Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. AbonaementSpreiS ttt ganz Dentichland 1 Mark 66 Pf. pro Quartal. Monats< Zldonncments ir M Pi. »erden sei allen deurjchen Postanftalten aal den ll. und Z. Wewal. und aus den s. Monat bejonders angenommen. Znsernte terr. Bersammlungen pro Petitjeile 10 Ps., Jett. Prioaiangetegenhcilen und Fest« pro Petitzcile SO Ps. Vorm ärls Veflelliinzen nehmen au alle Postanftalten und Buchhand» langen des In- und Auslandes. Filial» Expeditionen» N ew- N o r t: Mr. Franz Jonscher, 177 dllm Klr. csrnvr Brosme.— Mr. Herm. Nitzsche, 3SS West— 37 Str. Philadelphia: P. Hat, SOS lsortd Urs Street. I. Boll, Ii. kl. dun Cdarlott«& George Str. Hobolen N. J.: F. A. Sorge, SIS WasK- lugiea Str. Chicago: A. Lansermann, 7tGIpdourne»v«. San FrantiSco: F.Ent, llSG'll'nrrell Str. London W.: Wild. Hosstnann, S7A Priu- eeo» Str. Leicester Squ. Gentrat Hrgan der SoziatdemoKratie Deutscßtands. Nr. 47. Sonntag, 21. April. 1878. Der Osterfeiertage wegen fällt die nächste (Mittwochs-) Mmmer aus. Ostern. Der FrühlingSsonne mildert Strahl Verjüngt die weite, weite Erde; Es sprach Natur ihr mächtig:„Werde,"— Und sieh',— rings grünet Berg und Thal. Die lieben Vöglein kehren wieder Zum alten Heim in Wald und Flur, In jedem ihrer hellen Lieder Tönt Freiheitslust und Freude nur. Das ist ein schönes Auferstehn!— O, daß ich's fröhlich theilen könnte, Daß mir ein guter Geist vergönnte, Mit heilem Aug' den Lenz zu seh'n.— Doch ach!— schwer liegt mir auf der Seele Des armen Volkes Schmach und Leid;— Ich seh' die große Schuld und Fehle Der Zeit,— ja, uns'rer argen Zeit. Biel Millionen schrei'« nach Brod, Um das die Selbstsucht sie betrogen, Allüberall kommt es gezogen Das grinsende Gespenst: die Roth. Den heut' man will in Tempeln ehren Als„Gottes auferstand'nen Sohn,"— Wo blieben feine LiebeSlehren? Die„Christen" sprechen ihnen Hohn. DaS:„Kreuzigt ihn!"— noch immer tönt Dem Freund des Guten es entgegen. Roch immer wird, frech und verwegen Das heil'ge Menschenrecht verpönt! Die Göttin Wahrheit liegt in Ketten, sie wankte längst am Bettelstab.— Man möcht' fie morden, möcht' sie betten Für alle Zeiten in das Grab. Gelingen aber wird das nicht!— Du ew'ge Wahrheit kannst nicht sterben; Dich kann die Lüge nicht verderben, Du siegst, und hälft dein Weltgericht! Schon höre ich die frohen Psalmen, Die dir der Mund der Menschheit fingt, tch seh, wie sie mit grünen Palmen, >ich, hehre Dulderin umiingt. Ja, einmal, einmal kommt es doch Mit Lüg' und Tyrannei zu Ende; Es naht die große Sonnenwende, Die bricht der Selbstsucht eifig Joch. Bald jubelt es in allen Landen: Hallelujah, Hallelujah! Die Wahrheit sprengte ihre Banden, Der Freiheit Ostertag ist da! Karl Frohme. Eine Osterbetrachtung. Die Menschen find„Gesellschaftsthicre".— Gegen diesen Ausdruck läßt sich von naturphilosophischem Standpunkte gewiß nicht viel einwenden, wenngleich die Prediger am heutigen Ostertage auf der Kanzel dagegen auf das Heftigste durch ihre auswendig gelernten Phrasen„im Interesse der Menschheit pro- testiren" würden. Doch lassen wir diese Herren, lassen wir den Aberglauben den Abergläubigen und wenden wir uns an dem heutigen Oster- '°ge zu der neu erwachenden Natur. Dort können wir lernen; wir können uns erwärmen an ihrem liebevollen Buse». Die Menschen find„Gesellschaststhiere". Jeder einzelne Mensch, auf sich allein angewiesen, kann kaum kümmerlich sein «ben fristen, geschweige denn irgend welche höheren Bedürf- u>sse befriedigen. Nur in der Gemeinsamkeit kann das Leben der Individuen zu einem schönen, idealen sich gestalten. Setze man einen Menschen auf eine Insel aus, wo„Milch rü. fl«eßt", wo die herrlichsten Blumen blühen und köst- «che Fruchte reisen; wo derselbe mit Leichtigkeit, in Faul- ernähren kann; gebe man ihm dort die schönsten Klnder nnd eine endlose Fülle von Geld und Gold, von Perlen � �ir? diesem Glänze wird sich der normale tüchtige Mensch zurücksehnen nach Arbeit, nach der Gesellschaft, ielbst wenn ihm diese nicht«nmal Arbeit gewährleistet, selbst & v" T be. den wirthschastlichen Schwankungen sich oft- �ols der ärgsten Roth ausgesetzt sieht. , Der Naturtrieb und die natürlichste Bestimmung des Wen- wirken allzumäcktig auf den Einzelnen ein, so daß frei- WA9* Emiiedler, s° daß em Diogenes zu den geringen Aus- °�ehen Im0™' bie mön nUr �stätigung der Regel -. Aus dem Triebe zur Gemeinsamkeit leitet sich auch das «sÖf.wAet"leisten Verbrecher vor Einzelhast her, und es wird ftör�Mehend angenommen, daß solche Einzelhaft höchst zer- auf den Körper und besonders auf das Gehirn wirft. daß iUF Angeführten geht nun mtt Bestimmtheit hervor, Menschen zur Gemeinsamkeit, zu gemeinsamer Arbeit und gemeinsamem Genüsse geschaffen sind, wenn nicht schon für diese Behauptung der Umstand allein und überzeugend spräche, daß jeder Schritt zur höheren Tulwrstufe nur m der Gemein- samkett gethan werden kann, daß überhaupt nur durch gemein- sames Streben die Tultur bedingt wird. Was thut nun aber die heutige Gesellschaft? Sie wendet sich gegen die Natur, gegen die Bestimmung der Menschheit. Anstatt die Gemeinsamkeit zu pflegen, wird der Egoismus groß gezogen; anstatt die Gesellschaft immer mehr mit dem Bande der Bruderliebe zu umschlingen, wird versucht, dieselbe in einzelne Individuen aufzulösen. Man baut vor jedem ein- zelnen Menschen, vor jeder einzelnen Familie materielle oder aeistige Schranken auf, so hoch es eben geht. Selbst die Ab- sonderung in einzelne Klassen genügt nicht mehr; der Egoismus wirft so verderblich, daß selbst innerhalb der einzelnen Klassen — und je exclusiver die Klasse selbst, desto exclufiver auch inner- halb derselben die einzelnen Personen— diese Absonderung geschieht. Dadurch aber geht das gemeinsame Band immer mehr ver- loren; dadurch muß schließlich auch die Eulturentwicklung leiden. Ja, durch die Absonderung werden alle schlechten Eigen- schaften geweckt: Habgier, Stolz, Neid und Haß werden fast allein die Triebfedern, welche d«e Menschen zusammenführen und dadurch unendliches Elend erzeugen. Mißtrauen wird zur Ge- wohnheit und fast zu einer Tugend, die man mit dem Namen Vorsicht belegt. Alles Natürliche verschwindet; das herzliche Lachen wird selbst aus der Kinderstube als unschicklich verbannt und so hat man eine in Klassen gespaltene, sich gegenseitig befehdende, miß- iranische, bocksnüchtcrne Gesellschaft vor Augen, die hin und wieder nur in schlechten Leidenschaften sich berauscht, und sich immer weiter von ihrer natürlichen Bestimmung entfernt. Was wollen nun wir Sozialdemokraten? Wir wollen die Menschheit zu ihrer natürlichen Bestimmung hin- führen. Wir wollen die gemeinsame Arbeit organisiren, wir wollen den gemeinsamen Genuß cultiviren, wir wollen die einzelnen Individuen in den Schooß der Gemeinsamkeit bringen. Indem die Menschheit ihrer wahren Bestimmung zugeführt wird, wird dieselbe zu gleicher Zeit auf den richtigen Pfad der Culturent- Wickelung gebracht. Durch das gemeinsame Streben werden Neid und Haß ver- bannt; die blutigen Kriege schwinden unter den Nattonen, sowie die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen aufhört; die Kunst, die Wissenschaft, welche bis jetzt fast nur Wenigen zu- gänglich find, werden Gemeingut, und anstatt einzelner nach Höherem ringenden Menschen wird es eine nach dem Höchsten ringende Menschheit geben. Dann feiert die Menschheit ihren Auferstehungstag. Die internationale Arbeiter-Ausstellung in Paris. C. Wir find von mehreren Seiten gefragt worden, was es mit der„Exposition ouvrifere internationale"(Internationalen Arbeiter- Ausstellung), die in Paris vorbereitet wird, für eine Bewandniß habe, und wie sich die deutsche Sozialdemokratie, angesichts der an die Arbeiter aller Lander ergangenen Einla- dung zur Theilnahme an dieser Ausstellung, zu verhalten gedenke. Wir wollen auf beide Fragen antworten. Zu dieser Aus- stellung hat eine Gruppe von Pariser Arbeitern die Initiative ergriffen, die tbeilweise Productivgenossenschasten angehören; ihre Absicht ist, den direften Erzeugern, d. h. den Arbeitern selbst, unter Ausschließung kapitalistischer Zwischenmänner, die Ausstellung ihrer Produfte zu ermöglichen. Vom Wissenschaft- lichen Standpunfte aus mag es höchst fraglich sein, ob dieses Ziel erreichbar ist und ob die arbeitende Klasse durch dieses Mittel ihre ökonomische Lage auch nur im geringsten bessern kann; die ausgesprochene Absicht aber ist immerhin lobenswerth und bekundet, wie die an„die Arbeiter aller Länder" ohne Unter- schied der Nattonalität gerichtete Einladung, sozialistische Ge- ssnnung. Dieses Unternehmen ist ein rein privates und steht außer- halb der offiziellen Weltausstellung, da die Begründer desselben den ihnen für ihren Zweck innerhalb des AusstellungspallasteS angebotenen Raum zurückgewiesen haben und vorzogen, sich ein eigenes Gebäude unweit der Weltausstellung zu errichten. Der Bau ist von den Produftivgenossenschasten der Pariser Bauhand- werker hergestellt. Die Ausstellung soll am 15. Mai eröffnet werden. Wie man hört, sind bereits über 600 Anmeldungen eingegangen, und zwar nicht bloS aus Paris und dem übrigen Frankreich, sondern auch aus verschiedenen anderen Ländern z. B. aus England, Belgien, der