Nr. 86, Abemements-Kedingilngen: Kbonr.ements- Preis pränumerando: Pierteljährl. 3L0 Ml., monott. l.loTOt., wöcheniiich 23 Psg. frei ins Haus. Cfiiuclne Nummer 5 Pfg. Sonntags« Nummer mit ninNrierier Sonntags- Beilage»Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Singetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste für 1900 unter Er. 7971. llnter tireuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich sicher SBanfsg«. Vevlinev Volksbl�tt. IV. Jahrg. Die Instrtions- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel» zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politifche und gewerlfchaftliche Vereinsund BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anfeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer muffen bis 4 Uhr nachmittags inderExpeditionabgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 3 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt f, Er. 1508. Telegramm- Adresse: „Sorialdrmokrai Berlin» Centrawrgan der sorialdemokratischen Partei Deutschlands. Ledalttivm SW. 19. Beuklz-Strajzr 2. Das Reichs-Seuchengesetz. In welchem Umfang die immer steigenden Kosten von Heer und Flotte eine Vernachlässigung der wirklichen Kultur aufgaben des Staats zur Folge haben, das tritt vielleicht auf keinem Gebiet so deutlich zu Tage, wie auf dem der öffentlichen Gesundheitspflege. Denn wenn auch aus deni Gebiet der Schule, der Rechtsprechung, der Strafrechts pflege usw. ebenfalls die größten Mißstände herrschen, so kann doch hier der Einwand erhoben werden, daß eine Besserung den heute in Staat und Gesellschaft maßgebenden Schichten gar nicht wünschenswert erscheinen kann. Regierung und herrschende Klassen haben heutzutage gar kein Interesse an einer gründlichen Volksbildung, einer unabhängigen Recht- sprechung, einer humanen Strafrechtspflege usw. Dieser Ein- wand kann aber gegen die dringend notwendigen Reformen ans dem Gebiet der öffentlichen Gesundheitspflege nicht er hoben Ivcrdcn. Was hier geschieht, das kommt auch der Regierung und den herrsche il den Klasse n zu gute. Denn wenn auch z. B. von den meisten ansteckenden Krankheiten das Proletariat am schwersten heim- gesucht wird, so bleiben doch von keiner derselben die so- genannten„höheren Stände" ganz verschont, und haben darum auch sie ein Interesse an der Bekämpfung dieser Seuchen. Ebenso sollte die Regierung schon mit Rücksicht auf unser„herrliches Kriegsheer" aufs lebhafteste sich für alles interessieren, was geeignet erscheint, die Volksgesundheit und damit die Wehrhaftigkeit des Volks zu heben. Wenn also auch die Kulturaufgaben, welche ans dem Gebiete der Gesundheitspflege einer Lösung harren, bei uns die gebührende Berücksichtigung nicht finden, so bleibt dafür nur die eine Erklärung, daß Militarisnius und Marinismus alle verfügbaren Mittel des Staats für sich in Anspruch nehmen, und daß deshalb für die Gesundheitspflege nichts nichr übrig bleibt. Und so trifft es sich recht gut, daß gerade in der Zeit, in welcher Milliarden für uferlose Flottenpläne gefordert werden, die Reichsregierung selbst ihr gänzliches Unvermögen zu einer ersprießlichen Thätigkeit im Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege durch einen Gesetzentwurs vor aller Welt enthüllt. „DerEntlvurf eines Gesetzes betreffend die Bekämpfung gcni ein gefährlicher Krank- Helten"— das„Reichs-Seuchengesetz", wie es kurzweg genannt wird— erfüllt recht wenig die Er- lvartungen, welche der hochtönende Name zu erwecken geeignet ist. DaS, was hier als„gemeingefährliche Krank- heiten" bezeichnet wird, das sind nicht die Seuchen, die ständig im Lande Hausen—„endemisch" sind, wie der Fachausdruck lautet— und Jahr für Jahr in großer Zahl ihre Opfer fordern. Die Tuberkulose, an welcher alljährlich im Deutschen Reich von 1000 Einwohnern 2, LS sterben, findet im Gesetzentwurf gar keine Erwähnung, die Diphtherie, Masern. Scharlach, der Typhus, deren jähr- liche Opfer sich nach Tausenden beziffern, sie er- scheinen der Reichsregierung nicht als gemeingefähr- liche, sondern nur als„übertragbare" Krankheiten.„Die Abivehr und Unterdrückung dieser Krank- heiten," so heißt es in der Begründung,„k a n n ohne Gefährdung des Gemein tvohls nach wie vor den Landesregierungen überlassen werde n." Als die„gemeingefährlichen Krankheiten" des Entwurfs, als die„großen Volksseuchen", wie es in der Begründung heißt, sollen vielmehr nur solche Krankheiten gelten, die— von verhältnismäßig sehr geringen Ausnahmen abgesehen— heutzutage bei uns höchstens noch„epidemisch" auftreten, d. h. gelegentlich eingeschleppt werden können, und dann wohl vor- übergehend zahlreiche Opfer fordern, aber doch bisher stets auch ohne Reichs- Seuchcngesetz wieder bald beseitigt werden konnten. Es sind das die Pest, eine„in Deutschland längst unbekannte Krankheit", die„in den letzten Jahrhunderten hier nicht mehr vorgekommen" ist, die C h o l c r a. an der aller- dings in Hamburg im Jahre 1892 16058 Personen erkrankt und 8189 gestorben sind,*) das Gelbfieber, das„ganz überwiegend eine Krankheit heißer Länder" ist. dessen„epide- misches Vorkommen in Europa bis jetzt innner auf einige Küstenstädte ani Mittelländischen Meer beschränkt" blieb, das „Flc ckfieb er"(Flecktyphus), das, so lange das Deutsche Reich besteht, nur 1894 einmal„zu einer epidemischen Ver- breitung" in den Regierungsbezirken Danzig und Königsberg gelangte, die Pocken, die in den letzten Jahren in Teutschland nach de» sorgfältig ausgeführten amtlichen Erhebungen in bedrohlicher Weise nur noch einzelne Grenz- bezirke heimgesucht" haben, die Lepra(der Aussatz), welche „nicht wie die andren(Volkskrankheiten) binnen kurzer Frist große Länderstrecken zu überziehen und plötzlich weite Volks- kreise zu überfallen" vennag. Die Lepra nimmt insofern eine besondere Stellung ein, als sie von Rußland„nach dem preußischen Kreise Memel übergegriffen und hier zur Bildung eines besonderen Seuchenherdes geführt hat". Da auch dieser Herd nur ein recht beschränkter ist. so sieht man aus den oben überall angeführten eignen Worten der Begründung, *) Die„Begründung" bezieht sich an dieser Stelle auf einen von„Dr. L. von Halle" herausgegebenen Bericht. Also auch amt- liche Stellen sind mit geradezu rührender Fürsorge bemüht, dem Herrn Prof. L e v y von Halle bei der Verschleierung seiner Hcriunft behilflich zu sein. Sonst ist ja wohl eine derartige Abkürzung von Vatersnamen nicht üblich. daß diese Krankheiten für Deutschland„die großen Volksseuchen" nicht sind, daß der von ihnen angerichtete Schaden an Volksgcsundheit und Volkswohlstand auch nicht entfernt den Vergleich aushält mit dem, welchen die„übertragbaren Kranb heiten" verursachen, geschlveige denn gar mit den Wunden, welche die Tuberkulose schlägt. Die Beschränkung auf diese„gemeingefährlichen Krank heiten" war aber deshalb notwendig, weil die Reichsregierung auch noch in andrer Beziehung sich eine sehr erhebliche Be fchränknng auferlegt. Sie„beabsichtigt nicht, das lveite Gebiet der Gesundheitspflege über Haupt zu regeln und Handhaben zur Hebung des Gesundheitszustandes im allgemeinen zu schaffen"; sie erachtet es als„kaum angängig",„in einem die Seuchenbekämpfung zum Gegenstand habenden Gesetz zugleich alle Maßregeln zusammenzufassen, welche sich auf die Fürsorge für einen guten Gesundheitszustand der Be vvlkerung, für gute Wohnungsverhältnisfe, für gesunde Luft, gutes Trinkwasser, ausreichende Ernährung, zweckent sprechende Beseitigung der Abfallstoffe usw. beziehen." Man sieht aus diesen Worten, daß die Väter des Entwurfs sich nicht unklar darüber waren, welche wichttgen Aufgaben noch der Lösung harren, ivenn wirklich etwas„für einen guten C sundhcitszustand der Bevölkerung" geschehen soll. Die Lösung dieser Aufgaben hätte aber Geld, Geld und wiederum Geld erfordert, und deshalb war sie„kaum angängig". Man be schränkte sich vielmehr auf ein„Seuchengesetz im engeren Sinn des Worts", d. h. auf ein Seuche npolizeigesetz, das nichts weiter umfaßt als die A n z e i g c p s l i ch t und einige polizeiliche Schutzmaßregeln gegen die weitere Verbreitung der Seuchen (Absonderung der Erkrankten. Desinfektton, lieber wachmig des Verkehrs usw.) Mit solchen Maßregeln aber kann man wohl das Eindringen des Feindes von außen der fremdländischen Epidemien— abwehren, aber nicht den inner» Feind— die in Deutschland heimischen Krankheiten— vernichten. Entschied man sich also dafür, nur seuchenpolizei liche Vorschriften aufzustellen, dann war es nur folgerichtig, daß man die rcichsgesetzliche Regelung auf die„gemein gefährlichen Krankheiten" des Entwurfs, d. h. auf die aus ländischen Seuchen beschränkte. Damit waren denn auch die Verpflichtungen erfüllt, welche auf den internationalen Konferenzen zu Dresden— 1893■ und Venedig— 1897— von der deutschen Regierung zur Bekämpfung der Cholera und der Pest übernommen waren. Man wird nun nicht bestreiten können, daß im großen und ganzen diese im Gesetzentivurf niedergelegten Maßregeln durchaus zweckmäßige sind, und daß es gewiß angebracht ist, da man sich nicht stark genug fühlt, der einheimischen Seuchen Herr zu werden, wenigstens die fremden abzuhalten. Nur rede man sich und andern nicht ein, daß daniit eine Knlturthat ersten Ranges gethan ist. Nein, gerade in dieser Beschränkung auf die ininder gefährlichen Epidemien des Auslands, in deni Verzicht auf die Bekämpfung der weit schlimmeren endemischen Krankheiten offenbart sich wieder die gänzliche Unfähigkeit zu einer Reform großen Stils. Die Kleinlichkeit, welche kennzeichnend für den Entwurf im ganzen ist, tritt dann weiter anch in einzelnen Be- stimmungen zu Tage. So darin, daß eigentlich alle Kosten, welche durch das Gesetz entstehen, auf die Einzelstaaten, bezlv. auf die Gemeinden abgewälzt werden. Dem Reiche"fallen nur die Kosten des„ R c i ch s- G e s u n d h e i t s r a t s" zur Last, welcher in Verbindung mit dem Reichs-Gesundheitsamt gebildet werden soll. Die Mitgliedschaft in dieser nenen Be- Hörde ist aber„als Ehrenamt gedacht", die Kosten(werden demgemäß sehr geringe sein. "Weiter wird in der Begründung hervorgehoben, daß „zur Sicherstellung einer möglichst vollkommenen Erfüllung der Anzeigepslicht" den Verpflichteten— in erster Linie sind das die Aerzte, in zweiter die Haushaltungsvorstände— die Notwendigkeit einer Portovcrauslagung erspart werden soll. „Zugleich aber" heißt es dann weiter—„ist darauf zuhalten, daß die erwachsenen Po rtoko st en in den engsten Grenzen bleibe n". Wie un- glaublich kleinlich eine derartige Bemerkung gerade in einem solchen Gesetzentwurf ist, das wird klar, wenn man bedenkt, daß ja thatsächlich nur in einer sehr beschränkten Zahl von Fällen die Anzeigepflicht auf Grund dieses Gesetzes eintreten wird. In keinem Fall können daher die Kosten der Anzeigen eine irgend erhebliche Rolle spielen, namentlich gegenüber den Gefahren, welche die Unterlassung der Anzeige zur Folge haben kann. Andere Staaten— z. B. England— gewähren deshalb sogar eine nicht unbedeutende Vergütung für die Erstattung solcher Anzeigen. Dieselbe Knickrigkeit zeigt sich dann weiter auch in den Bestimmungen über die Entschädigung für„den dnrch polizeilich angeordnete Desinfekttonen verursachten erheblicheren Schaden". Daß eine solche Entschädigung gewährt werde, „entspricht nicht nur einer Forderung der Billigkeit, sondern ist auch insofern von Bedeutung, als die sichere Aussicht auf Entschädigung... der Gefahr, daß infizierte(Ansteckungskeime tragende) Gegenstände ungereinigt in den Verkehr kommen und den Krankheitsstoff weiter verbreiten, entgegen- wirken wird". Trotzdem soll„nicht für jede Wcrtvenninderung", sondern nur für solche Beschädigungen Ersatz geleistet werden. „welche eine fernere Benutzung des Gegenstands zu ihren: bestimmungsgemäßen Gebrauch unmöglich machen"» Expedition: 19, Venth-Straste 3. Für einen Polsterstuhl braucht danach z. B., so lange der- selbe als Sitz verwendbar ist, kein Ersatz geleistet zu werden, wenn auch der Ueberzug durch die Desinfektion gänzlich ruiniert wurde. Daß das nicht dazu beitragen wird, ii: der Bevölkerung eine besonders dcsinfektionsfreundliche Stimmung hervorzunifcn, und daß daher eine solche Sparsamkeit übel angebracht erscheinen muß, ist klar. Zum Schluß dieser Betrachtung muß endlich noch eine Bestimmung Erwähnung finden, welche ebenfalls für unsre heutigen Zustände charakteristisch ist. Nach dem Entwurf soll den Behörden nötigenfalls auch das Recht zustehen, gewisse Verkehrsbeschränkungen(Absperrungsmaßregeln, Verbot von Menschenansammlungen usw.) zu verfügen. Z 38 aber bestimmt: „Auf Truppenübungen finden die nach diesem Gesetz zulässigen Verkchrsbeschränkungcn keine An- w e n d u n g." Es muß vielmehr nach der Begründung„Auf- gäbe der"— natürlich auf diesem Gebiete nicht fach- verständigen—„militärischen Befehlshaber und Behörden sein, unter eigner Verantwortlichkeit(vor wem?) darüber Entscheidung zu treffen, inwieweit solche Uebungen mit den Rück- sichten auf das öffentliche Wohl vereinbar sind". Bedürfte es nur noch eines Beweises dafür, wie sehr der Militarismus in all und jeder Bezichuilg der Pflege der Volks- gesundheit hinderlich ist, er wäre wahrlich durch das„Seuchen- gesctz" im allgemeinen tvie im besondere!: durch diese letzt- erwähnte Bestimmung erbracht. Und so können die Gegner des heutigen Systems der Regierung dankbar dafür sein, daß. sie gerade in der Zeit der Flottenvorlage durch den Seuchen- gefetz-Entwurf aller Welt vor Augen führt» wie sehr unter Militarismus und Marinismus die Kulturaufgaben leiden. _ C. F. Rolitistkze AobeLfirtzk» Berlin, den 11. April. Ter unabänderliche Wille. Zum zweitenmal seit der Einbringung des Flotten- entwurfs beschwört jetzt die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" die Kanalvorlage aus den: Grab, das ihr das Agrarier- tum geschaufelt. Es scheint, daß man von Preußen aus hartnäckig das Ziel verfolgt, den: Marineplan neue Schwierigkeiten zu bereiten. Nichts ist ja geeignet, die Agrarier noch mehr gegen die gräßliche Flotte zu ver- stinrmen, als die Kanalvorlage, zumal diese in der neuen Gestaltitng so gewaltige finanzielle Ansprüche stellt, daß die Junker mit einigen: Recht daS Bedenken geltend niachen konnten, es sei unmöglich, gleichzeitig im Reich und in Preußen Milliarden für die Politik des Wassers aufzuwenden. Es war kürzlich gemeldet worden, daß auf besondere An- rcgung des Kaisers der