ErschtinI in Leipzig VlNtaot, Fretiag, Sonntaa. �onnemcutsprcis >ti levtlchland l'21. 69 W. pr» Quartal. 'JAouttS• Abonnements »erden bei allen dcntichen Nokwnstalten »«1 den 2. und 3. Monat, und auf den 9. Monat besonders angenommen� im •Wmjjt. Sachsen und Herzogch. Eachfen- «tcnburg auch auf den Ihm Monat des Quartals i 54 Pfg. Inserate »m. Versammlungen pr. Petitzeile 10 Pf., «tr. Privaiangelegendeuen und Feste xrö Petitzeile 30 Pf. Kbstelliillze» nehmen an alle Lostanstalten und Buch» Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditione«. Reiv-Borl: Soz.-demolr. GenoSen- fchaftsbuchdruckcrei, lS4Lichriden Leitern der christlich-sozialen Partei der Kreise Dortmund, Bochum und Essen hier abgehaltenen Ber- sammlung der Beschluß gefaßt worden, der Bergarbeiter- bewegung in ihrer jetzigen Gestalt entgegenzutreten und Rufe, wie Schäffle, zu ihren Mitarbeitern zählt!— anerkennen; eine Haltung, welche jedenfalls ein ebenso gebildetes Lesepubli- kum zur Voraussetzung haben muß. Gemeinfaßlich, klar und geistvoll sind auch die Aufsätze und die ganze stoffliche Zusammenstellung und Ordnung in den großen Tag- und Wochenblättern: dem„Vorwärts", der„Ber- liner Freien Presse", der„Rundschau", dem„Precurseur", dem„Bulletin de la Federation Jurasfienne", dem„Mrabeau", der„Tagwacht" und dem englischen G-werbsblatt„Jndustrial Review". Erregt aber schon dies das gerechte Erstaunen des denkenden Lesers, so wird dasselbe noch gesteigert durch die große Verbreitung— Abonnentenzahl und den noch größeren Leser- kreis— der sozialistischen Blätter und die Opferwilligkeit der Partei— der nothwendigen Vorbedingung ihrer Existenz und Verbreitung. So hatten beispielsweise zwei sozialistische Kalender:„Der arme Conrad" und jener von Bracke 80,000 Abnehmer; und das Berliner Hauptorgan der Sozialdemokratie beklagt es öffentlich, daß ein der„Gartenlaube" nachgebildetes illustrirtes Unterhaltungsblatt:„Die neue Welt", nur 40,000 Abonnenten habe. Dieser wahrhaften„Macht" stehen in Deutschland allein die „Christlich-sozialen Blätter" in Aachen mtt einer gegen jene ver- schwindend kleinen Abonnentenzahl gegenüber! Diese Blätter sind gegründet, um die Lehren des edlen Bischofes v. Kctteler und seines treuen Freundes und Domcapitulars Moufang zu ver- breiten, welche die Reforni der vom Christenthum abgefallenen Gesellschaft auf historischer und christlich- conservativer Basis gegen die Sozialdemokratie anstreben und bestimmt find, die einer unbe- greiflichen Apathie oder einem muthlosen Pessimismus verfallen- den Conservativen wachzurufen. Ihnen hat ein würdiger katho lischer Priester, der nun auch verewigte Echings, seine Zeit, Kraft und sein bedeutendes Talent, ja mehr als dies, seine Ge- sundheit und endlich sein kurzes Leben geopfert. Leider mit geringem, wenigstens bis jetzt sichtbarem Erfolg! — Möge ihn der ewige Lohn dafür entschädigen und es seinem würdigen Nachfolger in der Redaktion, Caplan Bongartz in Bel- linghausen bei Essen, beschieden sein, dem trefflichen Blatte end- lich die verdiente Beachtung, Verbreitung und Unterstützung zu gewinnen. Uns Oesterreichern dürfte ein fruchtbares Studium der sozia- — Die Arbeiterbewegung in Nordamerika tritt mehr! und mehr aus deni Chaos heraus, in welchem sie sich zu ihrem eig nen Schaden seither befand. Die zu erstrebenden Ziele wer- j den schärfer abgegrenzt, und namentlich wird der Organisation, I durch die allein der Sieg verbürgt ist, volle Ausmertjamkeit zug-mendet. So ivird z. B. noch im Laufe des Monats Februar j in New York eine Zusaminenkunft von Delegirten der verschie- denen Arbeiterorganisationen stattfinden, die den Zweck hat, sich über folgende Punkte schlüssig zu machen: 1) Die Gründung eines allgemeinen Arbciterbundes und zwar so, daß alle Lohn- arbeiter, mögen sie dies oder jenes Geschäft betreiben, sich unter eine Centralleitung stellen und Theile der vereinigten Arbeiter- Union bilden können. 2) Gründung einer allgemeinen Kasse für Unterslützungs- und Schutzzwecke. 3) Die Organisation der Lohnarbeiter in Gewerkschaften und Errichtung solcher Gewerk- schasten, wo keine existiren. 4) Die nationale und inter- nationale Beremigung aller Gewerkschaften.— Diese allge-| meine Gewerkschafts- Union soll vorerst Folgendes zu verwirklichen[ suchen: Abkürzung der Arbeitszeit. Bessere Löhne. Fabrik- und Minen-Inspektion. Abschaffung des Trucksystems. Strenge Haft-> Pflichtgesetze. Verbot der Kinderarbeit in Fabriken. Errichtung I von Bürcaus für Arbeiter-Statistik. Verbreitung von Aufklärung über die Arbeitersrage durch die Arbeiterpresse und durch Redner und Anstellung eines allgemeinen Organisators. Z Hoff nach —„Die Neue Gesellschaft", Monatsschrift für Sozial- Wissenschaft. Herausgegeben von Or. F. Wiede. Das vor un» listischen Ltteratur und somit der sozialen Frage, d. h. ein sol- ches, welches zu richtigem Erkeniieii und hieraus zu mann- hafter That erweckt, besonders empfohlen und von prakttschem Nutzen sein. Besser gekannt und gewürdigt von den Liberalen und Sozia- listen als, wie es scheinen möchte, von den Conservativen selbst, bewahrt dies althistorische Reich trotz Revolution in der Blouse und in Glacehandschuhen der Grundmauern gar manches, welche die Jahrhunderte gefestigt und welche bis heute widerstanden haben. Nach Hinwegräumung des Schuttes, den 30 Jahre darüber gehäuft, böten sie noch ein unerschütterliches Fundament zum Aufbau eines christlichen Staatswesens, in Styl und Form die Verkörperung des historischen föderalistischen Reichsgedankens. Unter dem corrosivenJSinflnsse einer Staatsschuld von über 4000 Millionen, bei Staatsausgaben, welche in neun Frie- densjahrcn um 103 Millionen gestiegen sind, bei einer jährlichen Zinsenlast, die sich seit der Regierung des sogenannten Bürger- i Ministeriums unter dem Präsidium des Fürsten Carlos Auers- perg und dann unter jener seines Bruders— Lasser, genannt die seine Civil Reih Stra 2 betrc zwar schau spieg 5 find, Vers führ i zugl das schei seinc Get Ert Auersperg, um nahe 17 Millionen vermehrt hat. bei einem jähr- 1 ".....".............. ß lichen Deficite und zur Deckung desselben jährlichen neuen Anleihen— all' dies wohlgemerkt in Cisleithanien allein!