Schweiz, nur aus Deutschland nicht. Die Ursache hiervon liegt offenbar darin, daß die deut- schen Arbeiter einerseits von ihrer Bourgeoisie durch den Groß- betrieb so intensiv ausgebeutet werden, daß ihnen fast alle Ar- beitSmittel und Vorbedingungen einer selbstständigen Produktton fehlen, und anderseits in dem Umstände, daß die Arbeiter in Deutschland so ziemlich aufgehört haben, mit Produftivgenossen- schaften zu experimentiren, und ihr Heil nur in der Umgestal- wng der Gesammtproduktton erblicken., 1 Nichtsdestoweniger wäre es zu bedauern, wenn die deutschen Arbeiter dieser„Jnternattonalen Arbeiter-Ausstellung", zu der auch sie ebenso eingeladen sind wie alle Andern, völlig fern- bleiben würden. Man könnte, sei es mißverständlich, sei es böswillig, ihre Enthaltung mit dem Nichtbetheiligungsbeschluß der deutschen Reichsregierung in einen Zusammenhang bringen. Man könnte glauben oder insinuiren, die deutschen Arbeiter seien in die Fußtapfen der deutschen Bourgeoisie und ihrer offiziellen Agenten getreten. Die französische Kapitalprcsse könnte den französischen Arbeitern höhnisch sagen:„Da seht Ihr Eure Brü- der. Fürst Bismarck wollte nicht, daß sie kommen und sie sind nicht gekommen." Es gilt durch eine Thatsache gegen derarttge Unterstellungen zu protesttren. Man hat uns eingeladen, wir kommen. Die deutschen Arbeiter werden wenigstens eine Leistung auszustellen vermögen, die ihr eigenstes Werk, ihr Fleisch und Blut ist und auf die sie mit Recht stolz sein können: ihre Presse, und zwar sowohl ihre politischen Parteiorgane, als ihre unterhaltenden, illustrirten und gewerkschaftlichen Blätter. Jede Zeile dieser Presse bekundet den unabhängigen, fteiheitlichen, Wissenschaft- lichen Sinn des deutscheu Proletariats und scheidet dasselbe von der immer platter und bornirter werdenden Bürgerftaffe. Mit dieser Ausstellung geben die deutschen Arbeiter ihren Mit- kämpfern aller Länder Rechenschaft über das, was sie während des letzten Jahrzehents für die Emancipation des Proletariats geleistet haben. Es ist dazu nicht nöthig, ganze Jahrgänge unserer Blätter nach Paris zu schicken; zwei oder drei der neuesten Nummern jedes Blattes genügen, um einen Begriff von dem Geiste und der Haftung desselben zu geben. Wir sind überzeugt, daß sich keines unserer Organe von dieser Kund- gebung ausschließen wird, durch die wir in die uns dargebotene Bruderhand einschlagen. Auf der vorigen Pariser Weltaus- stellung, im Jahre 1867, war die deutsche Industrie in erster Reihe durch Gußstahlkanonen und andere Mordinstrumente ver- treten. Das war brutal, aber deutlich. Heute, da unsere Bour- geoi» ganz wegbleiben, ist es an uns, unsere Waffen zu zeigen, und diese Waffen werden nicht, wie die Krupp'schen Geschütze, Haß und Ekel erwecken, sondern unS die Achtung und die Zu- Neigung aller cdeldenkenden Menschen erobern! Die Zeitungsexemplare sind bis zum 26. d. M. an Partei- genossen A. Geib in Hamburg(Rödingsmartt 12) zu schicken, der die Sammlung nach Paris übersenden wird. Ans Amerika. Baltimore, 27. Marz. Im Staate Louisiana find vor einiger Zeit vier Mitglieder des„Rewrning Boards" wegen Fälschung verschiedener Wahl- berichte zu Gunsten der Präsidentschaft Hayes in Anftagezustand versetzt worden. Der Hauptschwindler Anderson wurde von den Geschwornen schuldig befunden und erhieft 2 Jahre Zucht- Haus zudittirt. Darüber allgemeines Erstaunen. Man freute sich schon auf das Schauspiel, daß während Hayes ruhig im „weißen Hause" sitzt und die Früchte des größten Betrugs, der je vorgekommen ist, genießt, seine Helfershelfer in die Straf- anstatt wandern müssen. Es kam anders. Das Obergericht wurde Retter in der Roth. Dieses fand heraus, daß nicht, wie in der Anftage behauptet, der Originalwahlbericht eines Countys(Ortes) gefälscht, sondern dem Original ein anderer (gefälschter) Bericht substituirt worden sei. Wegen dieses Formfehlers wurde die Anftage verworfen und die sofortige Entlassung des Anderson angeordnet. Es ist immer gut für Hayes, daß er ein so„gelehrtes" Obergericht hat. In den Vereinigten Staaten existiren gegenwärtig 2 Millionen Arbeitslose. Eine Million bildet, um mit den kapitalistischen Blättern zu reden, die große„Landstreicher"-Familie(tramps), d. h. sie sind ohne festen Wohnsitz, ziehen von einem Orte zum andern und ernähren sich durch„Bettelei". Nachdem schon in mehreren Staaten die„weisesten Männer" vergeblichgauf Mittel gesonnen, sich die Arbeitslosen vom Halse zu schaffen, fand Ende vorigen Jahres in Baltimore der„Staatsconvent zur Erörterung der Trampfrage" statt. Diese Convention wurde heimgesucht mit Vorschlägen von den„berühmtesten" Männern des Staates Maryland. Worte wie:„Die Tramps sind Räuber";„die Land- streicher müssen vom Erdboden verttlgt werden" fielen massenhaft. Ein Antrag, die Legislatur zu ersuchen, eine Insel anzukaufen, alle Arbeitslosen dahin zu bringen und zur Arbeit zu zwingen, wurde abgelehnt, dagegen schließlich beschlossen, die Gesetzgebung zu ersuchen, in allen Theilen des Staates Arbeitshäuser zu errichten und die Tramps hineinzusperren.— Der hiesige „Deutsche Eorrespondent", der anerkennt, daß die Landstreicher- und die soziale Frage identisch sind, war mit dem Resultat der Tramp-Eonvention nicht zufrieden und meinte, die soziale Frage wird gelöst durch Rückkehr zur Hartgeldzahlung! Außer- dem verhöhnte dieses Blatt auch noch die Unglücklichen, die ge- zwungen find, ohne Subfistenzmittel arbeitsuchend im Lande herumzuziehen. Der„Deutsche Eorrespondent" schrieb, wenn man die„Tramps" richtig beurtheilen wolle, müsse man eine tramp sbow(Landstreicherausstellung) ähnlich der dad�ssiow(Ausstellung kleiner Kmder. Eine solche fand im Ottober vor. Js. hier statt und endete damit, daß die Unternehmer, ohne die Prämien zu bezahlen, die das schönste, häßlichste u. s. w. baty erhalten sollte, verschwanden)— abhalten. Dabei könnte man erkennen, welcher Landstreicher der gefräßigste, dümmste, gemeinste, mordlustigste, habsüchtigste u. s. w.(hier waren mindestens 31 Eigenschaften, eine niedriger als die andere, angegeben) sei. Gegen diese Verhöhnung der beschäftigungslosen Arbeiter habe ich in einer Massenversammlung protestirt, dem„Eorrespondent" die Wahrheit gesagt und schließlich die Hoffnung ausgesprochen, daß bald der Zeitpunkt kommt, wo Arbeiter derartige Zeitungen nicht mehr unterstützen; und wenn dann in späteren Jahren einmal eine„Ausstellung" der wirklich nichtsnutzigen Mitglieder der menschlichen Gesellschaft stattfindet, würde man wahrscheinlich das Vergnügen haben, die Redakteure des„Deuschen Egrrespon- dent" ausgestellt zu finden. Wie durchschlagend diese Bemerkung war, zeigte der giftige Bericht in der nächsten Nummer des „Correspondent". Es kowmt häufig vor, daß Arbeitslose einen kleinen Dieb stahl begehen, nur um Quartier und Nahrung— im Gefängniß zu erhalten. Dadurch entstehen den Countys eine Menge Kosten und man wird deshalb die Agitation in verschiedenen Staaten, als Lohn für kleine Diebstähle die— Prügelstrafe wiedereinzuführen, begreiflich finden. Die kleinen Diebe, die aus oben angegebenem Grunde stehlen, haut man aus, die großen läßt man laufen— alles zur Ersparung von Kosten. O glorreiche, o herrliche Republik! Als hauptsächlich gegen die Arbeitslosen gerichtet, muß man auch das der Legislatur von Süd-Carolina vorgelegte Gesetz, Nothzucht und Einbruch mit dem Tode zu bestrafen, ansehen. Trotz der entgegenstehenden colossalen Schwierigkeiten macht die„Sozialdemokratische Arbeiterpartei der Vereinigten Staaken" gute Fortschritte. In vielen Städten werden jetzt von den Ge- Nossen„Lehr- und Wehrvereine" organisirt, um die Arbeiter im Exerziren und in der Handhabung der Waffen zu unterrichten. Die Organe der Kapitaliften find wüthend darüber. Der„Vorwärts" in Newark, die„Neue Zeit" in Louis- ville i. Kg., u. s. w. sind eingegangen. Von der„Neuen Zeit", in deren Verwaltung fich volksfeindliche Elemente ein- geschlichen hatten, hatten sich die Louisviller Genossen schon lange vor dem Zusammenbruche zurückgezogen. Nach meiner Ansicht sind leider noch mehrere tägliche Parteiorgane in großer Gefahr. In der Regel ist bei der Gründung dieser in riefen- hastem Formate erscheinenden Zeitungen nicht mit der gehörigen Vorficht verfahren worden.