erscheint in Jeipiiz »!tt»»ch, Freitag, Sonntag. Abonnemcnlspreis ga>'� Teutschland 1 M. e« Ps. rrr Quartal. Monat?- Abonnements »erdin bei allen deutschen Postanstalten' «nsden 2. und 3. Monat, und aus den «.Monat besonder? angenommen: im sttbnigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Altenburg auch aus den tten Mona» oe? Quartals ä 54 Pia Inserate detr. Versammlungen pr. Petitzeile tv Ps� betr. Privalangelegenheitm und Feste rrö Petitzeile 3« Ps. Vestellunzen nehmen an alle Postanstalten und Buch. Handlungen des In- u..Auslandes. Filial» Expeditionen. «ew-Iorl: Soz.-denwkn Aenosteu- schastsbuchdruckerei, 154 Rllleicl�s Str. 'Philadelphia: P. Haß, SSO North 3ia Ktroa:. 3.«oll, 1129 Charlotte Str. Hoboien N.J.: F. A. Sorge, 215 Washington Str. tlhicago: A. Lansermann. 74 Ciyhourtic ?on FranziSco: F. End. 4:9 C l'arroll 8-e London W.: C. Henze. S N'"» t Golden Sqafir* Hmtrat Organ der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 23. Sonntag, 24. Februar. 1878. ■BESSm?! Abonnements aus den„Vorwärts" hür den Monat März zu 55 Pfennig werden bei allen beut- schen Postanstalten, für-Leipzig pr. Monat zu KV Pf. bei der Expedition, Färberstr. IL II, unserm Kolporteur M.Ulrich, Hohe Str. L3, Hof pari., in den Filialen: Eigarrenladen desHrn.Peter Krebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkst, am Königs- platz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpedittonen: für ?«rkmarsdorf, Zleudnitz, Meuschönefeld ic. bei Frau Engel, Neudnitz, Täubchenweg L9, 2 Tr., für Connewitz:c. bei Hackert, I Kurze Str. 10 pari., für Kkeinzfchacher u. Umgegend bei Trost, Hauptftr. 10/1, für Jhonöerg bei B öfch, Hoipitalstr. 39/11, Leipzig, Jleuren�titz bei Zfcha«, 15 1, für Magwih- Lindenau bei Frau Sräfenstein, Aurelienstr. 3. für Colitis jc. bei A. Hermsdorf, Lmdenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der i Papiermühle, angenommen. Für Merlin wird auf den„Vorwärts* monatlich für 75 Pf., rn m's Hans abonnirt, bei der Expeditton der„Berliner Freien sse", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz La, und bei Rubenow, nenstr. 34, im Laden. Das deutsche Volk aber bleibt am Leben und wird einen anderen Bau vollenden, auf dessen Höhe nicht die Pickelhaube thront, sondern die Friedenspalme wächst. Lotterie- und Spielkartenstempelsteuer. Daß fich das Bismarckische„deutsche Reich" immer in großer Verlegenheit darüber befindet, wenn es seine ungemessenen Bedürfnisse befriedigen soll, ist allgemein bekannt; es geht dem herrlichen Reiche so, wie ein m Schlemmer, der mit seinem an- ständigen Einkommen seine übergroßen, unnatürlichen Be- dürfmsse nicht befriedigen kann. Und dennoch sollen dieselben befriedigt werden! Der Schlemmer ergreist zu allerlei Auskunftsmitteln, er spielt, er spekulitt— er hat Glück, er gewinnt, er schlemmt weiter. Günstigen Falles treibt er es eine längere Zeit noch so, bis das Glück umschlägt, oder er durch einen Schlagfluß niedersinkt. Das deutsche Reich spekulirt auch, um seine Bedürfnisse be- friedigen zu können, es spekulitt auf den Steuersäckel des Volks. Derselbe ist schon dermaßen geleert worden, daß tiefe Ebbe in ihm herrscht; aber dennoch muß— da die Reichsbedürfnisse immer mehr steigen— immer weiter aus ihm geschöpft werden, ohne daß man bedenkt, daß dadurch schließlich die Lebensfähig- keit der Nation leidet. Gerade zu possierlich ist es, anzusehen, auf welchen Schleichwegen und mit welchen Finten man sich an den Steuersäckel des Volkes hinanschlängelt, ja possierlich, wenn es nicht so sehr ernst wäre. Da merkt man, daß das mäßige Taschengeld des Rauchers 8ar zu gering ist, daß derselbe wohl etwas tiefer in die Familien- iffe greifen könnte, daß Weib und Kinder wohl noch etwas weniger und schlechtere Nahrung zu sich nehmen könnten, damit der Tabak dem Verschwender, deutsches Reich genannt, neue Mittel zuführe, seine colossalen Bedürfnisse, die vielfach in allerlei Putz und Staat zu finden sind, befriedigen zu können. a-.t* schie'0t man sich an die Börsenherren und befühlt ihre °b sie erleichterungsfähig find, und muß zu großer Be- «gw hf J'"i.' man die rechte Zeit, die Gründer- und Schwindlerperiode verabsäumt hat. Einzelstaaten in Deutschland verdienen jedes ?j?(4 w Sümmchen durch die angestachelten Leiden- schaften des Zolles, durch die Lotterie, die Einzelstaaten ver- fuhren ihre"gen-n Staatsbürger zum Lotteriespiel! Weshalb sollte denn nicht«uch das Reich von solcher Unmoralität profi- ttren? Da Ware es doch schön dumm— wie der Berliner saat Also eine Reichslottcriestcmpelabgabe.«mmer i-gr. So will das deutsche Reich das ftevle Lotteriespiel sanktio- niren, es will fich zum Oberspielmeister der Lotterie degradireu. während alle anständigen Leute jedes Hazardspiel und auch das Lotteriespiel als unmoralisch verdammen. Das deutsche Reich aber braucht Geld und ein Heruntergekommener fragt wenig nach der Moral. Wenn diese Steuer dem deutschen Reichstage vorgelegt wird, dann dürste doch wohl ein Theil oer Reichsboten die Aufhebung des Lotteriespiels in Deutschland überhaupt verlangen. Das wäre die beste Antwott auf die Regierungsvorlage. Aber die Kartenspieler, die Wirthe, sie können es leiden, ruft Jst0" U"d flugs wird eine Reichsspielkattensteuer projektitt. Wes- « Schachbrettsteuer, keine Billardsteuer, keine Steuer iml Trli �nen' Landpartien, Veranstaltung von Gesellschaften tini, Qut� 00,1 Hoffesten, wenn man die Unterhaltung e.i» besteuern will? Will man aber die Möglich- h/tnn LrrJ"'& out den Kotten Hazardspiele gettieben werden, besteuern � bie Wetten � bei Pferderennen ic. ic! a,Hf. Schritt und Tritt die Ungerechttgkeit liegen vralität, die in den projektirten Steuern IS mnü tLS* wrliche deutsche Reich braucht Geld. n™™ t t�un' wenn er mit seinem Ein- L s � seine Bedürfnisse einschränken. Beschneide das dcutsche Reich lediglich den Militarismus in aus- kömmlicher Weise, so wird es fich aus einem Schlemmer noch zu einem ziemlich anstandigen Manne entwickeln können. Sein Ruf nach Innen und Außen wird fich bessern, und das Volk wird vielfach gesunden.--- .Aber welche Zumuthung!? Das hieße der Katze zumuthen, das Mausen zu lassen, wenn man von den. bornssifizitten beut- Wen Reiche verlangte, die glänzende Pickelhaube abzulegen- dann wäre das deutsche Reich ja gar n.cht das„deutsche Reich". Run, dann lassen wir dies deutsche Reich einfach seine Wege vi« wird ihm gehen gleich dem Schlemmer, der durch den schlagfluß meist eines jähen Todes stirbt. Ans den Vereinigten Staaten. Newyork, 6. Februar. Dieser Brief ist dadurch verzögert worden, daß die zu be- richtenden Ereignisse sich immer auf's Neue verwickelten, und selbst heute noch nicht ihren Abschluß gefunden haben. Der große Cigarrenmacher-Ausstand ist durch den Hunger überwältigt worden. Als dauernden Gewinn davon für die Be- siegten sind zu verzeichnen daß völlige Aufhören der Hausarbeit, die Bildung eines großen Gewerkvereins unter ihnen, die nie vorher einem solchen angehört hatten, der abgelegte Beweis, daß eine Arbeiter-Organisation, welche improvifitt wa», in jeder Be- ziehung musterhaft verwaltet werden und einen heldenmüthigen Widerstand leisten konnte, die in weitesten Kreisen für eine ge- rechte Arbeitersache erwachte Theilnahme und wenn auch unge- nügende, doch großartige Hilfe, endlich daß die Sieger nicht triumphiren. Nur einzelne der Letzteren wagen ihren Heber- muth zur Schau zu tragen, und nur wenige der Führer des Ausstandes haben bisher noch keine Arbeit gefunden. Bor drei Wochen begann ein anderer großer Stttke in der Schuhmacherfiadt Lhnn bei Boston, weil die meisten der Arbeit- geber verlangten, ihre Arbeiter sollten aus dem„Orden der Cttspiner", der großen-Schuhmacher- Gewerkschaft, austreten. Die Sache hat ebenfalls mit einem stillschweigenden Wassenstill- stand geendet, wohl weil der Einttttt des strengeren Winters große Bestellungen brachte(denn fast alle amerikanischen Fabriken arbeiten nur noch auf Bestellung. Da die Crispiner gut(leider geheim) organifitt find, war auf alle Fälle keine Niederlage zu erwarten. Die Weber und Spinner vom Fall River in Massachusetts haben zweimal kurz nach einander einige ihrer Arbeitgeber vor Gericht gezogen, weil dieselben das Zehnstunden-Gesetz verletzt hatten. Beide Male saßen Richter, welche Mittheilhaber der Fabttken waren, und wiesen die Klagen als unbegründet zurück, „weil kein Zwang zu längerer Arbeit stattgefunden habe". Die Arbeiter hätten ja die Arbeit verweigern können. Da- mit nicht zufrieden haben die Baumwollen Lords abermals die Legislatur um Aufhebung des Zehnstundengesetzes(welches die meisten von ihnen mit Füßen treten) angegangen; diesmal wird von den Unseren eine allgemeine Gegen- Agitation in's Werk gesetzt. Der von mir schon besprochene All-Gewerkoerein,' die beab- fichtigte nationale und internationale Verbrüderung aller Ar- bester findet mithin Beifall, und in Kurzem wird der vorläufige Rahmen dafür geschaffen sein. Bis jetzt regt sich die Theilnahme dafür fast nur unter den Englischen, während die polittsche Parteithätigkeit fast ganz auf die Deutschen fich beschränkt. Doch mehren sich die Anzeichen, daß beide Bewegungen Hand in Hand gehen werden. Die neugeschaffenen Parteiblätter nehmen ficht- lieh an Lesern zu. Die anfangs voriger Woche entstandene „Newyorler Volkszeitung", ein großes Tageblatt, beginnt unter merkwürdigem Erfolge. In Baltimore, Maryland, soll binnen einigen Wochen ebenfalls eine tägliche Pattcizeitung erscheinen. Kurz— es geht endlich vorwätts. Eine ganz überraschende Stärke hat auf einmal im Kongreß die Papiergcld-Partei entwickelt, indem sie sich mit den