Nr. 32. Sonntag, 17. März. 1878. erscheint m Leipzig WetttBod), greitdfl, eonntag. ÄblMucmeulSvreiS Zät ganz TcutZchland 1 9K. 6« Sfl. pt» Quartal. Monats• AbouncmentS weideu bei allen deutschen PostanftaUm «is den S. und Z. Monat, und aus dm t Monat besonders angenommen� im Mmgr, Sachsen und Herzoglh. Sachsen- Wtmburg auch aus den lte» Monat des Quartal» ä 54 Psg. Inserate fette. Bersammlungm pr. Petitzetle Iv Ps.. Hetr. Prtoalaugelegenheiten und Feste prs Petitzetle 30 Pf. Bestellungen nehmm an alle Postanstalten und Buch. haudlungm des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. Pew-Aork: Eoz.-dem»Ir, Gmossm- schastsbuchdruckerei, 154 ItillrickA« 8lr, Philadelphia: P. Haß,«30 I?orld S-a ktroot, I Boll, 1130 Ldarlott« 8tr. Hpholen Pl. J-: F. A. Sorge, Sl5 Wash- iozwu 6tr. Chicago: A. Laus ermann, 74 i'tvduurne».. San Franzisco: F. En», 41» O l nrreii 8tr London W.: E. Hmze, 3 New t- frokleu Square Gentrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Erinnerung an 1848. Gedenkt des TagS der Freiheitssaat, die 30 Jahr' schon ruht; Die deutsche Bürger einst gesä't mit hohem Opfermuth. Es trat der Feinde Fuß darauf mit Uebermuth und Hohn; Mit Willkür überschwemmte sie die freche Reaktion. Es kam die Zeit der finstern Schmach. Der Büreaukratentroß Der stampfte wild das Saatenfeld— er saß auf hohem Roß. Mit Würde und mit Völkerrecht trieb er ein frevles Spiel; Die Freiheitskämpfer trieb er fort ins Zuchthaus und Exil. Es kam die Zeit der Frömmigkeit mit ihrem Nebeldunst, Die Zeit des Kirchenregiments. Dem Heuchler ward die Gunst. Wer höhern Orts gefallen wollt' und gelten als Talent, Erheuchelte die Frömmigkeit, und schwor auf's Sakrament. In Kinderherzeu ward erstickt jed' unbequemer Keim; Man leuchtete der Wissenschaft mit Kirchenlichtern heim. Auf allen Schulen lagerte die Geistesfinsterniß. Die Nation zerklüftete und zeigte manchen Riß. 's Jahr dreiundsechszig kam herbei mit seinem Februar. In Preußens Landtag war das Recht in ernstlicher Gefahr. Am Sechsundzwanzigsten da frug man mit Bescheidenheit: „Wie weit der Herr Minister treibst die Russensreundlichkeit? Warum an Ostens Grenze dort ein ganzes Heer mobil? Warum in deutscher Friedenszeit das theure Waffenspiel?" Der Herr Mimster sprach mit Groll die schroffe Antwort aus; Es tobte ein Entrüstungssturm gewaltig durch das Haus. Aus seiner Rusienfreundlichkeit gedieh Tyraunensieg. Kür Deutschland folgte bald darauf mit Dänemark ein Krieg: Dem meerumschlung'nen Holstenland bracht' eine tapfre Schaar Mit Säbel und mit Kugelrohr— die Bruderliebe dar. Und während noch in Holsteins Gau'n das Land vom Blute naß, Da folgt' dem Bruderliebekrieg ein Krieg aus Bruderhaß. Darauf erscholl ein Friedenslied in zweifelhaftem Ton, Und man vollzog mit Freundlichkeit die Bruderannexion. Dem Kriege folgte nochmals Krieg und Milliardenfluth; Auch Siegesfeste, Dotation und wilde Gründungswuth. Und endlich folgte Krach auf Krach und arbeitslose Zeit; Auch Invaliden- Jammer, Roth und Elend weit und breit. So schritten diese dreißig Jahr im wilden Sturmeslauf, DaS Volk erschöpfend, fort und fort, den Zeitenweg hinauf. Doch jetzo stehn wir rathlos da, nicht ferne vom Rum Und sehen schweres Kriegsgewölk aufs neue näher ziehn. Den Russen— welcher oft das Volk zur Massenschlachtbank führt Und Völkerhaß und Kriegesbrand zu hellen Flammen schürt— Den trifft wohl schließlich selber noch Bedrängniß, Mißgeschick, Dann wirst er auf das deutsche Land den grausen„Freundes"blick. Doch braucht er Hülfe und Sukkurs bei seinen Metzelei'», Und ladet Dich„Verbündeten" und Nachbar dazu ein, Dann deutsches Volk von Nord und Süd, von Osten und von West, Erhebe Dich und schaare Dich zum donnernden Protest. Nicht Kleinmuth, nicht Bescheidenheit sei Dir ein Willenszwang, Was je Dein Sinn für Recht erkannt, das bring zu Wort und Klang. Und wer sich elend, niedrig dünkt, er breche diesen Bann; Der Schuft nur fühle Niedrigkeit, der Ehrliche sei Mann. Er sitze nicht am Aschenherd in Lethargie versenkt, Er sammle sich zu mächt'ger Schaar, die Volksgeschicke lenkt. Er schaff', daß der Ei kenntniß Licht zu jedem Orte dringt, Und daß der Freiheit Helles Lied in jeder Hütte klingt. Wir leben in der Eisenzeit, dies merkt ein Jeder wohl, Der Kriegeswaffen ehrner Klang ertönt von Pol zu Pol. Die Eisenfaust zahlt den Tribut, den man dem Kricgsgott zollt; Und ehern ist der Würfel auch, der unaufhörlich rollt. Und ehern ist das Lohngesetz, das unser Wohl entzieht, Doch ehern auch die Willenskraft, die uns im Herzen glüht. Halb Säbclsklav'.halbLohnessklav', und dabei Freiheitsschein— Ha welcher Hohn!— So ist es jetzt, so soll's nicht immer sein. Seht, vor uns liegt ein Saatenfeld, vor 30 Jahr'n bebaut; Das haben uns die Kämpfer einst als Erbe anvertraut. «uf. auf! Wie lange wollet Ihr noch müßig dabei stehn, <3>£ft.et dieses Erbe an, denn Ihr seid majorenn. «ß*.'itetheit Helles Banner winkt, es rauscht: Gerechtigkeit! «Üf i und Ehre fühlt, sei seinem Dienst geweiht. rtül«vi und entfaltet es, dieS Banner groß und rein, Und Nieder mit der Reaktion!— soll unser Wahlspruch sein. Eharlotte Westphal. Ein CarnevalSscherz. (Schluß) Der Urzustand der Menschheit ein bis jetzt noch nicht ganz genau bekanntes Dmg. ist unserer„deutschen Frau" vollständig »ar, und wer es noch n,cht weiß, der merke es sich:„Fehlt der Frau der Halt der Famttie, so geht fix geistig und moralisch unter. Sie stnkt herab m den Urzustand der Menschheit, wie Türkinnen, Serbier, nnen und einzelne amerika- Nische Bewohner das uns beweisen«. Wer also jetzt über den Urzustand der Menschheit im Klaren sein will, der nehme stch schleunigst ein Billet nach Belgrad, denn die„einzelnen amerikanischen Bewohner" auszusuchen wäre doch mit einiger Unbequemlichkeit verknüpft. Ein ganz ausgezeichneter Witz ist Folgendes: „In Sachsen war es vor einigen Jahren den Schneidern gelungen, sich Gesetze zu erwirken, welche ihnen allein das Arbeiten der Frauenkleider in ihrem eigenen Hause gestatteten." Wer sich hier nicht den Bauch hält vor Lachen, den erklären wir für einen unheilbaren Hypochonder. Als gewissenhafter Kritiker müssen wir auch constattren, daß nicht alle Witze gelungen find. Insbesondere dasjenige, was fich auf Geschichte und Philosophie bezieht, wovon die„deutsche Frau" keine Ahnung hat, ist nicht komisch genug. Zudem klingt uns aus so mancher Seite ihres Humor-Compendiums die Sentenz entgegen: Deutsche Frau— gute Frau, französische Frau= schlechte Frau. „In Frankreich stand die Frau mitten in der Familie geachtet und geehrt bis zum Ende des 16. Jahrhunderts; danach trat sie allmählich aus der Familie heraus und sogleich sank das Volk zu immer größerer Demoralisation herab. In den letzten Jahr- Hunderten, da die Familie dort nur noch dem Scheine nach be- steht, in der That aber in ihren Grundlagen zerstört ist, erlebten wir die schrecklichsten Revolutionen und währt eine ununtcr- brochene Gährung fort. Wollen wir deutschen Fraueu wirklich aus diesen Beispielen Nichts lernen? Können wir solchen That- fachen gegenüber noch das Bestteben haben, mit eigener Hand an der Zerstörung der Familie mitzuhelfen? Je mehr die Frau aufhört, den Menschen als ein edles, verehrungswürdiges Wesen zu gelten, je mehr sie den häuslichen Heerd verläßt, um so mehr verlassen die Völker die geistige Höhe, zu der sie Gott berufen." Wunderbare Geschichtsauffassung! Kaum war das 16. Jahr- hundert zu Ende, so trat die Frau aus der Familie heraus und sogleich sank das Volk in immer größere Demoralisation. Und gar die„schrecklichen Revolutionen", die nur durch das „Heraustreten" der Frau hervorgernfen sind. Armes Frankreich l seit dem 16. Jahrhundert kennst du keine Familie mehr, nur allgemeines Eoncubinat; und doch steht Ihr Christenthum, ver- ehrte Frau, dort in schönster Blüthe. Wahrscheinlich haben Sie aus den Leihbibliotheken einige Dumas'sche oder gar Paul de Koiksche Romane gelesen, welche zum Theil die Pariser Dcmimonde mit Borliebe schildern. Aber wenn auch Berlin Preußen und Preußen Deutschland ist, so ist doch die Pariser Demimonde nicht die französische Familie. Sie wissen eben nichts, rein gar nichts! Wie im Roman des Dumas(Vater) der Polizeisergeant bei jeder Sache fragt: vü est la femme? so fragen Sie bei jedem Ihnen aufstoßenden wissenschaftlichen Hinderniß:„Wo ist die Frau", die mir hinüber hilft? A propos Philosophie! In der einen Hand den Strickstrumpf, in der anderen die Kaffeekanne, das Gebetbuch auf den Knieen, belehren Sie uns, was Philosophie ist: „Philosophie ist eine Wissenschaft, welche alle Dinge zu er- gründen, alle Gedanken gleichsam mathematisch zu zerlegen und zu regeln strebt, aber sie ist eben, aus diesen Prinzipien be- ruhend, eine zersetzende Lehre, deshalb kann sie ebenso wenig wie jedes andere Wissen veredelnd und dem Menschen nützlich werden, wenn sie nicht, auf unabänderlichen Grundsätzen be- ruhend, von diesen aus entwickelt wird. So ist auch diese Wis- senschast— welche die Vertreter der gedachten Richtung so gern vom Christenthum loslösen möchten— erst durch dasselbe eine wirklich ernste Wissenschaft geworden; verliert sie diesen Anker- grund, so wird sie ihre» sittlichen Grund allmählich einbüßen; aus ernster Wissenschaft wird vage Schwärmerei werden. Hätte die griechische Philosophie auf sicherem Ankergrund gestanden, so wäre sie nicht auf solche Abwege wie die des Plato gerathen. — Frühere Jahre führten mich sehr oft mit einem alten Herrn zusammen, der ein Freund des großen Kant gewesen. Derselbe hatte bei seinem außerordentlich