Pr. 88. Aboimements- Kedingungen: «bonnemenIS-Prett pränumerando: «ierleljährl. ZL0 Md, monail. 1,10 SBll-, wöchentlich 28 Plg. frei in« Hau«. Einzelne Nummer ö Plg. Gonnlag«- Nummer mit tlluNrierier Sonniagi- Beilage„Die Neue Welt- 10 Psg. Post- «lbonnement: SL0 Mark pro Quartal. «tngsrragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für 1900 unter Sr. 7971. Unter streuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn L Marl, für da» übrige«luiland S Marl pro Monat. Srfchelnk täglich nutzer Zvoatng«. Vevlinev VolKsblakk. 17. Jahrg. Die Anftrtions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. «eile oder deren Raum«0 Psg., für politisch« und gewerkschaftliche Verein«- und Versammlung«-Anzeigen 20 Psg ..Klriue Zlnieigeu" jede« Wort 5 Psg. (nur da« erste Wort setr>. Inserate für die nächste Nummer müssen bt«« Uhr nachmittag« in derErpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen btSSUhr vormittag« geöffnet Sernsprecher: Sink l, Et. 1508. Telegramm-Adresse: „Sorialdrmokrat Berlin" Centrawrgan der sorialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: SM. 19, Beutlz-Strasze 2. Sonntag, den 13. April 1900. Expedition: SM. 19. Beuth-Strahe 3. Des Osterfestes wegen kann die nächste Nummer unsres Blatts erst am Mittwoch erscheinen. Ostern. Ostern— das Fest der Frühlingsgöttin Ostara und des am Kreuze für die Menschheit verbluteten, am dritten Tage von den Toten auferstandnen Gottes. Ein wundersames Gemisch heidnischer und christlicher Vorstellungen. Die Opferfeucr, die Siegesfanale ob der Niederlage des der Frühlingsgöttin erlcgenen Winters; das Osterei und der Osterhase, die Syinbole der sonnengeweckten, keim schwellenden Fruchtbarkeit. Der Osterspaziergaug hinaus in die aus der Winterstarre erwachende, unverwüstlich sich neugebärende Frühlingswelt, und dazwischen hallendes Glockengelänte, das die freudig Ausgelassenen zurückruft in der Kirchen ehrwürdige Nacht, damit sie dort in gehaltener Andacht den von jeder sinnlichen Schlacke gereinigten Osterjubel vernehmen: .Christ ist erstanden! Freude den Sterblichen, Den die verderblichen, Schleichenden, erblichen Mängel umwanden." Zwei Vorstellungen, die, auf grundverschiedenem Kulturboden erwachsen, zwei grundverschiedene Weltanschauungen ausdrücken. Die FrühlingSgöttin Ostara, das Symbol der den EiSgürtel deS Winters sprengenden, zeugnngSkräftigen Naturgcwalt, verehrte man in jene» grauen Tagen der germanischen Urzeit, aus denen nur dunkel raunende Kunde zu uns herübergedrnngen. Wenn von der nur hier und da gelichteten Urwaldwildnis der Bann des Winters wich, wenn auf Sümpfen und Strömen der Eispanzer barst, ivenn das munter sprudelnde Wildwasser den letzten Rest der die Berg- kämme krönenden Schneemassen thalab führten, der Bär taumelnd das Winterlager verließ, die wilden Bicncnstämme schwärmten und der Auerhahn balzte, dann wich eS wie ein Alp von der Bnist des blondbärtigen Hünen, der die lange Winternacht bei Meth und Würfelbrett im trübe flackernden Licht des knisternden Kienspans vertrauert Lcbensdrang und heidnisch ungebändigte Lebenslust erwachten, und in dankbarem Kult feierte man die Urheberin des mächtig treibenden Lebens, die FrühlingSgöttin Ostara. Trägt die heidnische Osterfeier den sinnlich-dcrbcn Ausdnick eines primitiven Naturempfindens, so ist der christliche Ostergcdanke von des spekulativen Grübelns, des seelischen Leidens Blässe angekränkelt. Das römische Imperium krankte an unheilbarer politischer Zerriittung und ökonomischer Zersetzung. Cäsarenwnhnsinn, Feilheit und Ver kommenheit der Großen, Demoralisternng des Lumpenproletariats bildeten das Charakteristikum der Zeit. Die heitre, ästhetisch verklärte Siuneufreudigkeit der Antike war zum orgiastischen Unzuchttaumcl entartet. Das sociale Elend der Massen schrie nach Erlösung, zum mindesten nach einem seelischen Opiat. Die heiteren, schönen, aber marmorkühlen Götter der Antike paßten in eine Zeit des beschaulichen heiteren Lebensgenusses, aber nicht in eine Zeit kolossaler Greuel, unsäg licher Trübsal. Der bleiche, ernste, aber erbarmungsvolle Christen- gott mußte in dieser Zeit die leuchtenden Schemen der Gricchengötter vom Throne stoßen. Mit Inbrunst mußte die leidende Menschheit die mitleidig ausgestreckte Hand des Gottes ergreifen, deren Nagel mal daran erinnerte, daß er selbst am Kreuze für die Sünden der Menschen den Opfertod erlitten. Und das Gefühl der Sündigkeit lastete damals bergeschwer auf den Gemütern. Auf dem Aus erstehungsjubel der christlichen Osterfeier liegt deshalb noch der SchmerzenSzug überstandener Leiden, die Bützerglut deS un- verdienten ErlöstseiuS von zeitlichen und ewigen Qualen.... Die Osterfeier deS modernen Menschen ist andrer Art. Ihr fehlt die naive Hingabe des Naturmenschen an den Augenblick, aber auch die religiöse Inbrunst des Christen. So differenziert gerade unser Naturempfinden geworden, so wenig vermag das Aufgehen in das stürmisch drängende FrühlingSwehen unser Innerstes auszufüllen. Noch weniger aber ist daS spiritualistisch» weltflüchtige Versenken ins Uebersinnliche, Göttliche unsre Sache. Die religiösen Mysterien nehmen die Seele des social Verzweifelnden gefangen; wir, die social Hoffenden, die thätig im gebärenden Völkerleben stehenden, versenken uns in die realen Menschlichkeitsfragen, die Probleme der socialen Entwicklung, die lockenden Mysterien der irdischen Menschheitserlösung und Mensch- hcitsbeglückung, deren Schleier wir freilich schon ein gutes Stück gelüftet zu haben glauben. Wenn wir, nach dem kecken Dichterlvort, hier auf Erden schon daS»Himmelreich" errichten wollen, so ist das ein Ideal, das unsre ganze Seele mit hoher Begeisterung füllt und uns Stunden ebenso verzückten seherischen Schauens schafft, wie den ersten Christen die Version des neuen Jerusalems. Das hämische Achselzucken der heutigen christlichen Epigonen bereitet uns nicht den ge- ringsten Verdruß. Mögen sie in pharisäischer Selbstgefälligkeit über uns verderbte Kinder der Welt als den Fleisch gewordenen Antichrfft den Stab brechen, waS liegt uns daran? Ihr Gebahrcn hindert uns nicht an der vollen historischen und psychologischen Würdigung des Christentums als einer geschichtlichen Erscheinung. Wir freilich gehören u n s r e r Zeit an und formen unsre Ideale »ach u n s r e n ökonomischen, ästhetischen und moralischen Bedürf- nissen. Unsre Osterfeier ist der sehnende Jubel über die aufkeimende Saat eines neuen Menschentums. Sind wir es doch, die mit an dem Fundament jener Tempel bauen, in deren genien- geschmückten Lallen ein zahlloses, schönheitsdurstiges und Wahrheit-' suchendes Geschlecht von Brüdern und Schwestern wandeln wird. Der Menschheitsfrühling des alten Hella? wird sich erneuern, nur in unendlich reicherer Blüte, in unendlich mannigfaltigeren Formen. Was der Menschengeist in den Jahrtausenden schwerer Leiden und nimmer rastender Arbeit durchlebt und ersonnen, es wird nicht verloren gehen, sondern den kostbaren Schatz bilden, aus dem Künstler und Philosophen das Edelmetall entnehmen, um es in dem Tiegel deS eignen Genius einzuschmelzen und ihm im Wandel der ewig schaffenden Zeit immer neue Formen zu verleihen. Denn nichts ist thörichtcr, als im SocialismuS nur die einseitig ökonomisch- politische Tendenz erkennen zu wollen. Wohl wäre schon die Befreiung der Menschheit aus der physischen Not ein Ziel, mit dem sich an Groß- artigkeit kein bürgerliches Ideal vergleichen ließe. Trotzdem aber ist für den Socialistcn die ökonomische Umwandlung nur das Mittel, um die Menschheit geistig und sittlich zu regenerieren. Der SocialiSmuS allein aber glaubt noch an das Ideal. Das Christentum, dem längst die visionäre Inbrunst ab- Händen gekommen ist, hat ein trauriges Kompromiß mit den bestehenden Verhältnissen geschlossen. Die Kunst ist resigniert bei der ort xour l'art angekommen, oder ihr Evangelium würde, konsequent durchgeführt, zur Regierung des Lebens führen sTolstoj). Auch die Philosophie in ihren kühnsten Erscheinungen neten halte! Ten Eindruck suchte er dann noch zu ver schärfen, indem er folgendes„Programm" von sich gab, ivie es die ordnungsparteilichen Kandidaten immer auf Lager haben, um die Stimmen der Unentschlossenen zu erhalten: „Ich bin durchdrungen von der Ueberzeugung, daß nicht nur unser Wirtschaftsleben, sondern unser ganzes Volksleben nicht gedeihen kann, wenn nicht die großen, erwerbenden Gruppen: Industrie(an erster Stelle!), Handwerk, Handel, Landwirtschaft freund lich, schiedlich, friedlich Hand in Hand g.ehen." Und nachdem er so ein Loblied ans die Interessen- gemeinschaft von Industrie und Landwirtschaft gesungen hatte, welches in so sinnfälligem Gegensätze zu den wütenden Aus- fällen der Kanitz und Genossen gegen die Industrie steht, rief er, vier Zeilen des Berichts weiter, aus:„Es i st das Bitterböse an uns r er Zeit, daß in diese Interessengemeinschaft hinein ein Keil ge- trieben worden ist!" So kam Dr. Oertel in den Reichstag, wo er, der Ab- geordnete eines Wahlkreises mit vorwiegend armer industrieller Bevölkerung, junkerlich-agrarische Politik treibt! Weshalb wir dies schildern? Weil der Oberagrarier Oertel ein T y p u s ist, weil wir an dem Beispiel seiner Wahl sehen, wie die„große Reichstagsmehrheit des Fleischbeschau- Gesetzes" und andrer agrarischer Thaten zu stände gekommen ist! Hinter der Fleisch- und Brotwncherpolitik steht in Wirklichkeit nur eine Handvoll dreister Junker, die ihre politische Macht lediglich der feige» Unentschlossenheit der bürgerlichen Parteien verdanken.— Die Pariser Weltausstellung ist am Sonnabend eröffnet worden. Die bürgerliche Presse. die nach dem Urteil von Rennes zu einer Boykottierung der großen Weltmesse eifrig riet, überbietet sich jetzt in unendlichen Telegrammen, das Ereignis zu schildern. Aeußerlich hat die Ausstellung das mit allen übrigen derartigen Veranstal- tungen gemein, laß sie bei der Eröffnung ganz und gar un- vollendet ist. In der Unterhaltungsbeilage finden die Leser Einzelheiten über das Unternehmen, das natürlich auf die politische Entwicklung keinen Einfluß hat. Das Merkwürdigste an dieser Pariser Ausstellung, die an der Grenze der Jahrhunderte die Schätze der Arbeit im bunten Schaugepränge sammelt, ist die Erscheinung, daß ein socialdemokratischer Minister sie eröffnet, und die Scharfmacher aller Länder sind ob dieses Zusammentreffens von Weltunter- gangs-Stimniungen gepackt. Vergebens hatten die französischen Reaktionäre bis zum letzten Augenblick versucht, das verhaßte Ministerium zu stürzen. Millerand, der Socialdemokrat, ist der Minister und— wie die Witzlinge erklären— die Haupt- sensation der Ausstellung. Auf die offiziellen Ansprachen blieb dieser Umstand nicht ohne Einwirkung. Ein wärmerer und vor allem aufrichtigerer Ton der Humanität klingt in ihnen wieder. Genosse Millerand hielt die Eröffnungsrede, von der das offizielle Telegraphenbureau die folgende Inhaltsangabe entwirft: Er legt die Fortschritte dar, welche seit hundert Jahren die Menschheit in Industrie und Wiffenfchaft gemacht hat.„Die Maschine," fährt Millerand fort,„ist Vcherrschcrin des Erd- balls geworden; sie ersetzt die Arbeiter, macht sie sich zur Mitarbeit dienstbar und vervielfacht die Beziehungen der Böller. Selbst der Tod ist zurnckgcivichen vor dein siegreichen Vorrücken des McnschcngeistcS. Die medizinische Wissenschaft niacht Fort- schritte dank dem Genie eines Pasteur. Aber die Wiffcuschaft erweist dem Menschen einen noch bemerkenswerteren Dienst; sie giebt ihm in die Hände das Geheimnis für die materielle und moralische Größe der Staaten, welches in dem einen Wort„Solidarität" enthalte» ist. Die Einrichtungen zur Vorsorge für Alter und Kranlhcitsfätte, die Wohlfahrts- und die auf Gegen scitigkeit beruhenden Einrichtungen, die Syndikate und Asso- ciatioucu wie überhaupt alles, lvas dazu bestimmt ist, die einzelnen Gruppen zu einem festen Ganzen zu s a m m e n z u f a s s e n. um so der den einzelnen Individuen imic- wohnenden Schwachheit Widerstand zu leisten,— das alles legt Zeugnis ab von der Solidarität der Menschheit. Diese Solidarität hat im Auge, im Schöße jeder Nation die vcr- letzenden Ungleichheiten zu mildern, welche sich auL der Natur der Dinge und der Gesellschaftsordnung ergeben. Sie hat sich vorgesetzt, zu einen in den Vandeii wirklicher Brüderlichkeit; ihre Wirknugc» halte» nicht an den Grenzen au. Interesse», Ideen, Gefühle mischen und durchkreuzen sich überall auf dem Erdball, wie jene leichten Drähte, auf denen der menschliche Gc danke fliegt; ein wohlthätigcs Jneinandcrgehe», das uns bereits den Ausblick auf eine neue Zlera gestattet, für welche sogar vor kurzem eine vornehme Initiative bei der Konferenz im Haag die ersten Markzeichc» steckte. Ja! je mehr sich die aus der Viel fältigleit der Bedürfnisse und der Leichtigkeit des Austausches hervorgegangenen internationalen Beziehungen ineinander schlingen, um so mehr Grund haben wir, zu hoffen und zu wünschen, daß der Tag kommen wird, da die Welt erkennt, daß Friede und ruhmreiche Kämpfe der Arbeit fruchtbarer sind, als Rivalitäten. Arbeit, Du Befreierin! Du bist cS, die uns adelt, uns tröstet. Unter Deinen Schritten verschwindet die Umvissenheit flicht das Böse! Durch Dich wird die Menschheit aus der Knecht- schaft der Nacht befreit I Steige unaufhörlich zu dieser leuchtenden. reinen Region, wo eines TagS sich verwirklichen muß das Jscal und der vollkommene Einklaug der Mächte der Gerechtigkeit und der Güte. Präsident Loubet erwiderte u. a.: „Als die französische Republik die Regierungen und die Volker einlud, eine Darstellung des Gesamtbildes der menschlichen Arbeit zu veranstalte», da battc sie nicht allein de» Gedanken, einen Weit- beiverb von Wunderdingen ins Leben zu rufen und an den Ufern der Seine den alten Ruf der Eleganz. Höflichkeit und Gastlich- kcit Frankreichs zu cmcucni, unser Ehrgeiz ging höher; er geht iinclidlich weit hinaus über den Glanz vorübergehender Feste; er beschränkt sich nicht auf das Gefühl patriotischer Befriedigung,, das wir heute empfinden, noch auf Befriedigung der Eigenliebe oder des JutercsicS; Frankreich wollte in besonderm Maße bei- tragen zur Anbahnnng der Eintracht«Itter den Völkern; es hat daS Bewußtsein, für das Wohl der Welt zu wirken. an der Grenze des rühmliche» Jahrhunderts, dessen« i e g über de» Irrtum u» d den Haß leider u» v o l l k o m m e n war. das uns aber eine» stets lebhaften Glauben au den Fort fSritt hinterläßt. Deshalb nehme» auch hier die volkslvirtschaft lichen Einrichtungen den größten Platz ein und lassen die Bc- strebungen jedes einzelnen Staates, die Kunst des Lebens in der Gesellschaft zu vervollkommnen, erkenne»; sie werben dieser Ansstellung. die eine glänzende. große Schule zur gegenseitigen Belehrung sein soll, ihren Stempel auf- drücken: sie werden uns selbstverständlich weder die Entdeckungen der Wissenschast noch die Meisterwerke der Kunst und der Industrie vergessen lasten, aber sie erscheinen uns ivie das Ziel der Eivilisation und wie eine Berechtigung zu unsrem Werke. Unziveifel- hast ist es ein bewundernswertes Schauspiel, zu sehen, wie die Intelligenz die Kräfte der physischen Welt diScipliniert und die Natur ungeahnten Kombinationen imtcnvirst, ans denen uns eine Zunabnie an Wohlergehen und ästhetischen Genüssen erwächst. So sehr daS Genie aber auch die dlinde Materie beherrscht, so sehr tritt eS zurück hinter der Gerechtigkeit und der Güte. Die höchste Form des Schönen ist nicht die. welche man durch eine Nummer auf dem Katalog bezeichne» kann; sie ist nur dem geistigen Auge sichtbar und ist verwirklicht, wenn die verschiedensten hervorragenden Intelligenzen, indem sie ihre Kräfte vereinigen, ivie die Maschinen nnsrer Ansstcllimgsgalerien von einem gemein- same» Motor— nämlich dem des Solidaritätsgefnhls— beseelt sind. Ich freue mich verkünden zu können, daß alle Regie- rungcn diesem obersten Gesetz huldigen und diese Thatsache ist nicht als das unbcdeulendste Ergebnis dieses großen Wettstreits der Völker anzusehen. Trotz der harten Kämpfe, welche die Völker gegeneinander auf dem industriellen, kommerziellen und Wirtschaft- iichen Gebiet ousfcchten, widmen sie fortwährend in erster Linie ihre Studien den Mitteln zur Erleichterung der menschlichen Leiden. zur Organisation von Wohlfahrtsanstalten, zur Verbreitung des Unterrichts, zur Moralisiernng der Arbeit und zur Einrichtung der Altersversicherung... Dieses Werk der Harmonie, des Friedens und des Aortschritts wird, so vergänglich auch seine äußere Erscheinung lein mag, nicht vergeblich gewesen sei». Dieses friedliche Zusammentreffen der Regierungen sdcr Welt»vird nicht unfruchtbar bleiben. Ich bin davon überzeugt, daß dank den steten Versicherungen gewisser erhabener Mächte, von denen das Ende des vorigen Jahrhunderts wiederhallte, da» zwanzigste Jahrhundert ein wenig mehr Brüderlichkeit leuchten sehen wird über weniger Nöte aller Art und daß wir vielleicht bald ei» wichtiges Stadium in der langsamen Fortentwtck- lnng der Arbeit zu ihrem Glücke und deS Menschen zur Menschlichkeit hu» erreicht haben werden." Es ist selbstverständlich, daß Bei solchen Gelegenheiten idealistische Wendungen gehobenen Stils verwandt werden, die den Thatsachen der Wirklichkeit und zumeist den Absichten derer, die sie gebrauchen, widersprechen. Indessen, wer die Reden von 1900 mit den Phrasen vergleicht, die bei der vorigen Weltausstellung 1889 von Tirard und Carnot gewechselt wurden, der kann sich dem Eindruck eines Fortschritts nicht entziehen. Losgelöst von dem Besonderen Sprachgebrauch der s Zarte» hat Genosse Millerand doch. Bei aller Allgemeinheit seiner Worte, das Bestimmte socialdemokratische Endziel verherrlicht. die internationale, friedliche, gleiche, zweckmäßige»md gerechte Organisation der Arbeit. Er hat auch das Mittel zur Er- reichung dieses Ziels gepriesen: die Koalition. In den blassen, lichten Farben einer schwärmenden Begeisterung sind die festen Umrisse des Parteiprogramms nicht verloren gegangen. Es war auch ein feiner Zug in Millerands Rede, daß er dem Verbündete!» Zaren allein dadurch seine pflichtgemäße Reverenz erwies, daß er au das Friedensmanifest erinnerte. Tie schönen Worte werden Verhallen. Für einen Augenblick � strahlte aus der Zukunft ein Lichtschein wirkungslos. Die Aus- stellung selbst ist sein Beispiel für die Anschauungen Millerands. sondern sie steht im Gegensatz zu ihnen: Sie ist das Werk der ge- knechteten Arbeit, der Erfolg kapitalistischer Ausbeutung, und die Völker, die sich auf diesem fröhlichen Jahrmarkt zusammen- gefunden, zerfleischen sich draußen im unerbittlichen Krieg. Die all- gemeine Solidarität ist bisher nur ein Wort, ein flüchtiger Sonntagsgedailke: Unter den Menschen und den Völkern herrscht immer noch allmächtig die unterdrückende. zerstörende, aussaugende Rivalität. Der Chauvinismus und die wirtschaftliche Konkurrenz hetzt die Völker gegen- einander, Grenzsperren, Schutzzölle, wilde Rüstungen wirken in mörderischem Krieg aller gegen alle, und die Brutalität des kapitalistischen Systems hält Arbeit und Arbeiter in qualvoller Frohn. Der proletarische Minister hat zwar die Welt- anschauung des Proletariats verkündet, aber ihre Erfüllung wird nicht durch Festreden und Weltkirmesse angebahm. fondern allein durch den unermüdlichen harten Ka»ipf des Proletariats aller Länder. 0 Deutsches Meich. Zur politischen Agitation. Die„Frif. Ztg." warnt bor der Anffafsimg, als ob die F l o t t e n v o r l a g e nicht noch nach Ostern zu sehr ernsten Kämpfen führen könne: „Noch in keiner politischen Saison haben sich die Entschei- düngen derart wie gcgenivärtig zusammeugeduingt ans die Zeit nach Ostern. Die Flottenfrage beherrscht nach ivie vor alles llebrige. Solches wird freilich'in manchen Kreisen verkannt. Das Interesse an dein Kampf über die Vorlage bat nachgelassen, iveil man vielfach als sicher annimmt, die Regierung und das Centrnm würden sich in eineni Kompromiß zusammenfinden. Anstrengungen gegen daS Zustandekommen des Gesetzes seien deshalb ver- gcblich, V ö rb e r e i tu ii g e» auf Neuwahlen überflüssig. Vor einer solchen Aiiffassung der Sachlage kann n ich t dringend genug gewarnt werden. Allerdings sind Regieriing und Centn»» einander sehr nahe gekommen. Wenn die Regierungspolitik einheitlich zusammengefaßt würde von einem Mcinne wie dem Fürsten Bismarck und auf der andren Seite das Centruin einheitlich geführt iviirde von einem Mann wie Windt- Horst-Meppen oder auch von Lieber, so würde der Abschluß eines Kompromisses nach der stattgehabten Annäherung durchaus wahr- scheinlich sein. Aber so liegen die Verhältnisse nicht... Uebcr die Trinksitten der Offiziere stellt ein ehemaliger Kavalleric-Offizier allerlei Betrachtungen an, die auch deS Jntereßes für die Oeffcntlichkeit nicht völlig entbehren. Nach der Darstellung dieses Kenners der Verhältnisse würden wir„sicherlich bedeutend mehr dienstbrauchbare Offiziere für die höheren Chargen besitzen, als jetzt", wenn nicht der überreichliche Genuß alkoholischer Getränke die Gc- snndhcit der Offiziere vorzeitig untergrübe, die geistigen Fähigkeiten verminderte und infolgedessen eine Versetzung in den Ruheitand notwendig machte. Es sei erstaunlich, wie viel Bierbäuche man sehe, von denen eS sicher sei, daß sie keine Attacke mehr mit- machen könnten. Auch sei eS dringend an der Zeit, die Lebensweise im Kasino nach dem Geldbeutel der Minderbemittelten, nicht, wie jetzt, nach dem der Wohlhabenden einzurichten. Statt sich abends alkoholischen Exzessen zu ergeben, soll der Offizier lieber geistige oder künstlerische Unterhaltung snchen.Z „Der Einwand, daß ein Offizier durch den Dienst zu sehr er- müdet ist, um abends sich einer geistigen Beschäftigung mit Auf- mcrksamkeit zuwenden zu können, ist nicht stichhaltig, denn eS giebt bekanntlich viele Arbeiter, die nach einer zehn- bis zwölfstündigen anstrengenden TagcSarbeit am Abend zwei bis drei Stunden m den Leichalien durch geistige Arbeit sich beschästigen oder öffentliche Bor- träge mit anhören, sich an Diskussionen in Vereinen lebhaft mit beteiligen und sich ans diese Weise ein oft erstaunliches Wissen an- eignen. Warum sollte cS also ein Offizier nicht können, der durch den Dienst doch weit ivcniger angestrengt ist als ein Arbeiter." Es ist nicht uninteressant, aus dem Mund eines Offiziers zu hören, daß an der Belastring des Pensionsfonds die allzu üppige Lebensweise vieler Offiziere mit die Schuld trägt. Ans dem Großhcrzogtnin Sachsen- Weimar kommt wieder eine Kunde, die die dorr gepriesene„Geistesfreihcit" ins rechte Licht stellt. Vom Ministerium ist angeordnet worden, daß in den höheren Lehranstalten die Kinder von Dissidenten oder solchen Eltern, die keiner staatlich anerkannten Religio»?- gcs ellschaft angehören, durch alle Klassen der Anstalt, an dem daselbst bestehenden Religionsunterricht Teil zu nehme» haben, oder, wenn die Eltern dies nicht wollen, zu ent- l a s s e n s i n d. �. Ob solcke Kinder auch wie die Socialdemolratte auf dre „preußische Freiheit" verwiesen werden, ist nicht gesagt; aber be- achtenswert ist dieser Vorgang gerade in dem Ländchen, in dem Schiller vor 100 Jahren schrieb:„Welche Religion ich bekenne? Kerne von allen, Die Du mir nennst." „Und warum keine?"— AuS Religion. Militiirboykott. H a 1 1 e a. S.. 13. April.(Eig. Ber.) D« r Aenerallieutenant läßt nichts abhandeln. Wegen des Militärboykotts hatte sich der aus 18 Mitgliedern bestehende Saalbesitzcrvcrein an den 8. Divisions-Koiumaiidcur Herrn v. Rhente gen. Fink gewendet, um eine mildere Anivendnng des Militär- verboiS zu erwirken. Der in einem förmlichen Bittgesuch abgefaßte Antrag der Saalbesitzcr ging dahin,„ein Militärverbot aus dem alleinigen Anlasse vereinzelter socialdcmokrnttschcr Versammlungen nur für den Tag der Versammlung lind nicht ans unbestimmte längere Zeit hinaus zu verhängen". Die liberalen Stadtverordneten konnten sich seiner Zeit im Stadtverordneten-Kollegium nicht einmal so weit ermannen, diesen lendenlahmen Antrag der Saalbesitzer zu unterstützen. Es hieß damals: Wir wollen„nnsre Position" �nrcht schwächen; das heißt nicht oben anecken. Das Gesuch der Saal- besitzcr ist nun dahingehend beantwortet worden, daß das Kommando der 8. Division gegen das Vorgehen der Militär» behörde nichts einzuwenden habe. Bei der Mnsteniiig der Wehrpflichtigen stellte sich heraus, daß jetzt über noch zehn weitere Lokale das Militärverbot verhängt worden ist.