«rschewt tn J-'tijijlg «»ttwoch, Frritag, Sonn,-«. AbonnetneatSPreiS 16t ganz Tcutlchlaiid 1 TO. 68$t. p» ßu-rt-l. Mo»»ts- Abonnements »erden bei allen dentlchen Postanstattm »>1 den 2. nnd Z. TOonat, und ans den ».Monat belonderi angenommen: im Mnigr. Sachsen nnd Herzogth. Sachsen- Allenbatg auch aus den Ilen Monat bei Quartals k 54 Psg. �nferate tetr.Bersammlungen pr. Petitzetle 10 Ps, Setr. P-' raran gelegen heilen nnd Feste prö Petitzeile 30 Ps. ZZestcllungen nehmen an alle Postanstalten und Buch. Handlungen de« In- u. Auelandee. Fillal- Expeditionen. Rew-Zlorl: Soz.-demelr. Benoffen- ichastsbuchdrnilerei, 154 Str. Philadelphia.' P. Hab, 630 North 3-4 Strei t. I. Boll, 1129 Charlotte Str. Hobolen N.J.: F. A. Serge. 2,5 Woah. ingtoi: Str. Thicago: A. Lansermaust, 74 Clybonroe»-» San Kran,i»e»: F. Ens), t is csh'arrall Str London Vf.: s. Henze,!- Nov x txoI6e:ll Gentrat Zrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 34. Freitag, 22. März. 1878. Abonnements-Einladung. Mit dem 1. April 1878 beginnt ein neues Quartal, und fordern wir deshalb zu zahlreichem Abonnement auf das wöchent- lich dreimal erscheinende Parteiorgan auf. Der Preis beträgt 1 Mark 60 slff. pro Quartal für ganz Deutschland. Alle Postanstalten und Buchhandlungen nehmen Abonnements entgegen. Denjenigen Abonnenten, welche das Blatt per Kreuzband beziehen, wird dasielbe bei wöchentlich dreimaliger Zusendung in folgender Weise berechnet: für Deutschland, Helgoland und Luxemburg 3 Mark per Quartal: für die Schweiz, Serbien, Belgien, Scandinavien, Italien, die Niederlande, Großbritannien, Rumänien, Portugal, Frankreich, Spanien, Türkei und Vereinigten Staaten von Amerika 4 Mark; Couvertsendungen innerhalb des deutschen Postgebietes incl. Oesterreich- Ungarn, Luxemburg und Helgoland wöchentl. 3mal IV Mark pr. Quartal, wöchentl. Imal 4,8V Mark pr. Quartal. Der Abonnements-Betrag ist bei Bestellung einzusenden. In dem Zeitungskatalog steht der„Vorwärts" im Nachtrag XI, unter Nr. 4132, Seite 2. Für Leipzig und Umgegend ist der Abonnementspreis mit Bringerlohn) auf 1 Mark 80 Pf. pro Quartal und 60 Pf. pro Monat festgesetzt. Man abonnirt bei der Expedition d. Bl. Färberstraße 12/11, unserem Colvorteur Moritz Ulrich, Süd- straße 12, in den Filialen: Cigarrenladen des Hrn. Peter uiv/'« 60' und Sattlerwerkstatt am Königsplatz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: Wotk- «arsdorf, Reudnitz, Denschönefetd'k. k. bei Frau Engel, Reudnitz Taubchenweg 29, 2 Tr.; für ßonnewih ic. Hackert, » A?*£ 10 Hart.; für Kteinzfch-cher und Ztmgegend bei S. Trost Hauptstr. 10 l; für HK-nöerg bei Bösch.Hospitalstr. 6/1V daW; w Acureuduitz bei Zschau, 15 1; für ch.hlis«. bei«chafer. EiseiiBaHnstraße 8; für Stötteritz bei E. Grude, An der Papiermühle; für �kagwitz-Lindena« bei Frau Grebensteln, Aurelienftraße 3. Für Aertin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf. (frei in's Haus) abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8» und Rubenow, Brunnenstr. 34, im Laden. Die Leipziger Abonnenten werde« noch besonders darauf «tfmerksa», gemacht, daß bei alle« Stadtpost-Filialcn Quartals- »douuements angenommen werde«. Die Expedition des„Vorwärts". An die Märzgesall'nen! Im Friedrichshain, da schlummert Ihr Die einst in blut'gen Märzestagen, Die Brust voll Freiheits-Kampfbegier, In heißer Straßenschlacht erschlagen, Dort senkte Euch das Volk hinab— Und drei Dccennien sind vergangen, Und dreißigmal an Eurem Grab Ihr Lenzeslted die Vöglein sangen. Vom Lenz, der Busch und Wald belaubt, Wird balo auf's Neu das Lied erklingen— Der Lenz den Ihr so nah' geglaubt, Muß noch mit Nacht und Kälte ringen; Der Völkerlenz, Eu'r Hoffnungsschein, Eu'r Trost in bitt'rer Todesstunde, Wann bringt zum stillen Friedrichshain Von seinem Sieg das Volk Euch Kunde? D'e Freiheit, die Eu'r Schlachtruf war, mJL verschachert und verrathen «?J�uen, die im„tollen Jahr" ' h Jum Bau der Barrikaden, Von Denen, die im„tollen Jahr" .Menschenrechten; Sie linbs, die jetzt den Proletar Im-siensie Mammon's schmählich knechten. Die einst im hellen Freibeitsolüh'n Des Censors Stift voll WutZ Erbrochen, Die von„Gewissenfreiheit" kühn Und„freiem Manneswort" gesprochen— Sie sind's, die aus dem Arbeitssaal Lassalle's Jünger stech verbannen, Um durch des Hungers harte Qual Den Mann der Arbeit zu entmannen. Die„Freiheit" haben sie erreicht, Die Wucherfreiheit„die sie meinen";— Dem Volk, vom„Nothstand" tiefgebeugt, Wollt ach! kein Freiheitsstrahl noch scheinen. „Bürgerthum", in seiner Hand Sah't Ihr die Freiheitswaffen blinken, Es warf sie fort, ließ in den Sand Der Menschheit Banner schmachvoll sinken. Doch horch'! ob Eurem Grabe braus't, Der Lenzessturm in kahlen Zweigen; Hoch hält in arbeitsharter Faust, Der„vierte Stand" der Freiheit Zeichen. Das flammt wie lichte Morgenpracht, Wir folgen ihm zum kühnen Kriegen In manche heiße Geistesschlacht— Wir kämpfen sie und— werden siegen. Bald grünt die Saat im Sonnenschein, Die Euer Herzblut mußte trinken, Tann wird das Volk im Friedrichshain, Das Völkerfrühlingslied Euch fingen. Zur Controverse über die soziale Werththeorie. u. Die Bedeutung der Werththeorie und Die Advokaten des Diebstahls. U. l-. Und nun zur Sache selbst, d. h. zur Controverse über die sozialistische Wcrththcorie. Um uns recht klar zu machen, um was es sich hier eigentlich handelt, wird es angezeigt sein, auf die Veranlassung des ganzen Streites zurückzugehen, nämlich auf die Frage: Warum wird der Werththcorie, d. h. der Erforschung dessen, was die in unserer Gesellschaft entstehenden und umgehenden Werthe eigentlich schafft und hervorbringt, allseitig so großes Gewicht beigelegt? Die Antwort ist: Weil in dem Ergebmß dieser Untersuchung zugleich die Beantwortung der Frage liegt, wem, welchen Per- fönen, Ständen, Klassen ic. diese Werthe von Rechts wegen gebühren. Um nun den Antheil an den Werthen, welchen das Kapital heute äe kaotv(thatfächlich) an sich reißt, auch äv jure(rechtlich) zu begründen, erfanden die national- ökonomischen Soldschreibcr desselben die mannigfaltigsten sogenannten„Theorien". Die Einen sagten kurzweg: Das Kapital ist ein unentb�hr- licher Faktor bei der Werthbildung; denn wie will der Arbeiter ohne dasselbe, d. h. ohne Arbeits-Lebensmittel ic. überhaupt arbeiten? Folglich gebührt dem Kapital auck ein Antheil am Erzeugten.(Ein plumpes Taschenspielerstückchen! Daß zur Produktion die Produktionsmittel nöthig sind, das stimmt, Ihr Herren! Die Sache ist eben nur die, daß damit nicht das Min- deste für das Kapital bewiesen ist. Denn Produktions mittel und Kapital— noch genauer gesprochen: Privat- kapital— sind zwei verteufelt verschiedene Dinge, letzteres ist nichts als eine historische Phase der gesellschaftlichen Anwendung der ersteren. Die Produktionsmittel haben schon bestanden ohne Priratkapital und werden es in Zukunft mit „Gottes" Hilfe noch viel mehr. Die Produktionsmittel sind uns ja auch ganz recht und angenehm, sehr angenehm sogar — zum Beweis wollen wir sie ja sogar haben— nur gegen das Kapital haben wir eben einiges zu erinnern!) Andere gingen schon etwas umständlicher zu Werke. Sie sagten: Was ist das Kapital? Erspartes. Wie spart man? Indem man sich Entsagungen auserlegt. Warum soll nun die Tugend nicht ihren Lohn haben, warum sollen Die, die entbehrten, statt, wie die Andern, alles zu vernaschen und die dadurch, zum Wohle der Menschheit, den Nationalreichthum vermehrten, nicht ihren Entbehrungslohn haben.(Die armen Würmer, die Rothschilds! Wenn man so bedenkt, was die ausgestanden haben müssen, bevor sie sich ihre so und so viel Hundert Mil- lionen zusammen„entbehrt" hatten! Man sieht's ihnen aber auch an; es ist wahrhaft herzbrechend: die Bäuchel) Wieder andere„Nationalökonomen" meinten: Der Kapitalist entäußert sich seiner Produktionsmittel(Maschinen, Werkzeuge ic.) für bestimmte Zeit, überläßt sie dem Arbeiter, statt sie selbst zu benutzen. Gebührt ihm nicht für einen so menschenfreundlichen Dienst eine Entschädigung?(Der liebe, gute Krupp, der nicht alle seine Hochösen, Dampfhämmer, Blasebälge ic. allein„be- nutzt", sondern seine 15,000 Arbeiter auch mal an das Ver- gnügen'ranläßt. Der süße, süße Engel! Verdient es so viel Herzensgüte nicht wirklich, eins der größten Einkommen im preußischen Staate zu erhalten? Gewiß.) Wieder Andere: Der Kapitalist geht doch mit der Umsetzung seines Kapitals in der Industrie ein Risiko ein, durch Möglichkeit der Unverkäuflichkeit der Produkte in Folge Ueberproduktion, besonders aber durch Kreditgewährung an den Abnehmer ic. Soll er dafür nicht eine Risikoprämie zu fordern haben?