Erscheint in Leipzig «tttwoch, greitog, gonntog. A»»nnnun>t»»>rit» Z4u ganj Teurschlmid 1 38. 6« Ps. p» Quortal. MvnatS> ÄdonnrmniiS «idn, bei allen deutschen HSoftanflalttn Mi', den 2. und 3. Wonai, und aus den i Monat besonder» angenommen:'«> gksnigr. Sachsen und Herzogrtz. Sachsen- Altenburg auch aus den Iten Mono? de« Quartals!> 5» Psg. Inserate betr. Bersauimlungen pr. Betitzeile ivPs.. km Brioatanzelegenbeiten und Feste»rs Betitjeilc 30 Ps. Veltellunzen nebmen an alle Poftanstalten»nd Buch. Handlungen des In- u. Auslandes. Fillal- Expeditionen. New-Vork: Soz.-dem-kr. Genossen- schastsdnchdrnckerel. lS4 KMridge Str. Philadelphia: P. Haß.«30 Hortli 3-a Stroel. I. Voll, 1129 Oiiarlott« ütr. voboien F. A. Zorge. 2ib rpaok- lngion ktr. Chicago: A.Lansermarn.?i Ciz-boui-no,.- San Ftanzisco: F. En«. üaO Farrell 8tr London Vf.: s. Heuze, 6 Xc»' ftoliic.D Ha>i*r«. Gentrak Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 30. Mittwoch, 13. März. 1878. Von der trockenen Guillotine. Ein französischer Freund übersendet uns einen Ausschnitt des Flüchtlingsorgans„Zentralisation" mit nachstehender Correspon- denz aus Neucaledonien, der eine redaktionelle Bemerkung vorausgeschickt ist: „Wir haben vorige Woche von einem Deportirten in Neu- caledonien nachfolgenden Brief erhalten. Da dieser Brief an uns privatim gerichtet ist, haben wir es für räthlich gehalten, einzelne Stellen auszulassen, die von Werth für die franzöftschen Behörden wären, ohne den Leser groß zu interesfiren. Man wird aus diesen in der einfachsten Sprache gehaltenen Zeilen ersehen, daß die Liebe unserer Freunde für die Sache der Re- volution in demselben Maße gewachsen ist, daß ihre Hoffnungen in demselben Maße sich befestigten, in welchem die Verfolgung fich verschärfte. Brissac, Humbert, Roc de Tilleul, Amouroux und so mancher andere Märtyrer der sozialen Sache schmachten noch im Bagno, mitten unter Dieben, unter Mördern, unter jenem ganzen Schwärm von Verbrechern, ohne welchen die schöne Regierungs-Organisation Frankreichs nicht bestehen könnte. (Anmerkung der Red. der„Centralisation".) Jle des Pins(Fichteninsel), 4. August 1877. Meine lieben Genossen! ..... Sch wurde dem Gefangenendepot in Schloß Oleron überwiesen und blieb dort bis zum 5. Oktober; an diesem Tage wurde ich aus dem„Var" eingeschifft, der am 10. die Anter lichtete und nach Neucaledonien abging; wir kamen am 9. Februar 1873 vor Noumea an und wurden am 17. auf der Fichteninsel ausgeschifft, wo ich heute noch bin und darauf harre, heimgeholt zu werden. Was unsere Lage anlangt, so ist es schwer, dieselbe genau zu schildern; jede politische Veränderung in Frankreich macht nch uns fühlbar. Es war nicht genug an den Leiden, welche wir während der Herrschaft des von Thiers ernannten Gou- Verneurs Laricherie zu erdulden hatten— der Regierung der „moralischen Ordnung" blieb es vorbehalten, zur Schmach Frank- reich« und des ganzen civilifirten Europa die peinliche Frage und die Tortur für die Communards in Neucaledonien wieder einzuführen. Glauben Sie nicht, daß ich übertreibe; ich erzähle einfach die Großthaten der Reaktion in Frankreich, seitdem Mac Mahon am 24. Mai 1873 Thiers Nachfolger wurde. Nach der Entweicbung unserer sechs Genosten Rochefort, Jourde, Pascal Grousset, Balliöre, Olivier Pmn und Bastien und später noch Contanly, wurden wir die Opfer eines noch heftigeren Ausbruchs reaktionärer Wuth. Ein gewister Ribour, Contreadmiral, einer