Berlin-Stettiner Kanal aus dem um- fassenden Entwurf herausgenommen lvcrden und gleich nach Ostern als besonderer Entwurf den: Landtage zugehen solle. Den: gegenüber schreibt die„Nordd. Allg. Ztg." offiziös: „Es ist auch heute aus verschiedenen Gründen noch nicht möglich, den Zeitpunkt genau anzugeben. Ivan» die Kanalvorlage eingebracht iverden wird. Die Kanalfreunde können sich aber. wie wir glauben hinzufügen zu dürfen, versichert halten, daß die Vcrzügcrnng in der Einbringung des Gesetzentwurfs lediglich dnrch de» Wnnsch und de» festen Willen ver- anlaßt wird, der Vorlage alle Vorbedingungen für die Annahme z» sichern. Dazu dürften insbesondere die Verhandlungen mit den Interessenten beitragen. Dieselben sind bisher hinsichtlich des Berlin- Stettiner Kanals solvie der Borflutövcrbesscrnugcn an Oder, Havel und Spree mit den Provinzen Brandeiiburg und Pommern solvie mit den Städten Berlin inid Stettin unter weitgehender Beteiligimg der Anwohner gepflogen. Ilcbcrall haben sich sowohl die letzteren als auch die berufenen Vertretungen mit überwiegender Mehrheit für die von der Negieruug geplanten Anlagen ausgesprochen. Auch die Ucbcrnahine der geforderten Beitrags- und Nntcrhaltnngs- Verpflichtungen erscheint zum großen Teil bereits gesichert, lieber die Verbesserung der Wasserstraße Odcr-Woichscl uud den Masuri- scheu Kanal werden die Verha»dlnngc» mit den Beteiligten un- mittelbar nach Ostern eingeleitet und voraussichtlich schleunigst zu Ende geführt werden. Inzwischen dürften anch die noch ans- stehenden wirtschaftlichen und finanziellen Erwägungen abgeschlossen sein. Bei den bisherigen Verhandlungen haben die Entwürfe der Regierung durchweg große Anerkennung gefunden; hervorgetretene AbänderuugSwünsche iverden thnnlichst Berücksichtigung erfahren.. Die neue Kanalvorlage dürfte daher in ihren einzelnen Teilen in überwiegendem Maße die Zustimmung der zunächst Be- teiligte» finden. Wen» daher alle von der Ueberzeugnng durchdrungen sind, daß es die Aufgabe des Staats ist, dnrch Be- friedigung berechtigter Einzelwünsche der Gesamtheit zu nützen, daß aber auch der Staat die Verpflichtung hat, mit aus- gleichender Gerechtigkeit thnnlichst allen einzelne»Landes- teilen und Erwerbsgruppen zu helfen, so dürfte eS nicht schiver werden, das geplante Werl des zeitgcmäßige» Ans« bans nnsrer Wasserstraßen in: Interesse von Handel, Landwirtschaft und Industrie zn einem für die große Mehrzahl befriedigenden Ende zu führen. Dieses Ziel so bald als möglich zu erreichen, ist der«»- abändcrliche feste Wille der Regiernug; dem gegenüber er- scheint eS zweckmäßig, die Erörtcrnngen über etwaige Abtrennung einzelner Teile des Gesamtplans mib über den Zeitpunkt des Ein- bringenS der Vorlage möglichst zu beschränken. Vo« einer Trennung in Einzclvorlagcn oder gar von einem Fallen- lassen des Nhein-Elbc-KaualS ist, soweit die Regierung in Frage kommt, in keiner Form die Rede. Ta diesen Ausführungen dcuX wichtigste fehlt: die Angabc eines bestimmten Termins der Einbringung, so ist die aber- malige Betcncrung des nuabänderlichen festen Willens einiger- maßen abgeschwächt. Immerhin wird auch diese Ankündigung den Agrariern mißfallen oder ihnen wenigstens einen weiteren Anlaß geben, ihr Mißvergnügen derb zu äußern. Die„Deutsche Tageszeitung", die ankündigt, daß die gesonderte Ciubriugung eines Berlin- Stctiincr Kanals eine sichere Niederlage der Regierung zur Folge haben würde, giebt der Regierung den hübschen Rat: „Wenn die preußische Regierung in der Kaualfrage zu einem Ergebnisse gelangen will, so wird ihr nichts andres übrig bleiben, als eil« großrs allgemeines Vcrkchrsprogramm und Bcr- kehrSprojckt zu eutwiclclu und dem Landtage zu überlassen,' in welcher Reihenfolge die einzelnen Teile dieses Programms und Projekts ausgeführt werden sollen. DaS ist der einzige Weg, der aus den Wirren heraus und zu einem befriedigenden Ergebnisse fuhren kann. Denn daß die Stimmung gegen Kanäle überhaupt und gegen den Mittellandkanal im bcsondcrn in letzter Zeit nicht freundlicher geworden ist, darüber durste sich die preußische Regierung keiner Täuschung hingeben." Die Agrarier empfehlen, also der Regierung, ihren unab- äudcrlichen festen Willen darin zu bethätigen, daß sie dem Landtag lediglich eine unverbindliche Denkschrift Über ihre Kanalpläne zur Kenntnisnahme vorlegt, auf daß dann die Agrarier nach ostelbischcn Zntcresscn einige vorteilhafte Stücke herauslöscu könnten. Es liegt eine Zumutung in diesem Rat, der zeigt, daß die Junker trotz aller Not den Humor nicht verloren haben, sich über diese famose Regierung samt ihrem uuabänderstcheN Willen lustig zu machen. Vielleicht regt das Junkertum ein ähnliches Verfahren auch in Sachen der Flottenvorläge an, Die wirre Gegcuciuanderpolitik unsrcr angeblich regierenden Beamten ist nicht mehr zu überbieten. Zur Deckungsfrage. �_ In CeutrumSblättcrn war die Meinung geäußert worden, die Ne- gierung scheinesdie Swstenfrage der Marinevorlage allzu leichtzunehmen, das Centrum werde sich nicht auf bloße Resolutionen einlassen und lieber das Gesetz scheitern lassen. Die„Deutsche Tageszeitung" macht heute ähnliche Ausführungen. Gegen diese, besonders durch die aus- fallende Abreise des Reichs- Schatzsekrctärs ans Berlin hervor- gerufenen Drohungen wendet sich ein bemerkenswerter offiziöser Artikel der„Berliner Polit. Nachr.". Der Artikel verwahrt die Regie- rnng gegen den Vorwurf, als widme sie der Deckungsfrage nicht die genügende Aufmerksamkeit, und erklärt: „Man darf vielmehr vertrauen, daß, wenn die Verhandlungen über die� Flottenfrage demnächst wieder beginnen werden, die Deckungsfrage für eine Verständigung mit den- jcnigcu Parteien deS Reichstags, welche der Flotten- Verstärkung znzustumnen bereit sind, vorbereitet sei» wird. Es liegt in der Natur der Sache, daß in!diesc Vorbereitniigen nicht alle in der Dislnsfion zu Tage getretenen Vorschläge ein- - bezogen werden können, sondern daß diese Vorbcrcitmigcii sich ans diejenigen Vorschläge beschränken müssen, für die änf eine Mehrheit im Reichstag mit einiger Sicherheit zu rechnen ist. Ob dies aber betrcsts der seiner Zeit stark in den Bordergrund geschobenen R e i ch s- E r b s ch a f t s st e u e r der Fall sein würde, erscheint neuerdings mehr als zweifelhaft." Die„Verl. Polil. Nachr." führen alsdann einige Scheingründe gegen die EiUsnhrniig einer Reichs-Erbschaftssteuer vor, schließe» aber ihre Betrachiung mit der Ankündigung: „Daß, wenn gleichwohl wider Erwarten im Reichstag sich eine Mehrheit für die Rcichs-Erhschaftsstencr erklärt lind wenn diese Frage eine entscheidende Bedeutung für die Beschliißfassimg über die Flottenvsrstärkuiig gewiunen sollte, eine andre Beurteilung des Plans am Platze und eine veräußerte Stellungnahme dcr Re- gierung zu demselben in ernste Erwägung zu ziehen sein würde, bedarf der'nähcren Darlegung nicht." Das Ccntnim wird wohlgefällig feststellen, daß die Regierung seinen. Fordeningoi in der Kostcnfrage entgegenkommt. Diese Fordcrimgcn, für deren Erfüllung daS Ecntrum da? deutsche Volk vollends allem Wahnivitz des Marinismus überantworten will, waren von vornherein so geringfügig bemessen, daß es der Regierung allerdings nicht schwer sein kann, sie zu erfüllen. Einige„Anstandsstcuern" sollten den wohlhabenden Klassen abgenommen werden, damit dem unwissenden Volk der Wähler stolz verkündet werden kann, die Kosten der Marinevorlage seien„auf die tragfähig?» Schultern" gelegt worden. In Wahrheit ober sollen die Kosten der' Vorlage ebenso wie bisher alle Kosten des Mikstnrismns und Marinisimis fast ausschließlich aus den indirekten Bcrbrauchsstenern und brotvcrtcucrndcn Zöllen bestritten bleiben. Nur ein winziger' Teil der Mariiic- kosten und nur für den Fall, daß die Steigerung der Einnahmen ans Zöllen und Berbrailchsstenern im Lauf der Jahre nicht zur Deckung des ganzen Mehrverbrauchs hinreichen wurde, soll nicht von den Unbemittelten gezapft werden. Kein Wunder, daß selbst die reaktionärste Rcgicrnim bereit ist,' diese Steuerpolitik deS Ecntrnms und der Agrarier mitzumachen.— Deutsches Weich. Tie Aussichten des Flcischbrschan-GcsctzrS. Die„Post" schreibt: „So weit wir unterrichtet sind, besteht bei dem Ecntrnm. den Nationallibcralcn und der Ztcichspartci volle Ge n e i g t h e i l zu einem Kompromist mit der Regierung über das Gesetz, Bon der konservativen Frakrivn wird es daher ab- hängen, ob sich ans diesem Standpunkt die ganz übenviegende Mehrheit der schntzzöllnerischen Elemente im Reichstag vereinigt," Das Zilstandekommcn des Fleischbeschan-Kompromisses scheint gc- sichert zu sein. Denn in der„Konserv. Korrcsp." machen Freiherr v, Manteussel»nd Gras v. Mirbach die Milteiliing. daß der gc- schästssiihrende Ausschuß der konservativen Partei sich für die Ein- willignng i» ein Kompromiß ausgesprochen habe. Die Herren Konservativen wissen, daß das Fleischbeschau- Gesetz dem Junkertum erhebliche Vörleile' bringe» wird, wenn auch nicht alle agrarischen Wucherwimsche' sofort. in Erfüllung gehe».— Tie Nürnberger Ersatzwahlen sind bereits ausgeschrieben worden. Die Landtags wähl ist ans den 22, Mai, die Reichstags Wahl ans den 26, Mai anberaumt.— Die Harmlosen. - In seiner Begründung der Aufhebung de-Z freisprcchenhen Urteils im Harmlosen- Prozeß' führte. der RcichSanwalt, wie wir in Er- gänzung nnsrer gestrigen Mitteilung nachtragen, folgendes ans: „Das Landgericht gehl zwar voii einer richtigen BcgrissS- bestininuing als gewerbsmäßigen Glücksspiels ans, aber es hat sich bei der praktischen Amvcndnng derselben nicht von rcchtSirrtümlichcn Anschaunngen freigehalten. Wenn man das Bild, welches das Urteil von dem Leben und Treiben der Angeklagten zeichnet, als Gesamt- bild überschant, so möchte ich doch sagen, daß dies das t y p i s ch e B i l d von g e Iv e r b S m ä ß i g e n Spielern ist, und zwar von solchen, die ihr Gciverbe in großem Umfange betrieben �häbön.' Wenn trotzdem die Gewerbsmäßigkeit verneint worden ist, so liegt trotz der korrekten Definition vom gcwcrbs- mäßigen Spiel die Vermutung nahe, daß die Freisprechung auf einer falschen Rechsauffassung beruht. Es ist allerdings zu unter- scheidem zwischen dem gewerbsmäßigen und dem gewohnhcitS- mäßigen Glücksspiel, Wenn jemand darüber hinausgeht, nur seiner Leidenschaft zn sröhncn, so liegt bloße Gewohnheitsmäßigkeit nicht mchr vor. Wenn Gewinn und Verlust nicht niehr Ncheiijachc sind. so ist die Grenze gegeben. ans welcher Gewohnbcils- mäßigkcit in Gewerbsmäßigkeit übergeht. Das bloße' geivohnhciisniößige Glückc-ipicl wird durchaus als Lasier, als sociale Sünde zu charaltcrisiercn sein, und ich möchte dies gerade an dieser Stelle der Oefieiltlichkett gegenüber betonen, da Gründe vor- Händen sind, diese Actonnng hier an höchster richterlichch Stelle eintreten zu lassen. Aber der Gesetzgeber hat das nur gewohnheitsmäßige Glücksspiel nicht für strafbar erklärt. Daß die Angeklagten nnch gewohnheitsmäßige EtückSspleler gewesen sliid, crgiebt sich' ans der Feststellung, lvonach sie jede Gelegenheit wahrnahmen, ihren Hang zur Fortsetzung des Spiels zu iielhätigeii. Die Angeklagten ivouten lim jeden Preis und milcr Außerachtlassmig von Moral nnd gesellschasllichen Vflichteu spielen. Waren sie danach nur gewahnheitSmäßige Glücksspieler Von Gewerbe spricht man nur bei ehrlichen und anerkannten Thätigkeiten, wenn maii von dem Gewerbe der Wucherer, Kuppler und Glücksspieler spricht, so will man damit nur sagen, daß diese Leute ihre Thätigkeit wie ein Gewerbe betreiben. Dies kann sehr wohl geschehen neben einem andren Berufe. Das zweite Moment ist das der Ge w Inn such t. Wenn es dem Spieler um fortgesetzten Gewinnst zu thun ist. dann ist er bereits ein gewerbsmäßiger Glücks- spielcr. Wenn der Gclviniist als solcher erstrebt wird, dann ist es gleich- gültig, zu welchen Zwecken und Bedürfnissen er dienen soll. Bezüglich des Angeklagten v. Knyscr hat das Landgericht anerkannt, daß er bei seinem Treiben von dem Motiv geleitet ivar, die eignen drückende» Schulden zu bezahlen und sich Betriebskapital für weiteres Spiel zu sammeln. Dann war aber auch zu prüfen, vb dieses Motiv nicht die ganze Spiclthätigkcit geleitet hat, inid ob dies nicht auch bei den'andren Angeklagten der Fall war.— Große Umwälzungen im Flottcnban hat der Ober- k o n st r u k t c u r der englischen Werft zu Portsmouth, E. A. Datcs, kürzlich in einem Vortrag über den Fortschritt der Flotte in den letzten Jahren in Aussicht gestellt. Nach der„Post" erklärte Datcs. daß die gegenwärtigen Schlachtschiffe in 20 Jahren veraltet sein würden und an ihrer Stelle eine großartige Flotte von Schiffen eines ganz andren ThpnS die Verteidigungslinie bilden werde. Statt zn vcr- suchen, jede Verschiedenheit von Angriffs- und Verteidigungswaffen auf einem Schiff anzubringen, würde England wahrscheinlich Flotten besitzen, die aus Gruppen von Schiffen verschiedener Typen zusammengestellt wären. Jede Gruppe würde einen besonderen AngriffSmodus haben, und der Admiral würde die richtige Zeit des Angriffs jeder einzelnen bestimmen. Eine Gruppe würde Geschütz- fener, eine andre Torpedoschiissc abgeben und eine dritte wurde zum Rammen eines teilweise erschütterten Gegners verwandt werden. Der Plan der Flottenorganisation würde also dem deS Landhcers analog sein, die Flotte ans Infanterie. Artillerie und Kavallerie bestehen, was durch die Unmöglichkeit, ein heutiges Schlachtschiff zu kontrollieren, bedingt wäre. Angesichts solcher Ankündigungen, bemerkt dazu die„Freist Mg." mit Recht, ist-es nur so weniger gerechtfertigt, vom Reichstag zu verlangen, daß er sich auf einen F l o t t e u p l a n für 16 Jahre festlegen soll.— Z Prinz Arenberg. Heber die Nichtbeftätignng' des Urteils gegen den Prinzen Arenberg— der Mörder soll zwei Jahre Fcstlmg zudiktiert erhalten haben— schreibt ein nationalliberales Blatt, die „Börsen-Zejtung": „Wenn es ielbstbcrständlich ist, daß der Kaiser so. wie gemeldet, gehandelt hat, so ist es um so befremdlicher, daß er überhaupt i» die Lage kommen konnte, das Urteil zu verwerfen. Man versteht es schlechterdings nicht, wie das Kriegsgericht eine Unthat. deren schaudererregende Einzelheiten noch in aller Gedächtnis sind, init einer geringeren als der zulässigen höchsten Strafe ahnden konnte.... Der Gerichtshof hat.. offenbar die Willensfreiheit des Angeklagten nicht i» Zweifel gezogen, er hat eben cinsach eine Milde walten lassen. die nirgends weniger am Platze >var wie hier. Das Urteil enthüllt wieder einmal den betrübenden Gegensatz zwischen dem allgemeinen Rcchtsgefühl und den Vorstellungen einer Ge- scllschaftsschicht, deren Angehörige sich gewiß des besten Willens bewußt find, strengste Objektivität zu üben, die aber durch den- Zwang der ü b e r I i e s e r t e n Anschauungen, von denen sie abhängen, daran verhindert werden, diese guten Ab- sichten in angcmeffencr Weise auszuführen!" Selbst die Nationalliberalcn sangen an, von Klasicnjustiz zu reden, wenn auch das Wort selbst nicht ausgesprochen wird!