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Also die christliche Kirche und der heutige Hohenzollernsiaat find zur Lösung der sozialen Frage berufen— meint Herr Pro- fessor Wagner. Nun—„viele sind berufen, aber wenige find auserwählt-, heißt's schon in der Bibel. Gehören die zwei ge- nannten Institute zu den„auserwählten-? In seiner, von uns(in Nr. 14) abgedruckten,(in Gemein- schaft mit Professor von Scheel erlassenen) Zuschrift an die Redaktion des„Staatssozialist- sagt Herr Professor Wagner— und bezeichnet damit, wenn auch in abgeschwächter Fassung, im Wesentlichen jedoch durchaus richtig, das Strebeziel des Sozia- lismus—: „Verallgemeinerung von Eigenthum, d. h. ein immer größerer Theil des Volkes ist, sei es in Form des Privat- eigenthums, sei es in Form des Staats-, Gemeinde- u. s. w. Eigenthums, am Besitz des Boden? und des beweglichen Produktionskapitals zu betheiligen.- Es ist das die von der Sozialdemokratie in ihrem Programm gestellte Grundforderung: „Verwandlung der Arbeitsmittel in Gemeingut der Gesellschaft.- Nur durch die Verwirklichung dieser Grundforderung kann die „Verallgemeinerung des Eigenthums- zur Wahrheit gemacht werden. Die„Verallgemeinerung der Freiheit- hätte Herr Wagner sich in seinem Brief an den„Staatssozialist- ersparen können, da sie die nothwendige Folge der„Verallgemeinerung des Eigen- thums" ist, ebenso wie wir— aus dem nämlichen Grunde— ihm nicht verargen, daß er die„Verallgemeinerung der Bil- dung" nicht erwähnt hat. Wenn sämmtliche Menschen öko- «omisch unabhängig sind, dann findet sich die„Freiheit" nebst der„Bildung" von selbst. Natürlich geht das Alles nicht im e?cbe� � aber es geht, mit der Sicherheit eines Natur- Und damit geht auch, gleichfalls mit der Sicherheit eines Naturgesetzes, die ganze Basis der christlichen Kirche und des heutigen Hohenzollernstaates flöten. Wie Herr Professor Wagner auf die christliche Kirche seine Hoffnung hat setzen Kinnen, begreifen wir in der That nicht. Die bloße Thatsache, daß das Ehristenthum in den fast neunzehn Jahrhunderten seines Bestehens noch nicht fähig gewesen ist, Elend und Ungleichheit aus der Welt zu schaffen, ist schon ein genügender Beweis gegen die Fähigkeit des Christenthums zur Lösung der sozialen Frage. Der von modernen Theologen ge- machte Einwand, das Ehristenthum und die christliche Kirche seien mit der Zeit fortgeschritten, hält absolut nicht Stich, denn das Christenthum mit der christlichen Kirche können sich einfach nicht fortentwickeln, weil sie im Neuen Testament und der Chri- stuslegende den unbeweglichen Fels haben, an den sie mit eisernen Ketten geschmiedet sind. Durchfeilen sie diese Ketten, so sind sie nicht mehr„Christenthum" und„christliche Kirche", sondern moderne Gestaltungen, lügenhafte Scheinwesen, die vom C hristen- thum nichts an sich haben, als den heuchlerisch an die Stirn geklebten Namen. Das weiß Herr Professor Wagner, oder sollte es wenigstens wissen. Und waS das wirkliche Christenthum und die wirkliche chrift- liche Kirche nicht vermocht haben, das vermag wahrhaftig auch nicht das elegant frisirte, gebügelte und geschniegelte Afterchristen- thum pfäffischer Streber. Doch das nur nebenbei. Wie dem Allen sei, glaubt Herr Professor Wagner, daß eine christliche Kirche— wie immer dressirt und uniformirt— über- Haupt möglich ist bei allgemeiner Bildung? Äir meinen, wenn die Wissenschaft Gemeingut des Volks geworden ist? Er kann es nicht glauben, denn er muß wissen, daß ein Mensch, der mit den Waffen und Errungenschaften der Wissenschaft aus- gerüstet ist, der, um nur eiu Beispiel anzuführen, die Ent- wicklungslehre kennt, eo ipso außerhalb des Christenthums und der christlichen Kirche steht. Oder will Herr Professor T�llner, gleich seinem Collegen, dem im Geschwindschritt rück- bi.i..-. fä"itenden Fortschrittler Virchow, Halt, Umkehr ge- nickt»?ami hörte die Diskussion auf, und wir hätten Nei?�"»it'W zu reden. Kurz' Professor Wagner nicht gesunken. KomchtV««»ch- ist's"ich». Heutige Staat hat das Monopol des Eigen- heben wir dieses auf mack� Essens zur Existenzbedingung; Gemeinaut m ganda." Die Sozialdemokraten können sich über solche Aussprüche nicht beklagen; sie wissen auch, daß dieselben wahr sind und werden sich bestteben, solches Lob durch unablässige erfolgreiche Agitation weiter zu verdienen.— Herr Todt aber möge be- denken, daß alle Angriffe der Christlich-Sozialen auf die durch solche Disziplin, durch solche Kraft befestigten Mauern der Sozialdemokratie vergeblich sein werden und selbst wenn er die Posaunenengel von Jericho zu Hülfe ruft. — Eaboat aibi. Wie von offiziöser Seite jetzt mitgetheilt wird, hat Arnold Rüge den„Ehrensold" von 3000 Mark jährlich auf sein Ansuchen hin erhalten, nachdem er sich bet- telnd an den Reichskanzler gewandt. Dies zur Ergänzung und Richtigstellung unserer neulichen Notiz. Das äv mortui« uil niai bene, das diesem Mann gegenüber Gültigkeit hat, verbietet uns weitere Bemerkungen, die ja auch nur abschwächen, also ihm zu Gunsten sein könnten. — Der Congreß der Nichtwahlberechtigten Ungarns findet definitiv am 21. und 22. April statt. Die Tagesordnung. mit welcher sich der Congreß beschäftigen wird, umfaßt nur die zwei folgenden Punkte: 1) Das allgemeine Wahlrecht; 2) Wege und Mittel zur Erreichung desselben. Der Eongreß hat also gleichsam die Aufgabe, Propaganda für die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts in Ungarn zu machen. Dieser Umstand allein schon sichert dem Congreß die Sympathie aller nicht wahlberechtigten Staatsbürger Ungarns und verbürgt eine zahlreiche Betheiligung. — Die polnische Frage verursacht unseren Staatsmännern viel Kopszerbrechens. Man sagt, Fürst Bismarck— der in seiner russischen Rückendeckungspolitik um jeden Preis nachgerade ein Haar gefunden hat— habe die österreichische Regierung be- deuten lassen, sie werde im Fall eines aktiven Borgehens gegen Rußland von deutscher Seite nicht gestört werden, nur müsse sie sich hüten, die polnische Frage in Angriff zu nehmen; wenn man in Wien die Wiederherstellung Polens aufs Tapet bringe, werde die deutsche Neutralität zu Ende sein. Nun— die polnische Frage wird auf's Tapet kommen, ob die österreichische Regierung sie in Angriff nimmt oder nicht. Die Weltgeschichte wird ihren eigenen Weg gehn, und mag Fürst Bismarck sich auf de» Kopf stellen. Uebrigens scheint Herr Stieber die polnische Frage schon — in seiner Weise— in Angriff genommen zu haben. Einem der Redakteure der„Germania" ist, wie dieses Blatt m'ttheilt, von einem als„Liebermann" zeichnenden Pseudonym(Mensch, der einen falschen Namen giebt) em Brief zugegangen, in welchem der lebhaste Wunsch, Polen wiederherzustellen und den„milden Czar", alia«„verfluchten Glaubensverfolger zu schüssen" in dem bekannten Agent Provokateur- Stil und mit den obligaten ortho- graphischen Schnitzern ausgedrückt wird. Herr„Licbermann" nebst seinem„Freund Kulwinski aus Kowno", der ihm helfen will, fanden jedoch bei dem Adressaten kein günstiges Gehör. „Das Manuskript des Brieks sammt Couvert, schreibt die indis- krete„Germania", liegen auf unserer Redaktion zur Abholung der Polizei bereit." Run— die Polizei wird wohl nicht allzu eifrig sein; vorläufig ist das Spiel verdorben, aber der Stoff, aus welchem die Westerwelle gemacht sind, ist billig zu haben, und eine polnische Mordverschwörung ist für „Väterchen" und Compagnie einige Millionen Rubel unter Brüdern Werth. Ein russischer„Anti-Lassalleaner". (Von einem Russen.) Man sollte fast glauben, die„Dresdener Social-Correspon- denz" habe auch in Rußland ihre Agenten, die der Knutenpresse den Professor Böhmert'schen„Geist" verleihen und jene, in der Regel blos Polen und Juden verfolgende, sonst so ziemlich ftird- liche Zarenkreatur auch zu Sozialistenfressern heranbilden. In dem Feuilleton zu Nr. 52(vom 5. März 1878) der„St. Peter- buraskija Wjedomosti" ist nämlich unter der Ueberschrift:„Der Sozialismus und sein Apostel Laffalle.