unserer erbittertsten Feinde, wurde nach Caledonien geschickt, mit ausgedehntester Vollmacht, eine Unter- suchung über die Entweichung anzustellen. Nachdem er dahin entschieden hatte, daß wir nach der Fichten- iusel geschickt werden sollten, fand er, daß die Behörden sich noch nicht grausam und henk.rartig genug gegen uns gezeigt hätten, enthob den Gouverneur Laricherie, den Hafenkapitän, den Listenführer und den Deportations-Direktor Champlou ihrer Funkttonen und ließ fünf Kaufleutc von Noumea, mehrere Marineärzte und einige Wächter ausweisen. Dann ward der berüchtigte Alle yron, der Verüber der Metzeleien in der Kaserne Lobau und im Luxembourg, durch jenen selben Ribour zum Gouverneur er- »annt. Nun trat uns gegenüber ein System der Unterdrückung und der Rache in Kraft, und der Haß schwitzte gleichsam aus allen Poren der Erlasse, die dieser Rasende bezüglich unserer ersann. Wir durften nicht mehr an's Meer und in den Wald; gleich- zeitig wurde es uns verboten, das große Plateau der Insel zu betteten. Der Raum, der uns für die freie Bewegung blieb, schmolz damit auf 12 Kilometer Länge und 1 Kilometer Breite zusammen. Zwei Mal des Tages— zuweilen auch öfter— wußten wir, in zw.i Gliedern wie die Soldaten, zum Appell antteten; es gab uic einen Contre-Appell und wenn man fehlte, mußte man es mit Nahrungsentziehung büßen. .. Der elende Alleyron wollte uns später wie Sttäflinge zu «Sn tTet �r.6eit zwingen, aber wir haben uns dessen energisch Snntlx*' 1."*e,n wir uns auf das Gesetz beriefen, welches uns 8: 1"derartigen Verpflichtung befreit. Aus diesem Kampfe t0� Sieger hervor; trotzdem wurden 150 unserer ausschließlich solchen, die zuerst mit dem„Da nahöe" Ä.T t£0ten' die Lebensmittel entzogen und wir waren mJfir iim'iu Ii?«, um fie iu ernähren, oder viel- daß sie verhungerten. Der dermattge Gouverneur kst im Monat März 1875 ange- kommen, man achtete eine Menge Beschwerden an ihn, er aber erließ emen �efehl. nach dem wir gezwungen sein sollten, vom 1. Apnl 18 leuten— deren Namen genannt wurden—„nicht mehr ge- Berichte ersichtlich, daß nur ein Schiedsgericht besteht, welches ichäftlich verkehren" möchten, d. h. auf gut Deutsch: den Arbei- während eines Strikes i« Conto gebildet wurde. Der italienische tern wurde zugemuthet, ihre Bedürfniffe nur bei dem Herrn Arbeiter, besonders aber der Landarbeiter, ist anspruchs- und Fabrikanten genehmen Geschäftsleuten einzukaufen. Der Grund, bedürfnißlos; er ist zufrieden, wenn er so viel verdient, um sich i weshalb die Geschäftsleute von dem allmächtig sein wollenden notddürftig kleiden und mit„Polenta"(ein aus Maismehl und Fabrikspascha in Acht und Bann erklärt wurden, ist folgender: Wasser bestehender brotähnlicher Brei) sättigen zu können.- Mitte Dezember v. I. fand eine Gemeinderathswah! statt, bei Die meisten dieser armen Leute haben ihr ganzes Hab und Gut! welcher die Geächteten den Muth hatten, gegen den Fabrikanten auf dem Leibe, nur Wenige haben einen doppelten Anzug, Stiefel zu stimmen. Dieses„Verbrechen" mußte bestrast werden und "es erschien der bereits erwähnte Ukas. Diese kaum glaubliche Unverschämtheit beweist, daß das Protzenthum überall dominiren will und sowohl die Kleingewerbetreibenden als auch die Arbeiter als seine allerunterthänigsten Bedienten betrachtet, die es nicht wagen dürfen, eine eigene Meinung zu haben. Der Arbeiter soll— nach der Meinung derartiger Sklavenhalter— nicht ein mal