— Zur Reform des LaudtagSwahlrechtS in Bayern. Unsre Parteigenossen in» bayrischen Landtag stellten be» Beginn der Session olgenden Antrag:„, � „ES sei an die StaatSregienmg das Ersuchen zu richten, sie wolle dem gegenwärtig versammelten Landtag den Eiitwurf eines Gesetzes vorlegen, durch welchen das Wahlgesetz dahin abgeändert wird, daß, bei voller Sicherung einer unabhängigen Wahl, all- geni eines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht gewährt, den Städten wie dein Lande die ihnen nach der Bevölkerungsziffer gebührende Abgeordneten- zahl eingeräumt und eine geeignete Vertretung der Minoritäten nach dem Princip der P r o p o r t i o n a l w a h l e n»N Aussicht genommen werde." Der Antrag wurde nach eingehender Beratimg einer Kommusion überwiesen. Dieser hat jetzt der Centrmnsabgeordncte Rucdorffer einen Bericht erstattet, wie er. das heißt das E e n t r u m. sich d»e Reform denkt.. � Der Berichterstatter bezeichnet die Einführung des direkten Wahlrechts als das Hauptziel, hält aber seine Dlirchführung für „schwierig". Nach einer Besprechung der Anforderungen, die die Socialbemokraten an das Wahlgesetz stellen, wobei er sich gegen das Proportionalwahlsystcm ausspricht, und überhaupt hinter vielen Redensarten seine reaktionären Anschannngcn deutlich durchblicken Iaht, schlägt er vor zu bcschlietzcn, das; die Regierung aufgefordert werde, baldigst einen Entwurf zur Einführung des direkten Wahlrechts oorzulegcn. Für die Eigenschaften, die zum Wählen berechtigen sollen, schlägt er vor: Wahlberechtigt ist jeder Bayer, welcher das füufundzwanzigste Lebensjahr erreicht hat, die bayrische Staatsangehörigkeit feit mindestens einem Jahre besitzt, ausweislich den Versassnngseid geleistet hat und dein Staat seit mindestens einem Jahre eine direkte Steuer entrichtet. Darin ist sowohl in Beziehung auf die Dauer der Steuer- entrichtung und der Staatsangehörigkeit sowie durch Hinaufsctzung des Wahlakts von 21 auf 25 Jahre eine wesentliche Verschlechte- rnng des jetzigen Wahlrechts enthalten, die durch die Beseitigung der indirekten klassenlosen Wahl keineswegs aufgewogen wird. Das Centrnin zeigt sich also anscheinend keineswegs geneigt, das Wahlrecht wirklich zu verbessern.— Flottenagitatio» durch die Schule. In der„Zkolonialen Zeitschrift" inacht ein Dr. Polakowsky den Vorschlag, die Agitation für die Flotte und Kolonialpolitik in den Schulen systematischer als bisher zu betreiben, und zwar durch Gratisverteilung von Weltkarten und Atlanten. In dem Artikel des Herrn hciszt cS: .Eine Weltkarte und ein kleiner SchnlatlaS fehlen. Hier müssen alle Freunde nnsrcr Kolonial- und Flottcnpolitit, die wirklich in selbstloser Weise der Sache dienen, das heißt unser Volk für die richtigen Ziele des Kaisers und seiner Regierung erziehen wollen, einsetzen. Nicht für Telegramme, Bankette, kost- spielige Publikationen ec. werde das Geld, das für die• bezeickmcte Agitation vorhanden ist. ausgegeben, sondern zum Ankaufe von Welt- karten sin Mercators Projekiion), auf denen die deutschen Kolonien klar hervorgehoben sind. Solche Karten schenke man jeder Schule im Reiche. Ivo dieselbe fehlt, und Ivo der Lehrer, Lokalschulinspektor oder Patron um ein solches Geschenk nachsucht. Weiter beschaffe man die Mittel scs handelt sich um erbärmliche 1000 M.), um zunächst in Rorddeulschlaud 5000 Exemplare eines kleinen Schulatlas gratis zu verteilen und so zuerst die Lehrer und dann die lokalen Schul- vorstände für die Einführung dieses neuen Lehrmittels zu gewinnen. Wir sind sicher, daß die Lehrerverbände und ihre Organe diese Idee unterstützen werden. So lernt wenigstens die heranwachsende Generation, was eineKolonie bedeutet, und auch die Eltern jener Kinder, die Wähler, nehmen das neue, bunte Buch, den Atlas, in die Hand und lassen sich die Karten erklären und lernen so mehr, als durch die bisherige Agitation der heutigen Flotten- vereine." Durch das bloße Anstarren einer Weltkarte, auf der die deutschen Kolonien besonders schreiend koloriert sind, lernt die heranwachsende Jugend schwerlich,.was eine Kolonie bedeutet". Die Erläntcrungen des Lehrers bleiben die Hauptsache. Daß diese aber schon heute bei dem bekannten System unsres.vaterländischen Unterrichts" im Sinne der Weltmachtpolitik gehalten sein werden, ist mit Bestimmtheit an- zunehmen. Zum Glück nimmt die spätere Schule des Lebens an den durch die Schule verbreiteten Lehren die nötigen Korrek- turen vor.— Ein klassisches Stücklein preußisch-deutscher McrmauisationS- Politik leistete sich kürzlich das Straßburger Amtsgericht. Ein Schreiuermeister hatte dort seinen Konkurs angemeldet und sich dabei eines Geschäftsbriefbogens bedient, auf dem sein Gewerbe französisch mit menuisier angegeben und auch das Schema für daS Datum mit.Strasbourg le..." vorgcdrnckt war. Postwendend bekam der Meister sein Schreiben zurück. Die erwähnten französischen Worte waren darauf dick unterstrichen und dazu bemerkt, die Form der Zuschrift sei beanstandet und dem Schreiber außerdem aufgegeben worden, die durch Unterstreichen gekennzeichneten Ausdrücke du r ch einen beeidigten Uebersetzer verdeutschen zu lassen. — Unsre.wiedergewonnenen Brüder" verdienen in der That nicht, im Lande der„besten Rechtsgarantien" zu leben, wenn sie selbst durch ein solch liebliches Gemisch von Bureaukratismus und natio- naler Zwangserziehung nicht für die prcnßisch-deutsche Diktaturherr- lichkcit zu begeistern sind.— Ausland. Italien. Mailand, 14. April. Die Boeremnission ist heute mittag mit der Gotthard-Bahn nach dem Haag abgereist. Der Gesandte der Südafrikanischen Republik Dr. Leyds begiebt sich nach Brüssel. Von englischer Seite wird gemeldet: Nach einer Nachricht der„Daily Mail" aus Rom vom 13. d. M. hätten die Abgesandten der Bocren in Mailand, wo sie mit Dr. Lehds zusammentrafen, auch mit dem Grafen Bnlow, der auf dem Wege zu seinem kranken Bruder nach Pallauza sich befindet, und im Hotel Cavonr abgestiegen ist, eine lange Konferenz gehabt. Danach konferierte Dr. Leyds sechs Stunden lang mit den' Delegierten, und soll der deutsche Konsul in Mailand Herst sich schließlich der Konferenz angeschlossen haben. Zwischen Mailand, Paris. Berlin und Petersburg soll ein lebhafter DcpeschcnauStausch stattsinden. Natü.lich muß die Verantwortung für diese Meldung der„Daily Mail" überlassen werden. Auch die„Daily NetpS" meldet, daß Graf Bülow persönlich mit den Boerendelegierten in Verbindung getreten ist, während der „Telegraph" erklärt, daß Graf Bülow während seines Aufenthalts den deutschen Konsul zu den Delegierten geschickt habe. Asien. Zu den ostasiatischcn Wirren. Aokohama, 14. April (Meldung des.Reuterscheu Bureaus.") Nach Meldungen aus Söul ist ein geheimes Abkommen zwischen Rußland und Korea ab- gcschlostcn worden, wodurch letzteres sich verpflichtet, die am Ein- gasig des Hafens von Masampo gelegene Insel Kojedo nicht zu veräußern.— Im Innern von Korea ist eine Revolution aus- gebrochen.— Von der Aktion gegen China. In den Blätter wird eine Flottenkundgebung Deutschlands. Großbritanniens, Rntzlaud», Frank- reichs und der Vereinigten Staaten vor Takn. dem Hafen von Peking, angekündigt und hinzugefügt, daß Deutschland, für die Bc- trilignng an einer derartigen Denionstration die Kreuzer„Irene", „Kaiserin Augnsta",„Gefion" und„Hertha" sowie die Kanonenboote „Jaguar" und„Iltis" zur Verfügung hätte. Richtig ist. bemerken die„Berk. N. N.". daß Deutschland in der Lage wäre, sich an einer etwa erforderlich werdenden Flottenknnd- gebung ausreichend zu beteiligen. Wie wir erfahren, hält man jedoch in maßgebende» Kreisen noch an der Hoffnung fest, daß in Peking auf diplomatischem Wege die Wahrung der den Mächten von der chinesischen Regierung garantierten vertragsmäßigen Rechte erreicht werden wird. Sollte diese Erwartung getäuscht werden, so würde sich das Deutsche Reich selbstverständlich von einem geniein- sauten Vorgehen der genannten Mächte nicht fernhalten.— Nnrnhc» in Britisch- Indien.(Meldung de?„Renterschen Bureaus".) Eine ernste Gefahr droht infolge eines im Eingeborenen- Distrikt von Khanpnr ansgebrochenen AnfnihrS. Das Lagerhaus wurde durch den Pöbel zerstört, welchem auch eine Baumwollen- mühle zum Opfer fiel. ES wurden Truppen aufgeboten, zehn Per- soncn wurden getötet, fünf Polizeibeamte wurden durch die Auf- rührer ermordet und in daS brennende Lagerhaus geworfen. Die Ruhe ist jetzt wiederhergestellt, aber alle Arbeit ruht und die Bc- völkcrung zeigt eine feindselige Haltung. Freiwillige Lokaltrnppen patrouillieren die Stadt ab und bewachen die Mühlen und Fabriken.— Tie Politik der Vereinigten Staaten mit Bezug auf China wird durch die, vor kurzem von der amerikanischen SUegierung veröffentlichten diplomatischen Aktenstücke ziemlich hell beleuchtet Die Vermutung, daß die Vereinigten Staaten sich der engliichen Politik der offenen T h ü r a n g e s ch l o s s e n haben, wird voll- aus bestätigt. Weiter wird die Thaisache bestätigt, daß Japan Hand in Hand nnt England und den Vereinigten Staaten geht, während Rußland und Frankreich in entgegengesetzter Richtung arbeiten und Deutschland sich schwankend, jedoch im ganzen genommen der Politik der offenen Thür mehr freundlich als feindlich verhält.— Australien. Bedenkliches Umsichgreifen der Pest. Sidncy, 13. April. Die Zahl der hier vorgelommeuen Pestfälle beträgt III. von denen 33 tödlich verlaufen sind.— VttvlttMVnkAviPches. Tie Postdampferdorlage ist dem Reichstag zugegangen. Die- selbe setzt an die Stelle der bisherigen Subvention für die Ver- bindnng mit Afrika von SOOOOO M. eins solche von 1350 000 M. An Stelle 14tägiger Fahrten nach Ostafrika bis Weira sollen Rund- fahrten um Afrika treten, in der Weise, daß abwechselnd einmal die Ausreise durch den Snezkanal geschieht- und die Heimreise auf der Wcsiscite von Afrika, und ein andres Mal die Ausreise auf der Westseite und die Heimreise auf der Ostseite stattfindet. Der Gesetz- entwurf soll mit dem 1. April 1901 in Kraft treten. Dem Entwurf »nd seiner Begründung sind weitschichtige Anlagen mit statistischen Tabellen beigefügt._ Die Kosten der Kriegsschiffe. K i e l. 12. April. Gegen unsre Mittcilmigen in Nr. 78 versucht die freisinnige „Kieler Zeitung" in einer Zuschrift„von zuständiger Seite" zu polemisieren. Doch unsre allgemeinen kritischen Bemerkungen über die üblen finanziellen Folgen der nnwirtschastlichcn Verhältnisse ans der kaiserlichen Werft in Kiel bleiben völlig unangetastet; ebenso unsre Mitteilungen über die Ventilationsschächte, die Kommando- brücke, die Umsteuernngsmaschinen des„Fürst Bismarck". Nur einige wenige Ausstellungen versucht die„zuständige Stelle". Wir hatten geschrieben, daß der„Fürst Bismarck" nahezu vier Jahre zu seiner Fcrngstellnng bedurfte. In Wirklichkeit sind die vier Jahre schon überschritten. Der„Bismarck", trotzdem er am 1. April in Dienst gestellt ist, ist noch längst nicht fertig; noch jetzt arbeiten so viel Hunderte von Arbeitern auf ihm, daß deren Hühneraugen in ständiger Gefahr sind. Die„zuständige Seite" der„Kieler Zeitung" rechnet als Bauzeit für de» „Bismarck" mir drei Jahre heraus. Weil zur Reparatur und Instandhaltung der aktiven Flotte und der Rescrveschiffe nanicntlich zwischen Weihnachten und Ostern den Neubauten ein bc- trächtlicher Teil der Arbeiter entzogen würde, könne man eigentlich unter zwölf Monaten des Jahres mir nenn als volle Bauzeit rechnen. Mit dem Exempcl kann man allerdings alles betveifen. Aber die Behauptung stimmt nicht. Noch nie sind so viele Arbeiter auf einem Schiffe beschäftigt gewesen, als wie in den drei ersten Monaten dieses JabreS auf dem„ewigen Bismarck". Ein solches tvildeS Durcheinander hat auf dem Schiffe geherrscht, daß der eine dem andern bei der Arbeit im Weg gestanden hat. Und zwar gerade zu jener Zeit, wo nach der„Kreier Zeitung' die meisten Arbeiter den Neubauten entzogen werden. Wir schrieben ferner, daß die Mnschincnleistung auf 15 000 Pferde- kräfte erhöht sei. Die„zuständige Seite" der„Kieler Zeitung" bc- streitet es. Demgegenüber köniicn wir mir beharren, daß die von uns angegebene Thntfache richtig ist. Ebenso sollen die Kohlenbunker in den Heizräuincn nicht umgebaut sein. Nicht einmal, zweimal sind Umbauten der Kohlenbunker erfolgt, wenn nicht gar mehrmals. Wir verstehen nicht, wie dieses bestritten werden kamt, wo zugegeben wird, daß die über dem Heizranm belegenen Kohlenbunker vergrößert find. Daß Deuteln von Worten ändert doch nichts an der Thatsache, daß die Kohlenbunker gegen den ursprüngliche» Plan bedeutend verändert wurden und dazu bedeutende Umbauten im Schiffe erforderlich ivaren. Wir schrieben, daß die halbfertigen Maschinenfundamente, weil in der Höhe nicht passend, vcrlvorfen wurden. Die.zuständige Seite" der„Kieler Zeitung" sagt:„An den Maschinenfimdanieiiten ist nichts geändert wordon." In der That ist uns da ein Irrtum passiert, aber ob die Aufdeckung desselben für die Kieler StaatSwcrft sehr angenehm sein wird, erscheint nnS doch sehr zweifelhaft. Die Angelegenheit liefert nnS nämlich einen neuen Beweis für unsre, den Grundgedanken nnsrcS ersten Artikels bildende Bchanpwng, daß in geradezu plan- und zielloser Meise ans den Werften gearbeitet werde. Der Thatbcstand ist folgender: Im Sommer des verflossenen Jahres sollte der Knsteupaiizer„Hagen" mit neuen Kesseln versehen werden und die hierzu erforderlichen Kesfclfimdamente wurden in der Wiukclschmiedc der kaiscr- lichen Werst angefertigt. Da wurde plötzlich die auch in der Bndgcttommission des Reichstags besprochene Verlängerung des „Hagen" irni 7 Meter befohlen und min wanderten die halbfertigen Kcsfelfimdamente, iveil nicht mehr paffend, ins alte Eisen. Die Wer- ivechslung dieser Fundamente mit denen des„Bismarck" ist auf die Arbeit für beide Schiffe in der Winkelschmiedc zurückzuführen. Also die Thatsache, daß halbfertige Fundamente verworfen wurden, bleibt bestehen. Nur lag die Ursache des Verwerfe»« der Fmidamcnte in der urplötzlichen Aenderung einer ganzen SchiffSkon st ruktion. während in unsrer ersten Mitteilung die Ursache auf ein Versehen oder ein Vermessen, wie eS ja immerhin einmal vorkommen kann, ja auch hätte znrückgesührt werden können. Und nun die armen Fensterblenden. Die„zuständige Seite" gicbt zu, daß erst eine Probeblende ans Nickel angefertigt wurde, dann 16 Stück ans Neusilber,„weil dieses nur halb so thcner ist als Nickel", und dann 16 Stück aus gewöhnlichem Messing, die dann verivendet wurden. Die ganze Arbeit soll mir 278 M. gekostet haben. Wir müssen bei nnsrer ersten Nachricht bestehen bleiben. Erst sind für sämtliche in Frage kommenden Blenden Platten und Nickel anSgeschnitten, dann, weil diese zu stark siliid dünneres Nickel gerade nicht zur Stelle war. Blenden ans Neusilber angefertigt und späterhin durch Mctallblenden ersetzt tvorden. Interessant tvar nnS zu lesen, daß die Neusilber-Fensterblenden für die AdmiralS- und Kommandmitenräume des„Fürst Bismarck" bestinimt gewesen sein sollen. WaS für die Kaiscryacht also nicht zu gebrauchen, wäre für den„Bismarck" gut getveseii? WcShalb sind sie den» nicht hierzu verwendet, weshalb erkundigt sich denn überhaupt der Oberbaurat erst nach Erscheinen unsres Artikels, ob die Blenden ans dem Boden der Schlosserei vorhanden? Im übrigen lagen auch nicht 16 Blenden auf dem Boden, sonder» 35 halbe. Weshalb gab ninn denn den Blenden überhaupt den Boden als Aufbewahnmgs- ort, tveShalb nicht daS Magazin? Sollte etwa das am vorigen Sonnabend vernichtete Material voni Boden der Schlosserei auch später noch einmal verwendet werden?'Und weshalb hat denn der Dampfhammer der Schmiede alles in Grund und Boden schlagen miiffcn, iveshalb gab man den schmunzelnden Arbeitern der Schmiede Gelegen- heit von dem in der Schlosserei anSgebrochcnem. Z« rst ö r u n g s- Wahnsinn" zu sprechen Zum Schluß wird in der„Kieler Ztg." noch bestritten, daß die elektrische R u d e r e i n r i ch r n n g de»„Aegir" nicht ein „interessanter Versuch" gewesen'ist, welcher mindestens seine 100 000 Mark gekostet hat, sondern eS seien 86 750 Mark für eine Rnderniaschine verausgabt worden. welche seit ihrer Erprobung im Friihjahr 1897 bis heute tadellos fnnktio- niert habe. Entweder kennt die„zuständige Seite" der„Kieler Ztg." von den elektrischen Anlagen auf dem„Äegir" nichts, oder sie behauptet wissentlich die Unwahrheit. Seit Dezember 1892 sind ans der kaiserlichen Werft in Kiel Pläne ausgearbeitet, nach denen zuerst auf dem„Aegir" versuchsweise alle Hilfsmaschinen, welche sich irgendwie dafür eigneten, durch elektrischen Strom betrieben werden sollten. Die vollständige Ausarbeitung der Pläne für die für uns nur in Frage kommende Stencrsinrichtnng de? „Aegir" zog sich bis zum Sommer 1893 hin, wo ein von der Union. Elektricitäts-Gesellschaft in Berlin, angefertigtes Projekt zur Ansfnhrmig kam. Gelegentlich einer Besichtigung dieser Rndereinrichtnng äußerte sich' an Bord des„Aegir" ein Banrat der kaiserlichen Werft in Kiel, jetzt Oberbaurat in Danzig— das ist wohl deutlich genug—:„Und tuenns nicht gehen wird, meine Herren, so ist es doch ein äußerst intcr- essanter Versuch gewesen." Diese gesamte Rndereinrichtnng mit all' den Versuchen, Proben usw., hat mindestens hunderttausend Mark gekostet. Die tadellose Funktion der Ruderanlage existiert auch nur in der Phantasie der„K. Z.". Namentlich Leim Fahren im Verbände mit Schiffen, die ein Dampfrndcr haben, hat als sehr nachteilig sich herausgestellt, daß das Ruder sich anfangs sehr langsam legt. . Das sind die Pnnkte, die zu dementieren die„Kieler Zeitung" vorgeblich versucht hat. Unsre„zuständige Seite"— die ausfindig z u m a ch e n m a n zur Zeit ebenso lebhaft wie erfolglos b e m ii h t i st— ist besser informiert über die Vor- gänge auf der Werft als der Wcrftverwaltniig lieb ist. Die„Kieler Zeitung" hat ein gutes Werk gethan, indem sie durch ihren nijßaliickten Abschtvächnngsvcr'inch dafür sorgte, daß das von nnS angeschnittene Thema nicht so bald wieder dem Gedächtnis schwindet._ Der diesjährige Parteitag der socialdemokratischcn Partei Deutschlands, der nach dem in Haimover gefaßten Beschlüsse in Mainz tagen soll, wird voraussichtlich Sonntag, den 16. September. eröffnet werden. Dieser frühe Termin mutz gewählt werden, weil der internationale Arbeiterkongreß in Paris auf den 23. September einbcnifen ist, der deutsche Parteitag aber nach dem in Hannover gefaßten Beschlnsse vorher zusammentreten soll. Die Parteivorgänge in Nürnberg. Der„Fränkische Kurier". freisinnig, gicbt folgender„Zuschrift ans socialdemokratischen Kreisen" Raum: „Daß in der socialdemokratischen Partei eine tiefgehende Ver- siimmung gegen die bisherige Parteileitung herrscht, ist eine Thpt- fache, welche die„Fränlische Tagespost" zwar nbleiignen, aber nicht aus der Welt schaffen kann. Es hat sich bereit? eine Vereinigniig von Socialdcmokratcn gebildet, die die gegenwärtig fungierende Parteileitimg beseitigen und an deren Stelle andre Männer setzen will. Am' Dienstagabend tagte diese Vereinigung in der Restauration„Zu den' drei Königen" in der Theatcrgaffe mitcr dem Vorsitz des Genossen Paul Kranß. Der Referent, Genosse Karl Ensncr, der in einem Vortrag die gegenwärtige Lage der Partei schilderte, kam zu dem Schluß, daß mit der jetzigen Partei- leitung griinolich aufgeräumt werden müsse. Hauptsächlich müßten die Genössen Hcrrmann und Eitzingcr beseitigt werden. Genosse Spörl stinimte dem Vorredner in allen Pnnkteii bei, ebenso der Genosse Gutt- mann. Nachdem noch Genosse Jean MnScat zu raschem und rücksichtslosem Vorgehen aufgefordert hatte, wurde beschlossen, eine anherordent- liehe Gciieralversam'mlniig des socialdemorratischen Vereins Nürnberg- Alidorf zu beantragen und in derselben den Genossen Spörl ats Vorsitzenden und' den Genossen Ensncr als Parteisekretär vor- zuschlagen. Die weitere Fassung der Beschlüsse wurde bis zur nächsten Sitzung vertagt. Von einigen Rednern wurde ge- wünscht, daß man mit diesem Vorgehen vis nach den Wahlen warten Möge, allein diese drangen mit ihrer Meinung nicht durch." ' Unser Nürnberger Partciblatt, dem wir diese Mitteilung eist- nehmen, sagt dazu: „Zur Charakterisiernng der Absichten dieser merkwürdigen Social- demokraten gcniigtn zivei'Thatsachcn: Zum ersten, daß der Antrag abgelehnt ivnrde, weitere Beschlußfassniigen bis nach den Wahlen zu' verschieben, und zum zweiten: daß sie ihren VersammIungS- bcricht dem schmutzigsten aller gegnerischen Blätter, dem„Kurier", zn- schicken. Wie mag den Herren im„Kurier" das Herz ini Leibe lachen. wenn sie fortgesetzt konstatieren können, daß eine kleine Klique ans das eifrigste bemüht ist. Zwietracht im socialdemokratischen Lager zu säen und dadurch die Wahlgeschäste der Gegner zu besorgen. Wir halten es für selbstverständlich, daß jeder ehrliche Socialdcmokrat dem verräterischen Treiben der neuen„Vereinigimg", deren PnblikationSorgan der„Kurier" fft. energisch entgegentreten wird." Ucber die' drei Gewährsmänner der.Franlf. Ztg." sagt die „Miinchcner Post": „Schriftsteller Anb, ein Neffe dcS jüngst verstorbenen Liberale» Dr. Anb. hat unsres Wissens mit der Partei gar nichts zu tyun. Herrn Ranbineck ist schon oft genug bedeutet worden, daß die frei- religiösen Bestrebungen mit den Zielen nnsrer Partei gar nichts gemein haben. Bleibt also mir der frühere Parteikassierer Muskat, der. eine— wer weiß warum?