klaren, sehr scharfen Verstände eine große Vorliebe für die Lehren dieses Philosophen. Nie aber habe ich von ihm gehört, daß Kant je das Dasein Gottes ge- leugnet habe, öfter aber, daß er einen wissenschaftlichen Beweis in Form einer Formel aufgestellt habe, wie sich Gottes Dasein philosophisch nachweisen lasse. Dieser alte Mann glaubte nicht unbedingt an die Unsterblichkeit, weil»ns— nach seinen philo- sophischen Ansichten— der Beweis dafür fehle. Aber ihm mangelte das Glück, der Friede, der nur im Herzen des gläubigen Christen seine Wohnung hat." Da der„alte Herr", von dem Sie Ihre philosophischen Kenntnisse bezogen haben, nicht mehr lebt, so sei Ihnen in Kürze hier gesagt: daß Sie erstens von Plato's Staat gar nichts verstehen, und daß Sie zweitens von dem„alten Herrn" schlecht unterrichtet find, oder ihn nicht verstanden haben, und in Folge dessen von Kant gar nichts wissen. Darum passen Sie jetzt auf: In der„Kritik der reinen Vernunft" befindet sich bekanntermaßen die berühmte Kritik der drei Beweise für das Dasein Gottes, deS physico-theologischen, des kosmologischen und des ontologischen Beweises, und wollen wir Ihnen hier nur eine Stelle citiren, die Sie sofort in Ihr unwissendes Nichts zurück schleudern wird. Kant sagt(Transcendentale Elemeutarlehre II. Th. 2. Buch 3. Hauptstück):„Es mag wohl erlaubt sein, das Dasein eines Wesens von der höchsten Zulänglichkeit als Ursache zu allen möglichen Wirkungen anzunehmen, um der Vernunft die Frei- heit der Erklärungsgründe, welche fie sucht, zu erleichtern. Allein sich so viel herauszunehmen, daß man sogar sage: ein solches Wesen existirt nothwendig, ist nicht mehr die bescheidene Aeußerung einer erlaubten Hypothese, sondern die dreiste An- maßung einer apodiftischen Gewißheit; denn was man als schlecht- hin nothwendig zu erkennen vorgiebt, das muß auch die Erkennt- niß absoluter Nothwendigkeit bei sich führen." Wo find wir hingerathen! von der heitersten Concertlaune zum großen Kant. Verwundert wird mancher Leser fragen, ob denn sonst nichts von der Lösung der sozialen Frage gesagt wird? Nein.— Wir haben eben ein Erzeugniß vor uns, wie fie jetzt tag- täglich aus Weiberhänden hervorgehen; nachdem es in Deutsch- land so weit gekommen ist, daß eine verwässerte Weiberschrist- stellerei ohne Mark und Knochen das Feld beherrscht, wird es nur durch eine Herkulesarbeit möglich sein, den zu einem Au- giasstall gemachten Tempel der Literatur wieder zu reinigen. In einer solchen Reinlichkeits- Absicht möge man auch die Ursache dieser Besprechung suchen.— c— Die„Edelsten und Besten". Newyork, im Februar. (Schluß.) Anstatt mit Auflage einer Kriegssteuer auf das Kapital zu beginnen und mit Ausgabe von Papiergeld sparsam zu sein, machte man das Gegentheil: man borgte bei den Banken, welche alle gleichzeitig die Hartgeldzahlung eingestellt hatten, zu hohen Zinsen Hartgeld und gab bis zu 700 Millionen Dollar Unions- Papiergeld aus. Man rechnete darauf, daß das Vertrauen des Volkes zu seiner Union dasselbe vollwerthig erhalten werde; man erregte aber zugleich das Mißtrauen dadurch, daß die Zölle in Gold bezahlt werden mußten, während das Papiergeld Zwangs« umlauf erhielt. Das Government erklärte damit sein eignes Papiergeld für weniger Werth als das Weltgeld, das Gold. Dadurch schuf man künstlich eine Goldspekulation an der Börse, welche das Papiergeld im Werthe herabdrückte. Erst als dessen Entwerthung gebot, mit weiterer Ausgabe von Papiergeld inne- zuhalten, dachte man an ein volksthümliches Anlchen, die so- genannten Fünf-Zwanziger Schuldscheine, welche mit 6 Prozent „gesetzlichem Gelde der Bereinigten Staaten" verzinslich und in eben solchem Gelde einlösbar sein sollten, und gab davon binnen etwa zwei Jahren 1500 Millionen aus. Das Unisnspapiergeld wurde beim Ankauf dieser Scheine für voll angenommen; die umlaufende Menge desselben aber wurde nicht vermindert, sondern mehrere Jahre lang vom Government wieder ausgegeben, so daß es endlich auf die Hälfte des Goldwerthes sank. Man machte gleichsam einen Versuch, das eigne Volk zu bestechen. Man sagte ihm: seht, wenn ihr Arbeiter, um unsre theure Union zu retten, deren Schuldscheine kauft, so bekommt ihr für die Green- bocks in eurem Beutel, welche jetzt blos zwei Drittel oder eine Hälfte Goldwerth haben, Schuldscheine, welche euch am Ende des Krieges, wo dann dieselben vollen Goldwerth erlangt haben werden, ein Drittel oder eine Hälfte mehr eintragen werden, und inzwischen ebensoviel Zinsen, als euch die Sparkassen geben. Und als wäre dies des Wahnsinns nicht genug, gründete man die Nationalbanken. Wer 100,000 Doli, in Unionsschuld- scheinen an's Government einzahlte, und bei demselben deponirte, durfte eine von der Union garantirte Nattonalbank errichten, und das Government gab ihm das Papiergeld dazu, für je 10 Doll. Schuldscheine 9 Do?. Nationalbankpapiergeld, und ver- zinste ihm außerdem seine Schuldscheine. Die Anzahl der Banken und die höchste Summe dieses neuen Papiergeldes waren aller- dings beschränkt, das letztere aber diente dennoch zur Vermehrung des Papiergeldes. Ein leichtes Exempel lehrt, daß eine Bande verbündeter Kapitalisten, welche mit ihren Greenbocks Schuld« scheine vom Government kauften und bei diesem deponirten, und das dafür gelieferte Nationalbankpapiergeld theils hoch verzinslich ausliehen, und was sie nicht sehr hoch verzinslich ausleihen konnten sofort wieder in Greenbocks und dann in Unionsschuld- scheine verwandelten, und dieses Verfahren fortsetzten(natürlich in immer abnehmendem Maßstabe, weil für 10 Doll. blos 9 zurückkamen), ihr Kapital zu mehr als 100 Prozent anlegen konnten. Diese ungeheuren Zinsen schlugen sie größtentheils aus dem Government heraus; und die Maßregel hatte nur das eine Gute, daß die Nattonalbanken, welche nicht brechen konnten und nur eine Art höchst schwer verfälschbaren Papiergeldes aus- gaben, die ehemaligen Staatsbanken verdrängten, welche so oft gebrochen waren und wohl Tausend verschiedene und meist ver- dächtige Sorten Papiergeld im Umlaufe hielten. Dabei aber blieb es nicht. Zuerst wurde 1863 verordnet, trotz allen Protestes der ehrlichen Congreßleute, daß die Fünf- zwanziger in Gold verzinslich sein sollten. Später wurden fie auch m Gold rückzahlbar erklärt. Noch später wurde, als es längst keine„Edelsten und Besten" im Eongreß mehr gab, ver- ordnet, die Fünfzwanziger sollten fundirt, d. h. m eine andere auf 30 oder 40 Jahre laufende, aber blos zu 5, oder 4 Proz. Gold verzinsliche und in Gold rückzahlbare Anleihe verwandelt werden— und mit etwa 1000 Millionen wurde dies auch aus- geführt. Dadurch wurde allerdings an Zinsen erspart, aber zugleich der Widerruf der vorherigen betrügerischen Gesetzgebung unmöglich gemacht. Dann wurde die Silberwährung verboten, welche vor dem Kriege allein gesetzlich war, und zwar weil in- folge der riesigen Silberausbeute in unser» Nevada-Minen der Werth des Silbers gegen den des Goldes um etwa 8 Prozent sank. Zuletzt wurde verordnet, am 1. Januar 1879 sollten alle Greenbocks in Gold eingelöst und vernichtet werden; das National- bankpapiergeld sollte alleiniges Papiergeld bleiben, aber von den Banken auf Verlangen in Gold eingelöst werden. Die Nationalschuld ist seitdem bis auf 2100 Millionen herab- gemindert worden, und zwar durch eine überaus hohe Besteuerung, welche im dritten Kriegsjahce begann. Jahre lang wurden die inneren Steuern aus die jährliche Ertragssumme von 4 bis 500 Millionen hinaufgeschraubt. Allerdings wurde auch eine Einkommensteuer beliebt, sie war aber sehr unbeliebt und führte zu haarsträubenden Hinterziehungen der Kapitalisten, so daß sie bald wieder aufgegeben werden mußte. Es war fast jede Art der einheimischen Produktion schwer besteuert. Das Volk litt allerdings nicht darunter, wenigstens nicht bis 1873, weil eine beispiellose Consumtion aller möglichen Waaren die lebhafteste Produttion, also auch hohe Löhne unterhielt. Um so fühlbarer wurde nachher der Rückschlag seit dem großen Krach. Bis heute haben wir auf unsere Nationalschuld 1000 Millionen Dollar zurückbezahlt und an Zinsen mehr als ebensoviel unnöthig entrichtet. Aber das sind nur Kleinigkeiten gegenüber den Ver- lusten, welche der Nationalwohlstand daneben erlitten hat. Die Schulden, welche der rebellische Süden gemacht hatte, wurden natürlich ausgewischt und dadurch eine gänzliche Verarmung des Südens herbeigeführt. Die Rebellen-Ländereien wurden nicht eingezogen, den befreiten Negern kein Land eigenthümlich oder pachtweise angewiesen, so daß eine neue starke Produktion hätte beginnen können. Es wurde die Einwanderung von Weißen in den Süden zur Ansiedelung nicht ermuthigt. Statt dessen wurde einer von Bundeswegen dahin gesandten Räuberschaar republi- kanischer Beamten unter dem Schutze von Bundestruppen die Erlaubniß gegeben, mit Hülfe von Negerstimmen die Südstaaten erbarmungslos auszubeuten, indem große Schulden auf Staats- kredit gemacht wurden, deren Ertrag gestohlen wurde. Die Er- sparnisse, welche die Neger in einer unter Bundesschutz gegrün- beten Bank niederlegten, wurden gestohlen; der Trieb des Emporstrebens der Weißen und Schwarzen wurde ein ganzes Jahrzehnt entmuthigt, die Entsittlichung auf die Spitze ge- trieben. Im Norden wüthete inzwischen der künstlich großgezogene Geist des Kapitalismus unter allen Klassen, am ärgsten unter den Arbeitern. Da wir aber dies bereits in den Spalten des .Vorwärts" geschildert haben, so brechen wir hier ab. Wie furchtbar und allgemein jetzt die Enttäuschung unter diesen Millionen von Arbeitern ist, welche