Erscheint in Leipzig «ttttwoch, Freitag, Sonntag. AbonnemcNtspreiS Kr ganz Dentichland t M. S« Pf. vr» Quartal. Monats- Abonnement» »erden bei allen deutfchen Poftanstalten Nif den S. und Z. Monat, und auf den e. Monat besonders angenommen: im Unigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen» Wtenburg auch aus den lten Monat des Quartal» k S4 Pfg. betr. Bersammlungen pr. PetitzeUe 10 Pf., Hetr. Privatangelegenheiten und Feste»rj Petitzeile b« Pf. Velicllungcn nehmen an alle Poltanstalicn und Buch Handlungen de» In- u. Auelandes Filial, Expeditionen. Pew-Aort: Soz.-demo!r Aenoliea- ichaftsbuckdruckcrei, 154 Eldridge Str. Philadelphia: P. Hah, mo North 3'4 Strcot I. Boll, 112« Charlotte Str. Hoholen N.J.: F. A. Sorgt, 215 Washington Str. Chicago: A.Lansermar». 74Ci>'hourne»v» San Franzisco: F. Eich,«ltiv harr«» Str London Vf.: C. Hcnze, 8 New tr (rolrten Square ßmtral Grgan der Sozialdemokratie Deutschtands. Nr. 24. Mittwoch, 27. Februar. 1878. Abonnements aus den„Vorwärts" tür den Monat März zu 55 Pfennig werden bei allen beut- schen Postanstalten,. für Leipzig pr. Monat zu 60 Pf. bei der Expedition,.Färberstr. 12 II, unserm Colporteur M. Ulrich, Hohe Str. 23: Hof Part., in den Filialen: Tigarrenladen deS Hrn. PeterKrebs, Mrichsg. 60, und Sattlerwerkst, am Königs- platz?; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: für "Aotkmarsdorf, Aeudnih, Meuschöneletd zc. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr., für Konnewitz-c. bei Hackert, SurzeStr. 10 pari., für Kleinzschocher u. Umgegend bei Trost, Hauptstr. 10/1, für Thonverg beiBösch. Hospitalstr. 39/ll, Leipzig, «enrendnitz bei Zschau, 15 1, für �lagwitz- Lindenau bei Frau Sräfensteln, Aurelienstr. 3, für Köhlis-c. bei A. Herms- dorf, Lmdenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Paplermühle, angenommen. Für Aerlin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf., fr« ms HanS abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaifer-Franz-Grenadier-Platz 8s, und bei Rubenow, «runnenftr. 34, im Laden. „Glänzend abgeführt"! In allen liberalen Zeitungen wird bei Gelegenheit der Be- sprechung der Orientdcbatte triumphirend behauptet, der Fürst Bismarck habe den sozialistischen Redner Liebknecht„glänzend abgeführt". Dem Fürsten Reichskanzler und seinen liberalen Mamelucken kann es also nur angenehm sein, wenn wir die erwähnte Groß- that Bismarck's hier wörtlich wiedergeben— dann erst findet die„Abführung" recht glänzend statt. Die Abführungsrede des Reichskanzlers lautet nämlich: „Während der zuletzt gehörten sozialistischen Rede glaube ich wahrgenommen zu haben, daß die Beifallebezeugungen, mit denen sie stellenweis begleitet war, von den näheren Landsleuten des Herrn Abgeordneten v. Komierowski und von den ihm ver- wandten Fractionsgenofien herrührten. Ich halte, wenn ich mich >arin nicht irre, es doch für zweckmäßig, dies öffentlich zu con- tatiren. Es ist mir dabei eingr fallen, daß, wenn wir in den >olnischen Landestheilen des preußischen Staats über die Ge- ammtheit des Volkes nicht zu klagen haben und ih.er Zustim- mung zu der Art, wie sie regiert werden, im Ganzen sicher sind, so tritt uns immer wieder die Stimme des polnischen Adels entgegen als unzufrieden mit dem Deutschen Reich und mit der Zugehörigkeit zu demselben. Vielleicht wäre es einmal möglich, um mich trivial auszudrücken, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, wenn man einen der polnischen Kreise im preußischen Gebiete, also etwa den Wahlkreis des Herrn v. Komie- rowski, dem Herrn Bebel und seinen Gesinnungsgenossen zu regieren mit voller Souveränetät übergiebt, wir könnten dann— und daran würde mir sehr viel liegen— endlich einmal erfahren, was das positive Ideal der Sozialdemokratie ist. Wir kennen von der negativen Seite, alles, was vorhanden ist, ist schlecht und muß ruinirt werden, und im Volke muß die Ueberzeugung erweckt werden, daß die regierenden Klassen üble, gewissenlose Leute sind, für die es nicht so sehr darauf ankommt, wenn man emmal gewaltthätig gegen sie verfährt. Das wissen Wir, jede Politik, die em Anderer als ein Sozialdemokrat treiben kann, ist erbärmlich, die Herren wissen alles besser, aber worau sie positiv hinauswollen, das verschweigen sie sorg- fältig. Ich meine, wenn sie endlich jede Maske von sich ab- werfen und offen kundgeben, wohin sie wollen, wie es in einem von ihnen regierten polnischen Kreise geschehen würde, dann werden wir den doppelten Vortheil haben, nämlich das ab- schreckende Bild des positiv verwirklichten Sozialismus erkennen, welches sie jetzt sorgfältig hinter dem Berge halten, und wir werden in dem von ihnen regierten Polen hinterher die treuesten deutschen Reichsbürger haben." Zunächst sei bemerkt, daß Herr von Bismarck ein recht schlauer Parlamentarier ist, da er in seiner„Erwiderung" auf die Rede des Abg. Liebknecht nicht den Namen dieses Abgeord- neten, sondern den des wegen Bismarckbeleidigung im Gcfängniß sich btfindenden Genossen Bebel erwähnte; Herr von Bismarck schützte sich somit schlauer Weise vor einer persönlichen Ent- gegnung, die ihm ganz gewiß auf das„Ruiniren" durch ��e Abführung" geworden wäre; wenn nämlich Bismarck »��'uiren" spricht, dann liegt das Sprüchlein sehr nahe: ZitiJiot 5or:®e',ner eigenen Thür". In die Debatte selbst noch demokraten�mcht�"' � erlaubte Valentin natürlich den Sozial- N.S bntJR�afanircr so gnädig ist, uns den Wahlkreis �wi�m wir?km° v" �m„regieren" zu überlassen, so erwidern wir ihm, daß wir uns auf solche Kleinigkeiten nicht - bie'S"* nicht mehr fern ist, in welcher die Sozialdemokratie m allen Kulturstaaten„regiert", auch in ganz Bismarckomannlen. Dem geehrten„Abführer" aber hat wohl Jkarien vorgeschwebt, welches durch die Sucht, den So- jiali>-mus positiv an Keinen Stoatengebilden expcrimentiren zu lassen, zu einem für Leute, die vom Sozialismus im Ganzen herzlich wenig verstehen, Passenden„Abführungsmittel" aller- dings geworden ist. Dann möge Herr von Bismarck noch unfern �sondern Dank dafür erhalten, daß er das neue Jkarien in den Wahlkreis des Herrn von KomlerowSky, also zwischen die russische schlau! Preußische Pickelhaube verlegte. Wiederum recht Das„positive Ideal der Sozialdemokratie" vermißt der Fürst Reichskanzler. Was hat er denn für ein positives Ideal? Er streitet sich ja mit allen seinen Ministern um Steuerfragen, um Verwaltungsfragen herum, er kann sich mit ihnen und mit der Reichsvertretung nicht einigen, er wechselt„von Fall zu Fall" seine Ansichten in den Details, und blickt man im Großen und Ganzen sein Ideal an, so sieht man die Unterwerfung des Willens aller Staatsbürger unter einen Willen, also den Absolutismus, den man allerdings mit einigen parlamentarischen Federn schmückt. In diesem allgemeinen Ideal erblickt man als Sonderideale den glänzenden Militarismus, der die Roth im Volke erhöht; die angespannte Steuerschraube, ein fügsames und zahlreiches Beamtenheer und— das Wohlergehen einer kleinen Minderheit von Reichsbürgern. Unser Ideal aber ist das Wohlergehen des gesamm- ten Volkes! Vor Monatsfrist schrieben wir in einem Leitartikel:„Simple Fragen und„simple" Frager": „Wie wollt ihr Sozialdemokraten denn Euren Zukunftsstaat einrichten, wie sieht derselbe aus in den Einzelheiten"? Diese und ähnliche Fragen werden uns oft gestellt, und wir wollen, wir können auf derartige kindliche oder auch kindische Fragen keine Antwort ertheilen. Warum nicht? Weil die Gesellschaft, die wir erstreben, nach und nach sich selbst ausbaut, weil zu-! künftige Generationen die Bausteine, die wir herbeischleppen, erst behauen und zusammenstellen; weil wir keine Propheten sind! und sein wollen, und weil wir wohl wissen, daß neue Er sin- düngen uns ebensolche breite Striche durch unsere Zukui.stsgebilde machen können, als z. B. die Eisenbahnen durch die Phanstörcs von Fourier. Tyrannisch wäre es deshalb, den späteren Gene- rationen gegenüber, wenn wir schon jetzt bestimmen wollten über die einzelnen Formen einer zukünftigen Gesellschaft, und nutzlos aus den oben angeführten Gründen. Im Großen und Ganzen aber giebt das Programm der sozialistischen Arbeiter- Partei Deutschlands genügende Anhaltspunkte, zunächst die richtigen Mitt-l und Wege zu ergreifen, um zur sozialistischen Gesellschaft zu gelangen, und es enthält ferner auch genü- gende Grundlagen, auf welchen eine vernünftige Gesellschaft aufgebaut werden kann. Noch fehlt der Wille dazu im Volke, und unsere Hauptaufgabe ist, diesen Willen jetzt und für die nächste Zukunft zu erwecken. Die simplen Frager aber mögen das sozalistische Program in die Hand nehmen und die sozialistische Literatur aufmerksam studiren— wenn es ihnen Ernst ist, so werden sie dann ferner keine solche albernen Fragen mehr stellen." Wir wissen wohl, daß Fürst Bismarck den„Vorwärts" liest; wir wissen aber nicht, ob er obige Rathschläge beherzigen wird. Allgemein ist es bJannt, daß in nalionalökonomischen und sozia- len Fragen Herr von Bismarck nicht gerade ein tiefes Studium gepflogen hat, und der Mangel desselben läßt sich wahrlich nicht durch einzelne Schlagwörter und Phrasen vom„Ruiniren":c. zc. ersetzen; ebenso wenig wie die Wissenschaft sich durch Kalauer „abführen" läßt. Daß in dieser Hinsicht aber die liberalen Zeitungen anderer Ansicht sind, das beweist eben, auf welcher tiefen Stufe sie stehen und daß es kaum der Mühe lohnt, ihnen entgegenzurufen:„glän- zend abgeführt!" Zum franzöfischen Arbeitercongretz schreibt die„Sozialdemokratische Correspondenz": Schon den ersten Congreß der franzöfischen Arbeiter-Gewerk- schaften begrüßten wir als ein bedeutsames Zeichen für die zu- künstige Gestaltung