Gewerbegerichten ins freie Belieben der Gemeindeverwaltungen resp. der Landes- Central� behörde setzen, es hat in dem vorliegenden Falle einen noch tieferen und sehr reaktionären Grund. Es ist allbekannt, daß heute schon zahlreiche und zwar zum Theil sehr große industrielle Etablissements auf dem Lande, häufig mit der Bewirthschaftung großer Güter verbunden, zer- streut liegen. Selbstverständlich müßte auch diesen die Wohlthat vernünftiger, d. h. die Unparteilichkeit der Rechtsprechung nach Kräften wahrender Gewerbegerichte zu Gute kommen, wie das der Entwurf der sozialistischen Reichetagsmitglieder auch anstrebt. Die Reichsregierung dagegen beabsichtigt mit dem jetzigen Ent- Wurf aber augenscheinlich die Gründung von Gewerbegerichten nur in größeren und industriell sehr entwickelten Gemeinden oder Gemeindeverbänden, und so soll nach% 19 des Entwurfs dort, wo kein Gewerb�gericht besteht, der Gemeindevorsteher Richter in allen den bezüglichen Streitigkeiten sein. Das ist eine Ungeheuerlichkeit, welche die schärfste Brand- markung verdient. Der Mann soll entscheiden, dem vielleicht selbst das Eta- blisscment, dessen Arbeiter klagen, gehört; er urtheilt also in eigner Sache, günstigen Falles urtheilt er in Sachen, die seine nächsten Freunde und Klassengenossen betroffen haben. Der Arbeiter wird hiernach einer modernen Art von Patri- monialgerichtsbarkeit überwiesen, wie sie bereits die preußische Kreisordnung eingeführt hat. Dem so von seinem Feind verurtheilten Arbeiter räumt dann der Gesetzentwurf das Einspruchsrecht an das entfernte Landgericht ein, wo selbst im günstigsten Falle die Kosten sich weit höher belaufen als der Werth des Streitobjekts. Kann man die Parteilichkeit weiter treiben? Wie über die Einsetzung überhaupt, so entscheidet auch über die Art der Organisafion und die räumliche Ausdehnung inner- alb der Gemeinde oder des Gemeindeverbandes die Communal- ehörde. So„kann" z. B. nach§ 2 des Entwurfs die Thäfig- feit des Gewerbegerichts nur auf bestimmte Gewerbezweige oder Fabrikbetriebe oder nur auf örtliche und bestimmte Theile des Gemeindebezirks ausgedehnt werden. Vergegenwärtigt man sich nun, daß die Unternehmerklasse das Heft in den Magistraten und, ganz vereinzelte Gemeinden ausgenommen, in den Gemeindevertretungen in Händen hat, so läßt sich beurtheilen, welche Handhaben zur Willkür, zum Cliquen- und Jntriguenwesen sich hier bieten. Die Organisation der Rechtsprechung über die Arbeiter wird den Klassengegnern der Arbeiter überliefert. Das ist der Sinn und die Bedeutung dieser Bc- stimmungen. Daß Z 5 die Gerichtskosten den schon mit allen möglichen Lasten überbürdeten Gemeinden aufhalst, wird zu ihrer Einfuh- rung nicht anspornen, um so mehr dürfte der nach§ 19 in Aussicht genommene Gemeindevorsteher die Rechtsprechung als tür- kischer Kadi unumschränkt handhaben. Als ein Muster reaktionärer und arbeiterfeindlicher Bestim- mungen können die§ 7 und 8 gelten, welche die„Wahlen" re- guliren. Nach§ 7 muß jedes Mitglied des Gewerbegerichts wenigstens 30 Jahr alt sein. Reichstagsabgeordneter kann man bekanntlich mit 25 Jahren werden. Die Reichsregierung schätzt also das Maß von„Weishest", das ein Gewerbegerichtsmitglied haben muß, erheblich höher als das eines Reichstagsmitgliedes— ein Compliment, für das sich der Reichstag hoffentlich bedankt. Dabei darf dieses begnadete Gewerbegerichtsmitglied für sich oder seine Familie wenigstens in den letzten 3 Jahren keine Armenunterstützung genossen haben. Vermuthlich hatte das für- sorgliche Reichskanzleramt hierbei den gegenwärtigen Nothstand im Auge, der es allerdings für einen mit Familie gesegneten Arbeiter beinahe zu einem Kunststück macht, die öffentliche Unter- stützung nicht zu beanspruchen. Die Reichstagsmitglieder sind auch in dieser Beziehung gün- stiger gestellt, sie brauchen nur nachzuweisen, daß sie während des letzten Jahres„Staats- oder„Gemeindeunterstützung" in Form von Armenhilfe nicht genossen haben. Endlich soll das Gewerbegerichtsmitglied auch seit mindestens 2 Jahren im Gerichtsbezirk wohnhaft gewesen sein, ein Erfor- Wieder ein Bekehrter! Frankfurt a. M., im Januar. Der Kampf mit dem modernen Drachen, Sozialdemokratte genannt, hat schon gar seltsame Blüthen getrieben. In der Regel muß man sich über die in dem Kampfe als Waffen benutzte Un- Verschämtheit, Lüge, Verleumdung, pure Dummheit und wie die schönen Dmge alle heißen mögen, wundern; aber ausnahmsweise be- kommt der„Kampf"(mit Gänsefüßchen)'mal so einen harmlosen, naiven Anstrich, daß man lachen muß, einerlei, ob man soll oder nicht soll. So heute! In der„Bismarckstraße" der ober- hessischen Provinzial-Haupt- und Universitätsstadt Gießen ver- läßt allwöchentlich zweimal ein Blatt die Presse, das den gewiß schönen und volltönenden Namen„Deutscher Volksfreund" führt und als„Organ des Deutschen Bolksvereins" bezeichnet ist. Es ist nach eigener Aussage ein„wahrer Freund des Volkes" und bekämpft die„finsteren Mächte",„die unser Volksleben zu verderben drohen". Manchem Leser dürfte es erwünscht sein, diese„wahre Freundschaft" etwas näher kennen zu lern-n, sowie einen ungefähren Begriff von jenen grausigen„finsteren Mächten" zu bekommen. Drum frisch an's Werk! Die Nr. 103 dieses „Deutschen Volksfreund" vom 25. Dezember 1877 wird mit einem Leitartikel eröffnet, der die verführerische Ueberschcift trägt:„Wie Sozialdemokraten beizukommen ist, von einem Geistlichen, zunächst für Geistliche, aber auch für andere Leute." Aber auch für andere Leute! Das ist gewiß aller Ehren Werth und giebt uns ja die Erlaubniß, diese tiefen Ge- danken eines noch tieferen Geistes auch unseren Lesern, unter denen die„Geistlichen" am Ende zu dünn gesäet sind, zugäng- lich zu machen. Sammelt also Euren Geist, damit der Rede Sinn Euch nicht dunkel bleibt, damit Ihr nicht mit Furcht aus- zurufen genöthigt sind:„Da steh' ich nun, ich armer Thor! Und bin so klug als wie zuvor!" Vernehmt also: „In gewissen Schichten des Volkes, namentlich in den indu- striellen Bezirken, ist die Erbitterung der Leute bereits auf eine entsetzliche Höhe gestiegen. Freilich sind früher besonders die Fabrikarbeiter vielerwärts schmählich genug behandelt und schnöde ausgenutzt worden.(Doch?!) Die sozialistische Agitation aber hat die wirklich vielfach schon beseitigten Nothstände mit glühenden derniß, von dem man bei einem Reichstagsmitglied auch nichts weiß. Warum hat die Regierung nicht gleich noch verlangt, daß das Gewerb-gericbtsmitglied den Nachweis führen müsse, Vater von wenigstens drei legitimen Kindern zu sein und eine Stel- lung als„Werkführer" zu bekleiden? Auf diese letztere Kategorie scheint sie es besonders abgesehen zu haben; wie schön ist es auch, wenn W rkführer und Unternehmer friedlich mitsammen dies Gericht bilden. Aber alles das genügt der Regierung noch nicht. Es sollen trotzdem die 30jährigen seit 3 Javren keine Armenunterstützung genossen habenden und seit 2 Jahren ansässig gewesen seienden Aus- erwählten unwürdig sein zum Gewerbezerichtsmitglied, wenn sie sich in einem der durch Z 32 des Gerichtsverfassungsgesetzes vor- gesehen n Falle befinden. Sehen wir uns also den verhängnißvollen Paragraph an. Derselbe lautet: „Unfähig zu dem Amte eines Schöffen sind: 1. Personen, welche die Befähigung in Folge strafgerichtlicher Verurtheilung verloren haben; 2. Personen, gegen welche das Hauptverfahren wegen eines Verbrechens oder Vergehen eröffnet fit, das die Aberken- nung der bürgerlichen