erscheint in Leipzig Mittwoch, Fr->t-g. Sonitto». ÄbonuemrntsPreiS ftr xonz Teutschland 1 SR. 6«$(. xr» Quartal. Monats- Ädonnenteni« werden bei allen deutschen Post-nftalten «Ii den 2. u n d Z. SRonat, und aus den ! llt-nat besonders angenommen: im j«mgr. Sachsen und Herzogth. Sachsen» Altenburg auch aus den lten SRonat des Quartals lr 54 Psg. Juseratr »etl. Versammlungen xr. Petitzeile lv Ps� »Itr. Prioatangetegenlieilen und Feste xri Pedtzeil- 30 Ps. Vestellunzen nehmen an all- Poganstalien und Buch, handlnngen des In- u. Auslandes. Mllal- Expeditione«. Stev-Aork: Soz.-demekr Genoyen- schaftsbuchdruckerer, 154 Pllllrillxo gtr. Philadelphia! P. Haß, M0 North Zru Street. I. Boll, 1123 Charlotte Str. jrn'ootcn N.J.: F. A.?drge, 21» Vnah- tv�I«» Str. ilhicago: A.Lansermni n, 74 Clz dourne... San Franzisco: F. En«. 418 O'FaneU Sa London W.: S. Hcnze, 8 New:t fiolden Sqiiajt«. genfraf �rgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 21. Mittwoch, 20. Februar. 1878. Abonnements auf den„Vorwärts" für den Monat März zu 55 Pfennig werden bei allen beut- schen Postanstalten, für Leipzig pr. Monat zu Kl) Pf. bei der Expedition, Färberstr. 12 11, unserm Eolporteur W.Ulrich, Hohe Str. 23, Hof Part., in den Filialen: Eigarrenladen des Hrn. Peter Krebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkst, am Königs- platz?; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: fiir VekKmarsdorf, Meudnih, Aeuichönefetd ic. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr., für ßannewitz ic. bei Hackert, Kurze«tr. 10 pari., für Kleinzschocher u. Umgegend bei Trost, Hauptstr. 10/l, für Thonberg bei Ä ösch, Hospitalstr. 39/11, Leipzig, M««re«d»ih bei Zschau, 15 1, für �lagwitz» Lindenau bei Frau Aräfenstein, Aurelienftr. 3, für HohNs rc. bei A. Herms- dorf, Lmdenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Papiermühle,� angenommen. Fär Aerlin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf., ' m's Hans abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien "e", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8h, und bei Rubenow, imenstr. 34, im Laden. und daß deshalb innerhalb der kapitalistischen Wirthschaft, mit Beibehaltung und Schonung derselben, der Lebensmittelverfäl- schung, wie überhaupt der geschäftlichen Betrügerei nicht gründlich gesteuert werden könne. Wir mögen uns wenden und drehen wie wir wollen— aus dem fatalen Dilemma kommen mir nicht heraus: Wenn wir die herrschende kapitalistische Wirthschaft beibehalten wollen, so müssen wir auch die Betrügerei beibehalten. Und wenn wir die Betrügerei abschaffen wollen, so müssen wir die kapitalistische Wirthschaft abschaffen. Die Mihwirthschast der Bourgeoisie wird recht trefflich gekennzeichnet durch nachstehenden Auszug auS dem kürzlich erichieneuen zweiten Theil des Berichts oer Leipziger Handelskammer für das Jahr 1876. Unter der Rubrik„Maichincn" heißt es daselbst auf S. 68: „Ein ander.r Uebelstand, der sich in so schlechter Zeit um so empfindlicher geltend machte, war die stark angewachsene Concurrenz. Ein Fabrikant aus der Maschincnbranche schreibt uns darüber Folgendes:„An der Hand der Submifiionen, die nun auch in Privatkrcisen mehr und mehr um sich greifen und fich an die Stelle des gegenseitigen Vertrauens zwischen dem Besteller und Lieferanten gesetzt haben, wurde ein wahrer Tobten- �onz um die billigsten Preise und um die Arbeit aufgeführt, bei welcher der bevorzugte Concurrent doch nichts verdient, oft sogar jusetzt. Natürlich zeigen sich bei Großen und Kleinen die üblen. Folgen solcher Wirrhschaft in erschreckender Weise in der Zer- störung so manches sonst soliden, ehrlich nährenden Geschäft?. In der vordersten Reihe gehen auf diesen Wegen die Aktien- gesellschaften, denen ts nicht darauf ankommt, etwas Tüchtiges zu leisten, sondern nur äußerlich möglichst groß dazustehen, während der aufmerksame Beobachter aus den Geschäftsberichten erkennen kann, daß der Ruin noch tiefer geht, als er selbst in dem niedrigen Curse der Aktien zum Ausdruck kommt." „Wir stehen," fährt unser Gewährsmann fort,„vor dem atzten Viertel des Jahres 1877 und haben in keiner Weise eine Besserung zu registriren, wir werden auch dieses Jahr und noch manches zu Ende gehen sehen, ehe eine Besserung eintreten kann, wenn die x-olidität in der Geschäftswelt, welche einen argen hat, nicht wieder zur vollen Geltung gelangt und ftiiriem•~r£ r Geschäftsmannes wird. Wir haben es vor schamlos" m«leben müssen, daß ein Fabrikant, welcher batte vor ßu zu hoher Gewichte betrogen Kesselsa brikanV» s f0 Brauch bei den keee�ne ba&. mon 20 bis 30 Proz. wehr Ge- Wabe,« d?ran°�£l'efert wird. Und leider ist etwas we�.r.?snnl, kekr bie Frage, wodurch es besser K«w-ife?n log w ssisÄ b°°lUworten sein mag. so ist nicht -1■ ot t•. wfl �Ur äußersten Solidität, zur Tüchtigkeit ,n Arbeit und Leben und zu derjenigen Genügsam- Kit, dre den Leistungen des Einzelnen entspricht, sei er Arbeiter oder Prinzipal, wenn auch nicht das einzige Mittel! doch jede..! falls emes der unerläßlichsten ist, um zum Ziele zu gelangen" So die Leipziger Handelskammer— gewiß eine unverdächtiae Zeugin. Wir sehen also, daß in einer der bedeutendsten Industrie- zweige, und zwar gerade in einem solchen, der seiner ganzen Natur nach für besonders solid galt, die gemeinste Betrügerei dermaßen im Schwang ist, daß die Leipziger Handelskammer von der Behauptung, diese Betrügerei sei Geschäftsbrauch, d. h. mit anderen Worten: werde allgemein geübt,„leider" er- ""iu mu�''ä»etwas Wahres" daran. Hehre!"?un b'e Leipziger Handelskammer die Abhülfe solcher Tuckii,!»1". S?" einer„Rückkehr zur äußersten Solidität, zur feit hi.s in �kwit und Leben und zu derjenigen Genügsam- dürfen Leistungen des einzelnen entspricht," erwarten zu Np-»» w:,'° f.»-»i- Aft-nch.* d» sobald die Professors: das Zahnweh wird aufhören. die dolores d/..(lateinisch für Schmerze») aufhören. Um dität handelt ss fich 1 v" 6 Sl9'."1 feit und Solidität erKat �n« d.e Rückkehr" zur Tuchtig- (Sotihitsf Tina mivi Öani1— haben wir Tüchtigkeit und Znn-n allerdings von Niemand bestritten werden erwirken? Und Antwort schuldig. sH£f' SN?.«W.rJ'Ä ibre�it�»"'"� mit ihren unvermeidlichen Folgen ist aber Äe«?£ Existenzbedingung der kapitalistischen Wirthschaft. w: c Behandluiig der Lebensmütelverfälschungs-Fra�' wiesen w Äs- � tost0,,d hin, und führten aus, daß die Betrügen Güttt vertat kapitalistischen Wirthschaft«auf dem Gebiete der «-mervertheilung sowohl als der Gutererzeugung) li-ge Die Nothwendigkeit der Gründung einer all- gemeinen Partei-Bibliothek.*) Diejenigen Genossen, welche je einmal in die Lage gekommen sind, Studien machen zu können, werden auch häufig die Schwierig- keit empfunden haben, fich die dazu nöthigen Werke und Schriften zu beschaffen. Selbst derjenige, dem größere Bibliotheken zur Benutzung offen standen, wird oft das nicht gefunden haben, was er suchte, weil diese Bibliotheken meist nach ganz anderer Richtung ihre Vervollständigung suchen. Dabei wird die unsere Genossen wesentlich interessirende Literatur von Tag zu Tage größer, so daß schon heute nur noch sehr Wenige in der Lage sind, sie zu verfolgen, noch Wenigere sie sich anzuschaffen. Auch stellt sich namentlich in Bezug auf die Beschaffung der älteren sozialistischen und volkswirthfchaftlichcn Literatur dem Einzelnen ein nicht zu überwindendes Hinderniß entgegen, ein- mal wegen des Preises, dann wegen der Seltenheit und des Unbekanntseins vieler Schriften. Auch schreckt Mancher davor zurück, fich für theures Gel?» ein Werk anzuschaffen, das er nur einmal für einen bestimmten Zweck braucht und sonst nie wieder. Mit jedem Jahre wird die Sammlung all dieses Materials immer schwieriger, und es wird darum hohe Zeit, daß eine Stätte geschaffen werde, wo die ganze einschlägige Literatur in möglichster Vollständigkeit gesammelt und Allen, welche Zeit und Gelegenheit zu größeren Studien haben, unter bestimmten Be- dingungen zugängig gemacht wird. Es ist z. B. heute kaum noch möglich, ein vollständiges Exemplar der ersten Jahrgänge des„Social-Demokrat" oder des„Hamburger Nordstern" zu erlaugen, oder andere in den ersten Jahren d.r Bewegung er- schienene Blätter und Broschüren zu bekommen, und jedes Jahr, das weiter verfließt, macht deren Erlangung immer unmöglicher. Genau so verhält es fich mit der alten sozialistischen Literatur. Wer z. B. besitzt von uns Weitling's Schriften, oder Karl Grün'S Werk über die sozialistische Bewegung in Frankreich und Bcl- gien? Wie Viele, oder bester gesagt wie Wenige von uns hab.n diese überhaupt je gesehen und gelesen, und wie hiermit, so steht es mit der sehr reichhaltigen sozialistischen und communistischen Literatur Frankreichs aus den zwanziger, dreißiger und vierziger Jahren dieses Jahrhunderts. Ohne Lorenz Stein's Werk über die Entwickelung des Sozialismus und Eommunismus in Frank- reich würde die bezügliche Literatur uns Jüngeren nur dem Namen nach bekannt sein, und selbst dieses Werk ist meines Wissens vergriffen. Wir haben also wirklich gar keine Zeit mehr zu verlieren und müssen mit der Sammlung bald vorgehen.