sich kleine Kapitalisten wähnten und jetzt Enterbte geworden find, geht am Besten aus dem plötzlichen Erfolge hervor, welchen die sich„Arbeiterpartei" oder„nationale Partei" nennende Greenbock- Partei entwickelt. An fast allen Orten des großen Landes, wo Wahlen oder Partei-Conventionen gehalten werden, und in den meisten Legis- laturen, ebensowie im Congresse haben die Greenbockler auf einmal eine große Mehrheit der Stimmen. Kein Zweifel, daß mit Ausnahme der Staaten New-Aork und Massachusetts und weniger andern großkapitalistischen, binnen Kurzem die Gesetz- gebung völlig in ihrer Hand sein wird. Es ist eine Revolution, welche sich soeben(am 22. Februar) bei ihrer in Toledo, Ohio, abgehaltenen Nationalconvention ihr Programm und eine Or- aanisation gegeben hat. Noch ist diese Partei ganz im kapita- listtschen Geiste befangen und glaubt, ohne Abschaffung des Privatkapitals eine Wiedergeburt der Polittk und Oekonomie bewirken zu können. Allein dieser Jrrthum kann nicht lange vorhalten. In diesem Zeichen kann sie nicht einmal siegen; das Großkapital kann ihre Gesetze vereiteln. Sie kann höchstens— wenn wir nur unsre agitatorische Schuldigkeit thun, uns in die Hände arbeiten. Aber mehr darüber in unserm Nächsten. Sozialpolitische Uebersicht. — In der Reichstagssitzung vom 13. d. M. wurde vom Abgeordneten Dr. Nieper im Namen der Commission der An- trag gestellt, die in voriger Session beanstandete Wahl des Ab- geordneten Dr. Beseler für gültig zu erklären und die einge- 8 angenen Klagen und Beschwerden über die Unregelmäßigkeit ei der Wahl durch die Rüge, welche dem betreffenden Beamten seitens der Regierung zu Theil wurde, für erledigt zu erklären. Durch diese„Unregelmäßigkeiten" und Wahlmanöver wurde der sozialdemokratische Candidat, Maschinenbauer Stöhr, benachthei- ligt. Abg. Hasenclever protestirt gegen diesen Antrag der Com- Mission, weil die Wahl Beselers gegen den Willen der Majo- rität zu Stande gekommen, daher zu kassiren sei; auch hätte der Landrath, der die Wahl beeinflußte, von Rechts wegen abgesetzt werden müssen. Der Antrag Hasenclever's wurde, nachdem der Abg. Grumb- recht den Landrath in Schutz genommen hatte, abgelehnt. Zum 18. März. Ein Menschenalter ist entronnen Seit unser hohes Spiel begonnen— Wer hat verspielt? Wer hat gewonnen? Manche Krone sank in Staub, Mancher Thron ward Feuers Raub, Manch' Fürst ist schon, Manch' Prinz geflohn; Und dennoch schwankt die große SchicksalSwage Noch stets seit jenem schönsten Frühlingstage. DeS heil'gen BölkersrühlingS Wehen, Wird'S neu durch alle Lande gehen? Wird unser Auge wieder sehen Deutschland, Polen, Lombardei, Frankreich, Schweiz, verbrüdert— frei? Die Bölker all' Ein einz'ger Wall, Gesammelt in der hehren Weihestunde Zu ruhiggleicher Arbeit Friedensbunde? Wohin die Augen bang jetzt schauen— Ein hoffnungSlecreS düst'res Grauen! Soll's nie vom Himmel wieder thauen, Wie im holden Lenz es war? Segentriefend wunderbar!? Ihr Zweifler fragt's? Urplötzlich tagt'S! Zerreißen wird dem neu erkeimten Volke. Noch eh' Jhr'S ahnt, des jetz'gen Dunkel» Wolke. Des Mittelalters letzt Getrümmer Zerfüllt! West.her glänzt heitter Schimmer, Glänzt immer Heller— näher immer! Seht Ihr bangen Zweifler nicht Schon die Siegeszeichen licht Am Horizont? m Die Freiheit thront Soldgleich an unsreS ErdtheilS Abendgrenzen AlS Sonn'- erwacht!— die Morgenstrahlen glänzen. DaS Spiel erneut sich rings aus Erden, Doch seht: wie überall die— Heelden Stets mehr der-- Hüter— ledig werden. Ein Pferch nach dem andern bricht! Glaubt Ihr solchen Zeichen nicht? Zwing-Uri sank!! - Nicht lang— nicht lang— Sinkt auch die— Hofburg, die Zwing-Uri gründete, Und sich des Abgrunds Mächten stets verbündete. Alsdann kam der Antrag der Abgg. Liebknecht und Hasen- ; clever, betreffend die Beurlaubung Bebels aus der Haft wäh- rend der Dauer der Session und Abänderung des Z 31 der Verfassung, zur Debatte. Liebknecht begründete in längerer Rede den Antrag und theilt zunächst die Umstände mit, wes- halb der Abgeordnete Bebel verurtheilt wurde. Derselbe habe blos in Vertretung seiner berechtigten Interessen gehandelt, als er eine Vertheidigungsrede auf Angriffe des Fürsten Bismarck. die zu halten ihm durch Schlußantrag unmöglich gemacht wurde, durch den Druck veröffentlichte. Dafür also, daß er von Bis- marck so maßlos angegriffen wurde und sein Recht wahren wollte, sitze er im Gefängnisse. Bismarck habe bei Gelegenheit der Berathung der Strafgesetznovelle die Sozialdemokraten auf die maßloseste Weise angegriffen. Nach jener bekannten Rede des Ministers Eulenburg, welche mit den bezeichnenden Worten: „Die Flinte schießt, der Säbel haut!" schloß, habe Bismarck die heftigsten und ungerechtfertigtsten Schmähungen auf die Sozial- demokratte gehäuft, habe ihre Presse geschmäht, sie des Wirkens im Dunkeln beschuldigt und ihre Klagen„dreiste Lägen" ge- nannt. Der Vice-Präsident v. Stauffenberg fühlt sich veranlaßt, den Redner zu unterbrechen, da, seiner Meinung nach, derartige Erörterungen(welche zweischneidige Dolche für nationalliberale Ohren sind) etwas zu weit vom Gegenstand der Verhandlung abweichen. Liebknecht bemertt, er sei vollständig bei der Sache, weil er für den spreche, der im Gefängniß sitze, weil ihm die Möglichkeit benommen wurde, im Reichstage zu Worte zu kommen. Da er wisse, daß er nur einen hoffnungslosen Kampf gegen die Geschäftsordnung des Hauses kämpfen würde, verlasse er unter Protest diesen Theil seiner Ausführung, er sei jedoch der festen Ueberzeugung, bei der Sache zu sein. Auf diese Worte folgte das bekannte, den Bildungsgrad besonders der „Liberalen" kennzeichnende Geräusch, das in den Berichten als „Widerspruch" figurirt. Bice-Präfident v. Stauffenberg unter- brach den Redner nochmals, indem er bemertte, daß ein der- artiger Protest ihm nicht zulässig erscheine. Liebknecht führte aus, daß der Reichstag das vollkommene Recht habe, die Beur- laubung eines Abgeordneten zu fordern; eS würde sich dann zeigen, ob die Reichsregierung dieser Forderung nachkommen würde; doch glaube er nicht, daß die Reichsregierung, wenn es dem Reichstag mit der Forderung Ernst wäre, es auf einen Conflict ankommen ließe. Bescheidenheit solle nicht Sache der Volksvertretungen sein. Man habe gesehen, wie Bismarck am Sonnabend in der Person des Abg. Lasker den Reichstag in- sultirte. Bei dieser Gelegenheit strengten die Nitionalliberalen, deren Hauptphraseur, das Zungen- perpetuum-modilg, Lasker, von Bismarck mit moralischen Fußtritten regalirt worden ist, ihre Kehlen zu den bekannten»Oho"-Rufen an. Echt bedienten- Haft! Der Redner wurde hier zum dritten Mal vom Vice-Prä- ndenten unterbrochen und ersucht„zur Sache" zu sprechen. Liebknecht theilt zunächst die Thatsachen mit, welche sich auf die Entstehung des Art. 31 der Verfassung beziehen und knüpft daran die Warnung und Mahnung an die liberalen Parteien, den Antrag anzunehmen, da sie nicht immer in der Majorität sein dürften. Der Antrag sei im Juteresse der Würde des Reichstages, nehme man denselben nicht an, so lasse man eine große Anzahl von Wählern unvertreten. Das sei aber gegen die Verfassung und schon deshalb empfehle er den Antrag zur Annahme. Der erste Gegner, der auftrat, war der„Fortschrittler" Hoff' mann, welcher sich zu der Behauptung verstieg, daß es sich bei Bebel nicht um eine Beleidigung, sondern um eine Berläum- dung handle. Der Herr deklamirte noch etwas vom Stand- punkte der Fortschrittspartei und erklärte schließlich, daß er gegen den Antrag Liebknechts stimmen werde. Es folgte noch ein Alt- conservativer und ein Centrumsmitglied, welche sich beide gegen den Antrag erttärten. Liebknecht erhält das Wort zu einer per- sönlichen Bemerkung gegen den konservativen Vorredner von Gosler. Husenclever, welcher zuerst den obgenannten Altconservattven rektifizirt und dann dem Abgeordneten Hoffmann erwidert, daß die von ihm angenommene„schwere Verläumdung", die Bebel begangen haben soll in einer nicht minder schweren Verleumdung des Fürsten Bismarck ihren Grund habe, wird unterbrochen und zur„Ordnung" gerufen. Der Antrag wurde selbstverständlich abgelehnt. Diese Debatte charakterifirt die Herren„Bolksver- treter". Wenn IHM nur im Mindesten nahegetreten wird, Die Haltung unserer serbischen Parteigenossen in der Orientsrage. Ein Beitrag zur Tagespolitik von C. Stichler. Den Parteigenossen wird erinnerlich sein, daß in Serbien Jahre hindurch Parteiblätter erschienen, die, mit Geschick und Umsicht redigirt, nicht ohne Einfluß auf die Bevölkerung und deren Gesinnung blieben und dadurch zur Bildung einer Partei in unserem Sinne den Grund legten. Es wird und muß unter diesen Umständen unsere Genossen in hohem Grade interesfiren, zu erfahren, welche Richtung unsere serbischen Parteigenossen in der Orientpolitik einschlugen. Auch Serbien hatte die Pest eines gegen den Fürsten mehr oder weniger servilen Nationalliberalismus aufzuweisen, und mit Hilfe dieser Partei war es der serbischen Regierung ein leichtes, im Volke den Glauben und die Hoffnung zu erwecken und zu verbreiten, daß Serbien berufen sei, die Erlöserrolle für die bosnischen und herzegowinischeu Stammesbrüder zu übernehmen. Im Jahre 1875 schlug, wie Jedem erinnerlich sein wird, das Volk, das ländliche Proletariat in Bosnien und in der Herzego- wina los und wir lassen vollständig dahingestellt, ob russische Hetzer den Aufstand zu Wege gebracht haben. Aber, wiewohl Jeder zugestehen muß, kann em Aufstand durchaus nicht aus- brechen, wenn es an den nöthigen Ursachen fehlt. Zu derselben Zeit schien die