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Aufklärung und Ueberzeugung sollen in dfe Volksmassen ge tragen werden, damit dieselben befähigt und bewogen werden, die Leitung ihrer Geschicke in die eigene Hand zu nehmen— so lautet die vornehmlichste Parole der Sozialdemokratie.— Deshalb unterstützen wir auch in der heutigen Gesellschaft schon alle ernsthaften Bildung-bestrebungen, wir find erfreut über die Fortschritte der Wissenschaften, wir loben jedes Gemeinwesen, welches für die Erziehungsanstalten der Jugend Hervorragendes leistet, w.r tadeln die modernen Culturstaaten. daß sieden rohen Militarismus als ein Bildungsinstitut anpreisen und die Volks- schulen wie ein Aschenbrödel behandeln— wir nennen uns des- halb auch mit einem gewissen Stolze die Partei der Aufllärung, der lichtvollen Zukunft. Politische Freiheit und soziale Gleichheit wollen wir erringen und unsere Hauptkämpfer sind eben die Bildung und die Auf- klärung des Volkes. Daß wir diese Bildung und Aufilärung nimmermehr voll und ganz erreichen können während unseres Kampfes, ist uns Wohl bewußt, da zu derselben auch ein gewisser materieller Wohlstand des ganzen Volkes gehört— deshalb behandeln wir auch die politische Freiheit, die soziale Gleichheit und die allgemeine Bildung als etwas Einheitliches, welches zusammen an- gestrebt werden muß und deren einzelne Theile sich gegenseitig stützen»nd fördern. Daß die reaktionären Gewalten in unserem Bestreben nur den Umsturz und in richtigem Instinkte in tu in Niederhalten der allgemeinen Bildung die einzige Schutzmaßrcgel gegen den fortschreitenden Geist der Zeit erblicken, ist uns sehr erklärlich. Wir begreifen deshalb, daß der Militarismus, das heißt die rohe Macht gehegt und gepflegt wird, wir begreifen, daß die Volksschule so traurige Erscheinungen, Lehrermangel, schlechte Besoldung der Lehrer, äußerst primitive Lehrmittel zc 2c. zeigt, wir wundern uns deshalb auch nicht und halten alle lejenigen Menschen entweder für Dummköpfe oder Betrüger, w.lche dem Volke gegenüber erklären, daß es Ausklärung und Freiheit von oen aus alte Traditionen und neue und einseitige Machtverhält- msse aufgebauten Regierungssystemen zu erhoffen habe. e»... u!if. 9at deshalb— und wir verweisen hierbei auf den 8e der Volksschule in Preußen" in Nr. 43 des „Vorwärts— auch nachstehende Notiz, welche durch mehrere pädagogische Blätter läuft und auf die Schulverhältnisse der Provinz Sachsen, die doch mit die Besten im Königreiche Preußen sind, ein eigenthümliches Licht wirft, kein besonderes Erstaunen erregt: „Das Dorf W., Kreis Nordhausen, hat binnen 17 Jahren 14 Lehrer gehabt. Die Stelle hat mit der Staatszulage ein Einkommen von etwa 700 Mark neben Wohnung und Feuerung, so daß ein verheiratheter Lehrer es immer nur kurze Zeit aus- hielt. Meist amtiren Präparanden oder„frühzeitig reif ge- wordene Seminaristen" in W. Der letzte Lehrer ist nur vier Wochen in W. gewesen. Jetzt ist man gewillt, seinen Vorgänger, der sein erstes Examen noch nicht bestanden hat, zurück- zurufen.", Der Ausklärung des Volkes, welche die Sozialdemokratie erstrebt, wird somit das ernste Bestreben entgegengesetzt, das Volk in der Bildung nicht vorwärts kommen zu lassen, jedenfalls damit„die Aufklärungsbäume nicht in den Himmel wachsen".— Aber die Liberalen! Sie wollen doch auch Aufklärung, wird man rufen, sie erklären doch immer, daß die Schulbildung erhöht werden, ja sie sagen, daß durch die Aufllärung des Volkes die Sozialdemokratie bekämpft werden müsse. Nichts als leere Phrasen, nichts als ein Köder, der dem Volke hingeworfen wird. Leere Phrasen deshalb, weil ein Staat, dem gerade die Liberalen fast zwei Drittel aller Stcuergroschen für den Militarismus bewillige!», kein Geld übrig hat für das Erziehungswesen; ein Köder deshalb, weil die Herren Liberalen ebenso gut, wie die Regierung, aus Erfahrung wissen, daß die Sozialdemokratie am Leichtesten und am Tiefsten Wurzel schlägt, wo die Schulbildung und die allgemeine Bildung am Höchsten ist, daß eS also geradezu ein lächerliches Beginnen wäre, die Ansrlärung mit der Aufklärung todtschlagen zu wollen. Was aber die Liberalk n und Fortschrittler mit ihrer Auf- narung bezwecken, ist Folgendes: Sie wissen, daß wenn die w SH.hKt» ki« Wissenschaften in einer oder einigen Klassen .. besonders cultivirt werden, und wenn auch nur B.tw irfln ilnl" diese Klassen dann die anderen leicht Regierung einen gewissen Damm ent- w rt i hrinnWa f, werden auch alle diejenigen An- N-°'»"««' � � b" .... So«st die Beförderung der Bildung und Auf. «arung. wie sie dleL.beral-n und Fortschrittler wünschen, nichts anderes als ein Attentat auf die Freiheit und die Aufllärung. ««den Feinden gegenüber haben wir Stell.ng zu nehmen und dürfen solche Post'on auch mmmermehr preisgeben. Den offenen «erdummungsversuchen und den heuchlerischen Phrasen gegenüber Neu wir immer das Banner hochhalten, auf welchem die ächtenden Worte stehen: ��»Freiheit und Aufklärung des ganzen Volkes." Controverse über die sozialistische Werth- theorie. (Schluß.) Uns*»nützliche, zweckmäßig verausgabte" Arbeit, so versichert 4! krr Marx wiederholt, ist werthbildend; die ziel- und zweck- los, ohne Rücksicht auf den gesellschaftliche» Gcbrauchswerth ver- wandte Arbeit kann bei einer ernsthaften Betrachtung über die Entstehung der Werthe ebenso wenig berücksichtigt werden, wie etwa die„Arbeit" des Kindes, das mit seinen Bausteinen ein Haus aufbaut, um es im nächsten Moment wieder zusammenzu- werfen, oder auch die„Arbeit" der Herren Böhmert, Richter und Compagnie, den Sozialismus mit„geistigen Waffen" zu ver- nichten. Alles kindliches Spiel, aber keine„nützliche, zweckmäßig verausgabte" Arbeit und darum auch nichts werth! Während z. B., wenn die genannten Herren statt dessen lieber die Straßen kehren oder alte Schuhe flicken wollten, ihre Arbeit, weil„nütz- liche, zweckmäßig verausgabte" Arbeit, sofort Werth bekäme! Das in diesen letzten zwei Absätzen Ausgeführte diene zu- gleich als Antwort für jene ganz besonderen Klugsch— wätzer, welche einwenden: Wenn es wirklich die Arbeit wäre, welche den Dingen Werth verleiht, dann müßte ja auch Alles, worauf ein- mal Arbeit verwandt wurde, Werth haben! Ich bin mit meinen Darlegungen über diesen controversen Punkt der sozialistischen Werththeorie zu Ende und hoffe, den Einen oder den Anderen überredet zu haben, daß dieselbe den „wechselnden Gebrauchswerth" der Güter doch nicht so ganz un- berücksichtigt läßt, wie es Herr Prof. Schäffle und seine Mei- nungsgenossen annehmen. Resumiren wir nun zum Schlüsse unsere Betrachtungen: Auf den gegnerischen Einwand, daß nicht nur die Arbeit, sondern auch das Berhältniß von Angebot und Nachfrage den Werth der Waaren bestimme, haben wir zu erwidern: Es ist nicht wahr, daß Angebot und Nachfrage auf den Werth irgendwelchen Einfluß haben,— den Werth rcpräsentirt immer und ewig nur die„gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit". Sie berühren vielmehr ausschließlich den Preis, den sie durch ihr heute beständig schwankendes Berhältniß in's Mitschwanken ver- setzen, ohne aber seinen Schwerpunkt, den Werth, nach dem er immer wieder zurückfällt, jemals verrücken zu können. Daß sich das Grundgesetz der sozialistischen Werththeorie— Bestimmung des Werthes durch die„gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit"— in der heutigen verrückten Produktionsweise nur unter beständigen Hin- und Herzuckungen, das Rechtmäßige, Vernünftige sich nur unter beständigem Kämpfe mit dem Zu- fälligen, Unfinnigen,„nur als blindwirkendes Gesetz der Regel- losigkeit durchsetzen kann", das spricht wohl gegen diese verrückte Produktionsweise, keineswegs aber gegen jenes Gesetz! Was also vermeintlich«in Mangel der wirthschastlichen Prinzipien der sozialistischen Gesellschaft sein sollte, daß fie an- geblich den„wechselnden gesellschaftlichen Bedarf" nicht berück- sichtigen, erweist sich schließlich als ein glänzender Vorzug der letzteren, die vermöge einer guten Produktions-Organisation Be- darf und Produktion stets in Uebereinstimmuna halten und so die Abirrungen des Preises vom Werthe und die damit zu- sammenhängenden Ungerechtigkeiten und Schädigungen besei- tigen wird; und umgekehrt als ein arges Gebrechen der be- stehenden Gesellschaft, bei welcher, eben weil sie den„wechseln- den gesellschaftlichen Bedarf" nicht berücksichtigt, diese Kampf- artigen Zuckungen gar kein Eude nehmen und— siehe unsere formidablen Produktionskrisen— ihren Organismus immer mehr zerrütten. Weil sie lahm und Kant sind, können fie nicht begreifen, wie wir ohne Krücken(ohne besondere„Taxen" für den„wcch- selnden Gebrauchswerth") gehen wollen! Abfertigung. Geehrter Herr Redakteur! Die Einsendung des Herrn Schramm unter obigem Titel „fertige" ich meinerseits mit dem Hinweis auf meinen inzwischen wohl veröffentlichten Artikel IV„ab". Der Leser wird darin finden, was von der prätentiösen Redensart des Herrn Schramm, daß, wenn man seine Exegese verwerfe, die sozialistische Werth- theorie sofort„eitel Unsinn" werde, zu halten ist. Das ist ja das Malheur bei all diesen Herren, daß sie Einen nicht ausreden lassen! Sowie all die Balgereien über die Marpschen Ausführungen nur daher kommen, daß man nicht, so wie es sich schickt, abwartete, bis Herr Marx sein ganzes Werk veröffentlicht hat; ebenso würde auch Herr Schramm, wenn er