— Welchen Werth eine solche Sammlung auch für den künftigen Eulturhistoriker haben muß, braucht nur angedeutet zu werden. Soll das Werk ganz gelingen, so darf es nicht auf den guten Willen und die Mittel Einzelner angewiesen sein, die Gesammtheit der Partei muß dafür eintreten und Jeder sich für verpflichtet halten, sein Theil zum Gelingen beizutragen. In erster Linie ist dafür zu sorgen, daß das Unternehmen eine sichere Grundlage hat und sein Bestand nicht von dem guten Willen gewisser Behörden abhängig gemacht werden kann. Es muß also irgend Jemandes Eigenthum sein, und da dies Ein- zelnen zu übertragen große Bedenken hat, so empfiehlt es fich, es einer bereits bestehenden staatlich anerkannten Corporation, z. B. einer Genossenschaft zu übertragen, oder für diesen Zweck eine solche zu gründen. Leipzig schlage ich als Sitz der Biblis- thek vor, und zwar weil neben dem mehr nebensächlichen Um- stand, daß es Erscheinungsort des Centralorgans der Partei ist, es anerkanntermaßen den Sitz des deutschen Buchhandels bildet und zahlreiche Antiquariate hat, also die Beschaffung der bezüg- lichen Literatur vereinfacht und erleichtert. Der Inhalt der Bibliothek darf sich natürlich nicht einseitig blos auf die sozialistische und volkswirthschastliche Literatur be- schränken, es müßten insbesondere auch Geschichte und Cultur- geschichte, Statistik, Naturwissenschaften, Gesundheilslehre, Technik und Agronomie einen ausgedehnten Platz darin finden, ebenso einige wirklich gute philosophische Werke. Denn darüber besteht ja bei Keinem unter uns ein Zweifel, daß für das volle und ganze Verständniß der Neubildung der Gesellschaft auf sozialisti- scher Grundlage die Kenntniß der Forschungen und Entdeckungen in den genannten Wissenszweigen nothwendig ist. Die Bibliothek müßte ferner enthalten eine Sammlung der bedcutendsten in- und ausländischen Partei-Zeiwngen und-Zeit- schriften, die am Schlüsse jeden Jahrgangs zu binden wären. Ferner die wichtigsten statistischen Zeitschriften und solche regel- mäßig erscheinende Publikationen, welche sich mit den Fortschritten der Naturwissenschaften und der Technik beschäftigen. Die Verhandlungen des Reichstags und der wichtigsten Land- tage dürften ebenfalls nicht fehlen. *) Dieser Artikel entstand in Folqe einer bereits im vorigen Sommer mit Genesse Geib stattgehabttn Unlerredung des Verfassers. Wir bringen auf Wunsch des Üep'ern dm Artikel gern zum Abdruck und ersuchen unsere Parteigenossen, den darin enthaltenen Vorschlag einer ernsten Erwägung zu umerziehen. Red. d. B. Es ist kein Zweifel, daß ein solches Unternehmen erhebliche Mittel und großen Ksstenaufwand erheischt, aber ich bin der An- ficht, daß, wenn einmal angefangen werden soll, auch von vorn- herein etwas Tüchtiges geschaffen werden muß. Daß die Partei das Nothwendige leisten kann, wenn sie will, daran ' zweifle ich nicht. Es wären Räumlichkeiten zu miethen, welche auf eine längere Reihe von Jahren genügen; es müßte ein Bi- bliothekar ernannt werden, der gleich von Anfang an eine mo- natlich fixirte Entschädigung erhielte, da voraussichtlich es an Arbeit nicht fehlen wird und eine von vornherein festgestellte ge- wissenhafte Ordnung Lebensbedingung des Instituts ist. Um die Geldausgaben nach Möglichkeit zu vermindern, müß- ten die Partciblätter, welche zur Aufbewahrung gelangten, wie «sämmtliche Parteischriften und Broschüren von den Verlegern gratis geliefert werden. Zweifellos würden auch alle Partei- genossen, welche Doppelexemplare älterer bezüglicher Schriften und Werke im Besitz haben, bereit sein, ein Exemplar an die Bibliothek abzugeben. Auch dürste der Fall eintreten, daß Man- cher seine Privatbibliothek für den Fall seines Ablebens der Parteibibliothek vermacht. Bekanntermaßen werden Bücher, wenn sie zur Auktion gelangen, meist weit unter ihrem Werthe verkauft und in alle Winde zerstreut. Die nothwendigen Baarmittel wären durch freiwillige Sammlungen aufzubringen und wäre über diese, wie über alle ein- gehenden Schriften zc. regelmäßig im„Vorwärts" Quittung zu veröffentlichen. Damit ferner bei Neuanschaffungen nicht einseitig und lücken- Haft verfahren würde, wäre eine Bibliothekskommission zu bilden, welche aus dem Bibliothekar und zwei oder vier vom Aufsichts- rath der Genossenschaft zu ernennenden Beiräthen bestünde. Diese Kommission hätte in wöchentlich einmal abzuhaltenden Sitzungen nach Maßgabe der vorhandenen Mittel über Neuan- schaffungcn wie über die innere Organisation der Bibliothek zu beschließen. Das Reglement für die Benutzung der Bibliothek hätte der Aussichtsrath der Genossenschaft im Verein mit der Bibliotheks- Kommission festzustellen. Es dürfte sich dabei empfehlen, um nach keiner Seite Benachtheiligungen herbeizuführen, daß die am Ort oder dessen nächster Umgebung wohnenden Benutzer ein ent- sprechendes Lesegetd zahlen müßttn, während bei Sendungen inner- halb der ersten Poftzonc da? ganze Porto, bei weiteren Ent- fernungcn die Hälfte zu tragen wäre. Doch soll dies nur ein unmaßgeblicher Vorschlag sein. Dagegen wäre fest zu halten, daß bei der Verleihung gefangene Genossen vor freien bevorzugt würden und dürften für erstere keinerlei Kosten entstehen, diese hätte vielmehr der Bibliothekfond zu tragen. Ich unterbreite diese Vorschläge der sachgemäßen Prüfung aller Genossen und wünsche, daß insbesondere das Central-Wahl- komitv in Hamburg recht bald Schritte zu ihrer Verwirklichung thun möchte. A. B. l? ozialpolitische Uebersicht. — In der Reichstagssitzung vom 14. d. M. bildete den ersten Gegenstand der Tagesordnung ein Antrag der(Fort- schrittler) Herren Bürgers, Hirsch und Walter:„den Herrn ' Reichskanzler aufzufordern, mit Rücksicht auf die wegen Benach- iheiligung des freien Gewerbebetriebes durch die gewerbliche �Gefangenenarbeit erhobenen Beschwerden und behufs Er- langung einer Grundlage für die in dem Strafvollzugsgesetz zu lösenden Fragen über die Art der Beschäftigung der Gefangenen die Bundesregierungen zu ersuchen, diese Beschwerden, soweit sie thatsächliche Anführungen enthalten, einer eingehenden Unter« suchung, möglichst unter Zuziehung von Vertretern der Be- schwerdeführer, zu unterziehen und über deren Ergebniß in Ber- bindung mit einer Statipik über die Gcfangenenarbeit im Reiche dem Reichstage demnächst Mittheilung zu machen." Der Antrag wurde begründet von dem Abg. Bürgers. Derselbe beleuchtet zunächst das Schicksal, welches ähnliche An- träge im Reichstage bisher gehabt haben, sein Antrag sei lediglich eine Consequcnz früherer Verhandlungen über diese Materie. Die Klagen wegen der Gesängnißarbeit, die den Lohn des freien Arbeiters herunterdrücke, beständen ungehindert fort. Es sei daher Zeit, Abhilfe zu schaffen, um wenigstens einer un- gesunden Agitation, die sich auf diesen Uebelstand stützt, den Paß abzuschneiden. Das Reich habe in dieser Reichsangelegen- heit die Initiative zu ergreifen, um besonders eventuell auch nachzuweisen, daß die ganze Zuchthausconkurrenz nicht so schlimm sei, wie sie gemacht werde. Der Präsident des Reichskanzleramts Hofmann erwidert, daß die Reichsregierung nicht gegen den Antrag sei. daß er ihn auch nicht für überflüssig halte, da ja schon der deutsche Han- delstag eine Enquece zu diesem Zweck in Angriff genommen und die preußische Regierung ihn darin unterstützt habe. Eine Um- gestaltung der jetzigen Sachlage werde jedoch sehr schwierig sein. Ein sozialistischer Abgeordneter ergreift nun das Wort: Fritzschc. Er tadelt das Verhalten der preußischen Regierung in der Frage der Gesängnißarbeit. Gerade in Preußen werde auf diesem Wege der freien Arbeit am meisten Konkurrenz ge- > macht, und die Regierung unterstütze es noch. In Posen z. B. müßten jetzt viele freie Arbeiter hungern und frieren, da die Ardelt in das Zuchthaus gewandert sei. Auch aus sittlichen Gründen sei es geboten, die industxielle Gesängnißarbeit aufzu- heben, denn die Verbrecher würden bei dem dadurch bedingten Verkehr mit einander eher verschlimmert als gebessert. Der An-' trag Bürgers sei ganz unzureichend und müsse daher abgelehnt werden, dagegen ersuche er(Fritzsche) das Haus, folgenden An- trag anzunehmen: „Mit Rücksicht auf die Benachtheiligung des freien Gewerbe- betriebes durch die gewerbliche Gefangenenarbeit und zur Grund- luge für die in dem Strafvollzugsgcsetz zu lösende Frage über die Art der Beschäftigung der Gefangenen nachfolgende Vorschläge dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen: 1) Auf die thunlichste Mannigfaltigkeit der Arten der Be- schäftigung der Sträflinge in den öffentlichen Strafanstalten und entsprechende Vertheilung der Sträflinge in die einzelnen Ar- beitszweige und insbesondere darauf Bedacht zu nehmen, daß, soweit dies mit den Zwecken der Anstalt selbst vereinbar ist, die Sträflinge bei ihrer ursprünglich betriebenen Berufsarbeit belassen werden. 2) Daß seitens der Strafanstaltsdirektionen von Zeit zu Zeit öffentliche Bekanntmachungen erlassen werden über die Gewerbs- kinntniß der Detinirten, die Menge der in den einzelnen Fächern vorhandenen Kräfte und im Allgemeinen auch über die Be- dingungen, unter welchen diese benutzt werden können. 3) Daß den Unternehmern, welche für ihre Rechnung die Sträflinge beschäftigen, in Bezug auf die Höhe der Löhne keine solche Bedingungen verwilliqt werden, welche vermöge der Kon- kurrenz einen drückenden Einfluß auf die Löhne der freien Ar- beiter üben könnten, wobei insbesondere anheimzugeben ist, ob nicht dieser Zweck am sichersten im Wege einer mehr oder weniger öffentlichen Ausschreibung zu erreichen sein würde. 4) Daß die Direktionen der Strafanstalten ermächtigt werden, von den resp. Garnisonen oder Wachtkommandos, und zwar ohne Vergütung an den Mil'.tärfiskus, Militärpersonen zu Hilfsauf- sehern nach Bedarf zu requiriren, um für den Fall der Unzu- länglichkeit des bei ihnen angestellten Aussichtspersonals bei steigender Benutzung der vorhandenen Arbeitskraft seitens des Publikums außerhalb der Anstalt den gestellten Wünschen thunlichst entsprechen zu können" Nach längerer Debatte, in der von fortschrittlicher Seite noch Zimmermann und Hirsch, außerdem Majunke(Tentrum) und zum zweiten Mal Fritzsche gesprochen, wurde das sozia- listische Amendement abgelehnt und der fortschrittliche Antrag angenommen. