«rscheint in Lti?,!, litlwoch, Friitzg, S o»»t«g. AtonoiMlalsVrciS str zanz Dnit�chland 1 Mark 60 Ps. «co Quartal. Monats■ Abonnements H U Pf. Mekcn bei allen deutschen Postanfialten auf den 2. und Z. Monat, und aus den ».Monat besonders an>enoimnen. Jnsernte tfb. Versammlungen vro Petitteile 1» Pf., Mo. Prrvarangelegenheiten und Feste pro Petitzeile»i> Pf. Vestellungen nthmcy an alle Postanstaltcn und Buchhand» lungen des In- und Auslande«. Filial- Er«editionen. Niio-Porl: Mr. Franz Ionjcher, 177 Elm Str. corner Broome.— Mr. Herm. Ridsche, MJi Weot— 87 Str. Philadelphia: P. Haß. WS North Z-a Straot. I. Poll, N. E. box Charlotte k George Str. Hoboleu N. J.; F.«. Sorge, 21» Waah- ington Str. Thicago: A. fianfctmaim, 74 Clybeurne«t». San Frsujisco: F.Tntz. IlSO'Farrell Str. London V.: Wilh. Hosfmanu, 87 X Lrin- eeoo Str. Leiceoter Squ. Kentrat Grgan der Soziatdemokratie Deutscßtands. Nr. 64. Sonntag, 2. Juni. 1878. Zur Beachtung. Die nächsten Mittwoch erscheinende Nr. 65 soll auch als Agitationsnummer weiteste Verbreitung sin- den, worauf wir die Parteigenossen allerorts auf- merksam machen. Wir liefern von dieser Agitations- Nummer 100 Exemplare zu 1,50 Mark, jede weiteren 100 Exem- place zu 1 Mark unfrankirt. Der Betrag ist bei Bestellung einzusenden. Die Redaktisn u. Erpedition des„Vorwärts". Ein beherzigenswerther Vorschlag. In unserer vorigen Nummer erwähnten wir, daß der Lon- doner Gewerkschaftsrath— eine der einflußreichsten Arbeiter- organisationen Englands— den Beschluß gefaßt hat, dahin zu wirken, � daß in Paris eine Zusammenkunft von Vertretern des Gewerkschaftswesens aller Länder, anläßlich des Besuches der Weltausstellung, veranstaltet wird. In Anbetracht seiner Wich- tigkeit bringen wir den Beschluß hier nochmals in seinem vollen Wortlaut zum Abdruck: „Der Gewerkschaftsrath ernennt eine Deputation, welche zu- sammen mit Deputationen der übrigen Gewerkschaftskörper Eng- lands während der Dauer der Weltausstellung Paris besucht, zu dem Zweck, unter den Arbeitern Frankreichs und anderer Länder, die Grundsätze des Gewerkschaftswesens zu verbreiten und freundschaftliche Beziehungen mit ihnen anzuknüpfen." Einem der Redakteure des„Vorwärts" ist in dieser Sache nachstehender Brief zugegangen: Lionäon Trades' Council (Londoner Gewerkschasts-Rath) 13 Beaufort Buildings, Strand W. C. EttL' 25. Mai 1678. Hrn. W. Li-dkiiecht. Werthcr Herr! Wir erlauben uns, Ihnen ein Eirkular zu überschicken, wel- ches unser Gewerkschaftsrath an die Gewerkschafts-Organisationen Englands gerichtet hat. Sie werden aus demselben ersehen, daß wir eine Zusammenkunft von Arbeitern, welche ähnliche Gewerk- schafts Organisationen in den verschiedenen Ländern vertreten, anläßlich der Weltausstellung in Paris herbeizuführen beabsichtigen. Es wäre uns lieb, wenn Sie uns durch Veröffentlichung dieser Zuschrift oder auf sonstige Weise in unserem Vorhaben unterstützen und das Resultat uns mittheilen wollten. Da viele Arbeiter während der Ausstellung Paris besuchen werden, so glauben wir, daß dies die beste Gelegenheit sein wird, einen persönlichen Meinungsaustausch herbeizuführen und den Grund zu einem künstigen Verkehr zwischen sämmtlichen Arbeiter- organiiationen zu legen, was unserer festen Ueberzeugung nach der industriellen Bevölkerung der Welt von Vortheil wäre(lax the basis of future intercommunication with all labour orga- nisations, which we trust might prove beneficial to the in- dustrial populations of the world). Anserer Ansicht nach wäre Ende September die geeignetste Zeit für die Reise nach Paris, aber wir würden Ihnen für jeden andere» Vorschlag, den Sie uns in Bezug hierauf wie auf den ganzen Plan machen zu wollen die Güte hätten, sehr dank- bar sein. Im Namen und Auftrag des Londoner Gewerkschaftsraths treu der Ihre George Shipton Sekretär.*) Der Brief bedarf keines Eommentars, ebenso wenig wie der Borschlag des Londoner Gewerkschaftsraths. Wir selbst können in der Angelegenheit nichts weiter thun. Daß �der Schritt, welcher das arbeitende Volk der Welt dem Ziel der Verbrüderung näher führt, unsere vollste Sympathie cu i,» die Leser des„Vorwärts". Möge der schöne Alchen der Londoner Gewerkschaftsrath den deutschen ��rbreitet, seine Verwirklichung finden! deuHrf..« z'u"' Wunsch legen wir die Sache in die Hand der oeutlchen Gewerkschaften. heit hatte. Kommen sie an einem Orte an, so vertheilen fie Häuser und Gehöfte zum Absuchen unter sich und beginnen dann gleichzeitig ihre Arbeit, um nach derselben sich im Wirthshause zu treffen und dort in liederlichster Weise die Beute zu verjubeln. In Städten mit einer wohlorganifirten Polizei ist diese Landplage weniger bemerkbar, aber die kleinen Städte und besonders die Dörfer leiden furchtbar darunter. Nicht allein, daß die Gaben, die täglich auf diese Weise erhoben, oft sogar auf unverschämte Art gefordert werden, sich nach und nach sum- miren und eine nicht unbedeutende Abgabe bilden, so muß jeder Besitzende auf seiner Hut sein, von diesen„Reisenden" nicht bestohlen zu werden, wozu sie jederzeit den besten Willen bezeigen. Betreten sie ein Haus und finden äugen- blicklich Niemand vor, so werden zunächst alle Thüren untersucht, ob sie zu öffnen sind, und dann ohne anzuklopfen eingetreten und nach schnell zu erfassenden und leicht zu verbergenden Ge- genständen umgesehen. Ein Glück, wenn sie bei diesen Unter- suchungen noch rechtzeitig abgefaßt werden, wo sie dann natür- lich nicht verfehlen, in kläglichem Tone die Entschuldigung vor- zubringen, ihr Klopfen sei von Niemand gehört worden:c. In neuerer Zeit scheinen diese Jndustrieritter ihr Augenmerk auf die größeren Bahnhöfe geworfen zu haben, wenigstens auf solche, wo eine polizeiliche Üeberwachung bei Ankunft und Abgang der Züge nicht stattfindet. Auf einem Ausfluge in den letzten Tagen bemerkte ich fünf bis sechs zerlumpte kräftige Gestalten im Alter von circa 20—40 Jahren auf einem solchen, die das Publikum mit einer Zudringlichkeit anbettelten, daß Viele schon deswegen gaben, um diese Quälgeister wieder loszuwerden. Unter diesen befand sich auch ein„nettes Pärchen", welches gemein- schaftlich agirte, jedenfalls in der Hoffnung, auf diese Weise leichter etwas stehlen zu können. Wenn man solches Treiben mit ansieht, fragt man sich unwillkürlich, ob man sich wirklich im lieben Deutschland befindet, da es einem fast scheinen möchte, als wäre man plötzlich in's Morgenland gerathen. Diesem lei- digen Uebelstande gegenüber wäre es gewiß angezeigt, wenn das Polizeigesetz, nach welchem Bettler und Landstreicher aufgegriffen und nach ihrem Angehörigkeitsorte dirigirt werden sollen, auf's Strengste gehandhsbt würde. Dies geschieht aber leider nur äußerst selten, und darum wächst das Uebel von Tag zu Tag, da den meisten Herumtreibern das Betteln und Stehlen bequemer und einträglicher erscheint als das Arbeiten. Aber nicht allein die Sicherheit des Eigenthums erleidet durch diese Klasse der Gesellschaft eine oft empfindliche Einbuße, sondern auch die Ge sundheit wird in hohem Grade gefährdet; da gerade durch solche herumziehende Strolche Epidemien am häufigsten verschleppt werden, wie es z. B. beim Flecktyphus zur Genüge beobachtet worden ist. Armen und Hilfsbedürftigen nach.Kräften ein Scherflein zu reichen, ist jedes guten Menschen Pflicht; Vaga- Kunden aber durch Verabreichung von Gaben an Geld oder Kleidungsstücken ihr nichtsnutziges Faullenzerleben zu ermöglichen, heißt ein großes Uebel nur noch verschlimmern und alle Maß- regeln dagegen erschweren, so daß die möglichen Folgen kaum abzusehen find. Die Behörden allein vermögen hier kaum radi- kale Hilfe zu schaffen, wenn sie von den Bewohnern von Stadt und Land nicht dadurch unterstützt werden, daß solchem herum- streifenden, arbeitsscheuen Gesindel entschieden nichts verabreicht wird. Würde dies Verfahren durchweg beobachtet, so dürfte diesen Bummlern bald genug die Ueberzeugung kommen, daß reelle Arbeit, an der es jetzt besonders auf dem Lande nicht fehlt, ihren Mann, wenn auch nicht leichter, so doch sicherer er- nährt, und wir dürfen hoffen, nach und nach von dieser höchst unangenehmen Landplage befreit zu werden. I-. 8." So der Vagabundenartikel der„Schlesischen Zeitung", der die Wahl wahrlich nicht zweifelhaft läßt, wenn man vor die Alternative gestellt würde, in die Haut eines„Vagabunden" oder in die Haut des Artikelschreibers gesteckt zu werden. Wir wollen nur eine Bemerkung uns hier erlauben. Nach des Artikelschreibers Meinung leben die„Vagabunden" herrlich und in Freuden, fie haben zu essen und zu trinken vollauf, und dennoch schleppen fie den Flecktyphus, oas ist: den Hunger typhus, ein! Ueber das Vagabundenthuu� «hnL' Artikel ö"wng" aus Camenz vom 3. Mai �,)ch� ben. der werth ist. um die niedre Gesinnung zKtt aHrÄ-N'' o*n>i9 ,i,t ift 6mit8 V!o„ übet das erschreckende Zu- � � e n ivt e 2� u m 8 in gegenwärtiger Zeit ge- fchr.eben worden, aber die Bemühungen seitens der Behörden. demselben-ntgegenzuw'rken schemen sis jetzt fast resultatlos zu fem; denn noch immer mehren sich die Schaaren der Bettler und Landstreicher m enormer Weise und brandschatzen förm- lich das Land. Es sind dies zum größten Theile junge, kräf- tige Leute, denen man es ansieht, daß ihnen dieses Leben kei- neswegs zur Last fällt, sondern die es jedem anderen vorziehen. Bei chren Streifzügen entwerfen sie förmliche Operationspläne, w,e Schreiber dieser Zeilen zu beobachten wiederholt Gelegen- *) Bei den englischen Gewerkschaften wird die geschäftliche Leitung durch den Sekretär, nicht, wie meist bei den deutschen, durch den Präsidenten oder Borsitzenden besorgt. R. d. B. Sozialpolitische Uebersicht. — Unverschämte Lügner und Schmeichler. Es wird jetzt in mehreren Blättern der Versuch gemacht, Fürst Bismarck als Friedensengel hinzustellen, dessen übermenschlichen An- strenaungen es gelungen sei, Europa in der gegenwärtigen Krise den Frieden zu erhalten. Nun— ob der Friede erhalten ist, und wenn, auf wie lange, davon wollen wir hier nicht reden. Welch' bodenlose Frechheit gehört aber dazu, dem Mann, welcher Rußland den Angriff auf die Türkei erst ermöglichte und durch seine rusienfteundliche Politik die europäische Krise herbeiführte, es als ein Verdienst anzurechnen, daß die europäische Krise uns doch nicht in einen europäischen Krieg gestürzt hat. Daß die russische Regierung ihre Langfinger eingezogen und einen be- scheideneren Ton angeschlagen hat, ist einzig und allein der festen Haltung des englischen Kabincts zu verdanken, das den deutschen Reichskanzler vollkommen links liegen ließ. Daß der deutsche Reichskanzler die Russen nicht direkt zum Krieg aufge- hetzt hat, ist doch wahrhaftig kein Verdienst. Ohne militärische Hilfe Deutschlands hätte Rußland unmöglich es wagen können, England die Spitze zu bieten, und Deutschlands Heer den Russen zur Verfügung zu stellen, ist jetzt nicht mehr in Fürst Bismarck's Macht— als, auch dieses sehr be- scheidene Verdienst können wir ihm nicht zugestehen. Die Hal- tung Bismarck's in der orientalischen Frage ist einer der dun- kelsten Punkte in seiner politischen Laufbahn und wird es bleiben,— der Repttlthaler kann zwar Wunder thun, aber es sind doch blos jämmerliche Eintags- Wunder, die das Geld, welche? sie kosten, nicht Werth find. Das böse Gewissen erzeugt„Bassermann'sche Gestalten (oder Bassermann'sche Erscheinungen", wie der wieder einmal nicht geschwiegen habende„große Schweiger" den Originalaus- druck in der famosen„Sozialistenhatz"-Debatte verbesserte) und alle möglichen Gespenster. Die paar Luftschüsse des Lehmann'- schen Sackpuffers haben die herrschenden Personen und Klassen in allen Ländern und Welttheilen aus Rand und Band gebracht und wahrhaft unerhörte Angstgeburten zu Tage gefördert. In Friedrichsruhe geht ein Fremdling spazieren, der einen Lehmanns- Hut aufhat— Attentat auf Bismarck. In London werden ein paar patriotische Jünglinge, die sich für Arbeiter ausgeben und oem preußischen Kronprinzen im Namen der deutschen Arbeiter ihre Loyalität betheucrn wollen, von einigen