Nr. 87. Abonnemtitts-Kedingungen: «bonnementS-Pr«iZ pränumerando! «ierleljährl- 3L0 MI., monall. l.lOMI., wöchenllich 28 Pfg. fret in« Hau». ffilmetne Nummer 5 Pfg. Sonntags« Nummer mit Mulirterier Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post« Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal, Eingetragen in der Post- ZeitungZ« Preisliste für 1900 unter Nr. 7971. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland 3 Mark pro Monat. Erscheint täglich nutzer Zvontag«. Devliner Volksblakk. 17. Jahrs. Die Jnsertions- Gebühr Deträgt für die fechSgefpaltene Kolonel« zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anseigeu" jedes Wort 5 Pfg. (nur daS erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS i Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen di» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher z Ami l, vr. 1503. Telegramm- Adresse: „Sorieldemokrat verlin" Centrawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beukh-Stratze 2. Freitag, den 13. April 1900. Expedition: SW. 19, Veukh-Skeafze 3. Des Karfreitags wegen kann die nächste Nummer unsres Blatts erst am Sonntag erscheinen. Das Jahres-Ergebnis der amtlichen Streitstatistik. Die Kritik, die der„Vorwärts" an den vorläufigen Er- gebnissen der amtlichen Streikstatistik bisher geübt hat, wirkte nicht nur über den Wert dieser Statistik aufklärend, sondern auch auf die Erhebungen selbst bessernd ein. Das hat, wenn auch in verklausulierter Form, bei der zweiten Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern der Direktor Dr. v. Wödtke zugestanden. Er wies auf die mehrfachen „Angriffe", die die vierteljährlichen Nachweisungen des Statistischen Amts vom„Vorwärts" erfahren hätten, hin und meinte, sie hätten sich in sehr vielen Fällen als irrtümlich herausgestellt, fuhr aber fort:„Zum Teil waren sie freilich berechtigt; in vielen Fällen ergab aber eine genaue Nachforschung, die jedesmal vorgenommen ist, daß die Angriffe unrichtig oder übertrieben waren." Das eine Gute bleibt auf alle Fälle, daß selbst Zweifel im Rcichsamt des Innern an der Richtigkeit und Objektivität der Nach Weisungen entstanden sind. Denn schon während des ersten Jahrs der Erhebungen hat man sich zu einer Reihe von Konzessionen an die im„Vorwärts" aufgestellten Forderungen bequemt. Man hat einmal vorgeschrieben, daß bei jedem Streik nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch die Arbeit nehmer gleichzeitig gehört werden müßten. Außev dem sollen auch die Gewerbe- Aufsichtsbeamten zugezogen werden. Ferner ist am 24. Oktober v. I. ein Rundschreiben des Staatssekretärs des Innern ergangen, wonach die Orts- Polizeibehörden ausdrücklich darauf hin- gewiesen werden, daß nicht nur diejenigen Personen zur sofortigen Arbeitsniederlegung berechtigt sind, die ihr Arbeits- Verhältnis ohne Kündigung lösen können, sondern auch die- jenigen, welche durch ordnungsmäßige Kündigung ihr Arbeits- Verhältnis so rechtzeitig gelöst haben, daß sie an dem Tage, an dem der Streik ausbrach, gleichfalls zur sofortigen Arbeits- niederlegung berechtigt waren. Bis zum Erlaß dieses Rund- schreibens war es nicht ausgeschlossen, daß solche Arbeiter als kontraktbrüchig vermerkt wurden. Noch immer sind indessen durch diese Konzessionen die Erhebungen nicht so gestaltet, daß die Streikstatistik ihres arbeiterfeindlichen Charakters entkleidet wäre. Direktor v. Wödtke meinte, es handle sich darum, eine o b- jektiv e Statistik zu machen, und um eine solche zu erhalten, wären die Organe des Staats die geeignetsten Stellen und an erster Stelle zu berücksichtigen. Wir sind mit dieser Auf- fassung ganz einverstanden, haben auch nie in unsrcn An- griffen gegen die amtliche Statistik eine andre Stellung ein- genommen, wir haben vielmehr immer nur beniängelt. daß die offizielle Statistik trotz des amtlichen Charakters in ganz erheblicher Weise diese geforderte Objektivität verletzte. Wozu, fragen wir, hat man es für nötig befunden, gerade in den vorläufigen Nachweisungen die Zahl der Kontraktbrüchigen schon anzugeben, obgleich gerade die Prüfung in jedem einzelnen Fall bei dieser Rubrik besonders gewissenhaft zu erfolgen hat, und dies bei der vorläufigen Feststellung gar nicht ge- schehen kann. Man hat ja sonst andre für Streiks wichtige Feststellungen in die vorläufigen Ergebnisse nicht aufgenommen. Und warum hat man ferner bei der Erhebung durch die Unterbehörden nicht Vorsorge getroffen, daß gerade die Frage des Kontraktbruchs in objektiver Weise entschieden wird? Wir haben nie verlangt, die Arbeiter oder Arbeitervereinigungen allein sollten eine solche Feststellung treffen, wir haben viel- mehr den Vorschlag gemacht, die Feststellung der Kontrakt- brüchigkeit durch die Gewerbegerichte und dort, wo solche nicht bestehen. durch eine sä boo eingesetzte Kommission erfolgen zu lassen. Verletzt man mit einer solchen Forderung etwa die Objektivität? Nein, man wehrt sich nur gegen Feststellungen, die einseitig durch die Arbeitgeber beeinflußt sind. Wir haben in dieser Beziehung bei unsrer früheren Kritik der amtlichen Streik- statistik hinreichendes Beweismaterial erbracht. Wenn jetzt in maßgebenden Kreisen die Erkenntnis dämmert, daß es falsch ist, eine Streikstatistik eb irato(aus Geärgertheit) zu unternehmen, so soll das uns im Interesse einer guten objektiven Statistik freuen. Aber verschwiegen darf es auch heute noch nicht werden, daß das Motiv zur Aufnahme der Streikstatistik aus dem Geiste der Zucht- Hausvorlage hervorgegangen ist. Soll die Streikstatistik un- parteiisch und objektiv geführt werden, so sind wir die ersten, die trotz unsrer bisherigen Angriffe diesen Charakter der amt- lichcn Erhebungen begrüßen werden. Was die bisherigen Veröffentlichungen der amtlichen Statistik anbelangt, so liegen die vorläufigen Ergebnisse nun- mehr für die ersten vier Vierteljahre vor und ermöglichen dadurch einen Ueberblick über die Gesamtzahl der im Jahre 1899 stattgefundenen Streiks. Aus nachstehender Tabelle ergiebt sich die Zahl der Ausstände, die Zahl der Streikenden «nd die in der amtlichen Streikstatistik als kontraktbrüchig bezeichneten Arbeiter für das gesamte Reich sowohl als auch für eine Reihe maßgebender Gewerbe. Deutsches Reich. darunter: Baugelverbe.... Textilindustrie.». Steine und Erden.. Maschinen 11. Apparate Bekleidung u. Reinigung Nahrungs- und Genuß- mittel..... £ G 1297 443 109 103 85 64 52 !t.2 Ö K l. & 7113 3111 172 218 156 757 l-SS LAß <2 c; 1928 1023 33 89 30 200 10 "j- "cT£-5 N 240 246 61375 27 938 9 355 24 374 6 804! 7004 <3 Z &£ 98 304 35 924 11377 5 788 4 721 4 741 3 036 -ff => a 5 C 27 017 3114 5 323 1520 1355 712 547 In diese Gesamtzahl der Streiks sind von uns auch die zu den einzelnen Vierteljahrs-Nachweisungen gegebenen Nach- träge hineingearbeitet worden: nicht etwa aus Anlaß des Vor- Wurfs, den uns Direktor v. Wödtke gemacht hat, daß wir auf diese Nachträge bisher keinen Bezug genommen, sondern sie einfach ignoriert hätten, sondern treu unsrer Gepflogenheit, bei den jeweiligen Zusammenstellungen und Ausführungen auch die Nachträge zu berücksichtigen. Eine genaue Lektüre der von Dr. Wödtke angezogenen Artikel des„Vorwärts" ergiebt dies. Entsprechend dem lebhaften Geschäftsgang in Industrie und Handel, mit Rücksicht auf die zunehmende Rentabilität des industriellen Kapitals sahen sich die Arbeiter im vergangenen Jahre besonders häufig veranlaßt, zu Ausständen zu schreiten, da die Arbeitgeber von selbst zu Lohnerhöhungen sich nur selten verstanden. So ist klar, daß die Zahl der Streiks im Jahre 1899 größer war, als in den vorhergegangenen Jahren. Außerdem ist aber zu bemerken, daß die amtliche Statistik selbstverständlich bei ihrem vollkommenen amtlichen Erhebungs- apparate, der sich bis in jeden einzelnen Ort des Reichs er- streckt, die Zahl der Ausstände genauer erfassen kann, als es einer privaten Streikstatistik möglich ist. Weder die Streik- aufnahmen der Berliner Halbmonatsschrift„Der Arbeitsmarkt" noch die Streikstatistik der Generalkommission der GeWerk- schaften erreichen in Bezug auf Vollständigkeit der Zahl die offizielle Streikstatistik. Infolgedessen ist auch ein Vergleich mit den Vorjahren nur schwer durchzuführen. Immerhin ergiebt nachfolgende Uebersicht der Streikbewegung im Deutschen Reich innerhalb des letzten Dezenniums insofern ein richtiges Bild, als 1899 sicherlich das Rccordjahr während dieser Zeit ist. Die Zahl der Streiks und der beteiligten Personen für die Jahre 1890—1898 ist der gewerkschaftlichen, für das Jahr 1899 aber der amtlichen Streikstatistik entnommen: April. politische Mebevlichk. Berlin, den 12. Agrarische Stimmungen. Der Bund der Landwirte ist in der Frage der Flottenvorlage geschoben worden, anstatt zu führen. In den ersten Zeiten tappte er ziemlich hilflos zwischen einem patriotischen Ja und einem notleidenden Nein. Bei den Etatsberatungen im Reichstag kain noch gar keine kon> servativ-agrarische Opposition zum Ausdruck. Im Gegenteil: die bloße Berührung der Deckungsfrage wurde von konservativen Wortführern als unpatriotisch zurückgewiesen. Die höfischen Rücksichten waren noch sehr stark. In der ersten Lesung der Flottenvorlage fanden sich schon einige Aeußerungen des bedenklichen Unntuts, wenn man auch das Wort von der gräßlichen Flotte zu verleugnen suchte. Inzwischen aber hat die agrarische Stimmung im Land die BundeShäuptliugc immer mehr zu der Ueberzeugung gebracht, daß Agrarier, die mit der Parole„Für die Flottcnvorlage" in den Wahlkampf ziehen würden, von ihren Wählern verlassen werden würden. Und so läutet man denn jetzt Sturm, wenn man auch vor der ehrlichen Aus« spräche der eigentlichen Herzensmeinung:„Nieder mit der Flotte" feige zurückschreckt. In welcher Weise der Bund der Landwirte gegenwärtig agitiert, dafür bietet eine Versammlung in Mörs einige charakteristische Er- scheinungcn. Man unterhielt sich daselbst über Fleischbeschau, Flotten- Vorlage und andre agrarische Beklemmungen. Herr Dr. Hahn war der Wortführer, aber die noch unverantivortlicheren Größen des örtlichen AgrariertumS überholten ihn weit in ungeschminkter Be- kundung ihrer Abneigung gegen Regierung und Flotte. Zunächst wütete man gegen die konservativen Parteiführer, die in der Fleischbeschaufrage ein Kompromiß mit der Regierung machen wollen. Der Bericht der„Rhein. Volksstimme" erzählt: Landwirt Codes kann dem Vorschlage der Herren v. M a n» t e u s f e l, v. Mirbach und Graf jk l i n ck o iv st r ö in, das fremde Pökelfleisch vom Einfuhrverbot ailszunehmen, nicht zu» stimme n. Dann verzichte man lieber auf das ganze Gesetz... Man habe den Kommerzienrat Vor st er- Köln in den Landtag gewählt, und nun habe er als Mitglied der Kölner Handelskamnier gegen das Fleischbeschaugesctz zweiter Lesung mitprotestiert, also gegeii die Mehrzahl seiner Wähler Stellung genommen. Ja. einen solchen Herrn ivollte man sogar in den Reichstag wählen.(Viele Stimmen: Nicht mehr'!)' Er wolle dem Herrn nicht nahetreten, allein ein Kommerzienrat sei kein geeigneter Vertreter eines meist ländlichen Wahlkreises. Dr. Hahn: Er glaube nicht, daß die Herren Manteuffcl, v. Mirbach und Graf Klinckowström für ihr Kompromiß viele Proselhtcu machen werden. Erstere beide Herren gehörten zudem dem Reichstage nicht mehr an. Es freue ihn, daß die hier ver» sammelten rheinischen Landlvirte, die so dicht bei der Industrie wohnen, ganz der Meinung des Bundes der Landwirte und der übrigen Bauernvereinigungen in der Fleischfrage sind. Auf ihre Meinung giebt man in Berlin vielleicht mehr als auf die unsrige, die ostelbischen Agrarier würden ja stets als einseitig und maßlos fordernd bezeichnet.— Landwirt Meyer spricht sich ebenfalls mit aller Entschieden- hcit gegen ein Kompromiß in der Fleischbeschaufrage aus. Alles oder nichts, heißt es hier. Die Landwirtschaft wolle nicht mehr Aschenbrödel spielen. Insbesondre wäre es gut(Redner ist evangelisch), wenn die Bauern sich durch religiöse und religiös-politische Fragen nicht abhalten ließen, in wirtschäfts- politischen Angelegenheiten zusammenzugehen. Alle christlichen Bauern, katholische und evangelische, sollten hier eine g e- schlösse ne Phalanx bilden.(Stürmischer Beifall. Dr. Hahn freut sich über jene Auslassungen, wonnt widerlegt werde, daß er die Bauern aufhetze. Sie seien unzufrieduer, als die Regierungen ahnen. Darauf wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der das Fleischbeschaugesctz, wie es in ztvciter Lesung des Reichstags gestaltet sei, als Minimum erklärt wird. Nun kam man zur Flotte. Dr. Hahn erklärte sich für die Flottcnverntehnmg, aber nur unter mannigfachen„Voraussetzungen", insbesondere müßten erst die Forderungen der Landwirtschaft erfüllt worden sein. Es entspinnt sich nun eine lebhafte Diskussion über diesen� Gegenstand. Landwirt C o d e s war erst flottcnfreundlich, ist aber jetzt infolge der üblen Behandlung der Landwirtschaft durch die Regierungen andrer Ansicht geworden. Er neige der Anficht zu: Kein Flrischbeschan-Gesetz, keine Flotte!(Allgemeines Bravo!) Laudivirt Hagelforster spricht sich im Sinn des Herrn Codes aus. Landwirt Mayer empfiehlt, gegenüber dem Flottengesetz dieselbe Stellung wie Industrie, Handel und Schiffahrt gegenüber dem Fleischbeschau-Gcsctz einzunehmen.(G r o ß e s B r a v o!) Dr. H a h n konstatiert die Abneignng gegen die Flottenausgaben. Er begreift sie aber. Hätten die Regierungen innerhalb des letzten Jahrzehnts die Interessen der deutschen Landwirtschaft wärmer geschützt, so hätte sich eine solche Stimmung in dem kon- servativsten und zuverlässigsten Teile der Bevölkerung gar nicht herausbilden können! So hat nian aber nur schöne Worte für die Landwirtscbaft. Thatsächlich Ivird aber nach liberal- manchesterlichen Heften verfahren. Er schließt mit der Auf- forderung, an Stelle der liberalen die agrarische Presse zu unter- stützen, auch fortgesetzt neue Mitglieder für den Bund der Land» Wirte zu werben. Mit einem Kaiscrhoch wurde die Versammlung geschlossen. Die Rheinische Volksstimme", das klerikale Blatt des rheinischen Bauern» vcreinS, zieht aus den Aeußerungen Dr. Hahns den Schluß:„Ab» lchnung der Flottenvorlage", denn die Vorlage sei eingebracht, weil man internationale Politik treiben will,„und darum hilft der» enige, der die Flotte bewilligt, Deutschland in das Meer dieser internationalen Politik hineinsteuern, in der die deutsche Landwirtschaft untergehen wird." Doktor Hahn, sagt daS agrarische CentrumSblatt, hat den Nagel auf den Kopf getroffen mit seinem berühmten Wort: Gräßliche Flotte! Das ist die Wahrheit von der Flottcnbcgeisterung auf dem Lande. Kein Wunder, daß die bürgerlichen Parteien, von den Kon- ervativen bis zum Ceutrum, sich eifrigst bemühen, das Flottengesetz ertig zu stellen, und daß die Regiermig in der Frage der Kosten- dcckung allerhand Scheinkonzessionen bewilligt. Eine Reichstags-. anflösung und Neuwahl unter der Losung der exportindustriellen die Landwirtschaft vernichtenden Flottenpolitik müßte die ganze Linie der staatSerhaltenden" Parteien in ungeheuerlichster Wirrnis durch- einander schütteln.—_ Ums Pökelfleisch. Die„Nordd. Allg. Ztg." legt nochmals in einem um- fangreichen Leitartikel über„das Fleischbcschau-Gcsetz und die deutsche Landwirtschaft" die Absichten der Regierung in dieser Frage dar. Es sei eine Unmöglichkeit, die völlige Absperrung des ausländischen Fleisches zu bewilligen; diejenigen, welche diesen Gesetzentwurf zu einer Kraftprobe gegenüber der Re- gicrung benutzen wollten, thätcn der Landwirtschaft keinen guten Dienst. Auch die„Post" redet den Bündlern eindringlich zu, hre störrische Opposition gegen das Flcischkompromiß aufzugeben: „Die Leitung des Bimdes der Landwirte spielt ein g e- fährliches Spiel— nicht nur für den„Bund", sondern auch für die Lebensinteressen der deutschen Landwirtschaft, wenn sie das Fleischbeschaugesctz zur Ursache einer Spaltung im konservativen Lager und damit im Bunde der Landwirts! selbst sich Heraliswachsen läßt. Tcis Fleischbeschnugesetz darf unzweifelhaft als ein Porspicl der Nnmpfe uin die Handelsverträge gelten— eben deshalb ist es von der grvgtcn Bedeutung, dast die große und geschlossene Mehrheit der zweiten Lesung des Fleischbcschaugcsctzes erhalten bleibt und der Negiernng dadurch der Beweis erbracht wird, daß sie mit eitler geschlossenen agrarischen Reichstagsmchrheit rechnen muß, Daß diese Mehrheit ohne jedes Ziigeständnis bei den Be- schlüssen der zweiten Lesung stehen bleibt, ist nach der Haltung der Grafen K l i n ck o w st r ö m und Mirbach ausgeschlossen. Was kann die Bunbcslcituug jetzt noch durch ihre unbedingte Abweisung eines Kompromisses erreiche»? Entweder eine Reichstagsinehrhci't gegen den Bund oder eine Mehrheit des Bunds zusammen mit Socialdemokraten und freisinnigen zur Beseitigung des Fleisch- beschangesetzes. Beides ist gleich bedenklich.... Der Bund der Landwirte kann nnzweifelhaft keine ungünstigere Frage zur Kraftprobe wählen, als eine solche, Ivo ein Graf Mirbach gegen ihn steht. So bedauerlich es wäre, wenn der Zwiespalt zur Gegnerschaft würde— ein Zweifel kann nicht bestehen, daß die Sprengung des Bundes der Landwirte und der konservativen Parteien ein größeres und folaenschtvcrcrcs nationales Unglück wäre, als die Einfuhr von Pökelfleisch in Stücken von niehr als 10 Pfd. und unter Vorbehalten, die eine Entpökelung ausschließen. Einigkeit niacht stark; Kampf im eignen Lager unmittelbar vor de» Handelsverträgen wäre das denkbar Schlimmste, was sich für die Freunde eines kräftigen Schutzes der nationalen Arbeit er- eignen könnte.. Die Herren von der„Deutschen Tages-Zeitung" scheinen jedoch vorläufig allen Belehrungen unzugänglich verharren zu wollen. Sie wenden sich gegen die kompromiß- freundliche Erklärung der Herren v. Vlantcuffcl und v. Mirbach. Sie geben eine lange Liste landwirtschaftlicher Vertretungen, die sich sämtlich für Aufrcchtcrhaltung der Pökelsleischspcrre er- klärt haben. Sie berufen sich auf den fast einstimmigen Be- schluß der konservativen Reichstagsfraktion, der gefaßt worden sei, obschon bekannt war. daß die Regierung ihn für unannehm- bar erachtete. Es sondern sich die Schreier unter den Agrariern von den Gouvcrnementalen, die da wissen, daß sie ohne Re- giernngsgunst verlorne Leute sind. Die v. Manteusfel und v. Mirbach werden im Reichstag eine genügende Zahl konservativer Mitläufer finden, denen Amt und Hofgrmst doch noch wichtiger dünkt als die Aussperrung des Pökel- fleischeS.— ** # Aentsches Weich. Ueber den Arbeitsplan deS Abgeordnetenhauses machen die„Bcrl. Polit, Rachr," lolgcnde Mittcilmigcn: .Die Aussichten für die Session des Abgeordnetenhauses nach der Osterpause dürften sich etwa folgenderniahen gestalten: In der ersten Woche sollen neben kleincrcu Initiativanträgen die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die ZwangScrzichnng und das kleine Gesetz über dicvicguliernttg der unteren Weichsel erledigt werhe», Voraussichtlich wird dann auch der nationalliberaleAntrag auflleberwcisnng voil öOMiü, Mark an die Provinzialverbände, lvclchcr auf Wunsch der Antrag« steiler bis»ach der Beratmig des Gesetzentwurfs über die Zwangs- crziehinig zurückgestellt ist, zur Verhandlung gelangen. Betreffs der koufervativen Interpellation über das Fleischbeschan-Gesctz ist da- gegen bisher von den Interpellanten der Wunsch, sie auf die Tages- ordming zu setze», nicht geäußert worden. In der zweiten Woche wird jdie Gcmcindewahlrcchts-Borlage zur Perhandlimg gelangen. Außerdem werden bis dahin die beiden die Hohcnzollcnischcu Landestcile betreffenden Gesetzentwürfe spruchreif werden. Während die Verhandlungen über die letztere» voraussichtlich nur geringe Zeit in Anspruch nehmen werden, dürften die Verhandlungen über die erstgcdachte Vorlage einen größeren Umfang erlangen, zumal Zweifel- los wiederum die Frage der Bildung von AbftimmungZVczirkcn für die Gcmeidewnhlen, betreffs deren in der Kommission trotz langer Verhandlungen keine Einigung erzielt ist, zur Erörterung gestellt werden wird. Der weitere Verlans der Session wird wesentlich davon abhängen, wie rasch die kommissarischen Be- ratungen über die Warenhansstener, den Geictzenrwnrs über den Ausbau und die Uutcrhaltmig der scylesischcn Gebirgs- flüffe und den Gesetzentwurf über die Zwangserziehung zum Ab- schluß gebracht werden können. Der Gesetzentwurf über die Waren- haussteuer hat in der betreffenden Kommission zwar bereits die erste Lesung passiert. Aber das Ergebnis der Beratung ist etil solches, daß die Kommission, wenn anders sh nicht pro nihilo gearbeitet haben will, ganz von vorn anfangen muß. Die crsie Sitzimg der Kommission für die schlcstschen GebirgSfliisse ist für den 30. d. M. anberaumt und die Vorlage der Zwangserziehung hat, wie bereits erivahnt, noch die erste Lesung zn passiere». Jedenfalls reicht der vorliegende BcratnngSstoff kaum ans für die 32 Arbeitstage, welche zwischen dem 24. April und Pfingsten liegen."