— Rationalliberale Logik. Ein soeialdemokrotischcs Blatt hat behauptet, daß sich in der Wcltpolitik Stürme vorzubereiten icheincn. Daraus schließt die„Nationalliberale Korrespondenz", daß die Socialdcmolratie den Krupp- Stinnmschen Flottenpläneu geneigt zu werden beginne. Daß am Horizont der Welipoliiik bedenkliche Wolken anfsteigeu. das leugnet wohl kein vernünftiger Mensch und der „Vorwärts" hat ivicderholt ans die gefahrkuiidenden Symptome, namentlich in Ostasicn, aufmerksam gemacht. Aber was hat denn das mit der Flottenvorläge zu thnn? Der Konfiiit zwischen England und Rußland wartet gewiß nicht. bis der uferlose Flottcnplan in seinem jetzt vorliegenden Teil— denn er ist nur eine Abschlagszahlung nnd gerade darin liegt die Uferlosigteit— durchgeführt ist;' die Krupp-Sttmunsche Flottenpolitik wird also die Katastrophe nicht verhüten, nicht einmal ihren Verlauf wesentlich beeinflussen. Sollte jedoch der Zusammenstoß erst nach 1920 erfolgen, so hätten inzwischen die Engländer, Russen. Franzosen und Amerikaner ihre Kriegsflotten in ähnlichem Maße vermehrt wie wir, und das gegenseitige M a ch t v e r h ä l t n i s wäre. dasselbe wie jetzt, nnsre Kriegsflotte nicht von größerem Einfluß als jetzt. Wenn nun auf der einen Seite die deutsche Flotlcnpoiitik nicht geeignet ist, die Gefahren der Weltlage zn beschwören oder zu vermindern, so läßt auf der andern Seite sich sehr leicht der Nachweis erbringen, daß das mternationalc Kirchturm-Wettrennen der Secrüftungen, zn dem die deutsche Flottenvorläge das Signal gegeben hat, die Krise verschärfen und die K a t a sl r o p h e b e- s ch l e u n i gen muß. Nicht, daß wir die Katastrophe für absolut nnpenneidlich erachteten. Wir glauben im.Gegenteil, daß das Deutsche Reich sehr wohl mit Erfolg für den Weltfrieden zu wirken vermöchte, wenn es. statt die- besten Kräfte deS Volks dem Militarismus und MariniLmuS zu opfern und den Krieg vorzubereiten, seine Macht planmäßig im Jntcrcsie des Weltfriedens vcr- wenden würde. Der russische Dcspotenstaat ist außer stände, einen großen Krieg zu führen wider den Willen Deutsch- landS. Und England beginnt sicherlich keinen Krieg mit Rußland, wenn es nicht angegriffen wird. Eine solch' friedliche Rolle kann Deutschland aber nicht spielen, so lange cS von den Jinilern regiert wird nnd im Banne des Militarismus und MariniSmnS ist.—' Nach der Kunst die Philosophie. � Die Rede, die der Müncheuer Philosophieprofessor Lipps gegen die lex Heinzc gehalten hat und die namentlich des ans die'deutschen Richter bezüglichen Passus wegen so viel Stand omwirbelte.hat dieultramontane Preßmentc veranlaßt, die Schriften Lipps' nach etwas Dcnnnzierlichcm zu durch- schnüffeln. Die Ausbeute dieses eifrigen Studmins scheint indes ziemlich dürstig gewesen zu sein, da man sich sonst nicht mit dem Hcrvorzerrcn eines so mageren Knochens begnügt haben ivürde,' wie ihn die herausgeklaubte Stelle darstellt. Das'offizielle Münchener Centrnmsorgan, die„N. Bahr. Ztg." giebt folgende Stelle wieder? „Me Sittlichkeit ist gleichbedeutend mit Freiheit. Bestinuntsein durch fremden Willen ist nicht sittlich, Gehorsam in . seiner Wurzel, jederzeit. unsittlich. Mit einem Worte: Gehorsam ist unsittlich. Nicht als That, akter als Gesinnung, als unfreier oder knechtischer Sinn.". Entrüstet fragt nun das Blatt: Ist mit solchen Anschauungen und Lehren nicht jede Autorität preisgegeben? Die A n t o r i t ä t d e S Staats, der Kirche und schließlich auch d i e A ti t»vi t ä t G o t t e S? Wohin kommen wir, wenn solche Lehren an der st i s t tu, g S g c»n ä ß katholischen Universität der Jugend und in öffentlichen Vorträge» dem Volk eingc- prägt werden? Die Philosophie darf also künftig mir solche ethischen Sätze auf- stellen, die zuvor von Geistlichkeit und Militärbehörden auf ihre Unschädlichkeit hin geprüft worden sind. Nur solche Thesen werden, sofern die lex Lipps erst angenommen worden seilt wird, in philosophischen Werken anSgeiprochen werden dürfen, die auch unbeanstandet in einem KalechiiatiouS- oder JnstrnkiionZbüchlciu Platz finden kösmten.— Ausland, Frankreich. Ter Ncutralitätöbrnch Portugals vor der Kammer. Paris, 11. April. In der heutigen Kämmerfitzling erklärte der Kn'egsmiiiistcr ans Antrag des nationalistischen Deputierten Lafics, .er erlaube den Ofstzicrcn der Pariser Garnison, dem Gottesdienste zu Ehren Tillebois' beizuwohnen unter dem Vorbehalt, sich jeder Kund- gebung zu enthalten. Deleasss berichtete alsdann, daß die Depu- iierten Castelin und George Berry ihn über die portugiesische Stcu- tralitätSverletzung zu interpellieren wünschten. Er erklärte, es sei lttiinöglich. eine Frage, des internationalen Rechts an dieser Stelle zu diskntiercn, nnd Frankreich könne sich nicht anmaßen, andre Mächte zu zwingen, ihre Neutralität zu wahren. Eastcllin erklärte, daß dadurch die französische Kolonie m Madagaskar bedroht würde. Bcrrh stimmte den Ausführungen Castellins zu. Die Kanmter vertagte alsdann die Interpellation auf einen Monat. Der Abg. Eochin interpellierte die Regierung über Wahlutachcnschaften, welche der Minister Leygnes sich in seinem Wahlkreis schuldig gemacht haben soll. Auch diese Interpellation wurde um einen Monat vertagt. Derselbe Redner interpellierte noch die Regierung über deren all- gemeine Politik. Asien. Ueber die Hungersnot in Indien hat der in London weilende indische Beamte Seaton einem Berichterstatter des Rcnterschen BiircauS Mitteilungen gemacht, die äußerst trübselig lauten. Seaton erklärte u. a.: „Ich bereiste sowohl Central- wie auch einen großen Teil West- indicnS und fand die Lage weit schlimmer, als ich es mir vorgestellt hatte. Im Umkreise von mehreren hundert Meilen fand ich keine Svnr von PflanzcnwnchS, alles war verdorrt und die Erde so hart wie Stein. Das ganze Land macht den Eindruck einer nackten, trocknen und verlassenen Wüste nnd selbst die tiefsten Cisterncn cnt- hielten nicht einen Tropfen Feuchtigkeit. Die Sterblichkeit unter den Herden ist ungeheuer, da ivcdcr Futter noch Wasser zu beschaffen ist; ganz besonders haben die Provinzen Kathiawar, Pendschab nnd Nord- Bombay gelitten. Die Bevölkerung ist schon in srühern Jahren von der Hungersnot schwer heimgesucht worden und hat noch nicht die Beschwerden des Jahres 1897 überwunden. I» verschiedenen Bezirken haben besonders schwächliche Kinder unter der Plage zu leiden. und die Fälle sind nicht selten, Ivo Eltern notgedrungen unter Znriick- lassmig der armen Wesen verschwinden. Die Negicriing bietet alles in ihren Kräften Stehende auf. um die Not einigermaßen zu lindern, kann jedoch bei d e m ll m s a n g, den die jetzige Not angenommen hat, nicht einmal die dringendsten Bedürfnisse berücksichtigen. Ich habe schon verschiedene ähnliche Zeiten durchgemacht, doch ist die jetzige die schlimmste, was den Umfang der Notbezirke betrifft. Die indische Negierung bedarf dringend weiterer größerer Geldmittel."— Pavf ei""Ztschvithten. Tic Nürnberger Parlamcntömaudnte, die durch den Tod des Genossen Oertcl frei geworden sind, werden von der bürget- lichen Presse bereits vergeben. Wir teilten schon die Kombination der„Lossische» Zeitung" niü, daß Genosse L. LlronS als Reichstags- kändidat auseneycn sei. In gleicher Weise wird Genosse Ed. Schmid in Miiitchcn als Kandidat für das LandtagSmandat bezeichnet. Ab- gesehen davon, daß die Nürnberger Parteigeiiosseli noch gar nicht in der Loge wären, über die Besetzung der frcigcwordciicn Mandate zu beraten, sagt die„Münchner Post": „Ed. Schmid hat mit seinem magistratischc» Amt und seiner redaitioiicllen Arbeit gerade genug zu thnn. abgesehen davon, daß die Redaktion der„M. Post"(mm im Einklänge mit den führenden Nürnberger Genoffens stets principicll gegen alle vermeidliche Be- lastung einzelner Personen mit Doppelmandatcn Stellung ge- nomincn hat." Zum Fall Oertcl. Tie„Frankfurter Zeitung" veröffentlicht jetzt die Rnnien der drei„namhastcn" Socialdcinokralcn, die in einer längeren Zuschrift au dieses Blatt den„Fall Oertcl" zum Gegen- staiid der Diskussion gemacht haben. Es sind dies der Schriftsteller Ludwig A ii b. der Fabrikant Karl R a n b i n e I und der Photo- graph Jean M n Sc a t. der als„langjähriger Kassierer deS social» demokratischen Vereins Nürnberg" bezeichnet wird. An nnsrer Bc- tirleilmig deS Falls wird dadurch nichts geändert. Tic Mandate der fünf socialdemokrattschen Stadt- vcrordticte», die jüngst in Bremerhaven gewählt wurden, sind vom Stadtverordneten- Kollegium für ungültig erklärt worden. DaS AtiszählungSversahren soll gesetzwidrig gewesen sein, obgleich es dasselbe gewesen ist, wie cS seit je geübt wurde. Pvlizoilichrs. GerichUichrs tisiv. — Wegen ReltgionsvcrgchcnS wurden in Benthe» O./S. drei Parlcigcnoffcn verurteilt und zwar Tylong zu drei Monaten und Borys zu einem Monat Gesäugiiis, Eholcwa zu bv Pf. Geldstrafe. — Vcrsammlungsrcchtlichcs aus Anhalt. Der Gcnoise Schilling in Harzgcrode meldete bei der KreiSdirettion Ballenstedt eine Versammlung an. Die Behörde verweigerte aber die An- meldebescheinigung, weil er den Referenten nicht mit angegeben hatte. Räch dem anhaltischcn Vcrciiisgesetze besteht keine Ler- pflichtung zur Anzeige des Referenten und die Verweigerung der Anmeldebescheinignng ouS diesem Gnnide widersprach deshalb dem Gesetz. Genosse Schilling, in der ganz richtigen, vom Gesetz durchaus gedeckten Amiahine, daß er seine Verpflichtung erfüllt Hobe nnd daß' die ungenügende GesetzeSkeniitiiis cineZ Beamten kein Grund sei, die vorschriftsmäßig angemeldete Versmimiluiig zu unter- lassen, hielt scint Versammlung ab. Sie wurde durch den lieber- wachendcu wegen des Fehlens der Bescheinigung aufgelöst und Schilling sollte 13 M. Geldstrafe bezahlen oder 8 Tage Haft vcr- büßen.' Er rief die Entscheidung des SchöffeugcrichlS an und— wurde auch, hier bestrast. Das Gericht habe die Entscheidung der Äreisdirektion nicht nach- zuprüsen. Für das Gericht handle es sich nur darum, ob eine Versammlung ohne die vorgeschriebene Anzeige abgehalten worden sei. Die Amnelduitg könne nur dann als geschehen angesehen werden, wenn sie durch eine Bescheinigung hcurkiindet sei. DaS ist eine sehr merkwürdige Anffajsimg. Daß die Vcrsamm- lnng angemeldet worden ist, hat iiientaud bestritten; bestritten wurde blos die Lorschristsmäßigkcit der Anmeldung. Daraus resultiert die Polizeistrafe nnd deshalb mußte das Gericht prüfen, ob die Anmeldung vorschriftsmäßig erfolgt ist, ob die Anineldebescheiitigung mit oder ohne gesetzlichen Grund vcrlvcigert wordciiist. Wenn jeinänd wegen Verletzung deS Äereinsgcsctzes bestraft werden soll, dann muß daS zur Entscheidung berufene Gericht auch prüfen, ob er daS Vereinegesetz auch verletzt hat. Die Abhaltniig der Bersaiiimluiig ohne Avmeldeb cscheini gnn g ist keine ungesetzliche Handlung, weil daS Gesetz den Veranstalter nur zur Anzeige verpflichtet. Die Bescheinigung ist nur eine Urkunde über die erfolgte Anzeige zum Schutze des V e r s a in m I u n g s- Veranstalters, zum bessern Beweise, keineswegs der einzig zulässige Beweis. Ge,veLkfÄZNftliitzcs. Vcrlin ,»,» lliitftcqcnd. Achtung» Dachdecker! Den Beschluß der Ictzien össentlichcn Dersaininluug entsprechend legten ain Dienstag bei der Firma Wcmicfc von den 45 Dackdeckcrn 35 die Arbeit nieder. Wir erwarten von llnsrcn Kollegen, daß sie den Zuzng fernhalten. Tie Lohnkommission. An die Lederarbeiter(Portcfcuillcr)! In Anerkennung der erhöhten Lebensmittelpreise hat der Lederwaren-Fabrikant Paul Runge, Niltcrstraßc 88. seinen Heimarbeitern auf sämtliche Tresor- waren eine Lohnerhöhung von 10 Proz. bewilligt. Diese Zulage tritt mit der neuen Saison in Kraft. Das günstige Ergebnis würde erreicht, weil fast alle Kollegen der Organisation angehören und ein rechtlich denkender Unternehmer seinen Arbeitern berechtigte Wünsche nicht abschlägt. An allen übrigen Kollegen liegt es nun, den für sie günstigen Moment anSznnutzen und vor allen Dingen sich dem Verband der Buchbinder und verwandten Bcrufsgcnosscn auzu- schließen, damit auch ohne Arbeitsniederlegung eine Besserung unircr Lohnvcrhältnisse errungen werden kann. Alle Anfragen und Briefe sind zil richten an Hcnnmin Meiüschild, Oppclnerstraße 34, IV. Der Ccntralvcrband der Handels-, Transport- und Per kchrSarbeitcr hat in Bcrliir und in einigen Vororten unter den Stcinkntschcrn und Arbeitern eine sehr lebhafte Agitation entfaltet, die überall mit dem besten Erfolg gekrönt war. Fast sämtliche Arbeiter ans diesem Berufe haben sich der Organisation angeschlossen. Das Resultat ist dank der Einigkeit und guten Organisation ei» recht zufriedenstellendes. Tic Arbeits- und Steinkutscher, die früher einen ttohn von 19, 29 und 31 M. erhielten, bekommen jetzt 25, 23 und 27 M. pro Woche. Wenn es auch diesmal noch nicht möglich war, auf die Verkürzung der Arbeitszeit hinzuwirken, so ist cS nicht ausgeschlossen, daß mau sich in allernächster Zeit auch mit dieser Frage beschäftigen kann. Der Streik der Berliner Korbmacher ist noch nicht voll- ständig beendet, da noch 13 Arbeiter ausständig sind. Eine Einigung mir den noch in Betracht kommenden Meistern konnte nicht herbei- geführt werden, weshalb der Zuzug fernzuhalten ist. Eiuc Konferenz christlicher Postbcamtel» soll vom 8. bis 19. Mai in Berlin lagen. Man plant die Gründung eines Verbands gläubiger Postangcstclltcn. Wie berichtet wird, soll den Delegierten Freiguarticr zugesichert sein. Eine solche Organisation wird gewiß der besonderen Gnade des Postgcwaltigcn sicher sein, denn die Muckcrci steht in hoher Gnnst und man benutzt sie gern als Ableitcr für verständige sociale Bc- strebungen. Es wäre übrigens interessant, zu erfahren, wer so wohl- lvollcnd ist und die Kosten dieses Arrangements trägt. Deutsches stietch. Zur Lohnbewegung der Steinsetzer� In R a u m b u r g a. S. haben die Steinsetzer eine Erhöhung des StnndcnlohiiS