— Wonach hat der Ar- beiter zu streben.— Lassalle als Schriftsteller.—" ungefähr Folgendes zu lesen. Tie Lehre vom Sozialismus, dessen Wiege bekanntlich Frank- reich war, hat daselbst in den vierziger und fünfziger Jahren mächtig gewirkt und unter Anderem die politische Wendung des Jahres 1848 zum Vorschein gebracht.�— Darauf übersiedelte der Sozialismus nach Deutschland,„schloß dort mit nichts weiter, als der zur Zeit des Polnischen Aufstandes in Ruß- land, in den sechsziger Jahren stattgehabten Arbeiterbewegung" und schlich sich alsdann in unser Vaterland hinein, wo er„aller- dinas nur für diejenigen gefährlich war, welche mit ihm in zu nahe Berührung kamen(!).— Während die Lehre vom So- zialismus— fährt der geniale Feuilletonist fort— in Frankreich eine„colossale" Literatur hervorbrachte, die schon lange, lange im Staube der Bibliotheken weilt, nahm dieselbe in Deutschland zu Broschüren, parlamentarischen Debatten und einigen sozial- ökonomischen Werken(alles Andere geruht der gute Mann nicht zu kennen!), die sich durch„eigeuthümliche Ideen", wie pur exernple die des Carl Marx auszeichnen,— ihre Zuflucht. Nach der höchst originellen Bemerkung, daß die„ab und zu erscheinenden Broschüren, die Aeußerungen derjenigen Abgeord- neten, welche jener metaphysischen Philosophie zugethan — Nach Berichten aus Rußland ist der Krieg der För- derung des Panslavismus keineswegs günstig gewesen.„In Petersburg, schreibt man z. B. der„Schlesischen Presse", fand kürzlich eine Generalversammlung des Slavencomitss statt, welcher die fast auffallende Thatsache mitgetheilt wurde, daß im vorigen Jahre die Zahl der Bereinsmitglieder von circa 2000 auf circa 500 heruntergegangen sei und daß viele Mitglieder mit ihren Beiträgen sich im Rückstände befinden." Natürlich—„der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan, der Mohr kann gehn." Der„Panslavismus" war und ist, wie wir wiederholt hervorgehoben haben, eine Erfindung und ein In- strument der russischen Regierung, welche damit seit Jahrzehnten die besonders fimpelhaften Nationalitätssimpel in ihr Netz lockt. Um dem jetzigen Krieg— denn er ist noch nicht zu Ende— ein nationales Mäntelchen umzuhängen, ließ man die„Pan- slavisten" tüchtig ins Horn stoßen. Das ist nun nicht mehr möglich.„Väterchen" war genöthigt, Farbe zu bekennen und die Nationalitätsmaske gleich der Humanitätsmaske fallen zu lassen, und da paßt der Panslavismus nicht mehr in den Regierungskram. Die„nattonale Bewegung" ist abcommandirt worden; die„Macher" haben sich natürlich dem Befehl gefügt, und die geköderten Simpel find eben— gemacht; nehmen sie die Sache zu ernst und tragisch, so bringt man sie in„Nummer Sicher" zur Ruhe und Raison. — Zur orientalischen Frage. Die russische Regierungs- presse schlägt einen immer kleinlauteren Ton an, es falle Ruß- land nicht ein, den ganzen Friedensvertrag von St. Stefano Europa aufdrängen zu wollen, ebenso wenig falle es ihm ein, aus der Rückgabe von Bessarabien eine eonckitio«ine gua non (unerläßliche Bedingung) zu machen— Rußland sei schnöde mißverstanden worden u. s. w. Kurz man steckt in der Sack- gasie und möchte mit guter Manier wieder heraus. Ob es ge- lingen wird? Der„ehrliche Makler" und Pulverlieferant für „Väterchen" ist zwar eifrig damit beschäftigt, eine goldene Rück- zugsbrücke zu bauen, allein es fragt sich doch sehr, ob dieselbe praktikabel sein wird. Die englische Regierung hat— das er- hellt aus den jüngsten, dem Parlament vorgelegten Depeschen— unsere Reichsregierung vollständig links liegen lassen und geht ihre eigenen Wege. Daß sie aber alle Chancen des Gewinns hat, würde sie— falls dies nöthig wäre— gerade aus der Angst der russischen Diplomatie gelernt haben. Inzwischen bereitet man sich auf beiden Seiten für den äußersten Fall vor; die russischen Truppen in der Türkei werden zusammengezogen, die Festung Rustschuk für eine Belagerung zurecht gemacht und auch sonst Maßregeln getroffen, aus denen die Kriegsbefürchtung der Russen zu folg- rn ist. Und in England werden die Rüstungen mit wachsender Energie und Eile be- trieben. Als Kuriosum sei erwähnt, daß ein Polttikus des„Leipziger Tageblatts" diesem aus Berlin brühheiß die Nachricht überschickt (stolz, der erste zu sein!), daß Fürst Bismarck eine Allianz mit — Frankreich abgeschlossen habe, um den Frieden zu diktiren. Den Ursprung dieser wunderlichen Ente, die von einer lustigen Sozialistengesellschaft gezüchtet und dem unglücklichen Politikus aufgehängt worden ist, erzählen wir vielleicht nächstens im Feuilleton. Wir wollen erst abwarten, wie viele unserer„in- telligenten" Zeitungen noch darauf'reinfallen. Ein würdiges Seitenstück zu dieser Ente ist die Entdeckung der nationalliberalen Waschzettelfabrikanten, daß, wenn der Friede erhalten bleibe, dies Deutschland zu verdanken sei. Ei! Ei! Wir hatten gedacht, die Sache verhielte fich etwas anders: wenn Rußland den Schwanz einziehe, so geschehe es aus Furcht vor englischen Hieben, während es, umgekehrt, niemals den Frieden gefährdet hätte, wenn ihm nicht von der deutschen Reichsregierung Vorschub geleistet worden wäre. — In der Newyorker„Arbeiterstimme" vom 24. März ist ein Erlaß des National- Exekutiv- Comitss enthalten, in welchem zur größeren Unterstützung der„Arbeiterstimme" aufgefordert wird, damit dasselbe in doppelter Stärke erscheinen könne. Ebenso werden die vorbereitenden Schritte angekündigt, um das englische Parteiorgan unter der Leitung des ür. John Mac Jntosh ins Leben rufen zu können.— Man sieht, auch die amerikanischen Parteigenossen lassen sich keine Mühe verdrießen, um dem So- zialismus mehr und mehr Eingang in die Bolkskreise zu ver- schaffen. Die Lage der Volksschule in Preuszen. Der preußische Geheime Regierungsrath und vorttagende Rath im Ministerium des Innern, Herr L. Herfurth, bringt in den„Beiträgen zur Statistik der Gemeindeabgaben in Preußen" beachtenswerthe Aufschlüsse über die Kosten der Volksschule in sind",— den deutschen Zettschriften(a la„St. P. W."!) noch heute viel zu schaff-n machen, jammert der große Knutenpatriot, über das schwere Uebel, daß die russische Intelligenz dieser „metaphysischen Philosophie" ein mäßiges, wenn also auch kein leidenschaftliches Benehmen zu Theil werden läßt, und zwar „Tank der seiner Z°it rücksichtsvoll aufgenommenen Theorien des John Stuart Mill, wozu selbstverständlich die Commentarien deren Ucbersetzer(Tschernyschewsky) nicht wenig beigetragen haben." (Das stimmt!) Nun geht er zu seinem Hauptthema über, nämlich zum Blos- stellen des Apostels des„metaphysischen� Sozialismus. Mit frischen Kräften und erheiterter stimme fährt er also fort: Die Lehren des französischen Sozialismus sind in unserer Zeit außer Wirkung gekommen, und an der Spitze dieser Lehre stand eine Zeit lang der Deutsche„Liberal"(nicht übel!) Lassalle, dessen Wesen bald nach seinem Tode colossale Dimensionen an- nahm.— Spielhagen idealisirt ihn in seinem Roman:„In Reih' und Glied" nicht weniger als die Kirche Apostel Paulus tc. ic. 2C.