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(Fortsetzung.) Wie wenig es in Wahrheit Angebot und Nachfrage sind, die den Werth der Waaren bestimmen, könnten die Herren Kapital- weisen sehr llar erkennen, wenn sie etwa auf die Idee kamen, eine Coalitisn aller Käufer zu Stande zu bringen, welche sich vornähme, den Schustern für ihre Stiefel nicht mehr als 1 Thlr. pro Paar zu geben, während der heutige Tauschwerth 5 Thlr. ist und lieber so lange in Schlafschuhen oder barfuß zu gehen. Nach ihrer Theorie müßte nun auch der Werth der Stiefel, da sich über 1 Thlr. keine Nachfrage vorfände, schließlich auf diesen Betrag zurückgehen. Ich fürchte aber, die Herren Gelehrten würden lange barfuß zu laufen haben und könnten sich bei dem Wetter, Gott behüte, gar noch erkälten, bevor sie ihren Willen durchsetzten. Es würden nur als blindwirkendes Durchschnittsgesetz der Regel- gegen gründliche und öffentlich- allgemeine Erziehung immer losigkeit durchsetzen kann." wieder hervor. Unter diesen Umständen sind die wirklichen Lei- Oder wenn er S. 38 meint: j stungen der Schule, besonders aber die Anstrengungen der Pä- „Was nun ferner die Werthgröße betrifft, so werden die�dagogen für ihre große Sache noch immer sehr anerkennens- unabhängig von einander betriebenen, aber, weil Glieder der � Werth. naturwüchsigen Theilung der Arbeit, allseitig von einander ab- hängigen Privatarbeiten dadurch fortwährend auf ihr gesell- schaftlich proportionelles Maß reduzirt, daß sich in den zufälligen und stets schwankenden Austauschverhältnissen ihrer Produkte die zu deren Produktion gesellschaftlich nothwendige Ar- beitszeit als regelndes Naturgesetz gewaltsam durch- Wirkliche Erziehung giebt es in Amerika blos ganz auS- nahmsweise, und im Vergleich zu den aufgewendeten Mitteln nur in einem traurig geringen Maßstabe. Freilich kommt sie unter dem herrschenden Gesellschaftssystem auch in allen anderen Ländern immer rascher in Verfall; aber in Amerika trägt das abspannende Klima, die Einförmigkeit der Landschaft und in setzt, wie etwa das Gesetz der Schwere, wenn einem das Haus Folge dessen die einseitige geschichtliche EntWickelung mächtig dazu über dem Kopf zusammenpurzelt." bei, sie zu Grunde zu richten. Der Vater� gewöhnlich den ganzen Gehen wir nun weiter. Bisher hatten wir es immer nur mit einer Maare zu thun, die, obwohl zu einem höhern oder niedrigem Preis, doch immer verkäuflich war. Wie aber wenn ein Theil der zu Markt vielleicht schließlich die bereits vorhandenen Stiefel, um sie gebrachten Leinwand, sage 100 Ellen, gänzlich unverkäuflich nicht gänzlich zu Grunde gehen zu lassen, weit unter ihrem! blieb? Zerth, für den gebotenen 1 Thlr. verschleudert werden, etwa so wie bei Auktionen die Waaren oft weit unter ihrem Werth weggehen; dann wäre der Spaß aber auch zu Ende. Es würden überhaupt gar keine Stiesel mehr verfertigt werden und unsere Herren Nationalökonomen ständen mit ihrer Weisheit da, wie eine gewisse Gattung belebter Wesen auf cmer Anhöhe. Und warum müßte es so kommen? Einfach weil das Ma- terial, aus welchem der Tauschwerth der Waaren besteht, die Arbeit ist, und sich mit jenem Quantum Arbeit, welches in 1 Thlr. repräsentirt ist, ein Paar Stiefel nicht herstellen läßt, ebenso wie man ohne Baumaterial kein Haus bauen, ohne Mehl kein Brod backen kann. Das hier Gesagte drückt Ricardo in seinem Auffatz:„Oo the intiuence of dernand anp supply on prices" so aus: „It 18 the cost of production which must ultirnately regu- late the price of cornmodities and not, as has been often said, the proportion between the supply and dernand: the Proportion between supply and dernand may, indeed, for a tirne, affect the market value(genauer: market price) of a commodity until!t is supplied in greater or less abundance, accordiug as the demand may have increased or diminished; but this effect will be only of temporary duration." Und diese Betrachtungen bringen uns auf folgendes wichtige Gesetz: Tie Preise weichen wohl, je nach der Lage des Marktes, bald nach oben, bald nach unten, vom Werth der Waaren ab, kehren aber, vermöge des Gesetzes der Concurrenz, immer wieder nach dem Werthe der in der Waare enthaltenen Arbeits- zeit zurück, ungefähr so wie die Magnetnadel, wenn in Unruhe versetzt, wohl hin- und herschwankt, schließlich aber doch immer wieder auf ihren normalen Standpunkt, die Richtung des Nordpols, zurückkehrt. Ist also z. B. mehr Leinwand erzeugt worden, als„der Marktmagen zu absorbiren vermag", um mich eines Ausdrucks des Herrn Marx zu bedienen, so kann der Produzent für seine Leinwand nicht mehr jenes Quantum Gold, d. h. jenen Preis erzielen, welcher dem Werth der Leinwand entspricht,„der Marktpreis fällt unter den Tauschwerth", die Leinwand muß unter ihrem Werthe weggegeben werden. Die Produzenten erhalten also im Preise nicht mehr die verausgabte„gesellschafttich nothwendige Arbeitszeit", noch ge- nauer die verausgabte„Muskel-, Hirn- und Nerv- Substanz", resp. das zu deren Ersatz nöthige Quantum Lebensmittel, wieder- erstattet. Auf diese Weise können sie aber unmöglich auf die Dauer weiterproduziren, wenn sie nicht schließlich all ihre „Muskel-, Hirn- und Nerv-Substanz" zugesetzt haben wollen. Die Produktion wird deshalb, theilweise gezwungen, theilweise, wo man dieses unvermeidliche Ende voraussah, freiwillig ein- gestellt oder doch reduzirt. „ Damit hört aber auch das Ueberangebot von Leinwand all- auf und bald steigt der Preis wieder bis zur vollen Höhe des Tauschwerths— die Magnetnadel steht wieder an der rechten Stelle. Nun ist aber die Einschränkung der Produktion aus Un- .? o* lr �orraths- und Bedarfsverhältnisse zu lange fort- m Aus dem zu viel Leinwand ist allmählig ein UÜLs„Ii9 geworden. Das Austauschverhältniß zwischen Lein- w v verändert sich nun, vermöge der Concurrenz w mC0tnfUmenten unter einander, zu Gunsten der Lein- l-WnL™ F�uzent erhält für seine Leinwand ein größeres als ihr Werth wirklich repräsentirt. Der „Marktpreis steigt über Ken Tnutihtnerth" steigt über den Tauschwerth erhalten also hier im Preise nicht nur die deren � Hirn- und Nerv-Substanz", resp. das zu w m.?w!rÄ8e Quantum Lebensmittel, sondern mehr als das wiedererstattet. Sowie aber das schlechte Geschäft, das die Produzenten im ?■ h/s �ulle machten, den Leuten die Produktion verleidete, so zieht das gute Geschäft, das die Leinwandbefitzer jetzt machen, die Produzenten an. Es w.rd mehr Leinwand erzeugt, damit hört auch der �emwandmangel allmählig auf und der Preis zurück�� �Unt � Magnetnadel zum Nordpol Das drückt auch Herr Marx aus, wenn er im Verfolg der bereits oben citirten stelle S. 61 seines �Kapital" sagt- „Die Möglichkeit quantitativer Jncongruenz zwischen Preis und Werthgröße, oder der Abweichung des Preises von der Werthgröße, ist also in der Preisform selbst gegeben. Es ist dies kein Mangel dieser Form, sondern macht sie umgekehrt zur adäquaten Form einer Produktionsweise, worin sich die Regel Nun, dann haben wir es in diesen 100 Ellen überhaupt mit keinem Tauschwerth zu thun. Denn selbstredend müssen sich die Produkte„als Gebrauchswerthe bewähren, bevor sie sich als Werthe realifire» können"(„Kapital", S. 46). Damit etwas Tauschwerth sei, muß es natürlich überhaupt erst austauschbar sein. Erst wenn das Produkt in den Cirkulationsprozeß eingeht, erst dann tritt sein Tauschwerth in die Erscheinung. Jene Lein- weder nun, welche die 100 Ellen herstellten, haben, falls dieselben wirklich und für immer unverkäuflich bleiben, nutz- und zwecklose Arbeit verrichtet, also keine Werthe erzeugt, ein Verlust, den eine wohlorganisirte Gesellschaft natürlich möglichst zu vermeiden verstehen muß. Oester kommt dergleichen bei Erzeugnissen mit naturgemäß kurzlebigem Gebrauchswerth vor, z. B. dem Brod beim Bäcker, das so lange unverkäuflich liegen bleibt, bis es hart und ungenießbar wird, also aufhört Gebrauchswerth zu sein, oder bei unfern Modewaaren, von denen ein Theil, bevor er überhaupt zum„Austausch" gelangt, aus der Mode gekommen ist, also aufgehört hat, Gcbrauchswerth zu sein. ES ist dann sachlich dasselbe, als hätten sie von vornherein ohne Rücksicht auf den gesellschaftlichen Bedarf gearbeitet, als käme etwa ein Schneider auf die verrückte Idee, römische Togas anzufertigen, oder ein Schuster, griechische Sandalen auf Lager zu arbeiten, während wir Röcke, Hosen, Schuhe, Stiefel tragen. Alles keine Gebrauchswerthe und deshalb auch keine Taus chwerthe. Erst wenn es etwa wieder Mode werden sollte, Togas und Sandalen zu tragen, erst dann würden die Produkte unseres Schneiders und unseres Schusters Tauschwerte werden und dann begänne auch sofort wieder das Spiel des Preises um den Werth herum. (Schluß folgt.) Das Erziehungswesen in den Vereinigten Staaten. i. Aus New-Iork. Auf der bevorstehenden Pariser Weltausstellung werden die Vereinigten Staaten mit ihrem Schulwesen wieder glänzend ver- treten sein. Die Modelle ihrer prachtvollen städtischen Schul- Häuser, die zweckmäßigen und schönen Schulgeräthe, die zahllosen Arten Schulbücher besten Drucks und anspruchsvollen Inhaltes, die ausgestellten Schülerarbeiten und Schulverordnungen, Ge- schichten des Schulwesens in einzelnen Staaten tc. werden die Augen der Beschauer blenden. Und wenn man urkundlich nach- gewiesen sieht, daß den Bürgern dieses„freien Landes" die Er- ziehung der Jugend jährlich an 100 Millionen Dollars kostet, so wird der ehrliche Deutsche drüben, dem das Heerwesen noch mehr kostet, etwas neidisch und unzuftieden dreinblicken. Es ist aber nicht Alles Gold, was glänzt, und da die Schat- tenseiten unserer Volkserziehung drüben nicht mit ausgestellt werden, so wollen wir den Besuchern und Berichterstattern der Weltausstellung dieselben im Voraus schildern. Wir beginnen mit den argen Hindernissen unseres Schulwesens, damit man uns nicht für unbillig halte. Ein solches Hinderniß ersten Ranges find die Nachwirkungen der Negersklaverei. Die ganz verarmten Sklavenstaaten konnten natürlich seit dem Frieden nicht für über 4 Millionen Schwarzer die nöthigen Schulhäuser, Geräthe, Bücher, Lehrhilfsmittel und — Lehrer beschaffen. Sie liefern daher zu den nahezu sechs Millionen über 10 Jahre alter Personen in der Union, welche nicht lesen und schreiben können, mehr als die Hälfte, zumal auch die Schulung der ärmeren Weißen dort stets fast Null war. Ferner sind unter den Einwanderern aus dem französischen Ca- nada, aus Irland, Polen, Italien und selbst England und anderen Ländern zahlreiche llngeschulte, welche obendrein auf die Schulung ihrer Kinder wenig oder keinen Werth legen und sie frühzeitig zum Arbeitsvieh machen, anstatt sie in die Volksschule zu senden. Endlich fehlt es in allen neuer- ..