— Sündenbabel«nd Unschiildöparadirs. Zwischen dem sittlichen und dem phhsischen Gift zieht die„Köln. Volks-Ztg." eine geistreiche Parallele. Wenn auf der ungesetzlichen Abgabe von Strychnin, Morphium, Arsenik schwere Strafen ständen, so sei es nicht zu begreifen, warum nicht auch die Verabfolgnng des sittlichen EistS bestraft werden solle. Nun,«in kleiner Unterschied besteht denn doch zwischen den beiden Arten von Gift. Welche Wirlttiigen Strychnin ans den menschlichen OrganiSnuiS hervorbringt, darüber dürfte sich so ziemlich die Medizin einig sein: wie der psychische Organismus aber ans das.sittliche Gift" reagiert, dafür giebt es keine Norm, Wir wollen das Nictzschcsche Wort vom Reinen und vom Schivcin hier nicht nochmals citicrcir, obwohl es drastisch und schlagend ist. Ans die krankhaft reizbare Phantasie eines anormalen Menschen kann das keuscheste Kunstwerk denselben sinnlichen Reiz ausübe», ivie die raffi« liiert lüstcrnsten Illustrationen eines JoriejisI amüsant, die ihrerseits wieder bei gesunden Naturen nur das Gefühl des ästhetischen llnbe- Hägens crivccken werden. Würde»ini das Nackte überhaupt verfchnit, so würde vielleicht der eine oijcr andre der Heinzegarde vor eineni unzüchtigen Gedanken bewahrt werden, ans der andren Seite aber Iviirdo dieses prüde Banausentum mir die sexuelle Hyperempfindlich- keit, für die schon ein nackter Ann sittliche Konflikte hcranfveschiuört, künstlich großzüchten. Was der„Köln. Volks-Ztg." als Gift erscheint, kann andren als rein künstlerische Darstellung gelten. Eine Grenz- linie zwischen„Gift" und Kunst wird sich nie ziehen lassen. Ebenso unberechtigt sind die sittliche» Anschuldigungen, die das Centillmsorgan gegen die Städte als Uuzuchtsherdc erhebt. Die alte Fabel von dem Unschuldsparadics des platten Landes sollte doch endlich einmal aufgegeben werden. Und wcmi der Bauernverein für Unterfranken erklätte, „wir verlange», daß imfre Söhne, wenn sie z. B. als Rekruten in die großen Städte kommen, nicht überall in den Schauläden. Thcätcm usw. auf die Berftihrung stoßen, daß sie vielleicht gesund an Leib und Seele fortgehen und Hein, kommen wie.abgeleckte Butterstückc, vcrlicderlicht an Leib»nd Seele", so verkennt er einfach die Ursachen der.Verlicderlichung". Durch Schauläde» und Theater ist wohl kaum schon eine ländliche Unschuld verfiihrt worden. Vielmehraber dürfte dicZnsannnensperrung derjungen Leute in den Kasernen und die dort gepflogene Unterhaltung sittlich korrumpierend ivirkcn. Im allgemeinen könnte man aber wohl ohne Uebertrcibung behaupten, daß die unter die Fahne gerufene Jugend des Landes die Sittlichkeit eines Teils der weiblichen Bevölkerung der Stadt in höherem Maße gefährdet, als ihre eigne„Unschuld" durch Theater, Museen, Schanläden, ja selbst durch Tingeltangels und Prostitution gefährdet wird.— Flottenparade bei Krefeld. Aus Krefeld wird uns vom tl. April geschrieben: Die Stadtverwaltung hat heute das Ersuchen an den Staatssekretär Tirpitz gerichtet, die Torpedo-Division, welche Ende dieses Monats nach Köln fährt, in Uerdingen landen zu lassen. Die Truppen sollen dann in Krefeld bewirtet werden. t Durch diese Manipulation denken die Flotlcnftennde, welche die Stadtverwaltung beherrschen, die Bürger für die Flotlcnvorlage zu begeistern. Bis jetzt wiesen die Petitionen, trotz Lichtbilder und Banketts, noch zu wenig Unterschriften auf.— Von der Macht der Phrase spricht die.Kölnische VolkS-Ztg." frei nach Liebcrmann von Gonnenberg gegenüber den Kiiiistlern und Gelehrten, die den Aufruf deS„Goothe-Bunds" nnterzeichnct haben. Man müsse der„Kreuz-Zeitnng" recht geben, die im Hinblick darauf, daß auch hochnngesehene Mäniier ans Künstlerkrcisen den Phrasen- strotzenden Anfriif des„Goethe-BiindS" unterzeichnet hätte», es als .unsäglich traurig" bezeichne, daß nicht einer dieser Männer sich dem �liberale» Phrasenschwall" entgegengestellt habe. Wir haben absolut keine Ursache, die Form der Kundgebungen des Goethc-Bunds als unantastbar zu verteidigen. Auch für unfern Geschmack klingt die eine oder andre Wendung etwas naiv. DaS kam« uns aber nicht abhalte», die Künstler und Gelehrten deS Goethc-Bnnds dazu zu bcgliickivinischcn, daß sie sich endlich einmal anS ihrer Lethargie anfznraffc» vermocht haben. Daß die Gocthc-Bündlcr an der.harmlosen Blindschleiche" des Kunst- Paragraphen der lex Heinze den Giftzahn entdeckt haben, zeugt nur von ihrem gesunden Instinkt. Der ganzen Moderl uft atmenden Weltanschauung der Zeloten beider Konfessionen soll der Kanchf der Goethc-Biindlcr gelten, von dem wir nnr wünschen könne», daß er nicht sobald wieder dem faulen Frieden des bisherigen Znstands weichen möge. Daß die Heinze- mäinicr, denen der Fchdchandschnh in? Gesicht geschlendert tvorden ist, ergrimmt aufschreien, ist»nS ja verständlich.— lieber die zukunftstaatliche Anffafsung von Freiheit und Menschenfreundlichkeit der Socialdemokratie phaiitnsirrt die „Münch. Allg. Ztg." anläßlich«nsrcr Notiz über die französische Kolonialarmce, rcsp. den Antrag nnfreS Genossen S e m b a t. Der Antrag SembatS hatte bekanntlich gefordert, daß es nicht gestattet sein solle, einen größer» Teil der ans Soldtnippc» bestehenden Kolonialarince im festländische» Frankreich gannsonicrcn zn lassen, da dies Söldnerheer als Werkzeug staatsstreichlüsterncr Militärs eventuell eine ftaatsgcfährliche Rolle spielen könnte. DaS Miinchencr Blatt bemerkt zn»nsrer Notiz: „Man häne vermuten sollen, daß unser secialdemokralischcs Centralorgan den Gesetzentwurf seines französischen„Genossen"... mit sehr kritischen Augen ansehen, wenn nicht gtir verwerfen würde. Den» ein härterer Zwang als die B'c r h ä n g» n g der Verbannung ans dein Vatcrlande gegenüber Männern, die nach dem aufreibenden Dienst in den Trope» deS Aufenthalts im heimatlichen Klima dringend bedürftig find— ein härterer u n d grausamerer Zwang ist kaum denkbar. Aber von solcher Gedankcnblässc ist der„Vorwärts" nicht angekränkelt: er tadelt nicht nnr nicht den Antrag Senibat, sondern stimmt ihm indirclt durch die trockene Bemerkung zu:„Die Kolonialannee wäre, wenn sie zum erheblichen Teil in Frnnkreick selbst garnisonictte, in der That ein gefährliches Werkzeug der Staarsstreichlüfternen." Damit ist die zukunftstaatlich« Auffassung von Freiheit und Menschen- frcnndlichkcit prächtig illustriert." Unsre verehrte Gegnerin irrt sich in verschiedenen Punkten. Wir haben nnsre Stellung zum Antrag Scmbat durchaus nicht fixiert, sondern nur erklärt, daß die Argumente SembatS keineswegs der Be- gründnng entbehrten. Wir würden aber freilich keinen Anstand nehmen, die Auffassung SembatS, sofern sie von unsren ftanzösischen Partei- gcnoffcn in ihrer Mehrheit geteilt werden sollte, durchans zubilligen. Denn als G c g n e r der i a p i t a I i st i s ch c n K o l o» i a l p o l i t i k und der Söldnerheere sind doch nicht>v i r für Schutzmaß- nahmen verantwortlich zu machen, die wir den Gefahren dieser Kolonialpolitil und Söldnerheere gegenüber unter Umständen zu treffe» gezwungen sind. Was aber der, Z u I» n f t S st a a t" mit dieser Frage zu thnn haben soll, vermögen»vir vollends nicht einzn- sehen. Der locialistische.Znkmifsstaat" wird eben keine koloniale Ränberpolitik im hentigen Stile treibe» und deshalb auch der Söldnerheere cntratcn können. Selbst aber, wenn dies nicht der Fall sein sollte, würde die im Dienste der Berfasinng stehende Volks- lv e h r die Gefahr des Staatsstreichs vollständig ausschließen. In unsrer Auffassung von Freiheit»nd Menicheilftenndlichkeit werden wir uns also von der.Münchener Allgemeinen" nicht beschämen lasten. Von dem Arbeiterschntz-Kongreh, der im Müsse Social zn Paris unter den Auipicie» des französischen Handclsministcriunis ooi» 25.— 20. Juli dieses Jahrs tagen soll, haben wir den Lesern schon Mitteilung gemacht. Die Einladungsschreiben zur Vcr- anstaltnng dieses Kongrcstcs, der eine Fortsetzung des Züricher und deS Brüsseler Arbeiterschntz-Kongresses sein wird, sind vcr- sandt nnd das Programm veröffentlicht worden. Dasselbe lautet: I. Die gesetzliche Begrenzung der Arbeitszeit, vergleichende Uebersicht über die Gesetzgebung.— Die gesetzliche Begrenzung der Arbeitszeit für Kinder, Jugendliche, Frauen und'Männer.— Wünschenswerte Forlschritle und Reformen.— Ist die Begrenzung der Arbeitszeit durch ei» gleiches gesetzlich festgestelltes Maximum in den hanptsächlschstcn Industrieländern zu erwarten und zu er- streben? II. Das Verbot der Nachtarbeit. Folgen der Nachtarbeit.— Verbot der Nachtarbeit i» der Gesebgebmig der verschiedenen Länder.— Kann man die Nachtarbeit für alle Kategorien von Arbeitern(Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer) untersagen? Würde ein solches Verbot Ausnahmen für bestimmte Industrien mit sich bringen?— Ist«ine internationale Vereinbarung für die Unterdrückung der Nachtarbeit erforderlich? III. Die Gcwcrbc-Anfsicht. Die verschiedene Organisation der Gciverbe-Aufsicht in den einzelnen Ländern.— Vorzüge mtd Nachteile dieser Organisationen: erzielte Ergebnisse.— Mitwirkung der Arbeiter an der Gcivcrbc-Anfsicht. HilfSnispcktorcn, gewählte Arbcitcrdelcgierte, Kontrolle diirch Gcwcrkvcreinc. IV. Jnlcrnationale Vereinigung für den gesetzlichen Arbeiter- schütz. lieber den Nutze» einer solchen Vcreinignng nnd ihre Auf- gaben. Auch Mitglieder der socialdemokratischcn Partei Deiitschlands sind eingeladen worden, sich an dcni Arrangenient des Kongresses zn beteiligen imd ihren Namen als Miteinberufer zur Verfiigung zu stelle». Die Genossen Bebel, Auer«nd Liebknecht, denen Einladmigsschreiben zugegangen sind— ob solche auch andern Gc- nossen zügegangeii sind, wiffen wir nicht— haben gcantlvortet. daß sie, bei aller Sympathie für eine wirksame Arbeitcrschntz-Gcsctz- gebung. die EinbcrusiingSschreibcn nicht gemeinsam mit Angehörige» bürgerlicher Parteien unterzeichnen können, die im Klaffeiikampf für die Befteiinig der Arbeiter uns als Feinde gegenüberstehe, i.— Ausland. Oestreich- Ungarn. Die öftreichische Regierung über den Blutaberglanbeu. Im niederöstreichischen Landtag stellte unlängst der verrückte Ernst Schneider den Antrag, die Inden, insbesondere deren Rabbiner und Schächtcr, aus Anlaß des nahenden Osterfestes streng zu beaufsichtigen. In der Motivierung des ftivolen Antrags wird von dem Blutmärchen als wie von erwiesenen Thatsachen geredet. Als Antwort richtete der Abg. O f n e r eine Interpellation an den Statthalter, in der er verlangte, die Regierung möge dem ver- hetzenden Treibe», das in der Blutbeschuldigung liege, energisch ent- gegen treten und insbesondere deren Urheber aufs schärfste be- aussichtigcii. Der S t a tth a lter hat, wie schon tclegraphisch ge- meldet, diese Interpellation in der Mittwochsitzuiig beantwortet. Die Antwort ist die denkbar entschiedenste Verurteilung der niederträchtigen Blutmärchenschwindel. Da sie ersichtlich im Auftrag der oft- reichischen Regierung erfolgt ist, so wollen tvir sie als amtliches Zeugnis gegen jene schäm« und gewissenlose Hetze hier im Wortlaut wiedergeben. Grok K i e l m a n s e g g erklärte: Tic sogenannte Bllitbcschuldignng, das heißt die Beschlildi- gung, daß der rituelle Cbristenmord durch die Satzinigcn dxS jüdischen Rcligionsbetcuntiiisses oder dnrdi talnindisch-rabbinnche Sckiristcn empfohlen oder gebilligt sei, ist von den bernfeiisten christlichen Kennern dieser Littcrntnr sowie von den obersten Antoritätcn der römisch-katholischen 5iirche als grundlos bezeichnet worden, so daß die Negierniig die Verbreitung dieser Be- s ch u I d i g il n g il m s o t i e f e r b e d a u e r n muß, als sie deren Gefährlichkeit für das friedliche Zu- sammen leb en der Bevölkerung nicht verkennen kann. Tie Negiernng nniß aber gleichzeitig ihrer Ueberzeugmig Ausdruck geben, daß die Bekämpflnig nnd Äusrottinig derartiger autoritativ widersprochener Vorstellungen vorwiegend auf dem Wege der fortschreitenden Ansllärung und deren Verbreitung i.n der Bevölkerung möglich ist. Insofern die Interpellanten daraus himveisen, daß die Be- schnldiglnigcn in bösivilliger Absicht zum Zwecke der Anf- reizung gegen Angehörige eines gesetzlich anerkannten Religions- bcleNNtuisscs vorgebracht werden,»>nß ich bemerken, daß die Re- gienuig nicht sämiien wird, die diesfalls bestehende» strafrechtlichen Bestinininngen in jedem einzcliicn ihr zur Kcinitnis gelangenden Fall ans das nachdrücklichste durch die hierzu be- r n f e n c n Organe in A n w e n d n n g bringen zu lasse n. Wenn schließlich in der Interpellation der Wunsch uych besonderen Präventivmaßiiahnien polizeilicher Natur ausgesprochen wird. so ist herborznhcbcii, daß nach der Natur der in Betracht kommenden Delikte, die in der Regel durch Rede oder Schrift be- gangen werden, im Nahmen unsrer verfaffnngSmäßig gewährleisteten Institutionen der Prävenlivlhätigkeit der Polizeibehörde in diesem Belange ganz bestimmte gesetzliche Grenzen gc- zogen sind. Die Autwort wurde von den Alltiscmiten mit großem lliiwillen alifgeiiomincn; Herr Schneider insbesondere ließ es an Zwischen- rufen nicht fehlen. Der interessanteste war wobl der, daß Herr Schneider zu der Bemerkiing. die obersten Antoritälen der römisch- katholischen Kirche, das heißt: die Päpste, hätten die Blnt- bcschiildigimg als eine Grundlosigkeit bezeichnet, de» Zwischenruf machte: Gegen Bezahlung! Herr Schneider bezichtigt also die Päpste, daß sie sich haben bestechen lassen! Auch gut.— Was die Antwort selbst betrifft, so hat der„Rahmen" der.vcrsasstmgs- mäßig gewährleisteten Institutionen" eine öftreichische Regierung noch nie gehindert, einer Agitation cntgcgcnziitrctcn. Wenn man sich in Oeslrcich auf die.Pcrfassung" beruft, so steckt gewöhnlich eine Spitzbüberei dahinter. Immerhin war der Ton, den Graf Kiel« mmiscgg gegen seine antisemitischen Freunde anschlagen mußte, ein ziemlich rauher.—_ Die Neuwahlen zum Wiener Gemeinderat. Man schreibt uns ans Wien, 11. April: Wien wird binnen kurzer Zeit sehr unruhige Tage erleben. Damit ist bei Leibe nicht der Zusammen- tritt des Ncichsrats gemeint, der läßt jeden kalt. Sondern die an Spektakel so überrcicheii Wiener Genieinde wählen konimen in Sicht. Vorläufig ist nur sicher, daß die allgemeinen Wahlen für den zweite» Wahltorper und die Ergäiiznngswahlen der im dritten nnd im ersten Wahlkörper freigewordenen Mandate stattfinden werden. Die Durchführung der Ergünzinigsivahleii ist zwar direkt ungesetz- lich— denn sie werden in jener Verteilung vorgenommen, die im alten Statut bestimmt war. diesesj ist aber durch die Erlöschung deS ganzen Gesetzes außer Geltung gekommen—. aber Herr Lneger darf sich das schon erlauben, auf ein« Ungesetzlichkeit mehr oder weniger kommt es nicht an. Unentschieden ist die wichtigste Frage, wann nämlich die Wahlen des neuen Wahlkörpers, des des allgemeinen Stimmrechts, erfolgen werden. Das Besetz verpflichtet die Gemeinde, sie bis zum Jahre 1902 durchzuführen; es heißt aber, daß Herr Lucaer daran denke, sie gleich jetzt zu ab« solvicren. Der neue Wahlkörper, in dem nicht nur die jetzigen Nicht« Wähler, sondern auch die Wähler der drei ersten Wahlkörper wähl« berechtigt sind, wählt bekanntlich zwanzig Gemcindcrätr. jeder Stadt» bezirk einen. Die Aussichten der Socialdemokratie sind nicht die glänzendsten. Einerseits trifft gerade sie die Bedingung der drei« jährigen Seßhaftigkeit, an die das Wahlrecht geknüpft ist, sehr hart; andcrnteils haben die Antisemiten den ganzen Magistrat in der Hand und können und werden das Wahlrcsultat durch die gröblichsten Schwiudcleicu beeinflussen. Immerhin wird es bald heiße Wochen geben.— Schweiz. Peru, 11. April.(Eig. Ber.) In der letzten Session der schweizerischen Bmidesversamnilimg ist neben andern Geschäften auch die bundesrätliche Vorlage, betreffend die Besoldung der An- gestellten der Bundesbahnen behandelt worden. Die Uebernahme der vier Haiiptbabiicn durch den Bund erfolgt zwar erst im Jahre 1903, diejenige der Gotthardbahn gar erst 1908. allein es wird bereits in planmäßiger Weise gesetzgeberisch vorgearbeitet, damit der Staat beim Einiri'tt deS gcnaimlen ZeitpimItS den Betrieb der Bahnen auf der neuen Grundlage ohne Störung fortführen kann. Die bundcSrätliche Besoldungsvorlage, der vom Ständerat in der Hauptsache zugestimmt wurde, stellt 10 Gehaltsklasscn auf, deren niedrigste 1200 bis 1300 Fr. Jahresbcsoldung vorsieht und die Vor- arbcitcr 2. Klasse, Bahnwärter, Bremser, Portiers, das Rangierpersonal. die Ausläufer, Nachtwächter-c. umfaßt. BesoldinigSerhöhungcn treten alle drei Jahre ein und zwar je nach der GehaltSklaste um 200, 300 und 500 Fr., so daß das Maximum bei der niedersUii Klaffe in 9 imd bei der höchsten Klasse in 30 Jahren erreicht wird. Die Löhne der Taglöhner werden von der Generaldirektion und den Kreisdircktioiien im Rahmen eines vom VerivaltungSrat der Bundes- bahnen zu erlassenden Reglements bestimmt. JiiKrankhcitS- und TodcS- fällen kann ein Nachgcnnß der Besoldung bis auf ein Jahr eintreten. Die Entschcidiing hierüber steht der Gciicraldirektion zu. Die Eisenbahn- arbcitcr und Angestellte sind mit dieser Gestalsiina der BesoldungS- Verhältnisse nicht ganz zufrieden. BcnicrkenSivert ist, daß bei gleicher Dienstleistung weibliche Angestellte die gleiche Besoldung wie die mäniilicheii erhalten, mit der einzigen Äusnahme der Barrieren- Wärterinnen. Die von der serbischen Rcgicrinig geplante Errichtung einer Central st elle für polizeispitzliche Umtriebe in der Schweiz wird mm nicht erfolgen, da. wie gemeldet wird, der Bundesrat.abgewunken" hat. Es war freilich auch unvorsichtig von dem serbischen Ministerpräsidenten, im Parlament offen seine geheimsten Pläne auszuplaudern.— Belgien. Die Kolonial- Bestialitäten im Kougostaat. Die Geschichte der Kolonialpolitik der„christlichen" Staaten ist überreich an Scheuß- lichkeiten aller Art. Man braucht nicht zurückzugreifen auf die Konquestntoren; auch die Kolonialkriege in Indien, Algier usw., die im 19. Jahrhundert geführt worden sind, strotzen von Bestialitäten. Auch die demsche Kolonialpolitik hat bereits äußerst viclverhcißeud eingesetzt. Der K o n g o st o a t ist nicht minder berüchtigt wegen der Erencl, hie Verwaltung und Soldateska sich gegc» die Tinge» boriieu haben zu Schulden konnnen lassen. Es klang deshalb auch durchaus nicht unwahrscheinlich, waS über neueste Koloiiialcxccsse im Kougostaat berichtet ivnrde. Mit welck» viehischer Roheit gegen die miglücktilben Eingeborenen jener Landesteile gewütet wurde, auf deren AuSbeuwngsfähigkcit seiner Zeit die„civilisierte" Welt durch Stanley aufmerksam gemacht wurde, verrät ein Beanitcr der Antwcrpener Mongolagcsellschaft namens Laer o ix in einem Brief, der in einem Antwerpcncr Blatt veröffentlicht wurde. Daß Lacroix nicht Übertreibt, wird man schon deshalb annchnicii kömien, weil die Thaten, von denen er erzählt, seine eignen sind! Allerdings sucht Lacroix für seine Bnitalitäten seinen Vorgesetzten verantwortlich zu machen. Dieser befahl ihm im vergangenen November, alle Einwohner von Monbia tot zu schießen und in der That wurden 22 Fronen und 2 Kinder im Dorfe selbst und drei Frauen ans der Flucht getötet. Herr Lacroix fügt hinzu:„Von Mitleid ergriffen sah ich mich gezwungen. meinen Chef zu verhindern, auf ein 5ti»d zu zielen, welches er schon einige Male verfehlt hatte, und dessen Mnttcr von mehreren Kugeln durchbohrt dalag." lind was war der Anlnsz dieser Metzeleien? Herr �acroix bcrichtcr es. leidenschaftslos ivie ein orientalischer Chroniken- schrciber:„Weil das Boot von SHonbia nicht rechtzeitig an den der- schicdenen Posten erschienen war, um Kantschul abzuholen I" Anf Bc- fehl desselben ChesS wurden ein andres Mal öl) Frauen, welche dem Posten von Monbia Nahrungsmittel brachten, in Ketten gelegt, ins Gefängnis geworfen und dort d e m H u u g e r t o d übe r g«b e n,; nur 5 von 6» blieben am Leben. Und weshalb diese Ilm that? Weil das Dorf Mnmbnmbala, ans dein diese Frauen kamen, keinen Kautschuk abgeliefert halte. Noch gegen vier weitere Europäer sind Klagen erhoben: einer wird beschuldigt, 130 Manschen gc- tötet und 60 Hände abgeschlagen zu haben, der zweite hat Frauen und Kinder kreuzigen und Männer verstümmeln lassen; die beiden andren werden nur vereinzelter Mordthatcn be- schuldigt. So sieht die moderne Kolonialpolitik ans. Denn wer behaupten wollte, das; diese Schcusäligkcitcu, zu deren Charakterisierung unsrer abgeblatzten Kultursprache die Worte fehlen, nur Ausnahmen darstellten, der lügt. Derartige Thatcn sind im Gegenteil typisch für das ganze System der Kolouialpolitik. Solchen kolonialen Massenmördern gegenüber erscheinen die Luccheni und S i p i d o förmlich als E d e l m e n s ch e n. Trotzdem aber wird wegen der Vorgänge im Kougostaat nicht der zehnte Teil der Druckerschwärze verbraucht werden, die wegen dcS nnsigluckten Duinuicn-Juugcustreichs Sipidos vergeudet worden ist.