Erscheint in Leibis Mittwoch, Freitag, Sonntag. AbonactnentspreiS flu sou, Tenllchland t M. e« W. Nu Quartal. Monats- Abonn cm enlg «rden sei allen deutschen Postanftalten nnsden 2. und 3. Monat, und aus den ».Monat besonders angenommeid: im «wigt. Lachsen und Herzogth. Sachsen- Ultenburg auch aus den llen Monat de« Quartals i 54 Psg. Inserate wir. Bersammlungen»r. Petitzeile 10 Ps., Swiv, Priratangelegen heilen und Feste pro Petitjeilc 30 Ps. Vorwärls ZZesttllnngen an alle Poiianstallen und Buch. lungen des In- u. Auslandes. Fillal- Expeditione«. New-Norl: Sog.- deinokr. Benossen- schaftebuchdruckerei, 154 QlllriiZg« Str. Philadelphia! P. Häg, S30 Xorld Zrck Strovt. I. Boll, 1123 cdarlotte Str. hobolcn».il.: F. A. Sorge, 315 Washington Ktr. Chicago: A.Lanscrmann, 74 Ciyhourni»«-. San Frangisco: F. Eng, slS 0 d'nrreil au London W.: C. Hen»e. 3 Tlov kloISen Sciuaik Kentrat 6)rgan der Soziatdemokratie Deutschlands. Nr. 39. Mittwoch, 3. April. 1878. Abfertigung. Die letzten Nummern des„Vorwärts" enthalten eine Reihe vollswirthschaftlicher Artikel:„Zur Controverse über die so- jialistische Werththeorie"— welche geeignet find, der dem Schreiber eigenen Unklarheit weitere Verbreitung zu verschaffen. Da nun aber Klarheit in volkswirthschaftlichcn Dingen vor Allem noth- thut, will ich mich die Mühe nicht verdrießen lassen und auf den Kernpunkt der von Herrn H. L. aufgestellten Behauptungen eingehen. Alle seine irrthümlichen und unklaren Behauptungen zu widerlegen, habe ich weder Zeit noch Lust. Herr Professor Schäffle hat s. Z. der Marx'schen Werththeorie den Vorwurf gemacht, daß dem gesellschaftlichen Bedürfniß in ihr nicht Rechnung getragen sei. Wäre dieser Borwurf berechtigt,' dann wäre diese ganze Werththeorie eben keine Werththeorie, sondern eitel Unsinn. Denn das, was wir gemeiniglich den Tauschwerth nennen, was Rodbertus sozialen Gebrauchswerth, Marx gesellschaftlichen Gebrauchswerth genannt hat, das hängt, wie schon dieser zutreffende Ausdruck andeutet, so sehr mit dem zusammen, was die Gesellschaft gebraucht, also mit dem Bedarf der Gesellschaft, daß dieses Moment bei jeder theoretischen Be- stimmung und Definirung des Begriffs eine Rolle spielen muß. Deshalb habe ich Herrn Professor Schäffle gegenüber darauf hingewiesen, daß in dem von Marx so geistvoll gewähllen Aus- druck:„gesellschaftlich nothwendige Arbeit" der Doppelfinn liege,: welcher nicht nur die Arbeit bezeichnet, welche nach dem jeweiligen Stande der Produktionsbedingungen zur Herstellung des Pro- dukts erforderlich ist, sondern zugleich auch die Arbeit umfaßt, welche zur Deckung des gesellschaftlichen Bedürfnisses aufgewendet werden muß. Ich wußte bei Beantwortung des Sckäffle'schen Angriffs, daß Marx die Sache so darstellt, konnte mich aber nicht lange mit dem su�en nach der Belagstelle aufhalten und dieselbe also auch Herrn schäffle nicht entgegenhalten. Jetzt macht mir Herr H. L. vie Freude, mich auf diese Stelle hinzuweisen— wunderbarer Weise versteht er aber die dort abgedruckten Sätze, wohl weil er ste nichts im Zusammenhange betrachtet, total falsch und will aus beweisen, Marx nehme gar keine Rücksicht auf den gcflllichaftlichen Bedarf! Dann aber wäre, ich wiederhole es, „ g?uze Theorie ein leeres Hirngespinnst. Herr H. L. will also mcht mich, sondern Marx selbst aus dem Kapital widerlegen! Sonderbarer Schwärmer! Der Kernpunkt des Angriffs lautet: „Geradezu zweifellos wird die Sache aber durch eine Stelle, S. 67 des Kapitals, erste Auslage; dort heißt es: Gesetzt endlich jedes auf dem Markt vorhandene Stück Leinewand enthalte nur gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit. Trotzdem kann die Ge- sammtsumme dieser Stücke überflüssig verausgabte Arbeitszeit enthalten."„Aber— fährt Herr H. L. fort— trotzdem diese Leinewand dem Bedarf gegenüber überflüssig verausgabte Ar- beitSzeit enthält, besteht sie, für sich betrachtet, nur aus lauter gesellschaftlich nothwendiger Arbeitszeit. Das ist eben nur des- halb möglich, weil unter gesellschaftlich uothwendig nicht die Beziehung zum Bedarf, sondern ausschließlich die allgemeine Durchschnittsarbeitszeit zu verstehen ist. Mit diesen zwei Sätzen des Herrn Marx ist Herr Schramm in seiner Definition des Ausdrucks gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit vollständig geschlagen." Ich erwidere: Mit dem Eitat dieser zwei Sätze hat Herr H. L. bewiesen, daß klares Denken nicht eben seine Sache ist. Er muß doch bemerken, daß diese beiden Sätze sich total wider- sprechen. Hätte er nur einige Zeilen weiter gelesen, so würde er gefunden haben, wie sich dieser schreiende Widerspruch auflöst, und zwar grade so, wie ich es gegen Schäffle behauptet habe, grade umgekehrt, wie es Herr H. L. in seinen Artikeln an- nimmt. Ich bitte Herrn H. L. und alle Leser, welche das Kapital befitzen, dasselbe zur Hand zu nehmen und von Seite 65 an nachzulesen. Ich rekapitulire für diejenigen, welche das qu. Buch nicht besitzen, yicr kurz den Inhalt lener zwei Seiten. Er lautet: Die Waare kann ihren Tauschwerth nur in Geld, also in �. allgemein anerkannten Tauschwerth umsetzen, wenn sie ein Bedürfniß der Gesellschaft befriedigt. Was heute ein solches «edurfniß befriedigt, ist aber vielleicht schon morgen durch einen �rauchswerth vom Markt verdrängt. ki* Arbeit, wie die unseres Leinewebers, patentirtes keines»�» BJ-�fäjastlichen Arbeitstheilung, so ist damit noch wand �ebrauchswerth grade seiner 20 Ellen Leine- Leinewand aesäti' das gesellschaftliche Bedürfniß für überscküklio»s f"""rd das Produkt unseres Freundes M� �ss�flüffig, und damit nutzlos." stimmte Quantität İ7r-��r?bl°s w°?rd aelell Marx constatirt hier also Httifo O.itrtttftfÄf on�.> hJ�Sratnc" �'»ÄÄÄi'd.r Lrm-w-b-r S.n°» kn Pmf Sto.®"b- NN flrbeit«!»"?