«rscheint in Leipzig «ilitwoch, Freitag, Sonntag. Ädonnemcntsprcis ftr Tenlschland 1 M, k» U. prn Quartal. Monats- Abonnements '»erben bei allen deutschen Pokanstalteu «ai den Z. und 1. Monat, und auf den » Monat besonder» angenommen: im '«bnigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen* Wtenburg auch aus den Neu Monat de» Quartal» i, 54 Psg. Inserate betr. Versammlungen pr. Petitzeile tv Ps> >etr, Privatangelegenheiten und Feste pro Petitzeil« 50 Ps. Vestellungen nehmen an alle Postanstalten und Buch. Handlungen de» In- n. Auslände». Filial- Expeditionen. Rew-Norl: Soz.-demolr. Genossen- schaitsbuchdruckerei, 154 8tr. Philadelphia: P. Ha»,»M bivrtl» Z-a kteeet I. Boll, IIS» Chnriotte Str. Hobolen N.X; F. A.?'-rge. A» JVoeb- tn�ton Sur. dsllllZ Thtcago: A. Lanser.nu n, 74 t�zuonri,»-»«. San Franzisco: F. End. 4A 0�-rrrsII Ktr London Ci H'enze, 8 v. Äömst» Kentrat Hrgan der Soziatdemokratie Deutschlands. Nr. 33. Mittwoch, 20. MärZ. 1878. Zur Controverse über die soziale Werththeorie. ..-V7t?Siqs. no z:!':?iv5mo!e Ilhlj s»,,!, NwMlUl,So?!P Bitte an die Herren Gelehrten.' U. I-. Die Nationalökonomie ist— bis jetzt wenigstens— eine vorzugsweise spekulative Wisienschaft, wie ihre nahe An- verwandte, die sogenannte Philosophie. Ihre Theorien lassen sich nicht so an der greifbaren, sichtbaren Wirklichkeit beweisen, wie man beweisen kann, daß zwei mal zwei vier ist. Es hat sich denn auch— bis jetzt wenigstens— keiner ihrer Lehrsätze allgemeine, unangefochtene, bleibende Geltung ver- schaffen können, es giebt wohl keinen, über den, wie man zu sagen pflegt, die Gelehrten einig wären. Was gestern noch als der Superlativ aller volkswirthschafilichen Weisheit galt, wird heute schon als der größte Blödsinn nachgewiesen. Ja während einer und derselben Epoche begegnen wir den heterogensten, schnurstracks entgegengesetzten Anschauungen. Davon hier nur ein Beispiel. Bekanntlich gilt Ricardo bei vielen deutschen Nationalöko« nomen, die in unseren Kreisen, und mit Recht, in Ansehen stehen, als die Krone der sogenannten„bürgerlichen Oekonomie". Viele Nationalökonomen seiner eigenen Heimath, Englands, ferner auch solche Amerikas, Frankreichs aber, die dort�ivieder die größte Autorität befitzen, beweisen uns in ihren Schriften mit der größten Zuverfichtlichkeit, daß die Lehrsätze des Londoner Ban- ners der baarste Unsinn, ja oft das genaue Gegentheil davon die Wahrheit ist(siehe seine Bodenrente), wobei sie uns »ebenherlaufend ziemlich deutlich zu verstehen geben, man möge sich mit dem Menschen gar nicht erst abgeben, denn es sei bei ihm offenbar nicht recht richtig gewesen. Man sieht, man kann hier über ein und dieselbe Sache ziem- lich verschiedenen Ansichten huldigen. Es gilt aber auch von dieser neugebackenen Wissenschaft, was der Teufel von der Philosophie sagt: Mit Worten läßt sich trefflich streiten, Mit Worten ein System bereiten, An Worte läßt sich trefflich glauben, Bon einem Wort läßt sich kein Jota rauben." An diesem chronischen Leiden ist denn auch die Frau Philo- sophie zu guter Letzt selig im Herrn entschlafen. Sie haben so lange an ihr herumspintisirt. so lange ihre Haarspaltereien ge- trieben, ihre dialektischen Bockssprünge exekutirt, Dank welcher man sie nie so recht beim Wort fassen konnte, so lange ihre „Begriffe" in ihren metaphysischen Retorten abdestillirt, bis schließlich das ganze Wunderelixir in blauen Dunst aufging und »ichts davon übrig blieb. Man kann sagen, an jenem Tage, als Herr Hegel auf seinem Sterbebette meinte(so wird ja wohl erzählt):„Nur Einer hat mich verstanden und der— hat mich auch nicht ver- standen"— damals hat die„Philosophie" ihren Concurs ange- meldet, zum großen Benefizium des gesunden, noch unverrückten Menschenverstandes, der dadurch von einem seiner unversöhnlich- sten und zugleich gefährlichsten, weil versteckten Feinde befreit wurde, und auch ohne daß die wirkliche Philosophie, d. h. die praktische, gesunde, daseinsfrohe Lebensweisheit und Naturer- kenntniß, bisher irgend welchen sichtbaren Schaden dabei ge- uommen hätte. Im Gegentheil— es ist ihr sogar recht gut bekommen. Zum Kuckuk auch mit einer„Wissenschaft", die von keinem Menschen„verstanden" wird l Deshalb müssen auch, beiläufig, alle postHumen Wiederb«- lebungsversuche, besonders wenn sie gar, wie das leider noch geschieht, von sozialdemokratischer Seite ausgehen, als arge Rück- fälligkeiten und als wahre Attentate gegen den gesunden Menschen- verstand bezeichnet werden. Lasset die Tobten ruhen! Soll es nun unserer heutigen spekulativen Nationalökonomie nicht ebenso ergehen, wie ihrer gottseligen Anverwandten— sagen wir ihrer Tante, denn die Mutter möchte ich sie doch nicht gerne uennen— der Philosophie, soll sie nicht schließlich auch werden zur„Kunst wortreich zu schwatzen", sollen nicht auch auf sie die Berse anwendbar sein, mit welchen einst ein gewisser Schiller die Herren Philosophen und ihre mit der wichtigsten Miene ausgekramten Plattheiten so beißend verspottete: »Der Schnee macht kalt, das Feuer brennt, Der Mensch geht auf zwei Füßen, Die Sonne scheint am Firmament, Das kann, wer auch nicht Logik kennt, �urch feine Sinne wissen. Doch wer Metaphysik swdirt, A' daß, wer verbrennt, nicht stiert, rfÄ tfl d°s Nasse feuchtet Und daß das Helle leuchtet—" � �aJionQlöfonomie nicht einfach an Stelle der da- treten, dann muß es sich erster- meines> Erachtensgar sehr agelegen sein lassen, nicht in die Fehler der letztern zu verfalle«,.sch meme damit, sie muß sich nicht auf die schiefe Bahn der spitzstndigen Wortklaubereien und Spiegelfechtereien, der leeren Abstrakt onen, der zunftlerisch-gckiinstelten Sprechweise ver- � Wt« lasfen, an deren Ende nur die allgemeine Confusion und oie Pleite harrt. ...Wenn in die äußerst schwierige Materie der volkswirthschaft-! liche» Gesetze allmälig Klarheit und Ordnung gebracht und über dieselben eine Verständigung Herbeigeführt werden soll, dann tst es, meine ich, vor allem nothwendig, daß man ein allgemei- «es gegenseitiges Verständniß möglich macht, d. h. daß Jeder, d" zur Sache etwas zu sagen hat, sich in einfacher, klarer. vraciser, dem normalin Durchschnittsverstande faßlicher, von allen dialektischen Kunststücken freier Weise ausdrückt, damit sich nicht über jedes Buch erst wieder ein Dutzend Commentatoren her- machen müssen, von denen jeder eine andere„Exegese" hat, und die sich wegen ihrer verschiedenen Auslegungen in den Haaren liegen. Das ist die Scholastik, das ist der Tod. Man wende mir nicht ein, diese Materie lasse sich nicht so ohne Weiteres in der Sprache des Alltagslebens behandeln, es bedürfe des gelehrten Rüstzeugs zu derselben. Erstens beweist uns schon die Erfahrung, d. h. die bisherige nationalökonomische Literatur, vielfach das Gegentheil, zweitens aber giebt es ab- solut keine Disziplin, sei es auch die scheinbar schwerste, die sich nicht gemeinfaßlich vortragen, dem geraden, gesunden Menschen- verstand begreiflich machen ließe. Es frägt sich immer nur, ob der Vortragende die Fähigkeit dazu besitzt. Und gerade von uns Deutschen droht der Nationalökonomie die oben angedeutete Gefahr der„Versumpfung", um mich hier des neuesten geflügelten Wortes zu bedienen, am ehesten. Unsere deutschen Herren Gelehrten zeichnen sich ja bekanntlich vor denen aller anderen Nationen durch die Schwerfälligkeit uyd Unver- daulichkeit ihrer Ansdrucksweise, durch das„Wolken"-hafte, um Aristophanisch zu sprechen, ihres Thuns und Lassens ganz be- sonders aus. Es ist das jene Eigenschaft, die ich mit dem Namen„Hegel- baftigkeit" bezeichnen möchte, und es wird meines Erachtens der größte Triumph der deutschen Wissenschaft sein, wenn eS ihr gelungen sein wird, sich von dieser häßlichen Angewohnheit, dieser affek- tirten Sprechweise zu befreien. Es ist ferner jene selbe Eigen- schaft, welche einst einen sehr gescheuten Menschen zu dem Aus- spruch veranlasste:„Bei den Schriften unserer deutschen Ge- lehrten wäre eigentlich immer erst eine Uebersetzung aus dem Deutschen in's Deutliche nöthig."(Wobei ich nur glaube, dass er unserer Muttersprache Unrecht gethan hat, denn das, was jene Herren schreiben, ist gar kein Deutsch.) Ich meinerseits muß sagen, daß ich eher zwei oder drei stanzöfische oder englische Bücher wissenschaftlichen Inhalts zu Ende lese, bevor ich mich durch ein deutsches Opus hindurch- gebohrt habe. Unsere Herren Professoren nennen das„deutsche Gründlichkeit", neuerlich auch„Wisienschaftlichkeit". Ich glaube, man könnte es zutreffender deutsche Abgeschmacktheit be- namsen. Die Frau Philosophie, Gott Hab' sie selig, liegt ja bekannt- lich auch in Deutschland begraben. Wir haben sie von den Engländern und Franzosen in ganz leidlichem Gesundhcitszu- stand überkommen, haben sie aber dann so„gründlich" behandelt, daß sie, dem Herrn sei's geklagt, dran erstickt ist. Hoffen und wünschen wir Alle, daß der Nationalökonomie, die ja jetzt auch aus englischen und französischen in deutsche Hände überzu- gehen begonnen hat, bei uns ein glücklicheres Loos beschie- den sei. Recht schwer wird es aber unseren Herren Gelehrten, sich von der ihnen in Fleisch und Blut fitzenden Hegelhaftigkeit los- zumachen. So könnte ich z. B. ein neueres nationalökonomisches Buch nennen(ich nenne es aber nicht), in welchem zu Anfang in so zutreffender Weise über den zopfigen, absichtlich orakelhaft- unverständlichen Jargon unseres deutschen Gelchrtenthums der Stab gebrochen wird, daß man sich den süßesten Hoffnungen betreffs der Klarheit und Faßlichkeit der Vortragsweise des Verfassers selbst hingiebt, worin man aber bald auf's Bit- terste enttäuscht wird, indem sich dieses Buch in puncto Hegelhaftigkeit dem Großartigsten aller Zeiten kühn an die Seite stellen kann. Ich selbst