Silber- geld-Leuten verbündete. Es scheint, daß sie ,n beiden Häusern des Kongresses zwei Drittel aller Stimmen gewonnen hat, so daß sie das zu ermattende Veto des Präfidenten wird über- stimmen und ihre„Silber-Bill" wird zum Gesetz erheben können. Da gleichzeittg auch zwei Beschlüsse gefaßt worden sind, welche fich gegen alle Lieblingspläne der kapitalistischen Verschwörung erklären, so mag dadurch die alte Patteibildung vollständig zer- stört, und eine neue in's Leben gerufen werden. Es herrscht deshalb eine allgemeine Aufregung und das Ende davon kann kaum abgesehen werden; jedenfalls aber wird allmälig die ge- sammte Nation in die Besprechung der Arbeiterftage hineingc- trieben. Was die Grecnback- Partei will, habe ich Ihren Lesern schon beschtteben. Sie ist in sich gespalten und hat deshalb eine Kon- vcntton für Anfang Mai nach Toledo berufen, wo nun natür- lich auch die Silberleute verteten sein werden. Die letzteren wollen Silberdollars, wie sie ftüher unsere einzige Währung bildeten(zu 412>/z Gran Silbergewicht) neben den Golddollars mit Zwangsumlauf ausstatten, obwohl sie diesen gegenüber etwa 8 Cents weniger werth find; und mit diesem Silbergelde wollen sie die Nationalschuld bezahlen, d. h. abgerechnet, was dergestalt unbezahlt bleibt. Diese neue Parterfraktton ist von den Besitzern der Silbcrgruben in Nevada, den reicbsten in der Welt, in's Leben gerufen. Die große Ausbeute dieser Gruben ist es, was seit einigen Jahren den Silberpreis um etwa ein Elfte! im Weltmarkt herabgcdrückt hat; und da nun am 1. April der Tunnel unter den„Kowstock Minen" fettig werden soll, ein von dem Deutschen Sutro geleitetes Riesenwerk von einer deutschen Meile Länge, welches alle diese Gruben entwässern und zugleich lüften soll, so würde der Silberpreis dann noch viel ärger sinken, wenn die Nachfrage nach diesem Metall behufs Geldprä- gens wcht künstlich gesteigert würde. Tie Silberkönige und ihre Vasallen sind also eine unver- hohlen kapitalistische Sippschaft. Wie können die Papierleute mit ihnen gehen, welche durch Zwangspapiergeld alles Hartgeld aus dem inneren Verkehr treiben wollen?„Tie Politik macht seltsame Bettkameraden", sagt ein englisches Sprüchwort. Es ist also einleuchtend, daß diese Bundesgenossenschaft nur für einen naheliegenden Zweck gestiftet ist. Dieselbe will die Kapitalisten- Verschwörung dadurch sprengen, daß sie die auf nächstes Neu- jähr verordnete Wiederaufnahme der Baarzahlungen verhinderte, wodurch zugleich den Nationalbanlen der Krieg erklärt ist. Es bedarf eines besonderen und ausführlichen Briefes, den ich ge- legentlich liefern werde, um die Geschichte unsers Papiergeldes, Nationalschuld- und Nationalbankwesens, also auch die Tragweite der Kapitalistenverschwörung und die leidenschaftliche Auflegung der beiden Heerlager begreiflich zu machen. Seit ich diesen Brief begonnen, hat die neue Partei im Repräsentantenhause wieder einen Schlag zu führen gesucht, welcher ihre Gegner in's Herz treffen soll— sie hat mit einer Mehrheit, welche beinah an zwei Drittel der Sttmmen reichte, ihre Absicht erklärt, eine Einkommensteuer auf das Kapital zu legen. Bei dieser Abstimmung war der ganze Süden(die vor- maligen Sklavenstaaten) einig, und der Westen fast ganz für die Steuer. Es ist eine wahre Lust, die Wuth, die Niedergeschlagen- heit, die verbissene Leidenschaft der östlichen Großkapitalisten zu beobachten. Ihre Organe gehen soweit, die neue Pattei als Kommunisten, als geheime Bundesgenossen der Arbeiterpartei zu denunziren, worüber man sich krank lachen könnte. Sie sehen also, daß endlich, endlich das Eis der Gleichgülttg- keit des Volkes gebrochen ist; die Politik kommt wieder in Fluß, es will Frühling unter den Menschen werden. Es ist zu er- warten, daß die beiden neuen Parteien— die tapitalfeindliche und die kapitalfleundliche— in's Volk herabsteigen und die ausführliche Besprechung ihrer Absichten und Grundsätze diesem mundrecht machen müssen. So wird die große Masse an's Nach- denken über Dinge gewöhnt, welche ihm bisher viel zu fern lagen, nationalökonomische Fragen; und wir Sozialisten können, ohne die Kosten davon decken zu müssen, an ein bereits erwecktes Selbstdenken des VolkcS appelliren. Die neue kapitalfeindliche Partei wird erstaunlich rasch die Volksmehrheit erringen, aber, da sie ein Humbug ist, ebenso rasch sich abwirthschasten— und unsere Schuld wird es dann sein, wenn wir nicht ihre Erbschaft eum beneficio inventarii antreten. Die vorige Woche begründete tägliche„New-Iorker Volks- zeitung", jetzt das größte sozialdemokratische Organ der Welt, ist ein erfolgreiches und zeitgemäßes Unternehmen. Auch in Baltimore und in Chicago geht man ernstlich an's Werk der Gründung von Tagesblättern unsrer Partei, welche unbedingt nöthig sind, um die kapitalistische Tagespresse aus den Händen der Arbeiter zu verdrängen. Natürlich wird dasselbe Bedürfniß nun auch bald ein sozialdemokratisches englisches Tageblatt schaffen; die Schwierigkeit bei allen solchen Unternehmungen ist das Fehlen geeigneter Redakteure, welche ganz in unsre Politik und Landesverhältnisse eingeweiht und nicht blos tüchtig als Schriftsteller, sondern auch als Sozialisten sind. Aber wo eine rasche Entwicklung, eine auflegende Bewegung einmal eingeleitet ist, muß diesem Mangel rasch abgeholfen werden können. Es häufen fich gegenwättig die Nachrichten, welche ich Ihnen mitzutheilen hätte, so sehr, daß ich es vorziehe, Sie wegen der- selben auf die„New Aorker Bolkszeitung" zu verweisen, welche Sie immer eher bekommen können als meine Briese. Die letz- teren werden sich also künftig auf Bturtheilungen der hiesigen Ereignisse beschränken. Sozialpolitische Ueberficht. — Zu der Mittwochsitzung des Reichstags hatte das Publikum sich massenhaft zugedrängt. Nur die Wenigsten konnten auf die Tribünen zugelassen werden, und diese„Glücklichen" dürften während der Dauer der parlamentarischen Haupt- und Staatsaktion wohl manchmal die an den Pforten Zurückgewie- senen— beneidet haben, denn die Vorstellung war in der That grausam langweilig, ganz das Gegentheil dessen, was der große Haufe erwartet hatte— freilich genau so, wie jeder Vernünftige es fich gedacht. Um IL sollte die Sitzung beginnen; das heißt um 12'/«. da im Reichstag„das akademische Viettel" gilt. Es wurde aber'/zl, ehe das Präsidium Anstalten machte, den Vor- hang aufzuziehen. Die unruhigen Blicke der Burcau-Jnhaber und sonstigen Eingeweihten verriethen, daß Etwas nicht in Ord- nung war. ER fehlte! Die Jliade ohne Homer! Die Orient- debatte ohne den„Herkules seines Jahrhundetts". Entsetzlich) Unmöglich! Plötzlich erheitern sich die Gesichter: die Sonne ist aufgegangen. ER taucht durch das bekannte Hinterthürchen auf, begrüßt den olympisch lächelnden Forckenbeck, verbeugt sich nach zwei Himmelsgegendin, wischt sich die Nase und das Antlitz uud „die Sitzung ist eröffnet". Es kann losgehn. Da, plötzlich wieder die unruhigen Blicke von vorhin. Was ist geschehn? Hilf Himiwel! SEIN Platz ist leer- nirgends die klassischen gelben Epaulettes mit der runden vorn etwas unebnen und behaarten Billardkugel darauf ER ist spurlos verschwunden. In gedrücktester Stimmung wird der erste, rein formale, Punkt der Tagesordnung erledigt. Forckenbcck's Mienen werden„bang und bänger". Schon beginnt die Verlesung der Interpellation, die Situation fängt an desperat zu werden. Doch— wenn die Roth am größten, lst ER am nächsten. Gerade im Moment, wo Forckcnbcck und die Getreuen sich der Verzweiflung übellassen wollen, steht ER, wie ein Dens ex maelüna aus den Wolken ge- fallen, neben dem Bureau und erklärt huldvoll: ICH bin bereit die Interpellation zu beantworten. Ein freudiges Äh! entringt sich der Brust der Gelreuen. Bennigsen springt vor und hält die bestellte Jnterpellations- rede. Verzeihung: nicht bestellt. Die böse Welt hatte es geglaubt, Fürst Bismarck hat es aber für eine arge Verleumdung crklätt. Und unzweifelhaft hat ER auch recht. Tie Interpellation«or nicht bestellt, sie war— freiwillig epportirt. Wer konnte auch den Herren Bennigsen und Genossen die UnHöflichkeit zutrauen, auf eilte Bestellung zu warten. Der Nationalliberale comins il faut hat SZJNEN Wünschen zuvorzukommen. Was Bennigsen gesagt, das wissen unsere Leser, ohne daß wir es ihnen zu sagen brauchen: wie er es gesagt, das ist das Bemerkenswerthe.„Tadellos saß thm Rock und Höschen", auch die Krawatte war tadellos geknüpft, du weiße Weste hätte dem Oberkellner des„Kaiserhos" nicht zur Schande gereicht, und die Stimme war ölig wie die des Pastor Stöcker. Und so sprach er eine Viertelstunde lang vre rotnuüo—„mit rundem Mund" das übliche„tönende Nichts". Es war vortrefflich auswendig gelernt, und nur zweimal trat eine kleine Stockung im rieselnden Wortfluß ein.— Er ist fertig. Großer Moment. ER erhebt sich.