— libe- raler Gesetzgebung. Steuerreform, roet« Erhöhung u. s. w. müssen jedoch allgemach auch solche Fundamente mehr und mehr abbröckeln. In dem luftigen Bau, den sich die Liberalen auf- geführt haben, werden sie indeß nicht lange des Daseins froh werden. Durch die Bresche, die sie in den historischen Wall ge- krochen, werden bei fortdauerndem Verfall, und wenn die starte Hand sich nicht findet, die der Zerstörung Einhalt gebietet und den Wallbruch Ichließt, die Sozialisten ihren Einzug halten. Vor mehr als 25 Jahren sagte Louis Veuillot im„Uni- vers":„Bleibt auf euren Gütern, Edelleute, statt hierherzu- kommen und mit eurem Gelde eure ärgsten Feinde zu mästen- Wozu sollen eure Söhne alle Rechtsgelehrte und Tribunenredner werden! All' das Geld, das ihr an Schuldiplome setzt, wendet es besser an zu einer christlichen und männlichen Erziehung eurer Kinder. Seid statt die Letzten unter den Bürgern, unter den Bauern die Ersten. Die Zeit wird kommen, wo dtt Herrschaft des Wortes und der Feder, des Geschwätzes und de» Gesc aus; sich meri Cha Alle Leb« statt Bai err fit auf feste Zu l Dar mac glei eur, die hin! mei jäh der tio die ret dies „Vl wa> auf Jh, zwi bla Re! liegende vierte Heft enthält: Die weltgeschichtliche Sendung des Sozialismus von vr. P. Pixis.— Die Utopia des Thomas Morus von Prof. S. Bö gelin.— Ueber die Erblichkeit und Vererbung geistiger und körperlicher Eigenthümlichkeilen von Dr. Aug. Specht.— Einiges über das Erbrecht von Dr. M. Lehn. — Rezenstonen von Prof. von Arx, Dr. A. Duli, G. Schaumann und R. R.— Bei der Redaktion eingegangene Druck- fchristen. Die Zeitfchrist ist durch alle Buchhandlungen quartaliter für Mrk. 3, Fr. 3,75 zu beziehen. — Wir erhalten folgenden Brief, den wir hiermit veröffent- lichen: „Als Parteigenosse erlaube ich mir, die Entgegnung des Herrn Pfarrer Dr. Hager aus Erzhausen betreffend, der verehrten Redaktion zu bemerken, daß es ungerecht ist, dessen Entgegnung in so langen Intervallen erfolgen zu lassen, denn derselbe und mit ihm seine Partei könnten annehmen, als wenn dieselbe mit Absicht todtgeschwiegen werden soll. Anstatt mancher Correspondenzen konnte die„Entgegnung" gebracht werden, wenn kein anderer Raum vorhanden ist. Warum etwas anfangen und nicht ausführen? Im Interesse unserer Partei würde ich die verehrte Redaktion freundlichst ersuchen, die Entgegnung recht bald zu bringen und sie zu Ende zu führen. R., 31. Januar 1878._ Hochachtungsvoll H. N." Wir bemerken zu obiger Zuschrift, daß wir noch im Dezember an Dr. Hager in Erzhausen eine Postkarte sandten mit der Auf- forderung, seine„Entgegnung" gefälligst beschleunigen zu wollen. Die Postkarte kam als unbestellbar zurück; Herr Hager aber hat seit Zusendung der in Nr. 150 vom 23. Dezember abgedruckten Fortsetzung seiner Entgegnung nichts von sich hören lassen. — Berurtheilungen. Der frühere verantwortliche Redakteur der„Berliner Freien Presse", Genosse Paul Grottkau, ist wegen verschiedener Preßvcrgehen in erster Instanz zu sechs Monaten Gefänguiß verurtheilt worden.— Genosse M. Schle- singer, Redakteur der„Wahrheit" in Breslau, soll 20 Mark Strafe zahlen, weil die„Wahrheit" vor etlicher Zeit eine Annonce enthielt, in welcher angezeigt wurde, daß in London eine Ver- loosung zu Gunsten der Deportirten in Neu-Caledonien statt- finden würde. Hierin erblickte das Gericht eine Aufforderung zur Betheiliguug an einer verbotenen Lotterie, und deshalb die Geldstrafe von 20 Mark. — Wir können die zahlreich uns zugehenden Berichte über Protestoersammlungen gegen die russenfreundliche Politik des Fürsten Bismarck aus Mangel an Raum nur zum klemstenZTHeil zum Abdruck bringen. Wir begnügen uns heute zu erwähnen, daß im Laufe der letzten Woche uns Berichte über Bersamm- lungcn in Dresden, Magdeburg, Buckau, Connewitz, Leipzig, Hanau u. s. w. zugegangen sind. „Die Rechte und Wünsche des Volks bezüglich der Justizgeselze/' Der Verfasser, Carl Lempkens, hat unter diesem Titel bei Hoffmann& Eckstein, Leipzig, eine Schrift erscheinen lassen, die nach mehreren Seiten Beachtung verdient. In so weit der Verfasser beabsichtigt, mit dieser Schrift aus die Gestaltung der deutschen Justizgesetze Einfluß zu übeu, kommt seine Schrift in der Hauptsache zu spät, da die Straf- und Civilprozeßordnung bereits fertig ist; dagegen enthält sie eine Reihe guter Gedanken bezüglich der Anwaltsordnung und des Strafvolzuggesetzcs. Der Standpunkt, von dem aus der Verfasser die Justizgesctze betrachtet, ist kurz bezeichnet der bürgerlich-demokratische, und zwar sind es stark ausgeprägt- Rousseau'sche Gedanken und An- schauungen, welche sich namentlich in der Borrede wider- spiegeln. Da diese Gedanken heutzutage in Deutschland selten geworden sind, namentlich im Kreise der Rechtskundigen, zn denen der Verfasser augenscheinlich gehört, so wollen wir diese etwas aus führlicher wiedergeben. Zunächst erklärt der Verfasser, warum er es unterläßt, be züglich der gegenwärtigen Zustände und deren Behandlung das Kind beim rechten Namen zu nennen. Er will das Er- scheinen des Büchleins in Deutschland nicht unmöglich machen, seine Unterdrückung durch„irgend eine" Gewalt vermeiden,„deren Gewissensnerven sich etwa als intolerant erweisen könnten". Er wolle darum auch jede Beziehung auf einen bestimmten Staat ausschließen, es dem Lsser überlassend, seine Darlegungen mit den bestehenden Dingen in den einzelnen Ländern zn ver- gleichen. Auf die Frage, was nach den ewigen Gesetzen der Natur und Vernunft die Aufgabe des Staats und jeder öffentlichen Gewalt sein müsse? antwortet er: „Offenbar nichts Anderes, als Jeden� im