habe, von einzelnen lichten Augenblicken, d. h. lichten Stellen abgesehen, jeden Satz so ein halb Dutzend Mal von vorn anfangen müssen, um ihn schliesslich— doch nicht zu verstehen. Ich habe seither mit Vergnügen gelesen, daß es anderen und competenteren Leuten nicht viel besser ergangen ist. Und doch steht es über allen Zweifel fest, dass es dem be- treffenden Herrn Verfasser, wie mit seinen Bestrebungen über- Haupt, so auch mit seiner Gegnerschaft gegen unser gelehrtes Augurenthum ehrlichster Ernst ist. Aber die Hegelhaftigkeit steckt unseren deutschen Gelehrten eben tief, tief in den Knochen; sie ist ihnen sozusagen angeboren und anerzogen, etwa wie manchem andern Menschen das Stottern(es ist ja auch so eine Art Stottern), und so was wird man bekanntlich so leicht nicht los. Jener Herr Verfasser schimpft(mit Recht) über das Stottern der Anderen, mertt aber nicht, daß er selbst einer der ärgsten Stotterer ist. Und zudem— um nun die Parallele zwischen der verstor- benen Philosophie und der Nationalökonomie wieder fortzusetzen — jene hatte für das Mystisch- Ueberirdische ihrer Ausdrucks- weise, ihrer Form, wenigstens noch die Entschuldigung, dass ja ihr ganzer Inhalt ein nebelhast- übersinnlicher war, es stimmten hier also wenigstens Form und Inhalt überein. Wie wenig aber paßt jene mondsüchtig-spinnwcbenhafte Form zu einer Materie wie die Nationalökonomie, der Wissenschaft, welche den denkbar materiellsten, greifbarsten, derbsten, nüchtern- sten aller Stoffe behandelt, die Beschaffung von Essen und Trinken, Kleidern und Wäsche, Dach und Fach nämlich! Es ist das ungefähr, als wollte Einer an die Herstellung unserer mo- deinen eisernen Maschinen- Kolosse mit Nadel und Zwirn heran- gehen. Und wie widerspruchsvoll die Anwendung dieses unprakti- kablcn Handwerkszeugs der reaktionären Gelehrtenzünfte vollends bei dt nzenigen Herren Nationalökonomen ist, die mit ihren revo- lutionären Ideen auf Seiten des Volkes stehen, für und an das Volk schreiben, liegt auf der Hand, zumal in einer Zeit, die ja als eine der allerersten und wichtigsten ihrer Aufgaben die Verallgemeinerung, die Demokratisirung der Wissen- schaft auf ihre Fahne geschrieben hat, zum großen Aerger der ganzen Meute der Cultnrfeinde, die, weil sie darin sehr wohl die größte Gefahr für sich wittert, ihr wüthendes Gekläffe: „Haff, hast! Halbbildung, Halbbildung!" dagegen los- läßt, das jedoch eben nur beweist—„daß wir reiten!" Jene Herren revolutionären Nationalökonomen also, die, entgegen den Geboten der Bibel, ihren neuen Wein noch immer in die alten Schläuche füllen, möchte ich(daß der Vergleich sehr treffend ist, habe ich nicht behauptet; es fällt mir aber äugen- blicklich kein besserer ein) etwa mit einem blaublütigen Aristo- kraten vergleichen, der einen armen Teufel in dringendster, von diesem selbst unerkannter Lebensgefahr schweben sieht, ihn auch gern davor warnen möchte, sich aber um keinen Preis entschließen kann, anders als in feinem gewohnten näselnden, mit fremden Brocken gespickten Jargon zu sprechen, den unser Plebejer natür- lich nicht versteht, demnach auch nicht die drohende Gefahr er- kennen und sich retten kann. Es sei also— und das ist der Zweck der vorstehenden Zeilen — im Namen aller gewöhnlichen, ungelahrten Menschenkinder, und auch, wie ich oben auszuführen versucht, im Interesse der Sache selbst an alle die, welche zu unseren heutigen weltbewegenden sozial- wirthschaftlichen Fragen etwas zu sagen haben, die be- scheidene Bitte gerichtet, möglichst— deutsch zu sprechen, d. h. sich schlicht und einfach, unter vornehmer Verschmähung der Praktiken des gelehrten Augurenthums auszudrücken, damit wir, das Volk, das ja, glaubwürdigen Versicherungen zufolge, so zu sagen gewissermaßen auch ein klein wenig bei der Sache mitbetheiligt ist, doch auch erfahren können, was da eigentlich verhandelt wird. Der einfache gesunde Menschenverstand ist immer geneigt, demjenigen Recht zu geben, den er wenigstens versteht, von dem er sieht: der Mann weiß wenigstens, was er sagen will, während er anderseits(und vielleicht nicht ganz mit Unrecht) hinter allem Mystischen auch immer gleich eine Mystifika« tion vermuthet. Er hält es eben mit dem guten, alten, ehr- lichen: Simplex sigillnm veri(das Einfache ist das Siegel des Wahren). Also bitte, bitte, Ihr Herren Gelehrten, denkt immer ein klein wenig an das Simplex sigillum veri! Von den Sandwichsinseln. Honolulu, 19. Januar. Gestern war Festtag auf den Sandwichsinseln. In der Hauptstadt Honolulu erinnerten Glockengeläute, Kanonendonner und Abends Musik und Fackelzug daran, daß hundert Jahre verflossen sind, seit der Entdecker derJnseln Cook auf denselben lan- bete, welcher bekanntlich im darauffolgenden Jahre bei einem zweitenBesuche durch die Hand der Eingeborenen, der damaligen „Wilden", seinen Tod fand. Hundert Jahre! Eine kurze Spanne Zeit im Leben der Völker, und doch, was würde wohl Cook sagen, wenn er heute wiederkommen und die Veränderungen, welche in diesem kurzen Zeiträume auf der von ihm gefundenen kleinen Welt eingetreten, sehen könnte! Die europäische Civllisation hat auf den Inseln ihren Ein- zug gehalten. Statt der„Wilden" im Adamskostüm sehen wir wohlbekleidete Eingeborene, im Lesen und Schreiben bewandert und intelligent in Handel und Wandel; statt der Götzentempel und Götzenbilder sehen wir christliche Kirchen mit Cruzifixen und Heiligenbildern, was allerdings nur einen Scheinfortschritt bedeutet—; die ursprünglichen Grashütten primitivster Art, früher den Ein- geborenen zur Wohnung dienend, sehen wir verdrängt durch europäische Gebäude von Holz und Stein; die alten Häuptlinge im Federschmuck haben sich zu den Vätern versammelt; ihre Stelle nimmt einer ihrer Nachkommen, Se. Majestät König Kalakaua ein, welchen wir in eleganter Equipage mit zwei Be- dienten in Livree auf dem Bocke und gefolgt von Adjutanten vierspännig nach dem stolzen Regierungspalaste„Jolani" eilen sehen, woselbst sich die aus gleichem und direktem Wahlrecht hervorgegangene gesetzgebende Versammlung des Reiches in Sitzung befindet; und an stillen Abenden gehen wir gewiß nach dem„Emma-Square", einem öffentlichen Platze in Honolulu, um von den 25 braunen Insulanern die Weise» Mozart's und Beethoven's spielen zu hören. �. Die christlichen Missionäre weisen mit Stolz auf die civilr- sirten Sandwichsinseln:„Seht unser Werk!" und preisen dabei das culwrverbreitende Prinzip des Christenthums. Jedem das Seine! Nächst der besseren Klasse von Weißen, die sich all- mählig hier angesiedelt, gebührt ihnen ein großer Antheil am Cioilisationswerke(?) Die Insulaner haben Dank ihrer Thätigkeit die Gelegenheit, sowohl auf katholische als auf protestantische Art selig zu werde. �, Doch wir erfahren, dass Cook vor 100 Jahren die Bevölkerung der Inseln auf 400,000 Köpfe schätzte, und wenn auch ohne Zweifel diese Zahl zu hoch gegriffen war, so wies doch die erste offizielle, iin Jahre 1302 vorgenommene Volkszählung noch eine Einwohnerzahl von 183.000 auf. Die Bevölkerung nahm jedoch seitdem so rapid ab, daß die letzte amtliche Volkszählung(1872) nur noch 56,000„Seelen" ergab, einschließlich der mehreren Tausend Fremden(Weißer und Chinesen), und gegenwärtig ver- anschlagt man die Zahl der braunen Urbewohner auf höchstens 45,000. Diese Zahlen zeigen, daß sich die ursprüngliche Be- völkerung der Inseln, diese von Natur so kräftige und schöne Rasse, gleich den nordamerikanischen Jndianerstämmen auf dem Aussterbe- Etat befindet. Es giebt uns dies Gelegenheit, die„Segnungen europäischer Civilisation von einer ander» Seite zu betrachten. Die muihmaßlichen Ursachen dieser im hohen Grade auf- fallenden Dezimirung der Bevölkerung hier zu erörtern, würde zu weit führen. Thatsache ist jedoch, daß in den durch Aus- länder eingeschleppten Krankheiten und Lastern eine der Haupt- Ursachen zu suchen ist. Die Fruchtbarkeit und der Produktenreichthum des Landes veranlaßten im Laufe der Jahre spekulative Ausländer, besonders Amerikaner und Engländer, sich hier niederzulassen, um„Geld zu machen", und leider findet man auch unter ihnen Mitunter solche Persönlichkeiten, bei deren Begegnung man an die Worte eines deutschen Dichters erinnert wird: So endlos ist kein Wasser nicht, So dicht kein Dorngeflecht, Man findet d'rin ein Gaunerg ficht, In das man spuken möcht'." Zucker, Reis und Kaffee sind die wichtigsten Erzeugnisse des Landes. Die besten Plantagenländereien befinden sich bereits in den Händen der Weißen, welche in den Eingeborenen wohl- feile„Hände" finden und nach Bedürfniß noch Chinesen von Hongkong oder San Franzisko importiren. Gegenwärtig ist die Zmportation der Kuli's sehr im Schwung und sie bilden bereits die Majorität der auf den Inseln lebenden Ausländer. Auch weiße Arbeiter sucht man unter falschen Vorspiegelungen von Californien hierher zu locken. Gemäß eines vor einigen Jahren zwischen der Regierung der Sandwichsinseln und der der Vereinigten Staaten abge- schlossenen Vertrags darf Zucker zollfrei nach Amerika eingeführt werden. Es kommt dieser Vertrag ausschließlich einer Handvoll Kapitalisten zu Gute, welche die in natürlicher Beziehung wirklich paradiesischen Inseln gerne in eine einzige große Zuckerplantage verwandeln möchten, und welche die Civilisation nur in soweit fördern, als sie ihren Sonderinteressen dient. Voraussichtlich wird in einigen Jahrzehnten die Civilisation mit den braunen Ureinwohnern aufgeräumt haben. F. Rz. Sozialpolitische Uebersicht. — An den Reichstag sind bekanntlich zahlreiche Petitionen abgegangen, in welchen die Aufhebung der Concurrenzarbeit der Gefangenen verlangt wird, es ist daher von Interesse, die Resultate einer Statistik kennen zu lernen, die im Jahre 1875 in Preußen über die Gefangenenarbeit