— Der Jahrestag der Commune ist von fast allen Sektionen festlich begangen worden und find mitunter großartige Erfolge erzielt worden. Schließlich bemerke ich noch, daß die Zeitungen jeden Tag über mehrere Hinrichtungen zu berichten Gelegenheit haben, u. A. sind vorgestern auch wieder drei„Molly Maguires" in Pcnnsylvanien„gehängt" worden. Die Begnadigungsbehörde hat die Umwandlung der Todesstrafe in lebenslängliche Zuchthausstrafe abgelehnt. Natürlich! Waren es doch„geistig ganz tief stehende Arbeiter", die, um sich von der beispiellosen Bedrückung zu befreien, in ihrer Beschränktheit kein anderes Mttel fanden, als fich an den Peinigern zu vergreifen. Das muß gerächt werden. Abgesehen aber von der schon vorhandenen ungeheuren Ueberfüllung der Gefängnisse würde es ja dem Staate Kosten verursachen, wenn man die Kerle lebenslänglich gefangen hielte, viel besser und billiger ist's für die Herren Bourgeois, man— hängt sie auf? Emil Klässig. Sozialpolitische Uebersicht. — Auflösung des Reichstags. Obgleich Fürst Bismarck an einem seiner Bierabende erklärt hat, daß es ihm nicht ein- falle, den Reichstag jetzt aufzulösen, mehren sich doch die Stim- men, welche die Vermuthung aussprechen, daß der jetzige Reichs- tag im nächsten Herbste das Zeitliche segnen werde. Auch die sonst sehr vorsichtige„Weserzeitung" giebt diesem Gedanken in Folgendem Ausdruck: „Hat Bismarck die freihändlerischen Elemente aus der Re- gierung ziemlich gewaltsam entfernt, so wird er nicht bei dem vorherzusehenden Widerstande deS Reichstages die Hand sinken lassen. Will er schutzzöllnerisch regieren, will er die bekannten finanziellen Pferdekuren durchführen, will er mit einem Mini- sterium regieren, das wenig oder keine Fühlung zur national- liberalen Partei hat, so bedarf er einer anderen Reichstags- Majorität, und auch der Wunsch, den Reichstag nicht aufzulösen, wird stärkeren Wünschen das Feld räumen müssen. Es giebt ferner Gründe, die auf eine baldige Verwirklichung der Auf- lösung hindrängen. Je gefahrvoller die auswärtige Situation ist, desto stärker wird beim deutschen Volke der Wunsch sein, das Steuer des Staates in Bismarck's starker Faust zu sehen; sein angegriffener Gesundheitszustand treibt den Kanzler überdies zur Eile. Die Situation trägt daher trotz wieoerholter De- mentis den Charakter der Spannung." Die„Weserzeitung" spielt hier auf die Weigerung der Reichs- tagsmajorität an, Herrn von Bismarck das Tabaksmonopol zuzugestehen.— Wir stehen anderen angeregten Differenzen— Frcihandeln und Schutzzoll— nicht so sehr nahe und können deshalb mit der größten GemüthSruhe der evenwellen Auflösung entgegensehen. Die Sozialdemokratie ist diejenige Partei, welche eben aus jeder Neuwahl agitatorischen Nutzen zieht. — Eine traurige Erscheinung tritt in dem kürzlich aus dem preußischen Kriegsministerium hervorgegangenen statistischen Sanitätsbericht für das Rapportjahr vom 1. April 1873 bis Zwei Geschichtsabschnitte. (Schluß.) Das Christenthum also, das unseren Bätern als Ausdruck ihrer Weltanschauung diente, hat aufgehört, für uns dasselbe zu sein, und— darin gleicht gerade unsere heutige Periode jener Zeit der heutigen Geschichte— unsere heut herrschende Gesellschaft, die es gerade war, die die Nichtigkeit der idealistischen Anschauung ausdcckie, war und ist nicht im Stande, ein neues und besseres Prinzip an Stelle des abgelebten zu setzen. Und so schwebt denn auch sie in der Mitte zwischen Himmel und Erde, zwischen Idealismus, auf den ersten als unerreichbar Verzicht leistend, und zu ohnmächtig, den letzteren zu erfassen und sich ganz zu "ähnlicher' Lage wie jene Römer fich befindend, muß noth- wendig die Gesellschaftsphyfiognomie eine gleiche sein. Da fällt unser Auge zunächst auf die krassen Klassenunterschiede. Eine winzige Anzahl Menschen drängt sich in den Vordergrund, kennt nur sich, lebt nur seinen Vergnügungen und hat kern Herz für die dahinter sich drängende unabsehbare Masse des Volke«, das trotz seiner sklavischen Arbeft nicht mehr erreicht, als sein und seiner Nachkommen elendes Leben zu fristen. Und das kaum. Das„goldene Kalb" hat abermals Fleisch und Blut angenommen, es hat sich abermals auf den alles beherrschenden Sitz ge- schwangen, es ist abermals das Ideal der Gesellschaft geworden, wonach Alles strebt und um welches im widerlichen Reigen sich Alles dreht... � Auf den ersten Blick ist es auffällig, daß ein Prinzip, das in Wahrheit längst überwunden ist, in der Wirklichkeft noch zu herrschen im Stande ist. Dieser Umstand erklärt sich aber theils aus der zweitausendjährigen Gewohnheit; der blmde Glaube wird dem Kinde eingeimpft und macht eS zur Karrikatur. Das Geschöpf nennt fich Christ, hat aber von dem G.-iste des Christen« thutnS.leine Spur an sich. Nicht mehr im Glauben und dem Herzen der Menschheit herrscht das Christenthum, sondern einzig und allein als Mittel zum Zwecke. zum 31. März 1871 über die Ursachen der Dienstuntauglichkeit der im ersten Dienstjahre stehenden Rekruten uns entgegen. Es sind nämlich wieder entlassen worden: wegen Gefichtsschwäche 231, Blindheit 121, hochgradiger Kurzfichtigkeit 135, wegen Kropfes 46, Abnormität des Rückgrats oder des Brustkastens 59, wegen Unterleibsbruches 334, Wasserbruches 17, Krampf- aderbruches 66, wegen Abnormität der Gliedmaßen 150, wegen Steifheit des Daumens 55, Steifheit eines Fingers 184, wegen Plattfuß III, Krampfader 93, wegen hervorragender Fußballen 15, wegen schwacher Brust 176— in Summa 1773.— Bei der Aushebung scheinen die Herren Aerzte es nicht ernst genug, oder sagen wir allzuernst zu nehmen, so daß sie eine große An- zahl Dienstuntauglicher mit einstellen. Welche große Berant- wortlichkeit sie dadurch für die Gesundheit und selbst für das Leben der so Eingestellten übernehmen, dürfte Jedem klar sein, der da weiß, mit welcher Eigenthümlichkeit diejenigen Kranken, deren Krankheit nicht sofort zu erkennen ist. als Simulanten bei dem Militär behandelt werden.— 1773 junge Männer, die im Civilleben wohl meist ihre Heilung gefunden hätten, find in einem Jahre, zum großen Theil durch unüberlegte Einstellung in die Soldateska, zu langwierigem oder gar unheilbarem Elend verdammt! Das ist auch eine solche Blüthe am Baume unseres heutigen Militarismus. — Bon der„Nemesis" ereilt. Wir berichteten schon mehrfach von dem vermeintlichen Attentäter Schreiber Lugowski und den„Eindruck", welchen der angebliche Mordplan desselben in den betr.„Kreisen" hervorgebracht hatte. Jetzt erzählen die Zeftungen: „Der bekannte, hier seiner Zeit in einem Hotel der Roß- straße abgestiegene Pole, Secretär Lugowski, welcher sich durch ein angebliches„Attentat auf den Kaiser und Fürsten Bismarck" eine traurige Berühmtheit verschaffte, sollte bereits am 24. d. M. vor den Geschworenen erscheinen, bat jedoch, die Verhandlung Ju vertagen, da sein Gesundheitszustand ein sehr zerrütteter ist. )iesem Wunsche wurde seitens des Gerichtes gewillfahrt, da in der That der Gesundheitszustand des Lugowski ein sehr bedenk- licher ist und dessen Tod(an Schwindsucht) wohl bald zu er- warten ist." Wir haben es hier wieder mit einer jener wunderbaren Fügungen zu thun, welche fich seit Bestehen des neuen Reiches der Gottesfurcht so oft wiederholen und welche klar beweisen, daß der Himmel selbst entschieden reichsfreundlich ist. Dieser Lugowski hatte einmal in den betreffenden„Kreisen" unan- genehme„Eindrücke" hervorgerufen— ob mit oder ohne Grund, ob er was dafür konnte oder nicht, ist ja schließlich ganz gleich — und siehe da— die Vorsehung findet alsbald ein ebenso einfaches wie durchschlagendes Mittel, allen fernern Besorgnissen betreffs dieses Menschen ein Ende zu machen. Welches immer auch die Absichten dieses neuen Möros gewesen sein mögen— eines steht fest: Lugowski wird nicht mehr attentaten. Es ist wahr— der Unglückliche ist darüber im Kerker gestorben; aber wer kann dafür, daß Kriminaluntersuchungen so lange dauern müssen und daß gerade sein Fall so ganz besonders ver- wickelt ist, daß fich die Untersuchung noch länger als gewöhnlich hinzog? Es erweckt ein eigenthümliches Gefühl, zu sehen, wie in unserer„civilifirten" Zeit mit Menschenleben— wißt Ihr, was das heißt: Menschenleben?— umgegangen wird, wie spielend die Menschen— und heißen sie auch nur Lugowski— so ohne Weiteres aus der bürgerlichen Gemeinschaft weggerissen werden können, um in die Kerkerzelle geworfen zu werden, allen Qualen eines solchen Ortes preisgegeben, von der Welt abgeschnitten, außer Stande, sich ihr vernehmbar zu machen, zu ihr zu sprechen, fich wirksam zu vertheidigen, zu rechtferttgen, und das alles, ohne irgend welcher Schuld schon überführt, vielleicht gar keiner sich bewußt zu sein— und so hinzusiechen, so lange, bis ihnen die Lust zu aller Vertheidigung und aller Rechtfertigung vergeht und sie, still und stumm, den Mund über all die erduldeten Leiden für ewig geschlossen, in die Grube hinabfahren; aber wer kann dafür, daß dieser Mensch gar so zimperlich war und wegen so was auch gleich gestorben ist— an der Schwindsucht! A propos— man erinnert sich all der Räubergeschichten, die seiner Zeit über Lugowski colportirt wurden und die ihn zu einem Ichinderhannes zu machen fich die redlichste Mühe gaben. Zur Ergänzung derselben dient eine Correspondenz aus seinem Wohnort Schönlanke, welche damals die(doch wohl nicht reichs- feindliche?)