* gesellschaftlich nothwendigen Durchschnitt. vvn Arb itsze. verausgabt haben. Der Preis dn Waare ,st also nur Geldname des in ihr vergegenständ- i lichten Quantums gesellschaftlicher Arbeit" ?ber hinter dem Rücken des Webers haben sich die Produkttons- �dmgmigen geändert; waS gestern zweifellos gesellschaftlich Arbeitszeit war, ist es heute nicht mehr. Er be-j kommt Nicht seme aufgewendet Arbeit bezahlt, sondern nur so i dlel, als nach den neuen ProdukttonS-Verbällniss-.» mr vs-r, nach den neuen ProdukttonS- nellung der Waare notwendig war. Marx zeigt hier also einen zweiten, erhältnissen zur Her täglich vorkommenden Fall, wie der Werth fast aller am Markt vorhandenen Waaren durch veränderte Produktions-Bedingungen herabgedrückt wird. Nun kommt die von H. L. citirte Stelle. Sie lautet wörtlich: „Gesetzt endlich jedes auf dem Markt vorhandene Stück Leinewand enthalte nur gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit. Trotzdem kann die Gesammtsumme dieser Stücke überflüssig ver- ausgabte Arbeitszeit sein. Vermag der Marktmagen das Gesammtquantum Leinewand, zum Normalpreis von 2 Schl. pro Elle, nicht zu absorbiren, so beweist das, daß ein zu großer Theil der gesellschaftlichen Gesammtarbeitszeit in der Form der Leineweberei verausgabt wurde. Die Wirkung ist dieselbe, als hätte jeder einzelne Leineweber mehr als die gesellschastlich nothwendige Arbeits- zeit auf sein individuelles Produkt verwandt. Hier heißt's: Mitgefangen, mitgehangcn. Alle Leinewand auf dem Markt gilt nur als ein Handelsartikel, jedes Stück nur als ein aliquoter Theil. Und in der That ist der Werth jeder individuellen Elle ja auch nur die Materiatur desselben ge- sellschaftlich bestimmten Quantums gleicharttger menschlicher Arbeit." Wer lesen kann, sieht aus dem Wort„endlich" schon, daß Marx hier einen letzten Fall aufführt, in welchem die auf die Herstellung der Waare verwendete gesellschaftlich nothwendige Arbeit in ihrer werthbildenden Kraft beeinflußt wird. Im ersten Fall würde ein bestimmtes Quantum Waare werthlos, weil das gesellschaftliche Bedürfniß gesättigt war. Im zweiten Fall verliert der größte Theil der zum Markt gebrachten Waare etwas an seinem Werth, weil sich die Pro- duktionsbedingungen inzwischen geändert haben. Im dritten, hier vorliegenden Fall verliert alle am Markt befind- liche Waare an Werth, weil mehr Arbeitszeit zur Her- stellung verausgabt wurde, als zur Deckung des gesell- schaftlichen Bedarfs nothwendig war. Was der Marktmagen absorbirt, ist der gesellschast- liche Bedarf. Dieser gesellschaftliche Bedarf wirkt hier gradeso, wie Marx ausdrücklich hervorhebt, als wenn jeder einzelne Leineweber mehr als die gesellschastlich nothwendige Arbestszeit bei Herstellung seines Produkts verwendet hätte. Der gesell- schaftliche Bedarf wirkt also bestimmend auf den Werth ein. Er wirkt aber nicht auf einzelne Ellen, wie im ersten Fall— sondern auf alle vorhandene Leinewand, also auch auf jede einzelne Elle, deren Werth, wie der letzte citirte Satz aus- drücklich betont, nicht nur durch die zur Herstellung, sondern auch durch die zur Deckung des Bedarfs nothwendige Menge (gesellschaftlich bestimmtes Quantum) gleicharttger menschlicher Arbeit constituirt wird. Im ganzen„Kapital" findet sich keine Stelle, an welcher der Einfluß des gesellschaftlichen Bedarfs so scharf, klar und unzwei- deuttg anerkannt wird, als grade hier. Und aus dieser gar nicht mißzuverstehenden Stelle liest Herr H. L. das direkteste Gegentheil von dem heraus, was darin ausgesprochen ist! Es ist wohl nur blinder Autoritätsglauben, der den Herrn veranlaßt hat, eine Lanze für Marx gegen mich einzulegen und mir vorzuwerfen, daß ich mit meiner Definition die vollständige Demolirung der Marx'schen Werththeorie verursache. Da nun aber Marx, wie doch aus den cittrten Sätzen unzweifelhaft hervorgeht, die Sache thatsächlich so meint, wie ich sie definirt habe— und er kann sie vernünftiger Weise gar nicht anders meinen—, so passirt unserm braven und gutwilligen H. L. das Malheur, seine Lanze gegen Marx selbst eingelegt zu haben, den er doch vertheidigen wollte! Er behauptet also, ohne es zu wissen, Marx sei der Demolirer der Marx'schen Werththeorie! Armer H. L.! Es ist gut für dich, daß Niemand Deinen Namen kennt! Wie kann denn aber auch nur ein Mensch auf den horrenden Gedanken kommen, daß der menschliche Bedarf bei der Bestim- mung des Tauschwerthes gar nicht in Rechnung gezogen zu werden brauche? Mag Herr H. L. sein ganzes Leben lang mit dem größten Fleiß und unter Anwendung aller technischen Hilfsmittel Papier- pfeile machen; wenn die Gesellschaft das Zeug als unsinniges Kinderspiel nicht gebrauchen kann, wird all seine Mühe und Arbeit nutzlos gewesen sein; kein Mensch wird anerkennen, daß er„gesellschaftlich nothwendige Arbeit" verrichtet, Werth erzeugt hat, sobald seine Waare nicht Verwendung zur Befriedigung des gesellschaftlichen Bedarfs finoet. Herr H. L., der diesen Zusammenhang nicht verstehen kann, ttstelt sich ein witzig sein sollendes Beispiel von einem Fabrikanten heraus, der statt 1000 Ellen nur eine Elle Leinewand fabrizirt haben soll und ftagt dann klug, ob denn nun in dieser einen Elle auch so viel Werth stecke, wie in den 1000 Ellen? Hätte Herr H. L. Marx oder auch nur Max Wirth ver- standen, dann würde er solche kindliche Frage nicht stellen. Un- mittelbar vor den von ihm cittrten Sätzen sagt Marx: Zu seinem Unglück giebt es viele Weber auf dem Markt. Merkt Herr H. L. denn nicht den Unterschied, den er in seinem Beispiele übersieht, daß in dem von ihm gedachten Fall von dem Inhaber eines Monopols die Rede ist? Bei einem fakti- schen und rechtlichen Monopol ist von gesellschaftlich nothwendiger Arbeit weder in dem einen, noch in dem andern Sinn die Rede. Ein solcher Monopolist kann mit den veraltefften Werkzeugen arbeiten, Preise fordern wie er will— an den Verkrüppelungen der Gesellschast wird kein vernünftiger Mensch den Organismus der Gesellschaft studiren und demonstriren. Doch genug. Herr H. L. wird hoffentlich nun selbst ein- sehen, daß er sich gründlich blamirt hat. Ich habe weder Lust noch Zeit, mich mit der Widerlegung der übrigen falschen Bor- stellungen zu beschäftigen. Die Genoffen mögen an diesem einen Punkt ermessen, was von dem sonstigen Geschreibsel zu halten. Ich meine, die Welt hätte nichts verloren, aber etwas Drucker- schwärze gespart, wenn es ungedruckt geblieben wäre. C. A. S. Sozialpolitische Uebersicht. — Die politische Situation hat sich in den letzten Tagen derart verschlimmert, daß ein friedlicher Ausgleich der Diffe- renzen, zunächst zwischen England und Rußland, kaum mehr möglich erscheint und wir jede Minute auf die Kriegserklärung gefaßt sein müssen. Die russische Regierung hat nach längerem Hinziehen das Verlangen Englands, alle Bestimmungen des Präliminarftiedens von San Stefano dem Congreß zu unter- breiten, abschlägig beantwortet. In Folge dessen ist der ein- zige„Friedensminister" in England, Lord Derby, aus dem Kabinet ausgeschieden, und hat dieses die sofortige Einberufung der Reserve angeordnet. Inzwischen ist Jgnatieff, der berüchtigte Charlatan-Diplomat und Einfädler des russisch-türkischen Kriegs, in Wien eingetroffen, um die östreichische Regierung von der englischen Allianz abzu- halten und für die Theilung der Türkei zu gewinnen. Recht- fertigt