augestellt worden ist, und deren ins Einzelne gehenden Daten neuerdings veröffentlicht worden sind. Darnach wurden in Preußen am 1. Dezember 1875 16,592 Strafgefangene— 14,375 männliche und 2217 weibliche— für Rechnung privater Gewerbetreibender beschäftigt, und zwar: mit Cigarrenarbeiten 2317, mit Buchbinderarbeiten und Kleben von Düten 1718, mit Schneiden von Holzleisten und Anfertigung von Holzpantoffeln 1330, mit Schuhmacher- arbeiten 1104, mit Nähen und Steppen 705, mit Weben von Leinen und Halbleinen 635, mit Stricken von N-tzen 560, mit Baumwollenweberei 525, mit Riemer- und Sattlerarbeiten 513, mit Tapisserie-Arbesten, Weiß- und Applikationsstickerei 474, mit Fertigung von Bürsten 430, mit Schneiderarbeiten 393, mit Klempnerarbeiten 379, mit Korbmacherarbeiten 376, mit Schloffer- arbeiten 362, mit Federreißen 361, mit Horn- und Elfenbein- Drechslerei, Fertigung von Spielwaaren und Kleiderhaltern 328, mit Fertigung von Effenwaaren und Maschinen 301, mit Seiden- Weberei 298, mit Holzschnitzarbeiten und Fertigung von Spiegel rahmen 296, mit Posamentierarbeiten 253, mit Tcppichweberei 250, mit Handschuhnähen 247, mit Fertigung von Uhren 219, mit Spulen 205, mit Stricken von Strümpfen 184, in Ger bereieu 166, in Ziegeleien 120, mit Watten- und Filzsabrikation 117, mit Arbeiten für Kessel- und Nagelschmiede 113, mit Fer- tigung künstlicher Blumen 109, mit Wergzupfen 100, mit Jute- Weberei 98, mit Filet- und Wollarbeiten 92, mit lithographischen und Druckerarbeiten 75, mit Anfertigung von Lampen 72, mit Visirfeilen 71, mit Holzzerkleinern 71, mit Spinnen 67, mit Korkschneiden 60, mit Steinarbeiten 58, mit Seilerarbeiten 53, mit Strohflechtcn 37, mit Tauzupfen 37, mit Sortiren von Pflanzenhaaren 34, mit Fertigung von Wachsstöcken und Nacht- lichten 34, von Reißzeugen 34, in Kalkbrennereien 33, mit Haspeln von Wollgarn und Sortiren von Wolle 27, mit land wirthschaftlichen Arbeiten 25, mit Fertigung von Corsets 20, mit Kaffeeauslesen 18, mit Böttcherarbeiten 12, mit Abfuhr von Schutt 12, mit Tuch- und Bukskinweberei 11, mit Plomben gießerei 2, mit Silderpoliren 1.— Es ist selbstredend, daß obige Daten erst dann ihren vollen Werth erlangen würden, wenn auch die Lohnsätze zur öffentlichen Kenntniß gelangten, unter denen die Gefangenenarbeit an die Privatgewerbetreibenden abgegeben wird. Die Haltung unserer serbischen Parteigenossen in der Orientsrage. Ein Beitrag zur Tagespolitik von C. Stichler. (Schluß) Aus den vorhergehenden, auf Thatsachen und objektiven un- beeinflußten Beobachtungen sich stützenden Ausführungen wird wohl Jeder ersehen, daß die serbischen Genossen ihre Lage be- griffen hatten, und daß sie das, was in ihren Kräften stand um dem Uebet zu steuern, vollständig thaten. Waren nun die Verhältnisse mächtiger, als der gute Wille und die aufopfernde Thätigkeit unserer Genossen, so mußte eben, wie leicht erklärlich, die serbische Regierung und die ihr ergebene, politische Hand- langerdienste verrichtende nationalliberalc Partei aus den Herr- schenden Mißverhältnissen neue Kräfte schöpfen. Die serbische nationalliberale Partei und die Regierung waren einander voll- ständig ebenbürtig, die Erster: schwindelte dem Volke vor, daß Serbien vollständig gerüstet, �daß die russische Hülfe uneigennützig sei und aus nationaler Sympathie entspringe ohne Hinter- gedanken u. s. w. Die serbische Regierung ging mit der Reali- sirung ihrer reaktionären Absichten rasch zu Werke, alle inneren Freiheiten wurden bei Beginn des„Befreiungskampfes" auf- gehoben. Gemeinde-Autonomie, Preßfreiheit, Versammlungsrecht und ähnliche Einrichtungen, deren sich Serbien erfreute, wurden beseitigt und der strengste Belagerungszustand proklamirt. So- genannter Befreiungskampf nach außen, und nach innen Ber- nichtung aller bürgerlichen Rechte, das war die einzige die Existenz der Regierung ermöglichende Kampfweise. Der größte Jrrthum der serbischen Nationalliberalen und der Regierung bestand darin, daß sie auf die allgemeine Aus- breitung des Aufstandes in Bosnien und der Herzegowina unbe- dingt und mit der größten Sicherheit spekulirt hatten; als ganz selbstverständlich nahm man an, daß der Aufstand sofort auch in Bulgarien eine weite Verbreitung finden würde und gab sich den kühnsten Erwartungen betreffs der Erfolge hin. Jedem mit den Verhältnissen nur irgendwie Vertrauten mußte es einleuchten, daß in den mit der Invasion beglückten Gegenden die unter der Paschawirthschast genugsam ausgeplün- Herten Bewohner keine große Lust verspüren würden, den serbi- schen Herren Büreaukraten sympathisch entgegenzukommen. Diese Herren Nacalnik's(Kreis-Vorsteher), begleitet von den Herren — Die preußisch deutsche Regierungskrisis dauert fort; sie ist im Stadium der„Versumpfung" und wird von Tag zn Tag sumpfiger. So lange Fürst Bismarck faktfich oder nominell durch den jetzigen Kaiser am Ruder gehalten wird, sind nur provisorische„Lösungen" möglich. Die neueste Version ist: Camphausen werde nun doch seine Entlassung bekommen und auch Eulenburg, der bis dato blos„aus Urlaub" ist. Diese Personenveränderungen, falls sie erfolgen, haben natürlich nicht die mindeste Bedeutung. Ob der Mann, der dies oder jenes zu thun hat, X heißt oder A, ist absolut gleichgiltig.— Mit den Ministerportefeuille-Hoffnungen der Nationalliberalen ist's vor läufig wieder einmal gründlich aus, seit Lasker„dem Herrn von Bennigsen in die Supp: gespuckt", wie das letzte geflügelte Wort Bismarck's lautet. Gelegentlich wird man sich indeß wohl wiederfinden.— Der„Berliner CongreH" schwebt noch im Reich der diplomatischen Träume. — Prügelpädagogen. Auf der am 2. März in Rends- bürg abgehaltenen Lehrerversammlung wurden folgende Sätze aufgestellt und von der Versammlung angenommen:„1) Die Schule kann auf das Recht der körperlichen Züchtigung nicht verzichten. Sie hat aber die Anwendung derselben auf diejenigen Fälle zu beschränken, in welchen eine anderweitige Einwir- kung nicht ausreicht. 2) Es liegt im Interesse der Erziehung durch die Schule, daß dem Lehrer das Recht zustehe, seine Schüler auch für außerhalb der Schule verübte Vergehen zu bestrafen.— Strafen, welche durch Erkenntniß der Gericht- für Bergehen der Schüler bestimmt werden, sind nicht auf dem Wege der Schuldisziplin zu erledigen." Die Kanonen sind das letzte Beweismittel der Könige, der Stock soll das letzte Bildungsmittel der Pädagogen sein. Der Zuchtmeister in der Schule soll dem Zuchtmeister im Korporals- rocke den W-g bahnen und die zukünftigen Staatsbürger an die zu erwartenden Püffe und Stöße gewöhnen. Schöne Lehrer, welche das„Volk der Denker" mit dem Haselstocke heranziehen wollen. — Zum Arbeiterelend. Wenn von unserer Seite über ungenügende Lohnverhältnisse oder über die Roth, die unter der arbeitende» Bevölkerung herrscht, geschrieben oder gesprochen wurde, war die gegnerische Presse stets bemüht, dies als„Ueber- tr-nbung",„tendenziöse Verdrehung" zc. zu bezeichnen. Wir wollen diesmal ein gegnerisches Blatt hören. Der Berliner „Mercur" schreibt in Nr. 10 vom 9. März d. I.: „Unter den Webern des Eulengebirges ist ein Nothstand ausgebrochen, der sich bereits bis zu Hungertyphuserscheinungen zugespitzt hat und in betrübender Weise an den Nothstand der schlesischen Weber in den vierziger Jahren erinnezt. Schon haben in dem einzigen Krankenhause von Waldenburg 40 Typhus- kranke Aufnahme gefunden, und die schreckliche Krankheit ist be- reits bis Breslau vorgedrungen. Die nächste Ursache der Roth ist entweder der gänzliche Mangel an Gelegenheit zur Beschäftigung oder der unglaublich niedere Arbeitslohn, auf den nament- lich die Beschäftigung der Weber herabgesunken ist. Der tägliche Arbeitsoerdienst eines Webers im Eulengebirgc beträgt 60 Pf.; Erdarbeiten, für welche am Bau der Eisenbahn von Dittersbach nach Glatz einige Gelegenheil vorhanden, werden infolge der übermäßigen Concurrenz im Arbeitsangebot mit 75 Pf. täglich gelohnt; doch sind die Weber dazu in der Regel nicht mehr kräftig genug und vermögen daher im Accord nicht' auf einen höheren Lohn zu kommen. Selbst entlassene Bergarbeiter— und erst neuerdings sind wieder Entlassungen vorgekommen— können bei den Bohr- und Sprengarbeiten höchstens auf 2 Mk. pro Tag kommen. Dabei herrscht große Theuernng des hauptsächlichen Lebensmittels, der Kartoffel, deren Preis auf 3—4 Mk. pro Centner gestiegen ist. Das Zusammendrängen der Menschen in engen Wohnungen ist enorm; in Altwasser, einer Stadt von 8000 Einwohnern, sollen bis zu 16 Personen in einer Stube wohnen. Solche Zustände sind in einem civilisirten Lande, in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts möglich! zc. zc.