Opposittonspartei in der serbischen Nationalver- sammlung(Skuptschina) der Regierung über den Kopf zu wachsen, wie man so zu sagen Pflegt; kein Wunder also, wenn die Re- «ierung und die ihr ergebene uattonalliberale Partei sich an- rengten, durch einen gegen die Türkei gerichteten Krieg alle Gefahr von sich abzuwenden. Die Regierung konnte darauf rechnen, daß, sobald der Krieg möglich wurde, auch das Volk sich an demselben mit wenig Widerwillen betheiligen würde, war doch seit Jahren schon die ganze polittsche Thättgkeit der serbischen Regierung auf dieses Ziel gerichtet gewesen. Da nach alledem der Krieg für die Regierung eine Lebensfrage geworden war, mußte sie endlich im Jahr 1876 von der Skuptschina die Be- willigungzum Kriege verlangen. Die Mehrzahl in der Skuptschina bestand aus Nattonallibe- ralen, die sich einer auf Machtpolitik bafirenden Nationalpolitik zuneigten; diese Leute rechneten auf Rußland, da sie an die po- litische Uneigennützigkeit desselben glaubten; sie lebten in der be- stimmten Erwartung, der nordische Koloß werde durch seinen Beistand die größten und besten Erfolge ermöglichen. Bon die- sen Ansichten geleitet, stimmten sie nicht nur blindlings für den fühlen sie sich veranlaßt, für IHN einzustehen; es regnet Unter- brechungen,„Oh»"-Rufe und dergleichen parlamentarische Kleinig- leiten. Bemerkenswerth ist es, daß die„Fortschrittler", welche nicht genuq von ihrem„Programm" von„Volksrechten" u. s. w. schwätzen können, die Ersten sind, welche gegen wirklich Volks- thümliche Anträge auftreten. Die Wähler mögen über diese neueste parlamentarische Großthat„Buch führen" und sich zur Zeit der Wahlen der Reattionäre, welche einen Volksvertreter — weil sie das freie Wort scheuen— im Gefängniß schmachten ließen, erinnern und ihnen den Laufpaß geben. — Anläßlich des Begräbnisses unseres Genossen Heinsch fühlte sich die gegnerische Presse veranlaßt, allerhand faule Witze und erbärmliche Bemerkungen zu machen, um die Furcht, welch« ihr in Folge dieser großartigen Bolkskundgebung in die Glieder gefahren ist, nicht merken zu lassen. So behauptete die„National- Zeitung", die Musiker hätten den Choral„Jesus meine Zu- verficht" geblasen. Der Reporter muß aber wenig von Musik verstcheu, wenn er den Beethoven-Trauermarsch für obigen Choral hinnahm. Die„Magdeburger Zeitung" befleißigte sich ebenfall« der fadesten und abgestandensten Witze. In einem der vier Artikel, die die„Magdeburger Zeitung" über das Leichenbegäng- niß brachte, jammert sie folgendermaßen:„Nichts'Erschütterndes, nichts Feierliches bezeichnete diesen Leichenzug, nein etwa? Fürch» terliches, etwas Erschreckliches sprach sich in dieser Leichenparade aus, zu welcher die Heerführer jder Sozialdemokratie ihre Mann- schaffen entboten hatten..... Wer spricht noch von Arbeiter- bataillonen Berlins angesichts dieses Leichenaufgebots? Das find Regimenter, Brigaden, Divisionen; ja mehr, daS sind ganz« Ameecorps, ja ohne Uebertreibung gesagt, das find ganze Armeecorps, welche ihrem, sicherlich um die Sache hochverdien- ten Tobten die letzte Ehre erweisen." Dieses Zugeständniß wird aber die ehrenwerthe Magdeburgerin nicht hindern, nächstens zu erklären, die sozialistische Bewegung sei nur von einigen Men- schen„gemacht" und habe keinen„tteferen Halt". jAm misera- belsten benimmt sich aber die Wiener„N. Fr. Pr." Dieses Polizei- blatt schreibt in Bezug auf das Leichenbegängniß unter Anderm folgend- Niederträchtigkeit:„Man könnte derlei Erscheinungen unheimlich finden, wenn der gesunde und nüchterne Sinn der hiesigen Bevölkerung durch solche rohe Mittel mehr zu reize» wäre, als es wirklich der Fall ist." Der„gesunde Sinn" ist also doch schon genügend„aufgereizt". Es geht doch nichts über einen zeilenhungrigen Reporter.„Der letzte Todesfall," fährt das Blatt fort,„der wirklich ein großes Massenaufgebot der Be- völkerung im Gefolge hatte, war der Waldems; die bei de» Haaren herbeigezogene Demonstration aber für einen Arbeiter, der sich lediglich durch seine Betheiligung an den Wahl-Agitationen ausgezeichnrt, kann keine tiefere Wirkung auf da? Bolksbewußt- sein üben." Un» gereicht es zur Genugthuung, daß die geg- nerischen Blätter aller Farben nicht umhin konnten, von dieser Volkskundgebung, wenn auch mit verstecktem Groll, Notiz zu nehmen. Das Volksbewußtsein kam bei dieser Gelegenheit recht zur Geltung und wirtte imponirend, ja verblüffend auf die aus ihrer trägen Ruhe Aufgerüttelten. — Preßfreiheitliches. In Gotha ist bereits der dritte Redakteur der„Thüringischen Freien Presse", Genosse Bruno Straube, in Untersuchungshaft genommen worden; das Blatt ist deshalb nicht ohne Redakteur geblieben.— Die bekannte Chemnitzer Eselsgeschichte kam neulich zum Abschluß. Der„Nuß- knacker" brachte seinerzeit das Bild eines Esels. Wegen diese» Bildes klagte der Redakteur des„Chemnitzer Tageblatts" wegen Ehrenbeleidigung, das Justizministerium wegen Richtcrbeleidigung, und das Polizeiamt von Chemnitz wegen Beleidigung des Polizei- inspeftors Carius. Das Gericht erkannte in erster Instanz auf drei Monate. Auf erhobenen Einspruch wurde Redakteur Petzold von der Richterbeleidigung freigesprochen, wegen Beleidigung de» Polizeiinspektors jedoch zu zwei Monaten Gefängniß verdonnert. Der Redakteur der„Süddeutschen Bolkszeiwng"� in Stutt- gart, Genosse Lossau, erhielt am 11. d. einen Erscheinungsbefehl vom dortigen Stadtgerichte, woselbst ihm eröffnet wurde, daß er seine in Berlin verwirkte sechswöchentliche Strafe am IS. anzutreten habe. ES geht nichts über die Schnelligkeit. Heute die Vorladung, morgen schon die„geheime Sitzung-. Der Redakteur der„Fackel" wurde wegen diverser Belei- digungen an einem Tage in drei Fällen zu zweihundert und Vorschlag der Regierung, sondern suchten auch mit allen Mit- teln daS Volk für den Krieg zu gewinnen. Noch wollen wir hier bemerken, daß das Volk in jener Partei so zu sagen nicht vertreten war, denn die Nattonalliberalen gehörten fast aus- schließlich der Bureaukratie an. Unter solchen Umständen be- trachteten es unsere Parteigenossen als ihre Hauptaufgabe, die Kriegsfrage einer gründlichen und objectiven Besprechung und Untersuchung zu unterziehen; in der Parteipresse und in der Skuptschina entfalteten sie in dieser Beziehung eine außerordent- liche Thättgkeit, deren Endergebniß ste schließlich in eine der kriegslusttgen Regierung total entgegengesetzte Stellung bringen mußte. Wohl mußte man sich sagen, baß die Lage der arme« Landbevölkerung in Bosnien und Herzegowina eine unerträg- liche, eine für die Dauer vollständig unhaltbare geworden sei, und ferner war man sich bewußt, daß Hilfe nothwendig und die Forderungen deS dorttgrn Landproletariats vollftäudig berechttgt waren. Und doch durste man sich nicht durch diese Empfindunge» und Gefühle hinreißen und derartig beirren lassen, daß man die Pläne der Nationalliberalen und die von selbstsüchtigen Motiv«» geleitete Handlungsweise der eigenen Regierung unterstützte. Durch gründliche Betrachtung und Behandlung dieser Angelegen- heit gelangte man im Kreise unserer Genossen zu dem Resultat, daß Serbien im Janern selbst nicht frei, von der Last der bureaukratischen Mißwirthschaft fast erdrückt, von den Na- ttonalliberalen irre geleitet und von der eigenen Regierung geknebelt und geknechtet, erst an die eigene Befreiung vor allen Dingen denken und demgemäß handeln müßte, ehe es bei den verwandten Bolksstämmen, die Erlöser- rolle zu spielen berufen sei. Vor allen Dingen sagte» sich unsere Genossen in Serbien, daß der Aufstand in Bosnien und der Herzegowina von vornherein fremden Einflüssen scho- nungSlos preisgegeben war; die Thättgkeit unserer Partei hatte in bis dahin(1875) fast fünfjähriger angestrengter Arbeit sich ausschließlich den inneren, den eigenen Angelegenheiten zuge- wendet, während m dieser Zeit die Nattonalliberalen, bewußt oder unbewußt, den russische» RegierungSazenten in den türkische» Grenzprovinzen, wo durch die offiziell: türkische Mißwirthschaft genug Brand- und Zündstoff angehäuft war, in die Hände ar« betteten. Unsere Parteigenossen ließen nicht außer Acht, daß durch die Beseittgung der türkischen Paschawirthschaft in Serbien Verhält- msse geschaffen worden waren, die schon bei der Gründung»n- serer Partei den nahen und vollständigen Siez über die Gegner und die Regierung garantirten. Im Innern Serbien? unter der Landbevölkerung hatte die Partei eine solche Ausdehnung achtzig Mark Strafe verurtheilt. Mehr als 20 Prozesse find noch in der Schwebe. Redakteur Werner in Leipzig wurde wegen Beleidigung eines Siegesdenkmal- Comit6s in Altenburg,„höchster und hoher Kreise", Appellations-, Commerzien-, Land-, Berg- und anderer Räthe zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. Der bekannte Dr. Hans Blum, der ehemalige„Student der Menschenrechte", hatte mindestens sechs Monate beantragt. Ferner hat Werner noch acht Wochen wegen Beleidigung deS Staatsanwalts von Borna und acht Wochen auf Antrag des Generals Rothmaler auf dem Kerbholz. Außerdem schweben noch elf Prozesse, darunter ein MajestStsbeleidignngsprozeß. Und so geht es fort mit Grazie. k'iat justitia pereat mundus! — Was man im Jahrhundert der„Aufklärung" alles erleben kann. Unserem Genossen Greifenberg in Berlin ist folgende Verfügung zugegangen:„Sie haben am 28. Februar cr., Abends gegen II'/, Uhr, in einer Versammlung in der Gartenstraße Nr. 13 den Anwesenden am Ausgang des Lokales Formulare zum Austritt aus der Landeskirche an- geboten, dadurch aber groben Unfug verübt. Auf Grund des § 360 ad 11 des Str.-G.