„Ich habe Ihnen nichts Neues zu sagen, und spreche blos deshalb, damit man nicht glaube, ich habe etwas zu verschweigen." Dies wurde im Laufe der beinah ein- stündigen— Plauderei über die orientalische Frage und Alles, was dazu gehört und nicht dazu gehört, mit peinlicher Wortgetreuheit genau dreimal wiederholt, und es ist in uuoe„die Antwort des Fürsten Reichskanzlers auf die Orientinterpellation". Mehr bat ER nicht gesagt— außer allenfalls noch, daß ER und Andrassy wie zwei Brüder verkehren, die keine Geheimnisse vor einander haben(ob es dem„Bruder" Andrassy nicht in die Ohren ge- summt hat?), daß die Dardanellen eine reine Lappalie sind— -i la„Bischer. Herzegowina" und ähnliche Geiftreichigkeiten, die freilich der gemaleu Argumentation, durch Nichtssagen zu be- weisen, daß man nichts zu verschweigen hat,— das Wasser nicht reichen. ER sprach sehr schwach, mit klangloser Stimme, und machte überhaupt auf seine Bewunderer einen deprimirenden Eindruck. Sie hatten den„kaputen Mann" schon ganz vergessen, und sich einen kraftstrotzenden„Percy" oder„Achilles" vorgestellt der das deutsche Reichsschwert stolz schwingen und der Welt ihre Bahnen vorzeichnen würde. Und statt dessen diese abgemagerte Gestalt, die nicht einmal die Kraft hatte während der ganzen „Rede" zu stehen, und diese bis zur Kleinlautigkeit bescheidene und zahme politische Wochenstubenplauderei! Die Enttäuschung war zu groß— das von einigen Heiß- spornen beabsichtigte Bertrauensootum wandelte sang- und klanglos in den Orkus des reichstäglichen Papierkorbs. Um ihnen die Bitterniß etwas zu versüßen, verschänkte Herr Hänel ein Fäßchen seines bekannten Syrups, der diesmal indeß nicht so flüssig war wie sonst— auch dieser Waare scheint die Verfälschung sich bemächtigt zu haben. Wie dem aber sei, als richtiger Fortschrittler hat Herr Hänel dennoch das Kunstf ück zu Wege gebracht, Herrn Bennigsen in dem Wettrennen um die Palme der Servilität glänzend zu schlagen. Herr Bennigsen möge sich hüten, daß ihm der„Vieekanzler" von seinem talentvolleren Collegen nicht vor der Nase weggeschnappt wird! Nach dem Syrup der Essig. Abwechslung muß sein. Kein scharfer, kräftiger Essig. Ziemlich schaal und abgestanden— wie der Kulturkampf, den auch Herr Windthorst müde ist. Nur ein paar Tropfen waren recht beißend, sogar mit etwas Scheide- Wasser untermischt. Und als sie nach dem Stuhl hingespritzt wurden, auf dem der Gewaltige thronte, da übergoß ein bläu- liches Roth SEIN erdfahles Antlitz und der Zorn, der nach dem lateinischen Sprichwort den Dichter macht, hatte IHN beinahe zum Redner gemacht. Heftig sprang ER auf und es gelang IHM mehrere Sätze ohne zu stocken vom Stapel zu lassen. Bethusy Huc gratulirte IHM zu diesen und anderen Thaten in einer zum Unglück nicht gut memorirten Rede. Der vielver- kannte Staatsmann in spe, der an einer bedauerlichen Gedächt- nißschwäche leidet, blieb seiner Gewohnheit nach stecken und wurde von den eigenen Genossen schnöd ausgelacht. Armer Bethusy! Er ist wirklich nicht so harmlos, wie die Welt meint; er hat eine gewisse Begabung, allein leider noch hundertmal mehr Pech, und seit er„den Strom der Zeit an der Stirnlocke gepackt", hat das Pech sich an seine Sohlen geklebt und läßt mit unerbittlicher Regelmäßigk.it ihn in jeder Rede, durch welche er sich denWeg zu einem Minister- oder Gesandtschaftsposten ebnen will, jämmerlich stecken bleiben. Widmen wir ihm eine Thräne des Mitgefühls. Und betrachten wir den Mann, der, nachdem Bethusy Huc in seines Nichts durchbohrendem Gefühle zusammenklappt, auf die Rednerbühne eilt. Es ist Komierowski, ein Pole. Die Polen des deutschen Reichstags sind in eigenthnmlicher Lage. Sie sind eingebannt zwischen die Szylla der Gesinnungslosigkeit und die Charybdis des Hoch- und Landesverraths. Das muß im Auge behalten werden. Komierowski verlangte, daß der bevorstehende Congreß sich der Polen in Rußland erbarmen möge. Das Haus hörte ihn eisig still an. Und der Pudel gewordene Löwe von Calbe, der nächstfolgende Redner, konnte sich nicht versagen, dem Die Folgen der czarischen Reformen. Skizzen über die Ausbeutungsfortschritte in Rußland in den letzten Jahren. (Aus der neulich erschienenen russischen sozialistischen Revue„Vorwärts" fWperods Bd. V. London.) (Fortsetzung.) IV. Also neunhundertvierundsechzig Millionen Rubet (mehr denn 2 Milliarden Mark) perschlingt jährlich die russische Staatsmaschinerie. Und was erhält das Volk für die mit seinem Blut und Schweiß geschaffenen Gelder? Nichts! Aber nicht nur das, die russische Staatsmaschinerie hemmt auch noch jeden Fortschritt und die Produktivität des Volkes, sie befestigt die Sklaverei und schützt die Interessen der prioilegirten Klassen. Aber das scheint dem unersättlichen Ungeheuer noch nicht ge- nügend. Diese Milliarden Rubel stillen sein Verlangen keines- Wegs. Alles das, was die Regierung dem Volk gütigst über- läßt, nehmen ihm die Helfershelfer der Regierung, die Kapita- listen, die Börse, die Finanzmänner— überhaupt alle Diejeni gen, die mit dem Strom schwimmen. Und das Mittel, das die guten Leutchen die Finanzmänner— dem heißhungerigen Patienten verordnen— dieses Mittel heißt: Staatskredit. In den schon längst vergangenen Zeiten machten die Regie- rungen Staatsanleihen nur ausnahmsweise, die erst dann zu nahmen, als die Finanzmänner die Anleihen in ein„System" brachten. Wahr ist es, daß auch schon früher das Streben nach Beraubung seines Nächsten existirt hatte, aber die Mittel zu diesem„edlen" Gewerbe waren nicht vollkommen. Erst mit der Entwickelung des Kapitalismus entwickelten sich auch dessen Eon- sequenzen. Wie bekannt, besteht das Streben des Kapitalismus nicht in Produzirung nützlicher Artikel, sondern in Heranbildung und Aneignung der Mehrarbeit. Die Absicht des Kapitals ist— das Aufhäufen. In seinem natürlichen Streben nach Aneignung und Anhäufung findet das Kapital einen Hemmschuh in der von ihm künstlich geschaffenen Beschränktheit der Bedürfnisse der Massen, die die Ueberproduktion und deren Folgen: die Krisen, die Fallissements, die Verschlingung des einen Kapitals durch das andere bedingt. Das Kapital geht zu Grunde durch sein � noch nicht tobten, doch todtwund daliegenden Polen den obligaten !— Löwentritt zu geben. Der sozialistische Abgeordnete, der nun zum Wort kam, führte die Debatte wieder auf den Kernpunkt zurück, geißelte die Politik der deutschen Regierung, die er für den rusfisch-türiischen Krieg und dessen Folgen verantwortlich machte, plaidirte energisch für die Wiederherstellung Polens, bezeichnete den moralischen Bankrout der europäischen Staatsmannschaft als einzige erfreu- liche Errungenschaft der Orientkrise und führte aus, daß der Congreß höchstens einen faulen Frieden zu Stande bringen könne. Wa: werden auf Liebknecht's Rede zurückkommen. Wäh rend einiger Theile derselben, namentlich bei d?m Passus, be- treffend Polen gerielh Fürst Bismarck in starke Aufregung und zerknitterte krampfhaft das Papiers, welches er in der Hand hatte. Er ließ sich zu einer Erwiderung fortreißen, die er indeß an die Adresse Komierowski's richtete und ihm aus dem Saale her- aus den kritischen Zuruf: Kalauer! zuzog. Wir fürchten, wenn Fürst Bismarck einmal stellenlos werden und seine Dotationen u. s. w. verlieren sollte, würde er beim„Kladderadatsch" nicht mehr zu verwenden sein. Noch pro korma ein kurzer aber nicht guter Epilog des Herrn v. Helldorf— und die Haupt- und Staatsaktion war zu Ende. Ohne Ovation für den Fürsten Bismarck, weshalb die reichstreuen Volksvertreter in keineswegs„gehobener Stim- mung" nach Hause, oder richtiger ins Wirthshaus abzogen. Es war 5 Uhr geworden. Also 4'/z Stunden hatte man nöthig gehabt, um dem Reichstag zu sagen, daß man ihm nichts zu sagen habe. Es ist doch ein herrlich Ding, dieser Parlamen- tarismus, besonders die preußisch-deutsche Spielart. — Auch in Wien und Pest gab es in diesen Tagen Orientinterpellationen. Ergebniß: nachzulesen in unserem Bericht über die deutsche Jnterpellattonskomödie. Sonst ist über den Stand der orientalischen Frage nichts mitzutheilen. Der„Congreß" scheint gesichert zu sein, womit natürlich nichts erreicht wäre als eine Vertagung des europäischen Kriegs. — Entsendung von deutschen Arbeiterdelegirten zur Pariser Weltausstellung. Die„Sozialdemokratische Cor- respondenz" schreibt: „Die am 24. Februar in Gotha stattfindende Gewerk- schafts-Conferenz bietet die beste Gelegenheit, die Beschickung durch Arbeiterdelegirte in die Hand zu nehmen. Wenn es ihr gelingt, eine namhafte Anzahl von Gewerkschaften zu bestimmen, Depmirte nach Paris zu senden, dann hat sie eine That voll- bracht. „Auch glauben wir, daß gerade die Anregung zur Beschickung der Pariser Weltausstellung ein einigendes Band um die Eon- ferenzdelegirten schlingen wird, da ja die eigentliche in Gotha zu lösende Frage, die Centralisattonsfrage, doch vermutlich Anlaß geben wird, die Geister auf einander platzen zu lassen. „Die Beschickung der Pariser Ausstellung aber ist geradezu vorzugsweise eine Gewerkschaftssache; die Vertreter der ein- zelnen Branchen können nicht nur in ihrem und ihrer Gewerkschaft Interesse Fachstudien machen, sondern ihnen ist es auch leicht, mit den französischen und auswärtigen Fachgenosseu Anknüpfungspunkte zu finden, die für das Gewerkschaftswesen in Deutschland immerhin von Vortheil sein können. Hiezu rechnen wir vorzugsweise eine eventuelle Besprechung über die Jmporti- rung fremder Arbeiter bei ausbrechenden Strikes. „So möchten wir unseren Vorschlag den Vertretern auf der Gewerkschafts- Conferenz einer eingehenden und wohlwollenden Erwägung ganz besonders empfehlen. „Zu dem großen Friedensfcste, welches diesen Sommer an der S'ine gefeiert wird, ein leuchtendes Gegenstück zu den bar- barischen wilden Kriegsorgien an der Donau, am Balkan und in Armenien, müssen auch die deutschen Arbeiter Stellung nehmen, sie werden es thun, indem sie mit Liebe und Freudig- keit ihren Brüdern jenseits der Mosel die Hand reichen, im Be- wußtsein, daß die Arbeiter der Kulturländer im Stande sind, die Geschicke der Nationen zum Guten zu wenden." So die„Sozialdemokratische Correspondenz". Wir schließen uns diesem Vorschlage voll und ganz an. — Ein heldenmüthiger Kulturkämpfer. Zu einem Offizier in Altona kam jüngst ein GyPsfigurenhändler und bot demselben Büsten des Kaisers, Kronprinzen, Bismarck u. s. w. an. Der Offizier wollte aber nichts kaufen, da sein Zimmer mit der- eigenes