-- Was sagen unsere Gegner, welche von einem Nothstande nichts wissen wollen, zu diesen Ausführungen des„Mercur"? Uns dient es nur zur Befriedigung, daß Das, was wir schon seit Jahren sagten, jetzt von einzelnen Gegnern eingestanden werden muß. Nur wollen wir die Frage aufwerfen: Kann und wird die heutige Gesellschaft dem Ucbel gründlich und für immer abhelfen? Beide Fragen müssen entschieden mit Nein! beantwortet werden. Gründliche und dauernde Abhilfe kann nur geschaffen werden durch Aenderung des Productionssystems, d. h. Kijisari(wörtlich: ein Subjekt, das sich aus der Haut seiner Nebenmenschen Riemen schneidet) und Zelcnasi, folgten den ser- bischen Truppen im Austrage der Regierung. Erstere, um ad- ministrativ für die Regierung die Provinzen mit Beschlag zu belegen, Letztere, um in ihrem eigenen Interesse die„befteiten" Bewohner der türkischen Grenzgegenden mit ihrer finanziellen „Hals- und Gurgelabschneiderei" zu beglücken. Und wie ver- hielten sich nun während des Krieges unsere Genossen? Mit dem Volte alle Lasten und Beschwerden des Krieges theilend, mußten sie vor allen Dingen darauf bedacht sein, der Regierung und der mit derselben durch Dick und Dünn marschirenden Partei gegenüber vorsichtig aufzutreten, damit zu gleicher Zeit ging das Bestreben, im Volke den gewonnenen Boden zu behaupten. Während jener Zeit gab sich die Regierung die größte Mühe, den Genossen, die sich an der Bewegung hervorragend betheiligt hatten, in der perfidesten Weise beizukommen. Einige wurden an die exponirtesten Punkte geschickt, den größten Gefahren aus- gesetzt; fast Alle aber wurden in der kritischen Zeit streng beobachtet und überwacht. Die zu Anfang des Krieges im Ein- verständniß mit der Regierung sich breitmachende russische Wirth- schast, sowie der Widerwille des Volkes gegen den von der Regierung angefachten Krieg verschuldeten die Erfolglosigkeit desselben und Niederlage häufte sich auf Niederlage. Die serbische Regierung wurde zum Frieden unter den un- günstigsten Verhältnissen gezwungen. In der zu diesem Zweck einberufenen großen Skuptschina fühlte sie sich derartig unsicher, daß sie unter Benützung des durch den Belagerungszustand ge schaffenen Ausnahmezustandes die gesetzgebende Nationalversamm- lung noch am Eröffnungstage auflöste, nachdem diese in kurzer Sitzung den Friedensschluß bestätigt hatte. In blinder Wuth kehrte sich nun die Regierung des Fürst-nthums Serbien gegen unsere Genossen, ihnen jede öffentliche Thätigkeit vereitelnd, einen Theil derselben trieb sie durch die Wiederaufnahme von Pro- Hessen, die vor Jahren zurückgelegt werden mußten, ins Aus- Wir glauben in dem Vorhergehenden genugsam die Richtung, die unsere serbischen Genossen in der Orientpolitik einschlugen und einschlagen mußten, gekennzeichnet zu haben; wir glauben auch deutlich gezeigt zu haben, von welchem Standpunkt aus uns-re Genossen allein die„Befreiungspläne" der serbischen Re- gierung auffassen konnten, und erwarten von jedem unbefangen und objektiv denkenden Menschen, daß er mit uns auch die Auf- im sozialdemokratischen Staate. Bis zu solchen Consequenzen versteigen sich die Blätter ä la„Mercur" freilich nicht. —„Wahr ist, daß der politische Verbrecher in Si- birien— einmal an Ort und Stelle gelangt— sich stets ein besseres Loos bereiten kann, als das unserer Gefangenen, ja selbst als das unserer ehrlichen Arbeiter ist, die den Kampf um das Dasein nahezu aussichtslos führen müssen." Also ließ sich Professor Brehm vor Kurzem in dem Gewerbeverein zu Dresden aus; der Mann ist als wahrheitsliebend bekannt, er war selber in Sibirien, und wir haben dah-:r allen Grund, seinen Worten zu glauben. Und die Moral? Daß Sibirien ein Paradies sei, wie gewisse Reptilien, auf diese Autorität gestützt, schon an- deuten? Mit Nichten. Sibirien ist und bleibt eine Hölle für die politischen„Sträflinge", ein kaltes Neucaledonien. Aber etwas Anderes erhellt: Der„ehrliche Arbeiter" der europäischen „Culturländer" lebt schlechter als der Sträfling in Sibirien. Und das ist ein prächtiger Pendant zu der„alten Geschichte", daß Hunderttausende unserer ehrlichen Arbeiter die Zuchthäusler zu beneiden haben. Man nennt das„die beste der Welten". — Aus Frankreich. Dieser Tage erschien in Paris die Probenummer eines den Namen Felix Pyat's an der Spitze tra- geuden Blattes:„La Commune affranchie, Journal du travail" (Die befreite Commune, Journal der Arbeit), welches, laut der darin enthaltenen Ankündigung vom 18. März täglich erscheinen soll. An der Spitze des Blattes steht:„Der Titel der„Com- mune" ist schwarz umrändert und wird es bleiben, so lange die Gemeinde nicht selbstständig und die Arbeit nicht frei ist, so lange Paris mehr gilt als Pontoise, und der Arbeitgeber mehr als der Arbeitnehmer, so lange die Gemeinde unter Vormundschaft und der Arbeiter im Lohn steht, so lange die Märtyrer dieses dop- pelten Rechts nicht amnestirt sind." Die Communehenker er- schraken natürlich ob dieser Schreibweise und ließen das Proble- blatt bei allen Zeitungshändlern confisciren. Ebenso natürlich wird das Erscheinen der„Commune" von 18. März an verhin- dert werden, und es haben die Behörden sogar ein formelles Recht dazu, weil ein bestimmtes Gesetz es ausdrücklich verbietet, daß ein im Ausland lebender Berurtheilter für französische Zei- tungen schreibe. Dieser Gesetzesparagraph ist bekanntlich gegen Rochefort angewandt worden. Wir finden es deshalb auch keineswegs klug, daß Herr Felix Pyat in dieser provokatorischen Weise vorgegangen ist. Es wäre viel klüger gewesen, das hier zwecklos verpulverte Geld für die„EAalits" zu geben. An den Journalisten Clovis Hugues, der in Marseille als Gegenkandidat gegen Blanqui aufgestellt worden ist, wurde von einer Pariser Volksversammlung dasAnsuchen gerichtet, auf seine Candidatur zu Gunsten Blanqui's zu Verzicht-n, wie dies ei« anderer Candidat bereits qcthan. Dieser„Radicale" lehnte daS Ansuchen ab. Die Bourgeois, ob„radical" oder nicht, fürchten den alten energischen Volksvertreter Blanqui und werden nie die Hand dazu bieten, ihn aus dem Kerker zu befreien. Blanqui kann nur durch die Arbeiter befreit werden oder im Kerker sterben. — Zahlreiche Strikes meldet unser Pariser Parteiorgan, die„Egalitö" aus Frankreich. In Havre haben die Schmiede- ge selten der„Mittelländischen Werften" am 13. Februar die Arbeit eingestellt. Sie verlangten eine Lohnausbesserung von 5 Cts. pro Stunde, wonach der höchste Lohn 4 Fr. täglich be- tragen haben würde. Der Direktor bewilligte Zehn von ihnen 3 Cts., während den übrigen eine Aufbesserung verweigert wurde. Der Strike währt noch immer fort und in den letzten Tagen haben auch die Schmiedearbeiter der„Anonymen Gesellschaft für Schiffsbauten zu Havre" eine gleiche Forderung an ihren Direktor gestellt, wurden aber abgewiesen.— In den Steinkohlen- Berg- werken von Epinac(Saone-et-Loire) hat eine große Anzahl Bergleute die Arbeit niedergelegt, weil ihnen die akkordirten Löhne ohne jede vorherige Ankündigung gekürzt wurden. Die Behörden von Antun haben sich beeilt, dem inhumanen Direktor Blanchot, der seine Arbeiter als Lastthiere betrachtet, Gensdar- merie zu Hülfe zu senden.— In Angers striken die Schrift- s etzer. Die Buchdruckereibefitzer verweigern hartnäckig die For- derungcn ihrer Arbeiter, trotzdem sie mit Aufträgen überhäuft sind und schweren Schaden leiden.— In Montiöres(Somme) befinden sich mehrere Hundert Weber im Ausstande, weil ihnen von ihren Fabrikanten der Lohn von Fr. 4,50 auf Fr. 4 herab- gesetzt werden sollte.— Der Strike der Kohlenarbeiter im Creuzot nimmt einen allgemeinern Charakter an; beinaeh fassung theile, daß die russische Despotie die nordische Knute, an der sozialen Bewegung auf der Balkan- Halbinsel einen größeren Widerstand finden wird, als an der englischen Krämer- Politik. Auf jeden Fall werden unsere Genossen sich durch die hallunkenmäßige russische„Befreiungspolitik" noch viel weniger, als durch die Dilettanten Versuche ihrer Regierung auf diesem Gebiete verblüffen lassen. Unsere serbischen Genossen haben nicht den Muth und noch viel weniger die Lust zum� Kampfe gegen die politische Schufterei ihrer Gegner verloren. Sie rechnen mit Bestimmtheit auf das rasche Aufblühen der Bewegung, sobald die orientalischen Wirren sich klären werden. Sie erwarten und suchen durch schweren Kampf ihre politi>che Zukunft auf sozial- demokratischer Basis zu errichten, und daß sie nicht müßig find, das beweisen die Maßregeln der serbiichen Regierung, die in heilloser Verblendung mit den perfidesten Justiz- und Polizei- Chikanen(Beweise können erbracht werden) die Bewegung zn unterdrücken und zu vernichten sucht. Für die Balkanvölker wird nur eine bessere Zeit eintreten, wenn die sozialpolitischen Einrichtungen auf sozialdemokratischem Fundament errichtet und demgemäß ausgebaut werden. Was speziell die serbische Regierung betrifft, so werden unsere dor- tigen Genossen, sich auf den Unwillen des Volkes stützend, nicht allzulange mit der Abrechnung auf sich warten lassen; für den Verrath an den Interessen der Gesammtbevölkerung, für das politische Hazardspiel unter russischer Assistenz wird die Straft für die büreaukratischen Gauner nicht ausbleiben. — Anarchistische Träume. Ein uns spinnefeindes Schweizer Blatt amüstrt sich mit folgender Notiz aus und über Deutschland: Wir erfahren, daß in Manchen die Propaganda der anarchistischen Prinzipien reißende Fortschritte in der Arbeiterbevölkerung macht. Nach einer Versammlung, wo die Anarchisten sich i n der Minorität be- fanden, erhielten sie in einer zweiten Versammlung die Majorität. Auch meldet man, daß Herr Liebknecht sich persönlich nach München begeben wolle, um wo möglich die Angelegenheiten seiner Partei zu ordnen.— Natürlich von A bis Z— geträumt. Unsere Münchener Genossen werden dem anarchistischen Wunder, daS über Nacht mit ihnen vorgegangen iein soll, vielleicht weniger Ge- schmack abgewinnen, als die Herren Wanderthäter auf dem Papier.— Dasselbe liebenswürdige Blatt schreibt:„Es ist die Rede von der dem« nächstigen Gründung einer Zeitung in Deutschland, welche den anar- chistischen Sozialisten deutscher Zunge zum Organ dienen w rd. Wir wünschen sehnlichst die baldige Verwirklichung dieses Projekts." Wir auch.— sämmtliche Arbeiter von Autun und Creuzot haben bis jetzt die Arbeit niedergelegt. Sie verlangen Lohnaufbesserung und Ar- beit-zeitverkürzung. Eine Verständigung mit dem Direktor ist noch nicht erzielt.— Zweihundert Arbeiter, welche bei den Tunnelarbeiten der Linie zwischen Annecy und Anemasse beschäftigt sind, befinden sich ebenfalls wegen Lohndifferenzen im Ausstände. Fünf derselben wurden als Rädelsführer durch die Gensdarmerie verhaftet, trotzdem die Gesetze gegen die Coalition in Frankreich aufgehoben sind.