(Weil Ihr Euch untereinander den wüthendsten, wahnsinnigsten Krieg macht, weil Ihr Euch unter einander bc- schwindelt und bestehlt, sollen wir Euch was schuldig sein? Die Kosten dieses allgemeinen Krieges, gegen den wir ja eben mit aller Mackt protestiren, dessen Beendigung ja eben den Zweck unserer Bestrebungen ausmacht, die sollen wir mit unserm Schweiß und Blut gar noch bezahlen? Ah, das geht denn doch über das polizeilich gestattete Maß von Unverschämtheit!) Noch Andere faßten die Sache bei diesem Zipfel an: Das was den Maaren den Werth giebt, ist die Nachfrage. Denn was nützen z. B. dem Schuster seine 100 Paar Stiefel, wenn keine Nachfrage danach vorhanden ist, wenn er sie nicht ver- � kaufen kann? Und wer kauft? Wer Kapital hat. Ergo ist eS klar, daß die Produktion vom Kapital abhängt, und daß also die Produzenten, d. h. die Arbeiter, sich gar nichts Besseres wünschen und erstreben können, als daß sich das Kapital der Herren Kapitalisten recht rasch vermehre.(Es ist aber auch wirklich wahr. Was thäten die Arbeiter mit all den Dingen, den guten Speisen und feinen Weinen, den schönen Kleidern und eleganten Wohnungen 20., die sie schaffen, wenn Niemand da wäre, der„Nachfrage" danach hält, wenn sich keine Abnehmer fänden? Sie müßten offenbar verhungern, elendiglich zu Grunde gehen! Danken wir also dem Schöpfer, der nns in seiner grenzenlosen Güte und Barmherzigkeit(recht so, Herr Hof- pred,ger?j die Abnehmer bescheert hat, die uns das, was wir hervorbringen, auch immer wieder hübsch„abnehmen".) Solche und ähnliche gute Gründe find es, welche die Partei- gänger des Kapitals vorbringen, um dem Raube, welchen das Mastbürgerthum am arbeitenden Volke begeht, ein„Wissenschaft- liches" Mäntelchen umzuhängen. Diesen Partisanen des Diebstahls traten nun die Parti- L. sanen der ehrlichen Arbeit, die sozialistischen Oekonomen, in unserer Zeit namentlich Karl Marx, entgegen, indem fie, auf ihren bürgerlichen Vorgängern(Ricardo rc.) fußend, die Arbeit als die alleinige Schöpferin alles Reichthums, als den einzigen Faktor aufstellte, durch welchen seitens der menschlichen Gesellschaft den Erzeugnissen der Natur ein„Werth" im gesell- schaftlichen Sinne hinzugefügt wird; indem fie ferner ausführten, daß das Kapital, welches sich heute als ein mit der Arbeit gleichberechtigter Faktor, als gleich-, ja mehr berechtigter Theil- Haber am gesellschaftlichen Produktionsertrage aufspielt, selbst nichts als gestohlene und aufgespeicherte Arbeit ist. (Ob speziell die Eintheilung des Arbeitstages einerseits in eine vollbezahlte„nothwcndige Arbeit" und anderseits in eine gar nichts kostende„Mehrarbeit", wie sie Herr Marx aufstellt, gegen alle Kritik hieb- und stichfest ist, weiß ich nicht, es kann aber hur umsomehr unerörtert bleiben, als es erstens nicht hierher- gehört und zweitens auf die Sache selbst ganz einflußlos ist.) Teufel auch! Nun ward die Position unserer Kapitalfreunde arg bedroht. Denn ist das Kapital selbst nichts als gestohlene Arbeit, auf Grund welchen„Rechtes" will es dann immer wieder neue Antheile am Ertrage derselben für sich in Anspruch nehmen? Das wäre ganz nach Art jenes Taschendiebes, der, nachdem er einem Herrn die goldene Uhrkette abgeknipst hatte, an diesen herantrat, ihn kategorisch auffordernd, er möge ihm(dem Dieb), da er jetzt der Besitzer der Kette sei, nun auch sofort die dazu gehörige Uhr ausliefern. Natürlich frug unser Bestohlener: „Ja hören Sie mal, wie kommen Sie denn überhaupt zu der Kette?" So fragen auch wir heute:„Ja hört mal, wie kommt Ihr denn überhaupt zum Kapital?" Man concentrirte sich also mehr nach rückwärts. Da man mit jenen Lehren, welche das Kapital als Werthbildner travestirt hatten, besonders seit Lassalle, die Entdecker dieser Weisheiten ä la Bastiat und ihre Nachbeter, die Schulze k., auf öffentlicher Straße so gründlich vermöbelt hatte, anständiger Weise — in Deutschland wenigstens— nicht mehr unter die Leute gehen konnte, verlegte man sich auf das Bekritteln und Be- nörgeln der gegnerischen(sozialistischen) Behauptungen. „Was sagt Ihr da," hieß es nun,„das Kapital sei nur ge- stohlenes Gut und der einzige Wertdbildner sei die Arbeit? So— ei, ei— und woher soll es dann kommen, daß der Werth der Waaren je nach Angebot und Nachfrage beständig wechselt, daß das, was heute noch um jeden Preis gekaust wurde, morgen schon selbst für die Hälfte kein Mensch haben mag? Und noch schöner: Die Kräfte der Natur, die rechnet Ihr wohl für gar nichts, die sind wohl werthlos? Woher kommt es dann, daß der Werth des Ertrages bei dem einen Stück Boden oft so viel größer ist, als beim daneben liegenden, trotzdem auf beide gleich viel„gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit" ver- wandt wurde?" Dieses— der Einfluß von Angebot und Nachfrage und der der Naturkräfte nämlich— sind vekanntlich die beiden überhaupt halbwegs diskutirbaren Einwände, welche von den Gegnern, inclusive der Herren Viertel-, Halb- und Dreiviertel- sozialiiten. gegen die sozialistische Werththeorie erhoben werden. Die Volte, die hier tn aller Geschwindigkeit geschlagen wurde, ist leicht erkennbar. Die Frage, um die es sich zwischen der sozialistischen und der Bourgeoisökonomie handelt, ist: Ob das Kapital zur Bildung der Werthe beiträgt, und ihm demnach ein Antheil am gesellschaftlichen Produktionsertrage zusteht. Was haben nun mit dieser Frage jene Einwände, selbst angenommen vorläufig, daß sie zutreffend sind, zu thun? Daß 1) Angebot und Nachfrage, 2) die Naturkräfte werthbildende Faktoren sind, kann doch nicht beweisen, daß dem Kapital ein Ertrags- antheil zustehe! „ Wir berufen uns für unsere Behauptung, daß die gesell- von' schastlichen Erzeugnisse der Arbeit gebühren, eben auf die Ar- die beit als uniiitbehrlichen, richtig einzigen Fattor der Werth- bildung, nicht aber etwa auf die Dampfkraft oder die Schwere. Ebenso müssen doch auch die Herren Bourgeoiswirthschaster, wenn sie für das Kapital einen Ertragsantheil in Anspruch nehmen wollen, immer hübsch beim Kapital bleiben und nicht bei ganz andern Dingen herumschwärmen. Rio liboäus, Iiiv s-ilt-i. Sie müßten uns denn nachweisen können, daß diese andern Dinge einen untrennbaren Zusammenhang mit dem Kapital haben, mit ihm stehen und fallen. In welchem Causalnexus stehen nun aber jene beiden an- geblichen Werthfaktoren mit dem Kapital? Angebot und Nach- frage sind doch wohl kein besonderes Attribut der kapitalistischen Gesellschaft? sie können und haben schon außer ihr bestanden. Was allerdings ausschließlich der kapitalistischen Gesellschaft eigen ift, das ist ihre absolute Unfähigkeit, Angebot und Nach- frage im Einklang zu halten, aus welcher Unfähigkeit jene beständigen„Werth'weränderungen der Waaren, durch welche in den Augen der Herren Bourgcoisökonomen Angebot und Nach- frage eben zum vermeintlichen Werthfaktor wurden, erst ent- springen. Doch ich will nicht vorgreifen, wie Paula Erbswurst sagt. Und die Naturkräfte? Was hat denn die Natur mit dem Kapital zu thun? Giebt es doch, wenn ich mir diesen sanften Kalauer gestatten darf, nichts Widernatürlicheres als das Kapital. Riskiren wir etwa, daß mit dem Sturz des Kapitals auch die Natur aus ihren Fugen geht? Unser Mast- bürgerthum allerdings stellt uns für diesen Fall so was wie einen Weltuntergang in sichere Aussicht; wir unsererseits aber geben uns der angenehmen Hoffnung hm, daß die Welt ruhig in ihrem alten Geleise weitergehen und die Natur uns Erden- Würmern bei der Mühe um unsere Existenz nach wie vor ihren freundlichen Beistand nicht versagen wird, selbst wenn Einige unter uns, statt sich, wie bisher, von den Andern füttern zu lassen, im Berein mit Allen sich ihr Brod ehrlich erarbeiten. Im Gegentheil: Dann erst recht! Oder wollen uns die Herren Kapitalgelehrten mit ihrem Hinweis auf die Naturkräfte als Werthbildner etwa zu verstehen geben, daß Denen, die nun einmal im Besitze dieser Naturkräfte, d. h. des Grund und Bodens sind, auch ein Antheil am Ertrage zustehe? Das paßt sicher, wie die Faust auf's Auge. Es hau- delt sich darum, ob das Kapital als solches, als gesellschaftliche Institution, Werthbildner ist, zum Produktionsertrage bei- trägt, indem es Werthe schafft, die ohne es nicht da sein könnten, ob es, mit andern Worten, ein unentbehrliches Organ des Produktionsprozesses bildet, genau so wie das alles mit der Arbeit der Fall. Das wird doch aber nicht dadurch bewiesen, daß eine Anzahl Leute sich der zur Produktion nothwendigen Naturkräfte bcmäch- tiqt haben und darauf hin einen Theil der von Andern ge- schaffenen Werthe diesen Andern einfach abpressen. Das ist k ine wissenschaftliche Rechtfertmung des Kapitalgewinns, das ist einsach eine Apologie des beiühmten Moralsatzes:„Macht geht vor Recht". In der Wissenschaft haben wir es jedoch ben nur mit wissenschaftlichen Begründungen zu thun; gegen die Gewalt haben auch wir nur— die Gewalt. Wir kommen dann einfach wieder mit der Frage jenes Bestohlenen:„Ja hören Sie mal, wie kommen Sie denn überhaupt zu der Kette?" Ja hört mal, wie kommt Ihr denn überhaupt dazu, die uncntgelt- tiche» Kräfte der Natur, ihr freiwilliges Geschenk, für Euch allein in Anspruch zu nehmen? Wer Hot Euch ein Vorzugsrecht vor allen andern Menschen darauf gegeben? Ihr antwortet:„Die Macht?" Nun, dann kann sie Euch die Macht auch wieder nehmen! „Aber unser Besitz ist durch das Alter rechtsgültig geworden, geheiligt." Mit Verlaub, Ihr Herren Raubritter, es will uns nicht einleuchten, daß ein Raub aushört Raub zu fein und Recht wird, wenn man ihn nur recht lange fortsetzt. Im Gegentheil will es uns scheinen, daß, je länger man einen Raub forttreibt, man eben nur um so viel mehr Raubthaten aufhäuft, der betreffende Besitz also nur um so unrechtmäßiger und ein Einschreiten gegen solch räuberisches Treiben nur um so ge- botener wird!