„Nattonal-Zeitung" brachte und in welcher es u. A. hieß: „Im Uebrigen ist der Lugowskl ein eingeschüchterter Blondin, der an Mord wohl nie gedacht hat; sein Äeußeres ist sonst ein- nehmend. Es hat im hiesigen Städtchen allgemeines Aufsehen erregt, daß dieser junge Mann ein so raffinirter Schwindler ist." Lapisnti sat, d. h. auf Reichsdeutsch:„Pst! Stille!" Eine andere mächtige Stütze findet die idealistische Weltan- schauung in den Interessen der herrschenden Klaffen. Diese Herren, selbst kalt und gleichgiltig dem Christenthum gegenüber, sind dagegen ängstlich besorgt, daß das Volk nicht aus dem ge- träumten Himmel herabfalle und durch den Fall etwa erwache. Erst die Zahlung von so jund so viel Steuern berechtigt zur Gleichgilligkeit. Hätte doch der Arme gar keinen Halt, wenn nicht die Hoffnung auf ein zukünftiges Besserwerden vorhanden wäre; der Bourgeois dagegen hat schon in dieser Welt etwas Materielles, Greifbares, woran er sich hält, was er den Armen gegenüber sanktionirt und als die Basis deS ganzen Gesellschafts- lebens hinzustellen versucht. Vermöge seiner Macht und seines Einflusses auf Staatseinrichtungen jeder Art, Volkserziehung, Presse rc. ist er im Stande, noch ein Prinzip als Mittel zu ge- brauchen und das somit schon durch diesen Gebrauch seinen Cha- rakter verliert. Noch immer zwar theilen sich unsere Himmelsgläubigen in zwei Lager: das katholische und das protestantische, aber weder die Einen noch die Anderen meinen es ernst mit ihrem Thun. In beiden Lagern sind wahrhast Gläubige, d. h. Solche, die blindlings ihrer Lehre anhängen und glauben, dieselbe sei noch im Stande, die Welt zu beglücken, gleich selten; ein bedeutendes Contingent zu diesen Anhängern des Christenthums stellen die, die fich aus Interesse irgend einer Art um jene wurmstichige Fahne sammeln; die dritte Abtheilung, die die bei weitem größte Zahl von Anhängern hat und fich zumeist aus den fich„gebildet" nennenden Klassen zusammensetzt, find jene GleichgilUzeu, die eine Ehre darein setzen, gar nichts zu sein, jedes Prinzip nach dem Monde verbannt zu haben und verächtlich auf alle die herabblicken, die fich nicht zu ihrer farblosen Fahne und zu ihrer, d. h. der öffentlichen Meinung bekennen. Kein Zweifel, dieses ist die erbärmlichste Sorte, denn nur ein Mensch ohne all' und jeden Charakter und der in Folge dessen seine Situatton gar nicht begreift, kann in dieser Lage leben. Komisch ist dabei, daß man gerade von Seiten dieser Leute häufig klagen hört über die Armuth unserer Zeit an großen Männern. Wo sollen denn aber in dieser Gesellschaft bedeutende Geister aufkommen, — Die Berliner Polizei und die Sozialdemokratie. Die„Magdeb. Ztg.", welche sicherlich nicht im Verdachte der Sozialistenfreundlichkeit steht, verurtheill in einem längeren mft: „Grober Unfug" überschriebenen Arttkel den groben Unfug, welcher in neuerer Z-it von der Berliner Polizei mit dem straf- rechtlichen Begriff:„Grober Unfug" getrieben wird. Das Blatt meint, daß unter den Worten„grober Unfug" vom Strafgesetze nur Ruhestörungen und Ungebührlichkeiten, welche zu einer Be- lästigung von Staatsangehörigen führen,»erstanden werden. Würde man dem hier einschlägigen§ 360 Nr. 11 deS R.-Str.- G.-B.„eine andere Auslegung geben, so würde er zu einem höchst gefährlichen Werkzeuge des subjektiven Beliebens, zu einem „Kautschukparagraphen" ersten Ranges werden, und daran hat der Gesetzgeber sicherlich nicht gedacht". Ganz gut, wenn der Gesetzgeber nicht daran gedacht hat. Aber daran hätte erdenken sollen, daß die Polizei in unserm heutigen Staate nahezu all- mächttg ist; daß sie so ziemlich alles thun und lassen kann, was ihr beliebt. Hätte der„Gesetzgeber" daran gedacht und hätte er dem„subjekttven Belieben" ein für allemal ein energisches und unzweideutiges strafgesetzliches Halt evtgegengerufen, die Berliner Polizei hätte nicht gewagt, Sozialisten, die zum Austritt aus der Landeskirche aufgefordert haben, wegen„groben Unfugs" zur Rechenschaft zu ziehen. — Die Stöckerianer haben den kühnen Ensschluß gefaßt, bei den kommenden Reichstagswahlen in Berlin ihr Glück zu versuchen. Stöcker wird als derjenige bezeichnet, der im 6. Ber- liner Wahlkreise gegen unfern Genossen Hasenclever zu kan- didiren gedentt. Gegen Fritzsche wollen die Leutchen Grüne- berg oder Küster loslassen. Das wird einen Hauptspaß ab- geben. Ach wäre die Zeit der Wahl nur erst herangerückt! — Aus einer Hauptübersicht, die der sächsische Unter- richtsminister über die sächsischen Unterrichtsanftalten hatte zu- sammenstellen lassen, hatten wir bekanntlich(s. die sozialpolitische Uebersicht der Nr. 28 des„Vorwärts") das unsre heutigen Zu- stände grell beleuchtende Ergebniß erhalten, daß in Sachsen auf den einzelnen Studenten und Schüler der höheren Unterricht»- anstalten ein Staatszuschuß von 107 Mark geleistet würde, wäh- rend auf den einzelnen Schüler der niederen Unterrichtsanstalten nur ein solcher von 2'/- Mark entfalle. Diese häßliche Thatsache abzuschwächen, fühlte sich ein Herr R. in Chemnitz berufen, und da die„Chemn. Fr. Pr." unsre Daten benutzt hatte, so richtete er seine Polemik unter Benutzung der„Chemn. Ztg." gegen unser dorttges Parteiorgan. Aber wie polemisirt der edle Herr: Er nimmt die» direkte Einkommensteuer zu Hilfe und sucht aus dem Umstände, daß die vermögenderen Klaffen den größeren Theil derselben aufzubringen hätten, den Nachweis zu liefern, daß in dem Unterstützungsmodus der sächsischen Uiiierrichlsanstalten Seitens des Staates eine Ungerechtigkeit, ein Mißverhältniß gar nicht existire. Wir halten es für überflüssig, von den Ziffern, mit denen Herr R. aufwartet, auch nur eine anzuführen, da sie zur Sache nichts beweisen. Thatsache aber ist, daß die diretten Staatssteuern in dem Budget eines jeden Staates eine sehr nebensächliche Rolle spielen und daß der bei weitem größte Thell der Staatsausgaben durch Einnahmen aus der indiretten Steuer, die, wie der Chemnitzer Schlaumeier sehr gut wissen wird, ledig- lich von den ärmeren Volksklassen aufgebracht wird, bestritten wird. Aber selbst die direkte Steuer kommt in ihrer Wirkung der indirekten Steuer gleich. Der Rentier, Bankier, kurz der moderne Geschäftsmann überhaupt, versteht fich auf die Profit- macherei wie der Fuchs aufs Rauben; und derjenige Geschäfts- mann wäre ein Dummkopf, wie er im Buche steht, der es nicht verstünde, jede Steuer, trete sie aus in welcher Gestalt immer, durch sein„Geschäft" wieder herauszuschlagen. Es ist also zum mindesten sehr dreist, für die höheren Bildungsanstatten das R-cht einer ausgiebigeren Staatsunterstützung zu beanspruchen, weil die vermögenden Klassen angeblich den größten Theil der direkten Steuer aufbringen. — Der französische Marineminister hat an die Gou- verneure der Strafkolonien von Neu-Caledonien und Cayenne eine Verfügung erlassen, nach der die Prügelstrafe fortan nur in ganz bestimmten Fällen zur Anwendung kommen soll. Danach darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Gouverneurs„geprä- gelt" werden, nachdem der Gouvernenr einen Bericht des Di- rettors der Strafoerwaltung und das Gutachten einer besondern Commission eingeholt hat. Die Verfügung schreibt außerdem vor, daß die Leibesstrafen nur bei den schon in die Correktions- Abtheilungen gestellten und auf Lebenszeit verurtheilten©träft lingen und dann nur in solchen Fällen in Anwendung komme« dürfen, wo die Thatsache« nicht vor das Kriegsgericht verwiesen werden können und der disziplinarischen Bestrafung verfallen.— Wir hätten die Verfügung des französischen MarineministerS Ivo sollen sie Fuß fassen können, welches Prinzip soll sie tragen, wenn die Gesellschaft es.sich zum Prinzipe macht, kein Prinzip und keinen Boden zu haben? Wie sollen Charattere aus einem Guß aufkommen, wenn die Gesellschaft bald nach rechts, bald nach links gezogen wird; wie soll eine Gesellschaft Bedeutendes leisten können, wenn sie selbst nicht weiß, was sie will? Der Mangel dieses sittlichen Haltes offenbart fich in gleicher Weise bei uns, wie wir das in der römischen Welt, zu Cäsaris Zeiten und später, sehen. Sowohl im politischen wie im sozia« len Leben tritt dieser Mangel unzweideutig hervor, und seine herrlichste Frucht auf polittschem Gebiete ist der Nationallibera- lismus, zusammengesetzt au» Anhängern jener dritten Abtheilung von„Gottesfürchtigen". Der nun überlebte Culturkampf zeigt uns so recht deullich das Schwanken dieser Halbmenschen zwischen der alten und neue« Welt, den gänzlichen Mangel eines jeden sittliche» Halte». Leute, die sich berufen glauben, für die Freiheit des Menschengeiste» zu kämpfe», können fich noch nicht zur confesfionsloien Schule erheben, können fich noch nicht einer Hülle entledigen, deren Inhalt längst verflogen ist; sie nennen sich kacholisch oder pro- testantisch, tragen aber weder von der einen noch von der ander« Religion eine Spur im Herzen. Nicht die Kraft haben sie, fich äußerlich von dem loszusagen, mit dem sie innerlich längst ge« brachen. Sie nennen sich die Beschützer der von der Religion befreiten Wissenschast, sagen stolz, dw Wissenschaft müsse mft dem Staate gehen, können sich aber mft den Resultaten ihres Pflege- kindes nicht vertragen, und bekämpfen sie auf alle mögliche Weise. Sie haben versucht, die Wissenschaft, Voltserziehung. Presse-c. von der Religion zu lösen, aber nicht um diese wichtigen Fak- toren der Civilisation sich selbstständig entfalten zu lassen, son- der» sie haben diese Culturpflanzen nur au« dem Felde der Kirche in das eigene umzupflanzen gesucht. Wie bei den Römern, so auch bei uns sind alle Rechtsbe- griffe und Ideale in der allgemeinen Versumpfung erstickt; alle seine Kräfte, all' sein Streben richtet der Mensch nach dem Gelde, die Mittel, dieses Ziel zu erreichen, find durch den Erfolg'w Boraus geheiligt;„Agiotage und Liberalismus sind so recht die UN erwähnt gelassen, wenn sie nicht die von den Gegnern der Pariser Commune angezweifelte Thatsache bestätigte, daß bis noch vor ganz kurzer Zeit