„v Staaten...... Tag vom Hause entfernt, hat auf die Erziehung seiner Kinder wenig oder keinen Einfluß, und die Mutter nur in deren junge- ren Jahren, wenn überhaupt. Von kindlicher Hingebung an die Eltern und von freiwilligem, achtungsvollem Gehorsam der Kinder ist um so weniger die Rede, als das� Vorurtheil herrscht, dieselben müßten früh schon sich selbst regieren lernen und des- halb so frei als möglich gelassen werden. Man behandelt sie fast durchweg wie Erwachsene und läßt sie bestimmen, was sie lernen und treiben und werden wollen, und was nicht. Die Eltern, welche als Kinder die Selbstbeherrschung nicht erlernt haben, können eine solche ihren Nachkommen so wenig lehren, daß sie froh sind, wenn diese sie der Mühe der Anleitung über- heben. Dieser Mangel an Selbstbeherrschung bei den Angloameri- kanern und ihren Nachäffern wird am schlagendsten durch die Temperenzlerei bewiesen. Da sie im Genuß geistiger Getränke (und anderer Genüsse) freiwillig einmal nicht Maß halten kön- nen, legen sie in großen Vereinen und feierlichen Versamm- lungen Gelübde völliger Enthaltsamkeit von geistigen Getränken ab, lassen Gebete erschallen, daß Gott ihnen Kraft dazu gebe, tragen Abzeichen, welche die Wachsamkeit der Leute über ihr Gelübde unterstützen sollen, die sie heimlich gar oft brechen, geben Gesetze, welche den Verkauf geistiger Getränke verbieten oder einschränken sollen, lassen durch ihre Weiber förmlichen Krieg gegen die Schankwirthe führen, oder förmliche Gottes- dienste in den Schenken abhalten, u. s. w. u. s. w.— und ver- brauchen trotz alledem mehr Schnaps, als jede gleich zahlreiche Nation— die Weine, Biere, Apfelweine und alkoholischen Arzneien ungerechnet. Solche Kinder in Mannsgröße sind zum Erziehen unfähig. Was kann nun die Schule behufs der Erziehung thun, wenn sie vom Hause gänzlich im Stich gelassen wird?— Nur eines von zwei Dingen. Entweder giebt sie es ganz auf, erziehen zu wollen; sie unterrichtet blos und macht selbst den Unterricht möglichst wenig erziehlich. Oder sie bildet sich ein, erziehen zu müssen und zu können, indem sie die allerschärfste Disziplin (rein militärisch) durchführt und darüber die Geistes- und Wil- lens-Entwickelung unterdrückt. Und letzteres ist das Gewöhn- liche, obwohl es nicht selten vorkommt, daß Schüler ihre Lehrer prügeln, oder beschimpfen, oder vor Gericht wegen Mißhandlung verklagen, oder zu Haus verleumden. Die militärische Zucht in der Schule wird in vielen söge- nannten Erziehungsanstalten der Vereinigten Staaten bis in die lächerlichsten Einzelheiten durchgeführt und lediglich durch Lohn und Strafe erzwungen. Für Alles und Jedes werden gute oder schlechte Marken gegeben, so daß die Buchführung darüber dem Lehrer die meiste Unterrichtszeit wegnimmt, und dadurch wird die Heuchelei, welche ein so tiefgehender Zug am National- charakter ist, erst recht befördert. Man muß über die Güte der Menschennatur immer wieder erstaunen, wenn man ficht, daß es trotzdem hin und wieder treffliche Menschen hier giebt. Sozialpolitische Uebersicht. — Mit dem Briefgeheimniß hapert es wieder ganz ge- waltig, und trotz feierlicher Heiligsprechung durch den General- Postmeister Stephan wollen die Klagen über dessen Verletzung kein Ende nehmen. Heute ist es unser Parteigenosse Otto Kapell in Hamburg, der als Redakteur des„Pionier", Cen- tralorgan für die Gewerkschaften Deutschlands, als Kläger auf- tritt und in dem genannten Blatte mit Thatsachen aufwartet, die selbst dem köhlergläubigstcn Reichsfreunde starke Bedenken gegen die Unverletzlichkeit des Briefaebeimnisses einflößen müssen. Kapell läßt sich also vernehmen:„Die Briese sind in den Händen der Postbeamten so sicher, wie die Bibel auf dem Altar", so sprach einst der General- Postdirektor Herr Stephan. Unter- zeichnete? kann dem gegenüber anführen, daß allein im Monat März d. I. beschwerte Briefe aus den Städten Breslau, Lauen- bürg, Würzburg, einfache Briefe und Correspondenzkarten aus den Städten Kiel, Mannheim, Königsberg i. Pr. und Mrnberg, welche mit der genauen Adresse des Unterzeichneten zur Post ge- geben wurden, ihm bis heute nicht eingehändigt wurden. Die beschwerten Briefe enthielten meist Abrechnungen der Kranken- richteten Territorien und Staaten hier und da noch lange kafse der Zimmerer, sowie Kranken- und Aufnahmescheine, und an jeder Gelegenheit, die Kinder, so lange es rechte Zeit wunderte sich der Unterzeichnete bereits, daß diese Orte, welche wäre, in die Schule zu schicken. Es bestehen zwar in mehreren! per Postanweisung die fälligen Beiträge für Februar eingeschickt Staaten ältere Schulzwang- Gesetze, und in vieren oder fünfen hatten, die Elnsendung der Abrechnung so lange verzögerten, sind erst kürzlich deren schärfere erlassen worden; allein hier zu trotzdem doch Geld und Abrechnung zu gleicher Zeit zur Post Lande kann kein Gesetz mehr als ein todter Buchstabe sein, gegeben werden soll. Nachträglich hat sich nun herausgestellt,. welches nicht die stete Unterstützung der Volksmehrheit für sich. daß die Fillalbeamten aus den angeführten Orten Beides zu bat— und diese fehlt besonders dem gesetzlichen Schulzwange, gleicher Zeit zur Post gegeben haben, das Geld kam an, die Der freiwillige Bildungseifer, welcher unserem Volke nachge- Briefe und Correspondenzkarten nicht. Ewer der früheren Brief- rühmt wird, beschränkt sich in der That auf eine Minderheit träger ist entlassen; der mir jetzt d,e Briefe bringende Post- desselben und wird der Mehrheit aufgedrungen, dringt deshalb beamte erzahlte, daß im ganzen Revier über ausgebliebene Briefe auch nur oberflächlich auf sie ein, und es bricht deren Widerwille geklagt würde."— Natürlich wird nun wieder Untersuchung eingeleitet und vielleicht auch ein Ztrafantrag gegen dieses oder jenes sozialistische Blatt, das seinem Unglauben über die Heiligkeit des Briefgeheimnisses ungeschminkte Worte leiht, ge- stellt werden— ob's aber anders, ob's besser werden wird, das wissen die Götter nur und— Stephan. — Einen recht traurigen Beleg für die fortschreitende sittliche Versumpfung der heutigen Gesellschaft bietet eine Ge� richtsverhandlung, die jüngst in Augsburg stattfand und in der ein Ehepaar wegen Kuppelei sich zu verantworten hatte. Beide Angeklagte glaubten sich zur Ausübung des schändlichen Ge- werbes berechtigt, da ihnen— und hierin liegt das gravirende Moment— seitens des Bezirksgerichtsarztes Dr. Fikentscher und des Bürgermeisters Fischer erklärt worden sei:„Wenn sich die Mädchen der polizeilichen Controle unterwerfen, so werde ihnen nichts in den Weg gelegt, da man solche Mädchen brauche." Hier wird also ohne Bedenken durch Gegner des Sozialismus zugestanden, daß die heutige Gesellschaft der Pro- stitution— solcher Mädchen— bedürfe. Und angesichts dieser Thatsache wagt man der Sozialdemokratie noch vorzuwerfen, sie untergrabe die Sittlichkeit und wolle die Ehe aufheben? — Wahlsiege bei vor etlichen Tagen stattgehabten Stadt- verordneten-Ergänzungswahlen sind von unseren Parteigenossen in Netzschkau und Treuen(Sachsen) errungen worden. Die Gegner thun bei solchen Gelegenheiten immer sehr verblüfft; im Grunde genommen sollten sie es aber der Sozialdemokratie Dank wissen, daß dieselbe sich auch an den kleinen Lokalplänke- leien erfolgreich betheiligt, denn sie werden dadurch belehrt, daß es nicht gut ist, die Schlafmütze, ohne welche sie nun einmal nicht existiren können, allzutief über die Ohren zu ziehen. — An die Arbeiterfrauen und Handarbeiterinnen in Budapest(der Hauptstadt Ungarns) wurde vor Kurzem von einem Frauencomitö ein Aufruf gerichtet, in welchem zur Orga- nisation der Ersteren aufgefordert und die Abhaltung einer all- gemeinen Berathung empfohlen wird. Aus dem Ausrufe wollen wir folgende Stellen wiedergeben: „Rütteln wir an unseren Fesseln, erheben wir uns aus dem Staube, in den wir erniedrigt sind! Ermuntern wir unsere Männer und Brüder, daß sie fest einstehen für ihre Rechte! Halten wir sie nicht ab, wenn sie eine Versammlung der Arbeiter besuchen oder ihr Scherflein für den Kampf um ihre Rechte opfern wollen! Ermuntern wir unsere Arbeitsgenossinnen und Schwestern, daß sie fest zusammenstehen für die Bestrebungen der Arbeiterklasse! Fangen auch wir an, die sozial-politischen Blätter der Arbeiterpartei zu lesen; ja. stehen wir den Männern bei im gerechten Kampfe gegen ihre Unterdrücker! Und sollten sie ermüden im Kampfe, so ermuntern wir sie, daß sie den Muth nicht