meinen nächsten Artikel abgewartet hätte, gefunden haben, daß seine„Abfertigung", worin er mir vorwirft, den„wechseln- den gesellschaftlichen Bedarf" gar nicht berücksichtigt zu haben, nichts ist als—„überflüssig verausgabte Arbeitszeit". Ich kenne ein Sprichwort, das auf all diese Herren paßt, als ob es eigens auf sie erfunden wäre. Es kommt darin etwas von einem ungebauten Haus vor. Da ich nicht vorlaut bin und ich nicht gerne leeres Stroh dresche, so gestatte ich mir, über die Ausführungen des Herrn Schramm vorläufig zur Tagesordnung überzugehen. Erst wenn er mich hübsch zu Ende(d. h. auch Artikel IV) gehört hat und dann noch immer findet, daß nur seine Definition die einzig wahre, nur durch diese eine Hineinpassung des„wechselnden gesellschaftlichen Bedarfs" in die sozialistische Werththeorie mög- lich sei, erst dann werde ich seine„Abfertigung" in die Arbeit nehmen. Ich werde ihm dann insbesondere ze'gen, wie überaus naiv seine Annahme war; ich habe gar nicht bemerkt, wie jenes Eitat S. 67, auf welches ich ihn brachte und nach dem er so heiß- hungrig greift, im fernern Wortlaut scheinbar zu seinen Gunsten spricht. Könnte ich ihm mein Concept zeigen, dann würde er sehen, daß ich darin besonders hervorhob, wie es offenbar diese Stelle gewesen sei— es ist nämlich die einzige im ganzen Kapital"— die Herrn Schramm bei seiner wunderbaren De- finition der„gesellschaftlich nothwendigen Arbeftszeit" vorschwebte (ich hatte es errathen!) und w o meines Erachtens sein Jrrthum betreffs dieser Stelle stecke. Um nicht gar zu weitläufig zu werden, habe ich den für Alle, außer Herrn Schramm, schließlich gleichgiltigen Passus dann wieder gestrichen. Diesen und noch manchen andern neuen Schnitzer werde ich ihm dann nachweisen. Für heute aber die Bitte: daß Herr Schramm, wenn er mir nicht von vornherein allen Muth nehmen will, mit ihm zu bis- putiren, seine Unfehlbarkeit bei Muttern zu Hause lasse, die Unfehlbarkeit, mit der er mich so gewaltig zu Boden schmettert, wenn er z. B. ausruft:„Da nun aber Marx, wie aus den citirten Sätzen unzweifelhaft hervorgeht, die Sache that- sächlich so meint, wie ich fie definirt habe— und er kann sie vernünftiger Weise gar nicht anders meinen(!!)— k. 2c.(Leider Gottes will das Herrn Schramm nur Niemand glauben! Es glaubt ihm's Herr Prof. Schäffle nicht, es glaubt ihm's die„Zukunft" nicht ic, 2C.) Man sage mir das Mittel, gegen die Unfehlbarkeit anzu- kämpfen! Ich, Herr Schramm, bin nicht unfehlbar! Ich sehe die Sache so an, daß all diese Dinge eine mehrseitige Beleuch- tung sehr wohl brauchen können, daß sie noch viel zu neu«nd zu wenig fundamentirt sind, als daß sich nicht Alle zusammen da und dort arg täuschen könnten, wie fich denn auch wirklich noch ganz andere Leute, als es Herr Schramm und„Herr IL L." sind, hier schon arg blamirt haben. Ich meinerseits bin denn auch, wie ich es gleich anfangs in einem Brief an Sie, geehrter Herr Redakteur, hervorhob, gerne bereit, dort, wo ich eines Bessern belehrt wurde, es frank und frei einzugestehen. Allerdings muß man sich diese Belehrung nicht gar so leicht machen, wie Herr Schramm in seiner„Ab- fertigung", die aus nichts besteht, als aus dem von mir gelte- serten, von Herrn Schramm mißverstandenen Marx'schen Eitat, garnirt mit einer Unmasse überflüssiger Redensarten. Und das bringt mich auf die zweite Bitte. Ich unterscheide in der politischen Polemik streng zwischen Gegnern bonnv und mlae fidei. Bei Letzteren ist m. E. keinerlei Rückficht am Platze, der gröbste Ton der beste. Bei Ersteren aber vermag ich für das Verlassen gewisser Anstands- und Höflichkeitssormen kein stichhaltiges Motiv abzusehen. Da ich nun Herrn Schramm für einen solchen Gegner bona« fldei ansehe und Herr' Schramm mir wohl gestatten wird, von mir selbst das Gleiche zu denken, und da es sich ferner zwischen uns um rein sachliche Streitfragen handelt, wir persönlich gar nichts gegen einander haben, schon weil wir uns im Leben gar nie gesehen,— so schlage ich Herrn Schramm vor, daß— immer vorausgesetzt, daß er überhaupt noch was gegen mich zu sagen hat— wir die Grenzen jener Formen doch lieber hübsch einhalten. Das schließt ein käftiges Wort da und dort nicht aus. Bischen grob— ja, aber nur nicht z u grob! An dieses„zu" hat Herr Schramm aber recht oft und hart angestreift. Wird er ja schließlich gar so zutrau- lich, daß er mich zu duzen anfängt, was ich meinerseits denn doch dankend ablehnen muß. Und damit empfehle ich mich dem Herrn C. A. Schramm. Genehmigen Sie, Herr Redakteur, die Versicherung der größten Achtung, mit welcher fich zeichnet Ihr ergebenster II. L. Das Erziehungswesen in den Vereinigten Staaten. ii. Es ist eine Thatsache, daß Menschen in demselben Grade oberflächlich und leichtsinnig werden, in welchem das Glück sie begünstigt. Dies gilt von Völkern natürlich ebensosehr als von Einzelnen, und vom angloamerikanischen zumeist, dessen Geschichte eine so glückliche ist, wie sie in solchem Maße nicht verdient war. Dieses Volt ist durch seine günstigen Schicksale verzärtelt und aristokratisch worden; es lernte für sein eignes Verdienst halten, was überwiegend Werk der Umstände war, und wurde eine Nation von Adligen, wenn auch ohne den Schliff eines alten Adels. Man steht es schon von Weitem am Angloameri- kaner, daß er etwas„Besseres" sein will als andere Menschen, man sieht es am leichten, elasttschen Schritt, der stolzen Haltung, der modischen Kleidung; man sieht es auch an der Pflege der Körperschönheit, an der Toilettenkunst, und an den wirklich feinen Zügen der Meisten. Die Folge ist der Abscheu vor aller an- dauernden oder schweren Arbeit, welche denn auch leicht auf Maschinen, Neger und Eingewanderte abgewälzt werden konnte; der Widerwille gegen einen Lebensberuf, da es ja der Zweck des Lebens ist„Geld zu machen", und da man zu diesem Zwecke seine Beschäftigung wechseln mag, bis er endlich erreicht ist; die Abneigung gegen alle Gründlichkeit, da mit ihr schlechterdings kein großes Vermögen erspielt werden kann— die gründlichen Sachkenner miethet man fich lieber. Es giebt natürlich auch gründlich durchgebildete Handwerker, Gelehrte, Künstler und Handelsleute; allein sehr selten, und sie haben wenig Einfluß auf das Erziehungswesen. Der Schein, die glänzende, lockende Außenseite, der sofortige greifbare Nutzen einer Schule, emer Lehre, einer Bildungs weise, das für den Augenblick Bestechende der Leistungen und die Kraft- ersparniß bei denselben, mögen sie sich auch auf die Dauer noch so wenig bewähren, das sind die Kennzeichen angloamerikanischer Erziehung. Es giebt über alle Großstädte hin sogenannte Ge- schästs-Hochschulen, wo man in einem halben Jahre Buchführung und alle kaufmännischen Kenntnisse erlernen kann, und in diesen Anstalten find zusammengenommen mehr Schüler als in allen andern höheren Schulen. Die Folge ist, daß es der Buchhalter, der im Handel Beschäftigten— und der Schwindler weit, weit mehr giebt, als unterkommen können, und daß Buchhalter durchschnittlich billiger zu haben find als gute Handwerker; daß weit mehr Kaufläden auf eine gleich große Volkszahl kommen, als irgendwo anders und durch den Zwischenhandel alle Lebens- bedürfuisse vertheuern; endlich daß Bankrotte so häufig find— meist betrügerische— wie nirgends— wohl neun Zehntel aller kaufmännischen Geschäfte endigen in dieser Weise. Dagegen giebt es kaum noch eine Gelegenheit, ein Handwerk oder ein produk- tives Geschäft gründlich zu lernen. Wer als Privatlehrer sein Glück machen will, muß versprechen und glauben machen, daß er eine fremde Sprache, ein musikalisches Instrument, eine freie Kunst, eine Fachwifienschaft in wenigen Stunden lehren kann; solcher Schwindel hat einen fast unglaublichen Erfolg und lohnt mit raschem Reichwerden. Daneben besteht noch immer in weiter Ausdehnung der Aber- glaube, daß ohne Latein«nd Griechisch keine gelehrte Bildung möglich sei, ganz wie in Europa. Es könnte wunderbar er- scheinen, daß hierzulande über dreihundert Hochschulen bestehen, welche vorgeben zu leisten, was auf deutschen Universitäten ge- leistet wird, mit zusammen ebensoviel Studenten als auf diesen. Aber beiweitem die meisten bestehen blos zu dem Zwecke, um Zeugnisse und Titel ausstellen zu können, mit welchen die Söhne und Töchter der Bourgeoisie sich spreizen können. Auf sehr wenigen dieser Anstalten ist eine Fachausbildung zu erlangen, wie sie in Deutschland gefunden wird, und fast Alle, welche eine solche gründlich erlangen wollen, setzen ihre Studien in Deutsch- land fort. Der Lehrgang auf diesen Anstalten muß kurz und oberflächlich sein, wenn sie Zulauf habm wollen. Es kommt Sliuzu, daß sie— mit ganz wenigen Ausnahmen— nicht öffent- iche Anstalten find, sondern von religiösen Sekten zum Zweck der Propaganda ihrer Kirchen gegründet. Die Lehrer der Wissenschaften müssen also Mucker und Heuchler sein, wenn sie Anstellung finden und behalten wollen, und die Vorsteher sind Geistliche oder deren Werkzeuge. Keine einzige dieser„llniver- fitäten" und Tolleges kann über die Mittel gebieten, welche zur erforderlichen Ausstattung mit Lehrhülfsmitteln gehören(Stern- wartest', anatomische Museen, Kliniken, Laboratorien, Bibliotheken, naturgeschichtliche Sammlungen:c.). Die besieren Lehrhülfs- mittel dieser Art sind weit über das Land verstreut, anstatt an wenigen Mittelpunkten vereinigt zu sein. Die