von 49 auf 45 Pf., bei auswärtiger Arbeit 59 Pf. gefordert und legten am 2. April' die Arbeit nieder. Im Laufe der Woche haben zwei Meister die Forderungen �bewilligt, bei dem dritten sind noch vier Mnim ausständig. Tie Stettin er Kammer fordern für dieses Jahr eine Erhöhung des Stundenlohns von 49 auf 59 Pf. Die Innung bc- schloß, fünf Pfennige pro Stunde zuzulegen, lvnhrcnd sie den Stein- setzcrn anstandslos die geforderte Lohnerhöhung von 59 auf 69 Pf. zugestand. In Hanau haben die Pflasterer aus dem Wege der Ilntcrhandluiigeu eine Erhöhung des Slundenlohns von 49 auf 45 Ps. und Sonnabends eine Stunde Vcrlürzimg der Arbeitszeit erlangt, desgleichen die wöchentliche Lohnzahlnng. In den Unter- ivcscrorten iL c h e, Bremerhaven, Geestemünde) haben die llnternehmer als Antwort auf einen von den Arbeiter» auf- gestellten ttohntarif, in ircldiem in der Hauptsache nur eine Lohn- erhöhuug von 47V- auf 59 Pf. gefordert wird, mit einem Gegen- larif aufgewartet, der in jeder Beziehung«ine ganz bedeutende Per- jchlcchtcrnng für die Arbeiter bedeutet. Di? Sperren über Barby, Hamiovcr, Stettin und Hanau sind aufgehoben. Ilm eine Regelung der Lohnbewegung auf friedlichem Wege anzubahnen, hatte der Ccniralvorstand des Verbands der Stein- setzcr und SZcruisgcnosscu gemäß eines ihm von dein letzten Vcrbandstag der Organisation erteilte» Auftrags dem am 4. März in Berlin stattgefnndencn Vcrbandstag der dentschcn Steinsctzerinnungcn einen Antrag bezüglich Anbahnung tariflicher Vereinbarungen unterbreitet. Bis heute hat genaimtcr Verbands- vorstand auf diesen Antrag noch keine Antwort erhalten. Von dritter Seite ist dmeselbe» mitgctcilr worden, daß der Antrag überhaupt gar nicht in Erwähmuig gekommen ist. Ter Tischlcrstrcik in Krefeld dürfte zu einem erbitterten Kampf führen. Die Unternehmer haben ein Cirkular erlasse», i» dem sie ihre Kollegen in den umliegenden Städten bitten, keinen streikenden Arbeiter einzustellen. Der Erfolg dieses Ilnternchinens ist ausgeblieben, denn cS sind bereits 89 Streidcndc abgereist und anderwärts in Arbeit getreten. Bisher arbeiten 69 Gehilfen in 19 Betriebe» zu den neuen Bcdingimgcn, während 115 im Ausstand sich befinden. (Christliche Unternehmer gegen christliche Arbeiter Drgani- fatioucn. In Kaldenkirchen, an der holländischen Grciizc, herrschen die Csgärrtnfabri kanten, echt christliche Leute, noch nnmNschränkt. Junge Leute, lvrlchc Cigarrenarbritcr ivcrdcn ivollten mußten, man höre und statine, eine Lehrzeit von 5 bis 6 Jahre durchmachen. Vom Ccntralvcrband der detitfchcn Tabakarbciter hatte man sich schon die größte Mühe gegeben, um fetten Fuß zu fassen, aber vcr- gcblich/ Dein vereinten Druck der Geistlichkeit, der Behörde und des Unternehmertums mußte der Verband weichen. Um dem einmal gclvecktcnLrgaiiifatioiisbcdürfnis dcr Tabakarbeitcr Rccbnnng zu tragen, gründete die Geistlichkeit eütc christliche Orgaui- iation am Ort, Daräufhin traten die christlichen Unternehmer zu- sammen und erließen einen Ilkas, ivouach cS den Tabakarbcitcrn auf's strengste verboten ist, dem christlichen Tabakarbciter- Verband beizutreten. Ein Borstandsinitglied ist schon gematzregelt. Auch in dem Lchrvcrtrag wurde ein Paragraph mifgenommen, ivouach der Beitritt zur Organisation verboten ist. Die Geistlichkeit in Verbindung mit dein Vorstand der Organi- sation hat eine Versammlung der Bürgerschaft einberufen, in ivclchcr Stellung gegen die christlichen Unternehmer genommen luurdc. Eventuell soll durch einen Streik die Anerkennung der Organisation erzwungen werden. Uebtt Msgchuliiheit und MlksmhWt sprach am Dienstag Stadtrat Dr. M ii n st e r b e r g von der Ortsgruppe Berlin des„ De u ts che n Vereins für B o l ks- h y g'i c n c". Die Bcrsannnliing ivar gut bestickt, namentlich von Personen, die in der städtischen Annen- und Waiscnpflcgc sowie in privaten Vercinignngcn wohlthätigcr und gemeinnütziger Art thätig sind. Die Zubörcr dürften jedoch kamir ans ihre Rechnung gckomnicn sein. Herr Münsterberg streifte das eigentliche Thema, das er sich für seinen Vortrag gestellt hatte, nur ganz kurz. Im wesentlichen beschränkte er. sich auf eine Schilderung der wichtigsten Maß- regeln, die aus dem Gebiet der V o l k§ g e s u n d h e i t s- pflege bisher getroffen worden sind, in erster Linie' der Fürsorge sür Genesende und für ihre Familie», der Wöchncrinncn-Fürsorge, des Äindcrschntzcs usw. Es sei ihm hauptsächlich daraus angekommen, sagte er, zur Anwendung. Erweiterung und Verbesserung dieser Maßregeln anzuregen. Daß das wenige, Ivos in dieser Hinsicht vorhanden ist, der Erweiterung und Verbesserung bedarf, das ist imbedcnklich zuzugeben. Gewundert haben wir nnS aber, daß der Vortragende es für nötig hielt, seinen Zuhörern auch die Benutzung der betreffenden Ein- nchtungcn erst noch zu empfehlen. An Benutzern hat es hier noch niemals gefehlt, vielmehr hat sich stets gezeigt, daß d i e vor- h a n d e n e n Einrichtungen zur Förderung der Volks- g es im d h c i ts p flc g e viel zu gering für die Schar b e r j c ii i g c n find, die f i e b e ii n tz e n w o l l e n. Von den Hcimslättcii für Gencsciide sagte Herr Münsterberg wörtlich, sie seien „noch lange nickt so bekannt, wie sie bekannt zu sein verdienen." Wer mit den Verhältnissen nicht vertraut ist, der könnte hier meinen, die Heimstätten der Stadt Berlin ständen das ganze Jahr hindurch fast leer, während doch die Sache so. liegt, daß wenigstens im Soimucr viele Ausiiahincinchcnde Wochen und Monate laiig tvarten müsjcn. bis ein Platz für sie frei ivird. Herrn Münsterberg ist das natiir- lich ebenso bekannt, wie es der Mehrzahl seiner Zuhörer bekannt gewesen sein dürfte. Charakteristisch für den Vortrag und zugleich für die Zuhörer- schaft. vor der er gehalten wurde, war der llinstmid, daß Herr Münsterberg über die iv i r k s a m st«Maßregel zur Förde- r u n g der Volksgesundheit, die Hebung der wirt- s ch a t t I i ch e n L a g e d e r A r b e i t e r t l a s s e, vollständig schmieg. Thatsächlich leisten doch die Arbeiterorganisationen mit ihren Lohnkämpfen, wenn sie erfolgreich durchgeführt ivcrdcn. h u n.d e r t in a l in ehr s ü r die Förderung der V o l t.s g c sii ndeit als sämtliche tvohlthätigcn mid gemeinnützigen Vcrcinignnge» mit allen ihren halben Maßregeln, die das Ucbcl niemals an der Wurzel angreifen. Daß die ganze Frage eine G c l d f ra g c ist, das gab Herr Münsterberg nur an der Stelle zu, loa er von dem Annciiweseii sprach und darauf hinwies, daß arme Mütter ihn des Erwerbes willen ihren Kindern die natürlichste Rahrnng, die Muttcrbrnst, cntzichcii ninff'eii, um sie den Kindern der Reichen zu geben. Aber die Näh ru n gSfr'a g e. die für die Hebung der Volksgesiiiidheit nach Vkünstcrbcrgs eignen AipZ- führiingcn von ganz besonderer Wichtigkeit ist, ist doch im wcsent- lichen cbcnsalls nur eine Geldfrage. Münsterberg fordert mit Recht eine W o h n u n g s e n g u e t c für Berlin und hält durchaus zutreffend die banpolizeilichen Vorschriften ohne eine ständige behördliche W o h nu n g s k o n t r o ll e für wirkungslos: aber mit Wohiiungscngncte und Wohmingskontrolle allein wi r d e b e n auch noch nichts erreicht. Zum Spaß pfercht sich doch»jemand mit seiner Familie in die Löcher ein, die iinsre Berliner Hauswirte für die ärmere Bevölkerung als Wohmiiigcir bereit halten. Die ständige WohnmigSkontrolle soll z. B. verhindern, daß Räiiine, die formell als unbelvohnbarcs Ncbeiigclaß vermietet wurden. hinterher deiinvch als Wohn- oder Schlaf- räunte benutzt werden, daß die Zahl der Belvohner einer Wohnung über das den Forderungen der Hygiene ent- sprechende Maß hinausgeht usw. Aber alle dahin gehenden Verbote werden so lange eine in der Hauptsache mir auf dem Papier bestehende Maßregel bleiben, die Wohmiiigscoiitrolciire werden den thatsächlichcn Verhältnissen gegenüber so lange machtlos sein, als die ärmere Bevölkerung durch ihre Wirtschaft- l i ch e Lage geradezu gezwungen>v i r d, u n- hygienisch zu wohnen. Zum Spaß' kürzt sa auch kein er- krankler Arbeiter seinen Anfeiithalt im'Krankenhanse oder in der Hciiirstättc, keine ciitbiindene Arbeiterfrau ihr Wochenbett ab. Die bittere Notwendigkeit ist es, die sie dazu treibt. Der Kampf nnis tägliche Brot zwingt sie. an der Wohuung zu sparen und ihre Gesundheit dabei zu schädigen, noch vor der Genesung die Arbeit lviedcr aufzuiiehmen und'die völlige Wiederherstellung dadurch zu verzögern oder überhaupt zu vereiteln. Berliner Pdrtei-Zlngelegeuheiten. Die Genosse» des sünsteu Berliner RcichstagS-Wahlkrciscs veranstalten am Freitag, den 13. April, eine Herrenpartie nach P i ch e l S w c rd c r< Freunds Jnselgarteu). Abfahrt früh 8 Uhr vom Alcxandcrplatz. Treffpnnlt sür Nachmittag in FrenndS Jnsclgarten, Pichclswcrder. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Achtung, sechster Wahlkreis. Montag, den 16. April(zweiter Ostcrfcicrtag), inittags 12 Uhr, findet im Köslincr Hof, Köslincrstraße 8, eine Matinee statt. Dieselbe ist vcr- aiisialict von den Socialdcinokraten des Wedding und der Oranien- bnrgcr Vorstadt und besteht ans Konzert, Anfführniig von Chor- gesängen des Gesangvereins Nordwachl(unter Leitung feines Dirigenten Herrn Blobcl), Duetts, Terzetts, Zither-EnsenibleS und der lomifchen Scene„Die Meistersinger von Münchebcrg". Pro- gramm 29 Pf. Ilm zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. Freie Volksbühne. III. Abteilung am ersten Osterfeicrtag, Sonntagnachmittag 2:)/i Uhr im Carl Weiß-Thcatcr:„Die Neu- vcrinühlicn" und„Die sittliche Forderung". Die Vorstellung der V.. Abteilung ist am zweiten Osterfeicrtag, Montagiiachinittag. 9..Serie im Lessing-Theater am 22. April. I. Abteilung:„Die drei Töchter des Herrn Dupont", Schauspiel in 4 Aufzügen' von Eugene Brienx. Donnerstag, den 12. April, abends 8 Uhr, Ordnerfitznug bei Stichcr. Der Vorstand. I.A.: G. Winkle r. (Siehe heutiges Inserat.) Lichtenberg und Fricdrichsfeldc. Die Genossen inachen wir darauf aufmerksam, daß am Freitag effie� F l u g b l a t t v e r b r e i- tun g stattfindet. Es wird eine rege Beteiligung erwartet. Treff- punkt'in den bekannten Lokalen um 74/»'Uhr. Ober Schöncwcidc. Der Lese-Abcnd des Arbeitcr-Bildungs- Vereins am Donnerstag fällt aus. Das Berliner GewerKschastshans Ta? nunmehr fertig aufgerichtete GcivcrkschaflshauS. von dem wir hier eine Abbildimg bringen, datf gctrbft ein wichtiges Merkzeichen in'der Berliner Arbcitercntwickelniig genannt werden. In seiner auf Schönheit und Zweck- Mäßigkeit zugleich angelegten Gestalt fleht es da nicht allein als feste Burg, in der das organisierte Proletariat unter- ollen Umständen ein schützendes Obdach findet, sondern auch als lebendige Acnße- ruug des Willens der klassenbewußten Arbeiterschaft, praktisch handelnd auch ins bürgerliche Leben ei«, zugreifen. Gewiß ist der von den Gegnern noch vielfach gebrauchte Vorwurf, daß die Phrase, die nnthätige Kritik in bcr proletarischen Bewegung eine Hauptrolle spiele, seit je durch praktisches Wirken zu widerlegen gesucht worden. Jede politische und gc- wcrkschaftlichc Organisation. die gc- gründet wurde, jede Krankenkasse, in der die vorgeschrittene Arbeiterschaft die zünstlerische oder bnrcaukratische Bcr- waltnng aus dem Felde schlug, jeder Konsumverein, jede Genossenschaft im weiteren stellen sich dar als Aciißerungeii des Willens,.zielbewußt in der heutigen Gesellschaft sich im proletarischen Sinne zu bethätigen; und der Wert einer jeden dieser'Organi- sationcn ist um so höher zu veranschlagen, als die herrschenden Klaffen stets mit allen Mitteln dabei waren, diese Schöpfungen zu vernichten oder ihnen doch das Leben so sauer wie mög- lich zu machen. Nachdem trotz aller Hinhcrnisse die Organisalioncn der Arbeiterschaft heule kräftiger denn je dastehen, nachdem sich ohne große Prophctengabe voraussagen ließ. daß der proletarische Enianzi- pationsgedanke in immer weitere Kreise cindringt und immer fester sundicrt wird, ivar die Gründung des Gelverlschafts- Hanfes eine natürliche Konsequenz, eine Etappe zu weiteren Zielen. Dies HanS ist errichtet als Ausdruck nnsrer heutigen Kraft, so darf' jeder organisierte Ar- bester von sich sagen, als Ausdruck des Willens, nach allen Richtungen zu schaffen und zu wirken. Hier finden die Krankeiikassen, die Gewerkschaften ihre zweckmäßig angelegten Ränine, hier regelt sich der Arbeitsnachweis und daS UntcrstütznngSwesen, hier soll der Ar- bester, wenn er über seine Angelegen- heilen beraten will, stets einen ihm freundlich geöffneten Rani», wenn er müde auf der Wanderschaft ist, Herberge mid Erqiiickniig finden. Hier soll er ober auch im Frohsinn lernen. Nicht zu gering ist es zu veranschlagen, daß dein Arbeiter, der bisher gelvohnt>var, an oft tvcisig anheinielndeii Orten mitcr seinesgleichen ein GlaS Bier zu trinken, nunmehr eine freie, modern und bequem eingerichtete Erholungs- statte offen steht. DaS ist praktischer AnschaulmgSiintcrricht, das weckt im Arbeiter das Streben, sich durch die Organisation von den überreichlich vor- handenen Gütern der Erde auch für sein eignes Heim soviel zu verschaffe», daß es ivohnlich mid heiter werde. So kann und wird das GcwerkschaftS- HanS nach vielen Richtinigen hin segcnS- reich auf das Proletariat einwirken. An der' organisiertest Arbeiterschaft liegt cS nunmehr,. das neue Haus in Ehren zu halten. Möge es unter ihrer Obhut blühen, wachsen und gedeihen! Societlos. Die Mißachtung der Arbciterschntzgcsctzc durch die Unter- Nehuler und die auffaltig»>ilde Bestrafung dieser Gesetzesverächter, die von i»is so oft gebührend gekennzeichnet lvorden ist, hat be- kanntlich selbst Herrn ru Posadotvsky zu dem Versprechen gegenüber dem Reichstag veranlaßt, sich dieser Sache anzunehmen. Die„National-Zeitung" kann zwar die Nichtigkeit dieser That- fache, die ja in den Gewerbeaufsichts-Berichteii zn Tage treten, nicht bestreiten, fühlt sich aber beschwert dadurch, daß ans ihnen allgemeine Schlüsse über den Charakter unsrer Rechtspflege gezogen werden. Sie schreibt: „Wer die Gcwerbc-Anfsichtsberichte, die alljährlich dem Bundes- rat und dem Reichstag vorgelegt werden, nur flüchtig durchgeblättert hat, wird finden, daß die Gewerbe- Aufsichtsbcamten rückhaltlos jeden Fall dieser Art verzeichnen»nd an den verschiedensten Stellen auf eine strengere Handhabung der Strafbestimmnngen hinwirken, indem sie feststellen, wie sehr viel gewissenhafter infolgedessen die Arbeitcrschntzbcstimmnngen