Ehrenrechte oder die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter zur Folge haben kann; 3. Personen, welche in Folge gerichtlicher Anorvnung in der Verfügung über ihr Vermögen beschränkt sind." Wiederum eine Bestimmung, der bis dato die R ichstagsmit- gliedcr entronnen sind. Endlich bestimmt noch der§ 7, das Amt als Gewerbege- richtsmitglied sei ein Ehrenamt, das heißt auf deutsch, er bekommt nichts für seine Zeitversäumniß, und das ist die erste Bestim- mung, in welcher ein Reichstags Mitglied und ein Gewerbegerichts- Mitglied gleich stehen. Wir vermuthen stark, das Reichskanzleramt hat in dem A 7 des Entwurfs die Mustereigenschaften entwickelt, die künftig auch für die Reichstagsmitglieder maßgebend sein sollen, wenn einmal die„Revision" des Rfichswahlgesetzes oder bez. Bestimmungen der Reichsverfasiung vorgenommen werden sollte. Hoffentlich hat sie auch den Muth, dies im Reichstag auf etwaige Anfragen zu bestätigen. Der§ 8 giebt in der gleichen Richtung noch einige Andeu- tungen. Die Berufimg der Mitglieder soll von mindestens einem Jahr bis zu fünf Jahren zulässig sein. Wie viel Arbeitermit- glieder dürften im letzteren Falle dann noch vorhanden sein? Die Wahl der Beisitzer„kann" den' Arbeitgebern und Arbei- tern zu gleichen Theilen übertragen werden; das hängt also von der Gnade der Communalverwaltungen ab. Als wahlfähiges Alter soll für beide Theile die Volljährigkeit(21. Lebensjahr) gelten, aber ein mindestens zweijähriger Wohnsitz im Ge- richte bezirk nothwendig fein. Da hat also das Reichskanzler- amt die unerhörte Kühnheit, d. h. im ersteren Punkte, eine sozialdemokratische Programmforderung gutzuheißen, nämlich die Wahlberechtigung mit 21 Jahren. Aber freifich, wenn man das passive Wahlrecht so vortrefflich verklausulirt, wie es 8 7 gethan, hätte man sogar auf 18 oder gar auf 14 Jahr zurückgehen können. Sollte auch hierin das künftige Reichswahlgesetz seine Schatten werfen? Da aber augenscheinlich das Reichskanzleramt fürchtet, daß die Zulassung von Wahlen schon an und für sich sehr bedenklich sei, namentlich wenn etwa ausnahmsweise eine sozialdemokratische Gemeindebehörde sie anordnet, so sollen die Wahlen der Prü- fung der höheren Verwaltungsbehörde unterworfen sein. Wcnn also die Gemeindeverwaltung die Gewerbemitglieder beliebig aussucht, empfindet die Reichsbehörde kein Bedürfniß zu kontroliren, aber wenn das Volk wählt, dann muß diese Kontrole vorhanden sein. Alle diese Bestimmungen zeugen von solch feindseliger Gesin- nung gegen die arbeitende Klasse, daß es sehr wünschenswerth wäre zu wissen, wer eigentlich diesen Entwurf auf dem Ge- wissen hat. (Schluß folgt.) AuS Berlin. -- 25. Januar. Bei der Berathung des Forstdiebstahls Gesetzes in der Commission des Abgeordnetenhauses sind die Pilze und Beeren, welche die braven Herrenhäusler in das Gesetz hineingebracht hatten, wieder gestrichen worden. Das Abgeordnetenhaus selbst wird, wie wohl anzunehmen ist, auch in diesem Sinne beschließen. Ein liberaler Abgeordneter, mit welchem ich über diesen Punkt Farben als ein unerträgliches, schauerliches Elend und als eine Menschen unwürdige Sklaverei ausgemalt. Durch Jahrhunderte hindurch aber hat sich ganz langsam eine furchtbare und finstere Zorneswolke angesammelt. Es giebt jetzt Zehntausende(noch ein paar mehr!) von Männern in unserem Volke, deren Zukunfts- Pläne sind einzig und allein auf Blut, Rache und Umsturz ge- richtet.(Das ist schrecklich, nicht wahr?) Hunderttausende sehen die Religion nur für eine Erfindung der Pfaffen und der Be- sitzenden an; sie habe einzig die Bestimmung, das besitzlose Volk zu knechten und dumm zu erhalten.(Schon hunderttausende"— im Uebrigen haben wir Nichts einzuwenden!) Man muß in sozialdemokratifchen Versammlungen gewesen sein und hier diese feurige Beredsamkeit, diese schauerliche Begeisterung kennen gelernt haben. Wir Pastoren könnten da lernen, wie man zum Volke reden muß, um zu feffeln, verstanden zu werden.(Wieder nichts einzuwenden!) Man begreift da aber auch, wie unzählige wohl- gesinnte Arbeiter durch die Macht der allgemeinen„Begeisterung" fortgerissen und verführt werden.„Die Kapitalisten und Ty- rannen"— heißt es da—„wissen recht gut, daß ihr so lange eure Faust nicht gegen sie erhebt, so lange ihr wie alte Weiber die Hände zum Gebete faltet. Darum müssen sich die Pfaffen heiser schreien:„Betet, betet, betet, so wird Alles gut!"— Und wenn es dann noch nicht hilft, so vertrösten sie euch auf die Ewigkeit.— Ja das ist immer ihr letzter Trumpf, die liebe, schöne Ewigkeit!— Darauf sollt ihr euch trösten, und euch unterdessen zertreten lassen, wie schmierige Würmer! Verflucht seisn sie, die listigen Berräther, die euch damit hinhalten wollen. Glaubt's nur, die Wechsel auf die Ewigkeit lauten auf eine Firma, die längst bankerott ist! Auf Erden lebt ihr, das ist gewiß, und auf Erden müßt ihr glücklich werden, oder ihr weroet es niemals; und wenn ihr euch Nicht selber helft mit euren Fäusten, so hilft euch Gott und der Teufel auch nicht dazu."— So und ähnlich klingt es durch die Reden und Schriften der Sozialisten hindurch, und es ist ja leider nicht blos Mißverstand und nicht blos Wahrheitshaß, was aus diesen donnernden Reden an unser Ohr tönt. Ach! es giebt in der That unter den Besitzenden und Gebildeten nur zu Viele, die das Christenthum und die Kirche als ein Mittel betrachten, die wilde Kasse des Volks„im Schach zu halten"; und nur zu oft hat die Kirche sich gebrauchen lassen, sprach, warf sich stolz in die Brust und meinte, daß die Agitatio« der sozialdemokratischen Presse gar nicht von Nöthen gewesen sei, um das Abgeordnetenhaus zu veranlassen, derartige Härte« aus dem Gesetze zu entfernen. Als ich ihm aber bemerkte, daß solche agrarische Gesetzentwürfe, die im Herrenhaufe eine ein- gehende Bera'hung erlitten, vielfach vom Abgeordnetenhaufe ihrer geringen Bedeutung halber ev dloo angenommen zu werde« pflegten, und daß man auch in diesem Falle die Volksfeindlich keiten in dem Entwurf hätte übersehen können, da gab da Abgeordnete selbst zu, daß es doch besser gewesen sei, einizc soz-aldemokratische Wirbel zur Ermunterung gehört zu haben. Bei der Germanisirung der Provinz Posen kommen merk- würdige Erscheinungen zu Tage. So sind im Laufe der letzt« Jahre Hunderte von polnischen Ortsnamen in deutfche verwände!! worden. Eme dahin zielende Interpellation im Abgeordnete» hause wurde vom Minister Friedemhal dahin beantwortet, daß d« Nam-nsänderung immer auf Wunsch der Gemeindevertretung dct betreffenden Orts geschehen sei. Aber was beweist das? J> verschiedenen Orten nämlich, die eine überwiegende polnisch Bevölkerung haben, sind die Gemeindevertretungen in der M» jorität deutsch und so ist ein Ortsnamen-Veränderungsbeschlch äußerst leicht zu fassen— die Majorität der Gesammtbevölkeruq aber wird tyrannisirt. Merkwürdig war es, daß bei der Be Handlung der Interpellation, welche von verschiedenen Parteien unterstützt ward, die Polen völlig im Stiche gelassen wurde» Nicht ein Centrums- oder Fortschrittsmann hat gefprochen. Auch Birchow, der vorher gedroht, der Regierung etwas am Zeuge flicken zu wollen, war stumm. Ob die nationalliberalen Minister« flssel in spe schon derartige Wirkungen ausüben, daß das b» kannte fortschrittliche Schwänzchen gar nicht mehr wagt, vo« rechts nach links zu wedeln? Hierbei will ich noch die Be- merkung machen, daß die Majorität der Fortschrittspartei sich jetzt auf dem Standpunkt des Herrn Hänel befindet, der, nach' dem die Nationallibcralen den Pakt mit Bismarck geschlossen dann auch seinerseits mit den Nationalliberalen Paktiren will. Die nationalliberalen Minister werden dann vielleicht die Gnadk haben, einige Fortschrittler als Hülfsarbeiter in den Ministerien mit dem Titel: Geheime Regierungsräthe, anzustellen. Erlauben Sie mir, aus der Liste der Personen, die auf de» jüngsten Ordensfeste bedacht worden sind, einige bekannt« Namen Ihnen vorzuführen. Da leuchtet zuerst derjenige det Herrn Gneist und zwar mit dem rothen Adlerorden zweite« Klasse mit Eichenlaub hervor— es ist das derselbe Mann, de«( es für die Pflicht eines wahren Volksvertreters hielt,„mit de»] einen Beine auf der Tribüne, mit dem anderen Beine auf ds Barrikade zu stehen", derselbe Mann, der im Jahre 1863 de» Herrn von Bismarck die schärf-ie Opposition machte und Rede« � hielt, die, wenn sie jetzt in Volksversammlungen verlauteten, in«! mehrjährigem Gesängmß„belohnt" würden.