WachSthum. In dieser Eigenschaft des Kapitals lieg sein ganzer Widerspruch, den C. Marx in seinem„Kapital" hervorhebt, und dieser Widerspruch birgt in sich den Keim dez Todes des Kapitals und die Bürgschaft auf Erfolg für die Gegner des Kapitals. Die Kapitalisten fühlen, wenn nicht bewußt, so doch in- stinktiv die organische Krankheit deS Kapitals und find bestrebt, je nach ihren Kräften, ihr entgegenzuwirken. Ein natürliches Mittel dazu ist der Verbrauch eines Theils des„Mehrwerths" außerhalb der Produktion— nämlich es verbrauchen ihn selbst die Eigenthümer des Kapitals, am meisten aber die Börsenjobber und deren gutgenährte und hoffnungsvolle Söhnchen. Aber wie unsinnig die Vergeudung seitens der Bourgeoisie auch sein mag, dennoch kann diese Vergeudung die große Masse des Mehrwerths nicht aufzehren, ksolens volens müssen die Kapitalisten„Er- sparnisse" anhäufen, die im Conkurrenzkampf entweder zu Grunde gerichtet werden oder sich noch mehr vergrößern. Um aber diesem vorzubeugen, griffen die Kapitalisten zu einem sehr sonderbaren Ausweg, nämlich sie suchten solche Leute auf. die genöthigt sind, diese„Mehrwerthe" unproduktiv zu gebrauchen und dem Kapitalisten dafür Prozente zu zahlen. Solche Leute sind die Steuerzahler. Das System der Staatsanleihen ist als das beste und richtigste Mittel, diese Ausgabe zu erfüllen, erkannt worden. Der Staat bekommt als Anleihe bedeutende Summen, die er zumeist unproduktiv anlegt, oder er verwendet sie nur zu solchen Zwecken, die allein dem Kapitalisten nutzbringend sind. Die Kapitalisten gewinnen mehr und mehr bei solchen unproduktiven Vergeudungen des Staates, dazu bekommen sie noch in Form von steuern ihre sicheren Prozente und Abschlagszahlungen. Und so sehen wir, daß die Staatsanleihen die natürlichen Berbün- deten des Kapitals in seinem Kampf um's Dasein ausmachen und ihm zur Fristung seines Daseins dienen helfen. Hätten keine Staatsanleihen existirt, so würden sich Krisen und Ueber- füllung des Waaremnarktes öfters und öfters wiederholt haben. Der Tempel des gesetzlichen Raubes und der Ausbeutung— die Börse— trägt auch viel zur Vermehrung der Staatsschulden bei. Dank den Staatsschulden, die in letzter Zeit fabelhafte Dimensionen angenommen haben, konnte sich die moderne Spe- kulation breit machen. Die Börse, nur um ihr eigenes Interesse besorgt, unterstützt diese Anleihen und fängt durch ihr verfüh- rerisches Angebot die Regierungen in ihren Netzen, aus denen l artigen Figuren bereits reichlich versehen war, musterte jedoch mit einem flüchtigen Blick die Waare und fragte den Händler i plötzlich:„Wer ist denn das, den Sie da stehen haben?"„Las- ! falle!" war die Antwort...Was kostet er?"„Eine Mark!" Der Offizier griff mit einer Hand in die Tasche, mit der andern öffnete er das Fenster, und als der Händler das Geld in die Hände bekam, war der Lassallckopf auch schon ergriffen und mit solcher Gewalt gegen die Wand des Nebengebäudes geschleudert, > daß die Stücke wie Spreu im Hofe herumflogen. Nun ist der Sozialismus sicherlich vernichtet�— Wie wäre es, fragen wir bei dieser Gelegenheit, einem Sozialdemokraten ergangen, der den hohlen, gypsernen Kopf einer Büste des Kaisers an der Mauer zertrümmert haben würde. Majestätsbeleidigungsklage, 6 Monate Gcfängniß! Und das Betragen des„gebildeten" Lieutenants provocirte ja geradezu zu solchen Handlungen. — Im sächsischen Landtage hat man eine Steuerreform eingeführt. Unser Parteigenosse Freytag beantragte, als Steuer- minimum 500 Mark festzusetzen, damit nicht der direkte Hunger — besteuert würde. Die„klugen, satten Leute" aber, die sich in der Majorität im Landtage befinden, stellten das Minimum auf ein Einkommen von 300 Mark fest. Man sieht da wieder recht deutlich, daß in allen„Volksvertretungen" der Geldsack regiert. — Aus der Schweiz. Ein feiger, meuchlerischer Ueberfall wurde am 3. Februar in Zürich an Arbeitern verübt. Es ist bekannt, daß die dortigen Spengler sich schon seit mehreren Wochen im Ausstande befinden; diese nun hatten an dem ge- nannten Tage zu einem erlaubten Zwecke Parouillen ausgestellt, das paßte aber den Arbeitgebern nicht, sie fielen in Gemeinschaft mit einer Anzahl gediegener Raufbolde über die nichts Arges ahnenden Arbeiter her und mißhandelten dieselben mit Todtschlä- gern und ähnlichen Mordwaffen auf die scheußlichste Weise. Die Polizei war, wie das in solchen Fällen ja immer zu geschehen pflegt, passive Zuschauerin. Zu bedauern ist nur, daß die Ar- bester unbewaffnet waren, sie hätten den rauflustigen Arbeitgebern sonst gründlich die Wege gewiesen.— Die Aussperrung der Spengler dauert noch fort. Der Zuzug ist fern zu halten.— Ein Correspondent im„Grütlianer" führt in einem bemerkens- werthen Artikel die Thatsache an, daß in Basel vor Neujahr 200 Säcke(das wären etwa 700 Ctr.) Getreide in den Rhein geworfen worden seien! Das ist unsere herrliche Gesellschaftsordnung. Das Volk hungert— und zum größeren „Profit" der Getretdespekulanten muß das Brod verderben und ins Wasser geworfen werden. — Aus Paris wird unterm 13. Februar gemeldet, daß der Minister des Innern das für einige ausländische Zeitungen er- lassene Verbot der Verbreitung in Frankreich ausgehoben habe. Zu den verbotenen Zeitungen gehörte bekanntlich der„Vorwärts". Ob auch für ihn das Verbot jetzt aufgehoben ist, wissen wir nicht. — Der Londoner Steinhauerstrike hat mit einer voll- ständigen Niederlage der Arbeiter geendigt. Es ist den Meistern gelungen, so viel fremde Arbeitskräfte herbeizuziehen, daß alle Stellen über und über besetzt werden konnten. Ob die englischen Äewerkoereinler die Lehre beherzigen werden? Dann wäre diese Niederlage ein Segen für die Arbeiterwelt. — Leo Xlll. hat?!o novo abgelöst; er nannte ficb früher Cardinal Pecci. Der Name erinnert zugleich, und stammt auch wohl davon ab, an pecus das Vieh und peeunia das Geld. Der neue Papst wird wohl auf die quadrupede Dummhest und auf die Peterspfennige gleich seinem Vorgänger weiter spetu- liren. — Um den Bann zu lösen, in den der„Erbfreund" das wirthschaftliche Leben der preußischen Ostprovinzen durch die Grenzsperre gelegt hat, befinden sich in Petersburg schon fest mehreren Wochen deutsche Spezial Bevollmächtigte, welche mit der' russischen Regierung über Milderung der mannigfachen Erschwernisse, unter denen der wirthschaftliche Verkehr Deutschlands mit Rußland leidet, verhandeln. Kürzlich ist nun der„National- Zeitung" ein Schreiben von der preußischen Ostseeküste zugegangen, welches sich sehr kleinlaut ausspricht. Darnach soll feststehen, daß die deutschen Spezial-Bevollmächtigten so gut wie gar nichts erreichen werden. Etwas anderes war von dem„Erbfreund" nicht zu erwarten; eher fällt die chinesische Mauer, als daß Rußland die Grenzsperre aufgiebt. Bei dieser Gelegenheit sei nur ein Ausweg, der des Bankerotts, möglich ist. Die Vörie läßt sich aber von diesem Bankerott- Gespenst nicht abschrecken. Jeder Börsenjobber ist nur um seine eigene Person besorgt und denkt, daß seine Person, im Fall c ner Katastrophe, sich dem Unglück entwinden werde. Er hofft, seine werthlosen Papiere noch vor einer Katastrophe seinem„Nächsten" abzusetzen; ihn geht es gar nichts an, ob der Staat im Stande sein werde, seine Schulden zu bezahlen; ihm ist es nur daran gelegen, „Profit" beim Verkauf der Staatsobligationen zu machen. Seine Devise ist:„�.prez noua le döluge"— nach uns die Sündfluth. Wahrlich, man sollte diese Devise in feurigen Lettern am Ein- gange eines jeden Börsenpalastes anbringen. Nur daraus, daß die Mitwelt diese Devise schlechthin acceptirt, ist es zu erklären, daß Staaten wie die Türkei, Rußland, Oesterreich u. a., deren Insolvenz einem Jeden einleuchtet, sich noch eines Credits seitens aller europäischen Börsen erfreuen. Auch die„gelehrten" Finanziers haben eine geistreiche Theorie zur Entschuldigung des Staatsschuldenmachens erfunden. Sie erklären, daß vermittelst der Anleheii die Regierungen die Lasten der Ausgaben für allgemein nützliche Unternehmungen auf eine ganze Reihe von Generationen vertheilen. Die Regie- rungen schaffen damit eine große Wohtthat, wie der jetzigen so den künftigen Generationen, indem sie die ersteren von einem Theile der Ausgaben für Unternehmungen, deren Wohlthätigkeit erst de» künftigen Generationen zufallen werde, befreien, wäh- rend sie den letzteren die Möglichkeit verschaffen, die Früchte dieser Unternehmungen zu genießen. Gäbe es keinen Staatskredit, so wäre auch der Held von Sedan und auch seine früheren Hcldenthaten unmöglich gewesen. Für unsere Finanzmänner ist es ganz unwesentlich, was wir einfachen Sterblichen dadurch zu leiden haben:— daß wir, das Volk— gäbe es keinen Staatskredit— nicht gezwungen wären, Jahrhunderte lang den Kapitalisten Abgaben zu zahlen; für sie ist auch unwesentlich, daß, dank den Staatsschulden, der moderne Militarismus möglich geworden ist. Selbstoerständlich wollte das russische Reich bei seinen refor- matorischen Anläufen nicht hinter dem Jahrhundert zurückbleiben. Es überträgt auf seinen Boden jedes Unkraut, welches auf ge- schichtlich vorbereitetem Boden des Westens wuchert, und bedenkt gar nichts ob dieses oder jenes Unkraut für seine Entwickelung nöthig sei. Der russische Kapstalismus hat noch keinen solchen gleich erwabnt, daß in Rußland die Sozialist�nverfolgungen in brutalster Weise fortdauern. Ss sollten erst vor Kurzem in Odessa mehrere Personen, worunter auch zwei Frauen, wegen sozialistischer Propaganda verhaftet werden. Die also Bedrohten, welche selbstredend nicht einzusehen vermochten, daß der Staat ein Recht habe, sie in der Verbreitung einer Idee zu hindern, widersetzten sich, und erst nachdem Militär herbeigerufen und ein förmliches Gefecht geliefert worden war, wobei es auf beiden Seiten Verwundete setzte, erreichten die Schergen der Gewalt ihren Zweck. Und dieser Erbfeind alles menschlichen Fortschritts sollte unser„Erbfceund" sein? — Die Ausweisung unseres Genossen Looff in Chemnitz ist von der Krcishauptmannschaft zu Zwickau bestä- tigt worden! Die Kreishauptmannschaft verordnet, daß Looff nunmehr binnen drei Tagen die Stadt verlassen solle, dafern der Polizeiarzt ihn für transportfähig erkläre. Sie sucht die Ausweisung in derselben Weise zu rechtfertigen, wie die Polizeidirektion zu Chemnitz, und bemerkt noch, daß eine andere Interpretation des Gesetzes der„constanten Praxis" zuwiderlaufe! Demnach wäre die Praxis ein Rechtsgrund!