berechtigt sein, über den bitter verdienten Hungerlohn nach Belieben zu verfügen; er soll auch außerhalb der Fabrik nach der Pfeife seines„Brotgebcrs" tanzen, sich dessen Willen unter- mit Ledersohlen find— namentlich in Oberitalien— ein Luxus Trotz der weltbekannten Genügsamkeit der italienischen Arbeiter sind die Arbeitgeber doch noch bemüht, den Lohn herabzudrücken. Die Arbeiter werden durch ein derartiges gewissenloses Borgehen der Ausbeuter zur Arbeitseinstellung gezwungen; sie ziehen es, wenn sie schon hungern sollen, vor, dies außer Arbeit als trotz anstrengender Arbeit zu thun. In der Provinz Verona ist ein Strike der ländlichen Arbeiter, 1800 an der Zahl, welche bei den Flußregulirungen beschäftigt find, ausgebrochen; sie ver- langten, da die Löhne unzureichend waren, Lohnaufbesserung, werfen. Die grenzenlose Anmaßung des Schlotjunkers hat nicht Da sie den Anforderungen der Arbeitgeber sich nicht gutwillig nur den betreffenden Geschäftsleuten, sondern auch den Arbeitern fügen wollten, wurde Militär requirirt, welches von den Waffen; die Augen geöffnet; sie ist wieder ein Beweis von der„Harmonie Gebrauch machte und mehrere der»Rebellen" verhaftete. Es ist zwischen Kapital und Arbeit" im.... �.. fmmm- �-"MM"' M MMWMWMMW „einigen" Italien um kein Jota ander? als anderwärts; wenn das Volk Brot verlangt, werden ihm„blaue Bohnen" ge- boten. Ob die obenerwäbnte Kommission diesen Fall„studiren" wird, ist sehr fraglich. Die Arbeiter ließen sich durch die Sob daten nicht einschüchtern und verharren auf ihren Forderungen; die Roth, wenn sie auf die äußerste Spitze getrieben wird, ist stärker als die Bajonette.— In Krankheitsfällen ist für die Arbeiter auch sehr schleckt gesorgt. Die gegenseitigen Unter- stützungskassen erweisen sich als unzulänglich, weil sie die Kranken nur eine kurze Zeit unterstützen, so daß viele derselben ohne Hilfe bleiben müssen. Die Buchdrucker haben die beste Ver- einigung, find daher in der Lage, die Rechte der Arbeiter gegen die maßlosen Anforderungen der Kapitaliste» zu vettheidigen. Wie die„Heiligkeit der Ehe" in den„höheren" Kreisen auf- gefaßt wird, beweist die Anklage, welche von der Presse gegen den Minister des Innern, Crispi, wegen Bigamie(Doppelehe) erhoben wurde. Dieser Vertreter der„Ordnung" heirathete am 26. Januar eine Dame von„hoher Geburt", obschon er vor mehreren Jahren auf Malta von einem katholischen Priester mit einer anderen Dame getraut worden war.(Erispi ist Katholik, nach katholischcm Dogma ist aber die Ehe untrennbar, d. h. vor dem Ableben des einen Theiles darf der andere Theil keine Ehe ein gehen.) Zu seiner zweiten Heirath ließ sich Crispi vom Justiz minister— der von der ersten Ehe wußte, einen Dispens aus- stellen, welcher von dem gegenwärtigen General- Prokurator (Oberstaatsanwalt) von Neapel unterzeichnet war. Der Bürger- «eister von Neapel, welcher von der Ehe ebenfalls wußte, voll- iog in Folge des Dispenses die Civiltrauung, ohne dem zu 'rauenden die erforderlichen Dokumente abzuverlangen. Nach dem damaligen neapolitanischen Gesetze war die Ehe, wenn sie nicht in die Civilregister eingetragen war, allerdings nicht giltig; nach kirchlichen Begriffen aber ist die Ehe ein„Sakrament" und als solches heilig zu halten. Crispi setzte sich aber über die Heiligkeit des»Sakramentes" und über die moralische Verpflich tung hinweg und heirathete eine Andere. Eine schöne Jllustra tion zu derHeulmeierei der