— EinenOrdenR.A.il! hat der fattsam bekannte frühere Polizeioberst Patzke zu Berlin, jch> strafanstaltsdireftor in Ramitz erhalten.— Nationalliberale Ab' x geordnete finden wir mit dem sehr bescheidenen R. A. IV, und r zwar die Herren Rickert nnd Puttkammer-Fraustadt. g Diesen bescheidenen Orden haben auch zwei viel berühmtere und verdientere Männer erhalten, nämlich der Herr Staatsanwalt Kunitz zu Frankfurt, der das Strafgesetzbuch so genau kennt» � daß er bei einfacher Majestätsbeleidigung die Aberkennung de* 0 bürgerlichen Ehrenrechte beantragt, und der Herr Landratb sj von Stielow zu Oschersleben, der gewaltige Verfolger de« sj Bettler und Vagabunden.— Noch sei zu erwähnen der Freund � Laeker's, Oppenheim'« und Bamberger's, der Schriftsteller B««' p, thold Auerbach, demokrätzigen Andenkens, der einen Kronen' g orden dritter Kiasse davontrug. � Dr. Dühring, der Sozialistenfresser, hat übrigens anä � einen Orden verdient— er hat nämlich wieder einmal geredet. � und wieder erklärt sein Leiborgan die„Magdeburger Zeitung' daß er ihr nicht allein aus der Seele geredet, sondern den Stand Punkt jetzt einnehme, den sie schon längst eingenommen Habs zz Man sieht, daß Dr. Dühring gar nicht so ungelehrig ist. w» man fönst oft behauptete. Diesmal ist er über Dr. Schtff» zz hergefallen— den Dr. Adolf Wagner ließ er nach dem aM r( Sprüchwort:„Gebrannt Kind scheut Feuer!" völlig aus de» � Spiele. Wie verächtlich der Mann sich übrigens in seinem Bo«' fy trage wieder gemacht hat, das geht daraus hervor, daß er be- p, hauptet, Schäffle habe in seiner„Quintessenz des Sozialismus deshalb der Sozialdemokratie„geschmeichelt", um das aus' m gebreitete Colp ortagegeschäft unserer Partei zu benutzen»ud h, dadurch für seine Schrift bedeutenden Absatz zu finden. N>» ln ich dächte:„Wer nicht hinter dem Ofen gesessen hcfi- bi Herr Dühring, der sucht auch Niemanden dahinter-@ Oder soll ich noch deutlicher reden? si, um Tyrannei und Härte der Gewaltigen dieser Erde zu bedecke» p, ja zu rechtfertigen.(Lauter gar nicht üble Eingeständnisse!). W» pC tief aber auch schon der Karren in den Koth hmeingefahren«st- ak das wahre Christenthum hat Kräfte der Ewigkeit, die jeden Fehl ve gang wieder zurückwenden können. Freilich nicht Predigte» e sondern Thaten, nicht Buße in Worten, sondern Buße in Werke- � müssen hier Rettung bringen. Im Einzelnen kann aber icd» Christ erfahren, daß die Liebe Christi mächtig ist, auch den ver- � bittertsten Gegner zu überwinden. Unzählige hassen das Ehrl-|0. stenthum, nur weil sie es mit einem gewissen kalten, aristokra- � tischen Kirchenthuni verwechseln: aber sie sehnen sich nach de« Liebe, welche die Seele des lebendigen Christenthums ist, dere« tei warmen Odem sie aber nie gefühlt haben. Schnell würd.» ah Tausende ihren Sinn ändern, wenn sie nur verstehen lernten. zu was das ist:„Die Liebe Christi dringet uns also", wie de« bii Apostel sagt, der„Jedermann allerlei geworden", um nur I« viele als möglich Christo zu gewinnen. „Noch sehe ich den grimmigen Mann mit rothem Barte v» Augen(das Signalement eines Sozialdemokraten, wie er zu Buche steht), hoch oben in der glühendheißen Dachstube, die vi«« hi Treppen hoch lag und wo Alles nach Hunger und Kummer aus' pg sah. Der Mann wohnte in der Fabrikstadt E., und ich kam z»— ihm wie zu allen denen, deren Kindern ich Confirmandenunt«' jpj richt ertheilte. Er aber hohnlachte, als ich ihm sagte, daß � en gekommen sei, die Eltern meines Christian X. kennen zu lerne» pp „Den schicken wir zu den Pfaffen, nur weil wir es müsse»'' vo schrie er mich an;..auf meiner Bude habt ihr nichts verlöre»„t Spioniren wollt ihr, verfluchten Pfaffen, spioniren und rnäp va Anderes." Das war sein Gruß. Und weiter sagt er, trotzde» daß seine Frau ihm gelinde Rippenstöße gab:„Es wäre le» Schade gewesen, wenn ihr die alte verfluchte Hühnerleiter h"! jetz untergepoltert wäret und alle Knochen zerbrochen hättet;»- au scheert ihr euch nicht schnell von hier, so will ich euch auf°,@1 Sprünge helfen, daß ihr es nach Jahr und Tag noch spürl. au „Ich blieb. Gottlob! ziemlich ruhig und sagte ihm von v- da Liebe Gottes, die ihn und mich beseligen und retten wolle. 2. besessen fuhr der Mann auf:„Gott, sagt ihr? Verflucht de* euer Gott, der uns zu armsel-gen Sklaven gemacht hat. D»' gli Faust hier(und er schlug damit wie rasend auf den Tisch), d»! Sozialpolitische Uebersicht. — Am 25. d. wurde in aller Hast der Wafsenstill- stand abgeschlossen, nachdem die englische Regierung ein Ulti- matum au da« Petersburger Kabinet gerichtet und dem Par- lament die Ergreifung kriegerischer Maßregeln angekündigt hatte. Ob die Türkei mit oder ohne die Billigung Englands Waffen- stillstandsbedingungen und Friedenspräliminarien angenommen hat, wissen wir nicht, und können deshalb auch nicht beurtheilen, in wie weit Garantien für vorläufige Eihaltung des europäischen Friedens erlangt sind. Den günstigsten Fall gesetzt: die jetzigen Verhandlungen führten unter Zustimmung der übrigen Mächte zu einem Friedensschluß, so wäre damit blos eine Pause von wenigen Jahren gewonnen, nach deren Verlauf das Gemetzel im Namen der Humanität und des Christenthums wieder losgehen wird. Die orientalische Frage bleibt ungelöst; die Lösung ist blos verschoben und Rußland, jetzt durch England an der Er- reichung seines Ziels gehindert, wird die erste Gelegenheit zur Fortsetzung des Mord- und Knuten- Culturwerks benutzen. Und das„von Rechtswegen"— so lange die Völker Gefallen daran finden. — Während Rußland sich anschickt, die Türkei ent- gültig kosakisch zu machen und während es im Begriff steht, seine Horden nach Konstantinopel zu dirigiren, um dort in der Hauptstadt der Türken„barbaren" seine„Culturmission" zu be- siegeln— erheben die deutschen Arbeiter fortgesetzt in zahl- reichen Versammlungen Protest gegen die den russischen Erobe- rungskrieg unterstützende Politik der deutschen Reichsregierung. Die deutschen Arbeiter wissen eben besser, als oberflächliche Ge- fühlspoliiiker, daß das Rußland, welches Polen vernichten half, welches gegen die glorreiche französische Republik des vorigen Jahrhunderts focht und welches zur Unterdrückung der Unab- hängigkeitsbestrebungen der ungarischen Nation seine Unter- stützung Ueh— die deutschen Arbeiter wissen eben besser, daß das Rußland, welches im eigenen Lande jede freiheitliche Be- wegung im Keime erstickt, den orientalischen Krieg nur im dy- nastischen Interesse angezettelt hat und daß die„Christenbefrei- ung" ihm