verlieren; ihr Bestreben gilt ja auch für unser Wohl und die bessere Gestaltung unserer Existenz. Es giebt noch viele Ar- bester, und noch mehr Arbeiterinnen, welche den wahren Ernst ihrer Lage noch gar nicht kennen und vielleicht nicht einmal den Muth besitzen, gegen das gemeinsame Elend zu kämpfen— da ist nun die Reihe an Euch, Ihr Frauen, daß Ihr den Männern und den Genossinnen mit �utem Beispiel vorangehet. Und habt Ihr Kinder, so lehret diese schon frühzeitig, ihre Rechte und Pflichten gegenüber der Gesellschaft, d. h. allen Menschen, kennen; lehret sie im Geiste der Freiheit, Gleichheit und Menschenliebe, lehret sie kämpfen gegen Alles, was eines Arbeiters unwürdig ist. Wenn dann das ganze Volk einsieht und erkennen lernt, was ihm fehlt; wenn dann nicht mehr blos Einzelne, sondern Alle die Verbesserung ihrer Lage fordern, so wird und muß es anders und besser werden." Bei der auf den 11. April anberaumten Berathung sollen folgende Gegenstände auf die Tagesordnung gesetzt werden: 1) Besprechung über den Frauenarbeitsmarkt und die Nothlage der Arbeiterinnen im Allgemeinen; 2) über die Vertretung der Interessen der Frauen auf dem ungarländischen Arbeitercongreß (21. und 22. April). Wir können dieses Vorgehen der ungar- ländischen Arbeiterinnen nur loben und wünschen, daß es auch anderwärts Nachahmung finden, daß sich allerorts die Frauen der sozialistischen Bewegung anschließen und entschieden für ihr Recht eintreten möchten. — Von fünfzehn Nachwahlen zur Deputirtenkammer, die am 7. April in Frankreich stattfanden, sind 14 zu Gunsten der„Republikaner" ausgefallen, während über das 15. Mandat durch eine Stichwahl entschieden werden muß. Blanqui, einer der wenigen wirklichen Republikaner, vor denen selbst der Feind achtungsvoll den Hut zieht, befindet sich nicht unter den Ge- wählten. Das ist eine Schmach, welche um so schwerer die Herren Republikaner von der Sorte eines Gambetta trifft, als Blanqui durch eine Wahl aus seiner langjährigen Haft befteit worden wäre. — Die Arbeiter der Schweiz haben an den Bundesrath eine Eingabe gerichtet, in welcher sie, unter Aufzählung einer ganzen Reihe von Verletzungen des Fabrikgesetzes Seitens der Fabrikanten, mehrere Forderungen stellen und deren schleunige Sozial- Conservatives. Mit Gott für König und Vaterland! Wir sollten eigentlich Conservatio-Soziales sagen, da bei den unzähligen Machwerken, die jetzt das Tageslicht erblicken, um in Sozialismus zu machen, das Conservative stets den Kern der Sache das Soziale nur Beiwerk, Verzierung, eine Concession an die Mode ist; denn„Sozialist" zu sein gehört jetzt zum guten Ton. Wir halten es nicht für unnöthtg, die wunderbare Thatsache zu constatiren, daß es in Deutschland eine Unmasse origineller Käuze giebt, welche glauben, rm Sozialismus stecke etwas, worin sie die Ergänzung ihrer eigenen Curiosität wieder- finden. Um nun diesen Käuzen zu zeigen, daß dem nicht so ist, und daß wir auf derarttge Franctireurs scharfe Wacht halten, möge es hingehen, daß der Raum dieses Blattes mit der Be sprechung an sich werthloser Erzeugnisse angefüllt wird. Wir greifen hinein in den Bücherwust und schon durch den-vstel macht sich uns interessant: „Pro Caesare. Sozial-conservative Betrachtungen von Freiherrn V.THiel mann.' Schlägt man dieses Buch auf, so muß man unwillkürlich auf den Gedanken kommen, eine Naturgeschichtsfibel in den Hän- den zu haben, da wir die vollständig neue Thatsache erfahren: „Die organische Welt unseres Planeten theilt sich in drei Hauptklassen, Pflanze, Thier und Mensch, denen mehrere Unterscheidungsmomente innewohnen. Eins derselben be- ruht auf der verschiedenen Art, ihre Gattung zu erhalten und fortzupflanzen." Karlchen Mießnick im freiherrlichen Gewände will aber nicht Naturgeschichte lehren— nein, sein Bestreben geht dahin, in Deutschland den Sozialimperialismus einzuführen, einen Berücksichtigung verlangen, wenn das Favrikgesetz zur Wahrheit werden soll. Die Arbeiter fordern: 1. Es möchte mit Ernen- nung der gesetzlich vorgesehenen Fabrikinspektoren nicht länger mehr gewartet werden. 2. Der Bundesrath möchte ein eidge- nössisches Regulativ für die Genehmigung von Fabrikordnungen erlassen und darin die Grundsätze festsetzen, nach welchen die Kantonsregierungen bei der Genehmigung der ihnen vorgelegten Fabrikreglemente zu verfahren hätten. 3. Den Fabrikarbeitern soll Gelegenheit gegeben werden, sich über die Fabrikreglements gemeinsam zu berathen. Die Eingabe ist vom Centralcomitö des Grütlivereins und vom Bundescomits des schweizerischen Arbeiterbundes unter- zeichnet und werden wir seinerzeit über deren Erfolg berichten. — Zu Gunsten der Achtstundenarbeit fand Sonntag den 17. März in Chicago eine große Demonstration statt, die sich in einem Umzug, an dem mehr als 3000 Personen theil- nahmen, kund gab. An den Umzug reihte sich eine Versamm- lung, in der unter allgemeiner Begeisterung Beschlüsse für gesetz- liche Einführung des achtstündigen Normalarbeitstages gefaßt wurden. Einer der Beschlüsse verlangt, daß ein Gesetz geschaffen werde, welches es für ein Criminalverbrechen erklärt, wenn ein Arbeitgeber seine Angestellten länger als 8 Stunden des Tages in seinen Diensten arbeiten lasse; Eisenbahngesellschaften sollen verpflichtet werden, zwei Abtheilungen von Angestellten zu halten, die sich in der Arbeit ablösen. Die Versammlung sprach sich ferner gegen den Abschluß von Contrakten aus, die eine längere als achtstündige Arbeitszeit bezwecken. Daß die Arbeitgeber sich für derartige Beschlüsse nicht erwärmen werden, ist klar; aber je weniger dies der Fall ist, je mehr sind solche Beschlüsse geeig- net, die Interessen der Arbeiter zum Ausdruck zu bringen. — Warnung vor Auswanderung. Ein Dr. E. Petzold, seit 29 Jahren praktischer Arzt in New-Aork, warnt in den„Bautzener Nachrichten" vor der Betheiligung an söge- nannten Äuswanderungsprojekten, die in der Regel auf Hinter- listung, wenn nicht gar sträfliche Prellung der Auswandernden hinauslaufen. Nachdem nämlich Herr Petzold in Erfahrung ge- bracht hatte, daß sich in und um Zittau etwa 400 Familien vorbereiten, dieses Frühjahr nach Manitoba(Britisch-Amerika) auszuwandern, richtete er an das oben genannte Blatt ein Schreiben, in welchem er sich folgendermaßen über das Aus- Wanderungsvorhaben der 400 Familien ausläßt:„Dies würde ein sehr thörichtes Unternehmrn sein, und zwar 1) Weil die Reise von irgend einem Landungsplatze nahezu 3000 englische Meilen, ä Person etwa einhundert Thaler ohne Zehrung kosten würde. 2) Weil die Bewohner des sehr schwach bevölkerten Landes fast durchgängig Mischlinge oder Indianer sind, die allerdings zur Zeit durch einen außerordentlich befähigten engli- sch-n Offizier in Ordnung gehalten werden, aber durchaus keine passenden Nachbarn sind. 3) Die Winter sind außerordentlich kalt und lang, so daß der Bauer viel Winterfutter einlegen muß. 4) Ueber die Beschaffenheit des Bodens bin ich nicht unterrichtet, aber wenn auch genug offenes und bewaldetes Land von bester Beschaffenheit daselbst umsonst zu haben ist, so ist es doch nichts werth, weil die Fracht nach dem nächsten Markte den Werth der Produkte übersteigen würde und die langen, kalten Winter die Viehzucht, welche in vom Berkaufsplatze entfernten Gegenden mit guter Weide das Einträglichste ist, erschweren. 5) Weil die Ansiedler Geld und Arbeit vergeudet haben würden, sobald sie sich vergeblich wegsehnen würden. Ich bedauere als früherer Landsmann Jeden, ber nach Manitoba gehen würde."— Die Warnung spricht laut genug für sich, als daß ihr noch ein Wort hinzuzufügen wäre. — Am 2. April wurde in Chemnitz der dortige Theater- direktor Haber st roh wegen Bornahme unzüchtiger Handlungen mit Personen unter 14 Jahren zu 5 Jahren Zuchthaus ver- urtheilt. Es ist daS derselbe Haberstroh, der seinerzeit in einem Prozeß, den die Staatsanwaltschaft von Halle gegen den frühe- ren Redakteur des„Volksstaat", Marbach, angestrengt hatte, insofern die Hauptrolle spielte, als gegen ihn der Vorwurf der Bigamie erhoben worden war. Marbach wurde bekanntlich da- mals zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt, und eine eigen- thümliche Verkettung von Umständen wollte es, daß das harte Urthcil rechtskräftig wurde, bevor die Appellation Marbach's, der sich zu jener Zeit im Bezirksgerichtsgefängniß zu Leipzig befand, an die zuständige Appellinstanz gelangte. In Folge dessen zog Marbach es vor, Leipzig und Deutschland zu verlassen; er war eben nicht willens, ein Urtheil an sich vollstrecken zu lassen, gegen das er, ohne sein Verschulden, nicht alle instanz- llchen Rechtsmittel erschöpfen konnte. — Parteigenosse Franz in Zürich gedenkt im Mai nach Amerika auszuwandern. Durch seine Schrift:„Herr Böhmert und die Fälschung der Wissenschaft" hat sich Franz ein bleibendes Andenken bei den deutschen Arbeitern geschaffen und so ungern wir ihn scheiden sehen, so gern werden ihn die amerikanischen Parteigenossen in ihrer Mitte willkommen heißen. deutschen Bonapartismus zu gründen, und obgleich er „den Schmutz desselben mit eigenen Augen gesehen", meint er doch, daß„ähnliche Mittel, wie sie der Bonapartismus an- wendet(mutates rnutandis) in Deutschland anwendbar und noth- wendig sind". Welch affenartiger salto mortale über den bona- partistischen Schmutzhaufen, trotz des Idealismus, dessen Träger ganz besonders der feudale Großgrundbesitzer ist. Ueberhaupt spielt der Idealismus eine sehr bedeutende Rolle; nur schade, wenn man so unklare Begriffe üver diesen und den Materia- lismus hat, schade wenn man Schopenhauer gelesen und