— Kurzum— zwischen jenen gegen die sozialistische Wcrthtbeorie erhobenen Einwänden und der Frage, um die es sich zwischen Kapital und Arbeit wirklich handelt, läßt fick keinerlei Zusammen- hang erkennen. Die Herren Kapitalgelehrten haben mit diesen Einwänden eben nur das alte Soph-stenkimststück angewandt, den Streit, weil man in der Sache selbst nichts ausrichten kann, unvermerkt auf andere Dinge hinüberzuziehen, sich an Neben- fachen anzuhängen, die selbst im besten Falle für die ursprüug lichen Behauptungen gar nict-ts beweisen. Und je mehr sich die Gegner auf jene Einwände beschränken, desto mehr gestehen sie indirekt zu, daß sie unfähig sind, den ihnen obliegenden Beweis, daß das Kap>tal Werthebildner, Werthesch öpfer und nicht, wie wir sagen, blos Werthe rä über sei. zu erbringen. Damit baben wir aber anck, schon die wichtigste Position des Feindes genommen: Es ist stillschweigend aneikannt, daß der Riesenantheil am Produktionsertrage, welchen das Kapital heute für sich vorwegnimmt, wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen, zu deutsch: Diebstahl ist! Das ist immerhin schon etwas— nämlich die Hauptsache! Sehen wir nun zu, was es mit jenen Bemängelungen der sozialistischen Werlhtheorie eigentlich auf sich hat. Italienisches Elend. Großes Aufsehen, wie jüngst Profeffor Villari's Briefe über die Zustände der Armen in Süditalien, macht jetzt ein Buch der bekannten Engländerin Jessie White verehel. Mario, die in allen vaterländischen Kriegen sieb durch ihre Krankenpflege auszeich- nete. Das Werk heißt„Im Miseria in Napoll" und schildert mit ergreifenden Farben die Leiden einer ganzen Klaffe der ita- lienischen Bevölkerung. Die Verfasserin selbst ist in die Höhlen des schauderhaftesten Elends und der abschreckendsten sittlichen Verwilderung hinabge- stiegen, um zu erforschen, was an Furchtbarkeit Dante, Sue und B. Hm 0 übertrifft. Schon früher hat sie die Bauern geschildert, welche sie im Baribaldi'schen Feldzuge von 1867 zu Marcigliana bei Rom ge- sehn, die in jämmerlichen Hütten, zusammengedrängt schlimmer als Vieh in Ställen, bei ungenügender schlechter Nahrung leben, und trotz des berühmten Weines der Gegend verdorbenes Waffer zu trinken haben. Und diese elenden Armen(sagt Frau Mario), leben noch besser als die 13,000 Individuen, die in den Grotten des.Agro Romano(römischen Landgebiets) hausen. Selbst in der reichen fruchtbaren Lombardei fand sie das Elend der Landbewohner herzzerschneidend. Während der Po- Ueberschwemmungen— so erzählt sie— waren die Bauern da- selbst durch das Elend so apathisch geworden, daß beinahe mit Gewalt die Carabinieri(Bensdarmen) sie aus ihren von der Wasser- stuth bedrohten Hütten fortführen mußten. Und doch waren eben niese armen Leute gutmüthig und aufopfernd genug, ihr Leben zu wagen bei Rettung der Habe und Reichthümer ihrer Herren. Der Hauptsitz des Elends aber ist vor Allem doch Neapel. Frau Mario ging dorthin mit Briefen des Ministeriums des Innern an die Behörden, die ihr Eintritt auch in solche An- stalten verschafften, in welche sonst Niemand eingelassen wird. Wir empfehlen allen Denjenigen, die fich ernsthaft mit der Lö- sung der sozialen Frage beschästigen, das Kapitel über den Vor- stadtbezirk vom Monte Ealvario oberhalb der Gärten von Santa Lucia al Monte! Diese Gegend liegt westlich vom Fort San Elmo bei der be- rühmten Hundsgrotte di Pozzuoli am Posilipo. Aus Berlin. -- 17. März. „Aus dem Regen unter die Traufe!"— so möchte man ausrufen, wenn man das vom preußischen Abgeordnetenhause „verbesserte" Forstdiebstahlgesetz, welches am 16. d. M. in dritter Lesung angenommen worden ist, etwas näher betrachtet. Zwar sind die Pilze und Beeren, welche das Herrenhaus als Diebstahlsobjekte in das Gesetz gebracht hatte, aus der Vorder- thür wieder hinausgeworfen worden, doch fand sich eine willige Hintcrthür, durch welche sie wieder Einlaß gesunden haben. Man hat nämlich an den Z 1 des Gesetzes, in welchem alle Diebstahlsobiekte, als Reisig, Streu zc. rc., aufgeführt werden, folgenden Anhang gemacht:„Das unbefugte Sammeln von Kräutern, Beeren nnd Pilzen unterliegt forstpolizeilichen Bestimmungen." Wer nun das Walten der Polizei kennt, wer da weiß, daß die Polizeistrafen durchschnittlich schärfer sind, als die richterlichen, der wird das Sprichwort in der Ordnung finden, welches ich an die Spitze dieser Korrespondenz gesetzt habe, der wird aber auch ferner sich der hochtrabenden Worte erinnern, welche man in den Fortschrittsblättern seiner Zeit fand und die bestimmt versicherten, daß das Abgeordnetenhaus das Herren- haus sicherlich corrigiren werde. Eine nette Correctur— anstatt des Richters der Polizist! Fürst Bismarck zeigt sich immer mehr von seiner ästhetischen Seite. Im Reichstag trinkt derselbe Cognac und wirft sogar ein Glas Cognac mit Wasser um; zu befreundeten Abgeordne- teu, die ihn fragen, wie weit es mit dem liberalen Ministerium sei, sagt er:„Lasker hat dem Bennigsen in die Suppe gespuckt" — derlei Liebenswürdigkeiten machen nun die Herren Liberalen vielfach erbost. So erinnert die„Magdeburgische Zeitung" an frühere Debatten im Reichstage und ruft fragend aus:„Konnte ein Minister sarkastischer das Parlament behandeln, als dies damals und oft genug vorher und nachher Fürst Bismarck ge- than hat?"— Die„Magdeburgische Zeitung" vergißt in ihrer Entrüstung die Wahrheit der Sentenz, daß die Behandlung sich durchweg danach richtet, wie man sich behandeln läßt. Die Hunde erhalten eine tüchttge Tracht Prügel mit der Peitsche und lecken die Hand ihres Züchtigers— das berühmte Wort des liberalen Führers Bamberger:„Hunde sind wir ja doch!" findet somit seine fast wörtliche Bestätigung. Daß übrigens das Auftreten des Fürsten Bismarck und be- sonders sein Benehmen gegen den Abg. Lasker die Gemüther im Reichstage sehr verstimmt hat, das zeigte sich noch besonders in der Reichstagssitzung vom 13. März bei Gelegenheit der Be- rathung des Antrags Liebknecht-Hasenclever. Wenn nämlich irgend ein Redner den Fürsten Bismarck im Reichstage scharf angreift und einen Ordnungsruf vom Präsidenten erhält, so ist es seither üblich gewesen, daß die Bismarckomanen in jubelnde Bravos ausbrachen, um damit zu bekunden, wie recht der Prä- sident thue, den Angebeteten gegen allerlei schnöde Angriffe zu schützen. Als Hasenclever aber in jener Reichstagssitzung er- klärte, daß der Fürst- Reichskanzler bei Gelegenheit der Berathung der Strafgesetznovclle gegen die sozialdemokratischen Abgeordne- ten schwere Verleumdungen geschleudert habe, und als dem Redner dieserhalb vom Präsidenten mit erhobener Stimme und mit dem Aufwände von großem Pathos ein Ordnungsruf er- theilt wurde— da blieb der ganze Reichstag stumm; es schien Niemand den Herrn von Bismarck weiter in Schutz nehmen zu wollen. Ob die Herren sämmtlich von der Wahrheit der Aeuße- rungen des Abg. Hasenclever überzeugt waren, oder ob sie kei- nerlei Sympathien mehr für Bismarck hegen, das kann ich nicht sagen— genug, daß die Thatsache vorliegt. Wer übrigens aus derselben den Schluß ziehen wollte, daß nunmehr der Bruch zwischen den Liberalen und Bismarck für immer erfolgt sei, der könnte sich doch gründlich irren— ein kleines Verstimmtsein, denn:„Hunde sind wir ja doch!" und Bismarck trinkt lächelnd einen Cognac. Die Sache ist wieder im alten Geleise. Wenngleich Herr v. Bismarck als Grund angegeben hat, daß Bennigsen deshalb nicht die Ministersuppe ausesse, weil ihm Lasker hineingespuckt habe, so kann ich Ihnen doch noch einen anderen Grund angeben, d.r in der Abneigung des Kaisers gegen Herrn v. Bennigsen liegt Wiederholt soll der Kaiser an- gedeutet haben, daß er, selbst durch die historische Entwicklung gezwungen, den König von Hannover habe vertreiben müssen; er sei das Werkzeug in eines Höheren Hand, der die Weltge- schicke entscheide. Aber wenn ein Unterthan seinen Herrn und König in Stunden der Gefahr verlasse, ja wenn er ihn sogar durch seine Agitation den Feinden ausliefere, so müsse er das Wer dort hinfährt oder geht, will nur das Naturwunder sehn und denkt nicht an die entsetzliche Menschenverkommenheit, die dicht daneben in diesem„Paradiese" haust.