den Vorwand zum Losschlagen abgeben mußte. Protest- Versammlungen fanden in den letzten Tagen statt in Würzen, Bayreuth, Liegnitz, Kassel, Darmstadt u. s. w. In sämmtlichen Versammlungen wurden dem Sinne nach übereistimmende Reso- lultionen angenommen, in welchen die deutsche Reicheregierung aufgefordert wird, der anticulturellen Politik Rußlands ihre Unterstützung zu versagen. — Die Gesammtausgaben für das deutsche Reich pro Rechnungsjahr 1878/79 betragen die Summe von 546,341,701 Mark. Von dieser Summe entfallen allein auf die Kriegsmacht und was damit direkt zusammenhängt(Armee, Marine, Jnva- liden-Unterstützung, Ausgaben in Folge des Krieges gegen Frank- reich) 461,125,167 Mark. Glückliches Deutschland! Stur immer frisch voran auf diesem Wege unter des genialen Bismarck's Führung. — Die Berliner Arbeiter, angeregt durch den Gimpel- fangversuch der christlich-sozialen„Staatssozialisten", haben in verflossener Woche eine großartige Manifestation gegen das Pfaffenthum in Scene gesetzt. In einer von mehr als 4000 Personen besuchten Volksversammlung, in welcher Most sprach, wurde trotz der krampfhaftesten Gegcnanstrengungen etlicher anwesenden Geistlichen, der Beschluß gefaßt, en masse aus der Landeskirche auszuscheiden. Dem Beschluß wird unzweifelhast die That folgen, und die Herren Slöcker und Comp, werden im Stillen sicher schon bereut haben, durch ihre Windsaat den Sturm heraufbeschworen zu haben, der sie jetzt umtobt. —»Seht, wir Wilden sind doch bessere Leute!" Während in dem Staate der Intelligenz, in Preußen- Deutsch- land, viele Volksschullehrer am Hungertuchc nagen, während die Wittwen derselben vielfach in trostloser Lage sich befinden, wäh- rend allein in Preußen über 4000 unbesetzte Schullehrerstellen vorhanden find, liefert uns Amerika mit seinen zum Theil noch halbcivilisirten Ländem ein ganz anderes Bild über die Schul- Verhältnisse. �ir Usen da in einem Newyorker belletristischen Organe, welches seine Angaben von einer internationalen Lehrerkonferenz hat, Dag m B rasilien die Lehrer in den Städten ein jähr- t-f rr0tm �— 900 Dollars, auf dem Lande von 400 s c. u � Wohnung und Benutzung eines Stuckes Land erhalten. Nack 15 jähriger Dienstzeit sind sie pen- sionsberechtigt und nach dieser Zeit, wenn sie im Dienste bleiben, erhalten sie 25 pCt. Gehaltserhöhung. Lehrerinnen stehen auf gleicher Stufe. In der Hauptstadt Rio Janeiro erhalten die Lehrer für jeden Schüler über 30 eine besondere kleine Ber- gütung. In der Argentinischen Republik stehen sich die Lehrer noch besser; sie erhalten 80—100 Dollars monatlich. Auch in Japan hat das Schulwesen in neuerer Zeit einen bedeutenden Aufschwung genommen und stehen die Lehrer in be- sonders hohem Ansehen; auch ist ihre Lebenshaltung eine ange- messen?. Und selbst auf den Sandwichsinseln beschämt man manchen sogenannten civilisirten Staat in Hinsicht auf das Schulwesen. Das genannte Blatt schreibt nämlich:„Ein Gesetz schreibt vor, daß alle Kinder im Alter von 6—16 Jahren irgend eine Schule be- suchen müssen, und in den größeren Städten wird dasselbe auch strenge durchgeführt. In den Elementarschulen bedient man sich der hawaiischen Sprache. Die Lehrer sind Eingeborene und be ziehen ein tägliches Gehalt von 50 Cents— bei der Billigkeit des dortigen Lebens wohl soviel wie 2—3 Dollars in den Ber- einigten Staaten. Das Schuljahr besteht aus vier Semestern. jedes zu zehn Wochen gerechnet. Nur an 5 Wochentagen wird unterrichtet. In den Landschulen wird täglich drei Stunden Unterricht ertheilt und zwei Stunden beschäftigt man sich mit Feldarbeiten. Der Ertrag dieser Arbeiten gehört zur Hälfte den Schulen, zur Hälfte den Lehrern. Der Schulbesuch ist ein über- raschend günstiger. Unter 3981 schulpflichtigen Kindern des Königreichs besuchten die Schulen 8287. Daran könnten sich selbst weit civilisirtere Länder ein Muster nehmen. Zum Unter- halt der Schulen haben alle männlichen Erwachsenen im Alter von 20—50 Jahren eine jährliche Steuer von 2 Dollars zu ent- richten." Nun, was sagen dazu unsere dünkelhaften Aftcrpatrioten? — Wir aber sagen, daß wenn der Militarismus in den euro- päischen Kulturstaaten nicht aufhört, wenn der Sozialismus diesen Staaten nicht unter die Arme greift, dann werden sie bald in der Kultur überholt von jenen halbcivilisirten Länd.-rn; sie wer- den dann auf das Niveau von Spanien und Griechenland her- niedersinken, während jene Nationen in Glück und Wohlstand aufblühen. Wollen und können die Regierungen nicht retten, so müssen es die Völker selbst thun. — lieber die sozialistische Bewegung in Frankreich bringt die offiziöse, hauptsächlich für das Ausland bestimmte und von Bismarck inspirirte Berliner„Corresponvenz" einen Artikel, aus dem wir nachfolgende Stellen zum Abdruck bringen: „In dem Chaos von Neuigkeiten, welche uns aus Frankreich zugehen, ist es eine Thatsache, die immer klarer zu Tage tritt, nämlich die, daß die Sozialdemokratie dort bereits eine Macht geworden ist, die nur auf den Ausbruch einer erschütternden Krise wartet, um mit einer Gewalt, die man vordem an ihr nicht kannte, aus der Bühne des öffentlichen Lebens zu erscheinen. Ohne Zweifel mögen die Führer der sozialistischen Bewegung in Frankreich, welche so eifrig mit den sozialdemokratischen Organen Deutschlands in Verbindung stehen, die Thatsachen ein wenig übertreiben; soviel steht jedoch fest, diese Bewegung kann man weder wegleugnen noch mit Stillschweigen übergehen. „Was ferner dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen kann, ist der Umstand, daß seit dem Genter Congreß die so- zialistische Agitation in Frankreich mit einer großen Geschicklich- keit und nach einem wohlüberlegten Plane betrieben wird. „In den letzten drei Jahren hatte diese Bewegung, welche durch die Niederlage der Commune in Paris erstickt war und streng überwacht wurde, die Segel einziehe» und laviren müssen; sie beschränkte sich darauf, das Landgcbiet und die industriellen Gegenden zu bearbeiten, hauptsächlich im südlichen Frankreich; aber seit einem halben Jahre ungefähr machte sie sich offen ans Werk, und die Führer der Partei scheinen den Augenblick, sich in den großen Städten, in Paris, Lyon und Marseille zu sam- meln für gekommen zu erachten.— Man kann nicht in Abrede stellen, daß die Aussichten für die Sozialdemokraten in Frankreich günstige sind, und die lebhaste Aufmerkfamkeit, welche die Re- gierung in letzter Zeit dem Vorgehen dieser Partei schenkte, hat nichts an der Sachlage zu ändern vermocht. Es ist interessant zu beobachten, daß in Frankreich wie in Deutschland die soziali- stischen Führer alle Mittel aufbieten, um die Ihrigen in die Gemeindevertretungen zu bringen." Wir haben diesem ziemlich sachlichen Urtheil an sich nichts hinzuzufügen, wollen aber die Bemerkung nicht unterdrücken, daß sich alle Änzeichen mehren, daß der„unsterbliches Herr Thiers sich noch kurz vor seinem Tode durch sein Manifest, in welchem der Sozialismus in Frankreich todtgesagt und begraben wurde � „unsterblich" blamirt hat. Alle Sozialistenhetzer, auch in Deutsch- land, aber mögen die Lehre aus dem raschen Wiederemporblühen des Sozialismus in Frankreich ziehen, daß selbst ein solcher Aderlaß, wie der im Jahre 1871, den Riesenkörper des Welt- Proletariats nicht zu erschüttern vermag. — Der Aufruf unseres Freundes Lissagaray in letzter Nummer des„Vorwärts" wird gewiß in den Herzen der d utschen Arbeiter ein Ecko gefunden haben; und Lissagaray darf