Besitz seiner Bürger- und Menschenrechte zu schützen und das allgemeine Wohl der Gesammtheit des Volks zu fördern. Dies Wohl der Gesammtheit ist der einzig berechtigte Zweck der Regierungen. Diese sind nur des Volkes willen da, nie und niemals das Volk für sie. Die Nationen find nicht einigen privilegirten Fa- milien wie eine rechtlose Schasheerde zur beliebigen Ausbeutung und Abschlachtung überwiesen oder geschenkt worden, sondern nach dem unverbrüchlichen und unveräußerlichen Naturrichte sind alle Menschen gleich an Rechten und gleich an Würde." Die Regierungen seien nur Bevollmächtigte des ganzen Volkes und nur in der Gesammtheit der letzteren beruhe die Souverä- netät. Die Freiheit des Einzelnen dürfe nur zu Gunsten des Wohles der Gesammtheit der Bürger beschränkt werden, und wenn die Regierung die Grenzen verachtet,„tritt das Volk ihr gegenüber in den freien, ursprünglichen Zustand zurück". Das allgemeine Wohl erfordere vor allen Dingen unbedingte Geltung von gleichem Maaß und Gewicht, unverbrüchliche Treue gegenüber den ewigen Bürger- und Menschenrechten und daher rücksichtslose Hochachtung der Wahrheit und Gerechtigkeit, ohne Hinblick auf die Personen und das Interesse der Gewalthaber und Beamten..... Aber noch sei es nicht vorgekommen, daß ein System und seine Gewalthaber auch für die größten Schurkenstreiche keine feilen Individuen gefunden, die sich als„Richter" dazu herge- geben hätten, die infamsten Schandthaten in den heuchlerischen Mantel der Justiz zu kleiden..... So sei es vorgekommen, daß je nachdem'ein Ministerium reaktionär, liberal oder klerikal gewesen, auch die richterlichen Urtheile darnach ausgefallen seien. Deshalb dürfe man es nicht ohne Weiteres als eine Schmach ansehen, mit den Richtern in Conflitt zu kommen und von ihnen verfolgt zu werden. Leute von Charakter, die Freunde der Wahrheit seien, als wirkliche Verbrecher und Spitzbuben verfolgt zu sehen, sei schon vor Jahrhunderten vorgekommen, das sei auch noch heute möglich. „Wollte man alle Gefängnisse durchmustern, so wird man finden, daß es Länder giebt, wo die Zahl derjenigen, welche wegen„Majestäts- und Beamtenbeleidizung, wegen Opposition gegen Beamtenwillkür und mißliebiger polittscher Haltung", also wegen Handlungen„sitzen", die oft in den Augen des Natur- rechts und in einem wirklich freien Staate gar nicht strafbar sind, die in der Regel nur aus ehrenwerther Selbstständigkeit des Charakters und freimüthiger Aeußerung der Ueberzeugung in öffentlichen und polittschen Dingen, also aus löblichen Mo- tiven hervorgehen— einen gar bedeutenden Prozentsatz der Gefangenen auemacht." „Deshalb wird jeder denkende Staatsbürger sich hüten, der sogenannten„Justiz" ein blindes Vertrauen zu schenken und ohne weiteres die Gefängnißhaft für beschimpfend anzusehen... Die Gefängnißhaft ist ehrenvoll und muß von jedem politisch reifen Manne dafür gehalten werden, wenn sie für edlen Wider- stand gegen amtliche Ungerechtigkeit, für Vertheidigung des Rechts und der Wahrheit, für Ueberzeugungstreue und warme Theil- nähme an den Interessen der Gesammtheit verhängt wird. Denn in diesem Falle wareu es seit Jahrhunderten die edelsten Ele- mente der Nation, welche davon betroffen wurden; hundert- mal ehrwürdiger und rechtschaffener als die söge- nannten„Richter", welche sie aus feilem Servilismus gegen das Beamteuthum und die gerade zufällig herrschende Zeitströ- mung verurtheilten. „Nichts wirkt corrumpirender auf die Justiz und nichts ist leider zu verschiedenen Zeiten mehr an der Tagesordnung gewesen, als jene scheußliche Ungerechtigkeit, welche den Beamten von Seiten des Bürgers als thatsächlich unfehlbar angesehen wissen wollte. Jeder, der an der Handlungsweise eines Beam- ten etwas tadelte, wurde sofort der„verleumderischen Beleidigung" angeklagt und verurtheilt, auch wenn das, was er behauptet hatte, in jeder Hinsicht reine Wahrheit war."..... „Auch mit der Reputation des Beamtenstandes, vom Minister angefangen bis herab zum Büttel, würde es ganz anders aussehen, wenn sie statt ihrer lächerlichen Menge von Strafanträgen viel- mehr stets darauf bedacht gewesen wären, ihre Mißgriffe zu verbessern und den Verletzten durch Einsicht und Abhilfe der Geschreibsels aufhört. Haben doch die Eurigen, die sich darin auszeichneten, erst recht zu eurem Verderben gewirkt, indem sie sich dem Liberalismus zuwendeten und euch selbst mit unver- merkt nachzogen. Wie viel werthvoller ein Lescure, als zehn Chateaubriand's! Daß ich doch so laut reden könnte, daß ihr Alle mich hörtet! Ich riefe euch zu: Erkräftigt euch an dem Lebensborn eures christlichen und ackerbaulichcn Ursprungs; statt die BoutiquierS der Hauptstadt zu bereichern, helft dem Bauer. Werdet wieder auf euren Landsitzen Grund- und Ober- Herren, Seigneurs, d. h. Aelteste, Senioren des Landes, die Hüter des Glaubens und der Tradition, die besonnenen Führer auf der Bahn der Neuerungen, die Vorbilder reiner Sitten, die festen Stützen der Autorität. Auf diesem Boden habt ihr nichts zu besorgen, denn das Volk wird seine wahren Freunde kennen. Dann mag der Auswurf der Städtebevölkerung Revolutionen machen und feine schmutzigen Decrete gegen euch ausschleudern, gleichviel— wird doch solche Unverschämtheit an den Marken m nichts zergehen und die Woge des Unflaths nicht ri iwi?.e"i"1 Schlösser erreichen durch den schützenden Wall Hindurch, der s,e umgebenden Bauernhütten. Horcht aus � � CT 0i. n V'h 1< so treten wir ein in eine hundertj- lährlge Periode der Barbarei, wo in dem Stampftrog der Finsterniß und unter den Stößen der Revolu- tlvnen aus � Dementen, die Gott kennt, verjüngt die soziale �ocht hervorgehen wird— die ihr zu retten unterließet!" .. j®* j®®1 �e. Gefahr damals, als Louis Beuillot diesen Warnungsrus ergehen ließ, und wo ist sie heute? Dem „Vaterland" gebührt das Verdienst, neuerdings nicht allein ge- warnt, sondern auf die Mittel und Wege hingewiesen zu haben, auf welchen, will s Gott, energische Thal noch retten kann. Das Bewußtsein dessen sei Ihnen eine Ermuthigung aü Ihrer schweren dornenvollen Bahn. Schloß Lösch. 