— England. _ Das irische Elend soll der Königin von England bei ihrem Besuche in Dublin sehr ans die Nerven geschlagen sein. Die„Leip- zigcr Ftg." lägt sich darüber von London schreiben: Tie Königin soll mit dein Empfang, der ihr in Dublin zu teil wird, sehr zufrieden sein. Indes scheint es zugleich auch, dnsi ihr bei ihren Ansfahrten das unsägliche Elend der große» M a s s e u d e s i r i s ch e n V o l l s n i ch t e i» t g a n g e u i st. Der Anblick der Armut, der hier und da ihre Augen traf, soll sie sogar„tief erschüttert" haben. So berichtet z. B. der Vertreter des„Morning Lendcr" über eine Ausfahrt, die die Königin am Sonnabend unternahm:„Ihre Majestät fuhr aufs Land hinaus und sie passierte eine Menge von Ncbcngäßchcn. die alle in elendem Zilstand waren. Ihr Weg führte sie ! um durch das Dorf Cabra, durch Ober- und Unter- in glas, durch Kilaschane und Coppagh. Sobald die Dorfvcwohncr den Wagen kommen horten, liefen sie hinzu und begrüßten die Königin'in achtungsvoller und herzlicher Weise: Die Frauen machten Knickse und die Männer nahmen unter Zunifen die Kopfbedeckung ab. Die armen Leute waren mit elenden Lumpen bekleidet, und Ivo die un- genügenden Lumpen Blößen ließen, sah man den Körper niit Schmutz bedeckt. Alle Kinder waren bar beinig und barfuß, lind viele von ihnen schienen nur ein einziges zerfetztes Klei- d u n g s ft ü ck anzuhaben.... Was die Hütten dieser Leute betrifft, so läßt sich»nr sagen, daß sie jämmerlich aussahen. Mit Bezug aus Naumvcrhältnissc, Belenchtung und Schmutz waren sie durchaus nicht besser als Schweineställe." Die Königin, bemerkt dazu die „Lcipz. Ztg.", hat sich jedenfalls damit begnügt, nur das Acnßcre dieser»Schweineställe" anzuschauen, und das hat bereits ausgereicht, um einen erschütternden Eindruck auf sie zu machen. Wenn die Königin etwas mehr als eine Schein- Königin lväre, so würde sie vielleicht nach dem Anblick so großen Elends ihre Macht dazu benützen, wenigstens den Versuch z u »nacl>en, der ausgesogenen irische>; Bevölkerung zu t h r e m Rechte zu verhelfen. Aber bei ihrer Macht- losigkeit wird wohl auch selbst dieser Versuch unterbleiben. _ Diese Anmerkung verrät jene kindliche politische Anffassnng, die sonst nur die„Partei" der Namnannianer auszuzeichnen pflegt. Daß das»sociale Königtum" eine Illusion ist, ist dadurch erwiesen, daß es noch nie und nirgends in Erscheinung getveten ist, trotzdem die Geschichte dazu in Hülle und Fülle Gelegenheit geboten hätkc. Daß die irische Landbevölkerung sich in so unsäglichem Elend befindet, liegt an dem Umstand, daß die ca. LOOOO Großgrnnd- bcsitzer ca. 200 Millionen Mark vermittelst eines raffinierten Doppel« PachtsystcmS ans den Parzellenpächtcrn herauspressen lind zum guten Teil außerhalb Irlands verprassen. Warum hat man nicht Irland seine Selbstverwaltung gegeben und durchgreifende Besitz- ändcnmgen vorgenommen? Weil das Oberhans von derartige» Reformen, die im Unterhaus zum Teil bereits angenommen waren, nichts hat wissen wollen. Das Oberhaus, das sich aus sechs Prinzen von Geblüt, Dutzenden von ErzblschöfcN und Bischöfen, � solvie den Peers von England, Schottland und Irland zusammensetzt. Für das„unsägliche Elend" sind also die Edelsten und Frömmsten des Landes samt sechs Prinzen von Geblüt ver- antwortlich zu machen! Nicht die allzu demokratische, sondern die immer noch allzu reaktionäre Verfassung Großbritanniens ist für die schändliche Vcrlvüstnng der fruchtbaren Insel verantlvorlich zu machen!— Portugal. Tie Frage der Neutralität wird nach den„Berk. Polit. Nachr." in der Presse und den politischen Kreisen Lissabons lebhaft erörtert. Man soll keineswegs in allen Kreisen mit der Auffassung der Ne- giening über den Charakter der zu ivahrcndcn„Neutralität" einvcr» standen fein. ES fehle nicht an Stimmen, die meinten, volle Handlungsfreiheit Portugals fei besser, als die seltsame Neutralität, die England das DnrchzugSiccht gestatte. Jedenfalls dürfte die Streitfrage in den bei Abschluß dcS Ucbcr- cinkommens mit England übergangenen Kortcs aufS Tapet gebracht werden und Anlaß zu leidenschastlichen Wortgefechten geben. Außerdem machen die„Politischen Nachrichten" noch folgende Mitteilung: Die Regiernng hat gestattet, daß daS Kabel der Eastern Tele- graph-Linie zwischen Mosambik und Lorenyo-Marqncz in Beirn und den Übrigen portugiesischen Küsteuhäsen Anschluß erhält. Die Fahr- lvasserbeziichuung im Hafen von Beira soll vom 1. Juni an in Ge- mäßhcit der internationalen Washingtoner Koilscrenzbestimmungen eingerichtet Iverdcu. Afrika. Vom Aufstand der Aschauti. Die Erhebung der Aschanti ist auf den Versuch des Gouverneurs Sir Frcderick Hodgson zurück- zuführen, den„goldenen Sessel des Aschauti" i» seinen Besitz zu bringen. Dieser goldene Sessel gilt als das Symbol der Herrschaft. Hodgion war es deshalb wahrscheinlich ebensowohl darum zu thuii, des Sessels als des Symbols der noch nicht völlig veruichtcten Uiial'häiysigkeitSbestrcbungen des ehedem kriegerisch mächtigen Neger- stamnis habhaft zu werden, als auch seinen materiellen Werts wegen. Mit dem Sessel sollte nämlich auch zugleich der Schatz des Königs Prempch vergraben worden fein, als vor einigen Jahren Premp'eh von den Engländern geschlagen und der Staatsschatz konfisziert und »ach England gcschicki winde. Einer der bei der Vergrabnng deS goldene» Sessels beteiligten AschanttS soll dem Gouverneur den Ort der Vergrabnng verraten haben, Ivorauf Hodgson ein Detachemcnt Polizeitruppen zur Bcschlagnahmung abgesandt habe. Die Aschanti erfuhren.jedoch von der Mission und griffen die Abteilung an, wobei 25 Mann ans englischer Seite fielen. Ueber de» weiteren Verlauf des Anfstands besagt ein Telegramm: Accra, 11. April. Einem unbestätigten Gerüchte zufolge be- findet sich der Gouverneur Sir Fredcrick Hodgson in Händen des FcindeS. Etwa 800 Mann der Hanffatrnppe sind für den Dienst verfügbar. Die Freiwilligen erboten sich einmütig zur Front zu gehen. Ein europäischer Missionar schreibt ans dem Innern, fünf englische Offiziere und 40 Haussas seien getötet worden. Vavksi Zum Fall Oertcl. Die„Kölnische Volkszeitung' ist zu der Einsicht gekommen, daß es unanständig war, was sie kürzlich lsiehe Nr. 84 des„Vorwärts") über die Beweggründe der Nürnberger Parteigenossen in der Zeitimgsangelegenhcit geschrieben hat. Sie sagt jetzt: „Bei dieser Gelegenheit sei dem„Vorwärts" gegenüber bemerkt, daß. wenn wir neulich davon sprachen, daß die Nürnberger„Partei- Häuptlinge" den Gewinn der„Fränkischen Tagespost" selbst ein- streichen'wollten für die Parteikasse, über die sie„verfügten", wir ganz und gar nicht daran gedacht haben, zu behaupten, die Führer wollten das Geld in die eigene Tasche stecken. Wir meinten weiter nichts, als daß sie für die Partei und die Partei-Agitation darüber„verfügen" wollten und es deshalb nicht im Privatbesitze Ocrtcls bleiben solle." Wir nehmen von dieser„Erläuterung" Notiz, müssen aber be- merken, daß in dem besprochenen Artikel dcS Blattes der erwähnte unanständige Vorwurf in der That enthallen ist. Finden sich doch darin folgende Sätze: „Als es soweit war. daß Oertek an dem Blatt verdiente, er- wachte der Neid der Parteihäuptlinge. Sie verlangten Einsicht in die Geschäftsbücher, um sich zu überzeugen, wie viel er verdiene, und suchten dann das Blatt s e l b st in die Hände zu bc- kommen." Die„Partcihänptlinge" seien vor Oerie! hingctreten und hätten kategorisch erklärt: „Gieb her das Blatt, wir wollen jetzt selbst den Gc- >v i n n einstreiche n." Ferner: „Also: Der Mann hat ja schon ohnehin genug Einnahmen, da kann er den Gewinn aus dem Parteiblatt„für das allgemeine Wohl" hergeben, d. h. für die Parteikaste, über welche die Häuptlinge ver- fügen." In diesen Sätzen ist mit deutlichen Worten der Vorwurf der beabsichtigten Selbstbereicherung enthalten. Nimmt das die„K. V." jetzt zurück— gut; sie hätte aber besser gcthan, vorher genauer zu prüfen, was sie schreibt,_ GewevkfktzKftliches. Vcrlin und Umgegend. Die Lohnbclvegnng der Bleigläser ist— wie in einer am Donnerstagabend abgehaltenen Versammlung dieser Branche bc« richtet wurde— beendet, indem sich die Arbeiter.mit den Unter- nehmern auf die Bewilligung folgender ArbeitSbedingiingen geeinigt haben: Schwächere Gehilfen erhalten nicht weniger ivie 50 Pf., per- fekte Arbeiter 57 Pf. und mehr pro Stunde. Volontäre sind hierin nicht inbegriffen. Streitigkeiten wegen der Lohnhöhe werden von dem Arbeitgeber in Gemeinschaft mit einem älteren Gehilfen entschieden. Maßregelungen finden nicht statt. Differenzen regeln die Vorstände der beiderseitigen Organisationen.— Auf Grund dieser Ver- einbarnngcn haben die Streikenden die Arbeit bereits wieder aufgenommen. Die Bewilligungen decken sich im wesentlichen mit den Forderungen,' welche die Arbeiter ursprünglich aufgestellt haben. Zur Lohnbclvegnng der Steinsetzer. Die L n ck e u w a l d e r Stcinsctzcrmcislcr haben ihren anfänglichen Widerstand gegen die Forderungen der Steinsetzer oiifgcgcben. Erzielt wurde die Er- höhung des Stnndcnlohns von 40—12 ans 47 Pf., Uebcrstundcn 55 und auswärtige Arbeit 60 Pf., bei letzterer Erstattung des halben Fahr- gclds und(für alle Arbeiter) Einführung der Fünfzchnminntcnpansen wie in Berlin(täglich sieben innerhalb der eigentliche» Arbeitszeit). In Potsdam ist zwischen den Steinsetzern und der Innung eine Vercittbarung abgeschlosicn worden, dcrzufolge der Stundenlohn für Arbeit am Ort von 50 auf 60 Pf., außerhalb bis zu einer Meile Entfernung auf 65 Pf. erhöht wird( bei Arbeiten. die Über eine Meile von Potsdam entfernt find, soll der Lohnsatz von Fall zu Fall vereinbart werden. Auch über die tägliche Arbeitsleistung sind Fcstsctzimgcn getroffen worden. Die Leipziger Steinsetzer haben für dieses Jahr die Ein- Führung der neunstündigen Arbeitszeit und 60 P�. Stundenlohn ge- fordert! der letztere betrug bisher 50—55 Pf. Tie Jmimig will»nr 55 Pf. Stundenlohn mitcr Beibehaltmig der zehiistünvlgcii Arbeitszeit bewilligen, obwohl sogar für die städtischen Arbeiter die iicmistiindige Arbeitszeit schon seit längerer Zeit besteht. Die Steinsetzer haben deshalb das Angebot der Innung abgelehnt und sich vörbchalten. zu gelegener Zeit ihre Forderungen zur Durchführung zu bringen. Außerdem wollte die Innung auch noch die Arbeitsleisiung in einer Weise fixieren, die eine positive Verschlechterung für die Arbeiter bedeutete. De» Berliner Rammcrn hat der hiesige Jnnimgsvorstand. vorbehaltlich der gnstimmimg der JimnngSvcrsammlimg, 48 Pf. Stundciilohn und Höhcrbcznhlimg der llcberstuiidcii gemäß den de» Steinsetzern gezahlten Ausschlägen zugestanden. Gefordert waren 50 Pf. Ueberstnndm wurden bisher nicht besonders bezahlt. DriitfthcS Ncich. Die Schuhmacher(Schoßarbcitcr) in Stettin haben am 3. April beschlossen, die Kniidiglmg einzureichen. ES wird deshalb gebeten, den Zuzug fernzuhalten. Zurückgezahlte Streikbctrttgc. Zur Uebcrraschung de» Berg- arbeiter-VcrbandS zahlte ein vor kurzem wieder in Beschäftigung getretener Bergarbeiter seine UntcrstntzungSbcträge, die er während dcS Streiks erhalten hatte, an den Verband zurück. Als Erläuterung für dieses sonderbare Verhalten dient folgendes: Der Acrgrat Berg, Direktor des VcreinSglück-WcrkS, hatte den betreffenden Bergmann nur unter der Bedingung. wieder eingestellt, daß derselbe die vom Strcik-Untcrstiitzimgskomitce empfangenen Gelder wieder zurückzahle. Mangels der Mittel zur Riickzahlnug gewährte man dem Bcrgniann einen Borscbnj} und soll ihm die Summe nach und nach von seinem Lohne gekürzt werden. Eine billige Gcnugthnung für den Herrn Direktor; dächte er ein wenig nobler, dann zahlte e r den Betrag zurück und der Berg- arbeiter-Bcrband würde gewiß.dankend quittieren. Nnslösnng der ZniangSimmngr». In München hat die Zwangsiiimma der Buchbinder mit 86 gegen 15 Stimmen die Auf- losimg beschloffen. In Kempen hat die Zwangsinnung der An- streicher denselben Beschluß gefaßt. Die Stciuhauer in Colmar(Elsaß) sind in einen Streik eingetreten. Sie wollen die Arbeit nur unter solgendeu Bedingungen wieder anfnehnicn: 50 statt 45 Pf. Stundenlohn, zehnstündige Arbeitszeit und vorherige Festsetzung des Lohns bei Accordarbeit. Da die Arbeitgeber nicht gewillt sind, auf diese Forderungen ein- zugehen, dürste der AnSstmid nicht so bald zu Ende ksnimcn.— Im rcichsländischcn Staats-Steinbruch bei Wackenbach find etwa 100 Arbeiter ausständig. Sie jverlangen Lohnerhöhung und hoffen auf gütlichen Ausgleich der Differenzen. RuSlaud. Im böhmischen Bergarbeiter- Ausstand ist nunmehr die letzte noch ausständige Belegschaft in K l a d n o zur Arbeit zurück- gekehrt. Die Dircktivn der StaatSeisenbahngcscllschaft war ver- iiünstig genug, die überflüssige Provokation zu widerrufen, die darin lag, daß man die Arbeiter zwingen wollte, den Empfang der Brnderladcn-Statutcn zu bestätigen.' und so kann man denn schon heute konstatieren, daß der große Streik der 60000 Bergarbeiter zu Ende ist. Die frommen Millionäre in Einfiedeln(Schweiz) haben in ihrer Verwaklungsrats-Sitzuna beschloflcn, den Zchnstundentag ein- zuführen und für ihre Arbeiter eine besondere Organisation zu Ichaficn. Die beschlossene Einführung dcS Zehnstundentags ist bereits ein Erfolg des noch ungeschwächt fortdauernden Streiks.— In Rorschach erreichten die Schneider durch einen mehrtägigen Streik die Anerkennung ihres Tarifs. Soetales.> Jnnnngs- Streikkassen. Der BäckeriimungS- Verband„Ger- maina" hatte auf seinem letzten Bcrbandstaze beschlossen, einen Stceik-Ablvehrsonds zu bilden und dazu von den zu ihnen gehörigen Jnimngen bestimmte Beiträge einzuziehen. Der Plan dazu war gefaßt worden, als man hörte, daß ein Teil der Bäckergesellen mit der Absicht umging, einen allgemeinen Bäckereiarbeiter-Änsstand zu inszenieren. Eiiie der zum Verbände gehörigen Innungen ivollte nun die Berechtigung des Verbandes zur Einziehnng der Beiträge zum Streik-Abwehrfonds nicht anerkenne», zahlte nicht und wandte sich beschwerdeführend an den Polizeipräsidenten von Berlin, da der Sitz des Jimungsverbands„Germania" die Reichshauptstadtsist. Der Polizeiprästdent hat jedoch der Innung den Bescheid zugehen lassen, daß, da der Magdeburger.Beschluß durchaus rechtmäßig zu Stande gekommen sei, der Verband auch das Recht zur Eiiizichlliig der Beitrage für den Streik- Abwehr- fonds habe. Wir möchten sehr bezweifeln, ob der Jnnungsverband gesetzlich berechtigt ist, die beteiligten Jnnuligen zu derartigen Leistungen zu verpflichten. Eine Beschwerde bei der Hähern Behörde wäre sehr nützlich. Ortö-Krankenkasse» und Aerzte. Eine grundsätzlich wichtige Eutscheldiing, der erste derartige Fall im RcichSlande, hat dieser Tage der Bezirkspräsident des Nnterelsaß zu Straß- bürg getroffen. Durch die Verivaltmig einer Orts-Kränkenkasse des Bezirks ivar einem K a s s e n a rz t aus hier nicht näher zu er- örtcriidcn Gründen seine Stellung gekündigt worden. Mit dieser Maßregel ivar eine Reihe der Kasse' angchöriger Arbeitgeber nnzu» frieden, weshalb sie sich, linterstützt von einer Gruppe von Arbeitern, mit einet Petition an die Regierung wandten und diese uni Zwangs- maßregeln gegen den Kassenvorständ ersuchten, damit dieser den cntlassime» Ärzt ivieder in sein Amt einsetze. Diese Kundgebung luiederholte sich, bis die Regiening eine amtliche Untersuchung der üliigclcgcuheit einleitete, ans Grund deren sie wiederholt die gütliche Auffordcriing an die Kasscnleitinig richtete, den Wünsche» jener Arbeiter und Arbeitgeber durch Eiiiführniig der freien Aerzteivahl Rechnung zu tragen. Als der Vorstand dies ablehnte, wnrde der Arzt von Amts ivcgen wieder als Kassenarzt angestellt. Die Behörde stützt sich dabei ans den 1832 neu geschaffenen § 56» des Krattkciivcrsicheriliigs- Gesetzes. Wir möchten jedoch be- zweifeln, ob, falls die hier gegebene, der„Straßbiirgcr Post" ent- stammende Darstellung des Sachverhalts richtig ist, dieser Para- graph der Behörde das Recht giebt, einen vom'Kassenvorstand e»t- iassencn Kassenarzt wieder aiizustclleii. Sein Inhalt ist der, daß die Behörde verfügen kaim, daß die Kassenmitglieder auch andre als die von der Kasse bezeichneten Aerzte. Apotheken n»d Kranken- Häuser in Anspruch nehmen dürfen, wenn durch die von der Kasse getroffenen Anordiuingen eine dcir berechtigten Anforderungen der Versicherten entsprechende Geivährnng der Knssciileistniigen nicht ge- sichert ist. Es würde also zunächst der Fall vorliegen müssen, baß durch die Entlassung eines Kassenarztes die Geivährung der Kaffenleistungen in einer den berechtigten, also doch ivohl dem Geiste des Gesetzes ciitsprechendcn Ansprüchen der Mitglieder beeinträchtigt ivird. Ob der Fall hier vorliegt, geht ans der Darstellung der„Straßb. Post" nicht hervor. Ist diese Voraussetzung gegeben, dann könnte die Behörde ivohl verfügen, daß die Mitglieder den geiiaimten oder einen andren „weiteren" Arzt auch koiisnlticren dürfen mit verbindlicher Wirkung für die Kasse; eine Anstellung als Kassenarzt enthält aber mehr als dies. Die Absicht des Gesetzgebers war es offenbar nur, ein Mittel zu schaffen gegen allzu große Beschränktiilg der Zahl der a»zn- stellenden Kassenärzte. Zustände in de» Bäckereien i» Baden. Nach dem jüngst er» schieneneil Bericht der badischcn Fabrikinspcktion wird in öffentlichen Versammlungen häufig Klage geführt über mangelhafte Reinlichkeit in den Bäckereien, über schlechte sanitäre Beschaffenheit d e r Ar b e i t s r ä n m e. über mangelhafte Unter Im« g int g der Bäckergehilfen, sowie über niigenügende Bcdürsnisanstalten. Solche Mißstände sind, wenn auch nicht über- ivicgcnd, so doch sehr häufig vorhanden und es kann als ein gutes Zeichen von Einsicht bctrachlet werden, wenn sie von den Bäckerei- Arbeitern öffentlich zur Sprache gebracht.werden und wenn auf deren Beseitigung gedrängt lowd.„Während- an nnderii Orten, wie Hamburg, Dresden und Oborelfaß durch- entsprechende Polizei- verordiiiingen den öffentlichen Klagen ciltgcgciigckomiiicn wurde, glaubten wir durch Einwirkung bei Erstellmig von Ren- und Umbauten zwar allmählich, aber sicher und ohne Härte gegenüber den bestehenden Anlagen bcfncdigcudc Zustände erziele» zu können; denn die Zahl der Rciianlagcn and Umbauten von Bäckereien ist infolge dcS technischen Fortschritts der vergangenen Jahre eine sehr große, sie betrug im Berichtsjahr 78. Dazu kommt,' daß die technisch vollkommener cuigcncktctcu Bäckereien im Konkurrenzkampf überlegen sind imd dadurch die znriickgeblicbeiicii Betriebe nötige», nachzufolgen oder unterzugehen. Die für die Genehmigmig von Bäckcrciban gesucheil jeiucils auf Grund der§§ 120a und b der' Gciocrbc-Ordnnng gestellten Anträge, die in Drnckansfertigmig einheitlich aufgestellt sind, beziehen sich auf die Beschaffenheit der ArbeitSräume soivic deren Einrichtung, der Wasch- und Aiiklcidcränmc. der Schlafstätten und BedürftiiSaiistalte». Sie decken sich im wcselitlichen mit den Bestimmuiige» der vorerwähnten Polizei- vcr.ortmuiigc», deren Durchführung ohne besondre Schwierigkeiten möglich war. Bei kleinen Brotbäckereien, wo keine rein gewerblich« Thätigkcit der Gelnlfcn vorhanden ist. nnißte von der Durchführung einzelner Vorschriften nach Prüfung der Berhältniffe Abstand ge- nomnion werden." Kindcrschntz. Auf Gnind einer im Jahr 1838 von der Reichs« regiernng vorgenommenen Erhebung über die gewerbliche Beschäftigung schulpflichtiger Kinder, deren Ergebnisie allerdings noch nicht bekännt geworden sind, solle» jetzt Maßregeln gegen diese Kiiidcransbcntnna geplant sein. Es hätten �schon zu Anfang des Jahrcö im Reichöämt de? Innern lonimissarische'Verhandlnngcil unter Hinznziehnng dcS preußischen Kultus- soivic des Handels« iniinstcniims stattgcfiliiden. Welcher Art die geplanten Maßregeln sind, darüber verlautet noch nichts. Em städtisches Arbeitsamt wird demnächst in Auge bürg eröffnet werden. Ein Beamter der Stadt Augsburg hat zu diesem Zweck die Eiiirichtuiigen des Müncheiier Arbeitsamts studiert. Die Errichtimg einer Znschnstknffe für invalide städtische Arbeiter ist von der Stadt Fürth in Aussicht genommen. Der Magistrat hat bereits ein Statut für dieses Institut entivorf«». Der Zuschuß wird an städtische Arbeiter geleistet, welche mindestens 10 Jahre in gemeindlichen Dienste» beschäftigt waren. Arbeitsunter- brechnngen, die jährlich nicht mehr als 8 Monate betragen, werden als geleistete Arbeit angerechnet. Ein Gcncsnngöheim ist von der VcrsichenmgSanstalt Württem» bcrg sin Bad Röthenbach bei Nagold errichtet und dieser Tage eröffnet worden. Das Hein, soll erstens NckonvaleScenten allsnchnicn/ zweitens solche Versicherte, bei denen eS sich«m klimatische, diätetische und ähnliche einfachere Kuren handelt. Minimallöhne in der Industrie. In der Kolonie Victoria (Australien) erhält seit 1837/38 fast ein Viertel aller Arbeiter(11000 von 46 000) gesetzlich festgestellte Minimallöhne. Iii dem Gewerbc- Jnspektions-Vcricht für 1838 sivcrden, wie die„Zettschrift für Social- Wissenschaft" mitteilt, nähere Angaben darüber gemacht. So haben die Bäcker einen Minimallohn von 1 Schilling(1 M.) per Stunde, oie Schneider 71/2 Schilling für den 8-stAndigen Arbeitstag, die Schneide- rinnen 3V4 Schilling. Schuharbeiter bekamen anfangs 6 Schilling täglich; seit Juli 1838 ist der Lohn auf Verlangen auf 7 Schilling erhöht worden. Die weiblichen Arbeiter in Schuhfabriken bekommen 20 Schilling die Woche, Wäsche»äheri»ncn 16 Schilling bei acht- ftündiger Tagesarbcit. I» vielen Fällen hat sich allerdings heraus- gestellt, daß ältere und minder tüchtige Arbeiter in Folge der hohen gesetzlichen Lohnsätze arbeitslos wurden, so daß für sie Austlahmen gestattet werden mußten. Konrmunsles. Aus der Magistratssitzung am Donnerstag. Das zur Umgestaltung des Friedhofs der Märzgefallenen am Friedrichshain entivorfene Projekt der städtischen Parkdeputation hat das Magistratskollegium mit Rücksicht darauf abgelehnt, weil durch dasselbe der hi st orische Charakter des Friedhofs geändert werde. Das Kollegium hat alsdann beschlossen, die Parkdeputation zu beauftragen, ein neues Projekt aus- arbeiten zu lassen, in welchem der historische Charakter des Friedhofs gewahrt werde. Es soll thunlichst das Bestehende erhalten und dem weiteren Verfall der Gräber vorgebeugt, sowie eine gärtnerische Ausschmückung des Friedhofs herbeigeführt werden. Ein specieller Kostenanschlag soll dem Projekt beigefügt werden.