Seminarien(hier Rormalschulen genannt), welche Lehrer für die eigentliche Volksschule bilden, nehmen rasch an Zahl zu, es giebt deren jetzt nahe an 150, und einige von diesen sind in guter Leitung, weil es ein Häuflein wahrer Pädagogen giebt, welche deutsche Muster kennen gelernt haben und nachzuahmen suchen. Der Uebelstand ist hier wieder, daß die Aufnahme Suchenden in großer Mehrzahl eine ganz ungenügende Vor- bildung mitbringen und erst in einer oder zwei Vorbereitungs- klassen besser lesen, schreiben und rechnen lernen müssen, ehe sie die pädagogische Fachbildung erlangen können. Und bei der Ungeduld der Angloamerikaner dauert diesen Schülern die Sache viel zu lange. Wenigstens zwei Drittel von den Schülern gehen lange vor Beendigung des Lehrgangs ab und finden leicht eine Lehrerstelle irgendwo, weil jährlich über 30,000 neue Lehrer ge- braucht, und von den Seminarien zusammen höchstens 3000 als reife Schulamtsbewerber entlassen werden können. Da nämlich die Lehrer, mit Ausnahme der obersten, verhältnißmäßig fast ebenso schlecht als die deutschen besoldet sind, so widmen sich dem Lehrberuf vorzugsweise junge Mädchen(bis zu drei Viertel), well Lehrerinnen sehr als Gattinnen gesucht werden, und zehn der Schule durchschnittlich nach drei Jahren wieder verloren, gerade wenn sie einige Erfahrung und Uebung erlangt haben und mehr Nutzen stiften können. Außerdem werden Leute jedes möglichen Bildungsganges vorübergehend Lehramtsbewerber, wenn sie eben kein anderes Brod finden können, und man kann diese Zugvögel nicht entbehren. Es giebt also keinen Lehrer- stand; es giebt— mit verschwindenden Ausnahmen— keine langjährigen, für den Beruf ausgebildeten, mit ihm verwachsenen, auf Fortbildung des Erziehungsplanes bedachten, für die Ehre und den Vortheil des Berufs wirkenden Lehrer. Die weitere Folge ist, daß es keine sachverständigen Schulvorstände geben kann, sondern fast nur Laien, und zwar aus polittschen Rück- sichten gewählte Oberleiter des Volksschulwesens. Sozialpolitische Uebersicht. — Im deutschen Reichstage fand am vergangenen Dienstag die Debatte über die Abänderungsvorschläge in Bezug Sozial- Conservatives. (Schluß) Die Proletarier, weil sie der günstigen Conjunktur nacheilen können— ein reizendes Bild— find am besten daran und den- noch wird S. 52 wörtlich gesagt: „Unser deutscher Arbeiter endlich, abgelöst von allen sozialen Banden, die ihn an die höheren Klassen vor Zeiten fesselten, bietet das am wenigsten erfreuliche Bild, das ich bei Be- sprechung der Sozialdemokratie näher beleuchten werde." Kommt endlich die böse Sozialdemokratie an die Reihe, in- dem ihr gleich zum Empfang das Prädikat„antihumanistisch" ertheilt wird, wie unserm Gelehrten überhaupt Alles, was nicht feudal ist, gegen die Humanität geht. Es kommt eben darauf an, was man unter Humanität versteht. Sie, werther Freiherr, meinen den idealen Grohjunker, der wie„ein Väter- chen" für seine Knechte sorgt— das ist Ihr und der Aristokratie Idealismus und Humanität. Wir verstehen darunter die Idee der Menschlichkeit und das Streben, diese Welt für alle Menschen zur möglichst besten der Welten zu machen. Den Liberalen gleich thuts der Sozial-conservative im Ber- dächtigen der Sozialisten; der Sozialismus befindet sich nämlich zum Liberalismus in keinem prinzipiellen Gegensatze, weil die Commune Richter, Geistliche und �Äensdarmen erschießen ließ' vor den Thüren der Bank von Frankreich aber Halt machte. Wüßten Sie, Edler von la Mancha, etwas über die Commune, so könnten Sie nicht sagen, diese ließ die Geißeln erschießen, und würden nicht bemerken:„ein tüchtiges Schröpfen(der Bank) war nicht ausgeschlossen." Es war vielleicht der größte Fehler der Commune, daß sie diese Bank sammt ihren 3 Milliarden— nach historischen Beispielen— nicht einfach annettirte und da- durch die Lebensader der Bourgeoisie durchschnitt, sondern mit ihr contrahirte, als wenn es solchen Feinden gegenüber ein Vertrauen gäbe. Ja die Bücherfabrikatton wird jetzt in Deutsch- land mit einer fundamentalen Unwissenheit betrieben und der Clown fitzt über den ernsten Mann der Wissenschaft zu Ge- richt. So wird z. B. das eherne Lohngesetz, wie es Lassalle formulirt hat, folgendermaßen korrumpirt— nein harlekinisirt: „Die jeweilige Volksmenge ist das Resultat des dem Volke inne- wohnenden Idealismus und seiner Produktionskraft." Ja wohl auf das Haftpflichtgesetz statt(die Anträge haben wir ihrem Wortlaute nach schon gebracht). Dr. Max Hirsch langweilte den Reichstag durch allerlei confus- zusammengestelltes Material eine Stunde lang; der Centrumsmann v. Hertling stand ficht- lich unter dem Drucke der neuen Wendung der Dinge, er vergaß seine Oppositionsstellung und seine Arbeiterfreundlichkeit und zeigte ein reaktionäres Geficht. Der„Schlotjunker" und Ab- geordnete Stumm wäre besser stumm geblieben, seine Rede war alter aufgewärmter Kohl und ein Loblied auf die aufopferungs- fähigen Fabrikanten, die sich um das Vaterland verdient machten, weil sie in jetziger schlechten Zeit überhaupt noch Arbeiter be- schäftigten. Ein frischer Hauch ging durch das Haus, als Genosse Kapell den Antrag Hasenclever-Kapell in trefflicher Rede vertheidigte. Gegen den Abgeordneten Hirsch gewandt, erklärte er, daß, wenn Letzterer behaupte, daß die Sozialdemokraten durch den Abschnitt 2 ihrer Vorlage weit über das Ziel hinaus- gingen, so habe er diese Anficht nicht motivirt.„Der K 2 des Haftpflichtgesctzes ist nur ein todter Buchstabe für den Arbeiter. Der Arbeiter soll selbst den Nachweis führen, daß seitens des Arbeitgebers Vorsichtsmaßregeln versäumt find. Ja, wenn Zer tobt ist! Für die Hinterbliebenen aber ist es meistens unmög- lich, die Thatbestände zu ergründen, ebenso für den Arbeiter, der besinnungslos von der Unglücksstelle geschafft wird. Die Beweisführung muß also verschoben werden. Der Abg. Hirsch behauptet ferner, unser Antrag sei falsch und einseitig. Ich gebe dieselbe Beschuldigung zurück. Selbst mit der Laterne findet man aus dem Antrag Hirsch nichts heraus. Es soll Alles dem Reichskanzler überlassen bleiben. Der Mann hat mehr zu thun. Wir haben in unserer Vorlage spezialisirt, was der Abg. Hirsch nur unklar angedeutet hat."— Abg. Lasker„vermittelte" wie gewöhnlich.— In der Satzung am Mittwoch, in welcher die Fortsetzung der Berathuug stattfand, sprachen noch der conser- vattve Abg. Heinrich(Borna), der„Allen zu lieb" sein wollte, und der Antragsteller Hirsch. Genosse Hasenclever, der sich zum Worte gemelvet hatte, wurde durch Schluß der Debatte verhindert, den sozialistischen Antrag weiter zu motiviren. Es folgte nun der Antrag Blos-Most auf Abänderung des Wahlgesetzes, den wir gleichfalls schon mitgetheilt haben. Abg. Blos empfiehlt den Antrag mit Hinweis auf die bei der Wahl des Abg. v. Grävenitz eben zur Sprache gebrachten Uebel- stände. Die gesetzlichen Bestimmungen über die Beschaffenheit der Stimmzettel seien zu vage, als daß durch sie das Wahlge- heimniß in �Wirklichkeit gewährleistet werde. Er halte für am besten, die Stimmzettel in unbeschriebenen Couverts abzugeben. Um aber im Uebngcn den Willen der Wähler bei den Wahlen richtiger und voller zum Ausdruck zu bringen, sei nöthig, die Wahlen am Sonntag stattfinden zu lassen, wo Jeder eher Zeit habe, sein Wahlrecht auszuüben. In den letzten Jahren seien die Wahlen mehrfach auf einen Sonnabend angesetzt worden, als einem Tage, der den Arbeitern am ungelegensten sei. Na- mentlich auf dem Lande, wo die Wahlkreise oft mehrere Meilen umfassen, sei es dem Arbeiter fast gar nicht möglich, zur Wahl zu gehen, besonders wenn der Wahltag ein Sonnabend sei.— Der Abg. Frankenburger(Fortschritt) empfiehlt den Antrag der Wahlprüfungskommission zu überweisen. Der„schwarz-rothe Schlangentödter" Dernburg begreift gar nicht einmal den Sinn des so einfachen Antrages und ist schon deshalb gegen denselben, während der Abg. Völk ihn theilweise empfiehlt.— Abg. Most bemerkt als Mitantragsteller, daß fast alle Parteien schon über die Nothwendigkeit eines solchen Antrages einig seien. Eine Commisfion, wenn sie sonst den guten Willen dazu habe, könne sehr bald conkrete Vorschläge machen. Mache sie wirkliche Ler- besserungen, so seien die Sozialdemokraten die Letzten, die da- gegen stimmen werden. Redner bestreitet die Ausübung eines Terrorismus, wie der Abg. Frankenburgex seiner Partei vorge- morsen. Aber die befitzende Klasse übe einen Terrorismus gegen die von ihnen abhängigen niederen Stände bei den Wahlen aus. Redner weist auf einige Vorkommnisse derart hin, wo die Ar- beitgeber aufgepaßt haben, ob die Arbeiter auch die ihnen ein- gehändigten Zettel an der Urne abgaben. An den Wahltischen säßen die Oberbeamten der Fabriken und die Buchhalter, und übten eine scharfe Controle über die Arbeiter ihrer Fabrik bei der Wahl aus. Viele seien schon wegen bloßen Verbreitens sozialdemokratischer Flugblätter aus ihrer Arbeit entlassen wor- den. Daß die Couverts wieder mehr Ausgaben verursachten, sei ja selbstredend; aber in einem Staate, wo der Moloch„Mi- litarismus" so viele Millionen verschlingt, könne es auf eine Kleinigkeit für Couverts nicht ankommen.— An dem Sonntage habe allerdings die sozialdemokratische Partei das höchste In- Produktionskraft; und ist die Zabl der Ochsen— um bei den Säugethieren zu bleiben— nicht auch das Produtt des den Ochsen innewohnenden Idealismus? Wo wir Hinsehen oder hin- fassen, was wir greifen und fühlen, Alles ist bei Ihnen ideal, d. h. Idee— Dunst— Gehirnnebel. Noch ein Beispiel, wie Sie die Werththeorie über den Haufen, oder richtiger in den Haufen werfen!