uberz°ugt sein, daß die Arbeiter Deutschlands seinen Wünschen entsprechen und gegen die Verrussung Deutschlands und zur Linderung des Elends unserer deportirten französischen Vor- kampier Alles thun werden, was in ihren Kräften steht. Wenn er aber glaubt, wir seien im Stande, durch eine allgemeine Arbeitseinstellung einen entscheidenden Druck auf die Herr- schenden Klassen auszuüben, so ist das unzweifelhaft eine irrige Annahme. Auch wenn unsere Partei weit zahlreicher wäre und noch besser organifirt als jetzt, so würde die Jnszenirung eines nationalen Strikes, der sämmtliche Gewerke und Geschäftszweige umfaßte, weit über den Bereich unserer Macht gehen— ganz abgesehen von der Frage, ob ein solches Kampfmittel überhaupt praktisch ist. Nur einmal wurde es versucht, gegen Ende der dreißiger Jahre, als die englischen Arbeiter den sogenannten „natioual holiday"(Nationalfeiertag) zur Lahmlegung der Bour- geoine organifiren wollten. Damals scheiterte der Plan kläglich, und wir glauben kaum, daß ein zweiter Versuch günstiger aus- fallen würde. Und, die Frage der Möglichkeit bei Seite ge- lassen, denken wir: sind die Sozialdemo raten erst stark genug, dieses Kampfmittel anwenden zu können, dann sind sie auch stark genug, es nicht anwenden zu müssen. — In der Gewerbeordnungs- Beilage der Nummer 9 des „Vorwärts" ist der§ 133 auf S. 2 durch Auslassung eines Satzes unvollständig wiedergegeben worden. Wir drucken den § 133 hier noch einmal ab und setzen den weggelassenen Satz zur besseren Verdeutlichung in Klammern: 4. Verhältnisse der Fabrikarbeiter. § 133. Kinder unter 12 Jahren dürfen in Fabriken nicht beschäftigt w.'rden. Vor vollendetem 14. Lebensjahre dürfen Kinder in Fabriken nur dann beschäftigt werden, wenn sie in der Volksschule oder in einer von der Schulaufsichtsbehörde ge- nehmigten Schule und nach einem von ihr genehmigten Lehrplan einen regelmäßigen Unterricht von 18 Stunden wöchentlich genießen. Die Beschäftigung darf, wenn sie täglich stattfindet, die Dauer von(sechs Stunden, w:nn ste nur einen um den an- deren Tag oder in noch größeren Zwischenräumen stattfindet, die Dauer von) zehn Stunden des Tages nicht überschreiten. Junge Leute zwischen 14 und 16 Jahren dürfen in Fabriken nicht länger als 10 Stunden täglich beschäftigt werden. — Die„Berliner Freie Presse" veröffentlicht in ihrer Num- mer vom 24. Januar die in Nr. 6 des„Vorwärts" enthaltene Erklärung unseres Genossen Bebel und sagt dazu: „Diverse Blätter scheinen daraus den Schluß zu ziehen, daß es am Plötzensee wirklich vorzüglich aussehe. Ihre Redakteure mögen es nur erst praktisch erproben. Was aber die„Bastille am Plötzensee" anlangt, in welcher die Gefängnißdirektion„maß- lose und ungerechte" Angriffe auf sich entdeckt haben will, so sind wir zu der Erklärung ermächtigt, daß Most alle in seiner Bro- schüre mitgetheilten Thatsachen vollständig aufrecht erhält. Man frage nur jene politischen Gefangenen, die vor Most am Plötzen- see„gesessen" haben, und man wird hören, daß sie daselbst in- fam behandelt wurden. Ecks. Schmitz, Heinsch, Hurlemann, Slauk, Pietsch, Becker zc. wurden einfach wie Spitzbuben ge- halten. Man steckte sie in Zuchthausjacken, zwang ste zu körper- licher Arbeit, preßte sie zum Kirchenbesuch, erlaubte ihnen keine Zeckung, fütterte sie mit der schlechtesten Sorte der üblichen Ge- fängniß- Schlampe, ja man wollte Einzelnen sogar den Bart ab- nehmen. Das ist seit Most nicht mehr vorgekommen; und wenn es jetzt die Gefängnißdirektion liebt, den politischen Gefangenen die Mähr aufzubinden, Most's Broschüre hätte Alles verdorben, so verbirgt sie dahinter nur ihren Aerger über jene Schrift; denn die Thatsachen lehren, daß das Gegentheil wahr ist. Man fürchtet sich einfach vor weiteren Broschüren und begeht daher neue Mißhandlungen von politischen Gefangenen nicht, will den Neulingen aber einreden, es sei immer wie jetzt gewesen." — Grober Unfug! Dem Schwarzen ist nun auch der Rothe gefolgt. Parteigenosse Grünewald, nicht zu verwechseln mit dem Herrn Agitator des Herrn Stöcker, Grüneberg, also unser Parteigenosse Grünewald ist wegen groben Unfugs, welchen er in der von ihm redigirten„Freien Niederrheinischen Zeitung" oerübt haben soll und zwar indem er aus Anlaß des Sedan- festes das patriotische Gefühl verhöhnt habe— Grünewald ist vom Faust ist mein Gott, und wenn die Faust verfault ist, so ist auch mein Gott verfault. Seht, das ist meine Religion, und nun packt euch."— Traurig, ja zitternd ging ich hinweg. Ich konnte aber dem Manne, der arbeitslos war, Arbeit und Verdienst verschaffen. Das half.„Nun glaube ich doch noch, daß es einen Gott im Himmel giebt, und daß sogar unter den Pfaffen barm- herzige Leute sind", war seine Antwort gewesen; so lange ich in E. war, ist der Mann einer meiner treuesten Kirchengänger ge- Wesen und in seiner Wohnung, wohin ich noch öfter kam, lag fortan die Bibel an derselben Stelle, wo früher die Branntwein- flasche thronte. „In Summa, die Leute im Volke, auch die Gott entfremde- ten, sind nicht so schlimm, wenn wir Christen uns nur wirklich als Rachsolger desselben beweisen, dem es Lust und Himmel war binde81"11' � �tten, zu trösten, zu helfen, Wunden zu ver- (Aus„O. Funke, St. Paulus zu Wasser und zu Lande." «j... Bremen b. Müller 1877.) ■.- lieber Leser, war die neue Geschichte,„wie So- st*° f°!n beizukommen ist". Hast du meinem Ratbe gemäß V 10 geschieht bei dir nicht, wie bei den Exami- or iS fflQ«ens�ieTont)muä Jobs.„Schütteln des Kopfes!" — mu � verschaffen", das half bei dem„grim- migen Mann mit rvthem Barte"! Daß beides einem Andern entzogen worden und dieser vielleicht Roth darunter leiden mußte, macht unseren„Beckommer" nicht irre! Und, was die Moral von der Geschichte ist, aus dem Bösewicht wurde sogar einer der „treuesten Kirchengänger�. Vivat aequens,— nein, vi- vant sequenteä! Doch nun Spaß bei Seite! Wir können uns von unserem „Beckommer" nicht trennen, ohne ihm nur ein paar jener unsere ictzigen Zustände kennzeichnenden Thatsachen zum Studium mit auf den Weg zu geben, vorausgesetzt, daß er überhaupt zum Studmm fähia iit...51n den letztvernntr-»... s._.: om.„........-s— sollen, hatten sich dreißig, sage und schreibe dreißig, eingefunden. — Das hiesige Rügegericht hat im Laufe des verflossenen Iah- res nahezu 7000 Urtheile wegen Betteln?, Obdachlosigkeit, Poli- zeiübertretungen zc. gefällt.— Der evangelisch-lutherische Almo- ienkasten beging am 31. Dezember 1877 den 50. Jahrestag seiner Gründung. Im ersten Jahre seiner Existenz, also 1827, hatte er es mit nur 20 Hilfsbedürftigen zu thun, im verflösse- nen Jahre betrug deren Zahl 5709!— Der Jahresbericht des katholischen Almosenkastens hebt hervor, daß der Nothstand in dem seiner Pflege anvertrauten Kreise leider nicht abgenommen habe, sondern in solchem Maße zunehme, daß bei alleiniger Verwendung der bestimmt zugemessenen Mittel es ganz unmög- lich sei, die zahlreichen Anforderungen größter Roth und Be- drängniß auch nur einigermaßen zu befriedigen.— Zur Stelle eines Hausburschen, deren Erledigung nicht weiter als durch den Entlassenen selbst bekannt wurde, meldeten sich am 2. Januar achtzig quattfizirte Bewerber.— Die Central- Gefangenenan- statt Ziegenhain ist mit Strafgefangenen so überfüllt, daß die am Freitag von hier aus zum Abgange nach dort bestimmten Transporte bis auf Weiteres eingestellt werden mußten. Und solchen Thatsachen gegenüber kann man wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken? Kann man sich mit Spielereien befassen? Oder ist es Pflicht eines Jeden, dessen Herz noch nicht versteinert ist, thatkräftig zu handeln, seine Schul- digkeit zu thun?"