Herr Andrassy das Vertrauen der Russen in seine— Stupidität nicht, d. h. weist er die russischen Danaergeschenke j zurück(die den Oestreichern ja doch später wieder abgenommen würden— Siehe das„Testament Peters des Großen"), dann wird Rußland vielleicht schließlich noch klein beigeben und England durch weitgehende Conzessionen beruhigen. Jndeß der Verstand des Herrn Andrassy ist kein Faktor, mit dem man rechnen kann, und Oestreich wird sich wohl über den Löffel barbieren lassen, wie immer. In diesem Fall giebt Rußland den Engländern natürlich nicht nach, und der Ausbruch des Krieges ist unver- weidlich. Und was wären dann die beiderseitigen Chancen? Die russische Militärmacht in der europäischen Türkei— Rumänien nicht eingeschlossen— beträgt höchstens 200,000 Mann, die über ungeheuere Landsttecken zerstreut find und durch Typhus und andere Epidemien dezimirt werden. In Constantinopel und Gallipoli haben die Türken ziemliche Streitkräfte versammelt, die nach den neuesten Berichten gegen einen russischen Handstreich genügen sollen; außerdem wird in allen nicht von den Russen besetzten Theilen der Türkei eifrig rekruttrt. Die Engländer können sofort, binnen zehn Tagen 70,000 Mann an jeden beliebigen Punkt der türttschen Küste werfen, nach Gallipoli, nach Constantinopel, nach Warna, das, gleich Schumla, noch in den Händen der Türken ist, und von wo aus die russische Armee südlich des Balkan sehr leicht in die gefährlichste Lage gebracht werden könnte. Dazu kommt, daß England bei seinen ungeheueren Ressourcen, und weil es durch seine insulare Lage gegen jeden Angriff geschützt ist, den Krieg Jahrzehnte lang aushalten und mit immer größeren Truppenmassen operiren könnte, während Rußland schon jetzt erschöpft ist. Ja ohne eigentlich Krieg zu führen, kann England das russische Reich lahm legen, indem es ihm alle Küsten und Seeausgänge blokirt und seinen Handel vollständig zerstört. Man sieht, auch wenn Oestreich neuttal bliebe, wäre ein Krieg Rußlands gegen England ein Wagestück, das aller Voraus- berechnuna nach nicht zum Vortheil Rußlands ausschlagen würde. Freilich die Russen sind durch ihre wohlfeilen, sicherlich nicht ihrem Verdienst zuzuschreibenden„Erfolge" so aufgeblasen worden, daß sie dies schwerlich begreifen werden. Sie sollten sich an das Telegramm erinnern, daß Großfürst Nikolaus nach der vorletzten Schlacht von Plewna, am 1. August vor. Jahres, an den rumänischen Zwergfürsten richtete: „Kommen Sie uns zu Hilfe, Hoheit, sobald als möglich; wir gestehen Ihnen alle gewünschten Bedingungen zu; setzen Sie mit Ihrer Armee über die Donau, sonst sind wir Alle verloren und die Sache der Christenheit(das heißt der russischen Räuber und Mordbrenner) vom Untergange be- droht!" Wer weiß, wie lange es dauert, bis die Russen wieder in der Lage find, ähnliche Nothschreie auszustoßen. Apropos die Versprechungen dieses Telegramms sind echt zarisch gehalten worden: zum Dank für die Hülfe, welches Rumänien den be- drängten Russen auf deren Flehen gewährte, soll es jetzt'von ihnen zerstückt, eines wichttgen Landstrichs beraubt werden! — Der preußische Landtag ist Sonnabend den 30. März geschlossen worden. Die„Magdeburgische Zeitung" erklärt, daß die meisten Abgeordneten die Schlußsitzung gar nicht abgewartet, sondern mißmuthig über die resultatlose Session sich zur Eisen- bahn begeben hätten. Bei der dritten Lesung hatte der Nach- tragsetat dasselbe Schicksal, wie bei der zweiten. Der Biceprä- sident wurde angenommen, der Etsenbahnminister abgelehnt. Unter der Führung des Exrevolutionärs Gneist stimmten 75 Mit- glieder der nationalliberalen Partei für die Regierung mit den Conservattven, 60 Mitglieder verharrten in der„halben" Op- positton. — Mit welchen Mitteln auch in Dentschland die !„Ordnungspartei" kämpft, das zeigt uns der Beschluß der Wahlprüfungscommission des Reichstags vom 28. März. der die Beanstandung des antisozialisttschen Abg. Karsten i Altona), des Candidaten der vereinigten Fortschrittler, Conser- vativen und GenSdarmen, ausgesprochen und hinsichtlich des Pro- testes der sozialdemokratischen Partei, daß Sttmmen für Karsten gegen Bestechung von 50 resp. 25 Pfennig erkauft worden, die Einleitung einer gerichtlichen Untersuchung beschlossen hat. Daß bei Gelegenheit einer Besprechung der Altonaer Wahl im Reichstage noch ärgere Gesetzesverletzungen als diejenigen bei der Be- sprechung der Ottensen-Pinneberger Wahl zu Tage treten wer- den, dies können wir jetzt schon unfern Lesern mittheilen. — Der dem Reichstag zugegangene Gesetzentwurf, betr. den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen enthält in seinem ersten Theil Vor- schriften, welche die Controle der Sanitäts- Polizei des Gewerbe- betriebes mit jenen Gegenständen erleichtern sollen, und in seinem 2. Theil Strafvorschriften. Durch die letzteren wird nur§ 367, Nr. 7 des Strafgesetzbuches aufgehoben, wonach das Feilhalten verfälschter Eßwaaren und Getränke mit Geldstrafe bis 156 M. oder Hast bestraft wird, während§ 9 des neuen Entwurfs die vorsätzliche Verfälschung von Nahrungs- oder Genußmitteln zum Zwecke der Täuschung im Handel und Verkehr und das wissent- liche Feilhalten solcher Handelsartikel mit Gefängnißstrafe bis zu 6 Monaten und Geldstrafe bis zu 15(X> Mk. bedroht. Tritt dabei noch eine Vermögensbeschädigung des Käufers hinzu, so findet auch§ 263 des Str.-G.-B. Anwendung und der Thäter würde in idealer Concurrenz wegen Nahrungsmittel- zc. Verfälschung zu bestrafen sein. Eine neue Strasbestimmung ent- hält der Entwurf im Z 11, wonach die Verfälschung von Nah- rungsmitteln:c. und das Feilhalten derselben, wenn sie die menschliche Gesundheit zu schädigen geeignet sind, mit Gefäng- niß, ev. mit Verlust der bürgerlichen Rechte zu bestrafen ist. Das Strafgesetzbuch kennt nur eine Strafe— und zwar Zucht- Haus(§ 324)— wenn der Genuß die menschliche Gesundheit zu zerstören geeignet ist. Diese Bestimmung des Strafgesetz- buches ist in einer allgemeineren Fafiung als§ 12 in den Ent- Wurf aufgenommen worden. — Eine Tabaks-Enquete. Dem Bundesrath ist Seitens des Reichskanzleramts ein Gesetzentwurf zugegangen, der eine statistische Feststellung des Umfangs der Tabaksfabrikation und des Handels mit Tabak für das deutsche Reich bezweckt. Der Gesetzentwurf umfaßt 8 Paragraphen, von denen der§ 2 die Arten der Tabaksfabrikation und des Handels mit Tabak auf- zählt, die der statistischen Erhebung unterworfen sind, während die übrigen Paragraphen theils die Strafen für ungenügende oder absichtlich falsch gemachte Angaben Seitens