-B. wird deshalb gegen Sie eine Geldstrafe von 15 Mark, an deren Stelle, wenn fie nicht beizu- treiben find, eine Hast von 3 Tagen tritt, hierdurch festgesetzt." — Der betr. Paragraph, Alinea 11, lautet:„Wer ungebührlicher Weise ruhestörenden Lärm erregt oder wer groben Unfug ver- übt." Selbstverständlich wird Greifenberg Einspruch erheben mnd find wir wirklich begierig zu erfahren, ob und wie man in dem Anbieten der betreffenden Formulare den„ruhestörenden Lärm" und den„groben Unfug" finden und beweisen wird. — Im Monat Februar wurden— soviel uns bekannt ist — über Angehörige der sozialdemokratischen Partei, fünf Zahr, drei Monat und 14 Kage Gefängniß verhängt. Außerdem sind noch eine Menge Prozesse in der Schwebe. Wenn man bedenkt, daß die meisten Strafen wegen„Beleidigungen" ver- hängt wurden, wird man einsehen, daß unsere heutigen Straf- gesetze einer gründlichen Aenderung sehr bedürftig sind. Zum Stoßen Aerger der Gegner befitzt die sozialdemokratische Partei wüste genug, so daß, wenn die erzürnte„Gerechtigkeit" zehn Opfer fordert, sofort zwanzig Ersatzmänner zur Hand find, um die Bresche auszufüllen. — Die Aussperrung der Spengler in Zürich dauert noch immer fort, der Zuzug ist also nach wie vor fernzuhalten. Da die Unterstützungsgelder ziemlich zahlreich einlaufen, so ist an dem endlichen Siege der Ausgesperrten nicht zu zweifeln, natürlich immer unter der Voraussetzung, daß Zuzug fernbleibt. — Am 19. März feiert der Veteran der Sozialdemokratie, Johann Philipp Becker zu Genf, seinen 70. Geburtstag. Wir entbieten unserem braven Mitkämpfer die besten Grüße und wünschen, daß es ihm noch lange verginnt sein möge, für das Recht der Arbeit in die Schranken zu treten. Der HungerSnoth in Schlesien soll jetzt durch den Klingelbeutel ein Ende gemacht werden. Man möchte lachen über diesen verdammt gescheuten Einfall, wen» die Sache nur nicht so bitter ernst wäre. Was und wer hier allein helfen kann, haben wir schon früher gesagt— es ist der Staat, der nur zu wollen braucht. Aber ist es denn zu verwundern, daß der heutige Staat, dessen Verwaltung sich ausschließlich in den Händen der besitzenden Klassen befindet, dem Elend theilnahmlos zusieht, anstatt energisch helfend einzuschreiten? Sie, die Befitzenden, hungern und verhungern ja nicht. — Nach langem Hin- und Herschreiben haben sich die Herren Diplomaten dahin geeinigt, dag der Eongreß betreffs Regelung der rusfisch-türktschen Angelegenheiten in Berlin abgehalten werden soll, und wird demnach Fürst B'smarck— wenn es seine„Nerven- schwäche" erlaubt— den Vorfitz führen. Rußland ist mit diesem Arrangement vollkommen einverstanden. Um seinen Forderungen mehr Nachdruck zu geben, will Rußland den Fürsten Gortschakow, der es so gut verstand, die übrigen Tabinette zu dupiren, den General Jgnatiew und zwei Staatsräthe zum Congreß entsenden. Oesterreich, England und Frankreich haben die Betheiligung bereits zugesagt. Rußland findet es noch immer nicht der Mühe Werth, den anderen Mächten die Friedensbedingunzen bekannt zu aeben, ist aber, während es die Cabinette mit„Noten" abspeist, emng bemüht, seine Truppenmacht zu ergänzen und zu concentriren. — Die Folgen des mörderischen Krieges treten jetzt auch in Petersburg zu Tage; der Typhus greift immer mehr um sich und hat schon zahlreiche Opfer gefordert. Bon fachmännischer Seite wird den„St. Pet. Web." mitgetheilt, daß die Zahl der in Petersburg am Typhus Erkrankten täglich 300— 400 betrage. Die Universttätsstudenten wollen den Rector ersuchen, vom 1. April an die Universität zu schließen, weil schon zahlreiche Erkrankungen vorgekommen sind. Das Volk kann auf den Schlachtfeldern verbluten, kann vor Hunger und Frost umkom- men oder nach Beendigung des Krieges vom Typhus hinweg- gerafft werden, kann verroht und entmenscht werden, das küm- mert den milden Czar blutwenig, wenn nur die Ländergier und der Ehrgeiz befriedigt werden. Lesstng's Uebereinstimmung mit sozialdemo- kritischen Grundgedanken weist Karl Grün in der„Augsburger Allgemeinen Zeitung" Seite 467 dieses Jahres nach, indem er be« Besprechung der Lessing-Biographie des Engländers Sime folgende Bemerkungen einflicht: Die drei ersten Gespräche zwischen Ernst und Falk erschienen 1778.... Im zweiten sagt Falk:„Die Ameisen leben in Ge- sellschast wie die Bienen." Ernst:„Und in einer noch wunder- bareren Gesellschaft; denn fie haben Niemand unter sich, der sie zusammenhält und regiert." Falk:„Ordnung muß also doch ohne Regierung bestehen können." Ernst:„Wenn jedes Einzelne sich selbst zu regieren weiß, warum nicht?" Falk:„Ob es wohl noch einmal mit den Menschen dahin kommen wird?" Ernst: „Wohl schwerlich." Falk:„Schade."— Das ist doch nichts anderes(meint Grün) als die vielbesprochene, vieloerspottete und schlecht verstandene Proudhon'sche„Anarchie"? Wie hoch erhob sich aber Lesfing über die Ansicht des früh kritisirten Jean Jacques(Rousseau), der im„Gesellschaftsver- trag" einen Verlust der Einzelfreiheit, eine Verkürzung der pri- mitiven Menschenrechte erblickte!— Falk:„Die Staaten verei- nigen die Menschen, damit durch diese und in dieser Bereinigung jeder Einzelne seinen Theil von Glückseligkeit desto sicherer und besser genießen könne. Das Totale der einzelnen Glückseligkeiten aller Glieder ist die Glückseligkeit des Staates. Jede andere Glückseligkeit des Staates, bei welcher auch noch so wenig ein- zelne Glieder leiden und leiden müssen, ist Bemäntelung der Tyrannei."— Unter den„nachtheiligen Dingen, die auch aus der besten Staatsverfassung nothwendig entspringen müssen", weiß nun Falk„zehn gegen eins" namhaft zu machen: die Spaltung der Menschen in Nationalitäten, von denen jede ihr „eigenes Interesse" habe; die verschiedenen Religionen ec., und endlich„die Verschiedenheit der Stände". Wahrhaft pro- phetisch lautet es da, Notabene als noch kein Mensch an der Ge- setzgebung Antheil hatte: „Wenn fie auch Alle Antheil an der Gesetzgebung haben, so können fie doch nicht gleichen Antheil haben, wenigstens nicht gleich unmittelbaren Antheil. Es wird also vornehmere und geringere Glieder geben. Wenn anfangs auch alle Besitzungen des Staates unter fie gleich vertheilt werden, so kann diese gleich: Vertheilung doch keine zwei Menschenalter bestehen. Einer wird sein Eigenthum besser zu nutzen wissen als der Andere; Einer wird sem schlechter genutztes Eigenthum gleichwohl unter mehr Nachkommen zu vertheilen haben als der Ändere. Es wird also reichere und ärmere Glieder geben. Nun überlege, wie viel Uebel es in d-r W:lt wohl giebt, das in dieser Verschiedenheit der Stände seinen Grnnd nicht hat." Wnter meint Lesstng: Obgleich der Staat nur durch solch- Standesunterschiede möglich geworden, seien diese„Tr-nnungen" doch nicht heilig! Es sei nicht verboten, Hand an sie zu legen „in Abficht, fie nicht größer einreißen zu lassen, als die Roth- wendigkeit erfordert; in Abficht, ihre Folgen so unschädlich zu machen als möglich." Das vermöge freilich nicht ein bürgerlich Gesetz— dazu sei eine Maßregel der Billigkeit erforderlich: eine freiwillige That der„Weisesten und Besten". Wie eine Absage an alle Nationalliberalen erklingt das Wort des Lessi'.ig'schen Ernst:„Als ob die Natur mehr die Glückselig- keit eines abgezogenen Begriffs, wie Staat, Baterland und dergleichen sind, als die Glückseligkeit jedes wirklichen ein- zelnen Wesens zur Abficht gehabt hätte!!" Dies ist der springende Punkt. Staat und Baterland! Wie uns die Behörden immer wieder damit kirren, weil fie selbst dadurch kirre geworden find, die„betrogenen Betrüger" nach „ihrem" L-ssing, den fie doch todtschweigen, wenn er ihnen i«'» Geficht höhnt:„Patriotismus ist eine heroische Schwachheit!" „Vaterlandsloser" Lesfing! Reihe Dich kaltblütig neben Deinen großen, vielverkannten Goethe, den dieselbe„Augsburger Allgemeine Zeitung" wenige Seiten später— Seite 461 in der Anm. 1— mit der Pharisäerphrase rechtfertigen zu müssen ver« meint:„Wie war es nur möglich» den Schreiber eines solchen (dort abgedruckten) Briefes der ,Baterlandslofigkeiff zu zeihen!" Betrogeue Betrüger I Unbewußte Rückwärtsdreher der natio- nalen Bildung, die wir unseren Klassikern danken, lernt unsere — Eure— deutschen Klassiker auslegen und verstehen, wie eS der Engländer Sime bei Lessing thut, über dessen eben citirteu Ausspruch(Ecnffs) er Folgendes anfügt: „Bon den 300 und mehr Fürsten sammt ihren Ministern, die absolute Herren des Voltes waren, sahen nur sehr wenige ihre Uuterthanen für etwas anderes an, als dazu bestimmt, die Bedürfnisse des„Staats" zu beschaffen, d. h. der winzige» Minderheit, welche müßig von der Arbeit der Mehrheit lebte. Für diese war es in der That eine Ueberrafchuna, zu hören, daß fie die Welt auf den Kopf gestellt hätten(die Pyramide der Gesellschaft auf ihre Spitze anstatt auf ihre natürliche Basis, die „breiteste demokratische Grundlage" Friedrich Wilhelms des lV.l) — daß fie eigentlich um deS Volkes willen, nicht das Volk um ihretwillen, vorhanden seien!— Folgt aber aus diesem Grund- satz, daß der Staat einzig die Pflichten der Polizei zu erfülle» hat, indem er jedes Individuum in seinen Rechten schützt und alles Sonstige dem Zufall üb-rläßt? Oder handelt nicht viel- mehr der Staat als echtes Mittel zu echtem Zweck, indem er anerkennt, daß die Bedingungen des Daseinskampfes aus einige» Klassen schwer lasten, während sie anderen unmäßig günstig find? Und wenn das ist, wie weit ist er berechtigt, den Starken zu zwingen, etwas zum Bortheil des Schwachen zu opfern? I« welchem Umfange kann er sich b-fireben, die Güter gleichmäßiger zu vertheilen, welche das Glück so sorglos unter die Menschen verstreut hat?") Das sind sehr dringende Fragen für da? neun- zehnte Jahrhundert; im achtzehnten waren sie noch nicht aufge« taucht."