der Dinge in Frankreich und die allmählige Bildung einer festen geschlosseuen Arbeiterpartei, an der es bis- � her in Frankreich fehlte...., � Ter kürzlich beendete zweite Congreß hat auf diesem Wege � einen großen Schritt vorwärts gethan. Dem Charaktir des Volkes und der bisherigen politischen Entwickclung entsprechend, stellte das französische Proletariat bisher mehr die politische Seite der sozialen Frage rn� den Vordergrund, und zu seinem Unglück geschah es noch, daß es keine eigene politische Partei bildete, sondern immer n>r im Schlepptau der radikalen bürgerlichen Demokratie hing und jedesmal, wenn es für diese die Kastanien aus dem Feuer geholt hatte, von derselben hinterher verrathen und verkauft wurde. Die Pariser Cvmmunebewegung und die Haltung der Politiker bei und nach derselben, war der letzte erneute Bewei« für diese Erscheinung. Die Schwäche der an's Ruder gekommenen Repu■ blikaner, die allmählige Verleugnung der bisher vertret-nen! Prinzipien hat in dem französischen Proletariat die Erkenntniß � gereist, künftig seine Geschicke energischer als bisher in die eigene � Hand zu nehmen. Eine gute Gewerkschasts-Organisation ist aber ein Haupt- moment für die Umgestaltung der heutigen Gesellschaft und zur Schaffung einer neuen. Ohne eine compakte Organisation der. Genossen der verschiedenen Branchen, ohne die Selbsterziehung der Mitglieder in denselben, ohne die Ermöglichung der Wider- standsfähigkeit gegen das feindliche Kapital und die Organisation des gegenseitigen Schutzes—»bne alle diese bedeutenden Bor- theile ist die nebenher gehende gleich nöthige politische Bewegung von keinem durchschlagenden Erfolg. Dies hat gerade die fran- zösische Geschichte mit ihren niedergeworfenen Revolutionen zur Genüge dargcthan.,. Hat nun dieser zweite Arbeitercongreß in Frankreich nicht die Erwartungen Aller erfüllt, so lag dies an dem Umstände, daß er überhaupt keine politische Vereinigung war und ganz seiner ihm behördlicherseits beschränkten Aufgabe entsprechend,� vorwiegend die wirthschastliche und sittliche Lage des franzöfischen Proletariats zu bcrathen hatte. Und diese Aufgabe zunächst hat er in ausgezeichneter Wei,e erfüllt. Er hat Vorschläge bcrathen, deren Durchführung die Arbeiter� in der heutigen Gesellschaft gegen alle Widerwärtigkeiten zu schützen bestimmt und die Widerstandsfähigkeit des französischen Proletariats bcdeutend zu erhöhen im Stande sind. Es wird jetzt sich zeigen, ob die angeblichen Freunde der Arbeiter im Parlament ihre Schuldigkeit thun, und an der Ver- wirklichung dieser Maßnahmen hülfrciche Hand leisten werden. Und hier kommen wir auf den b, deutsamsten Punkt dieses zweiten Congresses. Die Arbeiter- Abgeordneten in Lyon glauben selbst nicht mehr an diese Freundschaft. Sie haben im Gegensatz zu dem Congreß der Herren Hirsch-Polke in Gera, die eine Verbindung mit allen möglichen Parteien und Politikern gegen die Sozialdemokratie anstrebten, sich gänzlich losgesagt von allen politischen Parteien und beschlossen, für die Zukunft eigene Ar- beitercandidaten für das Parlament aufzustellen, welche sie auf ein ausdrücklich sozialistisch genanntes Programm verpflichten wollen, und zu deren Unterstützung, wie überhaupt zur Propa- ganda sozialssnschen Blätter gegründet werden sollen. Bisher hat in Frankreich eine eigentlich sozialistische Arbeiter- Partei nicht bestanden. Der Sozialismus war dort bis jetzt entweder in speziellen sozialistischen Schulen(Gruppen) vertreten oder mit der radikalen politischen Partei und deren Ansichten vermengt. Wenn deshalb oieser Congreß die Forderungen einiger „Positivisten" und„Cslleftlvisten' abwies, so ist das noch lange kein Anlaß für unsere deutschen Gewerkvereine und Herrn Max Hirsch, in dieser Thatsache ein Anerkenntniß für seine Gewerk- vereine zu sehen. Ebenso ist es auch keine Niederlage der Sozialdemokratie, sondern nur eine Abweisung positivistischer und collektivistischer Ansichten(die durchaus n>cht sozialistisch, zum Theil sogar direkt un- und antisozialistisch sind. R. d. B.). Das französische Proletariat will jetzt seinen eigenen Weg gehen, indem es die vorhandene Grundlage der Syndikats- kammern benutzt und jedes Hineinwerfen fertiger Probleme von sich weist. Durch ihre Beschlüsse über den Normalarbeitstag, die Frauen- frage, die Organisation der ländlichen Arbeiter, ihre Reorgani« sation der Syndikatskammern, ihre Hülst lassen, und vor allem durch den Beschluß, von jetzt an sich von den Grschästspolit'kern und den Bourgeoie Parteien zu trennen und ihren eigenen Weg gehen zu wollen, haben die französischen Arbeitervertreter gezeigt, daß sie, wenn auch noch keine Sozialisten im vollen Sinne des deutschen sozialistischen Parteiprogramms, so doch aber auf dem sicheren Wege sind, eine große mächtige widerstandsfähige sozia- listische Partei zu schaffen, welche himmelweit verschieden ist von dem Zwitterding von Arbeitercongreß des Herrn Max Hirsch, der nur zusammengetreten war. um durch scheinbat e Zugeständ- msse an die nationalliberale Partei diese zu materiellen Opfern zu veranlassen und dadurch die Gewerkschaitsbewegung vor ihrem Untergang zu retten, und um nebenbei Herrn vr. Max Hirsch ein neues Relief zu verleihen. Die Gewerkschaftsbewegung bezweckt die Berwösserung der Arbeiterinteressen und war von Anfang an eine Zersplitterung der vorhandenen Arbeiterbewegung; der Lyoncr Congreß aber war die erste Vereinigung des gesammten französischen Proletariats, und seine Beschlüsse werden für die EntWickelung der französischen Arbeiterbewegung von weittragender Bedeutung sein. Jtdc Arbeiterbewegung, die nicht zersplittert und künstlich niedergehalten wird, führt mit Nothwcndigkeit zum Sozialismus. Die volle und ganze Anerkennung desselben seitens der französi- schen Gewerkschaften ist nur eine Frage der Zeit. Der Gesetzentwurf betreffend die Verfälschung der Nahrungsmittel. Der Entwurf, betreffend den Verkehr von Nah. rungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegen ständen, hat folgenden Wortlaut:§ 1. Der Berkehr mit Nah- rungsmitteln, Genußmitteln, mit Gegenständen, welche zur Haus- Haltung, väuslichen Einrichtung, Geschäftseinrichtung oder zur Kleidung bestimmt, oder mit Spielwaaren unterliegt der Beauf- sichtigung durch die Gcsundheitspolizei nach Maßgabe dieses Ge- setzes.§ 2. Die Beamten der Gesundheitspolizei sind befugt, in die Räumlichkeiten, in welchen Gegenstände der in ß 1 bezeichneten Art feilgehalten werden oder welche zur Aufbewahrung solcher zum Verkaufe bestimmten Gegenstände dienen, während der üblichen Geschästsstunden, oder während die Räumlichkeiten dem Verkehr geöffnet sind, einzutreten oder dieselben einer Re- Vision zu unterwerfen.§ 3. Die Beamten der Gesundheits- Polizei sind befugt, von Gegenständen der in§ 1 bezeichneten Art, welche in den dort angegebenen Räumlichkeiten vorgefunden oder an öffentlichen Orten, auf Märkten, Plätzen, Straßen oder im Umherziehen verkauft oder feilgehalten werden, Proben zum Zwecke der Untersuchung gegen Empfangsbescheinigung zu ent- nehmen. Auf Verlangen ist dem Besitzer ein Theil der Probe, amtlich verschlossen oder versiegelt, zurückzulassen. Für die ent- nommene Probe ist Entschädigung in Höhe des üblichen Kauf- Preises zu leisten, so weit nicht in Folge der Untersuchung auf Einziehung des Gegenstandes erkannt wird.§ 4. Zu den Beamte» der Gesundheitspolizei im Sinne dieses Gesetzes ge- kören auch die ärztlichen Gesundheitsbeamten. 8 ö. Für das Reich können durch kaiserliche Verordnung zum Schutze der Ge- sundhcit Bestimmungen erlassen werden: 1) über die Art der Herstellung der Aufbewahrung von Nahrungs- oder Genußmit- teln, die zum Verkaufe bestimmt sind; 2) über die Beschaffenheit und die Bezeichnung von Nahrungs- oder Genußmitteln, welche öffentlich oder im Umherziehen �erkauft oder feil gehalten wer- den; 3) über das Schlachten von Vieh sowie den Verkauf und das Feilhalten von Schlachtvieh. Fleisch und Milch; 4) über die Reinhaltung von Schlachthäusern, von gcwcrblichen Räum- ich kälten, in denen Nahrungs- oder Genußmittel zubereitet, auf- bewahrt odcr feilg-halten werden, sowie über die auf Märkten zu beobachtende Reinlichkeit; 5) über die Art der Hersteilung und Beschaffenheit der zur Hau-haltung, häuslichen E nrichtung, Geschäftseinrichtung oder zur Kleidung bestimmten Gegenstände, sowie der Spielwaaren. Z 6. Für das Reich kann durch kaiserliche Verordnung die gewerbsmäßige Herstellung von Gegen- ständen, welche zur Fälschung von Nahrungs- oder Genußmitteln bestimmt sind, verbo.'en oder b schränkt werden.§ 7. Wer den in den§Z 5 und 6 bezeichneten Verordnungen zuwider handelt, wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft bestraft. Landesgesetzliche Vorschriften der in den ZZ 5 und 6 bezeichneten Art dürfen eine höhere Strafe nicht androhen.§ 8. Wer den Vorschriften der§Z 2—4 zuwider den Eintritt in die Räuml-ch leiten, die Reviston derselben oder die Entnahme einer Probe verweigert, wird mit Geldstrafe von 50— 150 Mark oder mit Haft bestraft. K 9. Mit Gefängniß bis zu sechs Monaten und mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark oder mit einer dieser Strafen wird bestrast: 1) wer zum Zwecke der Täuschung Nahrungs- oder Genußmittel, welche zum Verkaufe bestimmt sind, mit dem Anschein einer besseren Beschaffenheit oersieht, oder dieselben da- durch verschlechtert, daß er sie mittelst Entnehmens oder Zusetzens von Stoffen oder in anderer Weise verfälscht; 2) wer wissentlich Nahrungs- oder Genußmittel, welche verdorben oder fälschlich mit dem Anschein einer besseren Beschaffenheit versehen oder durch Verfälschung verschlechtert sind, unter Berschweigung dieses Umstaudes verkauft oder unter einer zur Täuschung geeigneten Bezeichnung feil hält.