— Madame Mario fuhr dorthin mit einem Freunde und einem Dölogato di Pubblica Sicnrezza(Sicherheitsbeamten). Dieser und die Mitglieder des Municipiums(Gemeindebehörden) hatten ihr versichert, die dorttgen feuchten Grotten würden nicht mehr zu menschlichen Wohnungen benutzt. Ihre Einwohner von ehe- mals hätte das Münicipium(die Gemeinde) auf seine Kosten in gesündere Quartiere geschafft. Dennoch fanden sich noch einige von den 30 Familien, die sonst hier gehaust, viel- leicht der unterste Grad der sozialen Versumpfung von ganz Italien. Ihre Höhlen erinnern an die Katakomben, kalkstaub- erfüllt und doch feuchttriefend, finster, nur durch Kohlengluth schwach erleuchtet; auf nacktem Erdboden unter dem tropfenden Steingewölbe ruht Familie neben Familie, nur durch Teiche ge- trennt..... Diese Armen verfertigen Bindfaden und müssen 18 Stunden arbeiten, um sich 15 Gram") zu verdienen. Im Sommer leiden sie noch während der regenlosen Monate alle Qualen des Durstes, da sie für theures Geld in weiter Ferne elendes Wasser sich kaufen müssen. Aerger— dachte Frau Mario, wie eben gesagt— könne der Mensch nicht sinken...... unter dem glänzenden Himmel Nea- pels, jenem„klaren Blau, das leuchtet über Zauber-Auen". Aber von wie tiefem Mitleid ward sie ergriffen, als sie später wahr- nahm, daß das thierische Dasein in den Sektionen von Porto, Pendino und Mercato noch weit das vom Monte Calvario über- trifft.....!- Frau Mario kennt natürli h die englischen Zustände auch. Sie meint, die ärgsten Londoner Greuel überträfe der Jammer in den Kellern unv Löchern(Fondaci, Bassi) Neapels...! _ Sie geht nun zu Gedanken einer Abhilfe über.-- Zunächst hebt sie Deutschlands Armenverwaltnng über die belgisch- französische; besonders lobt sie das System der Elber- felder Centralkommisfion für alle lokalen Bedürfnisse. Einzeln ") Diese Münze ist uns unbekannt; jetzt gilt in ganz Italien die Frankenrechnung(l-ire und Centesimi), R. d. B. größte Bedenken tragen, einen solchen Mann mit einem Minister- Posten zu betrauen. Ob diese Worte nun genau richtig wiedergegeben sind, da? ist gleichgiltig, sie kennzeichnen aber die Situation, die Herr v. Bismarck durchaus nicht allein beherrscht, wie seine Verehrer dem Volke gern vorzuschwindeln suchen. Herr v. Forckenbeck dagegen ist psreona gratissima bei dem Kaiser; ihm giebt Letz- terer sofort ein Mirnsterportefeuille, wenn es verlangt wird. Der Kaiser erinnert sich nämlich noch sehr gut. daß im Jahre 1863 Forckenbeck im preußischen Landtage, im Gegensatze zu Waldeck, die neue Heeresorganisation, das„ureigenste Werk des Königs", wenn auch zunächst nur verschämt, unterstützte und dadurch ver- hinderte, daß entweder das Projekt aufgegeben oder die Ver- fassung direkt gebrochen werden mußte; so splitterte Forckenbeck die Opposisionspartei und verminderte die Schärfe des Conflikts. Daß Herr v. Forckenbeck aber dadurch das Volk, seinen Mandat- Seber, Oerrieth, schlimmer noch als Herr v. Bennigsen seinen önig— ja Bauer, das ist etwas anderes.— Herr v. Stauf- fenberg, der vielfach auch als Zukunftsntinister genannt wird, ist ein viel zu edler Charakter, als daß man wünschen möchte, daß derselbe auch nur eine Stunde lang Bismarck'scher„Com- mis" werde. Noch will ich bemerken, daß mir von unterrichteter Seite mitgetheilt worden ist, daß nach d.m Tode des jetzigen Kaisers die zweijährige Dienstzeit eingeführt werde— der Krön- Prinz sei dafür gewonnen— auf andere Weise lasse sich aber das Reichsdefizit auf die Dauer nicht mehr decken. Ist diese Nachricht wahr, so sieht man daraus, daß die unablässige Agita- tion der Sozialdemokratie, wenn auch hier nur in kleinem Maße, für das Volk Gutes erwirkt; denn die Sozialdemokratie war es in den letzten Jahren allein, die für Verkürzung der Dienst- zeit eingetreten ist. Der Sozial-Doktor Dr. Max Hirsch hielt am 12. März ein Referat iu einem Bezirksverein über die sozialdemokratische Arbeiterpartei; ihm wurde von den gleichfalls eingeladenen Ab- geordneten Fritzsche und Bracke erwidert. Der„Gewerkverein" spricht in Bezug auf diese Versammlung von der„scharfen, logischen" Kritik, die der Herr Hirsck ausgeübt habe. Welcher Art diese Kritik war, das will ich Jhnen� durch die wörtliche Wiedergabe mehrerer Sätze des geehrten Herrn zeigen. Höre und staune, lieber Leser! Der sozial- Doktor legte mit ge- lehrter Miene den Zeigefinger seiner rechten Hand an seine Nase und sprach: „Die Sozialdemokraten verlangen, daß die Produzenten den Produltionsertrag erhalten; die Produktion aber hängt auch lediglich ab von Sonne und Lust. Und wenn nun die an der Produktion betheiligten Subjekte ihren Ertrag an der Pro- duktion beanspruchen können, so muß auch die Luft ihren An- theil empfangen." Sollte man nicht glauben, der gelehrte Herr Doktor habe zuerst etliche Gläser voll„Kümmel und Luft" getrunken, und diese hätten aus ihm geredet? und diese Subjekte—„Kümmel und Luft"— beanspruchten ihren Ertrag von der Redeproduk- tion des Herrn Max Hirsch?— Doch weiter: „Die indirekte Arbeit ist diejenige, welche das Kapital erzeugt." (Stürmischer Jubel von Seiten aller„indirekten" Arbeiter.) Was ist indirekte Arbeit? Zuschauen, Nichtsthun! Der Herr Doktor hat offenbar sich nur versprochen, er wollte sagen:„Die indirekte Arbeit ist diejenige, welche das Kapital erbält."— Doch das Beste kommt noch. Der edle Doktor räusperte sich wiederholt und sprach: „Das Eigenthum ist die körperliche Persönlichkeit des Men- scheu."(Allgemeiner Jubel.) Von solcher„scharfen, logischen" Kritik hingerissen, war die Versammlung kaum mehr zu halten. Sämmtliche Anwesenden beglückwünschten den Redner, Grüneberg gab ihm den Bruderkuß und Stöcker seinen Segen. Bon Glorie umstrahlt, vom Heili- genschein der unergründlichen Gelehrsamkeit, schaute der edle Max wie ein Triumphator von der Tribüne herab auf das jauchzende Volk— es war ein erhebender Anblick. Was konnten gegen solche"schärft und logische" Kritik die H.'rren Fritzsche und Bracke machen; obwohl selbst einige libe- rale Zeilungcn erklären, daß Fritzsche und Bracke den edlen Max widerlegt hätten und zwar in sehr geschickler Weise, so muß ich Ihnen doch mittheilen, daß das ganz unmöglich war— denn wer kann da widersprechen:„Das Eigenthum ist die körperliche Persönlichkeit des Menschen"! W:r kann da widersprechen, wo selbst die Steine die Wahrheit eines solchen Satzes bekunden! Als nämlich der edle Max seinen H''niweg antrat, da ver- beugten sich zu tiefem Gruße die langen Häuserreihen, diese seien solche Bebel nicht zu heben oder zu heilen, auch empirisch nicht. Man müsse von Seiten jeder Regierung ein Jnventarium des Besitzes und der Bedürfnisse ihrer Staatsangehörigen ent- werfen.... Dann kommt sie auf Unterricht, Frauenbildung, Hospitäler, Asyle, Gefängnisse u. st w. „Ist es nicht zu bedauern", fragt sie,„daß trotz der vielen Frauen, die heutigen Tags nicht wissen, wie sie ihr Brot ver- dienen sollen, auf denen der Müssiggang schwer lastet, bei denen zuletzt die Langweile zur Krankheit wird, man sich doch jedesmal an die Nonnenklöster wendet und barmherzige Schwestern auS Belgien, Frankreich:c. kommen läßt, sobald man Aufseherinnen für Gefängnisse, Krankenwärterinnen für Hospitäler und Irren- Häuser braucht!?"... Betteffs der Arbeiterfrage spncht sie die Hoffnung aus, daß es mit der Zeit dahin kommen werde: Daß die Arbeit dem Kapital die Gesetze vorschreiben werde, statt sie von ihm zu empfangen— und zwar dadurch, daß das Kapital in dieselben Hände gelangen werde, welche der Produktion die Arbeit liefern und für die Bertheilung des Gewinnes sorgen.— Die Cooperationen in England find ihr Beleg dafür. Schließlich empfiehlt sie Verwendung der unnützen Schiffe, die nicht mehr verkaufbar seien, zu Schulen für Schiffsjungen rc. Der edlen Frau Ichwabe gedenkt sie noch nachträglich, über deren treffliches Wirken in pädagogischen Blättern seit Jahren mit Recht viel Rühmens ist.— Wer müßte nicht bei jeder solchen Schilderung heimischer Zu- stände gedenken? Wo in der Wflt sind denn keine Thierställe zu Menschenwohnungen eingerichtet? Wo in der civifirten Welt giebts keine Erdgrotten, Kellerlöcher, Bwghöhlen, darin die ver- lassene verzweifelnde Hefe der„Ebenbilder Gottes" siecht und brütet? Bei Semlin sah ich als berechtigte Eigenthümlichkeit die vorn mit Balkenvorbaut m verkleideten Erdhütten im Berge massenhaft ganze Straßen bildend. Wie sieht Stambul aus? und wie nun gar die Quartiere am goldenen Horn genannt Kassimbasch u. s. f.! Wenn ich die türkische Karte ansehe, denke ich bei den vielen Stadt- und Dorfnamen, die darauf zu lesen stehen:„Das sind Alles schmutzige Buden und Kabachen, Lehm- „körperlichen Persönlichkeiten"; als er in eine Droschke einstieg, Äa schüttelte nicht nur der Droschkengaul tiefsinnig sein altes Haupt, sondern selbst die Droschke neigte sich und grüßte, sie, die„körperliche Persönlichkeit des Menschen"; und als er sieges- trunken seine Wohnung erreicht hatte, da sprang schnell der Hausschlüssel aus seiner Tasche und verbeugte sich mit schelmischem Lächeln, schloß die Thür auf und sprach:„Bemühen Sie sich nicht, geehrter Doktor; das brauchen Sie jetzt nicht mehr selbst zu besorgen, sondern das thut jetzt Ihre„körperliche Persön- lichkeit"." Und der glückliche Erfinder der„körperlichen Persönlichkeit" legte sich in seine„körperliche Persönlichkeit", vntxo Bett, und träumte von„scharfer, logischer" Kritik, die er andern Tages ruhmredig in dem„Gewerkverein", der„Sozialen Frage" und der„Bürgerzeitung" ablagerte. Sozialpolitische Uebersicht. — Von den sozialdemokratischen Abgeordneten find im deutschen Reichstage vier neue Anträge eingebracht worden. Außer von den elf sozialistischen Abgeordneten(der zwölfte, Bebel, hält bekanntlich seine„Session" im Leipziger Gefängmß) wurden diese Anträge noch von den Abgg. Holthoff, Payer, Oechsner(Volkspartei) und Kryger(Däne) unterzeichnet. Sehr bezeichnend ist es, daß die andern„Demokraten".