„Der Werth des Produtts besteht») aus dem Lebensbedürfniß jener bei Erzeugung der Produtte nöthigen Ar- bester; d) dem Unternehmergewinn." Diese Theorie gefiel mir so gut, daß ich sie gleich ins Praktische übertragen wollte; ich brauchte gerade einen neuen Rock, ging zu einem Schneider und, nachdem ich ausgeforscht, wie viel Lebensbedürfnisse ich ihm für einen Rock zu vergüten habe, ent- richtete ich dieselben, schlug den Unternehmergewinn dazu, den ich natürlich in meine eigene Tasche steckte, und— warte heute noch auf meinen Rock, trotzdem ich genau nach Ihrer An- Weisung gehandelt hatte. Ja es ist schlimm, sehr schlimm, wenn man gar nichts von Oekonomie weiß und dennoch„Ideen" hat. Schlagen wir das erste beste gebräuchliche bourgeoiswirth- schaftliche Handbuch auf, Z- I- St. Mill(Prinzipien der politischen Oekonomie, Kap. VI). „Wir sehen, daß dieselben(die Erfordernisse der Produttion) sich auf drei zurückführen lassen: Arbeit, Kapital, Stoffe und die bewegende Kraft, welche die Natur hergiebt," oder W. Roscher(„System der Bolkswirthschast",§ 46): „Zu einer wirthschastlichen Produktion wird in der Regel das Zusammenwirken aller drei Faktoren: Natur, Arbeit und Kapital erfordert u. A. m." Sie sehen, Herr Professor, daß Sst schon über die liberalen Oekonomen stolpern, wie wird es Ihnen gehen, wenn wir mit den sozialistischen auf Sie losrücken, da werden Sie mit Ihrem zweibeinigen Werthsystem nicht weit laufen.— Der sozialistische Reattionär wird noch„kühner" und unwahrer in einer anscheinend harmlosen Stelle, wo er über den sozialistischen Zwang(vergl. damit feudale Freiheit!) faselt: „Alle Hülfe, welche die Sozialisten den Arbeitern vielleicht geben könnten, hätte daher als letzte und nothwendige Consequenz den Zwang zur Folge, der eine Weltlage benöthigte, wie sie jedenfalls mit Freiheit und Gleichheit nicht denkbar ist, und darum sind die Sozialisten schließlich die Feinde der Humanitäts- bewegung des 18. Jahrhunderts."-- teresse, denn in der Woche komme es dem Arbeiter, selbst in Berlin, sehr schwer an, zur Wahlurne zu gehen. Wie könne z. B. ein Arbeiter, im 6. Wahlkreise Berlins wohnend, wenn er am Kreuzberge arbeite, den Bau verlassen und zur Wahl Sehen! Im ultramontan-durchseuchten Frankreich habe man die öahl am Sonntage; und wenn man am Sonntage Tanzmusiken gestatte, werde eine Wahl dem Seelenheil der Wähler auch nicht schaden. In Frankreich sei es den Geistlichen sogar lieb, daß am Sonntage gewählt werde; denn sie benutzten die Gelegenheit gleich zu einer großen Wahlpredigt. Er empfehle auch den Li- beralen, durch Annahme seines Antrages sich einen Schutz für die Zukunft zu verschaffen, denn es könne doch vorkommen, daß die liberale Partei nach und nach ganz an die Wand gedrückt werden solle.— Der Antrag wird hierauf der WahlprüfungS- commisfion überwiesen. Hierauf folgt der Antrag Bracke und Genossen: Folgende« Gesetze die Zustimmung zu ertheilen:„Einziger Arttkel: Die durch die Verordnung vom 22. Dezember 1868 für bestimmte Militärpersonen eingeführte Befteiung von Kommunalabgaben wird aufgehoben; diese Personen sind fortan in derselben Weise wie andere Gemeindeangehörige zu den Kommunallasten heran- zuziehen". Bracke findet die gegenwärtigen Bestimmungen auf diesem Gebiete ganz unhaltbar. Sie involvirten ein Privilegium für einzelne Klassen oder führten ein solches ein, wo es noch nicht bestanden habe, während es doch jetzt mehr denn je geboten er- scheine, volle Gleichheit vor dem Gesetze zu schaffen und Standes- Privilegien zu beseitigen. Es sei zu verwundern, daß heute noch solche Privilegien existirten, nachdem schon durch Editt vom 23. Äpri� 1773 die Rechtsgleichheit für Alle, welche des Staate? gleichen Schutz genießen, ausgesprochen sei. Eine Befreiung be- sitzender Stände von der Steuer reize mehr auf als alle sozial- demokratischen Agitationen, denn die darin liegende Ungerechtig- keit sei so in die Augen springend, daß auch der blödeste Ber- stand es sofort erkennen müsse. Wenn Graf Moltke neulich gesagt habe, man könne doch von dem geringbesoldeten Lieutenant nicht noch Kommunalsteuer verlangen, so sei eS doch einfach gerecht, dem armen Lieutenant von Staats wegen mehr Sold zu geben. Die Kommunen würden sich ganz bedeutend besser stehen und Berlin z. B. wahrscheinlich eine halbe Million Mark an Kommunalsteuern mehr einnehmen, wenn alle hier restirenden hohen Chargen Steuer zahlten. Petttionen in dieser Richtung seien schon mehrfach an die legislativen Körperschaften gerichtet. Redner verliest hier Theile einer Petition aus Oldenburg, die am 28. Mai 1863 im Preuß. Abgeordneteuhause zur Berhand- lung kam und die Bekämpfung des Kriegsministers v. Roon und des Abg. Moltke aus ganz unhaltbaren Gründen erfahren habe. Die Ungerechtigkeit und Ungleichheit bestehe für alle Ortschaften des Reiches, weshalb er um Annahme des Antrages bitte. Wenn man etwa einwende, daß ja das Militär auch kein Wahlrecht habe, so sei dem gegenüberzuhalten, daß ja in jeder Commune sehr viele Einwohner kein Wahlrecht hätten und doch Steuern bezahlen müßten. Wenn man sage, das Militär habe ja auch auf dem Schlachtfelde geblutet und bringe sein Leben dar, so sei er der Letzte, der das nicht anerkenne, aber auch von den anderen Staatsangehörigen bringen viele den Verhältnissen ihr Leben zum Opfer, jetzt z. B. raffe in vielen Gegenden der Hunger: phus Hunderte von Arbeitern hinweg, und ihnen werde nicht der Ruhm für die Nachwelt zu Theil, dem man dem ge- sallenen Militär angedeihen lasse. Auch werde der Nutzen kom- munalcr Einrichtungen gerade dem Militär in bevorzugtem Maße zu Theil. Abgeordneter Richter, den es ärgerte, daß ein sozialdemo- kratiicher Abgeordneter einen Antrag eingebracht und über- zeugend begründet hatte, den die Fortschrittspartei eigentlich längst hätte einbringen müssen, machte, da er Bracke's Aus- führungen nicht widerlegen konnte, seinem Aerger dadurch Lust, daß er Bracke zum Schein lobte, und dann als Plagiator der Fortschrittspartei hinstellte, der er den Antrag gestohlen habe. Schade nur, daß Bracke den Antrag so schlecht formulirt; übri- gens sei der gemäßigte Ton, in dem er gesprochen, anzuerkennen; die Sozialdemokratie scheine also doch zu begreifen, daß der heutige Staat nicht so schlecht sei, als sie früher gemeint. Und nun fing Herr Richter aus der bekannten Liebknecht'schcn Rede „über die politische Stellung der Sozialdemokratie"(1869 i» Berlin gehalten) �an, einige Stellen vorzulesen, die beweisen sollten, daß die Sozialdemokratie im Allgemeinen und Liebknecht im Besonderen ihren„politischen Standpunkt" gewechselt hatten- Dieser freche Angriff, den das Präsidium, obgleich die Richter'- „Und dieser Zwang wird, wenn auch noch nicht in der so- zialistischen Theorie, so doch in der Praxis schon überall geübt; er wendet sich gegen die Kapitalisten, Arbeitsgeber einerseits, und auch folgerichtig gegen die Bedürfnißlosigkeit andererseits, steinigt die Chinesen, weil sie sich von schlechtem Fleische nähre», greift mit Messern die Meister an, die mehr als zwei Geselle» halten, vertreibt mit Schaufeln die Polen von den Bauplätze», weil sie mit Schnaps und Kartoffeln zufrieden find, zündet Fabriken, Bahnhöfe an rc." Der metaphysische Bonapartist nimmt in Folge seiner Idealität die Ausschreitungen Einzelner für eine Bethätigung des Prin- zips. Wenn wir nun sagen würden: weil ein Theil des Adels dem Strauchritterthum entsproßt, ist das Prinzip des Adels, die Idee des Strauchritterthums? Die Jammerbilder von Un- wissenheit und Verlogenheit, die jetzt den Büchermarkt unsicher machen, werden den Arbeitern deuttich zeigen, waS sie von de» „Gebildeten", von den liberalen und conservativen Sozialiste» zu erwarten haben. Und eine Buchhandlung für„Rechts- und Staatswissenschaft" verlegt noch solchen Schund, der kaum für die„Münchener Bilderbogen" zu gebrauchen wäre. Denn ist es nicht zum Lachen, wenn man diesen„rechts- und staatswisse»' schastlichen" Knalleffekt liest: Die Sozialisten können auf dem eingeschlagenen Wege nicht vorwärts kommen, denn wollen sie eine Quote am Unter- nehmergewinn, so wird das Kapital des Unternehmers kleiner, respektive dessen Verzinsung wird niedriger, und den Kapitalisten kann man unter der Herrschaft von A»' gebot und Nachfrage nicht verbieten, sich seinen Zinsfnd zu wählen; aber„wenn wir Sozialisten mit oder ohne ZwanS das Kapital nähmen, so hätten wir es doch gewiß."—„Wäf� dies wirklich so gewiß? Ist dem Kapital nicht blos d>' Idee an die Fortdauer der heutigen wirthschaftlichet Zustände?" Das Kapital eine„Idee", ho, ho, ho, und er? war doch die Arbeitskrast ein Kapital, und nun ist es eine Jd� also ist die Arbeitskraft auch eine? Und wenn sich, Herr Frc'' Herr, Ihre Gutleute schinden und placken für wenige Grosche»' sind deren Arbeitsprodukte für Sie auch eine Idee?»»' ist Ihre Latifundie auch eine? und wie leicht ließe sich die! Idee zum Allgemeingut machen! Ja, das wäre ec» Idee. j, Kapital, Arbeitskraft, Regierungiform, die Hose, das W zum Rock, Alles ist eine Idee. scheu Expektorationen absolut nicht zur Sache gehörten, verdiente um so mehr eine Züchtigung, als er in der unmotivirtesten Weise vom Zaun gebrochen war.