der Fabrikanten feststellen, theils die Deckung der Kosten, die durch die Enquete dem Reiche erwachsen, regeln. Die Tendenz des Gesetzentwurfs stellt außer Zweifel, daß die Reichsregierung unter allen Um- ständen die Tabakssteuer selbst gegen den ausgesprochenen Willen des Volkes und event. auch gegen den Willen seiner jetzigen Ver- tretunz durchzusetzen Willens ist. Da aber der Wille des Volkes heutzutage federleicht wiegt und die Herren Volksvertreter be- kanntlich gern mit sich handeln lassen, so können wir schon jetzt in dem Vorgefühl einer neuen und zwar sehr erheblichen An- zapfung des Volkssäckels schwelgen— und das Alles, trotz Ar- beitslofigkeit, Nothstand und Hungertyphus. — Deutsche Justiz. Unsere Leser erinnern sich, daß Fürst Bismarck in seinem famosen Prozeß mit Diest-Daber als„Ca- valleriegeneral" den Competenzeinwand gegen das Civilgcricht erhoben hat. Wie wir jetzt hören, hat das Berliner Stadtge- richt den Einwand für begründet erachtet und den Kläger (Diest-Daber) abgewiesen. Wird der Entscheid des Stadtge- richts von den höheren Instanzen bestätigt, so wird Herr Diest- Daber es mit dem Militärgericht zu versuchen haben. Ob Fürst Bismarck dann sich in seine Civileigenschaft hüllen, und den umgekehrten Competenzeinwand erheben wird? Hindern kann ihn Niemand, und wenn das Militärgericht dem Beispiel des Civilgerichts folgt— wozu es, bei der notorischen Civil- stellung des Fürsten Bismarck, hundertmal mehr Berechtigung hat— dann kann Fürst Bismarck und Alle, die in ähnlicher Lage sind, überhaupt nicht verklagt werden. Sehr„nette Zustände" das! — Aus der Moltke'schen Bildungsschule. Am 23. März, dem Tag nach Kaisers Geburtstag, wurde in Frankfurt a. M. von Soldaten, die den Festtag gefeiert hatten, am hellen Tage und auf offener Straße ein Skandal verübt, wie ihn Kosaken in Feindesland nicht schamloser insceniren könnten. Wie unser Frankfurter Parteiorgan berichtet, spielte sich am genannten Tage, Morgens 7 Uhr, vor den Augen der Bewohner der be- nachbarten Häuser, der von der Bahn kommenden Reisenden und einer großen Anzahl Schulkinder folgende scheußliche Scene ab: Auf der Schulter eines Kameraden saß ein, eine große Papier- düte auf dem Kopfe tragender Soldat; diesem folgten Tambour und Pfeifer, welche einen Heidenlärm verursachten und auf diese Weise das Publikum anlockten. Dann kam, von Soldaten am Arme geführt, ein Frauenzimmer, welchem die Kleidungsstücke Ein Beitrag zur Brutalität der sogenannten gebildeten Leute. Man schreibt uns: Ein würdiges Seitenstück zu der aus Pößneck dem„Vorwärts" in Nr. 19 vom 15. Februar d. I. gemeldeten Schandthat sogenannter gebildeter Leute kann ich Ihnen aus Riegel(Großherzogthum Baden) berichten. Hier wie dort handelt es sich um Thaten„gebildeter" Rohheit der brutalsten Art; dort wie hier haben Gericht und Staatsanwalt- schaft in seltener Uebereinstimmnng mit gleich bewunderungs- würdigem Eifer der Sache fich angenommen, in Köstitz wie in Riegel ist es die nämliche flagrante Rechtsverweigerung— und in beiden Fällen ist das Resultat eine getreue Illustration zu dem höchst verdächtig gewordenen Satz: „lustitia fundamemum regnorum"?! was, in's richtige Deutsch übersetzt, wohl heißen müßte: „Der Staat ist in Gefahr!«— Da lob' ich mir doch noch die Manieren der Kannibalen aller uncivilisirten Länder: wenn die ihre Opfer umgebracht haben, so fressen fie dieselben doch auch noch auf, wodurch den betref- senden Angehörigen wenigstens die Kosten für Arzt, Apotheker und Leichenbegängniß erspart bleiben. Solche Kannibalen han- deln in dieser Beziehung noch human im Vergleich zu den unse- rigen, wie in Köstitz zc.-c.....„„ � Ich will nun ohne weitere Bemerkungen zu den Thatsachen übergehen. Die„Breisgauer Zeitung", ein liberaler Amtsverkündiger en gros, berichtet hierüber Folgendes:,,_ „Vom Kaiserstuhl, 3. Februar. Aus Riegel habe ich Ihnen einen Akt rohcster Brutalität zu melden. Be, einem am letzten Montag Abend in einer dortigen Wirthschaft ent- standenen Aortwechsel wollte ein Riegeler Bürger vermitteln. Zum Dank hiefür wurde der Vermittler bei einem darauf entstandenen Tumult von sechs Burschen auf die unmensch- Uchste Art mißhandelt. Zu Boden geworfen, schleppten die Barbaren den gänzlich Wehrlosen durch eine Seitenthür in den über der Taille zusammengebunden waren, also bis zur Hälfte des Körpers vollständig nackt. Die abscheulichen Handlungen, welche vor den Augen des Publikums begangen wurden, ent- ziehen sich jeder Beschreibung. Der Zug bewegte sich über den Kasernenhof nach der Straße, woselbst man die Mißhandelte ihrem Schicksal überließ. Seltsam ist es, daß sich kein„Borge- setzter", deren doch so viele in der Kaserne wohnen, veranlaßt fühlte, diesem schändlichen Benehmen Einhalt zu gebieten. Ebenso seltsam ist es auch, daß die Soldacen fich zu diesem Skandal der Trommel und der Pfeife bedienen konnten und daß auch da ; keine Einsprache erfolgte. Die Kaserne bleibt aber trotz der- artiger Vorkommnisse doch noch die beste Bildungsschule. Nicht wahr, Herr Moltke? — In Frankreich feiert die„blaue Republik" ihre Reaktions- orgien. Während das Kriegsgericht ein neues Opfer, den 73- jährigen Kattunzeichner Garcin wegen angeblicher Theilnahme an der Tödtung des Generals Lecomte dem Blei oder ewigem Gefängniß überliefert, läßt die Regierung in Baris eine förm- i liche Razzia gegen vermeintliche Sozialisten und Internationale unternehmen. Haussuchung folgte in den letzten Tagen auf Haussuchung(auch bei Buffenoir) und eine Anzahl Verdächtiger wurde verhaftet, von denen vier noch immer in Hast find: zwei Italiener, Zanardelli und Costa, ein Franzose und eine Russin. Unter den Verhafteten, die wieder in Freiheit gesetzt wurden, befindet sich Guesde, Redakteur der„Egalitö", gegen den aber ein Prozeß eingeleitet werden soll. Und das ist bekanntlich gleichbedeutend mit Verurtheilen. Die Behörden sind offenbar der verrückten Ansicht, die alte Internationale, welche in Frankreich verboten ist, solle wiederhergestellt werden, oder vielmehr, sie sei wiederhergestellt worden und habe, um sich gleich mit einem Probestück einzuführen, die verschiedenen, sich seit einiger Zeit in Frankreich abspielenden Strikes in Scene gesetzt— ein Blödsinn, der nur in einem vernagelten Bourgeoishirn auf- tauchen kann. — Die Weber von Blackburne(England) werden den Strike proklamiren müssen, da die Fabrikanten auf der lOpro- zentigen Lohnherabsetzung beharren, die Weber dieselbe aber nicht annnehmen zu können erklären.