nicht mit Gänse- füßchen wandelnden Arbeitern ausgelacht— Attentat auf den preußischen Kronprinz. In den vereinigten Staaten gründen an verschiedenen Orten deutsche Arbeiter„Lehr- und Wehr- vereine", das heißt Bildungsvereine mit(in Amerika allgemein üblichen) Schießclubs(Schützengesellschaften)— kommunistische Verschwörung, hunderttausend Kommunisten marschiren auf St. Louis, auf St. Franzisko und wie der Blödsinn sonst lautet, den die amerikanische Presse uns seit vierzehn Tagen auftischt, und an dem gerade so wenig ein wahres Wort ist, wie an dem Attentat auf Bismarck und dem Attentat auf den preußischen Kronprinzen! — Eine ReminiScenz. Während der Debatten über das Lehmann-Gesetz wurde die Annahme desselben nicht unpassend als gleichbedeutend mit der Proklamirung des Belagerungszu- zustandes bezeichnet. Das erinnert uns an einen Ausspruch deS italienischen Blut- und Eisenmanns Cavour, der beiläufig die große Kunst, rechtzeitig zu sterben, verstanden hat und des- halb nicht schon bei Lebzeiten zum„kaputen Mann" wurde. Bei irgend einer Gelegenheit sagte Cavour:„Mit dem Be- lagerungSzustand kann jeder dumme Junge regieren." Wir empfehlen dieses„geflügelte Wort" Denen, die es trifft. — Eugen Richter. Bekanntlich sucht dies große Licht der Fortschrittspartei die Sozialdemokraten immer zu verdächtigen, daß fie oftmals die Part ei Versammlungen anderer Parteien ge- sprengt hätten. Dies ist nun eine schamlose Lüge. Die bekannte Versammlung im Concerthause war eine öffentliche Volksver- sammlung; die Fortschrittsleute störten den von der Mehrheit gewählten Vorfitzenden, Herrn Tölcke, fortwährend durch wüstes Lärmen und Geschrei in der Ausübung seines Amtes, bis den Arbeitern der Geduldsfaden riß, und die Ruhestörer mit einer gutgezählten, aber wohlverdienten Tracht Prügel an die freie Luft gesetzt wurden, sodaß nunmehr die Versammlung ruhig und würdevoll weiter tagen konnte. So oder ähn- lich verhielt es sich bei allen anderen Versammlungen, in denen Ruhestörungen vorkamen. Wohl ist es wahr, daß in Berlin die Fortschrittspartei auch Parteiversammlungen einberief, aber damals immer mit dem Zusatz: Jedermann hat freien Zutritt. Die also Eingeladenen hatten somit das gleiche Recht, wie Diejenigen, welche schon zur Partei gehörten. Sie forderten deshalb auch eine freie Bureau- wähl, die ihnen von der Minderheit nicht gewährt wurde — dies ließen sich die Eingeladenen nicht gefallen und der Ein- berufer schloß dann bald nach der Eröffnung die Versammlung. Später wurden von den Fortschrittlern die„Kartenversamm- lungen" erfunden, und die Polizei fungirte bei diesen Versamm- lungen, gewärtig eines Winkes des betreffenden Vertrauens- mannes der Fortschrittspartei, der an der Thüre die Karten controllirte, um jeden Eindringling zurückzuweisen. Die Berliner Fortschrittspartei hat sich in den letzten drei Jahren besonders in Berlin einer rührenden Freundschaft der Polizeibehörden zu erfreuen gehabt. In solchen Kartenversammlungen nun schimpfte Herr Eugen Richter in geradezu pöbelhafter Weise auf die So- zialdemokratte und ihre„Führer"; zu verschiedenen öffentlichen Volksversammlungen wurde der edle Eugen darauf eingeladen unter Versicherung voller Redefreiheit; wer nicht kam war der „muthige" Eugen— das nennt Richter Versammlungsfreiheit: hinter verschlossenen Thüren auf die Gegner zu schimpfen und denselben im öffentlichen Kampfe auszuweichen.— Wie aber hat es die Fortschrittspartei, als sie noch mächtig war, gemacht? Sie ist in die Versammlungen der Conservativen und Zünftler eingedrungen und hat diese gesprengt, so z. B. eine Versammlung im„Englischen Hause" zu Berlin, die vom Zunftmeister der Goldschmiede-Jnnung, Herrn Lust, einberufen war.— Sie hat die Versammlungen der Sozialisten gesprengt, als diese noch gering an Zahl waren, so z. B. im„Eldorado", wo Lassalle sprach, fie hat der Polizei zugejubelt, als dieselbe dort Laffalle verhaftete, und noch mehr gejubelt, als einer ihrer Anhänger den verhafteten Lassalle anspie. Und diese jämmerliche Partei will sich jetzt ein tugendhaftes Moralmäntelchen umhängen, welches ja doch nur ihre Sehnsucht nach Polizeihülfe durchblicken Mt!?.„ r». Und Herr Eugen Richter? Von einem früheren Düsseldorfer Parteigenossen erhalten wir die Nachricht, daß in die erste sozial- demokratische Versammlung, welche in Düsseldorf stattfand, hoch- begeisterte Mitglieder eines Carnevalsvereins eindrangen, unter diesen auch Herr Eugen Richter, welche die Sprengyng der Versammlung durch Tumult und Harlekinsspäße ver- suchten; die Arbeiter aber, nicht faul, warfen die sauberen Ein- dringlinge zum Tempel hinaus. Hiervon soll auch eine kleine Narbe herrühren, welche Eugen noch im Gesicht trägt. Nach einer anderen Version war Herr Richter der Anführer der Sprengungsgesellsch aft; dies glauben wir aber nicht, dazu war Richter immer allzu feige.— Auf Richter's Stirn steht gar zu deutlich:„Frech in gedeckter Stellung, feige im offenen Kampfe"!— Noch sei zu bemerken, daß selbst ein Blatt der Fortschritts- Partei, die„Zittauer Morgenzeitung", die jüngste Schimpfrede Richters im Reichstage in scharfer Weise tadelt, indem sie sagt: „Letzterer(Richter) kam leider über abgetakelte Phrasen nicht hinaus, was wir im Interesse der Partei bedauern." Solange fich die Fortschrittspartei mit diesem Menschen identificirt, solange wird sie auch eine anständige Behandlung seitens der Gegner vielfach vermissen müssen. — Wo bleibt da der Ehrenpräsident Moltke? Durch die ganze liberale und Fortschrittspresse läuft folgende Notiz: „Es ist geradezu charakteristisch, daß aus dem Reichstage es dem Führer des Centrums, dem Abg. Windthorst, allein vor- beHaften war, eine Lanze für die Berliner Hofprediger- Partei, Herrn Stöcker an der Spitze, zu brechen. Treffender kann allerdings die Situation nicht illustrirt werden, Herrn Windthorst Arm in Arm mit den protestantischen Hofpredigern zu sehen; dies Schauspiel würde allein genügen, um das vom Cultusminuter Dr. Falk eingereichte Entlassungsgesuch ganz zu verstehen und zu würdigen. Dabei tritt aber die Frage in den Vordergrund, warum in dem vom Bundesrath vorgelegten Ge- setzentwurfe nur sozialdemokratische Druckschriften und Vereine verboten werden sollten, und von christlich-sozialen gar nicht die Rede war. Es ist gut, daß man an leitender Stelle die ver- derblichen Folgen der christlich-sozialen Bewegung so rasch erkennt, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß Herr Stöcker mit gleichem Maße gemessen werden wird, wie Herr Most und Ge- nossen." Die Rede Moltke's bei Berathung des Ausnahmegesetzes gegen die Sozialisten ist bekanntlich von der gesammten anttsozialistischen Presse gelobhudelt worden, obwohl das Interessante in derselben sehr alt, das Uebrige aber sehr uninteressant war. Namentlich läßt es fich schwer begreifen, weshalb Herr Moltke, der doch Ehrenpräsident oder mindestens Ehrenmitglied der christlich- sozialen Partei ist, die doch noch schlimmer sein soll, als die reine Sozialdemokratie, sich nicht bewogen gefühlt hat, auf derlei auch gegen ihn gerichteten Angriffe seitens Derer, die doch mit ihm zusammen stimmten, zu antworten. Moltke, ein schlimmerer Umstürzler der bestehenden Verhältnisse, als die Sozialdemokratie — das ist ja herzzerreißend! närcs Ministerium zur drakonischen Ausnützung der bestehenden Gesetze gegen die Sozialdemokratie geschürt/ „Die im heuftgen„Tageblatt"(vom 28. Mai) aus der 8.-C. („Sozial-Corresp.") abgedruckte(erste) Briefstelle hat mich zum Verfasser und ist als Antwort auf eine Aufforderung zur Em- pfehlung der 8.-0. geschrieben, worin ich diese zugesagt, obwohl ich mit der Haltung derselben nicht überall einverstanden war. Trotz ihrer Schwächen und Fehler hielt ich die 8.-0. doch für ein verdienstliches Unternehmen, weil sie in den Kreisen des Bürgerthums immerhin Sinn und Berständniß der sozialen Be- wegung fördern konnte. Jetzt steht die Sache anders! Jetzt, wo Gendarmen und Staatsanwälte in die Hand der Reaktton und unter Billigung der nattonalliberalen Partei gegen eine, wenn auch an Uebertreibungen und Ausschreitungen(?) leidende, so doch existenzberechtigte Partei gehetzt werden, jetzt kann ein ehrlicher, freisinniger Mann nicht mehr gegen die So- zraldemokratie kämpfen. Lese man jetzt meine Schrift: „Der Kampf wider die Sozialdemokratie und die deutsche Fort- schrittspartei"(Leipzig 1877, 50 Pf.), namentlich die letzten fünf Zeilen!" Was wird der„ehrliche, fteifinnige Mann", der bekannte Eugen Richter, der moderne Thersites, zu obiger Erklärung sagen? — Die Sozialdemokratie unter der studirenden Jugend. Ein Berliner Correspondent des„Düsseldorfer An- zeigers" schreibt: „Uns ist bekannt, daß unter der Berliner akademischen Jugend jetzt ein sozialdemokratischer Berein besteht, der in einem im Mittelpunkt der Stadt belegenen Lokal seine regel- mäßigen Versammlungen abhält und auf den größten Theil der in Deutschland erscheinende»; sozialdemokratischen Blätter, sonst aber auf keine andere Zeitung abonnirt. Ungefähr drei Viertel der Gesammtzahl der Mitglieder dieses Vereins besteht, wie wir weiter hören, aus Studenten, welche bei der hiesigen juristischen Fakultät immatriculirt sind." Der Redakteur Biedermann macht in Nr. 125 der„Deutsch. Allgemeinen Zeitung" hierzu folgende Bemerkung: „Daß auch auf der Leipziger Universität es eine Anzahl sozialistisch denkender und dies auch unumwunden zur Schau tragender Eleinente giebt, wird uns mehrseitig und von solchen, die es wissen können, versichert." Man sieht, daß der Herr Professor Biedermann den Herrn Redakteur Biedermann inzwischen belehrt hat, daß der„Vor- wärts" keine„Horcher" in die Collegien des Herrn Professors zu senden braucht. — Ein weißer Rabe. Herr I. G. Findel, ein hervor- ragendes Mtglied der deutschen Fortschrittspartei in Leipzig, giebt in der„Leipziger Volkszeitung" folgende Erklärung ab: „Da ich, wenn auch ungenannt und unbekannt, von der na- ttonalliberalen Presse meine Worte nicht mißbraucht wissen will zu einer meinen Ansichten entgegenlaufeuden Agitation wider die Sozialdemokratie, verwahre ich mich gegen die unfreiwillige Mit- arbeiterschaft am hiesigen„Tageblatt" und in andern Blättern gleicher Sorte, zumal jetzt, nachdem die nationalliberale Partei vermittelst der„staatsmännischen" Idee Bennigsen's ein reaktiv- Unser Ziel. Von keinem Gotte fordern wir gläubig Menschenrecht, Wir wollen unermüdlich versäumen kein Gefecht; Für alle Menschengüter beginnen wir den Krieg, Bon allgemeiner Bildung erwarten wir den Sieg. Von keinem Blutvergießen verlangen wir die Macht, In reifer Ueberzeugung erstarken wir zur Schlacht; Wofür gesundes Wissen die Waffen uns verleiht, Wo reine Bruderliebe die starken Helden weiht. Nach ruhmgeschmückten Thaten beginnt für uns die Zeit, Für manche Neugestaltung, vom Elend bald befteit; Für»nanche schöne Schöpfung, woran die Weisheit baut; Gesetze bald für Alle, mit reiner Lust beschaut. Wo wir dem Allgemeinen die Kräfte freudig weihn, Bei aern gewählter Arbeit,»m Jugendmuth gedeih»; Wenn uns das Glück des Volkes die Mitempsindung nährt, Gerechter Eigenliebe gewiß Genuß gewährt. Für Kopf und Herz empfangen, wir einst Naturgenuß, Befteit von bösen Sorgen, gesunden Ueberfluß; Das ganze Reich der Dichtung, das Reich der schonen Kunst, Begrüßen wir mit Liebe, mit ungetrübter Gunft Gustav Adolf Köttgen. — Zur Vervollständigung der Biographie Leh- mann's schreibt Genosse Hermann Lange aus Frankfurt a. M. der„Berliner Freien Presse":„Auch die alte Reichsstadt Frank- ürt a. M. ist letzten Winter vom„Attentäter" mit einem Be- uche„beehrt" worden. Hödel traf hier am 21. März Morgens ein und verweilte denselben Abend mehrere Stunden lang im Pfuhl'schen Lokale, wo er sich den dort anwesenden Sozialisten in aufdringlicher Weise näherte, sich für einen eben so leiden- schastlichen Anarchisten als heftigen Gegner der deutschen Sozial- demoftatie erklärte und dabei weidlich auf die„Führer" Lieb- knecht und Bebel schimpfte.