— Und Liebknecht, der so an den Haaren in die Debatte hineingerissen ward, machte von seinem Züchtigungsrecht unbarmherzigen Gebrauch; er erklärte Herrn Richter, daß sein Tadel ihm zur Ehre gereiche, während er sich das Lob eines Richter schönstens verbitten müsse. Seinen Stand- Punkt habe er(Liebknecht) nie gewechselt. Der cäsaristische Scheinparlamentarismus, den er in jener Rede bekämpft, werde auch heute von ihm bekämpft und sein Antrag(auf Abänderung der Geschäftsordnung und gegen die Valentimrerei), der am selben Tag auf der Tagesordnung war(jedoch nicht mehr zur Verhandlung kam) sei genau von dem nämlichen Geist eingegeben, wie jene Rede. Liebknecht sprach sich dann über unsere Stel- lung zum Parlamentarismus aus. Wie könne übrigens Herr Richter sich zum politischen Schulmeister und Anstandslehrer auf- werfen? Uno nun hielt Liebknecht in kurzen, scharfen Worten der Fortschrittspartei ihr Sündenregister vor, brandmarkte sie als die Partei der politischen Heuchelei par excellence und warf ihr schließlich den Herrn Franz Duncker, der noch Mit- glied der Fortschrittspartei ist, an den Kopf. Darob verschiedene Ordnungsrufe und obligates Pfui!(beim Duncker) verschiedner Mit-Duncker. Die Hiebe hatten gesessen, und nur ein über- triebenes, auf Schwäche hinauslaufendes„Anstandsgefühl" kann die Dosis zu reich finden. Es giebt Situationen, in denen man physisch oder moralisch ohrfeigen muß. Und das war eine solche Situation. Daß Liebknecht sich nicht darauf beschränkt, Herrn Richter abzustrafen, sondern sich gegen die ganze Fortschritts- Partei gewandt, kann ihm Niemand verargen. Herr Richter treibt seit voriger Session die Jnsultirung der Sozialdemokratie systematisch und geschäftsmäßig, innerhalb und außerhalb des Reichstags, und er treibt dieses traurige Handwerk im Auf- trag und Namen seiner Partei. Ergo: mußte die Tracht Prügel verallgemeinert werden. Herr Richter, der wie ein begossener Pudel dastand, bald weiß, bald roth, hütete sich wohl, einen Reinwaschungsversuch zu machen; Alles wozu er sich auf- schwingen konnte, waren ein paar neue, beiläufig sehr beherzigens- werthe Citate aus der Liebknecht'schen Rede, für die Herr Richter jedenfalls eine sehr wirksame Retlame gemacht hat. Ein mit- leidiges Achselzucken war die einzige Antwort Liebtnecht's auf die Verlegenheitsphrasen des offenbar ängstlich gewordenen Richter, der bekanntlich kein Held ist— oder blos Held Numero 2.— Nachdem sich Bracke, der als Antragsteller das Schlußwort hatte, noch das Lob des Herrn Richter verbeten, wurde die Ber- Weisung des Antrags an eine Commission abgelehnt. Derselbe muß nun nochmals in zweiter Lesung an das Plenum kommen. Der Antrag auf Abänderung der Geschäftsordnung konnte nicht mehr erledigt werden, weil' die Zeit inzwischen zu weit vorge- rückt war. Er wird nach den Ferien zur Verhandlung gelangen. In den Sitzungen am Donnerstag und Freitag bewilligte die Reichstagsmajorität endgiltig die Einnahmen und Ausgaben des Reichs und konnte somit mit gutem Gewissen, da sie ihre Schuldigkeit gethan hatte, in die Osterferien gehen, die bis zum 30. April dauern. Dann wird der Reichstag wahrscheinlich noch einen vollen Monat tagen. — Wie sehr die Majoritäten ihren geheiligten Reichstag achten, geht aus folgender Notiz der„Magdeburgischen Zeitung" hervor: „Im Reichstage fängt man bereits an, Wahlreden zu halten; wenigstens find die Ergüsse Lasker'S, der Die, welche andere Ansichten über die Steuerreform haben als er, unedle Seelen nennt, dafür natürlich bald darauf aber wieder Abbitte leisten muß, so wie die heftigen Anklagen eines Schorlemer-Alst und die Darlegungen eines Eugen Richter nebst den abwehren- den Reden der von diesem angegriffenen frei-conservativen und conservativen Abgeordneten so wenig sachlich gehalten, daß man wohl annehmen darf, es sei den Rednern dabei nicht sowohl darauf angekommen, verständige Männer zu überzeugen, als vielmehr Stichworte für die Masse auszugeben." Das„Demogogenthum" der anderen Parteien tritt also immer mehr zu Tage, während es sich zeigt, daß die Sozialisten die einzigen wohlanständigen Demokraten sind. — Die„verkommenen Franzosen" können in vielen Dingen doch wohl den„aufgeklärten, sittlichen und glorreichen Deutschen" zum Muster dienen. Während der glorreiche deutsche, nationalliberale Federfuchser in Bezug auf die Beschickung der Pariser Weltausstellung davon faselt, daß die„verkommenen Und wir, die wir verdammt waren, es zu lesen, werfen es dvhin, wo eS hingehört— auf den bonapartistischen Schmutz- Haufen.-v- — Leipzig wird Weltstadt! So etwa mochte der Ober- bürgermeister von Leipzig, Herr Dr. Georgi, gedacht haben, als er am 1. April ein vom königlich preußischen Gesandten zu Dresden, Grafen Solms, unterzeichnetes Telegramm folgenden Inhalts erhielt:„Europäischer Congreß gesichert. Leipzig als Congreßort bestimmt. Sofortige Besvrechung mit Ihnen bezüg- lich Lokalfragen und Unterbringung der Botschafter nothwendig. Womöglich schleunigst hieherkommen." Da jeder gute national- liberale Leipziger ein klein wenig vom Größenwahn angekränkelt ist und Leipzig zur Weltstadt erhoben sehen möchte, ist es sehr erklärlich, daß auch unser„allverehrter" Herr Oberbürgermeister nichts Eiligeres zu thun hatte, als schleunigst nach Dresden zu dampfen und sich dem Grafen Solms vorstellen zu lassen. Diesem gegenüber erklärte er nun, daß die Gemeinde Leipzig es sich zur «hre rechnen werde, die Vertreter der Mächte beherbergen zu »m'Lt' sie Alles ausbieten werde, um dieselben würdig zu Ü?a Ien a tD- u- f- w. Groß war das Erstaunen des Grafen, a er ocn Herrn Oberbürgermeister von ihm ganz unbekannten Dingen reden hörte, noch größer war aber die Verdutztheit des Letzteren, als erfuhr, daß der Graf weder von einem Tele- einem Congresse, der in Leipzig tagen sollte, etwaS wisse. � Beide Herren machten unbeschreiblich perplexe Ge- sichter, bis sich das Räthsel löste und man darauf kam, daß der-- erste April und der Herr Oberbürgermeister einem Spaßvogel auf den Leim gegangen sei. Herr Dr. Georgi soll, wie wir aus sicherer Quelle wissen, sehr mißmuthig und ver- drießlich nach Hause gekommen sein. Der schöne Traum von „Leipzig als Weltstadt" war�schmählich zerronnen. Ob der Bür- germeister von Buxtehude, schöppenstädt, Schilda, Krähwinkel, Trippstrill oder einem ähnlichen Neste wohl nach Dresden ge- dampft wäre, wenn ihm ein Spaßvogel die Abhaltung deS Con- gresses in seiner resp. Baterstadt in Aussicht gestellt hätte? Wir zweifeln daran. Was in schöppenstädt und Schilda nicht mög- lich wäre, ist in Leipzig passirt; das macht der Weltstadtwahn! Bismarck's Geburtstag wird unserem Herrn Oberbürgermeister gewiß in Erinnerung bleiben. Bon Seite der Behörden soll man bemüht sein, dem Urheber des Schabernacks auf die„Spur" zu kommen, was wohl vergebliche Liebesmüh' sein wird, ! Franzosen" die deutschen Besucher mit Brutalitäten regaliren würden, haben die Geheimräthe Wehrenpfcnnig und Lüders, wie die„Kölnische Zeitung" erzählt, die nach Frankreich gereist sind, um die dorttgen technischen Unternchtsanstalten zu besichtigen, sich in Paris überall der freundlichsten und zuvor- kommendsten Aufnahme zu erfreuen gehabt und sind nach Lyon gereist, wo schon mehr als eine Einladung ihrer wartet. Dir dummen Befürchtungen der deutschen Chauvinisten treffen also nicht ein. Denn wenn ein Wehrcnpfennig, dieser allbe- kannte Franzosenfresscr, von den Franzosen zuvorkommend und freundlich aufgenommen wird, dann wird es auch jeder andere Deutsche. Der angegebene Hauptgrund der Nichtbeschickung der Pariser Weltausstellung durch das Deutsche Reich fällt also fort, es bleibt nur noch der zweite eigentliche Grund übrig, das Ge- fühl der industriellen Impotenz. — Unsere Pariser Brüder fangen an, wieder aufzuath- men. Die schwächliche Haltung der Auch-Republikaner treibt die Arbeiter wieder in Masse der Sozialdemokratie zu. Deshalb ertönt auch die Sprache der sozialistischen Blätter wieder scharf wie Schwertesblitzen. Nach einem verlornen Strike schreibt zum Beispiel die„Commune Affranchie": „Sollen wir darum verzweifeln und die Büchse ins Korn werfen! Nein, nein, tausendmal nein! Erinnern wir uns, daß im April 1792 Marat aus Muthlofigkeit nahe daran war, die Partte verloren zu geben, und daß ihn schon vier Monate später die Ereignisse eines Anderen belehrten. Dieses Beispiel mag uns stärken und verhindern, Marat in seinem flüchtigen Irr- thum nachzuahmen. Der Kelch der Enttäuschungen des Volkes, der schon so oft voll war, droht aufs Neue überzulaufen. Die zahlreichen Arbeitseinstellungen, die aller Orten ausbrechen, die dumpfen Zuckungen, von welchen die Pfeiler der Gesellschaft er- griffen sind, die verzweifelten und längst gebrandmarkten Mittel, zu denen sich die conservativen Ulttas verurtheilt sehm, sind eben so viele Anzeichen und Ultimaten. Sie mögen sich nur in Acht nehmen, unsere„leitenden Klassen". Sie mögen sich in Acht nehmen, daß die nach so vielen unfruchtbaren Rückforderungen, so viel umsonst verspritzlem Blute aufs Aeußerste ge- triebenen Proletarier sich nicht am Ende gegen sie ausbäumen! Sie mögen sich in Acht nehmen, daß die Enterbten, für welche nach den Malthusianern kein Platz am Gastmahl des Lebens ist, nicht schließlich gebieterisch fordern, was man ihnen verweigert!" Der dicke Gambetta soll, als er vorstehendes gelesen hat, in Ohnmacht gefallen sein. — An dem Börsenhimmel hängen wieder die Frie- densbaßgeigen. Rußland hat offenbar Angst und sucht einen Ausweg aus der Sackgasse.