— Looff wird weiter an das Ministerium und in letzter Instanz an den Land- tag rekurriren.— Ob's ihm helfen wird? — Vom Schwurgericht zu München wurde am 16. d. M. der R dakteur des„Zeitgeist", Genosse Rohleder, der erst vor zwei Tagen aus dem Gefängnisse, in dem er drei Monate zugebracht, entlassen worden war, wegen Bismarckbeleidigung, Ber- gehen wider die öffentliche Ordnung(§ 131) und gegen die Religion, zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. Dr. Max Hirsch und die deutschen Gewerk- vereine. Wie unsre Leser wissen, hat Dr. Max Hirsch die edle Dreistig- keit gehabt, für seine„Thätigkeit" als„Anwalt" der deutschen Gewerkoereine ein Jahresgehalt von 3000 Mark zu beantragen. Es ist uns nicht bekannt geworden, welches Schicksal dieser An- trag erfahren hat, aber das ist bekannt, daß er in mehreren Städten seitens der Gcwerkoereinler in einer für den Antrag- fieller gerade nicht schmeichelhaften Weise bekämpft worden ist, und zwar mit Recht. Denn ganz abgesehen davon, daß Dr. Max Hirsch mit seinen Gewerkvereinen keinen anderen Zweck verfolgt, als Arbeiter-„Stimmvieh" für die Fortschrittspartei herbeizu- schaffen, daß er also die rein ökonomische Institution der Ge- werkvereine einer politischen Partei, und zwar einer arbeiter- feindlichen, dienstbar machen will— ganz abgesehen hiervon hat sich jetzt zur Evidenz herausgestellt, daß die Kassenverhält- nisse— namentlich die der Jnvalidenkaffen— der Gewerkoereine gründlich verfahren sind. Daß der Herr„Anwalt" sich also auf einen Posten gestellt hat, dem er gar nicht gewachsen ist. Möglich, daß dies dem Herrn„Anwalt" selbst einleuchtet, aber der eine Keine Umstand, daß die Zeiten vorüber sind, wo es 45,000 Thlr. Touceurs setzte, hindert ihn, sich mit„Ehren" und Gewinn reich beladen nach rückwärts zu conzentriren; er nimmt mit dem Wenigen vorlieb und— bleibt, bleibt, bis er„gegangen wird". Und das kann sehr bald geschehen, denn wie gesagt, die Kassen- Verhältnisse der Gewerkvereine befinden sich in einem so zer- rütteten Zustande, daß deren„Krach" nur noch eine Frage der Zeit ist, wenn die Gewerkoereinsmitglieder nicht mit eiserner Faust dazwischenfahren. Namentlich gilt das von der Invaliden- kasse der Gewerkoereine. Es ist bekannt, daß jede Berficherungs- und Unterstützungskasse nach gewissen mathematischen und statisti- schen Normen angelegt werden muß, wenn sie lebensfähig sein soll. Es war also ganz correkt gehandelt, daß Herr Max Hirsch bei Gründung besagter Jnvalidenkasse einen Mann„vom Fach" zu Hilfe nahm— den Statistiker Dr. Zillmer. Nun hat aber der Redakteur der„Deutschen Berficherungs- Zeitung", Dr. Elsner, in einer Reihe von Artikeln die Me- tyode, nach welcher Dr. Zillmer die Lebensfähigkeit von Ber- sicherungsgesellschaften prüfte, einer herben Kritik unterzogen und hatte schließlich die Behauptung aufgestellt,„daß überall, wo man auf das Gutachten des Dr. Zillmer gebaut, das betreffende Institut in Mißgeschick gerathen sei und habe reorganisirt werden müssen, wenn es nicht fallirt habe" Durch diese Behauptung hat sich Dr. Zillmer beleidigt und m seiner geschäftlichen»lellung benachtheiligt gefühlt; er hat deshalb wegen Beleidigung und auf Schadenersatz von 2000 M. geklagt. Verklagter hat für seine Behauptungen den Beweis der Wahrheit angetreten und als Sachverständige die anerkannt ersten Autoritäten auf dem Gebiet der mathematischen Wahrscheinlichkeitsrechnung für Versicherungswesen, den Geheimen Sekretär und Kalkulator Behm in Berlin und den Professor Dr. Karl Heym in Leipzig vorgeschlagen. Die ausführlichen Gutachten dieser beiden Herren sind in der Nr. 97 der oben bezeichneten Berficherungs-Zeitung abgedruckt; wir theilen daraus nur einige Stellen mit, aus denen die Leser sich selbst ein Bild von der Sachlage zu machen im Stande sein ! werden. Ueber die Jnvalidenkasse spricht sich Herr G. Behm folgender- maßen aus: „Den Beweis für die Prästationsunfähigkeit(Leistungs- fähigkeit) der Kasse hat zuerst der Unterzeichnete Behm 1374 und demnächst Herr Dr. Heym geführt. Daß Professor Heym's und mein Urtheil über die Berbands-Jnvalidenkasse begründet war, ist nunmehr bereits auch durch die Erfahrung bewiesen, da die Kassenverwalwng sich im Jahre 1875 genöthigt sah, eine Beitrags-Erhöhung von 50 Proz., sowie eine erhebliche Er- Mäßigung des Jnvalidengeldes, welche ebenfalls einer Beitrags- erhöhung von 50 Proz. gleich zu achten ist, eintreten zu lassen, so daß gegenwärtig für�densclben Betrag des Jnvalcvengeldes eigentlich der doppefte Satz des früheren Beitrags entrichtet werden muß. Was speziell den Werth des von Herrn Dr. Zill- mer bei Gründung der Kasse abgegebenen Gutachtens betrifft, so muß ich auf meine Kritik verweisen, in welcher ich dargelegt habe, daß das gedachte Gutachten in keiner Weise den wissen- schaftlichen Anforderungen entspricht und geeignet ist, für die Begründung einer lebensfähigen Jnvalidenkasse als Anhalt zu dienen." Nachdem Herr Behm auch das bei Reorganisation der Ja- validenkasse erstattete Gutachten des Herrn Dr. Zillmer einer vernichtenoen Kritik unterzogen, faßt er fem zeuzeneidlich ab- gegebenes Urtheil folgendermaßen zusammen: „Schließlich kann ich die mir vom königlichen Stadtgericht vorgelegte Frage,„ob cie Gutachten des Dr. Zillmer im Stande seien, lebensfähige Versicherungskassen zu erzeugen" nur dahin beantworten, daß „1. Herr Dr. Zillmer Kassen, für welche eine periodische Prüfung der Finanzlage vorgesehen ist, auch selbst dann für lebensfähig erklärt, wenn sie es zur Zeit in der That nicht sind, d. h. wenn die Beiträge zu denselben unzureichend find." „2. Das Gutachten über die Berliner Bürger-Krankenkafle nur in seinem zweiten, nicht auch im ersten Theile für zutreffend erachtet werden kann." „3. Das erste Gutachten über die Berbands-Jnvalidenkasse der deutschen Gewerkoereine den wissenschafilichen Prinzipien nicht entspricht und zum Anhalt für die Begründung einer lebensfähigen Jnvaliden-Penfionskasse nicht geeignet ist." „4. Das Gutachten, betreffend die Finanzlage der Verbands- Jnvalidenkasse pro 31. Dezember 1874, an der Stelle, wo von einer„genauen" Berechnung die Rede ist, eine richtige Auffassung der wissenschaftlichen Theorie der Invaliden- Penfions- Ver sicherungen nicht zum Ausdruck bringt." Herr Professor Dr. Heym in Leipzig schließt sich den Aus- führuiigen des Herrn Behm in den Hauptpunkten an und ver- weist in seinem Gutachten auf die Thatsache, daß er bereits 1874 die Beiträge der Jnvalidenkasse für viel zu niedrig gegriffen er- klärt habe. In dem Artikel, in welchem dies ausgeführt wurde, befand sich eine beleidigende Aeußerung, deren Zurücknahme Dr. Zillmer verlangt hat. Herr Professor Heym nahm die Be- leidigung mit der ausdrücklichen Bemerkung zurück, daß er seine Behauptungen über die Beiträge der Jnvalidenkasse im vollen Umfange aufrecht erhalte. „Trotzdem wurde,"— sagt das zeugeneidliche Gutachten— „sei es, um mit Absicht die Wahrheit zu entstellen, oder aus Unwissenheit, mein Widerruf jener persönlichen Beleidigung zu- gleich auch als ein Widerruf meiner Behauptung über die ungenügende Höhe der Beiträge weiter verbreitet und selbst viel später noch, als man das Berhältniß zwischen den Leistungen der Mitglieder und den Leistungen der Kasse so beträchtlich ge- ändert hatte, daß dies einer Verdoppelung der früheren Beiträge der Kasse gleich kam, stellte Herr Dr. Hirsch in seiner Schrift „Die Hülfskasse" die Sache ebenso dar und nannte in eben dieser Schrift die beispiellose Niederlage der Verbandskasse eine unter den schwierigsten Verhältnissen bestandene Probe seiner Normativ- vorschlüge. Von welcher Art diese letztere ist, kann man aus der oben erwähnten Handlungsweise des Herrn Dr. Hirsch zur Genüge ermessen. „In einem späteren Artikel machte ich wahrscheinlich, daß auch selbst die erfolgte Verdoppelung der Beiträge noch nicht für alle Alter und auch nicht für das Durchschnittsalter ausreichen werde. Dies hat neuerdings durch die Schrift des Geheimsekretär Behm noch eine anderweite Bestätigung erhalten. Denn diese Erfahrungen zeigen deutlich, daß die Grundlagen, auf welche hin die Beiträge der Verbandskasse von Herrn Dr. Zillmer berechnet worden sind, weit hinter der Wirklichkeit zurückbleiben. „Man darf nach allen diesen Hergängen wohl behaupten, daß die in Rede stehende Verbandskasse zu den verfehltesten Gründungen der letzten Jahre gehört."