die Prügelstrafe rein in das Belieben der jeweiligen Gouverneure der oben genannten Strafkolonien gestellt gewesen war. Man kann sich also lebhaft vorstellen, wie es den Pariser Communarden auf Neu-Caledonien ergangen sein muß und sehr wahrscheinlich noch ergeht, da zu den Gouverneur- Posten meistens notorisch verthierte Subjekte auSersehen werden, für die man im Heimathlande keine Verwendung hat. — Die Baumwollspinnerei-Fabrikanten von Black- burn(England) haben das Anerbieten einer fünfprozentigen Lohnreduktion, welches ihnen die Arbeiter machten, rundweg ab- gewiesen; sie beharren darauf, daß die Arbeiter zehn Prozent des Lohnes hergeben, damit, wie sie heuchlerisch vorgeben,„die Industrie nicht leide". Wenn der Geldsack der Fabrikanten nicht in den gewünschten Mengen den goldigen Zufluß erhält, dann leidet ja stets die Industrie; sie blüht dagegen, wenn die Ar- heiter schanzen müssen, daß ihnen die Finger bluten, dabei aber kaum satt zu essen haben. Naturlich wollen die Baumwoll- Spinnarbeiter den zehnprozentigen Lohnabzug nicht gutwillig hinnehmen und drohen mit einer allgemeinen Arbeitseinstellung. Und so werden wir denn wieder einmal das Schauspiel erleben, daß nahezu 30,000 werkthätige Menschen vielleicht auf Wochen und Monate hinaus zum Nichtsthun verurtheilt sind, weil ihnen die„Arbeitgeber" den wohlverdienten Lohn nicht zahlen wollen. — Der verantwortliche Redakteur der hier erscheinenden „Fackel", Künzel, hat am 16. d. M. eine Hast von vorläufig einem Monat angetreten. Eine ziemlich anständige Anzahl wei- terer Klagen, unter denen sich auch eine fünffache deS der Leipziger Jugend wohlbekannten Kaufmanns Sparig befindet und die noch der Erledigung harren, dürste die„Sommerreise" Künzells noch um etliche Monate verlängern. Pariser Weltausstellung. Auf zahlreiche Anstagen, die dem Pariser Empfangs-Comitä aus mehreren Ländern zugegangen find, diene Folgendes als Antwort: Das Comitä betrachtet als seine Aufgabe lediglich den Nach- weis billiger Logis und billiger Kosthäuser, sowie die Beranstal- tung gemeinsamer Besuche der Weltausstellung an den Sonntagen und die Ertheilung von Rath und Auskunft an die Partei- genossen, hingegen nicht den Arbeitsnachweis und noch we- niger die pekuniäre Unterstützung von nach Paris zugereisten Parteigenossen. Das Comitä setzt vielmehr voraus, daß jeder Parteigenosse, der die Ausstellung zu besuchen gedenkt und sich an dasselbe wendet, mit den Mitteln zur Hin- und Rückreise, sowie zum Aufenthalt in Paris genügend versehen ist, und muß für alle Fälle, in denen diese Boraussetzung nicht zutrifft, von vornherein jede Verpflichtung seinersetts ablehnen. Was die Unterbringung ausländischer Arbeiter in Paris und Frankreich überhaupt betrifft, so dürfte aus den zahlreichen in letzter Zeit dort stattgehabte» Strikes hinlänglich klar sein, daß die Verhaltnisse dort nicht besser find als anderwärts. .Ferner sei noch bemerkt, daß manche Ausstellungsgegenstände lcr,m.f6 des Monats Mai ausgepackt werden; es ist also rathiam, nicht vor Ende Mai zu kommen. Die Arbeiterblätter werden um Aufnahme dieser Mittheilungen gebeten. Die Moralität in der henttgen Gesellschaft. Die Kassendiebstähle mehren sich auf eine geradezu haar- sträubende Weise. Leider find eS in der Regel ine sogenannten „kleinen Leute", die Handwerker, Landleute, mitunter besser fituirte Arbeiter und Dienstboten, welche um ihre Ersparnisse bestohlen werden uud das leere Nachsehen haben. So wurde z. B. die Stadtkasse in Zwickau von einem beretts 20 Jahre im Dienste der Stadtgemeindc stehenden Beamten um 6000 Mark erleichtert. In Würzen wurden aus der dort bestehenden Servis- kasse von einem bereits seit 13 Jahren bediensteten Beamten ebenfalls 6000 Mark veruntreut. In Roßwein wurde der Direktor des dortigen Vorschußvereins, Stadtrath Brückner, wegen erheblicher Kassendefekte verhastet. Aus letzterem Orte kommen Berichte, welche wir nicht übersehen wollen. Vor dem Hause des verhafteten Direktors des Vorschußvereins sammelte sich eine Menge Menschen an, was sehr begreiflich ist, wenn man in Erwägung zieht, daß für Manchen die Frucht jähre- langer Arbeit und„Sparsamkeit" auf dem Spiele stand. Da sich die Leute ruhig verhielten, hatten weder die Polizei noch die Militärpatrouillen Gelegenheit zum„Eingreifen". Da das eigensten Kinder des Liberalismus" und zeigen in drasttschen Formen, wie es um Recht und Freiheit bei uns steht. Daß in sittlicher Beziehung unsere heute herrschenden Klassen denen zu Cäsar's Zeiten nicht voranstehen, braucht nicht erst gesagt zu werden. Der„Vorwärts" selbst hat in letzter Zeit mehrfache Notizen gebracht, die nach dieser Seite eigenthümliche Streiflichter auf unsere Gesellschastsretter werfen, und halten wir es nicht für nöthig, auf diesen Punkt des Weiteren einzugehen. ..Auch die Kunst, diese schöne Blüthe des blühenden Menschen- ? v'n??t sich zum größten Theil längst hineinzerren lassen n> den Reigen um das„goldene Kalb" und bricht ihre schönsten IM1 häßlichen Mammon. 'ckmWu Geficht verändert; er ist nicht der positiv llle üüK-n'"'cht der Boden des Völkerlebens, auf den sich .TiuHen, aus dem wn. aw x« gemeinsame' Arbeit � x ßTaft unb Stärke saugen für die rakter anaennmm-' ber �taat hat einen rem negattven Cha- Begriffe Erlaubte"�,» beschränkt sich darauf, das nach seinem sichten über die 2-� und wehe Dem, der andere An- Nüb�Frei e.?�«� Wirksamkit des Staate, selbst ÄSMÄÄs.rj Wir ziehen es vor, den Himmel auf die Erde herabzuziehen und es uns h,er cköglichst gut einzurichten, unbekümmert um Irma ttt/tf hpm T.nbe ocicfa frpn inff A-.._____ was mal nach dem Tode gesch hen soll'- Ereignisse, von enen kein Mensch zu erzählen weiß Die schöne Aufgabe des G �'nc�us ist es ja eben, die Welt sittlich zu erneuern, der X schuft ein hohes siitliches Pnnz'p zu geben, das ihr ab- fanden gekommen ist. Dieser hohe Zweck rechtfertigt die Bestre- Sozialismus und garantirt gleichzeitig den Erfolg ! Volk keinen Anlaß zu„Heldenthaten" gab, mußte dieser Anlaß von der Polizei herbeigeführt werden. Der Polizeiwachtmeister nahm ohne jede Ursache eine Arretur vor. Durch diese provokato- rische Handlungsweise wurde das Rechtsgefühl des Volkes verletzt; die Menge nahm Partei für den Jnhafttrten, beglestete denselben zur Wachtstube und verlangte dessen Freilassung, zugleich er- klärend, den Platz nicht eher räumen zu wollen, bis das von der Polizei begangene Unrecht wieder gut gemacht und der In- hastirte entlassen werde. Dem Willen des Volkes nachgebend, erschien der Bürgermeister in Begleitung des Polizeiwachtmeisters und eines Gensdarmen und verfügte, nachdem er die Klagen der Anwesenden vernommen, die soforttge Freilassung des Jnhafttrten. Die Volksmenge, die durch den Kassenschwindel erregt war und durch die Polizeiwillkür erbittert wurde, wandte sich nach dem angeblichen Aufenthalte des Stadtraths und Tuchfabrikanten Kirchbach(welcher erst vor Kurzem versuchte, die Löhne„seiner" Arbeiter zu reduziren) und bombardirte die Fenster mit Steinen. Obschon wir ein derartiges Vorgehen durchaus nicht billigen, finden wir es doch begreiflich. Die Früchte jahrelanger Arbeit, unsäglicher Mühen und der so oft gepriesenen„Sparsamkeit" wurden auf einmal von noblen Bummlern gestohlen, waren unrettbar verloren. Es ist daher den Geprellten nicht zu ver- denken, wenn sie in Auftegung geriethen. Diese Aufregung zu beschwichtigen mußte ein Theil unseres„herrlichen Kriegsheeres", mußten unsere„tapferen Heldensöhne" mit blanker Waffe einschreiten. Lanzen und Säbel wurden gegen das wehrlose Volk in Anwendung gebracht und Letzteres mit blutigen Köpfen heimgeschickt. Wahrlich eine sehr— billige„Heldenthat"!— Ein anderes Bild! Ein Mitglied des Richtercollegiums am Grüneberger Kreisgericht(Schlesien), welches sowohl definitiv als stellvertretend in richterlichen Stellungen thättg ge- wesen, welches auch periodisch die Geschäfte der Staatsanwalt- schast geleitet, ganz besonders aber im Gerichtsbezirk Kontopp als Gerichtscommissär funktionirte, ist spurlos verschwunden, mit ihm aber auch 22.000 Mark ämtlicher Gelder.(Aus dem Steuersäckel des Volkes, welches auch den„Verlust" wird decken müssen.) Es wird vermuthet, daß außer den 22,000 Mark noch mehrere und vielleicht größere Summen fehlen werden. Der Erwähnte verließ seine Familie, ohne derselben die geringsten Andeutungen über das Ziel seiner Reise zu machen. Wie ge- fallen unseren„Liberalen" und sonstige» Gegnern diese„Stützen der Gesellschaft", die gegen die bösen Sozialdemokraten als „Bernichter des Eigenthums" und Feinde der„Heiligkeit der Ehe" gewiß oft genug loswetterten?