Liberalen von der„Aufhebung der Ehe" Crispi hat sich, man mag das Ding drehen wie man will, der Bigamie schuldig gemacht und die höchsten Behörden des Landes waren seine Helfershelfer. Seine erste Frau ist bereits klagbar aufgetreten und ist abzuwarten, wie sich dieser Ehrenmann aus der Schlinge ziehen wtrd. Die Aufregung, welche dieser Fall im Volke hervorrief, veranlaßte Crispi fernen Ministerposten nieder- zulegen, was von Niemandem bedauert wird. Nraunschweig, 5. März. 442„Bettler" sind im Februar in unserer Stadt verhastet, natürlich lauter„Strolche und Vaga- bunden". Rührt sich denn gar nicht das öffentliche Gewissen? Schreit solche That nicht zum Himmel? Unter jenen 442 be- findet sich entweder ein großer Theil durch die Roth gedrängter Leute und dann fragen wir: Wo bleibt die Hülfe der Gesell- fchaft? Gut genug find die Armen, um für das„Vaterland" Leben und Gut hinzugeben, Diejenigen zu schützen, welchen es im Baterlande wohl ergeht(des Armen Eigenthum bedarf nicht so complizirten Schutzes; singt doch bereits Horaz: riäet vucuus coram latrone viator, wer nichts hat, kann vergnügt lachen, selbst wenn er dem Räuber begegnet, ihm kann doch nichts genommen werden). Oder wir nehmen an, die 442 Ver- hafteten wären svirklich der Auswurf der Ges llschast, dann— wo bleibt das„Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte"? Dann müßten wir uns als die„verkommenste Nation" betrachten. Wir„Vaterlandslosen" und„Reichsfeinde" lieben unser Vater- land zu sehr, um dieses anzunehmen; wir wälzen den Vorwurf des Berraths an Volk und Vaterland auf Diejenigen, welche prahlen mit ihrer Nationalitättliebe und dieselbe als Deckmantel für ihre unlauteren Gelüste benutzen. Ucberall herrscht Roth, und statt daß dieses ein Sporn zum Mitleid sein soll, Hilst man sich über solche» hinweg, indem man alle Rothleidenden als Strolche und Vagabunden traktirt. Tie Rothleidenden haben von Niemandem etwas zu Kossen, als von sich selbst. Mögen das die Arbeiter einsehen lernen; nur in ihrer Vereinigung köntren sie Hülfe finden. Die herrschenden Klassen bekämpfen die Arbeitervereinigungen, dieses ist genug, um die Arbeiter an- zuspornen, in solche einzutreten. Und wenn ein Arbeiter ein ganzes Menschenalter hindurch einer„Wohlthätigkeits- Anstalt" de» Fabrikanten angehört und zu ihr gesteuert hat, sowie er ent lassen wird, dann wartet auf ihn das Schicksal, daß er als „Strolch und Vagabund" behandelt wird. Durch die Vereinigung in Gewerkschaften ist dem Arbeiter wenigstens die Möglichkeit gegeben, dafür zu sorgen, daß er, wenn er eines Stücks Brod bedarf, nicht gleich als Bettler und Vagaband behandelt wird. Hfchatz. Sonnabend den 23. Februar hatten wir in Völkner's Saale eine sehr zahlreich besuchte Volsversammlung, in welcher der Reichstagsabgeordnete W. Hasen clever unter allseitigem Beifall über das Thema:„Die diesjährige Session des deutschen Reichstages" referirte. Redner kritisirte zunächst die Orient- Politik Bismarcks und ging dann auf die dem Reichstage zuge- gangenen neuen Steuervorlaaen ein, wobei er zu dem Resultat gelangt, daß sämmtliche indirekten Steuern zu verwerfen seien, und statt derselben eine progressive Reichs-Einkommensteuer ge- schaffen werden müsse. Sodann geht Redner zu den Mangel- haften Anträgen zur Abänderung der Gewerbeordnung über, welche den Arbeitern sehr wenig Schutz gewähren, und macht schließlich den Anwesenden klar, wie schwer es den Sozialoemo- kraten wird, ihre Anträge im Reichstage wegen Mangel an Unterschriften einzubringen. Daher müsse Jeder, der das wahre Menschenwohl befördern helfen wolle, bei nächster Wahl für einen Sozialdemokraten eintreten.