— gekränkte Leberwurst, mit jenen beiden Herren die Geschäfte der Frcisiimigen und der anderil edlen Gegner besorgte." ' Und die.Fränkische Tagespost" schreibt zu der Demaskicrimg der Drei: „Die Herren, die nicht den mindesten Versuch gemacht haben, ihren Standpunkt in der eignen Presse zu vertreten, haben während ihres ganzen Lebens noch nicht den hundertsten Teil dessen für die Partei geleistet, was sie in wenige» Tagen größten UebcrciferS nun zur Schädigung der Arbeiieriilteressen, zur Untergrabung des Kredits Ocrtcls, zur Herabwürdigung des Andenkens des nnS jäh entrissenen Genossen beizutragen bemüht waren." Tic Thätigkett der socialdemokratischen Partei in Württemberg. Die württemvergischen Parteigenossen geben auf Grund der Beschtüsse der vorige» Laiidesversammlimg seit November vor. IS. eine Laiidagitationszeitung nnter dein. Namen„Schwäbischer Volks- freund" heraus, von der bis Ende März 220 000 Probeblätter auS- gegeben wurden. Vorläufig erfordert daS Blatt noch einen Zn- schuß von monatlich 400 M. Der„Tagwacht"- Kalender nrnrde in 14 000 Exemplaren verkauft. Ferner wurden 7000-Mäifest-Zcitimgen verkauft und zu Landtags- und RcichStagS-Nachlvahlen 84 000 Flug- blätter verbreitet. Tie regelninhigen Beiträge an die Landeskasie erreichten die Summe voii 4043 M., für Maiinarlen wurden 1931 M. und auf Sammelbonds 406 M. eingenomincn. Die Gesamteinnahmen de- trugen 7557 M.. die Ausgaben 5875 M. Die Landesorgaiiisativn umfaßt jetzt 136 Mitgliedschaften. Ter Parteivorstand der nngarländischen Socialdcmokratie erstattet zn dem über Ostern tagenden Parteitag den Jahresbericht. Der Bericht schildert eine unendliche Kette von Verfolgungen und Gewaltthatcn der Behörden dcS.liberalen" Uiigarlandcs gegen die um ihre Befreiung riiigendeii organisierten Proletarier, zeigt aber andrerseits, daß auch dort trotz aller Unterdrncknng die)! Partei- bcivcgung gewaltige Fortschritte macht. Die Gcsnmtsnmmc der über Parteiangehörige verhängten Strafen cinschlietzlich derer, die die Parteivresse betreffen, beträgt 35 Jahre 1 Monat 3 Tage Gefängnis und 26 846 Kronen Geldstrafe». Die Bewegung nnter de» Jlidustrie-Arbeitcrn hatte zwar unter der riesigen Arbeitslosigkeit, über die wir erst jüngst einige Mit- teilungen machte,>. etivas zu leiden, aber dennoch ivnrdeii massenhaft gut besuchte Versammluligen veranstaltet und besonders mehrere große DemonstrationSumzuge in Budapest unter sehr starker Bc- teiligung ausgeführt. Sie galten teils der Demonstrierung der' Arbeitslosigkeit und teils der Forderung des allgemeinen Wahlrechts. An den Wahlen konnte sich die Partei noch nicht beteilige», weil ihr Versammlungen zur Ernennung von Kaiididatcn nicht gestattet wurden. Judnstriearbeiter- Fachvercine wurden verschiedene neugegründet. Uligani hat auch eine lebhafte Landarbeiterbewegung. Es wurden mehrere liene Vereine dieser Arbeiter gegründet und bei den Gemcindewahlen in 11 ländlichen Gemeinden 113 Genossen in die Gemeinderäte gewählt. Das Parteiblatt in Budapest erscheint seit dem Juli v. I. wöchentlich dreimal. Ein»nies Buchbinder- Fachblatt wurde ge- gründet. Ein SnnbarbcitcvBIatt wurde nach 17 Nummern unterdrückt, doch ivird sich der dem Parteitag unmittelbar folgende Landarbeitcr-Kongreß mit der Frage der Mehrherausgabe deS Blattes beschäftigen. Es wurden eine Anzahl Agitationsbroschürcn in uugrischer Sprache herausgegeben und ferner die Schrift von Marx„Lohnarbeit und Kapital" in einer Auflage von 3000 acdruckt. Der Agitatiouskalender wurde in 4000 Exemplaren verbrcit Aus dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß die Parteiblätter eine Gesamteiimahme von 27 187 Kronen hatten und eine Ausgabe ooii 30198 Kr. Die Buchhandlung in Budapest hatte 8207 Kr. Einnahme und 7910 Kronen Ausgabe. Die sonstigen Einnahmen der Partei betrugen 13 747 Kronen. Davon wurden 3369 Kronen für Agitation und 2109 Kronen zur Unterstützung Inhaftierter ausgegeben. Für 4 Monate konnten die Ausgaben nicht im einzelnen nachgewiesen werden, weil am 1. Juli v. I. die Bücher koufisciert wurden und bis zum Abschluß der Rechnung noch nicht zurückgegeben waren. GemevKMzAfkliches. Der Verband der Schneider beruft zum 22. August seinen Lerbandstag nach Halle ein. I» der Pianofortcfabrik von Morenz in Zeitz legten sämt lichc Arbeiter wegen Maßregelung eines Kollegen die Arbeit nieder. Die Aussperrung der Schnhmacher in Tuttlingen. Der Kampf hat sich verschärst, die Fabrikanten treten in keine Unterhaus luiig. Jhr� Losungswort heißt: Hinaus mit den Socialisten aus unscrm Städtchen I Und nickst nur die Schuhfabrikauten, nein, die ganze Uutcrnehinerklique steht zusammen, um ihre Pläne durcbzu setzen. Deshalb ist es notlvcndig, daß auch die Arbeiterschaft Deutschlands ebenso einmütig den ausgesperrten Arbeitern zur Hilfe eilt. An ein Nachgeben ist nicht zu' denken, sagen hochmütig die Fabrikanten. Wir suchen uns die Arbeiter ans. welche ivir fernerhin »och zu beschäftigen gedenken, alle übrigen müssen fort. Kein Pardon wird gewährt, rücksichtslos soll der Befehl dieser Herren durchgeführt werden. Demgegenüber können sich die Arbeiter nicht auf Gnade und Ungnade ergeben. Die Fabriken stehen still, alles Liebeswerben um die Arbeiter zu Streikbrechern zu. mache». scheiterte an dem festen Znsammenhalten der ganzen Arbeiterschaft. Bis jetzt haben wir noch keinen Abtrünnigen zu verzeichnen. Schon drciinal sollten die Fabriken geöffnet werden, um den Arbeitswilligen Gelegenheit zu geben, die Arbeit bedingungslos wieder aufzunehmen. Aber es kain niemand, trotz der verlockendsten Der- sprechungen. Arbeiter Deutschlands. Parteigenossen! Laßt Eure kämpfenden Brüder in Tuttlingen nicht im Stich, gestattet es nickst, daß die Reaktionäre über uns triumphieren, unterstützt die 2000 Kämpfer, die für ihre Menschenrechte eintreten I Die Kommission der Ausgesperrten. eS wahrlich nicht daran fehlen lassen, ihr schönes neues Heim mit dem rechten Geist zu erfüllen, wie es als die Hauptsache verlangt worden sei. Ein kräftig durch den Saal brausendes Hoch auf die Berliner Gewerkschaftsbeivegung schloß den offiziellen Teil der Feier. Noch lange klangen aber die Gläser der festlich gestimmten Männer und Frauen aneinander, und weitere Gesänge der „Thpographia" verschönten diese denkwürdige Feier der Berliner Arbeiterschaft. Das Gewerkschaftshaus ist den Arbeitern nun in aller Form übergeben. Hoffen auch wir. daß ein neuer Aufschwung der Berliner Arbeiter- und Gewerkschafts-Bewcgung diesem Qsterheiligabend vom Jahre 1900 mit seiner Einweihung des Gcwerkschastshauses folgt. SociAle-L. Verhiitiing von stand der englischen Gesetz. welches den Eiseilbahil-Unfällen. Nachdem der Wider- Eisenbahugesellschaften gebrochen und das ,. Eisenbahnen die Eins ü h r u n g a u t o- malischer W a g e n k u p p e l u n g e n zur P s l i ch t' macht, im englischen Parlament in zweiter Lesung Annahme gefunden hat, ist diese Frage auch für den Kontinent in ein neues Stadium getreten. Die„Erwägungen" und„Prüfungen", die hier bis- lang vorgenommen wurden. werden sich jetzt ebenfalls zu Thaten verdichten müssen. Bei den östrcichischcn Staatsbahnen ist, wie wir der«Ztg. d. B. d. E-V." entnehmen, vor kurzem eine Anzahl von Wagen'probeiveise mit selbstthätiger Ccntralkuppclnng nach amerikanischem System in Betrieb gesetzt, und mit einer zlveileii neuartigen selbstthätigen Kuppelung sollen demnächst Versuche an- gestellt wurden. Wie aber der Stand dieser Frage auf den deutschen Bahnen ist, darüber verlautet blutwenig. Die genannte Zeitung weiß darüber nur das eine mitzuteilen, daß„der Verein deutscher Eisenbahn- Verwaltungen einen besonderen Ausschuß zur Prüfung der Frage" eingesetzt hat. Welche Wichtigkeit die Einführung der selbstthätigen Kuppelung für das Personal hat, ersieht man erst aus der Verteilung der Un- fälle. Auf das Fünftel der Bediensteten, die in den gefährlichsten Dienstzweigen thätig sind, entfallen mehr als zwei Fünftel aller der Unfälle, die auf in Bewegung befindliche Züge zurückzuführen sind. Und die relativ höchste Zahl der Getöteten stellt das Rangier- personal, wie denn auch die Verletzung dieser Angestellten durch' das Kuppeln der Wagen überhaupt mit au erster Stelle steht. Die Eröffnung des Gewerkschaftshanses. Am Sonnabendabend ist das schöne Haus, das sich die Berliner Arbeiterschaft am Engel-Ufer gebaut hat, durch eine öffentliche Feier seiner Bestimniung übergeben worden. Das Interesse der Ar- beiter für das Gcwerkschaftshaus und infolge dessen der Andrang zur Eröffnung waren so stark gewesen, daß man einer Ueberfüllung des Hauses nur durch vorherige Ausgabe von Billets an alle in Betracht kommenden Korporationeil und Persönlichkeiten hatte vor- beugeir können. Und trotz dieser Vorsichtsmaßregel waren die hohen und luftigen, mit Blattgewächsen, Fahnen und proletarischen Denk- sprächen geschniückten Räume von einer festlichen Menge bis auf den letzten Platz gefüllt. Zur Eröffnung sang die„Thpographia", der in den Arbeiter- kreisen beliebteste der Berliner Arbeiter-Gesangvereine, zivei prächtige Proletarierlieder. Dann nahm der Genosse Dr. Leo Arons das Wort, um namens der Geschäftsführer des Aufsichtsrats und der Gesell- schafter des Unternehmens die Anivesenden zu begrüßen. Er schilderte in kurzen Worten die Geschichte deS nun vollendet dastehenden Hauses. Schwierigkeiten habe es genug zu überwinden gegeben. Ganz vollendet sei das Unternehmen aber auch heute noch nicht. Die Form stehe da, aber an der Berliner Arbeiterschaft sei es, da? HauS nun mit dem rechten Geiste zu erfüllen. Darauf, daß dies geschehe, bat der Redner die Versammelten ihre Gläser zu leeren. Und dröhnend erschallte darauf das„Hoch das Gcwerkschaftshaus I" an den hohe» Gewölben deS Festsales empor. Es folgte als Redner der Rechtsanwalt Heine, der als Ver» treter des III. NeichstagS-WahlkreiseS, in dem das Gewerkschaftshaus liegt, sprach. DaS Gewerkschaftshaus fei ein Beweis dafür, daß die Arbeiter das alte Wort begriffen haben:„Die Befreiung der Arbeiter kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein." Schon in dem Aeußern des Hauses spreche sich der modenre Geist der Arbeiterschaft aus. Die solide Kraft, die einfache Natürlichkeit, der heitere Schmuck, dies alles seien Symbole des Geistes, der heute die deutsche Arbeiterschaft beseelt.— Die Erbauung deS Gewerkschaftshauses bedeute dabei kein focialistischcs Experiment. Das Unternehmen solle unbeschadet der höchsten Ziele und Ideale zeigen, was die Arbeiterschaft schon unter den heutigen beengten Verhältnissen zu leisten im Stande und gewillt sei. Der Redner schließt mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Gründer und Erbauer deS Hauses, nicht minder auch auf die Berliner Arbeiterschaft, die an dem Zustandekommen des Hauses doch den wesentlichsten Anteil habe. Namens der Berliner Gewerkschaften sprach Hugo Pötzsch, der denen, die sich um die Erbauung des Gewerischaftshauscs so hohe Verdienste erworben haben, den Dank der Gewerkschaften darbrachte. Auch er wies daraus hin, in wie eminentem Sinne die Arbeiterschaft hier„praktische Arbeit" leiste. Das Haus werde einen bedeutsamen Abschnitt bezeichnen in der Berliner Arbeiter- und Gewerkschafts- bewegung.«Einigkeit macht stark!" Die Wahrheit dieses Satzes beweise daS Zustandekommen des Gewerkschaftshauses. Das habe die Arbeiterschaft längst eingesehen. Und die Gewerkschaften würden Gevrchks-Ieikuns» GcschäftspatriotiSmus. Die erste Strafkanimcr des Landgerichts I wird sich unmittelbar nach den Festtagen, am nächsten Mittwoch, mit einer unter der Flagge des Patriotismus segelnden Gründung zu beschäftigen haben. Der 63 Jahre alle Roßarzt a. D. Theobald Hugo Fischer gründete im Jahre 1898 unter fördernder Unter- stützung durch den Geh. Oberregierungsrat v. Broich und den General a. D. v. B ä z k o einen Verein, der den Namen V e t e r a n e u-, Invaliden- und B e a m t e n h e i m" führte. In diesen Verein wurde auch der Journalist Oskar Föllmer eingeführt und neben Fischer zum Direktor gewählt. Die Herrlichkeit dauerte aber nur bis zum März 1899, es kam um diese Zeit zu Mißhellig leiten zwischen dem Direktorium und den Mitgliedern, und Fischer und Föllmer schieden aus dem Verein aus. Beide hatten aber an dieser patriotischen Thätigkcit Gefallen gefunden. Sie gründeten unter dem Namen„Wohlfahrtseiurichtung für Heime deutscher Veteranen, Invaliden und Beamten" ciucn neuen Verein mit dem ausgesprochenen Zweck, den Kriegsvcteranen Wohnung, Lcbciisuutcrhalt und Beschäftigung zu verschaffen. Dieser Zivcck sollte dadurch erreicht werden, daß auf einem Terrain bei Biesenthal und einem solchen bei Strelitz Villen- artige llisterknuftshänscr für die Invaliden erbaut werden sollten. In der konstituierenden Lersammlung wurden Fischer und Föllmer zu Direktoren gcwähll, das Präsidium wurde dem Geheimen Ober- Regierungsrat und vortragende» Slot iin Kultnsini»isteri»m Grafen v. Berustorff, dem damaligen Präsidenten der Seebandlnug Frhrn v. Zedlitz-Neulirch und dem Grafen Erich v. Hacke übertragen. Die Magistrate von Biesenthal und Strelitz, die sich aus der Errichtung solcher Juvalidenheime natürlich Vorteile mannigfacher Art für die Entlvicklnng der Städte versprachen, stellten die erforderlichen Terrains unentgeltlich zur Verfügung, die Staatsbehörden ver weigerten aber die erforderliche Genchniignng. Ans groben Un- r e g e l m ä ß i g k e i t e n in der Geschäftsführung, die nach und nach ans Tageslicht kamen, ist die Auklagebehörde zu der Ucberzeugung gekommen, daß die beiden Direktoren diese Gründung lediglich dazu ausgebeutet haben, u m s i ch s e l b st d i e T a s ch c u zu füllen. Es lvurden S p c n d e r li fr e n angefertigt und in Umlauf gesetzt. In diesen Listen sollen Namen aufgeführt worden sein, deren Trüger niemals eine Spende für den Verein gegeben haben. Die biuter' diese Namen gesetzten großen Beitrags slinruttn sollten den Köder für>v ohlhaben de Leute bilden, ein Gleiches zu thiin und sich auch mit uam haften Gaben zu beteiligen. Dieser Zweck scheint auch vielfach erreicht ivorden zu sein, für die Invaliden hat aber dabei nichts beranSgeschaut, vielmehr lvird behauptet, daß die eingegangenen Gelder den Weg in die Taschen der Herren Fischer und Föllmer ge funden haben, soweit sie nicht durch Buremimieten, Auslagen und das von den beiden Direktoren enlnvminene Monatsgehalt von 300 M. aufgezehrt worden sind. Es lvird weiter behauptet, daß die beiden Direktoren eine große Anzahl von Leuten, darunter auch Arbeiter, Kassenboten usw., zu bewegen gewußt haben, ihre Er s p a r n i s s e f ü r d e n V e r e i>i h i n zugeben, nachdem Unien gut besoldete Stellen bei dem Verein in lockende Aussicht gestellt ivorden waren. Ebenso sollen Handwerker und Möbelhnndler zur Lieferung von Arbeiten auf Kredit bewogen ivorden sein. Föllmer trat als„Dr. zur." auf und umgab sich mit dem Nimbus eines„auf Lebenszeit gelvähltcn Direktors". In Mitteln zum Zweck soll grade Föllmer sehr erfinderisch gewesen sein und u. n. dns Gerücht verbreitet haben, der Kaiser werde das Protektorat über den Verein übernehmen und demnächst in einer ihm, d e m „lebenslänglichen Direktor" gehörigen Villa dinieren. Eines Tags fand auch in Biesenthal die feierliche Besitzergreifung des dem Verein geschenkten Terrains statt, ivobei Herr Föllmer eine schivungvolle Rede hielt. Ein Gastwirt gab auS diesem Anlaß den Vereinsmitgliedern ein großes Fest, wobei die Kapelle der Jugendwehr konzertierte. Gastwirt und Kapelle sollen dabei die Leidtragenden gewesen sein, denn sie haben keine B e � z a b l u n g erhalten. Als der Kredit für die Wohlfahrtseiurichtung ver siegte, sollen Fischer und Föllmer an die Gründung eines«E m i I F r o m m e l- H e i m s" gegangen sein und einen Obcrlieutenant a. D., dem versprochen wurde, daß er zum dritten Direktor gewählt werden würde, bewogen haben, einige tausend Mark herzugeben. Föllmer endlich soll auch noch zum' Zlvcck der Erreichung eines Darlehns eine Unterschrift des Hofpredigers Keßler in Potsdam gefälscht haben. Fischer und Föllmer werden sich nunmehr am Mittivoch vor der ersten Strafkammer wegen Betrugs, Untreue, b e z w. Urkundenfälschung zu verantworten haben. Sie haben bisher ihre Schuld nachdrücklichst bestritten mid einen umfangreichen Entlastuugsbeweis angetreten. Da auch seitens der Staatsanivaltschaft eine große Anzahl der Belastungszeugen vor- geladen ivorden sind, wird die Verhandlung mehrere Tage in An- fpruch nehmen._ Ten bekannten AnsichtS-Postkarten anS dem Verlag der Buchhandlung Vorwärts t«Marseillaise",„Barrikademcene" sc.) schenkt die Polizei in Elsatz-Lothringcn fortgesetzt eine Aufmerksamkeit, die in ihrer Wirkung den besten Reklame- Erfolg weit übertrifft. Schon vor einigen Monaten hielt es in Straßburg ein übereiftiger Polizeibeamter anläßlich eines größeren Arbeiter-festes für seine Pflicht, durch eine Beschlagnahme der.revolutionären" Dinger iveitcre Kreise auf diese künstlerischen Erzeugnisse der Ansichls- karten« Industrie aufmerksam zu mackicn. Als sie nun gar durch staatsanwaltliche Anordnung bald darauf wieder freigegeben werden mußten und dem weiteren Verkauf derselben nichts mehr im Wege stand, da tonnte unsre Straßburger Parteibuchhandlung nicht genug von den staatsgefährlichen Karten aufbringen, um der dank polizeilicher Reklaine so geivaltig gestiegenen Nachfrage zu genügen. Jetzt hat in Colmar sogar ein kaiserlicher Staatsanwalt gegen den Vertrauensmann der dortigen Socialdemokraten, der die Vorwärts"-Äarten ebenfalls vertrieben hatte. Anklage wegen Ver- kaufs„aufrührerischer Sinnbilder" erhoben. Doch die zur Entscheidung berufene Strafkammer versagte dem eifrigen Herrn, sprach unfern Genossen frei und legte die Kosten deS Verfahrens der Staatskasse zur Last. Nun wird auch in Colmar wie zu Straß- bürg bald jedes Kind die hübschen Karten kennen. Um den Stcuerfiskus zu täusche», sollte der Eigentümer Karl Güstow sich einer Urkundenfälschung schuldig gemacht haben, die ihn gestern vor die zweite Strafkammer des Landgerichts I führte. Der Angeklagte ist Eigentümer dreier Häuser. Als er am 20. Januar v. I. seine Steuererklärung einreichte, hatte er für Rc- paraturcn zweier Häuser, die ein Doppelgrundstück bildeten, den Be- trag von 3216 M. aufgesetzt. Dies schien der Steuerbehörde zu hoch, der Angeklagte wurde aufgefordert, die Rechnungen der letzten drei Jahre in chronologischer Reihenfolge einzureichen, damit danach die Dnrchschnittsausgaben berechnet werden könnten. Der An- geklagte kam der Auffordening nach. Die Steuerbehörde ent- deckte, daß auf den Rechnungen Aenderungcn vorgenommen waren; es waren die Daten geändert, so daß Rechnungen, die aus den Bor- jähren stammten, nun für das Jahr 1898 lauteten. Der Angeklagte erklärte in seiner Eingabe, daß er die Beläge aus den Jahren 1896 und 1897 nicht mehr besitze. In der Verhandlung gab der An- geklagte unumwunden zu, baß er die Aenderungen vorgenommen habe, aber es sei ihm nie in den Sinn gekommen, die Steuerbehörde schädigen zu wollen. Er habe sich auf diese Weise zu helfen versucht, weil er einige Rechnungen nicht habe finden können. Nachträglich habe er die vermißten Rechnungen gefunden und der Steuerbehörde zu- gestellt. Dabei habe sich denn herausgestellt, daß er etwa 200 M. in seiner ersten Aufstellung zu wenig angegeben und sich dadurch selbst geschädigt habe. Staatsanwalt Dr. Kux verkannte nicht, daß von einer betrügerischen Absicht nicht die Rede sein könne. Die vor- genommenen Aenderungen seien aber zweifellos in rechtswidriger Absicht vorgenommen worden und der Angeklagte müsse wegen einfacher Urkundenfälschung bestraft werden. Der Fall liege aber denk- bar milde, er beantrage deshalb einen Monat Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Schlesinger, suchte nachzuweisen, daß dem Angeklagten das Bewußtsein von der Nechtsividrigkeit seiner Handlungsweise nicht innegewohnt habe. Er bat deshalb uin ein freisprechendes Urteil. Der Gerichtshof konnte den Ausführungen des Verteidigers nicht beitreten. sondern erkalinte auf eine Gefängnisstrafe von 14 Tagen. Der Krieg. Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz laufen wieder sehr dürftig ein. Ueber das Gefecht von Meerkatsfontein liegt von englischer Seite noch immer keine einzige Meldung vor. Die eng- lischen Blätter beginnen bereits die Hoffnung zu äußern, daß die von der Boerenscite stammende Nachricht übertrieben sei und sich auf ein andres, bereis registriertes Gefecht beziehe, doch wagt sich diese Hoffnung erst schüchtern! hervor. Die Furcht vor der offiziellen Bestätigung der Hiobsbotschaft ist noch immer vor- Händen. Die vorliegenden Meldungen beziehen sich ausschließlich auf die Kämpfe um Wepcuer. Danach scheint es. als ob die eingeschlossenen Engländer einen Erfolg zu verzeichnen gehabt hatten, der indes durch die englischen Depeschen übermäßig aufgebauscht worden ist. Die je nach ihrer Quelle nicht unwesentlich von einander ab- weichenden Telegramme lauten: B l o e m f o n t e i n, 13. April. Heute nachmittag find hier Nachrichten eingegangen, daß die Boercn vor Wepcner unter großen Verlusten zurückgeworfen seien. Es beißt, vier Kommandanten der Boeren seien getötet und zivei ihrer Geschütze unbrauchbar gemacht. Die Boeren hätten die Belagerung aufgehoben und seien auf dein Rückzug»ach Norden. A l i w a I North, 12. April. AnS Boercngnelle find hier Nachrichten betreffend Wepener eingegangen, welche, wie es heißt, ans amtlichen Mitteilungen beruhen und besagen, daß die Engländer in der Nacht von« Dienstag auf Mittivoch einen Ausfall machten, wobei sie eine Kanone der'Boeren erbeuteten und eine Anzahl Boeren gefangen nahmen, während vier Geschütze der Boeren unbrauchbar gemacht und vier Kommandanten getötet oder verwundet wurden. Während in dein aus englischer Quelle stannnenden Telegranim der Erfolg der Engländer als ein entscheidender dargestellt wird, ivi'rd in der auf die Boerenquclle zurückznsührenden Nachricht der empfindliche Verlust zivar zugegeben, aber von einem Abzug der Belagerer nichts gemeldet. Daß die letztere Darstellung die richtige ist, läßt sich ans nachstehendem, später abgesandten Telegramm anS B l o e in f o n t e i n schließen: London, 14. April. Den«Times lvird auS JammerSberg von gestern telegraphiert: Die Boeren, welche die Truppen deS Obersten Talgaty in Wepener nmzingelt halten, zählen m e h r e r e l a u f e n d M a n n mit 8 K a n o n e n und 2 Maximgeschützen. Tie Truppe» widerstanden tapfer einem heftigen Angriff am Montag und einem Nachtangriff am Dienstag. Am Donnerstag wurde' andauerndes Geschütz- und Gewehrfeucr unterhalten. Wir glauben zuversichtlich, jede» Angriff zurückweisen zu können, und haben reichlich Proviant. Trotz ihrer Schlapve besitzen also die Boeren eine derartige U e b e ri» a ch t, daß sie von der Einschließung durchaus nicht ab- zustehen brauchten. Des ferneren liegen folgende Nachrichten vor: London. 14. April.„Daily News" melden auS Kapstadt von vorgestern: Die Haltung der holländischen Farmer in den südwestlichen Distrikten, nanienttich in Swclleudam und Calcdon. ruft ernste Befürchtungen hervor. Ein angesehener holländischer Farmer erklärt, die Mehrheit der Holländer in seincni Distrikt warte nur auf den zur Erhebung geeigneten Moment: er allein habe Mansergewehre und Munition für 500 Mann. Simon st o w n, 13. April. Dreißig Gefangene, meist Skan- dinävier. aus Transvaal lvurden heute nach Kapstadt geschafft, von wo sie nach St. Helena transportiert werden sollen. Es heißt, alle ge- fangcuen Transvaal-Boeren würden»ach St. Helena geschafft tverden. ' Das Ccntralkomitec der deutschen Vereine vom„Roten Kreuz" veröffentlicht folgende Mitteilung: Nach in Berlin eingegangenen Nachrichten vom 12. er., haben die beiden Abordnungen des„Dentscheii Roten Kreuzes" in Süd- afrika augenblicklich wie folgt Verwendung gefnnden: Die eine bei der Front der Boerentruppeu iin Feldhospital Heilbronn, die andre im Reservehospital Pretoria. Der Boeren krieg zwingt die englische Presse täglich mehr zu dem BekeimttiiS, daß die bisherige Art der Kriegsführung und der militärischen Vorbereitung zum Kriegsdienst einem Gegner wie de» Boeren und der modernen Waffentechnik gegenüber einer gründlichen Umgestaltung unterzogen werden müsse. So schließt Mr. Linston Churchill' in der„Moming Post" eine Korrespondenz über die ftirchtbare Wirkung der Shrapnells auf nicht genügend auseinandergezogene Truppenkörper mit dem Satz:„Die Kriegs- flhrung der Zukunft muß auf dem Individuum beruhen". Und ein KriegSkorrespondent der„Times* schloß unlängst einen Bericht ivie folgt: „Man hat bereits in der Heimat viel von einer Reorganisation und einer Vermchnmg der Armee geschwatzt. DaS einzig wirklich Wichtige ist, die Armee intelligent zu machen. Unsr« Generale. Regimeutsosfiziere, wie die Soldaten, sind sämtlich tapfer, aber es ist nutzlos. die Thatsache verdecken zu »vollen, daß die meisten von ihnen stupide sind. Das Reich wird keine solche Armee besitzen, wie es sie haben sollte, o lange nicht ein System inilitärischer Ausbil- dnng geschaffen wird, das nicht darauf berechnet ist, die Truppen der Initiative und Intelligenz zu beraube n." Ein System, daS die Truppen zur Initiative und zur Intelligenz erzieht, müßte aber in erster Linie auf die Abrichtung zum Kadaver- gehorsam verzichten. Ob der Militarismus sich aber dazu verstehen wird und kann, ist eben die Frage. Letzte Meldungen. Et. Helena, 14. April.(Meldung des„Reuterschen BureanS.") Heute früh trafen General Cronje, dessen Gattin und drei seiner Offiziere in Begleitung eines Obersten hier ein. Sie wurden vom Gouverneur und dessen Gattin ani Regicrungssitz empfangen und fuhren nach einstündigem Aufenthalt nach Kent- Cottage weiter. Cronje ist wohl und munter. Die übrigen Gefangenen, deren Trans- portschiff von dem Kreuzer„Niobe" scharf bewacht lvird, werden Montag gelandet. Auf der Reede von Jamestoivn ist ein holländischer Kreuzer gelandet.__ Urtzke Aacherchken und Depeschen« Paris, 14. April.(B. H.) Handelsministcr Millerand empfing während der Eröffnung der Weltausstellung vom russische« Minister Witte ein Glückwunschtelegramm, worin dieser seiner Freude über die Eröffnung der Ausstellung Ausdruck verleiht und erklärt, daß die ganze Welt hierdurch Gelegenheit hoben werde, die unerschöpfliche Quelle des französischen GenieS zu bewundern. Verantwortlicher Redactcur: Pank John w Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilage« und Nnterhaltungsblatt« Nr. 88. 