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß es den sozmldemo- kratischen Abgeordneten bisher nicht gelungen rst, die nöthigc Zahl von Unterschriften für ihre Anträge zu erlangen. Sonst würde es den Fortschrittlern nicht gelungen sein, in dieser Frage die Initiative zu ergreifen. Für heute enthalten wir uns weiterer Bemerkungen. In derselben Sitzung wurde noch ein Antrag von Blos und Genossen, betreffend die Aufhebung des gegen den Abg. Most beim königlichen Kammergericht zu Berlin schwebenden Straf- Verfahrens für die Dauer der Session, angenommen.— Der R.st der erledigten Tagesordnung war ohne Interesse. Am 15. ist keine Sitzung. Am 16.(Sonnabend) sollte der Etat zur Berathung ge- langen, jedoch rein geschäftsmäßig. Die politischen und finanziellen Debatten sind auf die laufende Woche vertagt. Am Dienstag soll die bekannte reichsfreundliche Interpellation und am Mittwoch die Steuerprojekte der Regierung auf die Tagesordnung gestellt werden— falls nicht wieder etwas dazwischen kommt. Fürst Bismarck ist zwar am 14. Abends in Berlin eingetroffen, allein es fragt sich, ob man die Jnterpel- lacion oder gar deren Beantwortung schon am Dienstag„op- portun" finden wird. — Wir trauten unseren Augen kaum, als wir in der nationalliberalen„Magdeburger Ztg." einen Artikel lasen mit der Ueberschrift:„Die Presse und die Justiz". In demselben beklagt sich das liberale Blatt über die vielen Preßverfolgungen, welche gegen die Sozialdemokraten losgelassen würden. Aller- dings könne man den Herren Staatsanwälten, den Herren Beamten, dein Herrn Bismarck das Recht nicht absprechen, sich beleidigt zu fühlen, Strafanträge zu stellen und die Anklage zu erheben,---„trotz alledem und alledem vermögen wir uns der Meinung nicht zu verschließen, daß gegenwärtig der Presse ri zelner Parteien gegenüber eine zu große Nervosität und Empfindlichkeit Platz gegriffen hat, welche auch auf die Die Folgen der czarischen Reformen. Skizzen über die Ausbcutungsfortschritte in Rußland in den letzten Jahren. (Aus der neulich erschienenen russischen sozialistischen Revue„Borwärts" stWiivroilj Bd. V. London.) HI. Im vorigen Kapitel haben wir das Budget der Einkünfte des russischen Reiches, oder besser das Budget der Ausgaben des russischen Volkes, welche Ausgaben den Staatsmecha- nismus erhalten, besprochen. Aber das ist noch nicht alles, was das Volk auf dem„Altar des Baterlandes" opfert. Es existiren noch eine ganze Masse von verschiedenen anderen Ab- gaben, Steuern und Zinsen, welche im Namen des Staates aus dem Volke ausgepreßt, aber in das Reichsbudget nicht einge- tragen werden. Wir werden der Uebersichtlichkert halber diese Summen zusammenrechne«. Um aber unparteiisch bei den Be- rechnungen zu bleiben, werden wir alle die gewonnenen Resul- täte eher zu niedrig als zu hoch anschlagen. In diesen Theil der Ausgaben gehören vor allem die söge- nannten Ausgaben für lokale Bedürfnisse, d. h. Laudesprästanden, städtische und Dorfgemeinde-Ausgaben. Wir glauben mit vollem Rechte, diese Ausgaben zu dem Budget der Reichsausgaben rechnen zu dürfen, denn sie dienen zur Erhaltung der„Staats- oronung", dem Zwecke des„Staatswohles" u. s. w. Nur unsere Liberalen können jtchjtiit einer„Selbstverwaltung" rühmen, die eigentlich nur eine Scheinverwaltung ist, denn diese steht in unserem streng centralistisch- absolutistischen Rußland unter dem Drucke der Satrapen, Gouverneurs genannt. Die Laudesprästanden von 1871 betrugen annähernd 19,056,000 Rubel in nur 33 Gouvernements. Zu dieser Summe müssen auch die in Naturalien bestehenden Abgaben in den 33 Gouver- nements gerechnet werden, aber wir unterlassen dies, da wir keine richtigen Angaben darüber finden; in den übrigen Gou- vernements, wo die Landesverwaltung noch nicht eingeführt worden, stehen die Abgaben in Naturalien noch in Blüthe. In d:u letzten Regierungsjahren des Nikolaus betrugen die Natural- abgaben 75— 83 Kopeken auf jeden Kopf. Nehmen wir aber nur die Hälfte davon, so bekommen wir 10 Millionen Rubel in den übrigen Gouvernements. Also die Landesprästanden von 1871 beliefen sich im ganzen Lande auf mehr als 29 Millionen Rubel. Seitdem haben sie sich wahrscheinlich vermehrt, da die Ausgaben in Rußland, wie wir im zweiten Kapitel gesehen, mit jedem Jahre wachsen. Wenn wir den russischen Organen Glauben schenken wollten, so wachsen die lokalen Landesausgaben um 12 Prozent jedes Jahr. Wir wollen aber nur die Hälfte davon, d. h. nur-6 Pro- zent nehmen, obwohl in mehreren Gouvernements seit dieser richterlichen Kreise nicht ohne Einfluß geblieben ist. Nirgends als bei Preßprozessen zeigt sich mehr eine Bestätigung der von vielen Juristen über Bord geworfenen Ansicht, daß die Abschreckungstheorie in dem Strafrecht ein leerer Wahn ist." Dann zieht das liberale Blatt eine Parallele zwischen dem Reichstag, der wegen Beleidigung niemals einen Strafantrag stelle, und dem Fürsten Bismarck, der sogar gedruckte Formulare zu solchen Zwecken bereit halte, der aber„keine Spur von Popu- iarität verlieren würde, wenn er keinen einzigen Strafantrag stellte". Das Blatt fährt dann fort: „Wir haben hier mit Thatsachen zu rechnen. Thatsache ist eine gewisse Erregtheit in den Arbeiterkreisen, und es ist gleich- giltig, ob diese Erregtheit ihren letzten Grund im Nothstand, in schlechten Erwerbsverhältnissen oder in krankhafter Agitation hat; — Thatsache ist eine große Indifferenz des größeren Publikums in religiösen Angelegenheiten, und es ist gleichgiltig, ob die Orthodoxen, welche Sydow'sche und Hoßbach'sche Affairen in Scene setzen, oder ob Höckel und Darwin und ihr Interpret bei den Arbeitern nnd deren Frauen, Johann Most, an dem Aus- tritt aus der Kirche schuld sind;— Thatsache ist es, daß das katholische Volk sich bedrückt und in seiner Glaubensfreiheit beeinträchtigt fühlt, und hier ist es wiederum gleichgiltig, ob dieses Gefühl einem Mißverständniß der Ma'.gefetzgebung oder lediglich der Verführung durch fanatische Priester entstammt. Mit diesen Thatsachen Hand in Hand wandert das Resultat, daß die Anklagen wegen Aufreizung und Beleidigungen, wegen Gotteslästerung, wegen Majestätsbeleidigung und anderer Vcr- gehen sich progressiv steigern. Erregte Zeiten schärfen die Gegen- sähe, das gilt im Streit politischer Parteien wie im Kampfe um wirthschaftliche oder religiöse Ziele und Fragen. Wenn aber einsichtige Politiker dies einsehen, so sollten sie auch danach han- deln. Kommt man erst allgemein zu der Ansicht, welche unsere Geschichtsforscher fast allgemein aufgestellt haben, daß nämlich politische Prozesse niemals ihren Zweck erfüllen, so glauben wir auch die Hoffnung aussprechen zu können, daß man bald auch gegen die oppositionelle, die'ozialdemokratische und ultramontane Presse, ja gegen die Presse überhaupt nicht so zahlreich wie bisher mit Strafanträgen vorgehen, daß endlich auch der Richter eine möglichst milde Rechtsprechung Platz greifen lassen wird, weil eben die Zeiten erregt sind. Gottes- lästerungcn, Majestätsbeleidigungen, aufrührerische und hetzende Artikel haben ihre Zeit— die Prozesse schaffen sie nicht aus der Welt, sondern vermehren sie nur. Und was schlimmer ist, sie provociren neue Angriffe, wie sie sich grade jetzt zahlreich gegen die Handhabung des Gesetzes der Presse und dem Bereinsrecht gegenüber zeigen. Dies ist ein schwerwiegender Nachtheil für die Gesinnung des Volkes, denn ihm sollte nie Gelegenheit geboten werden, an dem Satze zu zweifeln: lustitia est kuväawentum reAnorurn."(Die Gerechtigkeit ist die Grundlage der Reiche.) So schreibt ein liberales Blatt, welches sich selbst für eine entschiedene Gegnerin der Sozialdemokratie ausgiebt und dies auch durch vielfache Schimpfereien auf uns zur Genüge dokumentirt hat. Es muß also schon sehr traurig mit der Verwirrung der Rechtsbegriffe, welche die maßlosen Verfolgungen gegen unsere Partei angerichtet hat, aussehen, es muß die allgemeine Moral schon sehr schwer unter der„Nervosität und Empfindlichkeit" hoher Personen leiden, wenn ein so reichs- und bismarcktreues Blatt sich zu derartigen Betrachtungen aufrafft. Sehr bezeichnend aber ist es, daß die„Magdeb. Zeitz." den Richtern selbst den Borwurf allzu großer Nervosität und Empfindlichkeit der Sozialdemokratie gegenüber macht. Sehr bezeichnend! — Wie sich die Interpellation derHerren vonBen- nigsen, Hänel und Genossen im deutschen Reichstage in Bezug auf die Orientfrage in den Köpfen unserer reichs- und regie- rungstreuen Spießbürger widerspiegelt, das geht klar ans einem Leitartikel der liberalen„Flensburger Nachrichten" hervor, in dem wir Folgendes lesen: „In diesem entscheidenden Augenblick hat sich der Reichstag entschlossen, die auswärtige Situation vor seinem Forum zur Zeit noch die„neuen Gerichte", die große Kosten verursachen, eingeführt wurden. Bei dieser bescheidenen Berechnung finden wir, daß sich die Landesprästanden im Jahre 1877 auf 41,131,000 Rubel belaufen. Wollten wir ein getreues Bild in dieser Hin- ficht liefern, so müßten wir mehr auf die Einzelheiten eingehen, wir müssen dies aber unterlassen, da wir in der russischen Lite- ratur keine Arbeit vorfinden, die uns hierüber aufklären könnte, denn die rusfische Regierung leidet solche Arbeiten nicht. Die Ursache, daß wir keine solche literarische Arbeit besitzen, liegt in der Feigheit unserer Regierung, die überall in den Landesver- sammlungen mit ihrer Scheinoerwaltung„Constitutionen" und „Parlamente" wittert. Unsere Landesverwalter find große Maulhelden, aber sonst feig. Aehnlich ihren Brüdern im Auslande, den Liberalen, verleugnen sie ihre Prinzipien und wälzen alle Abgaben auf die qrmen Bauern und halten dieselben in der alten Sklaverei, die seit 1861 abgeschafft sein soll. Die Umlagen der Bauern z.B. betragen 20,5 Kopeken auf die Dessjatine(4 Morgen), ivährend die der Gutsbesitzer nur 6,3 Kopeken ausmachen. Die liberalen Gutsbesitzer, die die Landesoorsteher bilden, zahlen drei mal weniger als die Bauern. Schon dieses Berhältniß zeigt unsere Liberalen im richtigen Lichte. Noch schwerer zu berechnen sind die Ausgaben für die städtische und Dorf-„Selbstverwaltung". In dieser Hinficht müssen wir uns mit privaten Mittheilungen und eigenen Ersah- rungen begnügen. Nach unserer Berechnung, niedrig genommen, belaufen sich die städttschen Ausgaben auf 31 Mill., die der Dorfgemeinden auf 37V» Mill. Rubel. Wie unsere Leser bemerkt haben werden, gehen wir bei unseren Annahmen sehr vorsichtig zu W:rke, aber wir wollen noch gerechter sein und werfen von ven obigen Summen die Hunderte und Tausende weg. Also die lokalen Verwaltungen kosten dem Volke: Landesprästanden..