beachtet lvorden sind. Bor allen Dingen aber hat die Reichsregicrung selbst keine Gelegenheit vorübergehen lassen, für den Fall, daß ein Unternehmer gewinn- süchtig sich gegen die Arbeiterschutzgesetze vergeht, ans strengste Bestrafung zu dringen. Der Staatssekretär des Innern Graf v. Posadolvsktz hat sogar zu diesem Ziveck an die Regierungen derBundesstaaten die dringcndeBitte gerichtet, iit solchen Fällen, wo eine ausreichende und geeignete Bestrafung in der ersten Instanz nicht stattgefunden, die Amtsanwälte darauf hinzuweisen, eine Korrektur des Urteils in zweiter I n st a n z herbeizuführen." Es ist ja ganz schon, daß Herr v. Posadowsky durch diesen Schritt zngiebt, daß ein allgemeiner Mißstand vorhanden ist, gegen den ein allgemeines Einschreiten wünscheuswcrt erscheint. Aber das sollte doch gerade der„National-Zeitung" Anlaß geben zum Nach- denken darüber, ob nicht wirklich allgemeine Ursachen für die Er- schciuuug vorhanden sind. Wir sind übrigens ein wenig verwundert, daß die„National-Zeitung" in dem Vorgehen des Grafen Posadowsky nicht einen unzulässigen Versuch der Justizbehörden zur Beeinflussung der Unabhängigkeit des Richterstandes erblickt, ivie wir auch verwundert darüber sind, daß sich die„National-Zeitung" von diesem Eingreifen der Regierung bei der nationalliberal-traditioncllcn Unanfechtbarkeit des deutschen Richters etwas verspricht. Von alledem abgesehen, handelt es sich bei uns nicht allein um zu geringe Bestrafung der Unternehmer, die die Arbeitcrschutz- gesctze systematisch gewissenlos übertreten, sondern auch darum, daß die Mehrzahl derselben überhaupt nicht bestraft wird und gar nicht vor den Richter kommt. So wurden z. B. im Jahre 18g8 von den deutschen Gciverbc-Aufsichtsbcanitcn— abgesehen von allen Ver- lctznngen über die Vorschriften, Arbeitsbücher, Aushängen und An- zeigen,— 10 513 Zuwiderhandlungen gegen die Arbeitersckiutzgesetze ermittelt, bestraft wurden im ganzen 1274P'crso»en. MitStrafc bedroht sind aber auch die übrigen Gcsetzcsverlctzungcn und deren sind noch mehr als die erwähnten; so allein der Vorschriften über die Arbeits- büchcr 8146, der sonstigen 6762. Warum bleiben alle diese straf- baren Handlungen der' Unternehmer überhaupt unbestraft? Hat man je gehört, daß selbst die geringfügigste Gesetzcsverletzung durch einen Arbeiter, sobald sie zur Kenntnis der Behörden gekommen, un- bestraft geblieben ist?_ GeviMs Eine grobe Ausschreitung im GcrichtSgcbände wurde gestern von dem hiesigen Schöffengericht in nachdrücklicher Weise geahndet. Der frühere Zinnncrpolicr und jetzige Rentenempfäuger Wilh. Jürgens hatte sich eines Tags'zusammen mit seiner Ehefrau, von welcher er getrennt lebte, wegen Pfandbrnchs zu verantworten und wurde zu 10 M. Geldstrafe verurteilt. Schon während der Bc- ratung des Gerichtshofs stieß er Drohungen gegen seine Frau aus. stellte' ihr in Aussicht, daß er sie„kalt machen" und„zu Boden schlagen werde" usw. Draußen auf dem Wandelgange des GcrichtSgebäu'dcs hat tr die letztere Drohung wahr gemacht, denn dicht am Ansgaugc hieb er plötzlich mit der Krücke seines fingerdicken Spazierstocks auf die Frau ein und schlug sie dermaßen über den Kopf, daß sie, aus einer' ziemlich großen Wunde blutend, zu Boden sank. Einige der in der Strafjache ver- nommenen Zeugen suchten die Frau zu beschützen, der eine von ihnen erhielt aber gleichfalls einen Stockhieb in das Gesicht, der ihm eine Schramme auf der Backe beibrachte. Schließlich packte der Hauswart Schmidt den wütenden Menschen und beförderte ihn auf die Straße hinaus, wo er noch einige Zeitlang großen Lärm ver- ursachte. Eine große Blutlache auf dem Flur des GerichtSgcbäudcS bezeichnete die Stätte des Kampfs. Die Frau mußte sofort in das Krankenhaus Moabit geschafft werden, wo sie über acht Tage gelegen hat. Gegen den llnhold wurde eine Anklage wegen Bedrohung mit einem Verbrechen und Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs erhoben. Seine Ehefrau ist inzwischen merkwürdigerweise wieder zu ihm gezogen, sie konnte aber zum gestrigen Termine nicht erscheinen, da sie nach der Bekilndinig eines Zeugen schon wieder vonr Angeklagten arg mißhandelt worden ist. Der Staatsanwalt glaubte mit Rücksicht auf die Gröblichkcit des Excesses trotz der Unbescholtenheit des Augeklagten vier Monate Gefängnis beantragen zu sollen. Der Gerichtshof sah den Fall viel schwerer an. einerseits iveil die Verletzung der Frau nicht ungefährlich war, andrerseits weil gerade die Stätte des Gerichts vor solchen Ausschreitungen zu schützen sei. Die Strafe kantete daher auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis bei sofortiger Verhaftung. Der Angeklagte war erst völlig sprachlos, dann brach er in lautes Wehklagen aus und folgte den, Gerichts- diener, der ihn abführte. Ei» Du»l>nerjnngcnstveich nach Studentenart ist den noch jugendlichen Arbeiter» Karl Horn und A u g u st Lemke, die gestern wegen groben Unfugs und gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs vor dem Schöffengericht standen, übel bekommen. Die beiden kaum dein Knnbcnaltcr entwachsenen Angeklagten beschlossen, eines Sonnabendabends eine Versammlung der„H e i l s n r m e e" zu bc- suchen und dort„Ulk" zu machen. Horn hatte sich eine rote P e r r ü ck e und eine blaue Brille aufgesetzt, erhielt aber trotz dieser Ausstaffierung gegen Bezahlung des Eintrittsgelds von zehn Pfennig Zutritt zur Versamm- luug. Natürlich erregte der Jüngling mit der roten Perrücke bei einigen gleichgestimmten Freunden große Heiterkeit, die sicki verstärkte, als die beiden Angeklagten die geistlichen Gesänge absichtlich grundfalsch sangen. Der die Versammlung leitende „Kapitän" sah sich schließlich in der Notlage, die Versammlung zu unterbrechen und die Störenfriede zum Verlassen des Saals ans- zufordern. Sie kamen dieser Aufforderung nicht nach, verlangten vielmehr energisch ihr Eintrittsgeld zurück und mußten erst durch einen herbeigeholten Schutzmann hinausbefördert werden. Das Schöffengericht war mit dem Staatsanwalt der Ansicht, daß, wie man auch über die„Heilsarmee" denken möge, jedenfalls solche „grünen Jungens" nicht das Recht haben, Andachtsübungen in dieser Weise zu stören. Die Angeklagten wurden wegen groben Unfugs zu je 20 M. Geldstrafe und wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs zu je einer Woche Gefängnis verurteilt. Die Werke der Frau v. Maderny. Eine Auflage wegen Nachdrucks gelangte gestern vor der achten Strafkammer des Land- gerichts I gegen den Buchhändler Hermann Schmidt zur Ver- Handlung. Der Angeschuldigte hat im Jahr 1897 von dem Buch- Händler Schumann in Leipzig einen großen Posten litterarischer belletristischer Werke gekauft, darunter auch eine Anzahl Exemplare von einer Novellensämmlung, die von der Schriftstellerin Frau v. Maderny verfaßt waren. Wie der Angeklagte behauptet, hat er gleichzeitig neben den Büchern und Platten mich das Verlagsrecht erworben. Schumann habe erklärt, daß die Verfasser abgefunden seien, er könne mit den Büchern machen was er wolle. Der Angeklagte habe sich deshalb berechtigt gehalten, die erwähnte Novellensämmlung in kleinere Bücher z» zerlegen, die er teils mit Novellen der Frau v. Maderny, teils mit solchen von andren Verfassern ausfüllte. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Jnse Hiermit war Frau v. Maderny nicht einverstanden, einesteils weil es ihr nicht genehm war, daß ihre Geistescrzcugnisse mit vielleicht minderwertigen von andren Verfassern zusammen in einem Buch erscheinen, andcrntcils, weil sie mit dem Verleger Schumann eine Vereinbarung dahin getroffen hatte, daß diesem gegen ein Entgelt von 500 Mark das Recht zustehen sollte, eine Auflage von 3000 Exemplaren herzustellen. Sie ließ sich im gestrigen Tcnnin als Ncbenklägerin durch den Rechtsanwalt Haack, Syndikus des deutschen Schriftstcllerbundes, vertreten, während der Angeklagte vom Justizrat Birkner verteidigt wurde. Der Zeuge Schumann, der nicht vereidet wurde, behauptete, daß der Angeklagte bei den Vcrkanfsvereinbarungcn nimmermehr zu der Ansicht gelangen konnte, daß er die Novellen so ausbeuten dürfe, wie er es geth'an. Angestellte des Angeschuldigten bekundeten dagegen, daß Schumann das ummischrünkteste Verlags- und weitgehendste Verfügungsrecht gewähr- leistet habe. Der Sachverständige Dr. Bondi gab sein Gutachten dahin ab, daß Frau v. Maderny dnrchgdaS Gcschäftsgcbahrcn des Angeklagten sowohl in ihrem schriftstellerischen Rufe' wie auch in ihrem Vermögen erheblich geschädigt sei. Es könne einem Verfasser un- möglich gleichgültig sein, mit welchen andren Bcrufsgcnossen er in einem Buche zusanimengcwürfclt werde. Im vorliegenden Fall seien die Büchcr, mit bemerkenswerten Umschlägen versehen, als Eisen- bahn-Litterätnr und auf der Straße verlaust worden. Der Ver- treter der Ncbenklägerin regte die Frage an, ob das Verhalten des Angeklagten nicht als Betrug anzusehen sei. Die Täuschung liege darin, daß die Hefte auf dem Umschlage mit den: Namen der Frau v. Maderny versehen seien, während sie zumeist Erzählungen von andren Verfassern enthielten. Er beantragte, der Nebcnklägcrin eine Geldbuße von 300 M. zuzusprechen. Der Staatsanwalt wies auf die schweren Folgen für die Schriftsteller hin, wenn es den Ver- legern gestattet sei» solle, so mit deren Geisteserzcugnisscn zu ver- fahren, wie der Angeklagte cS gcthan; er beantragte gegen den letzteren SO Mark' Geldstrafe' und Beschlagnahme der vor- rätigcn Hefte. Der Verteidiger hielt de» Angeschuldigten durch die mit Schumann getroffene Vereinbarung gedeckt und eine Schädigung der Nebcnklägcrin nach keiner Richtung hin für nachgewiesen. Er bat deshalb um Freisprechung. Der Gerichtshof entsprach diesem Antrage. Es sei angenommen worden, daß der Angeklagte sich in dem guten Glauben befunden habe, daß er von Schumann das unumschränkte Verlagsrecht erworben habe. Von der Entscheidung dieser Frage sei die Strafbarkcit abhängig. Ob es einem Verleger gestattet sei, die Werke eines Schriftstellers mit denen andrer zusammenzustöppeln, dürste im Wege des Civil- Verfahrens zu ernsten Erörterungen führen. VvvZsmnnIunjgen. Ter socialdcinokratischc Wahlvereiv für den sechsten Wahlkreis hielt am 10. April in de» Arminiushallcn in Moabit eine Mitgliederversammlung ab, die leider nicht, sonderlich stark bc- sucht ivar. Der Vorsitzende Kiesel ividmcte dem verstorbenen Ge- nossen Oertcl einen wann empfundenen Nachruf. Sodann hielt Ge- nosse Ströbel einen Vortrag über„das Liebäugeln der bürgcr- lichcn Nationalökonomen mit der Arbeiterbewegung und die Stellung der Socialdcinokratie", über den bereits berichtet worden ist. An den Vortrag, besonders an die AnSsührnngen über die GeWerk- schaftspolitik, knüpfte sich eine sehr animierte Diskussion, in welcher die Genossen A r e n d s e e, Kiesel und K a I e s k e zum Teil noch über die Ausführungen des Referats hinausgingen, ivährcnd Winzler und K n o l l sich auf den Standpunkt der Ncntralitäts- bestrcbungcn stellen. Nachdem noch der Vorsitzende auf die am 24. April stattfindende Generalversammlung hingewiesen, erfolgte zu ziemlich vorgerückter Stunde der Schluß der Versammlung. Die Lohnbewegung der Fliesenleger hat am Dienstagabend eine öffentliche Versammlung beschäftigt, deren Resultat wir unterm 11. d. M. bereits mitteilten. Zur Annahme gelangte folgende Resolution: „Da die Kommission der Fliesenleger zu dem Resultat gelangt, daß die bisherige Streikbewegung auf Grund der bisherigen Basis nicht mehr weiter geführt lvcrden kann, beschließt die Versammlung, den Streik bis zu einer demnächst folgenden besseren Konjunktur beizulegen. Die Streikenden haben die Arbeit wieder aufzunehmen und sind strikte darauf hingewiesen, den Stundenlohn von 70 Pf. zur Durchführung zu bringen.— Die noch im Streik befindlichen Kollegen sind bis auf die Dauer von 3 Wochen mit 3 M. per Tag zu unterstützen." Die Diskussion, die sich sehr lebhaft gestaltete, ergab folgende Beschlüsse:„Für den Streikfonds wird pro Woche von' den Arbeitenden bis auf weiteres 1 M. erhoben." „Der S chl n ß st e m p e I auf der Streikkarte ist so lange zu verweigern, bis der Bericht über die Verhandlungen erstattet ist." Bezüglich der Sprechstunden im Bureau der Fliesenleger wurde folgendes festgesetzt: „Streikende haben sich zu melden am Vormittag von 9—1 Uhr; für weitere Vorsprechende ist die Zeit von 6— 9 Uhr abends zu beobachten." Die Arbeitökutscher des Südostens erörterten am Dienstag den Stand der Lohnbewegung. Dein Bericht ist zu entnehmen, daß von den 13 in Betracht kommenden Finnen, mit ca. 300 Arbeitern, 10 Finnen die Forderungen von 27 M. pro Woche für Kutscher und 24 M. für Arbeiter bewilligt haben. Bei zwei Fuhrherren haben sich die Arbeiter auf 25 M. und 23 M. geeinigt. Der Hoffpcditeur Nicolai hat seinen Arbeitern nur eine Lohnznl'age von 2 M. zugestanden, so daß dieselben nur 22 M. pro Woche erhalten sollen. Der Referent forderte die Arbeiter dieser Firma auf, nochmals bei Herrn Nicolai vorstellig zn werden. Redner wies darauf hin, daß die Fuhrherren einen Ver- band gründen wollen, und es nun nicht ausgeschlossen sei. daß die Unternehmer versuche» werden, die Zugeständnisse wieder rückgängig zu machen. Darum liege es im Interesse jedes Einzelnen, dein Ccntralverbaud der Handels-, Transport- und Vcrkehrsarbeiter treu zu bleiben, damit die Kutscher und Arbeiter jeden Versuch der Unter- nehmcr, die Löhne zu kürzen, zurückweisen können. Vom Vorstand des Verbands der Buchdrucker erhalten wir folgende Zuschrift: In Nr. 85 des„Vorwärts" ist eine Resolu- tion des„Ortsvercins der Berliner Buchdrucker und verwandter Berufsgenossen" abgednickt, welche sich gegen die angeblich an- gebotenen Konzessionen des Vorstands dcS Verbands der deutschen Buchdrucker den Mitgliedern der Gewerkschaft in Bant-Wilhelmshaven und Chemnitz gegenüber bei ihrem eventuellen Wiedereintritt in den Verband wendet. Wir erklären, daß seitens des Verbands- Vorstands weder den Gewerkschaftsmitgliedern in Bant noch in Chemnitz irgend welches Entgegenkommen in Aussicht gestellt wurde. Dazu liegt um so weniger Veranlassung vor. als fortgesetzt Mitglieder der Gewerkschaft sich'zum Verbände' wieder melden und bereit find, als neue Mitglieder einzutreten. Die Marmor- und Granitarbeiter hielten am Dienstag- abend eine Versammlung ab, um den Jahresbericht des Vertrauens- mauns entgegenzunehmen. Da die Versammlung aber sehr schwach besucht war, wurden der Bericht wie auch die Wahl des Vertrauens- mannS zurückgestellt. Ein Antrag Hirtmann, zum 1. Mai Stellung zn nehmen, wurde ebenfalls abgelehnt. Dagegen wurde beschlossen, über 14 Tage-(24r. April) eine neue Versanimlung mit derselben Tagesordnung einzuberufen. Waidmannslust. Am Sonntag hatte hier der Wahlvcrein eine Versammlung anberaumt, in der Genosse Radeke einen beifällig aufgenommenen Vortrag hielt. Sodann erfolgte die Neuwahl des Vorstands und wählte die Versammlung Adam zum ersten Vor- sitzenden._ Der Krieg. Eine neue schwere Niederlage. die dritte in ganz kurzer Zeit, haben die Engländer im Norden von Bloemfontein erlitte». „Daily News" meldet aus Pretoria unter dem 9. d. M.: Amtlich wird hier bekanntgegeben, daß in einer neuen Schlacht itenteil verantwortlich: Th. Glocke wBerli». Druck»nd Verlag von Max südlich von Brandfort 000 Mann englische Truppen getötet und verwundet und 800 Maiin gefangen genommen worden sind. „Daily Mail" meldet über Lourcnyo Marquez ans Brandfort unter dem 8. d. M.: General Dewet schlug die Engländer gestern bei McrkatSfontcin. 