---„Nach alledem, jubelt unser Anti-Lassalleaner, haben wir in der That geglaubt, es gäbe auch in unserer Zeit Menschen, die für das Wohl der Menschheit keinerlei Opfer scheuen, auf ihre Lebensweise, resp--Bequemlichkeit nicht achten u. s. w.---; wir stellen ihn— den Bortragenden jener leidenschaftlichen, enthusiastischen Reden vor den Arbeitern— uns genau so vor, als wäre er einer Derer, welche in den ersten drei Jahrhunderten der Aera des Christenthums Millionen von Menschenherzen hingerissen, indem sie vor ihnen„die Liebe zum Nächsten predigten."--- Aber(ach, welche bittere Ent- täuschung!) kaum ging man an seine Biographie, als man die Sache in einem ganz anderen Lichte fand. Es stellte sich heraus, daß der Kämpfer gegen die Kapitalmacht— durchaus kein Ascet — nobel, luxuriös und comfortabel lebte und dies von den Zinsen seiner Erbschaft,„gegen welches Uebel er sein /System der erworbenen Rechts schrieb." Wir brachten in Erfahrung, Preußen und die Art und Weise, wie dieselben aufgebracht wer- den. Freilich� sind diese Angaben nicht vollkommen erschöpfend, weil sie die Stadtkreise und den Kreis Lauenburg, welche eine Bevölkerung von 3,980,044„Seelen" aufzuweisen haben, nicht mit berühren. In den übrigen Gemeinden, für welche die im Sommer1875 eingeforderten Berichte erstattet wurden, find die zur Deckung der Ausgaben nöthigen Summen auf folgende Weise aufgebracht: Das Lehrereinkommen ausschließlich der p-rsön- lichen und Alterszulagen wurde gedeckt durch das Schulgeld von 9,619,449 Mk., durch Einkünfte vom Schulvermögen und Sttf- tungen von 2,036,222 Mk., durch Beiträge von Gemeinden, Gutsherren und Patronen 27.556.054 Mk., durch Staatszuschüsse im Betrage von 5,647,102 Mk. In Summa betrug das Lehrer- einkommen 44,853,827 Mk. Zur Deckung sonstiger Schulzwecke ausschließlich der Bauten wurden von den Gemeinden ic. verausgabt 6,455,238 Mk., für Bauten im dreijährigen Durchschnitt 12,349,011 Mk. Wenn man auch die Alterszulagen für die Lehrer und die Summen, welche für die Beaufsichtigung der Volksschule bezahlt werden, auf Rechnung des Staates setzt, ist die Summe, welche der„Jntelligenzstaat" Preußen, der doch für militärische Zwecke so„heidenmäßig viel Geld" hat, für die Volksschule aussetzt, sehr klein zu nennen. Ganz anders verhält es sich mit den Hochschulen, welche doch in der Regel nur von den Angehörigen der befitzenden Klasse besucht werden können; hier zahlt der Staat viel bedeutendere Summen als für das Aschenbrödel, die Volksschule. Zu den 72 Mill. Mk., welche für die Volksschule verausgabt werden, leistet der Staat einen Beitrag von blos 13 Mill. Mk. Wie hoch sich die Summen für jedes unterrichtete Kind belaufen, ist aus Nachfolgendem ersichtlich: Ende 1871 besuchten in Preußen 3,900.655 Kinder, d. i. 15,85 Proc. der damaligen Bevölkerung, die öffentlichen Elementarschulen auf dem Lande. Man darf nun annehmen, daß unter den 21.762,360 Bewohnern der Landkreise, für welche die Kosten des Volksschulwesens auf 72 Mill. Mk. berechnet wurden, ungefähr 16 Proc. die Volks- schule besuchten, daß daher die Summe für den Unterricht von 3,5 Mill. Kindern aufgewendet wurde. Die Erziehungskosten eines einzelnen, die Volksschule besuchenden Kindes belaufen sich jährlich auf 20 Mk. 57 Pf. Wie verschwindend klein diese Summe ist, ersieht man erst recht, wenn man sie mit den Kosten, welche die Hochschulen verschlingen, vergleicht. Nach den Berech- nungen von 1876 betrug die Summe für jede einzelne Person, welche zum Besuch der Vorlesungen berechtigt war, 706 Mk., von welchen allein 513 Mk. aus Staatsmitteln gedeckt wur- den. Für die„Auserwählten" spendet der Staat mit vollen Händen, für die Kinder des Volkes hingegen ist nur sehr wenig Geld vorhanden. Daß bei der so geringen Dotirung der Volks- schule, bei den ungenügenden Besoldungen der Volksschullehrer die Volksschule nicht viel leisten kann, liegt auf der Hand. In dem„Jahrbuch für die amtliche Statistik des preußischen Staates", herausgegeben vom kgl. statistischen Bureau, 4. Jahrg., befinden sich bezüglich der Schulbildung der über zehn Jahre alten Angehörigen des preußischen Staates interessante Zahlen. Wir theilen hier die Zahlen mit, welche die Schulbildung im Staate und in den einzelnen Provinzen angeben, nebst dem Procentsatz, in welchem die über zehn Jahre alten des Lesens und Schreibens Unkundigen und diejenigen Personen, deren Schreib- und Lesesähigkeit zweifelhaft ist, 1) zur Gesammtzahl der über zehn Jahre alten Personen stehen und 2) zu der Zahl derjeni- gen Personen, die schreiben und lesen können. daß er gar(o himmlischer Vater!) ein Jude war, der indeß nicht Anstand genommen,„eine reiche russische Gräfin" Heirathen zu wollen.———„Also— ruft er mit Enthusiasmus— sieht unser Heros aus!"---„Ein schönes Pröbchen der Apostel des 19. Jahrhunderts!"---„Wir glauben, daß hiernach(sie!) die Grundlagen des deutschen Sozialismus, sowie dessen Apostel in den Augen unseres Volkes tief gesunken sein müssen."(„So bunt— höre ich hier die Berliner„Volks- zeitung" unter Kopfschütteln rufen— so bunt haben wir es nicht gemacht!") Hierauf citirt der große Anti-Lassalleaner die Worte eines „verehrten" Professors Tsitscherin in seinem Artikel:„Die beut- schen Sozialisten(Sammler für Staatswissenschaften T V.), welche die Hauptidee der Sozialisten klarlegen. In diesem Citate giebt er nämlich die G. danken Lassalle's in seinem„Arbeiter- Programm" Pag. 33—40 in einigen Zeilen wieder, also äußerst mangelhaft und gedrängt.— Dieses Citat schließt mit folgenden buchstäblich übersetzten Worten:....„Lassalle, sowie die Mehr- heit der Sozialisten, halten, gleich Leo in Rom, an(v. Spiel- Hagen) die Durchführung ihrer Theorien vermittelst Verbandes des Arbeiterstandes mit einer absolutistischen Mo- narchie für möglich. Eins von den Beiden, entweder(im Original Cursivschrift) entweder„reiner" Absolutismus, oder allgemeines Wahlrecht." Unter diesen beiden läßt sich bei Verschiedenheit der Ansichten(— der Sozialdemokraten!?) eine Alternative stellen, was aber dazwischen liegt (der constitutionelle Staat) ist jedenfalls unmöglich, unconsequent und unlogisch." Dieses Letztere scheint mir eine zweite, nicht ganz stereotype und incorrekte Auflage jener Stelle von Lassalles„Arbeiter- Programm" zu sein, wo er sagt:„... Was also damals in Frankreich wirklich sich nicht halten konnte und gestürzt wurde, das war nicht die Republik, sondern die B ourgeois-Republik, und so bestätigt es sich denn bei der wahrhaften Betrachtung Wir wollen hier bemerken, daß auch auf der im Jahrbuch «nthaltenen Tabelle die des Lesens und Schreibens Unkundigen rind Diejenigen, deren Fähigkeit zweifelhaft ist, zusammenge- zogen worden find. Nach den obigen Tabellen befanden sich daher am 1. Dezember 1871 im preußischen Staate unter 18,573,466 Personen im Alter über zehn Jahren nicht weniger als 2,260,246 Personen, die aar nicht lesen und schreiben konnten, und 277,572 deren Lese- und Schreibfähigkeit min- bestens zweifelhaft war, im Ganzen mithin 2,537,818 Personen ohne Schulbildung, d. h. auf hundert Personen, die schreiben und lesen konnten, kamen im Durchschnitt 15,82 Personen, die nicht lesen und schreiben konnten. Nach dem Verhältniß der Schulbildung der über zehn Jahre alten Gesammtbevölkerung lassen fich die Provinzen folgender- maßen eintheilen. Provinzen 1) Posen.... 2) Westpreußen.. 3) Ostpreußen.. 4) Schlesien.... 5) Pommern.. 6) Rheinland.., 7) Hannover.. 8) Brandenburg 9) Westfalen... 10) Hessen-Nassau. 