— Ein Strike der Kohlen- grubenarbeiter von South-Iorkshire und North-Derbyshire, der wegen einer den Arbeitern proponirten Lohnherabsetzung von?'/- Prozent auszubrechen drohte, ist in letzter Stunde da- durch beseitigt worden, daß die Arbeiter sich einen Lohnabzug von 5 Prozent gefallen lassen. So sind es immer und stets die Arbeiter, welchen zugemuthet wird, den ohne ihr Verschulden entstehenden Profitausfall der Kapitalisten durch Abzüge von ihren sauer verdienten Groschen zu decken. — Den russischen„Culturkampf" in Bulgarien schildert ein russischer Correspondent der russischen„Nationalzeitung" mit Citatcn aus russischen Blättern in einem längeren Ar- tikel, dem wir einige der charatteristischsten Stellen entnehmen müssen. Die russischen„Befreier"— und das ist der Kern des Artikels— sahen bald ein, daß es nicht ohne Nagaika, die berühmte Knute, gehe.„Und hier kommt, bemerkt dazu der Correspondent der„Nat.-Ztg.", die gutmüthigc, naive, russische Natur wieder zum Borschein: oft wird den Bulgaren ärger zugesetzt, als den Türken; denn der Türhe betrügt sich anständig, der Bulgare stiehlt und verübt allerlei Un- gebühr". Der Correspondent der„Nationalzeitung" und mit ihm die„Nationalzeitung" selbst, hätte es offenbar für praktischer gehalten, wenn die„anständigen" Türken geknutet worden wä- ren.— Ein Russe, dem diese Knutenkultur nicht recht gefallen wollte, bemerste zu einem der russischen Bezirksvorsteher:„Sie vergessen aber, daß wir gekommen sind, sie zu befreien! Und nun kommen sie mit der Nagaika!"„Glauben Sie mir", ant- wortet der Bezirksvorsteher,„für die Bulgaren besteht die beste Befreiung in der Knute!" Es ist selbstredend, aber doch höchst belustigend,.daß die„be- freiten" Bulgaren die Kosten der Organisation mit der Knute selbst bezahlen müssen.„Vor Allem", heißt es in dem Arttkel der„Nat.-Ztg.",„wurde von der russischen Regierung festgestellt, daß alle Ausgaben für die Organisirung Bulgariens von den Bulgaren bestritten werden müßten. Darauf wurde ein Etat für die Organisatoren entworfen, welcher bestimmt, daß der ruf- fische Gouverneur der Provinz 13 bis 17,000 Rubel jährlich beziehen solle, der Vicegouverneur 4500, der Bezirkschef, der Polizeimeister 4000:c. Dann wurde der Gouverneur ernannt in der Person des Fürsten Tscherkaßki, mit der völlig«nbe- schränkten Vollmacht, seine Untergebenen frei zu bestimmen. Dies geschah alsbald(nämlich unmittelbar nach dem Pruth-Ueber- gange) und von da ab bezogen diese Beamten ihren Ge- halt von Bulgarien, welches bekanntlich erst ein halbes Jahr später in Besitz genommen wurde". Hof, wo fie mit Fauftschlägen und Fußtritten so lange auf den Unglücklichen einschlugen, bis derselbe besinnungslos liegen blieb. An inneren und äußeren Verletzungen liegt der Be- dauernswerthe, welcher einer der achtbarsten Bürger Riegels ist und noch keinem Menschen ein Leid zugefügt hat, jetzt schwer darnieder und haben bereits mehrere Aerzte denselben in Behandlung übernommen. Ohne Zweifel werden die un- menschlichen Missethäter der gerechten Strafe nicht entgehen, da der Vorfall der großherzoglichen Staatsanwaltschaft in Freiburg bereits angezeigt ist." Ueber die sechs Burschen will ich nur bemerken, daß drei davon den sogenannten besseren Ständen angehören und ein jeder von ihnen sich einbildet,„gebildet" zu sein; die übrigen drei sind— um einen Vergleich zu gebrauchen— in der mensch- lichen Gesellschaft das, was in einem Faß zurückbleibt, wenn man neuen Wein zum ersten Mal daraus abzieht— alle sechs aber brauchen bezüglich ihrer Rohheit keine Conkurrenz zu scheuen. Wenn ich nun erwähne, daß der Verletzte, dessen ganzer Körper Spuren der von den„platonischen Kannibalen" erhal- tenen Mißhandlungen nachwies, unter ungeheuren Schmerzen fünf lange Wochen in ärztlicher Behandlung das Bett hüten mußte und wohl ebenso lange Zeit noch arbeitsunfähig bleibt; wenn ich sage, daß der behandelnde Arzt sowie ein Professor der Universität Freiburg nebst Verletzung der Nieren auch noch Rückenmarkserschütterung in Folge der erhaltenen Verletzungen constattrt haben— nach alldem wird man doch wohl zu der Annahme berechttgt sein, daß die Missethäter, welche an der Gesundheit eines Menschen einen frevelhaften Raub verübt haben, gerechte und strenge Strafe getroffen habe... eine solche An- nähme wäre doch gewiß berechttgt, nicht wahr? Berechtigt schon, wenn Recht— Recht wäre und Frau Juftttta nicht mehr mit verbundenen Augen abgebildet würde! Das Amtsgericht Emmendingen als Untersuchungsgericht aber schickte dem Verletzten ein Schreiben des Inhalts, daß die Unter- suchung eingestellt sei, weil keine bestimmte Person als Thäter Weiterhin heißt es dann: „Fürst Tscherkaßki war ein Mann von Ueberzeugung, von strenger Moskaischer Ueberzeugung, und liebte daher keinen Widerspruch. In dieser Stimmung wünschte er für die Ci- > viloerwaltung seiner Provinz keine Leute, welche etwa 'eigene Ansichten haben könnten, sondern solche, die unbe- fangen zur Sache ständen. Er vermied also scharfsichttg die Er- ' nennung irgend eines russischen Beamten, der mit Civilverwal- ! tung schon einmal in Berührung gekommen war, entschied fich vielmehr vollkommen für die Ernennung von jungen Offi- zieren, von welchen er erwartete, daß fie von Civiloerwaltung keine eigene Ahnung haben, dafür aber recht fest in der Disziplin sein würden. Sein Beamtenheer glänzte nun auch von den Uniformen junger Gardeoffiziere aus den Salons von Petersburg. Wer von ihnen sich etwa einfallen ließ, darüber Gedankeu zu haben, daß er nichts von der Sache verstehe, dem wurde erklärt, er brauche nichts zu verstehen, da er Alles nach geuauen Instructionen auszuführen haben werde. Aber die neuen Beamten saßen Monate lang da, ohne Jnstruk- ttonen zu bekommen, und als endlich der Eine und Andere etwas zu thun bekam, da klagten die Ernsthafteren bitter, sie seien ge- nöthigt zu handeln, wie Gott es der Seele eingebe, oder wenn einmal eine Instruktion vorlieg?, so sei fie unausführbar". Kein Wunder, daß sogar der russische Correspondent der ruf- fischen„Nationalzeitung" schließlich seufzend gestehen muß:„In Bulgarien scheint der Versuch russischer Verwaltung recht sehr mißglückt zu sein." Als ob die Russen je anders verwaltet hätten! Ueorigens war Tscherkaßki vom russischen Berwal- tungsstandpunkt aus ein wahres Genie. Binnen 10 Monaten gelang es ihm, etliche Millionen Rubel zusammen zu stehlen. Freilich der„rothe Fürst", wie fich dieser saubre Patron auf Grund einiger panslavistisch-nihilifttschen Kraftphrasen benamsen ließ, war so— unrussisch, das 11. Gebot nicht zu befolgen. Er wurde erwischt und schoß sich am 3. März eine Kugel durch den Kopf— die einzige„befreiende That", welche er gegen die armen Bulgaren und andere„unterdrückte Nationalitäten" jemals verübt hat. — Das gesammte Druckereipersonal der„Wests. Fr. Presse" war am 21. März vor den Untersuchungsrichter citirt, um darüber Ausschluß zu geben, wer das Manuscript eines am 18. September v. I. in der„Wests. Fr. Pr." veröffentlichten Artikels geschrieben, in Empfang genommen und gesetzt habe. Wie vorauszusehen, war Niemand der Vernommenen im Stande, hierüber bestimmte Aussagen zu machen, und der Untersuchungs- richter selbst dürste heute schwerlich anders als durch die Akten angeben können, womit er sich am 18. September 1877 be- schäfttgte. — Das Organ der Jurasser(Anarchisten),„I-v Bulletin«, hat am 25. März sein Erscheinen„suspendirt".