-Daran kein Zweifel. Ob es gelingen wird, ist freilich die Frage. Die englische Regierung hat Alles „klar zum Gefecht": Volk und Parlament für sich, die Oppo- fition platt an die Wand gedrückt; sie wird die Chancen nicht aus der Hand geben. Daß die russische Regierung das Un- günstige ihrer Position begreift, erhellt aus der plötzlichen Milde gegen die russischen Sozialisten und den gesteigerten Unter- drückungsmaßregeln gegen die Polen. In dem neuesten Sozia- listenprozeß sind fast alle Angeklagten freigesprochen worden; u. A. auch Fräulein Vera Sassulitsch(das ist der richtige Name)— die junge Russin, welche vor Kurzem auf den Polizei- general Trepoff geschossen. Desto ärger wird in Polen gehaust. Die Verhaftungen mehren sich dort. In Warschau provozirte die Polizei dieser Tage einen Krawall mit Studenten, an dem das Volt sich betheiligte und der ziemlich ernsthafte Dimensionen annahm. Man will augenscheinlich einen Aufstand provoziren, um— deutsche Schutztruppen an die Grenze, vielleicht als Sicherheitspolizei in's Land zu bekommen. Charakteristisch ist, daß bei diesen Warschauer Lorgängen der Panslavismus als Regierungshebel herhalten mußte. Wir werden Näheres darüber bringen. Zu unserer Notiz in voriger Nummer d. Bl. über die Verurtheilung Marbach's zu«nem Jahre Gefängniß Seitens des Halleschen Gerichts wollen wir heute noch nachtragen, daß Schritte gethau worden find, die die Rückgängigmachung des Urtheils und eine Wiederaufnahme des Prozeßverfahrens be- zwecken. — Pariser Weltausstellung. Es hat sich in Paris ein Comitö geb.ldet, welches sich zur Aufgabe macht, auswärtige Sozialisten, ohne Unterschied der Nationalität, die die Weltaus- stellung besuchen, mit Rath und That zu unterstützen. Der Sitz des Comitös ist bei Herrn Gastwirth Braun, Uns äe la Bastille 2, Paris. Alle Anfragen und Anmeldungen sind frankirt an Herrn Braun zu adressiren und können sich dabei die Gesinnungsgenossen der verschiedenen Nationalttäten ihrer resp. Muttersprache bedienen. Mitglieder des Comitös werden vom 1. Mai an jeden Abend von 8 Uhr ab im vorerwähnten Lokale anwesend sein und im Laufe des Tages eingetroffenen Parteigenossen Wohnung und Kostgelegenheit nachweisen; ebenso wird das Comitö gemeinsame Besuche der Ausstellung organisiren. Um über Fachfragen spezielle Auskunft ertheilen zu können, sind im Comitö zahlreiche Professionen vertreten, U.A.: Tischler, Goldarbeiter, Bildhauer, Lederarbeiter, Schneider, Schuhmacher. Tapezierer, Maler, Uhrmacher, Mechaniker, Photographen:c. Auf mehrfache Anfragen theilen wir mit, daß der Preis für bescheidene Logis 1 bis 2 Frcs. täglich beträgt. Man bittet die Besucher, sich mindestens acht Tage vor ihrer Ankunft anzumelden. Den Anmeldungen ist eine schriftliche Empfehlung eines der bekannteren Parteigenossen oder eines Arbesterblattes beizufügen. Correspondenzeu Leipzig, 11. April. Mit der Freiheit der Wissenschaft ist es im„einigen deutschen Vaterlande" nirgends so traurig bestellt, als in dem„aufgeklärten" Sachsen, in welchem sich die schwärzeste pfäffischste Reaktion breit macht. Leipzig, die„Universitätsstadt", der„Mittelpunkt des geistigen Lebens", hat sich den traurigen Ruhm errungen, unter allen sächsischen Städten die reaktionärsten Maßregeln gegen Vertreter der Wissenschaft in Anwendung ge- bracht zu haben. Dr. Dulk aus Stuttgart wollte im Laufe der vorigen Woche einige Vorträge über die„Ungöttlichkeit Jesu", über die Nothwendigkeit des Austritts aus der Kirche und d-rgl. halten. Es ist zu erwähnen, daß Dr. Dulk derartige Vorträge in Württemberg, Preußen*) und anderen deutschen„Vaterländern" *) Hierzu ist zu erwähnen, daß Dr. Dulk von der Berliner Polizei wegen„groben Unfugs", begangen durch die Aufforderung zum Aus- tritt aus der Landeskirche, zu 15 Mark Geldstrafe verurtheilt worden ist. Red. d.„B."i unbehindert halten konnte, ohne von der Polizei belästigt zu werden. Der Berliner Staatsanwalt Tessendorf, welcher für d:n„lieben Gott" gewiß Partei nimmt, wo er dessen Sache ge- sährdet wähnt, wie der Pfaffenbeleidigungs- und Gotteslästerungs- Prozeß, welcher gegen den Reichstagsabgeordneten Most ange- strengt ist, zur Genüge beweist, konnte an den in Berlin ge- haltenen Vorträgen des Dr. Dulk selbst durch die schärfste Polizeibrille nichts Gefährliches,„Gotteslästerliches" oder gar „Staatsgefährliches" erblicken. Anders dachte der ehemalige Demokrat und Freigeist, jetziger wohlbestallter Leipziger Polizei- direktor Dr. Rüder. Von Polizeiwegen ließ er die Abhaltung der Borträge einfach verbieten. Dr. Dulk begab sich zum Polizei- direktor. um Auskunft über die Veranlassung dieser unbezreif- lichen Polizeimaßregeln zu verlangen, wurde aber, da Herr Rüder erklärte, sich auf eine Diskussion nicht einlassen zu wollen, an den Kreishauptmann verwiesen. Dr. Dulk verfügte sich zu diesem Herrn, von welchem er belehrt wurde, daß die Auf- forderung zum Austritt aus der Kirche ungesetzlich sei. Auch der Herr Kreishauptmann wollte sich auf eine Diskussion nicht einlassen und Dr. Dulk wurde wieder an den Polizeidirekror verwiesen. Dieser Herr, der seinerzeit, was nicht oft genug wiederholt werden kann, für„Freiheit" und„Recht" eintrat, ließ dm sein Recht suchenden Dr. Dult durch den Kanzleidiener au» der Kanzlei hinausspediren!! Der Beschwerdeweg wurde betreten und ist oer Erfolg abzuwarten. Es giebt doch nichts Herrlicheres, als die„Einheit des deutschen Reiches"! Was in einem Theile dieses„Einheitsstaates" erlaubt ist, kann in einem andern Winkel von einem kirchenfreundlichen, fromm gewordenen Polizeidirektor ohne Weiteres und ohne jede gesetzliche Begründung verboten werden. Ein derartiges Vorgehen ist unzw nfelhaft ein unbegreif- liches. Der Austritt aus der Kirche ist gesetzlich gestattet, es besteht ein eigenes Dissidentengesetz, welches die Rechte der „Gottlosen" wahren soll, und trotzdem und alledem soll die Auf- forderung zum Austritt aus der Kirche verboten sein! DieS begreife wer kann! In Rußland oder allenfalls auch in Mecklen- bürg, den Eldorados des Absolutismus, könnte man es begreiflich finden, wenn ein sei» Recht Suchenver per Amtsdieuer zur Thüre hinausbefördert werden würde. In einem„constitutio- nellen" Staate, wo es keine„Unterthanen", sondern„Staats- bürger" geben und der Beamte der Diener des Staates, ergo der Gesammtheit sein soll, ist ein solches Polizeioorgehen der richtige Gradmesser zur Beurtheilnng der so sehr gerühmten Freiheit. Dr. Rüder kann stolz auf diese seine That herab- blicken, er hat durch dieselbe den Unglauben mit Stumpf und Stiel ausgerottet und seinen Freunden, den Priestern, unzählige „Seelen" gerettet. Wäre er römisch-katholisch, so würde er unfehlbar unter die Heiligen versetzt. F— 1. Leipzig, 12. April. In dem bis auf den letzten Winkel be- setzten Saale der„Tonhalle" referirte in der gestrigen Volks- Versammlung der Reichstagsabgeordnete Hasenclever über die gegenwärtige Session des Reichstags. Redner unterzog das Rückenkrümmen und die geradezu unmoralische Nachgiebigkeit der Mehrzahl der Reichsboten einer vernichtenden Kritik. Der Begriff der Großartigkeit, der im deutschen Volke bezüglich der Volks- Vertretung herrsche, sei völlig falsch. Zwar sollte der Reichstag, als die Vertretung des gesammten Volkes, geachtet dastehen, er würde und müßte auch geachtet werden, wenn derselbe aus Män- nern bestände, die sich Achtung zu verschaffen wüßten. Dies sei aber nicht der Fall, und der Reichstag trage selbst die Schuld, wenn er im Volte kein Vertrauen erwecken, sich nach„Oben" keine Achtung erwerben könne. Während seiner zwölfjährigen Thätigkeit sei der Reichstag nur der Regierung zu Willen ge- wesen, habe zu Allem, was diese wolle, seine Zustimmung ge- geben. Ihre Ohnmacht habe die Reichsvertretung auf das Ekla- tantoste bei der Diätenfrage bewiesen. Sieben- bis achtmal sei von derselben der Beschluß gefaßt worden, die Diäten einzuführen, und ebenso oft sei dieser Beschluß vom Bundesrathe abgewiesen worden. Nicht eine einzige energische That habe hiergegen das Parlament gethan; der Gegendruck hätte so leicht durch die Ver- Weigerung des Budgets geleistet werden können. Ein Theil der Schuld, daß die Volksvertretung eine so traurige Rolle spielen könne, falle aber auch auf das Volk. Ein Volk verdiene nicht besser regiert zu werden, als es regiert sein wolle. Wenn nicht lauter Jasager gewählt, wenn Männer mit steifem Nacken und unbeugsamem Muthe in die Volksvertretung geschickt würden, so würde auch letztere sich Achtung zu verschaffen wissen. Redner schildert hierauf das Vorgehen und Benehmen der Rcichsboten unliebsamen Rednern gegenüber und führt einige Beispiele an, wie Oppositionsmänner ausgelacht und niedergebrüllt(Ewald und Deutsch) worden seien. Des permanenten Schlußantragfabrikan- ten,„Volksvertreter" Valentin, welcher während seiner mehr- jährigen Wirksamkeit als Reichsbote außer den verhängnißvollen Worten:„Ich beantrage Schluß der Debatte", noch kein Wort gesprochen, wurde auch, wenn auch nicht rühmend, erwähnt. Redner erwähnt ferner, daß sogar am Bundesrathstische, an welchem die Vertreter der Regierungen zu sitzen pflegen, seit längerer Zeit nur mehr ganz