— Sollte da nicht abermals ein Stück Rücksichtnahme nach oben im Spiel sein? Auf die Verlegung und Anlegung eines neuen Eingang- t h o r e s legt das Kollegium keinen Wert. Dem Beschlüsse der Stadtverordneten-Vcrsammlung, der Magistrat möge die Summe von 80 000 M. fiir den Besuch der Welt- ausstellung von Paris durch städtische Beamte, Lehrer, Fach- lehrer, Techniker und Arbeiter bereit stellen, ist das Kollegium beigetreten. Einen Entwurf bezüglich der Grundsätze eines PensionZ- r e g l e m e n t s für die ständig beschäftigten städtischen Arbeiter hat das Magistratskollcgium einer Kommission von sieben Mitgliedern aus seiner Mitte zur Vorberatung überwiesen.— Vevsammlungvn. Der Socialdcmokratischc Wahlvcrcin für den zweiten RcichStngs-Wnhlkrcis hielt am Dienstag bei Habel seine General- Versammlung ab. Vor dein Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Versammelten die im letzten halben Jahr verstorbenen Mitglieder in üblicher Weise. Hinze erstattete dann den Kassenbericht. Danach wurden seit dein lO. Oktober vorigen Jahrs einschließlich des Bestands von 339,24 Mark insgesamt 2201,94 Mark ein- genommen, während 1823,87 Mark ausgegeben wurden. Es verblieb somit ein Bestand von 373,07 M. Witte als Revisor beantragte dem Genossen Richard Fischer 300 M. zur Agitation zu überweisen. Dem Antrage wurde entsprochen. Darauf teilte H i n z e mit. daß in die neu angelegte Mitgliederliste nur 963 Mitglieder übernommen «verde» könnten, obwohl seil der Neugründung des Vereins im Jahre �896 im ganzen 1775 Mitglieder beigetreten seien. Die Lässigkeit im Bezahlen der Beiträge müsse aufhören. Auf Autrag des Vorstands wurde der Tapezierer Winkelmann auS dem Verein ausgeschlossen. iveil er beim Streik der Tapezierer als Streikbrecher fungierte. Nachdem Knschke den Geschäftsbericht des Borstands erstattet hatte, erfolgten die Neuwahlen. Es wurde« gewählt: zum 1. � Vorsitzenden Richard Fischer, zum 2. Borsitzenden Kuschle, zum 1. Kassierer Hinze, zum 2. Kassierer Schüler. zum 1. Schriftführer Mark wald, zum 2. Schriftführer Föllmer und zum Beisitzer Werner. Zn Revisoren ivurden Woldersky, Saß und R e i m a n n ernannt. Die Versammlung bcivilligte dem ersten Kassierer ein Mankogeld von 15 M. und den« zlveitcn Kassierer ein solches von 10 M. für die halbjährige Amtsdauer. Außerdem sollen die Vorstandsniitglieder für jede Vorstandssitzung, an der sie teil- nehmen, je 50 Pf. Zehrgeld erhalten.— Unter Vercinsaugclcgen heiten wurde lebhaft die Frage der praktischen Agiiations� arbeit bei Wahlen zc. erörtert. Ans eine diesbezügliche Umfrage des Vorstands sind bisher etlvaS über 400 Antworten eingelaufen. Der Vorsitzende forderte auf, dafür zu sorgen, daß auch die übrigen Mitglieder bis Ostern autivorten. Der Wahlvercin für den vierten Rcics>Stags'WahlkrciS �OstciO hielt am Dienstag eine Generalversammlung ab. Als erster Punkt stand ein Bortrag des Reichstags-Abgeorducten Fritz K u n e r t ans der Tagesordnung. Der Referent wicS zimäwsl darauf hin, daß die Mehrheitsparlcien den Etatsbcratungcn ein so geringes Interesse entgegenbringen, daß die Abstimmungen über den ganzen, mehr als 2 Milliarden betragenden Etat von einem kleinen Häuflein der Abgeordneten vollzogen wird. Es wäre wohl angebracht. daß unsre Parteigenossen im Reichstag es bei solckier Gc- legenheit ebenso niachcn würden, wie bei' der lex Heinze nämlich durch Anträge auf iiamentlichc Abstimmung die Beschluß- Unfähigkeit des Hauses zu konstatieren, den» man könne verlangen, daß die Vertreter derjenigen Parteien, welche den Etat mit seinen Riesensummen für die kulturfeindlichen Militärzwecke bewilligen und dadurch das Volk schwer belasten ivollcn, auch im Reichstag au wesend sind. Zum Thema seines Vortrags übergehend, beleuchtete der Redner die Situation der inneren Politik, indem er die Haltung der reaktionären Parteien zur lex Heinze, zum Fleischbeschan-Gesctz und zur Flottenvorlage kennzeichnete. Dann ging Genosse Kunert auf die auswärtige politische Lage, besonders auf die Vorgcsckichte des Transvaalkriegs ein, und betonte dabei, daß wir, in Uebereinstimmung mit unsren Parteigenossen der gesamten Knlturwclt, den Krieg über- Haupt verabscheuen, daß Ivir aber in dem vorliegenden Fall mit unsren Sympathien auf der Seite des um seine Unabängigkeit kämpfenden Boerenvolks stehen, ohne deshalb zn den Englandhetzer» zu gehören.— Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Hierauf gab der Borsitzende Schneider den Vorstandsbericht für das Halbjahr Oktober 1899 bis April 1900. In dieser Zeit fanden 6 Versammlungen und 6 Vorstandssitzniigen statt. Der Vorstand beschäftigte sich unter anderni auch mit der Organisations- frage und mit der Stellung zu den Konsumgenossenschaften, ohne indes zu einem abschließenden Resultat gekommen zu sein. Ueber diese beiden Angelegenheiten sollen demnächst Vorträge im Berein gehalten werden. Weiter gab der Vorsitzende bekannt, daß im letzten Halbjahr die Mitglieder Panknin, Heilig und Mitternacht gestorben siyd. Die Versammlung ehrte deren Andenken in der üblichen Weise. Nunmehr erstattete der Kassierer T h i e I k e den RecheiischastS- Bericht. Derselbe verzeichnet eine Einnahme von 2068,20 M.. eine Ausgabe von 2037,30 M., cS bleibt ein Bestand von 30.90 M.— Die Mitgliederzahl beträgt 2243. Dem Kassierer wurde einstimmig Decharge erteilt und dann die Neuwahl des Vorstands vorgenommen, welche folgendes Resultat hatte: Schneider, erster, Q u i n t i n g, »weiter Vorsitzender! Tempel, erster, Pohl, zweiter Schrift- führer: T h i e l l e. erster, E n d e r«, zweiter Kassierer; L e f e b r e. Beisitzer. Als Revisoren wurden Kandale. Ziese und Müncheberg gewählt. Der soclaldemokrattsche Agitationsverein für den Reichstags- Wahlkreis Stralsund-Franzburg-Riigen hielt am 8. April bei Ramlow, Schönhauser Allee 135. seine ordentliche Gcneralven'ammlung ab. Nach dem erstatteten Geschäftsbericht des Vorstands sind außer ge- lesenen Broschüren und Zeitungen im letzten Vierteljahr 25 000 Flug- Blätter hergestellt und zur Versendung gelangt, und zivar gingen davon 15 0(X) nach Stralsund-Franzburg-Rügen und 10 000 nachdem Benachbarten Wahlkreis Grimmen-Greifswald. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme von 69,52 M., eine Ausgabe von 64,67 M., so daß ein Bestand von 4,85 M. verbleibt. Die Neuwahlen hatten zum Resultat: Ostwald. Vorsitzender; Bey, Kassierer; Werner, Beisitzer; Vieth und Kabeller, Revisoren. Ge- wünscht wurde allseitig, daß diejenigen Genossen, in erster Linie die Landsleute aus den beiden genannten Wahlkreisen, die mit seinen Bestrebungen einverstanden sind, sich mehr wie bisher dem Verein anschließen möchten. Sitzung jeden Sonntag nach dem 1. des Monats, 10 Uhr vormittags, im obigen Lokal. Die an Holzbearbeitungs-Maschinen beschäftigten Arbeiter hielten am 9. d. M. ihre Generalversammlung ab. Der Kassierer gab die Abrechnung vom ersten Quartal 1960. Danach beläuft sich die Gesamteinnahme inklusive eines Kassenbestands vom vierten Quartal 1899 in Höhe von 3489,16 M. auf 7997.42 M.. der eine Ausgabe von 3879,97 M. gegenüber steht. Somit verblieb am Schluß der Abrechnung ein Bestand von 4117,46 M. Bemerkt sei, daß die Aus- gaben des' Streiks nicht mit einbegrissen sind. Diese Abrechnung wird in der nächsten Generalversammlung vorgelegt werden. Man beschäftigte sich dann mit einem Antrag auf Erhöhung der Beiträge von 30 auf 50 Pf. pro Woche. Nach lebhafter Debatte wurde der Antrag einstimmig angenommen. Ein Antrag,'welcher besagte, in der Holzbearbeitungsmaschinen� Branche von jetzt ab keine Ueberstundcn zu machen, wurde zur Vor Prüfung dem Vorstand überwiesen und soll dann in der nächsten Mitgliederversammlung zur Verhandlung kommen. Ferner wurde der Vorstand von der Versammlung einstimmig beauftragt, der Achtzehner- Kommission der Holzbearbeitungsmaschinen- Branche folgende Anträge zu überweisen: 1. Die Arbeitgeber verpflichten sich, Arbeiter nur vom Arbeits- Nachweis der Maschinenarbciter zu beziehen. 2. Keine unorganisierten Arbeiter zu beschäftigen. 3. Lehrlinge nur nach Uebereinkimft beider Organisationen an- zulernen. In der Stellungnahme zum 1. Mai wurde einstimmig beschlosien: In allen Holzbearbeitungsfabriken, Fräsereien, Schneideniühlen zc. hat die Arbeit unter allen Umständen am 1. Mai zu ruhen. Die Versammlung findet bei Stechert, Andreasstraße 21, statt. Der Vorstand wurde Beauftragt, diesen Beschluß baldigst dem Vorstand der Freien Vereinigung der Holzindustriellcn. Fräserei- und Schneidemühlenbesitzer zu unterbreiten. Nach- dem noch einige interne Verbandsangelegcnheitcn erledigt waren. gab der Vorsitzende bekannt, daß die Äckitzehner-Konunission� sich konstituirt habe. Vorsitzender für die Arbeitgeber ist Herr Ferschke, Gr. Frankfurterstr. 87.' für die Arbeitnehmer Zauerzapf, Lübecker straße 9, H. pt. Arbeitsniederlegungen sowie Aussperrungen ohne vorherige Annifung der Achtzehner-Kommission sind unzulässig. Im Falle der Zuwiderhandlung werden die beiderseitigen Organisationen ihre Mitwirkung versagen. Die deutsche Mctallarbeitcr-Gcwcrkschnft hielt am 8. April in den Borussiasälen ihre ordentliche Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Versamnieltcn die durch Tod ausgeschiedenen Mitglieder Heinrich Metzger und Heinrich Demiith durch Erheben von den Plätzen. Älsdaun gab der Kassierer den Kassenbericht. Demselben war zn entnehmen, daß die Einnahme von Januar— März 1758,60 M. betrugt dem steht eine Ausgabe von 1142,03 M. gegenüber. Der lleverschnß beträgt 616,55 M., hierzu der Bestand vom vergangenen Jahr 603.86 M., bleibt ein Gesamtbestaiid von 1 222,41' M. Die Revisoren bean- kragten, dem Kassierer für das verflossene Vierteljahr pro Monat 5 M. Maukogcld zu bewilligen, dem wurde zugestimmt. Hierauf erstattete der erste Bevollmächtigte den Thätigkeitsbericht der OrtSverwaltnng. Nach demselben haben stattgefunden: 6 Orts- verivaltnngs-Sitznngcn, 8 BcrtrauciiLmänner-Konserenzen, 10 öffent- lichc Versammlungen. 6 Vereins- und SO WcrkstattS-Versammlungen. In diesem Licricljahr sind 865 Nenansnahmen erfolgt. An Maß- regelnngs-Untcrslütznng wurde 260 M. gezahlt. Weiler sei noch mit- zuteilen, daß für den Liäitenbcrger Streik im vorigen Jahr 1509 M. verausgabt wurden. Nacki dem Gehörten sei zn schließen, daß die Organisation einen Aufschwung genommen bat. In der sich hieran ankinipsenden Diskussion prorestiertcn sämtliche Redner gegen die gchandhnbte Takuk des Verbands und fand die Diskussion durch Ännahmc nachfolgenden Antrags ihren Abschluß: Die Gencralversamnilnng fordert die Leitung des Deutsche» Metallarbeiter-Verbands auf. den Beweis darüber zu bringen, daß die Leiter der Deutschen Metallarbcitcr-Gewerlschaft mit den Kühne- männern Hand in Hand gingen, um die Melallarbeitcr-Belvegung zu schädigen; andernfalls jene Behauptung als gemeine Verleumdung betrachtet und der gegen uns gerichtete Borivurf auf sie zurückfällt. Es folgten hierauf die'Ersotzwnhlen, die folgendes Ncsnltar ergaben: 2. Bevollmächtigter: Dannenbergcr, Schriftführer: Möbius, Revisor: Haiwich. Die übrigen Wahl n wurden einer späteren beschließenden Versammlung überlassen. Tie Stellungnahme zur Maifeier wurde nach eingehender Aussprache durch Annahme folgender Anträge erledigt: a) Die Geileralversaminlung empfiehlt den Kollegen, überall da den 1. Mai zu feiern, wo es unbeschadet ihrer Existenz geschehen kann. Jedoch wird die Organisation dort, wo die Majorität der Kollegen die Feier beschließt,'hinter denselben stehen und dieselben materiell unterstützen. b) Die Kollegen, welche den t. Mai durch ArbeitSruhe nicht feieni können, sind verpflichtet, je nach Höhe ihres Verdienstes Mai- marken zu entnehme», jedoch soll nicht unter 50 Pfennig gegeben werden. Die HciznngS-. Gas- und Wasscrrohrlcgcr und Helfer hielten am 8. April in Cohns Festsälen eine stark beiuchte Verjamm- lung ab, in der Reichstags-Abgeordneter R o s e n o w über die Ar- beitcrbewegung ini Mitte'lalter'und jetzt sprach. Die interessanten Aussührnngen' wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Sodann beschäftigte sich die Versammlung mit der Erörterung beruf- sicher Angelegenheiten. Der Verband der Bau-, Erd- und gctverblichen Hilf»- arbeitcr(Zahlstelle I) nahm am 8. April in seiner Versammlung den Kassenbericht entgegen. Danach betrug die Einnahme 1543,19 Mark, die Ausgabe 1385,51 M. Nach dem sich anschließenden Bericht des Vorstands der Provinzialkonfcrenz gelaugten einige interne An- gclcgenhciten zur Erledigung. Wcisjcnscc. Am Dienstag hielt hier der Arbeiterverein seine Generalversammlung ab. Zu Ehren des verstorbenen Mitglieds Barowsky fordert der Vorsitzende die Anwesenden auf, sich von den Plätzen zu erheben, was geschieht. Sodann sprach Dr. Freuden- b e r g in höchst interessanter Weise über das Thenia:.Kultur- aufgaben leiden nicht". Es folgt dann der Kassenbericht vom letzten Quartal. Danach betnig die Einnahme 439,87 M., die Ausgabe 355,70 M. Die Mitgliederzahl hat sich auf 353 erhöht. Bei der ErgänzungSwahl wurde Elzner als Beisitzer, Gubomersky. Breilkreuz und Stahlberg als Revisoren gewählt. Der Krieg. DaS Schweigen Lord Roberts. Ueber die Niederlage von McerkatSfontein ist auch heute nichts gebracht worden. Ob Roberts die betreffenden Nachrichten geflissentlich zurückhält oder ob er selbst bis zum Abgang der letzten Depeschen noch keine Nachricht von der letzten Katastrophe erhalten hatte, muß dahingestellt bleiben. Roberts hat augenscheinlich keine weiteren Operationen unternommen. Der Zustand seiner Truppen, namentlich auch seines Pferdebestands, mag ihn daran verhindert haben. Wie sehr die Engländer unter dem Mangel an Pferden leiden müssen, geht auS der Ansicht englischer Blätter hervor, daß die englischen Truppen mit einem monatlichen Verlust von 6000 Pferden zu rechnen haben würden. Die Heeresverwaltung soll dementsprechend denn auch in Amerika 35 000 Pferde angekauft haben, die aber auch bei der An- kunst durch den Transport stark mitgenommen sein werden. Daß man Roberts Lage als ernstlich gefährdet auffaßt, darf wohl daraus geschlossen werden, daß nach der Meldung deS .Standard" ans Natal eine ganze Brigade abgegangen ist, um zu Roberts zu stoßen. Zwei weitere Reginienter sollen folgen. Wie die Dinge auf dem vermutlichen Schauplatz des letzten Ge- fechtS liegen, ist noch in Dunkel gehüllt, daS auch durch die nach- stehende Mitteilung nicht sonderlick gelüftet wird: Bloemfonrein, 11. April. Nach Berichten von der Karree- Station ist der Feind beschäftigt, seine Stellung im Osten von Brandfort, welche parallel mit der Eisenbahn läuft, zu befestigen. Gleichzeitig melden Kundschafter, daß der Feind noch die W a t e r v a l Drift und die Wasserwerke mit großer Macht halte. Karree- Station liegt etwa in der Mitte zwischen B l o e m- f o n t e i n und Brandfort. Die W a t e r v a l- Drift und die Wasserwerke liegen bekanntlich östlich von Bloemfontein. Die in verschiedenen Blättern gemachten Angaben über die Stärke der einzelnen Boerenabteilungen sind entschieden übertrieben und be- ruhen offenbar auf kühner Erfindung. Lord Kitchener muß die Eigenschaft der A l l g e g e n w a r t haben, wenn er sich überall da befindet, wo er sich nach den verschiedenen einander widersprechenden Meldungen aufhalten soll. Eine Nachricht läßt ihn in B n r g e r s d o r p in der nördlichen Kapkolonie weilen, resp. in AtiwalNorth an der südlichen Grenze des Oranje-Freistaats die Truppenschau abhalten, bei welcher Gelegenheit er den in W e p e n e r eingeschlossenen vierhundert Engländern eine Er- mnnternngs-Botschaft zusendet, ein andres Telegramm hingegen behauptet, daß Kitchener von Vryburg aus. d. h. etliche huii der t Kilometer weiter nordwestlich, mit einer starken Truppen- niachtfden Vorstoß zum Entsatz MafekingS unternehme. Welche der einander ausschließenden Mitteilungen richtig ist, läßt sich vorläufig nicht kontrollieren. Vom Kriegsschauplatz in Natal liegt folgende Meldung vor: London, 12. April. Wie die Abendblätter aus Elandslaogte melden, hat gestern dort abermals ein Kampf stattgefunden. Die Boeren griffen unausgesetzt die britischen Stellungen an, große Boerengeichütze traten in Aktion. Die britische Artillerie antwortete wirkungsvoll. Die Boeren versuchten die Verbindung des Lagers am Sundaysfluß mit Ladysmith abzuschneiden, ihr Vorstoß wurde jedoch zweimal abgeschlagen. Außerdem liegt folgende Nachricht von der Boeren- se it e vor: London, 12. April. Wie daS„Nentersche Bureau" aus dem Boerenlager bei Glcucoe von gestern meldet, rückten am 10. April bei Tagesniibriich die Streitkräfte der Boeren gegen die Höhen- rücken in der Nähe des englischen Lagers vor und eröffneten mit ihrer Artillerie ein Feuer auf dasselbe. Die Beschießung dauerte den ganzen Tag. Das Ergebnis ist ein günstiges. Die britischen Vcr- 'luste müssen schwer sein. Einige Geschosse krepierten unter ihren Truppen. Den Boeren wurden nur einige Maulesel und Pferde getötet. »» Ueber die kriegerischen Eigenschaften der Boeren hat sich der in Gefangenschaft geratene Major Albrecht, Kommandeur der Artillerie deS Orauje«Freistaats, ciiglischcn Offizieren gegenüber in einer Weise ausgelassen, die entschiedenen Widerspruch finden wird, namentlich auch infolge der neueren Erfolge der Boeren. Major Albrecht sagte: „Der Borr ist kein Soldat. Erkennt keine Disciplin. Alles ist schön und gut, wenn eine Boereuabteilung mit ihrem Führer auf einem Kopjc festsitzt. Da wird sie sterben. Aber sagt man zu so einer Truppe:.Kommt mit nur!", dann werden alle davon laufen, zn ihren Farmen zurück. Sie sind eben keine Soldaten und kenne» keine Disciplin." Es will uns scheinen, als ob Major Albrecht der ehemalige deutsche Wachtmeister noch allzusehr im Blute steckte. Die Boeren haben bis zum Augenblick noch bewiesen, daß das Davonlaufen nicht ihre Sache ist, daß sie vielmehr mit einem TodeSmut kämpfen. der alle Bewunderung verdient. Die Gefangennahme CronjeS und icincs Corps hat zwar auf einen Teil der Oranjeboeren nieder- schmcltcnid gewirkt und ihn veranlaßt, die Waffen niederzulegen. Dabei darf aber nicht außer acht gelassen werden, daß die auS den Reihen desertierenden Freistaatboeren alle Veranlassung hatten, um das Schicksal ihrer Besitzungen und ihrer Angehörigen, die sich in der Macht des Feindes befanden, besorgt zu sein. Trotzdem war es, wie die neuesten Kämpfe bewiesen haben, nur ein Teil der Freistaatboeren, der davonlief, ein andrer Teil zeigte sich entschlossen, den Kampf bis zum äußersten fortzu- setzen. Daß der Boer aber im Kampf selbst kein.Soldat" ist, keine Disciplin" besitzt, hat den Boeren im bisherigen Verlauf des Kampfes bedeutend mehr Vorteile als Nachteile gebracht. Gewiß. der Boer kennt nicht die militärische Subordination, den Kadaver- gehorsam; dafür aber kämpft jeder einzelne auf eigene Faust, unter gescbicklcstcr Ausnutziing aller Vorteile des Geländes, ohne daß deshalb die Fühlung zwischen den einzelnen Kämpfern verloren ginge. Von der Treffsicherheit und Kaltblütigkeit im Schießen wollen wir gar nicht einmal sprechen. Der Boer känipst tapfer, ohne sich tollkühn der sicheren Gefahr auszusetzen; erscheinen seinem geübten Blick die Chancen deS Kampfes aussichtslos, so läßt er sich durch keine Macht ins Feuer treiben. Er besitzt eben keine.Disciplin". DaS ist beim britischen Soldaten, dem militaristisch gedrillten Benisssoldateu. anders. Er geht auf Kommando blindlings vor. mit der Tapferkeit eines Bulldog'gs. Er versucht das Unmögliche. Aber hat nicht dieser Kadavergehorsam bisher gerade zu den blutig st en Niederlage» der Engländer geführt? Die Boeren hätten vielleicht nicht derartige Proben eines todcSverachtenden Draufgängertums abgelegt, aber sie würden auch nimmermehr eine derartige Verlustliste aufzuweisen haben, wie die englischen Truppen. Daß die Führer der Boeren aber mindestens ebenso gute tratcgen sind, nlS die englischen Gamaschenknöpfe, das wird wohl kaum jemand bezweifeln wollen. Cronje niag schwere Fehler gemacht haben, aber haben nicht die Methuen, Galacre, Buller usw. viel gröbere Schnitzer gemacht? Albrecht, der sonst ganz gesunde An- sickite» geäußert hat. hätte also in dieser Beziehung den Mund lieber nicht so voll nchinen sollen. Da wir gerade bei dem Gegenstand sind, sei auch noch erwähnt. daß ein angeblich hoher deutscher Militär, der zum Studium des Kriegs nach Südafrika gekommen, einem englischen Offizier seine Meinung über die vorzunehmende Reorganisation der englischen Truppe» u.a. dahin ausgedrückt hat, daß.alle Be- wegungen und nutzlosen Hebungen auf dem Paradeseld durch wirkliche und ernsthafte Vor- Übungen, die für den auf ein modernes Schlacht- feld gestellten Soldaten von Nutzen sein könnten. ersetzt werden mühten. Ein Rat, der auch bei andren Nationen Beachtung verdiente. Thatsächlich soll man ja auch in deutschen Offizierskreisen geneigt sein, auS den Lehren deS süd> afrikanischen Kriegs die nötige» Konsequenzen zu ziehen. « � G Letzte Meldungen. London, 12. April. Dem.Neuterschcn Bureau' wird au» Durban vom 11. April gemeldet: Staatssekretär Reitz hat an- geordnet, daß alle britischen und amerikanischen Staatsangehörigen und ein großer Teil der Deutschen innerhalb vierzehn Tagen das Land zu verlassen haben.