„Fort- fchreiter",„Liberale", oder wie die hochtönenden Namen auch heißen mögen, nicht zu bewegen sind, einen von sozialistischer Seite kommenden Antrag— wenn derselbe auch noch so volks- thümlich und nöthig ist— zu unterschreiben. Die Abgeordneten Most und Bios beantragen eine Aen- derung des Wahlgesetzes und des Wahlreglements für den beut- scheu Reichtag. Der Artikel I Al. 2 des§ 10 des Wahlgesetzes, welcher bestimmt, daß die Stimmzettel von weißem Papier sein müssen und mit keinem äußeren Kennzeichen versehen sein dürfen, soll aufgehoben werden, dafür soll Artikel II Z 11 des Wahlgesetzes folgenden Zusatz erhalten: , Die Stimmzettel müssen bei der Wahlhandlung in einem unbeschriebenen Couvert übergeben werden. Jedem Wähler, der in die Wählerliste aufgenommen ist, muß bei Auflegung derselben ein zur Aufnahme des Stimmzettels bestimmtes Couvert zu- getheilt werden. Die Stimmzettel-Converts müssen von starkem undurchsichtigen Papier angefertigt, mit dem Stempel des Wahl- Commisiärs versehen und für jeden Wahlkreis völlig gleichartig beschaffen sein. Wähler, welche ein amtliches Stimmzettel-Coavert nicht erhalten haben, sind auf Reklamation durch die zuständige Behörde mit einem solchen zu versehen. Amtlich gestempelte Stimmzettel-Couverts sind am Wahltage innerhalb des Wahl- lokals in genügender Anzahl für die Wähler vorräthig zu halten. Artikel III Al. 2, 3 und 4 im§ 15 des Reglements zur Aus- führunz des Wahlgesetzes find aufgehoben. An ihre Stelle treten folgende Bestimmungen:„Der Wähler übergiebt, sobald der Protokollführer seinen Namen in der Wählerliste aufgefunden hat, das seinen Stimmzettel enthaltende amtliche Couvert zu- sammengefaltet, aber nicht verschlosi'N(zugeklebt, versiegelt rc.) dem Wahlvorsteher oder dessen Stellvertreter, welcher dasselbe uneröffnet in das auf dem Tisch stehende Gefäß legt. Stimm- Zettel, welche sich nicht in einem amtlichen Couvert befinden, sowie Couverts, die außer dem amtlichen Stempel ein besonderes Kennzeichen tragen oder verschlossen(zugeklebt, zugesiegelt zc.) lind, hat der Wahlvorsteher zurückzuweisen. Art. IV'-m§ 16 des Wahlgesetzes sind Himer den Worten:„die Kosten" einzu- schalten die Worte:„für die Stimmzettel-Couverts". Art. V 8 12 des Wahlgesetzes erhält folgenden Zusatz:„Die Wahl findet an einem Sonntag statt." Art. VI§ 29 des Wahlreglements ist aufgehoben. An seine Stelle tritt folgende Bestimmung: „Die engere Wahl findet am zweiten Sonntag nach der Er- Mittelung des Wahlresultats statt." Der Zweck dieses Antrages ist klar. Die Abstimmung soll nach dem Gesetze geheim sein, das gegenwärtige Verfahren bietet aber für die Wahrung des Geheimnisses keine Garantie, weil die Zettel, trotz der Bestimmung, daß sie von„weißem Papier" sein müssen, doch leicht an der Größe, Farben-Nüance und der Stärke des Papiers erkenntlich sind, woraus den Wählern aus dem Arbeiterstande nicht selten Nachtheile erwachsen. Die Wahl ist eine wirklich geheime, wenn die Stimmzettel j- der Partei nicht offen, sondern von völlig gleichen Couverts umschloffen abgegeben werden. Was den Sonntag als Wahltag betrifft, so ist der Antrag ganz gerechtfertigt, weil der Wahltag ein vollständig freier Tag sein und es den Arbeitern möglich gemacht werden muß, ihr Wahlrecht auszuüben, ohne dadurch pekuniären Nach- pfützen-Kathen und Misthaufen". Aber hat irgend ein Dorf, eine Stadt in Europa nicht neben den stattlichen Straßen die finstern luftlosen Hinterhäuser? die zerfallenden Schuttwinkel? die schmutzt- gen Kanalwohnungen. Keller und Höhlen? Hat Berlin nicht feine Keller und Erdhöhlen, Hamburg seine Twieten, Danzig und Königsberg die grauenhaft ungeziefervollen Schmutzwinkel? Ja. es gilt nur immer ueu zu bohren und den Finger stets wieder auf die offene Wunde zu halten: daß sie überall sichtbar wird und der Ekel erwacht!„ �- Was Frau Mario von Neapel schreibt und von dem Cal- varieuberg bei den Armidagärten von S. Lucia— ist es denn Aergeres, als was wir im Norden sehen? Und bei uns gesellt sich zu allem Grauenhaften noch der erbarmungslose Frost. Die Striche als Wohnungsmarken find allgemein verbreitet. Ich habe sie in den verschiedensten Proletarierhöhlen gesehen. Dre Petersburger find aber noch entsetzlicher als die Neapolita- mschen.—.- Wie in unseren norddeutschen Tagelöhnerställen ~ e r r 2"- zusammenschlafen— wie sie in den großstädtiichen Schlaf, tuben gepfercht find: wer das im Geiste zusammenfaßt, der denkt jener furchtbaren Berse im Freiligrath'schen Qa ira: »Dies unten aber, in der Nacht und in der Arbeit dunklem Schooß, Tief unten, von der Roth gespornt, da schür' und schmied' ich mir mein Loos, Nicht meines nur— auch Deines Herr____ Du bist viel weniger ein Zeus, als ich, o König, ein Titan! Beherrsch' ich uicht, auf dem Du gehst, den allzeit kochenden Vulkan? Es liegt an mir— Ein Ruck von mir, Ein Schlag von � � mir zu dieser Frist— Und siehe— das Gebäude stürzt, von welchem Du die Spitze bist!" So mußten wir bei einer anderen der oben citirten Stellen aus dem Buche der Frau Mario, die wir der genauen Zergliederung des ganzen Werkes in der„Augsburger Allg. Ztg.*)" verdan- *) Der diplomatischen Geheimraths-Zeiiung von Deutschland. theilen ausgesetzt zu sein. Ebenso nothwendig ist es, die Zeit, in welcher die engere Wahl stattfinden muß, festzusetzen, da sonst den Behörden freier Spielraum gegeben ist uno es ihnen leicht wird, die engere Wabl entweder auf längere Zeit hinauszuschieben oder die Wähler zu überrumpeln. Ferner beantragen die Abgeordneten Bios und Most, den Reichskanzler aufzufordern, dem Reichstage in d:r nächsten Session ein Gesetz vorzulegen, welches den Umfang und die Zahl der Reichstagswahlkreise nach den Ergebnissen der letzten Volts- zählung regelt. Nach§ 5 des Wahlgesetzes soll auf je 100,000 Seelen der Bevölkerung ein Abgeordneter entfallen. Ein Ueber- schuß von mehr als 50,000 Seelen wird vollen 100,000 Seelen gleichgeiechnet. Es würden nach einer solchen Zählung auf manchen Wahlkreis mehr Abgeordnete kommen, als dies bis jetzt der Fall gewesen ist. Ferner beantragen die Abgeordneten Blos und Most, be- treffs Abänderung des Reichsstrafgesetzbuch s soll hinter§ 107 folgender§ 107 a eingeschaltet werden: „Wer einem Deutschen Geschenke oder andere Vortheile an- bietet, verspricht oder gewährt oder Nachtheile androht, um ihn bei öffentlichen Angelegenheiten zur Abgabe seiner Wahlstimme in einem besonderen Sinne zu veranlassen, wird mit Gefängniß nicht unter einem Monat bestraft. Ausgenommen sind Hin- Weisungen auf die aus der Wahl und der Thätigkeit des Ge- wählten für die öffentlichen Angelegenheiten möglicherweise ent- springenden Folgen, auch wenn dieselben die Verhältnisse des Einzelnen berühren. Macht sich ein Beamter oder gegenüber den bei ihm in Arbeit stehenden Personen ein Arbeitgeber oder sein Angestellter der in Absatz 1 bezeichneten Handlung schuldig, fo ivird er mit Gefängniß nicht unter drei Monaten bestraft." Wer sich erinnert, welche skandalösen Auftritte bei den bis- herigen Reichstagswahlen stattfanden, wie mit Arbeitsentlassung gedroht wurde, oder welche Rolle das Bier und selbst der Schnaps spielten, wird die Berechtigung dieses Antrags, der derartige Vorkommnisse für die Zukunft unmöglich machen soll, gewiß zu- gestehen. Die Abgeordneten Liebknecht und Bracke beantragen die Annahme des§ 46 der Geschäftsordnung für den Reichstag und zwar in folgender Fassung: „Der Präsident ist berechtigt, die Redner auf den Gegenstand der Verhandlung zu verweisen und zur Ordnung zu rufen(Z 60). Ist das Letztere in der nämlichen Rede zweimal ohne Erfolg geschehen, und fährt der Redner fort, sich von der Ordnung zu entfernen, so kann die Versammlung auf den Antrag des Präii- deuten ohne Debatte beschli.