— Also eine„verfehlte Gründung" ist die Jnvalidenkasse der Gewerkvereine. Das ist freilich sehr schlimm. Aber die Dinge stehen noch nicht so verzweifelt schlecht, noch scheint uns Hülfe möglich. Vor allem gehört aber dazu, daß die Gewerkvereins» Mitglieder mit allen Demagogen(Hirsch, Polke, Bojatzky tc. ic.) radikal brechen, die die„Karre" so tief in den Dreck geschoben haben, daß es fast undenkbar erscheint, sie wieder herauszube- kommen. Ist das geschehen, dann gehe man an eine Reorgani- sation der Kassen, wozu ein wissenschaftliches Gutachten von den Herren Behm und Heym leicht zu erlangen sein dürfte. Und zum Dritten verbanne man aus dem Statut jenen Paragraph, der die Mitgliedschaft von einer bestimmten politischen Ucber- zeugung abhängig macht. Das ist, namentlich in Hinsicht auf die Beseitigung der unfähigen aber um so arroganteren„Führer", ein schweres Stück Arbeit, aber bei gutem Willen und einiger Ausdauer doch möglich. Corresvoudenzen Isert»!;«, 17. Februar.(Eiue unerhörte Kriminal- geschichte.) In einer Kreisstadt Westfalens, im„Rechtsstaate" Preußen und im„civilifirten" Deutschland, hat sich kürzlich, also in der zweiten Hälfte des„aufgeklärten" neunzehnten Jahr- Hunderts, eine Kriminalgeschichte vollzogen, wie sie grauenhafter die Weltgeschichte nicht aufzuweisen hat. In einem benachbarten Dorfe fand irgend ein Staatsbürger in der Erde versteckt eine Partie Knochen. Hier mußte also ein „Verbrechen" begangen sein. Die hochweise Polizei bemächtigte sich der Knocken und forschte dem„Verbrechen" und seinem Ur- Heber nach. Die Klatschsucht alter Weiber männlichen und weiblichen Geschlechts unterstützte den Pflichteifer der Polizei ange- legentlichst, und siehe da. es stellte sich alsbald der„dringende Verdacht' heraus, daß ein armes unglückliches Mädchen außer- ehelich geboren, das Kind ermordet und die Leiche verscharrt habe. Die vermutliche„Kindesmörderin" wurde verhaftet, die Knochen vorsichtig in ein Kistchen verpackt und'Beide, die Mörderin und die„corpora delicti"(die Beweisstücke), dem königlich preußischen Kriminalgericht in der Kreisstadt überliefert. Hier saß die„Mörderin" drei Monate hindurch in Untersuchungs- arrest, und doch war die verstockte Sünderin verwegen genug, ihre Schuld zu leugnen. Der Kreisphysikus des betreffenden Kreises war gestorben. Das Untersuchungsgericht sandte das Kistchen mit den Knochen an einen Arzt zur„gerichtsärztlichen" Untersuchung. Dieser „Doctor rnedicinae, praktischer Arzt, Geburtshelfer" u. s. w. untersuchte die Knochen genau und erstattete dem Untersuchungs- gericht über den Befund in einem sechszehn Bogen langen Gut- achten Bericht, nach welchem daS Resultat der„wissenschaftlichen" Untersuchung war, daß die Knochen unzweifelhaft die eines neugeborenen Kindes seien. Gegen die Kindesmörderin sollte nunmehr die Anklage erhoben unb die Berbrecherin dem Schwur- gericht in Hagen überwiesen werden. Zur Begründung der An- klage war jedoch zunächst noch ein Kreisphyfikats-Gutachten über die Knochen erforderlich. Diese wurden dem Kreisphysikus eines Nachbarkreises übersandt und nach acht Tagen lief von demselben das wahrhaft interessante Urtheil ein: Die Knochen seien nicht die eines neugeborenen Kindes, sondern— Hühnerknochen! Der Kreisphysikus bemerkte dabei, daß die Knochen zeitweise in der Erde verborgen gewesen seien. Das Untersuchungsgericht schüttelte bedenklich oen Kopf und sandte die Akten mitsammt den Knochen an den Kreisphysikus mit dem Bemerken zurück, daß bei den schnurstracks sich eutgegenstchenden„ärztlichen" Gutachten eine nähere Aufklärung unerläßlich sei. Der Kreisphysikus be- gründete sein„Gutachten" in folgender drastischen Weise: Da allerdings ein Richter es kaum für möglich halten könne, Boden, wie der des Westens, und braucht noch nicht die be- rüchtigte Kur durch Staatsanleihen. Die russischen Kapitalisten konnten noch lange ohne diese Art von„Staatshilsc" leben. Aber unsere Regierung sieht's nicht. Indem sie die„Unscrigen" nicht beglücken kann, so kann sie doch den„Fremden" ihre Hilfe nicht versagen— und macht ausländische Anleihen. Als Reprä- sentant einer„jungen" Nation ist sie bestrebt, alle anderen Na- tionen zu überholen... im Bankerott, und ist nur besorgt, bei einem allgemeinen Kataklismus, der der Bourgeoiswelt ein Ende machen würde, nicht im Hintergründe zurückzubleiben. Indem sie dem Westen nachahmt, ist sie beflissen, alle Schönheiten der Bourgeoiswelt bei sich einzuführen— durch Schaffung eines Endlosen Kapitalismus, eines Kapitaliftenstandes ohne Kapital «aa,— durch Schaffung eines Kolosses auf thönernen würde' bag cc''te e'neä herannahenden Erdbebens sein uierk vürdig, welch großartige Fortschritte in «----w V Ä-. wi- w.«»ijÄ Auswart, ge und mnere Schulden, eingetragen in's Reichs- a, üßo™ schuldbuch: Indische Gulden, 1 97 nnn Qm$unb Sterling, lö-'ma'm? �tall- Rubel, au■ t Papier-Rubel Wenn w,r diese verschledenen Geldwerthe u, russische Banknoten. ""h dem Tours vom l-D zember 1876(28'.Pen» 1 Rubel) gerechnet, uberrechnen, so erfahren wir. daß die in das Schuld- buch emgetragenen Schulden 9S4.862.g2ß Rubel ausmachen. zu Stumme fU9en Angeschriebenen Schulden �frf0te�ber Staatsschatzkammer(„Serien") 216.000,000 Rbl., »uns Emittlrungen consolid. Obligationen der Eisenbahnen in 68.808.000 Pfd. St. oder 587 138 664 Obligationen der Nicolajewcr Eisenbahn in' o'1,585,000 Francs oder..... 191,128,896 nifJ/L entnehmen diese Summen aüs einer Rede des Finan»mi- "Mers, gehalten am 1. Dezember 1876.* Alte Schulden Polens....... 25,533,668„ Liquidation alter Kreditoerordnungen.. 229,866,648„ Banknoten im Umlauf waren 797,3 13,480 R. und nach Abzug des Wechselfonds... 556,086,395„ Schulden infolge der Loskaufsoperation.. 427,172,645„ Addiren wir alle diese Summen und fügen wir sie zu den in's Schuldbuch eingetragenen, so erhalten wir das hübsche Sümmchen von 3,237,789,551 Rubel Staatsschulden bis zum 1. Dezember 1376. Seit dieser Zeit hat das russische Finanz- Ministerium noch mehrere finanzielle Operationen ausgeführt, indem es nur 3 neue Anleihen svon 400 Millionen Rubel auf- genommen hat. Wir müsse« noch im Auge behalten die Diffe- renzen des Wechselcourses, denn der russische Rubel, Dank der klugen Politik unserer Regierung, fällt mit jedem Tage in fernem Gerthe. Und so haben wir eine Differenz von 147 Millionen Rubel."") Also die ganze Staatsschuld beläuft sich jetzt auf 3,784,000,000 Rubel, fast 4 Milliarden. Um die„Fortschritte" der reformatorischen Regierung Alexan- . der's II. auf dem Gebiete des Schuldenmachens besser zu kenn- Schncn, müssen wir die von uns zusammengestellten Staats- 1 ulden mit denen des Jahres 1854 vergleichen. Die Schuld von 1854 belief sich auf 960 Millionen Rubel. Also die 22jäh- rige„friedliebende und wohlthätize" Regierung des, milden" Czaren hat die Staatsschulden von 960 Millionen auf fast vier Milliarden gebracht, d. h. die Staatsschulden haben sich ver- vierfacht(eigentlich um 394 Prozent). Schwerlich hat die acht- zehnjährige Regierung des kriegliebenden und unfähigen Napo-! leon III. mit seinen Kriegen in vier�Welttheilen und mit der Sedan Katastrophe die Hälfte solcher Schulden Frankreich ver- ursacht. Am Ende der Regierungsperiode des Czaren Nckolaus be-: trugen die Schulden pro Kopf der Bevölkerung 3,70 Rubel, während sie jetzt auf 44 Rubel aufgelaufen sind. Rechnet man eine Familie zu 5-�6 Köpfen, so kommen auf eine jede Familie 242 Rubel Staatsschulden. Die Frage ist aber, ob es in Ruß- land viele Familien giebt, deren Hauswirthschaft einen Werth von 242 Rubel repräientirt. Wir müssen eingestehen, daß die Lage der russischen Finanzen nicht nur schlecht, sondern sogar *") Den 1. Dezember 1876 war der Caurs auf London 23>/z Pence,\ — im Juni 1877 nur 25"/zz Pence— 1 Rubel. hoffnungslos ist. Es muß Wunder nehmen, daß es noch für Rußland einen Kredit giebt. Muß man nicht zugeben, daß die- jenigen Recht haben, die da sagen, der Bankerott Rußlands naht mit Riesenschritten? Und ist es denn anders möglich? Die russische Regierung ist bestrebt, das Volk über die Maßen durch Steuern und Ab- gaben auszubeuten; sie schrickt vor Nichts zurück. Alles wird angewendet: Knute und Ruthe, Gewaltthätigkeit, Beraubung, indem man dem armen Bauern die einzige Kuh oder das ein- zige Pferd, um die rückständigen Steuern zu erlangen, weg- nimmt, Hemmung der Produftion, der Gewerbe u. s. w.— alles dies wird angewendet, um jährlich einige hundert Millionen herauszupressen. Aber alle diese Millionen herbeizuschaffen, alle Staatsbedürfnisse, die von Jahr zu Jahr zunehmen, zu besne- digen ist unmöglich, und darum greift man mehr und mehr zu außerordentlichen Mitteln— zu den Anleihen..( Nur durch In der aanzen Periode der Regierung Alexander's ll. ver- ausgabte die russische Regierung alle die Millionen, die sie durch ihre Agenten aus dem Volke herausgeprugelt hatte, und noch dazu 2800 Millionen Rubel Schulden, die auch auf das Volk fallen. Von diesen Milliarden haben wir Nichts mehr, also wurden sie zur Deckung des Defizits verwendet Durchschnittlich kommen aus jedes Regierungslahr unseres„milden Vaterchens 128 Millionen Rubel schulden; also ist das lahrliche Defizit 128 Millionen Rubel. Das Resultat unserer Berechnungen ist ilb-rmick-nd nicht wahr? Di- Regierung aber findet leicht eine Entschuldigung für ihre Verbrechen. Sie kann sich auf die nutzbringenden Zwecke der Anleihen berufen. Sie kann darauf hinweisen, daß sie die An- leihen nur für die Unterstützung von dem ganzen Staate„nutz- bringenden" Unternehmungen, zu denen vor allem die Loskaufs- operation sowie die Eisenbahnen gchören, machte. Aber das ist, wie wir gesehefi und weiter sehen werden, lauter Trug t und Lug. (Fortsetzung folgt.) daß ein„Arzt" Hühnerknochen von Menschenknochen nicht zu„Tägliche Anzeiger", der über diese Unglücksjagd folgendermaßen j Kalk 15, Kl.-Krotzenburg 40, Kiel 250, Kellinghusen 30, Königsberg unterscheiden vermöge. so habe er— der Kreisphysikus— sich berichtet: 30, Kirchhain N.-L. 6, Kl.