§ 10. Ist die in Z 9 Nr. 2 bezeichnete Handlung aus Fahrlässigkeit begangen worden, so tritt Geldstrafe bis zu 150 Mark oder Haft ein.§ 11. Mtt Gefängniß, neben welchem auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden kann, wird bestraft: 1) wer vorsätzlich Gegenstände, welche be- stimmt sind, Anderen als Nahrungs- oder Genußmittel zu dienen, derart herstellt, daß der Genuß derselben die menschliche Gesund- heit zu schädigen geeignet ist, ingleichen, wer wissentlich Gegen- stände, deren Genuß die menschliche Gesundheit zu schädigen geeignet ist, als Nahrungs- oder Genußmittel verkaust, feil hält oder sonst in Verkehr bringt; 2) wer vorsätzlich zur Haushaltung häuslichen Einrichtung, Gefchäftseinrichtunz, oder zur Kleidung bestimmte Gegenstände oder Sptelwaar-n derart herstellt, daß der bestimmungsgemäße oder vorauszusehende Gebrauch dw- selben die menschliche Gesundheit zu schädigen geeignet ist; — ingleichen, wer wissentlich solche Gegenstände verkauft, feil hält oder sonst in Verkehr bringt. Der Versuch ist straf- bar. Ist durch die Handlung eine schwere Körperver- letzung oder der Tod eines Menschen verursacht worden, so tritt Zuchthausstrafe bis zu fünf Jahren ein. ß 12. War in den Fällen des§ 11 der Genuß oder Gebrauch des Gegenstandes die menschliche Gesundheit zu zerstören geeignet, so tritt Zucht hausstrafe bis zu zehn Jahren, und wenn durch die Handlung der Tod eines Menschen verursacht worden ist, Zuchthausstrafe nicht unter zehn Jahren oder lebenslängliche Zuchthauestrafe ein. Z 13. Neben der nach den Borschriften der§§11 und 12 er- kannten Strafe kann auf Zulä'figkeit von Polizeiaufsicht erkannt werden.§ 14. Ist eine der in den§§11 und 12 bezeichneten Handlungen aus Fahrlässigkeit begangen worden, so ist auf Gelv- strafe bis zu eintausend Mark oder Gefängn-ßstrafe bis zu sech? Monaten und. wenn durch die Handlung ein Schaden an der Gesundheit eines Menschen verursacht worden ist, auf Gefängi-iß strafe bis zu einem Jahre; wenn aber der Tod eines Menschen verursacht worden ist, auf Gefängnisstrafe von einem Monat bis zu drei Monaten zu erkennen. Z 15. In den Fällen der§§ 11, 12 und 14 ist neben der strafe auf Einziehung der Gegenstände zu erkennen, welche den bezeichneten Vorschriften zuwider her- gestellt, verkauft, feilgehalten oder sonst in Verkehr gebracht sind, ohne Unterschied, ob sie dem Berurtheilten gehören oder nicht. In den Fällen der KZ 7, 9 und 10 kann auf die Einziehung erkannt werden. Z 16. In dem Urthal:, dem Strafbefehl oder der polizeilichen Strafverfügung kann angeordnet werden, daß die Verurtheilung auf Kosten des Schuldigen öffentlich bekannt zu machen sei. In der Anordnung ist die Art der Bekannt- machung zu bestimmen.§ 17. D'e auf Grund dieses Gesetz s durch Uriheil, Strafbefehl oder polizeiliche Strafoerfügung fest- gesetzten Geldstrafen fallen, wenn für den Ort der Tbat eine öffentliche Anstalt zur technischen Untersuchung von Nahrungs- und Genußmitteln besteht, der Kasse zu, welche die Kosten der Unterhaltung der Anstalt trägt. Die Folgen der czarischen Reformen. Skizzen über die Ausbeutungsfortschritte in Rußland in den letzten Jahren. der neulich erschienenen russischen sozialistischen Revue„Vorwärts" stWporsilI Bd. V. London.) (Fortsetzung.) V. Wir wollen einen großen Theil der staatswirthschaftlichen Thätigkeit, nämlich die Verausgabung der au- dem Volke aus- gepreßten Summen nicht näher untersuchen, obwohl wir grade dabei die Bekanntschaft mit der Ausbeutungsthätigkeit der russi- scheu Regierung machen konnten. Wir muff n auch noch andere Sphären des ökonomischen Lebens des Volkes genau betrachten, und das zwingt uns mit der Coarakterisirung der Regierungs- Maschinerie zu endigen. Nur noch einige Schlußworte über die vorigen Kapitel wollen wir anfügen. Aus den srühern Kapiteln hatten wir Gelegenheit zu sehen, wie die„Reformen" auf die Fortichntle der Ausbeutung des Volkes durch die Regierung gewirkt haben. Das meiste wurde auf dem Gebiete der hohen Finanzen geleistet. Die 23 jährigen „Reformen" vermehrten die Steuern um zweihundertund- fünfzig Prozent. Außerdem fanden wir noch solche neue Ab- gaben, die gar keiner Controle unterzogen werden und die früher d-m Volke gar nickt bekannt waren. Im Ganzen sind die beiden Arten der Abgaben um eine Milliarde im Werlhe gestiegen. Auf jeden Kopf der Bevölkerung kommen Rubel 11,2 l Steuern, was auf eine Familie von 5 Köpfen 56 Rubel aus- macht. Die Ueberreste der Leibeigenschaft führen noch dazu. daß die Abgaben nicht gleichmäßig auf die Bevölkerung, sond rn in umgekehrter Proportton der Klaff nlage ertheilt werden. Aber diese für das Volk so schweren Steuern und Abgaben sind noch nicht Alles, was das Volk zu zahlen hat. W r fanden ferner noch die jährlichen Defizite- ein Fünftel aller Ausgaben—. und diese Defizite werden durch Anteihen gedeckt, wodurch die Staatsschulden um vierhundert Prozent zunehmen, so daß aus jede Familie der Bevölkerung 242 Rubel fallen. � Die Folgen einer solchen Wirtdschaft sind einleuchtend. Das Volk ist nicht mehr, im Stande, alle d.ese Ausgaben aufzubringen und die rückständigen Steuern, trotz all-r Härten in deren Em- treibunq, nehmen mit jedem Jahr zu. Im Zai-re 1863 erreichte» die rückständigen Steuern, außer den communalen Rückständen, die hübsche Summe von 235,900.000 Rubel. Nach drei Jahren Sozialpolitische Uebersicht. — In der Sitzung des deutschen Reichstags vom 22. d. M. fand die erste Berathung über die Steuervorlagen der Regierung statt. Minister Camphausen suchte in längerer Rede diese Borlagen als zweckmäßig zu empfehlen, doch konnte er nur auf den Bänken der Konservativen einige Zustimmung erhalten, welcher dann auch durch den Abg. Helldorf ein tchwacher Au-druck gegeben wurde. Der Biceprüftdent des Reichs- ta�s und designirter„liberaler" Reichsminister Freiherr von Stauff nberg ergriff darauf das Wort und erklärte ziemlich unoer- blümt Namens der nationalliberalen Partei, daß diese, wenn nicht Bismarck einige Minister aus ihren Reihen er- nenne, einer Steuerreform oder Steuererhöhung ihre Zustim- mung versage. Wir empfehlen dem Herrn von Bismarck ganz angelegentlichst das bekannte Liebesliedchen zur Beachtung:„O stille dies Verlangen, stille die süße Pein, zu seligem Umfangen laß die Gettebten ein".— Reichensperger erklärt sich in äußerst dürftiger Rede gegen die Einführung der Tabaksteuer, der er nur zustimmen könne, wenn man die Steuer auf Salz reduzire. Abg. von Wedell- Malchow deutet an, daß die Tabaksteuer- erhöhung wohl nur eine Etappe ans dem Wege zum Tabak- Monopol sei; Finanzminister Camphausen widerspncht dieser Auffassung und bekämpft das Monopol. Darauf springt Fürst Bismarck auf und klagt, daß er keine tüchttgen Milardeiter als Reichskanzler habe, er gedenkt des früheren so überaus fähigen Präsidenten des Bundeskanzleramts Delbrück in überaus schmei- chelhafteu Ausdrücken, die dem Mmister und gegenwärtigen Bun- deskanzleramt-präsidenten Hoffmann wohl gleich schneidigen Dol- chen in die Seele gefahren sein mögen und erklärt dann offen und frei, daß er die gegenwärtige Borlage der Tabakssteuer- erhöhung wohl als einen Uebcrgang zum Monopol ansehe und daß er diesem auch mit aller Kraft zustrebe. Also ein direkter Gegensatz zwischen Bismarck und Camphansen. Es scheint demnach eine derartige Verwirrung unter den Mitgliedern der Reichs- rezierung zu herrscken, daß die beiden hervorragendsten derselben sich nicht einmal über die Tragweite und Bedeutung eines ein gebrachten Gesetzentwurfs einig sind.— Dadurch zeigt sich denn doch das Organisationstalent Bismarcks in einem glänzenden Lichte—„Alles wollen die Sozialdemokraten verunzeniren, sie können aber nichts aufbauen*, diesen Kalauer variirte Bismarck auch in der Orientdebatte.„Berungenirt" hat Bismarck aller- Vings den alten deutschen Bund, und das war nicht schwer, da derselbe äußerst morsch war, aber aufgebaut hat der Herr nichts, da das„deutsche Reich" doch sehr bedenklich noch chaotisch in der Luft schwebt. — Ueber die folgende Sitzung(24. Februar) erhalten wir die telegraphische Nachricht, daß die Abg. Richter, Laster, Windt- Horst, Fritzsche und Bamberger sich gegen die Steuererhöhung auf Tabak ausgesprochen haben, wohingegen Eamphausen die Vorlage nochmals empfahl, und Bismarck und von Varnbüler das Tabaksmonopol als einzige Rettung, um aus den Steuer- kalamitäten Herauszugclangen, hinstellten. Zu bemerken ist ans der Sitzung noch, daß Camphansen mit Rücktritt drohte, Bismarck Hingegegen meinte, daß er wahrscheinlich noch länger mit feint m finanztundigen Collegen zusammen arbeiten würde, als er selbst bisher gedacht habe. Das war ein kleiner Klaps, den der Reichs- kanzler den National- Liberalen ertheilte, weil sie seine Steuervorlagen bekämpft hatten. Auf die Rede des Genossen Fritzsche kommen wir noch zurück. — Aus dem Reichstag. Wir theilen nachstehend den Schluß der Rede Liebkuecht's in der Orientdebatte mit:*) Meine Herren, es wurde die Politik des Fürsten Bismarck von ihm selbst vor Ausbruch des Kriegs charatterisirt als eine Politik der Neutralität. Wohlan, die Politik, welche die deut- schen Interessen uns geboten, war eine Politik der Neutralität, das erkenne ich an. Aber Neutralität und Neutralität ist zweierlei. Wenn wir Deutsche auch die dringendsten Interessen. wahre Lebensintereflen in der orientalischen Frage haben, so *) Die Rede Liedknecht's wird— gleich den übrigen Jnterpella- tionSreden— vollständig abgedruckt in der bei Höhme, Leipz-g, er- steinenden Broschüre: Die Orientdebatte im jdeutschen Reichstag, beleuchtet von W. Liebknecht._ (1871) stiegen schon die Rückstände auf 335,890,000 Rubel, was eine jährliche Zunahme von 33 Mill. oder 12.5 Proz. macht. Eine andere Folg- d:r traurigen Lage der russischen Finanzen — das ist die schnelle Baisse der ruffischen Banknoten. Die Börse fängt an einzusehen, daß der„Krach" unausbletblich ist. Außer den jährlichen 128 Millionen Defizit müssen wir noch die Prozente und Abschlagszahlung für dieses Defizit rechnen. So werden die 400 Millionen Rubel Anleihen tn der ersten Hälfte des Jahres 1877 das Defizit noch um 22 Millionen ver- mehren... � Um wieviel der ruffische Itaatskredit auf den ausländischen Börsen in letzter Zeit abgenommen hat, kann man schon daraus sehen, daß das russische Papiergeld fortwährend trn W-rthe fällt. In den ersten Monaten des vorigen Jahres(1877) hatte das Papiergeld einen Verlust von 19 Proz.