11) Sachsen... 12) Schleswig-Holstein 13) Sigmaringen Des Lesens u. Schreibens Unkundige % der über kommen auf 10 Jahre allen 400 mit Schul- Personen � bildung 39,24 37,30 28,32 15,37 13,26 8,76 7,46 6.84 6,59 5,36 4,95 4,90 2,80 im Staate 13,65 64,57 62,24 39,52 18,11 15,29 9,60 8,06 7,35 7,05 5,66 5,21 5,17 2,88 15,82 In Posen kommen also auf hundert Leute mit Schulbildung fast 65 ohne Schulbildung, in Westpreußen über 62, in Ost- Preußen gegen 40. Trotz derartiger Zustände ist Preußen denn doch ein„Culturstaat", in welchem die höchste„Jntelli- genz" zu Hause ist und dessen Schullehrer die Schlachten schlagen.— Wenigstens wetteifern Regierung und Nationallibe- ralismus miteinander, dies dem beschränkten Unterthanenver- stände plaufibel zu machen. Correspondenzen London, den 28. März. In einfacher erhebender Weise wurde der 18. März auch hier in London gefeiert und zwar durch ein Banquet, arrangirt von den hiesigen Commumsten. Ranvier führte den Vorsitz und leitete die sehr interessanten Gc- dächtnißreden ein. An denselben betheiligten sich Lissa garay, Jourde, Grousset. Regnard, Theisy:c. Es konnte nut Genugthuung konstatirt werden, daß die Verleumdungen der Commune allmählig auf ihre Urheber zurückzufallen beginnen. Hauptsächlich wurde betont, daß die Ardeiter nie und nimmer- mehr sich als Anhängsel der bürgerlich-republikanischen Partei betrachten dürfen, denn die Geschichte der französischen proleta- mischen Bewegung kennzeichne dies als einen Verrath an sich selbst.— Am 20. März fand die Märzseier des Comm. Arb.- Bild.-Vereins statt. Dieselbe erfreute fich eines sehr zahlreichen Besuches und fanden die Rlden in den verschiedenen Landes- sprachen der Genossen Mai, Weber, Kaufmann. Kitz, Loa- guet, Ehrhart und Hoffmann, die den 18. März der Com- mune sowie auch den von Berlin feierten, ungetheilten Beifall. — Am 26. März fand im Ostende Londons eine zahlreich besuchte Volksversammlung unter dem Vorfitz- von Weber statt und referirten die Genossen Zadecky, Ehrhart und Mai. Die Folge war die Gründung einer zweiten Sektion des Comin. Arb.-Bild.-V. für das Ostende, welche aller Wahrscheinlichkeit nach stark zu werden verspricht. Es ist dadurch einem schon längst gefühlten Bedürfnisse abgeholfen und ersuche ich die Ge- nossen und Abonnenten des„Vorwärts" der City u. Eastende nach ihren besten Kräften das junge Unternehmen zu unterstützen. Fahren wir so wefter fort, so haben wir allen Grund, mit un- fern Fortschritten zufrieden zu sein. F. I. Ehrhart. Aöuigsverg i. Pr., 9. April. Laut Ukas des Gewerkvereins- Doktors, Max Hirsch, sollten aus dem hier bestehenden Orts- verein der Metallarbeiter drei Mitglieder, weil sie Sozialdemo- kraten find, ausgeschlossen werden. Zu diesem Zwecke wurde für den 30. März eine Versammlung einberufen. Max hatte mit seinem Ukas schrecklich Pech, denn nur eine winzige Minorität der gut besuchten Versammlung stimmte für die Ausschließung, obschon der Vorfitzende zu wiederholten Malen betonte, daß, falls die Ausschließung, die der Herr Doktor wünsche, nicht zu Stande komme, der Verein aufgelöst werden würde. Die Ver- kammlung ließ sich jedoch nicht dupiren und die Ausschließung fand nicht nur nicht statt, es wurde im Gcgenthcil folgender Antrag eingebracht:„Da der Borsitzende, sowie der eine Kontra- leur durch ihr Vorgehen den Verein schädigen, dürfen dieselben innerhalb dreier Monate weder Versammlungen noch Sitzungen des Vereins besuchen." Diesen Antrag brachte der Vorfitzende nicht zur Verlesung; er schloß die Versammlung und trollte fich mit dem einen Kontroleur von dannen. Der sofort konstituirte neue Vorstand sandte sogleich eine Interpellation an Max Hirsch, in welcher das Vorgehen gegen den hiesigen Verein auf das energischste getadelt wurde. Mz�chc, kann sagen:„Fallen seh' ich Zweig auf Zweig!" Der Mohr hat seine Schuldigkeit ge- than und kann gehen; die Erbschaft wird die Sozialdemokratie antreten. Schweidnitz, I.April. Bekanntlich waren die„Vertreter der Industrie" in Berlin vor kurzer Zeit zu einer Versammlung zusammengetreten, um über Mittel und Wege zu berathen, wie der deutschen Industrie wieder neues Leben eingeflöst werden könne. Auch unser Ort war durch einen„Industrie- Vertreter" vertreten, und wir sollten auch bald erfahren, daß er seiner Aufgabe völlig gewachsen war, denn kaum war der Herr zurück. so bekamen wir zu hören, daß in Berlin ein Stück Leinwand weit billiger hergestellt würde als hier, und daß wir infolge dessen uns eine Lohnherabsetzung gefallen lassen müßten.— Wenn die Herren Industriellen auf ihren Zusammenkünften nichts weiter zur Hebung der Industrie herauszuklügeln wissen als Lohn- reduktionen, so sollten sie es doch wenigstens unterlassen, sich stolz die„Vertreter der Industrie" zu nennen, denn die Löhne kürzen, die Arbeiter schinden und ihnen überhaupt auf jede Weise das Leben sauer machen, heißt doch wahrlich nicht die Industrie heben. Das Alles könnte man diesen Menschen aber noch nach- sehen, denn wir leben ja in einer profitsüchtigen Zeit; wenn sich dieselben aber noch erdreisten, dem Arbeiter vorzuschreiben, wel- cher politischen Partei er huldigen solle, und wenn sie den prin- zipientreuen Arbeiter erbarmungslos aus der Arbeit entlassen, wie das hier jetzt an der Tagesordnung ist, so haben wir es nicht mehr mit„Industriellen", sondern mit Politikern der schmutzigsten Sorte zu thun, gegen deren Uebergriffe nur eine feste Vereinigung der Arbeiter Schutz gewährt. Also, Arbeiter vereinigt Euch! Sommerfeld N.-L., 1. April. Das Jndenaprilschicken ist doch noch nicht ganz aus der Mode gekommen, denn Küster und Grüneberg hatten sich vorgenommen dieses bei den Som- merfelder Arbeitern zu besorgen. Am 1. April, Abends, sollte auch hierorts die christlich-soziale Partei ins Leben gerufen wer- den und waren die Genossen Körner aus Berlin und Blau- dow und Sie gr ist aus Frankfurt erschienen, um bei dem Tanze mitzuwirken. Obgleich Genosse Siegrist zum Vorsitzenden vor- geschlagen wurde, so wurden durch die bekannten Manöver der beiden Gründer zwei von christlicher Nächstenliebe triefende Bour- geois ins Bureau gewählt. Es wurden zwei an„Wissenschaft- lichkeit" alles übertreffende Referate verübt, an deren Schluß der Vorsitzende, ohne im Geringsten hierzu autorisirt zu sein, den beiden Referenten den Dank der Versammlung votirte. Nach vielen Mühen gelangte Genosse Siegrist zum' Wort und kenn- zeichnete derselbe das, was Küster und Grüneberg gegen die So- zialdemokratie vorgebracht hatten, als das, was es in Wirklich- keit war, als hohles Geschwätz. Aber zu Ende kam Siegrist nicht, denn kaum, daß er eine halbe Stunde gesprochen hatte, entzog ihm der Vorsitzende das Wort. Nun, Genosse Siegrist wird nach etlichen Wochen wieder in Sommerfeld erscheinen, gerade auch an diesem Beispiel, daß die Geschichtsperiode, in die wir mit dem Februar 1848 eingetreten sind, keinen Staat mehr erträgt, welcher, gleichviel ob in monarchischer oder repu- blikanischer Form, das herrschende politische Gepräge des dritten Standes der Gesellschaft aufdrücken, oder in ihr erhalten will."