nichts oerstanden hat als dessen Jrrthümer. Denn wenn unser Frei- Herr diesen Philosophen begriffen hätte, so müßte er vor Allem seinen Gottesglauben bei Seite gelegt haben; so aber harmo- nifiren die polittschen Unkenntnisse Schopenhauer's vortrefflich mit denen des Verfassers, der u. A. den metaphysischen Begriff des Willens durch einen Zweckbegriff verunreinigt. Der bona- partisttsche Schmutz in's Metaphysische übertragen. Was soll man zu folgendeni Confusionsextract über die consti- tutionelle Regierungsform sagen:„ihr Wesen beruht in dem Bestreben des einzelnen Staatsbürgers, das Wohl des Ganzen zu sichern." Gleichniß: Was ist ein Hase? Antwort: das Bestreben des Menschen, ihn gespickt und gebraten zu essen. Achnliche Allotria könnten wir zu Hunderten aufzählen, wenn der Raum nicht zu kostbar wäre. Wie sich unser Junker in Jacobsdorf mit seinen„ökonomischen Kenntnissen" die Sta- tistik zurecht legt, ist so reizend naiv und charakteristisch dafür, was man dem Volk der Denker zu bieten wagt, daß wir nicht umhin können, es zu registriren. Bei Anführung der englischen Ein- und Ausfuhrstatistik wird nämlich gesagt: „Wir sehen aus diesen Zahlen, daß Englands Einfuhr die Wir erhielten f-lgende Zuschrift: „An die Redaktion des„Vorwärts", Leipzig. Geehrte Redaktion! Der Artikel in Nr. 42 Ihres Blattes veranlaßt mich zu folgender Berichtigung, für deren Aufnahme ich Ihnen dankbar sein würde. Bei manchen Concessionen, die ich meiner Ueber- eugung nach dem wissenschaftlichen Sozialismus machen mußte, aben Sie in mir den Gegner niemals verkannt. Sie haben mich als solchen aber, im Gegensatz zum größten Theil der Ber- liner liberalen Zeitungen, stets anständig behandelt, was mich eben bestimmt, mich mit diesen Zeilen an Sie zu wenden. Ich habe in Folge Einladung und Verabredung mit Be- kannten vor circa vier Wochen der ersten Versammlung beige- wohnt, in der Herr Dr. M. Hirsch die Sozialdemokratie be- kämpfte. Dies geschah in einer meines Erachtens mehr philologisch das Gothaer Programm Ihrer Partei zerpflückenden, als die leiten- den Grundgedanken des Sozialismus auch nur darlegenden, ge- schweige widerlegenden Weise. Diese Versammlung war eigentlich die erste derartige, der ich je hier beigewohnt. Es hatte mich interessirt, die sozialen Fragen so diskutiren zu hören. Bierzehn Tage später wurde eine zweite Versammlung anberaumt, in der die das erste Mal wegen Mangels an Zeit nicht mehr zu Stande gekommene Diskussion über das Programm der christlich-sozialen Partei erfolgen sollte. Ich entschied mich, nach einigem Schwan- ken, in diese Versammlung zu gehen, ohne irgend eine bestimmte Abficht, dort zu sprechen. Ich wollte dagegen sehen, ob Herr Dr. M. Hirsch ,n derselben Weise das Programm der Christlich- Sozialen verarbeiten werde, als vorher dasjenige Ihrer Partei. Die Ökonomischen Punste des ersteren Programms habe ich, wie Sie wissen, wiederholt vertheidigt. Sie entsprechen den Auffassungen, die ich in meinen neueren Schriften dargelegt habe. Das Politische und Spezifisch-Christliche in demProgramm ist mir dagegen fremd, wie ich ebenfalls wiederholt kundge- geben habe. Zu meinem Erstaunen erging sich nun H:rr Dr. Hirsch in einer Reihe von Insinuationen und Verketzerungen von Personen, die ich, ohne ihr politisches und kirchliches Programm zu dem meinen zu machen, persönlich hochachte, und verfiel außerdem in eine ebenso ungeschichtliche als tendenziöse Verunglimpfung der Kirche und der Monarchie. Erst diese Angriffe be- stimmten mich, in Ermangelung eines anderen Vertheid-gers der ökonomischen Seite des christlich-sozialen Programms, selbst an der Debatte Theil zu nehmen. Namentlich war ich indignirt über die oberflächliche und unrichtige geschichtliche Beweisführung des Herrn Dr. Hirsch. Vollständig unvorbereitet aus dem Stegreife sprechend, hielt ich es u. A. für meine Pflicht, zu der mich mein wissen- schaftliches Gewissen drängte, den geschichtlichen That- fachen die Ehre gebend und rein rückblickend Kirche und Monarchie in Schutz zu nehmen, indem ich insbesondere mit den Leistungen der Hohenzollern im Aufbau des preußisch- deutschen Nationalstaats und im Schutz der unteren bürgerlichen und bäuerlichen Klassen gegen den Adel u. s. w. exemplificirte. Herr Dr. Hirsch hatte ebenso unhistorisch alles Verdienst um Hebung der arbeitenden Klassen durch die sogenannte liberale Gesetzgebung(Freizügigkeit u. s. w.) den„liberalen Parteien" vindicirt, was ich gleichfalls rein retrospektiv(rückwärts schauend) widerlegte. Das Referat, das Sie der„Bolkszeitung" entnehmen, ist sonst das beste, da? ich gelesen. Indessen versteht sich von selbst, daß ein solches über einen dreiviertelstündigen Vortrag immer Manches enthält, was sich mit dem Vortrag nicht deckt und manches Wesentliche fortläßt. Hiermithabe ich Ihnen wahr und offen meine Betheiligung an der neulichen Diskussion erklärt. Ich muß daher alle die Hintergedanken, die ich nach Ihrem Artikel gehabt hätte, und die„äußeren Einflüsse", die mich bestimmt haben sollen, auf das Allerentschiedenste abweisen. Gestatten Sie mir namentlich über die„äußeren Ein- flüsse" noch ein Wort. Wer einigermaßen die Personen und Verhältnisse kennt, wird, wie ich es selbst thun mußte, über die von Ihnen aufgestellte Vermuthung lächeln müssen. Aber Fernerstehenden gegenüber bemerke ich: ich gehöre keiner politt- schen oder kirchlichen Parlei an, vertrete einzig und allein meine redliche wissenschaftliche Ueberzeugung und lasse mich auf keinerlei Programme einschränken. Vielleicht der Fehler zu großer Subjektivität, der mir aber einmal anhaftet. Durch die offene Aeußerung meiner wissenschaftlichen Ueberzeugung habe ich nur Anfechtung und Verleumdung mir zugezogen, wie noch jüngst eine Polemik kund that. In meinen Gcsellschasts- und Bekanntenkreisen wird mir diese Ueberzeugung und vollends ihre öffentliche Kundgebung— in Wort und Schrift— in hohem Maße verdacht. Collegen beginnen a la Dühring deshalb gegen mich zu eifern. Irgend welche Beziehungen zu den leitenden Regierungskreisen fehlten und fehlen mir durchaus; insbesondere die von Ihnen angedeuteten. Es ist von meiner Seite niemals auch nur der Versuch gemacht, sie anzuknüpfen und von der anderen Seite muß ich nach Allem nur die entschiedenste Miß- billigung, günstigsten Falles völlige Jznorirung annehmen. Durch meine Stellungnahme gegen die„Kathedersozialisten" habe ich Ausfuhr durchschnittlich um 60 Millionen Pfd. St. überschreitet, daß daher eine jährliche Vermehrung des Reichthums durch Handels- und Jndustriegewinnst um 1'/« Milliarde Mark zu prä- sumiren, und daß ein Theil dieser Vermehrung auf Rechnung der Colonien(Ostindien steuert pro Jahr gegen 6 Millionen Pfd. St.) zu setzen ist." � Die einfache Wahrheit, daß Ein- und Ausfuhrzahlen an sich überhaupt kein Maßstab für eme günstige Bilanz sind, ver- dreht sich zu der Ansicht: ein Land sei um so reicher, je mehr es einführe, wobei nicht bedacht wird, daß das Eingeführte gleich einer contrahirten Schuld anzusehen ist; bei englischen Verhältnissen liegt die Sache insofern günstig, als England durch seine große Creditwürdigkeit ein immenses Kapital zur Verfügung hat, welches wiederum zur billigen und leistungs- fähigen Produktion Anlaß giebt. Wenn Jemand aber sagt, der Reichthum eines Landes vermehrt sich gleich der Differenz der größeren Einfuhr gegen die Ausfuhr, so können wir dazu nichts sagen als: lerne so schnell wie möglich die einfache Buchfüh- rung und das ABT der Volkswirthschaft.— DaS Kapital— diese schreckliche Plage für seinen Besitzer— ist natürlich auch das Objett einer scharffinnigen Untersuchung von Seiten des Freiherrn:. „Was ist Kapital— giebt es Menschen ohne Kapital?" Antwort: Nein. „Kapitalinhaber ist jeder Mensch, Kapital und Arbeitskraft bezeichnen daher prinzipiell keine Gegensätze; vielmehr ist letztere der Zins, den die durch die Eltern in Unterhaltung, Erziehung u. s. w. angehäufte Werthsumme gewährt. Ein Mensch mit Arbeitskraft ist demnach ein wandelndes Kapital." Die Proletarier sind demnach die wandelnden Kapitale, die Bourgeois und Großgrundbesitzer die stehenden— wollen mich persönlich auch in den Kreisen meiner Fachzenoffen Sollends isolirt. Warum wollen Sie mir also nicht wirklich die Unab- hängigkeit von äußeren Einflüssen zutrauen, die ich glaube immer bewährt zu haben und die der Wahrheit gemäß meiner persönlichen und wissenschaftlichen Stellung eigen ist? Ich muß danach, soweit es meine Person betrifft, die„eigenen Wahr- nehmungen", von denen Sie reden, und die„Ihnen von glaub- würdiger Seite gewordenen Mittheilungen und Informationen" als völlig irrthümlich bezeichnen. Meinerseits darf ich vielleicht hinzufügen: ich halte es für einen Fehler vieler politi- scher Parteimänner, daß sie immer überall geheime Jntriguen wittern, wunderbare Zusammenhänge vermuthen und„das Gras wachsen hören",— wo oft die Dinge verzweifelt einfach liegen. Entschuldigen Sie meine Ausführlichkeit. Aber in zwei Worten ließen sich die Andeutungen Ihres Artikels nicht wider- legen. Berlin, 10. April 1878. In ausgezeichneter Hochachtung Prof. Dr. Ad. Wagner. Correspondenze«» London, 6. April. Die Steinhauer von London find nach wöchentlichem schwerem Kampfe vollständig besiegt worden — so berichtet freudig die Bourgeoispresse. Leider sind wir diesmal nicht in der Lage, dies zu dementiren. Ja, die Stein- Hauer sind geschlagen worden, nachdem alle finanziellen Quellen erschöpft waren. Noch vor 5 Wochen waren sie zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, allein der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Es standen noch 700 Mann, größtentheils Familienväter, aus, was eine Unterstützungssumme von 800 Schilling(1600 Mark) nothwendig machte. Durch die verhee- rende Krise, die im Moment den ganzen Arbeitsmarkt heim- sucht, wurde die Steuerkraft der Gewerksgenossen geschwächt. Dazu kommt, daß in allen Bezirken der Bettelsack für näher- liegende Dinge die Runde macht. Die Meister haben ihre Bau- Verträge auf diverse Zeft verlängern lassen, und mit Hilfe der Deutschen— die namentlich in letzter Zeit noch massenhaft auf ihre eigenen Kosten herbeiströmten— und verschiedener Ameri- kaner und Schotten halfen sich die Meister kümmerlich aus. End- lich zum 13. März waren die Geldmittel erschöpft, die General- Versammlung beschloß deshalb, die Arbeit unter den alten Be- dingungen wieder aufzunehmen. Die Herren Arbeitgeber kamen den Strikenden sogar soweit entgegen, 9'/, Pr. pro Stunde zu versprechen. 