17. IMMg. rilaje Ks Jorwrts" fittlinct MMM SsmildS, 15. liivil 1900. Ei» Lpfcr(raffen Aberglnnbcns. Der Ermordung der früheren Lehrerin Frl. Medenwaldt solcft mif dem Fufec die Sliifdcdlimg eines furchtbaren Verbrechens, das rein andrer begangen hat als jener Töpfer I ä n i ck e, der vor einigen Tagen in Perlcbcrg verhaftet worden war. Wie erwähnt, wnrds feine Vcrhafwng züerft mit der Ermordung der Schiffer Iran G r a tz n i ck in Verbindung gebracht. Das war nun allerdings nicht richtig, dagegen hat Ja nicke einen andren Mord verübt, und zwar unter Umstanden, wie sie abenteuerlicher kaum gedacht ivcrdcn können. Den uns vorliegenden Berichten entnehmen wir das Folgende: Das Opfer der M o r d t h a t ist die 34jährige, aus Gera gc- bärtige unverehelichte Schneiderin Luise B e r g n c r, die' in den, Hause Licickenbergerstrasze 172 in der vierten Etage des Quer- gcbändcs wohnte. DaS durchaus unbescholtene, fleixige Mädchen ivar leider sehr abergläubisch und suchte im vorigen Dezember eine Kartenlegerin in der Nannynstrasje auf. die ihr eine glänzende Zukunft prophezeite, insbesondere. daß ihr ein großes Vcr- mögen durch den„schivnrzen Mann" in den Schoß fallen werde. Bald kam ihr auch der„schwarze Mann" über den Weg: es war dies der frühere Töpfer, Hansdiener und Portier Engen Jänickc, geboren am 2. Sechember 1876 zu Nvwatves, Kreis Teltoiv, zuletzt Gotzkolvskhstr. 10 wohnhaft. I. stellte sich der B. als Zauberer und Schatzgräber vor und erklärte ihr, daß er in der Lage sei, ihr ein Vermögen von KV 000 Mark zu verschaffen. Ter„Zauber" koste aber Geld und so opferte das beihörte Mädchen nach und nach nicht nur für diesen Zivcck seine ganzen, etwa 600 M. betragenden Ersparnisse, sondern es verkaufte auch noch feine Wohnungseinrichtung teilweise und gab die nicht unbedeutenden Enmnien dem Jänicke. Endlich aber wurde die B. mißtrauisch, sie drohte mit einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. So gedrängt, bestimmte Jänicke die IlnglScklichc, am 22. März in aller Frühe sich nüt ihm und dein zehnjährigen Pflege söhn des Jänickc, RamenK Bruno Misch, nach dem Teufelssee in der Potsdamer Forst am Fuß des großen Ravensbergs hiuauszubegebcn, wo die„Hebung des Schatzes" vor sich gehen sollte. Hier über- reichte Jänicke, nachdem er allerlei grotesken Hokuspokus getrieben, der Bergner ein G l a s W a s s c r mit der Aufforderung.' cS bis Zur Neige zu leeren, dann werde sie einschlafen und nach ihrem Aufwachen den Schatz in der Höhe von 500 000 Mark vor sich liegen sehen. In dieser Weise erfolgte der Gift- mord. Der Verbrecher hatte, als er das Glas Wasser schöpfte. heimlich S t r h ch n i n hineingethan. Ohne Argwohn leerte die Schneiderin den Becher und min entfernte sich der Giftmischer mit dem 5tnaben unter dem Vorgeben, der Zaubcrtrant werde erst wirken, wenn er fort wäre. Nach etwa 10 Minuten begab sich der Mörder nach dem Thatort allein zurück und fand sein Opfer bereits tot vor. Jetzt nahm I. aus der Tasche der Ermordeten den Wohnungsschlüssel, drehte die Leiche um mit dem Gesicht nach oben und kehrte nach Berlin Zurück. Er hat dann die Wohnung der Bergner mit deren Schlüssel geöffnet und a u s g c r a u bt. Hausbewohner wurden zwar auf ihn ans- merksam und schöpften Verdacht, doch wußte er sich ihnen zu cntzichcu. Die Leiche der Bergner wurde am 28. März vo» NttSfliiglerii eut- deckt. Der Körper war von wilden Tieren benagte, die Ohren und die Hände der Leiche waren abgefressen. Die Tote wurde als die vermißte Bergner rckognoseiert, ein in ihrer Wohnung gefundener Zettel nüt der Adresse„Jänicke, Gvtzlöwstystraß« 10" führte auf die Spur des Verbrechers. Als man Jänicke dort suchte, ivar er verschwunden, doch wurde ermittelt, daß Jänicke mit seiner Frau Berlin verlassen hatte. Der Mörder ivar nach Magdeburg gefahren, hatte sich von da nach Hamburg ge- wandt und war schließlich über Wittenberge nach Perlcbcrg gelangt. Von der hiesigen Kriminalpolizei ivar iuzivischcu ein Steckbrief erlassen worden und so konnte dann die Festnahme Jänickes erfolgen. Seine Frau wurde bei ihrem Schwiegervater, dem Ziegelcibesitzcr Jänicke in Dallmin bei Pritzwalk ermittelt und festgenommen. Sie dürfte jedoch, wie die Behörde annimmt, kaum Kenntnis von dem Verbrechen gehabt haben und ist bereits wieder aus der Hast entlassen worden. Den Pflegesohn brackste der Mörder vor seiner Abreise seinem Vater Zurück. Der Knabe liegt jetzt an der Diphtherie im Krankenhause darnieder. Jänicke bestritt zuerst entschieden, die Bergner ermordet zu stabcn, in die Enge getrieben, begann er jedoch plötzlich wie etn Kind zu weinen.„Ich will ja gestehen, ich habe es gelhan." rief er aus und dann endlich legte er lvenigstens ein teil- lveiseS Geständnis ab. Der Verhaftete behauptet, eine Ab- ficht zu morden nicht gehabt zu haben. Er hätte das Gift mit pulverisierten Blättern vermengt, in dem Glauben, daß dadurch die tödliche Wirkung dcS GiftS aufgehoben würde. Seine Absicht sei gewesen, Luise Bergner zu betäuben und sie dann zu berauben.' Er habe so gehandelt, weil sie ibm mit einer Anzeige bei der Staats- anwaltschaft gedroht habe. Diese Schilderung findet bei der Behörde allerdings keinen Glauben. Nach anderweitigen Mitteilungen hat Jänicke die Absicht gehabt, einen Diener Just, dem gegenüber er sich gleichfalls als„Zauberer" ausgegeben hatte, zusammen mit der Bergner am Teufclssee zu vergiften und so den Anschein zu env'cckcn, als od dort ein Liebesdrama einen tragischen Abschluß gesiiiideii habe. Zu seinem Glück war Just zufällig verhindert, mit hinaus zu fahren. Es ist jetzt der Verdacht aufgetaucht, daß Jänicke auch die Gltltthat an der Medenivaldt begangen hat. Auf ihn paßt die Beschreibung, welche Frau gieinhold von jenem Fremden gegeben, den sie ain Montag, den 9. d. M., auf dem Hof des Mord- Hauses gesehen hat. An seinem Rock wurden noch rote Flecken, an- scheinend von Blut herrührend, entdeckt: er hat auch über zwei Jahre in Moabit in der Nähe der Birkenstraße gewohnt. Inwieweit der Verdacht zutreffend ist, wird die fortlaufende Untersuchung er- geben. Gegen den verhafteten Töpfer Jänicke ist die Untersuchrmg wegen Ranbniord, Diebstahl, Betrug und Urkundcnvernichtung eingeleitet Worden. Der Betrug wird gefunden in der Ausbeutung derjenigen abergläubischen Persone», welche seine Hilfe zu»Zaubereien" in Anspruch genommen haben. Auf diese Personen übte übrigens Jänicke einen unheilvollen Einfluß aus. So sollte der Diener Just dem Mörder am Donnerstag zur Konfrontation gegenüber- gestellt werden. Der Diener weigerte sich jedoch entschieden, mit den Ktlmiiialbeanltvn mitzugehen, und nur durch die Zusicherung, daß sioch eine große Anzahl Personen zugegen sein würden und daß der Mörder gefcffclt wäre, wurde Just veranlaßt, sich nach dem Polizeipräsidium hinzubegeben. Die ursprünglich gehegte Annahme. daß die Wahrsagerin Horvath aus der Naunynstraße mit dem Ber- hasteten in Verbindung gestanden habe, hat sich nicht bestätigt. Die Bergner hatte sich allerdings bei der Wahrsagerin die Zukunft prophezeien lassen, da sie aber mit diesem Orakel nicht zufrieden war. so wandte sie sich an Jänicke, welcher seine Kunst in einer hiesigen Zeitung(„Berliner Morgenpost") unter dem falschen Namen Edmund Jänicke anpries. Wegen Urkunden- Vernichtung wird sich Jänike zu verantworten haben, weil er polizeiliche Anmeldungen unterschlagen hat. Wie wir bereits mitteilten, hatte er zwei'Pflegekinder, für die er ordnungsgemäß polizeiliche Anmeldungen ausfertigte und beim Hauswirt, Herru Bäcker- meister Eochoy. vorschriftsmäßig unterschreibe» ließ. Diese Anmel- düngen hat er jedoch nicht auf dem Polizeibureau abgeliefert, sondern vernichtet. Es wird angenommen, daß er dies gcttzan, weit er ein weiteres Verbrechen beabsichtigte. Er hatte nämlich beide Kinder in einer hiesigen Lebensversicherung versichert. Jedenfalls aber sind durch dies« Richtanmeldnng der Polizei erhebliche Schwierigkeiten entstanden, weil die Ermittlung des Knaben Misch sehr erichwert wurde. Das J'sche Ehepaar befand sich trotz der großen Einnahmen in pekuniären Verlegenheiten. Zweimal trat der Bruder der Frau, ein Herr Hagen ans Pritzwalk helfend ein und bezahlte für seine Schwester an deren Gläubiger nicht unerhebliche Summen. Nrnnnmtmles. Gegen die Ungerechtigkeit des Klasfenwahlrechts. Die Stadtverordneten Singer und Genossen haben der liberalen Mehr- heit im Roten Hause eine von dieser gewiß freudig aufgenommene Gelegenheit gegeben, sich ihres Liberalismus würdig zu zeigen. Von unfern Parteigenossen ist nämlich folgender Antrag in der Stadt- vcrordneten-Versammlnng«ingebracht worden:„Die Versammlung beschließt, an den preußischen Landtag da? Ersuchen zu richten, daß bei der bevorstehenden Abänderung des Kommunal-Wahlgesetzes die Einführung des— bei den Reichstngswahlen geltenden— all gemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts auch für die Gemeinde Wahlen beschlossen werden möge. Der städtischen Deputation fiir die innere Anöschmücknng de? RaihanfeS wurden bisher von zwei Unterkommissioiien Vor- schlage zur inneren Ausschmückung des Rathauses unterbreitet, und zwar van der einen derselben für die Ausschmückung selbst, von der andern über die Verwendung der im T u r in b e st e i g n n g s f o n d s vorhandenen Mittel, zur Beschaffung von Gegenständen für den T a f e l s ch m n ck des FeftsaaleS. Die Deputation hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, von mm an nur eine Unterkommission für beide Zwecke bestehen zu lassen. Ter Nachlast des verstorbenen Dr. phil. Andreas F e d o r I a g o r umfaßt außer wisscnsckastlichen Sammlungen und einer Bücherei nach Schätzung der Tcstamentvollzieher einen Wert von etwa 1 Million Mark' und ist zur Begründung einer„Jagor- Stistnng zur Vermehrung nützlicher Kenntnisse und Fertigkeiten" bestimmt. Die Stadtgemeinde ist Alleinerbin. Der Magistrat hat die A n n a h m e des Nachlasses beschlossen und die Stadtverordneten Versammlung ersucht, dem ztizustimmen. Die Lokalliste ist der heutigen Nummer unsresj Blattes beigefügt. Sie möge jedem Arbeiter zur Richtschnur dienen, ivernt er von den Lasten des Werktags eine kurze Erholung sucht. Auf alle Fälle sind solche Lokale zu meiden, wo der Wirt zwar gern steht, daß der Arbeiter bei ihm sein Geld verzehrt, wo den Parteigenossen aber die Thür vor der Nase zugeschlagen wird, loeim sie wegen Abhaltung einer Versammlung anfragen wollen. Desgleichen tritt in jetziger Zeit, wo Vercinsvorstände sich vielfach nach Stätten für S o m m e r a u s f l ü g e Untschen, an die Parteigenossen die Pflicht heran, ihre Brüder in den Vororten im Kampf gegen den Druck der Behörden zu unterstützen. Es ist bekannt, wie schwer es zuweilen der Arbeiterschaft durch die de- kannten„ordmingsstützenden" Maßnahmen gemacht wird, in den Vororten Säle zu Bersanmzlnngen frei zu bekommen. Hier Hängt alles von der Energie ab, mit der die Berliner Parteigenossen ihre Pflicht thtm. Kein Wirt darf bei VcrcinsmtSflügen berücksichtigt werden, der nicht das Versammlungsrecht der Arbeiter durch die That anerkennt. Möge jeder Arbeiter in diesem Kampf auf dem Posten sein! Auskünfte sowie Lokallisten sind bei sämtlichen LolalkoimnissionS- Mitgliedern zu haben.-Die L o k a I k o m m i s f i o n. Ost«rvergnLg«»se» per Arbeiterschaft. Die Parteigenoffen des vierten WahtkreiseS(Zsidosten) veranstalten am 1. Lfterfciertag, 12 Uhr mittags, im Konzerthaus Sanssouci, Kottbnserstr. 4a, eine Matinee, die ihres interessanten Programms ivegen Beachtung verdient. Die Hoiimamischen Nord- deutschen Sänger treten in ihren bekannten Glanznummern ans. Billels a 30 Pf.(Programme gratis) sind an den belaimtcn Stellen zu haben. Die Parteigenossen des fiiuftcn Wahlkreises iverden darauf aufmerksam gemacht, daß am ersten Ostersciertag. mittags 2 Uhr, im Saale des Grand Hotel Alczanderplntz eine Matinee statt- sindet. Es sind hiermit alle Freunde und Parteigenosseu eingeladen. Wir bitten um recht rege Beteiligung. Der Lettrauensmawt. Die Parteigenossen von Moabtt veranstaltcn heute(1. Oster- feiertag), mittags 12 Uhr. im„Moabiter Gesellschaftshans", Alt- Moabit 80/81,"eilte große Matinee. Zahlreichen Bestich er- wartet Das Komitee. Zlchtuug, sechster Wahlkreis. Montag, den 16. April(zweiter Osterfeicrtag". mittags 12 Uhr, findet im KöSliner Hof, Käsliiterstraße 8, eine Matinee statt. Dieselbe ist ver- anstakiet von den Socialdemokraten des Wedding und der Oranicn- buraer Vorstadt und besteht aus Konzert, Aufführung von Chor- gesangen des Gesangvereins Nordwacht(unter Leitung seines Dirigenten Herrn Bkobel), Duetts, Terzetts, Zither-Ensembles und der komischen Scene„Die Meistersinger von Müncheberg". Pro- gram« Lö Pf. Um zahlreichen Vosuch bittet Das Komitee. Sechster Wahlkreis, Schönhauser Vorstadt. Am zweiten Ostertag findet im Berliner Prater, Kastanien-Allee 7—9, eine von Partei genossen veranstaltete Wohlthätigkeits-Matinee statt, be- stehend aus Konzert, Gesang und Vorträgen. Es wirken mit der Gesangverein„Rord" und das„Berliner Ulk-Trio". Im Interesse des wöhtthättgen Zwecks wird um rege Beteiligung gebeten. Das Komitee. Samariter-Kursus fiir Arbeiter und Arbeiterinnen. Am zweiten Ostersciertag findet im Palast-Theater zum Besten unstet Kolonne eine große Matinee statt. Der Ueberschuß wird zur Beschaffung eines neuen BerbandzeltS verwandt. Im Juteresse des wohlthätigen Zwecks ersuchen wir um zahlreiche Beteiligung. (Siehe Inserat.) Der Vorstand. Freie Volksbühne. lV. Abteilung am ersten Osterfeiertag Sonntagnachmittag 2�/« Uhr im Carl Weitz-Theater:„Die Neu- vermählten" und„Die sittliche Forderung". Die Borstellnng der V. Abteilung ist am zweiten Osterfeiertag, Montagnachmittag. 9. Serie im Lessing-Theater am 22. April. I. Abteilung:„Die drei Töchter des Herrn Dupoitt", Schauspiel in 4 Aufzügen von Eugene Brieux. Donnerstag, den 26c April, abends 8 Uhr, Jahres- Generalversammlung. Tagesordming: 1. Vortrag. 2. Rechenschaftsbericht des Ausschusses. Vorstands und Kassierers. 3. Neuwahl des Vorstands, des Ausschusses, des Kassierers, der Revisoren und der Obleute der Ordner. Der gedruckte Jahresbericht gelaugt zur Ausgabe. Mitgliedskarte legitimiert. Zahlreiches Er- scheinen der Mitglieder ist bei der Wichtigkeit der Tagesordnung dringend erforderlich.(Siehe heutiges Inserat.) Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Der BertrancuSman» für den ersten Reichstags- Wahl- kreis, Genosse Christian Bohn, wohnt jetzt Kanomerstr. 35, vorn 8 Treppen bei Hahn. Wadlverein für Pen fünft«»» Berliner Reichstags- Wahl- kreiS. Den Mitglied«»! zur Nachricht, daß trnjre Generalversammlung am Mittwoch, den 13. April, im Alten Schützen« hmise, Linienstr. 5, stattfindet. ES erfolgt die Neuwahl des Vor- standeS. Der Vorstand. Wilinersdors. Die Mitgliederversammlung des socialdemo- statischen Vereins findet der Feiertage wegen nicht am 18. sondern am 25. April statt. Dreptoiv-Banntschttlenweg. Mittwochabend 3'/2 Uhr hält der Verein„Vorwärts" bei Michler, Ernststr. 26, eine Versammlung ab, in der Genosse Knall sprechen wird. Rixdorf. Morgen Mittag 12 Uhr findet im Apollo- Theater, Herman'nstr. 48—50, eine vom focialdemostatischen Verein„Vorwärts" veranstaltete Matinee statt. Um rege Be- teittgttttg wird gebeten. Gleichfalls werden die Parteigenossen darauf aufmerksam gemacht, daß über die U r a n i a- B i I l e t S vor dem 6. Mai abgerechnet werden muß. Der Vorstand. Weistensee. Die hier für den zweiten Festtag um 12 Uhr ver- anstaltete Matinee kann erst um drei Uhr nachmittags statt- finden, da polzeilicherseits gegen die''zuerst angesetzte Stunde Be- denken geltend gemacht wurden. Die Genossen werden daraus bc- sonders hingewiesen und gebeten— da die Veranstaltung sonst keinerlei Abbruch erleidet— sich womöglich noch zahlreicher als ur- sprünglich beabsichtigt zu beteiligen. ES tverden weiter Mensckienopfer dargebracht? Zu dem in der Freuagiuimmer erwähnten Erkenntnis des K a m m e r- g e r i ch t S betreffs der Arbeitszeit der in der Fabrik von Dr. Meyer ü. Dricdger in Ober-Schönewcide ivird uns noch geschrieben: Die Fabrik von Dr. Meyer n. Driedgcr.(nicht Drieger n. Meyer, wie irrtümlich am Freitag angegeben) in Obcr-Schöneweide. Hefner- stratze 7, ist gar keine Bleifarben- oder VIeiztickerfabrik. Sie fabriziert, wie' auch aus dem Adreßbuch zu ersehen, wasserfreie flüssige schweflige Säure, ranchende Schwefelsäure, Natrium nitrit. Bleiglätte und Mennige, ivelche letztere beiden Bleipräparate vorzugsweise zur Herstellung elettrischer Accu- mnlatoren gebraucht werden. Für diese Fabrik hat sich dem- nach der Ärbeiterschutz durchaus nicht nur auf die für Blei- färben- und Bletznckcrfabrikcn erlassene Bckamttmachimg vom 3. Jnli 1893 zu beschränkeit. Diese Bekaimtmachnng setzte allerdings in der Sorge, dieArbeitszeit nicht zu sehr ein- z u s ch r ä n ke n, für die in Bleifarben- und Bletzuckersabriken be- schäfttgten Arbeiter eine MaximatarbeitSzeit von zwölf Stunden fest: aber die am 11. Mai 1897 erlassene Bekanntmachung des Bundes- rats über die Einrichtung und den Betrieb der Accumnlatorenfabriken, bei deren Erlaß viel gründlichere Erfahrungen über die Gefährlichkeit der Arbeiter mit Mennige und Blciglätte und deren Herstellung vorlagen, sowie über die uiibedingte Notwendigkeit einer weit größeren Ver- k ü r z n n g d e r A r b e i t s z e i t bei Fabrikation und beim Ver- arbeiten von Mennige und Glätte, bestimmt, daß die Arbeitszeit der mit dem Mischen und Einstreichen der Mennigefüllmaffe bcichäftigten Arbeiter täglich 6 Stunde» nicht übersteigen darf. Wenn aber für die mit der Verarbeitung der Mennige und Glätte be- schästigten Arbeiter eine solche ArbeitSeinschränkniig auf 6 Stunden als notwendig erkannt worden ist, so ninß dies doch auch fiir die mit der H e r st e l I u'n g der Mennige und Glätte beschäftigten Arbeiter gelten, die dock mindestens denselben Schädlichkei'tcn ausgesetzt sind, und deren massenhafte Erkrankungen in oben erwähnter Fabrik gerade die Anordnung des Amtsvorstehers, die Arbeitszeit für diese Arbeiter ans 6 Stunden zu beschränken, veranlaßt hat. Aus dem allem ergiebt sich, daß der Strafsenat des K a m m e r g e r i ch t s bei seinem Urteil von ganz un zutreffen de nBoraussetzungeu ausgegangen ist. Es wäre Sache des R e i ch s k a n z l e r s. durch eine Erläuterung zu dem Erlaß vom 11. Mai 1897 betreffend Herstellung und Ver- arbeitnng von Bleiverbindnugen für elektrische Accmnulatorcn die Bedenken des Kammergerichts sv schnell als möglich zu beseitigem Allerdings bedarf auch die Bekanntmachung betreffend den Betrieb der Bleifarben- und Bleizuckersabrikeu dringender Ergänzmigen. Aber leider werden bei nnS solche Arbeiterschntz-Bestimmungen immer nur dann erlassen, lveim es sich herausstellt, daß ihr Erlaß(sich einmal nicht mehr umgehen läßt.-$ Was der Magistrat von der Berliner Bcvölkcruug denkt. Ter Magistrat motiviert seinen der Stadtverordneten-Versammlunz vorgelegicn Antrag, zu Ehren der Anwesenheit des Kaisers Franz Joseph 50 000 M. zu bewilligen, mit den Worten,„daß er überzeugt sei. daß die warm empsundeneu Worte des Kaisers in der Bürger- schast Berlins steudigcu Wicderhall finden und daß dieBevölkerung niister Stadt die Tage der Anwesenheit des Kaisers von Oestro ich zu einer erhebenden Huldtgting für den allverchrtrn nnd allgeliebten deutschen Monarchen, den treuen Bmidesgenosfen nusres Kaiser- Hauses, den greisen Herrfcher des dem Deutschen Reiche durch gemein- kante wirtschaftliche, geistige und politische Interessen wie durch völkerrechtliche Verträge innig verbundenen östreichifch-»nigrischen Staats gestalten werde." Der Teil der Bevölkerung, der aus Hoflieferanten besteht, wird die gewünschte erhebende Huldigiing gewiß mit der von KaisergeburtS- tagsfeiern her bekannten Augenfälligkeit unternehmen. Auch werden sich, gutes Wetter vorausgesetzt, wahrscheinlich auf den Straßen die erforderlichen Zuschauer etnfinden, zumal die Illumination am 6. Mai. also an einem Sonniag vor sich gehen soll. Darüber, daß diegcmeinsamen wirtschaftlichen, geistigen nnd politischen Interessen bei dieser Gelegen- heit besonders in die Erscheinung zu treten haben, werden sich aber wohl die wenigsten unter den Leuten klar sein, die von Retigierds getrieben, an dem in Ausficht gestellten Schauspiel teilnehmen. Z»t.r Verbreitung austcckeuder Krankheiten durch die Schult finden wir eine beachtenswerte Aeußerung in dein neuesten Veo. Ivaliungsbericht über die Berliner Ka n a I i s a t i o n s w e rk o Der Bericht bringt, wie olljährlich, statistische Angaben Über du Erkrankung e'n der Bevölkerung auf den Riesel g ü t e r n. Stärker als im Vorjahr traten namentlich Masern uns Scharlach ans.„Da die Möglichkeit frühzeitiger Isolierung", bemerk! hierzu der Bericht,„fast nirgends vorlag und die Häufung de, Kinder in überfüllten Schulklassen die wettere Ansteckung sehr begünstigte, so ivar das sanitätspolizei- liche Eingreisen fast ganz auf Desinfektion und ans V erbesserung der Schuleittrichtungen beschränkt. Erstere ist, wo sie sich als zulässig erwies, angewandt worden: die Zahl der Schul- klaffen ist auf Anregung der Deputation mehrmals vermehrt nnd die Schnlerzahk einzelner Klaffen herabgesetzt worden." Wer dächte bei diesen Worten nicht unwillkürlich an die Schulverhältnisse Berlins. Auch hier sind in der Volksschule zahlreiche Klaffen stark überfüllt, auch hier wird die Uebertragung ansteckender Krankheiten von einem Kind auf das andre durch' die Neberfüllimg begünstigt. Bei den Lehrern wie bei den Aerzten gilt das längst als feststehende Thalsache, weil sie in ihrem Beruf reichliche Gelegenheit haben, diese Dinge zu beobachten. Eltern, die ihre Kinder aus die Gemeindeschule schicken, können diese Beobachtungen aus eigne» trüber Erfahrung bestätigen. Rur die Schulddeputation schweigt darüber in ihren Berichten. Sie teilt mit, welche Klassen im Laus des Schuljahrs ivegen zahlreicher Erkrankmigen an Masern. Scharlach Diphtherie usw. für einige Zeit geschlossen worden sind, aber sie ver- zichtet auf die weiteren Angaben und zusätzlichen Bemerkimgeiv Vielleicht werden die Schulärzte, die demnächst an einigen Gemeindet schulen ihre Thätigkeit beginnen, dafür sorgen, daß über diese» Pmikt auch in Berlin ettvas mehr Licht verbreitet wird. Eine erhebliche Vermehrung der Ningbahuziige zum und vom Potsdamer Bahnhof wird mit dem 1. Mai d. I. cmtretcn. Es sollen nämlich von diesem Zeitpunkt ab Potsdamer Bahnhof und umgekehrt vier neue Nord-Südringzüge an allen Wochentagen ohne Berührung Charlottenburgs von Halensee aus direkt nach Westend übergeleitet und nach Weißensee geführt tverden.(und zwar in de» S�'t Dem 5 Uhr 50 Min. bis 7 Uhr 20 Min. morgens. Augcrdein! sollen die jetzt von ArnIm�Numinelsburg nur bis Nixdorf flehenden Aitflc schon von 4 Uhr 0 Min. statt bisher von S Uhr 30 Min. an weiter nach dem Potsdamer Bahnhof flclcitct'iverden und zivar in Zwischenzeiten von 10 rcsp. 20 Minuten. Stvastclipflasternugcu. Mit dem Eintritt der milderen Witte- vniifl wird auch die„Bnddclei" in den Straßen Berlins wieder bcfl innen. Abgesehen von den sonstigen„Bnddcleicn" sollen im Etatsjahr 1900 insgesamt 34 048 Qnadraimetcr Straßenpflastcr teils nen gelegt, teils nmgcpflaftcrt werde». Davon entfallen 21 968 Quadratmeter anf Stein-, 12 080 Quadratmeter anf Asphaltpflaftcr. Die Kosten der diesjährigen Pflastcrarbeiten inkl. Materialien sind anf 696 261 M. fcslgesetzr, 474 861 M. für Stein- und 220 400 M. für Asphaltpflaster. Ter Karfreitag war ein echter Apriltag. Den ganzen Vormittag über träufelte ein arger Regen herab, erst nachmittags schien anf einige Stunden die Sonne. Auf den Wegen zum Spandaner Berg ging es, � wie in jedem Jahr am Kar- frcitag, auch vorgestern sehr lebhaft zu; die dort hinführenden Ver- kchrsgclcgcnheitcn konnten die Menge der Fahrlustigen kaum be fordern. Zivischend Westend und den Bocklokalen wetteiferten die elektrischen Wagen mit Kremsern, Droschken und andrem Gefährt. Anf halber Höhe, dicht an der Straße, hatte irgend jemand eine Versammlung unter freiem Himmel improvisiert mit frommen Gesängen, Vorträgen n»d T r a k t ä t ch e n- V e r t e i I n n g. Die erbaulichen Blättchcn tragen vorjähriges Datum. Die vornberströmende Menge verweilte einige Minuten in stummem Staunen bei dem sonderbaren Vorgang. Der ausgedehnte„Bock"-Garten vermochte die Menge der Gäste kaum zu fassen: das gegenüberliegende Wirts- Hans hatte es für gut befunden. 