— Die Arbeitseinstellung in Montceau-les-Mines ist immer noch nicht beendigt Die Delegirten der Arbeiter verlangten die Entfernung des Ober- ingenieurs, welcher rücksichtslos gegen die Arbeiter vorgegangen sei. Der Lohn soll so regulirt werden, daß ein Häuer täglich 5, ein Handlanger 4 und ein Knabe Fr. 1,75 erhalten soll. Den Arbeitern soll die Verwaltung der gegenseitigen Unter- stützungskaffe überlassen oder ihnen gestattet werden, ihr Geld zurückzuziehen.— Die Bäckergehülfen von Vesanson verlangen die Aufhebung der Nachtarbeit, welche sie für das Ge- werbe nicht für absomt nothwendig erachten. Sie banspruchen einen Taglohn von Fr. 5 für den ersten, von Fr. 4,50 für den zweiten Arbeiter und sie wollen von dem Zwange bei ihren Meistern in Kost und Logis zu stehen, befreit sein. — Preßfreiheit in Belgien. Der Redakteur des so- zialistischen Parteiorgans„Worireru(„Arbeiter"), Polidore Verbauwen, wurde am 12. d. zu Gent in dem schon früher von uns erwähnten Prozeß wegen„Beleidigung des Königs" durch Schrift und Rede zu achtzehnmonatlicher Gefängniß- Haft und 900 Francs Geldstrafe vcrurtheilt. Der constitutionelle Musterstaat bewährt sich. — Italien. Ein sozialistisches Journal„Miasamello� welches vor Kurzem in Neapel gegründet ward, hat wieder eingehen müssen. Dafür wird nächstens unter dem Titel„Spartneo" Spartakus) in Rom ein sozialistisches Organ erscheinen. Das Programm des neuen Blattes trägt die Unterschriften Sensi, Stazi und Lombardi. Diebeiden erstgenannten befanden sich unter den„Internationalisten", die im April 187 7 Pontemolle bei Rom verhastet wurden; und Lombardi nebst Stazi sind aus dem Prozeß der römischen Internationalisten vom Jahre 1874 bekannt. Auf Wunsch bescheinigen wir mit Vergnügen, daß die voriges Jahr zu Pontemolle Verhafteten— darunter Sensi und Stazi— nicht, wie wir seiner Zeit irrthümlicherweise an- nahmen,„Briganten", sondern„anarchistische" Internationale waren. Möge der„Zpartneo" seinem Name Ehre machen! — Amerika. Die auf dem jüngsten Congressc in Amerika angeregte festere und umfassendere Organisation derGewerk- sch asten macht ganz erfreuliche Fortschritte, wie das neueste sozialistische Centralorgan in Newyork meldet. Im Centralkörper der Gewerkschaften Pittsburghs find 23 Fachvereine vertreten. Die Organisation wird schon im Laufe dieser Woche sämmt- lichc Gewerkschaften Pittsburghs umfassen und dadurch zur achtunggebietenden Macht werden. Die Gewerkschaften prote- stirten gegen einen in der Staatslegislatur eingebrachten Gesetz- entwurf wegen Einrichtung von gewerblichen Schiedsge- � wie ii, weil in demselben eine Schädigung der Ärbetterinteressen erblickt wurde.— Auch in Washington macht die Gewerkschafts- Zentralisation gute Fortschritte. Der schon im Februar in Aussicht genommene Gewerk- schasts-Congreß zur Gründung einer„Internationalen Ar- berter- Union" wird nunmehr im April stattfinden. Man hofft auf starke Bethciligung und einen durchschlagenden Erfolg. Der Strike der Schuhmacher in Lyn», bei welchem es seftens der Fabrikanten auf eine Sprengung des„Crispinordens" abgesehen stvar, ist(noch nicht zu Ende. Viele Fabrikanten haben nachgegeben.— Die Dunbar Mountain(Panama) Erz- gröber sind gegen eine unverschämte Lohnreduktion im Ausstande. — Der Ausstand in Park's Stahlwerken wie der der Glasbläser in Pittsburgh dauert fort.— In Noblestown(Panama) sind die Kohlengräber seit dem 26. November im Ausstande.— Den Kohlengräbern in Monongahela Cny(Panama) ist der Lohn auf 21/2 Cents per Busbel reduzirt worden. In Massachusetts wird tüchtig gegen den von den Fabrikan- ten geplanten Widerruf des Zehnstundcngesetzes und für die Cofsin schc Neunstunden-Bill agitirt. Eine nesige Masscnver- sammlung wurde in Fall River abgehalten. Die„New-Uorker Volkszeitung", welche vor nunmehr vier Wochen zum ersten Mal erschien, hat sich in dieser Zeit von etwa 5500 Abonnenten, womit sie begann, zu über 7000 empor- geschwungen. Mit 9000 Abonnenten und den entsprechenden Inseraten wird das Blatt anfangen Ueberschüsse abzuwerfen. Die Redakteure des Blattes sind: A. Jonas, Dr. A. Douai und Rob. Degen, neben welchen noch Uebersetzer und Hilfs- redafteure fungiren.— In Chicago erscheint seit dem 16. Fe- bruar dieses Jahres ein neues Parteiorgan(Wochenblatt) in dänischer Sprache:„Den Nye Tid"(Die Neue Zeit).— Die New-Aorker Cigarrenarbeiter sind emsig daran, die Lehren, welche sie in ihrem heldenmüthigen Kampfe empfangen, zu verwerthen und ihre Organisation demgemäß zu vervoll- ständigen.___ — Wie sich nachträglich herausstellt, handelt es sich in Sachen unseres verhafteten Redakteurs Helßig um eine Zeugnißzwangsaffaire, die interessante Dimensionen anzu- nehmen und zu interessanten Consequenzen zu führen verspricht. Man will den Uebersetzer des bekannten Llssagarey'schen Briefes ermitteln. cT wn der Ausweisung Looff's wandte sich eine große Anzahl von Chemnitzer Einwohnern mit einer Petition an den Reichstag, damit wenigstens der Abgeordnete für Chem- mtz, Genosse Most. Anlaß nehmen könne, diese Angelegenheit von der Parlamentstribüne herab, gebührendermaßen zu beleuch- ten. hatte aber, wie wir nun ersehen, die Rechnung ohne die Petittons-Kommission gemacht. Dieselbe hat nämlich in ihrer Sitzung vom letzten Donnerstag ohne Weiteres betreffs dieser Petition Uebergang zur Tagesordnung beschlossen, weil die säch- fischen Verwaltungsbehörden durchaus im Sinne des 8 3 des deutschen Freizüglgkeits-Gesetzes gehandelt hätten!-- Wenn sich nun nicht 15 Abgeordnete bereit finden lassen, dies ausdrücklich zu verlangen, so kann der unerhörte Fall im Plenum des Reichstages nach der Geschäftsordnung desselben gar nicht be- sprachen werden, und das deutsche Parlament erklärt sich still- schweigend einverstanden mit zener unerhörten Polizeimaßregel. Wenn dies dem bestehenden Gesetze entspricht, dann ist wahrlich eine Aenderung desselben dringend geboten. Von diesem Gesichts- punfte ausgehend, hat auch der Abgeordnete Most bereits einen entsprechenden Antrag ausgearbeitet, doch gelang es ihm bis jetzt nicht, mehr als dreizehn Unterschriften dafür zu bekommen. Außer den elf Abgeordneten, welche sich momentan im Reichstag befinden, unterzeichneten nur der Demokrat Holthof und der Däne Kryger. Die verschiedenen Fraktionen verschanzen sich ohne Ausnahme hinter angeblich gefaßten Beschlüssen, wornach nur solche Anträge unterstutzt werden, welche die betreffende Fraktion als solche gutheißt. Hoffentlich finden sich aber noch zwei„Wilde", welche unterzeichnen. — Der Strike der Former der Schätelick und Nölck'schen Eisengießerei in Lübeck dauert noch immer hartnäckig weiter. Die Arbeiter haben Aussicht zu siegen und ersuchen, jeden Zuzug nach dort fernzuhalten. Eine ähnliche Warnung gilt für Bremer- Häven. DvSchi ff bau meist er zu Bremerhaven und Geestemünde sollen Agenten ausgeschickt haben, um fremde Arbeitskräste heran- zuziehen; wir machen daher alle Arbeiter Deutschlands darauf aufmerksam, daß die Schiffszimmerer schon seit dem 1. Novbr. vorigen Jahres striken, weil man ihnen nicht allein 1 Mark pro Tag abziehen wollte, sondern sie auch noch wie Lastthiere von einer Werst zu der anderen zu schicken gedachte. Den Agenten muß daher energisch entgegengetreten werden. Einen ausführlichen Aufruf bringen wir in der nächsten Nummer. Corresponvenzen ZKinnipe,(Manitoba, British-North-Ämerica*)), 7. Februar. Eine Niederträchtigkeit ohne Gleichen, welche hier vor einigen Tagen von der Regierung, Lwcal Government of Manitoba**), begangen wurde, kann ich nicht umhin, Ihnen mitzutheilen. Es zeigt sich hier recht deutlich, was eine Bourgeois- Regierung, selbst in einem„freien" Lande, mit ihrem Gewissen(Geldbeutel) in Vereinbarung zu bringen weiß. Ja es könnte sogar der preußisch- deutschen Regierung zum Muster dienen. In der vorletzten Sitzung der Dexislation of Manitoba***) wurde von der Regierung ein Antrag eingebracht dahingehend: Statt der offenen Wahl das geheime Wahlrecht(Ballotage) einzuführen, und zwar, daß jeder Wähler, nachdem seine Wahlberechtigung festgestellt, von dem die Wahl leitenden Beamten ein gestempeltes Couvert er- halten, seinen Stimmzettel hineinlegen, verschließen und dann in die Wahlurne legen soll; jedoch mit einem Census von 500 Pfd. in den Städten und 500 Pfd. Farmeigenthum auf dem Lande; dasselbe gilt auch bei der offenen Wahl. Dieser Antrag wurde, trotz ziemlich starker Opposition, Gesetz. Es hat nun seit dieser Zeit nur Eine Wahl in einem Kreise stattgefunden, und bei dieser waren von 100 Stimmen 3, sage„Drei", ungiltig, daraus schließt die Regierung, daß das Volk nicht intelligent genug sei, das geheime Wahlrecht zu handhaben; also, das englische Volk sei stolz, seine Meinung unabhängig(independent) kundzugeben ohne Ansehen der Person. Thatsache ist, daß bei dieser Wahl der Regicrungs-Candidat geschlagen wurde, trotzdem er nach den Versprechungen der Wähler eine große Majorität hätte erhalten sollen. Er hatte nämlich nach der alten Weise agitirt, d. h. er oder sein Comitä waren zu jedem Wähler gegangen und hatten sich von demselben versprechen lassen, für ihn zu stimmen. In jetziger Sitzung brachte nun dieselbe Regierung einen Antrag ein, welcher das geheime Wahlrecht wieder aufhebt, und dieselbe Körperschaft stimmt demselben bei und wirft die Ballot in die Rumpelkammer. Doch zur Ehre der Opposition, unter Seilung eines Advokaten Bornish, sei es gesagt, sie bot Alles auf, diese Schmach abzuwenden und hob mit Recht hervor, daß gerade der abhängige Farmer und Arbeiter des geheimen Wahl- rechts bedürfe, was die letzte Wahl sehr deutlich gezeigt habe; und dak in fast allen civilisirten Ländern der Welt das geheime Wahlrecht cxistire, und dann setzte er recht charatteristisch für Deutschland hinzu: ISven Germany haa the Ballot since 1867 and without census too.