8. November 1877. Egbert Gras Belcredi." Nun, Belcredi kann sich beruhigen: die rettende That ist ,n- Müschen erfolgt, freilich nicht in der alten Kaisersiadt an der vlauen Donau, sondern in der neuen an der Spree und der Retter in der Roth und aus Roth heißt Stöcker! Beschwerden zu versöhnen.... Mit dem„Strafantrag" aber wird absolut gar nichts gebessert, nur eine erbärmlich: Hunde- natur läßt sich einschüchtern, jeder Ehrenmann wird als Antwort auf den Strafantrag die Sache erst recht führen und kein Haar breit von seinem R-chte ablassen." „Gewisse Gewalthaber können ja kein freies Wart ertragen, bei ihnen ist jede mißliebige Wahrheit eine„Beleidigung" oder gar„Verleumdung", jede berechtigte Opposition„staatsgefähr- lich".... Die Beamten sind die Diener des Volkes, nicht seine Herren und die Kritik ihrer Handlungen steht jedem Staatsbürger zu. Ist der Beamte rein, so schadet ihm die Kritik nicht, ist er aber strafbar, so verlangt es das Interesse des Dienstes selbst, daß er beseitigt und seine Nichtswürdigkeit entlarvt werde." In ähnlichem Sinne spricht sich der Verfasser aus, wo er die einzelnen Forderungen für die Stellung der Richter, der Staatsanwaltschaft, und die Formen des Prozeß- und Strafoer- fahrens bespricht. Er hat offenbar sehr wenig Vertrauen in die dermalige Stellung und Organisation der genannten Organe. Auch auf die Rechtsanwälte ist er schlecht zu sprechen, die, da ihr Geschäft das Prozeßführen sei, ein großes Interesse daran hätten, dieFormendesProzeßverfahrensmöglichstschwierigzumachen. Die einzelnen Abschnttte der Schrift behandeln im ersten Theil: 1. Die Rechte des Verletzten. 2. die Erhebung der An- klage durch den Staatsanwalt, 3. Untersuchungshaft und Be- Handlung der Untersuchungsgefangenen, 4. die Rathskammer und ihre Aufgabe, 5. die öffentliche Schlußverhandlunz, 6. Voll- streckung, Gerichtskosteu und Strafhast. Der zweite Theil behandelt die Civilprozeßordnung, der dritte Theil die gemeinschaftlichen Bestimmungen, wie Wahl und Einsetzung der Richter, Schöffen und Geschwornen, Befähigung zum Richtcramt, Verantwortlichkeit und Entschädigungspflicht. Während wir die Ausführungen des ersten Theils in sehr vielen Punkten billigen, ist das mit den Ausführungen des dritten Theiles keineswegs der Fall. Hier sind die Vorschläge oft un- unpraktisch und so verwickelt, daß sie kaum ausführbar find und der eigentliche Zweck, Sicherung einer möglichst unparteiischen Rechtspflege sich in einfacherer Weise erreichen ließe. Wir wollen noch mit einigen Worten auf die UntersuchungS- hast und den Strafvollzug zu sprechen kommen, wie beides der Verfasser sich in der Hauptsache denkt. In Untersuchungshaft soll nur genommen werden der, wel- cher auf frischer That bei VerÜbung eines Verbrechens gefaßt wurde, oder wer wegen eines Verbrechens verdächtig, unzweiselhast Vorbereitungen zur Flucht getroffen hat, oder gegen den die Be- weise bereits so stark und dringend sind, daß ein vernünftiger Zweifel an der Schuld nicht aufkommen kann. Also nur in diesen und noch einigen wenigen anderen scharf begrenzten Fälle. Bei Vergehen soll die Untersuchungshaft ganz ausnahmS- weise eintreten, die Fälle sind präcsstrt; bei politischen und Preß- vergehen und Injurien aller Art soll in keinem Fall Berhaf- tung vor rechtskräfttgem Urtheil eintreten. Die Untersuchung wegen Verbrechen soll die Haft von drei Monaten, die wegen Vergehens von vier Wochen nicht über- schreiten und soll mindestens zur Hälfte auf die Strafe ange- rechnet werden, in der Regel ganz. Die Untersuchungshast soll einfache Freiheitsentziehung sein, dem Gefangenen weder Licht noch Luft noch die Aussicht bürger- licher Wohnungen entzogen werden; er soll das Recht haben, sich selbst nach Belieben zu beköstigen und zu verpflegen. Lektüre, Zeitungen rc. sollen ihm zugehen, er soll sich auch frei beschäf- tigen dürfen und ihm der Verdienst seiner Arbeit ungeschmälert zufallen u. s. w. Auch soll der Gefangene jede ihm nothwendig oünkenden schriftlichen Eingaben an die Gerichtspersonell und höheren Behörden ungehindert machen können, ebenso auf sein Verlangen binnen 24 Stunden dem Untersuchungsrichter, Staats- anwalt oder Präsidenten der Rathskammer vorgeführt werden. In Bezug auf die Vollstreckung von Gefängniß- und Hast- strafen verlangt der Verfasser, daß streng unterschieden werde zwischen entehrenden Handlungen und anderen. Den Gefan- genen soll möglichst ihrer Befähigung und ihrem Bildungsgang entsprechend Arbeit gewährt werden und sollen sie die Hälfte ihres Verdienstes als Eigenthum behalten dürfen. Die wegen politischer und Preßvergehen sowie wegen Injurien Bestrasten sollten ihre Strafen auf der Festung verbüßen. Diese, wie noch viele andere Forderungen, die wir nicht weiter anführen wollen, auch nicht immer theilen, begründet der Verfasser ausführlich. Vielleicht wäre es keine undankbare Ar- beit, wenn er die Justizgesctze, wie sie jetzt geworden»find, in kurzer populärer Weise commentirte, wobei zugleich auch auf ihre Mangelhaftigkeit aufmerksam gemacht werden könnte. Doch wie? Die Freunde des Grafen Belcredi wenden sich mit verächtlichem Naserümpfen ab? Was soll das heißen? Je nun, es scheint so etwas wie Autoreneitelkeit im Spiele zu sein. Das„Vaterland" behauptet in einer seiner letzten Nummern, Herr Stöcker habe ihm seine(des„Baterlands") Ideen gestohlen.„Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen." Herr Stöcker möge sich trösten. Er ist indeß auch unschuldig, denn das Verbrechen, dessen er schnöde angeklagt wird, ist einfach unmöglich, denn dem„Vaterland" können keine Ideen gestohlen werden. Wo mchts ist, da hat nicht bloß der Kaiser, sondern auch der Dieb sein Recht verloren. — Ein nettes Denunziatiönchev. Durch liberale Blätter geht folgende Notiz: „In einem sozialistischen Blattt- finden wir ein Gedicht, welches sich mit den Lachern vulgu Wirihschaftsidealisten im Reichstag be- schäftigt, und u. A. folgende Verse enthält: Doch bei Dingen von Gewicht, Allgemeine Heiterkeit— Wie dem Zoll aus Eisen, Krieg und Zeitenschwere— Ließe sich die Heiterkeit Allgemeine Heiterkeit— Schicklich doch verbeißen. Sorgen und Miftre. Oder nicht? Nun fteilich's ist Lacht, daß Euch der Bauch erbebt, Gut: Zeit im Reiche, Daß erdröhnt die Hall-, Und wo gute Zeiten sind, Briugt der Arbeit letzten Schutz Uebet Satyr Streiche. Lachend nur zu Falle. Lacht nur was das Zwerchfell hält, Lacht, Ihr Wohifahrtswächter. Bei dem Nothstand klmgt s so hübsch „Allgemein Gelächter". Der Ton demagogischer Aufhetzerei geg.-n die Mehrheit des Reichstags, welcher alle diese Verse durchzieht, klingt schließlich m der Drohung aus, daß ihr am Ende doch das Lachen vergehen werde. Die„Freihandels-Correspondenz" bemerkt hierzu: Und dieser Ton wird angeschlagen, nicht, wie man wohl glauben sollte, in einem sozialdemokratischen Wühlblatte, dem es bei seinem Treiben aus eine Hand voll Noten nicht ankommen mag, sondern in dem neuen Organ der christlich- sozialen Arbeiterpartei:„Der Staats- Sozialist, Wochenschrist für Sozialreform", zu dessen Herausgabe sich sszialisiische Hofprediger und Professoren mit schutzzöllnerischen Agl- tatoren christlich assoziirt haben. Glaubt der„Staats-Sozialist" wirk- lich durch derlei Polemik die Zwecke seiner Partei zu fördern, die nach dem in derselben Nummer enthaltenen Programm aus eine friedliche Organisation der Arbeiter hinauslausen sollen, um in Gemeinschaft mit den anderen Fattoren des Siaatslebens die nothwcndigen prattischen Reformen anzubahnen? Daß Schutzzöllnerei und Sozialismus aus ge- meinsamer Wurzel entspringen, muß jedem Einsschtigen längst klar sein; will der Sozialdemokrat für den Arbeiter die Sicherstellung des«r- beitsverdienstes durch den Staat, so will der Schutzzöllner für den Fabrikanten die Sicherstellimg des Unternehmergewinnes ebenfalls durch den Staat........ Was den Vorwurf selbst betrifft, daß die Mehr- heit des Reichstages die Eisenzollfrage unter Heiterkeit und Gelächter abgehandelt habe, so hat nicht leicht irgend eine parlamentarische Ber- sammlung so viel Zeit und Mühe auf eine einzelne Zollftage verwendet, wie der Reichstag auf die Eisenzölle." Das Gewäsch über die gemeinsame Wurzel d-S Sozialismus und der Schutzzöllnerei wäre amüsant, wenn eS nicht so langweilig wäre; um so amüianter ist die Anklage gegen den Hofprediger Stöcker. Daß der fromme Mann, welcher unseren Freund Most aus Massenmord denunzirt hat, nun selber denunzict wird, und zwar auf Erregung von Klassenhaß und Aufreizung zu Gewaltthätlgrelten das ist grausame Nemesis und zugleich eine köstliche Ironie des Schicksals. — Wir erhalten von einem hervorragenden �s,s� /°/üende Zuschrift: „Infolge der RedaktionS- Bemerkung zu dem Artikel„Vorsicht!" im Feuilleton Ihre» Blattes vom 30. d. Wts.(Nr. lZ) beeile ich mich, um Unglück zu verhüten. Ihnen mitzutheilen, daß ,n der Stadl Hm- nover seit Jahren, häufig und noch lungster Zelt in ameri. konischen Speckseiten Trichinen gefunden ,ind, wovon S,e gefl. Notiz nehmen»-ollen." — Beim Polizeiamt zu Leipzig wurden im Monat Januar 2500 zugereiste Gewerbegehilfen angemeldet; davon erhielten nur 214 Arbeit. — Den Offizieren der Berliner Garnison wurde das Tragen nnn ffinilfleibem verboten, weil die Militärbehörde in Ersahruna brachte, daß R-le dies» Herren in Civilkleidern die Bordelle besuchten und Krakebl machten. ES kam auch vor, daß die Herren weidlich durchge- bläut und auf d e Straße geworfen wurden, waS der„Standesehre" nickt sehr zuträglich sein soll. Jetzt werden sie gezwungen, in Uniform auszugehen, wa» für sie den Vortheil hat, daß sie den„hauenden Säbel" gleich bei der Hand haben und bei etwaigen Keilereien ihre �Staudcsehre" auch in Bordellen werden vertheidigen können. l er unrechtmäßig erschossen worden ist. Wie könne also der Genosse Oehme aus Leipzig über„Der Sozialismus und seil Correspondenzen Aertiit, 30. Zanuer. Gestern, Dienstag, fand die VerHand- lung gegen die Genossen Most und Baumann vor dem Kammer- gericht in zweiter Instanz statt. Nachdem die beiden Angeklagten auf der Anklagebank Platz genommen, wurde mit der Verlesung der Anklagepunkte, begangen in den Artikeln der„Berliner Freien Presse*:„Zwei Festtage des Proletariats",„Französische Prole- tarierlieder" und„Gewalt und Gesetz", sowie im„Märkischen Volksfreund" in den Artikeln„Französische Proletarierlieder" begonnen. Der Richter constatiit in Bezug auf den Angeklagten Baumann die Uebcreinstimmung der Artikel„Französische Prole- tarierlieder" im„Märkischen Volksfreund" mit denen in der „Berliner Freien Presse". Die Verlesung der Anklagepunkte nimmt allein dreiviertel Stunden in Anspruch. Der Richter vermag in den Artikeln„Französische Proletarierlieder" kein Vergehen gegen 8 130 des R.-Str.-G.-B. zu finden, wohl aber in den Artikeln:„Zwei Festtage des Proletariats" und„Gewalt und Gesetz" gegen§ 131 des R.-Str.-G.-B. In dem Artikel vom 31. August v. I.:„Zwei Festtage des Proletariats" wird auf die Helden, Märtyrer und Propheten des gesammten Proletariats aller Läyder und besonders auf die Helden und Märtyrer der Pariser Commune hingewiesen und dem deutschen Proletariat zugerufen:„denselben mit Thaten nachzuahmen," d. h. unermüdlich für die Ausbreitung des So- zialitmus gleich jenen Vorkämpfern durch immerwährende Agi- tation„thätig" zu sein. Unter dieser Aufforderung zu„Thaten" versteht der Vcr- treter der Ober-Staatsanwaltschaft Wetter nichts als die Auf- forderung: Ihr deutschen Arbeiter müßt dasselbe thun, was jene Helden der Pariser Commune gethan; bewaffnete Petroleurs werden u. s. w. Seine Begründung glaubt er ganz besonders darauf machen zu können, daß Milliöre, der in dem Artikel auch hervorgehoben, als sogen.