untergeordnete Personen wahrzu- nehmen seien, welche beauftragt find, etwelche Fragen der Volks- Vertretung zu beantworten. Bismarck selbst scheine eine Ab- neigung gegen diese Gesellschaft zu haben und komme nur, wenn er seinen Willen durchsetzen, wenn er etwas durchdrücken wolle. Mit der Krankheit des Reichskanzlers, welche zum Borwand für sein Ausbleiben dient, scheine es doch nicht so weit her zu sein, denn an den parlamentarischen Bierabenden, an welchen die Herren Volksvertreter bei„Reichskanzlers" eingeladen sind, sei derselbe ein sehr fideler Wirth. Redner bespricht die Orient- debatte und weist nach, daß trotz des Gelächters, welches die „Liberalen" während der Rede Liebknecht's verübten, dieser doch Recht gehabt habe, und daß die seitherigen Ereignisse lehrten, daß er die Lage der Dinge besser zu beurtheilen wußte, als selbst der Kanzler des deutschen Reiches, welcher bis längstens 15. März den Congreß in sichere Aussicht stellte, während jetzt, Mitte April, vom Congreß keine Rede mehr sei. wohl aber der Krieg vor der Thüre stehe. Auf die Steuervorlagen übergehend, er- klärt sich Redner gegen jede neue und ganz besonders gegen jede indirekte Steuer. Die„Liberalen" sehen wohl ein, daß„gespart" werden müsse, sie wollen aber nicht sparen, wo gespart werden könne, beim Militäretat, sondern machen da und dort unbe- deutende, kleinliche Abstriche im Etat. In den Reihen der „Liberalen" erhoffe man Alles vom Kronprinzen. Derselbe werde, nach Ansicht der„Liberalen", die zweijährige Dienstzeit einführen und verschiedene andere Freiheiten gewähren. Redner weist aus der Geschichte nach, daß derartige Hoffnungen auf „liberale Kronprinzen" oft gehegt, aber immer„zu Schanden ge- worden seien". Wenn rn den Parlamenten Männer wären, die unerschrocken für die Freiheit einstehen und immer drängen und fordern würden, so würden schließlich auch die herrschenden Ge- walten nachgeben und dem Volke die verlangten Freiheiten ge- währen müssen. Scharf und gerecht geht Redner mit den Fort- schrittlern ins Gericht und hält ihnen, von öfteren Bravorufen der Anwesenden unterbrochen, ihre politischen Sünden und ihre Erbärmlichkeit, die mitunter in Gemeinheit ausartete, vor. Ganz besonders schlecht kommt dabei der hochnäsige, großmäulige „Volksvertreter" Eugen Richter weg. Redner bespricht und er- örtert die Anträge, welche behufs Gesctzesänderungen von sozial- demokratischer Seite gestellt wurden. Er unterzieht besonders das Wabl- und das Haftpflichtgesetz einer längern und eingehen den Kritik und weist nach, daß die Anträge der Sozialdemo- kraten gerecht und billig seien. Redner fordert die Anwesenden auf, dahin zu wirken, daß sich die Partei des Rechtes, die wahre Bolkspartei, die sozialdemokratische Partei, welche die Forderung der politischen Freiheit und sozialen Gleichheit aus ihre Fahne geschrieben hat, stets mehr und mehr stärke und kräftige. Ohne die soziale Gleichheit sei die politische Freiheit eine Lüge. Wer sich Demokrat nennt, zwar politische Freiheit, aber nicht soziale Gleichheit wolle, der wolle an Stelle der Krone den Geldsack setzen, unter dem Scheine der Freiheit ein Privilegium zur Bolksausbeutung haben. Zum Schlusie fordert Redner auf, fest und unentwegt für die Prinzipien der sozialdemokratischen Partei zu wirken und einzustehen.— Es ist dies selbstverständlich, in Anbetracht des beschränkten Raumes, nur ein kurzer und magerer Auszug aus dem fast zweistündigen, sehr gediegenen Referate, welches mehrmals von donnerndem Applaus unterbrochen wurde. Der Borfitzende, Hadlich, gab bekannt, daß Liebknecht, der ebenfalls als Referent angezeigt war, abgehalten sei, das ver- sprochene Referat zu halten. Er erwähnte der Polizeiliebens- Würdigkeiten, welchen die Angehörigen der sozialdemokratischen Partei in Sachsen und ganz besonders in Leipzig ausgesetzt find. Aber auch wissenschaftliche Vorträge, welche in Berlin gehalten werden durften, ohne daß die Stadt in die Luft ge- flogen sei, wurden in Leipzig von dem Polizeidirektor, der früher selbst ein„großer Demokrat" gewesen sei, verboten. Buchhändler Findel(Fortschrittler) erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten im Wesentlichen einverstanden, ob- schon er die der Fortschrittspartei gemachten Borwürfe für un- gerechtfertigt hält. Wegen der neuesten Polizeimaßregel ver- urtheilt Redner entschieden das Vorgehen des Polizeidirektors. — vr. Dulk erflärt, er habe eine Jagd mit den Polizeibehörden zu bestehen gehabt. Der von ihm beabsichtigte wissenschaftliche Vortrag sei vom Polizeidirektor einfach verboten, er selbst aber von Pontius zu Pilatus geschickt worden, ohne mehr als ab- schlägige Antworten zu erhalten; schließlich habe ihn der Polizei- direktor durch den Amtsdiener aus der Kanzlei hinausbefördern lassen. Diese Mittheilung wurde von der Versammlung mit dem Ausdruck der größten Mißbilligung aufgenommen.— Redakteur Ludwig Werner kritisirte das Vorgehen des Polizeidirektors gegen vr. Dulk. Herr vr. Rüder sei auch einmal ein glühender Revolutionär gewesen, habe auch ein Blatt herausgegeben, in welchem er die freiesten Ansichten vertheidigt habe. Das sei anno dazumal gewesen. Jetzt sei vr. Rüder Polizeidirektor mit 9000 Mark Jahresgehalt und Hausbesitzer, habe auch seine„Jugendeseleien" vergessen und wolle Ruhe haben und nicht an sein ehemaliges Thun und Treiben erinnert werden. Im Jahre 1848 sei von den damaligen Parteigenossen des vr. Rüder ein Antrag auf Abschaffung aller derartiger Ve- schränkungsgesctze eingebracht worden, für welchen auch vr. Rüder sich begeistert habe. Freilich sei ein großer Unterschied zwischen einem Revolutionär von 1848 und einem königl. sächsischen Po- lizeidirektor von heute. Nachdem noch mehrere Redner sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklärt hatten, wurde die Bersamm- lung unter Hinweis auf den 11. April, den Geburtstag Lassalles, geschlossen. Auf Aufforderung des Vorsitzenden wurde nach Schluß der Versammlung die Arbeiter-Marseillaise von den Versammelten angestimmt. W— f. Oessentliche Quittung. Seit dem 1. d. M. habe ich für nachbenannte Fonds ver- einnahmt: a) Agitationsfond: Schleswig gesammelt von den Metallarbeitern Mrk. 6,95; do. durch H. Schlichting 5,45; Ulm ersparte Geburtstagsgelder einer geheimen Sozialistin 40,00, desgl. 13,00; Würzburg durch A. Lampert 21,10; Gotha d. Giesecke 0,80; Augsburg Lifte 1 d. Endres 10,70, desgl. Liste 2 5,40; Zwickau von Netzold d. Seifert 0,50. d) UnterstützungSfond: Braunschweig d. Louis Bosse 5,00; Barmstedt d. H. Pflug- Haupt 4,00; Langendiebach d. W. Kreß 6,00; Grafenberg(Düffel- dorf) d. H. Niese 7,95; Hamburg diverse d. E. Neumann 13,45; do. vom Ball des Schneider-V. 8,71; do. v. Tischlerball durch Rücknagel 13,01; do. v. Lütkens 2,40; do. v. d. Liedertafel der Former 3,60; do. v. Praast 3,00; do. v. Lassalle's Geburtstag 54,00; Leipzig von diversen d. Hadlich 95,93; do. d. H. Nebel 19,54; Naumburg a.S. d. E. Rosemann 5,70; Hirschberg i. Schl. Tellcrsammlung 2,50; do. Privatsammlung 1,50; do. Ueberschuß eines ArbeiteroergnügenS d. A. Aschenborn 3,30; Salzungen auf Listen d. M. Bodechtel 6,71; Treuen d. Auer von einem Partei- genossen 3,00; Wittgensdorf auf Liste d. Alban Spindler 7,00; Erlangen Liste 2793 u. 2795 d. H. Kunstmann 13,70: do. ges. beim Tanzkränzchen des Bürgerbundes 5,30; Ottensen d. Jacobs 1,60; Coburg Ueberschuß des gemeinschastl. Bewerkschaslsfestes d. Seiler 7,20; Sorau durch R. Jank 10,00; Hannover durch H. Rudolph 60,00; Plagwitz d. C. Schröder 50,50; Kaisers- lautern d. A. Blümm v. mehreren Genossen 2,09. e) Wahlfond: Barmstedt Liste 3204 bis 3206 M. 5,80; Eppendorf Liste 3217 d. Bremen 31,00; Hamburg auf Litten d. E. Neumann 17,10; do. d. Nichts 4,00; Kausbeuern Liste 2823 d. E. Neu- hauser 3,15; Lindenau Liste 3189 u. 3190 d. I. Bachmann 10,15, u. zwar v. EigoriuS' Cig.-F. 4,55 u. d. Fiedler in Sel- lerhausen 5,70; Mühlheim a/Rhein Liste 2862 d. F. Wehmann 8.00; do. Liste 2863 22,00; Ludwigshafen Liste 2974 d. F. Gramann 11,70; Görlitz Liste 2989 d. I. Ullrich 4,80; Hildes- heim Liste 2999 d. Hilder 6,30; Gelsenkirchen Liste 3010 d. Tenhaef 6,00; Lechhausen Liste 3191 d. Lichtensteiger 4,00; Bockenheim Liste 3032 d. Göll 2.90; Liegnitz Liste 3023 d. Prasser 5,30; Berlin Cig.-F. Praunitz& Metze d. Pretzer 15,00; Plauen i. B. Liste 3050 d. I. Bauer 1,10; do. List- 3051 3,34; do. Liste 3052 11,59; do. Liste 3174 2 40; Wüstegiersdorf Liste 2937 d. Carl Hilbert 7,45; do. Liste 2938 17.90; do. Liste 2939 13,65: Neu-Isenburg Liste 2866 d. H. Anthöfer 5,00: Einsiedel Liste 4634 d. F. A. Müller 5,00; Groitzsch auf zwei Listen d. G. Reichelt 18,78; Elmshorn Liste 3215 d. C. H. Hamer 4,40; do. Liste 3213; 7,75; Sorau d. R. Jank 10.00; Iserlohn ges. v. C. Mayer II., Graveur, 2 50" do. v. Augustin u. C. Mayer I. 8,25; do. v. Fritz Beck 1,00;(in der Quittung vom 31. März muß es unter Iserlohn statt Cieberg: Sieberg heißen); Schwäb.-Hall Liste 3081 d. F. Elser 3 15; do. Liste 3082: 8,35; Liste 3083: 15,80; Niederrath Liste 2874 d. A. Söhngen 7,70; do. Liste 2875: 1,30; do. Liste 2876: 5,00. Alle dieienigen Genosse«, welche noch Listen für den Wahl- fand in Händen haben, werden ersucht, dieselben nebst den ge- zeichneten Beträgen binnen acht Tagen einzusenden. Hamburg, 13. April 1878. August Geib„ Rödingsmarkt 12. An die Partei- und Gesinnungsgenossen des Reichstags- Wahlkreises Minden-Lübbecke.