— Von siebzig Passagieren, die mit einem deutschen Dampfer in der Delagoabai ankamen, wurden 26 die Pässe nach Transvaal auf Verlangen des britischen Konsuls verweigert, weil man bei ihnen Munition vorgesimden hat. London, 12. April. Die Regierungen der beiden Boeren- Republiken habe», wie das.Rcutersche Bureau" erfährt, Portugal offiziell mitgeteilt, daß sie die Zulassung deS Durchzugs britischer Truppe» durch das portugiesische Gebiet von Beira aus als einem feiudseligen Akte gleichkommend betrachten. ES wird hier für unwahrscheinlich ge- halten, daß die Boerenrepubliken auf ihr Ultimatum Repressalien folgen lassen, England würde aber Portugal, wenn cS wirklich angegriffen werde» sollte, sofort unterstützen. Portugal dürfte auf das Ultimatum antworten, es handle nur gemäß seine» Verträgen mit England. (Wie England, daß doch grade genug zu thun hat, sich seiner Haut zu wehren, Portugal.unterstützen" will, darauf darf man wirklich neugierig sein. R. d..V.") Tckto Machvichken und Depeschen. Paris, 12. April. sW. T. B.) Da die bisherigen Arbeitskräfte auf dem Gebiete der Weltausstellung unzureichend sind, wurden heute 1500 Geniesoldaten zur Hilfe aufgeboten. Nizza, 12. April.(B. H.) Der ehemalige preußische Genie- Offizier Helmuth Wessel wurde hier auf Veranlassung des deutschen Konsuls verhaftet. Wie es heißt, handelt cS sich um eine Spionage- Affaire. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke ü: Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilage« und llntcrhaltungsblatt, Ar. 87. 17. 1. jirilM des Lmiirls" Knlmr WllisdlM. Freilliz, 13. April IWV. Der Raubmord in der Birkcustraße. Ucbcr jene cntictzlichc Blutthat in der B i r k c n st r a st e, der rinc 7C(jcilHigc Grcisin zinn Opfcr �cfallcn, werden unö folsicndc Ein�clnhcitt» bcriclUct: I» dein Hciusc Birkenst. 42 irolnite in der ersten Etciftc dcö linken Hofflns,c!s die am 3. Mai 1824 geborene prnsionirte Lehrerin Emilie Johanna Mcdcnwaldt. eine bei der Be» volkerung Moabits tvohlbckannte Greifin. Die alte Dame stand in dem Rus, etwa» sonderlich zn sein. Sic zeichnete sich in ihren Um- gangSformcn durch eine gewisse Originalität an», namentlich war sie »ei de» Kindern in jener Gegend beliebt, denen sie oft kleine Geschenke »nachte. Die Kleinen kamen oft zur Tantc Medcinvald nnd die alle Dame »mterstiitztc viele Kinder öfters bei den Schularbeiten, sowie bei Slnfcrtigmig von Handarbeiten. Mit Erwachsenen hat die M. weniger Berkchr gehabt; sie lebte. da sie 4ö Jahre an Berliner Genreindeschirlen gewirkt hatte nnd seit 10 Jahren pensioniert war, von einer Pension. die 1040 M. pro Jahr betrug. Fränlcin M. scheint ancb ein kleines Vcrnrögc» besessen zn haben, dessen Zinsen mit den» Ruhegehalt zur Geniige ansreichten, der alten Dame eine behagliche Eristcng zir schaffen. Ihre Wohnung bestand aiiS zivci anständig eingerichteten Stuben, Küche und' Korridor. An der Schlafstube befand sich ein kleiner Balkon. Die Greisin war trotz ihres hohen Alters noch recht rüstig, nur klagte sie in den letzten Monaten über Schiväche an beiden Füstcn, sowie darüber. dast ihr das Laufen schivcr fiele. Ein ileincS Schuluiädchcn besorgte für sie die nvtivcndigcn Gänge für den Haushalt, kam des Morgens und Mittags zu ihr, um die Aufträge der M. entgegen zn nehmen. Die Kleine hat ihre Herrin ain DicnStagmorgen gegen 7 Uhr zum letztenmal gesprochen. Iräulcin M. kam an die Korridorthür und holte sich den an der Klinke hängenden FrühstückSbcutcl. Zu dieser Zeit ist sie auch vou den Nachbarn zum letztenmal gesehen ivordci». Als die kleine Botin am TicnStagmittag gegen 12 1 Uhr wieder bei Fränlcin M. vorsprach, wurde ihr trotz wiederholten KlingclnS nickt geöffnet. TaS Kind nahm au, Fräulein M. sei, tvie dies öfter geschah, fortgegangen und entfernte sich. Bis Mittwochmittag scheint sich dann nienrand n»n die alte Dame gekümmert zu haben. MS jedoch an» Nach- uiittag gegen 6 Uhr ein m der zweiten Etage des HosflügclS wohnender Herr Lange an der Thür der M.'schcn Wohnung vorüber- ging, fiel cS ihm auf, dast der gefüllte FrühstückSbcutcl noch an der Eittrcclhiir hing»md die Zritniig in der Thnrritzc steckte. Herr L. glaubte, dast FrünIcin M. irgend ctivaS passiert sei: er benachrichtigte den Hauswirt, Restanratenr Müller sowie den in» Hanse ivohncndc» Polizcilientcnnnt Manrcr. Der letztere liest cinci» Schlosser holen und die Korridorthür öffnen. Den zuvörderst in das Scklnfzinnncr Eindringenden bot sich ein schrecklicher Anblick. Die Greisin lag »ot an» Fustbodcn, zwischei» Schreibtisch, Sofw und Spiegel. Mittels eines durch ein stumpfes Jnstrnment herbeigeführten Schlags war die Schädcldecke des Fränlcin M. zertrümmert tvordeu. Der Kopf der Leiche war»nit eine»: Tuch bedeckt, die Kleidung der � Ermordeten sowie das Zmrmcr mit Blut besudelt. Blntspritzen befanden sich auch an der Balkonwaud, am Schrcibpnlt und Sofa. Tie Fächer des Schreibtisches waren geöffnet und durch- wühlt � ein Teil des Inhalts. Papiere, lag an» Boden zerstreut. Das Portcinomiaic der M. lag neben der Toten: cö»vor fcmeS über 150 M. betragenden Inhalts beraubt. Uhr und Kette der Ge- töteten soivic eine Brocke wurde»» vorgefunden, der Mörder hätte diese Gegcnstälidc, die ihn möglichcrivciic vcrr-aten konnten, unberührt gelassen. Der cku zonr habende Kriininalbcamte deZ Polizeipräsidiums. Krinlinallon»>niffar v. Kracht,»vor schon nach kurzer Zeit zur Stelle. Bald darauf erschien auch der Chef der Kriininalpolizei Gcheiinrat Dictcrici, Kriiuinalinspektor v. Meerscheidt-Hüllessem, foivie fast der gesamte Stab der Kriminalpolizei anr Thalort. Tie angestellten Erhebungen ergäbe»», dast der Mord an» D i e n S t a g v o r n» i t t a g begangen>v o r d e n fein in n st. Der Mörder hatte, als er die Tbat verüble, an der rechten Seite seines Opfers gestanden. Er hat der Ahnmigslofc» zmiächst mit der stumpfen Seite emcS Stemmeisen» einen Hieb auf die rechte Schädelscitc versetzt. Ein zweiter Hieb mit der Spitze des Instruments hat die tötliche Wirkung gehabt. Nachdem die Uiiglücklichc den ersten Schlag erhalten, hat sie zweifellos den Versuch gemacht, sich zn vcr- tcidigcn. Unter den Fingernägeln der rechte!» Hand der Toten ivnrdcil Spnrcii von Haut nnd Blut vorgestmdcn: ein Beweis, dast fit de»» Mörder jedenfalls erheblichere Kratzwundcn im Gesicht oder an einer Hand beigebracht hat. DaS Mordinstrumcnt wurde nicht � vorgefunden. Die Vernehmungen wurden mit der achtjährigen Schülerin Bcrgcr, welche der Greisin,»vic oben erwähnt, stets das Frühstück brachte»md für sie die Botengänge besorgte, begonnen. Die Kleine! hatte die M., wie oben angegeben, am DienStagmoracn znm lctzien- j mal gesehen, am DienStagmittag, Mittwock früh und Mittag ivurde ihr auf wiederholte» Klingel»»'cht geöffnet. Eine drei Treppe» wohnende Fran Ocrtel hat am Dienstagvormittag gegen 11 Uhr aus der unter der ihrigen belegenen Wohmmg einen Schrei vernommen. Eine gleiche Aussage machte eine in der zweiten Etage wohnende Fran Lange. Beide Zeugiiincn haben jedoch, da gleich danach alles still war. dem Umstand keine Bedeutung bei gelegt. Sämtliche Zeugen erklärte»», dast die Ermordete iin Verkehr »nit Fremden sehr vertranensselig war. Sie liest Bettler, »vclche niemals von ihr abgewiesen wurden, in die Wohmmg hinein und erklärte, als sie einmal auf die unvorsichtige Handlungsweise aufmerksam gemacht wurde:.Man unist die Lcnie in die Wohnung kommen lassen. Wenn man sie an der Thür abfertigt, so ist dies beleidigend.- Ten, Klempner Palifch, der in» Oktober vorigen Jahrcö Ncparaturarbeitc» bei Fränlcin Medcnwaldt vornahm, er« klärte die alte Dame auf eine entsprechende Bcmcrluiig: Sic brauche keine SicherhcitSIette an der Rorridorthnr. ihr thne niemand ctivaS. An» Montagabend bemerkte eine in der Bredvivstraste 25»—»vclchcs zu den» iviordhanse gehört— wohnende Frau Rcinhold auf dem Hofe eine» fremde», Menschen,»velcher nach der Wohmmg der Mcdemvaldt emporsah. Ter Fremde entfernte sich, als er sich von Frau B. beobachtet sah. Sie schildert den Uiibekaimte» als einen etwa 1,60 Meter grosten, schlanke» Menschen mit dmikelbloiidein Vollbart und blassem Gesicht. Der Betreffende ist etwa 25— 30 Jahre alt und trug du, ille Kleidung. Dieselbe Person soll schon vor crwa 14 Tagen ans de», Grundstück gesehen ivordci» sein. Aus den» Trcppcngaiig wurden keine Blut- i'purc» vorgefunden. ES scheint demnach, daß der Mörder, der sich jedenfalls längere Zeit in der Wohnung seines Opfers aufgehalten, sich dort von! Blut gereinigt hat. Allerdings wiirde in der Küche nichts bcincrkt, ivelckcs auf eine derartige vorgeuommcue Reinigung hindcutci» könnte. Gestern abend wurden die drei Söhne des am 1. April in dem Hanse Birkciistraste 42 eingezogenen Tischlers Glüth nach der Wache des 100. Polizeireviers in der Bremerstratze sisiiert; sie wurden jedoch in der Nacht freigelassen. Die Gcricktökommission und Staatsanwaltschaft traf erst am gestrigen Vormittag am That- ort ein. Trotz der sorgfältigsten Untersuchung konnte bisher keine Spur von dein Mörder entdeckt werden. DaS Polizeipräsidum» fetzt eine Belohnung von 1000 M. auf die Ergreifung des Mörders der Lcbrerin Johanna Medcnwaldt ailS. In Verdacht kommt ein etwa 25 Jahre alter Mann. Er ist etwa 1.80 Meter groß, von blasser Gesichtsfarbe u»it blondem Haar nnd Schuurrbärtchen, schlanker Figur und langem Hals. Bekleidet war der- selbe nlit grauem Jackettanzug(sogen. Pfeffer und Salz) und dunkler Mütze mit rundem Deckel. Der Mann ist am Dienstag, den 10. d. M„ im Haufe Birkcnstr. 42 von Hansbewohnern bettelnd bettoffen Ivorden. Nach den bisherigen Feststellmiaen m»st die Mcdenwaldt um die genannte Zeit ermordet worden sein. Da der Schädel der Leiche stark zertrümmert und mit vielen Stichen bedeckt und das Blut auch bis oben zum Spiegel hinauf gespritzt ist. must angenommen werden, dast auch die Kleidung deS Mörders wahrscheinlich mit Blut bespritzt ist. Anscheinend liegt ein Raubmord vor. Geraubt ist aller Wahrscheinlichkeit nach nur bnrcS Geld, da ivertvollo Schmucksachen sreiliegeud vorgefunden ivnrden. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dast die beschriebene Persönlich- kcit zn der Mordthat in keiner B e z i e h n n g steht, und wäre es dann von Wichtigkeit, ivenn diese Person sich bei der Kriminalpolizei sofort melden würde. Anzeigen nehmen sämtliche Polizeireviere und die Krimiualabteilimg im Polizeipräsidium am Alexändcrplatz entgegen. Die Leiche der Ermordeten wurde gestern DoimerStagnachmittag um V23 Uhr nach dein S ch a u h a»! s e gebracht, nachdem eine GcrichtSkoimnission an Ort und Stelle den Thatbcstand aufgenommen hatte. Die sämtlichen Bewohner de? HanseS Birkciistraste 42 wurden nochmals vcniommcn, ohne dast irgend ein Anhalt über den Thäter zu erlangen war. Dast Fräulein Medenwaldt an» Dienstag- vor»i,iltag gegen 11 Ilhr getötet ivordci»»st, er- scheint zivciscllv's. Um diese Zeit ging ein junges Mädchen, daS ihre in den» Hanse wohnende Tante. eine Fran Brauer, besuchen wollte, die Treppe hinauf. Als cS an dem Korridor des Fränlcin M. vorüberging, hörte cS dorffelbst ein leises unter- drückteS Schreien. Das Mädchen machte von seiner Wahrnehmung ihren Bcrivandtcn Mitteilung, ohne dast»na» sich jcdock um die „sonderbare Greisin", mit der niemand im Hause in Verkehr stand, weiter bekümmerte. Ei» Fräulein S c e g e r, Schillstraste 3»vohn- Haft, welche mit der Verstorbenen sehr befreundet ivar und diese öfters, das letzte Mal am vergangenen Freitag besuchte, konnte mir bestätigen, dast anster den» Geld weiter nichts gestohlen worden ist, In, Laufe des gestrigen Vormittags habe» zwei Sifticnmgen vcr- dächtigcr Personcn stattacsnndc»»,' die sich jedoch lanni ausrecht er- halten lassen werden._ Toltsrlvs. Die Parteigenossen des vierten Wahlkreises tSüdosien) veranstalten am 1. Oslcrfcicrtag, 12 Uhr mittags, im Konzcrthaus Sanssouci, Kottbnserstr. 4!l, eine Matinee, die ihres interessanten Programms wegen Beachtung verdient. Die Hoffnininischen Nord- deutschen Sänger treten in ihren bckamitcn Glaiiziniinmen» ans. BillctS a 30 Pf.(Programme gratis) sind an den bekannten Stellen zn habe». Sechster Wahlkreis, Schönhauser Vorstadt. Am zweiten Ostcrtag findet im Berliner Prater. Kastanien-Allce 7— 9, eine von Parteigenossen veranstaltete Wohlthäiigkeits-Matinee statt, bc stehend ans Konzert, Gesang nnd Vorträgen. ES wirken mit der Gesangverein„Nord"»md das„Berliner lllk-Triv-, Im Jntcreffc deö wohlthätigen ZivcckS ivird um rege Beteiligung gebeten. DaS Komitee. dcö GrtvertschaftöhanscS einem geladenen Publikum»nd den Vcr- Die Vesichtignng fand gestern abend vor treten! der Presse statt. Der Berliner Magistrat hatte cS nicht für nötig gehalten, einen Vertreter zu entsenden. Von bekainiteii Per sönlichkeiten bemerkten wir de» RcichötagS-Abgcordiictcn Richard Rösicke, den Socinlpolitiker Stadtrat Dr. Jastroiv, den Vor- sitzenden deS Berliner Geivcrbegcrichts Assessor v. Schulz. Ansterdem waren eine grostc Anzahl Berliner, Chaplottenbnrger und Iüxdorfcr Stadtverordneter, sowie als Vertreter der Laiidcs-VcrstcherimgSansinlt Berlin die Herren S i»n a u o w S k i und Wolde rSky erschiene» Von der Berliner Stadtverordneten- Versammlung waren alle Fraktionen vertreten»»»it Ausnahme der autiscuritischen, deren Mit gliedcr den Acjnck des Ge»vcrksthaftShal»seS angeblich ans den» Grunde abgelehnt haben, ivcil sie ihre AmtSkettc bei dieser Gelege» heit doch nicht»»nlegen kvnitteii. Unter Führung der Baumeister Reimer und Körte nnd»msrer Genoffcn Dr. AronS»md Saffcnbach Ivurde ein Rundgang durch die gesamten Räume angetreten, deren nochmalige Beschreibung wir»ms an dieser Stelle»vohl versagen können. Die Einrichtungen des HanseS fanden allseitigen imgctciltc» Beifall, namentlich auch bei den antvcscuden Angehörigen der bürgerlichen Parteien, die offenbar sehr crsta»mt waren über diese Schöpsimg der Berliner Arbeiter- schaft. Nach Schlnh des Rundgangs folgten die Erschienenen der Ein- ladung der Schultheis-Branercr zur Einwcihiing der RcstaurationS räume._ _ Berliner Schulclcud. Unter diesem Titel brackle vor einiger Zeit die„ V o l k s« Z e i t n n g" mehrere Artikel, die sich mit M» st sr ä n d e n im Berliner G e»» e i n d e s ch u l lo« s e u bc- schnfttgtcn. namentlich niit dein Uebel der fliegenden Klaffen»nd mit der in gcsmidhcttlicher wie in unterricktlicher»md erziehlicher Hinsicht bedenklichen Beschaffenheit einiger Privathäuser, in denen Gemcindcschnlcn mietweise mitergcbrachl sind. Auf Veranlassung des Proviuzial- Schnlkollcgiums hat sich die st ä d t i s ch e S ch u l- d c p n t a t i o n in einer längeren Ausführung über die vorgebrachten Besch»v er den geäilstert. Bemerkens- wert ist darin besonders die Erklärnng, es sei„selbstverständlich, dast die Mietschulen in banlechnischcr»md hygienischer Be ziehnng nicht allen denjenigen Ansordernngen entsprechen können, welche' an andre Schnlhäuser gestellt ivcrden". Gcwist, das ist selbstverständlich; denn ein ursprünglich zu Wohnzivcckcn bestimmtes Hanö wird naturgcmäst anders angelegt als ein Schulhans. Aber nicht selbstverständlich sollte cS sein, dast die Berliner Gemeinde- verivaltmig sich in ihrem BolkSschnlivescn in so ausgedehnten» Mäste init Privathänsern bchilft,»vic sie eö seit einer Reihe von Fahre» wieder thnt. In» übrigen ist Herrn Etadtschulrat Bertram, der die Rückäustermia der Schnldeptitatio»»mtcrzcichnet nnd anscheinend aiich von» ersten bis zun» letzte» Satz selber vcrfastt hat, ein kleines Mistverständnis passiert. Er»vcist daraus hin, dast die in Privat- Häusern»ntergcbrachtcii Schulen später in die für sie erbauten eigne» Schulgcbäude überzusiedeln pflegen, vergißt aber hinzu- zufügen, dast manche dieser Privathänscr dam» sofort durch eine neu eröffnete andre Schule besetzt ivcrden. Nickt darauf kommt es an, Herr Stadtschnlrat, wie lange ein»md dieselbe schule in einem Privathause untergebracht ist, sondern darauf, wie lange ein und dasselbe Privathans zu Schulzwccken benutzt wird. Das letztere geschieht aber in Berlin nicht bloß jähre-, sonder» gelegentlich sogar jahrzehntelang. DaS von der„Volls-Ztg." geschilderte PrivathmiS in der Pnnfftrahe, das seit 15 Jahren eine Gemeindeschule nach der andern beherbergt hat, steht in dieser Beziehung noch nicht ein- mal an erster Stelle. Wir haben bereits in» Sommer 1898 dar- gelegt, dast das PrivathmiS Wcistenbnrgerstr. 86 schon um ein halbes Jahrzehnt länger von der Gemeiiide-Schulbettvaltung als Schulhaus benutzt wird. Mehr als die Bertranische Anttvort, die au Thatsächlichem so gut wie nichts vorzubringen»veist, hat»ms der Umstand selber interessiert, dast das Provmzial-Schulkollegimn die Schnldepntation zu einer Erklärung über die in der„Volks-Zcitung" gegen das Berliner Gemeindeschulwcsen erhobenen Klagen aufgefordert hat. Unsre Leser wissen, daß der„Vorwärts" sich seit vielen Jahren fortdauernd mit den Mistständen im Gemeindeschulwcsen Berlins beschäftigt. Wiederholt sind an dieser Stelle Dinge zur Sprache gc- bracht worden, die an Krastheit hinter den von der„Volks-Zeitung- mitgeteiltci» Einzelheiten nickt znrückblieben, soliden» gelegentlich noch weit darüber hinausginge». Wir irren wohl»»»cht, wenn wir annehmen, dast auch u n> r e Beschwerden dem Provinzial- Schnlkollegium Anlast gegeben habe», die Schnldeputation zn einer Aenstcrung darüber ausznfordcrn. ES ist mi-Z indes niemals bekannt geworden, dast die Schnldeputation von unsren Beschwerden, wie sie es jetzt gegenüber den Artikeln der„Volkö-Zeitniig" thnt, erklärt hätte, cö' könne ihnen„eine Bedeutung nicht beigelegt werden",»veil die darin aufgestellten Behauptungen„zu», Teil stark übertrieben" seien, sie seien„wohl mir als Schmähschriften zu betrachten lmd daher nicht ernst zn nehmen". Wir ziehen daraus den Schlnst. dast die Scknldepntation gegen uiisre Beichwerdcn noch weniger zur Widerlegung zu sage» gewicht hat, als jetzt gegen die„Volks- Zeitung". Füufzlgtanseiid Mark verlangt der Magistrat von der Stadt- vcrordiicten-VcrsaimnImig für den Besuch des ö st r e i ch i s ch e n Kaiser zur AnSschmücknug der Strasten bcivilligt. Hierfür soll namentlich der Pariser Platz hübsch hergerichtet Iverden. Gleichzeitig hat der Magistrat beschlossen, die beteiligten BezirkSvorstehcr zu ersuchen, die HauSbesttzer mifziiforderii, ihre Hänser gebührend festlich auszuschmücken, Eine ähnliche Ansicht, wie wir sie am Mittlvoch über den bevor- stehenden Besuch deS Kaisers Franz Joseph geäußert haben, finden wir in der„VolkS-Zeitnn g". Das Blatt schreibt: „Hat der Besuch deS östreichischcn Kaisers eine politische Bc- bcuiuiig, so ist die Stadtverordnetcu-Versammlniig voii der Aufsichtsbehörde oft genug darüber belehrt worden, dast sie sich um p o l i t i s ch c A n g e I e g e n h e» t e i, nicht z»» k ü>» m e r»»» politische Demonstrationen zu vermeiden habe. Versagt man ihr das in Fragen, in denen die Vcrsaminlnng eine der Regierung unbequeme oppositionelle Stellung ei»lnin»nt, so must die Versammlung ihren Stolz darin siichcn, sich zurückzuhalten, wem» eine von ihrer Seite in Sceue gesetzte politische Aktion angenehm cinpflinden wird. Die Stadt must unter allen Uiiiständen den Schein vermeide», als sei sie politisch nur aktionsfähig, wenn es der R c g i e r u»> g angemessen scheint. Hat der Besuch keine politische, sondern nur eine private Bedentnng. so empfiehlt es sich aus diesem Grunde erst recht nicht, ans öffcnt- lichen Mitteln Gelder in Anspruch zn nehmen."