„Held* der Pariser Commune gefallen sei. Zum Beweis dieser Behauptung citirte er einige darauf bezügliche Sätze aus„Schlosser's Weltgeschichte".(Heiterkeit im Publikum.) Daraus könne man schon folgern, daß auch die deutschen Arbeiter„unter dem Rufe der Republik" ihre Freiheit erkämpfen und die heutige Staatsgewalt in Trümmer schlagen müßten. Schon„die destruktive Tendenz" des Blattes und die Eigenschaft des Angeklagten Most als Parteiführer, sowie seine früheren Vorstrafen seien hinreichend, um den Beweis zu liefern, daß in dem Artikel ein Vergehen wegen Aufreizung zu Gewalt- thätigkeiten enthalten sei.' In den Artikeln„Französische Proletarierlieder", insbesondere in dem„Lied vom Varte* sei zwar erwiesen, daß darin eine Aufreizung von Arm gegen Reich, der Nichtbesitzenden gegen die Besitzenden, der bedrückten gegen die herrschenden Klassen ent- halten sei, jedoch kein Vergehen gegen§ 130 des R.-Str.G.-B. und könne er darüber hinweg gehen. Der Artikel„Gewalt und Gesetz" hingegen sei entschieden strafbarer Ratur. Derselbe behaupte, daß die heutige Gesetz- gebung weiter nichts als ein„abgekartetes Spiel" sei; die Ver- Handlungen des deutschen Reichstags werden darin als ein„Co- mödienspiel" bezeichnet und geradezu der Lächerlichkeit Preis gegeben. Schon der erste Richter folgere daraus, daß es„eine spöttische Tarstellung und Auslegung der bestehenden Verfassung sei." Er glaube wiederum aus die destruktive Tendenz der „Berliner Freien Presse" und die Vorstrafen des Angeklagten hinweisen zu müssen. Es sei Faktum, daß die Gesetze von der Volksvertretung erst gründlich durchberathen und nicht so angenommen wie vorge- schrieben werden. Alle Gesetze, welche angenommen werden, sollten bemängelt werden. Die beiden Artikel„Gewalt und Gesetz" bilden den Anfang und das Ende der Anklage selbst. Noch müsse er sich einige Bemerkungen zu den anderen Ar- tikeln erlauben. Die Arbeiter werden darin angefeuert, die be- treffenden Lieder zu fingen, zu verbreiten und womöglich ahn- liche zu dichten. Ter 18. März wird als Geburtstag der so- zialen Revolution hingestellt; der 31. August als das Todtenfest aller sozialistischen gefallenen Helden und Märtyrer. Bei Citi- ruvg Melliore's könne er kein schwereres Vergehen gegen§ 130 finden. Koste ein Arbeiter von diesem„Gift", das ihm am frühen Morgen, ehe er an die Arbeit gehe, vorgesetzt werde, so liege die Gefahr nicht fern, ja, es bedürfe nur eines geringen Anstoßes— und die Arbeiter fühlten sich veranlaßt, ein Gleiches zu thun. Er beantrage daher eine Gefängnißstrafe von zusammen 1 Jahr und 2 Monaten gegen Most; der Angeklagte Baumann sei freizusprechen. Nun beginnt Genosse Most seine Vertheidigungsrede, um zunächst den Staatsanwalt von der Unrichtigkeit seiner Auffassung betr. des Arttkels:„Zwei Festtage des Proletariats" zu über- zeugen. Zum Gerichtshof gewendet spricht Most die Ansicht aus, daß der Staatsanwalt dem Gerichtshof gegenüber nichts Unzu- verlässigercs in den Beweisgründen der Anklage mittheilen konnte, als es hier der Fall war. Wenn er(Most) an die Führer der römischen Sklavcn-Aufstände, Spartakus und Andere erinnert habe, sowie an die Helden des Mittelalters zur Zeit der Bauern- kriege, so könne man doch unmöglicherweise daraus folgern: er habe die Arbeiter aufgefordert, dasselbe wie Jene zu thun, da doch jetzt keine Sklaverei mehr existire; geradeso ser es mit der Abschaffung der Leibeigenschaft, die ebenfalls nicht mehr existire. Er kenne nur den Muth jener Männer, die für die Rechte des bedrückten Volkes eingetreten und in diesem Bestreben ausharren, die den Arbeiter ermahnen, gerade so edel und ehrlich zu han- dein als Jene, obne die Arbeiter zur blutigen Revolution auf- zufordern. Mit den Helden der Pariser Commune verhalte es sich allerdings anders, da dieselben gegen eine bestehende Gewalt angekämpft. Sind dieselben nicht aber zu diesem Kampfe ge- zwangen gewesen? Mußten sie nicht die Waffen in die Hand nehmen, um ihre Rechte zu wahren? Sie waren dazu aufge- fordert, es zu thun! Mit Millidre verhalte es sich überdies etwas anders, als der Staatsanwalt hier ausgeführt habe. Wenn der Vertreter der Staatsanwaltschaft dies durch Schlosser's Weltgeschichte zu beweisen suche, so sei damit die Unrichtigkeit dieser Behauptung am Klarsten erwiesen, denn es ist hinlänglich bekannt, daß genanntes Werk höchst apokryph(zweifelhaft) ge- schrieben sei, selbst wenn man sich darin auf gewisse, echt sein sollende Dokumente beruft und die betreffenden Stellen mit „Gänsefüßchen" versieht. M-lliöre hat nicht so gehandelt, als man ihm darin zu unterschieben sucht. Zu jener Zeit, wo von Seiten der Pariser Bourgeoisie so unendlich viel durch Zeitungen und Telegraphen in die Welt gelogen wurde, hat man auch falsche Dokumente genug angeferttgt, um verschiedene Personen m Anklagezustand versetzen zu lönnen. So habe man Lrssagaray 12 Mal todt gelogen, und doch lebt derselbe heute noch in London. Geradeso verhalte es sich mir Mllliere; bei ihm sei einfach eine Verwechselung vorgefallen. Als Literat hat man ihn an den Stufen des Pantheons erschossen, und als er sich weigerte hinzuknieen, wurde er dazu gezwungen, und mit dem die größte Zahl der G-gner aus Ultramontänen und Welsen Ausrufe:„Es lebe die Menschheit!" sank er todt zu Boden. Die! besteht, mit denen es schwerer hält fertig zu werden, als mit vor nicht langer Zeit stattgehabte Untersuchung hat bewiesen, daß den Liberalen.— In der betreffenden Versammlung referirte Gegner" und zwar in so gediegener Weise, daß sich selbst d gegnerische Presse anerkennend geäußert hat.