20 Pf. Eintrittsgeld zu erheben, lediglich„zur Regelung des Verkehrs". Es soll wirklich Leute gelleben haben, die das Geld gutwillig gezahlt haben. Gegen 7 Uhr abends setzten wieder Regenschauer ein, die das Publikum nach Berlin zurücktrieben. Annies ebenfalls nicht wahr. Ehe er sich'S versah, wurde der Manu von einem Puffer nmgestoßtn und flcl ans die Schienen. Zwei Wagen gingen über ihn hinweg und zermalmten ihm beide Beine, den Unterleib»nd den linken Arm. Der Unglückliche blieb auf der Stelle tot. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nachmittags mit 1 Uhr nach dem Schanhanse gebracht. Annics war verheiratet und Vater mehrerer Kinder. ., Ein Tchnlgrnndstiick, das SOOO— 3400 Quadratmeter Flächen- lnhalt haben soll, also für eine Doppcl-Gemciiideschnle bestimmt ist, wird von der städtischen Schuldepiitation in der Gegend der Samariter- kirche gesucht. Die nächste Umgebung der Snmariterkirche ist zwar noch gänzlich nnbebant— die Kirche selber steht noch inmitten einer Lanbcnstadt— aber es erscheint trotzdem nicht zu zeitig, hier bereits jetzt an einen Schnlbau zu denken. Gerade in den letzten Jahren ist zwischen dem Viehhof und der Frankfurter Allee das Hänser- nieer rasch nach Osten vorgerückt, und nach den drei bis vier Jahren, die von dem Ankauf eines Schulgrnndstücks bis zur Vollendung des Schnlhanses zu vergehen pflegen, kann leicht auch die Samariterkirche völlig umbaut sein. Die Stadt besitzt übrigens wenige hundert Meter von der Kirche entfernt, in dem östlichen Teil der Rigaerstraße, bereits ei» über 6000 Quadratmeter großes . Schnlgrimdslück. Es wurde im vorigen Jahre angekauft und ist gleichfalls für eine Doppel-Gemeindeschnle bestimmt. Mit der Re guliernng dieses Teils der Rigaerstraße ist vor einigen Tagen be- gönnen worden, und auch der Schulban, sür den dje erste Rate in den diesjährigen Etat eingestellt ist, soll bald in Angrist genommen iverden. Inzwischen hat nian aber schon am 4. April in dieser Gegend wieder zwei neue Gemeindeschnlen eröffnen müssen. Sie sind bis auf weiteres in Mietshäusern in der Litthanerstraße, nahe der Frankfurter Allee, untergebracht worden. Anf dem Potsdamer Ningbahnhof ist jetzt das Eisendach der Heikle völlig abgedeckt worden; bei Regenwetter für das Publikum gerade kein angenehmer Zustand. Wenn das noch übrige Stück der an der Südseite stehenden Mauer gefallen sein wird, soll hier sofort mit der Umlegung der über Tcmpelhof verkehrenden Südring- g e l e i s c begonnen werden, und gleichzeitig mit dieser Gclcisvcr- legung wird das neue W e i ch e n st e l l w e r k in der Nähe der Pumpstation und der Kohlenlager fertig werden. Hierauf wird das alte Stellwerk abgerissen und nach dessen Platz die über dem Schöne bergcr Ufer und dem Landwchrkanal schon jetzt errichtete neue B a h n b r ü ck c auch über die Königin Augnstastraße hinweg weiter- gebant. Bis zur Fertigstellung dieser Brücke werden auch die Viadukte neben dem bisherigen Siidringgeleise auf dem Potsdamer Güterbahnhof vollendet sein, die später dem Ring- und Stadtbahn verkehr dienen sollen, während die alten Geleise dem Vorortverkehr der Anhalter Bahn vorbehalten sind. Die Viadukte zur Ueberleitung der»euen VorortSgclcise nach dem Anhalter Bahndamm, auf der Ostseite dcS Südrings, werden jetzt ebenfalls eifrigst gefördert, und man hofft, daß dieser Teil der Vorortgeleise für die Anhalter und Dresdener Bahn schon im Frühjahr des nächsten Jahrs vollkommen hergestellt sein wird. Mit der Umleitung des Verkehrs der Ring- und Stadtbahn über die neuen Geleisstrecken glaubt man schon gegen Ende dieses Jahrs beginnen zu können. An der National-Galcrie sind unter der äußeren Vorhalle zu der man über die Freitreppe gelangt, Ernenernngsarbeiten notwendig geworden, die gegenwärtig ausgeführt iverden. Im Laufe des letzten Winters hat sich an der Stirnwand über dem die Entwicklung der deutschen Kunst darstellenden Relief-FricS der.Stuck gelockert und ist teilweise herabgefallen. Die Wand ist jetzt nacki Aufstellung eines Leitergerüstes in ihrer ganzen Ausdehnung bis auf den Stein bloßgelegt ivorden und wird demnächst nen mit Stuck verkleidet werden. Der Relief-Fries hat für die Tauer der Er- nenernngsarbeiten eine Bretterhülle erhalten, die ihn gegen Be- fchädigungen schützt. Für das Publikum bleibt die Vorhalle wie die Freitreppe bis zur Beendigung der Arbeiten gesperrt. Der Wasserfall im Pictoriapark wird in diesem Sommer wie folgt seinen Bernfspflichten nachkommen: Vom 1. Mai bis 15. August an den Wochentagen von vormittags 9—12 Uhr und nachmittags von 3—8 Uhr, an den Sonntagen von 9—1 vormittags und von 8—8 Uhr nachmittags; vom 15.' August bis 15. Oktober nur bis zum Eintritt der Dunkelheit. Da jedoch eine Kürzung der 'Zeit nicht eintreten soll, so fängt die Thätigkeit des Wassersturzes nachmittags um so viel Zeit früher an, als sie abends aufhört.— Der Betrieb der elektrischen E f f e k t b e le n ch t n n g des Wassersturzes erfolgt an zlvei Abenden wöchentlich, Mittwochs lind Sonnabends, jedoch nicht länger wie zwei Stunden: an langen Sonimertagen erst beim Eintritt der wirklichen Dunkelheit. Der Reichsglöckner Joachim Gehlsen hat im Gefängnis eine Broschüre verfaßt, in der er auseinander zu setzen versucht, daß er in der Erpressungsaffaire unschuldig verurteilt worden sei. Zum Mord in der Birkciistrastc. Der Mörder des Frälckeins Med euwaldt ist noch nicht ermittelt. Zwei Männer, die in Ge- währsam genommen worden ivaren, sind ivieder entlassen, weil sie ihre Unschuld nachweisen konnten. Zu weiteren Verhaftungen haben die Ermittlungen noch nicht geführt. Die Leiche der Ermordete» ist am Donnerstag geöffnet ivorden. Als Todesursache ivnrde innere Verblutung festgestellt. Diese war eine Folge des wuchtigen Schlags, der de» Schädel an der vorderen Seite traf und zertrümmerte. Die Leichenöffnung ergab auch, daß die Verstorbene on einem Herzfehler litt, der es dem Mörder noch ivcscntlich erleichterte, sein Opfer zn töten. Die Schädeldecke ist abgesägt worden. Man will ans der Art ihrer Beschädigungen feststellen, mit welchem Werkzeug die Schläge und Stiche geführt worden sind. Von andrer Seite tvird berichtet, daß die Polizei eine ganz be- stimmte Svnr verfolgt, die zur Feststellung des Mörders der Lehrerin Medcnwalot führen dürfte. Die vom Gerichtschemiker Dr. Jeserich vorgenommene Untersuchung der Blutflecken in der Schlafstube der Ermordeten hat Anhaltspunkte ergeben, die in der Fortführung der Ltccherchcn von Bedeutung sein sollen. Von einem Rangierzug zermalmt wurde gestern, Sonnabend- vormittag um 11'/, Uhr, auf dem Moabiter Güterbahnhof an der Siemcnsstraße der 51 Jahre alte Güterbodcnarbeiter August Annics aus der Sparrstr. 4. Aimies, der seit zwei Jahren anf dem Güter- bahnhof beschäftigt war, ging gestern vormittag, um sich einen Weg abzukürzen, einer ausdrücklichen Vorschrift zuwider, quer über mehrere Geleise hinweg. Dabei sah er einen Rangierzug nicht, der rückwärts fuhr, und zwei Arbeiter, die sich anf dem' Zuge befanden, nahmen Obwohl der zum Tode bcrurtcilte Gönczi seinen Ver teidiger mit der Eiulcgnng der Revision gegen das Schwurgerichts- urteil beauftragt hatte, und dieser dcmfleinäß das Rechtsmittel eingelegt hat. scheint er doch kein rechtes Vertrauen z» seinem Anwalt gehabt zu haben, denn er hat auch seinerseits die Revision an- gemeldet. Die Verhaftung des Louis Schnitze in Rio de Janeiro, der sich der Teilnahme an dem. Morde der beiden Franc» bezichtigt hat, ist in die Wege geleitet.— In dem bekannten Erbschaftsprozeß war vom Kanimergericht beschlossen worden, die Gönczischen Eheleute gleich nach beendeter Hanptverhandlnng als Zeugen darüber zu ver- nehmen, welche von beiden Frauen zuerst ermordet worden sei. Dieser Beschluß ist jetzt aus Antrag der Anwälte dahin modifiziert ivorden, die Vernehmung der Gönczischen Eheleute erst nach dem beendeten Verfahren zu bewirken. Von einem einstürzenden eiserne» Portal schwer ver- letzt wurden Somiabendvormittag zlvei anf dem Grundstück Bessel- straße 22 beschäftigte Arbeiter der EisenkonstrnktionSfinna Schulz u. Holdcflciß, Fennstraße 13. Die Verunglückten sind der 27 jährige verheiratete Schlosser Ernst Mey er aus Lichtenberg, Wilhclmstr. 12, und der 17 jährige Lehrling Paul Müller aus der Bernaucrstr. 14. In dem bezeichnete» Hanse, in dem sich die„Amorsäle" befinden, sollte an dem zweiflügeligen schmiedeeisernen Portal.eine Reparatur vorgenommen werde», und zu diesem Zwecke hatten die beiden zunächst den linke», etwa 14 Ceiitncr schweren Flügel ans den Angeln gelöst. Dasselbe stürzte plötzlich mit furcht- barem Krachen um und verletzte die zwei Arbeiter, die schnell zur Seite springen wollten, in recht erheblicher Weise. Der Lehrling Müller erlitt eine schwere Quetschung des linken Hüftgelenks und des rechten Ellenbogens, während Meyer, außer dem Bruch des Unter- kiefcrs, zwei Wunden im Kinn, eine ani linken Augenlid, sowie eine Hantabschürfuiig am linken Bein davontrug. Auf der Unfallstation I, Wilhclmstr. 10, wurde beiden Verunglückten die erste Hilfe zu Teil. Paul Müller wurde sodann mittels Krankenwagens der Station nach der Charits geschafft, während Meyer in einer Droschke nach seiner seiner Wohnung fuhr. Brandstiftung einer Wahnsinnigen. In einem Anfall von geistiger Umnachtung verübte in der Nacht zum Karfreitag die Lehrterstr. öl wohuhäfte Frau von Hagen Brandstiftnng. Während ihr Mann in tiefstem Schlummer lag, verließ sie kurz nach Mittcr- nacht das Schlafzimmer, schichtete in der Wohnstube Papicrabfälle anf und steckte dieselben in Flammen, die alsbald lustig empor- loderten und auch die Gardinen ergriffen. Glücklicherweise wurden Nachbarn rechtzeitig anf die Gefahr anfmerksain. weshalb sie die Thür zur H. scheu Wohnung erbrachen und die Flammen löschten, nach bevor die alarmierte Feuerwehr erschien. Letztere sorgte iudeß dafür, daß die Geistesgestörte noch während der Nacht einer Heil- anstatt zugeführt wurde. In der Eisengießerei von Peitzold n. Eo. in der Waldstraße ist gestern ein Arbeiter dadurch verunglückt, daß ihn ei» ab- gesprungener Eiscnsplittcr schwer an der Stirn verletzte. Der Arbeiter wurde ins Kraiikenhans gebracht. Das Opfer einer Leuchtgas- Vergiftung ist das 26 Jahre alte Dienstmädchen Minna Dünkel geworden, das seit 14 Tagen bei der Witwe des Professors Bvnicke in der Weißenburgerstr. 27 in tellung war. Frau Professor Benicke zog am 4. April in diese Wohnung ein und ließ ani Tonncrstagnachnrittag eine neue Gas- einrichtinig anlegen. Die Gnsarbciter verließen am Donnerstagabend die Wohnung, nachdem sie mit der Arbeit fertig waren. Am Freitag- morgen fand die Frau Professor daS Mädchen tot im Bett auf dem Hängeboden liegen. Ein Arzt stellte Gasvergiftung fest. Ein Gas- Halm in dcr Küclie war nicht zugedreht und halte viel Gas entströmen lassen. Ob ein Versehen der Arbeiter oder dcS Mädchens, oder ein Selbstmord vorliegt, ist noch nicht festgestellt. Doppelehe. Ter„Nicders. Volksztg." zufolge wurde in Alfeld der 36jährige Schriftsetzer S y d o w aus Berlin verhaftet. Infolge von Nachforschinigen der Berliner Polizeibehörde hat sich heraus- gestellt, daß der im Oktober 1898 in Alfeld mit einer Alfclderin ver- mählte Sydow vordem bereits verheiratet war, sich somit des Ver- brcchcns der Bigamie schuldig gemacht hat. Seine erste Frau nebst Familie befindet sich in Berlin in anscheinend dürftigen Verhältnissen. Fahrraddicbstähle werden wohl in keiner Straße in so großer Zahl verübt, als in der Z i m m e r st r a ß e. Deren wurden dort allein am letzten Donnerstag drei vollführt, und binnen Monatsfrist sind bei den zuständigen Polizeirevieren nicht weniger als 21 Fahr- raddicbstühle ans der Zimmerstraße gemeldet. Die Polizei hat des halb die Reslonratcnre und Schcmkwirthe aufgefordert ihre Gäste darauf aufmerksam zu niachen. daß sie eventuell eine Bestrafung zu gewärtigen habe», wen» sie künftig ihr Zweirad nnangeschlossc» oder führerlos auf der Straße steheil lasse».— Diese Art der Polizei Handhabung ist ebenso einfach wie genial. Da die Polizei den Dieb in den wenigsten Fällen erwischt, bestraft sie einfach— den Bcstohlenen. Damit beweist sie nniuidcrlich den Wert einer tüchtigen ncherheitSbchörde und leistet glcicherzeit dem bekannten Wort Genüge:„Strafe muß find!" Läßt sich das Mittel nicht vielleicht auch(natürlich entsprechend modifiziert) bei Mordthaten und Brand- stiftnilgen anwenden? Arbeiter- Sanitätskommission. Wir erhalten folgende Zu- schrift:„Lichtenberg, Margarethenstraße 7, Hof 1 Tr. ES ist nicht wahr, daß im Hanse Nässe vom Keller aufsteigt, daß Stockflecke an den Wänden sind. Schwamm im Fußboden, muffiger Geruch vor- handen ist." Hochachtend Georg Dönges. Bei günstigem Wetter tvird die Dampfer- Gesellschaft „Stern" während der Qfterfcicrtage ihre Dampfer aufwärts bis TabbcrIS Waldschloß um 10 und 11 Uhr vormittags und von Vz2 bis 5 Uhr halbstündlich verkehren lassen. Anf den Havelsecn wird zwischen Wannsee und Pfaneninsel ein Dampfer den Verkehr ver- Mitteln, während die Ucberfährdampfer aus dem Wannsee zwischen Kaiser- und Schwedischem Pavillon voll im Betrieb sein werden. CraelkDiizert. Der Dienelschc Orgelvortrag in der Marienkirche am Miiiwoch, den 18. April, mittags 12 Uhr, wird ausgeführt von den Damen Frl. Hanna Kirchhofs, Frl. Marie Albrecht, Frl. Hcdlvig Lemm aus Bromberg; Herren Karl Rasche, Otto Fonnin, Violoncellist und Wilh. Schmidt. Der Eintritt ist frei. Auf der„Treptow- Sternwarte" spricht Direltor Archcnhold am Ostersonutag, nachmittags 5 Uhr, über„Die Erscheinungen in unserer Aimochhäre" und um 7 Uhr abends über„Die Bewohnbarkeit der Weiten": ani Ostermontag, nachmittag 5 Ubr, über„Tie bevorstehende Sonnen- finsternis". Während der ganzen Woche wird die Venus bei Tage gezeigt von nachmittags 2 Uhr bis abends 19 Uhr, von 19 bis 12 Uhr abends wird der Mond und ein Doppelstern mit dem Riesenrefraktor beobachtet. Das Ausstattungsstück der„llrauia"„Von den Alpe» zum Vesuv" wird alltäglich gegeben. Am Dienstag und Mittwoch werden Nachmittags- Vorstellungen zu ermästigten Preisen stattfinden. Im Passage- Panoptikum finden an den beiden Osterfciertagen je zwei Borstellungen des Specialitälen-Theaters siatt und zwar um 4 und um 7 Uhr. im Januar ans 501 männliche und 163 weibliche. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen anf 246 männliche und 133 weibliche. Erledigt wurden durch Zinveisung 236, durch Zurück- nähme 29, durch Strerchimg 242 Stellen, während 157(132 männliche, 25 weibliche) unerledigt blieben. Von den gemeldeten offenen Stellen sind 63(34 männliche und 29 weibliche) nickt besetzt worden. Die weitaus größte Zahl der männliche» Arbeitsgejucke betraf ungelernte Arbeiter, die größte Zahl der weiblichen Auf- Wärterinnen. Es hatten sich gemeldet 8 Kutscher, 14 Hausdiener, 73 Arbeitsburschen, 364 ungelernte Arbeiter, 113 Anfwärterinnen, 3 Reinmachefrancit, 13 Wäscherinnen, 17 Fabrikarbeiterinnen und 3 Näherinnen. Verlangt wurden 4 Kutscher. 7 Hausdiener, 23 Arbeitsburschen. 206»»gelernte Arbeiter, 92 Anfwärterinnen, 4 Reiiiinachefranen, 10 Wäscherinnen, 2 Fabrikarbeiterinnen und 3 Näherinnen. Schöneberg. Dem Beispiel Friedenaus folgend, beabsichtigt der hiesige Magistrat eine» botanischen Garten für Scknl- zwecke anzulegen. ES soll ein Treibhaus, Schnlbeete zc. eingerichtet werden, um jederzeit entsprechende Pflanzen zur Verfügung zu haben. Ein dem Ziveck entsprechendes Terrain ist bereits erworben.— Die E i s e n b a h n- U n t e r f n h r n n g e n in der Max-, Tempelhofer- und Gothenstraße sollen erweitert und mit einer lichte» Weile von 20 Meter versehen iverden. Zu den vom EisenbahnsiSknS zu tragenden Kosten steuert die Stodt 80 000 M. bei.— Das AmtsgerichtS- gebände wird in nächster Zeit in der Grunewaldstraße errichtet werden, da die Differenzen mit dem Jnstizfiskns beigelegt sind. Anf dem NnmmelSburger See hat der Fischermeisier F i n k e l d e ans Köpenick gestern morgen in der zehnten Stunde ein Liebespaar vor dem Ertrinken gerettet. Das Pärchen, das in einem Sportboot daher gesegelt kam, schrie den seinein Berns nach- gehenden Fischermeister ans Leibeskräften um Rettung an. Als Finkelde in seinem Kahn an das Boot herankam, bemerkte er, wie dieses infolge eines Lecks voller Wasser war. Es gelang dem waffer- kimdigen Mann, beide Leute auf seinem Kahn in Sicherheit zu bringen und das Boot bei der Schiffswerft von Lehmann anS Land zu schleppen. Als der gerettete junge Mann sein und seiner Dame Leben in Sicherheit sah. machte er auch sein Versprechen wahr, dem Fischermeister für die mutige That„ettvas zu geben". Der Retter erhielt eine Mark m die Hand gedrückt. Johannisthal. In der letzten Gemeindcbcrtreier-Sitzmig wurde zunächst beschlossen, die alten Pflastersteine ans der Friedrichstraße an den Kreis zn»i Preise von 7 Mark für den Kubikmeter zu verkaufen. Die Bürgersteige in der Friedrichstraße sollen von den An- liegern bis spätestens zum 1. Oktober d. F. gepflastert werden. Hierzu beantragte Gen. Mann, die Besitzer der Borgärten von der Kopnickerstraße an bis zum Wilhclinplatz zur Hergabe der- selben zu veranlassen, um die hier so nötige Verbreiterung der Straße zu erzielen. DicserAutrag fand nicht die genügende lliiterftützung; nament- lich wandte sich der Vertreter Mette i» erregter Weise dagegen. Derselbe crkärte n. a., diese Vorgärten seien seiner Zeit privilegiert worden, und er gäbe nichts her, und wenn er doch dazu gezwungen würde, müsse es die Gemeinde teuer bezahlen. Es Ivnrde beschlossen, die großen Bänine zu entfernen, da diese stellenweise zu weit anf dem Bürgersteige stehen, und dafür Neiianpflaiizuiigen zu machen.� Ein Gesuch der unverheirateten Lehrer, ihnen den Mietsznschnß von 200 auf 240 M. zu erhöhen, fand ans Antrag Mann ohne Debatte Annahme. Schließlich fand»och ein Antrag Knaape Annahme, bei der zuständigen Behörde zu erwirken, daß der Ort in eine höhere ServiSklasse einfleschätzt werde: die zahlreichen Beamten im Ort müßten eine größere Entschädigung haben. Slns den Nachbarorten. Charlottenburg. Die Deputation für den städtischen Arbeitsnachweis hat in der letzten Sitzung beschlossen, mit der bestehenden Stellcnvennitteliing für ungelernte jugendliche Arbeiter die Lehrlingsverinittelmig z» verbinden. Ferner wurde be- schloffen, beim Magistrat zu beantragen, daß zu der Verbands- versamnilniig des Verbands Deutscher Arbeitsnachweise im September d. I. in Köln der Vorsitzende sowie ein Arbeitgeber- und Arbcitnehmer-Mitglicd der Deputation entsandt werden.—■ Die Zahl der A r b e i t s g e sn ch c beim städtischen Arbeitsnachweis be- lief sich nach den Monatsberichten des Statistischen Amtes Theakev» DaS Central- Theater hat gestern Abend die Sonimersaisoir eröffnet. Dies geschah, indem Herr Direktor Fercnczy ein Stück zweier Herren, die sein Institut schon früher über die tote Zeit hinwegzn- helfen getrachtet haben, ans die Bühne brachte.„Berlin nach Elf" heißt die von Olonkowski und Soüdermänn nach Adolf Eriistschcm Rezept znsainmengesicllte Aiisstattnngs- posse. Sie bringt die von Alters her so sehr beliebte Ge- schichte des verflixten Kerls, der Muttern durch die Lappen geht und nun zu Hanse seine armseligen Abenteuer in allerhand Iln- glaiibwürdigkeiien zu biiße» hat. Herr Sondermaim gab diesen in Gestalt eines Parfiiineriefabrikanten anftanchciidcn Helden und suchte durch urwüchsige Komik den Humor zu ersetzen, der der Rolle an sich abgeht. Aber da die Verfasser bescheiden genug waren, das Hauptgewicht in ihrem Stück auf Ballett und Ausstattung zri legen, so geht eine Würdigung der Fabel vielleicht Über daS Maß des Erlaubten hinans. und eS erübrigt sich, am Ende zu konstatieren. daß Kostüme und Dekorationen, elektrische Lichteffelte eingerechnet, von der ortsüblichen überwältigenden Pracht sind. Im Interesse der Operette, die Herr Direktor Fercnczy wie mir einer zu pflegen weiß, wollen wir hoffen, daß„Berlin nach Elf" ihn in die Lage bringt, zum Herbst in seinem eigentlichen Metier wieder flotte Kräfte zu sammeln. Erwähnt sei, daß das Stück durchweg gut gespielt wird und daß vor allem die Damen Grabitz und Fröhlich besserer Rollen würdig sind, als ihnen hier beschert wurden. Vevunf�kes. Vom Hochwasser in Ungarn wird berichtet: Die Gemeinde Bodonhely ist überflutet, auch die Gemeinde Szovat schwebt in großer Gefahr, eine Katastrophe dürfte kaum abzuwenden sein. Ans Holland, 13. April, wird ein großer Brand gemeldet. DaS Feuer zerstörte das katholische Gyinnasimn in Katwyk bei Leyden. Verlust an Menschenleben ist nicht zu deklagen. der Schaden ist jedoch beträchtlich, namentlich bei dem Museum des Gyinnasinms, das mehrere Unica besaß. Wegen allzu großer Popularität abberufe». Aus Washington wird geschrieben: Das hiesige diplomatische Corps wird um einen neuen exotischen Diplomaten vermehrt werden, da der Schah von Persien die Absicht kundgegeben hat. in Zukunft durch Mofakham Ed Döwdeh in Washington vcrlreten zu sein. Der letzte Vertreter PersicnS Hierselbst wao Hadji Hassan Ghouli Khan Mehemed Ed Beffare, der sich ohne Abschied davongemacht hat, weil er die außer- ordentliche Popularität, deren er sich erfteute, nicht vertragen konnte. Der Diplomat mit dem eindrucksvollen Namen, welchen mau nur aussprechen konnte, wenn man nieste, war ein sehr stolzer und hochmütiger Mann: er hielt an dem echt persischen Kostüm und an den Gebräuchen seines Heimatlandes fest, und wein, er auf der Straße erschien, so ging ihm stets sein treuer Leibdiener Mirza Mahmud, noch drastischer aiisftasfiert als sein hoher Herr,� mit blankem Kniminschwert voraus. Der Aufzug pflegte die Aufmerksam- keit der Passanten, besonders der zahlreichen Neger-Bevölrernng, zu erregen, und wer einmal eine Parade in Washington gesehen hat. kann sich ungefähr vorstellen, was für ei» Gefolge sich bei dem edlen Khan aiisainnielte. wenn er durch die Straßen dahinzog. Der Leibdiener. dessen Pflicht es war, seinen Herrn zu schützen, pflegte dann sein KrnmUischwert zu schwingen und kühne Angriffe auf die schlvarze Corona zu machen, die angeiiblickiich zerstob. aber mir, nin in verbesserter Auflage sogleich sich wieder anzusammeln. Hadji Ghouli Khan beschwerte sich beim Staats- Dcpartement, die Polizei wurde benachrichtigt und die Gesandschaft erhielt eine Polizistenwache; aber dadurch ward die Sache nur noch schlimmer. Schließlich ward der Perser, der von seinen Gebräuchen nicht lassen wollte, seiner Gesandtenstellnng überdrüssig, er reiste kurzer Hand ab, und sein Gebieter, der Schah, erzürnt ob der Miß- achtnng, die seinem Gesandten erwiesen Ivnrde, ließ den Posten bis- lang unbesetzt. Hoffentlich wird der neue Gesandte sich etwas besser in die hiesigen Verhältnisse zu schicken wissen.— Ueber die Pest in Sidnep wird vom 13. April gemeldet: Tie Zahl der hier vorgekommenen Pestfälle beträgt III, von denen 38 lötlich verlaufen sind. Tie Katastrophe in Llappai. Die Ortschaft Klappai, Bezirk Raudiiitz in Böhme», wo jor zwei Jahre» 32 Hä»scr infolge von Bergrutschungen einstürzte», ist wiederunr von einer s ch w e r e n Katastrophe hcinigesncht worden. Donner-Ztagvormittag 11 ttbr waren, wie bereits gemcldct, 52 Hänser samt Nebengcväuden ein- gestürzt, darunter bedeuteiide Gehöfte, so dost der Schaden ein sehr beträchtlicher ist. Von den eingestürzten Häusern sind überall nur die Dächer zu sehen. Der Boden zeigt klaffende Risse und Höhl» n g e n. Die Besitzer der nicht eingestürzten Häuser, durch Sprünge in de» Mauern gewarnt, beeilen sich, ihren Hausrat auf Wagen zu packen und nach andren Ortschaften zu führen. Man begegnet ükerall Familien, die derart sich und ihr Eigentum in Sicherheit bringen. Die Abrutschung am Abhang des HasenbergS hatte vormittags 450 Meter Länge und 300 Meter Breite. Die Bewegung betrug manchmal 7 Zentimeter in der Selundc. Die Bergrutschungen waren durch Schneeschmelze»nd Regengüsse ver- onlastt. Am Karfreitag ist nachmittags gegen 5 Uhr die Erd- rutschung, welche diesmal rascher vor sieb ging, als vor zwei Jahren, zum Stillstand gekommen. Weitere Häuser sind nicht eingestürzt, doch sind noch acht bis zehn derselben gefährdet. Menschen und Vieh konnten rechtzeitig geborgen werden. Städtischer Schlachtviehmarkt. Berlin, 14. April ISOO. Amtlicher Bericht der Direktion. Ium' Verkauf standen: 4050 Rh, der 1305 Kälber, 6292 Schafe, 4Q22 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pmud oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mari(beziehungsweise für 1 Pfund in Ps.): Für Rinder: Ochsen: a) vollflciichigc, ausgemästete, höchste» Schlachttvettcs, höchstens 7 Jabrc alt 62—65,!>) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere anSgeniästcte 56—59; o) mäbig genährte junge und gut genährte ältere 53—55, ä) gering genährte jeden Alters 48—52.— Bullen: a) voll fleischige höchsten SchlachtwcrteS 57— 6l; b) i»ästig genährte jüngere und gut genährte ältere 53—56; c) gering genährte 48—52.— Färsen und • Kühe: a) vollflcilchige, ausgemästete Färlen Höchsten Scklachtwcrts 00— CO; b) vollfleischiae, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 52— 53; c) ältere ausgcniäslctc Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färlen 48—50; ck) mästig genährte Kühe und Färsen 45—48; s) gering genährte Kühe nnd Färsen 40—43.— Kälber: a) feinste Mast? kälber(Vollmilchmast) nnd beste Saugkälber 70—72, b) mittlere Masttälber nndignre Sanglälber 63—68, e) geringe Saugkälber 55— 59, d) ältere, gering genährte(Fresser) 38—49.— Schafe; a) Mastlämmer und jüngere Mast- Hammel 58—61, b) ältere Masthammel 51—56, c) mästig genährte Hammel und Schafe(Merzlchase) 45—49, d) Lolsiciner sttiederungs- lchase(Lebendgewicht) 00—00.— Schweine: a) vollfleischige der{cincicii Nassen und deren Kreuzungen iin Alter bis zu 1'/, Jabren 45—46, b) Käier 00— 00, c) fleischige 44—45, d) gering entwickelte 42—43, e) Sauen 40— 42. Verlaus u u d Tendenz. Das Niudergeschäft wickelte sich lang- lam ab und binterlästt Ueberstand. Der Kälbcrhandel gestaltete sich schleppend. Bei den Schafen war der Geschäftsgang schleppend; es bleibt Ueberstand. Der Schweineniarlt verlies langsai», wird aber geräumt. Produktcumarkt vom 14. A v r i l. Getreide. Ucber den heutigen Verkehr ist bei dein gänzlichen Mangel an Unternchmiiiigslust nnd dem Fehle» der PreiSmcldungen von den amerikanischen Plötzen wenig zu de- richten. Im Handel mit effektiver Ware sind nemiciiswerte Abschlüsse über- Haupt nicht bekannt geworden. Das inländische Angebot war nicht bedeutend. Lleserungcn jetzlen sest ein, da das widrige Wetter Besorgnis erregt, nnd die Abgebcr dementsprechend Zurückhaltung bewahren. Weizen und Roggen eröffneten zu gut bchaiivteten Preisen, die jedoch nur nominell zu versiehen waren. Als späterhin schwache Teudeiizberichte aus Frankreich nnd Oestreich- Ungarn eintraten, gaben die Preile wieder etwas nach. Hafer wurde gänzlich ocinachlässigt. Mais war im Prei'e leicht, Rüböl völlig mwerälldert.— Spiritlis. Am Spiritusmarkt wurde 70er loco mit 49,20(unverändert) gehandelt. Weizen mit Ausschluß von Rauhweizen per 1000 Ko. loco feinster havelländer(775 Gr.) 154, guter märkischer und guter havelländer 150, mecklenburger 149 ab Balm. Rormalgcwicht von 755 Gr. 150,75—150,50 Abnabme im Mai. da 155,25 Abnahme im Juli, do.— ,— Abnahme im Seplember mit 2 M. Mehr- oder Minderwert. Geschäftslos.— N o g g e»- per 1000 Kg, loco märkischer 141,50—142 ab Bahn, Posen« 142,00 kahn- srei Aprillieferung. Normalgewicht 712 Gr. 145, b0 Abnahnl« im Mai, do. 113,75—144 im Juli, im September mit 1,50 Mehr- oder Minderwert.— Hafer: loco per 1000 Äo., seiner pommerschcr 137—144, mittel 133-136, mecklenburgischer seiner 138-145, mittel 133-137, Posen« mittel 132 bis 136 schlenicher mittel 132-135, ab Bahn. Normalgewicht 450 Gr. Ab- nähme im Juli 131,50-131,75.- Mais: Loco amerit. mixed 119 frei Wagen, auf Abnahme im September 106 bez.- W e i z e n m e h l Nr. 00: 18,50—21,50.— R o g g e n m e h l Nr. 0 und l 18,40- 19, 7o, auf Abnabme im Mai— ,—.— Rüböl: Loco mit Fast 56,6— 57, ans Ab- nähme im Oktober 57,-57,30.— Spiritus 49,20 bez. frei HauS, Markiprcise von Berlin ni» 12. April 1000 »ach Ermittlungen deS lgl, Polizeipräsidiums, Weizen, gut D.-Etr, „ mittel„ gering Roggen, gut „ mittel„ gering Gerste, gut „ mittel„ gering Hafer, gut .. mittel gering Nichlstroh, H-» Erbse» Spciscbohnen„ Linsen Wetterprognose. Sonntag, 15, April 1900. Vielfach heiter und am Tage ziemlich warm, aber noch veränderlich mit etwas Rege» und schwächeren südlichen Winden, ZocialdemokraMer Mahlverein für den 5. Berliner RelchsLtigs- Mahlürels. Mittwoch, den 18. Zlpril. abends 8 Vi Uhr. im Lokal zum„Alten Schützenhans'*, Liiiienstrasie Nr. 5; General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorsitzenden, des Kassierers und der Revisoren, 2. Diskussion. 3. Neuwahlen des Gesamtvorstands und der Revisoren. 4. Bereinsangelegenheiten.[245/5« Uni zahlreichen Besuch der Mitglieder bittet Der Borftaud. Deutscher Holzarbeiter-Iferbaiid. Versammlung der Einsetzer. Tienötag, 17. d. M.. vorm. 10 Uhr, bei»ei'-kei-x. Alte Jakobstr. 75. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über„Bauarbeiterschutz". 2. Diskussion. 3. Wahl eines Delegierten zur Bauarbeiterschutz-Kommission, 4, Die weitere Ausgestaltung unsr« Lohnbewegung. � 87/18 Mitgliedsbuch legitimiert. Neue Mitglieder werden ausgenommen. Die Kollegen von Cowow, Teltowerstraße, werden besonders eingeladen. Achtung! Achtung! o dteiKlege»'. Am 17. d. M., vormittasM 10 Uhr, Grenadierstr. 33, bei B n» k o, VevlÄmtnlung.-WZ Tages- Ordnung: 1. Wann soll der neue Tarif in Kraft treten? 2. Verschiedenes. Bei d« so wichtigen Tagesordnung ist es notwendig, daß alle Kollegen erschewm. __ Die Kommission. w w G W f w w f w I w t Ileoe KUKlblälKr in Kiipftitadiffliitfl ®« große Seifall, den die zu Weihnachten erschienene« -ü----. Kunstblätter tflarx und Cngels— gefunden haben, hat uns veranlaßt, die porlraUs von Bebel, Liedknecht und Singer in Supser-Sadirrung auf China- Papier folgen zu laffe», und zwar um ihnen eine allgemeine Verbreitung za stcheni, in dleinrrrm Formate, nömltch SZ:t0 Senttmeter zum Preise von Iftk. 1,50 pro Blatt. Der beispiellos billige Preis dieser meisterhaft ausgeführten Kunstblätter ist natürlich nur bei Mafsenabfatz möglich. Wie von den Marx- und Engels- Radierungen, haben wir auch hiervon eine lkine Anzahl Kemarkdrucke Kedei, ciebknecht, 5toqer auf Japan-Papier zum Preise von Wk. l» pro Siüch, Wk. 25 für alle drei siifamnien, herstellen lasfen, die wir bestens empfehlen. Von den Marx- und EngelS Remarlen sind nur noch eine lehr befchräntte Anzahl vorhanden. Zahlreichen Aufträgen steht entgegen Buchhandlung vorwärts, Berlin SW. 19, Bcutbstr. 2. Mövel 11 ub Polfterwareu. Reelle Arbeit, Ganze Einrichtungen zu billigen Preise». siOOlL' Franz Tutxaiicr, Briiiiiieuslrafte 152. 1 Putzer. Achtum! _ Mittwoch, de» 18. April, abends«'/- Uhr. BtT" M„Kellers FestnUlcn", Koppenstraftc Nr. Üi> i Krosse Versammlung der Untzer Berlins und der Bororte. Tages-Ordnung: 1. Ist es möglich, den Frieden im Baugewerbe dauernd zu erhalten? 2. Abrechnung vom Stteitfonds. 3, Stellungiiahme zum I.Mai, 1"' 13i_____ Franz Schultz, Brunuenslr, 102. Tabakarbeiter und TabakarbeiterinneR. Tienstag, den 17. Zlpril(3. Ostcrfeiertag). vorm. 10 tthr, in„Xtirnanns Uoknl", Brunnenstr. 188(nahe d. Rofeuth, Thor): Große öffentliche Uersammlnng. Tageö-Ordiiuiig: Vortrag der Frau Emma Ihrer. Rechnungslegung der Kommission. Stellungnahme zum 1. Mai. Verschiedeiles. ISI/IJ Die Kommission. 10 Jahre Garantie. Teilzahlung Woche 1 Ml. Plomben 1 Ml. Absolut sehmerzl. Zahnz. 1 Mk. Blnmherg, Eliasiersir. 33, a. Oranieub. Thor. Spr. 8-7, Sonntags 9-1, ÄiiliZiv 2 Mk. j Ateimgmlg der Maler k. Filiale II. Allen Kollegen die traurige Mit- teilung, daß unser langsährigeS Mit- glied, der Maler 124/9 Künstlicbe Zähne! iayn- Uayn- t einigelt, überraschender Erfolg. 4441 L* skseok.y, KommsnäAntongtr. 61, I. Sprcchst. v. 8-8 Uhr, a. Sonnt. Achknnql Ächtung! Daeiideeker u. Berufsgenossen. Mittwoch, den 18. April, abends 8 tthr, �K"ß:Ii»cheii Garten4', Alexanderstraste 27c: Große öffentliche Persammlnng. Tages-Ordnung: l. Bericht der Lohnkommiisioii über den Stand uulrer Bewegung, •■!, Verschiedenes.__[54 3]__ Tie Luhiikomiiiission. A>>>t>»>l>! Stnccateure. Aütuiä! Stroh-HUtc- in größter Aus, wähl für»amen Herren u. Kinder' garniert und im' garniert zu am erkannt billigen Preisen, auch Trauerbüte. W. A. Peschke, Berlin, I. Geschäft Lützowslraste 30, 2.GeschäftLützow- straste 39. Eigene Stroh- u.Filzhut- sabrik bei den Geschäftsräumen. 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März gefaßten Resolutionen eingegangen. Da in obiger Versammlung unfve endgültige Stellung zur Maiseier festgelegt werden soll, ersuche» wir die Kollegen und Kollcgiime», vollzählig zu erscheine». 169/16__ Der Einbernscr. Achtung! Nixdovf! Achkung! Deutscher Holzarbeiter-Verband. Mittwoch, 18. d. M.. abds. 8 Uhr. bei Thomas, Hermannstr. 18/10: Lvnensl» Venssmmlunge Tages-Qrduuilg: 1. Abrechnung vom 1. Quartal. 2. ErgänzungSwahl der Werkstatt- Kaulrvllkounuisjio».. 3, Der 1, Mai mid Verschiedenes. b�li» Der Vorstand. Zniit Laubenbau! Gebrauchtes Kantholz, Bretler, Latte», Leisten, Thüreu, Feustcr, Dach- pappe billig. 178b 11. Iliidle, Kottbuser Damm 22. MeelitsUnreaii. Juristischer Rat in alle» Rechtssachen, Anfertigung sämtlicher Klage», Eiugabeu, Gnadengesuche, Reklama- tioiieu pp. Limenstr. 131. 14/15» Eine Miflian! ohne Gnade mitsamt der Brut sofort und gründlich beseitigt mein Waiizenfluid in Fl. 50 Pf. und 1 Mk. 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Die Vertreter der Orts-Krankenlasse der Schneider, Schneiderinnen und verwandter Gelverbe zu Berlin, werden zu der am Montag, den 23. April, abends 8 tthr, tut Neuen Klub- Hause. 5ioinma»danterstras!e 72, stattfindenden ansscrordentliehen General-Versammlung hierdurch eingeladen Tages-Ordnung: 1. Vortrag deö Jahresberichts pro 1899. 2. Bericht des RechnungS Ans- schusseS. 3. Erteiiung der Dechargc, 4. Erböhnng des GchaltS für den Rendanten. 5, Beschlniifassimg über die in der letzten Generalversammlung vertagten Staiutenäiidermig. 6. Ver- schiedenes, 458b Der Vorstand. Frau Reimann, Sott., Eisciibahnstr. 33. Ortskrankenkasse der Handschuhmacher und verrv. Gewerbe Berlins, Sonntag, de» 22, April, vormittags 10 Uhr, im Lokale von Schiller, Rosen- thalcrstr. 57: Generalversammlung TageS-Ordnung: l. Bericht de? Zlendanten über KaS Rechnungsjahr 1899, 2. Beridit der Revisoren, Dechargc-Erteilung. 3, Au- trag Gnmdig aus Ettveiteruiig der Leistungen auS§ 12 des Statuts. 4. Verschiedeues. Die wahlberechtigten Mitglieder und deren Arbeitgeber werden ersucht, pünkt- lich und zahlreich zu erscheinen. Berlin, den 15. April 1900. Der Vorstand. I A.: H. Hinz, Borfltzeiider, _ Buttmaiiiistr. 4. 486b Orts-Krankenkasse der Weber iini) verlvlliiijttit Keiverbe. sämtlicher Delegierten. Sonntag, de» 28. April 1300, vormittags 10 Uhr, in Wolsss Lokal, Frnchtstr. 36a. Tages- Ordnung: I. Vorlage der Jahres-Rechnung für 1899. 2. Bericht der Revisoren und Antrag auf Erteilung der Decharge. 3. Wahl eines Kassierers und dessen Stellvertreters. 4. Antrag d. Kollegen W. Quast auf Anstellung eines Natur- Heil-Arztes. 5. Verschiedenes. Berlin, de» 15, April 1900, Ter Borstand. 4855 C. Spann, Vorsitzender, R. Hildebrandt, Schriftführer. Ortskrankenkasse der Tabaksfabrik-Arbeiter. Sonntag, den 29, April, Generalversammlung im Kassenlokal IC ein fit. 11 bei Feind, nach Schlust der Kassenauslagc, abendS 7 Uhr. Tagesordnnng: 1. Kassenbericht des Vorstands pro 1899. 2. Antrag der Revisoren auf Erteilung der Decharge. 3. Abändc- nmg des§ 40 des Statuts.[507b Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Assgtin. Atö-Krllilktnklljse fii' Werk. Der Rechnungölibschluh pro 1890 liegt im Kasscnlokal, Ripdorf, Bergstraste 32, auS und kann von den Mitgliedern in Empfang genommen werden, 5025 Ripdorf, 12, April 1900. Allgemeine OrlS-Krantentasse für Rlxdorf. Q Koch, Vorsitzender. Riistm-PP.*""-�»- Koip. ges. usw., brill.Pottr. Arth. Gasch, Leipzig. Mlie-ZK,... garantiert gut! Teilzhl Reparainr. i» 2 Stnud. Plombieren uon 1 M. an. Ziahnzlelien völlig schmerzlos! Sprechstunde» 8-8, Feiertags 8—1, fl} ÖrtttrtP Blumcnstratzc»5, Jl. 4.1111 Isk, Ecke Markusstraste. Mohel verliehen gewesene»nd neue, staunend billig. 44102* Teilzahlung gestattet. Neue Königstrasse 59. Verlangen Sie gratis u.(ranke meinen I lllustr. Hauptkatal. über Fahrräder o. 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Schleie, Soimensische, Karauschen, Steinbalse, Molche, c«. 20 Sotten Wasserpflanzen, Erde, Flustsand.(Man stberzcng« sich) All». Hoffnimm Fahrräder. Itelhliaus Neue Sidöilhchrßr. II1- Große Auswahl vcrsallencrHerren- il. Tamcuväber. Nur gute, deutsche Marken, emineiit billige Preise.- M/IS* IliisbeiiMilge'j , Z dl, la dahrsv, einz. Hosen. Paletots sehr billig. Bei Zugabe v. Stoff bin. Aiifett, Stoff- reste sehr billig, Zufchiiciden gratis, Reinh Richler,��� Vogel- imd Aquarien-Handlung ieiuickcudorfcrstratze lila, Lader (Nahe der Wedding-Martthalle.) Bitte genau auf Namen und Nummer zu achten-HUB 3F flöbel Spiegel o. Polslerwaren reell, zu soliden Preise», emp-iehli IV« 8 V I* O I t> w, Tischlerinc! stci Bivtlnns Itlottardstr. 11«, ItllUlll I, am Denlnial, Karfreitag und Osterfeieriage: Sprechstunde nur 10—12 tthr»ciat Iis. mi Scliapei. homöop. Arzt, ZSttiMzts. Hallt« V.Sm- ltiöeii, Frailtilkrailkhtiteil, Königgrätzerstr. S7. Ir.>1. Ulieiild»! IcN lSc PMflcszffieüen wohnt jetzt Kommandantenftr. 4S. 12-2, 4'/,-6, Sonntag» 10�11. Ächtung, V. Wahlkreis. Heute, Sonntag, 15. April(1. tk(erfeiertag), im Grand Hotel Alexanderplatz: Wohlthätigkeits-Matinee veranstaltet von den Parteigenossen. rso mWckO! iostlerporsoi' KassencrOfiunni; tt Ulir. Anfang: praclse 1® Ihr. lilllct 30 Pfennig. iehiung! Secfistor loirdis(Ssiiiisiissr forstodD. Am 16. April(2. Oslerfcicrtag) im Berliner frater, Kastanien-Allee 7—5), Grosse Wohlthätigkeits-lalmee � Bn'rtB[in(Ut»o» Pnrttignuiffen ict Eckiiachauscr Barftodt. Bcstchcnd auS CTresang usul Vortrügen. ITitfnv Srt'-e fU�f � aa.___ JM...K< ZUM--- W ff____ v�jia_ nn__•- 219/20 Freie Volksbühne. Die 9. Seite der Vorsfcllungen beniunt tun 22. April ina Iiessllig-Thcatcr. Zur Auftuhrmig sreiarrst:" 221,10 Die drei Töehter des Herrn Duponl. --- Schauspiel in 4 Aufzügen von Eugene B r i e u x.-- Die Vorstellungen folgen am 29. April, C., Ii!., 20., 27..Mai. Achtung! Donnerstag, 2G. April: Anbreavcrsauiuilung. Tages-Ordnung; 1. Vortrag. 2..Tabrcs-hericht des Vorstands, des Kassierers, der Ret" isoren. 8. KeuwaM des Ausscliusses, des Vorstands, der Revisoren und Obleute der Ordner. Die Wichtigkeit der Tages-Ordnung macht zahlreiches Er- sejaeiaen der Mitglieder erforderlich." MF?" Mitgliedskarte legitimiert. Der gedruckte Jahresbericht gelangt in dieser Versammlung unentgeltlich zur Ausgabe._ Heute(1. Feiertag), nachmittags 23/« Uhr: IV. Abteilung im Carl WolsÄ-Thentep: Die h'cn vermählten. Schauspiel in 2 Aufzügen von Bjömson- Die sittliche Forderung. Einakter • von O. E. Hai tieben._ MF.— V. Abteilung: Montag, den 16. April(2. Feiertag). Um piinkfliebes Erscticinen bittet Der Vorstand. T. A.: O. Winkler. Am FrlcdriclisLaiu. Unter Minvirklipg deö GesongvereiiH A«rd und dch Serllner ?>u! Futereni' des lasiilthiitiatN./'.ueckS ersucht um rage Beteitigung Ilh.rr!««. Taö ßpmUte. ¥1. Wahlkreis. AAM! Montag:, den 16. April(2. Oaterlelertag; Zwei grosse Matineen pcrtniftuHet von den Partcigenvsftil der 3,'»s»i«thalcr Borstndt und des G cs„ud»rBUueAs. besieHepd aiio' 2U/U* Instrumental- und Vokal-Koaizert. Für die Rosentheler B prstadt CZm ine mündet Gescttschaf.shan», Gwinemünderstiaste 42. Für® efiuidfcriujjjpji; LnllsJim-edxrö Salon, Badstrehe Itz. Aüfeug 12 Uhr. Biiici 2b Pf. D»b Komitee. JöLliner hol". MüneiÄr. ö. Montag:, den 16. April Ostertsiertsg:): — ü �rosise Matinee �— veranstaltet von bat Spciaiäemokraten des Wedding and der Oranienharger Yorsiadt unter Wtttnirtuna des 219/17* Geürnzverems„Nord wacht"(®irig«it Herr BJobo!) und deö B Blobelfchcu!»hiftf- Sonfnanlortnmc-. Zur tlufilthriliig gelangen! Chorgcsäuße, Duette, Terzette, Zither-SnsemblenS sovic »,Dio RTeifivMngev van Mlüttrheberg" (Somische Sceue). Anfang 19 Uhr. Programm SR Pf. Zu recht zahlreicheiu Brtnch ladet ein Das Komitee. Zahnarzt Semiael wohnt jetzt Moritzplatz, Opnuen- sttahe 147, j. Haus« von Bugqeiitzag«». im-tim vr. Äif Uil» Olga Jacobson, D.nt. 82/6*) Fiiuiilibt'iiftr, 115, Nstiir-Ktilmlshm� Ao«t-.H«ra>a 4tiu>cnlcidc,i. M«raveu-tz«a»thptt„ tzeiit Mer W o!»ie Nerufsstßrung. lSP?«L*. & R WanilPI' Anvaiidennr. 151/T 1 2 u. naglivl.<,>. rüallmah« 28.) j � 9-2, Z-9, Sonntags 9-2. D'alhe 44 LUsaaseraCr. 44 tpm �MiiicijiiBracr Thor). Bel,., ndl. aller Hanl-, Harn- ». Blaseuletveu oliiieVernf?- stoning, odn, sob-idl.«litte! u. cillo. Huxcchst. 9 nwig, bis 9 ,!beiidS,Hoiiiitaz u. Donners- lag tz«,S. WÄL* LM" Kei«or-zcigunz der Saaah«~~ S® i;ia»oaorMtr. 30.£ Bohgudl. aller Haut, Hariz- S »nib Blasenteideu 5 0b«e selitjdiiebe Mittej u, Clffo. 2 iprefliit j 9-9.(i— 9. S Freitag und Sonntag ÜUii 9-?. Z a BcrbaudskatM ErniawauM m lowooto— yooa—»p -VE Mlzhttie fttr Herreu mckKm«. t,™- hochfeiue Musleeiachr» 3,25 11. 3,50, - MÄMIOtkLML Coimrniand. it. Omd.-HRte I tu grupev Cylinderhttte u Chap claq.{ütueivahl. für hürgarüche «7S1LS Wohnunis- Einrichtungen. Theilzablnng: Itualilang"f Jalire ,S«ü. 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Cücrfcürlög), abends 7 Uhr, bei Pasti«*, Zuselftr. 10: Famsiian•Kränzchen. fvaiie«Hüfoututen.__ s-wlbs Per Vorstand._ Samariter- für Arbeiter und Montag, # Kursus Ärbeitermcen. 16. April<2. Osterfeiertag), mittags IS Uhr, im Palast-Theater, Hiirgstrasze: K i+msse llatinee O K zum Besten der Arheiter-Samariter-Koloime. Auftrete» de« gesamte» KgnftlerpersoiialS. Im Interesse des wohitbntigm Zweck»«suchen wir um zahlreiche Beteiligung. Etntritto-Äatten a 25 Pf. nn der itaffc zu liaben. Sasleiieröfs'.msig 11 Uhr.— Programm gratis.— Ausaug pracise 12 Uhr. 74 Der Vorstand. MixtSorf*. Morgen, den J6. April(2. Oster-Feiertag!. im„Apollo-Theater", Hermannstrasse Nr. 4«, 50: Matinee des arrangiert vom Soeialdcmokratifcheu'Lcrein„Vor�vilrt»' xnm Kesten des Mastlfonds b««-» Konzert, Gesang u. Portraget» unter Piitwirkung deö(Leiaiiavercins„Xrsueboi-ger HarmonI»" tinb Sviuikcr« Herr» Scltnuch. Rufaua 1« tthr. iMü! Billct SS Pf. oi-siniöti Neu crumicT! Frankes SpeisekaiBe Neue Grnnstraftc 30{z>v. 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Ju Sachen der hohubewegnug der Berliner Tep- pich- und Linolennileger wird in Ge- uiästheit deö§ 00 deö Gesetzes betr. dieGiwerbegerichie vom 29. Juli 1890 im» Z 75 deö Ortöstatuis für die Ai. Oktober.... !:tadt Berlin vom � g;ou&T' betr. das Gewerbezerichi z» Berlin, siscnilich belannt gentacht, dag in der Sitziinz des sowohl von ben Arbeit- gederu, als auch van den Arbeit- ueSiumt alS Einigungsamt ange- rufenm Gewerbcgeriehts vom 7. April 1900. an welcher reilgenonimen haben: 1. Gewerberichier o. Schulz, als Borlitender. 2. Ingenieur Bernhard. 3. Fabrilbesitzer Breest, als Arbeit- gebor- Beisitzer, 4. Tupfer Hagen, 5. Former Morficn, als Arbeitnehmer- Beisitzer, seitens der Arbeitgeber vor- beha.tlos, seitens derArbeiinehmer vor- (kH ulaiw der Genehmigung in der heute abend flattnndenden General- unirtuuiiliuig ein Vergleich nach- nehruden. Wortlauts geschlossen wor- den istt 1. Für Arbeite» nach Zeitlohn wird vergütet für die Zeit von 7 Uhr Margens bis 7 Uhr abends pro stunde 60 Pf.; von 7 Uhr abends ab und Sonntags wird gezahlt pro Sniude 75 Pf. 2. Für Aceori arbeiten, welche von 7 Uhr abends ab begonnen werden, wird ein Zuschlag von 25 Proz. nach dem heitte vereinbarteii Tarii berechnet. 3. Sobald die Fahrt zur Arve«!- stelle außerhalb Berlins mehr wie eine Stuude währt, wird die Zeit- dauer über eine stunde hinaus in Stnndnilohn vergütet. 4. Wenn der Arbeitnehmer außer- halb des Weichbilds von Berlin Ar- besten zu verrichten hat, wird ihm pro Tag für den Unterhalt ein Say von 2 M. gewährt. Gebietet die Arbeit«S, daß der Arbeitnehmer an dem Ort der Arbeit zu übernachten hat, so Hot er noch 1 M. Zuschlag pro Tag zu beanspruchen. 5. Die Abreelnnmgen haben Sonn abends noch Möglichkeit bis 0 Uhr zu erfolge». 0. Zm übrigen acccpticrcn die Parteien, soweit nicht anderes vis jetzt mster 1—4 verabredet ist, den von den Arbestgebern in der heutigen Per- Handlung vorgelegten und verlesenen Tarif. 7. Maßregewugen von Arbeitern, bezw. den streikenoen Zwtschennieisiern werden nicht vorgenonuiien. Außer- dem versprechen die Streilenben allen denjenigen, weiche sich nicht am Streik beteiligt nnd gearbeitet haben, wegen dieses chrcs Verhaltens nicht»ah« zu treten. 8. Dje Parteien verpflichten sich, vorstehenden Vergleich Uz, Jahre in allen Punkten zu halten und für den Fall, daß nach Ablaus der Frist für den Vergleich Differenzen entstehen und neue Forderungen ausgestellt werden, bevor es zum Streit bezw. z» einer etwaigen Aussperrung lammt. das EinigungSamt deS hieffgeii Gewerbegerichts gemeinsam anzn- rnsen. v. g. u. gez. von Schulz. E. Bernharb. E. Breest. A. Hörsten. R. Hage». pp. Onantmeher&(Siele. Chapel. JB. Nelnöfeld& Co. H. Deußen p. Poppe& Wirth, Ehren traut, Hosfeld. Lammfromm& Bogel, Richard Solomon. E. Goldbeck. A. Heß. Albert Schönlein. H. Tuchenhagen. Mit vorstehendem Vergleich haben sich die Arbeitnehmer in der G versanmiliing vom 7. d. M. standen erklärt. Berlin, den 12. April 1900. Schepe, Gerichtsschreiber. eneral- cinver- V 41112* S"! Specialhaus Salongröße a 5, 8, 10—300 M. Stets Gelegenheitskäufe in Teppich.. Gardine». Portiere». Aiöbcistoffcu, Tischdecke»:c. �1'llllll-llillnle� diinge». gratis --' und franco. Emil Letevre, Berlin 8. Oranienstr. 158. Teppicli- Specialhaus sÄfllflb« 35 Mark | IttTcrr Slnziig». Mast, ueneftc FtühjahrS-Mustcr, iicngrünc glatte nnd karjcrte Stoffe, »aturgra», hell, mittel- und diintelfarb, reine Wolle, nur ülacheuer Ware, garantierte S Haltbarkeit. s4122L K taäslloser Sttr.obno llonliurrsnr lh» Zwei Anprobe», haltbarste P Zlithaten, taub, erste Arbeit, ft Palctotrestc, ttover Soat in~ grünen Farben. Zieste zu Auzügen, Hofen, PairtvtS ivvttblUig! � lstsrrsnbelileläung Lsunpenstr. Sö.fl> l E in ein Teil der heutige» Aus- läge liegt ei» Prospekt des Eefchnftshaufes für Tamcn- ttoiifektion. Herum«» Hiller. Landsdergerstr. 88. bei. V e re u tw o rt l i ch c rNed a ci ru t: Paul John in BeM. Für den Inseratenteil veraulwortlich: Th. Glocke w Berlin. Tnick und Verlag voii Mnx Babing in Berlin. »t. 88. 17. mm*. 2. Keilllge des„Ion W Kerlmer lolksdllltt. WM. IS. AD, IWV. Der AuSW des Berliner kewerbegeriW für Gutachten und Anträge erörterte kürzlich die Anwendung des Z 141 Absatz 2 des Inda- lidenversichernngs-Gesetzes. Zur Begutachtung lag ihm der Entwurf der Landes- Bersicherungsanstalt Berlin vor. Der § 141 Abs. 2 giebt den Landes- Versicherungsanstalten das Recht, zu bestimmen, d a tz und inwieweit Arbeitgeber befugt sein lollen, die Beitragsmarken zu andren als den aus den Lohn- zahlungen sich ergebenden Terminen beizubringen. Die Ver- sicherungsanstalt Berlin hält es für wünschenswert, erst einmal mit den größeren Betrieben einen Versuch zu machen. Nach dem Entivurf soll Arbeitgebern, welche mindestens IVO versickiernngspflichtige Personen beschäftigen, auf ihren Autrag widerruflich gestattet werden können, die Marken erst in der letzten Woche jedes Ralender-Viertcljahrs einzukleben. Wird das Arbeits- Verhältnis früher aufgelöst, dann soll dessen Beendigung geklebt werden. Für das Reich, die Bundesstaaten, die Kommunalverbände und sonstigen öffentlichen Verbände und Körperschaften wird die erwähnte Befugnis ohne die Beschränkung auf eine bestimmte Zahl beschäftigter versicherungspflichtiger Personen vorgeschlagen. Auch soll zugelassen werden, daß für sie der Termin für die Verwendung der Marken bis auf die letzte Woche des Kalenderjahrs erstreckt werden kann.