500 Mann wurden sofort eingestellt. Da, am letzten Samstag, erklärten die Herren Arbeitgeber, von nun ab sollten die Arbeiter pro Tag noch eine halbe Stunde länger arbeiten, selbstverständlich gingen die Arbeiter hierauf nicht so schnell ein, weshalb sie sämmtlich aufs Neue aufs Straßenvflaster geworfen wurden. Es sei hier noch erwähnt, daß 1100 Steinhauer zu den von den Arbeitern geforderten Bedingungen arbeiten, die Niederlage trifft folglich nur einen Bruchtheil. Die arbeitenden Steinhauer bieten alles auf, um ihre ausstehenden Genossen zu unterstützen. F. I. Ehrhardt. Kopenhage«. 30. März. Das Comite, welches aus Anlaß ber Arbeitslosigkeit in jener schon im„Vorwärts" erwähnten Bürgerversammlung niedergesetzt wurde, um der Roth zu steuern, r'5r■�a?e Rechenschaft abgelegt. Darnach hatte der Aus- MUß, da vorige Woche die Verabfolgung von Formularen zu Hufsgesuchen aufhörte, im Ganzen ausliefern lassen ca. 7760 stück. -t�avon sind ca. 1800 verschwunden. Ungefähr 1570 wurden Zurückgegeben, da sie nicht berücksichtigt werden konnten, ca. 4370 dagegen wurde die erbotene Hilfe gewährt, während bei 30 Gesuch- stellern die Entscheidung noch aussteht. Bon den ca. 4370 Ge- suchen mußten 185 dem Unterstützungsverein zugewiesen werden, weil bei ihnen nicht die Rede von Arbeitslosigkeit war, sondern andere bedrängte Verhältnisse in Betracht kamen; ca. 3400 Bitt- steller haben bis zum 18. März Hilfe im Betrage von ungefähr 80,000 Kronen erhalten, und 755 soll noch geholfen werden. Der Vertheilungs-Ausschuß erhielt indessen am 18. März aufs Neue 5000 Kroneu, und sind damit fernere 231 Gesuche erledigt und 5162 Kronen vertheilt. Von den obengenannten 3400 unterstützten Familien und Personen gehörten ca. 1660 dem Handwerkerstande an, 905 waren Arbeitsleute, ca. 700 waren Frauen(darunter ca. 480 Wittwen, ca. 220 Näherinnen und andere Arbeiterinnen), während die übrigen 165 verschiedenen anderen Arbeitskategorien angehörten(Handlungsdiener, Seeleute, Dienstboten ic.). Von den ca. 1660 Handwerkern, darunter ungefähr 60 Kleinmeister, waren: 246 Tischler, 192 Maurer, 185 Schmiede, 171 Schuhmacher, 155 Schneider, 121 Zimmerer, 102 Maler, 53 Sattler und Tapezierer, 52 Eigarrenmacher, 32 Klempner, 27 Drechsler, 23 Bäcker, 21 Weber, 20 Möbelgestellemacher, 18 Bachdrucker, 18 Böttcher, 18 Goldschmiede, 17 Gürtler, 17 Former, 12 Stell- wacher, 11 Handschuhmacher, 10 Steindrucker, während die übrigen ca. 140 29 verschiedenen Fächern angehörten. Die Unterstützungssumme, welche zusammengekommen ist, hat die gehegten Erwartungen übertroffen. Es fragt sich nun, ist damit der Arbeitslosigkeit abgeholfen worden und die Roth zu Ende? Die Geschäfte gehen von Tag zu Tag flauer und die Fabrikanten benutzen die Gelegenheit, die Löhne herabzusetzen, während die Lebensmittelpreise die gleichen bleiben. Die Klein- meister sowohl wie die Arbeiter klagen über die hohen Miethen, die sie nicht mehr erschwingen können und ziehen deshalb bei Nacht und Nebel aus, und der Hauswirth läßt sie ruhig ziehen, um im günstigen Falle Zahlungsfähige aufnehmen zu können, da von Auspfändungen keine Rede sein kann. Dagegen aber ist amtlich constatirt worden, daß in der westlichen Vorstadt bereits Fälle von Hungertyphus vorgekommen sind, was nicht geringen Schrecken erregt hat. Vom Ministerium sind neuerdings die Quarantoinevorschriften im Hafen streng anbefohlen worden für alle Schiffe, die von Kronstadt und St. Petersburg kommen, um der etwaigen Einschleppung des Typhus vorzubeugen, da die Vorbedingungen zu dieser Kranheit hier vorhanden find. Die sozialistische Bewegung macht gegenwärtig keine Fort- schritte � ein kleines Häuflein ist's nur, das treu und fest zur Sache steht, während die groß: Masse gleichgiltig dahinlebt. Und doch ist die Gelegenheit günstig, sie braucht nur benutzt zu werden. Aber es fehlt noch an Allem, um eine planmäßige und nachhaltige Agitation in's Werk zu fetzen. Die Neuorgani- sation, welche unlängst angebahnt wurde, will wider alles Er- warten nicht in Schwung kommen. Die Erwartunzen waren eben zu hoch gespannt und deshalb finden sich so Viele enttäuscht. Selbst unsere Bibliothek, die allen Parteimitgliedern, auch wenn sie dem„Socialdemokratischen Samfund" nicht angehören, zur Benutzung freisteht, erfreut sich keineswegs einer regen Benutzung. — Einem oder dem andern Leser des„Vorwärts", der in frühe- ren Jahren hier gearbeitet hat, ist es vielleicht erfteulich zu hören, baß der deutsche Arbeiter-Bildungsverrin„Concordia" im Oktober d. I. sein 25. Stiftungsfest feiert. Jörgen Gaardmand. Kamvurg, 8. April. Infolge der Arbeitslosigkeit, auch unter den Seeleuten, wurden die Matrosen heuer von einer Anzahl Rheder monatlich um 6—10 Mark herabgesetzt. Nachdem man unter den Matrosen übereingekommen war, unter diesen Be- dingungen keine Schiffsdienste zu leisten, und nachdem es schon zwischen denselben und einigen billiger arbeitenden Seeleuten zu heftigen Scenen auf dem Secmannshause gekommen war, trat ein unerwartetes Ereigniß ein, und gab der ganzen Sache eine andere Wendung. Seitens der englischen Regierung sind näm- lich 4 der größten Auswandererschiffe der Hamburg-Amerika- nischen-Packelfahrt-Aktien Gesellschaft für ein Jahr als Trans- portschiffe zum Truppentransport gemiethet worden. Zur Be- dienung dieser, sowie anderer Transportschiffe sind hier 600 Matrosen angeworben worden. Gestern, Sonntag. Nachmittag 4 Uhr stachen sie in See, voran die„Cimbria", auf welcher sich die angeworbenen Matrosen befanden. Ein vielmaliges brausen- des Hurrah ertönte seitens derselben, als sie abfuhren. Dies war die Antwort auf die Lohnreduktion der Hamburger Rheder. Wie wir hören, hat man sich nach Berlin gewandt, um ein Ver- bot gegen das Eintreten deutscher Matrosen in englische Dienste zu erbitten. Schleswig, 9. April. Seit längerer Zeit konnte die Agi- tation hier in Schleswig nicht nach Wunsch betrieben werden, weil wir mit den verschiedensten Hindernissen zu kämpfen hatten. Sollten z. B. Volksversammlungen abgehalten werden, so wurde den Wirthen, die ihre Lokale zu diesem Zwecke zur Ver- fügung stellen wollten, von der Polizei abgerathen und ihnen allerhand Unannehmlichkeiten in Aussicht gestellt, was zur Folge hatte, daß wir keine Lokale erhalten konnten. Einige Parteige- nassen beschwerten sich wegen dieser Polizei- Scheerereien bei der Regierung zu Schleswig und erhielten den Bescheid, daß der Abhaltung von Versammlungen kein Hinderniß in den Weg ge- stellt werden dürfe. Ob die Polizei eine„Nase" bekam, wissen wir nicht, ist uns auch gleichgültig. In Folge dieses Bescheides wurden in letzterer Zeit mehrere Versammlungen abgehalten und sowohl auf politischem, als auch auf gewerkschaftlichem Ge- biete eine rege Agitation entwickelt. Die erste Versammlung, in welcher Genosse Börard aus Kiel referirte, wurde hier am 16. März abgehalten und war sehr gut besucht. Die zweite, ebenfalls gut besuchte Versammlung wurde am 24. März abge- halten und hatte Genosse Schneidt aus Kiel das Referat über- nommen. Ferner wurde am 31. März eine Versammlung in Berendhaide abgehalten. Das sind die im letzten Monat auf politischem Gebiet gemachten Errungenschaften. Aber auch in gewerkschaftlicher Beziehung haben wir einen Fortschritt zu ver- zeichnen. Seit etwa sechs Wochen besteht hier eine Mitglied- ichaft der Metallarbeitergewerkschaft, welche stets mehr Mitglie- der heranzieht und stark zu werden verspricht. Wenn wir un- verdrossen weiter arbeiten, wird die künftige Reichstagswahl für unsere Sache viel günstiger ausfallen als die vergangene. Aertin, 10. April. Die Fortschrittspartei hat es wieder einmal für gut befunden, zu den vielen Blamagen, die sie bereits erlebt, eine neue hinzuzufügen. Mit der hochtrabenden Tages- ordnung:„Diskussion über das Wesen und die Ziele der sozial- demokratischen Arbeiterpartei" wurde Montag den 8. d. M. eine Versammlung einberufen, welche einen für die Fortschrittler sehr kläglichen, für uns aber sehr erheiternden Verlauf nahm. Da die Redner die auf der Tagesordnung stehende Sache nicht zu Sie, Herr Freiherr, nicht einmal ein bischen wandelndes Ka- Zrital vorstellen und andere Leute in Jacobsdors ausruhen lassen? Ein Mensch mit Arbeitskraft ist ein Kapitalist, folglich: Ein Mensch ohne Arbeitskraft kein Kapitalist, folglich: folgllch- �"llernde Weber des Voigtlandes ein Kapitalist, nichtige Rothschild kein Kapitalist, cjuoä Sn ,„a«T. lWas zu beweisen). n- Arbeitskraft und Kapital keine Gegensätze"(und oL l r"�4' Indern nur in unfern gejellschast- lichen Verhaltiilssen)� ft, kann doch die ungleiche Bertheilung des Kapitals, das Zuviel und Zuwenig, sie zu thatsächlichen Gegensätzen heranwachsen lassen." v- l s _ Aha, also in � ungleichen Vertheilung liegt eS, und doch wollen Sie keine gleiche Bertheilung, denn was syllte dann aus der Aristokratie werden,„ohne die kein Reich auf die Dauer be- stehen kann"? Es wird wirklich schwer, ernst zu bleiben, wenn man von wem„Aristokraten" Folgendes Hort: sn»Nach den Gesetzen der heutigen Wirthschaftslehre müßte Mucent, der, falls er genau zu rechnen verstände, seine Pro- rem- unrentabel erkennte, von ihr abstehen, und sich dem f..sjni?higen Gewerbe widmen.