- 41 Mill. Rubel, Städttsche Steuern..- 31„„ Dorfgemeindefteuern. � 37„„ 109 Mill. Rubel.. In diese Rubrik der Ausgaben gehören auch die großen Kapitalien der Reichs-, Gesellschafts- und Wohlthätigkeitsinsti- tutlonen. Die Zinsen von diesen Kapitalien dienen zur Unter- stützung der Invaliden und Stipendiaten, zu aller Art Pen- sionsdotationen, Wohlthätigkeitszwecken und zur Errichtung von Kirchen. Weiter gehört noch hierher die große Masse von Ge- bäuden, technischen Instituten u. s. w., welche verschiedenen Staats- und Gesellschaftszwecken dienen. Es wäre von unserer Seite unverantwortlich, diese Kapita- lien und deren Zinsen nicht in das Budget der Reichsausgaben einzureihen. Nach einer speziell statistischen Revue,„Militär- Statistischer Sammler", betrugen diese speziellen Einnahmen Sprache zu bringen. Die Mitglieder aller reichstteuen Parteien, von den Conservativen bis zur Fortschrittspartei, haben sich ver- einigt, um an den Reichskanzler die Anfrage zu richten, ob und wann er dem Reichstage Mittheilungeu über die auswärttge Politik zu machen gedenke. Mit diesem Vorgehen ist in wür» diger und geschickter Weise dem Bestreben des Centrums und der Sozialdemokratie, die auswärtige Politik des Re chskanzlers vom schroff oppositionellen Standpunkt zu be- handeln und Kapital für ihre Ägitationszwecke daraus zu schla- gen, die Spitze abgebrochen. Nicht in Gestalt einer Anklage, wie die beabsichtigte Interpellation des Centrums und der So- zialdemokratie sich von vornherein ankündigte, sondern als ein- fache Anfrage tritt die Aufforderung an den Reichskanzler heran, der in seiner auswärtigen Politik sich des Vertrauens und der Zustimmung der Mehrheit des Reichstags versichert halten kann." Hier wird also offen eingestanden, daß die Interpellation der reichstreuen Mehrheit lediglich entweder auf Bestellung„gemacht", oder aber, um einer entschiedenen Anfrage die Spitze abzu- brechen, gestellt worden ist. Wenn wir der liberalen Majorität ihre Bedientenhaftigkeit und Hundedemuth vorwarfen, dann ent- stand gewöhnlich ein lautes Gezeter bei den„Reichstteuen", und jetzt sind die Herren schon so weit herabgekommen, daß sie ihre servilen Eigenschaften nicht allein selbst eingestehen, sondern noch darauf stolz sind. Daß sich auch die edlen Fortschreiter der dcmüthigen Interpellation angeschlossen haben, die den Reichs- kanzler erst um Erlaubniß bittet, anfragen zu dürfen, ob er eine Antwort geben wolle, liegt in der Natur der Sache— das Schwänzchen muß eben wedeln. Ob Bismarck nicht zu stolz sein wird, auf derartige devote Anftage überhaupt eine Antwort zu geben? I Wenfalls wird der Reichstag nach der Antwort nicht klüger sein als zuvor. — Die Partei des Rückschritts hat wieder einmal einen Antrag verbrochen, den sie im Reichstage einbringen will. Er beezieht sich auf das Haftpflichtgesetz und es figuriren als Antragsteller die Herren vr. Max Hirsch, Allnoch, Dr. Meher nnd Wolffsheim. Derselbe lautet:„Der Reichstag wolle be- schließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstag in der nächsten Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher unter Abänderung des S 2 des Gesetzes vom 7. Juni 1871 die Bestimmungen desselben auf alle mit besonderer Gefahr für Leben und Gesundheit verbundene Gewerbebetriebe ausdehnt und durch anderweitige Regelung der Beweislast den Beschädigten zugleich einen wirksamen Schutz gewährt."— Anstatt einen Antrag präcise dahin zu formulircn, daß der Schuldbeweis bei allen Unglücksfällen vom Unternehmer zu führen sei, daß ferner die Arbeiter bei den Bauten und bei dem landwirthschaftlichen Ma- schinenbetrieb mit in das Schutzgesetz aufzunehmen seien, bringen die fortschrittlichen Rückschreiter obiges Wischi-Wascht ein, welche» der Regierung die erwünschte Gelegenheit giebt, bei der Ein- bringung des Antrags sich in Schweigen zu hüllen und die ganze so dringliche Angelegenheit auf die lange Bank zu schieben. Ein ächt„fortschrittliches" Manöver! — Etwas von unserm braven Erbfreund. AmIO. No- vember vorigen Jahres wurde vom Memeler Kreisgericht eine Vorladung..eingeschrieben" nach russisch Schaulen, einem Ortt bei Tauroggen, per Post gesandt; dieselbe sollte eine Person veranlassen, in einem am 21. November stattfindenden Schwur- gerrchtstermme als Zeuge zu fungiren. Nach Verlauf von drei Monaten ist nun endlick, die Vorladung nach Memel zurück- gekommen mit dem russischen Postvermerk, daß Adressat in Schaulen nicht zu ermitteln sei. So geschehen in einem Lande, dessen Regierung sich über„polnische" und„türkische" Wirth- schaff aushält und dieselbe durch solche russische Wirthschaft er- setzt hat oder zu ersetzen sucht.— Ueber die grausame Be- Handlung, die der geistvolle Tschernischewski in Sibirien erleidet, hören wir, daß derselbe, nachdem er seine siebenjährige „Strafe" in den Sibirischen Bergwerken verbüßt halte, in Viljuisk, einem von wenigen Jakuten bewohnten Orte im hohen Norden(63 Grad nördl. Breite) Sibiriens internirt wurde, damit 1868 33 Millionen Rubel, was sehr niedrig gerechnet ist, denn hierher gehören noch die„speziellen Mittel" der sehr reichen Gesellschaft des„Rothen Kreuzes", der Gesellschaft„zur Hilfe- leistung für Schiffbrüchige", die Werthe der Produkte, die die verschiedenen Ministerien aus den ihnen gehörigen technischen Instituten verbrauchen, u. s. w. Wir wollen nur anführen, daß jedes Ministerium seine eigenen Buchdruckereien, großen Ge- bände, Schlösser, Bibliotheken, Museen-c. befitzt. Solche Ge- bäude befitzt die Regierung fast in allen Gouvernementsstädten. Und doch wollen wir alle diese„speziellen Ergänzungseinnah- men und Mittel" nur auf 30 Millionen Rubel berechnen, ob- wohl alle die oben angeführten Werthe und Kapitalien viel mehr Nutzen bringen könnten, befänden sie sich in den Händen des arbeitenden Volkes. Mit vollem Recht kann man hier das ruf- fische Bolkssprichwort:„Wo die Regierung einen Rubel ein- nimmt, verliert der Bauer fünf Rubel" anwenden. Aber doch bleiben wir bei den 30 Millionen Rubel, denn wir haben noch viele„Sünden" unserer Regierung aufzudecken. Also zurück in den Sumpf der Bolksausbeutung durch unsere Regierung und forschen wir weiter. In der Loskaufsoperation besteht der ganze Stolz der Re- gierung Alexander's II. Die Last dieses Loskaufs drückt aber so schwer auf das Volk, daß es einen unaussprechlichen Haß gegen diesen empfindet. Das Loskaufsgeld wurde den Bauern aufgehalst, um den Gutsbesitzern die Freilassung der Bauern zu vergüten. Diese Loskaufsoperation ist dazu erfunden, um die Unantastbarkeit des„heiligen Eigeuthums" zu sankttoniren. Der Zwack war ein rein staatlicher. Unten werden wir noch auf die Loskaufsoperation zurückkommen, hier aber wollen wir nur die schweren Loskaufsgelder, die auf dem Volke lasten, berechnen. Bis zum 1. Januar 1877 kamen zum Loskauf 8,129,879 Mann der gewesenen Hörigen. Die Summe des jährlichen Los- kaufs beträgt 40,608,500 Rubel. Zu dieser Summe müssen wtt noch die Loskaufsgelder der polnischen Bauern, für die ein spe- zielles Gesetz'xistirt, hinzufügen. Weiter haben wir noch mehr als 2 Mittelrußland, die noch nicht ganz befreit sind, weshalb sie noch bis jetzt und so lange den Gutsbesitzern Frohngelder zahlen müssen, bis sie zum Loskauf kommen werden. Diese Bauern nennt man„Zeitpflichtige". Noch sei erwähnt, daß die Frohngelder höher zu stehen kommen, als die Loskaufsgelder, und zwar um 20 Prozent. Wenn wir nun zu den oben angeführten 40 Millionen Los- kaufsgeldern noch 12 Millionen Frohngelder der„Zeitpflichtigen" und ungefähr 6 Millionen der polnischen Bauern hinzufügen, so bekommen wir 58 Millionen Rubel Loskaufsgelder, welche, wie sich das Manifest bei Befreiung der Leibeigenen ausdrückte, „zur Verbürgung des Bauernwohlstandes" dienen sollen. (Forssetzung folgt.) ihn seine Frennde nicht befreien können. Das Klima ist dort sehr streng, so daß � die zu seiner Ueberwachnnz dirigirten Gensdarmen nicht länger als ein Jahr oder noch weniger dort aushalten können. Die Lage Tschernischewski's ist jetzt noch schimmer, obwohl er seit 1871 nicht mehr zu den Sträflingen gezählt wird. In Folge der schlechten klimatischen Einflüsse leidet er an einem Kropf.— Und eine Regierung, die im cige- nen Lande so haust, will sich als Streiterin für Christenthum und Humanität ausgeben! Man müßte lachen, wenn die Sache nicht so ernst wäre, und wenn nicht auch in Deutschland zahlreiche Menschen vorhanden wären, welche freudig mit der russischen Regierung Schulter an Schulter stehen möchten. — Die Urtheile in dem großen russischen Prozesse stnd, nach einem Telegramm vom 6. d., gesprochen. Hippolit Mischkin wurde zu einer zehnjährigen Strafarbeit in den Bergwerken Sibiriens verurtheilt; fünf der Auge-> klagten wurden zur Ansiedelung in den entfernten Gouver- nemcnts d.h. zur Deportation in den Kaukasus. 63 zu Ge- fängnißstrafen verurtheilt; 90 wurden freigesprochen; alle Berurtheilten, mit Ausnahme Mflchkin's wurden der„Gnade" des Kaisers empfohlen. So hat diese schmachvolle Justizfarce geendet. Wir werden auf dieselbe zurückkommen. — lieber die europäische Lage ist absolut nichts Neues zu sagen. Nach wie vor ist Alles in der Schwebe. Die eng- tische Flotte liegt vor Konstantinopel, die Russen sind zwar nicht in Konstantinopel eingezogen, stehen aber in unmittelbarer Nähe der Stadt und sollen auch bis Gallipoli vorgedrungen sein, also die Einfahrt in's Marmarameer bedrohen.