__— o— Borsicht! In verschiedenen Landestheilen ist jüngst häufig, besonders auch von Hausirern amerikanisches Schweinefleisch zu auffallend billigen Preisen verkauft worden, weshalb der behördliche Hinweis erfolgt ist, daß, dem Vernehmen nach besagtes Fletsch nur deshalb ungeachtet tes weiten Land- und Seeiransports so billig an die Bcrzehrer abgegeben werden kann, weil dieses Fleisch von den auf Eisenbahn- Transporten im Innern Amerikas gefallenen und dem- nächst sofort eingeladenen Schweinen herrührt. Abgesehen davon liege ~ sr, r* fc. x-aCaa——».c. ,„...-�.c»|ccu..c. yv».-----,-. behaupten, daß dem so Zur ersten constttmrenden Generalversammlung finden könne.-.(W� woll n� � �"" des hiesigen Armenvereins, welchem schon nahezu 1700 Mit- vorst�ender' S glieder mit über 21,000 Mark jährlichen Beiträgen angehören D-.e.ce.. — Brer große deutsche Bierbrauereien, die Mainzer Aktien Brauerei, die Rheinische Brauerei in Alteburg bei Köln, die Brauerei von Gebr. Dieterich in Düsseldorf und die Essener Aktien-Brauerei haben an das kaiserliche Reichs- Gesundheitsamt ein Gesuch um Befürwortung geseplicher Bestimmungen gerichtet, durch welche die Anwen- dung von Surrogaten bei der ÄierbereiMng verboten wird. DaS ist brav! —„Können". Aus Oldenburg melden die liberalen Blätter die Ernennung des Ober-AppellationsgerichtSrath Tappenbeck zum Justiz- und Eultusmintster und tilgen dabei folgenden ominösen Satz hinzu: „Das Land wird mit der aus ihn gefallenen Wahl zufrieden sein können."— Natürlich:„Müssen ist ein Teufelsding" lautet ein altes Sprüchwort. — vr. Stroußberg wird bald eine Broschüre veröffentlichen unter dem Titel:„Ein Seehafen", in welcher er sich freundlich erbietet, eine direkte Canalverbindung über Berlin von Hamburg nach Stettin herzustellen und so mit Berührung der Hauptstadt die Nordsee mit der Ostsee zu verbinden. Wir wollen über das Projekt selbst nicht urtheilen, doch denken wir, wenn das Projekt gut durchführbar ist, daß dann der Staat selbst seine Pflicht zu thun hat. Die Canaliiation Norddeutschlands ist von größerer Wichtigkeit für die Cultur, als die Militäreinheit und Mililärgröße Deutschlands! — Ein frommer Priester im Wuppcrthale hatte vor nicht langer Zeit die„Gartenlaube" von öffentlicher Kanzel herab ein Schandblatt genannt, wurde wegen Beleidigung verklagt, aber freigesprochen, weil der Verleger nicht direkt genannt und weil auch auf den Titel„Schand- blatt" nicht viel Gewicht zu legen sc,. � Daß die„Gartenlaube" in früherer Zeit Manches zur Aufklärung beigetragen hat, ist bekannt, daß sie aber in jüngster Zeit auch vielfach das Gegentheil thut, ist gleich- falls wahr- der Priester hatte jedenfalls in einem früheren frei- sinnigen Jahrgange gelesen. — Herr Eugen Richter hat aus Brieg, wo er kürzlich eine Rede ausgeübt hat, eine Dankeszuschrift erhalten. Flugs veröffentlicht er dieselbe in der„Bolkszeitung".— Wenn die sozialdemokratischen Abgeordneten die Zuschriften veröffentlichen wollten, in denen ihnen Anerkennung über einen Vortrag ausgesprochen wird, so wurde der R»um der Parteiorgane kaum ausreichen und— sie wären gerad' io eitle Gecken, wie der Abgeordnete der Fortschrittspartei. Uebrigens soll ratben wie i„i- Norsicbt I einer der Absender des Dankschreibens der berühmte Improvisator sein, rathen wir zur Vorsicht. � �»gen Richter, zu Boden spricht ttf dazumal geleistet hat. Polizeirichter zu 30 Mark Geldstrafe verurtheilt worden, hat natürlich appellirt. Wir haben unsere Ansichten schon über den »groben Unfug", der unter Umständen auch mit dem Strafgesetz- buch verübt werden kann, vor nickt langer Zeit bei Gelegenheit der Verurtheilung eines klerikalen Redakteurs ausgesprochen und registriren diesmal hiermit nur den neuen Fall. — Die von uns in Nr. 9 gebrachte Mittheilunz, daß der kürzlich in Untersuchunghaft genommene Redakteur der„Berl. Fr. Presse", Genosse Dentler, auf ärztliche Anordnung aus der Haft entlassen sei. bestätigt sich nicht. Richtig ist nur, daß sich der betr. Anstaltsarzt über die Hastfähigkeit Dentlcr's sein Ur- theil vorbehalten hat. — Heft 9 der»Zukunft" vom 1. Februar hat folgenden Inhalt: Ueber den Gewerbe- Betrieb der Communen.— Die soziale Lage in Italien.(Dritter Artikel.) Von Benoit Ma- lon.— Untersuchungen über die Grundprinzipien der Sozial- ökonomie. Von Dr. Cäsar De Paepe(Forts.)— Maximilian Robespierre. Von Dr. Carl Brunnemann.(Forts.)— Po- lemk.— Recensionen. — Im Verlage eines unserer Parteigenossen, des Bürgers Henri Kistemackers, lidrairv sooialisto, 60, Boulevard du Nord, Bruxelles1, ist soeben in französischer Sprache ein Werk erschienen, auf welches wir glauben unsere geehrten Leser auf merksam machen zu müssen. Der Titel ist: Histoirs populaire et parlementaire de la Commune de Paris par Arthur Arnould.(Parlamentarische Geschichte der Pariser Commune, ein Volksbuch von Arthur Arnould, Mitglied der Commune.) G gen Uebersendung von 3 Mark(Postanweisung) an obige Adresse erhält man den ersten Band sofort, den" 2. und 3. gegen den 18. März und 20. Mai portoftei. Correspondenzen» ßaffet, 20. Januar. Nach sieben Jahren hatten wir gestern Abend wieder einmal Gelegenheit, den Genossen K. Frohme in einer Volksversammlung sprechen zu hören. Dieselbe fand statt in Rrauß' Salon und war aus allen Schichten der hiesigen Be völkerung außerordentlich gut besucht. Handelte es sich doch auch um einen sehr wichtigen Punkt, nämlich um die bisherige Orientpolitik der deutschen Reichsregierung. In nahezu zwei- stündigem Vortrage schilderte Frohme die Gefahren, welche Deutschland in Folge der polnischen Ent- und Verwickelungen der letzten Jahrzehnte, besonders seit dem Jahre 1866, drohen. Der Redner bewies auf's genaueste, daß es Thorheit sei, zu glauben, Rußland vollstihre im gegenwärtigen Kriege gegen die Türkei eine Cultm Mission. Auch gedachte er in gebührender Weise des russer freundlichen Gebahrens unserer reaktionären Parteien und ersuchte die Anwesenden, ihre Stimmen dafür geltend zu machen, daß sofort bei Beginn der nächsten Reichs- tagssrssion die Reichsregierung seitens der sozialdemokratischen Abgeordneten über ihre Orientpolitik interpellirt werde. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution fand einstimmige Annahme. — Tann sprach noch Genosse Pfannkuch über die wirth- schaftliche Lage und die Stellung der verschiedenen Parteien zu derselben. Redner legte klar, daß nur von der Sozialdemo- kratie eine wirkliche Lösung der sozialen Frage erwartet werden könne.— Als nun noch Genosse Frohme einige beherzigens- werthe Worte zu Gunsten der sozialdemokratischen Presse ge- sprochen, ward aus der Mitte der Versammlung der Antrag gestellt, die Versammelten mögen die dem Einberufer erwachsenen Kosten selbst decken. Ehe jedoch dieser Antrag richtig zur Dis- kussson, geschweige zur Abstimmung gelangen konnte, löste der überwachende Beamte die Versammlung auf. Wo bleibt da des Staatsbürgers Recht, über seinen Geldbeutel beliebig zu ver- fügen?— Wie es heißt, hat der betreffende Beamte»im höhern Auftrage" gehandelt. Aockenheim, 23. Januar. Der Ueberzeugung nach schon längst athcistijch-materialisttsch, haben unter dem heutigen Tage am hiesigen Orte 17 Personen ihren Austritt aus der Landes kirche bei dem Amtsgericht angezeigt, um auf diese Weise auch das formell Band zu lösen, welches fie seither noch an die Kirche fesselte. Unter den 17 Ausgetretenen befinden sich drei Personen weiblichen Geschlechts. W>r haben gegründete Hoffnung, daß binnen Kurzem noch Mehrere diesem Beispiele folgen werden. Göppingen, 19. Januar.