— ist nicht der Fall; dem sin»'deale Gefühle, als Heimathsliebe. Unabhängigkeits- die ort. st� die Routine, die Gewohnheit, und auch geradl T-geti" igung vor kaufmännischer rückhaltloser Berechnung ent bekämpfen im Stande waren, sprudelten sie Gift und Galle auf die Vertreter derselben. Ein Herr Arons eröffnete den Reigen und schimpfte aus Leibeskräften auf die bösen Sozialdemokraten' auf ihre Presse; auf ihr verwegenes Borgehen selbst gegen Männer, wie z. B. Max Hirsch und Schulze-Delitzsch, die doch als Geisteslaternen vom Leuchtturme der Fortschrittspartei leuchten; auf ihre unpraktischen, unpolitischen, maßlesen und unausführbaren Forderungen u. f. w. Most, der auch eingeladen war, erklärte im Namen unserer Partei, daß, da schon der erste Redner, statt auf die Sache selbst einzugehen, es vorzog, nur auf die Sozialdemokraten zu schimpfen, er und die anwesenden Parteigenossen es unter ihrer Würde halten, sich an der Dis- kussion zu betheiligen. Der große Fortschrittler Max Hirsch hielt eine Pauke, in welcher er dem Borredner(Arons) einen kleinen Tadel zukommen ließ. Darauf kam ein Herr Strobel, welcher für den Ultramontanismus eine Lanze einlegte und die sonderbare Be- hauptung aufstellte, das Volk werde durch die Pfaffen glücklich gemacht. Herr Schulze-Delitzsch bekam einen gut gezielten Hieb, da Redner richtig bemerkte, das Volk werde von den Liberalen und ganz besonders von Schulze-Delitzsch ausgebeutet und ins Unglück gestürzt. Ein Herr Michelsohn sprach gelassen das wahre Wort aus, daß selbst„hochangesehene" Liberale die For- derungen der Sozialdemokraten mit bloßen Schlagwörtern, statt mit guten Gründen bekämpfen. Redner meinte auch, Schulze- Delitzsch habe sich um die kleinen Besitzer viele Verdienste er- worden; die jedes Besitzes entbehrenden Arbeiter seien aber im Recht, wenn sie behaupten, daß ihnen die Schulze'schen Genossen- schaften nicht den geringsten Nutzen gebracht haben. Welcher „Nutzen" den kleinen Besitzern durch die Schulze'schen Wunder- mittel zu Theil wurde, sagte der gute Mann wohlweislich nicht; die vielen verkrachten Hilfs- und Ünterstützungsvereine, die durch- gebrannten Kassirer u. dgl. lassen den„Nutzen" in einem eigen- thumlichen Lichte erscheinen. Ein weiteres Zugeständniß des Herrn Michelsohn ging dahin, daß die wirthschaftlichen Prinzipien des Liberalismus nicht im Stande seien, den berechtigten For- derungen des Sozialismus zur Verwirklichung zu verhelfen. Der „Auch-Arbeiter" Bujarsky hielt eine lange Lobesrede zu Gunsten der Fortschrittspartei und schimpfte auf das Flegelhafteste auf die sozialdemokratische Partei, welche dem Arbeiterstande die schlech- testen Dienste leiste. Nach den Ausführungen Bujarsky's, den selbst„liberale" Blätter für„unfähig" erklären, ist einzig und allein die Fortschrittspartei die alleinseligmachende Partei, welche das Wohl des Arbeiters im Auge habe. Der bezahlte Agent scheint die in jüngster Zeit im Reichstage gehaltenen Reden der Herren Fortschreiter gar nicht zu kennen oder absichtlich zu übergehe». Im ersten Falle ist er ein Ignorant, der kein Recht hat, über etwas was er nicht versteht zu reden, im zweiten Falle ist er ein Betrüger, der den Arbeitern absichtlich Sand in die Augen streut. Zum Schlüsse veranstalteten noch der Missionsprediger Wangemann und Max Hirsch ein Redeturnier. Ersterer ver- theidigte seinen„Heiland", Letzterer die„Humanität" und seinen „sittlich guten Kern". Die Herren„Fortschrittler" haben sich gründlich blamirt, denn mit dem gewohnten Schimpfen auf die Sozialdemokraten lockt man heute keinen Hund hinter dem Ofen hervor; dieses Manöver zieht nicht mehr und die Herren müssen es sich gefallen lassen, daß in ihren eigenen Versammlunge» ihre Kirchenlichter, Schulze und Hirsch, von Leuten, die keine Sozial- demokcaten sind, angegriffen werden. Die Versammlung bot ein deutliches Bild der Zerfahrenheit, welche innerhalb der„übe- ralen" Partei, von welcher die Fortschrittsfraktion den Schwanz bildet, herrscht. Und diese zerfahrene, jedes inneren Haltes ent- Kehrende Partei will dem Fortschreiten der Sozialdemokratie hindernd in den Weg treten! Wreskau, 10. April. In ernster Zeit dann und wann auf einmal den Humor walten zu lassen, ist unstreitig eine physikalische Nothwendigkeit, und so erlaube ich mir, den Lesern des„Vor- wärts" auch einmal ein Späßchen aufzutischen. Bei der hiesigen Polizei ging nämlich folgendes Schreiben ein: „Hochwohllöbliches Polizei-Präfidium Breslau. Da die hiesigen Sozialisten großartige Unternehmungen, eine Druckerei zc. ins Leben gerufen haben, da ferner in letzter Zeit sehr viel falsches Geld in Umlauf gekommen ist, so darf mit Sicherheit angenommen werden, daß die Breslauer Sozial- demokraten sich mit der Anfertigung von falschem Geld: be- fassen. Ich habe mich noch nie in meinen Ahnungen getäuscht und ersuche deshalb das hochwohllöbliche Polizei-Präsidium, eine strenge Untersuchung gegen die Sozialisten einzuleiten. Hochachtungsvoll � Das Polizeipräsidium hatte, wie unser hiesiges Parteiorgan meldet, die Güte, den Leiter unsrer Druckerei, Herrn Zimmer, rufen zu lassen, um demselben Einficht in den anonymen Brief zu gestatten. Später wurden auch Reinders, Kräcker und Schlesinger gebeten, von dem Schreiben Einsicht zu nehmen, um dem Verfasser desselben auf die Spur zu kommen. Das Polizeipräsidium nahm die Sache von der komischen Seite, da der Verwaltungsrath der Buchdruckerei darauf verzichtete, den spaßhaften Briefschreiber verfolgen zu lassen. Ich weiß nicht, ob das recht gehandelt war, denn wer weiß, ob der„spaßhafte rentenfähigen Gewerbe widmen, und was sagen Sie ökono- Mischer Großkophta zu Frankreich, England, Italien, Belgien, Amerika? überall ideale Gefühle? Die Tagelöhner(die nach dem Verfasser in Oberschlesien 5 Sgr. pro Tag verdienen) mögen es sich merken, schleunigst ihre idealen Gefühle ablegen und sich dem rentenfähigen Gewerbe, besonders dem Großgrund- besitz widmen. Schulze's von Delitzsch Sparsystem ist reiner Loosens gegen diese einfache und doch umwälzende Reformation der sozialen Mängel; was nützen alle Arbeiten und scharfsinnige Untersuchung der Nationalökonomie gegenüber dieser„metaphy fischen" Auffassung. Jacobsdorf wird ein zweites Lourdes wer- den, wo der Herr Freiherr v. Thielmann an der Quelle der Weisheit den Pilgern Wundertränkchen, Pflaster und Amulette behufs Lösung der sozialen Frage gern ablassen wird. Wohl- gemerkt, die idealen Menschen sind hier nur die armen aber seßhaften Bürger, denen gegenüber sich die Proletarier in einer bevorzugten Stellung befinden, die sie aufgeben sowie sie sich seßhaft machen; d-nn nur dadurch„daß sie ihr Kapital an griftiger und körperlicher Arbeitskraft stets mit sich führen, können sie der günstigen Conjunctur nacheilen." Ach könnten doch die Proletarier auch vor der schlechten Conjunctur davoneilen!! (Schluß folgt.) firfi v10, Qu3 den idealen Gefühlen des deutschen Volkes erklären npL» Aebelstände der Bourgeoiswirthschaft, entsteht die durch "es Rechnen erzeugte Thatsache, daß sich nicht Alledem — Proletarierende. Zu Bergoldsheim wurde vor einigen Tagen ein Handwerksbursche beerdigt, welchen man todt auf der Landstraße gefunden hatte, welcher wahrscheinlich durch Hunqer, Kälte und Nässe umgekommen ist. Der Entseelte war etwa 50 Jahre alt und seine Legitimation bezeichnet ihn als Lohgerbergesellen Ernst Wilhelm Opitz auS Würzen.— Das Grabgeleite bestand aus Handwerksburschen, die gerade im Ort sich befanden und die dem dahingeschiedenen Bruder die letzte Ehre erwiesen.— Hunger, Kälte und Nässe waren Schuld an dem Tode des ManneS, der durch die heutigen von der Bourgeois- wirthschaft verschuldeten Verhältnisse arbeitslos durch die Welt irren mußte. Das ist so ein Stück von jener„gött ichen Weltordnung" gegen welche anzukämpfen immer noch als Verbrechen betrachtet wird. — Der Landtagsabgeordnete für Bielefeld, Herr Krei«- richter Windthorst, hat eine große Ovation, Fackelzug, Srärwchentc. und zugleich das Chrenbürgerrecht der Stadt erhalten, weil es seinen Bemühungen gelungen ist, das Landgericht nach Bielefeld zu bringen. - Es hetßt in der Verfassung:„Die Mitglieder des Abgeordneten- Hauses sind Vertreter deS ganzen Bolls."