„Was ich von diesen Männern (Liebknecht und Bebel) halte, könnt Ihr hieraus ersehen"— rief Hödel höhnisch aus, indem er die Photographien von L. und B. aus der Brusttasche zog und in nicht näher zu beschreibender Weise besudelte. Selbstredend drehten nach einem solchen Ge- bahren ihm sofort die betreffenden Sozialisten den Rücken. Zur etwaigen Notiz für Herrn Tessendorff die Mittheilung, daß Hödel die Nacht Grabengasse 5 logirte." Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch mittheilen, daß die „Fackel" erklärt, daß bei Gelegenheit der am 23. Januar in Stötteritz bei Leipzig abgehaltenen Volksversammlung, in welcher Lieb- knecht über die deutsche Orientpolittk referirte, Hödel-Sehmann Probenummern des„Staatssozialist" vertheilt, zum Abonnement auf das Blatt aufgefordert und überhaupt für die christlich- soziale Partei Propaganda zu machen gesucht habe. Wie nun ein Genosse berichtet, hat der Attentäter damals unter Anderem auch erzählt, daß er von dem Berliner Hofprediger Stöcker, dem Redafteur des„Staatssozialist", empfohlen und an den Pro- fessor Kuntze in Leipzig gewiesen worden sei. Er, Lehmann, habe daraufhin Herrn Professor Kuntze aufgesucht und sei von demselben sehr freundlich empfangen worden. Professor Kuntze — Vorsitzender des Vereins für innere Mission in Leipzig— habe ihn, Lehmann, zu überreden gesucht bez. mit ihm vereinbart, daß er, wenn möglich noch vor Ostern in Leipzig, in der„Tonhalle", eine größere Versammlung cinbe- rufe, damit den Sozialdemokraten energisch entgegengetreten und dieselben womöglich todtgemacht würden. — Ein rührendes Eingeständniß. Ein liberaler Agi- tator(anscheinend der Professor Birnbaum zu Leipzig) schreibt der Böhmertschen„Sozial-Correspondenz" nachstehenden Brief, den abzudrucken das genannte Blatt auch die rührende Dumm- heit besitzt. Der Brief lautet:„Ich habe bereits vor 14 Jahren aus die Nothwendigkeit des Baues von Arbeiterwohnungen hin- gewiesen unter genauer Vorführung der Mühlhausener Arbeiter- stadt; ich habe das Studium der Soziallehre warm empfohlen. Ich habe aber bei memer literarischen Thätigkeit dieselbe Ersah- rung gemacht wie bei der praktischen politischen Agitation:— unser Bürgerthum ist im Großen und Ganzen zu indifferent, zu blasirt, zu taub, zu egoistisch, so daß man geneigt ist, allen Muth zu verlieren und die soziale Revolution wie ein reinigendes Ge- witter als unvermeidlich hinzunehmen. Die theoretische Be- kämpfung der Sozialdemokratie in der Presse, so nützlich und nothwendig sie auch ist, halte ich für nicht ausreichend, unter — Wir erhalten folgende Zuschrift:. „Erlauben Sie mir Ihre Aufmerksamkeit auf eine Thatsache zu lenken, die von Wichtigkeit ist für das Prinzip der Gleich- stellung. Es giebt nämlich keine geborene Autorität, aber man anerkennt gerne durch Erfahrung und Arbeit acquirirte Auto- rität. Die sogenannte Vererbung geistiger Suprematie ist so wie Vieles eine irrige Auffassung. Bei gewöhnlicher natürlicher Befähigung bringt man es zu bedeutender Fertigkeit, auf jedem Gebiete, vorausgesetzt, daß Fleiß angewendet wird,„denn nur den Schweiß lohnen die Götter" mit Fertigkeiten. Ein„mühe- loses Schaffen wie im göttlichen Wahnsinn" ist eine hohle Phrase, eine Unwahrheit. Was die Veredlung anbelangt, hat die Er- fahrung gelehrt, daß man das wird, wobei man ist, und dafür Sinn und Vorliebe hat. Wenn behauptet wird, es giebt ein Talent der Erfindung, so»st der Zufall dieses Talent, denn ihm haben wir alle epochalen Erfindungen zu verdanken. Wenn Je- mand was gefunden hat, wußte er nicht, was er finden werde, und es vergeht zuweilen lange Zeit, bis derartige entdeckte Er- scheinungen erklärt werden. Und doch kommt fast alles Unglück der Menschen daher, daß sie irrthümlicher Weise auf Grund der geborenen Autorität gewisser Menschenklassen und auf Rassen, als von der Natur prädestinirt, sich blindlings unterworfen haben. Was auch leider noch täglich geschieht.— Die Privilegirten und Besitzenden führen ihre Rechte auf die subjektive Suprematie zurück. Diese irrigen Hypothesen bilden die zu überwindenden Schranken. Auch ist hier die Basis des grassirenden nationalen Größenwahns. Zu beweisen, daß es keine geborene prädestinirte Autorität giebt, ist nicht schwer, seitdem mehrfache naturwissen- schaftliche Beobachtungen zu diesem»inwiderleglichen Resultate führten. Und derartige Beobachtungen haben zur Aufklärung deS subjektiven Ichs mehr Werth als �zehn Bände, za als die ganze Literatur über Metaphysik. Zum Schlüsse werden Sie meine Meinung billigen, wenn ich behaupte: Wer nicht sozialdemokra- tische Gesinnung hat, heuchelt den Liberalismus, weiß nicht, was Humanität ist, und ist ihm die Bolkswirthschaft unbekannt. Wien, im Mai 1878. Dr. L. K. — Nochmals Herr Biedermann. In Nr. 124 der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" schreibt Herr Redacteur Bie- dermann wörtlich und buchstäblich: Leipzig, 23. Mai. Der„Vorwärts" hat die ihm vom Redacteur der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" zugesandte „Berichtigung"(Nr. 120) zwar gebracht, aber sie mit Be- merkungen begleitet, welche eine abermalige„Berichtigung" heischen, die denn auch sofort abgegangen ist. Es wird damit fortgefahren werden, bis der„Vorwärts" der Wahrheit die Ehre giebt, daß er schwarz nicht weiß und weiß nicht schwarz nennt." Uns ist nun auch wirklich eine abermalige„Berichtigung" zugegangen und zwar von dem Redacteur und dem Professor Biedermann, die wörtlich und buchstäblich folgendermaßen lautet: „Sie haben zwar meine„Berichtigung" abgedruckt, allein die- Umständen sogar sehr schädlich, so lange das liberale Bürger- thum die Agitation und Organisation den Sozialisten allein überläßt, während es selbst dazu weder Leute stellt, noch Geld, noch Zeit hat. Die Sozialisten sind stets und überall auf dem Platze, das Bürgerthum(vereinzelte, schwache Versuche abge- rechnet) nie und nirgends. Ich schöpfe meine Ansichten aus der unmittelbaren Erfahrung; ich habe seit 2 Jahren in etwa 25 größeren Versammlungen gesprochen und bei dieser Gelegenheit mindestens 13 Mal einen Sozialisten zum Gegner gehabt. Ein großer Theil der Bauern und Kleinbürger weiß von den parla- mentarischen Formen noch gar keinen Gebrauch zu machen und in einer Versammlung, in der die Mehrheit auf meiner Seite war, wurde das Bureau von Sozialisten gebildet, weil bei der Gegenprobe 150 Leute gegen 20 Sozialdemokraten nicht stiminten. Bei der Abstimmung über meine Resolution nahmen die Leute Reißaus, statt den Gegner niederzustimmen. Bei Wahlen ist fast keine Unterschrift für einen Aufruf mehr zu haben; allent- halben vermeidet man in Comitös einzutreten; Presse und Flug- schriften finden keine Unterstützung."— Woher kommt diese laxe Haltung des„liberalen" Bürgerthums, Herr Birnbaum? Daher, weil dasselbe derart erzogen ist, daß es keine andern Ideale hat, als den Geldsack. Soweit habt Ihr, die Ihr Euch die be- rufenen Volkslehrer nennt, das Bürgerthum gebracht. Das arbeitende Volk aber besitzt noch Ideale, die Ihr demselben nicht rauben sollt— deshalb die Begeisterung bei der sozialistischen Agitation. — In der„Germania" vollzieht sich gegenwärtig ein Systemwechsel. Der heißblütige Kaplan, Herr Majunke, hat seine streitbare Feder mit dem Schluß der Reichstagssession bei Seite gelegt und schüttelt den Berliner Staub von den Füßen, während der Reichstags-Abgeordnete Dr. Franz die Eheftedaktion der„Germania" mit dem 1. Oktober an Majunke's Stelle über- nimmt. Dr. Franz war ftüher bei der Redaftion der„Schles. Bolksztg." und des bischöflichen„Schlesijchen Bolksblattes" be- schäftigt und ist der bekannte äußerst zahme Centrumsredner bei der Gewerbeordnungsdebatte gewesen. — Bestrafter Menschenhandel. Bekanntlich existirt der Menschenhandel noch in der ganzen civilisirten Welt. Der land- wirthschafttiche Verein auf der holsteinischen Insel Fehmarn wollte dies Geschäft auch ausüben. Darüber schreiben die „Schleswig'schen Nachrichten": „Vor einem Jahr erließ der landwirthschastliche Verein auf Fehmarn eine Aufforderung an die hiesigen Landleute, fich zu melden, falls sie oftpreußische Dienstboten zu haben wünschten.' Der Verein hatte nämlich beschlossen, solche kommen'zu lassen. Im Ganzen meldeten sich ca. 30 Landleute, die einen Knecht oder ein Mädchen wünschten. Schließlich kamen aber keine Dienstboten, und es stellte sich heraus, daß der Verein fich hatte beschwindeln lassen. Nach vielem Hin- und Herschreiben ver- langte der Commissionär nämlich einen Borschuß von 600 Mk. Diese Summe wurde von Seiten des Vereins-, ohne die dabei Jnteressirten, die Besteller der Dienstboten, zu ftagen, an den- selben abeschickt. Jetzt kommt der hinkende Bote hinterher. Der Verein verlaugt die 600 Mark, um die er sich hat be- schwindeln lassen, von den Leuten, die damals Dienstboten bestellt, aber keine bekommen haben, wieder ersetzt; diese weigern sich, soweit sie nicht gleich bei der Bestellung das Reisegeld be- zahlten, und sind sie jetzt vom Verein wegen Erstattung dieser Ausgaben verklagt. Allgemein wird hier die Forderung des Vereins für durchaus ungerechtfertigt gehalten, und ist man auf den schließlichen Ausfall der Sache recht gespannt." Schade, daß der Verein nicht eine härtere Strafe erlitten hat, schade, daß der Commissionär nicht einen Vorschuß von 6000 Mark gefordert! Lediglich um die geringen Löhne der hei- mischen Arbeiter noch mehr herniederzudrücken, betrieb der Verein den Handel mit Menschenfleisch. Möge jeder solchen That die gerechte Strafe auf dem Fuße folgen. Aber ftagen wir, weS- halb macht man keine Strafgesetze gegen solche Menschenhändler? — DieAbwesenheit mehrerer sozialistischen RerchStags- abgeordneten bei der endgültigen Abstimmung über die Sonntagsarbeit hat der gegnmschen Presse Anlaß gegeben, unsere Vertreter der Pfllchtvergessenheit anzuklagen. Es fällt uns mcht ein, diesen ebenso unbegründeten als unehrlichen Vorwurf wider- legen zu«ollen. Bedauerlich ist es unzweifelhaft, daß Most selbe sofort wieder zu entkräften gesucht, indem Sie neuer- dings behaupten, ich hätte„redlich dazu beigetragen, daß die Reaction das Attentat(Lehmann) benutzt hat, um ihren Be- strebungen gegen die Sozialdemokratte den Anschein von Recht zu geben". Auch das ist unrichtig, wie einfach daraus her- vorgeht, daß ich das sog.