„Es geht zwar langsam, aber es geht doch." Vorstehende Worte dürften wohl in Rücksicht aus unsere württembergischen Verhältnisse gegenüber der sozialen Frage mit mehr Recht als irgendwo angewendet werden können. Dank d-m Muckerthum haben wir hier einen schwereren Kampf zu bestehen. Der Beweis hierfür hat sich auch hier wieder am letzten Sonntag eklatant herausgestellt. Bei der letzten Reichs tagswahl hat die würltembergische Regierung den Regierungs- rath Diefenbach mit Hilfe der Bismarckanbeter und Mucker geg�n unfern Candidaten durchzusetzen gewußt. Nach Ablauf eines vollen Jahres hatten wir nun das Vergnügen, von dem Vertreter unseres Wahlkreises in öffentlicher Versammlung zu hören, daß Deutschland 542 Millionen Mark jährlich veraus- gäbe, wovon, wie wir das ja vorher wußten, beiläufig vier Fünftel für militärische Zwecke ausgegeben werden, schließlich erklärte Herr Diefenbach seinen Wählern, daß ex nichts Neues bieten könne, da dieselben wohl alles, was er gesagt, schon aus den Zeitungen wissen werden. Dann ging der Redner zur Be- Handlung des zweiten Punktes der Tagesordnung über, welcher lautete:„Die sozialistische Arbeiterbewegung." Selbstverständlich waren wir unter circa 300 Versammelten auch mit emigen Dutzenden Parteigenossen vertreten. Es würde den Raum des »Vorwärts" zu sehr in Anspruch nehmen, wenn ich alle die widersprechenden Behauptungen über unsere Partei wiedergeben wollte. Nur soviel will ich berichten, daß nach Beendigung des Vortrags Genosse Bronnenmcyer das Wort ergriff und in circa halbstündiger Replik dem Herrn Diefenbach tüchtig heim- geigte, wofür ihm nicht nur von einem großen Theil der Anwe- senden, sondern auch in zwei darauffolgenden Nummern des de mokratischen„Hohenstaufen" Anerkennung zu Theil wurde. Die Gegner speien natürlich Gift und Galle, aber widerlegen konnten sie Bronnemeyer nicht. Es würde uns Vergnügen machen, wenn öfters solche Bckämpfer unserer S.che hier auftreten würden; denn dadurch würden wir nur oewinnen, weil in die von uns anberaumten Volksversammlungen die Gegner nirgends oder höchst selten kommen. Herr Diefenbach hat aber auch vor anderen Gegnern das voraus, daß er nicht alles von uns Auf- gestellte verdammt, indeß wollte er die„Quintessenz" von I)r. Schäffle zweimal gelesen und doch nicht herausgefunden haben, wie der sozialistische Zukunftsstaat beschaffen sein würde. Die Antwort wurde ihm indessen sowohl in der Versammlung als auch durch die Tagesblätter hinlänglich zu Theil. Selbstvcr- ständlich waren seine Verehrer sehr verblüfft, und er selbst konnte nur eine sehr schwache Erwiderung geben, welche darin gipfelte: Ich glaube es nicht. Eutritzsch bei Leipzig, 20. Januar. Der Tod hat seinen Mahnruf abermals un einen Parteigenossen ergehen lassen; unser Genosse Friedrich Oswald Lauschke ist am vergan- genen Mittwoch im Alter von 56 Jahren gestorben. Derselbe war ein alter 48er, der sich aber zur Sozialdemokratie gewandt hatte, als diese der Ausdruck für d-e politische und soziale Be- sreiung wurde. Er war auch bereit, mit ganzem Herzen zur Sache des Volkes und für des Volkes Recht sein Blut einzu- ' setzen. Lauschke stand 1849 auf den Barrikaden in Dresden, wurde gefangen, saß 1'/« Jahr in Untersuchungshaft, wurde zu- erst zum Tode verurtbeilt, bekam dann aber 10 Jahr Ar- beitshaus(Zwickau), verbüßte jedoch darin nur 2>/, Jahre. Die Wittme, welche mit einem erwachsenen Sohne und 2 Töchtern zurückbleibt, war dem Verstörbenen eine treue Mitkämpferin; sie begriff das Streben ihres Mannes und ließ sich im November 1850 unter militärischer Escorte mit dem Verstorbenen trauen. Bei den Reichstagswahlen wirkte Lauschke immer recht wacker für die sozialdemokratischen Kandidaten, z. B. im Wahlkreis Pirna, besuchte auch fleißig derartige Dresdener Versammlungen; denn erst seit kurzem wohnte derselbe hier und war draußen im Lande nach Arbeil(Töpfer) herumgezogen, während seine Frau sich hier aufhielt. Lauschke starb in Folge von Erkältung an einer Lungenentzündung; der Mangel an Arbeit und der dürftige Lohn hatte ihn nicht in die Lage versetzt, sich dem Winter ent- sprechend kleiden zu können. Sein Sohn Paul, auch ein eiftiger Genosse, der nun d:c ganze Familie zu ernähren hat. ist erst seit 10 Tagen aus dem Chemnitzer Krankenhaus entlassen, in dem er 3 Wochen darniederlag. Derselbe war in Zschopau von einem Baue heruntergestürzt und hatte sich eine Knochenhautent- zündunq des Schienenbeins zugezogen. KönigsLerg.(Professor Dr. L. Friedländer zu Königs- berg i. Pr. und die deutsche Sozialdemokratie.) Zur Feier des Krönungsfcstes dielt, wie in früheren Jahren, so auch in diesem Jahre, Herr Professor Dr. L. Friedländer am 18. d. M. in der Aula der hiesigen Universität einen Vortrag. Diesesmal sollte es sich um eine Schilderung verschiedener sozialisttscher „Staatsideale" handeln. Nach einer für Unkundige ganz interessanten Schilderung der Platonischen Republik, der Utopie von Thomas Morus, des Ideals von Campanella, der Reise nach Jkarien von Cabct und der bekannt- n Phalansterien von Fourier ging Redner zur deutschen Sozialdemokratie über. In einer Verunglimpfung der letzteren und einer aus dieser gezogenen patriotischen Nutz- anwendung gipfelte der ganze Vortrag. War es uns nun schon bei dem, was Redner mit professoraler Selbstgefälligkeit über Plato, Thomas Morus und die Anderen sagte, sehr zweifelhaft geworden, ob diese Mittheilungen— Plato ausgenommen— auf gründlichen Studien oder auf Berichten Anderer beruhten, die über jener Männer geschrieben, so wurde dieser Zweifel gehoben, als Herr Professor L. Friedländer auf die deutsche Sozialdemokratie zu sprechen kam. Offenbar Haider Herr Professor weder über Sozialismus im Allgemeinen, noch über die deutsche Sozialdemokratie im Besonderen etwas Anderes ge- lesen als jene bekannte, kaum 68 Oktavseiten ausfüllende Bro- schüre des Dr. Schäffle„Die Quintessenz des Sozialismus".*) Obgleich es nun eine Oberflächlichkeit und Leichtfertigkeit be weist, die ihres Gleichen sucht, wenn ein Dr. phil. und ordentlicher Professor der Albertus- Universität zu Königsberg i. Pr. über eine Bewegung wie die deutsche Sozialdemokratie, d'.e er selbst„eine Macht" nennt, nur auf Grund einer einzigen Bro- schüre urtbeilt, so würden wir auch dieses hinnehmen, wenn Herr Professor Friedländer Dr. A. Ichäffle's Ausführungen richtig zu benutzen gewußt hätte. Aber auf Grund dieser letz- teren den durch die deutsche Sozialdemokratie zur Geltung kom- wenden Sozialismus mit jenen sogenannten„Staatsromauen" in Parallele zu setzen, die Endziele der deutschen Sozialdemo- kratie als eine„Utopie" darzustellen und diese einestheils lächer- lich zu machen, auderntheils als verderblich zu kennzeichnen, be- weist, daß Herr Pivfessor Friedländer die von ihm wiederholt genannte Broschüre„Die Quintessenz des Sozialismus" entweder nicht verstanden hat, oder daß Herr Professor Friedländer sich in Verleumdungen zu ergehen keinen Anstand nimmt. Denn der Zweck der Schäfflc'schen Broschüre besteht gerade darin, dem Publikum, das Herr Professor Friedländer in der Aula zahlreich um sich versammelt sah, klar zu� machen, daß der So zialismus nach der von der deutschen