— So weit Sime. Wir übergehen hier Grün's Schlußbemerkungen und erinnern nur unsere Leser daran, daß auch für Goethe Karl Grün zuerst mit lauter Stimme bei Zergliederung der Wanderjahre diejenige Gesinnung in Anspruch genommen hat, die wir jetzt mit dem feierlich ehrwürdigen Parteinamen„sozialdemokratisch" bezeichnen. Es bleibt uns noch für den entschiedensten Demokraten unter den sechs großen Klassikern, für Herder, in diesem Blatte der Nachweis übrig, den wir uns vorbehalten, daß auch Er— Herder— Sozialdemokrat war. A. Prowe. Correfpoudenzen> Kamburg, 10. März. Am 5. d. M. kamen etliche Mänu« lein zusammen, um eine„christlich soziale Partei" zu gründen. Der Vorstand des„evangelischen BereinshauseS" in Hamburg verschrieb sich aus Berlin einen Stöckerianer, welcher da? Pro- gramm dieser Partei erläuterte. Dieses Programm sagte aber den guten Leuten nicht zu, weil es— zu radikal sei. Man versprach sich von einem gleichen Borgehen,„wie dem des Hof- Prediger» Stöcker keinen nachhaltigen Erfolg". Das Bernünf- tigste an der ganzen Sache war, daß die Leutchen die Bezeich- nung„Arbeiter".Partei strichen; auch„die moralischen Sätze" des Programm? wurden als„wirkungslos" beseitigt. Die „wirthschaftlichen Fragen" sollen bei einer späteren Versammlung behandelt werden. Die Anwesenden, etwa 50 an der Zahl, ver- *)„So auch das Glück tappt unter die Menge; saßt bald de» Knaben lockige Unschuld, bald auch den kahlen schuldigen Scheitel. Nur allein der Mensch vermag das Unmögliche— Er allein darf den Guten be- lohnen, den Bösen strafen, alles Irrende und Schweifende nützlich ver- binden!" Goethe. und Aufnahme gefunden, daß Regierung und Büreaukratie ernst reaukratie im Dienste des Fürsten vollständig geknechtete und aus- liche und gegründete Befürchtungen für ihre eigene Existenz gesogene Serbien als total unfähig zum Befteiungskampfe er- V.......... f. i___ fYTX C......________ 1 � CY1 � l �«« v, W a ,*•** X M vPl v4rtv»* 4„ �1� A%• rv« I\9* hegen mußten. Kein Wunder, wenn nun die Regierung und ihr Anhang mittelst angeblich durch den Krieg gerechtfertigte Ausnahmegesetze sich ihre Gegner vom Halse schaffen und die Früchte jahrelanger mühevoller und von Erfolg begleiteter Thä- tigkeit vernichten wollte; der Krieg war für die Regierung ein- fach zu einem Kampf um's Dasein geworden. Demnach war es achten müßten, und demgemäß erklärten fie sich durch Berweig* rung der Mittel gegen den Krieg! Die Regierung, der ja, wie schon mehrfach erwähnt, der Krieg eine Existenzbedingung geworden war, mußte und wollte den Krieg um jeden Preis; unterstützt von ihren Anhang, der national- liberalen Partei, war es ihr möglich, unsere Genossen zu über- unseren Parteigenossen bald klar, daß der sogenannte Befreiungs stimmen und den Beschluß für den Krieg in der Skuptschina kämpf sich gegen fie richtete, daß die aus dem Krieg und den durchzusetzen. Ausnahmsgesetzen resulttrende Reakttonsorgie im Innern Serbiens(Schluß folgt.) auch für die Herzegowiner und Bosniaken bald ein gefährlicheres Uebel sein mußte, als die vielleicht auf die Dauer eines Jahr-.--- zehnts hinaus fortdauernde türkische Mißwirthschast und brutale Pascha-Wlllkür. Für die Türkenfresser. Die rubelifirte borusstsch- In der Skuptschina bekam die serbische Regierung von Seiten russische Presse konnte während de» orientalisch m Krieges nicht unserer darin befindlichen Genossen bald die Wahrheit zu hören, genug von den„türkischen Gceuelrhaten" erzählen. Ä r haben Fünfzehn unserer Genoffen in der Skuptschina, zum größten zu wiederholtenmalen die Verlogenheit derartiger Preßpiraten, Theil Bauern, die Serbien noch nicht verlassen, d. h. nicht im die dem Grundsatz: peoun!» von olet(das Geld stinkt nicht) Auslande„studirt" hatten, waren es, die der Regierung durch huldigen, gebührend gekennzeichnet, ohne uns um das Beheul planmäßige und gut vorbereitete Kreuz- und Querfragen bezüg- der Meute, welche die moralisch:» Peitschenhiebe fühlte, zu küm- kich der Kriegsabfichten eine Niederlage und die größte Blamage mern. Daß die Türken keine solche S Heusale find, wie ne von bereiteten. Sie führten auS, daß wenn der Aufstand fremder bezahlten Preßlakaien geschildert wurden, beweisen alle Jene, llse bedürfe, dies ein Zeichen sei, daß er nicht in sich selbst welche Gelegenheit hatten, die türkischen Verhältnisse kennen zu nc*..... t,,.(ernen. Am 6. März hielt H:rr Viktor Lorie, der bekannte Kriegskorrespondent der„Frankfurter Zeitung"(er war bei Os- man Pascha während der ersten Belagerung von Plewaa) in Frankfurt a. M. über seine Erlebnisse in der Türkei einen Bor- trag, welcher mit dem Zetergehenl gewisser Blätter, deren„Revak i. M"1", OiWS' VUl|WV/ VV*p VV- l'**7 I'-- I fettig en b£ie t?rfiWe Paschawirthlchast gründlich be- lernen k S* sagten fie, wer die nothwendlge Beihilfe ge- Die serbische, am Marke des eigene« BolkS zehrende Büreaukratie und die russische Knute, das war die ein- fach logische Antwort, die die schlichten Bolksmänner sich selbst �.._____[_____.... und der Regierung gaben. Wenn die Regierung, sagten unsere teure" oft im eigenen„Baterlande" nicht fünf Meilen weit ge- Genossen w der Skuptschina, durchaus in Volksbeglückung und kommen find, im grellsten Widerspruche steht. Der Lortragende Befreiung thatig sein wolle, so könne fie dies ja erst im eigenen betonte, daß über Charakter und Sitten der Türken die irrigsten Hause vollauf thun, ja fie müßte da», wenn fie überhaupt Ver- Ansichten herrschen und daß er in einer großen Stadt der trauen beanspruche. �Intelligenz(Berlin??) bemerken mußte, daß selbst„gelehrte" Es wäre besser, wenn die Regierung ein freies Serbien in Herren und„gebildete" Damen keine Idee von dem Familien- des Wortes schönster Bedeutung schaffen würde, denn ohne ein leben und dem Charakter der Tücken hätten und auf die ein- solches würden unsere unglücklichen Stammesgenossen keine Stütze seitigste Weise gegen dieselben eingenommen seien, weil sie— für ihre Bestrebungen, keinen Halt für ihre Zukunft finden. Bor Türken sind. Mit Unrecht werde den Türken Fanatismus vor- allen Dingen, sagte man, sollte die Regierung den Einfluß, den geworfen; im Orient sei Jeder, heiße er Armenier, Grieche, fie sich in jenen Gegenden anmaßte, dabin verwenden, daß die Christ oder Jude, fanatisch, nur nicht der Muselmann. Der beunruhigten und aufgeregten Herzegowiner und Bosniaken be- hervorragendste Charakterzug des Muselmann? sei die Toleranz. ruhigt und jene Gebiete nicht zum Tummelplatz wüster und der So bewachten z. B. türkische Soldaten das„heilige Grab" in Befreiung selbst ganz widerstrebender Kämpfe im Dienste fremder Jerusalem lediglich zu dem Zwecke, um die Keilereien der ver titfimAtav.;__ L__ 4.4 tnilrS*** c-i. c- rjtYlX, V....> CTJC«er � t----- ruhmgieriger Despoten gemacht würden. Roch fügten die schlich- ten serbischen Bauern hinzu, daß fie das heutige von der Bu schiedenen„christlichen" Pilger und Pfaffen zu verhindern, nicht aber, um irgend welche Pression auf die Christen auszuüben. Besonders zeichne sich der Türke vor dem Deutschen dadurch auS, daß ihm jeder Nationalfanatismus fehlt; der vielverschrieene Fanatismus der türkischen Soldaten sei eine Lüge, welche von unwissenden oder böswilligen Reptilien in Umlauf gebracht wurde. Redner meint, er habe sich persönlich davon überzeugt, daß sei- tens der regulären türkischen Truppen keine Grausamkeiten ver- übt wurden; wenn solche von Seiten der irregulären vorkamen, so waren es nur Repressalien, welche durch die russtschen Bestia- litäten hervorgerufen wurden. Redner hat eS selbst gesehen, daß türkische Soldaten mit den gefangenen Russen ihre sehr knapp zugemessenen Rittonen theilten. Räch den Ausführungen de» Redners wurden die Deutschen während de» Krieges von den Türken keineswegs auf das Liebenswürdigste behandelt, weil diese meinten, daß die Deutschen an dem Kriege schuld seien, indem sie den Russen Borschub leisteten. Man kann daraus ersehen, daß die Türken nicht so dumm find, als sie von deutschen Preß« mameluken und Bierphilistern gehalten werden. Die Behauptung, Osman Pascha habe Grausamkeiten verüben lassen, sei böswillige Verleumdung. Derselbe sei ihm, dem Redner, persönlich bekannt und sei ein Ehrenmann durch und durch, welcher den russischen Bestechuugsoersuchen männiqlich widerstand, denn auch vor Plewna wurde es mit dem Rubel versucht. Die Bulgaren schildert Redner als ein heimtückisches, durch lange Unterdrückung korrumpirtes Volk, das aber nicht von den Türken, sondern von den bulgarischen Reichen und Notabeln ausgesogen und be- drückt worden sei und jetzt aus dem Regen unter die Traufe komme. Redner beleuchtete nach Verdienst die sogenannte Kultur- Mission Rußlands. Wir haben diese» Vortrages erwähnt, weil das Zeugniß eine» Manne», der Land und Leute aus eigener Anschauung kenne« lernte, tausendmal schw:rer wiegt, als da» leichtfertige Geschreibsel unwissender, von konfusen Ideen beherrschter Literaten, der be- zahlten Reptile g-r nicht zu erwähnen. Ganz ähnlich wie Lorie urtheilt der Engländer Baker, der lange Zeit in der Türkei gelebt und jetzt seine Erlebnisse in einem höchst interessanten Buche veröffentlicht hat. — Advokatenstrike. In Lyon mußte die zweite Kammer des Appellatisnsgerichts für vierzehn Tage die Verhandlungen einstellen, weil sämmtliche Advokaten wegen des schroffen Be- nehmens des Präsidenten