„Attentat-, oder wie der„Vorwärts" sagt,„Lehmann-Gesetz" in meiner Zeitung bekämpft habe. L. d. 28. Mai 1878. Prof. Biedermann, Red. der Deutsch. Allg. Z. An die Redaction des„Vorwärts". Sie werden hiermit auf Grimd von Art. 11 des Reichs- Preßgesetzes aufgefordert, die obige„Berichtigung" aufzu«- nehmen. Leipzig, 28. Mai 1873. Professor Biedermann." Zunächst constatirt Herr Biedermann, daß der Professor und Redacteur ein und dieselbe Person ist; dann setzt er seine Be- richtigung selbst in richtiger Würdigung zwischen Gänsefüßchen, um dadurch zu beweisen, daß eS eigentlich keine Berichtigung sei. Dies sahen wir sofort auch ohne dies Avis». Uebrigens braucht sich Professor Biedermann bei seinen„Berichttgungen" gar nicht auf das Reichspreßgesetz zu berufen— wir nehmen dieselben unbesehen auf, da uns der biedere Alte als Mitarbeiter stets willkommen sein soll. In so ernster Zeit ist unfern Lesern jedenfalls ein launiges Späßlein hochwillkommen. Doch im Ernste sei eins bemerkt. Wenn der Redacteur Biedermann leugnet, daß er der Reaction Veranlassung gegeben habe, das Attentat Lehmann's zu benutzen, um ihren Bestrebun- gen(Einbringung des„Lehmann-Gesetzes") den Schein von stecht zu geben, dann lese er gefälligst seine eigene Zeitung nach, die sich redlich bemüht hat, die Sozialdemokratte für dc*- Attentat verantwortlich zu machen und somit im Verein m« anderen liberalen Blättern den Bundesrath allerdings veranlaßt hat, unter dem Scheine des Rechts sein Attentat auf die Freiheit in Form eines Gesetzes vom Stapel zu lassen. Daß dies Ding so formlos war, daß es auch zweischneidig war, daß es gar nutzlos war, um die Bestrebungen der Sozialdemokrat zu bekämpfen, dies hat gewiß am meisten Herr Redacteur Biedermann bedauert— andernfalls wäre er der Erste gewelen, jauchzend demselben seine Zustimmung zu ertherlen. Biedermann hat also geholfen, daß die Reactton �unter Schein von Recht" ein Ausnahmegesetz gegen die Sozialvemu kratie eingebracht hat; Biedermann hat sich aber gegen o» und Auer, denn um diese handelt es sich, bei jener Abstim- mung nicht zugegen waren, und gewiß, Niemand bedauert es mehr, oder auch nur so sehr wie Most und Auer. Aber sie tragen keine Schuld. Die Zeit der Abstimmung war nicht be- kannt; und Most und Auer, die in der Redaktion der„Berliner Freien Presse" sind und in dieser Stellung bis zur äußersten Anspannung ihrer Kräfte zu arbeiten haben, konnten sich, sollte das Blatt nicht schwer benachtheiligt werden, unmöglich aufs Unbestimmte in den Reichstag begeben. Als nun die Abftim- mung kam. war es nicht mehr Zeit, sie aus dem mindestens eine Stunde entfernten Redaktionslokale in den Reichstag zu holen. Unsere Abgeordneten sind eben nicht in der Lage, aus ihrer parlamentarischen Thätigkeit ein Geschäft machen zu können, wie z. B. Eugen Richter, der das Signal zu den An- griffen auf Most und Auer gegeben hat: sie müssen für ihr Brod und im Dienste der Partei arbeiten, und können ihre Berufsarbeiten auch während der Reichstags- session nicht aufheben, dazu find sie, und dazu ist die Partei zu arm. — Resolution. In der am vorigen Sonntag in Berlin stattgehabten, von 4—5000 Menschen besuchten Volksversamm- lung, in welcher Genosse Motteler einen Bortrag hielt, wurde nachstehende Resolution einstimmig angenommen:„Die heute bei Busse versammelten Bürger Berlins erklären sich mit dem Bor- trage des Abgeordneten Motteler einverstanden, und drucken fämmtlichen sozialistischen Reichstagsabgeordneten für ihr Ber- halten Dank aus, indem sie geloben, immer kräftiger für die Verbreitung sozialistischer Lehren Sorge zu tragen, damit in den Reichstag die doppelte Zahl von Sozialdemokraten gewählt werde." — Schwere Verurtheilung. Genosse Baumann, Re- dakteur des„Nürnberg-Fürther Sozialdemokrat" wurde am 24. d. M. von dem Schwurgerichtshofe zu Nürnberg wegen Maje- stätsbeleidigung in eine stmvuatliche Gefängnißstrafe verurtheilt. Und da sage man noch, man gehe nicht streng genug mit den Sozialdemokraten um.— Die Behörden und die Gerichte mögen übrigens das ächte deutsche Sprichwort bedenken:„Allzuscharf macht schartig!" — In Cincinnati(Ohio), Nordamerika, erscheint seit dem 4. Mai ein neues sozialistisches Organ in englischer Sprache: „TN« National Socialist"— der„Nationale Sozialist"— eine Wortzusammenstellung, an welche wir in Deutschland nicht ge- wohnt sind. Das Blatt ist„Organ und Eigenthum der sozia- listischen Arbeiterpartei." — In Wiesbaden wurde der„Sozialdemokratische Wahl- verein" mittelst Erlaß der dortigen Polizeidirektion aufgelöst. — Wie nachträglich mitgetheilt wird, soll Most in Chemnitz in Hast behalten und auf Grund der AusführungS-Berordnung zu§ 8 des sächsischen Vereins- und Versammlungsgesetzes an- geklagt werden.— Außerdem hat Most eine Anklage wegen der am Grabe Dcntler's gehaltenen Rede erhalten. Correspondenzen> Aertin, 28. November.(Drei Majestätsbeleidigungen.) Zwei derselben wurden am vergangenen Sonnabend vor der siebenten Trimiual-Deputation des Stadtgerichts verhandelt. Die erste war gegen den der Trunkenheit ergebenen Färber Foest, der auch bereits am delirium tremens gelitten hat, gerichtet. Derselbe befand sich am Abend des 15. Februar cr. in der De- ftillation des Destillateurs Kleindienst, als ein Colporteur eine Festzeitung zur Doppelhochzeit der beiden preußischen Prin- zessinnen zum Kauf anbot. Der Angeklagte machte nun mit Bezug auf die Prinzessinnen einige derbe Redensarten und dehnte dieselben, darüber zur Rede gestellt, auch auf den Kaiser aus. Auf die von Kleindienst erstattete Anzeige wurde Foest eingezogen und nach dem Antrage des Staatsanwalts zu einem Jahre Gefängniß verurtheilt.— Die zweite gegen den Arbeiter Händchen gerichtete Anklage mußte wegen Fehlens des Denun- zianten, dessen Sistirung beschlossen wurde, vertagt werden.— Am Dienstag fand die Aburtheilung einer dritten Majestätsbe- leidigung statt. Als am Nachmittag des 11. Mai Lehmann seinen eingebrachte Gesetz gewandt, weil es untauglich war— das ist der ganze Sinn der Biedermann'schen„Berichtigung". Nochmals aber erklären wir, daß wir jede Berichtigung, mit oder ohne Gänsefüßchen, die uns der biedere, alte Herr einsen- det, mit Freuden aufnehmen werden, und zwar so lange, bis derselbe schwarz von weiß zu unterscheiden gelernt haben wird. — Wie redigirt wird! Die„Leipziger Bolkszeitung" brachte in ihrer Nr. 120 folgende Notiz: „Ein Leipziger Blatt brachte kürzlich eine Abrechnung über die von der sozialdemokratischen Partei an ihre Führer, sowie me Redasteure ihrer Organe gezahlten Gehälter. Gegenüber der darin enthaltenen Behauptung, daß Herr Wilhelm Hasen- clever von der Berliner Associationsbuchdruckerei im Laufe eines Lahres die Summe von 8766 M. erhalten habe, erläßt der »Fackel" nun folgende Erklärung:(Folgt die licheu �nhatt ch unseres Genossen Hasenclever ihrem wesent- ein inständige? die„Leipziger Volkszeitung" doch geaen die.w v■, sei, weil es ohne äußere Veranlassung �g°n tne verleumderische Notiz des„Leipziger Tageblattes" zu der?Leivsiaer�Rn»! ��ren Augen kaum, als wir die Rr. 122 der gan??rleum � Geficht bekamen,.n welcher fast auf dem Umwege über zw V*-Leipziger Tageblattes", der denz eingesandt worden w»/"'• eu9en R-chtersche Correspon- xz�ßsatz dieses SZikelM�N ÄÄZun?' buchdruckere? zur H"nd?°w�che?�" berliner Associations- scheinenden sozialistischen Blätte? aed�Ä�V KV Z Thatbestand folgender: An Herrn werden, so ist der der Zeit eines Jahres g?zaK Hasselmann 2340 M., Lange 1650 M. un�fiüXr rhMelbe bat z? in Plötzensee Revolver auf den Kaiser abgeschossen, hörten verschiedene Leute, wie ein Mädchen, das auf einer Bank Unter den Linden saß, ihrem Unmuth über das mißlungene Attentat in Worten Luft machte. Dieselben machten einen in der Nähe befindlichen Schutz- mann hierauf aufmerksam, und auch diesem gegenüber machte das Mädchen schmähende Redensarten über den Kaiser. Die Excedentin wurde zur Hast gebracht. Nachdem die Anklage ver- lesen und die Angeklagte gefragt worden, was sie darauf anzu- führen habe, entgegnete sie:„Was, Anklage, ich weiß von keiner Anklage!" Präs.: Nun sie ist Ihnen ja eben vorgelesen worden! Angekl.: Darauf habe ich nicht geachtet. Im weiteren Verlauf der Verhandlung beschimpfte die Angeklagte den einen Zeugen in heftigster Weise, so daß derselbe sich veranlaßt sah, einen Strafantrag gegen sie zu stellen. Mit Rücksicht auf dies Be- tragen verurtheilte der Gerichtshof die Angeklagte zu neun Mo- naten Gefängniß.— Der erste Fall ist jedenfalls der interessan- teste, da er beweist, daß ein ganz verkommenes, am Säuferwahn- sinn leidendes Subjekt einen Kaiser beleidigen kann. Kerzberg a. d. Elster, 24. Mai. Ihr Blatt hat sich u. A. die Aufgabe gestellt, die jammervollen Zustände der jetzigen menschlichen Gesellschaft schonungslos zu geißeln. Nachfolgend eine kleine Episode aus der„herrlichsten der Welten"; ich schreibe dieselbe ab aus einem Blättchen, welches sich auch die Bekäm- pfung der Sozialdemokratie manchmal angelegen sein läßt, aber doch von so untergeordneter Bedeutung ist, daß es keiner Wür- digung resp. Entgegnung werth ist:„Von der Geisel, 19. Mai. Noch sind alle Gemüther erschüttert von einem schrecklichen Ber- brechen, welches gestern Nachmittag 3—4 Uhr zwischen Frank- leben und Reipisch begangen worden ist. Eine zunge Frau von 29 Jabren hat ihre drei Kinder in der Geisel ertränst. Der ganze Vorgang war ein Ast der Verzweiflung. Auguste geb. Meisch verehel. Müller war mit dem Kutscher Johannes Müller aus der Zuckerfabrik Körbisdorf längere Zeit glücklich verhei- rathet. Die Frau zeichnete sich durch Sauberkeit und knappe Haltung aus, soll aber einen Hang nach fremdem Eigenthum gehabt haben. Wegen Wäsche- und Gänsediebstahl zu neun- monatlicher Gefängnißstrafe verurtheilt, mußte die Berbüßung der Strafe bis nach ihrer Niederkunst und Stillzeit verschoben werden. Mittlerweile hat sich der Mann von seiner Frau abgewendet und die Scheidung beantragt, durch mehrwöchentliches Fernbleiben auch gezeigt, daß er für die Kinder nicht mehr sorgen wolle. Da erscheint der Gerichtsbote, die Mutter zum Gefängniß abzuholen. Sie stellt sich dem Gericht in Merseburg — im Gefolge ihrer drei Kinder, wird aber zurückgewiesen: sie soll andern Tags ohne die Kinder wiederkommen. Nunmehr, da ihr Mann thatsächlich die Kinder nicht mehr versorgt, sie selbst aber 9 Monate lang dazu außer Stande, faßt sie den ver- zweifelten Entschluß, sich und die Kinder zu tödten. Die beiden kleinsten Kinder, 3U Jahr und 3 Jahre alt, packt die Mutter in einen Kinderwagen, den das sechsiährige Mädchen von Benndorf bis Frankleben zieht, und kippt dort den Wagen an dem Zu- sammenfluß der Leiha in die Geisel in's Wasser. Auf das Jam- mcrgeschrei kommt Hilfe, doch zu spät, nur die Mutter wird dem nassen Grabe lebend entrissen und heute nach Merseburg zum ersten Verhör transportirt."— Es ist hier wenig hinzu- zufügen und doch wird jeder fühlende Mensch eigenthümliche Ge- danken beim Lesen eines solchen erschütternden Vorfalls haben. Wo blieb hier der Ortsvorstand, wo der Geistliche? Konnten dieselben nicht der bedrängten Mutter die Sorge für die Kinder abnehmen? Gerade die Geistlichen wären berufen, die Lehren des„Weisen von Nazareth" zu bethätigen, statt dessen aber küm- mern sich dieselben großentheil um recht weltliche Dinge und die Pflege ihres eigenen Ich. Khemnih, 29. Mai. Unser hiesiges Parteiorgan bringt fol- aendcii auch für weitere Kreise interessanten Bericht: Anonyme Briefe haben in der Regel keinen Werth und wir erhielten schon oft Drohbriefe, ohne uns zu fürchten, denn vor anonymes Brief- schreibern ist man persönlich am allersichersten, da sie die größten Feiglinge sind.— Ein anonymer Brief indeß, welcher dieser Tage geschrieben wurde, scheint bestimmt zu sein, viel von sich reden zu lassen. Herr Siebdrat macht im hiesigen Polizei- blatte bekannt: Heute ist durch die Post ein Brief dem Herrn Polizei-Jn- spestor Carius zugegangen, durch welchen dieser eben so wie Herr Staatsanwalt Schwerdfeger und der unterzeichnete P o- lizeidirektor aus Anlaß der Vorgänge in der gestrigen Volks- Versammlung mit Mord bedroht werden. Behufs der Ermittelung des Verfassers liegt dieser Brief in Redaktion fortwährend dermaßen geistig angeregt, daß dieselbe nicht mehr weiß, was sie Tags zuvor geschrieben oder ausge- scheert hat? — Zur Sittengeschichte der Gegenwart bringt das „Hannoversche Tageblatt" folgende hübsche Zusammenstellung: „Von dem Schwurgerichte Hildburghausen ist der Kreisgerichts- Director Schlothauer zu Salzungen wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit zu zwei Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. Gegen einen General a. D. in Baden-Baden schwebt in gleicher Sache die Untersuchung. Von dem Würzburger Schwurgerichte wurde der 54 Jahre alte verheirathete Landgerichts-Assessor Hennoch von Rothenfels wegen Nothzucht zu drei Jahren Zucht- Haus verurtheilt. Der Leipziger Polrzeiarzt Dr. Kühn gab einen Band unzüchtixer Gedichte heraus, welche seiner Zeit vom sozia- listischen„Vorwärts" die verdiente Abfertigung erfuhren. Die Gedichte enthielten auch cynische Angriffe auf die christlichen Kirchen. Sie wurden daher confiscirt und der Dichter zu einem Monat Gefängniß verurtheilt." — Existirt im christlichen Europa noch die Sklaverei? Wir meinen darunter nicht die Lohnsklaverei, denn daß diese in Europa existirt, wissen wir, aber wir fragen, ob die Sklaverei in dem Sinne, daß Menschen als Sachen verkauft und verschenkt werden können, bei uns noch zu Recht bestehe; wir wissen zwar ganz gut, daß durch unsere Gesetze die Sklaverei verboten ist, doch lasen wir kürzlich in vielen Zeitungen, daß die Lady Dadley in England der Kaiserin von Oesterreich einen Mohren„geschenkt" und daß Letztere ihn wieder ihrer Tochter, der Prinzessin Marie Valerie,„geschenkt" hat, welche den Menschen jetzt„unterrichten" läßt. — Die„Leipziger Volkszeitung", das Organ der sächsischen Fortschrittler, erzähile ein Geschichtchen von„einem entlarvten Sozialistenführer", welcher kürzlich in Rüdersdorf eine Ber- sammlung berufen, eine Tellersammlung veranstaltet, dann aber, als ein anwesender Beamter vor der Tellersammlung gewarnt habe, weil der Sozialistensührer das Geld nur mit seinen beiden von Berlin mit- gebrachte«„Dirnen" verjubeln würde, verduftet sei.