— Da sich zur Entgegnung kein Gegner meldete, wurde die Versammlung geschlossen. A. St. Keißkinge«. In Nr. 22 des„Vorwärts- wurde ein Ukas des hiesigen Fabrikbesitzers Straub veröffentlicht, in welchem er den Wunsch aussprach/ daß„seine" Arbeiter mit 15 Geschäfts- Es geht bei uns auch sonst noch sehr„gemüthlich" zu. Am 23. Febr. sollte hier ein Vortrag über„Lassalle's ehernes Lohn- gesetz" gehalten werden. Die Behörde hatte nichts Eiligeres zu thun, als denselben zu untersagen. Warum? wissen die Götter! Vielleicht befürchtete man, daß ein derartiger Vortrag den Staat in Gefahr bringen könnte, oder man wollte es verhindern, daß die Zubörer zum Nachdenken über unsere so schöne„göttliche Weltordnung' angeregt werden. Kennzeichnend ist und bleibt es, daß im Sckooße des„Denkervolkes" sich„geistige Größen" finden, welche den Sozialismus mit solchen Flie�enklappen todt- schlagen wollen. Bei Betrachtung derartiger Polrzeikunststückchen wird man unwillkürlich an das Sprichwort erinnert: Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit. Neben- her sei noch erwähnt, daß der Herr Oberamtmann, der die Ab- Haltung des erwähnten Vortrages untersagte, ein intimer Freund des Fabrikbesitzers und Ukasschreibcrs Straub ist. Sollte viel- leicht--?? Mainz, 28. Febr. Samstag, den 23. Febr. hielten wir eine Volksversammlung im Saale des„Heiligen Geist" ab, welche sehr zahlreich besucht war. Ueber den ersten Punkt der Tages- ordnung„Die orientalische Frage und die deutsche Diplomatie" referirte Hr. F. Jöst gründlich und in allseitig befriedigender Weise. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die heutige Volksversammlung protestirt cinmüthig und energisch gegen die die Cultur, die Freiheit und Wohlfahrt der Völker überhaupt und die Interessen des deutschen Volkes insbesondere aufs Schwerste schädigende Politik der deutschen Reichsregierung und fordert von letzterer, daß sie von jetzt ab den culturfeind- lichen Anmaßungen der despotischcn Czaarenregierung mit allen Mitteln entgegentrete und ihren ganzen Einfluß aufwende, daß zwischen den beiden kriegführenden Mächten baldigst ein die In- tcressen aller Nationen garantirender Friede geschlossen werde." Zum zweiten Gegenstand der Tagesordnung„Die Steuerschraube" ergriff Hr. Leycndecker das Wort und wies in einer zwar kurzen, aber gediegenen Rede nach, wie man es verstanden habe, durch unser heutiges BesteuerungSsystem die Armen zu belasten. Alsdann sprach Hr. Fuchs noch über denselben Gegenstand. Allen Rednern zollte die Versammlung reichen Beifall. Sonntag, den 24. Febr. hatten wir eine Volksversammlung in Ober-Jngelheim(im Wahlkreis Bambergers), welche gut besucht war. Tagesordnung: 1) Die Orieutpolitik. 