„Bei so gespannler Situation", munkeln schon die Offiziösen,„wird Fürst Bismarck � am Dienstag die Interpellation wohl kaum schon beantworten können." Nun— das ist auch ziemlich gleichgittig. Nach„beant- worteter" Frage würden wir so wie so nicht klarer sehen als vorher. — Gegen Most ist(auf Grund seines Auftretens gegen die„Christlich-Sozialen") wegen Beleidigung des Oberkirchen- raths und der evangelischen Geistlichkeit Anklage erhoben worden. Nicht genug mit diesem Erfolge, Hetzen die Stöcker und christ- lichen Consorten noch weiter, um die Staatsanwaltschaft zu einer ernsthafteren Anklage zu veranlassen. Alles im Namen der„Re- ligion der Liebe". — Am 12. ds. Mts. nahm der Reichstag einen Antrag Demmler's: das Strafverfahren in mehreren Prozessen gegen Liebknecht während der Dauer der Session zu sistiren, ohne Widerspruch an. Der betr. Antrag, der eigentlich erst in der nächstfolgenden Sitzung(vom 14. d.) zur Verhandlung hätte kommen sollen, wurde ausdrücklich mit Zustimmung des Hauses schon am 12. vorgebracht, weil Liebknecht auf den 13. d. M. zu einem Termin nach Breslau geladen war. Noch am Nach- mittag des 12. wurde der Beschluß des Hauses vom Präsidium des Reichstags dem Reichskanzleramt zur Ausführung mitgeth.stlt. Was dieses mit dem Beschluß gemacht hat, wissen wir nicht; wohl aber wissen wir, daß der Termin gegen Liebknecht in Breslau abgehalten, und daß das verurtheilende Erkenntniß des Reichenbacher Gerichts einfach bestätigt wurde. Nun lautet zwar dieses Erkenntniß blos auf eine rein formale Strafe(30 M.), aber der Prozeß selbst hat eine hohe prinzipielle Bedeutung, und, gestützt auf den Beschluß des Reichstags, wird darum Lieb- knecht an geeignetem Ort und zu geeigneter Zeit die nöthigen Schritte thun, um die Ungültigerklärung des Erkenntnisses vom 13. d. M. zu erwirken. Wir sind gespannt, welche Haltung der Reichstag einnehmen wird, dessen Autorität doch offenbar im Spiel ist. — Unser Ehrenmitglied Tessendorsf an der Arbeit. Das Schwert des Damoktes, schreibt der„Botschafter", schwebt schon seit länger als Jahresfrist in Gestalt staatsanwaltlicher Straf- und Auflösungs-Anträge über dem Deutschen Tabak- arbeiter-Berein, dem ältesten und, wie allgemein anerkanni wird, dem bestorganisirtcn und thatkräftigsten, auf Grund des durch Gesetz gewährleisteten Koalitiousrechts begründeten, nicht politischen Gewerkschafts-Verein. Auch Herr Tessendorff hat seinen ihm zu Gebote stehenden polizeilichen Apparat in Bewegung ge- setzt, um dem Berein nach ssast dreizehnjährigen Bestehen den Garaus zu machen. Die Central- Leitung des Vereins, sowie eine Anzahl ihm zugehöriger Lokal-Vereine sind von ihn unter Anklage gestellt worden, und zwar, wie er in naiver Weise selber eingesteht, wegen ihrer großen Machtentfaltvng!— Ueber 7000 centralistisch organisirte Arbeiter mit einem disponiblen Kapital von 20;000 bis 30,000 Mark ist seiner Anschauung nach eine ständige Gefahr für das Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte. Wir sehen, daß Herr Tessendorff a toüt prix(um jeden Preis) für die Sozialdemokratie agitiren will; denn eine Auf- lösung des Tabakarbeiter-Vereins würde der Sozialdemokratie eine Elite- Truppe zuführen. die auch die Kriegskasse derselben füllen wird, damit die Propaganda noch viel nachdrücklicher als seither für die sozialistischen Prinzipien betrieben werden kann. — In dem in Leipzig anhängigen Bismarcksbeleidigungsprozeß gegen Verleger und Drucker des R. Meyer'schen Buches:„Poli- tische Gründer und die Corruption in Deutschland" ist, nachdem die gegen das Urtheil 2. Instanz erhobene Nichtigkeits- beschwerde verworfen und der den Angeklagten auferlegte Rei- nigungseid von letzteren abgelehnt worden war, am 9. Februar ein anderweites Erkenntniß publizirt worden. Es lautet für den Verleger, Herrn E. Bldder, auf 3 Monate und 3 Wochen, für den Drucker, Leiner, auf 3 Monate Gefängniß. Die An- geklagten haben auch gegen dieses Urtheil die Appellation an- gemeldet. — Wie die„Westphälische Freie Presse" mittheilt, wurde zu Dortmund am 13. d. unser Parteigenosse Ostermann angeblich wegen Majestätsbeleidigung verhaftet und in das dortige Gerichtsgefängniß abgeführt. Das Vergehen soll durch Abdruck einer Notiz aus dem„Vorwärts" begangen sein, in welcher die Verleihung des Ordens pour lo märits an den Fürsten von Rumänien mit dem Verfahren gegen die badischen Reichsverfassungskämpfer zusammengestellt ward. — Am 13. o. starb zu Berlin Gustav Rasch an den Folgen eines Schlaganfalls, der ihn vor mehreren Wochen in Wien betroffen. In seinen letzten Fieberphantasien feierte er die „goldene Freiheit". Gegen 5 Uhr Morgens, so schreibt ein Freund, richtete sich der Kranke, der seit vielenWochen nicht ein Glied rühren konnte, plötzlich im Bette auf, mit mächtigem Zuge holte die Brust nach der Anstrengung Athem, dann rief er mit vollem Ton:„Frei bis zur Adria!" und leblos sank der Körper in die Kissen zurück.—(„Frei bis zur Adria" ist der Titel eines Buchs, in welchem Rasch für die Befreiung Italiens Zutrat.) Rasch, früher ein nationaler Demokrat aus der alten Schule, hat sich weiter entwickelt und bekannte sich seit 1873 entschieden zu sozialdemokratischm Ansichten. — Am 23. Januar starb im Städtchen St. Mary, Staat Ohio, in Amerika August Willich, im Alter von 68 Jahren. Preußischer Offizier, schlug er sich 1843 auf Seiten des Volks, kämpfte 1848 in Baden und 1849 in der badisch- pfälzischen Reichsverfassungskampagne, wanderte, nachdem er einige Zeit in London als Verbannter gelebt, nach den Vereinigten Staaten aus, trat dort bei Ausbruch der Südstaatler- Empörung in die Dienste der Union und zeichnete sich so aus, daß er bald zum General avancirte.— Früher eifriger Sozialist, ja Communist, hatte er seit seiner Auswanderung jede Fühlung mit der sozia- listischen Partei verloren. — Das neueste Heft(10) der„Zukunft" vom 15. Fe- bruar 1878 hat solgenden Inhalt: 1) Die Uebertragung der Feuerversicherung an das Reick. Von Dr. A. Mülberger.— 2) Zur Steuerreform der Großstädte.— 3) Ueber den Zusam- menbang des wirthschaftlichen und d;s politischen Prinzips im demokratischen Sozialismus.— 4) Polemik.— 5) Rezensionen. Entgegnung auf„die Motive des Sozialismus" (Fortsetzung.) von k'. N. ~~ Zur Bierverfälschung. An eine große Zahl von Renaurateuren, besonders am Rhein, sind in letzter Zeit Briese folgenden Inhalts gesandt worden:„Geehrter Herr! Es wird �iinen vielleicht noch nicht bekannt sein, daß die sogenannten echten, dunkeln Biere(Culmbacher, Nürnberger, Erlanger u. s. w.) zum großen TheUe auf kaltem Wege hergestellt werden oder sich wenigstens auf die, cm Wege herstellen lassen, d. h. es wird den. gewöhnlichen hellen Lagerbiere vor dem Transport ein Zusatz von, der Gesundheit allerdings durchaus zusagenden Stoffen bei- gemischt, wodurch der besondere Geschmack und das Aussehen erzielt werden. Dieser Zusatz, der etwa per Hektoliter 1 Mk. 50 Pf. kostet, ist sehr leicht hergestellt und wird Ihnen der große peku niäre Bortheil einleuchten, den Sie haben, wenn Sie sich die immer mehr in Aufnahme kommenden fremden Biere selbst her- stellen; ja, Sie können dieselben, besonders im Sommer, in viel schönerer Qualität haben, da die schweren Biere bekanntlich aus dem langen Bahntransporte leicht durch die Hitze leiden. Ich habe in meiner langjährigen Thätigkeit als Braumeister die Zu- sammensctzung der verschiedenen Rezepte genau kennen gelernt und bin gern bereit, Ihnen dieselbe mitzutheilen, und liegt es in Ihrem eigenen Interesse, einmal einen Versuch damit zu machen, «nd wird sich das Produkt, vorausgesetzt, daß das Lagerhier WUrfrei war, in nichts von dem besten Exportbier unterscheiden. °ben angeführten Sorten sind die beliebtesten, doch bin /JfnfctV,1 b,~.eit- Ihnen bei Bereitung anderer, bei Ihnen ein- 3> mtf Wrtffio rtti Sto Cv-YnS■lit ii«S Biete mit meinem Rathe an die Hand zu gehen, und mir zwei Flaschen des b-treffenden Bieres 30 Mark. löMark.�alle drei zusammen ZK das �Nachöchell ng d' i�igm da� aM °uf d°s fanze an. Machm Sie ve�rauensvoll den Ber- « n Sol ja in einer Woche, Sie sind dann «"r!• � � abhängig und können Ihren «Ltf B<£?♦"■" Stoff vorsetzen. Osterwick a. H. Hochachtungsvoll B S ein." Nun, derMann kennt den„Zug feiner Zeit. Die kolossale Zunahme des Ausschanks„dunkler Biere wird hiernach Niemand mehr Wunder nehmen. Und auch nicht die ebenso kolossale Zunahme von Magenkatarrhen und sonstigen Erkrankungen in Folge des Biergenusses.— k.'.l* H�r Ronge, Johannes, Exreformator und Luther II. führt wt Jahren, da dos religiöse und unreliziöse„Geschäft" n.cht mehr blühen will, in Tarmstadt em ziemlich obskures Leben. Wie wir aus einem von ihm herausgegebenen Wmkelblältchen(„Die Neue religiöse Reform) ersehn, ist er nun zu den Stöcker'sch-n Sozial Muckern über- gegangen. Jeder findet doch zuletzt das ihnen gebührende Plätzchen. — Russisches Bauernl-ben. Ueber das Leben und Treiben oer Bauern im Mesen'schen Kreise, Gouvernement Archangel, schreibt c.m dortiges Blatt:„Mancher Bauer weiß eS nicht, wie er sich bis zu ber Zeit, wo ihn der Tod von den irdischen Sorgen erlöst, durch's Leben schlagen soll. Dennoch sieh! man hier selten ein verzagtes Ge- ficht. Der hiesige Bauer findet fast jeden Tag eine Gelegenheit, sich ohne Kosten am Branntwein zu berauschen uiid auf diese Weile seine schlimme Lage, wenn auch nur für einige Zeit, zu vergessen. Bald be< wirthet man ihn mit Branntwein, damit er se ne Stimme für die Eröffnung einer Schenke abgiebt, bald wird seine Stimme bei Wahlen durch Branntwein erkaust— kurz bei jeder Gemeindeversammlung ist die Schenke offen, und der Branntwein, der von den interessirten Per- sonen gespendet wird, giebt b i der Abstimmung den Ausschlag. So machte unlängst der reiche Kaufmann Rushnikow der Gemunde von Leschukom den Vorschlag, ihm ein Grundstück zur Errichtung eines Magaz nS für Spiritus und Branntwein abzutreten. Es wurde eine Versammlung der stimmberechtigten Gemeindemitglieder veranstaltet und der Kaufmann wandte sich mit folgender Ansprache an die Bauern: „Meine lieben Leute! Was wollt Ihr mit dem Grundstück ansangen? - Tretet mir den Platz ab, ich gebe Euch drei Wredo B.anntwein zum Besten:"— Allerdings erHoven sich einige Bauern und meinlen, daS Grundstück könne man nicht abtreten, denn es sei eigentlich für ein G-meimemagazin bestimmt;— die Mehrzahl aber svrach, verlockt durch den versprochenen Branntwein, daS Grundstück dem Kaufmann zu.