— Hierzu bemerkt Sie„Berliner Frei« Presse":.?hmen nennt das edle Organ der Fort- schrittspartei, das uns für gewöhnlich unehrliche Kampfesmittel vor- wirft, nicht und das hat auch seine guten Gründe, denn das ganze Histörchen ist von A bis Z eriundcn, natürlich bloS um uns Sozia- listen eins auszuwischen. In Lüdersdorf haben in letzter Zeit überhaupt keine von un» veranstalteten Versammlungen stattgefunden." der Hauptpolizeiwache zur Euisicht aus und hat der Rath der Stadt Chemnitz eine Belohnung von Einhundert Mark für Denjenigen ausgesetzt, welcher das nächste Anhalten zur Er- Mittelung des Verfassers an die Hand giebt. Chemnitz, am 27. Mai 1878. Das Polizeiamt. Siebdrat. Zwei Sozialisten begaben sich heute Vormittag nach der Polizeiwache und ließen sich den Brief vorlegen. Sie fanden eine unorthographische und styllose Schmähschrift, welche zwar dirett auf die Vorgänge in der Volksversammlung vom Sonntag Bezug nimmt, sich aber auch in heftigster Weise gegen den Staatsanwalt Schwerdfeger wendet, der mit diesen Borgängen und bis jetzt auch mit den hiesigen politischen Verfolgungen im Allgemeinen, unseres Wissens nach nichts zu thun hatte. Außer- dem ist in dem Briefe die HSdelei erwähnt und den oben er- wähnten Personen mit Erschießen gedroht. Der Briefschreiber erklärt,„wir gehören zu keiner Partei", will aber das Ver- sammlungsrecht aufrecht erhalten sehen, und lobt den früheren Polizeidirektor Urban als einen„ganz andern Mann". Der Mangel an Orthographie geht in dem betreffenden Briefe so weit, daß z. B. in der Drohung anstatt„sterben" geschrieben ist„Streben". Als der Autorschaft dieses Wisches verdächtig hat man auch bereits Einen„erwischt". Gestern Abend wurde ein Herr Bruno Wendler hier verhaftet, weil die Handschrift des Briefes auffallende Aehnlichkett zeigt mit der Schrift einer Eingabe, die Wendler im Jahre 1867 an die Polizei eingereicht hat. Obgleich wir mit Bruno Wendler keine Gemeinschaft haben, so suchten wir der Sache doch näher auf den Grund zu kommen, und fanden einige neuere Handschristen von Wendler in unseren Atten, welche wesentlich verschieden find von der Handschrift des anonymen Briefes, mit welcher sie wohl schwerlich identtfizirt werden können.— Wir haben diese Schriften eingereicht und hoffen, daß sie zur Klärung der Sache beitragen.— Als cha- rakteristisch für die Kampfesweise unserer Gegner fügen wir diesen Mittheilungen hinzu, daß im„Chemn. Tagebl." mit Hinweis auf den Brief gesagt wird:„Die(sozialistische?) Saat beginnt ihre Früchte zu tragen." Demnach scheint man den Belagerungs- zustand, welcher gegenwärtig über unsere Partei in Chemnitz verhängt ist, mit der müssigen Handlung eines anonymen Brief- schreibers rechtfertigen zu wollen! �on der Wupper, 18. Mai. Hat man viel, so wird man bald Noch viel mehr dazu bekommen. Wer nur wenig hat, dem wird Auch daS wenige genommen. Wenn du aber gar nichts hast, Ach so lasse dich begraben— Denn ein Recht zum Leben, Lump, Haben nur die etwas haben. Heine. Nach moderner Weltanschauung ist es selbstverständlich, daß der arme, nichtbesitzende Mensch den Unterwürfigen in der menschlichen Gesellschaft spielt Und leider ist die darbende Mensch- heit, durch Roth entmuthigt, meistens allzu geneigt, dieses Kreuz auch freiwillig auf sich zu nehmen. Sollte jedoch'mal ein armer Teufel, eingedenk Carl Moor's:„die Qual erlahme an meinem Stolz", diese Schranke mißachtend, sich als gleichberechtigt mit gut fituirten Meenschen fühlen, der würde alsbald zu obiger Heine'scher Satire treffliche Illustration finden. Und diese Jllu- stration, wie wirft sie erdrückend auf jedes Rechtsbewußtsein, be- sonders in Anbetracht, daß sie nicht allein einzelner, subjektiver Arroganz zu danken ist, sondern den ganzen gesellschaftlichen Ton veranschaulicht und sogar in den verschiedenen Gesetzesparagraphen ihre weitgehendste Sanftion findet. Wahrhaftig die Herren Ge- setzgeber verstehen es, für ihre besonderen Standesinteressen zu sorgen! Daher ist es um so mehr anzuerkennen, daß die paar Sozialdemokraten im Reichstage sich unablässig bemühen, den glatten Majoritätsrednern ihre heuchlerischen Larven abzureißen, um dem Lande den hohlen Gallimathias zu zeigen. Und dieses Bemühen der Sozialisten im Reichstage ist kein vergebliches ge- wesen, denn trotz der Verstümmelung sozialisfischer Reichstags reden durch die gegnerische Presse ist so viel in die Masse ge- drungen, daß mancher ursprüngliche Gegner ihnen seine Auer- kennung nicht versagen konnte und sich jetzt abwendet von dem kraftlosen Verhalten der Reichstagsmajorität gegenüber dem Eigenwillen eines„genialen" Staatsmannes. Dte treffende Bemerkung Liebknechfis in der 20. Sitzung des diesjährigen Par- laments:„Es sei an der Zeit, die Würde des Reichstags zu wahren, die in der Person des Abgeordneten Lasker durch den Kanzler insultirt worden sei," hat auch unserer, der sozialdemo- kratischen Partei, Anerkennung gefunden. Wie deprimirend diese Erkcnntniß auf die liberalen Blätter wirkte, zeigte alsbald das wüthende Gekläff der„Elberfelder Zeitung". Dieses Gekläff der„Elberfelder Zeitung" hätte nun wenig zu bedeuten(beson- ders in Anbetracht ihrer so sehr abgenommenen Abonnentenzahl der letzten Jahre), wenn man nicht gewußt, daß das Gewtnsel eines Pinschers alsbald das heisere Gebelver aller Hofhunde zu wecken im Stande sei. Die Elberfelderin, gefüttert(oder redigirt) von dem Gegenwartsdichter Scherenberg, hatte die Gewogenheit, die Sprache der Sozialisten in der 20. Sitzung(Liebknecht'« und Hasenclever's) eine ungenießbare zu nennen. Nun die Geschmäcke find verschieden, wußten wir ja doch im voraus, daß die derbe Sprache der Wahrheit für die Schweifwedler nicht schmackhaft ist. Ja die Geschmäcke sind verschieden, Charakterstärke und Schweifwedelei passen einmal nicht zusammen; leidet die erster« auch häufig Roth und muß barfuß durchs Leben gehen, während die letztere Ehren- und Würdenposten bekleidet, so ist erstere etn aufgeschlagenes, fleckenloses Buch und findet iyre Würde tn sich selbst, während letztere trotz allem äußeren Schein ihre mnere Haltlosigkeit und Erbärmlichkeit häufig empfinden muß, und auf manchen modernen Literaten und Soldschreiber paßt. Wieskoch, 20. Mai. Daß auch in Süddeutschland die So- zialdemokratie immer festeren Fuß faßt, dafür diene Folgendes zum Beweis. Im Anfange dieses Jahres bildete sich hjxr in Wiesloch durch Aufmunterung_ der Mannheimer Genossen eine Parteimitgliedschaft, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, auch in hiesigem Bezirke, wo man den Sozialismus nur aus den Zeitungen kannte, durch Volksversammlungen, Zeiwngen und Schriften für Aufklärung des Volkes zu wirken, sowie die sozia- listischen Ideen in die Landbevölkerung zu bringen. Zu diesem Zwecke hielten wir am 26. Februar eine Volksversammlung ab, in welcher Genosse Dreesbach aus Mannheim über die„Tabak- steuer" referirte. Daß dieser erste Versuch ftin mißlungener war zeigte am besten die„Wieslocher Zeitung", welche haar- sträubenden Unsinn über die Versammlung berichtete und natür- lich über die Sozialdemokraten in der schamlosesten Weise sich äußerte. Glaubte aber genanntes Blatt, den Sozial smus mit hämischen Auslassungen todt gemacht zu haben, so sollte dasseloe schon am 5. Mai eines Andern belehrt werden. War schon die erste Vsrsammlung gut besucht, so war eS die zweite, welche am genannten Tags abgehalten wurde, nicht minder. Genosse! Dreesbach aus Mannheim war es wieder, der über die Be- strebungen der Sozialdemokratie in einem 1'/, stündigen Vortrage referirte. Unsere Gegner schienen sich von dem Schrecken, welchen unsere erste Versammlung in ihnen hervorgerufen hatte, in etwas erholt zu haben, und hatten sie sich deshalb nicht nur sehr zahl- reich eingefunden, sondern auch einen Helfer in der Roth mitgebracht, der in der Gestalt des Herrn Stadtpfarrers Kölle dem Referenten entgegen trat und denselben zu widerlegen suchte. Es wäre Raumverschwendung, auf die Entgegnungen des Pfarrers näher einzugehen, nur das eine sei mitgetheilt, daß Stadtpfarrer Kölle ersichtlich darauf ausging, Genosse Dreesbach auf das Feld der Majestätsbeleidigungen zu locken, um mit Hülfe der Polizei die Saat, welche schon reichlich aufgegangen, in ihrer EntWickelung zu ersticken. Allein genannter Herr hatte die Rechnung ohne den Wirth, d. h. Genosse Dreesbach gemacht, welcher dem frommen Herrn so trefflich heimleuchtete, daß derselbe das Wiederkommen wahrscheinlich vergessen wird. Desto wüthender aber geberdete sich die„Wieslocher Zeitung", welche anderen Tages einen Ar- tikel über die Versammlung brachte, in welchem ein solcher Ton und Anstand zu Tage trat, daß selbst einem Gassenjungen die Schamröthe in s Geficht gestiegen wäre, wenn er diesen Artikel gelesen hätte. Alles in Allem sind unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt und dürfen wir uns der zuversichtlichen Hoffnung hingeben, unter der hiesigen Landbevölkerung Anhänger gefunden zu haben. Allen Gesinnungsgenossen rufen wir aber ein frisches „Vorwärts" zu und der Sieg wird nicht ausbleiben trotz „Attentat" und Reaktton. Miestoch, 27. Mai.(Etwas für Herrn Eugen Richter.) Der„Frankfurter Zeitung" wird geschrieben:„Gestern haben hier die„Gebildeten" den Staat auf eine Art und Weise ge- rettet, die ihrer„Bildung" alle Ehre macht, und die wir Herrn Eugen Richter zu gefälliger Kenntnißnahme eindringlichst em- pfehlen möchten. Hauptsächlich um den maßlosen Ausfällen der „Wieslocher Zeitung, Amts verkündiger für den Kreis Wiesloch", entgegenzutreten, sollte daselbst ein Mannheimer Redner über „das Attentat und das Hödelgesetz" sprechen. Als derselbe kaum das Versammlungslokal, in welches die„Reichsfreunde" ihre Mannschaften zusammengetrommelt hatten, betreten hatte, sprang, ehe es zur Bildung eines Bureau's gekommen, ein Herr vr. meä. Fischler auf seinen Stuhl, redete fünf Minuten lang von Attentat, französischer Revolution und Commune und machte dann einem Herrn Notar Baier Platz, der ebenfalls einen Häringssalat aus Robespierre, Commune und„Se wolle dheile" anrichtete und erst auf die Frage: Wo das geschrieben stehe, wieder in der Menge verschwand. Ihm folgte, ohne daß einer der Einberufer zum Worte hätte kommen können, ein Herr Stadtpfarrer Hügel, der sich wie Nummer 2 expektorirte und die Anwesenden aufforderte, das„Heil Dir im Siegerkranz" zu singen. Als nunmehr von sozialdemokrattscher Seite nochmals die Bornahme der Bureauwahl verlangt wurde, erhob sich von Seiten der Herren„Reichsfreunde" ein Brüllen, welches den Lungen derselben erheblich mehr Ehre machte, als ihrer Bil- dung, und das den anwesenden Polizeidiener veranlaßte, die noch nicht eröffnete Versammlung„wegen Unordnung" aufzu- lösen. Die dem Herrn entgegengehaltene Bemerkung, daß es in diesem Falle gewiß nicht die Sozialdemokratie gewesen, welche die Unordnung verursacht, wurde mit der klassischen Antwort: „Nix da, nix da, nix wie'nauS" abgefertigt, worauf ein Gens- darm den Mannheimer„Wühler" beim Arm nahm und ihn vor die Thür geleitete. Von hier bis bis zum Bahnhofe entwickelte sich nun eine„Sauhatz", bei welcher der Redakteur der„Wies- locher Zeitung", ein Herr Zillig, die hervorragendste, die hoff- nungsvolle Schuljugend des Ortes eine sehr wesentliche Rolle spielte. Nicht nur insultirte man den Mannheimer auf dem ganzen langen Wege bis zum Bahnhofe, sondern sogar im Wartesaale noch benahm sich gerade der genannte Redakteur wie ein Tollsüchttger und meinte z. B. sehr„gebildet":„Aufgehängt gehören sie all', die hergelaufenen Kerle" u. dergl. mehr. Der Skandal dauerte fort bis zur Abfahrt des Zuges, ohne daß die Polizei ernstlich eingeschritten wäre. Das Ganze gewährte einen Anblick, der jedem anständigen Manne die Röthe der Scham ins Antlitz treiben mußte."