*), obwohl es damals nur mit 74 Proz. seines Werthes bezahlt wurde. Der ruffische Papierrubel wird jetzt mit nur zwei Drittel seines Werthes be- zahlt, während er bei dem Regierungsantritt Alexanders II. »1 pari nand, im Innern sogar mit einer Agio gegen Gold be- zahlt wurde. Von der Entwerthung anderer Staats- und Privat- papiere sehen wir hier ganz ab. Die Geschichte der letzten Staatsanleihen zeigt uns, wie die Börse, diese Babylonische Dirne, ihren Glauben an der russischen Finanzpolitik, trotz der verlockendsten Verführungsversuche, ganz und gar verloren hat. Die Resultate der Realisation der zwei letzte» Anl-ihen sind uns noch nicht bekannt. Der Krieg mit der Türkei war schon eine längst abgemachte Sache, aber das Geld fehlte dazu. Man wendete alle Mittel an. man war b-strebt, alle auswärtigen Finanziers heranzulocken, dennoch bekam man kein Geld. Endlich, in der Verzweiflung, entschied man sich für eine innere 100- Mill.- Anleihe. Man rechnete dabei auf den künstlich aufgewärmten Patriotismus der Gesellschaft und ans den entbrannten Fanatismus der niedrigen und unwissenden Schichten unserer Geldklaff.'n. Run galt es für unsere Finanz-Alchimisien ans ihren Löchern herauszukriechen.- Der„Regierungs Anzeiger" kündigte in einem Aufruf an das giebt es doch andere Staaten, die ein noch unmittelbareres In- teresse haben, denen die Frage näher auf die Nägel brennt. Wenn die N-utralität Deutschlands so verstanden gewesen wäre, daß wir, sicher hinter unserem Wall von Bajonetten, der Welt gesagt hätten: Deutschland tritt nicht in diesen Kampf ein, wir nehmen Partei weder für die Türkei noch für Rußland, wir lassen geschehen, was geschieht,— was wäre die Folge gewesen? Einsach, daß Oesterreich, statt durch das Dreikanzlerbündniß oder Dreikaiserbündniß gefesselt zu sein, eingetreten wäre in die Aktion, daß England, daß vielleicht auch Frankreich in die Aktion ein- getreten wäre,— gar nicht in ein- kriegerische, das wäre durch- aus nicht nöthig gewesen. Hätten die Regierungen jener Staaten sich frei bewegen können, dann würde Rußland es nicht haben wagen können, seinen Raubzug gegen die Türkei zu unternehmen. Aber so ist um'ere Neutralität nicht verstanden worden. Man hat erklärt, den Krieg lokalisiren und darauf hinwirken zu wollen, daß auch die übrigen Mächte neutral blieben und daß keine Macht zu Gunsten Rußlands oder der Türkei eintrete. Zu Gunsten Rußlands, das war von vornherein sicher, würde kcine Macht in Europa eingetreten sein, weil keine ein Interesse -dazu hatte; und so waren es denn die natürlichen Bundes- genossen der Türkei, welche durch die deutsche Neutralität ab- gehalten worden sind, für die Türkei ihr Schwert oder doch das Gewicht ihres Einflusses in die Wagschale zu werfen. Es ist so das Verhältniß entstanden, daß die verschiedenen Staaten Europas sich gegenseitig vollständig lahm gelegt haben. Oesterreich, mtt der Schlinge des Dreikaiserbündnisses um den Hals, konnte nichts thun; in den fünfziger Jahren hatte es einige Armeecorps in die Donaufürstenthümer einrücken lassen und dadurch Rußland zum Rückzüge genöthigt. Diesmal hat Oesterreich das nicht gethan; Grrf Andrassy wird wahrscheinlich unserem Reichskanzler, für den er ja kein Geh-imniß hat— wie dieser keins für ihn— die Gründe mittheilen können; im Interesse Oesterreichs ist es unter keinen Umständen gewesen. Ebenio steht es fest, daß England stets und überall, wo es zum Frieden rieth, g?hemmt und gelähmt worden ist; in derselben Weise wurde Frankreich lahm gelegt. Kurz, Rußland konnte seinen Raubzug ungestört vollführen. Da sagt man uns, Deutschland dürfe nicht gegen Rußland in die Schranken treten:„wir sind Rußland Dank schuldig, es ist unser alter Allitrter, der uns 1870/71 den Rücken gedeckt hat, als unsere Armeen in Frankretch rangen." Bei einer anderen Gelegenheit ist man nicht so— dankbar gewesen. Ich sprach schon von dem Krieg von 1866; damals hatte Preußen auch einen Freund, der ihm den Rück-n deckte, und der Freund war Frankreich.(Große Heiterkeit.) Ohne die sichere Erwartung, daß Frankreich Frieden halten würde, hätte Preußen im Jahre 1866 nicht gegen Süddeutschland und gegen Oesterreich vorgehen können; an dieser Thatsache ändert Ihr Gelächter nichts.(Heiterkeit.) Freilich, Fürst Bismarck hat uns vorhin mitgetheilt, daß er, als dieser Bundesgenosse nachher etwas unbequem wurde, es sich aufgeschrieben, er Buch darüber geführt habe; und 1870/71 ist es dann heimgezahlt worden. Beiläufig wirft dies ein merk- würdiges Schlaglicht auf die Entstehung des Krieges von 1870 und 71 und bestätigt vollständig die Auffassung, welche von sozialdemokratischer Seite aus—(Heiterkeit) ausgesprochen worden ist, daß der Krieg von 1870/71 die nothwendige Folge des Kriegs von 1866 gewesen ist. E- steckt nämlich Logik in der Weltgeschichte; man kann eine einzelne Handlung nicht begehen und dann die Consequenzen davon abschneiden. Der Krieg, der 1866 Deutschland zerriß, machte die Einmischung Frankreichs möglich, er machte den Krieg von 1870/71 nöthig, und der Krieg von 1870/71 seinerseits hat wieder den Samen ausgestreut zum jetzigen Krieg.(Ruf: Zur Sache!) Ich bin durchaus b-i der Sache, es sind andere Redner viel- leicht nicht so bei der Sache gewesen, wie ich es bin. Ich weiß, es sind das sehr unangenehme Wahrheiten, aber ich denke, wenn Volksvertreter versammelt sind, dann handelt es sich nicht darum, irgend Jemand zu Gefallen zu reden, sondern Jeder von uns ist verpflichtet, ungeschminkt die Wahrheit zu sagen und seine Ueberzeugung auszusprechen— ganz unbekümmert, ob es Andern behagt oder nicht.(Bravo!) Im Dezember 1870, als der Krieg(mit Frankreich) einen veränderten Charakter annahm, als aus dem Vertheidigungskrieg ein Eroberungskrieg zur Annektion von Elsaß-Lothringen *) Hunderte von Millionen sind umsonst und ohne Nutzen seitcnf unsereS Finanzministeriums verausgabt worden, um nur den Wechsel- cours im Auslände zu Unterstufen. D e Ignoranz und Dre.stigke i des Finanzministeriums bei dieser Operation ist schw'r zu b.-jchreiben. E ne compelente Peesönl'chkät bemerkte bei dieser Gelegenheit:„de russische Regierung könnte diese Unrerstützungsgeldec mit gleichem Erfolg in die Themse werfen." Publikum die Anleihe an. Es ist schwer zu sagen, ob diese� Aufruf mehr frech- oder mehr dummwissend war. Die Regierung erzählt:„daß, obwohl die friedliche Thätigkeit der jetzigen Re- gierung die Staatsausgaben vermehrt habe, sie dennoch wohl- thätig auf die ökonomische Entwickelung des Landes gewirkt, und daß fie seit einigen Jahren keine Schulden gemacht habe." Daß dies alles eine freche Lüge ist, das haben ivirjchon in den vorigen Kapiteln zur Genüge gesehen. Weiter versichert die Regierung, daß die Anleihe zur Befestigung des Friedens dienen werde. Wir brauchen unfern Lesern nicht zu erklären, daß wir ohne diese Anleihe jetzt an der Donau und dem Euphrat keine Apostel des Friedens— Krupp'sche Kano- nen— und auch keine Lobhudelei auf die wohlthätige Regie- rung unseres„milden Väterchens"— auch nicht das Stöhnen der Verwundeten in den Ebenen von Bulgarien und in den Gebirgspässen Armeniens zu hören bekommen hätten. Die Resultate der Zeichnungen auf die„patriotische" Anleihe fielen sehr schlecht aus. Die ganze Zeichnung seitens privater Leute erreichte kaum 40 Mill., die Börse verhielt sich ganz kühl zu diesem„papiernen Wesen". Der Verwalter der Staatsbank, Lamansky, haftbar für den Erfolg der Anleihe, griff zu einem Betrug, um nur das Fiasko der Anleihe im Innern des„patriotisch" gestimmten Landes zu verhüllen. Ec beschloß, die Anleihe durch Mittel der Staats- bank zu decken, aber die Bank war selbstverständlich nicht im Stande, diesen Plan auszuführen. Lamansky lud zu sich alle seine Bör>enfreunde ein und bat, sie möchten Anweisungen auf die Staatsbank ausfertigen. JEie Anweisungen sollen darin be- stehen, daß die Bank die Börsianer als Unterzeichner der Anleihe betrachtet.