— In anderen Gemeinden ließ man die Dorfschulen eingehen, gestattete aber die Eröffnung von Schenken. Diese Schäuken find das größte Hebel für unsere Bauern: jedes sanerverdiente Geldstück schleppt der Bauer in die Schänke. Kommt nun der Beamte, um die Steuern ein- zlltreiben, dann ist kein Geld da und eS kommt zu herzzerreißenden Scenen, wenn das Vieh und HauSgeräth gepfändet wird.." Und so gehl eS jast überall im heiligen Rußland unter dem Fluche deS Branntweins. Dafür liefert dic Sleuer auf fpirituose Getränke aber auch dem Staate jährlich nahe an 200(zweihundert) Millionen Rubel. — Die sogenannte preußische Fortschrittspartei hat vor ! einigen Wochen in Berlin ein Bankett gehalten bei d-m viel und gut gegeffen, noch mehr und besser getrunken und zum Wohle des Baterlandes unendlich geschwätzt wurde. Darauf berichten die forischrittlichen Zeitungen, das Bankett sei so glänzend ausgefallen, daß diese politischen Festlichkeiten fortan„zu den dauernden Institutionen in unserer Hauptstadt zählen werden." DaS Volk hungert und verlangt nach Brod. währenddem sitzen seine liberalen Vertreter an reichbesetzten Tischen und beweihräuchern ' sich gegenseitig. Prächtige Leute. Wann wird daS Volk diesem Unfug ein Ende machen? — Stöcker'S pietistische Agitation ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Um die armen Hofprediger für ihre vielen Leiden»u ent- schädigen, haben die Herren C. Gerolds sen., Bankier Lösche und Justiz- rath Stämmler eine Stiftung zu Gunsten der evangelischen Dom- Prediger in Berlin und ihrer Hinterbliebenen gegründet, zu wel- cher bereits 3950 Mark gezeichnet sind. Dieselbe soll den Namen „b'oos pietatis"(Quell der Frömmigkeit) führen. Die Herren Priester veitrösten das hungernde Volk gemeiniglich auf den Himmel; sie selbst aber iasten sich von irdischen Bankiers mit klingender Münze trösten. An des Himmels Segen ist Alles gelegen— besonders wenn man anS irdischer Hand zugleich einige Hundertmarkscheine erhält. Grünberg und Stöcker sollen leben! Ich weiß nicht, ob Sie nach dieser Erklärung meine 3. These noch ebenso scharf angreifen werden, als vorher. Meine Mei- nu»g ist die: Der Sozialismus vieler Sozialdemokraten sei weniger aus der klaren Erkenntniß der wirklichen Schäden unserer bisherigen Gesellschaftsform und der Mittel, wodurch diese Schäden zu beseitigen seien, hervorgegangen, als aus allerlei andern, und zwar zum Theil nicht zu billigenden Beweggründen, wie z. B. Klassenhaß, Neid, Genußsucht; er sei bei denselben viel mehr eine sittliche als eine intellektuelle Verirmng. Das ist meine Anschauung, die sich aus dem gebildet hat, was ich gelesen, ge- hört und gesehen habe. Und eine solche Ueberzeugung darf man wohl auch aussprechen. Bin ich im Jrrthum, wohlan, so möge man mich eines Besseren belehren; ich lasse mich sehr gern belehren. Indessen sehe ich, daß ich mit meiner Auffassung nicht ver- einzelt dastehe. Herr Domcapitular Moufang zu Mainz meint, „die soziale Frage sei mehr eine Herzens- als eine Magenfrage." Und Moufang war bekanntlich der vertrauteste Gesinnungsgenosse des verstorbenen Bischofs Kettelet, dem sogar Lassalle das Zeugniß gab, er(der Bischof) habe sich in der Schrift:„Die Arbeiter- frage und das Christcnthum" für seine Ansichten ausgesprochen. Moufang hat sich auch bei verschiedenen Wahlen der Unter- stützung der Mainzer Sozialdemokraten zu erfreuen gehabt, wird also von denselben nicht als ein gehässiger Gegner angesehen. Trotzdem urtheilt er ähnlich wie ich. Dasselbe thun verschiedene Schriftsteller, welche über die heutige Sozialdemokratie geschrieben haben z. B. Jäger, Contzen, Gefften u. A. Wenn ich behaupte, daß der Klassenhaß Viele der sozial- demokratischen Partei zuführe, so werden Sie es> wohl kaum wagen, mir darin zu widersprechen. Sie müßten mit der Lite- ratur Ihrer Partei völlig unbekannt sein, wenn Sie bestreiten wollten, daß die unausgesetzte Aufreizung zum Klassenhaß ein Hauptmittcl der Propaganda für die sozialdemokratische Partei ist. Dies wird vielfach offen eingestanden. Der„Nene Sozial« Demokrat" schreibt 1872, Nr. 40:„Aber ihr predigt ja immer den Haß, den Klassen haß— so wird man uns entgegenrufen — Ja wohl, und das thun wir, indem wir uns voll und ganz auf den Boden der Menschenliebe stellen;" und in Nr. 1 von 1872:„Ja, dieser Klassenkampf und dieser kleine Krieg, das ist es, was vornämlich unsere Partei charakterisirt." Ferner in Nr. 65 von demselben Jahre bei Gelegenheit des Zerwürfnisses mit Schweitzer:„Wir haben Schweitzer hochgeachtet und gerade deshalb hochgeachtet, weil er gerade derjenige war, der vorzugsweise den Klassenhaß gepredigt hat." Was aber die Genußsucht anlangt, so weiß Jeder, der mit den Verhältnissen einigermaßen vertraut ist, daß die sozialdemo- kratische Propaganda in den Gegenden, wo die Bevölkerung sich noch die Tugenden der Mäßigkeit und Genügsamkeit bewahrt hat, und anderwärts wenigstens in den Kreisen der Bevölkerung, m welchen sich diese Tugenden besonders erhalten haben, wemg oder keine Erfolge erzielt hat. Wo der Wenigerbegüterte neidlos auf die sog. befitzenden Klassen hinblickt, wo er mit einem bescheidenen Loose zufrieden ist, da ist kein Boden für die Sozialdemokratie. Wo aber Unmäßigkeit und Genußsucht ein- gerissen sind, da blüht ihr Weizen. Es ist in dieser Beziehung charakteristisch, daß gerade in der Zeit der übertriebensten Löhne, von denen so Viele leider keinen vernünftigen Gebrauch zu machen wußten, in der Zeit, wo vielfach die übermüthigstc Genußsucht in den Arbeiterkreisen einriß, wo die Rede vom„Massenelend" die unverschämteste Lüge war— ich sage, es ist charakteristisch, daß gerade in dieser Zeit die Sozialdemokratie so rapide Fort- schritte machte. Das ist eine allbekannte Thatsache. Es fehlt aber auch nicht an ausdrücklichen Geständnissen hervorragender Sozialdemokraten, welche die Richtigkeit meiner Behauptung be- stätigen. Nehmen Sie gefälligst das„Arbeiterlesebuch" von Las- salle zur Hand und lesen Sie auf Seite 31 und 32, wie der- selbe die deutschen Arbeiter abkanzelt wegen„ihrer verdammten Bedürfnißlosigkeit"—„man müsse ihnen deshalb erst noch — Mehlverfälschung. Bon dem Düsselöorfer Zuchtpolizeige- richt wurde am 4. Februar der Müller Heinrich Ulrich zu Einbungen zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt, weil derselbe unter von ihm gemahlenes Mehl Gips gemischt hatte; daS eine Mal fanden sich 8,7 pEt., daS andere Mal 13.7 pCi. GypS in dem Mehl vor. Die libe- ralen Zeitungen, auch die„Berliner BoltSzeitnng", fügen dieser Nachricht bedauernd folgenden Satz hinzu:„Die Fälschungen waren so NN- geschickt vorgenommen, daß sie alsbald entdeckt wurden."— Ja. ja! Stehlen und betrügen ist erlaubt, nur darf man dabei sich nicht fassen lassen. — Russisch. In russischen Blättern lesen wir:„ES wird nicht ohne Interesse sein, wie der General. Gouverneur Fürst Durdukoff-Kor- rakoff in Kiew einige Damen von den von ihnen kundgegebenen tür- kischen Sympathien gründlich geheilt hat. Diese Damen, 5 an der Zahl,— man sagt, eS sollen Polinnen gewesen sein— hatten an ge- fangene türkische Offiziere, welche auf ihrem Transport nach Rußland Kiew passirten, ganze Körbe voll Wein, Cigarren und Zuckerwerk ,c. vertheill und überaus schön mit diesen Feinden ihres Vaterlandes ge- than. Kaum war dies dem genannten General-Gouverneur gemeldet worden, so läßt er die iürkenfrenndlichen Damen festnehmen und nach einer 5 Werst von der Stadt entlegenen Irrenanstalt bringen, aus der sie nach 3 Tagen entlassen wurden, nachdem sie dort voll Be- stürzung die Versicherung gegeben hatten, daß sie von ihrer Turkv- manie vollständig geheilt feien. Den Rückweg nach Kiew mußten sie noch zur Strafe zu Fuß machen. Das Mittel ist barbarisch, aber provak."— ES ist eben russisch! Und dieses Rußland kämpft für die Befreiung der Ehnsten in der Türkei! — Wie man Zeitungen redigirt. Die Leipziger„BolkSzei- tung", ein zwischen„Fortjchr ttsparlei" und Demokratre(auch Sozial- demokraiie) hilflos hin- und herschwankendes Organ brachte in einer feiner letzten Nummern eine Correfpondenz aus Dresden, in welcher die neuliche.Massenversammlung über die OnentpoUnf des Fürsten Bismarck und Liebln echt'S Vortrag in dieser Bersammwng ebenso albern als- unanständig besprochen oder richtiger nicht besprochen wurden.*) Nun, jedes Thierchen hat sein Plaisirchen. Besagtes Thierchen hätte aber bedenken sollen, daß die„VolkSzettung' m ihrem redaktionellen Theil wiederholt für den Etandpmikt diesen in der Orientftage eingetreten ist. Und der Redakteurs Er hat wohl geschlafen? Beiläufig machte in jener Versammlung em unglücklicher„Fort- schrittler", der aber die reinste Bismarckerei vom Stapel ließ, Lieb- knech! sehr unglückliche Opposition und wurde oon diesem gebührend abgefertigt und von der Versammlung gebührend ausgelacht. Da- her der Zorn! Und waS die Begriffs- und Prinzipienverwirrung im fortschrittlichen Lager betrifft, so sind wir ja daran gewöhnt. T») Hat sich seitdem wiederholt. Um ihr Gewissen ,u salviren bat die Redaktion aber diesmal in einer Fußnote bemerkt, sie(die Re- daktion) stimme sachlich mit Liebkne�t in dieser Frage überein. Je- � wand, mit dem man in einer so wichtigen Frage sachlich übereinstimmt, wegen seiner Darlegung derjenigen Ansichten, auf welche die Uebe»» einstimmung sich bezieht, pöbelhaft angreifen und beschimpfen lassen— daS ist wahrhaftig— originell.