— So die„Franks. Zeitz."! Wir aber freuen uns über solche Thaten der Antisozialisten, weil dadurch die Rohheit derselben und die Richter'sche Ver- logenheit recht an den Tag treten. Abiedverg. Der Vorstand des hiesigen nationalliberalen Wahlvereins hat sich das Vergnügen gemacht, die Nummer 51 des„Vorwärts" mit dem Berliner Attentats-Artikel in einem offenen Schaufenster auszuhängen. Eine solche Propaganda für unsere Sache ist gewiß originell zu nennen. Möchte der betr. Artikel nur recht ordentlich gelesen werden, denn er ist wohl geeignet, manches unklare Hirn wieder in Ordnung zu bringen. Dem verehrlichen Vorstande genannten Vereins dürfen wir des- halb wohl unfern besten Dank abstatten! Uebrigens hat Genosse F l o h r, der dortige Colporteur unserer Parteiblätterund Bros chüren, um der Bequemlichkeit des Publikums Rechnung zu tragen, 50 Exemplare der betreffenden Nummer des„Vorwärts" bestellt, welche er gratis vertheilen wird, um die Neugierigen der Mühe des Stehens vor dem Schaufenster zu überheben. Irankfurt a. M., 22. Mai.(Zum Attentate.) Es kann mir mcht in den Sinn kommen, mich in die Behandlung dieses für eine gewisse Sorte Menschen so ungeheuer gelegen gekomme- nen Themas viel einzulassen. Hat sich der„Vorwärts" doch schon genügend damit beschäfttgt. Nur noch ein paar„Kleinig- leiten" seien mir anzuführen gestattet. Wie ja allerwärts„im Reiche der Gottesfurcht und frommen Sitte", so haben sich auch hier die Vertreter und Verfechter der Reaktion, die„Gutgesinn- ten", wie besessen benommen. Zur Kennzeichnung unserer hiesigen Streiterin für den Liberalismus, der„Neuen Frankfurter Presse", mag die eine Thatsache genügen, daß dieses Blatt am Tage des Attentates, am 11. Mai, Abends um 7 Uhr, eine Extra-Beilage verausgabte, worin außer einer Depesche des Wagner'schen tele- graphischen Correspondenz-Bureaus noch ein Privat- Telegramm von Nachmittags 6 Uhr enthalten war, das also berichtet:! „... Der Attentäter, der sozialdemokratischen Partei angehörend, wurde mit Complicen verhaftet." Ein solches Manöver ist, ab- gesehen von seiner, beispiellosen Frechheit, auch noch so abscheu- lich dumm, daß ein Blinder mit- einem Stocke fühlen kann, was es bedeuten soll. O ihr Ritter von der allertraurigsten Gestalt,' zwei Stunden nach dem Attentate werft ihr den Menschen, der nur euch und eurer Unfähigkeit zu einem ehrlichen Kampfe zu Hülfe gekommen, einfach unter die Sozialdemokraten!— Ein anderes Stückchen von„öffentlicher Meinung". Die conservative „Deutsche Reichs-Post" halte sich, wie sich das von selbst versteht, die günstige Gelegenheit auch nicht entgehen lassen. Heute noch bringt sie, die frommen Aeuglein gen Berlin und gen Himmel Serichtet, einen Leitartikel, der also anhebt:„Das ruchlose lttentat vom 11. Mai wird also jetzt wenigstens die gute Folge haben, daß Maßregeln beabsichttgt werden, die man zum Schutze der menschlichen Gesellschaft schon längst hätte ergreifen sollen." Wenn die Roth am größten, ist die Hülfe am nächsten, syrup- süßes Blättchen! Nachdem noch den Liberalen, speziell der„All- gemeinen Zeitung" der Text gelesen und die sittliche- religiöse Verwilderung als der Boden solcher Thaten bezeichnet wird, kommt noch ein Gedanke zum Vorschein, der in Hinficht auf Erhaben- heit dem eben angeführten gleichzustellen ist:„Jene heroische Periode, in welcher Herr Lasker versprach, uns nöthigenfalls mit dem Knüttel gegen die Sozialdemokraten beschützen zu wollen, scheint hiernach viel friedsameren Stimmungen gewichen zu sein." Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen und— scblagt die Sozialdemokraten mit dem Knüttel todt, so lautet also die neueste Parole, mit deren Ausgabe hoffentlich die sittlich- religiöse„Ver- wilderung" gründlichst beseitigt wird! Muß es sich doch auch ein seines Weges Gehender, und sei er der anständigste Mensch hon der Welt, gefallen lassen, daß ihn ein roher Schlingel nicht nur mit Schneebällen, sondern auch mit Koth bewirst oder ihn, bei verschlossener Thüre, vom Fenster aus beschimpft.--- Wie in vielen anderen Städten, so besteht auch hier ein Verein zum Schutze der Thiers, was jedoch ebensowenig wie in diesen anderen Städten die Thierquälerei verhindert— �ota Kens wenn sie vn gros betrieben wird. So finden hier alljährlich zwei Pferde- rennen statt, wogegen selbstverständlich Niemand, die Sozialdemo- kraten abgerechnet, etwas einzuwenden hat.„Der Gerechte er- barmt sich seines Viehes!"— o— ßarksruhe, 24. Mai. Die Herren Redakteure des„Organs für technische Hochschulen" hatten Mitte dieses Monats an sömmtliche Studirende deutscher Hochschulen eine Aufforderung ergeben lassen, am 28. Mai die Errettung des Kaisers von mörderischer Hand zu feiern. Hierauf bezugnehmend berief der an der hiesigen polytechnischen Hochschule bestehende„Polytech- nische Verein"(der Verein hat etwa vier Fünftel der Studiren- den zu Mitgliedern) eine Generalversammlung mit der Tages- ordnung:„Antrag des Ausschusses, am 28. Mai einen Com- mers abzuhalten." Bei Beginn der Versammlung legte der Vorsitzende des Vereins den Anttag vor und fragte um die An- sichten der Mitglieder. Nun begann die Debatte.— Ein Herr äußerte sich, so froh er auch sei, daß der greise Monarch gerettet ward, so sei er doch entschieden gegen Abhaltung eines Fest- Commerses, denn er hielte es für nützlicher, das Geld, welches hierfür verausgabt wurde, zur Unterstützung des seit einigen Jahren sehr verarmten Theils der Bevölkerung zu verwenden. Als nun hierauf ein Anderer sagte, Studenten sollten nicht nur auf das Materielle achten, sondern auch der Begeisterung Raum geben, erhob sich ein Anderer, welcher, begleitet von vielseitigen Beifallsrufen, etwa Folgendes sprach: Meine Herren! Ich denke, daß sich hier unter uns viele demokratisch oder sozialdcmokra- tisch Gesinnte befinden, welche mit mir die Ansicht theilen wer- den, daß man Angesichts von Gesetzen, wie sie heute vom Bun- desrathe beschlossen worden sind, keinen Fest-Commers halten darf. Meine Herren! Es bedrohen uns Gesetze, bei welchen jede Begeisterung aufhört. Nach vielem Hin- und Her-Debat- tiren wurde abgestimmt, und es ergab sich eine Stimmenmehrheit gegen Begehen eines Commcrses. Ein hierauf gestellter Antrag, dem Kaiser eine Ovationsadresse zu widmen, wurde auch mit großer Stimmenüberlegenheit abgelehnt. A. 8. u. II 111$. Mittwoch."' dm"�5.�Juni. Abends halb 9 Uhr, im„Trianon" des Hrn. Richter, Roßplatz 9:(0,90 Versammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag über die religiöse Erziehung der Kinder. 2. Bundesangelegenheiten. Das Erscheinen aller Mitglieder ist dringend nothwendig. Gäste haben Zutritt._ Der Borstand. t Sozialdemokratischer Wahlvereiu. »«-CV. Die hiesigen Mitglieder versammeln sich jeden Sonnabend, Abends 8 Uhr, bei Herrn Gastwirth Thiele» i Ritterstraße.(ms[0,40 Geiiossenschaftsbuchdruckerei Leipzig. Die diesjährige Ordentliche Generalyersammlung findet am Donnerstag den 20. Jnni, Abends 8 Uhr, in Leipzig statt. Die Tagesordnung laatet: 1) Geschäftsbericht des Vorstandes. 2) Revisionsbericht des Anfsichtsrathes. 3) Richtigsprecfanng der Jahresrechnnng. 4) Feststellung der Dividende und Bestimmung über den Geschäftsgewinn. 5) Feststellung des Etats für das neue Geschäftsjahr. 6) Wahl des Vorstandes. 7) Bestimmung über den Sitz des Aufsichtsraths. 8) Antrag, Aenderung des§ 27 des Statuts betreffend. Laut§ 18 des Statuts steht es den Mitgliedern, welche nicht am Orte der Generalversammlung wohnen, frei, sich auf Grund einer eigenhändig unterzeichneten Vollmacht vertreten zu lassen. Die betr. Vollmachtsformulare, welche den Stempel der Genossenschaft tragen müssen, werden von dem mitunterzeichneten A. Geib, Hamburg, Rödlngsmarkt 12, auf Verlangen den Genossenschaftsmitgliedern zugeschickt. Hamburg, den 30. Mai 1878. Der Aufsiehtsrath. L Ä.: J. W. Hartmann. H. Brascfa. A. Geib. C. Dcrossi. NB. Das Lokal wird später bekannt gegeben.[2,50 fNrtrmrtllPr Zur Anfertigung aller Arten von Tapeziererarbeiten[2,10 empfiehlt sich den Parteigenossen und Freunden unter Zusicherung reelster und promptester Bedienung(F. 159)(2b) Louis Flügge, Tapezierer, Welfenstraße 18. NB. Bestellungen für Obigen nimmt auch entgegen H. Rudolph, Mittelstr. 11 IL London, 24. Mai 1878. Die zweite Sektion des kommunistischen Arbeiter-BildungsvereinS beschloß in der letzten Parteiversammlung den Schuhmacher H. Müller, featberstone Street 23 wohnhaft, wegen verschiedener Vergehen, die er sich sowohl gegen den Verein selbst, sowie gegen verschiedene Mitglieder zu Schulden kommen ließ, als der Partei unwürdig auszustoßen und um Veröffentlichung im„Vorwärts" nach- zusuchen. Genannter Müller konnte die in jener Versammlung vorge- brachten Beschuldigungen nicht entkräften. Es wurde ihm nachgewiesen: gegen den kommunistischen Arbeiter- Bildungsverein, II. Sektion, agitirt und zur Gründung eines antisozialdemokrattschen Arbeiter-Bereins die nöthigen Schritte gethan zu haben. Mit sozialdemokratischem Gruß Für den Borstand des komm. Arb.-Bild.-Bereins, II Sektion: Charles A. Zadrck, korresp. Sekretär. Achtung für Stellmacher! Da wir unser BerkehrSlokal und Arbeitsnachweis nach Herrn von Salzen, Kaffamacherreihe„Stadt Kiel", verlegt haben, so ersuchen wir alle nach Hamburg zureisende Collegen nur daselbst einzukehren. Die Stellmacher Hamburgs. Alle Parteiblätttr werden um Abdruck gebeten. Briefkasten der Redaktion. H. P. Liegnitz: Zu welchem Zweck möchten Sie die Adresse des Sch. wissen?— der Expedition. A. Gsrck Jüterbogk: Die Brochüren„Christen- thum und Sozialismus" und Sack,„Unsere Schulen", sind augenblick- lich vergriffen. Ihre Bestellung beträgt sohin nur 1,90 M.— N. m Qu.: Ter Lehrer hat das Züchtigungsrecht, doch dürfen sich be, dem Gezüchtigten nicht Spuren der Züchtigung zeigen, da er sonst auf Grund des Strafgesetzes wegen Körperverletzung oder Mißhandlung be- langt werden kann. Der Schuhmachermeister Johann Siems, aus Massow gebürtig, zuletzt in Berlin wohnhaft, dann nach Amerika ausgewandert, wird von seiner Tochter Juliane ersucht, ihr seine Adresse einzusenden. Dieselbe wohnt Apselallee Nr. 10 bei C. Tolzmann in Stettin. Parteigenosse Ernst Gloßner, Töpfer, wird ersucht, mir seine jetzige Adresse zukommen zu lassen. Hildesheim.___ Josef Heinze. Der Cigarrenarbeiter Alfred Schmie! wird aufgefordert seinem Bruder seinen jetzigen Aufenthalt bekannt zu geben. Der Bruder wohnt bei dem Cigarrenarbeiter Franz Hödel in Eilenburg. ____ I. Sperling. Hannover.».MM,!" � � 8 Große Volksversammlung. Tagesordnung: Das Attentat und das Sozialisten-Ausnahme-Gesetz. Referent Hr. Meister. H. Rudolph.[60 Sozialdemokratischer Wahlvereiu. Am ersten Pfiugstfeiertag findet in den Narten'schen Säle«, Hildesheimerstraße[2,40 Grosses Familien-Fest bestehend in Concert und Ball statt. Karten sind bei Rudolph und LogeS und in den Bersamm- lungen zu haben. Die Commisston. Den zweiten Pfingstfeiertag bei schönem Wetter: M�orKen-�usIluK ins Holz. Zusammenkunft bei Natten. I,f0](3a) H. Rudolph. Rod-Fadafc Domingo 35. 40. 45. 50. 65. 70. 80. 90. 120 Pf. Brasil 50. 55 65. 70. 80. 100. 120. 140 Pf. Seedleaf 40. 50. 60. 70 bis 180 Pf. Java 90. 100. 120. 140. 160. 250. 270 Pf. Carmen 80. 90. 120 Pf. Palmyra 135. 145. 165. 170 Pf. Lose Domingobllltter 25 und 30 Pf.(6a)[1,00 Ferd, Gätjens, Altona, Rathhausmarkt 36. Einige tüchtige Colporteure. Für unsere sozialdemokratische„Halberstädter Freie Presse"(Wochen- blatt, PreiS: 75 Pf. pr. Quartal) werden gegen festen Gehalt und hohe Provision gesucht. Fahrgeld nach hier wird vergütet. Die sich Meldenden müssen sich über Fähigkeit und Zuverlässigkeit durch Zeugniß eines Parteiorgans ausweisen können. Meldungen sind zu richten an die Expedition der„Halberstädter Freien Presse".' _ Fr. Rathmanu, Halberstadt, Bakenstraße 63.