— Rasch und mühelos reich zu werden ist die Parole der„liberalen" Partei und da die meisten der, neuerer Zeit nach Dutzenden zählenden, en groa- Diebe„liberal" sind, handeln sie blos nach der von ihrer Partei ausgegebenen Parole. Die„liberale" Partei hat daher die Mehrzahl dieser Sünden gegen das Eigenthum auf dem Ge- wissen, sie ist die eigentliche Zerstörerin des Eigenthums der Gesammtheit, zu Gunsten einzelner, mehr oder weniger gesetzlich zu belangender Gauner, oder auch zu Gunsten gewisser„Ehren- Männer". Correspondenzen» Kamburg, 13. April. Im großen Saale des Convent- Gartens stotterte ein Herr Heinrich Oberwinder, der bei den österreichischen Arbeitern im theueren Andenken steht, eine Rede über„Die gegenwärtige Situatton und die soziale Bewegung in Deutschland." Ueber den„Bortrag", den dieser Bismarck- und Reichsfreund gehalten, kann ich nur sagen, daß der erste Theil schrecklich ledern war und der zweite aus Citaten aus Lassalle'- schen Schriften bestand. Was ich erwähnen will, ist der sehr entwickelte Geschäftssinn, den Herr Oberwinder besitzt. Sein Bortrag sollte nicht nur„belehrend" wirken, er sollte auch materielle Vortheile in Gestalt von Reichs-Nickeln einbringen, und so wurde der bereits gedruckte Bortrag den Fort- gehenden zum Kaufe angeboten. Der Verkäufer machte aber schlechte Geschäfte, weil das wäss'rige Produst keine Abnehmer fand. Herrn Oberwinder darf man es aber auch nicht übel nehmen, wenn er auf die Taschen der Versammlungsbesucher spekulirt, denn er hat viele und kostspielige Bedürfnisse, zu dereu Befriedigung er allerdings Geld, viel Geld nöthig hat. Uebrigens ist er ein unbezahlbarer Mensch und dürfte den Bismarck- sozialisten bald auch sehr theuer werden. Königsberg i.?r., 10. April. Am 8. d. M., Vormittags, stand der hiesige sozialdemokratische Wahlverein, vertreten durch seinen Borsteher, Hermann Arnoldt, vor den Schranken des Ostpreußischen Tribunals, dessen Vorfitzender diesmal Tri- bunalsrath A. Ploch war, der erst seit Kurzem hierher versetzt ist. Die Staatsanwaltschaft wurde durch Oberstaatsanwalt Stell- macher repräsentirt. Die von dem hiesigen Staatsanwalt Gustav Hecht verfaßte Anklage war von dem Gerichtshofe erster Instanz als unbegründet zurückgewiesen worden. Hecht appellirte und das Ostpreußische Tribunal hielt die Anklage aufrecht. Das hiesige Stadtgericht sprach in erster Instanz den Verein wie dessen Vorsteher vollfländig ftei; die Staatsanwaltschaft appellirte wiederum, und das Ostpreußische Tribunal verurtheilte vor- gestern den sozialdemokratischen Wahlverein zur„Schließung" und den Vorsteher desselben, Hermann Arnoldt, zu 30 Mark Strafe. Die Verurtheilung erfolgte auf Grund des§ 8b des preußischen Vereinsgesetzes, da der Gerichtshof, obgleich in dieser Beziehung nichts erwiesen worden,„nach der ganzen Lage der Sache zu der Ueberzeugüng gelangt sei", daß Arnoldt als Vor- steher des qu. Vereins mit dem in Hamburg befindlichen Vor- stände der als politischer Berein geschlossenen sozialistischen Ar- beiterpartei in ungesetzlicher Verbindung gestanden habe.— Ist diese Begründung des llrtheils schon bemerkenswerth, so wird letzteres noch auffallender, wenn man berücksichtigt, daß vier un- bescholtene Männer in Hamburg eidlich erhärtet haben, Arnoldt hätte die ihm angetragene Agentur der sozialistischen Arbeiter- Partei mit Rückficht aus seine Stellung als Vorsteher des sozial- demokrattschen Wahlvereins, abgelehnt und habe die nach Ham- bürg abgesandten Geldbeträge, seiner ausdrücklichen Erklärung nach, seiner Privatkasse entnommen. Nur eine Geldsendung von 7 Mk. 40 Pf. sei zur Unterstützung der Wittwe Jork bestimmt und zum größern Theile das Resultat einer Wette gewesen. Diese Aussagen befinden sich in genauer Uebereinstimmung mit den Aussagen Arnoldt's. Ferner haben die vom Angeklagten vorgeschlagenen Zeugen, wohlrenommirte Bürger Königsbergs, im Termine erster Instanz beschworen, daß Arnoldt grade an sie Mitgliedskarten ünd Beitragsmarken auszutheilen Veranlassung gehabt hätte, da sie Mitglieder der sozialdemokratischen Partei und überdies mit Arnoldt befreundet seien. Dagegen habe dieser auch ihnen mitgetheilt, daß er die Agentur abgelehnt und das ihm vom Borstande in Hamburg eingesandte Material diesem zur Disposition gestellt habe. Er wolle dieses in seinem Comptoir aufbewahren, bis der Borstand darüber disponire. Auch waren bei den zahlreichen Haussuchungen, die seinerzeit hier bei bekannten Sozialdemokraten vorgenommen, wie überhaupt nirgends ausgetheilte Mitgliedskarten oder Beitragsmarken vorgefunden worden. Ferner hatte die Anklage zur Unterstützung der Behauptung, daß Arnoldt mit Hamburg in einer straffälligen Verbindung gestanden, den Besuch eines Herrn Grün angeführt, der in einer Versammlung des Vereins gesprochen habe. Geib aus Hamburg habe nicht hierher kommen können, um einen Bortrag zu halten, folglich hätte Arnoldt— so combinirte Oberstaatsanwalt Stellmacher— durch den Borstand in Ha»- bürg den Grün als Agitator nach Königsberg kommen lassen. Der Angeklagte hatte vor dem Untersuchungsrichter wie in dem mit seiner Freisprechung endigenden Gerichtsverfahren erster Instanz erklärt: Grün sei als ein ihm vollständig unbekannter Mann und infolge der betreffenden Annonce in der hier erscheinenden „Hartung'schen Zeitung" in eine Versammlung des Wahlvereins gekommen und habe, nachdem er sich ihm als Parteigenosse vor- gestellt, an der Diskussion theilgenommen. Später habe er (Arnoldt) erfahren, daß Grün als Geschäftsreisender hier ge- wesen sei und als solcher Königsberg in regelmäßigen Zwischen- räumen besuche.— In den acht Monate», die zwischen der Frei- sprechung in erster Instanz und dem vorgestrigen Termin lagen, war eS A. endlich gelungen, die Adresse jenes Herrn Grün in Berlin zu ermitteln. Arnoldt hatte nun bei dem Oftpr. Tri- bnnal die zeugeneidliche Vernehmung des Grün beantragt, um jene Beschuldigung der Anklage zu widerlegen. Das Ostpr. Tri- bunal hatte dieselbe nicht für nöthig erachtet, verurtheilte aber trotzdem den Angeklagten und den Berein auf Grund derjenigen Beschuldigung der Anklage, welche, wie erwähnt, durch jene Ver- nehmung des Herrn Grün in Berlin entkräftet worden wäre.— Die Behauptung der Anklage, daß der„sozialdemokrattsche Wahl- verein" eine„Fortsetzung" der früher auch hier als Verein gerichtlich geschlossenen sozialdemokratischen Arbeiterpartei sei, wurde vom Gerichtshofe als unrichtig verworfen.— Der Auge- klagte, der sich selbst vertheidigte, schloß mit den Worten: „Durch die ganze Anklage zieht sich wie ein rother Faden das Bemühen, gegen mich einzunehmen, weil ich Sozialdemokrat bin. Es wird hierdurch bestätigt, was ich wiederholt behauptet, daß auch dieser Prozeß ein politischer Tendenzprozeß ist. Eine Verurtheilung würde diese Annahme erhärten; schon deshalb bin ich von der Freisprechung des Vereins wie meiner Person überzeugt."— Herr Arnoldt dürfte seine Ansichten über den ostpreußischen Richterstand mit der Zeit doch vielleicht ändern. Mainz, 30. März.„Der Fuchs verliert die Haare, aber seine Rauben nicht." Ein altes Sprüchwort das, nicht wahr? Macht einen Advokaten zum Papst oder Kaiser, er ward seine Advokatennatur nie verleugnen, im Gegentheil, sie wird ihm erst recht zu statten kommen. So geht eS uns Mainzern mit unserm neuen Bürgermeister. Daß der alte Bürgermeister Wallau noch zu rechter Zeit zu seinen Bätern ging, habe ich Ihnen berichtet, doch noch nichts von unserm neuen Bürgermeister. Derselbe heißt Alexis Du Mont, ist von Mutter Natur körperlich etwas vernachlässigt und geistig nicht besonders bevorzugt. Mainz gratulirte sich bei seiner Wahl und wir hatten nichts dagegen. Bor dem verstorbenen Bürgermeister hat er bis jetzt Wetter nichts voraus, als daß er Dr. der Rechte und Landtagsabgeord- neter ist. In den Gemeinderathssitzungen spielt er den Unfehl- baren und behandelt die Gemcinderäthe als wären es seine Zöglinge. Geschieht ihnen auch ganz recht. Ein Jeder wird behandelt, wie er sich behandeln läßt. Auf seine Ordre wurde der Modus der Gemeinderathswahl geändert, wobei er die Be- merkung machte,„es könnten sonst unliebsame Persönlichkeiten in den Gemeinderath kommen." Wäre nicht nothwendig gewesen, Serr Doktor, ob wir neben Ihnen fitzen oder nicht, wir können hnen doch die Wahrheit sagen, denn sie meinten mit de« „unliebsamen Persönlichkeiten" ja doch nur die Sozialdemokaten. Wie sehr der Herr Doktor die Wahrheit liebt als Advokat, Bürgermeister und Landtagsabgeordneter, davon ein Pröbchen in Folgendem: „Darmstadt, 12. Febr. In den„Neuen Hessischen Volks- blättern" finden wir folgende„Erwiderung":„Nach der„Darm- städter Zeitung" Nr. 30(zweites Blatt) vom 30. Januar l. I. hat sich der Abgeordnete und Bürgermeister der Provinzial- Hauptstadt Mainz, Herr Dr. Du Mont, in der zweiten Kammer der Stände gelegentlich der Berathung über die Borlage deS Gr. Ministeriums des Innern, die Errichtung eines dritten SchullehrerseminarS Alzey betreffend, unter Anderem in folgender Wesse ausgesprochen:„Er habe es sich als Borfitzender de» Ortsschuloorstandes zur Aufgabe gemacht, die Volksschulen zu besuchen, dem Unterrichte beizuwohnen und die Kinder zu exami- niren und habe gefunden, daß ein großer Theil der Lehrer in Mainz nicht geeignet sei." Darauf entgegnen die sämmtlichen unterzeichneten Lehrer der Volksschule zu Mainz, daß der Bürgermesster und Vorfitzende des Schulvorstandes, Herr Dr. Du Mont, in keiner Klasse der hiesigen Volksschule dem Unter- richte eines Lehrers beiwohnte und die Kinder examinirt hat, demgemäß nicht gefunden haben kann, daß ein großer Theil der Lehrer in Mainz nicht geeignet sei. Mainz, den 2. Februar 1878. Ahl, Andres, Bausemer, Gehry, Görtz I., Görtz PH., Göth, Grimmel, Heiß, Heil, Kaufmann, Keil, Keßler, Kieffer, Kübel, Küßner, Lannert, Luft. Machenheimer, Martel, Müller, Munk