— Der erwähnte Vorgang ist eine treffliche Illustration zu dem Verfassungsparagraphen und zeigt uns Egoismus und Kliquenwesm in seiner traurigen Gestalt. — Arbeiterrisiko. In der Oehlerftchen Fabrik in Offenbach a. M. kam ein Tischler in Ausübung s-mes Berufes um die lmke Hand und war in Folge dieses Unglücks lange Zett zu jeder Arbeit unfähig. Von Seite der Fabrik wurde dem Armen, der Bater von zwei klemen K.ndern ist, keine Unterstützung gewahrt. Jetzt hat man den im Dienste des Kapitals verunglückten Mann einfach entlassen, auf das Straßen- vstafter a-worsen Und dann fabeln Narren und Bolksbetrüger noch von Harmmiie zwischen Kapital und Arbeit! Schöne Harmonie! — Menschenquälerei. Ja Frankfurt a. M. kam in einer Sikuna der Stadtverordneten auch die Fest etznng der AmtSstunden für Standesbeamte zur Sprache. Es wurde beantragt, man möge dieselben von 9 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags unausgesetzt dauern lassen. Diese Einrichtung, 7 stündige Arbeitszeit, wurde von Hrn. vr� Marx als Menschenquälerei bezeichnet. Wir haben gegen diese Auffassung nichts einzuwenden, müssen aber bemerken, daß in den Kreisen, welchen I)r Marx angehörc, es als selbstverständlich betrachtet wird, daß Fabrik- und andere«rbe.ter 12 bis 14 Stunden täglich anstrengend arbeiten und dabei mit einem wahren Hungerlohne sich begnügen sollen. Gegen solche Menschenquälerei sollten die Herren Front machen. Ariefschreiber" nicht zu jenen Menschen gehört, denen eine Schraube im„Oberstübchen" los ist, der also nahe daran ist, gemeingefährlich zu werden. Heute handelt es sich um falsches Geld, das wir Sozialisten fabrizire« sollen, morgen aber vielleicht schon um ein Attentat auf das Leben dieses oder jenes„gekrönten Hauptes". Offen gestanden, wenn ich in die Sache verwickelt ?ewesen wäre, ich hätte auf der Ermittelung des„spaßhaften Zrieffchreibers" bestanden, um ihn in einem Irrenhaus von seinen fixen Ideen kuriren zu laffen. Aber da bin ich ja schon wieder ernsthaft geworden. Also Ernst bei Seite; ein andermal, wenn's wieder so kommt, bleibe ich bis zum Schlüsse spaßhaft. ,£«(1««, 3. April.(Ein Wort über die jetzige Lage der Bergarbeiter.) Wie überall, so wirkt auch auf die Bergarbeiter- läge der stille Geschäftsgang nicht unerheblich ein. Wenn auch die Löhne schon seit längerer Zeit sehr gedrückte zu nennen waren, so machen fich die daraus entstehenden Folgen immer mehr fühlbar. Bon einem Monat zum andern wurden die Ge- dinge resp. der Verdienst heruntergesetzt. Der Grund war allemal der:„die Kohlen gingen nicht ab und wer solche gebrauche, wolle wenig dafür bezahlen." Aber noch nicht genug. Auf mehreren Steinkohlenwerken im hiesigen Revier, wo Kohlen gestürzt werden müssen, dürfen die Arbeiter blos anstatt eine ganze Schicht pro Tag nur dreiviertel Schicht anfahren und dies kommt in der Woche mehrere Mal vor. Auch kommt es vor, daß gleich ganze Schichten gefeiert werden müssen. Wenn nun schon aus der einen Seite durch den niedrigen Verdienst der Arbeiter gedrückt wird, so wird er es auch noch aus der andern, denn wenn er schon arbeiten will, wird er zum Feiern gezwungen und dadurch sein Verdienst noch geringer. Wohin diese traurige Lage noch führt, läßt fich nicht übersehen, wenn nicht bald bessere Zeiten kommen und die Geschäfte lebendig werden. Betrachtet man aber noch den Lebensunterhalt, so muß man sich sagen, daß derselbe nicht billiger wird; das Brod, an das sich der Berg- arbeiter lediglich halten muß, behält denselben Preis, auf die Butter muß er verzichten, da der Verdienst nicht ausreicht. Miethzinsen bleiben sich auch immer gleich, wenigstens niedriger werden dieselben nicht. Rechnet man hierzu noch Steuern und sonstige Abgaben, die auch von einem Jahr zum andern sich steigern, so drängt sich die Frage auf: wie soll da einem Familien- vater zu Muthe werden? Dies wäre so im Allgemeinen die jetzige Lage der Bergarbeiter. Darmstadt. Auch hier sucht man und zwar von Seiten des „deutschen Reformvereins" Propaganda für die Christlich-So- zialen zu machen. So hatte der bekannte Reformer Joh. Ronge m dem Saal„Zur Alten Post" mit dem Thema:„Die christ- lich-soziale Partei in Berlin" einberufen und fanden sich, da Herr Ronge wenig Anziehungskraft zu- befitzen scheint, nur etwa 15�18 Mitglieder des Reformvereins ein. Außer diesen waren nur Sozialisten erschienen. Bei Eröffnung seines Referats führte der Redner aus, es werde ihm von gegnerischer Seite wahr- scheinlich die Frage gestellt werden, wie er dazu komme, für die Christlich-Sozialen zu agitiren, aber er arbeite schon lange da- ran, daß eine Reform, von den gesammten Klassen des Volkes ausgehend, durchgeführt werden müsse, wolle man nicht Kata- strophen entgegen zehn. Aucb sei ein Schreiben von Seiten der Berliner Christlich-Sozialen Partei an den deutschen Reform- verein ergangen, in diesem Sinne zu wirkeu. Der Redner wurde dann st öckerisch. Weiter will ich dem Redner in seinem Refc- rat nicht folgen, es verlohnt sich der Mühe nicht. Nur will ich noch bemerken, daß Herr Ronge sehr gut wußte, daß Sozialisten anwesend waren, denn er trat äußerst behutsam auf.— Die hiesigen Fortschrittler, die lange genug auf ihren Lorbeeren aus- geruht, suchten vor einigen Tagen in unserer Nachbargemeinde Beffungen, die mit Majorität für die Wahl„Most's" eingetreten war, ein wenig zu Propagandiren, erlitten aber dabei eine ge- hörige Schlappe, die sie wohl nicht vergessen werden. Als Resultat der Forlschrittlerthätigkeit können wir das Entstehen einer Mitgliedschaft in Beffungen vermelden, von der wir hoffen, daß sie mannhaft den Gegnern die Stirn bieten wird. Oforzheim, 8. April. Wie weit unsere„liberale" Presse in der moralischen Verkommenheit vorgeschritten ist, zeigt der hier in drei Ausgaben erscheinende und für das„wohlhabende und intelligente Publikum" bestimmte„General-Anzeiger". In der Nummer 8 z. B. findet man neben der frommen Empfehlung von Gebetbüchern für„denkende Christen" Anpreisungen von „Galanten Abenteuern", Gummiartikeln,„natürlich in jeder beliebigen Form und Größe",„Universalheilmitteln" für verschie- dene heilbare und unheilbare menschliche Leiden. Neben„Rom und Berlin, oder Kaplan und Lieutenant" wird empfohlen: „Unentbehrliche Schrift für Frauen zur Belehrung über Kinder- segen in beiderlei Beziehungen, und„Winke" für Braut- und Eheleute, oder das Reich der Liebe und Ehe." Der„Vielseitig- keit" Rechnung tragend, empfiehlt dieses saubere Blatt weiter: „Für 10 Mark ein Hilfsmittel für kinderlose Eheleute" und gegen Einsendung von 1 Mark, für Familienväter, ftanco, ver- schloffen:„Belehrung über zu raschen Kindersegen." Alles WOf o �gehrt! Mein Liebchen, was willst du noch mehr?— Daß diese höchst unsittlichen Annoncen durch ihre un- Verbreitung(das famose Blatt wird an ungefähr 300,000 Abonnenten von circa 130 Zeitungen in Südwest- deutschland als Beilage versandt) von ganz gefährlicher Wirkung auf unser Volksleben fem müssen, ist klar- unklar aber ist es, daß em solches Treiben von„gesellschaftsretterischer Seite" aus unbeachtet und ungestört bleibt, daß die„Entheiligung der Ehe", die„Untergrabung der sittlichen Grundlagen" bei der sozial- demokratilchen Partei gesucht und diese Vergehen nicht da ge- funden werden, wo solche in auffälligster Weise zu Tage treten— bei der herrschenden liberalen Partei. YeuMngen, ll.April.(Zur Tabakssteuer.) Ein Raucher schlägt vor, man solle betreffs der Tabaksbesteuerung Alles beim Alten laffen und nur eine Besteuerung in der Weise einführen, daß Jeder, der raucht, schnupft und Tabak kaut, sich am Anfano des Jahres dazu für das laufende Jahr eine Art Jaadka-te Segen Erlegung von 3 Mark zu lösen hat. Rechnet man in Deutschland 10 Millionen Raucher, so würden dadurch allein die von der Regierung verlangten 30 Millionen zusammengebracht. Um mcht der Steuerunterschlagung verdächtig zu scheinen, muß der Inhaber der Rauchkarte dieselbe sichtbar am Hut oder auch an einer Schnur um den Hals tragen und alle Cigarren- und Tabakverkäufer werden eidlich verpflichtet, ihre Waare an Nie- manden zu verkaufen, der sich nicht durch eine Steuerquittung als rauchberechtigt legitimirt. Damit wäre, nach Meinung des Borschlagenden, auf einmal das große Problem gelöst. Wenngleich wir im Prinzip mit der angeregten Tabakssteuer einverstanden find,*) so liegt doch in der Art der Besteuerung eine krasse Ungerechtigkeit und zwar insofern, daß jeder Raucher, Schnupfer:c. für seine Steuerkarte 3 Mark entrichten soll. Es mußte auf diese Weise derjenige, welcher nur billige Cigarren, Tabake:c. consumirt, unverhältnißmäßig mehr Steuer zahlen, *) Wir nicht, weil jede Skeucrerhöhung nur dem Militärstaat, nicht dem Culturstaat zu Nutze kommt. R. d. P. als derjenige, welcher die Mittel befitzt, hochfeine Cigarren und Tabake zu rauchen, und wäre es daher entschieden gerechter, diese Steuer gemäß der Einkommensteuer des Einzelnen zu be- rechnen, und zwar so, daß die Steuer einen für Alle gleichen Bruchtheil der Einkommensteuer beträgt. Auf diese Weise wäre das Problem gelöst, ohne„das Pfeifchen des armen Mannes" ungebührlich zu besteuern. Der Rauchclub von Reutlingen. Mainz, 4. April. Sonntag den 1. April reiste ich auf Wunsch der Schiersteiner Genossen mit Herrn Weidemann aus Mann- heim nach Schierstein, um dort eine Volksversammlung ab- zuhalten. Als der Einberufer, Genosse Speht aus Schierstein, die Versammlung eröffnete und zur Wahl des Büreaus geschrit- ten wurde, kam dasselbe in die Hände der Gegner. Ich erhielt nun als Referent zur Tagesordnung das Wort. Dieselbe lautete: „Die verschiedenen Parteien und ihre Stellungen zur Arbeiter- frage." Als ich zehn Minuten gesprochen hutte und auf die Stellung der Fortschrittspartei zu sprechen kam, wobei ich be- mertte, daß viele Spar- und andere Vereine nicht bestehen könnten und Bankerott machten, da schnellte der Vorsitzende, Fabrikant Bertina, wie von einer Tarantel gestochen in die Höhe und erklärte, das sei eine schwere Beleidigung, worüber er mich zur Ordnung rufen müsse, und daß, wenn ich die Aeuße- rung nicht zurücknehme, er mir nicht erlaube, weiter zu sprechen. Da ich selbstredend nichts zurücknahm, so durfte ich nicht weiter sprechen.