[110 Äbilinusslknopssadrilktttivil. Ein durchaus tüchtiger und erfahrener Färber für Steinnußknöpfe wird zu sofortigem Eintritt bei hohem Salair für eine deutsche Knopffabrik in Paris gesucht. Offerten mit Angabe bisheriger Thätigkeit sind an A. W. Paris 42 Rue aux Ours zu adressiren. Reisegeld wird im Voraus geschickt.(Zc)[8,30 Durch die Expedition des„Vorwärts" ist zu beziehen: Die Orientdebatte im deutschen Reichstage(vollständig nach dem amtlichen stenographischen Bericht). Kurz beleuchtet von W. Liebknecht. 5 Bogen. 80. Preis 30 Psg. Zur orientalischen Frage oder Soll Europa kossakisch werden? Ein Mahnwort an das deutsche Volk von W. Liebknecht. Zweite. um 1 Bogen vermehrte Auflage, in der die neuesten Phasen der polittschen Lage berücksichtigt sind. 4 Bogen. 8°. Preis 30 Psg. Religion und Soziaiismus. Eine nachgelassene Schrift aus dem Jahre 1869 von Dr. Bornttau. Den deutschen Arbeitern ge- widmet. Zweite Auflage, 4 Bogen. 8». Preis 40 Psg. Die religiöse Frage und das arbeitende Volk. Von Dr. C. Bornttau. Zweite Auflage, durchgesehen und ergänzt von Bruno Geiser. Preis 25 Psg. Das deutsche Reich und seine Gesetzgebung. Materialien für die sozialistische Agitation. Von Bruno Geiser. 7 Bogen. 8». Preis 60 Pfg.(w)_[5�0 Le P�re Duchene Journal r�pnblicain- socialiste-revolntionaire parait ä Sevres(Seine-et-Oise), prfcs Paris(France), 18, rue des Fontaines. Un numdro chaque Dimanche. Rödacteur en chef; Le citoyen Hippolyte Buffenoir. Abonnements ponr l'Allemagne et les untres pays etrangers: Vn an 11 Frcs., Six mois 5,50 Frcs., Dreis mols 2,75 Frcs. LEgalite. (Strhexäfmt-m Sozialdemokratischer Wahlverein. «yllFtö�ClUl. Jeden Montag, Abend» halb 9 Uhr: Mitgliederversammlung wozu Jeder freien gutritt hat.(m) [0,50 tTouriial r�pnblicain socialiste. (Organe du parti socialiste en France.) Paraissant tons les dimanches ä Lagny(pres Paris) 2, rue du Chariot d'Or. Abonnement: 3 mois: 3 Mark;— 6 mois: 5 Mark;— un an: 10 Mark.— On s'abonne, soit ä la poste, soit en envoyant le montant au journal ä Lagny, Filialen n. Colporteure, welche Nr. 1 der„Aeueu Welt" vom Jahrgang 1878 ohne Verwendung liegen haben, werden gebeten, dieselben sofort der unterzeichneten Expedition zuzusenden Leipzig. Expedition der„Neuen Welt", Färberstr. 1211. Verantwortlicher Redakteur: Julius Künzel in Leipzig. Redaktion und Expedition Färberstraße 12. H in Lei: �tg. Druck und Verlag der Genoffenschaftsbuchdru ckerei in Lcpzig. Hierzu eine Beelage- Beilage des„Vorwärts". Sonntag, 2. Juni 1878. Herrn Eugen Diihring's Umwälzung des Sozialismus. Bon Friedrich Engels. III. Nach allem Vorangegangenen wird es den Leser nicht wun- dern, zu erfahren, daß die iin letzten Abschnitt gegebene Ent- Wicklung der Grundzüge des Sozialismus keineswegs nach dem Sinn des Herrn Dühring ist. Im Geg entheil. Er muß sie schleudern in den Abgrund alles Verworfenen, zu den übrigen „Bastarden historischer und logischer Phantastik", den„wüsten Konzeptionen", den„konfusen Nebelvorstellungen" u. s. w. Für ihn ist der Sozialismus ja keineswegs ein nothwendiges Erzeug- niß der geschichtlichen EnNvicklung, und noch viel weniger der grob-materiellen, auf bloße„Futterzwecke" gerichteten ökonomischen Bedingungen der Gegenwart. Er hat es viel besser. Sein So- zialismus ist eine endgültige Wahrheit letzter Instanz; er ist„das natürliche System der Gesellschaft", er findet seine Wurzel iu einem„universellen Prinzip der Gerechtigkeit", und wenn er nicht umhin kann, von dem bestehenden, durch die bisherige sündhafte Geschichte geschaffenen Zustand Notiz zu nehmen, um ihn zu ver- bessern, so ist das eher als ein Unglück für das reine Prinzip der Gerechtigkeit zu betrachten. Herr Dühring schafft seinen So- zialismus, wie alles Andere, verniittelst seiner famosen beiden Männer. Statt daß diese beiden Marionetten, wie bisher, Herr und Knecht spielen, fuhren sie zur Abwechslung einmal das Stück von der Gleichberechtigung auf— und der Tühringsche Sozialis- ums ist in seiner Grundlage fertig. Demnach ist es selbstredend, daß bei Herrn Dühring die pe- riodischcn industriellen Krisen keineswegs die geschichtliche Bedeu- tung haben, die wir ihnen zuschreiben mußten. Die Krisen sind bei ihm nur gelegentliche Abweichungen von der„Normalität" und geben höchstens Anlaß zur„Entfaltung einer geregelteren Ordnung". Die„gewöhnliche Weise", die Krisen aus' der lieber- Produktion zu erklären, genügt seiner„exakteren Auffassung" keines- Wegs. Allerdings sei eine solche für„Spezialkrisen in besondem Gebieten" wohl zulässig. So z. B.„eine Ueberfüllung des Bü- cherinarktes mit Ausgaben von Werken, die plötzlich für den Nach- druck freigegeben werden und sich für den Massenabsatz eignen." Herr Dühring kann sich allerdings mit dem wohlthuendcn Be- wußtsein zu Bette legen, daß seine unsterblichen Werke ein solches Weltunglück nie anrichten werden. Für die großen Krisen sei es aber nicht die Ueberproduktion, sondern vielmehr„das Zurück- bleiben der Bolkskonsumtion... die künstlich erzeugte Unterkon- sumtion... die Hinderung des Volksbedarfs(!) an seinem natürlichen Wachsthum, was die Kluft zwischen Vorrath und Ab- nähme schließlich so kritisch weit macht." Und für diese seine Krisentheorie hat er denn auch glücklich einen Jünger gefunden. Nun ist aber leider die Unterkonsumtion der Massen, die Be- schränkung der Massenkonsunition auf das zuni Unterhalt und zur Fortpflanzung Nothiveiidige nicht erst eine neue Erscheinung. Sie hat bestanden, so lange es ausbeutende und ausgebeutete Klassen gegeben hat. Selbst in den Geschichtsabschnitten, wo die Lage der Rayen besonders günstig war, also)z. B. in England im 15. Jahr- hundert, unterkonsunnrten sie. Sie ivaren weit davon entfernt, ihr eignes jährliches Gcsammtprodukt zur Verzehrung verfügbar zu haben. Wenn nun also die Unterkonsumtion eine stehende geschichtliche Erscheinung seit Jahrtausenden, die in den Krisen ausbrechende allgemeine Absatzstockung in Folge von Produktionsüberschuß aber erst seit fünfzig Jahren sichtbar geworden ist, so gehört die ganze vulgärökononiische Flachheit des Herrn Dühring dazu, die neue Kollision zu erklären, nicht aus der neuen Erscheinung der Ueber- Produktion, sondern aus der Jahrtausende alten der Unterkon- suintion. Es ist als ivollte man in der Mathematik die Verän- derung des Verhältnisses zweier Größen, einer konstanten und einer veränderlichen, erklären, nicht daraus, daß die veränderliche sich verändert hat, sondern daraus, daß die konstante dieselbe ge- blieben ist. Die Unterkonsumtion der Massen ist eine uothwen- oige Bedingung aller auf Ausbeutung beruhenden Gesellschafts- formen, also auch der kapitalistischen; aber erst die kapitalistische Form der Produktion bringt es zu Krisen. Die Unterkonsumtion der Massen ist also auch eine Vorbedingung der Krisen und spielt m ihnen eine längst anerkannte Rolle; aber sie sagt uns ebenso- wenig über die Ursachen des heutigen Daseins der Krisen, wie über die ihrer früheren Abwesenheit. Herr Dühring hat überhaupt merklvürdige Vorstellungen vom Weltmarkt. Wir sahen, wie er sich wirkliche industrielle Spezial- krisen als ächter deutscher Literatus an eingebildeten Krisen auf dem Leipziger Büchermarkt klar zu machen sucht, den Sturm auf der See ain Sturm im Glase Wasser. Er bildet sich ferner em, die heuttge Unternehmerproduktion müsse„sich mit ihrem vornehmlich im Kreise der besitzenden Klassen selbst drehn."was ihn nicht verhindert, nur sechszehn Seiten Iveiter als cne e» tjcheld enden modernen Industrien in bekannter Weise die «�5° Bauinwolb-Jkdustne hinzustellen, also grade die beiden deren Erzeugnisse nur zu einem verschwindend und vor attpi/w frci� k" besitzenden Klassen konsumirt werden Wohin wir i.n«?- auf den Massenverbrauch angewiesen sind. volles Hin- und Her G md)� leeres, widerspruchsaus der Baun.woll JnduK�M> � ein mäßig kleinen Stadt Ol�,' in der einzigen, verhaltmß von 50— 100 000 Emm kU— einer aus dem Dutzend Städte industrie betreiben- bie~ic Z son, die sich mit einer Gattung von Thätigkeit ausschließlich schaft von Personen, die durch ihr öffentliches Recht der Verfü- abgeben soll." Handelt es sich um die Einführung eines neuen gnng über einen Bezirk von Grund und Boden und über eine Gruppe von Produttionsetablissements zu gemeinsamer Thätig- keit und gemeinsamer Theilnahme am Ertrage verbunden sind." Das öffentliche Recht ist„ein Recht an der Sache... im Sinne eines rein publizistischen Verhältnisses zur Natur und zu den Produktionseinrichtungen." Was das heißen soll, darüber mögen sich die Zukunftsjuristcn der Wirthschaftskommüne die Jahren 1872-75 die Zahl W sJ-Ai« S- Nummer 32 spinnen, sich Jr!r "S jZ mi Zm'&°-° eine ganz Deutschland mitsammt dem E, A°, e �nou, ne von wenn die Ausdehnung in den übviA°���uPt besitzt, und der Baumwollindustrie Englands und Schottlands annÄ�nd demselben Verhältniß stattgefunden hat, so �hört eine sta?ke �osis >zelhaster Unversrorenh� dazu die je/ge� Oer Baumwollgarne und Gewebe zu erklaren aus der Unterkon- lumtton der englischen Massen und nicht aus der Uebervroduktion der englischen Baumwollfabrikanten.*) vmpr u n .*) Die Erklärung der Krisen aus Unterkonsumtion rührt her von Iio'fm0 vt unl> dat bei ihm noch einen gewissen St NN. Bon SiSmondi dl chodbertuS sie entlehnt, und von Rodbertus hat wieder Herr Dük- 'g sie seiner gewohnten verflachenden Weise abgeschrieben. man Produktionszweigs, so„besteht die Frage einfach darin, ob eine gewisse Zahl von Existenzen, die sich der Erzeugung eines Artikels widmen sollen, mit der für sie erforderlichen Konsumtion(!) gleichsam schaffen könne." Ein beliebiger Pro- duktionszweig wird in der Sozialität„nicht viel Bevölkerung in Anspruch nehmen." Uno auch in der Sozialität giebt es „sich nach der Lebensweise sondernde ökonomische Spielarten" Köpfe zerbrechen, wir geben jeden Versuch auf. Nur soviel er-! von Menschen. Hiernach bleibt innerhalb der Sphäre der Pro- fahren wir, daß es keineswegs einerlei ist mit dem„körperschaft-> duktion so ziemlich Alles beim Alten. Allerdings herrscht in der lichen Eigcnthum von Arbeitergesellschaftcn", die gegenseitige Kon- knrrenz und selbst Lohnausbeutung nicht ausschließen würden. Wobei dann fallen gelassen wird, die Vorstellung eines„Ge- sammteigenthums", wie sie sich auch bei Marx finde, sei„min- destens unklar und bedenklich, da diese Zukunftsvorstellung immer den Anschein gewinnt, als wenn sie nichts als ein körperschaft- liches Eigenthum der Arbeitergruppen zu bedeuten hätte." Es ist dies wieder eins der vielen bei Herrn Dühring üblichen„schnöden Manierchen" der Unterschiebung,„für deren vulgäre Eigenschaft (wie er selbst sagt) nur das vulgäre Wort schnoddrig ganz passend fein würde;" es ist eine ebenso aus der Luft gegriffene Unwahr- heit, wie die andere Erfindung des Herrn Dühring, das Gefammt- eigenthum bei Marx sei ein„zugleich individuelles und gesellschaft- liches Eigcnthum." Jedenfalls scheint so viel klar: das publizistische Recht einer Wirthschaftskommüne an ihren Arbeitsmitteln ist ein ausschließ- liches Eigenthumsrecht wenigstens gegenüber jeder andern Wirth- schaftskommüne und auch gegenüber der Gesellschaft und dem Staat. Es soll aber nicht die Macht haben,„nach Außen... abschließend zu verfahren, denn zwischen den verschiedenen Wirth- schaftskomniünen besteht Freizügigkeit und Nothwendigkeit der Auf- nähme neuer Mitglieder nach bestimmten Gesetzen und Verwal- tungsnormen... ähnlich... wie heute die Angehörigkeit zu einem politischen Gebilde und wie die Theilnahme an den wirth- schaftlichen Gemeindezuständigkeiten." Es wird also reiche und arme Wirthschaftskommünen geben, und die Ausgleichung findet statt durch den Andrang der Bevölkerung zu den reichen und den Wegzug von den armen Kömmünen. Wenn also Herr Düh- ring die Konkurrenz in Produkten zwischen den einzelnen Kom- münen durch nationale Organisation des Handels beseittgen will, so läßt er die Konkurrenz in Produzenten ruhig fortbestehn. Die Dinge werden der Konkurrenz entzogen, die Menschen bleiben ihr unterworfen. Jndeß sind