000 Mann wurden getötet oder ver- wundct, 300 Mann gefangen genommen und 12 Wagen er- bcuter. Die Boeren halten 5 Tote, 9 Verwundete. Unter dem 10. April wird der„Daily Mail" aus Louren�o Marquez telegraphiert: Die hiesige Niederländische Eisenbahn- gescllschaft behauptet, eine telcgraphische Meldung über einen Bocrcnsicg bei K r o o n st a d erhalten zn habe», bei dcis 900 Engländer gefangen genommen seien und die Bocre- nur einen verschwindend kleine» Verlust gehabt Härten. Alle die Meldungen beziehen sich offenbar auf ein und dasselbe Gefecht. In der Ortsbestimmung weichen die Nachrichten allerdings ganz bedeutend von einander ab. McrkatS- fontein ficht auf den uns'vorliegenden Karten nicht verzeichnet. Nach dem ersten Telegramm müßte es südlich von Vrandfort liegen. Das dritte Telegramm verlegt aber den Kampfplatz nach dem einen ganzen Breitegrad nördlicher gelegenen K r o o n st a d t. Ist daS Gefecht, wie anzunehmen, zwischen Bloemfontein und Brandfort geschlagen worden, so kann dabei entweder die 7. Division unter General Tuckcr oder Geucral Clements mit 6000 Manu engagiert worden sein. Von Roberts selbst liegt nur folgendes Telegramm vor: Der Feind war in den letzten Tagen sehr thätig; ein Kommando steht nördlich vom Oranjefluß nicht weit von Aliwal North, ein anderes greift die Garnison von W e p e n e r an. die sich sehr tapfer hält und den Boeren gestern schwere Ver- luste zugefügt hat. lieber die Kämpfe bei Wepener liegt noch folgende Reuter- Meldung vor: Aliwal North, 10. April. Gestern verloren die Engländer bei Wepener 11 Toto und 41 Verwundete. Heute wurde der Kampf wieder aufgenommen. Die Engländer behaupten ihre Stellung gut. Der Entsatz von Mafcking muß vorläufig als gescheitert betrachtet werden. Dcni„Reuterschcn Bureau" wird aus Buluwayo vom 3. April gemeldet: General Plnmer hatte am 31. März ein Gefecht mit den Boeren zivischcn Mafeking und Ramathlabama. Als er sich gegen drei Uhr nachmittags sechs Meilen von Mafeking befand, erschien eine g r o ß e' T r u p p e n m a s s e der Boeren. Plnmer mußte,' uni nicht auf beiden Seiten umgangen zu werden, sich allmählich uach Ramathlabama und später nach seinem früheren Standort zurückziehen. Das Gefecht dauerte bis 6 Uhr abends. Der Rückzug wurde gut ausgeführt. Nach einer weiteren Meldung dcS genannten Bureaus aus Gaberoucs vom 1. d. M. betrug der Verlust auf englischer Seite drei Offiziere, 7 Mann tot, 3 Offiziere, 24 Mann verwundet. 11 Mann vermiß t. Der Verlust auf feiten der Boen» „soll" schwer gewesen sein. Die englische» Verlnste Iverden von der„M. Allg. Ztg." bis zum 1. April auf ca. 30 000 Mann berechnet, nämlich anf 4029 Tote<294 Offiziere und 3735 Mannschaften), 11 300 Vcrivundcte und Entlassene fdarnnter 649 Offiziere) und 3466 Gefangene und Vcnnißte(darunter 143 Offiziere). Der Rest entfällt auf Kranke, Marode zc. Durch die neuesten Kämpfe werde die Verlustliste noch um ein paar Tausend Mann er- höht werden. Letzte Meldungen. Ladysinith, 10. April.(Meldung des„Rcuterschen Bureaus".) Das Gejchützscucr von heute früh dauerte drei Stunden. Die Boeren demaskierten sechs große Geschütze und schleuderten Granaten in sämtliche cnglichc'n Lager. Die Schiffsgeschütze er- ividerten das Feuer und machten, wie man glaubt, ein Boerengeschütz gefechtSnnfahig. Unterdessen versuchten die Boeren eine Flankenbewegung zur Rechten und Linken der Engländer, die aber durch das Feuer der Engländer verhindert wurde. Zwei bei der Bedienung der Geschütze thätige Matrosen sind gefallen; auch haben die Engländer noch etliche weitere Verluste erlitten. Gerücht- weise heißt es. daß eine Boercnabtcilung südivcstlich von ElandS- laagte aufgetaucht ist._ Urtzke NZrchvrchten«nd Depeschen. Eine neue Mordthat in Berlin. Ein gestern am späten Abend verbreitetes Extrablatt einer hiesigen Zeitung berichtete folgendes: Die in der Birkcnstraße 42 in Moabit wohnhafte, alleinstehende Lehrerin Moldenburger wurde heute Nach« nachmittag zwischen 3 und 5 Uhr durch Bcilhiebe ermordet vor- gefunden. Alle Anzeichen weisen auf einen Raubmord hin. Die Ermordete hat ein Alter von 53 Jahren erreicht. Von dem Thätcr fehlt zur Zeit noch jede Spur. Die Mclinistcn abgeblitzt. Paris, 11. April.(W. T. B.) Bei der Beratung des Budgets tadelt Cochin(Rechte) die allgemeine Politik der Regierung und ihre kollektivistischen und c ä s a r i st i s ch e n Tendenzen. Lasies � (Nationalist) kommt auf die Faschoda-Fraae zurück und wirft Dclcasss vor, er habe Marchand im Stich gelassen. Ministerpräsident Waldeck-Rousseau erinnert daran, daß die Kammer fünfinal seiner Politik zugestimmt habe und weist auf die Nützlichkeit der von der Regierung eingebrachten gegen die unleidlichen Bestrebungen der religiösen Vereinigungen gerichteten Vorlagen hin.(Beifall.) Die Negierung habe die alten republikanischen Traditionen wieder aufgenommen und ihre Bemühungen seil 10 Monaten seien nicht vergebens gewesen, das Land sei ruhig, die Ausstellung werde bc- weisen, daß der innere Friede wiederhergestellt sei.(Beifall.) Waldeck- Rousseau weist schließlich auf die Besetzung von Tuat hin. spricht sich für den Gesetzentwurf, betreffend die Kolonialarmee aus und bringt eine Vorlage ein, welche den Ausbau der Verteidigung der Küsten und Kolonien bezweckt.(Stürmischer Beifall.) Bcrtcaux be- autragt, daß die Rede Waldeck- Nonsscaus öffentlich an» geschlagen werde.(Beifall.) Mcline wirft Waldeck-Rousseau vor, daß er von seinen alten Grundsätzen abgewichen sei, daß er Millerand einen über- wiegenden Einstuft im Kabinett gewähre und sich dem SocialisnmS gefällig zeige. Das Land weise eine derartige Politik zurück. (Beifall im Centrum.) Die Kammer beschließt mit 286 gegen 211 Stimmen, daß die Rede Waldeck- Nonsscaus öffentlich an- geschlagen werde. Hierauf wird in die Specialdebatte über das Budget eingetreten.(Vergleiche politische Uebersicht.) Hamburg, 11. April.(W. T. B.) Wie die„Hamburgische Börsenhalle" erfährt, hat die Finna C. Wörmmm nicht ihre sämt- lichen Liegenschaften und Geschäfte in Kamerun, sondern nur ihre Liegenschaften Gebäude und Geschäfte in Fluß-Kamerun an die Ge- sellschaft„Nord-Kamerun" verkauft. Prag, 11. April.(W. T. B.) In K l a p z a i stürzten heute abend 14 Häuser ein, 6 andere sind stark bedroht und mehrere ge- fährdet. Brüssel, 11. April.(W. T. B.) In der Repräsentanten- k a m m e r verlas der Ministerpräsident de Smet de Naeyer eine Mit» teilung, zufolge welcher der König alle seine unbeweglichon Güter dem Lande zum Geschenk macht. Die Rechte hörte stehend die Ver- lesnng an, welche vom Hause mit anhaltendem Beifall begrüßt wurde. Athen, 11. April.(W. T. B.) Nach weiteren Nachrichten wurden der Kommandant Christomanos und ein Matrose dos infolge einer Keffelcxplosion gesunkenen Torpedoboots getötet, 5 Man» wurden verwundet, 5 iverden vermißt, 5 sind gerettet. Sading in Berlin. Hierzu 1 Beilage und llnierhaltnngsblatt. Ar. 86. 17. Iahrganh. Ktilllge des Driirts" Kerlim MldsblM. 12.>««0. Uoksles. Die Wohnungsnot an kleineren Behausungen hat sich i» Vcrlm bei dein letzten Umzugstermin in einer Weise geltend gemacht, wie kaum jemals zuvor. Einer ganzen Anzahl von Wohnungssuchende» ist es nicht nur am Ende des vergangnen Quar tals, sondern bis über den 1. April hinaus thatsächlich nicht gc lungen, Wohnungen von ein und zwei Zimmern, die ihren be schcideneu Bedürfnissen auch nur annäbernd entsprochen hätten, zu finden. Verschiedene dieser kleinen Mieter glaubten, daß sich ihnen wohl nach dem UmzugZtermin noch etwas Passendes bieten würde, und sie richteten sich'deshalb provisorisch bei Bekannten und Freunden ein. Sie alle sind jetzt aber schtver enttäuscht, da auch heute nach wie vor kleine Wohnungen nicht zu erhalten sind. In vielen Fällen sind diese Mieter dann gezwungen gewesen sich grögere Wohnungen zu nehmen. Andre weniger Glückliche jedoch mußten sich schließlich dem Asyl für O b d a ch l o s Anwenden, da gastliche Pforten in Privathäusem sich ihnen nicht öffnen wollten. So haben sich denn in der Zeit vom 1. bis 4. April unter den 4S2 Personen, die dem städtischen Obdach zugeführt wurden. 99 Familien befunden, von denen 48 i" Mobiliar bei sich hatten. Auffallend ist es serner, daß auch im nächtlichen Obdach die Frequenz während der letzten Tage eine unverhältnismäßig starke gewesen ist, denn sie hat in der Zeit vom l. bis 6. April 4964 Personen betragen, darunter 3932 Männer und 132 Frauen. Eine social empfindende Kommunal Verwaltung würde solcher Not durch Errichtung von kleinen Wohnungen schleunigst abzuhelfen suchen. In Berlin hat man aber mit wichtigeren Dingen zu thun. Zu den heiligen Festen der Christenheit pflegen die hervorragenden Stützen der göttlichen Weltordnung der schönen Sitte, sich im Ducllniord ein ivcnig zu massakrieren. Wir erinnern daran. daß das Duell, in welchem der Ceremonienmeister des Kaisers».Schräder durch den Ceremonienmeister v. Kotze in ein besseres Jenseits befördert wurde, am Kar sonn abend stattfand und daß ebenfalls das letzte Weihnachtsfest durch etliche Tuellmorde verschönert wurde. Auch die jetzige Ostcrzcit ist. wie die Blätter melden, reich mit Duellen gesegnet. So lesen Ivir in der„National- Ztg.": Mit Hindernissen war ein Gang auf Pistolen zwischen einem Architekten und einem Sttidierenden des Bergbaus verbunden. Es war verabredet, daß nicht der Arzt, londern die Duellanten selbst den Wer bandskasten mitbringen sollten. Man war nach der Tegeler Forst hinausgefahren und hatte bereits alle Vorkehrungen getroffen, da öffnete der Arzt den ihm überreichten Ver bandskasten und fand darin nicht Verbandszeug, sondern noch ein Paar Pistolen. Das Erforderliche wurde aus einer Apotheke geholt und dann ging der ausgemachte einmalige Kugelwechsel vor sich. Niemand wurde verletzt. Das Hin- und Herfahren der Wagen war ober einem Gendannen aufgefallen. Dieser ging den Spuren nach und kam auf dem Kampfplatze an, als man eben die Wagen lvieder bestiegen hatte.— Ilm einen Tag mußte ein zweites Pistolenduell verschoben werden, weil die Gegner, ein M e d i z i n e r und ein Student des Baufaches aus Charlotten� bürg, sich zunächst nicht fanden. Eine Trainerbahn in KarlShorst. die als Stelldichein verabredet war. giebt es nicht, und so suchte der eine hier und der andre dort, ohne daß man sich fand. Der Zwei kämpf wurde daher erst am nächsten Tag auf Westend ausgefochten Er verlief ebenfalls unblutig.— Auf Säbel ohne Binden und Bandagen standen sich am Donnerstag voriger Woche ein Arzt und ein M a r i n e- O f f i z i e r in Berlin gegenüber. Sie fochten 25 Minuten und wurden beide am Köpf und an der Brust verletzt, jedoch nicht gefährlich. Beide waren von aus- wärts gekomnicn und sind bereits wieder abgereist.— Ebenfalls au Säbel schlugen sich ein Dr. M. und ein Student F. Die Verletzungen sind auch in diesem Fall nicht schwer. Das schönste kommt aber noch. In der„Gernrania" lesen wir: lieber ein D a m e n d u e I l, das gestern nachmittag im Walde, der sich südlich der Kolonie Banmschulenweg an der Spreeheide erstreckt. stattgefunden haben soll, sind die abenteuerlichsten Gerüchte verbreitet. Jemand, der angeblich Augenzeuge des Vorgangs ge Wesen ist. giebt dazu folgende Schilderung: Gegen 3 Uhr nachmittags kamen auf den von Rixdorf rmd Johannisthal nach Baumschnlemveg führenden Wegen zivci Trupps Stadlerinnen, im ganze» zehn Personen, daher, die in den Wald einbogen. An der Stelle, wo der durch den Forst führende Damm den Spazierweg nach Johannisthal durchschneidet, machten die Damen Halt und trafen Vor bereitnngen ftir das Duell, das nachdem seinen Anfang nahm. Die Duellantinnen hatten sich mit Floretts bewaffnet; einige Seknndantinncn waren auch zugegen. Der Kampf, der regelrecht durchgefochten wurde, erreichte sein Ende, als eine der Beteiligten einen Stich in die linke Hüfte bekommen hatte. Die Verletzung war anscheinend nicht schwer, so daß die verletzte Dame ohne Hilfe einen herbeigeholten Wagen besteigen konnte. Der Grund zu dem Duell soll angeblich eine Lieb'esgeschichte sein. Ueber die Duellantinne» ist nichts Genaueres ermittelt. Eine davon soll die Tochter eines äst reichischen Offiziers sein, die wegen dieses Duells extra nach Berlin getouimen ist. Ihre Gegnerin bezeichnet man als eine Landschaftsmalerin, eine bekannte Berliner Schönheit. Nach einer Version soll der Grund zum Duell in einer thätlichen Beleidigung bestehen, die mit einer Liebesaffaire jedoch nicht zusammenhangt. Wahrscheinlich wird man später noch näheres erfahren. Warum niag diesen„Damen" die einfache Art. in der ihre Gcschlechtsgcnosfinncn von der Straße Liebesaffaircn durch ein paar Kratzwuiiden ausgleichen, nicht bchagt haben? Wollten sie Reklame fechten? Oder fühlte» sie den christlichen Herzcnsdrang, nach Art der männischen Staatsftntzcn ihr Teil zu thun, damit die Religion dem Volk erhalten werde? Au der Verbesserung der Berliner Feuerlöscheinrichttmgcn wird miabläsfig gearbeitet. Neuerdings handelt es sich um eine» Versuch mit der Einführung von Oberflur-Hydrante», die kleinen gußeisernen Brunnen gleichen und an der Kante der Straßen- Bordschwelle aufgestellt werden, während die bisher gebräuchlichen Hydranten sich durchweg unter dem Pflaster beffnde». Hierdurch ivird aber ihre Auffindung während der Nacht, sowie bei Schnee- und Schmntzwetter wesentlich erschwert, auch ist die Gefahr ihres Einfrierens bei starkem Frost nickt ausgeschlossen. Thatsächlich ver- zeichnet die Feuerwchrchronik Beispiele, denen zufolge bei Bränden die in Anspruch genommenen Hydranten anfangs versagten und erst anfgethaut werden mußten. Diese» Mängeln soll durch die Obcrflur- Hydranten abgeholfen werde». Für dieselbe hat Brandinspektor B a h r d t ein besondres System konstruiert. und sind bereits einige Versnchs-Hydranten aufgestellt, so an her Schloßfreiheit und an der Ecke Linden- und Ritlerstraße. Falls sie sich bewähren, soll allmählich mit der weitere» Einführung der Neuerung fortgefahren werden. Immerhin würde es eines Zeitraums von nichrcren Jahren bedürfen, bis die im Berliner Straßennetz liegenden bOOS Hydranten durch zweckmäßigere ersetzt iverden können. Die Kohlennot in Berlin macht sich seit mehreren Tagen in recht bedenklicher Weise bemerkbar. Die Lagerplätze sind fast völlig erschöpft. Der Ausstand der Grubenarbeiter, deffen Folgen, soweit die Produktion in Betracht kommt, längst übertvnnden sind, war den Großunternehmern ein willkommenes Mittel, die Konsumenten zu bewuchern. Besonders macht sich der Mangel an Preßkohlen demerkbar. Vielfach ist Mangel an Steinkohlen vorhanden. Ein großer Teil der Kleinhändler hat schon seit Tagen seine Preßkohlen- liesenuigen au die Haushaltungen eingestellt. Bezeichnend für die jetzig« Lage auf dem Kohlenmarkt ist so z. B. ein Plakat, welches gestern an der Thür eines Händlers in der Alten Jakobsttatze prangte. ES lautete:„Weil ich keine Kohlen mehr habe und frische erst morgen bekommen kann, bleibt der Verkauf g e s ch l o s s e n."