— Die Versa®1 lung verlief diesmal besser als die vor einigen Wochen ab? haltene, deren Ende wahrhaft theatralisch ausfiel, indem der Ht Poli-eidirektor dem hier bestehenden Gesangvereine verbot, e Lied zu singen. Nach Beendigung des Referais von Oelst wurde eine Resolution angenommen, dahin gehend, daß fich� Versammlung mit den Ausführungen des Referenten ein® Staatsanwalt daraus folgern, daß er ein Petroleur und Com munard war? Uebrigens müffe jden Herrn Staatsanwälten, sowie dem Gerichtshofe nach den vielseitig gemachten Erfahrungen längst klar sein, daß wir auf friedlichem Wege zu unserem Ziele gelangen wollen, daß der Sozialdemokratie kein schlimmerer Streich gespielt werden könne, als wenn sie eine blutige Revo- lution heraufbeschwören würde. Und wenn sich einzelne Hitz- köpfe, wie es im Süden Europa's die sogen. Anarchisten und.„.,..,_________. Bakunistcn gethan, herbeiließen, irgend einen Putsch zu ver-! standen erklärte, und ist als Resultat der Versammlung � Ursachen, so könne man dieselben nur als verrückte Köpfe be- Aufnahme von 20 neuen Mitgliedern in den Wahlvereia j zeichnen, da es geradezu lächerlich ist, wenn 150 unbewaffnete verzeichnen. Arbeiter gegen unsere heutige Militärmacht Front machen wollten.--:____ 41 Gerade bei einer sehr wichtigen Gelegenheit— auf dem Genter /cn._ ,f,,„,. sozialistischen Weltcongreß- hat der Vertreter deutscher � �(N°ch Schluß der Neda tton.) Sozialdemokraten, Wilhelm Liebknecht, Gelegenheit genommen,« Ita r � a die Insinuationen der Anarchisten und Bakunisten entschieden r x« 1 mc? � gemeldet:-vre Fnedö zurückzuweisen, und gerade deshalb, weil die deutsche Sozial- i f. ftt£ f"b dcmokratie ihre Ziele auf ftiedlichem Wege zu erreichen sucht,. V-£ s Ä hat man in fast allen übrigen Ländern von Seiten der Sozialisten'benso der Waffenstillstand. Der B die meisten Punkte unseres Programms acceptirt. Ja wohl, E.nstellu> g der Oper° i°nen wird sogleich an alle Det meine Herren, wir wollen die Verwirklichung unserer Idee durch enssendeü � Alle Do.tt-ufestuek die„That" bezeugen, indem wir uns bei den Wahlen zu den � �> Landes- und Communalvertretungen unermüdlich betheiligen; zu! i„amtliche Depe che mit der nolhigen Reserve mit. R. diesen Thaten habe ich in meinem Artikel die deutschen Arbeiter aufgefordert! Wenn ich Letzteren die Helden und Märtyrer und sogen. Prophiten vorführe, um sie zur Nachahmung anzuspornen, fo kann ich darin keines Vergehens schuldig gemacht werden.— Was nun den Artikel„Gewalt und Gesetz" anbelangt, so ist doch das Verfahren unserer gesetzgebenden Körper genügend bekannt, daß man mit Recht von Comödienspiel sprechen kann; man darf sich nur auf einige Auslassungen parlamentarischer Größen be- rufen. Gerade desbalb, weil ich selbst als Abgeordneter an der Gesetzgebung theilnehme, kann ich aus eigener Erfahrung dieses Comödienspiel näher interpretiren. Wie oft habe ich national- liberale Candidaten ihre Wahlrede mit den Worten eröffnen hören:„Meine Herren! Wir müssen Compromisse schließen, denn überall, wo wir im menschlichen Leben Hinblicken, sehen wir, daß es ohne Compromisse nicht geht zc." Wer erinnert sich nicht an die Vorgänge im Reichstage, als die Justizgesetze be- Berichtigung. In dem Feuilletonartikel der Nr. 12 des wärts", betitelt:„Wieder ein Bekehrter" muß es auf der 1. 9 Z. 9 von unten„Faust" statt Furcht heißen. Briestasten der Ziedaktion. Herr I. Scheil wird um genaue Angabe ftik Adresse ersucht.— H. A. S. in R.: Ihre Briefe haben wir erhals auch Ihr Broschürchen. Wenn es Ihnen einst— was wir hofseu � gelingen sollte, die Anfangsgründe der Nationalökonomie zu kapus dann werden Sie auch begreifen, daß und warum sich Ihr Schi» nicht zur Besprechung in einem Blatt, wie dem unserigen, eignet.; A. H. in Breslau: Das Verlagsrecht der Lassalleschen Schriften ist� verschiedene Hände übergegangen Franz Duncker, Lothar Bucher had das Verlagsrecht einzelner Schriften, bei anderen hat es die Fat® Lassalle's.— K. in Altona: 1) Nein— uns wenigstens sind derartl Herbergen nicht bekannt. 2) Die„Nadel der Kleopatra" ist beka� _.....____ 5,____________ ,~—o'r___... lich ein Bauwerk, ein Obelisk. 3) Der Statistiker in Berlin heißt® rathen wurden! Bismarck sagte bei einer Gelegenheit:„M. H.! Engels, sondern Engel und lebt noch; er war im vorigen Herbste Wir treiben ja Alle politische Heuchelei und müssen es tbun.« b$ derselbe w.eder völlig genesen ,e.. Der Abg. Bamberger sagte einst:„Wir müssen unsere Gäste be.r �p-d't.o». Starbt ,n Halle°. d. S.: Ihre.Karte' (damit sind die sozialistischen Abgeordneten gemeint) nicht das Hausrecht erwerben lassen!" Ein anderes Mal sprach er das indeß berühmt gewordene Wort aus:„Hunde find wir ja doch!" Derartige Veweise lassen sich noch vielfach anführen, aber ich glaube, diese dürften genügen, unsere jetzige Volksvertretung zu kennzeichnen. Dies ist schon mehr als Comödienspiel, ja die reine„Schauspielerei", wie sich der Abg. Bamberger gelegentlich ausdrückte. Wenn eine solche Partei, wie die nationalliberale, durch einen ihrer V r treter erklären läßt, daß sie, die Abgeord- neten, nur Hunde Bismarck's seien, so hat sie sich selbst ein Zeugniß ausgestellt, wie es ihrer würdig ist. Bei der Berathung des Landsturmgest tzes hat die Fortschrittspartei in der ersten Lesung Alles in Äewegung gesetzt, daß man glaubte, es sei eine Aera von 1848 angebrochen, und in der dritten Lesung ließ sie durch den jetzigen Ex- Abgeordneten Duncker erklären:„So schmerzlich es sei, müsse sie doch dem Gesetze zustimmen."— Ich glaube, der hohe Gerichtshof wird dadurch selbst zur Ueber- zeugung gelangen, daß in diesen beiden Artikeln nichts Straf- bares enthalten ist. Und wenn der Herr Vertreter der Staats- anwaltfchaft meint, ich sei schon einmal wegen gleichen Vergehens bestraft, so ist doch nicht anzunehmen, daß ich mich in diesem Falle wiederum schuldig befinde. Nach diesen Ausführungen, meine Herren, glaube ich, werden sie überzeugt sein, daß meine gänzliche Freisprechung erfolgen muß. Es folgt nun noch die Vertheidigung des Genossen Baumann, der den Gerichtshof ersucht, dem Antrag des Staatsanwalts wegen Freisprechung beizustimmen, sowie einige Entgegnungen des Staatsanwalts und des Genossen Most. Der Gerichtshof zieht sich zurück und verkündet nach drei- viertelstündiger Berathung das Urlheil, lautend: Bestätigung des ersten Erkenntnisses und Niederschlagung der Kosten der Appel- lationsinstanz. P. I. Koblenz.