ßen, daß ihm das Wort über den vorlegenden Gegenstand genommen werden solle, wenn er zuvor auf diese Folge vom Präsidenten aufmerksam gemacht ist." Ferner soll die Äeschäftsordnungs- Comm ssion beauftragt werden, Bestimmungen in Borschlag zu bringen, welche den Uebelständen, die bei den beliebten Schlußanträgen zu Tage treten, ein Ende macht. Dieser Theil des Antrages ist ganz besonders gegen den ständigen Schlußantragiteller Valentin, welcher bemüht ist, die sozialdemokratischen Abgeordneten durch seine Schlußanträge am sprechen zu verhindern, gerichtet. Valentin kommt seiner Aufgabe als„Volksvertreter" bekanntlich dadurch nach, daß er stets bereit ist, einen Schlußantrag zu stellen, wenn ein Sozialdemokrat zum Wort kommen soll. Da wir die Erfahrung gemacht haben, daß alle Anträge, welche von sozialistischer Seite gestellt wurden, auch richtig abgelehnt wurden, geben wir uns betreffs der obigen(die beiläufig schon in der vorigen Session eingebracht waren, aber nicht zur Verhandlung kamen) auch keiner Hoffnung hin. Eines aber wissen wir be- stimmt, nämlich, daß wir, wenn dieselben nicht zur Annahme gelangen, dem Volke zeigen werden, wer seine Interessen wirklich vertritt, wer das Vertrauen des Volkes und die Bezeichnung Volksvertreter verdient. — Schon wiederholt hatten wir der Berliner „Volkszeitung" ihre fabelhafte Geschichts-Unkenntniß vorzuhalten. Jetzt hat sie wieder ein hübsches Pcöbchen ge- leistet. In einem Ichimpfartikel(er ist von Bernstein, das Geschimpf also selbstverständlich) betttelt„Die Sozialisten im Reichstag" heißt es u. A., die Behauptung Liebknecht's(in seiner Orientrede), daß Frankreich 1866 Preußens Freund gewesen und ihm den Rücken gedeckt hätte, sei eine„so bodenlos un- schuldige Auffassung der Situation von 1866, daß man mit Leuten von solcher Geschichtskenntnig über auswärtige Ange- legenheiten nicht wohl debattiren könn:", und das Gelächter der Reichstagsmajorität ganz berechtigt gewesen sei. Rabbi Bern- stein hat offenbar von der Lamamora Broschüre, die erwiesener- maßen nur authentisches Material enthält, kein Sterbenswörtchen ken, eines Gedichtes von Tennyson denken, das auch unser Freiligrath markig übersetzt hat: „Ahnen!— Clara Vere de Vere,—?!— O wie mit Lächeln hoch vom Blau'n Der Gärtner Adam und sein Weib Auf all' den Plunder niederschau'n! Was adlig sein! Der ist's allein, Der wirklich edel ist und gut—! Ein Herz wiegt Grafenkronen auf— Und schlichte Treu' normännisch Blut! „Ich kenn' Euch, Clara Vere de Vere, Ich weiß es, wie Ihr lechzt und siecht! Weih, wie der Stunden Einerlei Auf Euren stolzen Wimpern liegt! Ihr strahlt. Ihr glüht— doch seid Ihr müd! Doch quält Euch, was Ihr selbst nicht wißt— So schlecht benutzt Ihr Eure Zeit, Daß Ihr wohl Ränke schmieden müßt!" Wie dies zum italienischen Elend paßt? Wer je in den stolzen Domen von Genua, Rom oder Mai- land, Neapel, Venedig, Palermo die Stuhlreihen geputzter Damen sah, die dem koketten Predigtenduett der künstlerisch nach Alter, Organ und Manier gepaarten Pfäfflein aus Langeweile zuhören und je nach dem Ende der einen Predigt rasch die Stühle ge- räuschvoll umdrehen, dem anderen neu beginnenden Redner zu — der versteht mich. Das ist das Elend Italiens— die weibliche(und männliche) Drohnenwelt! Aber ist sie bei uns nicht? Was thun unsre Gecken und Koketten Tag aus, Tag ein? „Ja, soweit ich wandernd kreiste, fand ich Elend überall! A. Prowe. gehört; er hat geschlafen, als Herr v. Bismarck 1865 i« Biarritz bei Bonaparte antichambrirte; er hat geschlafen, als Johann Jacoby am 23. August 1366 den fahnenflüchtigen Fortschrittlern die Röthe der Schaam— nicht in die Wangen trieb durch das prophetische Wort:„eine spätere Zeit erst wird darüber zu entscheiden haben, ob die Tage von Biarritz für Preußen ehrenvoller gewesen, als der Tag von Ol- mütz"; und er har endlich seine 5 Sinne nicht beisammen ge- habt, als er obigen Satz schrieb, denn sonst hätte auch bei polizeiwidriger Ignoranz der einfachste Menschenverstand ihm gesagh, daß das bismarckische Preußen, wenn es nicht der „moralischen" Unterstützung Frankreichs sicher war, keinen Mann gegen Oesterreich und das übrige Deutsch- land hätte marschiren lassen können! Und solche Know- nothings(Nichtswisser) wollen uns politische Leftionen geben!— — Nach dem für Januar dieses Jahres im Kriegsministe- rium zusammengestellten Hauptberichte der Kranken des preußi- schen Heeres, des sächsischen und württembergischen(12. und 13.) Armeekorps betrug Ende des genannten Monats die Krankenzahl 29,305 Mann oder 8,2 Prozent der Effektivstärke. Unter ärztlicher Behandlung starben 98, außer militärärztlicher Behandlung 22,'m Ganzen also 120 Mann. Bon diesen 120 waren 17 Selbstmörder. Ein Siebentel der Verstorbene« endete durch Selbstmord! Diese Thatsache, die allerdings nicht neu, dafür aber desto bedeutsamer ist, kennzeichnet die Pickel- Haubenseligkeit._ — Gleichheit vor dem Gesetz. Vorige Woche wurden in Berlin„sieben den besseren und besten Ständen anzehörige" Personen wegen schwerer Vergehen gegen die Sittlichkeit verhaftet, nach wenigen Tagen aber, als die Thatsachen so weit festgestellt waren, daß Anklage erhoben werden konnte, wieder in Freiheit gesetzt.„Die verhafteten Redakteure der„Berliner Freien Presse", bemerkt die„Berl. Fr. Pr." dazu bitter,„bleiben nach wie vor in Untersuchungshaft." Und doch sprechen in diesem letzteren Fall weit weniger Gründe für die Fortsetzung der Un- tersuchungshaft. Von unseren Parteigenossen, die ihre„Ber- gehen" nicht ableugnen, ist weder„Verdunklung des Thatbe- standes", noch— da sie keine Mitschuldigen haben— Collufion (Verabredungen, um die Justiz zu täuschen), noch auch ein Flucht- versuch zu erwarten, währeno bei jenen Sieben all' diese Mo- mente unzweifelhaft vorliegen. Aber— sie gehören der„besseren und besten" Gesellschaft an und haben blos Vergehen gegen die Sittlichkeit verübt, während die sozialdemokratischen Redakteure des todeswürdigen Verbrechens schuldig find, die Grundlagen dieser„sittlichen" Weltordnung untergraben zu haben. — Preßfreiheitliches. Bon der Criminalabtheilung deS Kreisgerichtes zu Duisburg wurde am 13. der ehemalige Redakteur der„Rheinischen freien Zeitung", Genosse C. I. Kühl, wegen„Beleidigung" mehrerer Polizeibeamten zu 150 Mark Geldstrafe ev. 30 Tagen Haft verurtheilt. Em Mitangeklagter Kleidermacher, welch-r den betreffenden Artikel eingesandt hatte, kam mit 30 Mk. Geldbuße ev. 6 Tagen Haft davon. Am selben Tage wurde in Dortmund der Redakteur der„liberalen" „Dortmunder Zeitung", Herr Kutsch bach, der bekannte ver- unglückte Sozialistentödter, wegen Beleidigung eines Oberjägers zu 500 Mark Geldbuße ev. 50 Tagen Arrest verurtheilt. Der Urheber der falschen Angabe, dem Herr Kutichbach„zum Opfer" fiel, erhielt drei Wochen Mittelarrest.„Liberaler" seits wird über diese Berurtheilung ein großes Lamento erhoben. So lange Sozialisten abgeurtheilt werden, ist's den„Liberalen" „ganz kanibalisch wohl", wenn aber einer der Ihrigen einmal „reinfällt", ist des Gezeters kein Ende. Uns fällt nur die ver- schiedene Umrechnung der G:ld- in Gefängnißstrafe auf. Der Sozialist soll für 150 Mark 30 Tage brummen, während der „Liberale" für 500 Mark blos 50 Tage zu büßen hätte. Der Erstere würde daher pro Tag 5 Mark, der Letztere hingegen 10 Mark absitzen. Erkläret mir, Graf Oerindur! zc. — Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Partei- genösse Martin Segitz und Gastwirth Fink von Fürth wurden wegen Uebertretung des Bereinsgesetzes, beziehungsweise wegen Mißbrauch der Presse angeklagt und in 1. Instanz Ersterer zu 13 Mark Geldstrafe und 1 Tag Haft, Letzterer zu 5 Mk. Geld- strafe verurtheilt. Bei der Einsprnchsverhaudlung wurden die- selben von Schuld und Strafe freigesprochen. So etwa? kommt in Deutschland freilich nur alle Jubeljahre vor. — Wozu die Soldaten zu brauchen sind. Wegen der Arbeitseinstellungen in Decazeville, einem großen Dorfe — Dem verstorbenen Genossen Nrnno Jwoff widmet die„Chemnitzer Freie Presse" folgenden Nachruf: „Früh hast Du ausgestritten, Erprobter Kampfgenoss', Und schwer hast Du gelitten, Bevor Dein Aug' sich schloß. Der Freiheit Siegespsalmen, Du hörst, ach, nimmer sie, DeS Todcs Fricdenspalmen, Sie winkten Dir zu früh. Der Jugend schönste Jahre, Du gabst sie willig hin Im Kampfe für das Wahre, Mit festem ManneSsinn. Man riß auS unser'm Kreise Dich fort zum Tribunal, Belegt' nach alter Weise Dich schwer mit Kerkerqual. Du hast sie muthig erduldet, Die Kriegsgefangenschaft, Die Dein frühes Ende verschuldet, Gebrochen die Jugendkraft. Du kamst zurück— den Schimmer Des Todes schon im Gesicht, Und dennoch ruhte noch immer Des Feindes Verfolgung nicht. „Schutzmänner" und Exekutoren Betraten Dein Krankengemach, „Fort, fort aus unseren Thoren!" Ihr strenger Ukas sprach. Du folgtest diesen Geboten, Und d'rüber brach Dein Herz— Auch Du gehörst zu deu Todten, Den glorreichen Todten deS März!" in Aveyron, Arondifscment Villefranche, mit 8600 Einwohnern, hat die französische Bourgeoisregierung militärische Maßregeln ergriffen und bat zwei Bataillone Infanterie dorthin entsendet. In Toulouse, Montaubsn und Montpellier erhielten die Com- Mandanten Befehl, Truppen bereit zu halten. Der Grund zu dieser Maßregel ist die blaffe Furcht vor der Arbeiterbewegung. Die Regierung fürchtet nämlich, daß sich die Bewegung über das ganze Becken von Aveyron, wo sich über 6000 Gruben- arbciter befinden, ausdehnen werd. Zur Unterdrückung und Jfnechtung der Arbeiter hat diese erbärmliche Regierung sofort Soldaten zur Verfügung; die berechtigten Forderungen der Erstcren sollen mit Bajonetten und Kugeln beantwortet werden; es find dies die probatesten Mittel zur Beseitigung der Roth. Wie lange sie sich noch bewähren werden, ist freilich eine an- dere Frage. — Arbeiterrisiko. Bei einer Explosion in der Kohlen- grübe zu Kearnley in Uorkshire �England) haben 44 Arbeiter den Tod gefunden. Von den in der Grube Beschäftigten konnte nicht einer gerettet werden.— Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich am 13. März auf der Werft zu Woolwich. In einem, zur Unterbringung der Hecresverpflegungsvorräthe, welche jetzt mit fieberhafter Eile geliefert werden, bestimmten hölzernen Gebäude waren Handwerker der verschiedenen Branchen mit der Vollendung des Baues beschäftigt, als dieses plötzlich zusammen stürzte und eine große Zahl der Arbeiter verschüttete. Gefähr- lich verletzt wurden zehn Mann, während mehr als zwanzig ge- ringere Verwundungen erlitten. — Aus der„freien" Schweiz. Dem„Grütlianer" wird aus Siruach geschrieben, daß mit Ausnahme einer einzigen Firma, sämmtliche Fabrikanten das Fabrikgesetz übertreten. In mehreren Fabriken, welche dem genannten Gesetze unterstehen und in welchen daher nur 11 Stunden gearbeitet werden sollte. Wird lustig 14, sage vierzehn Stunden fortgearbeitet. Das genannte Blatt zählt Fabriken auf, in welchen an Sonnabenden elf Stunden gearbeitet wird, obschon das Gesetz vorschreibt, daß an diesen Tagen nur 10 Stunden gearbeitet werden darf. In einer Spinnerei wurde den Arbeitern, welche bei zwölfstündiger Arbeit Fr. 1. 60(— Mk. 1.30) Lohn erhielten, für die Stunde, welche laut Gesetz in Abfall kommt, 20 Rappen(— 16 Pf�) ab gezogen. Trotz dieser eklatanten Gesetzesverletzungen fühlt sich teine Behörde veranlaßt, einzuschreiten und dem Gesetze Achtung zu verschaffen. Der Bundesrath läßt sich mit der Anstellung von Fabriksmspettoren auch Zeit und ermöglicht den Protzen das Ausbeutungshandwerk.„Ganz wie bei uns". Die Gesetze gegen die Ausbeutung der Kinderarbeit z. B. find in Deutschland nderen Ländern, aber— fie Correspondenzen. bekanntlich Keffer als in vielen anderen Ländern, aber— werden nicht aehandhabt, wie die jüngsten Berichte der Fabrik- inspektoren anklagend konstattren. — Eine Volks-Versammlung mit dem Thema:„Der 18. März", welche am 20. d. M. in der Tonhalle zu Leipzig abgehalten werden und in der Liebknecht sprechen sollte, ist in der letzten Stunde von der Polizei verboten worden. Gründe noch unbekannt. Weiteres folgt. — Die„Rheinislbe Freie Zeitung-(Duisburg) zeigt in einer, vom 16. d. M. datirten Erklärung an, daß sie ihr Weitererscheinen einzustellen genöthigt ist. Als Gründe werden angegeben: die Verurtheilung Strumpen'S, der als Redakteur und Agitator nicht sofort zu ersetzen war, und der schlechte Ge- schästsgang. Dafür, daß das Eingehen der„Rheinischen Freien Zeitung- an Ort und Stelle keine nachtheiligen Folgen habe, ist gesorgt. — Parteigenosse Klute, der eine längere Haft in Zeitz verbüßt, hatte vor mehreren Tagen in Spremberg, wohin er abgeliefert wurde, Termin in einem neuen Prozeß wegen„Be- fchlmpfung der christlichen Kirche und Gotteslästerung". Der Staatsanwalt beantragte die Kleinigkeit von 12 Monaten; der Gerichtshof erkannte wegen„Gotteslästerung" auf 3 Monate Gefängniß und sprach ihn von der anderen Anklage ftei. — Man übersendet unS folgenden Appell an die Gerechtigkeit und das öffentliche Gewissen. In dieser Stunde, wo die europäischen Mächte sich mit der Ordnung der orientalischen Frage beschäftigen, nachdem sie die rücksichtslose Verletzung der Verträge des internationalen Rechtes und die Uebergriffe Rußlands geduldet, hat eine Natton, die sich mit weit mehr Wahrheit als die slavischen Völker der Türkei eine unterdrückte nennen kann, das Recht ihre Stimme zu erheben. Im Namen der bürgerlichen und religiösen Freiheit, der Autonomie und der llr<,bhängigkeit der slaviscken Bevölkerungen hat Rußland mit eigennützigen Zwecken die Türkei bekriegt, deren Untergang es herbeiführen will. Die Welt weiß, wie viel die feierlichen Erklärungen und Versicherungen Rußlands Werth find. Emanzipation will sagen Einverleibung und Russifiznung; Ach hing der Freiheit bedeutet gewaltsames Aufdrängen einer Ratio- nalität und einer Religion. Die Hinrichtungen in der Türkei kennzeichnen die sogenannten Befreier hinreichend. Verhielt es sich anders, so würde Rußland, bevor es sich mit der Emanzi Patton der Elaven auf der Balkan-Halbinsel beschäftigte, daran denken, den Slaven in Polen ein unerträgliches Joch abzunehmen — aber nein— es zerstört prinzipiell die Nationalität, die Institutionen und die Religion von Millionen, richtet das Land zu Grunde und giebt es der Verwaltung von Menschen preis, die es bei fich zu Hause los werden will; ja es scheut fich nicht vor Grausamkeiten, wie die Ermordung der Unirten in Podlachien und die Verbannung von Hunderten nach Sibirien. Wenn sich die europäischen Regierungen um das Laos von weniger unterdrückten und weniger civilifirten Völkerschaften kümmern, können fie nicht gleichgiltig bleiben gegen die Schicksale einer Nation, die Jahrhunderte hindurch große Dienste leistete, deren Zerstückelung die Ursache vieles Schlimmen war und von der Geschichte verurtheilt wurde. Die Logik der Dinge und die allgemeine Sicherheit fordern, daß hier Recht geschafft werde. Wird es geschafft, so ist damit eine wirksame, die einzig mögliche Schranke gezogen gegen Rußlands Ehrgeiz und Straflosigkeit. Polen wird seine gute Sache nie aufgeben. Bei jeder Ge- lcgeuheit wird es Protest erheben gegen die Ungerechtigkeit, die Unterjochung, die Beraubung, gegen die Gewalt, die das Recht unterdrückt, aber es nicht auf immer wird unterdrücken können. Heute wie früher oppcllirt es an die Gerechtigkeit und an das öffentliche Gewissen. Villa Broelberg bei Zürich, 14. März 1878. Graf Ladislas Plater. Aerkin.(Zur Versammlungsfreiheit.) Zur Erinnerung an �>en 18. März sollte am vergangenen Sonntag(17.) in Berlin im großen Gartensaale des Tivoli- Etablissements eine Volksversammlnng abgehalten werden. Es hatten sich zu derselben an 5—6000 Menschen eingefunden, was zur Folge hatte, daß der lange Saal sehr gefüllt war und viele der An- wesenden um die Rednertribüne herum Platz nahmen, um besser hören zu können. Als der Einberufer die Versammlung eröffnete, wurde er von dem mit der„Ueberwachung' derselben beauftragten Polizeilieutenant Pfeifer mit der Frage nach der Polizei lichen Bescheinigung unterbrochen, welche auch vorgelegt und als richtig befunden wurde. Nach der Eröffnung verlangte derselbe Beamte, daß von dem Eingang nach dem Bureau und ebenso von den Seiten des Saales ein Gang frei gehalten werde. Die Versammlung wurde vom Vorsitzenden aufgefordert, diesem polizeilichen Wunsche nachzukommen. Die der Thüre zunächst Sitzenden begannen auch sofort die Tische hin auszuräumen. Da aber immer mehr Besucher kamen, ging die Räumung langsam vor sich und es war nicht möglich, im Handumdrehen den ge- wünschten Gang frei zu halten. Es muß hier ausdrücklich er- wähnt werden, daß sich die so zahlreich Versammelten ruhig verhielten und, um der Polizei keinen Anlaß zu einer Auflösung zu geben, dem sehr sonderbaren Befehle des Polizeibeamten nach kamen. Trotzdem erklärte dieser inmitten der allgemeinen Thätig- keit, nach Verlauf von nur einigen Minuten, die Versammlung für aufgelöst. Auf die Frage des Vorsitzenden nach dem Grunde dieser unerhörten Maßregel, antwortete der Beamte: Das Polizeipräsidium iverde darauf antworten. Es ist leicht begreiflich, daß die Anwesenden über ein derartiges Verfahren erbittert waren und ihren Gefühlen Ausdruck gaben. Hochs auf verschiedene Personen und den Erinnerungstag der Frciheits kämpfe(18. März) wurden ausgebracht und unter den brausenden Klängen der Arbeiter- Marseillaise verließen die Anwesenden den Saal, an dessen Ausgang, wie durch ein Wunder, eine größere Anzahl Schutzleute erschienen war und Spalier machte. Im Saale selbst wurde eine größere Anzahl geheimer Polizisten und flhr bekannter höherer Beamten der Kriminalpolizei bemerkt. In langen Zügen gingen die„Aufgelösten- die Bellealliance- straße hinunter, wurden aber sehr häufig von Schutzmannschafts- abtheilungen belästigt. Fast hatte es den Anschein, als ob der Krähwinkel'sche Staaterettungsgrundsatz:„Wo Zweie bei ein anderstehn, da muß man auseinandergeHV, hätte zur Durch- fübrung kommen sollen. Die Schutzmannschast Berlins schien sich in jenem Stadttheile ein Renäe? vouo gegeben zu haben, denn>vo man hinblickte, sah man die Pickelhauben der„Wächter der öffentlichen Ordnung". Im Publikum war allgemein die Ansicht verbreitet, daß es fich um eine Provokation gehandelt habe. Gewissen Leuten, denen bei Gelegenheit des Begräbnisses des Genossen Heinsch der Schreck in die Glieder gefahren ist, wäre nichts erwünschter als ein kleiner Krawall, bei welchem man die„schießende Flinte" und den„hauenden Säbel" erproben könnte. Die Sozialisten find aber zu geschult und wissen ganz gut, daß durch Putsche nichts zu erreichen ist; die stillen Hoffnungen, die etwa gehegt wurden, haben fich nicht erfüllt und ist verschiedenen Leuten das Vergnügen einer regelrechten Sozialistenbatz verdorben worden. Der Besuch der Gräber im Friedrichshain war ein schwacher, woran das regnerische Wetter einen Theil der Schuld trug. Außerdem haben die Berliner Sozialdemokraten am 10. März und bei der letzten Versammlung gezeigt, wie das Volk seine Todten ehrt. ZZreskau. Parteigenossen! Durch den Tod des Reichs- tags-Abgeordneten für den Kreis Miliffch-Trebnitz veranlaßt, wird in diesem Wahlkreis am 8. April o. eine Neuwahl statt- inden. Die Breslauer Parteigenoffen haben beschlossen, auch n diesem Wahlkreise für einen Kandidaten unserer Partei Pro- zaganda zu machen, rcsp. fich an der Wahl zu betheiligen. Die Wahl-Agitatton bietet uns am besten Gelegenhett, unsere Prin- zipien zu verbreiten, doch hat namentlich in den Kreisen rechts der Oder gelegen bis jetzt für die Verbreitung derselben wenig geschehen können. Die Wahl bietet uns nunmehr Gelegenheit, einen Schritt vorwärts zu thun. Können wir uns auch keine großen Erfolge versprechen, so dürfen wir doch keine Gelegenheit unbenutzt vorübergehen lassen, um dem Volke klar zu machen, daß unsere Partei die einzige und wahre Volkspartei ist, daß seine Partei, außer der unsrigen, die Volksrcchte vertheidigt und �"ält! Us Kandidat ist Genosse Julius Kräcker in Breslau auf- gestellt. Parteigenoffen! Wie Ihr wißt, ist jede Wahlbethcili- pung mit großen Geldkosten verknüpft. Es ergeht deshalb an Euch der Ruf, auch für diese Wahl, so weit es Euch möglich ist, dadurch einzutreten, daß Ihr unS durch Geldmittel unter- tützt. Versäume Keiner, seine Pflicht zu erfüllen. Alle Gelder ür diesen Zweck find zu senden: An Schriftsetzer Paul Strempel, Breslau, Schuhbrücke 42. Das Wahl-Komitö für den Kreis Militsch-Trebnitz. Altona, 12. März.