-Auheim 15, Lokstedt 40, Liegnitz 55, eine Hühnersuppe kochen lassen und sende er dem Königl. Preu-„Gestern fand im Kranichsteiner Wildpark Hosjagd auf �S�'elau-O.�esum 10, Limmer 20, �euk�dorf l0, Lindenau 20, ßischen Kreis- und Kriminal-Gerichte in einer zweiten Kiste die Schwarzwild statt an welcher JhreK. Hoheiten dcr Großherzog NeumünsterM? Nowaweß 20,' Nordhausen A�N-viS Knochen des gekochten Huhnes zur gefälligen Vergleichung. Zu und der Landgraf Friedrich von Hessen, sowie oe. Hoheit der G0 Niederrad 25, Naumburg 25, Neu-Isenburg 50, Nürnberg 470, diesem Zwecke habe er, bemerkte der Kreis-Physikus weiter, die Herzog von Nassau Antheil nahmen, sp--«—."— 1—£—' 1.....-'■ Knochen des gekochten Huhnes und die in dem Dorfe gefundenen im Jagdschlosse Kranichstein,� nach deren mit Nummern versehen; man möge die Knochen in dieser Num und der Landgraf Friedrich von Hessen, sowie De. Hoheit der �_________ vvvl._____________ vv Nachmittags war-lofd Oltensen 370, Oldesloe 20, Osnabrück 50, Ober-Geilau 10, Oederan 15, n Beendigung b;ü fürst-; Peterswaldau 50, Potsdam 20, Pmneberg 40, Plauen 20, Plagwitz An. m-rx- ,$ oa co:�v,�C Ock.-r\_ o i OK___ merfolge aneinander reihen und es werde bei den Einen, wie bei den Andern, das Skelett eines Huhnes untrüglich zum Vor- schein kommen. Um einem trotzalledem vielleicht noch möglichen Jrrthum vorzubeugen, fügte der vorsichtige Kreisphysikus den Schädel nebst Schnabel des gekochten Huhnes bei, welche zum Unglück für die„Kindesmörderin" bei den gefundenen Knochen Sefehlt hatten.— Und richtig! Bei der Zusammensetzung der eidersestigen Knochen nach der Anweisung des Kreis-Physikus paßte das Skelett des gekochten Huhnes genau zu dem des„ge- mordeten Kindes", zumal, als man diesem Skelett den Kopf nebst Schnabel des gekochten Huhnes anpaßte.— Das Unter- suchungsgericht schlug verwundert die Hände über den Köpfen zusammen. Der„begründete Verdacht" des KindeSmordes er- wies sich als vollendeter Blödsinn. Die Untersuchung wurde niedergeschlagen und das bedauernswerthe Opfer gewöhnlichen Altweibergeklatsches, polizeilicher Weisheit und„ärztlicher— Wissenschaftlichkeit" aus der Untersuchungshaft entlassen.— Das ist der nackte Thatbestand, zu dessen Beweise wir uuS auf die Untersuchungsacten des betreffenden Kreisgerichts berufen. Und nun appelliren wir an das Menschlichkeitsgefühl unserer Leser, indem wir sie aufforderu, sich auch nur einen Augenblick in die trostlose Lage des unglücklichen Opfers beispielloser Ober- flächlichkeit und grenzenloser Unwissenheit eines Arztes zu ver- setzen. Welche Qual, welches Seelenleiden und welche TodeS- angst mag das unschuldige Mädchen während seiner monatelangen Untersuchungshast ausgestanden haben. Wer entschädigt nun diese Staatsbürgerin des„glücklichen" Deutschlands für alle ihre un- säglichen Leiden, für die Schmach und Schande, welche man leicht- finnigerweise ihrer Ehre zugefügt hat, und für die monatelange Hast, welche sie erdulden mußte, weil unserer gepriesenen Erimi- naljustiz es nicht möglich gewesen war, den eigentlichen Sach- verhalt statt in drei Monaten in drei Tagen zu ermitteln und festzustellen. Dieser Vorfall wirft abermals ein grelles Schlaglicht auf den traurigen Büreaukratismus, der nur bei Sozialdemokraten„mit Dampf" arbeitet, sonst aber in seinem verrosteten Geleise ruhig weiter schloddert. Sticht minder grell stellt der Vorfall aber auch die Unfehl- barkeit der Träger und Hüter der„Wissenschast"— unserer Universitäten und Examinations-Commissionen— in ein helles Licht, welche einem Menschen das Diplom eines„Doctors der Medicin" ertheilen, der nicht im Stande ist, Menschenknochen von Hühnerknochen zu unterscheiden.— Welches Unheil mag dieser„Jünger Aesculaps" nicht schon unter der leidenden Menschheit angerichtet haben, soweit sie das Glück hatte, ihm in die„chirurgischen Hände" zu fallen, und wie viel Unheil mag er noch anrichten, wenn er sein Handwerk noch lange weiter betreibt. 1. Nerkin. Um einem längst gefühlten Bedürfniß der Berliner Sozialisten abzuhelfen und anderen Orten Deutschlands nachzu- kommen, find 5 Parteigenossen zusammengetreten, um zum 1. April ein„Arveiter-Bildungs-Jnstitut" zu eröffnen. Die Kurse sollen in praktischem Unterricht und Vorträgen bestehen. Letztere würden sich vorerst namentlich auf Kulturgeschichte, National. ökoncmie und Naturwissenschaften erstrecken. Ebenso wird den praktischen Uebungen in der Rhetorik ganz besonders Rechnung getragen werden. Die Theilnahme an den Leistungen des zu gründenden Instituts soll gegen den geringen Honorarbeitrag von 50 Pf. monatlich gewährt werden. Die Agitation seitens der Unternehmer ist im Gange und wir haben gegründete Aus- ficht auf allseitige Betheiligung und materielle Unterstützung dieses zeitgemäßen und nutzbringenden Unternehmens. Aresben, 19. Febr. Die in Nr. 17 des„Vorwärts" enthal- tene Corresvondenz von hier ist dahin zu berichtigen: Die in jener Correspondenz ausgesprochene Mittheilung,„Sendung eines Delegirten auf Vereinskosten zur Pariser Weltausstellung" war zum Mindesten verstüht. Ein Beschluß, auch im Prinzip, wurde nicht gefaßt, sondern die Regelung der Angelegenheit einer spätern Hauptversammlung empfohlen.— Durch freiwilligen Rücktritt des in der Jahreshauptversammlung vom 2. Februar d. I. ge- wählten ersten Vorfitzenden und durch Neuwahl des Unterzeichneten an dessen Stelle ist die Angelegenheit erledigt. Richard Hille, d. Z. 1. Vors. des Arbeiter- Bildungsvereins. Johann Schneider, d. Z. Schriftsührer. Aus dem Hroßherzogthuw Kesten. Jagd ist eine„nobele Passion" und wird lehr oft von hohen und höchsten Herren be- sonders gern zur Erholung ausgeübt; amüsant soll dieselbe auch sein, wenn eine recht zahlreiche Jagdgesellschaft geladen ist. Nach des Tages Last und Mühen auf die Jagd gehen, natürlich nur zur Erholung, dagegen wird wohl Niemand etwas einwenden wollen. Und doch giebt es Menschen, die sich hier und da dar- über aufhalten, wenn nach so sehr anstrengenden Regierungs- geschästen der jetzt regierende Großherzog Ludwig IV. von Hessen fast täglich, und mitunter schon recht früh morgens sich mit Ge- folge von hohen nnd höchsten Herrschaften, zahlreichen Fourage- und Küchenwagen ze. auf die Jagd begeben, und war dies(es ist jetzt verboten worden zu sagen, wohin sich S. K. Hoheit auf die Jagd begeben) eine stehende Rubrik in den Blättern der Residenz: Heute begab sich S. K. Hoheit der Großherzog zur Jagd nach..... In seinem Gefolge waren...... Und in den Blättern empfehlen die Wildprethändler: Ich erhielt von der Hosjagd zu____ so und so viel Rehe, Hirsche, Sauen:c. Kann sich denn da nicht selbst der Arbeiter, natürlich nur für sein Geld, an einem Wildbraten erfreuen, den sein Souverän vielleicht eigenhändig geschossen hat?! Mein Liebchen, was willst Du noch mehr? Dock soll auch die Jagd ihre Schattenseiten haben, denn die ministerielle„Darmstädter Zeitung" Nr. 6 vom ö. Januar be- richtet wörtlich Folgendes: „Darmstadt, 5. Januar. Gestern fand im Wildpark Kra- nichstein eine Hofjagd auf Schwarzwild statt, an welcher unter Anderen S. K. H. der Landgraf von Hessen, S. H. der Herzog von Nassau und S. D. der Fürst zu Dsenburg-Büdingen Theil nahmen. Leider ereignete sich dabei, daß ein Jäger S. D. des lichen Gäste traten." von Statton Kranichstein aus die Rücksahit an- 40, Rostock 30, Rixdorf 21, Ronsdorf 50, Rheda 3l, Rehme 25, Rönne- öurg 10, Soßenheim 30, Sarau 35, Striegau 10, Schleswig 30, Steele Beide Blätter hatten, wie wir bestimmt wissen, Kenntniß 35, Sühlen 10, Schweidn-tz 7, Seth 7, Seligenstadt 10, Schloßchemnitz von jenem Vorfalle— und war bereits, bis die„Darmstädter VVn«mu0, öS Zeitung" in diö Hände ihrer Zwangsabonnenten gelangt war. Wur»n 50 KtZnS 16 W.esbaden 22, Wald der arme Teufel von Jäger. Eichelstadt mit Namen, seiner�> f> 9__ s- Wunde erlegen. Natürlich konnte ein solcher Vorfall nun, io sehr man sich auch in Kreisen, in denen dasselbe gar nicht hätte erwartet werden dürfen, bemühte, die Sache zu vertuschen, nicht mehr geheim bleiben, und nachdem bereits die„Franks. Zeitung" schon von einer Geheimhaltung munkelte, verbindet die Nr. 8 der oben bereits erwähnten„Darmstädter Zeitung", daß das Gericht eine Untersuchung dieses Vorfalles angeordnet habe! Wir wollen übrigens dieser„Untersuchung", deren Resultat vor- herzusehen ist, nicht vorgreifen, bemerken jedoch, daß es ein Leichtes sein dürste, da sich ja die Kugel noch in dem Körper des Getödteten vorfand, den Schützen, der den verhängnißvollen Schuß gethan, zu ermitteln. Doch, wie gesagt, wir wollen ja nicht vorgreifen, wollen aber nur noch bemerken, daß in Darm- stadt vor einigen Jahren ein Koch eines dafigen Gasthofs wegen fahrlässiger Tödtung,— derselbe hatte mit einem sogenannten Pistongewehre, das zum Rattenschießen bestimmt war, einen Kellnerlchrling durch Unvorsichtigkeit erschossen,— vor öffent- lichem Gerichte zu einer Gefängnißsttafe von 6 Wochen ver- urtheilt wurde. Nachdem sich, wie oben berichtet, obiger unglücklicher Vorfall Freitags ereignete, begab sich S. K. Hoheit der Großherzog an demselben Tage, an welchem der Getödtete dem Schooße der Mutter Erde übergeben wurde, zur Jagd nach Virnheim!!! (Nachtrag.) Obige Zeilen waren gleich nach der Unglück- lichen Jagd geschrieben, doch zurückbehalten worden, um viel- leicht ein Resultat der eingeleiteten„Untersuchung" beifügen zu können. Solche hat. wie Ihr Berichterstatter anzunehmen glaubt. zu keinem Resultate geführt. Ausruf an die Arbeitsleute Deutschlands. ArbeiiSlcuie, Brüder! Allenthalben in den deutschen Gauen nimm feit Jahren die Arbeitslosigkeit zu, mit der Zunahme der Arbeitslosig' feit hält aber auch gleichen