2) Die Grund- und Bodenfrage. Hr. F. Jöst übernahm das Referat über beide Punkte und entledigte sich seiner Aufgabe vortrefflich, auch hier wurde die obige Resolution einstimmig angenommen. Wir können mit Freuden konstatiren, daß auch hier die soziali- stische Idee gut Wurzel faßt. Das Agitations-Comitä. John Stock, Schriftführer. gerechtfertigte Zurechtweisungen gefallen. Seit ich agitire, bat sich noch Niemand über meine Pünktlichkeit und meinen Eifer zu beklagen gehabt. Wenn jeder Referent so handelt. dann werden sich weder die Großenhainer noch andere Partei- genossen darüber zu„wundern" brauchen, daß„unter solchen Umständen ihre Versammlungen noch so gut besucht sind." Georg Volkmar. Znr Beachtung für Töpfer! In der Ofen- und Thonwaaren-Fabrik von Spiermann und Wesselly stellten die Gesellen die Arbeit am 4. März ein, weil die betreffenden Fabrikanten einen neuen Lohntarif vorlegten, durch welchen der Lohn um nicht weniger als 25 Procent r-ducirt werden soll, trotzdem die Herren Fabrikanten den 1874 gemeinschaftlich gemachten Tarif bis dato anerkannt haben. Ferner soll die Arbeitszeit um 1 Stunde verlängert werden. Alle Unterhandlungs-Bersuche sind an der„Humanität" der betreffenden Herren Fabrikanten gescheitert. College», da wir die Ar- beitseinstellung mit der festen Ueberzeugung aufgenommen haben, daß nicht blos unsere Existenz, sondern die der Töpfer ganz Deutschlands in Gefabr ist, indem wir den Tarif angenommen hätten, es bald die andern Meister ebenso gemacht hätten, so ersuchen wir Euch, uns so- viel wie möglich in diesem Kampfe zu unterstützen und durch keinerlei Versprechungen und Machinattonen Euch bewegen zu lassen, die Stellen der Ausgeschlossenen zu besetzen und jeden Zuzug fern zu hallen. Ferner mache ich die Mitglleder des Allgemeinen deutschen Töpfer- Vereins darauf aufmerksam, daß die Arbeitseinstellung in obiger Fabrik von Seiten des Vorstandes als BereinSsache erklärt worden ist. Hamburg, den 4. März 1878. Mit collegialischcm Gruß A. Barbi, Vorsitzender des Allgemeinen deutschen Töpfervereins. Alle arbeiterfteundlichen Blätter werden um Abdruck des Borstehen- den gebeten. D. O. Briefkasten der Redaktion. W. T. in Schwerin: Wenden Sie sich an den Ausschuß der Metallarbeiter- Gewerkschaft in Braunschweig, Adresse Söhler.- H. U. in Mühthelm: Wenden Sie sich an die Redaktton der „Westphälischen Freien Presse" in Dortmund, der die Sache entnom- wen ist.— R. K. in Berne: Lassen Sie öfter etwas von sich hören. — E. in Augsburg: Hirsch's Adresse ist: Rue Dunkerque 6, Paris;. wegen des Jacobysonds wenden Sie sich nach Königsberg. der Expedition. Korbmacherbund Hamburg: Ihr Annoncen- depot ist erschöpft.- Heims in Conslanz: Ihnen fehlt noch das letzte Hest, in welchem Sie auch das Jnhaltsverzeichniß rc. k. finden. Preis incl. Porto 40 Pfg. Quittung. Rdgr Halle Ab. u. Schr. 20,40. Schtz Großenhain Schr. 33,00. Wßmnu Bockenheim Ab. 5.60. Kndrmnn Siegburg Ab. 13,30. Lud Hamburg d. Gb Ab. 100,00. Jcb St. Johann Schr. 25,00. Bundcscomit« Bern Ab. 2,50. H. Ntzsch Newyork Ab. u. Schr. 207,03. Hck Reudnitz Schr. 3,25. Elnbrg hier Ab. 8,80. Stgmnn Erfurt Schr. 3,00. Wik Frankenhauscn Schr. 5,30. Hms Constanz Schr. 0,95. Hlzschr München Schr. 3,65. Den Parteiaenossen zur Nachricht, daß sich meine Wohnung vom 15. d. M. ab Miirelstraße 11/11. bei H Rudolph befindet und bitte ich, alle Zuschriften betr. Abhaltung von Versammlungen rc. von jetzt an dorthin zu richten. Hannover, den 8. März 1878. H. Oehme. Berichtigung. In Nr. 28 soll es aus Zeile 64 des Artikels„Ein praktischer Staatsmann" nach„Auffassung des Sozialismus" statt voraus: aus heißen, was hiermit berichtigt wird. Erklärung. Dresden, 6. März 1878. In der Großenhainer Correspondenz der Nr. 26 des„Bor- wärts" ist meiner in einer Weise gedacht, die mich vor den Ge- nossen in einem sehr schiefen Licht erscheinen lassen muß und mich deshalb zu einer Rrchtigstellung des Thatbestandcs zwingt. Nach