— Der Ausschuß des Gewerbegerichts hatte sich nun zunächst zu der Frage zu äußern, ob den Arbeit- g e b e r n aus der beabsichtigten Maßnahme ein wesentlicher Vorteil erwachsen würde. Die anwesenden 7 Arbeitgeber-Vertrctcr und der Vorsitzende bejahten die Frage; die 8 Arbcitnehmcr-Vertreter hin- gegen verneinten sie. Die weitere Frage, ob die Arbeiter aus der Neuerung einen Schaden haben würden, beantworteten die Arbeit nehmer- Vertreter und der Vorsitzende mit I a, während die Arbcitgcber-Vertrcter eine Schädigung der Arbeiter nicht aimahmen. Die Beisitzer aus Arbeiterkreisen führten zur Begründung ihrer Ansicht folgendes aus: Den Arbeitgeber» würde die Neuerung schon deshalb keine wesentliche Erleichterung bringen, weil in Berlin aus verschiedenen Gründen die Arbeiter häufig ihre Stellung wechseln müßten. Zum Beispiel hätten bei den Mitgliedern des Metallindustriellen-Verbands im Jahre 1899 gearbeitet nur 30 103 Personen, während diese Unternehmer im selben Jahre 35 194 Leute eingestellt hätten. Gerade in den großen Betrieben der Allgemeinen ElcktricitätSgcsell- schast, der Union, der Firmen Ludw. Löwe, Borsig zc. sei der Wechsel ein ungemein großer. Wöchentlich hörten Hunderte von Arbeitern dort auf und fingen ebensoviel wieder an. Und genau so sei es in andern Gewerben. Zudem müßte ja bei den wöchentlichen Lohn- zahlungen der Betrag für die Marke abgerechnet und dies wieder gebucht werden. Andrerseits würde die gedachte Anwendung des§ 141 Absatz 2 die Arbeiter schädigen. Die vielen beim Gewerbegericht wegen Einbehaltung her Jnvalidenkarte angestrengten Klagen hätten beiviesen, daß eine große Anzahl Arbeitgeber die Bc- stimmungen des Gesetzes nicht innehalten, sie zum Teil auch nicht kennen. Die Jnvalidenkarte werde oft den Arbeitern im Gegensatz zum Gesetz bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses einbehalten, und da sich das Gewerbegericht für die hieraus entstehenden Ansprüche unzuständig erkläre, so sei der Arbeiter auf die langwierige und kostspielige Civilklage aiigewiesen. Auch die Polizei versage sehr oft, wenn ihre Hilfe zur Erlangung der Karte in Anspruch genommen werde, besonders wenn sich der Arbeitgeber ans einen angeblichen K o n t r a k t bruch berufe. Der neue Zu st and nach Benutzung des Z 141 würde die Verwirrung noch vergrößern und den unsicheren Kantonisten Schcingründe liefern. Die Arbeiter würden noch mehr Scherereien haben und noch mehr benachteiligt werden. Es sei hierbei zu be- denken, daß nach allgemeiner Uebung Arbeiter grundsätzlich nicht e i n g e st e l l t iverdcn, Ivenn sie nicht die Invaliden- karte vorweisen können. Hervorzuheben sei auch die Unsicherheit der Arbeitsverhältnisse im Baugewerbe. Ueber Berlins Arbeit- geber, die nicht regelmäßig geklebt hatten, wären im Jahre 1898 Strafen von insgesamt 5880 M. und 1899 von insgesamt 6763 M. verhängt worden. Bei einer dreizehnwöchigen Frist würde die Unsicherheit erheblich wachsen. Der Arbeiter könnte auch geschädigt werden dadurch, daß eventuell die Verjährungs« frist innerhalb der 13 Wochen ablaufe, weil es dann vorkommen könne, daß nicht ersichtlich sei, ob der Arbeitgeber oder der Arbeit- uehmer die Karte erneuern müsse, und wer für den vielleicht unter- lassenen Austausch verantwortlich sei. Ferner entstände durch das Abführen der Beiträge nach 13 Wochen und noch später der Landes- Versicherungsanstalt und damit den versicherten Ar- b e i t e r n ein ganz gehöriger Zins ausfall. Und schließlich sei noch darauf hinzuweisen, daß die Bahnverwaltung an außerhalb wohnende Arbeiter die billigeren Arbeiterfahrkarten nur abgebe, wenn sie aus der Jnvalidenkarte ersehen könne, daß die Leute wirklich Arbeit hätten, d.. h. ob für die betreffende Woche ge- klebt sei. Dem Teile des Entwurfs der Versicherungsanstalt, der das Reich, die Bundesstaaten, die kommunalen Vereinigungen zc. betrifft, konnten die Arbeitcrbeisitzer des Ausschusses insoweit nicht zustimmen, als es sich um Arbeiter ohne feste Bezüge handelt. Die Arbeit- geber stimmten dem Entwürfe zu. Sociale Vvitzkspflege� Die Klagederbindung durch das Gcwerbegericht und die Berufung. Sieben Maler waren mit dem Bauunternehmer Bosse, für den sie in Accord gearbeitet hatten, wegen einer Restsumme von 753 M. in Streit geraten. Fünf von ihnen klagten darauf beim Gcwerbegericht, indem sie je 50 M. beanspruchten. Sie vermochten nachzuweisen, daß Bosse sich vergleichsweise verpflichtet hatte, jedem 50 M. zu zahlen. Die beiden nicht mitklagenden Kollegen wollten dagegen zuftieden sein, wenn insgesamt 160 M. zum Ausgleich gezahlt würden. Der Beklagte wurde von der Kammer III verurteilt, an die fünf Kläger je 50 M. zu zahlen. Der Gerichtshof ging davon aus, daß die Bereitwilligkeit ihrer beiden Mitarbeiter, weniger zu nehmen, die Ansprüche der Kläger aus dem nachgewiesenen Vergleich nicht beeinträchtige. Falls aber jene Beiden klagten, könnten s i e nur je 22 M. verlangen, weil sie für alle sieben Beteiligten nur 160 M. beansprucht hätten. Die Kläger hatten jeder einzeln geklagt nndj jeder erhielt sein besonderes Urteil, so daß eine Berufung nicht möglich ist, da das Klage- Objekt in jedem Fall weniger als 100 Mark beträgt. Im Gegensatz hierzu führen andre Kammern des Gewerbegerichts k ü n st l l ch durch die Verbindung mehrerer, gegen denselben Arbeit- geber gerichteter Klagen, die auch einzeln angestrengt wurden, die Berufungsfähigkeit herbei. Das kann unmöglich dem Willen des Gesetzgebers entsprechen, der die BcrufungS- Möglichkeit für die Streitigkeiten aus dem gewerblichen Arbeitsverhältnis erheblich beschränkt hat. Wenn auch die Civilprozeß-Ordnung eine solche Verbindung zuläßt, so wäre doch das oben berichtete Verfahren der Kammer III als vorbildlich zu empfehlen. Es wird entschieden durch das Gewerbegerichtsgesetz gerechtfertigt._ Der deutsche Holzarbeiter-Berband. Am zweiten Osterfeiertag beginnen in Nürnberg die Verhand- fungcn des dritten Verbandstags der Holzarbeiter. Die Organisation wurde im Jahr 1893 durch den Zusammenschluß einiger gesonderter Pexufsverbändc der in der Holzindustrie beschäftigten Arbeiter gegründet und ist durch weiteren Anschluß von Sonderorganisationen heute zu einer maßgebenden, einflußreichen Organisation in der Holzindustrie emporgelvachsen. Neben den üblichen Vcrwaltungs- angelegenheiten werden den Kongreß besonders zwei wichtige Fragen beschäftigen. Es ist die Einführung der Arbeits- losen- Unterstützung und die Stellung zur Tarifgemeinschaft. Die erstere ist bereits Gegenstand der Bcratnng auf dem vorauf- gegangenen Verbandstag gewesen, fand aber bisher nur schwache Anhängerschaft. Wahrscheinlich wird sie auch diesmal keine Majorität finden, denn in der Fachpresse und in Versammlungen ist sehr lebhaft dagegen gestritten worden. Dagegen dürfte wohl die Tarifgemeinschaft in Anlehnung an die Beschlüsse des Frankfurter Kongresses entschieden werden. Seit dem letzten Verbandstag, der im Jahre 1897 in Göttingen tagte, zeigte die Organisation einen gewaltigen Aufschwung. Nach dem uns vorliegenden schriftlichen Bericht des Vorstands an den Verbandstag ergiebt sich folgender Fortschritt in der Mitglicdcrzahl: 1897 in 475 Zahlstellen 42 576 Mitglieder 1898„ 496„ 50 961 1899„ 542„ 67 656 Hiernach hat sich innerhalb der letzten Geschäftsperiode die Zahl der Zahlstellen um 14 Proz., die Zahl der Mitglieder um fast 59 Proz. vermehrt. Die Mitglieder verteilten sich auf die einzelnen Berufe wie folgt: Männliche Weibliche Unter den Diversen sind Kistenmachcr, Pantinenmacher, Stuhl rohr-Arbeitcr zc.. sowie Maschinen- und Hilfsarbeiter mitgezählt. Dem entsprechend ist das finanzielle Ergebnis gleichfalls ein sehr günstiges. Die Mitglieder zahlen gegenwärtig einen Wochenbeitrag von 20 Pf., der seit dem Berliner Streik durch einen Extrabeitrag auf 40 Pf. erhöht ist. da dieser Kampf der Organisation rund 260 000 M. gekostet hat. Es liegen nunmehr Anträge vor. die dauernd eine Beitragserhöhung einführen wollen, um so' den Verband noch leistungsfähtger zu gestalten. Der Kassenbericht ergiebt vom 1. Januar 1898 bis 31. Dezember 1899 eine Einnahme von 1 113 959,86 M., der eine Ausgabe von 984 912,30 M. gegenübersteht. Mit einem vorhandenen Bestand war am Schluß des vorigen Jahrs der Rcstbestand von 252 310,80 M. Von den Ausgaben in den zwei Jahren nennen wir: Reiseunter- stützung 43 231,23 M., Gemaßregclten- Unterstützung 6 546,17 M., Notfall-Unterstützung 9519,40 M., UmzugSkoste» 7611,01 M., Streik- Unterstützung 387 140,42 M., Rechtsschutz 11 848,59 M., Agitation 35 006,57 M., den Lokalkassen Überlassen 295 173.15 M..„Holzarbeiter- Zeitung" und„Gleichheit" 100 503,10 M., Gehälter und Entschädigunzen 26,950,93 M., Verwaltungskosten 12,973,70 M., Druck- und Buchbinder- arbeiten. Marken und Stempel 28 933,51 M., Beitrag an die Generalkommission 9700 M. Die übrigen Posten verteilen sich auf kleinere Ausgaben. Beachteiiswert find in dem Bericht die Angaben über die Lohn- kämpfe. In erster Linie hervorzuheben sind die Erfolge, welche auf Grund gegenseitiger Verhandlung, ohne Streik, erzielt wurden. Wenn auch solche Vereinbarungen selten die Bewilligung aller Forderungen der Arbeiter herbeiführten, so sind die Resultate dieser Verhandlungen nicht unbedeutend. Jedenfalls rechtfertigen diese Erfolge vollständig die Bestimmung des Streikreglements, wonach die Venvaltung oder Streikleitung vor Proklamierüng des Streiks alles zu versuchen hat, um einen friedlichen Ausgleich herbeizuführen. Solcher friedlicher Vereinbarungen sind in den beiden Berichts- jähren 94 zu verzeichnen, und zwar galten 8 hiervon der Abwehr weiterer Verkümmerung der Verhältniffe, ivährend in 86 Fällen eine Verbesserung derselben angestrebt und ausnahmslos erreicht wurde. Aber auch die Fälle der Abwehr hatten vollen Erfolg und nur in einem Fall konnte die Lohnreduktion nicht ganz zurückgewiesen, sondern nur gemildert werden. In Betracht kamen in diesen 8 Fällen 371 Arbeiter. Bei den 86 Fällen deS Angriffs waren 5818 Arbeiter beteiligt. Hiervon erzielten 3692 eine Verkürzung der Arbeitszeit von 3,8 Wochen- stunden, 747 eine Lohnerhöhung von 4 bis 25 Proz. und 2734 eine solche von durchschnittlich 3 Proz. Die Einführung eines AccordtarifS wurde in 15 Fällen, Zuschlag für Ueberzeit- und Sonntagsarbeit in 46 Fällen, und zwar zuni Teil bis zur Höhe von 80 Prozent für Nachfeierabend- und 60 Prozent für Sonntags- arbeit, Abschaffung von Kost und Logis beim Meister in 10 Fällen, Abschaffung der Accordarbeit in 5 Fällen, Lohnsicherung bei Accord in 3 Fällen, Gewährung eines angemessenen Minimallohns in 2 Fällen durchgesetzt und m 17 andren Fällen Vorteile verschiedener Art erzielt. Und all' dies ohne jene gegenseitige Erbitterung hervor- zurufen, wie dies bei einem Streik so häufig der Fall ist und ohne nennenswerte Kosten zu verursachen. Erforderten doch diese ganzen kleinen Bewegungen beider Jahre nur einen Verwaltungskosten- Aufwand von 228,16 M. Angriffsstreiks fanden III statt mit einer Gesamtdauer von 582 Wochen, woran 14 233 Personen beteiligt waren; im Durchschnitt entfallen auf jeden Teilnehmer 7 Streikwochen. Erzielt wurde durch die Angriffsstreiks in 68 Fällen für 12 986 Teilnehmer eine Arbeitszeitverkürzung von 3,2 Wochenstundcn. An Lohnerhöhung wurde erreicht durch 37 Streiks von 5206 Teil- nehmern 3—20 Proz. und durch 42 Streiks von 7998 Teilnehmern durchschnittlich 8,8 Proz. Außerdem: Einführung eines Tarifs in 9 Fällen. Abschaffung von Kost und Logis beim Meister 14 Fälle, Extraausschlag bei Ueberzeitarbeit 21 Fälle, Gewährung eines Minimallohns 9 Fälle, Sicherung deS Lohns bei Accord 2 Fälle<2210 Personen), früheren Arbeitsschluß vor hohen Festen 10 Fälle, wöchentliche Lohnauszahlung 4 Fälle, Erhöhung des Lohns bei Arbeiten außerhalb der Werk- stätte sowie bei Umzügen 4 Fälle, Entschädigung für unverschuldete Zeitversäumnis und Lteferung von Material und Werkzeug je 2 Fälle und je 1 mal 13 Forderungen verschiedner Art, darunter auch Ab- schaffung der Accordarbeit. Abwehrstreiks sind in den Berichtsjahren III Fälle zu ver- zeichnen mit einer Gesamtdauer von 379 Wochen, woran 2850 Per- sonen teilnahmen; im Durchschnitt entfallen auf jeden Teilnehmer 4,4 Wochen. Das Resultat war in 68 Fällen— 59 Proz. ersolg- reich, in 10 Fällen— 9 Proz. teilweise erfolgreich und in 38 Fällen— 32 Proz. gingen die Streiks verloren. Erreicht wurde durch die Abwehrstreiks, daß in 45 Fällen die geplante Lohnreduktion ganz und in 5 Fällen teilweise zurückgewiesen wurde. Ebenso wurde die Verlängerung der Arbeitszeit in 7 Fällen zurückgewiesen und in einem Fall gemildert und die geplante Ver- schlechterung der Fabrikordnung in 8 Fällen vereitelt. Der Abschluß der Lohnkampfe wird demnach im allgemeinen als ein günstiger bezeichnet werden können. Um sich einen Begriff zu machen, welche Arbeitslast der Verwaltung oblag, sei bemerkt, laß 26 457 Postsendungen eingingen«nd 61 900 abgesandt wurden. Zur Agitation wurden�Flugblätter und Broschüren in Massenauflagen, von denen einzelne bis zu 110 000 Exemplaren verbreitet, erreichten, daneben durch Vorträge Propaggnda für die Organisation gemacht. Der Bericht vergegenwärtigt in deutlicher Weise, eine wie treffliche Stütze die Arbeiter sich in' ihrer Organisation geschaffen haben, mag der Erfolg auch weiter der Organisation zur Seite stehen und mögen die Arbeiten auf dem Verbandstag der Arbeiterschaft zum Nutzen gereichen._ Der Berbünd der in BnOiMtieine. beMigten Arbeiter iini) Arbeiterinnen Deutslhlnnbs hält gegenwärtig seinen Verbandstag in Berlin ab. Die Verhand- lungen finden im großen Saal des Gewcrkschaftshauses statt. Unter dem Schmuck von roten Bannern und Draperien, die sich kräftig von den lichten Wänden des weiten Raums abheben, fällt eine von der Galerie hernbwehende, im Jahre 1848 gestiftete Fahne der Gesellen- schaft der Buchbinder-Jnnung auf. Diese Fahne ist dem Märkischen Provinzialmuseum entnommen. Am Sonnabendvormittag wurde der Verbandstag durch den Verbandsvorsitzenden Dietrich-Stuttgart eröffnet. Mit der Leitung der Verhandlungen wurden Härder- Hannover und Georg S ch m i d t- Berlin betraut. Der gedruckt vorliegende Geschäfts- und Kassenbericht giebt von der Lage des Verbands folgendes Bild: Ende September 1896 waren 4929 männ- liche, 1771 weibliche, zusammen 6700 Mitglieder vorhanden. Die beiden letzten Quartale des Jahres 1896 brachten Lohnbewegungen in ganz Deutschland, und als Folge davon einen starken Zugang von Mitgliedern. Nach dem Abschluß der Lohnbewegungen schwand die Mitgliederzahl wieder so erheblich, daß der Abgang im Jahre 1897 de» Zugang um 300 männliche und 853 weibliche Mitglieder überstieg. Trotzdem ist der durchschnittliche Mitglieder- bestand des Jahres 1897 gegen den Durchschnitt des Vorjahrs um 4 Proz. gewachsen. Das Jahr 1898, welches frei von Lohn- bewcgnngen war. brachte eine Verntchrung der männlichen Mitglieder um 523,'während sich die Zahl der weiblichen um 8 verminderte. Die durchschnittliche Zunahme gegenüber 1897 betrug 5.5 Proz. Eine» bedeutenden Zmvachö an Mitgliedern brachte das Jahr 1899. Die Zahl der männlichen Mitglieder stieg um 869, die der weibliche» um 437, zusammen 1306. Das ist eine Steigerung gegen das Vorjahr Uin 15,7 Proz. Die gesamte Zunahine in den drei Jahren beträgt 1609 Mitglieder, oder'26,7 Proz.— Der Bericht konstatiert, daß die Fluktuation der Mitglicdcrzahl eine sehr starke ist. er spricht die Ueberzeugnng aus. daß der Ausbau des Untcrstützungswesens stabilere Verhältnisse schaffen werde. Weiter heißt es im Bericht, die Befürchtung, daß die auf dem letzten Verbandstage beschloffcne Erhöhung der Beiträge von 25 auf 35 Pf. eine rapide Abnahme der Mitglicderzahl zur Folge haben würde, habe sich nicht bestätigt. Das Vermögen des Verbands betrug Ende 1896: 37 627,93 M.--- 6.25 M. pro Mitglied 1897: 62 779,54„--- 10,03„„ 1898: 97 744.55..— 14,81„„ 1899: 146 293,48„= 19,17„„ An Arbeitslose n-Unter st ützung zahlte der Verband 1897: 14 284,86 M., 1898: 14 833,50 M.. 1899: 13 656,85 M.. in den drei Jahren zusammen also 42 775,31 M. Unterstützt wurden durch diese Summe 2207 männliche und 126 weibliche Mitglieder. Auf die einzelnen Jahre verteilt ergiebt sich, daß arbeitslos waren im Jahr: 1897: männl. Mitgl. 1002- 20,8 Proz. u. wcibl. Mitgl. 45- 3,1 Proz. 1898:„„ 956= 18,1„„„„ 44= 3.1. 1899:„„ 935= 15,5„„„„ 52= 3,3„ Ein jedes der arbeitslosen Mitglieder bezog im Durchschnitt im Jahr; männlich weiblich 1897... für 20 Tage 13,25 M. für 22,3 Tage 11,13 M. 1898...„ 23.. 14,36„„ 16,8„ 8,37.. 1899...„ 20.3., 13,43„„ 16.6„ 8,30„ Für Streikunterstützung innerhalb des Verbands sind in den Jahren 1897 und 1899 11231,20 M. ausgegeben worden. 1898 fanden keine Streiks statt. Für Streiks andrer Organisationen sind 6705 M. gezahlt worden. An G e m a ß r e g e l t e n- U n t e r st ü tz u n g gelangten in den 3 Jahren 5542,95 M. zur Auszahlung. Die V e r w a l t u n g s k o st e n betrugen nur 6,7 Proz. der gc- samten Einnahmen. Die Debatte über den Vorstandsbericht, die in der Vormittags- Sitzung geführt wurde, drehte sich ausschließlich um interne Ver- bandSangelegenheiten. In der N a ch m i t t a g s s i tz u n g wurde die Diskussion über den Vorstands- und Kassenbericht beendet. Eine längere Debatte schloß sich an den Bericht der Mandats- prüfungS- Konimission. Es handelte sich um das Mandat eines Stuttgarter Delegierten, dasselbe wurde schließlich, dem Antrag der Prüflings- Kommission gemäß, anerkannt. Da die Meinungsver« schiedcnheit über die Gültigkeit dieses Mandats besonders auf den Mangel eines Wahlreglements zurückzuführen ist, so setzte der Verbandstag eine Kommission ein, die ein Wahlrcglcment anszu- arbeiten hat. Hierauf folgte die Beratung von Anträgen zum Statut. E§ wurde beschlossen: Die Vereinigung führt den Namen «Deutscher Buchbinderverband". Zugelassen zu dem- selben sind alle in Buchbindereien, Contobuchfabriken, Liniieranstalten. sowie in der Portefeuille-, Album-, Etuis-, Cartonnagen-, Papier- und Ledergalanterie-Jndustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Die außerdem gefaßten Beschlüsse betrafen interne Angelegenheiten. Die Generalversllmmlllllg des Vereins dentscher Schnhiilcher tritt am 18. April in M a g d'e b u r g zusammen. Die Organisation hat gegenwärtig einen schweren Kampf gegen die Tuttlinger Fabri- kanten anszufechten, die 2000 Arbeiter dieses Benifs ausgesperrt haben. Unter dem Eindruck dieses erbitterten Kampfs werden die Verhandlungen stehen. Wie aus dem uns vorliegenden Geschäftsbericht des Hauptvor- stands zu entnehmen ist, erstreckt sich der Verein über 230 Zahl- stellen in ganz Deutschland. Die Mitgliederzahl ist innerhalb zwei Jahren um 2062 gestiegen und beträgt gegenwärtig 18 038. Die Kasse weist in der Berichtszeit vom 2. Januar 1898 bis 2. Januar 1900 eine Einnahme von 268 897,01 M. und eine Aus- gäbe von 218 375,18 M. auf. so daß ein Kassenbestand von 50 521,83 M. verbleibt. Unter den hauptsächlichsten Ausgaben sind zu nennen: Für Streiks 84 813,03 M., Reise- Unterstützung 10 794,28 M., sonstige Unterstützung 7449,66 M., Fachorgan 3t 964,27 M., Agitation 8740,43 M. Die außerordentlich rasche technische Entwicklung innerhalb der Schuhindustrie, die eine fortwährende Neueinführung verbesserter Maschinen hervorrief, und eine weitere Teilung der Arbeit be- günstigte, brachte unausgesetzt Konflikte über Lohnreduktionen. An die Organisation wurden deshalb schwere finanzielle Anforderungen gestellt.' Bereits auf der letzten in Mainz abgehaltenen Generalversammlung- versuchte man durch die Schaffung eines Streikreglemcnts in den oftmals planlosen Arbeitsniederlegungen eine Regelung herbei- zuführen, und auch diesmal wird dieser Gegenstand zu einer ein- gehenden Erörterung Veranlassung geben; das beweisen schon die in größerer Anzahl eingegangenen Vorschläge zum Streikceglement. Neben dieser Materie wird die Frage der Arbeitslosen,� U n t e r st ü tz u n g einen hervorragenden Beratungsgegenstand bilden. Diese wurde auf' der letzten Generalversammlung fakultativ einge- führt. Die Errichtung in der Form hat sich jedoch nicht besonders bewährt, und es fragt sich nun, nach welcher Richtung Reformen eintreten sollen. Es sind wichtige und ernste Aufgaben, die zu er- füllen sind, mögen die Delegierten sie zum Nutzen der Organisation lösen. Uitr den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedakiio» dem Vnblikum gegenüber keinerlei BernntMortnng. Tlientev. Sonntag, den 15. April. Sreie Volksbühne. Carl Welh- Theater. 4. Abteilung(braune Karten): Die Neuvermählten. Di« sittliche Forderung. Ans. 2�/, Uhr. Montag: 5. Abteilung(gelbe Karten) Dieselbe Borstcllung. Opernhaus. Der Freischlilz. Ansang 7V- Nhr. Montag: Figaros Hochzeit. Dienstag: Die Beichte. roten Faust. Ansang Die Schuhe. Tchanspiclhans 7V- Uhr. Montag: Der Eisenzahn. Dienstag: Cosi fan tutte. Neneö Opern- Theater(Kroll). Die Tochter des Erasmus. An- fang 7V2 Uhr. Tcntsches. Winterschlaf. Hitrauf: Paracelsus. Ansang?>/, Uhr. Nachm. LV, Uhr: Winterschlaf. Montag: Der Probelandidat. Anfang v'/j Uhr. Nachm. 2Vj Uhr: Kollege Crampton. Dienstag: Die Weber. Anfang fang 7-/2 Uhr. Nachm. 2Vj Uhr: Die versunkene Glocke. Lessing. Nora. Anfang 7»/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Als ich wieder- laut... Montag: Cyprienne. Ans. 7l/,Uhr Nachm. 3 Uhr: Im weißen NStzl. Dienstag: Nora. Berliner. Der Hüttendesttzer. An- fang 7l/2Uhr. Nachm. 2'/, Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Montag: Uebcr uitsre Kraft. Nachm. 2Vj Uhr: Wilhelm Test. DicnStaa: Feodora. Renrö. Frau Sonne. Hierauf: Im Exil. Anfang 7>/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Sonntag. Montag, Dienstag: Hofgunst. Montag: Frau Sonne. Hierauf: Im Exil. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. vicsidcnz. Die Dame von Maxim Anfang 7i/j Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Schlafwagen- Controlcur. Montag: Die Dame von Maxim. Nachm. 3 Uhr: Busch und Reichen- dach. Dienstag: Die Dame von Marim. Nachm. 3 Uhr: Jugend. Bürsten. Der Bettclstudent/ Anfang 7-/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Troubadour. Montag: Der Bettelstudent. Nachm. 3 Uhr: Der Waffenschmied. Dienstag: Die Jüdin. Schiller. Macbeth. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Provcpfcil. Montag: Gebildete Menschen. Nachni. 3 Uhr: Brand. Dienstag: Macbeth. Thalia. Im Himmelhof. Anfang 7'/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Borstcllung. Luise». Ein Sensalionsroman. An- sang 8 Uhr. Nachm. 2-/, Uhr: Faust. Montag: Ein Seniationöroman. Nachm. 3 Uhr: Othello. Dienstag: Ein Scnsationsroman. Nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbefltzer. Central. Berlin nach Elf. Ansang 7'/- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Bettelstudent. Montag: Berlin nach Elf. Nachm. 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. - DieuStag: Berlin nach Elf. Nachm. 3 Uhr: Die Fledermaus. Belle-Zllltanre.§ 184. Anfang 8 Nhr. Montag und Dienstag: Dieselbe Borstellung. Carl Weist. Der Minenkönig von Transvaal. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Nachm. 3 Uhr: Lenore, die GrabeS- braut. Victoria. Die CirkuS-Fee. Vorher: Anfang 8 Uhr. Nachm. 3Vi Uhr: Der Fabrikant. Montag: Die Cirkus-Fce. Nachm. 3V2 Uhr: Ter Fabrikant. Friedrich- WllhclnistädtischeS. Meyer auf der Pariser Welt-llus- siellung. Anfang 8 Uhr. Nachul. 4 Uhr: Der Hüttcnbesitzer. Montag: Meyer aus der Pariser Welt-Ausslellung. Nachm. 4 Uhr: Der Trompeter von Säkkingcn. Dienstag: Meyer auf der Pariser Welt-AuSstellung. Mctropol. Specialilätenvorflellnng. Die verkehrte Welt. Anfang 8 Nhr. Montag und Dienstag: Dieselbe Vorstellung. SIPollo. Specialiliiten- Vorstellung. J»t Reiche deö Jndra. Ansang 8 Uhr. Palast. SpecialitSte»- Vorstellung. Die neue Herrin. Ansang 7Vz Uhr. Meichohallen. Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Passage> Panoptiknn«. Special!- lislen-Vorstestung. Urania. Jnvalidenstr. 57/02. Täglich abends von 5—10 Uhr: Sternwarte. Tanbenstrasje 4.8/49, Abends 8 Uhr(im Theatersaal):„Von den Alpen zum Vesuv." Im Hörsaal:„Die Boeren- Republiken". Momag:„Von den Alpen zum Vesuv". Dienstag: Dasselbe. Hörsaal: „Die Boeren-Republiken". Nachm. 5 Uhr:„Von den Alpen zum Vesuv".