„Nach vollständiger Deckung der Anleihe, bestimmte Lamansky seine Freunde, die unterzeichneten Summen für sich behalten. Die Börsenmänner willigten ein, denn„eine Hand wäscht die andere", und Dank diesem Kunstftückchen schien die An- leihe sogar 123 Millionen ergeben zu haben. Selbstverständlich schafft man mtt solchen Manipulationen weder Geld noch Kredit, aber der äußere Schein wird gewahrt, und das Bublikum. mit den Börsengeheimnissen unbekannt, wird hinter'« Licht geführt. Aber für uns ist Eins wichtig, nämlich, daß der Kredit Rußlands gänzlich untergraben und folglich der Bankerutt unausbleiblich ist. Wann der Sturm zum Losbruch kommen wird— wissen wir nicht; daß er aber nahe ist, das ist unzweifelhaft. (Fortsetzung folgt.) wurde, protestirten meine Parteigenossen und ich gegen die Fort-> wenn sie diese Lehre begreifen. Und jetzt ist sie fürwahr so ein- sührung des Kriegs zu diesem Zweck, und damals wurde auf � dringlich gegeben, daß ich hoffe, alle Völker der Erde werden sie der Rednertribüne des R-ichstags von mir ausgesprochen, daß begreifen! die Annektion von Elsaß-Lothringen sich schwer rächen werde an Sie mögen sich gegen die Wahrheit sträuben wie Sie wollen, Deutschland, daß sie nicht blos ein politisches Verbrechen aber Sie werden die K-iege nicht eher beseitigen können, als bis, sei, sondern ein verhängnißvoller politischer Fehler, und wie ich vorhin sagte, sich die Reiche d r Welt auf die Gerecht-g- daß in dem Moment, wo die Annektion zur Thatsache werde,! keit gründ.n, bis die Völker ein neues Völkerrecht geschaffen der Schwerpunkt der europäischen Macht nicht von Paris nach baben, ein wahres Völker- und Menschenrecht, welches daS gleiche Berlin, sondern von Paris nach Petersburg verlegt wer- Recht jedes Einzelnen anerkennt. Dann erst, vorher nickt, wird den würde, weil Frankreich nach der Annektion von Elsaß- der Wellfriede möglich sein. Die sozialdemokratische Partei, die Lothringen auf Generationen hinaus das Revanchegelüst empfin- Sie verlachen, wenn sie in dieser Weise auftritt, sie hat auf ihr den und aus Rachsucht bereit sein müsse, sich jedem Staat, der Schild geschrieben die Forderung einer Politik, welche die sitt- ihm zur Wiedereroberung verhelfen würde, als Bundesgenossen lichen Grundsätze des Privatlebens auf das öffentliche Leben aufbieten. Ich machte damals ausdrücklich darauf aufmerksam, überträgt. Das, was die Moral im Privatleben erheischt, soll daß Rußland sofort die erste besse Gelegenheit benutzen würde, auch gelten in dem öffentlichen Leben, in der Politik. Heut um die orientalische Frage auf das Tapet zu bringen. �wird der Diebstahl im Kleinen schwer bestraft, im Großen aber Es ist so g lommen. Das Europa, welches Rußland den Frieden von Paris auf- «rlegt hatte, in zersprengt, ist aufgelöst worden durch die Blut- und Elsenpolitik, welche im deutschen Reich zur Herrschaft ge- langt ist. Das alte europäische Staatensystem, soweit es noch fortbestand, ist durch die Kriege von 1866 und 1870/71 ver- nichtet worden, es ist jetzt blos ein Trümmerhaufen, und nach- dem die Türkei— mit Oesterreick der letzte Rest des alten Europa— zerschmettert worden(Gelächter), bleibt nur noch constanre es hiermit. gepri sen; der Raub ganzer Länder bedeckt mit Ruhm, während der Raub eines Nahrungsmittels ius Znchihaus bringt. Das ist ein moralisches Chaos. Wenn dieses Chaos gelichtet und einmal die Moral in die Politik eingezogen ist, werden die Ge schick- der Völker anders und zum Herl für die Menschheit ge- lenkt werden!(Lachen.) Es ist sehr charakteristisch, daß über die Kundgebung solcher Grundsätze gelacht wrrd. Auch das ist ein Zeichen der Zeit; ich dem Rußland hundertfach als Lügner und Räuber entlarvt wot« den), ist kein Düpe(Betrogener), sondern Mitschuldiger. — Die Friedensverhandlungen zwischen den Russen und Türken sollen wieder in's Stocken gerathen sein. Wenn die umlaufenden Gerüchte(Drohung der Russen, sie würden Con- stantinopel besetzen, wenn nicht binnen wenigen Tagen der Friedens- vertrag unterzeichnet sei u. s. w.) auf Wahrheit beruhten, ließe sich die Störrigkeit der Türken nur aus Abmachungen mit Eng- land erklären, an die vorläufig nicht zu glauben ist. Wie die Dinge tt'hen, scheint der Zusammentritt des Congresses(in Baden-Baden) und eine Verschiebung der Krisis ziemlich gewiß. Die militärische Lage der Russen ist, trotz aller Renom- misterei, keineswegs eine glänzende, und dürfte ihnen einige Mäßigung auferlegen. Ohne Concesfionen an Oestreich und England, und wären es auch bloß Concesfionen der Form nach und auf dem Papier, geht es nun einmal nicht ab. Der„ehr- � liehe Makler" wird schon einen Ausweg finden.— Oesterreich übrrg, und wenn dieses auch einstweilen noch fort- besteht, die Türkei wird es wahrscheinlich nicht sehr lange über- leben.(Gelächter.) Meine Herren, ich habe noch ein kurzes Wort an Sie zu richten. Ich wußte, daß meine Stimme hier vereinzelt sein wird; ich weiß, daß die Gefahren, welche uns durch die jetzige Lage der Nun, meine Herren, es wurde 1870 über unsere Auffassung Dinge erzeugt werden, noch nicht J-dem zum klaren Bewußtsein der Dinge gerade so gelacht, wie Sie jetzt lachen, und trotzdem gelangt siud. Es wird aber bald eine Zeit eintreten, wo das ist, was wir damals sagten, in Erfüllung gegangen. Die Aera des Friedens, der Freiheit, der allgemeinen Entwaffnung in Europa, das schöne Wort: das Kais-rreich ist der Friede, das alles hat nicht die Probe der geschichtlichen Entwickelung bestan- den, es ist nicht so gekommen, wie Sie geglaubt haben, es ist so gekommen, wie wir nicht blos geglaubt, sondern an dieier Stelle auch vorausgesagt haben. Nack der Annexion von Elsaß- Lothringen beltand die„europäische Polizei" nicnt mehr. Ruß- land konnte thun, was es wollte; machte Deutschland Miene, rhm entgegenzutreten, dann konnte man von St. Petersburg, wie das in den russischen offiziösen und offiziellen Blättern wieder- holt geschehen ist, mit der französischen Allianz drohen, man konnte einfach von Deutschland verlangen: dafür, daß wir euch 1870/71 den Rücken gedeckt, habt ihr jetzt den Gegendienst zu leisten: jetzt deckt ihr uns den Rücken: ihr braucht uns indeß niat mit Armeen beizustehen, nein, sorgt nur dafür, daß Polen hübsch ruhig bleibt— da kommt eine Rinderpest oder so etwas— (Heiterkeit), sorgt dafür, daß Oesterreich ruhig bleibt, daß die Engländer sich nicht rühren, daß Frankreich Frieden hält! Das hat man denn auch g-toan, und das war und ist für Rußland mehr werth als die Mobilisirung aller deutschen Armeekorps. In diesem Sinne ist die deutsche NeuEalität durchgeführt worden; Rußland hat gethan, was es gewollt hat, es steht heute vor Constantinopel, die Türkei ist niedergeworfen, und die Her- ren Staatemänner wollen nun auf einem Congreß zusammen- kommen, um das Unheil, welches sie angerichtet haben, oder— was ziemlich das Nämliche— welches sie haben geschehen lassen, wieder gut zu machen. Meine Herren, ich muß sagen, zu diesem Congreß habe ich nicht das geringste Vertrauen. Wer ist es denn, der auf den Kongreß kommt? Die Staatsmänner, welche die Feuersbrunst, nachdem fie Jahre lang vorher angekündigt word n war, ruäig haben anlegen lassen, die nichts dazu gethan haben, fie zu löschen, als es noch leicht gewesen wäre. Und diese nämlichen Staatsmänner sollen die nun so unlö-bar v.-rwickelte Frage in dem jetzigen Stadium lösen? Nie und nimmermehr! Es ist wohl möglich, daß eine Lösung„von Fall zu Fall" gefunden wird, d. h. eine solche, die ein paar Jahre vorhält, das mag fein; aber wenn der jetzigen Machtverschiebung, wie fie in Europa staltgefunden hat, nicht gründlich ein Ziel gesetzt wird, wenn nicht auf einer anderen, besseren Grundlage das europäische Staatensystem aufgebaut wird, dann müssen Sie darauf gesaßt sein, durch ähnliche Blutscenen, wie fie in den letzten Monaten Jeden von uns mit Entsetzen erfüllt haben, periodisch hindurch zugeyen Wir werden von einem Krieg in den andern kommen! � bie. nach der' Türke ist die Reihe an et Stiebe, wie er jetzt, wenn Rußland Nicht noch ,m letzten Moment ein Paroli geboten wird, gunstigsten Falls möglich ist- dieser Friede wirft die Keime der Vernichtung.n den österreichischen Staat hinein. Das Pr,nc.p der Nationalitäten welches von Rußland mit solchem Gluck gegen d.e Türkei ausgeb.utct worden ist, wird genau in derselben Weise ausgebeutet werden gegen Oesterreich. Da mag m/in VrmÄ ttinrt fniff hfl mrtrti»« s»« f___ ä-a...... mit deutscher Hilfe, blos durch uns, mächtig gewordene Rußland seine Krallen auch gegen Deutschland richten wird. Zunächst ist a�erdings Oesterreich der bedrohte Theil, aber Oesterreich ist doch blos ein Stück von Deutschland, und so weit es nicht direkt deutsch ist, ein Vorland Deutschlands. Die deutsche Kultur, das deutsche Reich wird den verderblichen Einfluß der durch die deutsche Neutralität geschaffenen Präponderanz Rußlands zu er- tragen haben. Bis jetzt haben wir den Frieden aufrecht erhal- ten, und es wird vielleicht gelingen, ihn noch einige Jahre auf- recht zu erhalten, dann aber wird ein Moment kommen, wo der Friede nicht mehr möglich ist, wo dieMacht Rußlands sich in einer Weise geltend macht, daß das Schwert gezogen werden muß, und dann denkt vielleicht der eine oder andere von Jhner daran, daß die Sozialdemokraten es gewesen find, die im Reichstag sagten: das, was ohne Blutvergießen im Jahre 1877 für Deutschland und für die Welt durch eine wahrhaft nationale Politik und die ehrliche Neutralität Deutschlands hätte errungen werden können, das muß einst mit unsäglichen Opfern, mit furchtbarem Blutoer- lust von der deutschen Nation erkämpft werden. Und dann wird auch mancher von Janen bereit sein, in das Urtheil einzustimmen. welches ich über die herrschende Politik gefällt habe.