der Schilderung der„Parteigenossen Großenhains" muß man nämlich annehmen, daß eine Nachlässigkeit meinerseits an meinem Nichterscheinenkönnen in der betr. Versammlung schuld gewesen sei. Die Sache verhält sich jedoch ganz anders. Tags vor der projektirten Großenhainer Versammlung referirte ich in Mittweida, wo rch übernachtete, um nächsten Tags Mittags 1 Uhr 55 Min. abzureisen und so zu rechter Zeit in Großenhain zu sein. Den meisten Genossen ist nun hinreichend bekannt, daß ich infolge einer erhaltenen schweren Verwundung an den Beinen nicht im Stande bin, größere Strecken zu Fuß zurückzulegen. Ich mußte deshalb auch in Mittweida von der Stadt nach dem cntferntlregcnden Bahnhof fahren, und war die Herbeischaffung eines Wagens selbstverständlich Sache der dortigen Genoffen. Durch einen Jrrthum der letzteren aber, an dem ich keinen An- theil habe, war zur bestimmten Zeit kein Gefährt zur Stelle, infolge dessen ich denn den Zug versäumte, trotzdem ich im letzten Augenblick noch die Bahn zu Fuß zu erreichen suchte, was aber sowohl der Kürze der Zeit, als besonders meiner Uebermüdung halber nicht möglich war. Der nächste Zug aber ging so spät, daß ich erst nach 10 Uhr Nachts in Großenhain eingetroffen wäre. Ich muß daher auf mein Erscheinen in jener Vcrsamm- lung— unverschuldet— wohl oder ubel verzichten und that das auch den Großenhainer Genossen sofort durch Telegramm zu wissen, in welchem— was der Schreiber der betr. Correspon- denz zu erwähnen vergaß— au- drücklich bemerkt war, daß an meinem Nichtkommen die Mittweidaer Genossen die Schuld tragen. Daran, sowie daß sie nichts, was sie je von mir gehört haben, berechtigt, meine Angabe für unwahr zu halten, hätten die „Parteigenossen Großenhains" bei Abfassung ihres Berichts denken sollen. Den Zweck, welchen letzterer verfolgt, nämlich die auch nach meiner Erfahrung in dieser Beziehung häufig zu wünschen übrig lassenden Referenten an mehr Präcision, besser gesagt Gewissenhaftigkeit zu gewöhnen, kann ich, wie jeder eifrige Genosse, nur billigen und hoffen, daß er erreicht wird. Unangemessen zum mindest n ist es aber, in löblicher Wahr-! nehmung seiner eigenen und der ganzen Partei berechtigten In-! teressen einen Genossen in ungerechtfertigter Weise zu nahe zu treten und ihn in den Augen aller Genossen zu schädigen, wie es mir durch die total unbegründeten Angaben der betr. Correspondenz geschehen ist. Ick bin gewiß der Letzte, der eine berechtigte uud wohlwollende Correkwr rechthaberisch zurück- wiese, würde sie vielmehr gerne aä Notam nehmen und ihrem Urheher dankbar sein. Um so weniger aber lasse ich mir un- Central-Kranken««nd Sterbekaffe der Metall- AA t-s-gly arbeitergewerkschaft(Eingetr. Hilfskasse). Jeden Sonnabend, Abends halb 9 Uhr, bei Hunse, Rotzstraße 4d: � Versammlung und Ausnahme neuer Mitglieder. Zur Beachtung sür alle hier zureisende Genossen, daß sie obige Kasse nicht mir der Lokalkasse, welche sich Krankenkasse der Metall arbeiter für Leipzig und Umgegend nennt, verwechseln, da selbige mit der Central-Krankenkaffe nicht die geringste Verbindung hat. Oormirr Donnerstag, den 15. März, Abends Uhr im Saale des Hrn. Michael, gr. Wmdmühlenstt, 7: Sozialistenvcrsammlung. Togesord ung: Fortsetzung der Debatte über die Lokalvresse.(60 Parleikarien sind vorzuzeigen._ Der Agent. Bei meiner Abreise nach Belgien sage hiermit allen Partei- genossen vco Saarbrücken und Umgegend ein herzliches Lebewohl.