(Ermäßigte Preise.) Ges-llschaftshaus Swinemiinderstr. Säle 160-800 Personen fastend, zu Versammlungen und Festlichkeiten zu vergeben. Üttbner. ilObSL" SWttÄjM' (Wallner-Theatcr). Sonntag, nachmittags 3 Uhr: (1. Feiertag.) vvr- Probepreil. Lustspiel in 4 Alten von Oskar Blumenthal. Sonntag, abends 8 Uhr: Zl»odvtl». Trauerspiel in 6 Aufzügen von William Shakespeare. Montag, nachmittags 3 Uhr: (2. Feiertag.) Bi-aml. Montag, abends 8 Uhr: Gebildete Moimchcii. Dienstag, abends 8 Uhr: ZlaebetI». (Emfi'al C Ijvnf cv Direktion: Joe Ferenczy. Sonntagnachm. 3 Uhr zu halbenPreisen Der Vettclstndcnt. Abends 7Vz Uhr: BvHin nach Elf. Große AusstattungSpostc mit Gesang und Tanz von G. Okonkowski und E. Sondermann. Mustk von Fr. Wagner. Montag und folgend« Tag«: Berlin nach Elf. Montaaiiachmtttag zu halben Preisen Der Zigeunerbaron. DienStagnachmittag zu halben Preisen Tie Fledermaus. Thalia-Theater. Tel. AmtIVa 6440. Dretdeneralr. 72/73. Sonntag, Montag, Dienstag: (Ostcrseiertage.) Trittletzte SonntagS-Anfsühiung vor der Abreife nach Hamburg. Täglich: Riesculacherfolg! Im Himmelhof. Thouias, Thielscher, Helmerdtng, Junkeruiaun, Paulinüllcr. Anfang 7»/z Uhr. Mlttivoch und folgende Tage: Im Himmelhof. Nochmittags LV2 Uhr: Zu ermäßigten Preisen. s' Nullerl. Vollsstück mit Gesang in 5 Aufzügen von Karl Marre. Vietym-Ttater. Alexanderplatz. Sonntag und Montag, abends 3 Uhr: Die Cirkns-Fee. Große Operette. 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Da hat uns nun die Maggi- Gesellschaft eine Reihe neuer Produkte beschert, welche in der That hervorragende Güte mit aussergewöhnlicher Billigkeit vereinigen. Man kann daher ruhig sagen; Jede Hausfrau, die ihren Mann, ihre Kinder durch schmackhafte und gesunde Speisen erfreuen und gleichzeitig mit dem Haushaltungsgeld sparen will, verwende die 81�11001-Produkte. Zenith-Cigaretten sind nach dem owstirnmigoll ürteU«OJer Sachverständigen erstklassiges Fabrikat! Reell und Billig! Artus reine, wohlbekömmliohe Getränke.— Jedo mit Gebrauchsvorsohrift versehene Originalflasche siebt 4©, 5©,«©, 7» nnd loo-- Pfennig. 4.— Gegenüber der Markthalle. jjj Einzig echt nur in Original- Kur mit diesen Merk- flaschon mit eingeprägter Firma malen versehene * und dem Namenszug in grüner w Fabrikate sind von mir w Schrift. O garantiert. Ein glänzender Beweis für die beispiellosen Erfolge. Ausführliche Prospekte mit wertvollen Rezepten gratis und franko. 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Bezüglich der Bautischler, welche Mirch die Erhöhung der Maschinenpreisc leiden, da einzelne Meister die Vereinbarungen des Gewerbegerichts nicht halten, sind Be- sprechnngen im Gange nnd wird eine demnächst statt- findende Bautischler- Versammlung dazu Stellung nehmen. AufgefordeU wurde, dag alle sich ergebenden Differenzen sofort dein Bureau im Gcwerkschastshaus gemeldet werden müssen, damit Verhandlungen angebahnt werden können. Beim zweite» Punkt der Tagesordnung: Stellung zum 1. Mai. zeigte sich, dast alle Redner für stritte Arbeitsruhe sind und wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Bersanimlnng ist der Ansicht, dast nur durch strikte ArbeitSruhe die Feier des 1. Mai würdig gestaltet wird. Es ist sonnt Pflicht jedes einzelnen Vertrauensmanns, darauf hinzuwirken. dast der 1. Mai gefeiert ivird. Die Kollege» werden ersucht, diesem Beschlnh nachzukömmcn," Beschlossen wurde ferner, von jedem Mitglied bis auf weiteres 60 Pf, Ertrabeitrag zn erheben. Dann wurde bekannt genincht, dast an» 24. April bei Keller, Koppcnstrahe, die Wahl des Gesellen- ansschuffes zur Zivangsinnnng stattfindet. Der Verband der Stock-«ud Schirmarbciter nahm am i>. April Stellung zum 1. Mai. Es wurde allgemein gewünscht, dast in allen Werkstätten das Verlangen auf völlige Arbcitsrnhe gestellt würde. Sodann berichtet der Kassierer, dast im letzten Vierteljahr eine Einnahme von 7ö7,04 M. und eine Ausgabe von 335,55 M. zu verzeichnen ist. Mit einem vorhandenen Bestand beträgt das Gesamt- vermögen 541,31 M. Der Ueberschnst vom Maskenball belänft sich auf 120,44 M. Ter Verein der Plätterimie» hielt am 4. April seine Mit- gliederversammlung in Feinds Lokal, Weinstr. 11, ab. Es ivurde die Vierteljahrsabrcchnnng verlesen, die eine Einnahme von 300,56 M, und eine Ausgabe von 76,17 M. ergab. Sodann gelangten die nach Einführung der Plättmaschinen bei der Firma Hanunerstein u, Hirsch- berg gemachten Lohnabzüge zur Besprechung. Die� Versammlung nahm folgende Resolution aü: Die Versammlung erklärt sich im Fall eines Streiks bei der Firma Hammerstcin u. Hirschbcrg mit den Arbeiterinnen solidarisch. Es darf unter keinen Ilmständcn den Plätterinnen infolge der Plätwmschine irgend ein Abzug gemacht werden. Die Versammlung fordert sämtliche Plätter-, Stärker- und Wäscherinnen auf, sich der'Vereinigung anznschliestcn. Der Verein der Lithographen, Stcindrncker und Bcrufs- genosseu sZahlstelle III) hielt seine Generalversammlung am 10. April ab. Die Versammlung bewilligte für die ausständigen Schneider 25 M. und beschlost, die Maifeier wie in den vergangenen Jahren im Anschlnst an die andren Zahlstellen zn begehen. Dübelt gab hierauf den Kassenbericht, der in Eimiahme und Ausgabe mit 1442,60 M. balanciert. Der Mitgliederbestand beträgt 317. Zuni Mitglied des Hauptvorstands wählte man Pätzold. Hierauf hielt Tischendörfer einen Vortrag über Bürgertum und Geiverkschaft. Redner vertritt den Standpunkt unpolitischer Gewerkschaften. Dübelt trat den Ausführungen entgegen und betonte, dast Bürgertum und Kapital bis zu einem geivisscn Grade ein und derselbe Begriff seien. Die Gewerkschaften seien aus eigner Kraft groß und stark geworden. Beamte und Kleinbürgertum hätten kein Interesse für die Bestrebungen der Gewerkschaften. Der alte Weg sei auch der neue. Da Socialpolitik nnd Geiverkschaftsbestrebnngcn sich uaturgeniäst begegneten, so sei es nicht immer möglich, politische Erörterungen nach' dieser Seite hin aus den Geiverkschafteu fern- zuhalten. Bei den bestehenden Eciverkschaftcn werde niemand nach seiner politischen und religiösen Anschaunng gefragt, Bedingung ist, dast er die Ziele der elfteren anerkennt. Der Verband der Kürschner hatte am 6. April eine Ber- sammlnng anbcramnt. in der nach dem Bericht über die Thniigkeit des Vereins im verflossenen Jahr der Kassenbericht zur Verlesung gelangte. An Einnahmen waren 133.20 M. und an Ausgaben 58,95' M. zu verzeichnen. Die Neuwahl des Vorstands ergab folgen- des Resultat: Rcgge erster, Beschorncr zweiter Vorsitzeiwer; Diamant erster, Rüst zweiter Schriftführer; Michaelis erster. Keller zweiter Kassierer. Der Centralverband der Töpfer tagte am 10. April. Der Kassierer gab den Kassenbericht vom ersten Quartal, der eine Ein- nähme inkl. des Bestands vom vorigen Quartal von 3121,17 M. und eine Ausgabe von 2766,54 M. auswies. Zum Lokalfonds be- trug die Einnahme 3255,61 M., die Ausgabe 2189,90 M. An den Centralvorstand wurden insgesamt abgeführt 2700 M.. an andre im Streik befindliche Gewerkschaften 600 M. Vom Winter- Vergnügen verbleibt ein Ueberschnst von 18,40 M. Sodann sprach der Reichstagsabgeordnete Rosenow über: Kleiiihandwerks-Bestrebnngen, Zwaiigsinnmig und die Lage in unserm Beruf. Zu den trefflichen Ausführungen des Referenten bekundete die Versammlung in einer Resölntion ihr Einverständnis, und verpflichteten sich die Anwesenden, bei der Wahl zum Gesellenausschust für die am 1. Mai in Kraft tretende Zwangsinnuug den von der Versammlung aufgestellten Kandidaten ihre Stimme zu geben. Nach Erledigung einiger Vercinsangelegenheiten erfolgte der Schlutz der Versammlung. Rixdorf. In der Versammlung des Gewcrkschaftskartclls, welche am 12. d. M. stattfand, wurde beschlossen, von dem Maimarken- System Abstand zu nehmen, dagegen soll den feiernden Genossen beim Versammlungsbesuch der Verbandsstempel in das Mitgliedsbuch eingedrückt werden. Des weiteren Ivurde über Streiks berichtet und dabei ins- besondere die Einigungsbedingungcn der Tischler von verschiedenen Rednern einer herben Kritik unterzogen. Sodann berichtete der Vorsitzende über die Gewerbegerichtsbeisitzcr- Konferenz zu Leipzig und gelangte dann der Kassenbericht vom letzten Quartal zur Ver- Icsung. Rixdorf. Am Karfreitag hatten die Vertrauensmänner der Arbeitökutscher und Arbeiter eine Besprechung, i» der folgende Be- schlüsse gefnstt wnrden: Die Lohnforderung für Kutscher onf 80 M., für Arbeiter auf 27 M. pro Woche zu stellen. Die Er- höhungen erfolgten, weil die Herren guhrnnternehmer sich zn keiner gütlichen Regelung der Lohnfordernngen herbeilassen wollten, vielmehr ihr gegebenes Versprechen, mit der Lohnkommission zu ver- handeln, gebrochen haben. Die Lohnkvmmissio», ivelche bemüht ivar, die Differenzen ans gütlichem Wege zn regeln, versuchte an, Mittwoch, den 11. d. M., in der Fuhrhcrrn-Versammlung auch das Wort zur Diskussion zu erlangen, jedoch ivurde niemand von den Arbeitern hineingelassen. Ein Lohnkommissione-Mitglied machte einen Fuhrunternehmer darauf anfmerkjam, dast die Herren Unternehmer doch ihr gegebenes Versprechen halten müstten. Hierauf ivurde die Antwort crieilt: Es ist beschlossen worden, mit den Kutschern einzeln zu verhandeln. Herr Paul Liick hat bereits am Tage»ach der Versammlung zwei Kutscher entlassen niit der Begriindnng:»Geht nur wieder zur Versammlung, ich brancbe Euch nicht." Das kennzeickmet diesen Herrn genügend, die Kutscher werden für die Folge lvissen, wie sie sich solchem Herrn gegenüber zn verhalten haben. Es Ivurde dann einstimmig beschlossen, in der allerkürzesten Zeit eine öffentliche Versammlung einzuberufen, um die nötigen Vor- bereitlingen zu einein Streik zn treffen. Johannisthal. Der Socialdcmokratische Verein für Johannis- thal und Nieder-Schöneweide nahm am 12. April den Bericht über die Thätigkeit des Vereins im verflossenen Jahr entgegen. Danach fanden 19 Versammlungen und 8 Aorstandssitzungen stqtt. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 52,94 M. und eine Ausgabe von 25,20 M. ans. Die hierauf vorgenommene Neuwahl des Vor- stands ergab folgendes Resultat: Claus, Vorsitzender; Swiatkowsky, Schriftführer: Schirmhoff, Kassierer. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 15. klpril(1. Osterfeier- tag), vormittags 10V. Uhr, im oberen Saal des„Englischen Gartens", Alexanderstrabe 2Ta: Versammlung. Fräul. Ida Altmann:„Festrede".— Montag, den 16. April(2. Osterfeiertag), vormittags Iri/. Uhr ebendaselbst; Versammlung. Herr Dr. Bruno Wille:„Festrede". G-iste, Damen und Herren sehr willkommen._ Briefkasten der Redaktion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte Abonnementsautttling beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant- wartet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. Die juristische SPrechstnude findet Montag. Dienstag„nd Freitag von 7-9 Uhr abends statt. M. bei 11. Wenden Sie sich an den Parteivorstand, wo die Liste zusammengestellt wird. Losung. Gering ausgebildeter Plattsub beiderseits. Gut geheilter jknochenbrncli. Knochige Auswüchse, die die Bewegung nicht hindern. Ein- zclne Krampfadern ohne Knoten. Sehschärfe normal. N. R. 13. Anlage zum Leistenbruch auf der linken Seite. Breit- fübigkeit. Nicht auisollende Erhöhung der rechten Hüfte. Sehschärfe normal. Schwach gebaute Brust. K. K. Ober-, Mittel- und Niederschlesien. Breslau zu Mittelschlesicn. 91. B. 15. 1. Die deutsche Botkspartei, die in der Hauptwahl ebenso viel Stimme» erhielt wie die socialdemulratiiche Partei und durch dos Los in die Stichwahl inil dem Nationalliberalen kam, siegte mit 12334 Stimmen gegen 8848 nattonalllberalc. Der Abgeordnete ist der Genictuderat Brodbeck in Ebltngcn. 2. 4 M. $ Hnlbcrsiadt: 1. Abzugsfähig sind nur die Kosten der Erhaltung (also nicht der ersten Anschaffung) von Werkzeug und Arbeitskleidung, sowie die Aufwendungen stlr Fachlitteratur. 2. Die Frage, in tvclchcm Bundcs- stoot die meisten und in welchem die wenigsten Einkouimeusteuern erhoben »erden, läßt sich, wenn überhaupt, jedenfalls nicht im Briestasten beant- Worte». Dazu gehört eine gründliche Abhandlmig. Schriften derart,>vie Sic cS wünschen, gtcbt es nur in den einzelnen Bundesstaaten über die Einzelgesetzc. Für Preußen wird Ihnen jede dortige Buchhandlung eine solche besorge».— H. St. 77. 1. Unverständlich, da man sich zur Aufnahme der AnstrittScrrlärmig ohne Borladung aus der Gcrichtoschreibcrci cinznftndc» hat. Zur Legitimation dürfte Militärpah oder Miels- und Stcuerquittung, Versicherungskarte oder einige niit der eignen Adresse ver- sehcne Briefe nusreichen. 2. Zur Beantwortung im Bricftasten ungeeignet. 3. Bei Wochen- und Tagelolm: nein, bei Stundenlohn: ja.— W. S. 100. 1. Ja, er haftet. 2. Am besten beantragen Sic Beweisaufnahme aus Grund des tz 488 der Cioilproceh Ordnung. Der Antrag ist in der Gerichts- ichretderct des Amtsgerichts I, Neue Friedrichstraste, zu stellen.— Gütz. Stirderwaltftr. 3». Ja.- H. B. i.00. Der Anspruch besteht noch. Er ist inncrhalbkeineö Jahrs»oS> dem Tode bei dem Magistrat geltend zu machen. Marbach. Prenstischc Lotterie. 91. W. 63. Sehschärfe normal Kleiner Fehler. Allgemeine Körper- schwäche. Zeitig untauglich. Ncneb Königliches Opcrii-Thratcr. Somitäg: Die Tochter des Erasmus. Montag: Die Fledermaus. DlenStag: Die Tochter des Erasmus. Mltkwochnachmittag(Schükervorstellmig): Wilhelm Tcll. Nächsten Sonntag: Die Fledermaus.— Rcfsbcnz-Dhentrr. Alle Abende: Die Dame von Maxim.— Central- Theatür. Alle Abende: Berlin nach Elf.— Thalia-Dheatct. Alle Abende: Im Hümnelhof..— Carl Wvitz- Theater. Alle Abende: Der Minenkönig.— Mrtropol- Theater. Alle Abende: Die verkehrte Welt.— Belle-RNiancc-Dhcater. Alle Abende: 5 184. Npvllv Theater. Alle Abende: Im Reiche dcS Jndra. Infolge seiner eigenartige«« patentierte» Hcrstell>:ngsweise besitzt KttthrelnerS Malzkaffcc in hohem Grade Geschmack nnd Aroma des Bohnenkaffees und ist für diesen entschieden der beste Ersatz bczw. Zusatz. ütVÄiWiWIiikWIiiMLhIiMMWIWMMMlUMDjWWUMWh � Engelswerk C. W. Engels in Focfco 31, b. Solingen. 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Die XI Kommission dc-Z Hnuscs der Abgeordnctcil kjat Zu dem§ 1 des Gcsctzciitwurfs über die Besteuerung der Warenhäuser die Zusatzbestimmnug beschlossen, ivonach KleinhaudelSVetriebe,' welche drei oder mehr Betriebsstätten lFitialcnj besitze», der Bestimnumg des öLareuhausstencr- Gesetzes unterliegen sollen, auch wenn ihr Geschäftsbetrieb nur eine Warcugrnppe»nifatzt � Diese Zusatzbestiminung ist aber mit der ratio und der Tendenz der auf eine Besteuerung der Warmhäuscr hinzielenden GcsctzcSvorlage uuvcrciubar; denn nach dieser Bestimmung würde ja auch der vervielfältigte Kleinbetrieb iiinfntzsteucrpflichtig werden imd damit das Mesetz den Spccialcharaktcr als Warenhanöstener- Gesetz ein- büßen. Die Bezeichnung:„Gesetz betreffend die JÄarcn- hauSstcuer" wäre dann nicht mehr an ihrem Platze: denn die dein Gesetzentwurf bcigcgebene Begründung versteht unter Warenhaus den auf die verschicdcnartigstcu Brauchen sich erstreckenden Großbetrieb iin Detailhandel, Nur den große» Warenhäusern ist die Tondcrbcstcucrung zugedacht; an eine Bekämpfung der Spccialgcschäfte denkt niemand, wie die Motive versichern. Mit vollem Recht wird daselbst in schlüssiger Beweis- fübrung darauf hingewiesen, daß hauptsächlich der centra- lificrtc Großbetrieb im Kleinhandel mit seinen zahl- reiche» Artikel» und seiner über das liebliche hinaus- gehenden Vielseitigkeit die wirtschaftliche Gefahr für die Existenz und Eutivickelungssähigkeit der kleinen und mittleren Detailgeschäfte in sich birgt. Das in seiner Ausdehnung »nd äußerlichen Beschaffenheit mit den Berkaufsstärteil seiner nachbarlichen llnigebung auf gleicher Linie stehende Filialgcschäst eines decentralisierten, auf eine Special- Marengruppe sich beschränkenden Kleinhandels- bctricbcs ermangelt durchweg der Voraussetzungen, tvelchc nach der Ansicht der Königl. Staatsrcgicrnng in dem von den kleinen und mittleren Dctailgcschästen mit den große» Warenhäusern zu führenden Konkurrenzkampf zur allmählichen Verkümmerung der erstcren durch Entziehung eines Teils der Kundschaft und Preisdrückerei führen müssen, Man Ivolle zunächst geneigtcst bedenken, ivelche ungc- heitre Anziehungskraft schon der äußere Eindruck eines imposanten Warenhauses— vermehrt durch die Bequem- lichkeit, die verschiedenartigsten Einkäufe i» einem Geschäft bewerkstelligen zu können— auf das kaufende Publikum auszuüben pflegt. Ferner kann bei dem vervielfältigten Kleinhandelsbetriebe von der in den Motiven geschilderten lukrativeren Ausnutzung deS Personals und der bis in die obersten� Etagen eines Kolossalbaues hinaufgehenden Geschäftsräume, wie sie nur der konzentrierte Großbetrieb der Warenhäuser ermöglicht, keine Rede sei». Das System der Unterdrückung der Konkurrenz durch Preisschleuderei, eines der wirksamsten Mittel der großen Warenhäuser im Konkurrenzkampf niit den Klein- und Mittelbetrieben, wird in einem lvirklichcu Specialgcschäfto niemals Ramn gewinnen können: denn ihm ist die Möglichkeit nicht ge- geben, einzelne Waren- Gruppen ohne Verdienst, ja mit Verlust abzugeben und sich dafür durch den Verdienst einer andren Gruppe zu erholen. Die Königl. Ttaatörcgiernng hält es in den Moliveu mit den Gruiidsätzeu einer ratioucllcu Steuerpolitik für unvereinbar, den Kreis der Steuerpflichtigen zu er- w e i t e r n, und giebt anschließend daran die feste und bündige Erklärung ab, daß für eine Verschärfung des Enttvnrfs in wcscntlicheu Punkte» auf ihre Zustimmung nicht zu rechnen sein würde. Die Heranziehung der großen Spccialgcschäftc zur Sondcrbcsteuerung involviert nicht mehr eine bloße Verschärfung, sondern geradezu eine völlige II mg estal tu ii g des Entwurfs, eine direkte Berlengnung des ihn tragenden Grund-- gedankens. Welche Konsequenzen die dahingehende Erweiterung des Entwurfs mit sich führen ivürde, ivird in der Begründung S. 17 überzeugend nächgewiefeil; als letzte Folge würde sicki die Entwicklung aller große» Specialgeschäste zn Warenhäuser» ganz naturgemäß ergeben, mitbin der zn bekämpfende Uebelstand nur an Kraft«nd Ausdehnung gewinne». Die RegiernngS-Porlagc lehnt es nachdrücklichst ab. daß eine Prohibitivstcner eingeführt Ivcrden soll. Aber die Ausdehnung, ivelche die XIV, Kommission unter Ber- keimuiig der für die RegicrungS-Vorlagc Iciteudcii Grund- fätzc dem Gesetz zu geben sucht, indem sie eine Filialen- stener schaffen will, muß die Wirkung haben, daß einc solche nicht gewollte Prohibitivstcner geschaffen wird. Für unser Special- Geschäft aber und jedenfalls für eine große Reihe ähnlicher Special-Haudelsbetriebe ivürde diese Filialenstcner geradezu einen Eingriff in wohlerworbene Eigentumsrechte bedeuten. Wir betreiben 3 Special-Geschäste ausschließlich hier in Verlin. Das dritte und kleinste dieser Geschäfte müßte anfgegebeu werden, da der in diesem Filial-Geschäftc er- zielte Verdienst bei weitem nicht die Höhe der von uns aufzubringenden Umsatzsteuer erreichen würde. Hier läge eine direkte Vermögens-Einzichnng vor. Wer ersetzt uns die mit der Beseitigung dieses- Geschäftes verbundene» Verluste? Wer übernimmt für uns die auf etwa 1t Jahre laufende Mictövcrtrags- Per- pflichtung? Gegenüber dem mögkicben Einwände, daß ein Verkauf dieses Geschäftes uns vor Vertust belvahren könnte, weisen wir auf die seststeheudc Erfahrung hin, daß ein derartiger Geschästs-Verkauf sich auch im g I ü ck l i ch st e n Falle nur mit den größte« Opfern realisiere» läßt und ein Kaufpreis über die Hälfte des thatsächlichcu Geschäfts- Wertes unter allen Umständen nicht erzielt ivird, ivobei aber in unserem Falle die Schnelligkeit des Eintretens des iienen Gesetzeszustandes den Verlust naturgemäß noch erhöhen»u'ißte. Und nun kommt noch hinzu, daß in diesen« 3tcn Geschäfte das moralische und intellektuelle Ergebnis nnfrer rastlosen 10 jährigen Thätigteit steckt, ivclckics uns so mit einem Federstriche konfisciert werden würde. Weiter aber ist darauf hinzuweisen, daß auch für An- gestellte und Arbeiter sich eine Gefährdung und Per- Minderung der Arbeits- und Verdienst-Gelegenheit aus dieser Zerstörung des dritte» Geschäfts notivendig ergeben müßte. Jedenfalls würde, wenn schon der principielle Stand- Punkt des Gesetzes verlassen iverdcu soll, es vor allem ein Gebot der Gerechtigkeit sein, die cciitralisicrtcn Special- großbetriebe zu einer Umsatzsteuer heranzuziehen. Wenn auf der einen Seite jemand berechtigt ist, viele Millionen in einem großen Spccial-Gcschäft umsetzen zu lassen, warum will man eS uns dann verwehren, an einer Stelle etiva ILll voo Mark umzusetzen? Vergebens suchen wir in diesem Gedanken einen Anöflnß gerechter Gesinnung. Wir köimc» nicht erkennen, woraus sich ein Recht der Bestrafung herleiten sollte dafür, daß wir n n s e r R i s i k o und unsren«rbeitsfleiß statt auf eine oder zwei Vcrkaiifssiättcu aus deren drei verteilen. Sicherlich ergeben sich viel größere Benachteiligungen weiterer, wirk- schaftlich schwacher Kreise aus dem Vorhandensein der init ungeheueren Umsätzen arbeitenden Tpccialgroßbctricbo des Einzelhandels in einer Branche, als aus den schlichten Filialen eines mittleren Waren-Geschästs. Wie ließe es sich rechtfertigen, wenn jetzt mehrere im Eni- stehen begriffene große Special- Geschäfte, von denen eines allein ca. 175 000 Mark Miete zahlt, von der Umsatzsleuer befreit vleiben, während man mittlere und kleinere Betriebe bloß darum bis zu einem ihre Existenz- fähigkcit vernichtenden Betrage besteuern will. weil sie ebcil Zweiggeschäfte darstellen? Will man aber wirklich die M a s s e n h a f t i g k e i t in der Enttvicklnng der im Besitz einer Firma befindlichen Verkaufsstätten als einen Schaden ansehen, dem mit einer hohe» Steuer zu Leibe gegangen werden muß, dann sind jedenfalls drei oder vier' Vcrkaufsgeschäfte einer Firma. also nur ganz wenige Filiale» nicht in dieser Richtung zu verfolgen. Es ivürde sich in diesem Falle vielmehr höchstens rechtfertigen, ivenn man die Anlvendnng dieses Gesetzes bei Betrieben von 23 oder 33 und mehr Zweig» geschäften beginiien ließe. Es ist übrigens in keiner W e i s e e r s i ch t l i ch, weshalb derartige Steuer-Maßregeln auf Inhaber von 3 und mehr Waren-Special-Geschäften bcschränktivcrden sollten, während d o ch a n d r e Be t r i e b e z» Erwerbszwecken von der Steuer befreit sein würden. Wir erinnern in dieser Beziehung an die Besitzer von 3 Bankgeschäfte», 3 landwirtschaftliche» Betrieben, 3 Fabriken, 3 Brauereien, 3 Hotels, 3 Restaurants, 3 Theatern, 3 Niederlaffuuge» von VcrsichcrnngS-Gescllschaftcn usw.«sw. Wir glauben ausreichend dargethan zu haben, daß die geplante Filialensteuer den I n t e n t i o n e n d e r König- iicheu Staatsrcgier un g nicht entspricht und mit der Tendenz des Warenhausstcner-GesetzcS nicht zu vereine» ist, daß sie ferner unbillig wäre und geeignet sein ivürde, gerade mittlere und kleinere Betriebe zu zerstören, redlich erworbenes Eigentum zn vernichten, die Futcresseii zahlreicher Arbeitnehmer zu gefährden, und, statt eine dem Mittelstand freundliche Stimmung zu zeigen, geradezu mittclstandsfeindlich wirken müßte. AuS allen diesen Gründen bitten wir ehrerbietigst und crgcbenst das Hohe Haus der Abgeordnete», dem Autrag aus Einführung einer Filialciisteucr die Zustimmung versagen zu wollen. In größter Hochachtung Vaev Sohn, Herren-«nd Knaben-Bekleidung. Berlin, den 23. März 1933. s Pfennig. Jedes Wort. Nur das erst* Wort fett. Worte mit mehr als 16 Buchstaben zählen doppelt. fCleine ßnzeigen. Anzpivm"'r ä'0""o4''fe tfufnnier toerden in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition Beuthstr.3 bis 4- Uhr angenommen. i Verkäufe. Restauration mit kleinem Saal und Garten, gutgehend. Norden Berlins, sofort zu verlaufen. Näheres bei Fritz Waschofski. Milchgeschäft, Antoustr. 34. Ein gangbares Restaurant umständehalber zu verkaufen. H. Sckml-, Schwarvkopssstratze lö.- stS4» 8VV3 Quadralineter glatter Putz (Fabrikgebäude) auszerbalb zu vcr- geben. Meuze, Neueudorf beiPotsdam. (Sardinenhaus Grobe Franksnrter strasze 9, parterre 4476 Damenkonfektion, Knabenaiizüge, Hälftepreis, Stralauerstraße 32. (Malkenmarkt.) 3856 Elegante vorjährige Herrenhosen feinste Stoffe 8—12 Mark. Verkauf Sonnabend und Sonntag. 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