„Die Motive dieser Maßregel, heißt es in der letzten Nummer des Blattes, sind: die Verminderung der Abonnentenzahl seit Januar, und die geringe Regelmäßigkeit, mit der die Abonnementsgelder für das vorige Jahr bezahlt wurden." —„Die Neue Gesellschaft", Monatsschrift für Sozial- Wissenschaft. Herausgegeben von Dr. F. Miede. Das vor uns liegende sechste Heft enthält: Die Arbeit ist die Quelle des Nationalreichthums von Joh. Most.— Die Nichtberechtigung der ungleichen Arbeitsentschädigung im Zukunftsstaate von Emil Bruck.— Zum Kapitel der Frauenfrage von Dr. M. Lehn.— Die Theorie der„Anarchie" von vr. A. Mülberger. Nachwort der Redaktion.— Das Licht der Erkenntniß von I. Dietzgen. I. — Zur Geschichte der ungarländischen Arbeiterbewegung von Sigmund Politzer. I.— Der„Staats-Sozialist" und die freie Wissenschaft von G. Schaumann.— Recenfionen von Prof. C. v. Arx, Dr. A. Mülberger und G. Schaumann.— Mittheilungen der Redaktton. Die Zeitschrift ist durch alle Buchhandlungen quartaliter für 3 Mark= Fr. 3,75 zu beziehen. Correspondenzen. Moskau. Bei Beginn des russisch-türkischen Kneges waren wir"Sozialisten von vornherein überzeugt, daß dieser Krieg einer von jenen vielen Raubzügen sei, die die russische Regierung gegen fremde Völker von Zeit zu Zeit zu unternehmen pflegt; wir wußten genau, daß die„Befreiung der Christen vom Türken- joche" nur ein Vorwand war, durch welchen die habsüchtigen Pläne der russischen Machthaber verdeckt werden sollten. Air sagten uns, daß eine Regierung, die mit dem eigenen Volke ganz nach Belieben verfährt, unmöglich die freiheitlichen Interessen bezeichnet werden konnte.— Sechs Personen wurden vom Ver- letzten als Thäter angegeben— und doch schreibt das Amts- gericht Emmendingen: es konnte keine bestimmte Person als Thäter bezeichnet werden! Ich will Ihnen auch sagen warum: weil kein einziger Zeuge vom Untersuchungsrichter verhört wor- den ist. Ein Gensdarm aus Endingen, Diemer heißt er, hat 10 Tage nach geschehener That bei einigen Zeugen, lauter vom Hauptbeschuldigten abhängigen Leuten, sogenannte„Erhebungen" gemacht, und darauf hin schrieb und entschied das Amtsgericht Emmendingen:„es konnte keine bestimmte Person als Thäter bezeichnet werden".... Da soll man bei Gericht noch sein Recht suchen, wenn man kann.. � So geschehen im Jahre eintausendachthundertachtundsiebenzig im weltbekannten Musterstaat Baden. Jetzt soll noch einmal Emer sagen: „Justitia fundamentum regnorum«— als einzige Antwort rufe ich aus voller Brust: „Hoch lebe die Sozialdemokratie!" — Berurtheilungen. Vom Mannheimer Schwurgericht wurde am 27. März gegen den Baron Ernst von Linden und den Buchhändler Schabelitz wegen Hochverraths-, MajestätS- und Bismarckbcleidigung, begangen durch die Herausgabe einer Broschüre in eontumaeiam verhandelt. Die Kaiserbeleidigung wurde von den Geschworenen verneint, die Frage betreffs Hoch- verraths und Bismarckbeleidigung wurde bejaht und demgemäß Linden mit zwei Jahren und zwei Monaten Festungshaft und sechs Monaten Gefängniß; Schabelitz mit einem Jahr drei Monaten Festung und drei Monaten Gefängniß bedacht. — Serbische Cultur. In den serbischen Gefängnissen schmachten gegenwärtig 1160 sogenannte„politische Berbrecher", welche wegen eines, bloS in der Phantasie des Ministers RisticS und seiner Polizei- Creaturen bestehenden,„AufstandSversucheS" und wegen eines angeb- lichen„Attentates" auf da« Leben deS„LandeSvaterS" Milan, in Hast genommen wurden. Die den Gefangenen zur Last gelegten verbrechen anderer Völker zu wahren im Stande sei; und zum Beweise dessen, wie schwer das russische Volk mißhandelt und gepeinigt wird, sei hier der Auszug aus einem Briese wiedergegeben, den ein abgesetzter russischer Staatsanwalt an die„Rußkoje Oboßjenie" (Russische Rundschau) gerichtet hat. Dieser Brief beweist mehr, als wir, die russischen Sozialisten, zu sagen in der Lage wären. Er lautet folgendermaßen: „Herr Redakteur! Die im Folgenden angeführten grausigen Thatsachen haben in mir schon öfter den Gedanken wachgerufen, mir ein anderes Vaterland aufzusuchen, um nicht mehr Zeuge zu sein von Greuelscenen, wie ich sie erlebt habe. Ich gab meinen Borsatz aber stets wieder auf, nur um meinen Posten nicht zu verlassen. Da aber alle meine Bemühungen, den von mir entdeckten Uebelständen abzuhelfen, fruchtlos blieben, so bringe ich sie hiermit an die Oeffentlichkeit, vielleicht daß dann Wandelung eintritt.� „Seit dem Jahre 1871 war ich als Staatsanwalt bei dem Orenburger Gouvernements-Gerichte angestellt. Als solcher mußte ich alle Gesetzesausführungen und-Verletzungen überwachen, was ich auch sehr gewissenhaft that. Meine Strenge im Ueberwachen der Gesetze führte mir viele Feinde unter der ganzen Orenburger „noblen" Gesellschaft zu. Auf Anordnung des Justizministers hatte ich die Revision der Gerichtsinstitutionen des Orenburger Gou- vernements vorzunehmen, wozu ich 4 Monate bedurfte; während dieser Zeit war ich überall von Bittenden umlagert. Jetzt erst sah ich das ganze Elend. Ich sah Richter, die Gesetz und Gerechtigkeit verhöhnten, ich sah, wie die Polizei brutale und ungestrafte Gewaltthätigkeit gegen Schwache verübte. Alle Bit- tenden waren fest überzeugt, daß es in Rußland keine Gerechtigkeit gäbe. Es schmerzte mich sehr, diese Leute vom Gegentheil nicht überzeugen zu können, aber es gelang mir doch, Hunderte von Jnhaftirten zu befreien, die jahrelang unschuldig im Kerker ge- schmachtet hatten. „Die ganze Orenburger„noble" Clique bestand aus den ver- werflichsten Leuten, von welchen man nur mit Ekel sprechen kann. Sie trieben förmlichen Handel mit dem Gesetze, wodurch es ihnen möglich war, große Reichthümer zusammenzubringen. Sie stiften überall unsägliches