Schritt die Perkürzung des Lohnes, Ber längerung der Arbeitszeit und die rohe Behandlung des Arbeilsmannes Wohin soll das führet-? Man sagt uns, es sei keine Arbeit vorhanden aber von Derjenigen, welche in Arbeit stehen, verlangt man Heber stundenarbeit: in verschiedenen Gegenden z. B. auf Fehmarn läßt man die Landarbeiter im Sommer von Morgens 4 Uhr bis Ab.nds 9 und 10 Uhr arbeiten, in wenigen Monaten ist die Arbeit fertig. Dreschen, Häckselschneiden und sonstige Arbeiten läßt man dann mit der Maschine machen und dem Arbeiter, der da kommt und seine Kraft anbietet, dem bietet man 2 bis 3 Groschen Lohn des Tages. Man fragt ihn nicht, ob er im Stande ist, davon zu leben und Steuern und Mielhe zu zahlen, man fragt nicht, ob der Arbeilsmann seine Familie ernähren tarn, nein, man sagt ihm, wenn du dafür nicht arbeilen magst, dann kannst du gehen, wir haben Arbeiter genug. Ja, es passirt nicht selten, daß man ihn, den armen Arbeiter, dafür verantwortlich macht, daß er keine Arbeit habe. Dabei ist man hartherzig genug, aus den östlichen Provinzen Deutschlands Arbeitsleute nach hier kommen zu lassen und unterhält dort eigens Agenten, die nur vom Menschenschacher leben Und doch giebt es hier Arbeitskräfte die Hülle und Fülle. Wohl hört man hier und da sagen, daß es so nicht bleiben könne, daß es anders werden müsse, aber dazu gehört vor Allem, daß die Arbeiter einig und organisirt sind, und daran fehlt es gerade. Wohlan, Arbeitsleute Deutschlands, versucht es doch einmal und organisirt Euch, eS soll ja zu Eurem Besten geschehen. Ist es nicht ehrenvoller, im Kampfe um sein Wohlergehen unterzugehen, als in sklavischer Abhängigkeit den Fuß des Bedrückers im Nacken zu fühlen? Oder ist es bereits soweit gekommen, daß Ihr Euer Joch gar nicht spürt? Das wäre traurig. Wenn dies aber nicht der Fall ist, nun so ermannt Euch zur That und organisirt Euch. Wer müssen ferner, wenn wir den Kampf gegen unsere Bedrücker mit Erfolg führe.! wollen, dafür sorgen, daß Agitatoren ausgeschickt werden, die unter den Arbeitsleuten Ausklärung verbreiten und das Klassenbewußtsein erwecken. Auch müssen wir ein Preßorgan haben, das unsere Interessen verficht, damit wir von den Vorgängen an den einzelnen Orten unterrichtet werden und darnach unsere Maßregeln treffen können. Bedentt, daß es in Deutschland Hunderttausende von Arbeitsleuten giebt; wenn diese Hunderttausende erklären, wir wollen, dann haben wir gewonnenes Spiel. Spricht doch schon der Dichter: Mann der Arbeit aufgewacht Und erkenne deine Wacht, Alle Räder stehen still Wenn dein starker Arm eS will.,„. � Arbeitsleute Deutschlands! darum fordere ich Euch auf, Euch dem Bund der deutschen Arbeitsleute anzuschließen, welcher seinen Sitz in Hamburg hat. Man versuchte von verschiedenen Seiten zu den alten Fesseln neue hinzuzufügen, um dadurch die Abhängigkeit und Bevor- mundung zu vergrößern, schon fangen hier und dort einzelne Arbeit- gebervereinigungen sowie Fabrikanten an, von den Bestimmungen des Hillskossengesetzes Gebrauch zu machen und ZwangS-Krankenrassen ein- zuführen; die Arbeiter müssen auch wohl in dieser Beziehung einsehen, daß wir der Bevormundung nicht mehr bedürfen, sondern daß sie ihre Gelder selber verwalten können. Nach dieser Richtung hat der Bund der deutschen Arbeitsleule Vorsorge getroffen, indem er für seine Mit- glieder eine kranken- und Sterbekosse errichtet hat, welche dem Hilfs- kassengesetz angepaßt ist, und wo die Mitglieder nie der Gefahr aus- gesetzt sind, daß wenn sie aus der Arbeit entlassen werden oder ihren Wohnsitz wechlelw, ihrer Rechte an die Kasse verlustig gehen; es kann nur ausgeschlossen werden, wer sich unehrenhafte Handlungen zu Schul- den kommen laßt oder wer seine Zahlungen selbst einstellt. Also deutsche Arbeilsbiüder tretet dem Bunde bei. Sialulen vom Bund und der Krankenkasse werden aus Wunsch zur Einsicht an die sich dafür Jnter- essirenden unentgeltlich versandt und wolle man sich dieserhalb an den Unterzeichneten wenden. Hamburg, den 13. Februar 1878. Wilh. Wißmann, SpeckSgang Nr. 3 III. !7L. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Nr. Rundschau 7 1 ist von folgenden Orten in beistehender Anzahl bezogen worden: Aliona 350, Achim 70, Apenrade 30, Aschersleben 21, Alveslohe 12, Aachen 12, Ahrensburg 12, Alfeld 45, AugSburg 100, Annaberg;. Buchholtz 45, Barmstedt 15, Bockenheim 30, Breslau 30, Bar- — 160, Burscheid 25, Braunschweig 00, Berlin 50, Bochum 10, --------- ö----- I--T7~ vv», f u D vu» VD"--- i ivmvuv—v,—------—,—— t----—, Herzogs von Nassau eine Kugel durch Schulter und Rücken er- Burg 15. Brackwede 12, Badenstedt 25-, Bayreuth 40, Calau 16, hielt, ohne daß sich constatiren ließ, woher dieselbe kam. Der Calbe 50, Coblenz 15, Crefeld 15, Eoburg 25, Chemnitz 170, ~-----■"" Duisburg 60, Dortmund 40, Delitzsch 70, Düsseldorf 50, Ernsdorf 55, Elmshorn 60, Erfurt 30, Edder itz 20, Einbeck 10, Ellrich 10, Eckernfördc 20, Eldagsen 20, Erlangen 30, Frankfurt a. M. Warnung. Die Gewerkschaft der Schuhmacher in-0'enbach und Umgebung sieht sich veranlnßt, sämmtiche Collegen. Zuzug nach Ossenbach zu warnen. Da die Fabrikanten in Osseubach und Umgebung in letzter Zeit bei einer Konferenz beschlossen haben, bei sämmtlichen Arbeitern eine Lohnreducirung von 50 Pfg. bei einem Paar Böden eintreten zu lassen. Dasselbe betrifft die mechanischen Arbeiter. Näherer Bericht folgt. I. B. der hiesigen Mitglieder: Lud». Rickta, Bevollm. Briefkasten der Redaktion. E. O. in Zeitz: Ja, Sie können zur Entrichtung der Bürgerrechtsgelder gezwungen werden, selbst wenn Sie auf die „Vortheile" verzichten wollen, die Ihnen das Bürgerrecht gewährt. der Expedition. H. Noack Euskirchm: Das Gewünschte können Sie von uns haben.— Loges Hannover Die Laffalle'schen Schriften „Ueber Verfassungswesen",„Macht und? echt",„Was nun?" sind in eins zusammen gebunden.— R. G. Crimmitschau: Wenden Sie sich an F. I. Ehrhart 4 Francis Str. Tottenham Court Road, London W. Parteigenosse Franz Malzahn, Maurer, 1874 in Düsseldorf, wird um seine Adresse wegen wichtiger Mittheilungen gebeten. Heinrich Schräder, Maurer, Hannover, Heisenstt. ZOa. Wir ersuchen Herrn Treibenreif, Parquetbodenleger, in letzter Zeit in München sich aufhaltend, uns seinen jetzigen Aufenthalt bekannt. zu geben. Zürich. Allgem. Produbiv-Assoziatton der Schneider. Quittung. Wahlverein Minden Ann. 2,40. Etzld Gößnitz Ab. 4,00. Dr. Rpp Rottweil Ab. 4,80. Rnhld Albany Schr. 20,70. Hrhld Ottensen Ann. 30,00. Mnnl Rochlitz Schr. 13,00. Sprlng E.lenburg Schr. 7,03. Grutliverein Schwanden Ab. 1,50. Wfrlng hier Ab. 1,10. I. Brn Graz Ab. 36,19. Kch Dresden Schr. 0,13. Rhlmr Rehme Schr. 1,70. Templ Jonsdorf Schr. 6.05.«ltenbrnd Osnabrück Schr. 5,10. Schf Winngen Schr. 1,95. Ullrch Meuselwitz Schr. 7,30. Ltz Ueberlingen Schr. 0,50. Gmln Tübingen 9,70. Vom Arbeiterverein Reudnitz für den Fonds für Gemaßregelle 50,00, f. d. Wablfonds 50,00, f. d. Preßfond der„Fackel" 30,00, für 2 gemaßregelte Parteigenossen 20,00. H. Bekanntmachung. Der AufsichtSraih der Genosscasiyafts-Buchdruckerei, eingetragene Genossenschaft, zn Kiel, hat in der Sitzung vom 16. Februar d. I. beschloffen an Stelle des ausgeschiedenen Borstandsmitgliedes St.Heinzel, X. Disponent, den Posamentier Carl Rau in Kiel als ersten Dispo- nenten zu ernennen.(2,70 Itzehoe, den 16. Februar 1878. C. Kreuzberg. I. Clasen. I. Hüls. �klche im Besitz des Lassalle'scheu Werkes lr„System der erworbenen Rechte" 2 Bände, und dasselbe zu verkaufen geneigt sind, bittet um gef. Anzeige Anton Metz, Buchhändler.[1,20 Culm a. !!! Fische!!! Kieler Bücklinge in Kisten ä 80 Stück i r»0 „**« a ff Sprotten,„ ä 400„ „„ ä 200„ Speck Aale in Kisten ä 8 Pfund a Pfund Speck-Flunder in Kisten ä 1 Stieg versendet in ganz Deutschland unter Nachnahme Ottensen bei Hamburg. Mark 4,50 . 3.00 „ 4,00 „ 2,40 „ 1,15 „ 3,00 H. Jenseu, [3,00 Im Verlag von Emil Sauerteig in Gotha sind erschienen: Vcci �olo- Quartette von Gustav Scholz. Rehr wieder! Gedicht von Bruno Geiser. IMe Spinnerin,„„ Julius Sturm. Das BlUmlein.„, A.@eib. (4o) Preis: Partitur mit Stimmen 2 Mark. Gegen Einsendung des Betrags folgt Zusendung franko. (2.70 (F. 132) Durch uns ist zu beziehen: Zas lebensgroße Arustbild Ferdinand Lassalles. Lithographie(79 Ctm. hoch, 63 Elm. breit) in gelungener Ausführung. Preis pro Bild einschließlich Verpackung 3 Mark gegen baar oder Po st Vorschuß. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Die Expedition des„Vorwärts". Zustand des Jägers ist leider sehr bedenklich." Man mußte jedoch schon erstaunen, daß die„Darmstädtcr Zei- tung" so spät von diesem Unglücksfalle berichtete. Die national- liberale„Hessische Landeszeitung" mit dem preußischen Adler als Titelvignette fand es am besten, diesen Vorfall die ersten Tage ganz zu verschweigen, ebenso wie der mit peinlicher Ge- wissenhaftlgkeit jede, selbst die kleinste Hofnachricht registrirende 180, Flensburg 100, Fulda 20, Freden 25, Forst 280, Fürth 115, Güttingen 7, Görlitz 45, Gelsenkirchen 80, Goldlamer 25, Glück- stadt 30, Güstrow 25, Giebick enstein 10, Gohlis 18, Gelenau 20, Gablenz 36, Hannover 100, Hanau 140, Halle 20, Hildesheim 60, Halberstadt 28, Harburg 50, Herde 30, Itzehoe 60, Jüterbogk 7, Jeßnitz 12, Durch unS ist zu beziehen: Sie bürgerliche Gesellschaft. Ein Vortrag gehalten vor fteireligiöseu Arbeiter« des WupperthalS i» Elberfeld-Barme« von Joseph Pietz gen. Preis 10 Pf. Zukunftsmedicin oder Anleitung sich selbst der beste Arzt z» sein, d. h. Krankheiten zu verhüten. (Bollständig t n 10 Heften(bis jetzt erschienen Heft 1-8). Ladenpreis pr. 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