(Arbeiter-Programm pag. 40.) An jenes Citat knüpft Professor Tschitscherin(hier haben wir es weiter nicht mit dem Anti-Lassalleaner vom Hörensagen, son- dern mit dem gelehrten Sozialistentödter zu thun) folgende er- bauliche Bemerkung. Er sagt:„In dieser Weise wird die Ge- ichichte Englands mit einem Federzug für unmöglich erklärt. An diesem Beispiel kann man sehen, bis zu welchem Grade von „Berstandesarmuth" selbst geniale Köpfe Herabkommen, sobald sie sich für einseitige, von der Wissenschaft entfernte Ziele hinreißen lassen. Man kann wohl Demokrat sein, der republi- kanlschen Regierung vor der constitutionellcn Monarchie den �orzug geben, aber wer letztere für eine Unmöglichkeit erklärt, der hat entschieden keine Ahnung, sowohl von der Geschichte, als auch von der Politik." � � � Rachbem Professor Tschitscherin die Lassalle'sche Aufstellung vom Kiassen-Elnkommen(Antwortschreiben pag. 24) und dessen Vorschlag auf dnn Wege des allgemeinen, direkten Wahlrechts an Stelle des Arbeitslohnes den Arbeitsertrag einzuführen, vor- führt— bemerkt er:„Nach alledem ist wohl kaum zu bezwei- feln, daß die von �s'ifa.lle verlauteten(!) Unsittlichkeit und Egoismus der höheren Klassen, sowie andererseits— die Sittlich- keit der Niedern Stände— eine leere Deklamation(Alles seine Worte!), die keines gelehrten, mehr oder minder Selbstachtung hegenden Mannes würdig ist. Die Tendenz, worauf er die Arbeiter verweist, besteht(hören sie nur, hören Sie!) einzig und allein— in der Annexion materieller Güter, welche jetzt Anderen gehören, und dieses Ziel, betheuerte er (Lassalle), sei dermaßen zu erreichen, indem die Arbeiter die Staatsmacht— vermittelst des allgemeinen Wahlrechts— er- greifen."— Das ist'mal ein professoraler Kopf! Aber das Lustige kommt noch. Der Herr Professor geruht nun ziemlich correkt das Lassalle'sche „eherne ökonomische Gesetz" mit der ganzen Consequenz desselben vorzuführen und fügt— wie der Feuilletonist seinerseits bemerkt — folgende„bekannte Wahrheiten" hinzu: Hiegegen, sollte man glauben, sei ja nur das einzige Mittel: durch die Erhöhung des sittlichen Niveaus der Arbeiterklasse, deren sinnlosem Hei- rathen und grenzenloser Vermehrung(genau seine Worte!) der Bettler entgegenzuwirken.— Sonst müssen alle Versuche behufs Verbesserung des Standes vergebens bleiben."— So der Professor. Nun kommt der Feuilletonist.„Aber Lassalle begnügt sich nicht mit der langsamen Erhebung des Niveaus des Arbeiterstandes: er verlangt einen vollkommenen ökonomischen Umsturz, in Folge dessen die Arbeiter alle jene Güter annektirt hätten, welche heute den Höheren gehören."— Dieses schließt man(welch' göttliche Philister!) aus jenem Satze von Lassalle's„Antwortschreiben"(pag. 17), wo er sagt, daß „die menschliche Lage sich nicht durch ihr Verhältniß zu..... der des Arbeiters vor 80 oder 200 Jahren bemißt, sonderu nur durch das Verhältniß zu den Mitmenschen zc." Lassalle wird also von seinem„Piedestal gestürzt", denn daran ist, wie der Feuilletonist meint, Tschitscherin in seinem Artikel:„Die deutschen Sozialisten" mehr gelegen, als au der „Widerlegung der sozialistischen Theorien"; Tschitscherin„beweist" ferner, daß Lassalle selbst in seinen theoretischen Werken ein „gewissenloser Sophist" gewesen sei:c.:c. Den armen unterjochten Russen könnte indeß dadurch ein wenig geholfen— sein. Vielleicht greifen die wenige», durch die Änti-Lassalleaner zum Theil nicht verkrüppelten Lassalle'schen Ideen mehr Platz bei denselben als die dummen Commentarien des Profi ssors und die schlauen Consequenzen des Philisters von Feuilletonisten.—ob— dann werden wir ja sehen, ob die christlich-sozialen Apostel der Sozialdemokratie den Todesstoß versetzt haben; dann aber, so hoffen wir, werden auch die Gegner am Platze sein, um uns R-de und Antwort zu stehen. Auf die Schimpfereien, die sonst noch von halb oerrückten Individuen gegen unsere Partei und einzelne Parteimitglieder geschleudert wurden, lasse ich mich nicht ein.— Die Sommerfelder Arbeiter nur möchte ich noch auf- fordern, kräftig zusammenzustehen und den Muckern den Beweis zu liefern, daß sie der Vormundschaft nicht bedürfen und daß sie oen Sozialismus begriffen haben. Erwähnen will ich noch, daß außer Siegrist kein weiterer Genosse zum Worte kam, die Rede- freiheit ist den„Brüdern in Christo" nun einmal ein verhaßtes Ding. Friedek N. L. Am 2. April hatte unser Städtchen das Vergnügen, eine kleine Schauspielergesellichast in seiner Mitte zu sehen. Auf Veranlassung des Herrn Oberpredigers von Tilly waren die ehemaligen rabiaten Sozialdemokraten, jetzt ebenso rabiaten„Brüder in Christo", Grüneberg und Küster, erschie- nen, um im hiesigen Schießhause ihre Borstellung zu geben. Aus der Umgegend waren zu diesem Feste die Bourgeois mit ihrem Anhängsel erschienen, aucb die Arbeiter au» Triebet und Umgegend waren zur Stelle. Zuerst trat Grüneberg aus die Bretter und bejammerte, mit obligatem Augenverdrehen, in wohl einstündiger Jeremiade den Niedergang des Christenthums und der Kirche, wobei er natürlich nicht unterlassen konnte, unter drohenden Ausfällen auf die gottlose Sozialdemokratie zu schim- pfen, dieselbe zu denunziren und auf die allergemeiaste Art und Weise den Reichstagsabgeordneten Most zu beleidigen, auch der sozialistischen Partei ein schmähliches Ense zu prophezeien. Als zweiter Schauspieler trat nun der gewaltige Küster auf, um dem getödteten Löwen„Sozialdemokratie" noch einen Eselsfußtritt zu versetzen. Die Freude der Bourgeois ob dieser Heldenthat war groß. Man hatte aber die Rechnung ohne den Wirth gemacht, denn als harmloser Zuschauer war der Parteigenosse Alb. Paul aus Berlin erschienen, um sich die Komödie in der Nähe zu be- sehen; derselbe recenfirte dann auch unter dem allgemeinen Bei- fall der Arbeiter und den Mißfallsbezeugungen der Bourgeois die jämmerlich schlechte Kunstleistung der» beiden Schauspieler derartig, daß denselben Hören und Sehen verging. Nach einigem Hin- und Herreden, an welchem sich auch die Prediger v. Tilly und Abraham betheiligten und Freund Paul noch einmal die bodenlose Frechheit der beiden Schauspieler aufdeckte, wurde die Vorstellung geschlossen.— Die beiden Komödianten haben trotz aller Anstrengung Dank dem guten Geiste, welcher die Triebeler Arbeiter beseelt, schlechte Geschäfte gemacht, richtiger gar keine Dresden. Aus Dresden, der„Bebelstadt", einmal etwas zu erfahren, dürfte vielen Lesern des„Vorwärts" lieb sein, wenn- gleich die„Dresdener Volkszcitung" erfreulicherweise voa Tag zu Tag mehr Abonnenten gewinnt, überall kann sie doch nicht gelesen werden. Deshalb ist es nothwendig, daß dem Central- organ von Zeit zu Zeit Berichte zugehen. Schilderungen des hiesigen Parteilebens, sowie allgemein Interessantes aus den drei ziemlich nahe zusammenliegenden Reichstagswahlkreijen: Dresden- Altstadt, Dresden- Neustadt mit dazu gehörigen Ortschaften, und Dresden-Land enthaltend. Schon die zahlreichen Parteigenossen- schaften, die in den drei Kreisen existiren, und die regelmäßig Partei- sowie Volks- und Gewerkschaftsversammlungen abhalten, lassen auf den ersten Blick erkennen, daß das Parteileben ein ziemlich reges ist. Lebt man erst selbst unter dem Proletariat, ver Arbeiter-, Kleinbürger- und Beamtenwelt, dann ist es eine Lust, wahrzunehmen, welche Anhänger der Sozialismus hier hat. Allerdings könnte die Mitgliederzahl der Arbeiterpartei im Ver- hältniß zur Größe der Stadt und zur Verbreitung unserer Ideen eine bedeutendere sein, oder mit andern Worten, der ausgesprochenen Sozialdemokraten müßten mehre sein, aber der Grund zu dieser auffälligen Erscheinung scheint nur darin zu liegen, daß in keiner Stadt so zahlreiche Bereine bestehen, wie hier, und daß fast jedes Glied der männlichen Bevölkerung schon einem oder mehreren derselben angehört. Die Erwerbsverhält- nisse sind wie überall keine glänzenden, und scheut