_• Nach»msrer Meimmg wird die Stadt übrigens dem siebzig« jährigen Kaiser durch die etwa von ihr z»m» Besten gegebene Pracht kam» sonderlich imponieren. Dieser Herr hat in seinem langen ersahrimgSrcichei» Leben wohl überreichlich Gelegenheit gehabt, die Nichtigkeit derartiger offizieller Ehrungen keimen zu lernen. Die Erhöhung der Fenersicherheit der Fabriken und ge- »vcrblttlicn Betriebsstätten ist ans Anlast der darin vorgekommenen Brände vom P o l i ze i- P r ä s» d e n t e u für notwendig erachtet worden.. Ein ans höheren Bau-, Gcwcrbc-AnssichtS- und Feuer- wchr-Beaiiitcn gebildeter AnSschnst hat zahlreiche Betriebsstätten bc- sichligt und aus Grund der beobachteten Mängel allgemeine Bc- stimmmigen aufgestellt, die alSdmm ciiicin gröberen Kreise von Vertretern der Industrie»md Gewerbe zur Begutachtung vor- gelegt nnd von ihnen gebilligt worden find. Die Be- stimmmigen sollen den Besitzen» der Grundstücke mit fener« gefährlichen Betrieben— eS kommen in Berlin über 1200 Grundstücke dieser Art in Betracht— mit dem Ersuchen zn- gestellt werden, die Gebäude ciitsprechcnd einzurichten. Da die Be- rriebSstätteii grösttenteils inmitten d e r W o h» g e b ä n d e nnd selbst im unmittelbaren Anschlust an die Wohnungen errichtet sind »nd die zur Zeit bestehenden Zustände vom Standpimkt der Feuer- und Sicherheitspolizei recht oft viel zu wünschen übrig lassen, sind zur Erhöhung der Fenersicherheit zahlreiche Mastnahmen vorgesehen worden. 1. Sie bezwecken die thunlichste Beseitigung der Gesahrquellen, die namentlich in Bezug ans Heizung und Beleuchtung bestehen: insbesondere sind die elektrischen Leitungen zumeist migcnügcnd gesichert. 2. Die Vorkehrungen für die Eutleeruug der feucrgesährlicheu Betriebsstältci, und der über ihnen gelegenen Wohmingen sind derart zn verbeffern, dast die Rettung der Arbeiter und Bewohner bei einem Brande sichergestellt ist. ES ist daher gefordert, dast die feuergefährlichen Betriebsstätten»»nd die über ihnen gelegenen Wohnungen mit zwei geeigneten Treppen in Ber- bindmig stehen, und zwar mit zwei derart gelegenen Treppen, dast nack Verqualmung der einen noch die zweite Treppe bcmitzbar bleibt. Nötigenfalls darf die eine Treppe durch eine geeignete N o t l e i t c r> ersetzt werden. Wo besondere G c f a h r c n bestehen, sollen Wohnungen über den Betriebsstätten überhaupt nicht mehr geduldet werden.' 3. Die einzelnen Betriebe sind gegen einander und gegen Woh- niingen feuersicher abzutrennm, namentlick sind Oeffiiuligcn für TranSinissioncn, Schächte nsiv, derart zu schliesten. dast die lieber- trognng eines Feuers oder deS Rauchs von einer Stätte zur andern verhütet wird. 4. Die SichcrhcitS-, NctttmgS- und Löscheinrichtnngcn sind zu verbessern. AIS fenergefährliche Betriebe gelten in der Regel naincntlich Fabriken nnd' Arbeitsstätten, in denen Holz, Papier oder Celliiloid verarbeitet Ivird, oder Galanteriewaren, künstliche Blumen. Spielwaren ans brennbaren Stoffen, sowie Baum« wollcrzeugnisse hergestellt oder Fette, Ocle, Lacke, Teere, Aether. Spiritus, Benzin, Pctrolemi» erzengt, verarbeitet oder in Anwendung gebracht werden, oder Ivo sich ans Mehl, Staub, Gasen oder Dünsten besonders leicht entzündlicke»nd explosible Gemische bilden können; ferner T a p ez i e r« nnd P o l st e r w e r k st ä t t e n. Etwaige zn den feuergefährlichen Betrieben gehörende Lager- räume, sowie solche Lagerräume für leicht brennbare Gegenstände (z. B. Polftcrmatcrial, Möbel, Feder»), in denen sich Personen dauernd aufhalten,»mtcrliegcn gleichfalls in der Regel den Bcstilmmmgeu. Kleine Betriebe bleiben unberücksichtigt, sosern sie nicht etwa wegen ihrer Lage oder aus sonstigen Gründen Gefahren für dritte Personen berge». Die Besichtigung der Grmidstücke erfolgt durch eine, aus dem Bau-, dem Gewerbe- und dem Brand-Jnspektör ziisammeiigcsctzten Kommission. Die allgemeinen Bestimmungen be- ziehen sich aus annähernd fünfzig Maßnahmen und werden' in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung- und im„CcntralblattderBall- vcrwaltiuig- veröffentlicht werden. Wilhelm H. Die Blätter melden: Ans cinci» plötzlichen Befehl deS Kaisers ivare» gestern mittag gegen 3/il Uhr die Äonuiiaiideilre sämtlicher Truppenteile der Garnison Potsdam in» Berliner Schloß erschienen. Dnrck den gegen''�12 Nhr in Potsdam eingetroffenen Befehl wurden die Potsdamer Kommandostcllen in die lebhafteste Aufregimg versetzt, da die Truppen zun, größten Teil»lnter Leitimg ihrer Kommandeure auf dein Bornstcdter Felde exerzierten. Ordonnanzen jagten znTUeberbriiigung deS kaiserlichen Befehls hin und her, und in scharfem Trabe ritten die Kommandcure ihren Wohinuigen zn, Sänitliche zur Audienz Befohlene konnten noch den kurz nach 12 Uhr nach Berlin abgehenden Zug benutzen. In einer niistlichen Lage befinden sich seit dem Tage ihrer Einstellung in den Postdieust die übernommenen Briefträger der Paketfahrt, Während bei der anhaltenden naßkalten Witterung alle Welt sich nach in die ivarme Winterkleidnng hüllt. sieht man die genannten Bnefträger bereits in der Sommer» uniform, der leichten Litewka, hemmlaufen. Diese Ignorierung der Witterung beruht aber keineswegs auf frei« willigen Entschluß: fie ist viclinchr eine erzwungene. ist der Postbehörde bisher nicht möglich gewesen, den Winterrock für die neuen Unterbeamten zu beschaffen; die Firma E. Sachs, der die Lieferung für die Klciderkafse der Berliner Ober-Postdirektion obliegt, ist mit ihrer übernonimeuen Verpflichtung im Rückstand geblieben. Ob es»ncht beffer gewesen wäre, bei der Möglichkeit einer solchen Verzögerung eine andro Firma niit der Lieferung zu betrauen, bleibe dahingestellt: jedenfalls spricht dieser Vorgang nicht gerade für die Vollständigkeit aller der Vorbereitungen, lote sie die Uebernahme cincS gewaltigen BctricliZ- Zweiges erheischte.— Eigcntüinlichcrwcise ist den genannten Brief- trägern Hose und Mütze nicht frei geliefert worden, sie baden die beiden Teile vielmehr bei der Firma E. Sachs gegen Zahlung von 12.60 M. ans ihren Privatmittcln erstehen müssen. Bei der Landcs-Bcrsichermigöaustalt Berlin sind im Laufe des Vierteljahrs Januar- Marz 1S00 115 Anträge auf Gewährung von Altersrente eingegangen; aus der Zeit vor fdem 1. Januar ISOO lagen noch 54 Anträge vor, hinsichtlich deren die Entscheidung noch ausstand. Von diesen 169 Anträgen sind bc- willigt 132, abgelehnt 16, anderweit erledigt 4 und unerledigt au daS folgende Vierteljahr übernommen 17. Bis zum 31. März 1900 waren insgesamt bewilligt an Altersrenten 4318. Von diesen find ausgeschieden durch Tod 1509, aus andren Gründen 118. zusammen 1627, so daß am I.April 1900 2691 Alters- r«ntcn- Enipfänger vorhanden waren. Innerhalb des gleichen Vorvierteljahrs sind 885 Anträge auf Gewährung von Invalidenrente eingegangen und 422 unerledigt aus dem Vierteljahr übernommen. Von diesen 1307 Jnvalidcnrcnicn-Anträgen sind 922 bewilligt, 75 abgelehnt, 36 anderweit erledigt, 274 un- erledigt auf das folgende Quartal übernommen worden. An Invalidenrenten sind bis zum 31. März überhaupt 9762 bewilligt lvordeu. Ausgeschieden sind inzwischen durch Tod 3324, aus andern Gründen 247, zusammen 3571, mithin war am 1. April 1900 ein Bestand von 6191 Jnvalidenrcnteu-Empfäugern aufzuweisen. Tie Zahl der Chinesen in Berlin hat sich in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres nahezu verdoppelt. Es halten sich ständig 40—50 Chinesen auf Kosten ihrer Regierung in Berlin auf. Bon Zeit zu Zeit findet bei der Gesandtschaft eine Art Prüfung statt, um die Fortschritte der jugendlichen Studenten zu beobachten. Die Abnahme der Prüfung erfolgt durch eigens zu diesem Zweck der Gesandtschaft zugeteilte Ober- und Üntennagister, denen deutsche, französische und englische Dolmetscher beigegeben sind. Das Studium beschränkt sich in der Hauptsache auf Sprachen und technische Kenntnisse. Arbciterrisiko. Gestern Mittag kurz vor 12 Uhr stürzte der Putzer Paul F I o h r, Graunstraste 5 wohnhaft, in der Kochhann- straße vom Gerüst des Neubaus auf der Parzelle Nr. 3. Flohr war oben mit dem Abbruch des Gerüsts beschäftigt und muß dort wohl einen Fehltritt gethan haben. Er fiel kopfüber aus der Höhe der 3. Etage auf den Bürgersteig ab und zertrümmerte sich den Schädel. Die Arbeitskollegen riefen crne in der Nähe haltende Droschke herbei und brachten den Verunglückten nach dem Krankenhaus Friedrichs- Hain, wo er als Leiche eintraf. Die städtische» Bureaus und Kassen werden am Sonnabend wegen des bevorstehenden Osterfestes bereits um 1 Uhr mittags gc- schlössen, mit Ausnahme des Centralbureaus, das zur Entgegennahme von wichtigen Sachen bis 4 Uhr nachmittags geöffnet bleibt. Der Schnellzug Hamburg-Berlin muffte gestern auf freier Strecke kurz hinter Spandau halten. Die Ursache zu dem unfrei- willigen Aufenthalt gaben eine Anzahl— M e h l s ä ck e eines Müllers aus Dallgow, dessen Wagen auf dem Geleise in der Kloster- straffe zusammengebrochen war. so daff die Mehlsäcke auf die Geleise fielen. Nach etwa zehn Minuten langer Arbeit ivar das seltsame Verkehrshindernis beseitigt, und der Schnellzug konnte seine Fahrt nach Berlin fortsetzen. Selbstmord in einem Waffenladen. Gestern Vormittag V312 Uhr erschien in dem Waffenladen von K I a w o n n. Gollnow- straffe 16, ein junger Mann, der einen Revolver mit bestimmtem Kaliber verlangte. Unter den vorgelegten Waffen suchte er etwa eine Viertelstunde herum, wählte deren eine von ihnen aus und bestellte »och 100 Patronen. Als sich Frau Klawonn, die den Käufer bediente, bückte, um die Cartouchen unter dem Ladentisch hervorzn- nehmen, schob der Fremde blitzschnell eine mitgebrachte Patrone in den Revolver und schoff sich eine Kugel in die rechte Schläfe. Ohne einen Laut von sich zu geben, stürzte er in demselben Moment tot zu Boden. Schnell war auf Requisition der Polizei ein Arzt zur Stelle, der indessen nur den bereits eingetretenen Tod konstatieren konnte. AuS Papieren, die bei dem Selbstmörder vorgefunden wurden, ergab sich, daff der Lebensmüde ein aus Dresden ge- bürtiger 21 jähriger Handlungsgehilfe Alfred Jahn war. der hier in der Pallisadenstraffe ivohntc. In den Taschen des Toten bc- fanden sich mehrere an seine Mutter. Schwester und Braut gerichtete Briefe, die beschlagnahmt ivurden. I. ist wahrscheinlich durch Nahrungssorgen zum Selbstmord getrieben worden. Er war seit längerer Zeit auffer Stellung; in seinem Portemonnaie fand sich kein Pfennig Geld. Warnung für Lehrerinnen. Ein gewandter Einbrecher treibt seit einiger Zeit im Westen der Stadt sei» Unwesen; er sucht vornehmlich die Wohnungen alleinstehender Lehrerinneu heim, .während diese ihrem Berufe nachgehen und scheint es, wie verschiedene Fälle bestätigen, hauptsächlich auf deren Gehalt rcsp. Ersparnisse abgesehen zu haben. Gestern traf das Los eine arme Musiklehrerin, ein älteres Fräulein H., das Ansbacherstr. 10 in der vierten Etage des Seitenflügels wohnt. In ihrer Abwesenheit öffnete der Dieb nnttclS Nachschlüssels die Korridorthür und wählte unter de» vorgefundenen Gegenständen, auffer barein Gelde, u. a. eine goldene Damenuhr nebst Innger Schuppenkctte, ein wertvolles Erb- stück ihrer verstorbenen Mutter. Diese Oster-Ueberraschuug hatte die Aermste um so schwerer niedergedrückt, als ihr erst im vorigen Jahre ein groffer Teil ihrer Wäsche gestohlen worden ist. Die Kriminal- Polizei fahndet auf einen anständig gekleideten, schwarzbärtigen Mann im Alter von 25—30 Jahren, der sich im Hause verdächtig gemacht hat. Da derartige Einbruchsfälle sich in letzter Zeit häufen, so mögen Lehrerinnen auf ihrer Hut sein. Der Bräutigam als Einbrecher. Vor mehreren Monaten wurde, wie wir seiner Zeit meldeten, bei dem Kaufmann Ehrlich in der Neuen Königstraffe ein Einbrnchsdiebstahl verübt, ivvbei den Verbrechern Gold- und Silbcrsachen im Werte von 700 M. in die Hände fielen. Jetzt ist es durch einen Zufall gelungen, deS Diebs habhaft zu werden. Bei einem Pfandleiher im Norden der Stadt wollte ein junger Mann ein Dutzend silberne Löffel versetzen, die, wie der Pfandleiher aus dem Polizeibericht entnahm, aus einem Diebstahl hern'ihrten. Er liest den Verdächtigen festnehmen, der auf der Polizei- wache als ein wegen Eigcntumvergeheiis schon vorbestrafter Ar- bciter B. erkannt wurde. Der Verhaftete gestand schliefflich ein, den Diebstahl verübt zu haben. Er hatte, um eine günstige Gelegenheit auszubaldowern, mit dem Dienstmädchen deS(f. ein Liebesverhältnis angeknüpft und dadurch erfahren, wo sich die Wertsachen befanden. Damit kein Verdacht auf ihn fiele, hatte B. seine„Braut" noch einigemale besucht und dann mit dem Mädchen den Verkehr ge- brochen. Ein Bild des Jammers. Die Obduktion der zerstückelten Kindesleiche, von der wir berichtet haben, hat gestern statt- gefunden. Die Mutter des Kinds, Johanna Wcgeuer, war nach dem Schauhausc in der Maxstraffe gebracht worden, um der gericht- kichen Leichenöffnung beizuwohnen. Das ObdnktionsergebniS bestätigte iil der Hauptsache die Angaben der unglücklichen Mutter. Dieselbe war in der That gleich' nach der Geburt, infolge von Schwäche, in einen ohnmachtähnlichen Zustand verfallen. Das Kind, welches lebensfähig lvar, ist hilflos unter dem Deckbett liegen ge- blieben und so erstickt. Mit Rückficht auf den Obduktionsbefund scheidet natürlich das Verbrechen des KindeSmords von vornherein aus, ob eine Anklage Weyen fahrlässiger Tötung zu einer Ver- nrteilung führen würde, hängt von den äuffern Umständen ab.— Im Anschlich an die Obduktion hat dann eine Lokalbesichtignng in der von dem Mädchen bisher bewohnten Kammer stattgefunden, ' durch welche festgestellt werden sollte, wie es kam. daff während der siebentägigen Zeit, so lange sich das Kind in dem Wäschekorb befand, kein Leicheugemch zu bemerken war. Ein Strastenbahn-Mlfall mit tödlichem Ausgang. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr wurde in der Hochstraße ein Madchen von 10—11 Jahren von einem Motorwagen der elektrischen Straffenbahn Berlin— Paukolv überfahren. Der Führer des Wagens sah das Mädchen ungefähr 20 Meter vor dem Wagen auf dem zivcitcn Geleis stehen; in der Voraussetzung, daff das Kind über die Strecke laufen würde, bremste er den Wage» an; in demselben Augenblick kam von der entgegengesetzten Richtung ein Wagen daher. Nun ver- suchte daS Kind über das Gelds zu laufen, wurde aber von dem Wagen erfaßt und 5—6 Meter geschleift. Mit schweren Verletzungen wurde es besinnungslos hervorgezogen und nach der nahegelegenen Unfallstation gebracht, Ivo cS bald darauf verstarb. Den Wagen- fi'ihrer trifft nach den Aussagen sämtlicher Augenzeugen keine Schuld. Durch Spielerei mit einer Schußwaffe ist gestern der zwölf Jahre alte Waisenknabe Paul Kalanke ans der Triflstraffe 44 schwer zu Schaden gekommen. Der Knabe spielte mit andern auf dem un- bebauten Grundstück Triftstraffe 12. Hier legte ein 16jähriger Bursche Bernhard Haack nnt den Worten:„Mach: Platz oder ich schieße!" einen Revolver auf ihn an und drückte ab. Die Kugel traf Kalaukc und drang ihm in das rechte Knie ein. Die Unfallstation in der Lindenstraffe ließ ihn mit einem Krankenwagen nach der Charite bringen. Den Tod im Wasser suchte gestern eine unbekannte Frau, ihrer äußeren Erscheinung nach eine Sachsengängcrin. Auf dem Wege vom Bahnhof Friedrichstraffe nach dem Lehrter Bahnhof hängte sie sich am Rcichstagsufer ihr schweres Gepäck an den Hals und stürzte sich damit in' die Spree. Obwohl stark beschwert, wurde sie von Schiffern und einem Schutzmann doch noch gerettet und in ein Krankenhaus gebracht. Die Unbekannte ist noch nicht veniehmuugS- fähig. Drnckfehler-Bcrichtigung. In dem Bericht über Münstcrbergs Vortrag„Volksgesundheit und Volks Wohlfahrt" ist zu lesen:„wo er von dem A m m e n w e s e n sprach"(statt„Armen- wesen"), und weiter unten:„aber die Wohnungsfrage"(statt „Nahrungsfrage"). Erwischt wurde vorgestern ein Mann, der im Manufakturwarcn- Geschäft von Gebr. Simon in der Klosterstraffe seit längerer Zeit raffinierte Diebstähle ausgeführt hat. Tag für Tag wurde bemerkt, daff Waren entwendet waren, ohne daff es irotz behördlicher Beobachtung des Hauses gelingen wollte, den Thäter zu entdecken. Durch Zufall kam man dem Dieb auf die Spur. Ein Dienstniädchcn ans dem Nachbarhause erzählte, daff ein fremder Mann täglich mit Paketen vom Boden komme. Nun wurde ermittelt, daff der Gauner sich abends nach Gefchäftsschluff vom Dach des Nebenhauses in das Warenhaus hinabließ und von dort das gestohlene Gut auf den Nachbarboden brachte. Der Dieb wurde am Mittwoch abgefaßt; es ist ein früherer Tckephonarbeitcr, der sich in der Wilhelmstraffe eine ziemlich große Wohnung hält. Ein Durchgänger aus der Schweiz. Das königl. Polizei- Präsidium teilt mit: DaS Polizeikommando in Zürich ersucht uns um Festnahme eines Kaufmanns Albert Wilhelm aus Matten bei Jnterlaken wegen Betrugs und Unterschlagungen im Betrag von etwa 12000 Franks. Er wohnte zuletzt in Zürich, Alfred Eschcr- platz 2. Er ist im Jahre 1864 geboren, 1,70 Meter groß, hat bkonde Haare, eine Glatze und blonden Schnurrbart, kleinen Mund, längliches volles, gcsundfarbiges Gesicht, aufrechten Gang, spricht deutsch und französisch und trägt vennutlich dunklen Joppen-Anzug, dunkelbraunen Ueberzieher und schwarzen, weichen Filzhnt. Fcuerbcricht. Donnerstaguachmittag wurde die Wehr nach S t r a ff m a n n st r a ff e 25 gerufen, wo durch Spielen mit Streich- hölzern die Kleider eines 4jährigen Mädchens in Brand geraten waren. Die Flammen wurden erstickt, bevor die Feuerwehr eintraf, doch erlitt das Kind so schwere Brandwunden, daß es nach einem Krankenhause gebracht werden muffte. Vorher war Am Nordbahnhof in einem Wcllblcchschuppen. der als Petroleum- lager dient, Feuer ausgebrochen, das mit zwei Rohren niedergehalten werden konnte, bevor die Petroleummasscn sich entzündeten. Immer- hin war die Gefahr einer Explosion eine sehr große. Kellerbrände waren L a n d s b c r g e r st r a ff e 16, P a n k st r a ff e 53 und R e i n i ck e n d o r f e r st r a ff e 14» zu beseitigen, L ü tz o w- straffe 86 und Chri st inen st raffe 39 ging alter Hausrat in Flammen aus. Böswilliger Alarm erfolgte nach M ö ck e r n st r a ff e 86. doch gelang cS nicht, den Thäter zu erwischen. Unbedeutende Brände wurden außerdem noch von Kanonier st raffe 29 und Rügener- st r a ff e 14 gemeldet. AuS den Nachbarorten. Schöneberg. Stadtverordneter Schoppen hat sein Mandat für den 13. Bezirk(3. Abteilung) freiwillig niedergelegt, da er die Stadt verlassen hat. Es muff also demnächst an Stelle deS Aus- geschiedenen eine Neuwahl stattfinden. Aus Lankwitt wird uns berichtet: Vor einigen Wochen erklärte sich der Saalbesitzer Löwendorf an unsrem Orte bereit, der Social- demokratie seine Räumlichkeiten zu Versammlungen zur Verfügung zu stellen. Die Parteigenossen, die sich bisher an die Lichterfcldcr Organisation angeschlossen hatten, machten sich nunmehr daran, eine eigne Organisation zu schaffen und waren soweit, daß zu Montag die konstituierende Versammlung einberufen werden konnte. Im letzten Augenblick wurden sie jedoch von Herrn Löwendorf, der, wie erwähnt sei, früher im zweiten Berliner Reichstags- Wahlkreise an- rissig war. dahin belehrt, daff auf gegebene Versprechungen kein rechter Verlaß ist, vor allein dann nicht, wenn die Behörde sich einen in Versammlnngs- Angelegenheiten vorurteilsfrei handelnden Wirt auf's Korn nimmt. Herrn Löwenfcld war die Polizeistunde auf 10 Uhr herabgedrückt worden, nunmehr aber, als er sich wieder patriotisch bewährte, setzte der Amtsvorstehcr ihm die Polizeistunde auf 11 Uhr hinauf und gab ihm anHeim, um eine Verlängerung bis zur Mittcrnachtssttmde einzukommen. So wird's gemacht. Die Berliner Ausflügler aus Arbeiterkreisen werden sich hoffentlich auch diesen Fall merken. Wilmersdorf. Abgelehnt hat die Ober-Postdircktion Berlin die Errichtung eines Postamts in dem an der Ringbahn-Station WilmerSdorf-Friedenau liegenden Ortsteil von Wilmersdorf, da ein Bedürfnis für eine Postanftalt. trotz einer großen Einwohnerzahl, angeblich nicht vorhanden ist. Friedenau. Falsche Thalcr niit dem Bildnis Friedrich Wil- Helms III. sind im Lauf der letzten Tage hier wiederholt angehalten worden. Bescheidenheit. Aus Pankow wird uns berichtet: Herr Pastor B e i e r im hiesigen Orte hat kürzlich bSi der Gemeinde- Vertretung beantragt, ihm ei» Diakonatsgebäude zu errichten, damit er als amtierender Seelsorger doch ein eigenes Heim bekomnie. Der Antrag wurde abgelehnt, nachdem man festgestellt hatte, daff die Lebensvcrhältniffe des Herrn Pastors sich auch ohnedies wesentlich von seinem Vorbilde Christus unterscheiden, der bekanntlich nicht hatte, wohin er sein Haupt legt. Herr Pastor Beier bezieht nämlich außer seinem Gehalt noch einen Wohnungsgeldzuschuff von 1110 M, jährlich. Groff-Lichtcrfelde. Die Tagesordnung der jüngsten Gemeinde- vertrcter-Sitzung war sehr reichhaltig. Nach der G i l t i g k e i t S- erklärung der vor kurzem stattgefnndencn Gemeindewnhlen erfolgte die Einführung der neu- und wiedergewählten Gemeinde- Vertreter Meckel, Wüllenweber. Steffens, Fricbus, Schulze und Lebmann.