Sozialdemokratie adop- urtcn Theorie von Karl Marx keine' Utopie, sondern eine sehr reale Sache sei, mit der man sich etwas eingehender zu belästigen habe, als dieses heutzutage Viele und unter diesen auch Herr Professor Friedländer thun. JJüas System Fourier's, St. Simon's und Anderer nennt aber Schäffle(S. 6)**)„alte phantastische Reorganisationspläne, Phantastereien" und hebt an einer anderen Stelle ausdrücklich hervor, daß dieselben lange „überwunden" seien. Gegen Schluß seiner Rede citirte Professor Friedländer einen Satz, mit welchem, wie er meinte,„Schäffle seine Broschüre schließt". Dieses ist falsch. Schäffle schließt seine Schrift mit den von Professor Friedländer nicht angeführten Worten: „Gewöhne man sich also endlich an concretes Denken und Urtheilen in dieser ungeheurcu Frage, und entziehe man sie dem wüsten Einfluß der Schlagworte, der Vorspie- gelungen, der L id�nschaften, der Vorurtheile, der Selbstbe- lügung und der Denunziationen! Sonst gehen darob alle Stände mit der Cioilisation zu Grunde." Und diesen Schlußsatz empfehlen wir Herrn L. Friedländer, Dr. phil. und ordentlichem Professor an der Universität zu Kö- nigsderg i. Pr., zur Nachachtung.� Ueber den in der Rede des Herrn Professors zu Tage ge- tretenen Chauvinismus wollen wir schweigen und uns nur aus die Fragen beschiänttn: Wer hat sittliche Anschauungen zerstört? Die Sozialdemokraten oder die Gründer und Lodpreiser der gegenwärtigen„deutschen Reichseinheit"?— Wer huldigt dem a'.ier Sittlichkeit Hohn sprechenden Grundsatze:„Macht geht vor Recht"? Die Sozialdemokratie oder H.-rr Professor Dr. Friedländer mit seinem nationalliberalen Anhang? Und Professor L. Friedländer ist ein akademischer Lehrer der deutschen Jugend I— Aernau. Vor einiger Zeit fanden hier bei einigen Ge- nossen Haussuchungen statt und find dabei etliche Sammellisten, Rechnungen und Briefe beschlagnahmt worden; bis jetzt ist es Gehe-mmß der Polizei geblieben, was mit den Haussuchungen beabsicktigt ist.— Man erzählt sich, daß die Seidenfabrck, welche circa 500 Arbeiter beschäftigt, geschlossen werden soll. Sollte diese Kalam'.tät wirklich eintreten, dann werden die hiesigen Seidenwirker mit dem Schulze'schen Sparsystem, dessen Anhänger *) Der Heer Professor wird wohl nicht verlangen, daß wir ihm einen Bericht über ten Status der sozialdemokratijchen Partei Deutsch lants vom Jahre 1876 anrechnen, der s. Z. auch von verschiedenen liberalen Zeitungen nachgedruckt wurde und dem er heute wicht mehr zutreffende Angaben entnahm. *')„Die Quintessenz des Sozialismus" von Dr. A. Schäffle.— Gotha, Friedrich Andreas Perthes. 1878. sie sind, praktische Uebungen anstellen können. Nur ein ver- schwindond kleiner Theil der Seidenwirker steht auf unserer I>ite, die Mehrzahl vertreibt sich die Zeit in drm fortschritt- lichen Handwerkervereine, der den Sozialismus wie die Pest scheut, wenigstens hat es der Borsteher des Vereins, der Weber- meister Seydel, schon seit Jahren verstanden, die unter seiner Obhut stehenden Fortschrittsgimpel vor dem sozialistischen„Gift" zu bewahren, indem er nie zugab, daß über die Interessen der Arbeiter im Gegensatz zu den Arbeitgebern gesprochen wurde. Da- für stebt der Mann aber hoch im Ansehen bei des Städtchens hoher Obrigkeit. Ob es dem Mann aber auch ferner gelingen wird, die Arbeiter an der fortschrittlichen Leimrutbe festzuhalten� das wird sich bald entscheiden müssen, denn die Zeiten sind ganz dazu angethan, selbst dem denkunfähigsten Arbeiter die Augen zu öffnen. Aufruf! Da die Eröffnung des Reichstags nahe bevorsteht, so ersuchen wir dringend alle Diejenigen, welche Sammellisten zu der Peiiäon an den Reichstag betreffs Abschaffung der Zuchlhaus- u. d Gefängnißarbeit von uns empfangen haben, dieselben so ichnell wie möglich und fpä estens bis zum 5. Februar an Unterzeichneten en zusenden. Gegen 100 Ort» schaffen sind md der Zusendung der Petitionslisten noch rückständig. Da die Agitation, sowie Druck. Porto rc. rc. Kosten verursacht und wir noch em Defizit haben, so ersuchen wir, uns auch in diesem Punkt zu unierstütz'n Etwaige Unterstükungen sende man gefälligst an unseren Kassirer Bernh. Breul, Koppenstraße 3511. II. Bericht und Bvrechnung ertolgt sofort nach Ablauf unseres Mandats.- Berlin, im Januar 1873. Das Cenlralcomitö. I. A.: Aug. Scharlibbe, Borsitzencer. Kastanien-Allee 54, bei Winnen. HR. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Briefkasten der Redaktion. St. in Saarbrücken: Brief angekommen. Quittung. Rxckr Alienburg Ab. 5,00. Lnd Hamburg d. Gb Ab. 100,00. Br. Groitzsch Ab. 3,00. Jrms Philadelphia Schr. 10,00. Uhlmnn Cainsdorf Ab. 30,00. Lng Alton Ann. 8,40. Flhr Friedberg Ab. u- Schr. 49,70. Deutscher Berein V vey Ah 5,00. Knblch Eulrtzsch Schr. 9,00. Ggir hur Ab. 4,50, Schr. 2,20. Wlthr Kiel 1 ?>chr. 57,80. Bsch Altenburg Schr. 11,10. Wnk Niemes Ab. 11,83. I Brnnmr Göppingen Ab. u. Schr. 25,00. Anzeigen zc* Annoncen für die Mittwoch S-Nnmmer müssen bis Man» tag Vormittags 9 Uhr; für die FreitagS-Nummer bis Mitt-» woch-Vormittags 9 Ubr: für die SonntagS-Nummer bis Frei» f tag Bormittags 9 Uyr hier sein, wenn solche noch bestimmt Aufnahme finden sollen. Annoncen, denen der Betrag nicht beiliegt, oder für welche der Einsender kein Depot bei uns hat. können eine Aufnahme nicht finden. ßCipßt� �reita-i. den 1. Februar, Abends 8 Uhr in der Volksversammlung. Tagesordnung: Die oruntalische Frage und der Reichstag. Rest- rent W. Liebknecht. Der Eiuberufer. Im Verlage von Wilhelm Röhl in Leipzig ist erschienen: Skizz Artebtes. en und Novellen. I (2a) von(S1070) Wilhelm hasenclever. Mitglied dei d-utlchen ReichitagS. 18 Bog. eleg. broch. Preis nur M. 1,20. Zu beziehen dura, all- Buchhai diungen, auch direkt von der«er» lagshandlung gegen Sinsend. von M. 1,20 direkt pr. Post franco. fSS" 1 Exemplar Snael», Lage der arbeitenden Klaffe und des„Demo-!. kratisch n Wochenblatt»" wird zu kaufen gesucht.[LO Offerlen mit Preisangabe an die Expedition des„Vorwärts". Wir empfehlen Das deutsche Reich und seine Gesetzgebung. Materialien für die sozialistische Agitation. Von Bruno Geiser. 7 Bogen 8. Preis 60 Psg. Ja Partien 50 Pfg. Inhalt: Kap. 1. Uebee die Gründung und Gesetzgebung des deutschen Reichs. Kap. 2. Die Reichsf-ersussung. Kap. 3. Die 0* Werbeordnung für da- deutsche R ich. Kap. 4. Das Gesetz bezüglich ver Abänderung des s 141»er Gewerbeordnung und das HilsskaffeN- geseB Kap. 5. Das Haftpflichtges-tz- Kap. 6. Das Lohnbcschlagnahme' ae es Kap 7. Das P.cbg-'etz- Kap 8 Die für das sozialpol"tsche Leben wichtigsten Bestimmungen des Reichsstrafgesetzbuchs m.l EriSute» rungen nach Oppenhof, Schwarze ic. Kap. 9. Zur Slalistik des deutschen i Reichs. Expeditton der„Neuen Welt". Färberftraße 12. 11._ I Die bürgerliche Gesellschaft, j Ein Vortrag gehalten vor freireligiösen Arbeiter» des Wupperthals i- Elberfeld-Barmen von Leipzig. Zur Joseph Pietz gen. Preis 10 Pf. Die Expedition des„Borwärtö". Agitation Zur rlgiraiivn wie zur Gewinnung voll Abonnenten sind gegen Einsendung des Portobetrages (für ein Kreuzband zu 10 Stck. 10 Pf., zu 30 Sta-? 20 Pf., z» 60 Stck. 30 Pf., über 00 Stck. per Packe- 50 Pf.) überzählige Nummern aus früheren Jah�' gängen des„Vorwärts" von uns zu beziehen. Leipzig, im Januar 1878. Expedition des„Vorwärts". Verantwortlicher Redakt ur: Hermann Helh, gm Reudnitz-Lnp» Redaktion und Expedition Fälberstcaße 12. II m Leipzig. Druck und Verlag der Genoffcnschesliluckdrncker-i in Leipzig.