wohl mancher Gesinnungsgenosse die neue Ausgabe, oder möchte nicht gern aus dem alten lieben Vereine treten, um zu uns zu kommen. Ueber- Haupt sind diese Bereine, zu welchem Zweck dieselben auch sonst bestehen, mag die Tendenz auch ganz verschieden von der unseren sein, ganz schätzbare Mittel zur Verbreitung der Sozialdemokratie. Die Wahrheit bohrt sich eben durch. Sind einige Mitglieder unserer Partei in einem solchen Vereine, dann finden sich bald mehrere. Die hiesigen gegnerischen Blätter treten in solch plumper Weise uns entgegen, zeigen ihre Geistesarmuth so unverhüllt, daß sie manchem ihrer Leser die Augen öffnen. Die Art und Weise, wie sie die Sozialdemokratie beurtheilen, wäre wohl in dem finstersten hinterpommerschen Dorfe am Platze, aber in Dresden ist sie nur geeignet, das ganze bischen Ansehen, welches diese Blätter bis jetzt genossen, zu beseitigen. Eine Ausnahme bildet das„Dresdener Journal", Regierungsblatt, welches sich anständig verhält, die Reichstagsberichte, wenn auch verkürzt, aber uicht entstellt bringt und überhaupt objektiv urtheilt. Die Behörden verhalten sich uns gegenüber so, daß jede unnöthige Reibung vermieden wird, sie scheinen zu begreifen, daß durch Schikaniren nur die Sozialdemokratie gewinnt. Wir durften ungehindert den 18. März feiern, allerdings im Beisein eines höheren Polizeibeamten nebst Stenographen, aber doch sonst ohne Störung. Genosse Kayser entledigte sich seiner Aufgabe in bester Weise; das ungemein zahlreich versammelte Publikum nahm begeistert seine Worte auf und ein zuversichtlicher Geist beherrschte das Fest. Ich breche für heute ab, um ein andermal über manches, was ich noch auf dem Herzen habe, zu berichten. Magdeburg, 8. April. In Nr. 40 deS„Vorwärts" habe ich über das Fiasko berichtet, welches Herr Bujarsky am 24. v. M. in einer Versammlung am hiesigen Orte erlitten hat; ich hatte auch nicht zu erwähnen vergessen, daß Herr Buia�ky über- Haupt die Persönlichkeit nicht sei, die auch nur eimge Beachtung verdiente. Da ich aber weiß, daß Herr Buiarskn eitel und „frech wie Oskar" ist, so liegt die Vermuthung nahe, daß er mein über ihn gefälltes Urtheil auf die polityche Gegnerschaft zurückführen und als parteiisch und ungerecht betrachten kann. Es freut mich daher, heut einen Z-ugen ins Gefecht führen zu können, der. obgleich entschiedener Gegner der ivozialdemokratie, vollinhaltlich das und noch mehr als das bestätigt, was ich über Herrn Bujarsky gesagt habe. Dieser Zeuge ist die„Altagdebur- l aer Wocheuschau", ein Blatt, das ebenso emsig wie Herr Hirsch und Konsorten nach dem Talisman sucht. der die kapitalistische � Welt vor den„Heimsuchungen des-Sozialismus bewahren soll. Dieses Blatt also läßt sich in seiner Nr. 27(6. April) über das hiesige Auftreten Bujarsky's folgendermaßen aus:„So liegt es auf der Hand, daß man der Bewegung mächtig Vorschub leistet, wenn so gänzlich aller nothwendigen Vorbedingungen baare Per- sönlichkeiten wie Herr Bujarsky, der hier am 24. v. M. eine Versammlung abhielt, von Berlin aus auf Agitationsreiseu ge- schickt werden. Im kleinen Kreise, unter seinen unmittelbaren Tollcgen, mag auch Herr Bujarski zu verwenden sein— als Agitator im großen Stile schadet er der Sache, die er vertritt, indem er ihr, gewiß ohne böse Abficht, den Anstrich des Komi- schcn verleiht. Wenn die Gegenagitation gegen die sozialistische Bewegung nicht mit etwas mehr Geschick und Nachdrua inscenirt wird, gleicht sie zu schwachen und fehlerhaften, einer Hochfluth entgegengesetzten Dämmen: sie stauen besten Falls für einen Augenblick die Gewässer, nur damit diese mit um so größerer Gewalt über so geringfügige Hindernisse hinweqfluihen". Herr Bujarsky wird nun hoffentlich einsehen, daß ich ihm kein Un- recht gethan, sondern mit meiner Personalbeschreibung gleichsam den Nagel auf den Kopf getroffen habe. Verrichten Sie also in Zukunft nützliche Bureauarbeit, Herr Bujarsky, und geben Sie den Gedanken auf, die Sozialdemokratie bekämpfen zu kön- nen, denn schon ganz andre Leute wie Sie haben nicht nur eingesehen, daß gegen die Logik, welche im Sozialismus liegt, gar nicht anzukämpfen ist, fie stnd aus Feinden sogar dessen Freunde geworden. Aaumvurg a. S., 6. April. Bekanntlich haben die Christ- lich-Sozialen den Beschluß gefaßt, mit allen Kräften die Sozial- demokratie zu vernichten und unter der Devise„Bete und ar- beite" das Volk„glücklich" zu machen. Da nun dieses Mittel trotz gegentheiliger Verstcherung bei den aufgeklärten Berliner Arbeitern nicht recht anschlägt, haben es jene Herren anscheinend auf die Provinz abgesehen und diesem Umstände müssen wir es wohl zuschreiben, daß am 28. März der„Hauptagitator" Stöcker hier anwesend war. Aber nicht öffentlich vor versammeltem Volke gab dieser Herr seine Weisheit zum Besten,— nein, durch den„Gustav-AdolfS-Verein" wurde eine Versammlung anbe- räumt, in welcher Söcker über die„christlich- soziale Bewegung in Berlin" sprach. Damit nun aber von Seiten der Arbeiter ja nicht opponirt werden konnte, hatte man die Versammlung bereits um 5 Uhr Abends ausgeschrieben und obendrein noch den Eintrittspreis auf 1 Mark festgestellt. Unter diesen Ver- Hältnissen mußten wir auf den Besuch verzichten und beschränken wir uns darauf, einen kleinen Auszug aus dem im hiesigen „Kreisblatte" erschienenen Referate zum Besten zu geben. Da- nach führte St. unter Anderem an, daß das Christenthum von seinem Anfange an sich mit der sozialen Frage beschäftigt habe (Beweise?) und sie zu lösen bestrebt sei. In unseren Tagen verkörpere sich du soziale Bewegung in der stetig wachsenden Partei der Sozialdemokraten, die durch die Theilnahmlosigkeit der Besitzenden(Oho! siehe Maßregelungen, Strafen, Verbote u. f. w.!) noch gefördert werde. Ja, die Meisten wüßten gar nicht, jwas die Sozialdemokraten wollen(Sehr richtig!) und trösteten sich damit, das„Theilen" sei ja doch nicht durchführbar. Die Sozialdemokratie wolle aber gar nicht theilen(Sehr richtig!), sondern das gesammte Nationalvermögen in das Eigenthum des Staates(Besser wär's wohl an die Kirche? Nicht wahr Herr St.?) übergehen lassen, der ja schon jetzt Bergwerke, Domänen, Forsten, Gewehr- u. a. Fabriken, Eisenbahnen, Post und Tele- graphen in seinem Besitze habe. Außerdem aber hege die Sozialdemokratie einen glühenden Haß gegen die bestehende Ordnung(Soll wohl heißen Unordnung?), gegen die Monarchie und die Kirche. Dies sucht Redner dadurch zu beweisen, daß er aus sozialistischen Liederbüchern und Zeitungen Stellen ver- liest. Nun sei es ja richtig, daß ein Nothstand vorhanden, denn das Goldfirber der letzten Jahre habe so schlimme wirth- schaftliche Verhältnisse erzeugt, daß in Berlin(Warum nicht auch wo anders?) nicht nur Hunderte, sondern Tausende nicht wissen, wovon fie leben sollen. Das verführe das Volk, sich der Sozialdemokratie in die Arme zu werfen, deren letzte Ziele die Meisten selbst nicht kennten. Die Schuld an dieser Verführung trügen vornehmlich jene Professoren, die die unerwiesenen Dog� men von den Affenmenschen in die„Gartenlaube" und andere Blätter gebracht hätten. Der Jammer mit diesen armen ver- führten Menschen(Wer lacht da?) habe zur Gründung der christ- lich-sozialen Partei geführt. Er schildert nun die bekannten Vorgänge in den bekannten Berliner Versammlungen und sucht natürlich seine bisherigen„Errungenschaften" in das hellste Licht zu stellen. Das Programm seiner Partei sei in der Weise zu Stande gekommen, daß man von den Forderungen der Arbeiter alles gestrichen habe, was wider das Evangelium und die be stehende Staatsordnung sei; alles andere habe man stehen lassen und vor allen Dingen den Geist des Christenthums, die Liebe zu König und Vaterland betont(Daß so ein„Hof"-Prediger etwas mehr„Patriotismus" als Jcder Andere besitzt, ist wohl leicht begreiflich).