(Selbst Deutschland hat seit 1876 die geheime Abstimmung und obendrein ohne Census.) Umsonst, die Regierung hatte die Majorität und Manitoba hat das ge- Heime Wahlrecht— gehabt. Sollten Sie es der Mühe Werth halten, dieser Thatsache im „Vorwärts" Erwähnung zu thun, würde es mich freuen. Traurig ist es, daß das Volk nicht das Mindeste gethan hat, um die Oppo- sition zu unterstützen. Der canadische Arbeiter vertraut seiner Queen(Königin), oder ihren Vertretern, und seinem Pfaffen; selbst wenn er Roth leidet, hofft er vom Lord Hilfe. G. H. Ottensen. Da in hiesiger Stadt die Tabakindustrie aus- nahmsweise vorherrschend ist und bei einer etwaigen Annahme der von der Reichs-Regierung projektirten Erhöhung der Tabak- steuer die Existenz der hiesigen Bevölkerung auf das Aergste be- droht werden würde, wurde, um das Interesse der bei der Tabak- industtie Betheiligten zu wahren, am 28. v. M. Hierselbst eine Volksversammlung einberufen, in welcher Herr Hermann Lange aus Barmen über„Die projektirte Erhöhung der Tabaksteuer" zur allseitigen Zufriedenheit sprach. Auch Herr Max Stöhr bezeichnete in scharfer Weise den Abgrund, in welchen die in der Tabakindustrie beschäftigten Arbeiter gestürzt würden, falls die Regierungsvorlage im Reichstage Annahme fände. Die Ver- sammlung nahm hierauf nachstehende Resolution einstimmig an: „Die heutige Volksversammlung protesttrt entschieden gegen jede neue Erhöhung und Einführung indirekter Steuern, umsomehr, da bei der jetzigen großen Arbeitslosigkeit dem Volk es so schon schwer fällt, die auf ihm lastenden Steuern zu entrichten. Die Versammlung fordert daher die sozialistischen Reichstags-Abge- ordneten auf, im Reichstage dahin wirken zu wollen, daß jede neue Erhöhung, sowie Einführung indirekter Steuern dann nur Giftigkeit haben soll, wenn dieselbe einer allgemeinen Volksab- stimmung unterworfen und von derselben angenommen wird. Vochum, 1. März. In Nr. 22 des„Vorwärts" erschien ein Referat dem ich zur Klärung der Verhältnisse in Bochum Einiges beifügen will. Jenes Referat zeigte uns die industrielle Stadt in einem traurigen Lichte. In der dortigen Geschäftswelt herrscht große Ruhe, ja selbst die Straßen sind leerer denn je. Und wahr- lich kein Wunder, denn nach jeder übermäßigen Anstrengung, nach jeder überspannten Aufregung folgt naturgemäß Erschlaffung. Dieses Naturgesetz hat sich wohl in keiner Gegend fühlbarer ge- zeigt als in der unsrigeu. Versetzen wir uns nur im Geiste zurück in die Zeit der Milliarden-Ueberschwemmung. Welch ein reges Leben herrschte damals in den Straßen und namentlich in den Gasthöfen. Da wurden Aktien gekauft und wieder ver- kauft, während die Unternehmungen, auf welche dieselben lauteten niemals existirt haben. Der Champagner floß in Strömen. Es wurden Häuser gebaut, denen naturlich jetzt die Bewohner seh- len, Privatschulen auf Aktien gegründet, denen jetzt allmählich der Boden unter der Mauer schwindet. Es dachte von den Gründern aber keiner, daß sich der verlorene Werthmesser einst wiederfinden werde. Daß die Verhältnisse in Bochum und Um- gebung die höchste schwindelnde Höhe erreicht hatten, wird Nie- wand mehr bezweifeln, wenn man erfährt, daß ein höherer Beamter einer dortigen Fabrik in einem Jahre die schöne Summe von 40,000 Thalern erübrigt haben soll. Die traurigen Folgen jenes Schwindels machen sich jetzt *) Britisch Nordamerika. **) Lokalregieiung von Manitoba. ***) Gesetzgebung— gesetzgebender Körper— von M. fühlbar, die Zahl der Konkurse hat eine nie geglaubte Höhe er- reicht, so daß das Heer von Beamten am Kreisgericht duse Arbeit kaum bewältigen kann. Es folgt jetzt die gerechte Strafe, nur schade, daß mancher Unschuldige mit dem Schuldigen leiden muß.— Wahrscheinlich wundert sich der Verfasser jenes Artikels auch über die politische Rahe unserer Bevölkerung. Ich kann ihm dann nur rathen, das Verhältniß zwischen den Pfaffen und den Gläubigen zu studiren. In keiner Gegend ist es wohl den starren Vorkämpfern pietistischen Strebens, so leicht geworden daS selbstständige Denken des Volkes zurückzuhalten, als hier. In unserer Zeit, wo der menschliche Geist fast täglich neue ungeahnte Bahnen betritt, wo er mitwirkt, schafft und genießt bei dem mächtigen Aufschwünge, den das menschliche Geschlecht nimmt, werden die „Gläubigen" hier in die mittelalterlichen Grenzen, in den Kreis und zugleich in den Jdeengang blinden Gehorsams gezwungen. Der Katholik ist hier fromm, mithin besorgt und aufgehoben, und währenddem wächst ihm die Tyrannei über dem Kopfe zu- sammen. Unter dem Deckmantel der Frömmigkeit schießen alle im menschlichen Charakter schlummernden schlimmen Neigungen auf. Man verdammt in blindem Zelotismus Schönes und Herr- liches— Alles im Namen des Herrn und im sogenannten In- teresse des Reiches Gottes. Fromme Betschwestern findet man hier als Verwirklichung eines solchen Ideals; sie verabscheuen alles Wissen und Denken, weil es ihnen in„Ausübung ihrer Pflicht" hinderlich sein könnte. Mit großer Selbstbefriedigung bekennt deshalb auch das hier erscheinende klerikale Blättchen, (ein ganz gewöhnliches Käsepapier) daß seine Anhänger sich nur insoweit mit Politik beschäftigen, als seine eigene Polittk reicht. Damit spricht jenes Blatt aber auch genug, und die Redakteure, die selbstverständlich Pfaffen sind, bestätigen meine oben ausgesprochene Behauptung: die„Gläubigen" wollen nicht selbstständig denken, sie wollen nicht mehrere Ansichten neben einander prüfen und ein Besseres für sich behalten. Ist den daS Volk beherrschenden Pfaffen jemals eingefallen, daß das Geschöpf, welches lediglich in das Arbeitsjoch eingespannt werden soll, auch Gedanken haben könne? Haben sie nicht von jeher die Seelen tausenfach gemartert, indem sie jede nach außen dringende höhere Neigung, jeden Ausdruck einer sittlichen Selbstständigkeit, jeden Trieb zur eigenen Veredlung wie wilde Sprößlinge er- stickten? Daß sie ihre„Gläubigen" zur willenlosen, dienenden Maschine machen und das geistige Element in ihnen völlig ver- nichten, das wird ihnen nie vergessen werden. Ich sah noch an Weihnachten 1876, daß Leute aus den niederen Klassen der Bevölkerung wohl ihre letzten Pfennige für ein Jesusbildchen oder für sonst dergleichen Kram, ver vor der Kirche zum Ver- kauf ausgestellt war, hergaben, nur um„Gott zu dienen" und die Pfaffen zu pflegen. Solche Thatsachen in unserm Jahrhundert erwecken das tiefste Mitleid. An keinem Orte wissen wohl die Pfaffen den Umstand, daß die Macht über das Volk in ihren Händen liegt, sobald sie die Frauen auf ihrer Seite haben, so gut auszunützen als hier. Daher denn auch der Jammer vieler jungen Rädchen, sobald ein Pfaffe das Feld räumen mußte, was in Folge des Cultur- kampfes vorkam. p. Köchst a."28., 10. März. Gestern Abend tagte im Gasthaus zum„Baperischen Hof" zu Griesheim a. M. eine zahlreich besuchte Volksversammlung, in der nach Wahl des üblichen Bureaus Herr Reichstagsabgeordneter Wilhelm Blos aus Ham- bürg über die Tagesordnung:„Die politische und soziale Lage" referirte. In schwungvoller Rede schilderte Referent die orten- talische Krifis, ihre Ursachen und Tragweite, den dadurch schwer auf den Verhältnissen lastenden bewaffneten Frieden und die daraus entspringenden Folgen. Die Protestresolutionen des Volkes durch unsere Partei- Agitatnren angeregt, berührend, bemerkte Herr W. Blos, daß die regierungsfreundlichen Parteien, um zu verhindern, daß von Seite unserer Abgeordneten eine Jnterpel- lation betreffs der Stellung Deutschlands zur orientalischen Frage eingebracht werde, eine weh- und demüthige Interpellation an die Regierung, resp. an den Reichskanzler gerichtet hätten. Hier wurde er unterbrochen. Ein Herr Jung eine„fortschrittliche Größe", Mitglied des Gemeinderaths und des VolksbildungS- Vereins, erhob sich, um sich in schroffer Weise gegen das Gesagte zu verwahren, wurde aber durch stürmische Ordnungsrufe der Versammlung, sowie durch das energische Vorgehen des Bor- senden unterbrochen. Dadurch gereizt, wollte der Ruhestörer mit Gewalt sprechen und benahm sich so flegelhaft, daß Herr Blos sich zu der Bemerkung veranlaßt sah, er(der Krakehler) leide vielleicht an den Folgen des Carnevals und möge sich der Obhut eines Arztes anvertrauen. Referent sprach weiter, daß man die Sozialdemokraten beschuldige, mit der polnischen Aristo- kratie in Verbindung zu stehen, geißelte den siebenjährigen Mi- litäretat, schilderte den Reichstag als bloßen demokratischen Zier- rath unseres Staatswesens, da derselbe nicht die Autorität habe, die einer Volksvertretung zustehe. Hier wurde der Redner aber- mals durch den provokationslustigen Herrn Jung unterbrochen, so daß sowohl der Vorsitzende als auch der Bürgermeister den Excedenten auf die energischste Weise zur Ruhe verwiesen.— Referent besprach ferner die Borlage zur Gewerbe- und Fabrik- ordnung, wie sie seitens der sozialistischen Abgeordneten einge- bracht sei; den Werth der gewerblichen Schiedsgerichte auf Grund des freien Wahlrechts; die Arbeitsbücher; das ungeheure An- gebot der Arbeitskräfte, das bessere Zustände noch auf lange Zeit illusorisch mache; die Concurrenz durch Zuchlhausarbeit, und schloß nach einstündiger Rede mit ver Versicherung: für die Rechte des Volke«, für den Sieg der guten Sache würden die sozial- demokratischen Abgeordneten stets muthig kämpfen. Stürmischer Beifall belohnte den Redner, der als echter Volksvertreter so recht zum Herzen der Zuhörer sprach. Nun erhielt auch Herr Jung das Wort und polterte unter allgemeinem Gelächter hervor: Herr W. Blos habe hier gut schwatzen, allein man habe noch nicht gelesen, daß er im Reichs- tage„gepäppelt" habe. Für diese„geistreichen" Aeußerungen wurde er vom Referenten gebührend zurechtgewiesen und mußte sich daS Gelächter der Versammlung gefallen lassen.