A., MunkJ., Nohaschek, Reißig, Schaber, Schäfer, Schorn, Schneider, Siegrsst, Staad, Stamm, Stenner, Winkler, Zimmer- mann." Die„N. H. B." bemerken hierzu:„Nachdem die „Darmstädter Zeiwng", wie uns die geehrten Herren Einsender versicherten,„weil gegen ihr eigenes Referat polemisirend", obiger Erwiderung den Abdruck verweigert hat, so schenken wir derseloen auf Wunsch hiermit unverkürzte Aufnahme, eingedenk unseres Wahlspruchs:„Gleiches Recht für Alle". Selbstredend würden wir darnach Solches m völlig gleicher Weise auch d�m Herrn Dr. Du Mont gestatten, indem sich unserer Ueberzeugung nach alsdann sicherlich ein lediglich hier vorliegendes unuebsameS Mißverständniß auf der einen oder anderen sette herausstellen dürfte." Auch wir stellen selbstverständlich den Raum unseres Blattes Herrn Dr. Dumont zu seiner Erklärung gern zur Ver süaung." Solches war zu lesen am 14, Februar 1878 im„Neuen Mainzer Anzeiger". Heut haben wir den 30. Marz, von Herrn Du Mont ist aber noch keine Erklärung oder Widerruf erfolgt. Es würde ihm auch wenig nützen, denn 35 Lehrer erklären, daß tcrr Dr. Du Mont die Unwahrheit gesagt hat. Anstatt seine tellung dazu zu benützen, dem Lehrerstand eine würdige Stellung unter dem Volke einzuräumen und verschaffen zu helfen, beleidigt er ihn und schädigt dessen Ansehen. Ohne nur in eine Schule gerochen zu haben, erklärt Herr Du Mont, er habe unsere Volks- schüler examinirt und ihre Lehrer nicht geeignet gefunden. Hat Herr Du Mont überhaupt etwas zu examiniren in der Schule? Wir sagen nein! Und wenn? Ist Herr Du Mont„geeignet" zum Examiniren? Wir sagen noch ensschiedener nein! Uud wenn wir Herrn Dumont examiniren wollten, wir würden ihn zu noch Vielem mehr nicht geeignet finden, ohne die Unwahr- ! yeit zu sagen. Keilöronn. Zur Zeit, als das Christenthum aufkam, suchten die damaligen Machthaber die neue Lehre dadurch in Verruf zu bringen, daß sie alle Verbrechen, die begangen wurden, den Christen in die Schuhe schoben. Im Mittelalter mußten die Juden herhalten, und im letzten Viertel des neunzehnten Jahr- huuderts hat man die Sozialdemokraten als Sündenböcke für alle Schlechtigkeiten ausersehen.— In dem nahen Weins- berg vonj der Weibertreu brennt vor einigen Tagen ein Schuh- macher mit 2 Paar Damenstiefeln und mit Leder zu 12 Paaren durch. Sosort wird ein Steckbrief gegen ihn erlassen und darin heißt es von dem Dieb:„soll Sozialdemokrat sein".— Den regelmäßigen Lesern dieses Blattes braucht nicht versichert zu werden, daß der Dieb kein Sozialdemokrat ist; die Leser des „Vorwärts" wissen, daß, wer die hohe und reine Lehre des Sozialismus begriffen hat, nicht nur eines Diebstahls, sondern überhaupt jeder moralisch verdammenswerthen Handlung unfähig ist. Aber dem Herrn Justiz-Affessor Kern gegenüber, der den fraglichen Steckbrief verübt hat, sei hiermit constatirt, daß die sozialistische Arbeiterpartei, so lange fie besteht, niemals Mit- oluder in WeinSberg gehabt hat. Und für den Fall, der Herr Kern setzte in diese Versicherung Zweifel, so kann er bei dem Agenten der ivzialistischen Arbeiterpartei in Heilbronn, Schreiner Kittler, Frauenweg Nr. 4, die gedruckten Abrechnungen unserer Partei einsehen und sich daraus überzeugen, daß er leichtsinnig und grundlos eine große Volkspartei beleidigt hat. Steht eine derartige Handlungsweise schon dem einfältigsten Spieß- bürger schlecht an— um wie viel mehr compromittirt sich durch fie erst ein Beamter, ein Diener des Volks. Ein Heilbronner Sozialist. ?!o« der Mnpper. Der Reichstag hat Ferien, die Boten eilen heim, um auszuruhen von ihrer Thätigkeit und auf den Lorbeeren ihrer Erfolge die Ostereier genießen zu können. Und mit ihnen kehrt der verdienstvolle(???) Abgeorduete des Wupper- thaleS„Prell", weiland Misch mafch-Candidat der Fortschrittler, DmchschnittSliberalen, Pietisten und Ultramontanen des Thales, zurück, auf dessen rednerische Thätigkeit sich auch vergebens die stenographischen Berichte zu besinnen hätten. Aber was thuts? Immer noch muthet uns der Mann(trotz seiner Kautschuknatur, die es zuläßt, dieses Sammelsurium von Parteien zu vertreten) mit seinem Schweigen mehr an, als das aufgeblähte Wesen der Schwätzer und Stänker des Reichstages» I» Lasker und Richter. Sieht man Leute solchen Schlages ihre übelriechenden Sophismen und Arroganzen aufs Neue wiederkäuen, dann findet man, daß die Würde eines Wupperthaler Muckers noch nicht die jämmer« lichste von allen ist. Und dann versteht man die Fülle der Wahrheit des Goethe'schen Wortes: denn Alles, was entsteht, Ist Werth, daß es zu Grunde geht," so recht zu würdigen. Beim Styx! Abstrahirt man das kleine Häuflein Sozialisten und Demokraten von dem großköpfigen Ungeheuer Reichstag, so sieht man außer obigen beiden„Würdenträgern" verworrene Jnfallibilisten, verquickte Pietisten, alberne Witzbolde a la Braun, adlige Eommisköpfe und Krautjunker, für die die Sonne der Aufklärung vergebens geschienen, und vor allen Dingen ein gan- zes Rudel schmarotzender Jnteressenmenschen. Wahrhaftig, schöne Volksvertretung dasl— Nun, wie kann's aber ander« sein? Wie der Herr, so der Knecht. Erblicken wir nicht, daß ein so- genannter genialer Staatsmann es verstanden, die Verhältnisse für sich weitgehendst auszubeuten? Dieser Geniale soll zur Zeit, etwa vor 15 Jahren, noch ein Nichtreicher, Manche sagen ge- radezu, armer Teufel gewesen sein, heute aber ist er stein— stein— steinreich. Er bezieht außer seinem riesigen Gehalt und Einkünften der Dotationen große Einnahmen aus seinen manich- faltigen Fabrikanlagen. Wir waren immer bisher mit unserem beschränften Unterthancnverstand der Anficht, es wäre unstatthaft und vertrüge sich nicht mit den Prinzipien der Ehre und Sitt« lichkeit, daß ein Beamter auch noch sonstige gewerbliche ErwcrbS- quellen haben dürste; jetzt find wir aber eine» Anderen belehrt. Würde aber ein Bürgermeister ein Baugeschäst oder eine Nestau- ratton anlegen, das freilich wäre unsittlich und da dürfte man erst recht die Worte anwenden; „Wem man ein Amt gegeben hat, Der dienet sich und auch vielleicht der Stadt." Neuerdings soll der„Geniale" auch noch, wie verlautet, eine Pulverfabrik errichtet haben, und das Pulver zu unserer und der gesiiinungstüchtigen(?) liberalen Blätter Freude soll so vor- züglicher Natur sein, daß die russische Regierung große Lieferungen davon bestellt. Schwarzseher und Uebeldeuter meinen nun: wie aber, wenn die Interessen des Staates und des Pulverfabrikanten, der die großen Aufträge empfangen, nicht gemeinsame, sondern geradezu entgegengesetzte find? Nun dann macht der„Geniale" — ei was zum Teufel, russische und preußische Herrscherinteressen find wie alle monarchische Interessen gemeinsame.— Und warum sollten die Herren Machthaber nicht längst herausgefunden haben, daß Rußland der wahre Hort der Monarchien ist, weil dort die Völker am wenigsten von der Eultur beleckt find, und daß diese unaufgeklärten Völker sich eventuell am besten gegen europäische Freifinnigkeit verwenden ließen? Schueeverg, 9. April. Obschon aus unserer Gegend lange kein Bericht einlief, find wir doch nicht müßig gewesen, sondern haben fleißig im Interesse unserer Sache gewirtt. Unser junges Unternehmen, die„Erzgebirgische Freie Zeitung", macht Die besten Fortschritte und haben wir bereits an 1000 Abonnenten aufzuweisen, was bei der Roth, die unter der Arbeiterbevölke- rung herrscht, viel ist. Wir hoffen aber, daß mit der Zeit die Zahl der Abonnenten sich verdoppeln wird, zum größten Verdruß aller Sozialistentödter. Die Löhne find hier, besonders in den Bergwerken, sehr miserabel und variiren zwischen 1 Mark 20 und 1 Mark 60 Pf. pro Tag für den erwachsenen Arbeiter. Wer nur einen winzigen Begriff von der anstrengenden und aufreibenden Arbeit der Bergleute hat, wird einsehen, daß ein derartiger Lohn mit der Arbeit in keinem Verhältnisse steht. Da wir schon seit längerer Zeit keine Versammlung abgehalten hatten, war es uns angenehm, daß un« unlängst Herr W. au« Leipzig besuchte und einige Versammlungen abhielt. Die erste fand in Schneeberg selbst am 6. d. M. statt und war von 7—800 Menschen besucht. Herr W. sprach 1)„über den Roth- stand" und 2)„über die Presse". Obschon die Gegner sowohl vom Vorfitzenden als auch vom Redner selbst aufgefordert wur- den, sich zum Wort zu melden und ihre gewöhnlich hinter dem Bierglase vorgebrachten Beschuldigungen gegen die Sozialdemo- kraten vorgebrachten Beschuldigungen zu beweisen resp. zu ver- treten, getraute sich keiner au« der Saalecke, in welche sie sich zurückgezogen hatten, hervor und ließen den Vorwurf der Feig- heit, der ihnen vom Redner in's Geficht geschleudert wurde, ruhig auf sich sitzen.