Elend, gegen das sie unempfindlich sind, und wehe dem, der ihnen hindernd in den Weg tritt. Da alle diese Niederträchtigen unter sich solidarisch waren, so wurden alle ihre Verbrechen und Vergehen vertuscht. Ich warnte den Oren- burger General-Gouverneur vor diesen Leuten, aber der nahm die Sache nicht ernst. „Um das Loos der Sträflinge einigermaßen zu erleichtern, forderte ich für dieselben mehr Lust und Licht, vergebens. Ich finde keine Worte, um die durch die Strafanstalt empfangenen Eindrücke zu beschreiben. Hunderte von Jnhaftirten fanden dort ihren frühen Tod. Schrecklich und schmerzlich war es, die Jammergestalten anzusehen. In Lumpen gehüllt lagen neben- einander auf dem feuchten Boden Betrunkene und Schwindsüchtige; die Zimmerdecke drohte zusammenzustürzen; die mit Stützpfeilern versehenen Wände waren feucht und mit dem Blut der zerdrückten Wanzen bedeckt. Die Luft war zum Ersticken. Im Gefängniß- Lazareth sind nicht mehr als 5—6 Betten, und die Kranken wälzten sich auf dem schmutzigen Boden, nicht selten neben solchen Leidensgenossen, die bei lebendigem Leibe verwesen. »Ich gestehe, daß ich hier nur einen verschwindend kleinen Theil von dem erzähle, was ich dem Minister über die vor- gefundenen Zustände schrieb. Ich will noch kurz der zwei letzten Ereignisse, infolge deren man mich absetzte, Erwähnung thun. 2,40; Teuchern v. Gustav Seide 14,10; Winterhude vom Ar- beiterfest d. Brüning 15,30; Groß- Steinheim d. W. Blüml 4,66; Gotha d. F. Ziegler v. B. d. T. 9,00; Attona von Delmonte's Tig.-F. 2,00; Ludwigshafen Ueberschuß d. Abendunterhaltung der Arbeitsleute d. Stephany 3,00; Ohrdruff d. PH. Aschenbvch 5,70; Wiesbaden v. Schneider-G. d. M. Born 3,00; Erfurt Liste 2787 d. Wolf 3,00; do. Liste 2788 6,00; do. Liste 2789 3,00; Kiel v. Schneiderwerkstelle Bartsen& Bandlinger 6,00; do. Werkstelle v. Knak 6,00; do. auf Listen d. Gütt 20,00; Gaarden d. Haase 2,50; Landau v. Ph. Pfalzgraf 3,00; Berlin v. H. F. 6,00; Gesang-B. Vorwärts 14,50; Ulfert u. Moeves' Werkst. 3,25; Goldleistenf. Prinzenstr. 12 d. Ewald 3,10; durch Malkwitz 2,50; von zwei Ungenannten 4,00; d. Wagner 4,00; v. F. R., L. K. und R. Pape 3,00; v. Mohrenclub 10,00; v. M. Melchiorstr. 1,60; v. Ponath's C.-F. d. Löwindorff 3,55; Abon. Althordtmannsdorf 2,00; Schusterius in Gumbinnen 5,00; Spremberg Liste 1 durch Ginhold 7,10; Bockenheim v. Eolleg Bruderkette d. Stail 10,00; Großenhain d. R. Redam 15,71; Kesselstadt b. Hanau d. Ph. Haberl 4,00; Forchheim d. Ruff 9,00; do. 2,00; Steinwärder d. Wittenberg v. Arbeiterfest 13,38; Ottensen vom Quartett Eintracht d. Harold 14,30; Brandenburg v. mehreren Cig.- Fabriken d. A. Bals 8,45; Leukersdorf durch H. F. Weber 2,00; Wolfenbüttel vom Gewerkschaftsfest durch A. Dietrich 5,70; Nieder-Ernsdorf v. Bolksvers. d. C. Klingberg 7,50; Cassel d. I. Meise 28,00; Schmölln d. Jul. Martin 3,50; Duisburg d. Buschmann 3,65. e) Wahlfond: Hof v. Parteigenossen d. K. u. W. 20,00; Baden Liste 2749 d. K. 7,50; Harburg Liste 2998 d. D. 16,35; do L. 2996: 6,40; do 2997: 14,00; Hamburg v. W. B. 1,00; do v. Justus Ci- garrenfabr. 23,80; do v. Maurern in den Colonnaden d. Böhme 26,90; do Liste 1 d. Esch 5,00; do d. Dralle, Versammlung Pöseldorf7,58; Reichenbach i/V. d. R. Müller Liste 3062— 3064: 31,75; Steele auf 2 Listen d. A. Hellbach 6,00; Friedrichstadt Liste 4321, 4808 u. 4809 d. C. I. Hagge 12,10; Cöpenick d. W. Schmidt 6,00; Lauenburg a. E. auf Liste d. I. Butenfchön 16,45; Osnabrück auf Listen d. L. Sundorf 50,00; Stuttgart d. W. Rieger 13,85; Ernstthal v. O. B. d. F. M. Clauß 3,00; Weilburg d. C. Mitzlaff 1,50; Berlin Richter's Tischlerw 3,50; d. Göcke 3,05; Liste 16 d. Bäßler 9,90; v. Borfig's Arbeitern 12,40; v. Ponath's Cig.-F. d. Löwindorff 3,50; Schusterius- Gumbinnen 5,00; Bochum Liste 4359 u. 4759 d. Speer 17,60; DuiSburg-Hochfeld Liste 3248 v. einem Hüttenwerke o. Ehrhardt 21,60; Königsberg d. E. Just 1. Rate 18,00; Hanau d. Carl Craß 33,50; Geesthacht Liste 4819 d. Menck 20,10; Gera Liste 2845 d' Böttger 1,50; Verden Liste 2931—2933 d. Freudiger 52,45; Coblenz Liste 4783 d. F. E. Ulrich 10,50; Klein-Steinheim d. M. Braun 6,00; Weimar Liste 3115 d. Max Haupt 6,35; Jser- lohn d. W. Jagfeld 3.00; do. d. H. Cieberg 5,55; do. d. den- selben 4,64; do. d. H. Korweslühr 0,50; do. v. H. Stelling 1,00; Altona Liste 3797 d. Krohn 12,80; do. Liste 2 d. Colp. Lensch 20,36; Liste 3 d. Brauer 8,80; Liste 4 d. Möller 19,00; Liste 5 d. Gerhard 14,00; Liste 6 d. Schnohr 7,60; Liste 7 d. Meyer 30,30; Liste 8 d. W. Baetcke 12.95; Liste 9 d. Rawe 10,00; Liste 10 d. Frau Haß 3,95; Neviges Liste 2873 d. C. Schmidt 16,25; do. 2871: 3,20; Greiz auf Liste d. Karl Treuter 30,00; Halberstadt auf 2 Listen d. A. Kruhl 8,25. Hamburg, 31. März 1878. August Geib, Rödingsmarkt 12. Leipzig. An unsere Abouueuteu. Wir bringen hiermit zur Kenntniß, daß unsere Colporteure angewiesen sind mit der dritten Nummer des„Vorwärts" und der zweiten Nummer der „Neuen Welt" des zweiten Quartals den Abonne- mentsbetrag zu kassiren. Da für Herrn Ullrich vom 1. April ab Herr Bösch die Austragung besorgt, so ersuchen wir, falls der eine oder andere Abonnent durch die Veränderung sein Blatt nicht oder nicht rechtzeitig erhalten sollte uns fteundliche Mittheilung zu machen. Die Expedition des„Vorwärts" und der„Neuen Welt". >DttCn[Cn. Donnerstag, d�4�Ap�l?Abends-/-» Uhr, in Burmeisters Salon 1.Treppe: s70 Oessentliche Versammlung. Tagesordnung: Communalangelegenheiten und Fragekasten. F. Heerhold. Für Männer-Chöre. Im Berlage von Emil Sauerteig in Gotha ist erschiene«: Lieder-Sammlnng des Allgemeinen Arbeiter-Sängerbundes. Lieferung III. Nr. 0.„Roth." Ged. v. Carl Weiser. Comp. v. G. Scholz. 0p. 18. Nr. 7.„Fahnenlied." Ged. v. A. Geib. Comp. v. G. Scholz. 0p. 10. Preis pro Lieserunq Partitur mit 4 Stimmen Mark 1,00, __ 4 Stimmen Mk. 1,20._(2a)[3,90 Soeben erschien in unserem Berlage: Die Verfassung des Deutschen Reichs, mit einem Anhang, enthaltend: Das Deutsche Reichs-Wahlgesttz und Reglement zu demselben. Separat-Abdruck auS der GratiS-Beilaae zur„Berliner Freien Presse". Preis 30 Pfennige."WS Da die einzelnen Paragraphen mit ausgezeichneten Kommentaren versehen find, so können wir diese Brochüre gleichzeitig besonders zu Agitationszwecken empfehlen. Allg. deutsche Associations-Buchdruckerei, Berlin 30. Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a.