— Der erste Punkt betr. Errichtung einer Elementarlehrcr- stelle an der Realschule rief eine lebhaste Diskussion hervor, Gemeindevorsteher Schulz führte ans. daff aus„Sparsamkeitsgründen" von der in Aussicht genommenen Bestellung einer sogenannten halben wissenschaftlichen Hilfskraft an der Realschule Abstand genommen. dafür aber die Schaffung einer Elementarlehrer-Stelle notwendig geworden sei. Der Gemeindevorstand habe beschlossen, dieselbe vom . April ob vorläufig für die Dauer eines Jahres zu besetzen. DaS fürstliche Gehalt beträgt pro Anno 840 Mark netto. Gcmcinde-Vertretcr Wüllenwcber trat für eine Klassenkombination an der Realschule ein, wodurch sich eventuell die Errichtung einer solchen Lchrcrstclle erübrige. Für 840 M. werde man schwerlich einen Lehrer finden. Interessant ivar die Feststellung über die geringe Klasfcnfrcquenz an der Realschule; dieselbe betrug in einer Klasse zum Beispiel nur 15, in einer andren Klasse 20 Schüler. In den Lichter- fcldcr Volksschulen sieht es bekanntlich so aus, daß auf eine Lehr- kraft ziemlich die vierfache Schülcrzahl kommt. Herr Gemeinde- Vorsteher Schulz meinte, es würde sich ermöglichen lassen, einen Lichtcrfelder Lehrer auf ein Jahr zur Uebernahme der Stelle an der Realschule zu beurlauben. Der Vorlage wurde z u g c st i m m t. Hoffentlich wird das horrende Gehalt, das der„vornehme Villcnort"� einem Jugcndcrziehcr bietet, seine verlockende Wirkung auf die ge- samte Pädagogcnwclt nicht verfehlen!— Die Ncupflasterung und Kanalisation eines Teils der Marienstraffe wurde nach langer Debatte beschlossen.— Der Vertrag mit dem Justizfiskus bezüglich de? Amtsgerichts-Gebäudes wurde mit einige» Zusätzen genehmigt.— Für Lehrmittel der hiesigenlF ortbildungsschule ivurden 80 M. bewilligt. Bei einer Revision durch die vorgesetzte Behörde hat sich ergeben, daß es an den notwendigste ii Lehrmitteln mangelte. In einem offenbar sehr schmeichelhaften„Anschreiben"— dessen Verlesung aus Bescheidenheit nur zum Teil erfolgte— wurde der Gemeindevertretung aufgegeben, eine Reihe namentlich aufgeführter Lehrmittel schleunigst zu beschaffen. Die Verhaftung des Stationsvorstehers Hauptmann aus dem Vororte Adlershof erregt dort großes Aufsehen. Haupt- mann, der sich allgemeinen Ansehens erfreute, war bereits seit einiger Zeit vom Dienst suspendiert, da gegen ihn der schwere Ver- dacht laut geworden war, sich in seiner Wohnung an Kindern in sittlicher Beziehung vergangen zu haben. Durch die Aussagen ver- schiedcncr Schulmädchen, die zumeist im Alter von acht bis neun Jahren stehen, ist H. so stark konipromittiert worden, daff die Staats- amvaltschaft am Landgericht II Berlin die Verhaftung verfügte. Der Beschuldigte ist gestern in das Köpnicker Gerichtsgefängnis abgeführt worden. Mit der Eichwalder Mordsachc wurde eine Verhaftung in Verbindung gebracht, welche gestern in einem Gasthanse in Perle- berg erfolgte! Dort wurden' der Töpfer I ä n i ck e aus Berlin und seine Ehefrau festgenommen. Wie indessen von andrer Seite mitgeteilt wird, hat die Verhaftung des Ehepaares mit der Er- mordung der SchifferSfrau Graffnick nichts zu thnn. Jänicke wird danach schon lauge von der Polizei eines Giftmordes wegen gesucht. Er soll hier in B. einen Grünkram betrieben haben. Seine Frau ist früher Köchin beim Staatssekretär des Reichspostamts Herrn v. Podbielski gewesen. Wegen Vcrbillignirg� deS Fahrpreises zum Besuch der Baumblüte in Werder a./H. petitioniert der dortige Verein für Fremdenverkehr bei der Eisenbahn- Verwaltung. Er wünscht von Berlin Extrazüge zum Fahrpreise von 1 M. bczw. 1,50 M. hin und zurück. Ebenso wird um Einführung von Extrazügen von Magdeburg nach Werder a./H. petitioniert. Der NachbarortS-Vcrkchr. Die Bewohner der entfernteren Vororte sind durch die neue Einrichtung des postalischen Nachbarorts- Verkehrs in arge Ungelegenheiten gebracht. In Berlin wird vielfach übersehen, daff z. B. die über Friedenau hinausliegenden Orte Steglitz, Lichterfelde und Zchlendorf nicht mehr in die Nachbar- zone gehören. Briefe und Postkarten, die hierher adressiert sind, werden daher meistens nur mit fünf. resp. zwei Pfennig stankiert; die Folge ist, daß der Briefträger am BestellmigSort massenhaft Strafporto einzieht. Das trifft die Empfänger hart, da in solchem Fäll für blaue Postkarten 10 Pf., für Briefe 20 Pf. eingesackt werden und bei dem regen Verkehr mit Berlin mancher Mann tags- über etliche Male in die Tascbe greifen muff. Zum Nachbarorts-Verkehr von Berlin gehören: Char- lotteuburg. Friedenau, Fricdrichsberg. Grunewald, Halensee, Lichten- berg, Neu-Weiffensee, Nieder- Schönhauscn, Pankow, Plötzcnsee, Reinickendorf, Rixdorf, Rummclsburg, Schmargendorf, Schöneberg, Stralau. Tempclhof. Treptow, Westend und Wilmersdorf. Den- selben Bezirk umfaßt auch der NachbarortS-Vcrkchr von Charlotten- bürg. Geviihks-'Ieifung. ES werden weiter Menschenopfer dargebracht k Die Rück- ständigkeit der Arbeiterschutz-Gesetzgebung tritt deutlich an folgendem erschütternden Fall anS Licht: Die Arbeiter der Bleifarben« Fabrik von Drieger u. Meier in Ober-Schöneweide waren seiner Zeit so oft erkrankt, daff die in Betracht kommende Krankenkasse in einem Jahre für sie 4000 Mark ausgeben muffte, während sie von ihnen im selben Zeitraum nur 200 Mark an Beiträgen einnahm. Der Landrat ordnete deshalb an, daß der Betrieb gehörig überwacht werde. Der zuständige Amtsvorstehcr erließ an die beiden Firmcninhabcr eine Verfügung, worin er ihnen aufgab, ihre Arbeiter in der Blcifarbenfabrik täglich nur sechs Stunde» zu beschäftigen. Als die Unternehmer dies Gebot nicht beachteten, wurden sie wegen Uebcrtrctung der 8§ 120«, 120 ck und 147 angeklagt und in zweiter Instanz auch zu Geldstrafen ver- urteilt. Das Landgericht erklärte den Amtsvorstehcr für berechtigt. für den Betrieb der Angeklagten im Interesse der Gesundheit der Arbeiter die Arbeitszeit auf sechs Stunden festzusetzen. Dricger n. Meier legten Revision ein und hatten damit Erfolg. Der Strafsenat des Kammergericht« sprach sie mit folgender Begründung frei: Der Bundesrat habe laut Be- ianntmachung des Reichskanzlers vom 8. Juni 1893 für die Blei- farbcnfabriken einen z w L l f st ii n d i g e n Arbeitstag festgesetzt und zwar gemäß§ 120 s der Gewerbe- Ordnung zum Schutze der Ge- undhcit der Arbeiter. Hieran könne die Polizeibehörde auf Grund der 8§ 120« bis ck nichts ändern. Die Verfügung des Amts- Vorstehers sei darum rechtsunwirksam. Die Inhaber der gemeingefährlichen Fabrik habe» also die Ge- nugthuung, daff ihre Arbeiter nunmehr auf Grund eines vom höchsten prenffischen Gerichtshof gefällten Urteils zur höheren Ehre des Profit? ihre Gesundheit schleunigst zu Grunde richten können. Eine herrliche Blüte der kapitalistischen Wirtschaftsweise! In der Verhandlung gegen den Bankier August Stern- berg, die seit 14 Tagen die neunte Strafkammer des Landgerichts 1 beschäftigt, beendete gestern gegen Mittag der Staatsanwalt Dr. R o m e n seine Ausführungen zur Sckrnldfragc. Dem Vernehmen nach ließ der Staatsanwalt in dem Falle, bei welchem das Mädchen ErHardt in Frage kommt, die Anklage fallen, hielt dieselbe aber trotz aller schweren Bedenken, die gegen die Glaubwürdigkeit der Mädchen Woyda und Fournacon von der Verteidigung durch Vorführung einer ganzen Reihe von Zeugen geltend gemacht worden waren, in diesen beiden Anklagefällen aufrecht und beantragte das Schuldig. Der Schluffantrag des Staatsauwalts lautete auf zwei Jahr e6MonateZucht Haus und 3 Jahre Ehrverlust. Nach der Rede des Staatsanwalts wurde eine Pause gemacht, nach deren Beendigung die Verteidiger Jnstizräte Dr. Sello, Kleinholz und Rechtsanwalt Heine in an n ihre PlaidoyerS hielten. Der Gerichtshof zog sich darauf zur Beratung zurück. Nach etwa zweistündiger Dauer derselben verkündete der Vorsitzende. Land- gerichtSdirektor Weinmann, das Urteil: Von der Zahl der zur Anklage gelangten Fälle seien drei übrig geblieben und für erwiesen erachtet worden. ES seien dies die Fälle Marie E r h a r d t, Marie F o r n a c o n und Frida Woyda. Der Augeklagte habe mit der am 29. Juli 1384 gebornen Marie Ehart unzüchtige Handlungen vorgenommen, aber trotzdem habe in diesem Falle Freisprechung erfolgen müssen, da die Ehrharot zur Zeit der That bereits 14 Jahre alt war. Im Fall Fornacou habe der Augeklagte zugegeben, dnss er mit derselben ge- schlechtlich verkehrt habe. Ob das Mädchen unbescholten war oder nicht, könne dahingestellt werden, jedenfalls habe er sie nicht vcr- führt. Es seien vielmehr Thatsachen zur Erörterung gekommen, die dafür sprechen, daß das Mädchen sich ihm gern willfährig zeigte. Der Angeklagte habe annehmen können, daß er mit einer Person zu thn» hatte, die nicht mehr unbescholten war. Es sei deshalb auch in diese», Fall auf Freisprechung erkannt worden. Im dritten Fall, dem Fall der Frida Wohda, ist der Angeklagte strafbar. ES ist erwiesen, daß sich der Angeklagte dreimal an dem Mädchen vergangen hat. Der Gerichtshof stützt seine Annahme auf die Aussagen der Frida Woyda, die dem Gerichtshof als durchaus glaubwürdig erschienen. Die gegen die Glaubwürdigkeit des Mädchens erhobenen Einwände sind als nicht stichhaltig erachtet worden. ES ist richtig, daß daS Kind in frühester Jugend kindliche Dummheiten gemacht hat. In der Zwischenzeit bis zu ihrer Verbindung mit dem Angeklagten ist nichts Belastendes gegen sie erwiesen worden. Es ist richtig, daß das Kind unpassende und unschöne An§- drücke in den Mund genommen hat, das beweist aber nichts gegen seine Glaubwürdigkeit. Gegen diese Glaubwürdigkeit sind die Gutachten der Aerzte angezogen worden. Das Gutachten deS Dr. Moll enthält nur die dem Gerichte nicht unbekannte That fache, daß die Anssagen solcher Kinder mit größter Vorsicht anfzu- nehmen seien. Deshalb sei ja gerade die große umfangreiche Beweis aufnähme erfolgt. Das andre Gutachten des Gcrichtsphysikus Dr. Störmer geht dahin, daß die Bekundungen der Frida Woyda als die Acnßcrungen eines Physisch nicht normalen Kindes zu erachten sind. DaS Gutachten deS Dr. Stürmer ist zwar nicht unbeachtlich. kann aber nicht zu den, Resultat führen. daß in den» vorliegenden konkreten Fall das Mädchen die Umvahr heit gesagt hat. Trotzdem würde die Aussage der Frida Woyda, allein genommen, dem Gerichtshof vielleicht nicht zur Uebcrführung genügt haben, es treten aber noch andre Momente zur Unterstützung hinzu: Zunächst die etwas erzwungenen Acußerungen der Anta Wender über den Sachverhalt. Ein zweites unterstützendes Moment ist aber auch in folgendem zu finden: Die Masseuse Margarete Fischer war pekuniär schlecht gestellt und sie hat sich fort gesetzt an den Angeklagten gewendet, um Geld zu erhalten. Ferner hat die Margarete Fischer trotz ihrer schlechte» finanziellen Lage und trotzdem sie in der Anta Wender eine häusliche Stütze und Gehilfin hatte, sich trotzdem dazu entschlossen, unentgeltlich die Woyda in Pflege zu nehmen. DaS erklärt sich nur daraus, daß unlautere Nebenabsichten obwalteten. Der dritte Punkt sür die Glaubwürdigkeit ist die Art. wie sie ihre Aussage vor der Polizei und vor dem Gericht abgegeben hat. Dies genügt dem Gericht, um die Aussagen der Frida Woyda für glaubwürdig zu erachten. ES war in Rücksicht zu ziehen, ob die Ansicht der Verteidigung, daß die Strafthat im Sinne des Z 1761 St.-G.-B.(Anwendung von Gewalt) aufzufassen sei, durchgreifend erscheine und sich das Gericht als unzuständig zu erklären und die Sache vor das Schwurgericht zu verweisen habe. Der Gerichtshof hat sich dieser Ansicht nicht angeschlossen, da eine Gewaltanwendung nicht stattgefunden hat.— Der Angeklagte war also freizusprechen im Fall ErHardt und Fornacon, dagegen zu verurteilen im Fall Woyda wegen SittlichkeitS- verbrechen in drei Fällen. In Bezug auf die Strafart sind mehrere Momente zu Ungunsten, aber auch zu Gunsten des An geklagten erwogen worden. Zu seinen Ungunsten sprach, daß er schon jahrelang gewanit,' ferner der Umstand, daß er sich andauernd solchen Verirrnngen hingegeben hat, endlich daß die Woyda eine Waise ist, die die Margarete Fischer als Pflege- kind zu sich genommen hatte. Zu feinen Gunsten sprach, daß er im wesentlichen unbestraft ist, daß nur ein Fall zur Verurteilung geführt hat, daß das Treibe» der Margarete Fischer ihm seine Vcr- fehlungen erleichtert hat und daß er eine sinnlich sehr erregbare Natur ist. Der Gerichtshof hat sich deshalb sür die Zubilligung mildernder Umstände entschieden und den Angeklagten zu zwei Jahren Ge- f ä n g n i S und drei Jahren Ehrverlust verurteilt.— Der Angeklagte erklärt, auf Rechtsmittel nicht zu verzichten. Vevknisdjkes. Zu Johann GutcubcrgS fiinfhundrrtjährigcm Geburtstag findet in Mainz, wie uns der dortige Obcrbiirgerineistcr, Herr Dr. Gaßncr in einer Zuschrift mitteilt, in den Tagen vom 23. bis 26. Juni eine Gutenberg-Feier statt. Außer einer typo- graphischen Ausstellung und einem Festzng sind vorgesehen ein Konzert der Mainzer Liedertafel, eine Zusammenkunft der Buch- drnckergchilfc», ein Kostümfest und eine Anzahl weiterer Unter- Haltungen. Bom Hochwasser. Ans Wittenberg wird gemeldet: Das Elbhochwasser. daS feit 1880 nicht die diesmalige Höhe erreichte, be- droht die Wittcnbcrgcr Elbanc. Die anliegenden Ortschaften stellen Dammwachen. Ein großer Teil der Wittenberge,- Stndtanlagen steht unter Wasser.— Weiter liegen folgende Nachrichten vor: Aus Prag: In Klappai stürzten einundvierzig Häuser ei», zehn andre sind stark bedroht und mehrere gefährdet.— Magyar Ovar(Komitat Wieselburg). Die Leitha über- schwemmte die Grenze mehrerer Gemeinden und überflutete die niedriger gelegenen Häuser von Magyar Ovar und Lucsony. Die Bewohner würden in Kähnen gerettet.— Oedenburg. Der Damm bei Nsai Njfalu ist durchbrochen. In den Gemeinden SzcntandraS und Sobor sind fünfzig Häuser eingestürzt. Neue Folterungen in Galizien. Ans Krakau wird berichtet: Gegen den GefängniSdircktor A n i e l S k i in Neusandee ist wegen Mißhandlimg von Häftlingen eine Untersuchung eingeleitet worden. Unter andren hat Anielski ein junges Mädchen elf Monate in Ketten auf Stroh liegen und furchtbar miß- handeln lassen, so daß das Mädchen wahnsinnig wurde. Als es durch Vermittelnng eines JesuitcnpatcrS in Freiheit gesetzt worden war, starb es nach drei Tagen im Krankenhause. Auf der Pariser Weltausstellung wird eine vom preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten veranstaltete Sammel-Aus- stellnng aus dem Gebiete deS W a s s e r b a n s erscheinen Dieselbe erstreckt sich nach dem„Eentralbl. d. Banw." im ganzen auf zehn Gebiete: 1. die Verbesserung der oberen Oder, 2. der Dortninnd-Eins-Kanal, 3. der Elbe-Trave-Kanal. 4. der Wasser- straßen-Verkehr in Deutschland. 6. die HauptnivellementS und da§ Pcgelwesen der preußischen Wasscrbau-Verwaltnng, 6. der Nordostsee Kanal, 7. die hydrographischen Arbeiten in Preußen, 8. das Eis- brechwescn im Deutschen Reich. 9. der Königsberger-Seekanah 10. der deutsche Dünenbau. Neben den Wandbildern, Photo- graphicn und Modellen, in denen die verschiedenen Bau- anlogen dargestellt sind, befinden sich auch zahlreiche darauf bczüg- liche' bauamtliche Veröffentlichungen. Der Ausstellungsraum liegt im Gebäude für Jngenieurwesen und Verkehrsmittel. Wie umfang reich diese Sammelausstellung sein wird, zeigt die Thatsache, daß der gedruckte Führer für dieselbe acht Druckbogen ist. DaS Buch wird' in deutscher und französischer Sprache imd englisch in abgekürzter Form den Besuchern der Ausstellung kostenfrei zur Ver- fügung gestellt. Die AnsstellungSgcgenständc mit Möbeln. Büchern imd allen sonstigen Dekorationsstücke» sind im Gesamtgewicht von etwa 20 Tonnen in sechs Eisenbahnwagen nach Paris befördert worden. Hoffentlich nehmen die Agrarier keinen Anlaß an dieser von der Regierung ausgehenden Kanalpropaganda. Marktpreise vou Perlt» am tt. April lllvv nach Eriinllliiugcn des tgl. PolizcipraNdiiims. Produktenmarkt vom 12. April Ueber den heutigen cLeireidemarlt ist eS schwer etwas zu sagen, da die bereits stark hervortretende Feiertags- stille den letzten Rest der ohnehin geringen Gcschäftslust unlcrdriickte. Effektive Ware wurde fast ar nicht gehandelt. Reichliche Offerten lagen aus dem Gelände und ans Rustland vor; Käufer fehlten gänzlich. Im LicserungShandcl neigte die Tendenz eher zur Abschwächung auf unentschiedenes Nordamerika, maites PariS und stark verstautes Budapest, wo der Wcizenpreis um 21 Kr. geworfen wurde. Die schwache Stimmung! deS hiesigen Markts, welche übrigens auch durch das warme Wetter genährt wurde, kam jedoch bei der totalen Leblosigkeit des Markts in der Preis- geslaliung nicht zum Ausdruck. Weizen und Roggen waren per Mai schwach behauptet, spätere Sichten ganz»nverändert. Haser und Mais wurden kaum beachtet. Der Rübölmarkt reagierte nicht aus feste Prcismeldungen ans Paris. Arn Spiritusmartte wurde 70« loco mit 49,20(+ 0,20) gehandelt. Weizen märlifcher 150— löl ab Bahn bez. Mai 150.75-151-150,7-155,25 bez., September 158,75—158,50 G.— Roggen: Eine hier stehende Ladung Werthc-Roggcn 142 G., mittel inländ. 140—141 ab Bahn bez. Mar 145,75-144,50 bez., Juli 144-143,75 bez., September 142,00-141,75 bez.- Gerste inländ. Futter 125 ab Bahn bcz— Hafer mittel poiencr 131 bis 135, mittel schlesischcr 131—135, mittel poinmerscher 133—136, mittel mccklenvurgischer und märkischer 133—137, sein do. 138—145, fein do.— bis—, sein pommerschcr 137—143, Mai 13l,00 bez., Juli— bcz.— Mais: loco amcril. mixed 119—120,00, Mai—, Juli 106,75—106,50, September 106—105,75 bcz.— Weizenmehl Nr. 00: 18,50—21,50, Nr. 0 Noggcnmehl Nr. 0 und 1 18,40-19,70, Mai M. Juli—,—, September—.— Nüböl: Loco ohne Fast— M., Mai 56,5 bez., in Barrels 56,9 bez., Oktober 56,8 bez. Petroleum loco—. Trockne Sa rtosfel stärke— ,—. Kartoffelmehl—. Feuchte Kartoffelstärke—. Spiritus l70er) loco ohne Fast 49,2 bez. frei Haus. Briefkasten der Redaktion. Wir vitteil bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werde» soll, und die letzte AbonucmentSquittuug beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht bcant- wartet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. Die juristische Sprechstunde siudct Montag. DteuStag und Freitag von 7—9 llhr abcndS statt. Reumann. Bebels Buch ist in der Buchhandlung Vorwärts, Beuth- straste 2, erhältlich. R. Z. 30. Eine solche Bestimmung giebt eS nicht. B. F. 13. Ein solcher Bertrag nrnst gerichtlich oder notariell abgeschlossen werden. Er hat aber keine rücktvirkende Kraft auf frühere Schulden, Frau W. Sie niüste» wahrscheinlich zur Kaste anmelde» und kleben. Eine bestimmte Antwort setzt genaue Darstellung des Sachverhalts voraus. - S. Grichshof 1»nd S. 1. Soweit Sie Kosten nicht zahlen können, werden sie niedergeschlagen. 2. ES kommt auf die Orisocrfaffnng an. Di« Sache eignet sich nicht für den Briefkasten.—<6. H. Z. 1. Wenn A jetzt zurückkehrt, muß er zwei Jahre abzüglich 10 Wachen abdienen. 2. Bleibt A. noch bis 1904 in der Schweiz, so verliert er die deutsche Staat»- angehörigkeit und kann dann bei einer Rückkehr nach Deutschland höchsten? bis zur Vollenduug des 31. JahreS i» Dienst gestellt werden. 