— Nachdem Blos das Referat geschlossen, schilderte der zweite Vorfitzende die moralisch bankerotte Fortschrittspartei und die Gemeinheit des Tumultuanten. welche noch von mehreren Rednern gerügt wurde.— Herr Jakob Fey von Dossenheim belobt das Ver- halten unserer sozialdemokratischen Volksvertreter und wünscht von Herrn Blos die Stellung des Reichstagsabgeordneten für unseren Wahlkreis, Herrn Brüning, zur Volkssache zu erfahren. Herr Blos gesteht, daß er ungern persönlich werde, aber dazu aufgefordert� müsse er sagen, daß Herr Brüning bei volksthüm- lichen Anträgen mit Rem, bei gegnerischen Anträgen mit Ja stimme.— Herr Mook betont den Wertä der Parteipresse, die Griesheimer Genossen auffordernd, eine Filialexpedition zu er- richten zum Vertrieb der Organe und Broschüren. Nachdem noch Herr Blos seine Zufriedenheit mit dem heute erzielten Resultat ausgesprochen, schloß ungefähr nach 11 Uhr der Vorfitzende die Versammlung. F. Wilh. Doermer, Schriftführer. Kistebcn. Ich bin heute in-der Lage, d'm„Vorwärts" einen kleinen Beitrag zur Vervollständigung der Chronik von der Bourgeois-Rohheit liefern zu können. Einige Genossen am hie- figen Orte hatten eine öffentliche Versammlung in der geräumi- gen Centralhalle einberufen und zur Tagesordnung:„Die Prin- cipien der Sozialdemokratie" gewählt. Der untere Theil des Lokals war schon lange vor Beginn der Versammlung, die im Ganzen an 600 Mann stark sein mochte, dicht von den ob sol- chem Unterfangen in Eisleben wild gewordenen Bourgeois besetzt, die denn auch gleich bei Eröffnung der Versammlung, getreu ihrer Natur, ihre Anwesenheit durch Toben kund thaten. Nur mit großer Mühe und unter fortwährenden Unterbrechungen gelang es mir, vielleicht 40 Minuten zu sprechen; als ich aber auf die traurige Lage des arbeitenden Volkes in der heutigen Gesell- schaft zu sprechen kam, geriethen die„Gebildeten" von Eisleben so in Aufregung, daß ein Weitertagen unmöglich wurde. Ein feister Zimmermeister, dessen corpulente Erschemung die Mühen und Entbehrungen seines sorgenvollen Dasein errathen ließ, schrie unaufhörlich:„Das ist nicht wahr, wir sind alle Arbeiter!" Während des Vortrags tauchte mehrere Male ein Individuum aus der Versammlung auf, stellte sich dicht vor den Bureautisch hin und schimpfte auf uns los. Der Mensch ist in E. als Eckensteher bekannt, erntete aber für sein ehrloses Betragen die höchste Befriedigung seiner Auftraggeber in Gestalt von über- lauten Brifallsbezcugungen und wird vermutlich auch in klin- gender Beziehung nicht zu schlecht gefahren sein. Schließlich fand fich noch ein Jünger Merkurs am Bureautisch ein, um, ohne erst lange ums Wort gebeten zu haben, meinen Ausfüh- rungen entgegenzutreten. Um jedem Leser des„Vorwärts" aber seinen Beruf dazu unzweifelhaft darzuthun, setze ich die von ihm verübte Rede wörtlich hierher:„Meine Herren! Der Redner spricht gar nicht zur Sache; er erzählt uns hier Dinge, die nicht wahr find, denn daß unsere Minister den Fabrikanten Lohn- reductionen angerathen hätten, soll er uns erst einmal beweisen. Die Arbeiter haben nach dem Jahre 1870 viel mehr verdient wie die Kaufleute, aber sie wollten immer mehr haben und dabei immer weniger arbeiten und faullenzen. Die ganze Rede war nichts wie Aufhetzerei, und die vielen Fremdwörter, die kein Mensch hier verstehen kann, sind blos lauter Schlagwörter." Es folgte nun wieder unbeschreibliches Beifallsgeschrei, so daß diese Unfinn lauten Beifall. Einem"ältern Herrn hingegen, der in würdiger Weise der Versammlung den Vorschlag machen wollte, mich doch ausreden zu lassen und dann erst an die Widerlegung zu gehen, schenkte man nicht so viel Ruhe und Aufmerksamkeit, daß er gehört werden konnte. Ucberhaupt ließ die Erregtheit dieser Repräsentanten der echten Bourgeoisbildung keinen einzigen Redner, gleichviel ob Gegner oder Anhänger, zu Ende reden, so daß sie ihre Klasse in dieser Versammlung würdig vertreten haben. Leider haben bei dieser Gelegenheit auch wieder einige Arbeiter in heilloser Verblendung ihre Interessen mit Füßen getreten, indem sie mit ihren Herren in dienstbarem Eifer um die Wette gegen uns wütheten. Zum Schluß darf ich auch die Haltung der Polizei nicht un- erwähnt lassen, deren Organe uns auch noch mit wohlgemeinter Fürsorge begegneten. Als der Skandal in der Versammlung den respektabelsten Höhepunkt erreicht hatte, erklärte der über- wachende Commissar dieselbe für„geschlossen", wendete fich zu mir und rief mit lauter Stimme:„So, nun schützen Sie fich selber!" Wenn ich auch nach polizeilichem Schutz nicht zu verlangen brauchte, weil mir solcher durch 50 Arbeiter zu Theil wurde, so ist diese Sprache eines Beamten, der zur Ueberwachung der Versammlung erschienen ist, charakteristisch genug, um hier erwähnt zu werden. Nachdem dieser verunglückte Feldzug sein Ende erreicht hatte, gingen wir, etwa 80 Mann, in ein Verkehrslokal und be- sprachen uns über Das, was nun zunächst zu thun sei, um die Agitation in E. zu fördern. Alle Theilnehmer verurtheilten entschieden das Austreten der Gegner und verpflichteten sich ohne Ausnahme, die„Rundschau" zu abonnircn, was theilweise auch gleich geschah. Ferner händigten mir die Genossen 5 Mark für die Gemaßrcgelten ein, die ich bei nächster Gelegenheit ihrem Bestimmungsorte zuführen werde. Dies war der Anfang in Eisleben. Dreißig entschlossene Genossen stehen zu unserer Fahne trotz der gegnerischen An- strengungen. Ich muhte ihnen versprechen, bald wieder eine Versammlung abzuhalten, was sicher geschehen wird, denn der Ort bietet ein fruchtbares Feld. Die Genossen fordere ich noch einmal auf, bis zur nächsten Versammlung recht rührig zur Ge- winnung noch mehrerer Anhänger zu sein, damit wir schon dann die gegnerische Oppofitionslust in die ihr gebührenden Schranken zurückweisen können. Mit sozialdemokratischem Gruß Hugo Rödiger. Stuttgart, 9. März. Seit längerer Zeit hat unser würtem- bergisches Parteiorgan, die„Süddeutsche Bolkszeitung", bedeuk- liche Schwankungen zu überwinden, in denen sie, von Hand in Hand übergehend, nur selten einen länger dauernden Ausschwung nahm. So hatte sie nach mancherlei, der Partei sehr schädlichen inneren Dissonanzen unter der Redaction Holz wart h's aus Wien eine kurze Periode regeren Lebens, die jedoch in Ermattung um- und, ehe Abhilfe eintreten konnte, mit der Flucht deS Re danach verlangen. Ein weiter fruchtbarer Boden muß unbebaut bleiben, und die unermüdlichen neuen Ansätze bleiben zum Ver- kümmern oder zu schleichender Entwickelung verurtheilt. Außer dem jeweiligen Redacteur, der oft, wie angeführt, weder stetig noch sehr energisch wirkte, hatten wir nur den Genossen Tulk, der in den Wintermonaten wohl fünf- bis neunmal monatlich sprach, ohne das Bedürfniß befriedigen zu können und in den Sommermonaten fast gar nicht zu haben war. Mit welcher Energie Genosse Lossau auch hier ans Werk geht, beweist der Umstand, daß er schon bis fünfmal in einer Woche gesprochen hat, was— neben der Redaction— offenbar Keiner auf die Dauer aushält. Auswärtige Kräfte aber kosten wieder! Recht wohl wäre unserer Partei noch ein frischerer Ton gegenüber der versumpften Volkspartei zu wünschen, die sich mit größter Hohl- heit gern als Protectorin der Sozialdemokratte aufspielt, aber in Wahrheit alle Moral derselben verdirbt.„Lichter"sind Retter und Mayer! Insbesondere in Eßlingen hat sich die Partei durch Unterschätzuug ihrer Kräfte für selbstständige Agitatton den hoch- trabenden Karl Mayer als Vertreter aufgeladen, der ungenirt die beiden Principien, dirccte Besteuerung und Consumbesteue- rung, je nach Bedürfniß, mit äquilibristischer Virtuosität als Paradepferde vorreitet, und den man in Eßlingen wie in Stutt- gart nur mit Handschuhen anfaßt, was ihn keineswegs zur Be- sinnung zu bringen geeignet ist. t! nu iC üf.ila cL.t. Es geht uns die betrübende Nachricht zu, daß der frühere Redacteur der„Chemnitzer Freien Presse" Bruno JLooft am 14. d. M., Abends U'/a Uhr, im Hause seiner Eltern zu Langensalza nach schwerem Todeskampfe verschieden ist. Looff war erst 25 Jahre alt und war kräftig und lebensfroh, als er am 10. Aug. 1876 verhaftet und wegen Preßvergehen in den Kerker geworfen wurde. Krank und gebrochen kehrte er im Januar 1878 zurück. Kaum in der Freiheit, wurde er von Seite der Chemnitzer Behörde mit einem Ausweisungs Ukas überrascht und mußte sehen, wie ihm der Executor seine Sachen pfändete. Der Ausweisungs- Ukas wurde bestätigt, und der todtkranke Mann mußte Chemnitz verlasseu. Hätte man dem Kranken Ruhe ge- gönnt, so würde er sich vielleicht erholt haben. Die Aufregungen, denen er ausgesetzt war, führten seinen Tod herbei. Looff fiel als Opfer unsercr rcactionären Gesetzgebung! Tie Arbeiter werden das Andenken dieses treuen Kämpfers ehren; sie werden sich über auch der Ursache seines Todes erinnern. cteurS vor dem Gefänguiß endete, die der Partei die schwerste Schädigung verursacht. Später trat Lehrer Lcininger ein, eine strebsame und höher vorgebildete Kraft, zu jung aber für die unentbehrliche Charakterfestigkeit und Umsicht eines sozialistischcn Führers. Er büßt jetzt im Staatsgefängniß zu Heilbronn als „Gotteslästerung" den Beweis der Evidenz nicht weiser Leitung eines sogen. Gottes, und man muß die Meinung des Anwalts theilen, daß er ihn durchgebracht hätte ohne die eigenen, den Kampf aufgebenden Eingeständnisse. Zu diesen immer neuen Opfern kamen fortwährende Polizeichikanen, die nach verrotteten Gesetzesbuchstaben jede geschlossene Parteiversammlung unmöglich machten. Anklagen, die, wie gegen Genossen Dulk. mcht aufrecht erhalten werden konnten, Ausweisungen, dann Gemeinderaths- wählen, Preßprocesse, d. i. Berurtherlungen, die nicht blos die Person des Redacteurs trafen und sich, durch unliebsame innere Vorgänge erschwert, zu weiteren Geldschädigungen für die Partei gestalteten. Ei» fest bleibender Stamm älterer Genossen, eine ebenso belebte wie einmüthige Stimmung trägt uns zwar unent- wegt über alle solche Störungen hinweg, aber eS ist uns zu gönnen, wenn wir auch einmal in größerer Ruhe und Sicherheit aufathmen dürfen. Und das Gefühl haben wir jetzt seit ves Genossen Lossau Eintritt, da wir eine völlig geschulte Kraft und eine sichere Hand am Steuer der Volkszeitung und der Agitation i sehen. Die größte Anerkennung der Partei kommt ihm bereits! entgegen. Der Mangel an Agitation tritt vielleicht nirgends in der Partei so schreiend hervor wie in Schwaben, wo zahlreiche sozialistische Genossenschaften, selbst in bedeutenden Orten wie Tübigen, fast ohne alle und jede agitatorische Kraft sind und zugleich eine überraschend große Anzahl von nicht officiell sozio- listischen gewerkschaftlichen und pnvaten Vereinen fortwährend Arbeiter allerorts! Seit drei Wochen befiudeu sich die Schuhmacher von Offenbach im Kampse mit den Fabrikanten. Aus der einen Seite kämpft der Hunger und namenloses Eiend, aus der andern der, sich aus den vollen Geld- sack stützende Hochmulh, der nur daraus bedacht ist, aus unserer Ar- beit den Gewinn aufzuhäufen, unbekümmert darum, ob wir mit dem uns gewährten„Lohne" da?