— Nach einigen Ermahnungen an die An» wesenden, Jcder möge durch sein Wirken in christlicher Liebe und patriotischer Gesinnung die unheilvolle sozialdemokratilche Bewegung mit bekämpfen, schloß der Bortragende.— Uns wun- dert nur die Dreistigkeit, für derartige abgedroschene Redens- arten von jedem Zuhörer 1 Mark zu verlangen, aber fteilich die„frommen" Herren vom Sustav-Adolfs-Berern brauchen Geld! Mannheim, 2. April. Da der Wirth des„Badener Hofes", wo bisher unsere Versammlungen abgehalten wurden, in Folge der letzten Polizeichikanen den Saal nur gegen eine Miethe von 20 Mk. ablassen wollte, wurde die gestrige Versammlung in dem„Gambrlnuskeller" abgehalten. Als Tagesordnung wurde abermals:»Das badische Vereins- und Versammlungsrecht" aufgestellt. In scharfer, klarer Weise wurde vom Referenten das Recht des Staatsbürgers, die Maßnahmen der Behörden kriti firen zu dürfen, hervorgehoben und in weit schärferer Weise so ziemlich dasselbe gesagt, was die Auflösung der Versammlung am 20. Marz M Folge hatte. Es geschehen aber auch heute noch Znchen und Wunder l'�Der Vertreter der Polizeibehörde schren weder für du Beschuldigungen noch für den Tadel, welche den„Hochloblichen zu Theil wurden, keine Ohren zu haben und machte nur elnmal. gleichsam um die Form zu wahren, den Bcr- such, den Referenten, Genossen Oppenheim, wegen angeblicher Verhöhnung der Polizeibehörde, zu unterbrechen, mußte sich aber eine gründliche Belehrung Seitens des Referenten gefallen lassen selbe auch öffentlich aussprach, daß sich die Polizei durch die BersammlungSauflösung— nichts weniger als Lorbeeren erworben hat. Dadurch, daß dasselbe, was am 20. März Anlaß zur Auflösung gab. bei der gestrigen Versammlung unbehindert zum Ausdrucke gebracht werden durfte, hat die Polizei still- schweigend zugegeben, daß damal« weder der Staat. noch die öffentliche Sicherheit oder die Moral gefährdet war und daß die Auslösung daher eine gesetzlich nicht zu rechtfertigende war; sie hat zugestanden, daß ste in ihrem heiligen Eifer zu weit gegan- gen, des Guten zu viel gethan habe. Freilich mag uuferer „Hochlöblichen" dieses indirekte Zugeständniß schwer genug ge- fallen sein, sie konnte aber, wie die Sachen standen, um dasselbe nicht herumkommen. Neugierig find wir auf die Antwort, welche das großh. Ministerium des Innern auf die gegen die Auflösung der oft- erwähnten Versammlung eingereichte Beschwerde ertheilen wird. Wird die Beschwerde als„unbegründet" zurückgewie en und da- durch die Auflösung jener Versammlung fax„begründet" erklärt, so hat sich begreiflicherweise die Polizei durch die Gestattung einer noch schärferen Kritik, als fie damals hätte stattfinden können, einer Gesetzwidrigkeit schuldig gemacht. In einem Falle war die Polizei reip. deren Vertreter, was auf eins hinausläuft, im Unrechte, das steht bombenfest.— Die gestrige Versammlung war sehr gut besucht und folgte mit ungetheiltcr Aufmerksamkeit den Ausführungen des Referenten.— Als zweiter Punkt der Taeesordnung wurde die Tabakfrage behandelt und ecne Reso- lution einstimmig angenommen, welche fich sowohl gegen das Tabakmonopol als auch gegen die Fabriksteuer, sowie gegen jede indirekte Steuer ausspricht und behufs der Verminderung der Steuern eine Einschränkung des Militäretats verlangt. Wir können sowohl mit dem Erfolge der gestrigen, als auch mit der Auflösung am 20. März vollständig zufrieden sein und können constatiren, daß die Polizei in ihrem Uebereiser, selbstverständlich gegen ihren Willen, gerade das Entgegengesetzte von Dem erzielte, was sie erzielen wollte, daß sie durch ihr Vorgehen in einem einzigen Abend für unsere Partei mehr erzielte, als wir durch eine längere Agitation hätten erzielen können. Gewisse Herren sollten sich doch das Sprichwort merken: Blinder Eifer schadet nur! P.... k. Aonn, den 5. April.(Das Unrecht der Confirmation. Es kann fraglich sein, ob die Eltern das Recht haben, dem noch willen- und bewußtlosen Kinde die Taufe aufzuoktroyiren. Mag man aber immerhin den Eltern das Recht lassen, ihre Kinder den Einflüssen der Geistlichkeit zu übergeben, mag man es nicht verwehren, daß die Kinder mit einem Chaos von Dogmen voll- gepfropft werden, die sie glauben sollen— ein selbstständiger Mensch wird fich ja, wenn er in die reiferen Jahre kommt, doch seine eigne Anficht bilden. Aber es fragt sich: Ist es mit der Confirmation ebenso? Sind Eltern und Kirche berechtigt, Kin- der, denen noch jedes selbstständige Urtheil fehlt, durch einen formellen offiziellen Akt zu einem Gelübde zu bringen? Es ist das eine Vergewaltigung und Ueberrumpelung, wie sie stärker gar nicht gedacht werden kann. Denn ein Andres ist die Taufe, ein Andres die Confirmation. Es schadet dem Kinde nichts, wenn es in die Kirche von Andern ohne sein Zuthun aufgenom- men ist. Dadurch ist es ja zu nichts verpflichtet. Aber die Confirmation? Nun— ich will nicht Mit dem§ 166 des Straf- gesetzbuchs in Conflikt kommen; deshalb sage ich: die Institution der Constrmation ist unhaltbar; ich glaube sogar völlig im Recht zu sein, wenn ich behaupte: es ist höchste Zeit, daß die Confir- mation, sowie sie heutzutage besteht, nicht abgeschafft, sondern verboten werde. Das Warum dürfte nicht schwer zu erbringen sein. Sehen wir uns nur die Kinder an, die zur Confirmation geführt werden! In welchem geistigen Zustande find sie? Ge- rade die Zeit der Confirmation ist das Ende der infturti» im wahren Sinne des Worts. In diesem Alter hat das Kind noch nichts erlebt, erfahren, erduldet; es hat noch gar kein Urtheil über irgend eine Frage des menschlichen Denkens und Seins. Es ist vollständig von dem abhängig, was Lehrer und Eltern ihm lehren. Nachdem es nun 2 Jahre lang bearbeitet ist, nach dem man es völlig überzeugt oder vielmehr überredet hat, schleppt man es nicht etwa zum Abendmahl— was ja im Grunde nichts schaden würde— sondern man nimmt ihm vor einer großen Volksversammlung das Gelübde ab, lebenslänglich der Kirche und ihren Lehren treu zu bleiben. Nun frage ich: Kennen wir sonst noch einen derartigen Fall, wo einem Kinde ein Eid, ein Ge- lübde abgenommen wird, einem Kinde, das nicht handlungs- und nicht eidesfähig ist? Ja, das ist eine Verirrung, die man in diesem Jahrhundert für unalaublich halten sollte! Mag auch Religion Privatsache sein. Diese Sache trifft nicht die Religion — fie betrifft das öffentliche, gesellschaftliche Interesse, sie betr fft die Sittlichkeit, die wir ja als die Grundlage des Rechts anzu- sehen gelernt haben. Vergegenwärtigen wir uns doch nur die Folgen! Sie sind nicht mehr und nickt weniger als ein allgemeines Verbrechen, das die Roth der Verhältnisse uns aufdringt. Ich werde als Kind mit kindlicher Unerfahrenheit zu dem Gelübde der Confir- mation gebracht. Kaum bin ich dem Conf.-Unterricht entwachsen, so höre ich hier und dort einmal jemanden anders reden als den Herrn Pastor. Ich berufe mich auf meine Confirmandenhefte; der„Jemand" beruft sich auf einen aufgeklärten Schriftsteller. Ich will gar nicht den extremsten setzen;�etwa den alten Theo- logen Bauer, den Lehrer Dav. Friedr. Strauß; ich muß nun, wenn ich gewissenhaft bin. den betr. Schriftsteller nachlesen, um der Sache auf den Grund zu gehen und nun gewahre ich, daß dies oder jenes Dogma, etwa der Wunderglaube, unhaltbar sei. Mein Pastor hat mir gesagt:„Kämpfe den guten Kampf des Klaubens", ich versuche es, die Zweifel niederzukämpfen; aber es geht nicht und geht nicht; fie werden immer mächtiger und gestalten fich zur Gewißheit.