— Erfreulicherweise macht sich die Kohlennot für die Bevölkerung in weniger empfindlicher Weise bemerkbar, da der eingetretene Witte- rungsnmschwnng die Heizung entbehrlich macht. Viele Familien, welche bisher auf dem Herd gekocht, haben in den letzte» Tagen Aufträge zur Aufstellung von Gaskochern gegeben und dem- gemäß sind die städtischen Gaswerke zur Zeit außerordentlich in Anspruch genommen. Infolge der hohen Steinkohlcnprcise ist der Coaksverbranch erheblich gewachsen und dieses Material ebenfalls in> Preise gestiegen. Die städtischen Gaswerke, welche sonst über den geringen Coaksverbrauch klagten, sind nicht mehr in der Lage, den gestellten Anforderungen zu genügen. Gesten, wurden beispiclstvcise morgens an einzelne Käufer nur 2 Hektoliter, später IVs und 1 Hektoliter abgegeben. Die Coaksprcise sind gestern abermals um 19 Pf. für hundert Liter gestiegen. Es ist das die dritte Steigerung seit Mitte Dezember, jedesmal um 19 Pf., von 99 Pf. auf 1,29 M. Ob zu dieser Verteuerung für die Gasanstalten immer eine zwingende Notivcndigkeit vorlag? Tie Streikklausel im Baugewerbe verleitet das Unter- nehmcrblait par excellsnee, die„Berl. N. Nachr.", zu einigen komischen Sprünge». Gegenüber unsrem Artikel vom Dienstag.' in dein ivir u. a. auf den gemeingefährlichen Mißbrauch aufmerksam mackiten. den die Unternehmer im Baugewerbe nicht allein zu Un- gnnstendcrArbeitcr, sondern auch zum Schadendes kommunalen Auftrag- gebers mit der Streikklausel treiben iverden. konmit das Unternehmer- organ mit dem Einwand, daß an solcbc Dinge schon ans Gründen der— Moral nicht zu denken sei. Wie herzhaft mögen besonders jene Baumeister, die gar häufig nicht allein die notwendige» bau- polizeilichen Sicherungen auf Bauten außer acht lassen, sondern auch zuweilen in die Lage kommen, in Plötzensee über die Jnangriff- nähme von Krankeukasjengeldcrn zc. nachzudenken, sich über diese un- glückliche Phrase wohl den Bauch vor Lachen halten. Ter staatsgefährlichc Schiller freigcgcbcu. Neben vielen andren als staatsgefährlich betrachteten Kr an z Widmung en war am 18. März auch die vom Vorstände dcS Wahlvereins in, sechsten Berliner Wahlkreis gewählte Widmung der polizeilichen Censur zum Opfer gefallen. Der Kranzttäger,' Genosse Kiesel.„lachte den konfiscicrenden Beamten vergeblich darauf aufmerksam. daß das Schilleftche Citat am selben Abend auf der Bühne des königlichen Schauspielhauses bei der Aufführung des„Wilhelm Tell" gesprochen würde. Auf eingereichte Beschwerde ist dem Genossen Kiesel nunmehr die konfiscierte Schleife von, Polizeipräsidium zurückgegeben worden mit der gleichzeitigen Mitteilung, daß der konfiscierende Beamte im Interesse der öffentlichen Ordnung zur Wegnahme der Schleife— b e- rechtigt war. Die öffentliche Ordnung ist ein geduldiges Wesen. Das Ehrengericht der Berliner Börse verurteilte den Fonds makler Grell zu der harten Strafe der Ausschließung von der Börse auf drei Monate, weil er wider die kaufmännische Ehre und das kaufmännische Vertrauen gehandelt hat. Wie die„Berl. Ztg." hört, ergab die Feststellung dcS Thatbestands, daß Grell für außerhalb der Börse stehende Personen Geschäfte vermittelte und ihnen un günstigere Kurse aufgab, als er selbst bezahlte. Es dürfte das wohl der erste Fall sein, in dem das Ehrengericht sein Vottim über den sogenannte»„Schnitt" abgegeben hat. Ein rcichhalttges Dicbcslager wurde gestern ans dem Boden des Hauses Königstraße 34 vorgefunden. Es rührte ans fortgesetzten Diebstählen her, die in den Warenlagern der Firma Gebr. Simon deren Geschäftshaus an das genannte HauS anstößt, verübt worden waren. Als Dieb wurde ein Mann ermittelt, der in der Uniforn, eines Telephonarbeiters sich auf den Dächern und in den Böden der beiden Häuser zu schaffen machte, ohne in Wirklichkeit Telephon arbciter zu sein. Au der Nähmaschine verunglückt ist der 3 Jahre alte Sohn Willy des Arbeiters Kerber aus der Fchrbcllinerstr. 29. Als gestern Frau Kerber Wäsche ablieferte, mußte sie ihre beiden 3 und 7 Jahre alte» Söhne ohne Aussicht in der Wohnung lassen. Willy benutzte diese Gelegenheit, sich an der Maschine zu schaffen zu machen. Dabei geriet er. nachdem er die Maschine in Bewegung gesetzt hatte, mit dem rechten Zeigefinger unter die Nadel. Diese drang tief ein und brach dann ab. Als die Mutter nach Hanse kam/ mußte sie den Jungen auf die Rettungswache in der Kastaiiien-Allee bringen, um durch'einen ärzt lichen Eingriff die Nadelspitze aus dem Finger entfernen zu lasse». Ans den Nachbarorte». Schöneberg. Ueber die Bettelei im Friedcnauer Ortsteil von chöncberg, welche angeblich in erschreckender Weise überhand nehmen soll, wird in den Vercinchen unsrer staatserhaltenden Bürger lebhaft geklagt. Diesen Zustand zu beseitigen, erachtet man für eine dringende Pflicht, und glaubt dies damit zu erreichen, daß nian die Verinchrung der— P o l i z e i b e a in t e n verlangt. Welch' große Hoffnungen man bei Erfüllung dieses Wunsches ans Beseitigung eines lediglich durch die eigentümliche Produktions- und Wirtschaft? weise unsrer gegenwärtigen Gesellschaft hervorgerufenen Uebelstands setzt, geht aus den famosen Worten eines Herrn Schriftstellers Cotta hervor, der in einem Verein die Forderung von Schutzleuten damit begründete,„daß die Anwesenheit von uniformierten Schutzleuten eine beruhigende Wirkung auf die rbeiter ausübe"! Friedenau. Um den Gedanken der Einverleibung unsres Orts in Schöneberg zu fördern, wurde in der Gemeiiideverttecung die "rüiidiing eines ZwcckverbandS mit Schöneberg bezüg lich der höheren Schulen angeregt. Friedenau allein könne ein Gymnasium ,nit Doppelzocten. wie es geplant ist. nicht füllen. Bon den vorhandenen Schülern entfalle jetzt schon ein Drittel auf Schöne berg. Ferner wurde die Anstellung eines Schularztes nach schöneberger Ordnung beschlossen. Der Charlottenburger Stadtverordneten-Bersammlung ist olgendc Resolution seitens des Bürgervereins zugegangen: „Der Charlottenburger Bürgerverein beschließt in seiner heutigen Geiicralversammlnng seine freudige mid dankbare Zu- stimmung zu der ani 21. v. M. gefaßten Resolution auszusprechen, durch welche die Sladtverordncten-Vcrsamnilung den Antrag des Magistrats auf Errichtung eines Kaiser Friedrich- Denkmals in unsrer Stadt angenommen hat. Zugleich bedauert die Generalversammlung lebhaft, daß sich unter den Ver- trctcrn der Stadt, in dem der edle Kaiser Friedrich seine so kurze und leidensvolle RegierungSzeit verlebt hat, zwei Männer gcfiinden haben, welche jener Resolution unter nichtigen Vorwänden nicht beigetreten sind, und giebt der von vielen Tausenden ihrer Mitbürger über diese verletzende Pietätlosig- keit einpfundenen Entrüstung hiermit öffent- lichen Ausdruck." Ein näheres Eingehen auf diese Resolution, soweit sie sich gegen die beiden socialdcmottatischen Stadtverordneten richtet, erübrigt sich. Schade nur. daß die„vielen Tausende" von Mitbürgern, die über die„verletzende Pietätlosigkeit" unsrer Genossen so enttüstet find, rotz jahrelang fortgesetzter Sa in mlungen so gut w i e nichts für die Errichtung des Denkmals Zusammengebracht haben. Ei» allzu günstiges Licht wirst >as auf diese Sorte von Patrioten gerade nicht! Die Gemeindevertretung in Frtedrichöhagcn beschloß in ihrer letzten Sitzung die im März vollzogenen G en, e i n d e Wahlen ür gültig zu erklären. Die neugcwählten Verordneten AShclm, Albrecht und Gröhe wurden in ihr' Amt eingeführt und vom Bor- steber durch Handschlag verpflichtet.— Gegen die Stimmen der Ge- Nossen Albrecht und Sonncnbnrg wurde beschlossen, für die Aus- stellung von Nadfahrkart'en eine Gebühr von 59 Pfg. zu erheben.— Der Amtsdiener Kuhn wird nach gut- bestandener Prüfling definitiv als Desinfektor angestellt, man beschloß, einen transportablen Desinfektions- Apparat mit den dazu gehörigen Utensilien anzuschaffen. Der Gemeinde- vorstand wurde beauftragt, eine Gebührenordnung für ausgeführte Desinfektionen auszuarbeiten und sie der Vertrcttmg zur Beschluß- fassung zu unterbreiten. S o n n e n b n r g sprach die Erwartung ans, daß die Desinfektion auf Gemeindekosten erfolge, daß mindestens aber Uubemittelte von der Zahlung befreit bleiben möchten. Der Amtsvorsteher wurde ermächtigt, der Vertretung eine Polizei- Verordnung vorzulegen, nach welcher den Hanswirten, Haus- haltiingsvorständen und Logisvermictern bei austretenden a n- steckenden Krankheiten die Anzeigepflicht obliegt.— Der Vorsteher teilte mit, daß der Gcmeindcvorstand die seiner Zeit in einer öffentlichen Versammlung erhobenen Beschwerden über Unregelmäßigkeiten beim 24 klassigen Schulhansbau geprüft und zahlreiche Vernehmungen vorge'nomnien habe. Eine Verwendung minderwertigen Materials sowie eine mangelhafte Konttolle� des Gemeindebaubeamten sind nicht erwiesen. Der Gemeindcvorstand wird daher wegen Beleidigung des Banbeamtcn Strafantrag stellen.— Mit 11 gegen 3 Stimmen wurde die Errichtimg von Brausebädern im 24 klassigen Schnlhaus beschlossen. Die Benntzniig der Bäder soll sowohl für Schulkinder als auch Er- wachscne unentgeltlich sein.— Das Regulativ über die Erhöhung der G c m e i n d e st e n e r n beim Erwerb von Grundstücken von Va auf 1 Proz. fand einstimmige Annahme.— Aus dem Jahresbericht über die Thätigkeit der chirurgischen Sanitäts- wache geht hervor, daß in 29 Unglücksfälle» die Hilfe der Wache in Anspruch genommen wurde.— Der Schiedsspruch des Kreis- aiiSschnfscS in der Streitsache gegen die Errichtung einer Gas- a n st a l t ist zu Ungunsten der Gemeinde ausgefallen. � Die Vertretung nimmt von einer Beschwerde beim Handclsmiiiister Abstand. Stralau. Der Voranschlag zum Haushalts-Etat für das Jahr 1999/1991 balanciert mit 91 393.53 M. Die Zuschläge zur Staats-Einkommenstcuer wurden auf 119 Proz., zur Grimd- und Gcbäiidestcuer mit 165 Proz. festgesetzt. Die letztere wird in Fori» einer Grundwertsten er erhoben und mit 1 pro Mille berechnet. Wie im Vorjahr sollen auch in diesem Jahr die Einkommen unier 669 M. von der Kommiinalstcuer befreit bleiben. Die Stenern sind in An- bctracht der hohen Summen, welche die Regulierung der Dorfstraße erfordert hat. noch»näßig zn nennen. Entlastet wird die Gemeinde in diesem Jahr durch die Ermäßigung der KrciSstcucr um ca. 4999 M. (18 999 M. gegen 22 999 M. im Vorjahr). Außerdem hat der KreiS als Zuschuß zum Straßenbau 13 999 M. bewilligt. Unter den Positionen des Etats, welche eine besondere Erhöhung erfahren, sind besonders hervorzuheben: Beleuchtung(elektrische Bogeiilainpen und NernstscheS Glühlicht) 11999 M.(früher 3599 M.), Uiiterhaltniig der Straßcnrcinigung:c. 9999 M.(früher 2999 M.); an Gehalt für die hiesigen fünf Lehrkräfte werden 9499 M. gezahlt, außerdem haben zwei Lehrer und eine Lehrerin freie Wohnung im Schulgebäude. Die Mietscntfchädignng für die zwei wcitcrn Lehrkräfte im Betrage von je 549 M. ist in obiger Summe bereits enthalten. Ein Antrag auf Einführung der Bierstcucr, welcher gelegentlich der Etatsberatung eingebracht war, wurde unter dem Hinweis, daß dadurch meistens die kleinen Schankwirte sowie die Konsumenten belastet würden, gegen die Stimme des Antragstellers abgelehnt. Die Wahl nnsres Parteigenossen Freiwaldt zur Gemeinde- verttetung in Paulo w ist in der letzten Sitzung dieser Körperschaft für u n g'ü l t i g erklärt worden, weil Freiwaldr kein Grundbesitzer ist. Unser Genosse ist der Ansicht, daß seine Wahl auf Grund der ZF 46 und 59 der Landgemeinde- Ordnung, welche eine Vertretung durch Richtangesessene zuläßt, zn Recht besteht, und der bürgerliche Gciiicindcvcrtrcler Prof. Mendel stimmte dieser Auffassung aus- drücklich zu. Unsre Parteigenossen werden auf dem Klagewege ihr Recht geltend machen. Aus Rixdorf. Durch Kohlendunst erstickt ist am Dienstag- abend die 17 zährige Anna Dahsc, welche bei ihrem Bruder, Ziethen- straße 71. wohnte.' Als dieser von der Arbeit heimkehrte, fand er seine Schwester tot vor. Die angestellten Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Da Fenster und Thüren der Wohnung sorgfältig verhängt und die Ofenklappe zugeschoben war, wird Selbstmord ver- mutet, für welchen Motive fteilich nicht bekannt sind.— Durch Er- hängen hat sich der 32 Jahre alte Drechsler Ernst Adama aus der Lcssingstr. 32 in seiner Werkstatt Steinmetzstr. 21 getötet. Eheliche Zwistigkeiten sollen die Ursache der traurigen That sein.■ Gevichts I» der Strafsache gegen de» Bankier August Sternbcrg ist die Beweisauffiahme gestern zu Ende geführt worden, nachdem gestern noch mehrere Zeugen, die der Angeklagte zur Stelle hatte schaffen lassen, vernommen worden waren. Nachmittags begann Staatsanwalt R o m e n niit seinen Erörternngeii über die Schnld- fragc, kam jedoch damit nicht zu Ende, brach vielmehr seinjPlaidoyer ab, um es am Donnerstag fortzusetzen. Man hofft, an diesem Tage die Verhandlung zum Abschluß zu bringen. Eingegangene Druckschriften. Die„Socialiftischen Monatshefte"(Administration: Berlin VT, Gleditfchstr. 