3. Die Dienst- Pflicht hört, bei Fortdauer der deutschen Staatsangehörigkeit, mit dem 38. Jahre mif.- Gustav. Er kann Bezahlung verlangen. Doch ist noch »ligeivist, wie die Gerichte entscheiden werden.— M. W. 196. Nein. —'F. W. 14. G. kann binnen einer Woche nach Erlag des Urteils Re- Vision einlegen, über die das Reichsgericht entscheidet. Die Reihenfolge der sür Strafsachen zuständigen Gerichte ist: 1. Schöffengericht, Strafkammer gen. Landgericht, Strafsenat am Oberlandes-(Kammer-) Gericht. 2. Sttai- knmmcr, Strafsenat am Reichsgericht. 3. Schwurgericht, Strafsenat am Reichsgericht. Es kommt immer darauf an, welches Gericht in erster Instanz entscheidet. Bei Hoch- und Landesverrat gegen Kaiser oder Reich entscheidet in erster und letzter Instanz das Reichsgericht. Eine nähere Darlegung verbietet der Raum.- K. M. Es kommt ans die Beschaffenheit und Bc- nntzung deS Korridors an. Im Fall unsittlicher Angriffe kann sie den Dienst verlaffen.— Gustav Hniicke. Sic»lüffcn ein wechselseitiges Testament machen. Gehen Sie dazu ausS Amtsgericht— ff. 22. Es kommt darauf an, ob sie über 900 M. Reineinkommen hat/ «viiteriiuzbiibersicht vom IL. April IS00. morgens 8 Nh« Stationen Swineiiidc Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien ?i 35 öZ ffi- 753 SSO >50 SSW 754 SSO 755!SW 760>SW ISllStill Wetter I öK dil Zi» 3 Regen 4 wältig 2, bedeckt 2Regen 4bedcckt -lNebel Wetter-Prognose für Freitag, de» 13. April Ziemlich warm, zeitweise ausllarcnd, vorwiegend trübe bei frischen stidwestlichen Winden. Berliner W c t t e« b n r e a n. Srailonen Haparanda Petersburg Eork Abcrdce» PariS 749, S 758 SSO 757'W 747SSO 760WNW Witter iS« ; U j» «r. 2 bedeckt l, bedeckt 4>bcdeckt llhlb.bed 4wolkig 1 3 10 9 10 1900. und regnerisch Am DtenStag, den 10. April, nach- mittags?>/, Uhr, verschied nach schwerem Krankenlager mein lieber Mann, unser guter Batcr, Bruder, Schwiegervater und Grobvater, der Maurer S»i*I Irrgang: tili 58. Lebensjahr. 464b Dia trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am 1. Öfter- feiertag, nachm. 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Kirchhofs WilhclmSbcrg aus statt. Inle�envernn der KiHtemuacher. Am 9. d. M verstarb das Mitglied Die Beerdigung findet am Freitag, den 13. d. M., nachm. 4 Uhr, von der Leichenballe deS Wcrderfchen Kirchhofs, Bergmannstrabe, aus statt. Um recht zahlreich- Beteiligung bittet 94/12_ Der Borstand. Zahnarzt Semmel wohnt jetzt Moritiplat», Oranicn- strabe l47, i. Hanse von Biiggcnhagcn. 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Bortrag über„Bamirbritrrichuh". 2. DtSkussio». 3. Wahl ciucö Dclcgierieil zur Ba»arbeitersch»tz-Ko»»iliisioii. 4. Die weitere A'.tSgcftaltiiiig uiifrer Lohubewegung. 87/17 Rttgliedsbuch legitimiert. Neue Miiglieder werbe» aufgenonimen. Die Äollege» von Vosrvrv, Teltowcrstraße, werben bcsöiibers eiugclabctt. 111« lleiitseb. IVIetallarbeiter-Verband Vol'valtiinxs�toNo verlin. Bureau: E»gcl-Ufcr 15, gininicr 1—5. Fernsprecher: Amt VII. 353. Unsl't Milßlic�tf llitl'btil km\\ lliisiiitl'ksaiil ge- »l'llljt, ki unsre Vmtaüs Soiinnltf»� den 14 imii Menstllg. den 17. April nachmittags ge Massen siiilj. Jesgltiditll ist derArdettsnachmeis m Dienstag. den 17. April geschlossen. IM« OHfivei'waltiine. Kreit Kriiukea- lt. Begräbilis- kllsse der Schuhmacher ll. Verilssqeillijstll Leriills. E. H. Nr. 37. Leneraiversammiung Montag, 33. ZIpril. abcnbs 8 Uhr, Alte Jakobstr. 75, im oberen Saal. T a g e o- O r b» u n g: I. Bericht dcö Borsitzenben. S.Bericht des Kassierers und der Rcuisoren. S. Diskussion. 4. Verschiedenes. 454b l>cr Vorstand. I. A.: F. lintz. 112 7 Facliverein der Musikinstrumenten- Arbeiter und Benifsijenosien Berlins und Umgegend. Mittwoch, de» 18. Zlpril, abends 8V2 Uhr: I>ele gierten- Versa m in lung bei Herrn Granniann. Nannhnstr. S7. TagcS-Ordnnng: I. Vortrag über: 0er Streik der Muslkinstrumenten-Arbelter 1896 und Oer Tlschlerstrcik 1900. 2. Diskussion. 3. Werkstatt-Angelegenheiten. In Anbetracht der wichtigen Tagesordiinng ist aus jeder Werkficlle ein Delegierter enumifdn. DM- Zur Nachricht, dass die regelmässige Versammlung am Montag, den 23. April, ausfällt.-Ww Bitte dieses zu beachten. ll41/I3j I»cr Vorstand. Otts-Krankenkasse des Mmerergemerkes. Sonntag, den 22. April, vorm. 1« Nhr: Oeueral- Versa innilnng im Lokal Don BnSkc, Grcuadlcrstr. 33. T a g c S- O r b n n n g: I. Bericht dcö Prüfungsausschusses und Beschlugfasinug über die?lb- nähme der JahreSrcchnilng 1899. 2. BechchicbcncS. Die gemäh z 44 des Statuts gewählten Vertreter werden hiermit ein- geladen. I»or Vorstand. _ J. Krause, Vorsitzender. E. Petermann, Schrliiführer. Veibiuid der Möbelpolierer. der Zahlstelle Dstcn fällt des Jciertagö Die Bcrsammlmig wegen an«. Flolgende Kollege» werden ersucht, Toniiabend, den 14. d. M.. abends 0 8 Uhr, bei Schccre, Bliimenktr.:k8, zu crschcineü: Paul i-ei,crt. Paul For», Ferd. Mohr, Rich. Wildgrubt, Otto Blank, Karl Ä-chncttcr, KochlowSki. Hcri». Prochnow, Will,. Knbe, Fried. Schneiber, Hugo Bleilc, Max Kappel, Rrinh. Röpke. Ferd. Ripiiiki, Adolf Swbbe, Paul Krüger. Tic Werkfialt Stern, Seliger u. Co. ist wegen Maßregelung der Kollegen, ebenso Dresden nnd Umgegend, weil die Koll. streiken, gespcrn. Der Gesangverein der Möbclpolierer veranstaltet am 1. Ostcr-Fckcrtag ein Justrliuieiltal- und Bokal-Konzcrt mit nachfolgeudem Tauz bei Buh, Graste Jranlfnrtcrstr. 85. Anfang 6 Uhr. Hierzu sind die Kollegen eraebcuft eiogeladeu. 140/1 l Idvr Vorstand. ulbültiilDt Montag, den 16. April(2. Osterfeieitag), nachmitlags pünktlich 2' z Uhr, im Tlialia-Tlieaiter, Dresrienerstrasse 72: Extr a" Vorstel lun g 's liullerl. VoIkaatUck mit Cicaang In 5 Akten von C. Morro. Eiulaßkintcn a 1 Mark inet. Programm sind WM" m,ii| füv Llichtmifglivdov"MS in nachstchcnbcu Zahlstelle» zu haben: Stordc»: E. knapp, Rest., Grünthaler- straße 5; E. Schmidt, Reit., Tresckowstr. 22; Löhr, Ackcrstr. 38, II. Nordosten s W. Schrolle, Friseur, Landwehrstr. 3; H. Neft, Gcorgenkirchstr. 24 a, 1 Dr. Nördweste n: Horm Becker, GotzkowSlystiaste 9, Snbwesten: C, Worllng, Zosscnerstr. 32; J. Pech, Möckernftr. 120 lSchnhgeschäst). Süden: H. Bobtien, Kommanbantenslrastc 62, Südosten: Th. Stampehl, Marianneustrahc 26; H. Röhn, Rest., Rauiintislraste Sö; H. Kaufhold, Wrangetstrastc 52. Osten: Aug. Bölke, Rest.. Rüdcrsdorscrstraste 18(Ecke Koppcnstrastc). Schöm berg: P. Arendt, ChtruSkerstr. 2. 150,9 Vcrblllid alltr im Hgiibclö- imb Trailspottgcmerbt btschiistißteil Hilssurbeiter Berlins. Arbeitsnachweis und Bureau: S, Kommandantenstrasse 35, (au der Stltcu Jakobstraste). Fernsprecher: Amt IV, 3973. Sonntag, den 13. April(1. Osterfciertag): Wohlthiitigkeits-Matiuee zum Besten hilfsbedürftiger Kollegen in Isionla lieller« Feataillen, Koppeustrastc 20. ünllretsn äsr daUsdten Duett-, Gesänge- und Theater- Gesellschaft„Strzelewlcz". 73/5 Eröffnung 11 Uhr, Ansang pnicise 12 Uhr mittags. 1 Billets a 25 Pf. sind zu haben im Bureau und iu den Zahlstelle»., Programm am Eingang gratis. Ostenc Kasse findet nicht statt. Um zahlreichen Besuch diiict Da« Komitee. Tischler- Verettt. smr Sonntag, den 15. April 1000(1. Osterfeicrtag):-Wv Grosses Konzert in Max Kliems neuent Festsaat, Hasenheide 13. Billets sind bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern zu haben. 198 9 Der Voratand. Wo? ist der schönste Aufenthalt für Ausflüge und Land- Partie»?'Ans der Fusel Plcholawerder[♦ beim alten Freund. Orts-Kraukenkaffe der Buchbinder i»tb vemMell ßciiifi'bf. Geueral-NersamMlnug am Montag, den 23. April, abends 8>/.. Uhr, iu Feuersteins Salon, Alle Jakobstr. 75. DagcS- Ordnung: 271/1 1. Verlesnng der Protokolle. 3. Rech- niiliftSlegiiiig fstr 1899. 3. Wahl eines BorstandSmitgliedS für 1900(Arbeit- nebiner). 4. Verschiedenes. Ilm zahlreiches nnd pünktliches Erscheinen ersucht Her Voratand: Beruh, lost, Bors. Lg. Bässler, Schiists. NB. Am IomiabeUd vor Ostern werden die Kasscnstitiiden abends von 6—8 Uhr nicht abgehalten. D. O. M« IV. Wahlkreis. lülW im »» (Süd-Osten.) Sonntag, den(5. April(I. Osierfeierfag), Konzerthaus Sanssouci�, Kottbuserstrasse 4a Matinee— veranstaltet von den Parteig:eiiossen. Auftreten de?„Hofimannschen Norddeutschen Säuger". Kafsciicröffnung 11 Uhr.— Bittet 30 Pf. Anfane praclse 1« Fhr. Ppogrannn gratis. Um zahrcichcn Benich bittet__ 215/4 Da« Komitee. Verbund der in Buchbindereien, der Papier- nnd Leder- Gatanteriewaren-Jndnstrie beschcift. Arbeiter nnd Arbeiterinnen Dentschlands. Am Montag, den Zahlstelle 10. April Berlin. 1000t n g: 1. Zlbnahute der Jahres- Rechuung pro 1899. 2. Abänderung des A 55 nnd§ 64 des Kasten-Statuts. 8. Wie stellen sich die Delegiertet, zur ärztlichen Behandlung d. Faniilim- angehörigen der Mitglieder? Der Vorstand: Aug. Werner. H. Philipsohu. Borfitzender. Schrtstfüftrer. kW Ii. Bs Berlins u. Umpgend. Sonntag, de» 15. April, ii. Feiertag) int Moabiter Gcsellschafts- hr.us, Alt-Moabit 80,81; VII. Stiftungsfest bestehend in Konzerl, Siieciaülälen-Yorslellung u. Ball. Herren 50 Pf. Anfang 7 llhr. Tanicn 50 Pf. Beteiligung ersucht Um zahlreiche 140 l Da« Komitee. Miislö KraoUasse der deutsclieo Gold- ond SieraiMer ii. verw. Benifsgen. iE. H.) Sonntag, den 15. April 41. Osterfeiertag). mittags präc. 13 Uhr. im Palast-Tbcatcr, Bnrgftr. 33: DW" Grosse Matinee"MZ zum Besten der Famlllcu laiijjwicrlg kranker nitgUcdcr. Billets a 30 Pf. sind zu haben bei den Mitgliedein deS Vorstands, tu den Zahlstellen der Kaste, im Bureau des Metallarbeiter-Verbands /Gc- werlschnstsyanS), sowie bei den Koniitcciniiglicder» M. Schöflemnntt. Slalitzerstr. 7, und F. Heyueuiami. Wieuerstr. 68.[4436 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Ter Borstnnd. I.A.: C Holtkamp, Vors. Admiralstr. 18 E. Samariter- für Arbeiter und Kursus Arbeiterinnen. Montag, IG. April(3. Osterfeiertag), mittags 12 l'hr, im Pnlaat-Thcntcr, Bnrgstrabe: igt � örosse Matinee# K zum Besten der Arbeiter-Samariter-Koloiiue, Auftreten de« gesamten Auiistlerpersonals. Jin Jnterestc des wohlthätigen Zivecks erstichcn mir um zahl- reiche Beteiligung. Eiutrittö-Karten a 25 Pf. an der Kaste zn haben. Kaste nerSffnniig 11 Uhr.— Programm gratis.- Anfang präcisc 12 Uhr. 155/4 Der Vorstand. 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Artikel I. § 30 lautet wie folgt; Die lußcheutUcheii Kassenbeiträgc be» tragen: 1. Für erwachsene männliche Kasten» Mitglieder über 1« Jahre, aus- scklicblich der Lehrlinge, 00 Ps. 2. Für cAvachscne weibliche Kasten- Mitglieder über 16 Zahre 42 ä?. 3. Für männliche Kastenmitgliedc° unter 16 Jahre und für Lehrlinge 30 Pf. 4. Für weibliche Kastcninitglicdcr Mitcr 16 Jahre LI Ps. Artikel II. Diese Abänderung tritt iiach�Gc- nchniigniig durch de» BezirkSaliSfrlnifi mit dem ersten Montag nach erfolgter staliitcnuiägiger Bekanulmachwig in Kraft. s270/10 Berlin, den 15. FcSniar 1900 Emil Sartelt, Jos Plez/er, Stellv. Vorsitzender. Schriftsithrcr. Genehmigt.. Berlin, den 23. März 1900. Namen« de« BezirksailSschnfscS. Der Vorsitzende: Bayser._ Gelegenheitskäufe: PaletotS, Herren- u. Knabcii-An�üge. Leder- und Aibeits-Hofen. Gardmen, Portieren, Tcppiche, Koffer, Opern- gläscr, Kcstel, Revolver. Rcihzcuge. Tekdiings, Harmoliikas, Geigen. Zithern. Regtilatcnre, Uhren, Letten, Ringe, Goldsachen usw. silspotthissigeuNreise«. Gnstav Ltucke, Berlin. 88861*» IZI Lmitii-Strch M Csrl Idiemer, Schlächtermeister, Berlin, Veteranenstr. 15, offeriert Rloüllslseli Schabefleisch u. Schmorst, ohne Knochen 70 PL Filet SO Pf., Rumsteak ohne Knochin 80 Pf. Kalbllölscti Schnitzel 70, Kotelett 60, Nierst 50-70Pf, Hammelfleisch Cotelcit und Keule 50— 60, Nierstüd 50— 55 Pf.- Lchweiriefleisch Schinken 50— 60, Koteleit 70, Kamm mit Fett 55- 60. 44SlL� Hökelv/aren »nr hiesige Schtachtnng: Kamm 70, Schnlterblatt o. Knochen 70, Casteler 65, Schinken n. Speck zu billigste» Tageö- preiscii. Olv. Vfursbivaren Sdilacktvurst u. Salami 90Pf., Zniigcn- wurst und ff. Leberwurst 80 Pf., Thüringer Wurst 60 Pf., Bockwurst 2 Stück 25 Pf, KnoblailchSwurst2Paar 15 Pf. Spccialität: hochfeine Grüv- wurst täglich frisch. Alle andren Fleisch- waren in best. Qual, zn bill. Preisen. Wasserthorstr. 1/2, I. 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Es ist un- zweifelhaft, daß die Boeren ihre bisherige Taktik der reinen Defensive aufgegeben haben und zur Offensive übergegangen sind. Der Erfolg ist nicht ausgeblieben, und Lord Roberts mit seiner ganzen Armee von 40— öOOOO Mann ist in Bloemfontein ein- geschlossen. Die einheitliche Leitung der Operationen auf der Boercnseite ist unvcr- keimbar, und der wohldurchdachte Plan der Cernicrung des englischen Heeres in der Hauptstadt und im Herzen des Oranje- Freistaats ist in vorzüglicher Weise durch- geführt worden. Lord Roberts war nach dem Entsatz von Kimberley unter fortgesetzten Gefechten mit den sich langsam vor ihm zurückziehenden Boeren nach Bloemfontein vorgerückt, Lord Methuen in der Diamantenstadt mit einer ganzen Division zurücklassend, welcher die Aufgabe zufiel, 1. Kimberley zu schützen, 2. den Aufstand in West-Griqua Land nieder- zuhalten, und 3. durch ein detachiertes Corps Mafeking im Norden zu entsetzen. Lord Methuen hat nur den ersten Teil seiner Aufgabe erfüllen können. Der Aufstand nimmt dagegen immer größere Dimensionen an, und die zum Entsatz Mafekings ent- sandte Truppe ist nicht im stände, den Widerstand der Boren bei Warrcnton und Fourteen Streams am Vaalfluß zu über- winden. Die Boeren dagegen stehen in ganz ansehnlicher Stärke sowohl im Westen und Norden, wie auch im Osten Kimberleys, so die Verbindungslinie Bloemfontein— Kimber- Ich unterbrechend. Von Bloemfontein aus hatte Lord Roberts einen Teil seiner Truppen nördlich bis Glen und Karree Siding, und östlich bis Thabanchu vorgeschoben, und aüf solche Weise seine Streitkräfte zersplittert. Die Boeren benutzten diesen Umstand und griffen gleichzeitig von Norden- Radfalirer-lnziige|j». Radfahrer-Joppen#r: 2»>-.-» Radfahrer-Hosen S.'""s,-'' S>«-. Radfahrer-Cumnii-Pelerinen»>-. Ball-Weslen*7*7"r; 2«. 2 Mk. SO 8 Mk. Jünglings-Anzüge. �rllc0t�n aÄ 6 Mk. für Herren, 8,—, 6,—, 5,—, Inahen-lnzhgV Knaben-Inziige, lehr reichh. 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Gevichks ��eilung» Gegen die 5lrankcnkassc»-Vorstäude scheint zur Veränderung em vcrschicdciicu Stellen unsrcs geliebten Vaterlandes ein Polizei- JaMpf eutbrciinen zu sollen. Selbstverständlich ist es dn-Z preußische V er eins g e s c tz, das als Operationsmittel benutzt tvird, und die Art, ivie Polizei und Staatsanwalt dies Werkzeug gebrauchen, ist in Nr. 77 ans Düsseldorf einen eklatanten Fall zu»leiden hatten, handelt cS sich diesmal um eine in Trier erfolgte Polizcithat. Unter der Beschuldigung, am 2. Dezember vorigen Jahres„in einer polizeilich nicht angemeldeten gemeinschaftlichen Vorstands- sitzung verschiedener Nassen alö Leiter beziehungsweise als Redner tnisgetretc» zu sein", standen vor einigen Tagen zwölf Vorstandsmitglieder von Nrankcnkasseil iir Trier zum zivcitcninal vor Gericht. da gegen das freisprechende Erkenntnis der ersten Instanz vom 13. Februar Berufung eingelegt worden war. Das neue I n v a l i d e n v e r s i ch c r n n g s- G e s e tz hat zur Renten- fcstsctzung usw. die Einrichtung von unteren Verwaltungsbehörden vorgesehen, zu welchen für die Krankenkassen deren Vorstände und für die nicht krankcnvcrsichcrungSpflichtigcn, aber der Jnvalidenversichcrung unterstellten Perionc» die Kreisbehörden Vertreter wählen. Zur Vor- bcratung dieser Vcrtrctcrivahl waren bereits am 2(5. September vorigen Jahres die Vorstände der sämtlichen Krankenkassen, welche vier Arbeit- gebcr und vier Versicherte zu wählen haben, versammelt; man bc- lpvach die Neuordnung der Dinge lind einigte sich auf die Name» van acht Personen. Nun wurden die einzelnen Kassenvorständc Ende November von der Aufsichtsbehörde zur Vornahme der Wahl aufgefordert mit der Anordnung, das Ergebnis spätestens bis 3. Dezember einzureichen. Die gemeinsame Ortskrankcnkasse bc- räumte den Termin ihrer Wahl auf den 2. Dezember an und da diese Kasse in der Person des Schriftführers Leonard ein mit den Versicherungsgesetzen gut bekanntes Mitglied hat, so fanden sich, nachdem der Versammlnngstcrinin der Gemeinsamen Kasse gesprächsweise bekannt geworden war, auch die Vorstände von fünf andern Kassen zur gleiche» Zeit dort ein, so daß im ganzen etwa 30 Vorstandsmitglieder vereinigt waren. Während die erste vorberatendc Versammlung sämtlicher Kassen ungestört vcr- lief, wurde zu allgemeiner Vcrwimd'crung der Wahltermin Polizei- l i ch überwacht. Der Vorsitzende der Gemeinsamen Orts- Krankenkasse, Herr Lvrtz, protestierte gegen die Ilcberwachnng, dann nahmen ohne weitere Erörterung die einzelne» Vorstände die Wahl der acht auf Zetteln vorgcdrncktcn Vertreter getrennt vor. Jeder Vorsitzende eröffnete und schlost nach vollzogener Wahl die Sitzung der von ihm vertretenen Kasse. Am 13. Dezember wurden dann die vorgenannten Teilnehmer der Versammlung ivcgenUcbcrtrctnng des Verciiisgcsctzcs mit Strafbcfchlen von je 13 M. bedacht. Wie be- merkt, sprach das Schöffengericht die Angeklagten frei, weil keine öffentliche Angelegenheiten in der Versammlung zur Sprache gekommen sind. In der BcrnsiingSverhanLlüiig beriefen sich die Angeklagten ivie in der ersten Instanz namentlich auf die Instruktion des R e i ch s- V e r s> ch c r n n g s a m t s, welches es für zweckmäßig hält, daß die Kasscnvorstände eines jeden Wahlbezirks sich vor der Wahl mit einander verständigen. Bei alledem beantragte der Staatsanwalt gegen jeden der An- geklagten 13 M. Geldstrafe. Das Gericht war einsichtig genug, das freisprechende Erkenntnis der ersten Instanz zu bestätigen. Die weisse Nelke. Das Lokal des NcstauratenrS Emil Jünger in der Manteuffclstraste war am Abend des 28. August vor. Jahres außerordentlich stark besucht. Die Gäste teilten sich in zwei Gruppen. Die eine kleinere Gruppe, angenschcinlich aus Stammgästen bestehend, saß in der Nähe des Stammtisches und amüsierte sich darüber, daß eine Menge fremder Gäste, zumeist jüngere Leute, ihre linke Seite übereinstimmend mit einer weißen Nelke geschmückt hatten. Der Umstand war auf ein H e i r a t s- g e s u ch zurückzuführen, welches Tags zuvor in der Zeitung veröffentlicht worden war und folgenden Wort- laut hatte:„Eine junge Schneiderin, 23 Jahre alt, hübsche Etscheinnng, die im stände und gesonnen ist, einen Mann zu ernähren, wünscht einen Lebensgefährten. Bewerber wollen sich am Sonnabendabend, den 23. d. M.. im Jüngcrschen Lokal einstellen. Erkennungszeichen: eine w c i st e Nelke im Knopf- loch." Der Wirt hatte alle Hände voll zu thun, um die Nelken- geschmückten zu bedienen. Er war es gewesen, der sich den Scherz mit dem Heiratsgesuch geleistet hatte. Seine Absicht, ein volles Lokal zu bekommen, war erreicht. Die Sache fand aber einen un- freundlichen Abschlust. Die Heiratskandidaten sahen bald ein, das; sie gefoppt waren, sie wurden ungemütlich und einer von ihnen zerschlug init dein Stock beim Hinausgehen die Fensterscheibe. Der Wirt, sowie dessen Bruder, der Metallarbeiter Jünger, stürmten hinaus und draußen kam es zu einer Schlägerei, wobei drei von den weißen Nelken arg zugerichtet wurde». Die ursprünglich auch wegen Betrugs gegen den Schankwirt Jünger gerichtete Anklage wurde wieder fallen gelassen, weil ein zugefügter VermögenSnachtcil nicht nachzuweisen war, dagegen wurde gegen beide Brüder Jünger Anklage wegen gemeinschaftlicher Mißhcmdlnng erhoben. Das Schöffengericht ver- urteilte den Schankwirt Jünger zu 60, den Metallarbeiter Jünger zu 40 Mark Geldstrafe. Im gestrigen Termin focht der' Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Herbert Fränkel, das erste Urteil an und suchte noch nachzuweisen, das; die Angeklagten sicki im Znstand der Notwehr befunden hätten. Der Schankwirt Jünger hatte sofort von dem nicht ermittelten Träger einer weißen Nelke einen heftigen Schlag mit einem Instrument auf den Kopf erhalte», so das; ihm das Blut über das Gesicht liest Da sei es doch erklärlich, daß er sich verteidigte und daß ihm sein Bruder gegen die Ucbermacht zur Hilfe gekommen sei. Der Gerichtshof hielt nicht für erwiesen, daß der Angeklagte Paul Jünger sich an der Schlägerei beteiligt habe, dieser' wurde freigesprochen, die Berufung des Angeklagten Emil Jünger dagegen verworfen. g Grosse Fänge, Preise billig! zum *—>»» Kfei 9 g«» gg der so sehr beliebt f zum Kochen wie S a � Braten sehr empfehlenswert ist, 1>1*0 IM und Im ganzen 20—3® I'fg;.. Im Ausschnitt 30 I'kzr pro Pfund. ß Schellfische.Äs-so p*. Gciunchcrtcr Seelachs 45— 50 prg., Flundern 60— 70 Pfg. 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