__ Zur Notiz! Wir bedauern, Bestellungen aus das erste Quartal der„Neuen Gesellschaft" nicht mehr effettuiren zu können, da Heft 2 und 3 trotz der veranstalteten hohen Auflage gänzlich vergriffen sind. Dagegen sind wir noch im Besitz eines Neinen ResteS des letzten(zweiten) Quar- tals, aus welches wir Bestellungen jederzeit entgegennehmen. Bom neuen(dritten) Quartal ab ist die Auflage wiederum bedcu teud erhöht worden, so daß wir den umfangreichsten Austrägen ge- nügen können. Zürich. Verlag der„Neuen Gesellschaft. Die „öerliner Freie presse", Organ der Berliner Sozialdemokraten, erscheint täglich kmit AuSname des Montags; Sonntag« mit der prachtvoll illnstrirten Gratisbeilage: VI« Xvus Welt. Abonnements Bedingungen: Durch die Post bezogen'excl. Bringerlohn, vierteljährlich Mk. 4,00. In Berlin abonnirt man bei allen Zeiwngs-Spediteuren unter den bekannten Bedingungen: pro Quartal 4 Mk., pro Monat 1,35, pro Woche 35 Pf. frei inS Haus. f nserate finden die weiteste Berbreitung und kostet die sünfgespal- etiizeile nur 25 Pf., Arbeitsmarkt 10 Pf. In der PostzeiMngS-PreiSliste pro 137S»st unser Blait unter Nr. 569 eingetragen. �.. Die Expedition der„Berltner Freien Presse". Berlin 80., Kaiser-Franz-Grenadier-Platz Nr. 8n. Allgemeiner dentscher Schiffszimmererverei«. Der Strike der Schiffszimmerer in Bremerhaven und Geestemünde hat nunmehr nach 21 wöchentlichem hartnäckigem Kampfe fein Ende erreicht; die Arbeit wurde, nachdem eine Berembarung zwischen den dortigen Schiffszimmerern und Schiffbaumeistern betreffs des AuSleihenS, welches nur im höchsten Nothfall gelten soll, zu Stande kam, am 20. März wieder aufgenommen. Eine spezielle Abrechnung über diesen gewaltigen Strike, der die Summe von über 30,000 Mari erforderte, werden wir allen denjenigen Gewerkschaften zusenden, die uns in diesem Kampfe mit zur Seite standen. Die Versicherung, daß die betreffenden Gewerkschaften auf unsere Hilfe rechnen können, falls sie je in eine ähn- liche Lage kommen sollten, brauchen wir wohl nicht erst zu gebev. I. A. des Vorstand des Allg. deutschen Schiffszimmerervereins: — Rundschau. Rr. 2 ging nach folgenden Orten in nebenstehender Anzahl: Altona 350. Achim 70. Apenrade 30. AscherSleben 21. AlveS- lohe 12. Aachen IS. Ahrensburg 12. Alfeld 50. Annaberg 40. Augsburg 75. Barmstedt 35. Bielefeld 10. Bockenheim 30. Breslau 30. Burscheid 25. Braunschwetg 00. Berlin 50. Bochum 10. Calau 26. Cassel 100. Calbe 40. Coblenz 15. Cöthen 20. Crefeld 15. Chemnitz 200. Connewitz 10. Duisburg 50. Delitzsch 00. Düsseldorf 3«. Ernsdorf 55. Elmshorn 00. Erfurt 20. Edderitz 21. S,nbeck15. Ellrich 10. Erlangen 25. Frankfurt a. M. 200. Flens- burss 160. Fulda 17. Freden 25. Forst 310. Finsterwalde 15. Güttingen 7. Görlitz 50. Gelsenkirchen 80. Goldlauter 22. Gostrow 25. Grasenberg 20. Gablenz 40. Gohlis 18. Gelenau 10. Gautzsch 7. Hannover 100. Hanau 100. Halle 55. Hildes- b"* SO. H°lb-rst°dt 28. Harburg 50. Heide 30. Herford 30. Hef 25. Itzehoe 55. Jüterbog? 7. Kl. Krotzenburg 30. Kiel 200. fr-shTiflrmsen z.'k � oa ev-ic—mf__ x..... o-. �"'asberg 30°.' kl Auheim 20. Kaiserslautern''� Lahstedt 2 t. �legnitz 55. Langenbielau 70. Leopoldshall-Staßfurth Ü In"1 o v. Leukersdorf 10. Lindenau 22. Lechhausen 70. Leipzig 10. Magdeburg 50. Marburg 7. Mölln 15 Münden 25. Mulheim- Rh so. Mildenau 10. Minden 20. Neu- munstn 30. Nowaweß 38 Neundorf 8. Nordhauscn 20. Neviges 60. Niederrad 30. Naumburg a. S. 25. Vni-�irrihnra 55 Nürnberg 460. Ottensen 375. Oldesloe 20. Osnabrück 50 Ober-Peilau 10. O-deran 12. PeterSwaldau 45. Potsdam � M Plauen 30. Peitz 10. Plagwitz 00. Rmdsbur. 5-.� 30 Aufforderung. Sämmtliche Borstünde der Gewerkschaften, welche in Magdeburg noch nicht vertreten find, werden aufgefordert, behufs Errichtung einer Filiale Hierselbst, die betreffenden Statuten u. s. w. einzusenden. Die Commtssion der dereinigten Gewerkschaften in Magdeburg: I. A.: Gustav Lichtenberg, Peterstraße Nr. 12, Tischlre-Berkehr. Aufforderung. Alle Gen offen werden ersucht, uns über den gegenwärtigen Auf- enthaltsort eines gewissen Karl Kuhn, Schreiner, gebürtig auS Naila (Baiern), Auskunft zu geben, falls ihnen derselbe bekannt fem sollte. Kuhn hat unfern Verein um eine bedeutende Summe Geldes betrogen. Für den Arbeiterbildungsverein St. Gallen: Peters, Sekretär. Briefkasten der Redaktion. Schn. in kiel: Ihr freundliches Anerbieten dankbarst occeptirt.- M. in H.: Schreiben Sie weniger viel und über mehr allgemein intereffirende Dinge, dann stnd uns Ihre Corre- spondcnzen erwünscht. Das Manuscript können wir Ihnen nicht zu- stellen, da Sie uns Ihre Adresse nicht angegeben haben.___ Armer Conrad. PrelNherab.se tzu ii g, Um mit dem Reste desielben zu räumen, ist der Preis auf 20 Pfg. für geheftete, und 40 Pfg. für gebundene Exemplare herabgesetzt. Bei Bezug von 10 Expl. und darüber Rabatt. Bestellungen sind zu machen bei der Associations- Buchdruckerei in Berlin 80., Kaiser- Franz-Grenadier- platz 8a., sowie der Genossenschafts-Buchdruckerei in Leipzig, Färberstraße 12. �_____ Abonnements- Einladung. Mit dem 1. April beginnt ein neues Abonnement aus Die Fackel. Volks-Organ für Leipzig und Umgegend. DieseS seit de» 1. Januar v. I. wöchentlich dreimal er- scheinende Blatt vertritt auf Grund de» sozialistischen Programms die Interessen deS arbeitenden Volkes nach jeder Richtung. Es enthält in jeder Nummer außer einem Leitartikel eine polittsche Uebersicht, die wichttgsten Lokalnachrichten, Theaterrecensionen, Eorreipondenzen aus der Umgegend, Berichte über die Gemeinderathssitzungen, die Standesamts- Nachrichten, den Eisenbahnfahrplan ,c.; ebenso ist im Feuilleton für Fond für Gewaßregelte. Bon E. Sfrth hier 1,00. Dienstag, den'sTApril. Abends halb s Uhr, bei Michael, Windmühlenstraße 7: Tagesordnung: Innere Parteiangelegenheiten. Referenten: A. Geib und A. Braasch aus Hamburg. � � Parteikarten find vorzuzeigen. Der Agent. gute UnterhaltungSlektüre gesorgt.— Inserate, welche bei dem großen Ltserkreise oeS Blattes von ausgezeichneter Wirkung sind, werden pro Petitzeile nur mit 10 Pf. berechnet.— Alle Postanstalten nehmen Abonnements auf unser Blatt zum Preise von 1 M. 00 Pf. pro Quartal, 00 Pf. pro Monat, entgegen.— Zu zahlreichem Abonnement, sowie zur Einsendung von Inseraten laden ein Redaktion und Expedition der„Fackel", _ Leipzig, Kl. Fleischergaffe 15.__ Durch unS ist zu beziehen: Tchernyehewsty: L'Economie politique jng�e par la science, critique des principe» d'dconomie politique de John Stuart Mil'- 492 pages, Pri* 1,50 M. Die Expedition des„BorwärtS"._ Berantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipils- Redaktion und Expedition Färberfiraße 12. II in Leipzig. Druck und«erlag der GenoffenschaftSbuchdruckerei in Leipzig.