— Am 7. d., Nachmittags, sprach Herr W. in Bockau und am Abend desselben Tages in Zschorlau. Beide Versammlungen waren sehr gut besucht. Besonders in letzterer waren, was hiermit lobend anerkannt sein soll, über hundert Frauen und Mädchen anwesend. Redner erntete in allen Ver- sammlunaen reichlichen Beifall, ein Beweis, daß die Wahrheit überall offene Ohren findet. Daß wir von Seite der Behörden nicht vergessen wurden, ist selbstverständlich. In Bockau z. B. waren blos vier Man» zur„Ueberwachung" erschienen, darunter der Obergendarm von Schwarzenberg und der Gendarm von Aue. Der Herr Obergendarm, welcher auch in Zschorlau war, erlebte dort ein kleines Fiasko. Die Anwesenheit der vielen Frauen und Mädchen mochte nicht nach seinem Geschmacke sein und verau- laßte ihn, den Redner während des Vortrags zu unterbrechen und, zur Versammlung gewendet, folgende Weisheit auszubringen: Hier ist eine Volksversanimlung von Männern. Ich sehe aber viele Frauen und Mädchen anwesend und verlange im Namen des Gesetzes, daß dieselben den Saal verlassen, widrigenfalls ich die Versammlung auflösen werde. Herr W. protestrrte auf das Enttchiedenste gegen eine solche Maßregel und belehrte den Mann des Gesetzes eines Anderen. Kleinlaut gab dieser schließlich zu, daß die Frauen und Mädchen bleibe« können, daß aber die Fortbildungsschüler den Saal verlassen müssen; das Dekorum mußte doch gewahrt werden. Unser„liberales" Emballagepapier, der„Erzgebirgische VolkSfteund", welches doch über jede Kleinig- keit berichtet, nahm von den Versammlungen keine Nottz. Bei dem Redakteur müssen die Hiebe, welche die Scheereuredakteure erhietten, gesessen sein. 0..... eh. An die Schuhmacher Deutschlauds! Tollegen! Sieben Wochen sind verflossen seit der uns aufgezwungenen Arbeitseinstellung; mehrere brave Familienväter sahen sich ver- anlaßt, Frau und Kinder zurückzulassen und abzureisen, da sie die Gnade der Herren Fabrikanten verschmähten! Obwohl die Fabrikanten Alles aufbieten, die Strikenden zu veruneinigen, so fordern wir die Schuhmacher allirorts auf, unS in unserem Kampfe fort und fort that- kräftig zu unterstützen, denn wenn wir gezwungen werden, unS zu er- geben und wenn die Fabrikanten sehen, daß Offenbach, eine der größten Gewerischastsmitgliedschasten Deutschlands, den Kampf nicht bestehen konnte, dann wahrlich darf es die College» nicht überraschen, wenn ihnen ein Gleiches widerfährt»nd sie sich größere Lohnreduktioneu ge- fallen lassen müssen. Und daß die Fabrikanten etwas derartiges Planen, dafür bürgen unS deren öftere Conferenzen in Frankfurt a. M. Wir find der besten Hoffnung, daß wir zum Siege gelangen, denn e» ist viele Arbeit in den hiesigen Fabriken vorhanden und eS herrscht die größte Einmüthigkeit unter uns, und obwohl 25 Familienväter unter unS sind, so hat doch noch keiner die Arbeit aufgenommen. Hilfe thut aber Roth. I. Dworzak, Offenbach, KrimmerSgäßchen Nr. 4. Berichtigung. In der in vorletzter Nummer des„BorwärtS" gebrachten Torre- fpondenz aus Pforzheim ist irrthümlicher Weife als Erscheinungsort deS„General-AnzeigerS" statt Augsburg Pforzheim angegeben, was hiermit berichtigt wird. Pforzheim, 15. April 187S. S. vriefkaste» der Redaktion. Z. in P.: L. ist gegenwärtig verreist und kehrt erst in etlichen Tagen zurück. DieS zur Nottz auch Denjenigen, die Briefe direkt an L. gerichtet haben und etwa auf umgehende Antwort warten.— A. B. in Heilbronn: Ohne Entgelt können Sie die 200 verlangten Exemplare der betr. Nummer des„Vorwärts" nicht erhalten, da auch wir„kein Geld haben", um sie grattS liefern zu können. Den SchlußpassuS Ihrer Correfpondenz haben wir fortgelassen, weil dessen Abdruck ohne Zweifel uns und unter Umständen auch Sie in einen Prozeß verwickelt hätte.— Ch. W. in Berlin: Das Ostergedicht, wel- ches Sie in der heutigen Nummer finden, war bereits zur Aufnahme bestimmt und auch gesetzt; daS ist der Grund, weshalb wir Ihr Gedicht nicht zum Abdruck bringen konnten. Ein Parteigenosse wird freundlichst ersucht, im Briefiasten des „BorwäriS" eine Adresse anzugeben refp. Fabrik wo man Wasser- waagen-Libellen bezichen kann. Anzeigen Annoncen für die Mittwoch«-Rnmmer müsse« tiS Mou- tag vormittag» 9 Uhr; für die Freitags-Nummer bis Mitt- »och-Lormittag« 9 Uhr; für die SonntagS-Nnmmer bi» Freitag Lormittags 9 Uhr hier sei», wenn solche«och bestimmt Anfnahme finde« solle». Annonce«, denen der Bettag nicht beiliegt,»der für welche der Einsender kein Depot bei»»« hat. könne« eine Anfnahme nicht finden._ Sozialistisches Central-Wahl-Comitö. Die Sitzungen des Tomitss finden jeden Dienstag und Freitag Bor» mittag statt. Briese für dasselbe sind zu adresfiren an den Sekretär C. Derosfi, Holzdamm Nr. 42 m Hamburg.(w.) Geldsendungen sind zu richten an Aagnst Gerb, Rödingsmartt IL in Hamburg. Zum Lernen und Belehren für alle Parteigenossen und besonders zur Agitation besten» empfohlen: Grundzüge der Natioual-Oekouomie von C. A. Schramm. Prei» 25 Pfennig»aar.- Porto ,» Lasten der Empfänger. Bei Partim eutsprechender Rabatt. Ueber den Inhalt diese, in populärster Spracht und klaren Bei- spielm gehalteneu Schriftcheo», geben die nachsolgendea Kapitelüberschristm Ausschluß: 1. Die Arbeit und ihre«intheilnng.— 2. Der Lnxn». S. Die»ertheilnug de» Arbeitserttage».— 4. Der«etth der Waare.— 5. Der Werth der Dienftleistnag.— K. Falsche Werth« Vorstellungen.— 7. Der Preis. 8- Da» Kapital.— 9. Die Waare-»rbeitsrraft.— 10. Die Produktion de««ehrwerthe».— 11. Profitrate«ud AuSbeutuugSraie. Bon demselbm Verfasser liefern wir:� t „Ein Wort zur Verständigung in der sozialen Frage". Preis 2« Picnuig»aar.- Porto ei», ufendea. Bei Parttm mtsprechender Rabatt. Da» Schristchm wmde vom Berfaffer speziell an die bürgerlich« demokratischm Kreis» gerichtet und ist fem sozial«polttischer Zuhält eiu historischer Beleg für die leidmschast«l«sea versuche unserer Partei, die Rothwendigkett und Berechttgung unserer Bestrebungen allerseits begreiflich zu machen. Die Expedition des„BorwärtS". L'Egalite. Journal r�publicain socialiste. (Organe du parti socialiste en France.) Paraissant tous les dimanches ä Lagny(pres Paris) 2, me du Chariot d'Or. Abonnement: 3 mois: 3 Mark;— 6 mois: 5 Mark;— un an: 10 Mark.— On a'abonne, soit ä la poste, seit en envoyant le montant au jonrnal a Lagny. Wir empfehlen: W. Liebknecht Aeber die politische Stellung der Sofialdemokratie insbesondere mit Bezug auf den Reichstag. Preis per Exemplar 10 Pfg. ES ist dies die Broschüre, welche zu dem in der Nummer 45 deS„BorwärtS" erwähnten Rencontre zwischen dem Ageordneten Richter und Liebknecht in der Sitzung deS Reichstags vom 10. ds. An- laß gegeben hat. Leipzig. Expeditton des„Vorwärts". Färberstraße 12. IL Soeben erschien im Berlage der Allgemeinm Deutschen Associattons- buchdruckerei zu Berlin, Eingetragene Genossmschast, und ist durch die unterzeichnete Expedition zu beziehen: DaS Brief-Geheimniß vor dem Deutschen Reichstag. Nach den amtlichen stenographischen Berichten mit einem Nachwort von W. Liebknecht. Preis: 40 Pf. Die Expeditto« deS„BorwärtS". Durch u»S ist zu beziehm: Der Deutsche Bauernkrieg von A. Bebel, mit Berückfichttgung der hauptsächlichsteu sozialen Bewegungen de« Mittelalter« in populärster Weise dargestellt. Der Berfaffer hat in dieser»esSuguißarbeit, besonder« für die Arbeiter, welchen Zeit und SWittel fehlen, umfängliche und thmre Se» schicht»werke zu lesen, de» großen Bauernkrieg in seinm gesellschaftlichen Ursachen geschildert. Sein Standpunkt ist der sozialistisch-materialistische, welcher Personen und Zustände, al« da» uatürliche Produtt der vor- handeuw materiell» Existmzbediugungeu der Gesellschaft ansteht und bmttheilt. Wir glaubm mit der weitest« Verbreitung diese« 230 Seiten groß Octa» umfassenden Geschtchtsbuche«, nusrer Sache aus» Beste zu dteum und stell« mtt Rückficht hierauf, dw Baarprei» per Einzel« exemplar auf M. 2.—., in Parti« M. 1,75.—(Porto einzusmd«.) Leipzig. Expeditton des„Vorwärts". _ Färberstr. 12/11,_ Im Berlage von Wilhelm Röhl in Leipzig ist erschien« und durch un» zu beziehm: Erlebtes. Skizzen und Novellen von Wilhelm Hasenclever. Mitglied des deutschen Reichstags. 16 Bog. eleg. Kroch. Preis nur M. 1,20. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, auch dirett von der ver- lagshandlung gegen Sinsendung von M. 1,20 dirett per Post ftanco. Die Expedition de«„Vorwärts". Durch uns ist zu beziehen: Die bürgerliche Gesellschaft. Ein Bortrag gehalten vor freireligiösen Arbeiter« des WnpperthalS m Elberfeld-Bannen von Joseph Pietz gen. Prei« 10 Pf. Die Expedition des„BorwärtS". Durch die Expeditton des„BorwärtS" ist zu beziehen: Die Behandlung politischen Gefangenen in Kayern. Prozeß Franz RohlederS. Zusammengestellt nach stenographischen Berichten von Sigmund Politzer Redaltnir de»„Zeitgeist". Preis 20 Pfg. Der Ertrag ist für die Frauen und Kinder Jnhastirter bestimmt. Durch uns ist zu beziehen:, ?!. Tchernychewsky: L'Econoraie politique jnglse par la science, critique des principes d'dconomie politique de John Stuart Mill. 492 pages. Prix 1,50 M. Zur Agitatton wie zur Gewinnung von Abonnenten sind gegen Einsendung des Portobetrages (für ein Kreuzband zu 10 Stck. 10 Pf., zu 30 Stck. 20 Pf., zu 60 Stck. 30 Pf., über 60 bis 300 Stck. per Packet 50 Pf.) überzählige Nummern aus früheren Jahrgängen des„Vorwärts" von uns zu beziehen. Größere Posten liefern wir per Eisenbahn-Frächt- gut und berechnen solchen Falls ä � Ctr. mit 5 M., & Ctr. mit 10 M. bei frankirter Zusendung. Leipzig. Lrpedition des vorwärts. verantwortlicher Redakteur: Hermann Helßig in Reudnitz-Leipzi». Redaktion und Expedition Färberstraß» 12. ll in Leipzig. Druck und Verlag der»mossmfchaftsbuchdruckerei in Leipzig.