— Nach mir bekam Genosse Weidemann das Wort, der jedoch besser davonkam; denn obgleich er mit der Fort- schrittspartei scharf in's Gericht ging und Alles für wahr er- klärte, was ich gesagt hatte, so ließ man ihn doch aussprechen. — Nach Weidemann ergriff Herr Bertina das Wort, um gegen die Sozialdemokraten zu wettern und gleichzeitig für seine Person eine Lobrede zu halten. Bei ersterem Bestreben förderte der Herr mit jedem neuen Satze eine neue Unwissenheit zu Tage, und bei seiner Selbstlobrede war nur zu deutlich zu merken, daß auch hier das alte deutsche Sprichwort vom Eigenlob gut angewandt sei.— Nach Herrn jBertina bekam ich das Wort wieder, aber die Gegner sahen bald ein, daß es besser sei, sich durch das bekannte Rezept des Herrn Valenttn vor weiteren moralischen Püffen zu schützen.— Daß die Fortschrittler in der „Wiesbadener Zeitung" von einem Siege faseln, den sie errungen hätten, ist eine kindische Unbedachtsamkeit, denn nur zu bald dürfte es sich zeigen, daß die Arbeiter von Schierstein mehr zu uns als zu ihnen hinneigen. Bedauert sei hier nur noch, daß viele Arbeiter auf den Wink ihres Brodherrn fich in Versamm- lungen zu allerlei UnWürdigkeiten gebrauchen lassen. ___ F. Jost. An die Arbeiter und Gewerbtreibeuden, sowie an alle Interessenten sür�die Abschaffung der Zuchthaus-Arbeit. Bereits vor einem Jahre wurde in Berlin von einer VolkSver- sammlung eine Commission gewählt, welche organisatorisch thätig sein und in Deutschland Unterschriften für eine an den Reichstag betreffs Beseitigung der durch die Zuchthausarbeit hervorgerufenen und der In- dustrie so nachtheiligen Concurrenz einzusendende Petition sammeln sollte. Wir hatten auch in diesem Sinne eine allgemeine Aufforderung zur Agitation an sämmtliche Arbeiter und Gewerkschaften ergehen lassen. Die Betheiligung war eine im Allgemeinen befriedigende zu nennen. Noch gegen 80 Ortschaften Deutschlands, in welche wir, durch dor- tige Personen ausgesorder», PeiitionSlisten, Denkschriften u. dgl. sandten, haben dieselben bis jetzt nicht beantwortet resp. zurückerstattel. So weit wir diese Listen zurück erhalten haben, sind dieselben ge- ordnet und das Weitere veranlaßt worden. Wir machen hier noch einmal bekannt, daß alle noch außenstehenden Listen, wenn wir dieselben nicht binnen 14 Tagen haben, zwecklos geworden sind. Der Unterzeichnete ist beauftragt, se-ne Adresse anzugeben und sämmtliche in dieser Angelegenheit einlaufenden Briefe anzunehmen. Im Auftrage für die Commission zur Abschaffung der industriellen Zuchthausarbeit: B. Breul, Berlin, Koppenstraße 35, Hof, 2 Tr. Briefkaste« der Redaltion. Chr. W.. z in Reutlingen. Wir verweisen Sie und alle Genossen, denen die in„liberalen- Blättern breitgetretene Geschichte, die Leipziger Genossenschaftsbuchdruckerei betreffend, noch zu Gesicht kommen sollte, auf d e in Nr. 38 des„Vorwärts"(Rubrik: Sozialpolitische Uebersicht) enthaltene Notiz. Es ist unter unserer Würde, uns mit den verschiedenen Kläffern und Wadenkneipern„libe- raler" Sorte abzugeben. Daß Ihr Kreisblatt erst gegen Mitte April diese„Neuigkeit" seinen Lesern aufzutischen wagt, beweist, daß der- artige Papiere nur von den zusammengeklaubten Abfällen ihr kümmer- liches und elendes Dasein ftisten. Der Expedition. Euler, Temeswar: Sie haben auf Abonne- ment 34 Pfg. gut, für welchen Betrag wir Ihnen 1 Brochüre beilegen. — K. Söhnte, Brüssel: Ihr Gesuch ist für laufendes Quartal geneh- migt, das Porto beträgt 2 M.— Weber, Berlin: Fehlen noch 2 Lie- serungcn, die Sic ü 20 Psg. durch uns erhalten können.— I. Oester- reich, Lugau: Die Adresse M. Kayser's ist Redaktion BolkSzeitung, Dresden, Zahngaffe 15 II. Jhrgang 1876 der Neuen Welt ist zuhaben und kostet brochirt 4,80 M.,»ebd. 7,50 M._ Ein bewährter Parteigenosse aus Nordhausen(Preußisch-Sachsen) wird von einem Liegnitzer Parteigenossen ersucht, seine Adresse an die Redaktion des„Vorwärts" gelangen zu lassen behufs Regelung einer Privatangelegenheit.____ QptVmrt Krankenkasse der Metallarbeiter für Leipzig und Umgegend. Sonnabend Abend: Oenerulrersamwlnnx, Tauchaerstt. 12 bei Hrn. Träger.— Karten sind vorzuzeigen. Nichtanwesende zahlen 25 Pf. Strafe. f50 Qtnttnor Sozialdemokratischer Wahlverein. "VUUWlvI.« Den 1. Ostertag, Nachm. 6 Uhr, bei Oo enbor«: Sttftungsfest. Generalversammlung des Verbandes sächs. Berg- u. Hüttenarbeiter (Eingetragene Genossenschaft) Sonntag, den 2. Jnni 1878, Nachmittags 2 Uhr, im Saale des Gasthofes znm Jägerhaus in Dax»«. Schluß des Saales Punkt 3 Uhr. Tagesordnung: 1. Bericht über den allgemeinen Stand des Ver- bandes. 2. Prüfung des Rechenschaftsberichtes und En'.iastung des Borstandes für abgelegte Rechnung. 3. Abänderung der Statuten. 4. Wahl und Entlastung des Vorstandes und des Controlcommissions- vrtes. 5. Berathung und Beschlußfassung über eingegangene Anträge. Anträge, welche auf die Tagesordnung gebracht werden sollen, müssen nach§ 21 der Statuten bis spätestens den 12. Mai bei den Unterzeichneten eingereicht werden. Mitglieder, welche nicht zur Ge- neralverfammlung kommen, können sich durch Bevollmächtigte vertreten laffen und abstimmen. Die Quittungsbücher gelten als Legitimation. Für den Vorstand: Ebert, d. Z. Vorsitzender.(2,10 Die Controlcommission: Friedrich Schramm, Geschäftsführer(Ober Würschnitz Bit Stollberg). Sozialistisches Central-Wahl-Comiw. Die Sitzungen des Comites finden jeden Dienstag und Freitag Vor mittag statt. Briefe für dasselbe sind zu adressiren an den Sekretär C. Derosfi, Holzdamm Nr. 42 in Hamburg.(w.) Geldsendungen sind zu richten an August Geib, Rödingsmartt 12 in Hamburg. Prachtvoll und solid gearbeitete Einbanddecken (Goldpressung) für die „Neue Welt" Jahrgang 1876 u. 77 sind in Schwarz ä Stück M. 1,20. in Roth M. 1,50 gegen baar oder Nachnahme durch die Buchbinderei von H. Jausen, Leipzrg» UniverfitätSstraße 16 zu beziehen. Colporteure und Filialexpeditionen erhalten bei Partiebezug entsprechenden Rabatt. Porto zu Lasten der Empfänger. t r...,, NB. Bestellungen hierauf werden entgegengenommen und effekwnl > der Expedition drr„Renen Welt", Leipzig, Färberstr. 12. von 36] Lager roher Tabake en gros& en detail Heymann, Nicderstraße 120, Hamburg. [0.90 Quittung. Wahlvcrein Harburg An. 0,50. Rdgr. Halle Ab. u. Schr. 27,60. Bsch. hier Ab. 60,00. Schltz. Hamburg d. G. 10,00. Srbrn. Liege Ab. 4,04. Mllr. Verden Ab. 10,10. Zrgbl, Crimmit- schau Ab. 63,35. Grd. Stötteritz Ab. 8.80. Rtr. Darmstadt Ab. 25,00. Sftt. Elster berg Ab. 4,00. Hrtmnn. Mainz Ab. 6,50. Lhmnn. hier Ab. 15,90. Wahlverein Limmer An. 1,00. Rlk. Kl. Gräditz Ab. 3,90. Schrdr. Hannover Ab. 236,10. Rchlt. Mylau Schr. 6,25. Misch. Zella Ab. 2.00. Elr. Temeswar Ab. 3,34. t Q, Den ff) arteigen offen zur gütigen Beachtung das U-v« ich meine Wohnung von der Spremberger- straße nach dem Lindenplatz 53 verlegt habe, und bitte da« mir! bisher geschenkte Vertrauen auch fernerhin zukommen zu lassen.[1,50 (F. 122)____ Gustav Zesch, Schneidermeister. Am 1. Osterfeiertage findet in den Nörten- «yttJUlVJJtl..(chen Sälen tue(F. 167)[2,40 j Gclmrtstagsseicr Ferd. LassaUe's statt. Karten zum ganzen Fest � äum Eoncert a 30 Pfg. sind in den Versammlungen und bei Rudolph zu haben. Die Festcommisfion. LEgalite. Journal republicain socialiste. (Organe du parti socialiste en France.) Paraissant tous les dimanches ä Lagny(pres Paris) 2, rue du Chariot d'Or. Abonuement: 3 mois: 3 Mark;— 6 mois: 5 Mark;— ub an: 10 Mark.— On s'abonne, soit ä la poste, soit en envoyant>e montant au jonrnal ä Lagny.___ Durch uns ist zu beziehen:, N. Tchernychewsky: L'Econoraie politique jngöe par la science, critiaue des Drincipes d'üconomie politique de John Stuart MilL 4 492 pages. Prix 1,50 M. Die Expedition deS„Vorwärts". Armer Conrad. Um mit dem Reste desselben zu räumen, ist der Preis auf 20 Pfg. für geheftete, und 40 Pfg- für gebundene Exemplare herabgesetzt. Bei Bezug von 10 Expl. und darüber Rabatt. Bestellungen sind zu machen bei der Associations- Buchdruckerei in Berlin 80., Kaiser-Franz-Grenadier-" platz 8a., sowie der Genossenschafts-Buchdruckerei in Leipzig, Färberstraße 12. Die Expedition des„Vorwärts." Durch uns ist zu beziehen: Der Deutsche Bauernkrieg von A. Bebel, fA/tttttnVAOV Den Parteigenossen und Freunden empf.hle ich «VUttUvvrr. mein reichhaltiges Stofflager zu Frühjahrs- u. Sommer-Anzügen. Für reelle Bedienung bürgt(F. 167)[1,20 H. Rudolph, Herrenkleidermacher, Mittelstraße 11. Donnerstag, den 18. April, Abends halb 9 Uhr, bei -VU-PiJlg. Michael, Windmühlenstraße 7: Versammlung der Sozialisten des 12. und 13. sächsischen Wahl- kreises. Tagesordnung: Neuwahl der„Fackel"-Preßcomm!ssion. Karten sind vorzuzeigen.[0,90 mit Berücksichtigung der hauptsächlichsten sozialen Bewegungen Mittelalter« in populärster Weise dargestellt., 1 Der B ersesser hat in dieser Gefängnißarbeit, besonder« für d> Arbeiter, welchen Zeit und Mittel fehlen, umfängliche und theure schichwwerke zu lesen, den großen Bauernkrieg in seinen gesellschaftlich� Ursachen geschildert. Sein Standpunkt ist der sozialistisch. materialistisch� welcher Personen und Anstände, als da» natürliche Produkt der v-r handenen materiellen Existenzbedingungen der Gesellschaft ansieht u« »eurtheilt. Wir glauben mit der weitesten«erbrettung diese« 230 Seite- groß Vctav umfassenden Geschtchtsbuche«, unsrer Sache aus» Beste J dienen und stellm mit Rücksicht hierauf, den Baarpreia per Einz» exemplar aus M. 2.—., in Partien M. 1.75.—(Porto einzusenden.) Leipzig. Ervedition des„Vorwärts". Färberstraße 12. II. Verantwortlicher Redakteur: Hermann H elbig in Reudnitz-L-ipM' Redaktion und Expedition Uerstraße 12. II m Lewz'g. Druck und»erlog der Genossenschaftsbuchdruckerei m Le'.pztg-