(Bravo!) — Bekanntlich hat das Bundeskanzleramt dem Reichstag eine Zusammenstellung der Ergebnisse der letzten Reichstags wähl vorlegen lassen. In Bezug auf Sa ch- sen bestätigen die hier veröffenilichten Ziffern die schon früher von uns konstatirte Thatsache, daß die Sozialdemokratie die stärkste Partei im Lande ist. Nach prozentualem Verhältniß haben in Sachsen die Deutsch-Konstrvatioen 16 3 Prozent, die deutsche Relchspartst 6,2 Pcoz.. die Natwnalliberalen 27,8 Proz., die Forrschriltspartei 12 4 Proz., das Centrum 0,5 Proz. und die Sozialdemokraten 36,6 Proz. der abgegebenen Stimmen auf ihre Candidat n vereinigt. Nach„gesunden Begriffen" vom C"»- stitutionalismus müßte die Soziald-mokratie bereis im M niste- rium sitzen und sich an der staatsleitung bckheiligen. Statt dessen refidirt sie in den Gefängnifs n des Landes. Die„ge- sunden Begriffe" vom Constitutionalismus sind eben eitel Phan- tastereien, der Constitutionalismus ist und bleibt ein ungesundes Ding, von dem man folgerichtig auch keine„gesunden Begriffe" haben kann. — Etwas für unsere National Patrioten. Im„He- . rald of Peace", dem Organe der englischen Fciedensl ga, be findet sich in der Nummer vom 1. Februar d. I. folgende Notiz: „Von 305,000 jungen militärpflichtigen Leuten entzogen sich im vergangenen Jahre nur 500— 600 der Erfüllung dieser Pflicht in Frankreich. In Deutschland entzogen sich im selben Jahre von 406 000 Militärpflichtigen 40,000.— Diese Angaben sind allerdings zuungunsten Preußen- Deutschlands übertrieben, jedoch ist das wahre Verhältniß immer noch wie 1 zu 3 zu Gunsten Frankreichs. Behandle man vie Leute in Deut'chland besser, so werden nicht so viele Soldatenselbstmorde, Desertionen und Pflichtentziehunzen mehr vorkommen. Uns kann es übrigens reichische Interessen beut, che Interessen— das ändert nichts an � � p der Sachlage. Wenn man für diese Interessen hätte eintreten � � wollen, dann hätte man es früher thun müssen. Ich glaube— Nach dem Tode Ralpail s, der Abgeordneter für für Oesterreich ist es schon zu spät; die Dinge sind soweit ge- Marseille war, tauchte bekanntlich unter den Marseiller Arbeitern gangen, daß das heutige Oesterreich überhaupt nicht mehr auf- � auf' Blanqui bei"r��wahl das Mandat zu recht erhalten werden kann übertragen, und dem greisen Vorkampfer des revolutionären Volks Do' davon jetzt nicht mehr! /Rufe: Sehr gut!) s° vielleicht die Pforten des G-sänqnlsses zu öffnen. W e wir I habe ausgeführt, daß die deutsche Neutralität nicht eine""n hören, hat d.e Idee all'eitag Anklang gefunden und durste svlw. w l w.e nach dem gewöhnlichen Begriff unter dem Erwarten nach zur«�Irnnz gelangen Erwähnt e, WoriN.u.ral.ta- verstanden wird Die d utsche Neutralität war b.- daß der G mndh.llszaitand«lanqu.�s, und ist eine einseitige, eine rusi-nfteundl.che, sie ist ausschließlich hat. Ruyland zugute gekommen, während von Seiten der deutschen Ganzen ein relativ ziemlich g I g ist. twif tun? �wohl als anderer Regierungen Alles aufgeboten um die Türkei in der Aktion zu hemmen.— Wie Rußland die unterdrückten slaoischen Na'- nun geschehen, und für den Augenblick, tionalitäten befreit. In der.Ocientdebatte" vom vorigen min-« ba Vichts mehr gut zu machen. Aber Eins, Mittwoch wurde u. A. der Thatsache gedacht, daß, laut De- d-n tiisOiJfurir Un� bvs ist vielleicht.der einzige Vyrtheil, peschen der englffchen Regierung, auf türkischem Gebiet Polen, Hv m.ninu». s ätzten Jahrs mit sich gebraut— Eins haben! die von den Russen gefangen genommen worden, aufgelängt m- monm oulafc die Völker haben einmal gelernt, mit> wurden. Heber eine dieser Zethätigunzen der russischen Kultur- wie wen g 4Le syeit die Welt regiert wird und wie kläglich es Mission wird der„Vpinschen Zatung" in Berlin geschrieben: eigenlticy ll der Staatsweisbeit unserer Staats-„Unweit Tschorlu, wenige Meilen oon Konstantinopel, wohnte manner von stach bestellt ist! Wofür haben wir Staats- der aus d-m Jahre 1863 bekannte polnische Insurgenten-Chef manner und megielungen. als um den Völk rn Ordnung und Taczanowski. Derselbe war vor Jahren schon zum Islam streiheit zu sichern, den Frieden zu erhalten, damit sie den Wohl- übergetreten und hatte sich in jener Gegend angesiedelt, wo er stand pflegen köiineui' Statt dessen hat man die Dinge geben sein Landgut bewirthschaftete, und wollte sein Eigenthum auch lassen, wie ssc wolllen, die verwickelte Lage noch mebr verwickelt wahrend der russsschen Occupation nicht oerlassen. Als die Russen und eine Kaia'tropbe hereinbrechen lassen, wie sie grauenhafter Tschorlu besetzten, wurde Taczanowski verhaftet, vor ein Kriegs- nicht gedacht werden kann. Tritt etwa in dieser Katastrophe geriyt gestellt, zum Tose oerurtheilt und durch den Strang als Frubt der russlichen Erfolgs ein sistlich s Element, ein hingerichtet. Taczinowskl war Unterthan des Sultans, «amurelement hervor/ Glauben Sie, dag von Rußland für die hatte nie aktiv am ftnege theilgenommen und keinen W der land s?,' �Ie da angeblich befreit sind, auch nur der geringste Vor- geleistet. Nach den kriegsrehtlichen Gebrauch n aller ewilisirtin drrt in politischer oder ökonomlicher Hinsicht geschaffen wird? Völker war er daher für die Russen unv.wletzlich." c*h 9?ufaen. sie selbst nicht, denn ein Blick auf Rußland zeigt Was natürlich„L iterchea" Nicht hinderte, ihn aufhängen zu v s»"!«6 ��Eeit einer solchen Hoffnung! So bleibt also für lassen. Pflichten und Verträge sind blos für die Änderen vie Bolker keine Errungenschaft übrig, als der volluändige Rußland pfeift auf das Völkerrecht, wie es auf das Menschen. -bankerott der gesammten europäischen Staatsmannschaft.und das recht pfeift. Mst gutem Grunde sagte Liebknecht im Reichstag- it eine große Lehre für die Völker und ein großer Gewinn, Wer den russischen Humanitäts und Kulturphrasen glaubt(nach: — In Gotha wurde am 20. Februar der verantwortliche Redakteur der„Thüringer freien Presse" Paul Werner nach einem kurzen Verhöre über sein Verhältniß zur Redaktion dieses Blattes in Haft genommen und erst Tags darauf, nach aber- maligem Verhör, wieder entlassen. Auch das gesammte Personal, sowie der Vorstand der Thüringischen Genossenschaftsdruckerei, in welcher die„Th. fr. Pr." gedruckt wird, war am 21. d. vor dem Untersuchungsrichter, um Auskunft über die Redaktionsverhält- nisse der„Th. fr. Presse" und der„Erfurter Volkszeitung" zu geben. Man sieht, auch Gotha bleibt nicht zurück, wenn es gilt, Sozialdemokraten zu verfolgen. — Der wegen der bekannten„indirekten Majestäts- beleidigung" in allen Instanzen zu 3 Monaten Festung ver- nrtheilte Herausgeber und Redakteur der„Wage", Dr. Guido Weiß hat sich zur Abbüßunz seiner Hast am Montag nach Mageburg begeben. — Unser Parteigenosse Jacob Weber in Nürnberg ist wegen 6 Stromer- und einer Crämerbeleidigung am 21. d. M. zu 8 Monat Gefängniß vom mittelfränkischen Schwurgericht ver- urtheilt worden. — In München ist eine Broschüre über den Prozeß Rohleder:„Die Behandlung der politischen Gefangenen in Bayern" erschienen; dieselbe kostet 20 Pfennige. Der ganze Ertrag ist für die Familien der inhaftirten Münchener Parteigenossen bestimmt. Möge das Schriftchen den aus- gedehntesten Absatz finden!(S. Jnseratentheil.) Correspondenzen Aertin, 19. Februar. Nachdem wir hier einige große B:r- sammlungen ,n Bezug auf die Kirchenfraze in letzter Zeit be- kanntlich gehabt hatten, fand am 17. ds, Mts. in den unteren colossalen Räumen der Gratweil'schen Bierhallen eine groß- artige Volksversammlung statt, in welcher der Reichstagsabge- ordnete Hasenclever über die„Stellung der deutschen Re- gierung in der Orientfrage" referirte und die russenfreundliche Politik Deutschlands auf das Schärfste vernrtheilte. Redner wies, anknüpfend an das bis jetzt getreu befolgte sog. Testament Peter's des Großen, nach, wie die ganze Politik der barbarischen russischen Regierung darauf hinauslaufe, die Völker zu verhetzen oder sich dienstbar zu machen, um ihre panslavistischcn Er- oberungspläne zur Ausführung zu bringen, worin die größte Gefahr für die bisher errungene westliche Civilisation liege. Es sei deshalb die Rußland in jeder Weise dienstwillige Politik Deutschlands energisch zu bekämpfen. Die Versammlung schloß sich in einer Resolution den mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Vortragenden an, indem fie gegen die russen- freundliche Politik Deutschlands protestirte und für die Wahl von sozialistischen Candidaten zu dem Reichstag sich aussprach.— Bei der Wichtigkeit der Frage waren zwei Versammlungen in Aussicht genommen worden, es konnte aber wegen Mangels an einem geeigneten zweiten Lokale nur diese eine stattfinden. Der Andrang war ein ungeheurer. Schon kurz nach 8 Uhr begannen sich die großen Räume der Bierhallen zu füllen. Nach 9 Uhr war schon kein Platz mehr zu erlangen und Tausende konnten ihrer Stimmung in dieser wichtigen Tagesfrage keinen Ausdruck verleihen. Die„National-Zeitnng", die einen eigenen Referenten zu der Versammlung geschickt hatte, bringt über dieselbe folgenden Be- richt, der seiner Eigentümlichkeit halber die Leser deS„Bor- wärts" wohl interessiren dürste: „In einer am Sonntag Vormittag in Gratweil's Bierhallen abgehaltenen Volksversammlung sprach der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Hasenclever vor einer zahlreichen, dicht gedrängten Menge über die Orientfrage. Sowohl Feldmarschall Moltke, welcher erklärt habe, ohne Deutschlands Zustimmung würde in Europa kein Kanonenschuß gehört werden, als auch der„geniale" Kanzler, welcher das„bischen Herzegowina" so spöttisch behandelt habe, seien durch den Verlauf der Ereignisse eines colossalen Jrrthums überführt worden; darum wäre es erlaubt, an der Unfehlbarkeit der von der Regierung befolgten auswärtigen Politik zu zweifeln. Redner rollte ein ganzes Sündenregister der russischen Diplomatie auf und suchte als „Geschichtskenner"' in Rußland unsern„Erbfeind" nachzuweisen, dem wir nicht den geringsten Dank schuldeten, dessen Barbarei und Raublust nicht schwarz genug gemalt werden könnte. Zur Begründung mußte das Testament Peter's des Großen oder„des Grausamen", wie der Redner ihn nannte, mal wieder herhalten. - Die Annex on von Elsaß-Lothringen habe das deutsche Reich bei den Nachbaren„unbeliebt" gemacht und zugleich dem russischen Zaren Anspruch auf Gebietserweiterung gegeben.