23) haben soeben das erste Heft des 2. Quartals erscheinen lassen. Ans dem Inhalt desselben beben wir hervor: Wolfgang Heine: ObstmlUon.— Jgnaz Aver: Zu August Bebels sechzigstem Geburtstag.— Joseph Francis Oakeshott: Der Krieg»m Transvaal.— Eduard Bernstein: Zum Thema Socialliberalismiis niid Kollektivismus.— Leon Plochocki: Die politische» Sttömungen in Rusiisch-Polen.— Victor Fränkl: Eingetragene Koiisumgenoffenschast oder nicht cingetragener Berein?— Christian Mutschler: Volkshochschul-Beweguiig in Fraiikretch.— Dr. Martin Brasch: Zur Entmündigung der Trinker.— Rundscbau(Das Berliner Gcwcrkschaftshans.— Genossenschaftsbcwegimg.— Bölfche, Vom Bacillus zum Affeiinlcnschcn.— Borchardt, Geistige Umwälzungen im 19. Jahr- hundert.— Troll-Borostyani, Hunger und Liebe.— Internationaler socia- listischer Akademiker-Kongrest.— Das Heft enthält ein charakteristisches Por- träit von August Bebel, gezeichnet von Jan Vcth.— Der Preis des Heftes beträgt öl) Pf.; Quartalö-Aboniicmeiits(a 1,50 M.) nehmen alle Buchhand- luligcn, Kolporteure und Postanstaltcn(Post- ZeiNmgs- Katalog Nr. 7217) ciltgegc». Mau abonniert auch direkt bei der Expedition: Gleditschstr. 23, Berlm VT.(Zusendung in offenem oder geschlossenem Couvert.) »KttleiiniAvIibersicht vom II. April 1VVV, morgens 8 Mir. Weiter 4 wolkig Äwolkig Lheite, 2hlb.bcd. 4 bedeckt lljwolkig S S 758 SSO 766|©@0 7ö2!SW 740 SW 7S3SSW Wetter SS 5 »u Sä 2 bedeckt 2heiter chNcgen ö Regen 2, bedeckt 1 0 10 8 5 Bietler-Prognose für Donnerstag, de» IL. April 1909. Ziemlich warm, zeitweise heiter, vielfach wolkig, uiit Regeufällen und frischen südwestlichen Winden. Berliner Wetterburea«.' Briefkasten der Nedaktivn. G. L. 45. Die Adresse des Vorstands vom Ruderklub„Vorwärts" ist uns nicht bekannt. Vielleicht genügt es, wenn Sie schreibeii: Bootshaus des Ruderklub„Vorwärts", Stralau. Min Np reise von Berlin am 1V. April 1900 »ach Ermittliiugcii dcö tgl. PolizeipttisidimnI. Produkteiiiilarkt v u m 11. April. Ciclrcibc mar nm grüHnarlt fcftr still. Mittags belebte fitli bas Effkktivgcschaft cinigcniinEcit; namcntlirii trockener Roggen wiirdc gut bezahlt, Fladungen gefragt. Klamme Ware war schwer verkäuflich. Offenen aus dein Iulaude waren nicht eben bedeutend. Im � Lieserungsbandel fängt bereits die Nähe der Feiertage an, ihre» bemrnendcit Einfniv auf den Gefchästsgavg geltend zu uiachen. Weizen und Roggen'zogen ca.— ,sy M. wt Preise an. Hafer lag gleichfalls fest; der Konsum beginnt sich ZU regen und die Offerten werden knapper.?lm bcntigen Markt war die Nachfrage ziemlich stark. Rübäl blieb ilnocrändcrt. Ter Äetreidcmartl wurde zulepr völlig gefchäftslos. Weizen mittel Niärkifcher 147, SN, guter Overbruch löl) ab Bab» bez. Mai läl.üö— 1aO,7ä bz., Juli 155,75— 155, 25 bzt. September 159,50— 15S, 75 bez. — Roggen märkischer 142 bez., mittel poseuer 142,75 kahnfrei hier. April- Lieferung 750 Br., Mai 145,75—144,50 bez., Filli 144,75—144,25, September 143,00— 142 bez.— Gerste—.— Hafer mittel Posen er 132—130, mittel schlcnfchcr 132—130, mittel pomnierschcr 132—130, mittel mecklen- burgischer und niärkifcher 133—137, fein do. 138—145, fein vommcrfcher 138 bis 143, Mai 131,00 bez., Juli 132,50 bez.— Mais: loco amerik. mixed 119—120, frei Wagen. Mai—, Juli—, September 100—105,75 bez.— Weizenmehl Nr. 00: 18,50—21,50, Nr. 0—. R o g g e u m e l> I Nr. 0 u. 1 18,40-19,70, Mai 18,80 bez.. Juli-, September-.- Rüb- O e l: Loco ohne Fast—, Mai 56,5 bez., Oktober 50,7 bez. Pctrolcu m loco—,—. T r o Nu c K a rt o ffe Ist ä r kc—.—. Kartoffelmehl—. Feuchte Kartoffelstärke—. Spiritus(70 er) loco ohne Fast 49 frei HauS. Städtischer iZchlachtvichmarkt. Berlin, 11.'April 1900. Amtlicher Bericht der Direktion. Zum Verkam standen: 590 Rinder 6433 Kälber, 2000 Schafe, 10 115 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: a.) bollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerkcs'. höchstens 7 Jahre alt 00— 00, b) junge fleischige, nickt ausgemästete und älleic ausgemästete 00—00; c) m ästig genährte junge nnd-gnt genährte ältere 00—00; äz gering genährie jeden Lllterö 00—00.— Bullen: s) vull'lciichige höchsten Schlacktwer?« 00—00: b) mästig genährte'jüngere und gut genährte ältere 00—00; c) gering genährte 47— 50,— Färsen und Kühe: a) vollfleisckige, ansgeniästete Färsen bückstcn Schlacklwerts 00—00; b i»ollflcifchige, ansgeniästete Kühe höchsten«--cklachtwertes bis zu 7 Jahren 00— 00: c> allere ansgeniästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 00— 00; cki mästig genährte Kilbe und Färse» 47—49; e) gering genährte Kühe mid Färsen 43—45.— Kälber: a) feinste Mast- lätbcr(Bollmilchmast) nild beste Saugkälber 71— 73, b) mittlere Maskkälber »nd gute Saugkälber 04— 09, o) geringe Saugkälber 50—00, 6) ältere, gering genährte(Frefler) 40—45.— Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Mast- baimuel 58—61, b) ältere Masthammcl 51—56, c) mästig genährte Hummel und Schafe(Mcrzschafe) 45—49, ä) Holsteiner Niederungs- lchafc(Lebendgewicht) 00—00.— Schweine: a) pollfleischige der feinere« Rassen und deren Kreiizuiigeil im'Alter bis zu!>/< Jahren 44�45, b) Käier 00- 00, c) fleischige 43—44, ä) gering entwickelte 40—42, e) Sauen 39-41 Verlauf n u d Tendenz. Vom Rindcrauftrieb blieben ungefähr 250 Stück unvcrlauft. Der Kölberhandel gestaltete sich ruhig. Bon den Schafen fajid ungefähr ein Drittel Ablast. Der Schweinemarlt oerlief ruhig, verfiaiile aber zum Schluß, so daß nicht ganz geräumt wurde; fette und schwere Ware vcrnackläsügt. Kiir den Inhalt der Inserate äberiilninit die Redaktion dem Publikiim gegenüber keinerlei Bcranlworlniig. Dszreikev. Donnerstag, den 12. April. LPernhons. 10. Sinfonie- Abend der königlichen Kapelle. Ansang 71/, U b r. Schauspielhaus. Geschloffen. Deutsches. Winterschlaf. Hierauf: Paracelius. Anfang 7»/,'Ubr. Lesfing. Liebelei. JcphtnS'Tochtcr Anfang 7>/z Uhr. Berliner. Arno und Messalina. An- fang.7>/zNhr. Neues. Frau Sonne. Hierauf: Im Exil.'Ansang 71/, Uhr. Mesideuz. Die Dame von Maxim Anfang 7i/, Ubr. Westen. Die Jüdin..Alifang 7i/, Uhr. Schiller. Brand. Ansang 8 Ubr. lhalia. Im Hinintelhof. Anfang 7> Ubr. Luise». Ein Sensatioilsroma». An- fang 8 Uhr. Central. Die Puppe.! Alfaug 71,, Uhr. Belle-Alliance. Maria Maxbalcna.' Ansang 8 Uhr. Carl Weist. Der MiueiikSilig von Transvaal. Anfang 8 Uhr. Bictoria. Die Cirkus-Fee. Vorher: Einer mnst beiraien. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelms, ndtifches. Ein gemüder Junge oder: Onkel Colm. Anfang 8 Uhr.. Wietropol. Specialitäteuborstelllmg. Die verkehrte Welt. Ankaiio 8 Uhr. Apollo. Specialitäten- Vorstellung. Im Reiche des Judra. Anfang 8 llhr. Palast. Specialitäten- Vorstellung. Die neue Herrin. 2ln>aiig 7i/, Uhr. Reichshnlle«. Steltiner Sänger. stlnfang 8 Uhr. Paff, ige, Pnuoplikum. Special!« lätelj-Borstelliuiä. ttrauia. Jupalideustr..°»7/«». Täglich abends von 5—10 Uhr: Sterinoarie. Taubriistraste 48/-til. Abends 8 Uhr(im Theatcrfaal):„Von de» Alpe» zum Vesuv." Im Hörsaal: Dr. B: Donath: „Elektrotechnik V".' Schillkr-Thtlittt (Wolluer-Dhealerl. D onuerLtag, abends 8 Uhr: ät,»»««!. Dramatisches Gedicht in 5 Aufzügen i v. Henrik Ibsen, übers, v. L. Paffarge, >f»it>> Ii"?" lieiielsuilswIMi'ililsupfmaMrung Ter große Beifall, den die zu Weihnachten erschienenen IlünitblStter lilarx und Cngels—==�« gefunden haben, hat uns veranlaßt, die «Mraits von Bebel, Liebknecht und Singer in«ppstr-Ladi-rung au}' TbiUa- Papier folgen zu lasten, und zwar um ihnen eine allgemeine Berbrettung zu sichern, in kleinerem Lormate, nämlich-s:4v Eentimctce Preise von M. 1,50 pro Rlatt. zum Tee beispiellos billige Breit dieser meisterhast ausgeführten Ziunstblätier ist natürlich nur bei Massenabsatz möglich. Wie von den Marx- und Engels: hiervon eine kleine Anzahl Radierungen, haben wir auch KemaiMrucke Bebel, Liebknecht. Singer auf Japan- Papier zum Preise von JNk. 10 pro Klilk, MK. 25 für alle drei Zllkamineu, herstelle» lasten, die wir bestens enipsehlen. Aon den Marx- und Engels-Remarlen sind nur noch eine sehr beschränkte Anzahl vorhanden. Zahlreichen Auftragen sieht entgegen Ruchhandlung vorwärts, Rerlin SW. 10, Reuthstr. 2. """T�cTor? Urania Tniilicn8iru«sc<18/-JU. Im Tbeater abends 8 Uhr: „Von deu Alpen zum Vesuvi Im Hörsaal: Dr. B. Donath Elektrotechnik V Invaliilcnstr. 57/fl2: Tägl. Sternwarte. Haclinilttag» 5—10 Uhr. CASTANS■■ PANOPTICÜM Oi-isiualitaiienisi-hc Sängei1- n. Kouzert- (iesellscliaft ,, Colombo". Die neuen sensationellen lebenden Pbotograiihien. Sliergefecht.— Mann über Bord.— Slapellauf eines modernen Schlachtschiffs. — Baby- Wäsche u. v. a. in. Joubert f.— KriiHer.— Cronje bearb. v. Rnph. Löwcnscld. F.rcitag /Karfreitag): Geschlossen. So n«abend, abends 8 Uhr: B»-«n«I. Sonntag, nach mittags 3 Uhr: (1. Feiertag.) Der Probepfcil. Sonntag, abends 8 Uhr: Bacbcth. Montag, nachmittags 3 Uhr: (2. Feiertag) Brand. Montag, abends 8 Uhr: Gebildete Menschen. nf t*a 1-(T liest t c v Direktion: Jose Ferenczy. Die Puppe.(La Poupee). Operctlc in 3 Sitten und einem Vorspiel von Ed. Andrau. Morgen(Karfreitag): Geschloffen. Sonnabend.: Eröffnung der Sommer-Sgiion. venlin nsvb LIf. Große SluSstattungspossc ulit Gesang und Tanz. Oster-Sonntaznachm., pi ha Iben Preisen Ter Bettelstudent. Ostir-Montagnnchni. zn halben Preisen Der Zigeunerboron. Dienstaguachmittag zu halben Preisen Tic Fledermaus. Thalia-Theater. Tel.AmtIVa 6440. Dresdenerstr. 73/73. Drittletzte Woche vor der Abreise nach Hamburg. Täglich: Riescnlacherfolg k Im Himmelhof. Tstomas, Thielschcr, Helmerding, Junkermann, PankniÜster. Anfang 7i/, Uhr. Freitag, den 13. April(Karfreitag), abends 7i, Uhr: Oratonum-'Am- xübrung„Lila»" von Mendelssohn. Sonnabend und folgende Tage: Im Himmelhof. NaeMliestei' Kocn-I'alast, Bürgst p. 22. Das graste erstklassige .A.ppU>k';po?i'aiain. Noch nie dagewesen! Die inystcritiscn Elefanten 14 dressierte Ziegen. Ter«insik. tslectric Genius. IM" stlnr noch bis Donnerstag"MM das erfolgreiche Berliner Liedcripiel llie neue Uvenin. Hauptrolle Direktor Eriibel. Auf. Vorst. 71, Uhr., Konzert 6fL Uhr. Bittet Vorverkauf u. l l— t Uhr. Freitag u. Sonnabend ge»chlo,»an. Am l Ostertag fast- Vorstellung. Sensationcltco neues Piagram m. Tneatei% Aleranderplast. Abends S Uhr: Ensemble- Gastspiel des Wilhelin-Theaters: Die Cirkns-Fee. Operetie in 2 Akten von E. Felsch. Musik von H. Schcibenhofer. Vorher: Tos Versprechen hinterm Herd. Randl... Frau Decker-Segiffer a. G. W. Noacks Theater, Brnniienstraste 16. Vom 9. bis 15. April Geschloffen. Am 1. Ostcr-Fclertag; Das Schloß am Mccr. Schauspiel in 5 Akten von Walther. CkU'IWStSS.IIlLSte!' Gr. Franks, irtcn'trastc 13« Täglich: Miilellköllig von TkMgvalll. ' Aitfang 8 Uhr. Vorzugsbillets haben Gültigkeit. Sonnabcildnachmittag 4 Uhr: Kiiidcr-Borsiellung. Knecht Ruprecht u. die ungezogenen Köliigdkinder. Olr�vis vusvl». Heute, abends 71/, Ubr: Groster Abschieds- Abend. Zum 154. und lctztenmale tu Berlin: Die Camorra, in unverkürzter vollständ. Aufführung. Außerdem Dir. Busch mir seinen phänomenalen Dressuren. Herr Oskar Renz, Schulleiter. Die grandiosen Specialitäten: Sigm Farini, Jongleur por oxcoilence. 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JiNereffe, weiches man mir uud meinem Unter- Nsbuieu während der Dauer der nun- mehr verflossenen Saison in so über- reichem Maße entgegengebracht. Mit Freuden sehe ich der Wieder- kehr nach meiner Vaterstadt entgegen, um so mehr, als ich in devgliullicken Lage sei» werde, der deutschen Reichs- Hauptstadt einPrograuun porzuiühren, loetclies hoffentlich alles das in dcir Schatten stellen dürste, was ich bisher zu bieten in der Lage mar. Hochachtungsvoll P. Bnseh, Direktor. Achtnng! 442b 5 Freunbeii und Bekannten zur Nack- richt, daß ich Skolincrftr. 125 ein tSeiff it. Baprisch-Bier-Lokal eröffnet habe. Um gütigen Zuspruch bittet B. Selialler. KI Vereinszimmer zu vergeben Ich liabc meine Wohnung > vomrNoritzplatziAschingcr-Haus) j iuachPmMftßjeRr. 59 verlegt. 272b Dr. Simmel, -veeialarzt f. Haut- u. Harnleiden. I AMl-UiM in einfacher u. eleganter AnSsÜhrung, Nnabcn-Pyjctks. Einzelne Hosen. Einzelne Blnscn für das Alter von'2 bis 18 Jahren, nur eigner Fabrik. Größte AuS- wähl. 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D» Slellenvermiltlunz findet letzt in den Bureauräumcn im Gewerk-- schaflohaufe, Engel-Ufer 15, III, Zimmer 27, uonuitiaos von 9—10 Uhr, statt; für alle übrigen BerwaitungsgcfchKste. auch Bibliothek, ist das Bureau vormitlags von 11—1 Uhr und nachmittags von 5>/.— 7 Uhr ge- vfinet. Anherdenr ist die Bibliothek Donnerstags und Sonnabends von 8>/z— gl/z Uhr geSsfiiet. Zu der ani 15. April ll. Ostcrfeiertagh nachmittags, im Deutschen Theater slattfindeiiden Borstellung„Der Meister von Paliunra", sind noch � Biltcts beim Bennolter in den Burcaustunden und beim Kollegen Traut- l�eU�, Krautstr. lld'. III, zu haben. 20 1 3 Der Vorstand. Freie Volksbühne. Die 9 Serie der Vorstellungen beginnt am 22. April im liessing-TIseater. Zar Aufführung gelangt; 229/9 Die drei Töchter des Herrn Dupont. — 7> Schauspiel in 1 Aufzügen ron Eugene Brie us.-- Die Vorstellungen folgen am 29. April, 6., 13.. 20. 27. Mai. Anhflinnl nmhlQi' Donnerstag, 12, April, abends S1/. Uhr; HuUlUliy. Uil.UCi. Silzung bei Sticher, Dresdenerstr. 116. Sonntag(1. Feiertag), nachmittags 2J') UIu-: IV. Abteilung im Carl Wclss-Thcater: Die Xeuverinälilten. Schauspiel in 2 Aufzügen von Björnson. Die sittliche Forderang. Einakter von O. E. Hai tieben. V. Abteilung: Montag, den 16. April(2. Feiertag)."TR3 L'in pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. L A; G. Winkler. Min �ISriiÄ und Scl>A?iftgieHer. Ten Mitgliedern und Borstandsmilglicdcrr. hiermit zur gefl. KeunlniS, bax diese Woche die Borstandssitzung aiSfä«!. 35 1 Alhert IHassUil. Borsitzender. DIE GUTE SPARSAME KÜCHE Zu haben in allen Delikatesa- ttnd Kolonialwaren• Geschälten, Droguerien ujtd Mehlliandlungen, Apbeits-Bekleädung für Mcchanilcr, Bildhauer, Maler, Schlosser, Schlächter, Konditoren, Friseure, En gros.— Detail. 4070E- D. Wurzel& Co., ____ Wränget-Strasse l?1; Ecke Manteuffel-Strasse. m Teilzahiroranienstr. 131. BVKOOeR cÄHi& Mi Lewent Arbetter-Radfahrer-Verejll„Berlin�. 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