— beweisen, daß sie in einer honrigen Lage seien-- möglichst viel Bedürfnisse haben, aber sie auf ehrliche, anständige Weise beftiediaen, das ist die Tugend der heutigen, der national- ökonomischen Zeit/— Diese Lehren sind nicht auf unftuchtbaren Boden gefallen. Die Schüler reden's(und thun's) dem Meister Es weiß die Sozialdemokratie, daß Genuß »ach: Lebenszweck ist/„Neuer Sozial-Demokrat" 1873:„Es geht die grenzenlose Unverschämtheit so weit, daß kürzlich ein Bour- � geoisblatt sich wüthcnd darüber stellte, daß der„Neue Sozial- Demokrat" niemals den Arbeitern ins Gewissen redete, das Schnapstrinken, Blaumachen, Tanzen und sonstige Ueppig- leiten zu lassen, und statt dessen hübsch fleißig und genügsam zu sein.— Nimmermehr soll es uns darum einfallen, das Volk zu bereden, einen einzigen Genuß fahren zu> lassen/ Also auch das Blaumachen nicht? Das paßt doch seltsam in die heutige nationalökonomische Zeit. Nehmen Sie dazu die schon früher von mir citirte Stelle aus dem„Volksstaat" 1873:„Unsre Losung ist— und wir sagen es frisch, fröhlich und frei: Champagner, Klavier und Kinderwogen und die sonstigen schönen Dinge dieser Welt für das arbeitende Volk zc." Sie sehen, die Ansprüche find nicht Nein. Wer giebt denn der ungeheueren Mehrzahl der sog. Bourgeois von heute Champagner und ähnliche schöne Dinge? Diese Lehren wurden nicht tauben Ohren gepredigt; die Zeiten der goldenen Zukunft wurden von den Betrogenen im Boraus escomptirt, der Champagner wurde in den Zeiten der guten Löhne im Voraus getrunken; allerdings die Kinderwagen, welche damals leicht gekauft werden konnten, wurden in vielen Fällen nicht gekauft.(„Was schert mich Weib, was schert mich Kind?") Dafür aber fuhr der Herr Papa oder der Herr Sohn, dem es nicht einfiel, wie sauer er seinen Eltern, die keine so hohen Löhne gekannt hatten, geworden war, am blauen Montag iu der Droschke umher und an andern Tagen in der Droschke zum Arbeitsplatz, während der Bourgeois Bauunter- nehmer bescheiden zu Fuße ging/) Damals predigten wir Pfarrer Sparsamkeit; aber Viele glaubten uns nicht. Was ver- stehen auch wir Pfarrer von solchen Dingen, wie Geschichte. Nationalökonomie u. dgl.? Dazu ist„unsre Elle" viel zu klein. Da wußte es Herr Bebel viel besser, wie es kommen werde, und rieth deshalb, wie ich mir habe sageu lassen, den Arbeitern: „Der Arbeiter müsse statt zwei Glas Bier deren täglich vier trinken, dadurch werde die Bierbrauerei gefördert, oder, statt einer Kreuzer- Cigarre müsse er solche für einen Groschen rauchen zur Hebung der Tabaksindustri?/ Damals nahmen sozialdcmotratische Blätter keinen Anstand, ihre schrecklichen Schilderungen vom Hungertyphus in Berlin im Jnseratentheil durch Annoncen, wie folgende, zu illustriren: „Den Herren Parteigenossen zur Kenntniß: Jeden Sonntag Ball. teden Montag und Donnerstag Theater-Borstellung, nachher räuzchen. Meine gut eingerichteten Salons sind noch an ge- wissen Tagen in der Woche zu Bällen und sonstigen Festlichkeiten unentgeltlich zu vergeben."— Wo solche Anerbietungen, und zwar mit Erfolg**) gemacht werden konnten, muß doch ziemlich viel Genußsucht vorhanden gewesen sein, und das ist gar nicht erstaunlich, wenn man bedenkt, wie den Leuten die Genußsucht als eine nationalökonomische Tugend gepriesen wurde. Es gab damals allerdings auch Arbeiter, welche den Pfarrern und ihrer Elle einiges Vertrauen schenkten; sie find nicht schlecht dabei ge- fahren, Herr F. R. Von diesem Kapitel(der Genußsucht vieler Sozialdemokraten) können wir Pfarrer einiges erzählen. Wir erfahren davon wahrscheinlich mehr, als Sic. Wir sehen auch hinter die Cou- listen; wir hören die Klagen von alten Eltern, von Frauen und Kindern; wir sehen auch die andre Seite der Medaille. Sie sehen in Ihren Versammlungen die begeisterten Kämpen für den sozialistischen Zukunftsstaat, welche den wohlklingenden Phrasen von allgemeiner Menschenliebe, von wahrer Brüderlich- keit frenetisch Beifall jauchzen— vielleicht beim wohlgesüllten Glase und andern„schönen Dingen"; wir aber sehen daheim die vernachlässigten Frauen und Kinder und merken dabei, wie weit die allgemeine Menschenliebe einstweilen noch geht. Ich spreche nicht gern von diesen Dingen, Herr F. R., aber Sie haben mich dazu gezwungen. Auch urtheile ich nicht zu streng über diese Verirrungen, denn ich weiß nur zu gut— da» sagt mir schon„meine Bibel"— wie sehr der Mensch von Natur zur Genußsucht geneigt ist. Wie können solche Ber- irrungen aber ausbleiben, wenn dem Menschen der beste Halt dagegen— und das ist die Religion, Herr F. R.— genommen, wenn ihm der Materialismus als das Evangelium der Aufklärung und Befteiung(ja, der Befteiung des Fleisches von der Herr- schaft des Geistes!) so eifrig gepredigt wird? Ich klage nicht die Verführten an, unsre mißleiteten Jünglinge und Männer, ich beklage fie vielmehr von ganzem Herzen. Wohl aber klage ich Die an, welche das wilde Feuer der Begehrlichkeit in den schlecht bewachten Herzen angefacht und eifrig geschürt haben. (Forlsetzung folgt.)***) Correjpoudenzeno Aatdenönrg i. Schl., 5. Februar. Wir erhalten ein Schreibet mit der Bitte, nachstehenden an den Fürsten Pleß gerichteten Brief zu veröstentlichen: „An den Reichstagsabgeordneten Seine Durchlaucht Herrn Fürst v. Pleß in Berlin(Reichstag). Euer Durchlaucht! Bon zwei großen Volksversammlungen— vom 27. Januar c. in Neu-Salzbrunn, sowie vom 3. Februar c. in Ober-Rudolfs- Waldau bei Wüste-Giersdorf, in welchen über„Die Stellung des deutschen Volkes zur Bismarlkschen Orient- Politik" ver- handelt wurde— bin ich beauftragt, folgende darauf bezügliche Resolution(welche mit vollster Begeisterung einstimmig ange- nommen wurde) unserem Reichstagsabgeordneten, Euer Durch- laucht. zu unterbreiten; dieselbe lautet: „Die heutige Volksversammlung ist der Ansicht, daß es Auf- gäbe jedes denkenden Staatsbürgers ist, die politischen Vorgänge genau zu beobachten und seine Anficht über den Einfluß der jeweiligen Regierungspolitik auf das Wohl der Bevölkerung un- geschminkt zur Kenntniß der Regierenden zu bringen. *) Daß Bauarbeiter in Berlin und zwar zu dem stundenweit entfernten Bauplatze zu 4 und 5 in einer Droschke fuhren Ik Person 25 bis 30 Pfennige) ist wahr, die Leuten sparten dadurch an ihrer Arbeits- krast. Daß aber der Bourgeois-Bauuntcrnehmer„bescheiden" zu Fuß nach dem Bauplatz ging, wenn er„nebenan" wohnte, ist nicht minder wahr, sonst aber fuhr er auf Gummirädern. Red. d. B. '*) Woher kennt De. Hager den(irfolg? Er redet hier allerdings über Dinge, die er nicht versteht— der Erfolg wurde durch dieselben Annoncen in den nichtsozialistischen Lokalblättern hauptsächlich erzielt. Red. d. B. ***) Die Fortsetzung resp. der Schluß der Artikel befindet sich noch nicht in unseren Händen. Red. d. V. „Au' d esem Grunde hält sie sich für verpflichtet, ihr Urtheil � Norden betreiben und bedarf deslalb Adressen von Gewerksgenoffen in zur rujjisch- türkischen Flage folgendermaßen auszusprechen: den verschiedenen Orten. „Die russische Regierung hat den Krieg gegen die Türkeis. �„.3- Schneider- Gewerkschaft Hamburgs: nicht zur Förderung der Humanität unternommen, sondern zu 3- tfret-cg- f."®e" Sch""1 � III, 3. Etage. ein.« aller Humanität Ansprechenden Zweck, zurBefrie�- I. g. Schrökter. Maxstt-ß-M. T? bei Peterschelka. gung ihrer Ländergier. Der gegenwartige Krieg schädigt nicht - nur die unmittelbar daran betheiligten Völker, sondern übt seinen vernichtenden Einfluß auch auf die anderen europäi- schen Staaten aus. Nur im Frieden kann die Wohlfahrt der Völker gedeihen. Es muß also die Ausgabe jeder Regierung, fre es mit dem Volke gut meint, sein, Alles zu thun, um die weitere Ausbreitung des orientalischen Krieges zu verhindern, und einen der Billigkeit entsprechenden Friedensschluß herbei- zuschaffen/ „Die heutige Volksversammlung ist daher auch mit dem Vor- Elmshorn. 13. Februar. Den Gewerifchafts-Genossen der Schuh- macher, welche meinen Mann während feines langen Krankenlagers s» kräftig unterstützt haben, so wie allen Denjenigen, welche am Montag, den 12. ds. Mls. demselben die letzte Ehre an seinem Grabe erwiesen haben, so wie auch den Genossen aus Barmstedt, welche memen Mann mit ihrer Fahne zu Grabe geleiteten, sage ich meinen herzlichsten Dank. Die Hinterbliebene Helene Wroge. Briefkasten ..... der Redaktion. Hrn. O. R. in Reichenbach i. B.: Haben Sie gehen derjenigen Abgeordneten einverstanden, welche die deutsche die Güte sich näher auszusprechen, wir verstehen Ihre Frage nicht Reichsregierung zu einer Aeußerung über ihre Stellung in der recht.— L. L. in Königsberg: Wenn die bekannten sozialistischen Bro- orientalischen Frage veranlassen wollen, und sie erklärt alle Ab- schüren nicht zweckentsprechend sein sollten, so ralhen wir zu Lange'S geordneten ihres Mandats für unwürdig, die einer derartigen �„Arbeiterfrage"(für 4 Mark bei unserer Genossenschaftsbuchhandlung Interpellation feig aus dem Wege gehen." zu beziehen).- St-'» München: Also S.e geben dem Bcnoffen R. Da diese Resolutinn mit dem Antraue selbiae Euer Durck- Recht— gut! Nun gilt es aber auch zu handeln und nicht zu polemi- «.« � fiten. Zwei Folioseiten sind leicht beschrieben, den Uebelständen ist da- laucht zuzustellen, tu der Zeckung„Wahrheit Pub lizirt war, so abtt n0� jonge �icht abgeholfen. find noch unendlich viele Zustimmungen schriftlich bei mir ein-_ gegangen...