des Gerichtshofes sich verabredeten, nicht eher vor den Schranken des Gerichts zu erscheinen, bis der Präsident Abbitte geleistet. In Folge dessen mußten sämmt- liche Geschäfte vertagt werden. pflichteten sich durch Namensunterschrift, der Partei beizutreten «nd gegen das sich stets weiter verbreitende„Gift" der sozial- demokratischen Agitation in die Schranken zu treten. Nun, wir wünschen den Herren viel Glück und erwarten recht bald ein öffentliches Austreten derselben; wir wären neugierig zu erfahren, ob sie die Sozialdemokratie todtzuschlagen wirklich in der Lage !ind. Die Philister, denen selbst ein Stöckcr zu„radikal" ist, cheinen aber nicht das Zeug in sich zu haben, die soziale Bewegung aufhalten zu können. Der Fasching neigte sich seinem Ende zu und da veranstalteten die Leute einen Fastnachtsscherz. Kannover, 1. März. Am heutigen Abend fand hier unter Vorsitz des Hrn. Rudolf eine Volksversammlung statt. Auf der Tagesordnung stand:„Die projektirte TabakSstcuer" und hatte Hr. Oehme das Referat übernommen. Derselbe bewies durch die Reden, die im Reichstag über diesen Gegenstand gehalten, daß alle Parteien gegen die Erhöhung der TabakSstcuer seien, und infolge deflen man sich auch wohl der Hoffnung hingeben dürfe, daß eine Erhöhung nicht stattfinden würde. Nachdem Hr. Oehme zur Zufriedenheit der Anwesenden seinen Vortrag beendet, sprach noch Hr. Meister in dem Sinne, daß es Wohl fehlgegriffen sei, zu denken, daß die Erhöhung der Tabakssteuer vom Reichstag nicht angenommen werde; denn wer in den letzten Jahren der Thätigkeit des Reichstags einige Aufmerksamkeit ge- schenkt habe, wisse, zu welchen Handlungen die Majorität desselben fähig sei. I. ßayser. Irankfurt a. O., 7. März. Am S. d. wollten die„Christlich- Sozialen" hier Mitglieder werben und beriefen zu diesem Zweck eine Versammlung ein, welche aber nicht den gewünschten Erfolg hatte. Unsere Parteigenossen waren am Platze, um fich den Quatsch anzuhören. Der bekannte Grüneberg, welcher die Versammlung eröffnete, wollte auch den Vorfitz führen und be- stimmte seinen Trabanten Küster zum Schriftführer. Die Ar- beiter machten aber den beiden Aposteln einen Strich durch die Rechnung, indem fie den Borfitzenden und Schriftführer wählten. Run nahm die Stöckerei ihren Anfang. Ueber die beiden Reden will ich kein Wort verlieren; die beiden Herren bemühten sich redlich, eine Menge Unsinn zu schwätzen und fich gründlich lächerlich zu machend Als die Diskussion über die„Re ferate" eingeleitet wurde, stellte Grüneberg den Antrag, die Redezeit zu beschränken, welcher Antrag jedoch abgelehnt wurde. Als Schildknappen der Stöckeriade betheiligten fich an der De- batte, außer Grüneberg und Küster, der Prediger Dr. Borgius, Oberlehrer Dr. Vigelius und noch ein Lehrer. Von unserer Seite fielen im Redekampfe die Hiebe Hagel- dicht und waren die Herren, welche hier Anhänger zu gewinnen hofften, sehr enttäuscht. Als Grüneberg sah, daß die Arbeiter von seinen christlich-frommen Lehren nichts wissen wollen, ver- stieg er sich zu der Behauptung, daß die Versammlung nicht berechtigt sei, im Namen der Frankfurter Arbeiter zu sprechen oder etwas zu beschließen(eS waren über 500 Menschen, meist Arbeiter, versammelt). Der Bürcautisch war mit christlich-sozialer Makulatur belegt und es erbot fich ein Genosse, da die Aroeiter fich zur Abnahme derselben nicht verstehen wollten, sie zu kaufen und das Pfund mit 10 Pfennigen zu bezahlen. Da die Herren für ihre Phrasen von der„herrlichen Entfaltung des mächtigen Banners der christlich-sozialen Partei" gründlich ausgelacht wurden, und es auch nicht verhindern konnten, daß eine im sozialdemokratischen Sinne abgefaßte Resolution mit allen gegen 10 Stimmen angenommen wurde, verließen fie unter dem, übri- genS sehr überflüssigen, Schutze der Polizei den Vcrsammlungs- ort.— Für den 11. d. M. haben wir eine Volksversammlung einberufen und können die Stöckerianer nochmals den Versuch machen, ihre faulen Fische an den Mann zu bringen; wir sind überzeugt, daß„der Liebe Müh' vergebens" sein wird)— Herr Dr. Vigelius trat auch für die„Christlich- Sozialen" in die Schranken und bat die Anwesenden, wenn sie schon Alles fallen lassen wollen, doch den— Schiller festzuhalten. Da der Ruf: „Ich habe keinen I" ertönte, erklärte der Redner, Allen, die fich an ihn wenden wollen, Schiller's Werke unentgeltlich zu ver- schaffen. Allen Parteigenossen, die noch nicht im Befitze der Echiller'schen Werke find, wird Herr Dr. BigeliuS empfohlen. Ein Parteigenosse, der den Herrn auf die Probe stellen wollte, verfügte fich in dessen Wohnung, um fich Schiller's Werke zu holen, traf aber den Herrn nicht zu Hause. Wie staunte er aber, als am folgenden Abend der Herr Doktor in seine(des Arbeiters) Wohnung kam und diesem Schiller's Werke in Prachteinband überreichte I Die Stöckerianer haben uns durch die aufgeführte Komödie einen recht heiteren Abend bereitet. In der schlechten Zeit ist es immer anerkennenSwerth, wenn irgend ein Clown unentgelt- liche Vorstellungen giebt.— Ueber den Verlauf der nächsten Versammlung werde ich baldigst berichten. -o— IranKfurt«, M.. 3. März. Da im„Vorwärts" noch mit keinem Worte ein neuerlicher Ukas unseres hiesigen königl. preußischen Herrn Polizei- Präfidenten Hergenhahn erwähnt wurde, der doch— der Ukas nämlich— von allgemeinerem Interesse sein dürste, so erlaube ich mir auf denselben zurück- zukommen. Genannter Herr hat unterm 9. Februar durch die Frankfurter Blätter und durch Anschlag an den Plakatsäulen wörtlich Folgendes kund und zu wissen gethan: »A* die Bürger und Einwohnerschaft Frankfurts. 3« der abgelaufenen Woche find wieder über 150 Bettler und Landstreicher festgenommen und bestraft worden. Mag aber m�lr'0??�üisch von Polizei- und Gerichtswegen gegen .?. lr� i Bogabundenthum eingeschritten werden,— das falsche Mitleid des Publikums macht alle diese Bemühungen zu Schanden und trägt, ohne eS zu wollen, die Hauptschuld an dem üppigen Wuchern dieser Landplage. Was hilft alles Einsänge« und Bestrafen der Bettler gegenüber den klingenden Erfahrungen, welche fie bei chren Umgängen machen! So lange ihnen die letzteren noch irgend welchen Gewinn bringen, beginnen fie nach ihrer Entlassung aus der Hast ungesäumt wieder ihre Bettel- gänge. Nur wenn ihnen consequent Nichts, gar Nichts gegeben wird, werden die Bettler ihre belästigenden Gänge einstellen und die in Schaaken von Auswärts kommenden Landstreicher künftig unsere Stadt meiden. Nachdem nunmehr der neu gegründete Armen-Verein seine Wirksamkeit begonnen hat, ist den hiefigen Bürgern und Ein- wohnern, deren milde Herzen und Hände stets bereit find, dem Unglück beizustehen, die Möglichkeit gegeben, den Behörden bei der Bekämpfung des Haus- und Straßenbettels erfolgreich da- durch beizustehen, daß den Bettlern unnachfichtlich und ohne Ausnahme an den Thüren und auf den Straßen durchaus Nichts mehr verabreicht wird. Dagegen möge thunlichst eine jede Fa- milie dem Armen-Verein diejenigen Gaben anvertrauen, welche fie für Armen- UnterstützungSzwecke aufzuwenden Willens ist. Zur Vei meidung von Mißverständnissen bemerke ich übrigens, daß die Uebung sonstiger Privat- Wohlthätigkeit durch den Bei- tritt zum Armen-Verein in keiner Weise beschränkt werden soll. Lediglich das unterschiedslose Geben ohne Prüfung der Würdig- keit und Bedürftigkeit besonders an Personen, welche dem Schen- i kenden ganz unbekannt find, wollen Behörde und Armen-Verein bekämpfen. Auf Grund meiner amtlichen Erfahrungen habe ich mich ver- pflichtet erachtet, die Bürger- und Einwohnerichaft Frankfurts darauf aufmerksam zu machen, daß es nur auf die angedeutete Weise den Behörden im Zusammenwirken mit dem Publikum gelingen kann, den verderblichen Haus- und Straßen-Bettel zu beseitigen." Der„Volksfteund" war der festen Ueberzeugung, daß dieser Aufruf des Herrn Polizei- Präsidenten nur Reklame für den unter seiner Aegide neu gegründeten Wohlthätigkeits- Verein sei und dessen Zwecke fördern soll. Nun, da ja diese Art der Be- j seitigung des Elendes nicht die ureigenste Erfindung des Frank- furter Herrn Polizei-Präsidenten ist— eine„Erfindung", auf die kein vernünftiger Mensch ein Patent verleihen wird—, und der„Vorwärts" schon wiederholt darüber den sozialistischen Standpunkt klar gemacht hat, so dürfte ein weiteres Eingehen auf jene„amtlichen Erfahrungen" überflüssig erscheinen. Nur eine einzige Frage sei mir gestattet. Was würde wohl Herr tcrgenhahn anfangen, wenn er anstatt königl. preußischer Polizei- räsident etwa Schuster oder Schneider wäre(und es muß doch auch solche Leute geben, nicht wahr?) und als solcher, trotzdem er sein liebes theurcs Vaterland kreuz und quer mit dem Wander- stabe durchmessen, nirgends eine Stelle fände, es ihm auch nicht gelänge, auf andere ehrliche Weise sein bischen Leben zu fristen? Wüede er sich da ohne Weiteres aufhängen oder vermöge des jedem Menschen innewohnenden Selbsterhaltungstriebes erst ein- mal betteln und schließlich— vagabondiren?