„Die gegenwärtige Reichstagssession- lautetc das Thema eines Vortrags, welchen der ReichstagSab- geordnete Hasencleoer am Sonnabend in Kappelmann's Salon hielt. Der Referent beleuchtete Eingangs semer Ausführungen den nahen Zusammenhang, welcher zwischen der politischen Welt- läge und den gewerblichen Verhältnissen besteht, und ging sodann zu den Hauptmomenten der augenblicklichen S-ssion über. Die Orientdebatte, speziell die russenfreundliche und nicht durch be- sondere Bedeutung ausgezeichnete Bismarck'sche Rede, erfuhr eine ausführliche Kritik. Eine gleichfalls scharfe Besprechung ließ Genosse Hasenclever dem bei jener Gelegenheit vom Reichskanzler gethanen Ausspruche:„die Sozialisten erstreben nichts Positives- — angedeihen. Dann wandte sich der�V ortrag ende zu unseren augenblicklichen Steuerverhälwissen, den Steuerdebatten im Reichs- tage, dem Tabaksmonopol, welches uns bereits aus der Ferne winkt, und entwickelte in kurzen Umrissen das System einer ver- nünftigen und demokratischen Steuerpolitik. Den Debatten über die Gewerbeordnung, der Stellvertretung des Reichskanzlers, den verschiedensten Anträgen der sozialdemokratischen Frattion wurde eine kurze, aber präzise und theilweise schneidige Be- Handlung zu Theil. Der streng logisch gegliederte, sowie allge- mein verständliche und feflelnde Vortrag erntete stürmischen Bei- fall. Nach einer kernigen Aufforderung des Genossen Brückmann an die Anwesenden, sich in den Altonaer Volksverein aufnehmen eine Umstand, daß Sie den handelnden Personen, die doch lauter gute granzosen darst-llen sollen, echr deutsche Namen beilegen, läßt erkennen, daß Sie zum Bühnendichter untauglich sind.— R. F. in Württen- berg: Im Prinzip sind wir dafür, daß Jemand, der religionslos ist, dies auch durch den Austritt aus der Kirche, der er angehört, b-kunde. Wenn aber der Austritt aus der Landeskirche erfolgt ist, und der Aus- getretene tritt zur„freien Gemeinde" über, so wechselt er nur das Gewand— er bleibt in einer, und oft sehr unduldsamen Religionsgemein- schaft. Fordern aber Sozialdemokraten zum Massenaustritt aus der Kirche auf und wollen mit den Ausgetretenen eine„freie Gemeinde" noch besonders bilden, so verstößt solches Vorgehen nicht allein gegen unser Programm, sondern schädigt auch direkt unsere Sache, da durch derartige freigemeindlertsche Nebensächlichkeiten der Bück der Genossen von den eigentlichen Zielen der Sozialdemokratie abgewendet wird, und sie in der Agitation für dieselben erlahmen. Wo immer solche Erschei- nungcn zu Tage treten sollten, bitten wir unsere Genossen, denselben entgegenzuarbeiten.— C. I. K. in D.: Sie schreiben an unS:„Der unterzeichnete Parteigenosse bittet per Briefkasten des„Vorwärts" um eine Erklärung darüber, ob, abgesehen von allen und jedweden Neben- umständen, es sich mit dem sozialdemokratischen Prinzip verträgt, daß derjenige Sozialist, welcher 1) sich um ein Armenrecht beworben hat (z. B. behufs Führung eines Prozesses) und welcher 2) solches Armen- recht erlangt hat, das Ehrenamt und den Vertrauensposten eines Agen- ten der sozialistischen Arbeiterpartei bekl-iden darf; zweitens, ob eS stillschweigend Pflicht der übrigen Parteimitglieder ist t) einen Agenten, bei dem Obiges der Fall, sofort seines Amtes zu entkleiden, 2) den- selben für so lange überhaupt als Parteimitglied auszustoßen, als er, in Folge des genosseneu Armenrechts, an der Ausübung der ihm sonst zustehenden staatsbürgerlichen ic. Rechte behindert ist? Mit sozial« demokratischem Gruß— Ohne der Entscheidung der betreffenden Mitgliedschaft und der Parteibehördcn irgend vorgreifen zu wollen(die näheren Umstände des von Ihnen vorgeführten Falls sind unS nicht bekannt), müssen wir unsere Ansicht dahin aussprechen, daß eS gegen die Prinzipien unserer Partei verstoßen würde, ein Mitglied, welches in irgend einer Form Armenunterstützung genossen hat, deshalb von irgend einem Parieiamt oder gar aus der Partei auszuschließen. Haben Sie vergessen, daß die B.stimmung des Reichswahlgesetzes, welche Empfänger von Armenunterstützung de» Wahlrechts beraubt, von unserer Partei stets als eine schwere Ungerechligkiet gerügt und bekämpft wurde? R. d. B. der Expedition. Annds Norden: Bestelltes abges., M. 1,30 in M. einsende». Der Aufruf verschollener Personen ist mit Kosten ver- knüpft.— Schnz Bockenhe m: Von uns können Sie beziehen: Lohn- beschlagnahme, Freizügigkeits- uno Haflpsticht-Gesetz. Quittung. Nkrchnr hier Schr. 4,00. Jnk Sorau Ab. 9,65. Schlz hier Ab. 4.00. Verein Lassollca Halle An 2,40. Elsholz Rü- dersdorf An. 0,60. Tbl Dortmund Ab. 29,05. Schmdt N.viges Ab. 15,00. E. Mhrhnn Barmen Ab. 102,50. Schnk Connewitz Schr. 11,35. Fnk Linden Schr. 6,80. Mllr Verden Ab. 21,50. Wttngl Rostock Schr. 17,35. Ullrch hier Ab. 35,70. F. Wse Chriftophsgrund Ab. 30,00. Ullrch Meuselwitz Schr. 15,00. Brng Delitzsch Ab. 3,40. Wlthr Kiel Ab. 80,85, Schr. 17,10. Schrnr Lübeck Ab. 7.50. Zchrds Herrmannstadt Ab. 4,00, Ufrt Apolda Ab. 8,00, Wlz Reutlingen Schr 16,50. Albrtz Esslingen Ab. 15,00. Mrtn Schmölln Schr. 8,30, Druck 21,25. Dr. Eppstn hier Schr. 61,95. Lngr Kesselsdorf Schr. 1,00. Stnbra Königsberg Schr. 0,70. Hhsl Ziegenhals Schr. 1,20. Dr. Brtgm Straßburg Ab. 2,40. Bllr Heidenheim Schr. 1,20. Ws Hagen Schr. 6,60. Gldbrg hier Schr. 4,t5. Bttchr Golzow Schr. 2,75. Lw Berlin Schr. 0,80. Rth Heidelberg Schr. 0 50. Kindlr Arnsdorf Schr. 4,00. Frankfurt a. M. Um mehrfach vorgekommene Mißverständ- nisse zu beseitigen, erkläre ich, daß die mit- o— gezeichi eten Frankfurter Correspondenzen des„Vorwärts" nicht von mir verfaßt sind. (Wird bestätigt. R. d. B.) Frankfurt a. M., 18. März. A. Sabor. Hückeswagen. Die hiesigen Parteigenossen werden ersucht. Sonn« tag, den 24, März, Vormittags t/,I1 Uhr, zu einer wichtigen Bespre« chung zu erscheinen. Aug. Breidenbach. Fonds für Gemaßregelte. E. Rüdersdorf 0,30. zu lassen, schloß Genosse H. Lenfch die von über 3000 Personen besuchte Versammlung. .AI» Vermählte empfehlen sieh: Maria Leppla geb. Berberich Wilhelm Leppla, Schneidermeister. Kaiserslautern im März 1878. _____________________[1,20 Sonntag, den 24. März, von Abends 8 Uhr jpiUUllJvLt. an im BereinSlokal, Mittelstraße 11: s1,20 �.dvQchrtnbsrttaltrtUK. Zu zahlreichem Besuch ladet ein H. Rudolph. Soeben erschienen und durch uns zu beziehen: Waldverwüstung und Ueberschwemmung. Ein Kapitel der Grund- und Bodenfrage, Von Heorg Kollmar. Preis pro Exemplar.5 Pfennig. Die Buchhandlung des„Vorwärts�. Durch uns ist zu beziehen: Zas lebensgroße Brustbild Ferdinand Lassalles. Lithographie(79 Ctm, hoch, 63 Cim, breit) in gelungener Ausführung. Preis pro Bild einschließlich Verpackung 3 Mark gegen baar oder P ofivorschuß. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Die Expedition des„Vorwärts". Durch uns ist zu beziehen: Die bürgerliche Gesellschaft. Ein Bortrag gehalten vor freireligiösen Arbeitern deS Wupperthals in Elberfeld-Barmen von Joseph Dietzgen. Preis 10 Pf. Die Expedition des„Vorwärts". Briefkasten der Redaktion. A. S. in I. b.H.: Substantiiren heißt in obigem Falle: Ihrer Klage eine genaue Rechnung über dasjenige beizulegen, was Ihnen dcr Betreffende schuldet.— B. B. Kbg. Wird Aufnahme finden.— R Fr, in Gr.: Brief angekommen. Wir können Ihnen nur den wohlgemeinten Rath ertheiien, Ihre geistige Befähigung aus anderen Gebieten als auf dem der Schauspwld.chtung zn erproben. Schon der Wir empfehlen unseren Filialen, Colpor- teuren und Parteigenossen als Material zum Sammeln von Abonnenten auf Die Neue Welt statt Prospekte, überzählige Numniern aus den früheren Jahrgängen gratis. Leipzig. Expedition der„Neuen Welt". Färberstraße 12. II. Beran>wortl,cher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz. Leipzig. Redakttou und Expedition Färbersttoße 12. ll in Leipzig. Druck und Verlag der Seneffensch-tttbuchdruckern in Le-pzig.