-. Mehrere Parteigenossen in Eöthen. Anonyme Schreiben Daher erlaube mir noch zugleich, Euer Durchlaucht nicht �rden nicht berücksichtigt. D. verhehlen zu dürfen und zu ersuchen— da die Gesinnung der- hiesigen Bürger seit letzter Wahlperiode großentheils schon eine � der Expedition. I. Odrnhmr Ober-Jngelheim: In einigen andere geworden ist(wofür mein jetziger Lebensberuf in hun- Tagen werden w r Ihnen Bescheid geben, ob Ihre Annonce aufge- derten von Beispielen Gelegenheit bietet— was auch die nächste nommen werden kann.— R. Reinhold Alban y: Heine's Werke können Reichstagswahl dokumentiren wird)- diese Resolution als 5'- �rchunsbezi.hen Es g-.btv�ch,.d�-AuSg°b.n hiervondis df?- Ktimmuna dk»?' arnilKn des Kreises Ul de- 9roB*e 21 Mark, Voltsausgabe lst schon um 12 Mark zu haben. ♦ Stimmung der großen �thrheu Des imijes zu Geben Sie uns auch an, auf welchem Wege wir Ihnen das bestellte trachten und bei entscheidenden Momenten im Reichstage in Triumph of Order schicken sollen, per Packet kommt es zu thcuer, diesem Sinne handeln zu wollen.\ setzen Sie sich mit einer Buchhandlung(vielleicht Willmer und Rogers Im Auftrage von vielen taufenden Bürgern zeichnet in Ncwyork) in Verbindung, durch welche wir Ihnen das Bild und Hochachtungsvoll ganz ergebenst etwaige Schriften zukommen lassen können. Hermann Braunschweig, Porzellanmaler/ Quittung. Hffmnn London Ab. 40,80. Wrgs Wien Schr. 5,12. (Fürst Pleß gehört natürlich mit zu jenen Interpellanten, die Br Halle Ann. 2,10. Kchnrtr Hof Schr. 8,00. Sdl ZürichAb. 200,00. in ihrer Anfrage ein Vertrauensvotum für Bismarck votiren � q�n iLmbt Mü'nch'en wollen; daß er nicht im Sinne der obigen Resolution wirken ��Be D-rmstadt Schr. 55.10. Exp'ed.' b�.Wahrheit- BÄl� wird, durfte uusern Waldenburger Freunden so gut wie uns be-@d)r- 33 20. Knk Frankfurt Ab. 26,00. Wrg Rendsburg Ab. 4 00„ kannt sein. R. d. V.) Schr. 17,20. Kls Magdeburg Schr. 26,20. Much Ziitau Schr. 4�(XT Aanzig, 11. Febr. Am 7. d. M. fand die Verhandlung � Rick Uetzl Schr. 0,70. Rtz Hof Schr. 2,10. Dr. Kglmnn Hannover gegen die Parteigenossen I. DorowSky und E. Dyck wegen Ueber- Phtgr. 5,60. Gdr Nürnberg Schr. 0,20. trctung der KZ 86 und 16 des Vereinsgesetzes vor dem hiesigen-——7 7"~— Stadt- und Kreisgericht statt. Da I. Dorowsky nicht zur Stelle � Fonds tur Gemapregcktc. war, wurde das Verfahren gegen ihn ausgesetzt; gegen E. Dyck Von Krnkk. d. Schn. u. Grt. hier 3,00. wurde auf 50 Mark Geld- evenwell 10 Tage Gcfängnißstrafe-——____ ZlälT"9 ber ß0ften eifannt' Derselbe wird Appellation H�lle S. B°m°�/«�, d.n?9. M�äb' findet einreichen. Kannover, 17. Februar.(„Tagelöhner!" ein Schimpf- wort.) Vor einigen Tagen passirte Einsender einen Rekruten- Drill-Platz, welcher von Schimpfworten schwersten und leichten Kalibers wiederhallte. Neugieria geworden, blieb Einsender stehen und hörte aus dem Munde eines bartlosen Lieutenants die geflügelten Worte erschallen: Verdammter Bummelhengst, infamer Tagelöhner! Also ist der Tagelöhner zum Schimpfwort avancirt. Sehr nett das! Wenn nun der so angeredete Rekrut seinem Exerciermeister in ähnlicher Weise geantwortet hätte, so wäre er sicherlich streng bestraft worden, aber wer hätte wohl Recht gehabt? � H. Erfurt, 3. Februar. Gestern tagte Hierselbst in dem Gast- Haus zum„König von Preußen" eine Volksversammlung, welche sehr zahlreich besucht war. Das Referat hatte Genosse Nauert aus Leipzig übernommen. Derselbe wies in seinem sehr ge- diegenen Bortrage über„Christenthum und Sozialdemokratie" an der Hand der Geschichte nach, daß das Christenthum durch- aus nicht besser wie die anderen Religionen sei, sondern stets bemüht gewesen wäre, jeden Culturfvrtschritt zu hemmen und nöthigenfalls mit Gewalt. Kein Mittel sei zu schlecht befunden worden, auch das gräulichste nicht; dies sei auch heutzutage noch so. Unsere gegenwärtigen Orthodoxen würden noch mit demselben Blutdurst Scheiterhaufen anzünden wie früher, wenn dies nur noch thunlich wäre. So sei aber die Kultur trotz alledem vorgeschritten und würde das auch in Zukunft geschehen. Als Gegner meldete sich der Vorsitzende des hiesigen christlich- conservativen Vereins, Herr Jacobskötter, derselbe suchte zwar den Redner regelmäßig alle 14 Tage im Parteilokale, gr. Wallstraße 24(36> 2.10) Mitglieder-Versammlung(S. i�, statt. Die Tagesordnung wird in jeder Versammlung bekannt gegebe». Die Mitglieder werden ersucht vollzählig am Platze zu sein. D. B. Donnerstag, den 21. Februar, Abends',,9 Uhr, im Saale des Hrn. Michael, gr. Windmühlenstr. 7: Sozialistenversammlung. Sozialpolitische Leipzig. Tagesordnung: Rechenschaftsbericht des Agenten. Rundschau. Referent Werner II. 70) Der Agent. Ottensen. 4a.SW verbunden mit Concert und Ball in Burmeisters Salon und ar« rangirt vom„Oltensener Arbeucrverein". Festrede geHacken von Hrn. Aug. Hörig aus Hamburg. Karten sind an den bekannten St llen zu haben. Enlröe für 1 Herrn u. Dame 40 Pfg� An der Kasse 50 Pfg. Damen 15 Pfg. Kaffenöffnung 7 Uhr, Anfang 8 Uhr. DaS Comitö. Patentirte neue Erfindung. Zur Ausbeulung eines vor kurzem paientirten Artikels(Metall» brauche) worin voraussichtlich ein bedeutender Absatz zu erzielen ist, wird ein Gesinnungsgenosse mit einer Kapitaleinlage von 500 Mk. als Associv gesucht.[-2,10 Schriftliche Offerten unter E. 100 bes. d. Exped. hier in nächster Zeit mit der Gründung einer„Staatssozialisten-! � Partei" vorzugehen, haben gestern bedeutend an Terrain verloren. w Lörrach, 7. Februar. Wir hatten hier vor kurzemZeine sehr gut besuchte Volksversammlung, in der Genosse Lehmann aus Pforzheim über das Thema:„Was wollen die Sozialdemokraten" in zweistündiger Rede die Prinzipien der Sozialdemokratie unter � allgemeinem Beifall klarlegte. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Zum Schlüsse der Versammlung forderte der Referent _____________________________________________________ Für Parteiblätter! zu wiederlcg, n, doch wurde es dem Genossen Nauert unter all- Ein solider Parteigenosse(Schrifts. her) mit gulen Kenntnisse» gemeinem Beifall leicht, seinen Standpunkt zu behaupten. Viele und gewandter Feder, schon lange brodlos, sucht eine Stelle als der Bersammelten waren wohl mit ganz anderen religiösen Ge- Redakteur eines Partelblattes oder als Setzer an einem solchen. fühlen in die Versammlung gekommen, als sie dieselbe verließen, � Z�lbe wa« btt"!°uch d,e Ag,tat,ou mit zu übernehmen. t. KB. Alle Parteiblättcr werden um Gratis Aufnahme gebeten. Den Parteigenossen dringend zur Verbreitung empfohlen: Rundschau. Organ für sozialistische Propaganda. ______ �—___...-■, Erscheint mvnallich einmal und kostet durch die Filial-Expeditionen noch zum Abonnement auf die sozialistische Presse, namentlich bezogen 15 Pf., auf der Post vierteljährlich 60 Pf. excl. Bringerlohn. ans den„Vorwärts" und das„Bairisch- Pfälzische Volksblatt" auf. Verlag: Amclungftr. 5, Hamburg. Eoburg. Sonntag, den 13. Januar tagte lyer eine stark be-——' 7�~ uchte Versammlung, iu welcher Genosse Grillenberger aus lVrt'ltVrt'7\" Nürnberg über die„Zuchthausarbeit" einen allseitig mit Beifall HVlIlv'+ aufgenommenen Bortrag hielt. Am Schluß der Versammlung rr wurde� eine Petition an den Reichstag um Aufhebung resp. Be-> Jllustrirter Kalender für das aroeltende Volk pro 1878. (Dritter Jahrgang.) Gegen die Vorjahre bedeutend vergrößert(132 Sellen stark). ist in nocd geringer Anzahl vorräthig-."•8 Trotz der gediegenen und reichhaltigen Ausstattung kostet der«a- lender geheftet nur 40 Psa.» gebunden und mit gutem Schreib» papier durchschossen 6(1 Pfg.» gegen boar oder Postvorschuß. Den Bestellern von Tmzel- Exemplaren ist anzuempfehlen, für jedes Exemplar brochirt 50 Pf.» gebunden 70 Pf., einzusenden, woftr wir es franco per Kreuzband zusenden. Die Lieferung des Kalenders erfolgt nur gegen baar oder Postnachnahme. Iret- Ksempkare werden nicht aögegeöen. Auf Posten von 1 Dutzend aufwärts berechnen wir brochirt Pf. pro Stück i«. gebenden 40„„"}«tto gegen baar. Expedition des„vorwärts", Leipzig, Färberstraße 12/11. Krpcdition der„Ireicn jjfreffe", Berlin, Kaiser Franz Grena» diervlatz Nr. 8a Erpedition des„KamLurg-Aktonaer Volksbtatts", Ham- bürg, Amelungstr. 5. Die Expedckion des„Vorwärts". Leipzig, Färbeistraße 12 II. schränkung der Zuchthausarbeit mit zahlreichen Unterschriften bedeckt. Gewerkschafts-Confcreuz in Gotha. Dieselbe findet am 24. ds. MtS. daselbst in Hartmanu's Restauration(Erholung) am Tammweg statt, und beginnt Vormittags S llhr. Die ankommenden Delegirten werden von Genossen— an rothen Schleifen erkenntlich— auf dem Bahnhof empfangen werden. Wir ersuchen die Gewerkschaften, welche die Conterenz beschicken, ihre Delegirten bei Hrn. Bock, Mühlgrabenweg Nr. 3 in Gotha anzumelden. Kapell. XL. Bitte alle Parteiblätter um Aufnahme. D. O. Eßlingen.(Zur Beachtung.).Die Unkosten der kürzlich statt- gesmidenen Stadtschuli heißen-, Gemeinderaths- und Bürgerausschuß' wählen betrogen ca. 500 Mark. Zur Deckung demselben werden in den nächsten Tagen Sammellisten ausgegeben. Abrechnung erfolgt in der „Süddeutschen Volkszeitung". Um rege Beteiligung der Parteigenossen ersucht Das Comitö. Zur Beachtung. Um die Agitation in unserer Gewerkschaft zu beleben, ersuchen wir 2,00) die Parlii-Agenten für Mecklenburg, Schleswig Holstein, Lauenburg und Hannover sowie die Bevollmächtigten anderer Gewerkschaften, uns Adressen Äeraniwortl cher Redatt-ur: Hermann Helßig in Reudnitz-L-ipzigp �rfinotSov-vr, ,, r. CC* 1 1 /.£«•«• S,,,_ n*■"""'' von Schneidern zu übermitteln. Das Agitations-Comit« für den Ham burg-Altonoer Kreis will nämlich eine planmäßige Agitation im ganzen Redaktion uttd Exvedllion Färberstroß« 12. II in Leipzig. Druck und Verlag der Genoffenschastsbuchdruckir-i in Leipzig.