— Dem Reich«- kauzler schiebt der Redner einen ,m Bunde mit Rußland vor dem Beginn des Krieges gefaßten Plan unter, nach welchem Oesterreich durch Gründung mehrerer slavtschen Reiche an seinen Grenzen so zerstückelt werden sollte, daß das übrig gebliebene Deutsch- Oesterreich ganz von selber dem deutschen Reiche m den Ichooß fallen müßte, einen Plan, der durchaus Hasenclever s Billigung findet, der aber ohne Berücksichtigung der„türkischen Tapferkeit" gemacht sei. In dem gegenwärtigen Kriege habe das russische Reich sich als schwach und unbeholfen gezeigt und habe seine militärischen und pekuniären Hülfsmittel bis zur Er- schöpfung aufwend-n müssen. Eine Bundesgenossenfchaft mit Rußland sei also jetzt nicht mehr ein genügender Schutz für Deutschland gegen eine etwaige Coalition Oesterreichs, Englands und Frankreichs. Nach des Redners Meinung müßte jetzt die deutsche Reichsregierung sich offet. zu England und Oesterreich stellen und der russischen Eroberungspolitik ein Halt gebieten. So nur könne aus lange Zeit der Friede erhalten werden.-a- Charakteristisch war eine Bemerkung des Redners über die für Dienstag auf die Tagesordnung des Reichstages gestellte Jnter- pellation(in Betreff der Orientfrage):„Wenn er, Hasenclever, an des Reichskanzlers Stelle wäre, so würde er den„Kerls" gar nicht antworten." Gegner meldeten sich nicht zum Worte: „die sind viel zu dumm dazu" ertönte eine Stimme aus dem Publikum. So wurde denn ohne weitere Diskussion unter dem Widerspruch von zwei Stimmen oder vielmehr Händen folgende Resolution angenommen:„Die in Gratweil's Bierhallen ver- sammelten Bürger Berlins stimmen den Ausführungen des Reichs- tagsabgeordneten Hasenclever Ztv, protestiren also gegen die von der Reichsregierung befolgte Politik in der Orientfrage und ver- sprechen, bei der nächsten Wahl einem sozialistischen Abgeordneten ihre Stimme zu geben." Auf eine Anfrage, ob der Reichstags- abgeordnete Bebel während der Seffion auS der Haft entlasten werden könnte, kündigte Hasenclever für eine der nächsten Sitzungen einen darauf bezüglichen Antrag an, zu dem jetzt noch einige Unterschriften fehlten. Dabei vergaß er nickt, der Ma jorität des Reichstages Eins zu versetzen: denn Valentin und Genosten hätten dem Bebel die Antwort auf die Angriffe des Reichskanzlers im Jahre 1875 abgeschnitten; die Broschüre, worin er sie zu geben versuchte, habe ihn in's Gcfängniß geführt. Ein mehrstimmiges„Pfui" auf den Reichstag, und die Versamm- lung ist geschlossen." Daß vorstehender Bericht der„National-Zeitung" in seiner drastischen Form vielfach ungenau ist, brauche ich wohl nickt her- vorzuheben. Hasenclever hatte nämlich, ehe er von den Jnter- pellanten(„Kerls") sprach, ihre Demuth hervorgehoben, die so weit gehe, daß man von Seiten der Nat'onal-Patriotcn ebenso gläubig zu Bismarcks Kürassierstiefeln wallfahren würde, wie jetzt die Klerikalen nach Marpingen. Auch war der Redner mit dem von anderer Seite(nicht von ihm) dem Reichskanzler unter- gelegten Plane, Oesterreich die panslavistische Laus in den Pelz zu setzen, um dadurch den Zerfall des Kaiserreichs zu bemerk- stelligen, nickt durchaus einverstanden, sondern«r bemerkte, daß ein solcher Plan an und für sich nicht dumm sei, daß man aber die Widerstandsfähigkeit der Türkei unterschätzt, die Kraft Ruß- lands überschätzt habe, und dies sei ein colossaler Fehler. Noch will ich mittheilcn, daß vom Vorstand des fortsckritt- lichen Wahlvereins im Berliner 6. Wahlkreise zum Mon- tag den 18. d. M. eine Versammlung in Moabit ausgeschric- ben worden war, in welcher der Reichstagsabgeordncte Bürgers über die Revision der Gewerbeordnung sprechen sollte. Es waren dazu aber nur 60 Personen erschienen und wurde deshalb die Versammlung nicht abgehalten. Man sucht diese unangenehme Thalsache mit der in Berlin arrangirten Fest-Jllumination und vier anderen in Moabit gleichzeitig abgehaltenen Versammlungen zu erklären und abzuschwächen. Wenn wir aber die vor nicht allzulanger Zeit im 1. Berliner Wahlkreise abgehaltene, eben- falls sehr schwach besuchte Versammlung mit dieser in Verbindung bringen, so dürfte der Grund dieser Erscheinung doch wohl wo anders zu finden sein, und wir mit Recht darauf schließen können, daß die Fortschrittspartei trotz der neueren Anstrengungen sich in rapidem Niedergang befindet.— Stellt man die großartigen Berliner Volksversammlungen, welche von unserer Partei in letzter Zeit abgehalten wurden, diesen Fortschrittsconferenzchen gegenüber, so kann man nicht in Zweifel darüber sein, daß die Hochburg des Fortschritts zum größten Theil von den Sozial- demokraten schon erstürmt ist. Krfurt, 10. Februar. Hier gewinnt es jetzt den Anschein, als ob unsere Agitation, die bisher nur langsame Fortschritte zu verzeichnen hatte, nun endlich besser in Gang kommen würde. Es ist dies auch kein Wunder, denn unser hiesiger Staatsanwalt sowohl wie die Geistlichkeit thun alles Mögliche, uns in die Hände zu arbeiten. Es ist bereits im„Vorwärts" erwähnt, daß gegenwärtig hier zwei Gotteslästcrungsprozesse schweben; heute kann ich berichten, daß drei weitere Prozesse eingeleitet find und sich gegen den jetzigen verantwortlichen Rcdacteur der „Erfurter Volksztg." richten. Der erste ist wegcn des Aufsatzes von Dr. Johann Jacobi's,„Die drei Zauberformeln", welcher in der„Thür. Fr. Presse" in Gotha und in der„Erfurter Volksztg." abgedruckt worden, anhängig gemacht und soll darin gegen 8 100 und 131 gesündigt sein; außerdem war in dem Aufsatze auch„grober Unfug" verübt worden. In einer an- dern Nummer soll der verstorbene König von Italien, Victor Emanucl, beleidigt sein, und zwar weil er ein Wüstling und ein Wechselfälscher genannt worden war, und auch der jetzige König Humbert ist beleidigt. Der Passus war aus der.Verl. Fr. Pr." entnommen, hatte mithin die Eensur Tcssendorff's passirt, ohne beanstandet zu werden! Weiter wurde am 2. d. M. unserer Expedition wieder einmal— der Ehre eines polizeilichen Besuches theilhaftig, und zwar weil in der Nummer vom 25. Januar der „Volksztg." der verstorbene König von Italien abermals„Wechsel- falscher" genannt worden war. Da nun aber von den gesuchten Exeniplaren, wie gewöhnlich, kein einziges Exemplar mehr vor- zufinden war, so begann das Suchen nach dem Manuscript, aber auch das war erfolglos. Nun aber verstiegen sich die beiden geheimen Schutzmänner so weit, an den Expedienten das Ver- langen zu stellen, ihnen alle Restaurationen zc. zu nennen, in welchen die„Volksztg." ausliege. Derselbe wies dies Ansinnen selbstverständlich zurück, und da auch die Abonnentenlisten sich Nicht vorfanden, so wurde mit Verhaftung gedroht; selbstverständ- lich ließ sich dadurch Niemand erschrecken. Da bemerkte der eine der beiden Confiscatoren, daß der der Verhaftung Gewärtige Schriften in seiner Rocktasche habe; im Nu wurde er gepackt und ihm dieselben, trotz seines Protestirens. aus der Tasche gezogen. Selbstverständlich kann angesichts solcher Thatsackcn eine tägliche Vermehrung des Abonnements auf die„Volkszeitung" nicht aus- bleiben. Wenn auf der einen Seite der Staatsanwalt und seine Organe für uns agitiren, thun es die Christlich- Conservativen auf der andern Seite. Es würde den Raum de»„Vorwärts" zu sehr in Anspruch nehmen, wollten wir all der interessanten Vorkommnisse gedenken. Nur noch eines Falles wollen wir seiner Originalität halber kurz erwäsncn. Hier bestehen mehrere sog. Kirchenvereine; einer derselben hatte auf die Tagesordnung einer seiner kürzlich stattgehabten Versammlung:„Christenthum und Sozialdemokratie" gestellt. Ein Genosse besuchte daher auch diese Versammlung und hörte nun, wie der Herr Pastor Bärwinkel aus dem theilweisen Inhalte dreier Exemplare„Volksztg." die Sozialdemokratie zu vernichten wähnte. Auf all den Ünsinn, die Entstellungen und Verdrehungen einzugehen, wird der Leser wohl nicht erwarten, da man dies fast an jedem andern Orte in ähnlicher Weise mit ansehen kann. Interessant ist nur der Schluß, wo der Pastor mit Pathos ausrief:„Wir werden fort- fahren in der Liebe zu Gott und den Menschen, wir werden Jedem, auch dem Sozialdemokraten, Liebe entgegen tragen." Kaum hatte er jedoch seinen Vortrag geendigt, so stürzten fast alle Mitglieder seiner Heerde, denen er seit sechs Jahren nichts wie Liebe gepredigt, über unfern Genossen, von denen sie heraus- gewittert hatten, daß er Sozialist sei, her; die gemeinsten Schimpf- reden, welche wiederzugeben uns unser ästhettsches Gefühl nicht gestattet, mußte er mit anhören. Fäuste wurden gegen ihn er- hoben, und nur der größten Anstrengung dreier Personen, denen trotz der Liebcspredigten doch der Anstand noch nicht ganz aus- gegangen war, bedurfte es, um die Menge von Thätlichkeiten zurückzuhalten. Solcher Vorkommnisse könnten wir noch gar viele anführen. Bei dieser Kampfcsweise kann es natürlich nicht ausbleiben, daß wir zu einer größeren Macht heranwachsen als bisher. D. Br. Nietefekd, 8. Febr. 1878. Der hiesige soz-aldemo- kratische Wahlverein veranstaltete am 5. und 6. c. Bolksver sammlungen.— Die erste im Lokale des Herrn Brodhage in unserer Vorstadt Gadderbaum, die zweite im Vereinslokale des Herrn Kahle hier.— Herr Oebme, den wir schon vor einiger Zeit hier kennen lernten, war R.-ferent und sprach in der erstgenannten Versammlung„Ueber die Bedeutung der Presse für den Volks geist" und in der zweiten„Uebcr die deutsche Reichsgesetzgebung und ihre Folgen für das arbeitende Volk".— Die Versammlungen waren gut besucht und beionders die letzte derselben in dem nicht zu geräumigen Vereinslokale geradezu überfüllt.