--- Daß es übrigens trotz dem überhand nehmenden„Bettler- und Vaga- bundenthum" noch nicht so schlimm mit dem Elend ist, wie es theilweise scheint, werde ich Ihnen sofort beweisen. Veranstaltete da z. B. der hiesige Liederkranz jüngst einen costümirten Ball, der nach Schätzung von Sachverständigen an Costümen allein einen Umsatz von 325,000 Mark verursachte. Wie in dem „Lokalen" unserer Blätter zu lesen, kostete das Leihen eines einzigen, durch besondere Pracht ausgezeichneten Maskenanzugcs 300 Mark! Wie viel Hundert Flaschen Champagner und wie viel Tausend Flaschen Wein durch die Kehlen der verehrten Herrschaften gewandert sind, das kann ich Ihnen nicht mehr angeben; aber so viel weiß ich noch, daß es laut dem„Lokalen" bereits heller Tag war, als man die Schritte heimwärts lenkte. — Vor acht Tagen fand in den Räumen des Bundespalais eine„Ausstellung für Küche und Tafel" statt, die fich einer recht zahlreichen Betbeiligung zu erfreuen hatte. Da dürste wohl hungernden Proletariern eine seltene und bequeme Gelegenheit zu Studien über„Bedürfnißlofigkeit" geboten gewesen tein! Am Montag Mittag, wo das Entree 2 Mark betrug, fand„Prome- naden-Concert" statt und wurden„Erfrischungen" unentgeltlich verabreicht. Wie sehr gewisse Leute besorgt waren, auch für ihr Geld nicht zu kurz zu kommen, scheint mir eine Notiz im heu- tigen Briefkasten der„Frankfurter Latern" zu beweisen, wo von einer„wüsten Fresserei" im Bundespalais gesprochen wird und es dann noch heißt:„Was wir darüber von allen Seiten gehört haben, giebt uns einen schlechten Begriff von der Bildung und dem Anstandsgefühl eines Theils des dort anwesend gewesenen verehrlichen Publikums." Noch will ich Ihnen mittheilen, daß irgend ein elender Bube die unsere Promenade zierende herrliche Marmor-Büste Ludwig Börne's mit einer ätzenden schwarzen Flüssigkeit Übergossen hat. Nicht genug, daß man die Kämpfer für Freiheit und Menschen- rechte zu ihren Lebzeiten mit Koth bewirst, besudelt man auch noch ihre Denkmäler! Aber so gewiß sich die Erde in ihrem Laufe nicht hemmen läßt, so gewiß bohrt sich auch die Wahrheit durch— trotz alledem und alledem.— Vor ein paar Tagen hat ein Orang-Utang seinen„Einzug" in den Zoologischen Garten gehalten, woselbst ihm in der Bel-Etage des Elephanten- Hauses zwei Zimmer eingerichtet wurden. Memer Meinung nach hat das Menschengeschlecht auch mit gänzlicher Beiseitelassung der Abstammungslehre nicht allzuviel Grund, auf das Geschlecht der Affen so verächtlich herabzublicken! Ich will für heute schließen mit der Parole:„Muthig vor- wärtS!" Oeffentttche Quittung. Seit dem 1. März habe ich erhalten für a.) Unterstützungsfond: Crimmitschau d. F. Böitger 7.52; Zeulenroda durch Karl Daßler 3,00; Bergedorf durch F. Wiese 1,00; Hamburg v. D. 1,50; do. vom P-rteisest d. Nagel 22, 57; do. v. E. W. 0,60; do. v. Ge-.b 2,40; do. ». Förster 2,40; do. vom Ball der Schmiede d. Burmester 12,50; do. v. R. M. 3,00; do. v. Schneiderwerkstatt Gerdts und Schröder durch Peine 3,00; Köbschenbrvda auf Liste d. F. Franke 10,00; Friedrichs- berg bei Berlin v. d. Partei», d. I. Wacke 5,00; Mühltroff v. Ernst Hasse 1,50; Pegau v. Parteigenossen aus Pegau- Groitzsch Zeitz in G. Weiß' Restauroiion 4.00; Bad.n-Baden d. floh. KusterS 1,00; Jeßnitz ges. d. R. Lauschke in Wolfen 5,00; Leipzig v. Diversen d. Hadlich 173,51;(do. v. Diversen d. H. Nebel, Exped. d.„Fackel" 23,07; Ma- lente Liste 1 d. I. H. Wiese 5,35; Sonneberg in einer Parteivers. d. R. Nenninger 2,00; Ottensen v. Arbetterfest d. Wegener 10,48; Gotha d. H. Gabler 2,60; Halle a. S. d. H. Rödiger 10,00; do. d. Rödiger v. H. Meyer 2,00; Frankfurt a. M. Halberirag einer Abendunterhal- tung f. Gemaßregelte d. S. Krauß 15,00; Mylau d. F. E. Fischer 1,00; Altona v. A. D. F. 4,00; Miitweida d. Ed. E ms 5,81; Schwerin V. Temmler für 1 Freierpl. v. Liss°fl"ay Commune 6 00; Berlin von Dschentscher 1,00; do. v. P. S. 250,00; do. v. I. W. 0,50; do. von Sleinnußknopsfabrik Skalitzerstr. 5,25; do. v. Ungenannt 0,25; do. v. Fische d. Slengert 1,00; do. v. Könicke 1,00; do. v. Zimmerplatz Jung 7 10; do. v. H. F. 6,00; do. v. 4 Beamten d. Maschinenb.-Krankenkasse 2,00; do. v. R. Z. 1,00. l>) Agitotionsfond: US Wandsbeck v. Schütt's Cigorrenfabrik 21,00. Wanuntgü Die Schiffsbaumeister zu Geestemünde und Bremerhaven sollen Agenten ausgrsandt haben, um Leute anzuwerben, weil die seit dem 1. November vorigen Jahres 500 ausgeschlossenen Sch ffSzimmerer sich j nicht wie Lastchiere von einer Werst zu der anderen von den Meistem ausleihen und ihren Lohn sich nicht um eine Mark pro Tag kürzen lassen wollen. Pflicht aller deutschen Arbeiter ist es daher, wo solche Menschenschacherer auftauchen, ihnen energisch entgegen zu treten. Alle den Arbeitern steundlich gesinnten Zeitungen werden um sofortigen Abdruck gebeten. Briefkasteu der Expedition. G. A. Böhler in Lausanne:„Bolksstaat-Er- zähler" ist einzeln nicht zu haben, sondern nur mit dem betr. Jahrgang „Bolksstaat".— Bog in Bromberg: Eine umfassende Biographie Lossalles existirt biS jetzt noch nicht. Quittung. Schrdr Hannover Ab. 100,00. Mhrs Hanau Ab. 8,50. Trst Kl-Zschocher Schr. 1,30. Hhn das. Plakate l,50. Stmmlr Griesheim Schr. 0,80. Fschr Frankfurt Schr. 0,70. Lgwlt Essen Schr. 5,00. Ems Mittweida Schr. 0,70. Smn Hannover Schr. 3,00. Mßnr hier Mcltr. 7,00. Untrstdt Stockhausen Schr. 1,10. Rtnbrn Dortmund Ab. 1,00. Grbnstn Lindenau Schr. 2,68. Flschr Klein- Zschocher Plakate 0,75. f'V/tltftlt Den Abonnenten des„Vorwärts" sowie der„Renen Welt" zur gefälligen Beachtung, daß nur für Diejenigen abonniit werden kann, welche spätestens bis zum 25. ds. Mts. daS erste Quartal an den Genossen H. Riefer entrichtet haben.(50 M. Daßbach. Mittwoch, den 20. März, „Tonhalle": Abends 8 Uhr, in der (0,30 Leipzig.■■■I Volksversammlung. Tagesordnung: Die Referent W. Liebknecht. geschichtliche Bedeutung des 18. März. Der Einberufer. Allg. deutsche Assoc.-Buchdruckerei zu Berlin. (Eingetragene Genossenschaft.) In Folge der durch den Tod»es bisherigen Vorstandsmitgliedes (Disponenten) August Heinsch eingetretenen Bacanz wird hiermit auf Grund des§ 25 der Statuten der Genossenschafter Jguaz Auer, wohnhaft in Berliu, zum Borstandsmitgliede, und zwar zum DiSpo- nentcn, ernannt. Hamburg, 12. März 1878. Der AuffichtSrath: August Geib. G. W. Hartmann. H. Köhler. C. Deroffi. Bon der Expedition des„Vorwärts" ist zu beziehen: Hede Äeöels über die Anträge betr. Abänderung der Gewerbeordnung(Arbeiterschutzgesetz} in der Reichstagssitzung vom 18. April 1877. Preis 10 Pfg.(3a) Domingo 55, 60, 65, 70, 80, 90. Brasil 50. 65. 70. 80, 100, 120, 140. Secdleaf 40, 50, 60, 70 bis 180. Java 100, 120. 140, 160, 250, 270. Carmen 90, 110.(4d) Palmyra 140, 150, 160, 170.[8,00 lose Domlngobllltter 25 und 30 Pfg. Ferd. Gätjens, Altona, Rathhausmarkt 36. Im Verlag von Emil Sauerteig in Gotha sind erschienen: Vr«! Solo-Quartette von Gustav Scholz. Kehr nieder! Gedicht von Bruno Geiser. vle Spinnerin.„„ Julius Sturm. Das Blttmlein.„„ A. Geib. (4b) Prei»: Partitur mit Stimmen 2 Mark.[0,90 Gegen Einsendung des Bettags folgt Zusendung franko,(gf. 182) Die Zukunft Sozialistische Revue hat die Aufgabe, daS Wesen und die Ziele der Sozialdemokratie in wissenschaftlicher Weise darzulegen und zu vertheidigen, und sie wird hierin von den bedeutendsten sozialistischen Schriftstellern des In- und Buslandes unterstützt. Trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens(sie erscheint erst seit dem 1. Oklober 1877) hat sie sich bereits über 3000 Abonnenten erworbeu. „Die Zukunft" wird halbmonatlich in der Stärke von 1>/,-"2 Bogen Lexikonformat herausgegeben. DaS Abonnement bettägt viertel- jährlich: Beim Bezug durch die Post oder den Buchhandel Mk. 1,25; bei diretter Zusendung unter Kreuzband seitens der Exvedition für Deutsch- land und die Länder des Weltpostvereins Mk. 1,90; bei Zusendung unter geschlossenem Couvert im deutsch- österreichischen Postoerein Mk. 2,50; im Weltpostverein Mk. 6,00. Die Expeditlou der„Zukunft. Berlin 80., Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a. c) Wahlfond: Iserlohn v. L. Copalle 5.50; Homburg v. D. 1,50; do. v. W. H. 3,00; do. v. Bunscus Bau d. Richter 18,55; Berlin Ueberschuß vom Böitcherball d. G. 15,80; do. gesammelt Nr. 6 Melchiorstt. 6,75; do. d. Wasewitz 2,1-0; Spandau auf Listen d. P. Grieben 30,10; Wilster aus L-sten d. Thun 3,35; Dörnigheim v. W.-B. b. Jakob Eberl 4,50; Kopenhagen d. Beckmann u. Kärstiug 4,34; Grofenberg aus Liste d. H. N.edt 6,40; Arnstadt Liste 4634 d. Glaser 4,70; do. Liste Lift- 4635 M. 5,30; Wilkau d. Ernst«rzberger 3,00; Stuttgart v. Wilh. Becker 12,50; Wriezen ges. von einigen Sozialdemvkralen d. W. Hanpt 3,00; Ragnitz v. M. Naujvck 10,00; Schweidnitz auf 2 Listen d. R. 2 35; Frankfurt a. O. Liste 2953 d. Wachholz 10,00; Brackwede Liste Lille 4172 d. Vormselde 3,60; Gelsenkirche» Liste 3000 d. Tennhoef 5,00; Osterode o. H. v. Joh. Hafienpflug 4,80; Tübingen v. B. Lutz 4,60; Mylau v. F. E. Fischer 3,00; Ronsdors Liste 2833 d. E Wilke 8,00; do. Liste 2300 8,60: Großaudcim d. A. Kronenberger 12,00; Reutlingen d. Walz v. A. F. 3,00; Franlsurt a. M. Liste 7 d. F. G. 10,00; Gelenou d. F. A. Reuter 2,64; Herold v. Weber 1,00; Heb- deruheim v. Wahlvcrein 4,00; Speyer d. Ernst Michail 8,45; Stöt- tcritz Liste 3155 d. E. Grude 14,31; do. Liste 3156 d. Emil Kind 4,25; do. Liste 3157 d. O. Richter 17,50. Hamburg, 13. März 1878. August Geib, Rödiugsmarkt 12. Durch uns ist zu beziehen: Die bürgerliche Gefellfchast. Ein Vortrag gehalten vor freireligiösen Arbeitern des WnpperthaU in Elberfeld-Barmen von Joseph Zlietzgen. Prei« 10 Pft Die Expedition des„Vorwärts". Durch uns ist zu beziehen: Jas lebensgroße'Brustbild I�rdiimncl Lassalles. Lithographie(79 Elm. hoch, 63 Elm. breit) in gelungener Ausführung. Preis pro Bild einschließlich Verpackung 3 Mark gegen baar oder Po st Vorschuß. Wiederverkäufer erhalten Robalt. Die Expedition deS„Vorwärts". Leraniwmtlicher Redakteur: Heimonu Helßig in Reudnitz-Leipzig. Redaktion und Expedi'iou Färberstraß» 12. n in Leipzig. Druck ur.d Verlag der Kenoßenschalitbuchdruckerki iu Leipzig.