— wenn auch noch fo kärgliche— Leben zu ftisten im Stande sind oder nicht. Die Fabrikanten haben sich ge- e>n'gt und fetzen alle Hebel in Bewegung, um uns zum Nachgeben zu zwingen. Bor Ausbruch unfercs Sirikes waren etwa 25 S»uh. waarensabrikanten in Frankfurt a. M. beifammen»nd beschlossen überall die Löhne herabzudrückrn; wenn sie dieses Borhaben noch nicht ins Werk gefetzt haben, fo ist dies unfcrem Sirikc zuzuschreiben. Sollten wir unterliegen, so würde es den Fabrikanten ein Leichtes sein, die Lohureduktion allerorts einzuführen. Trotz alledem haben wir die beste Aussicht auf Sieg, wenn uns die Arbeiter, und ganz besonders die Schuhmacher, um deren Interessen es sich ja handelt, hilfreich zur Seite fieh-n. Die Fabrikanten haben Lieferungen übernommen, welche bereits bis End« März effekluirt werden sollen; können wir bis zu dieser Zeil aushari en, dann werden sie nachgeben müssen. BiS jetzt haben wir blos auS wenigen Städten Unterstützung er- halten und würden, wenn nicht die Arbeiter Offenbachs uns kräftig unterstützt hätte», bereits unterlegen sein. Obschon die unverheiratheten, ,'""■-''' te Arbeiter abgereist sind, benöthtgen wir täg- ' e Sirikenden nothdürftig zu unterstützen. wenden uns an Euch und ersuchen Euch den Zuzug fern zu halten und uns mit Geldsendungen zu unterstützen. Die Arbeiter Offen b-chs haben bei jeder Gelegenheit gezeigt, daß sie, wenn«» galt den Kamps der Arbeit gegen das Kapital zu unterstützen, nicht zurückblieben und so hoffen wir, daß auch dieser unser Appell mcht wirkungslos sein wird. Männer der Arbeit! Ihut Eure Pflicht! Briese und Geldsendungen sind zu richten an Josef Dworzack, Hafenbachstraß« Nr. 14, Offenbach a. M. Alle arbetlerfreundlichen Blätter werden um Abdruck erfucht. Warnung. Köln. Zum Schuhmacherstrike in Offenbach. Die Sckuh- waarensabrikanten Osienbachs haben hier em Werbe-Bureau eröffne« und suchen unter falschen«"ispiegelungen Arbeiter ,u ködern. Im Stadtanzeiger der„Kölnischen Zeitung" vom ll. d. Mts. befindet sich ein Inserat, nach weichem die Reparatur-Werkstätte für Schuhmacher- orbeilen in Köln, Follerstraße 55, Gesellen und Meister sucht. Räch sorgfältig eingezogenen Erkund>gungw haben wir in �fahrung ge- bracht, daß die Arbeiter nicht sür d>i Reparatur-Werkstätte m Köln, sondern sür Offenbacher Schuhwaarensabriken ang.worben werden. Wir warne» hiermit alle S-buhmacher vor diesem„Werbe-Bureau" und ersuchen alle arbeücrfteundlichen Blätter, dies rm Interesse der Skiken- den ebenfalls zu thun.~*. Mehrere Schuhmacher. Druckfehlerberichtigung. In dem Artikel:„Ein Earnevalsscherz" haben sich auS«ersehen einig« Druckfehler eingeschlichen, welche hiermit berichtigt werden: In Nr. S1 soll es in der 2. Spalte Zeile 1 statt..instinktive"„in- tuitive"; auf Zeile 7 statt„König! Toms",„König JocuS" und auf der vorletzten Zeile statt„ecorpiren"„exmpireu"; in Nr. 32 in der 3. Spalte Zeile 3 statt„Concertlaune"„Earnevalslaune" heißen. Briefkasten der Redaktion. Franz Stephan in Werdau: Ein Brief an Sie ging, als unbestellbar, an mich Mück. Ich hatte mich zu einem Borlrag bereit erklärt. Jetzt isl'S nalürlich für diese Woche zu spät. W. L.— W. R. in Halle: Ihre Eorrespondeuz erhalten, konnten von derselben jedoch«einen Gebrauch macken, weil wk eine Einladung vom St-aiSanw-ll« erhalten hätten, nach welcher wir un«, da wir Konver- laiionen mit diesem Herrn nicht lieben, auch nicht sehnen. der Expedition. Caspar m Mcra«: In dem Novellen-Band von O. Walster„Kranke Herzen" fehlt nicht«, fondern eS hat nur falsche Seitennummerirung stattgesunden. Auf die im..Vorwärts" erlassene Anfrage betreffs des Auf- enthalteS des Carl Benkulcr finden wir in der„Volksstimme des Westens" folgende Antwort.: � Antwort auf die Anfrage im„Vorwärts", Leipzig: Wo! ist Carl Benknler? Carl Benkulcr steht beim 4td F. St. Ca- valfy, Troop H., Port Davis, Texas, Cfflonel SIcKlnzee, Coniinander of the Post." F. W. Fritzsche. Berlin. Warum auf meinen Brief vom 14. ds. keine Antwort? Fr.-Marke lag bei. Hadlich. Fonds für Gemaßregelte. Bon Böttchr. Golzow 0,55, z. Wahlfond v. R. hier ges. in der Druckerei v. P. u. T. 6,10. Gesammelt in der Fabrik von I. u. B. d. Bnnwtz 5,00. tWffp /T Sonntag, den 24. März, von Abends 8>/z Uhr U. w. ab in Müllcr's„Bcllcvue": s2,40 Concert und Ball, komische Vorträge?c. arrangirt von der Liedertafel„Dassallea".(F. 166) Karten und Tanz-Ordnungen, die allein zum Eintritt berechtigen, sind zu haben bei Rödiger sowie bei den Mitgliedern der..Lassallea". Um recht rege Belheiligung bittet Hofbeck. Arbeiter-Verein. ��lltU|v1l. Donnerstag, den 21. März, Abends SVa Uhr, in BurmeisterS Salon, 1. Treppen Leffentliche Versammlung. Tagesordnung: Bortrag und Fragekasten. f7v F. Heerhold. Allen Freunden und Bekannten die schmerzliche Mütheilung, daß meine Frau Clara, geborene George, den 16. März von einem tobten Knaben entbunden worden-st. s1,L0 Leipzig, den 17. März 1878. Wilh. Hasenelever. Wir empfehlen unseren Filialen, Colpor- teuren und Parteigenossen als Material zum Sammeln von Abonnenten auf Die Neue Welt statt Prospekte, überzählige Nummern aus den früheren Jahrgängen gratis. Leipzig. Expedition der„Neuen Welt". dnu: Durch uns ist zu beziehen: Die bürgerliche Gesellschaft. "Ein Vortrag gehalten vor freireligiösen Arbeiter« des Wnpperthals i« Elberfeld-Barme» von Joseph Kietz gen. Preis 10 Pf. Die Expedition des„Vorwärts". Zum Lernen und Belehren für alle Parteigenossen und besonders zur Agitation besten» empsohlen: Grund üge der National-Oekouomie von C. A. Schramm. Preis 25 Pfennig baar.— Porto zn Laste» der Empfänger. Bei Partien entsprechender Rabatt. Ueber den Jntzalt diese« i» populärster.Sprache und klaren Bei» spielen gehaltenen Schriflchen», geben die nachfolgenden Kapitelüberschristm Aufschluß: 1. Die Arbeit und ihre Eintheilong.— 2. Der Lux»». 3. Die verlheiinog de« ArbcitSertrolic«— 4 Der Werth der Waire.— 5. Der Werth der Dieastleiftnap.— 6. Falsche Werth- dorftelluuge».— 7. Der Prei«.— 8. Da» Kapital.— S. Die Wanre- Arbritikraft.- 10. Die Prodaktioa de» Mehrmerihe«.— 11. Profilrate und AuSbentungSraie. Bon demselden Bersaffer liefern wir: „Ein Wort zur Verständigung in der sozialen Frage". Prei« 20 Pjeunig baar.- Porto einzusenden. Be» Partien entsprechen der Rad alt. Da« Schnfichea winde vom Bersaffer speziell an die bürgerlich« demokratischen«reise gerichtet und ist seia sozial-politische.' Inhalt et» htstorlscher Beleg für die leidenschaslSlosei'. Versuche unjerer Partei, die Rvtpweadigkeit und Berechtigung unserer Bestrebungen allerseits begreiflich zu machen. Du Expedition des„Vorwärts". «on der Expedition de»„Vorwärts" ist zu beziehen: Wede Nebels über die Anträge betr. Abänderung der Gewerbeordnung(Arbeiterschutzgesetz) in der ReichStagSfitzung vom 18. April 1877. Preis 10 Pfg.(Sb) ÄbonnementS�Einladung. Mit dem 1. April beginnt ein neues Abonnement auf Die Fackel. Volks-Organ für Leipzig und Umgegend. Dieses seit dem 1. Januar v. I. wöchentlich dreimal er- scheinende Blatt vertritt aus Grund de» sozialistischen Programms die Interessen deS arbeitenden Volkes nach jeder Richtung. Es enthält in jeder Nummer außer einem Leitartikel eine politische Uebersicht, die wichtigsten Lokalnachrichten, Theaterrecensionen, Eorreipondenzen aus der Umgegend, Berichte über die Gemeinderathssitzungen, die Standesamts- Nachrichten, den Eisenbahnfahrplan ic.; ebenso ist im Feuilleton für gute Unterhalwngslektüre gesorgt.— Inserate, welche bei dem große» Leserkreise deS Blattes von ausgezeichneter Wirkung sind, werden pro Petitzeile nur mit 10 Pf. berechnet.— Alle Postanstalten nehme» Abonnements aus unser Blatt zum Preise von 1 M. 60 Pf. pro Quartal, 60 Pf. pro Monat, entgegen.— Zu zahlreichem Abonnement, sowie zur Einsendung von Inseraten laden ein Redaktion und Expedition der„Fackel", Leipzig, Kl. Fleischergaffe 15._„j-rv Durch un» ift»u beziehen: Aas lebensgroße'Aruffbild Ferdinand Lassalles. Lithographie(79 Elm. hoch, 63 Cim. breit) in gelungener Ausführung. Preis pro Bild einschließlich Verpackung 3 Mark gegen baar oder Po st Vorschuß. Wiederverkäuser erhalten Rabatt. � Die Expedition des„Vorwärts". Beran-wortl cher Rtdatt.ur: Hermann Helßig w Reudnitz- Leipzig. Redaktion und Expedilion Färberstraß« 12. II in Leipzig. Druck und»erlag der«enofienschasttbuchdruSerei in Le-pzig.