„Die sittliche Berechtigung des Sozialismus", so lautete die Tagesordnung einer Volksversammlung, welche hier- selbst am 15. Januar im Leger'schen Lokale stattfand und sich eines guten Besuches zu erfreuen hatte. Als Referent r ar Ge- nosse H. Lange aus Barmen erschienen, der in einem ändert- halbstündigen Vortrage die Versammelten zu fesseln wußte und am Schlüsse sich der vollständigsten Zufriedenheit der Anwesenden zu erfreuen hatte. Redner beleuchtete im Eingange seines Re- ferats das Verhalten der verschiedenen politischen Parteien im deutschen Reiche zur sozialen Frage und zur Sozialdemokratie, ging darauf zur gegenwärtigen Krise und Arbeitslosigkeit über und zeigte dann an der Hand des Programms der deutschen Sozialdemokratie, auf Grund statistischen Materials sowie mit Berücksichtigung einer Reihe der verschiedensten Thatsachen, wie einzig und allein die Sozialdemokratie von allen anderen poli- tischen Parteien eine sittliche Berechtigung habe. Zum Schlüsse seines Vortrages lenkte Genosse Lange die Aufmerksamkeit der Versammlung noch besonders auf die verderblichen Folgen der Veschästigung von Frauen und Kindern in den Fabriken. Von den anwesenden Gegnern ergriff Niemand das Wort zur fach- lichen Polemik, nur ein ehemaliger Schuhmachermeister und jetziger Herbergsvater versuchte durch eine Reihe unzusammen- hängender Sätze und Wörter sich lächerlich zu machen, was ihm auch vollständig gelang.— m Wausa, 28. Januar. Heute Nachmittag wurde unter allge- meinem Menschenauflauf unser Bürgermeister Müller, einer der ärgsten Sozialistenfresser des Voigtlandes, durch Polizei nach Plauen in Untersuchungshaft abgeliefert. Jetzt, da der Herr Äürgtrmeister, wie verlautet, sich zu vertheidigen haben wird gegen die Zurlastlegung eines entehrenden Verbrechens (man spricht von einem bedeutenden Defizit in der Spar- lasse), so dürfte später Gelegenheit sein, zu beobachten, ob er dies mit demselben Muthe, mit derselben inneren Befriedigung khun kann, als der Sozialdemokrat, den der Kampf für seine Ueberzeugung vor den Richter bringt. D. Kikdesheim, 16. Januar. Die Sozialdemokratie hat sich auch am hiesigen Orte Bahn gebrochen, wie die am Sonnabend 11. Januar, im Saale des„Goldenen Engel" abgehaltene Volks- zu spät, um die Aenderung noch vornehmen zu können.— N. Bromberg: Das polit. Handbuch f. Zeiwngsleser können Sie durch« dortige Buchhandlung beziehen. Prof. Gottfried Kinkel gehört jetzt gar keiner Partei.___ Den hiesigen Abonnenten des„Vorwärts" zur Mittheilung, Diejenigen, welche den Abonnementsbettag für das 4. Quartal»' nicht eingezahlt haben, den„Vorwärts" glicht mehr erhalten könne» Hanau. H. Riefer. Donnerstag, den 17. Februar, Abends 8'/».� �JUtUICU. in Burmeisters Salon, 1. Treppe: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Die französischen Arbeiter-Associationen. Herr R. Praast aus Hamburg. � Zu dieser wichtigen Tagesordnung ersuche ich sämmtliche Soziabr zu erscheinen. F. Heerhold- R« Leipzig. 8-/z Uhr Arbeiterbildungsverein. Nächsten Sonuabend, den 0. Februar, Vortrag von Hrn. Dr. A. Specht ans Gotha über die Entstehung der Weltkörper mit bildlichen Erläuteruvr durch das Seiopukon, im Saale der„Thalia"(Elsterstraße). Enlröe für Mitglieder und Damen 20 Pfg., für Gäste 25 Pfg- Zu zahlreichem Besuche ladet ein ____ Der Vorstand, i 1t TW �(Ts Parteigenossen innerhalb des 14. wiirtt® IHM d. /-iJ. bergischen Wahlkreises, Ulm Heidenhct Geißlingen werden ersucht, ihre Avressr an den Unterzeichneten zusenden. (F300) Ludwig Reisbach, Radgasse 173 div. Die Parteiversammlungen finden jeden Montag Abends 8 im„Gasthaus zur Braite" statt. Im Verlage von Wilhelm Röhl in Leipzig ist erschienen: Erlebtes.! Skizzen und Novellen.„ (6b) von(SlOf Wilhelm Hasenclever. Mitglied de« deutlchen Reichstags. 16 Bog. eleg. broch. Preis nur M. 1.20. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, auch direkt von der W lagshandlung gegen Einsend, von M. 1,20 direkt pr. Post ftanco.[*J Borstehende Schrift ist durch die Expedition des zu beziehen._ * Nacht! 1001 Nacht! Neue vollständige Ausgabe der berühmten v arabischen Erzählungen. Herausgegeben von Köllig& Hering. 4 starke Lände Etaskker-Zormat; Familienausffabe. Statt 9 Mark für 3 Mark 75 Pfg. In 2 prachtvollen rvthen Ltinenbänden mit reiebster Go� £{ presaung statt 13 Mark 50 Pfg. für nur 6 Mark. Fr. Eugen Köhler's Verlagsbuchhandlung in Gera— Untennhans, sowie durch alle Buch-& Antiquariats-Handlung-en.. '» statt Berichtigung! In der Annonce der Metallarbeitergewerkschaft Mannhc'!? Nr. 13 des„Vorwärts" muß es beim 2. Punkt der TagesordnllZ t„Pioniers" heißen„Paniers". p- Der Bevollmächtigte. _—— �, Mit einer Arbeit über Arbeitslohn und Arbeitszelt beschäst� Versammlung, zu der sich über 400 Personen eingefunden hatten, werde ich für die Einsendung jedes zuverlässigen Materials bewies. Mit diesem Ergebniß der Betheiligung können wir um über aus Deutschland, England, Frankreich, der Schweiz, Amerika n, so mehr zufrieden sein, als hier lange Zeit hindurch die Agi- dankbar sein. Meine B tte richtet sich besonders auch an die CenwL tation eine flaue war, und liegt uns für's Erste nur daran, ein lcitung-n der deutschen Gewerkschaften und die Genossen in Aw-�. reges Jnteresie für unsere Sache unter der hiesigen Bürgerschaft und der Schweiz. zu erwecken. Das Terrain ist insofern schwierig zu erobern, als �«ramgcyweig. Bracke, l 1» Beraw.wortlicher Redakt-.ur: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipl Redaktton und Expedition Färbersttaße 12. II in Leipzig.) Druck und Verlag der Geneffenschastsbuckdrucker'i in Leipzig. i