— Und bin ich der einzige, dem es so geht? Gewiß nicht. Vielen Tausenden, ja bei weitem der größten Mehrzahl von Menschen ist es so ergangen. Und was will das heißen? Es wird mir schwer, darauf zu antworten; aber ich habe nicht gelernt, die Wahrheit zu verschweigen; es will heißen: Diese Tausende haben im Drange der Nothwendigkeit ihr Ge- lübde gebrochen. Ja, darin liegt ein Gewissenszwang, wie er entsetzlicher nicht gedacht werden kann. Und die Kirche, deren Aufgabe es ist, die Menschheit zu versittlichen, zwingt uns, allerdings ohne jede mala MeS) nur durch die Beibehaltung dieser unmöglich gewordenen Institution, zu einem Bruch des Gelübdes, d. i. zu einer schweren UnfiMichkeit. zu einem Ver- brechen. Es ist aber Pflicht Derer, die das Ruder m Händen haben, dieser völlig haltlosen Institution zu steuern, sie geradezu zu verbieten. Ein Student. Briefkaste« der Redaktion: W. L. in Gießen: Aus Ihrer„Frage" ist zu ersehen, daß Sie mit dem Schneider S. in rechtsverbindlicher Beziehung stehen, die Sie am liebsten auf d-m W-ze der Klage lösen möchtin. Mit Ihrer„Frage" nach dem Aufenthaltsort des S. müssen Sie sich daher schon an die Polizei oder an sonst Jemand wenden, da im „Vorwärts" nur Diejenigen zur Erfüllung Ihrer Berbindlichkeiten auf- gesorderl werden, die die Partei oder irgend eine Arbeiterorganisation geschädigt haben.— D. St. in Breslau: Ihr Artikel:„Sozialistische Eonsumvernue" ist dem Central-Wahlcomite m Hamburg zur Begut- achtung übersandt.<„ der Expedition- W. Tnk. Stolzenau: Wenn Sie nicht beides, soweit es in Ihren Kräften steht, vereinen wollen, halte ich das Leßtere für das Einfachere und Bess-re.- Krhl Halberstadt: Haben Ihren Brief an den betr. Parteigenossen sofort gesandt.— Wahioerein Harburg: Sie schulden für Annonce in Nr. 2 vom 6. Januar 1878 noch 80 Plg. Quittung. Dßbch Hanau Ab. ISM Lngr Burghausen Ab. 2.30. Rsksch Freudenthal Ab. 6.62. Stll Schwab.-Hall 26 44 Prß Mcidling Ab. 16,21. Thm hier Ab. 9,10. Mr Kiel Ann. 1,00. Brtl Jankowitz Ab. 6,65. Gglr hier Ab. 6.00, Schr. 0 S0. Wsrlng h.er «b. 1.60. Endr« Augsburg Ab. 100,00. Bzn London Ab. 4,08. Rrg Mauche Ab. 3 00. Gnthr London«b. 16,20. Expedition der „Wahrheit" Breslau Ab. 2113,58. Pfnr hier Ab. 1,80. Hnßnr Mainz Ab. 37,15. Pbst Sl. Johann Ad. 22,65. Mrtn Schmölln Ab. 6.25. Schrnr Lübeck Ab. 8,30. Fchs Fulda Schr. 6,40. Schwrz Reichenberg Schr. 16,60. Schrdt Arad Ab. 5,81. Lgs Hannover Ann. 0.90, Schr. 2,80. Krbmchrbund Hamburg Ann. 3,00. Brtrm h er Ab. 6,70. Sch'sr Ab. 3,75. Flr Schwäb.-Gmünd Ab. 6,00. Ws Christophsgrund Ab. 20,00. Wlthr Kiel Ab. u. Schr. 31,16. Schsr Gernrode Ab. 3,00. Albrtz Eßlingen Ab. 14,00.-? Frnz Jägerndors Ab. 20,00. Wchtr Bludenz Ab. 4,80. Arb.-Bild.-Berein Neunkirchen Ab. 3,33." Hhl Baden Schr. 1,80. Fnbrg Königsberg Schr. 1,60. Ceprs Meiderich Schr. 5,63. Zmmrmnn Hersfeld Schr. 1,00. Ems Mittweida Schr 4,00 Arnds Norden Schr. 1,30. Rth Schiffweiler Schr. 1,15. Arnldt Königsberg Schr. 0,50. Klrx Gießen Schr. 1,70. Fnglr Hettstedt Schr. 2,70. Fnk Linden Schr. 9,00 u. 2,40.«rnld Volkach Schr. 1,90. Pzzlr Frankfurt Schr. 1,20. Logn Compiegnc Schr. 6,00. Pill Gera Schr. 2,90. Thrbch hier Schr. 1,25. Dlisch hier Schr. 0,80. Gmbl Heilbrnnn Schr. 2,75. Grdznsky Königsberg- Schr. 6,20. Tnk Stolzenau Schr. 0,80. Arb.-Verein Bolkmarsdors Bild 8,00. Fonds für Gemaßregelte. I. M. R. Berlin. 1,50. Arb.-Berew Reudnitz d. O. 3,50. Arb.- Verein Volkmarsdorf 40,00. Wlff hier Vers, in Schneeberg 5,00.' Druckfehler-Berichtigung. Im„Vorwärts" Nr. 41, erste Seite, erste Spalte, vierter Absatz,, sechste Zeile anstatt: richtige Prinzipienfrage, soll eS heißen: wichtige Prinzipienfrage; ferner in derselben Nr. erste Spalte und fünfte Zeile von unten, anstatt: resp. der Werth, muß eS heißen: auf den Werth ,c. Unterzeichneter ersucht seinen Sohn W. Ehreufort, Tischler aus Ottensen, dringend um Angabe seines gegenwärtigen Aufenthaltsorts. C. A. Ehreufort in Ottensen, Eulenstraße 34, UI. nassem Sonntag, den 14. April. Morgens 11 Uhr, bei Wirth V�sst-ll. Dahler, Grabenftr.:(80' Versammlung der Abonnenten des„Vorwärts" und der„Rundschau". Es müssen Alle am Platze sein. HaMl>Urg. Sonnabend,?en�13°«"t�Abends 8-/, Uhr i Saion zum Roland: fl Generalversammlung. Tagesordnung: Vorstandswahl. Abrechnung. Der Vorstand. er Wahlvcrei«. iM [70- Sozraldemorratrscher Wahlvcrnu. «miUUWCU Sonnabend, den 13. April, Abends 8'/» Uhr, im Bereinslokal, Mittelstraße Rr. 11: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Vortrag von Kaiser. 90) H- Rudolph. HL. Freitag Abend 8 Uhr: Sitzung deS Vorstandes und der Fest-- kommission. D. O. Sozialdemokratischer Wahlvereill. �arourg. Sonnabend, den 13. April, Abends 8>/z Uhr: 5») Versammlung.(F. 146> T..O.: Wahl eines Bgitations-Comilös und Gründung eines Lokal blattes.— Das Erscheinen jämmtl. Mitglieder ist nothwendig. D. V. Durch die Expedition des„Vorwärts" ist zu bezieben: vle Orientdebatte im deutschen Reichstage(vollständig nach dem omilichen stenographischen Bericht). Kurz beleuchtet von W. Liebknecht. 5 Bogen. 8°. Preis 30 Pfq. Zur orientalischen Frage oder Soll Europa kossakisch werdent Ein Mahnwort an das deuische Volk von W. Liebknecht. Zweite, um 1 Bogen vermehrte Auflage, in der die neuesten Phasen der politischen Lage berücksichtigt sind. 4 Bogen. 8° PreiS 30 Pfg. Religion und Soriallsmus. Eine nachgelassene Schrift aus dem Jahre 1869 von vr. Boruttau. Den deuischen Arbeitern ge- widmet. Zweit« Xuüaae. 4 Bogen. 8°. Preis 40 Pfg.(46)) Die religiöse Fra�e und das arbeitende Yolk. Von Dr.(£. Boruttau. Zweite Auflage, durchgesehen und ergänzt von Bruno Geiser. Preis 25 Pfg. Das deutsche Reich und seine Gesetzgebung. Materialien für die sozialistische Agitation. Von Bruno Geiser. 7 Bogen. 8�. Preis 60 Pfg.[5,10 Durch uns ist zu beziehen: Zukunftsmedizin oder Anleitung sich selbst der beste Arzt zu fem, d. h. Krank- heiten zu verhüten. (Vollständig in 12 Helten(bis jetzt erschienen Heft 1-9). Ladenpreis pr. Heft 1 M., durch uns bezogen 75' fei,, in.(SfüfäUion des„Vorwärts". Färberstraße 12. II. Armer Conrad. Um mit dem Reste desselben zu räumen, ist der Preis auf 20 Pfg. für geheftete,»nd 40 Pfg. für gebundene Exemplare herabgesetzt. Bei Bezug von 10 Expl. und darüber Rabatt. Bestellungen sind zu machen bei der Asiociations-- Buchdruckerei in Berlin 30., Kaifer-Franz-Grenadier- platz Ssl., sowie der Genosseuschafts-Buchdruckerei in Leipzig, Färberstraße 12. Die Expedltton des„Vorwärts." " Durch die Expedition des„Vorwärts" ist zu beziehen: Die Behandlung der politischen Gefangenen in Sayern. Prozeß Franz Rohleders. Zusammengestellt nach stenographischen Berichten von Sigmund Politzer R-d-Iteur de»„Zeitgeist". Preis 20 Pfg.* Der Erttag ist für die Frauen und Kinder Jnhaftitter bestimmt. Durch un« ist zu beziehen:, ?i. Tchernyclieivsky: L'Economie polkique jug4e par In sclence, criüque des principe« d'äconomie politlque de John Stuart Mill. 492 pages. Prix 1,50 M. Die Expedition des„Vorwärts". Verantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipzig. Redaktion und Expedition Färberstroß« 12. ll in Leipzig. Druck und Verlag der Genossenschafttbuchdruckerei in Leipzig.