— Herr Oehme wußte in klarer, ruhiger und fesseln- der Weise die gestellten Thema vor dem ihm gespannt folgenden Auditorium zu entwickeln und seine Darstellung erfreute sich im Ganzen des Beifalls Aller— zumal der Parteigenossen.— Nur in einzelnen Ausführungen regte sich doch eine recht energische Opposition von Seiten der„christlich-sozial>n" Partei, welche der ausgegebenen Parole gemäß, sich in kompakter Masse an den Versammlungen betheiligte.— Dieser Betheiligung verdanken wir das erhöhte Interesse, welches die Vorträge des Hrn. Oebme gefunden haben. welckeS in den sich anschließenden, lebhaften De- batten seinen Ausdruck fand und welches wegen des vornehmen Frrnhaltens unserer Gegner von unseren öffentlichen Versamm- lungen sonst kaum bervortrat.— Der Chef-Redakteur der„Neuen Westfälischen Bolkszeitung" des hiesigen Organes der christ lich- conservativen Partei— Herr Pastor Di-tz, suchte voriugs- weise an beiden Abenden diejenigen Ausfuhrungen des Herrn Oehme, welche den frommen Partei-Anschauungen nicht entsprochen, zu entkräften und im Einzelnen als unerwiesen und falsch abzuweisen.— Selbstverständlich konnte ja bei der Grund- verschiedenhcit der beidersiitigen Standpunkte eine Einigung über die Differenzpunkte nicht erwartet weiden, wie dies denn auch die Repliken des Herrn Oebme ergaben.— Nach denselben verließen die Christlich-Soziolen in geschlossen' n Reihen an beiden Abenden dos Lokal, das Gefühl der innerlichen Befriedigung mit nach Hause tragend, welchem wodl Herr Tictz in seinem Blatte Ausdruck geben wollte, als er über die Versammlungen Bericht erstattend den Schlußsatz schrieb:„Wir dürfen überzeugt sein, daß die beiden Abende sebr zur inneren Kräftigung nicht der sozialdemokratischen, sondern d.r conservativen Partei beige- tragen habe".— Wir dagegen können dem Herrn Dietz die auf- richtige Versicherung geben, daß wir ibm sehr gern behilflich sein werden, die conservative Partei zu kräftigen, wenn er glaubt, daß dies mittelst össcntl'chcr Diskussion in Volksversammtungen geschehen kann.— Die übrigen Opponenten— die H-rren Pa stören Palmer und von Bodelschwingh erkannten die von Herrn Ockme gegebenen Schilderungen im Wesentlichen wohlan; bcklagtcn aber einerseits die Heftigkeit der Angriffe gegen Kirche und Geistlichkeit und beschworen andrcrs-its den Arbeiterstand in seiner unverdienten traurigen Lage doch ja nicht das Vertrauen zu Gott und die Liebe zu Kaiser und Reich zu verlieren, ohne welche nun einmal keine Hilse und Rettung aus der eingebroche- nen Roth möglich sei.— Tue wirklich kounscke Figur spielte in der zweiten Versammlung unzweifelbaft Herr Handelskammer- Sekretär Droop, welcher die Unverfrorenheit hatte, die Frei- Händler und Liberalen gegen mancherlei Vorwürfe in Schutz zu nehmen; denn ihnen ganz allein hätte das Volk die schönen Rechte und Freiheiten(zu bonkerottiren und zu verhungern) und die gcsawmtk Reichs Herrlichkeit(den Schwindel und das Gründer- thuw) zu verdanken.— Die Versammlung gab dem Herrn Se- kretär die passende Ane> kennung durch Murren und Hohnge- lochter zu erkennen.— Der bekannte, fromme Gemeinplatz„bete und arbeite!"— des Herrn Dietz bildete ungefähr den Schluß der gesammten Controversen der beiden interessanten Versamm- lungen.— Wir haben geglaubt, ein Mann wie Herr Dietz müsse es doch schon wissen, daß dieser niedliche Satz für den Arbeiter- stand unserer Tage bereits seine Wirkung verloren hat— be� anders aus dem Munde derjenigen, von dewn der Dichter es schon lange verrathen hat, daß sie öffentlich Wasser predigen und selbst heimlich Wein trinken.— Der Arbeiterstand hat auch hier in Bielefeld den Satz dahin übersetzt:„Arbeite und genieße!" Briefkasten der Redaktion. H. Wiesbaden: Ter Artikel:„Bolkefteund oder Seziaidemokrot" in der W est adiner Monlogsze lung" ist cllzu k nd l>ch und woriwöril ch one B'fioi Böhineri und anderen Srzmlisten- tödtern abgeschrieben, als daß Sie von uns eine Widerlegung unmöglich erwarten körnen.— L. M. in Chemn tz: Ihre Aufrage ist uns nicht ganz verständlich; wir bitten um nähern Ausführungen.— W. in B.: Sie können nicht sogen: ein sich dort befindlicher Mann; es muß heißen eniweder: ein sich dort befindender, oder: ein dort befind- lich er Mann. Vordem Eigenschaftswort befindlich kann„sich" nie siehn. Dagegen ist„sich hfindend" das ganz richtig gebildete Parti- zipum des ZeiiwvrtS s ch befinden. der Expedition. Th. Ruck Wilhe'mshaven: Was soll mit Ihrer Postkarte geschehen?— A. Griete Bautzen: Ihre Postkarte haben wir der Expedition der„Dresdener Volkszeitung" übersandt. Die Parteigenossen Kurth und Lauruschkat, beide Tischler, früher in Essen, werden gebeten Ihre Adresse im„Vorwärts" bekannt zu geben. Mehrere Essener Genossen. Onillung. I. Wcktr Bludenz Ab. 2,23. G. Frnhlz Leobersdors Ab. 5.l4. Ebl Dvrimund Ab. 29,10.� Lcht Langendreer Ab. 4,60. Hrmnuhs Ei Louis Ab. u. Schr. 82,8k. Mhlhrn Crimmitschau Ab. u. Schr. 306 05. Berlin Potsdam Schr. 3�75. Bhrnbrch Hagen Schr. 1,80 T'zmcnn B rti» Schr. 5,00. Hrgt Wien Schr. 5,00. Wllck Wien Schr. 3,01. Mrchilr Geislingen Schr. 1,40. Fonds für Gemaßregelte. F. Reutlingen bew. Mk. 5,00 sind am 1. Februar eingegangen. Ckrt ffn fr Sozialdemokratischer Wahlverein. jpilUt Pom Dienstag, den 18. Februar, abfindet regelmäßig oll- 14 Tage im Parteilokale, gr. Wallstraßc 24(Zc) 2.10) Mitglieder-Versammlung(S. 166) statt. Die Tagesordnung wird in jeder Versammlung bekannt gegeben. Die Milglieder werden ersucht vollzählig am Platze zu sein. D. B. Donnerstag, den 28. Februar, Abends halb S Uhr, im Restauionl„Bcllevuc". Kreuzstraße: Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Die Bedeutung der Lokalpresse. Res. Petzold. Die.Fackel"-Abonnen>en sind hierzu besonders eingeladen. 70) Der Agent. Tounerstaa, den 28. Februar, Ab ends 8'/, Uhv ;X>UUlsUl. in öurmcister's Salon: Volksversammlung. Tagesordnung: Die projektirte Tabaksteuer. Relerent Herr Hermann Lange aus Barmen. F. Heerhold. d>'B. Da durch die Tabaksinduftrie der größte Theil der Bevölke- rung Ottensei s direkt und indirekt existirt, so werden alle Einwohner ersucht, in dieser Versammlung zu ericheinen.[1,00 Polytechnische Schule zu Isang�ensalza. Das Sommersemester beginnt am 24. April und währt ohne Unterbrechung bis 20. September. Der unentgettliche Borvereckungs- curs nimmt semen Ansang am 1. April. Prospect frei durch den 3� Direktor Dr. Kirchner. LOUISE NISSEL GEORG YOLLMAR Verlobte. Dresden, den 21. Februar 1878.[2,10 Durch die Expedition des„Vorwärts" ist zu beziehen: Die Behandlung der PolitischlN Gkfungcnkn in ßaijent. Prozeß Franz Rohleders. Zusammengestellt nach stenographischeu Berichten von Sigmund Politzer Redakteur des„Zeitgeist". Preis 20 Pfg. Der Ertrag ist für die Frauen und Kinder Jnhaftirter bestimmt. Soeben ist erichienen: Triumph of Order gemalt von(£. Wichio. Darstellend: Die Erschießung von Communisten durch die Vcrsailler Truppen(Mai 1871» im Kirchhofe Psre la Chaist zu Paris. Eines der größien und denkwürdigsten Kunstwerke der Neuzeit. Dasselbe ist gegenwärtig in London am Alexander Palace aus kurze Zell ausge- stellt und wird gegen besonderes Eimriitsgeld gezeigt. In Paris war die Ausstellung verbalen.— Es ist gelungen, Lrig'nal-Phologrophien zu folgenden Preisen anferligen zu lassen: Größere(die Photo- graphie rhn> Cartvn 28 Elm. breit, 20 Elm. hoch)-m Dutzend das Stück M 3,50, einzeln 5,00; kleinere(20 Elm. breit, 14 Elm. hoch) im Dtzd. das Siück 1,80, einzeln 2,30. Bei Bestellungen über 6 Dtzd. die größeren ä Dtzd. M. 36,00, die kleineren ä Dtzd. 20,00 und werden dieselben gegen Einsendung des Betrags portofrei überall hin- gesandt. Für Deutschland haben wir den Vertrieb übernommen und liefern zu obigen Preisen gegen baar oder Posivorschuß. Die Expedition des„Vorwärts." Für Männer-Chört. Im Verlage von Emil Sauerteig in Gotha ist erschienen und durch jede Buchhandlung zu beziehen: Lieder-Sammlung des Allgemeinen Arbeiter-Sängerbundes. I. Lieferung. Inhal,: Rr. 1.„Im Wald", von G. Scholz, 0p, 12; Nr. 2.„Arbeilcrmarsch", von C. Arendt. II. Lieferung. Inhalt: Nr. 3. Mollo, Wahlsprucb und Trinkspruch des Allgemeinen Arb-'ter- Sängerbundes von G. Scholz. 0p. 13. Nr. 4. Viv t der neue Wein von C. Sahm. Nr. 5. D>r Arbeitsmännrr von C. Arendt. Preis der Lieferung: Partitur mit 4 St. 1,60, 4 St. 1,20 Mk. vre! Solo-Ouartette von G. Scholz. 0p. 7.„Kehr wie- der!" Gedicht von B. Geifer;„Die Spinnerin", Gedicht von Borrmann;„Das Blümlein", Gedicht von A. Geib. Preis: Partitur mit Stimmen 2 Mark. Durch uns ist zu beziehen: Das lcöensffroße Wrustbitd Ferdiumid Lassalles. Lithographie(79(Elm. hoch, 63 Elm. breii) in gelungener Ausführung. Preis pro Bild e-nschließli» Verpackung 3 Mark gegen baar oder Poftvorschuß. Wiedervcrkäuser erhalten Rabalt. Die Expedition deö„Vorwärts". Zur Agitation wie zur Gewinnung von Abonnenten sind gegen Einsendung des Portobetrages (für ein Kreuzband zu 10 Stck. 10 Pf., zu 30 Stck. 20 Pf., zu 60 Stck. 30 Pf-, über 60 bis 300 Stck. per Packet 50 Pf.) überzählige Nummern aus ftüheren Jahrgängen des„Vorwärts" von uns zu beziehen. Größere Posten liefern wir per Eisenbahn-Fracht- gut und berechnen solchen Falls a 1 2 Ctr. mit 5 M„ k Ctr. mit 10 M. bei frankirter Zusendung. Leipzig, im Januar 1878. __ Expedition des„Vorwärts". Central-Wahl-Comito. Alle Briefe 2c. für das ComitS sind vom 1. März ab zu richten an C. Derosst, Holzdamm 42. Geidsenclung'eii sind wie bisher an A. Geib, Rödingsmarkt 12 zu adressiren. Hamburg, 23. Februar 1878. I. A.: C. Derossi. Beramwoitlicher RedaMur: He, mann Helßig ,n Reudnitz-Lcipzig. Redaktion und Expedition Färbcrstraß« 12. II in Leipzig. Dtuck und Verlag der Genoffenschaslsbuchdruckerei in Le-pzig.