____ Ta die Wahl des Reichstagsabgeordneten für den Wahlkreis Minden-Lübbecke, Herrn von Nathusius-Ludom, vom Reichs- tag für ungiltig erklärt worden ist, und in Folge dessen in nächster Zeit eine Neuwahl in unserem Wahlkreis stattfinden wird, so ersuchen wir alle Partei- und Gesinnungsgenossen, welche sich für die Wahl eines Arbeiter-Candidaten interessiren, zu der am zweiten Ostertage in Lüb- decke, Vormittags 16 Uhr, stattfindenden Konserenz einen oder mehrere Delegirte zu entl enden. Die die Konserenz besuchenden Genossen haben sich durch ein von mehreren Genossen unterzeichnetes Mandat, oder durch die letzten drei Nummern des„Vorwärts" oder der„Rundschau" zu legitimiren. Sorge ein Jeder für zahlreichen Besuch der Konferenz, dann wer- den wir im Stande sein, planmäßig agitiren zu können und der Erfolg wird nicht ausbleiben. Mit soz.-dem. Gruß Für den Vorstand des soz.-dem. Wahwereins in Minden: Gottfried Siepert. Das Lokal wird in nächster Nummer bekannt gemacht werden. D. O. An die Parteigenossen in den Wahlkreisen Hanau- Gel« hausen-Ob, Offenbach-Tieburg und Höchst-Usingen! Den Genossen zur Nachricht, daß Parteigenosse Hermann Lange aus Altona längere Zeit in oben benannten Kreisen agitatorisch thätig sein wird und sind daher etwaige Wünsche behufs Abhaltung von Ver- sammlungen an den Unterzeichneten zu richten. Hanau, 10. April. Matthias Daßbach, Schloßgasse 5. An die Parteigenossen im Großherzogthum Hessen! Da die Genossen aus verschiedenen Orten des Großherzogthums Hessen zu dem in Nr. 40 des„Vorwärts" angeregten Drlegirtentag ihre Zustimmung gegeben und es den hiesigen Genossen überlasse» haben, die nöthigen Vorbereitungen zu treffen, so werden die betreffen- den Delegirten ersucht, sich Sonntag, den 5. Mai, hier einzufinden. Der Delegirtcntag findet in der Restauration des Herrn Osterath, Ecke der Mühl- und Rundethurmstraße statt und wird Vormittags 10 Uhr eröffnet. I. A.: L. Betz. NB. Die Parteigenossen allerorts werden dringend ersucht, den Delegirtentag zu beschicken. Höchst a. M., 11. April. Montag, den 22. April, Vormittags 10 Uhr, findet hier eine Dclegirten-Conferenz für den 1. nassauischen Wahlkreis Höchst-Usingen im Gasthaus„zum Frankfurter Hof" zu Höchst a. M. statt. Tagesordnung: 1s Die Agitation jür die nächste Reichstagswahl. 2) Bildung volksthümlicher Wahlvereine. 3) Berbrei- tung der Parieiprcsse und der sozialistischen Broschüren. 4) Besprechung weiterer Anträge.— Die Parteigenossen unseres Wahlkreises ersuchen wir dringend, recht zahlreich auf der Conferenz zu erscheinen. Auch bitten w r zugleich höflich, die Parteigenossen des 2. nassauischen Wahl- kreises, sowie Frankfurts und Bockenheims, uns durch ihre Betheiligung an der Delegirien-Conferenz nach Kräften zu unterstützen. I. A.: Der Einbernfer. Allgemeiner Arbeiter-Tänger-Bund. Den Gesangvereinen diene zur Nachricht, daß unser Genosse G. Scholz zu dem von I. Audorf gedichteten Groblied eine schöne Melodie componirt hat, die möglichst in der vierten Lieferung der Liedersammlung erscheinen soll; daher die Vereine das alte Lied:„Wie sie so sanft rud'n-c." sich nicht anzuschaffen brauchen. Welche treffliche Compositionen Herr G. Scholz den Arbeiter-Ge- sang-Vereinen schon geschrieben hat, können die Vereine beurthellen, welche die drei erschienenen Lieferungen der Liedersammlung sowie die Solo Quartette, von denen besonders„Kehr wieder" hervorzuheben ist, gesungen haben; sie dürfen daher überzeugt sein, daß auch obiges Grablied ansprechen wird. Gotha. Emil Sauerteig, Borsitzender. Briefkasten der Redaktion. A. H. in Königsberg: Wir haben keinen Grund, die Aechtheit des in der Stettiner Correspondenz mitgetheilten Cirku- larS anzuzweifeln. Ob den„Obervorsteher" oder der„Vorsteher" der S:e!tmer Kaufmannschaft das Eirkular erlassen hat, sckeint uns völlig »ebensächlich.— A. H. in Halderstadt: Nur Geduld, lieber H., Geduld! Wir haben mehrere Artikel zu prüfen.— H. P. in Liegnitz: Sollten denn in Liegnitz„optische Gläser" und„Wasserwaagen" nicht zu haben fem, daß Sie im„Vorwärts" nach Verkäufern dieser Artikel suchen müssen?— H. in Görlitz: Der eine Staatsanwalt findet das Gedicht strafbar, der andere nicht Berufen Sie sich darauf, daß das Gedicht in ganz Deutschland unbeanstandet verkauft wird.— G. S..... t Minden. Selbstverständlich können in Versammlungen Borlesungen aus der„Zukunft" oder sonstigen Schriften gehalten werden. der Expedition. Wahlvcrein Osnabrück. Sie schulden für An- nonce 1,60 M. Quittung. Lgs Hannover An. 3.60. Engl Reudnitz Ab. 40,00. Rlchl hier Ab. 24,00. Grbnftn Lindenau Schr. 6,73. Ufrt Apolda Ab. 15,00. Zswk Forste An. 1,50. Etzld Gößnitz Ab. 4,05. E. Wnhld Adelaide Ab. 40,80. Wßmnn Bockenheim Ab. 5,60. Brnkmnn Hemme Ab. 7,50. Neu Frankfurt a. M. Schr. 55,00. Mhlhrn Plauen Schr. 6,75. Lhmnn hier Ab. 4,00. Prbst München Ab. 22,50. Jrms Philadelphia Schr. 20,00. Hch Frantmrt Ab. u. Schr. 11,80. Dyk Danzig Ab. 12,00. Tlzk Wien Ab. 13,33 Dgn Freinstein Ab. 3,17. Fr. Presse Magdeburg Ab. 219,00. Mttg Altona Ab. 80,00. W. Rgrs New Jork Ab 74 50. Schmpf Lonnewitz Plakate 1,25. App. Ouackenbrück Schr. 3,10. Clschr. Lemberg Schr. 0,85. Ems Mitt- Weida Schr. 1,00. Bhnk. Mederade Schr. 0,70. Lng. Brandenburg Schr. 2,80. Brkhrdt. hier Schr. 3,95. Flknbch Düsse darf Schr. 2,50. Gldwtz. Mittweida Schr. 3,00. Sdl. Teuchern Schr. 7,30. Q/viVilttt Donnerstag, den 18. April, Abends halb 3 Uhr, bei Michael, Windmühlenstraßc 7: Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Wahl der Preßcommission. Fragekastendebatte. Karten sind vorzuzeigen. __ Der Agent. fttnmtrt Mittwoch, den 17. April, Abends 8»/» Uhr. im „Trianon" des Hrn. Restaurateur Richter, Roßplatz 3: V vrattHmtKRins der Dissidenten von Leipzig und Umgegend. Tagesordnung: 1 Statulenberathung. 2. Bortrag. Recht zahlreiches Erscheinen erwartet Das Comitü. Wsavcchtzskctso" Gart ZieroM Verlobte. fl,60 Hamburg, 14. Xpril 1878. Lager roher Tabake en gros& en detail 3c] Heymanu, Niederstraße 120, Hamburg.[0,90 In der am Dienstag, den 19. Februar stattgehabten Versain»» lang der Interessenten des„Yolksfreund" wurden folgende Amheilscheine ausgeloost:(3a) Nr. 194, 6. 123. 299, 72, 24, 39, 125, 209, 183, 134, 173, 63, 163, 115, 87, 86, 120, 4. 29. Die Zeit der Auszahlungen vom 1. April bis 1. Juli. Nach diesen Tagen finden Auszahlungen auf vorgenannten Nummern nicht mehr statt. Die Inhaber der belr. Antheilscheiue gehen dann vielmehr ihres Ampruchcs verlustig. Geschenkt wurden dem Fonds des„Bolksfreund" bis jetzt 30 Antheilscheine. Gegen Zurückgabe des Antheilscheins können die gezogenen Rum- mern zu jeder Tageszeit bei H. Prinz, Heiligkreuzgasse 10, eingelöst werden.[1,60 Frankfurt a. M., im April 1373. Die Zeitungskommisfion. Wir empfehlen; W. Liebknecht Neber die politische Stellung der Sosialdemokratie insbesondere mit Bezug auf den Reichstag. Preis per Exemplar 10 Pfg. Es ist dies die Broschüre, welche zu dem in der heutigen Nummer des„Vorwärts" erwähnten Rencontre zwischen dem Ageordneten Richter und Liebknecht in der Sitzung des Reichstags vom 10. dS. An- laß gegeben hat. Leipzig. Expedition des„Vorwärts".: Färberstraße 12. N. Im Berlage von Wilhelm Röhl in Leipzig ist erschienen und durch un« zu beziehen: Erlebtes. Skizzen und Novellen von Wilhelm Hasenclever. Mitglied des deufichen Reichstag». 16 Bog. eleg. Kroch. Preis nur M. 1,20. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, auch direkt von der Ver- lagshandlung gegen Einsendung von M. 1,20 direkt per Post franco. Die Expedition deS„Vorwärts". Armer Conrad. Preisherabsetzung. Um mit dem Reste desselben zu räumen, ist der Preis auf 20 Pfg. für geheftete,«nd 40 Pfg. für gebundene Exemplare herabgesetzt. Bei Bezug von 10 Expl. und darüber Rabatt. Bestellungen sind zu machen bei der Associations- Buchdruckerei in Berlin 80., Kaiser-Franz-Grenadier- platz 8a., sowie der Genossenschafts-Buchdruckerei in Leipzig, Färberstraße 12. Die Expedition des„Vorwärts." Wir empfehlen: ' Volksstaat- Fremdwörterbuch. Eathaltead mehr als 12,000 Kremdwörter mit juircffroder».»rrftä-dlich-r«rklir»», und gcnaurr Angabe der richtigen «uilprachc und Betannng der Wörter. geheftet 50 Vf., ged. 65ps. A Erp.». Durch die Expedition des„Vorwärts" ist zu beziehen: Die Behandlung Politischen Gesungenen in Äayer«. Prozeß Franz Rohleders. Zusammengestellt nach stenographischen Berichten von Sigmund �otitzer Rrdalteur de»„geitgeift". Preis 20 Pfg. Der Ertrag ist für die Frauen und Kinder Jnhaftirter bestimmt. Durch uns ist zu bezichen: l N. Tchernychewsky; LEconomie politique jng�e par la science, critique des principes d'dconomie politique de John Stuart MUU 492 pages. Prix 1,50 M, Zur Agitation wie zur Gewinnung von Abonnenten sind gegen Einsendung des Portobetrages (für ein Kreuzband zu 10 Stck. 10 Pf., zu 30 Stck. 20 Pf., zu 60 Stck. 30 Pf., über 60 bis 300 Stck. per Packet 50 Pf.) überzählige Nummern aus früheren Jahrgängen des„Vorwärts" von uns zu beziehen. Größere Posten liefern wir per Eisenbahn-Fracht- gut und berechnen solchen Falls' g Ctt. mit 5 M., jd Ctr. mit 10 M. bei frankirter Zusendung. Leipzig._ Lzpedition des Hkorwäris. Verantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipz-g. Redaktion und Expedition Färberstraße 12. ll m Leipzig. Druck und Verlag der«enossenschastsbuchdruSern w Le-pzig.