wir damit noch lange nicht im Klaren über das „publizistische Recht". Zwei Seiten weiter erklärt uns Herr Dühring: Die Handelskommüne reiche„zunächst so weit, als das- jenige politisch-gesellschaftliche Gebiet, dessen Angehörige zu einem einheitlichen Rechtssubjekt zusammengefaßt sind und in dieser Eigenschaft die Verfügung über den gesamniten Boden, die Wohn- stätten und die Produktionseinrichtungen haben." Es ist also doch nicht die einzelne Kömmüne, die die Verfügung hat, sondern die ganze Nation. Das„öffentliche Recht", das„Recht an der Sache", das„publizistische Verhälwiß zur Natur" u. s. w. ist also nicht blos„mindestens unklar und bedenklich", es ist in di- rcktem Widerspruch mit sich selbst. Es ist in der That, wenigstens soweit jede einzelne Wirthschaftskommüne ebenfalls ein Rechts- fubjekt,„ein zugleich individuelles und gesellschaftliches Eigenthum", und diese letztere„nebelhafte Zwittergcstalt" daher wieder nur bei Herrn Dühring selbst anzutreffen. Jedenfalls verfügt die Wirthschaftskommüne über ihre Arbeitsmittel zum Zweck der Produktton. Wie geht diese Produktton vor sich? Nach Allem, was wir bei Herrn Dühring erfahren, ganz im alten Stil, nur daß an die Stelle des Kapitalisten die Köm- münc tritt. Höchstens erfahren wir, daß die Berufswahl jetzt erst für jeden Einzelnen frei wird, und daß gleiche Verpflichtung zur Arbeit besteht. Die Grundform aller bisherigen Produktion ist die Theilung der Arbeit, einerseits innerhalb der Gesellschaft, andererseits inner- halb jeder einzelnen Produftionsanstalt. Wie verhält sich die Tühringsche„Sozialität" zu ihr? Die erste große gesellschaftliche Arbeitstheilung ist die Schei- dnng von Stadt und Land. Dieser Antagonismus ist nach Herrn Dühring„der Nattir der Sacke nach unvermeidlich." Aber„es ist überhaupt bedenklich, sich oie Kluft zwischen Landwirthschaft und Industrie... als unauSsüllbar zu denken. In der That besteht bereits ein gewisses Niaß von Stetigkeit der Neberleitung, welches für die Zukunft noch serheblich zuzunehmen verspttcht." Schon jetzt hätten sich zwei Industrien in oen Ackerbau und länd- bisherigen Gesellschaft eine„falsche Arbeitstheilung"; worin aber diese besteht und wodurch sie in der Wirthschaftskommüne ersetzt werden soll, darüber erfahren wir nur dies:„Was die Rücksichten der Arbeitstheilung selbst anbetrifft, so haben wir schon oben ge- sagt, daß sie als erledigt gelten können, sobald den Thatsachen der verschiedenen Naturgelegenheiten und den persönlichen Fähig- leiten Rechnung getragen ist." Neben den Fähigkeiten kommt noch die persönliche Neigung zur Geltung:„Der Reiz des Auf- steigens zu Thätigkeiten, die inehr Fähigkeiten und Vorbildung ins Spiel setzen, würde ausschließlich auf der Neigung zu der betteffenden Beschäfttgung und auf der Freude an der Ausübung grade dieser und keiner andern Sache(Ausübung einer Sache!) beruhen." Hiermit aber wird in der Sozialität der Wett- eifer angeregt und„die Produktion selbst ein Interesse erhalten, und der stumpfe Betrieb, der sie nur als Mittel zum Gewinnzweck würdigt, wird nicht mehr das herrschende Gepräge der Zustände sein." In jeder Gesellschaft mit naturwüchsiger Produktionsentwick- lung— und die heutige gehört dazu— beherrschen nicht die Produzenten die Produktionsmittel, sondern die Produktionsmittel beherrschen die Produzenten. In einer solchen Gesellschaft schlägt jeder neue Hebel der Produktion nothwendig um in ein ncnes Mittel der Knechtung der Produzenten unter die Prodnktions- mittel. Dies gilt vor Allem von demjenigen Hebel der Pro- duktion, der bis zur Einführung der großen Industrie weitaus der mächtigste war— von der Theilung der Arbeit. Gleich die erste große Arbeitstheilung, die Scheidung von Stadt und Land, verurtheilte die Landbevölkerung zu Jahrtausende langer Ber- dummung, und die Städter zur Knechtung eines Jeden unter sein Einzelhandwerk. Sie vernichtete die Grundlage der geistigen Entwicklung der Einen und der körperlichen der Andern. Wenn sich der Bauer den Boden, der Städter sein Handwerk aneignet, so eignet sich ebensosehr der Boden den Bauer, das Handwerk den Handwerker an. Indem die Arbeit getheilt wird, wird auch der Mensch getheilt. Der Ausbildung einer einzigen Thätigkeit werden alle übrigen körperlichen und geistigen Fähigkeiten zum Opfer gebracht. Diese Verkümmerung des Menschen wächst im selben Maße wie die Arbeitstheilung, die ihre höchste Entwicklung in der Manufaktur erreicht. Die Manufaktur zerlegt das Hand- werk in seine einzelnen Theiloperationen, weist jede derselben einem einzelnen Arbeiter als Lebensberuf zu, und kettet ihn so lebenslänglich an eine bestimmte Theilfunktion und ein bestimmtes Werkzeug.„Sie verkrüppelt den Arbeiter in eine Abnormität, indem sie sein Detailgeschick treibhausmäßig fördert durch Nnter- drückung einer Welt von produktiven Trieben und Anlagen... Das Individuum selbst wird getheilt, in das automatische Trieb- werk einer Theilarbeit verwandelt"(Marx)— ein Triebwerk, das in vielen Fällen seine Vollkommenheit erst durch buchstäbliche, leibliche und geistige Verkrüppelung des Arbeiters erlangt. Die Maschinerie der großen Industrie degradirt den Arbeiter aus einer Maschine zum bloßen Zubehör einer Maschine.„Aus der lebens- langen Spezialität, ein Theilwerkzeug zu führen, wird die lebenslange Spezialität, einer Theilmaschine zu dienen. Die Maschinerie wird mißbraucht, um den Arbeiler selbst von Kindesbeinen an in den Theil einer Theilmaschine zu verwandeln"(Marx). Und nicht nur die Arbeiter, auch die die Arbeiter direkt oder indirekt ausbeutenden Klassen werden vermittelst der Theilung der Arbeit geknechtet unter das Werkzeug ihrer Thätigkeit; der geistesöde Bourgeois unter sein eignes Kapital und seine eigne Profitwuth, der Jurist unter seine verknöcherten Rechtsvorstellungen, die ihn als eine selbständige Macht beherrschen; die„gebildeten Stünde" überhaupt unter die mannichfachsten Lokalbornirtheiten und Ein- seittgkeiten, unter ihre eigene körperliche und geistige Kurzsichtig- keit, unter ihre Verkrüppelung durch die auf eine Spezialität zu- geschnittene Erziehung und durch die lebenslange Fesselung an diese Spezialitat selbst— auch dann, wenn diese Spezialität das reine Nichtsthun ist. Die Utopisten waren bereits vollständig im Reinen über die Wirkungen der Theilung der Arbeit, über die Verkümmerung einerseits des Arbeiters, andererseits der Arbeitsthätigkeit selbst, die auf lebenslängliche, einförmige, mechanische Wiederholung eines und desselben Aktes beschränkt wird. Die Aufhebung des Gegensatzes von Stadt und Land wird von Fourier wie von Owen als erste Grundbedingung der Aufhebung der alten Arbeits- theilung überhaupt gefordert. Bei Beiden soll die Bevölkerung sich in Gruppen von 1600—3000 über das Land vertheilen; jede Gruppe bewohnt im Centrum ihres Bodenbezirks einen Riesenpalast mit gemeinsamem Haushalt. Fourier spricht zwar hier und da von Städten, diese aber bestehn selbst wieder nur aus 4—5 solcher näher zusammenliegenden Paläste. Bei Beiden betheiligt sich jedes Gesellschaftsglied sowohl am Ackerbau wie an der Industrie; bei Fourier spielen in dieser letzteren Handwerk und Manufaktur, bei Owen dagegen schon die große Industrie die Hauptrolle und wird von ihm bereits Einführung der Dampf- kraft uns Maschinerie in die Haushaltungsarbeit verlangt. Aber auch innerhalb des Ackerbaues wie der Industrie fordern Beide die möglichst große Abwechslung der Beschäftigung für jeden Einzelnen und dem entsprechend die Ausbildung der Jugend für möglichst allseitige technische Thätigkeit. Bei Beiden soll der Mensch sich universell entwickeln durch universelle praktische Be- thätigung, und soll die Arbeit den ihr durch die Theilung ab- Händen gekommenen Reiz der Anziehung wieder erhalten, zunächst durch diese Abwechselung und die ihr entsprechende kurze Dauer der jeder einzelnen Arbeit gewidmeten„Sitzung", um Fouriers Ausdruck zu gebrauchen. Beide sind weit hinaus über die dem Herrn Dühring überkommene Denkweise der ausbeutenden Klassen, die den Gegensatz von Stadt und Land für der Natur der Sache nach unvermeidlich hält, die in der Bornirtheit befangen ist, als müßte eine Anzahl von„Existenzen" unter allen Umständen zur Erzeugung eines Artikels verdammt sein, und die die, sich nach der Lebensweise sondernden„ökonomischen Spielarten" von Men- schen verewigen will, die Leute, die Freude an der Ausübung grade dieser und keiner andern Sache haben, die also so weit heruntergekommen sind, daß sie sich über ihre eigne Knechtung und VereinseitiaRng freuen. Gegenüber den Grundgedanken selbst der tollkühnsten Phantasien des„Idioten" Fourier, gegen- über selbst den dürftigsten Ideen des„rohen, matten und dürf- tigen" Owen steht der selbst noch ganz unter die Theilung der Arbeit geknechtete Herr Dühring da wie ein vorlauter Zwerg. Indem sich die Gesellschaft zur Herrin der sämmtlichen Pro- duktionsmittel macht, um sie gesellschaftlich planmäßig zu ver- wenden, vernichtet sie die bisherige Knechtung der Menschen unter ihre eignen Produktionsmittel. Die Gesammtheit kann sich selbst- redend nicht befteien, ohne daß jeder Einzelne befteit wird. Die alte Produktionsweise muß also von Grund aus umgewälzt wer- den und.namentlich muß die alte Theilung der Arbeit verschwin- den. An ihre Stelle muß eine Organisation der Produktion treten, in der einerseits kein Einzelner seinen Antheil an der produktiven Arbeit, dieser Naturbedingung der menschlichen Existenz, auf Andre abwälzen kann; in der andererseits die produktive Arbeit, statt Mittel der Knechtung, Mittel der Befreiung der Menschen wird, indem sie jedem Einzelnen die Gelegenheit bietet, seine sämmtlichen Fähigkeiten, körperliche wie geistige, nach allen Richtungen hin auszubilden und zu bethättgen, und in der sie so aus einer Last eine Lust wird. Dies ist heute keine Phantasie, kein frommer Wunsch mehr. Bei der gegenwärten Entwicklung der produktiven Kräfte genügt schon diejenige Steigerung der Produktton, die mit der Thatsache der Vergesellschaftung der Produktivkräfte selbst gegeben ist, die Beseittgung der aus der kapitalistischen Produkttonsweise ent- springenden Hemmungen und Störungen, der Vergeudung von Produkten und Produktionsmitteln, um bet allgemeiner Theilnahme an der Arbeit die Arbeitszeit auf ein nach jetzigen Vorstellungen geringes Maß zu reduziren. Ebensowenig ist die Aufhebung der alten Theilung der Arbeit eine Forderung, die nur aus Kosten der Produkttvität der Arbeit durchzuführen wäre. Im Gegentheil. Sie ist eine Bedingung der Produktton selbst geworden durch die große Industrie.„Der Maschinenbetrieb hebt die Nothwendigkeit auf, die Vertheilung der Arbeitergruppen an die verschiedenen Maschinen Manufaktur- mäßig zu befestigen durch fortwährende Aneignung derselben Ar- beiter an dieselbe Funktton. Da die Gesammtbewegung der Fabrik nicht vom Arbeiter ausgeht, sondern von der Maschine, kann fort- währender Personenwechsel stattfinden ohne Unterbrechung des Arbeitsprozesses... Die Geschwindigkeit endlich, womit die Ar- beit an der Maschine im jugendlichen Alter erlernt wird, beseittgt ebenso die Nothwendigkeit, eine besondere Klasse Arbeiter aus- schließlich zu Maschinenarbeitern zu erziehen." Während aber die kapitalistisipe Anwendungsweise der Maschinerie die alte Theilung der Arbeit mit ihren knöchernen Parttkularitäteu weiter fortführen muß, trotzdem diese technisch überflüssig geworden, rebellirt die Maschinerie selbst gegen diesen Anachronismus. Die technische Basis der großen Industrie ist revolutionär.„Durch Maschinerie, chemische Prozesse und andere Methoden wälzt sie beständig mit der technischen Grundlage der Produktion die Funkttonen der Ar- beiter und die gesellschaftlichen Kombinationen des Arbeitspro- zesses um. Sie revoluttonirt damit ebenso beständig die Theilung der Arbeit im Innern der Gesellschaft und schleudert unaufhörlich Kapitalmassen und Arbeiterniassen aus einem Produktionszweig in den andern. Die Natur der großen Industrie bedingt daher Wechsel der Arbeit, Fluß der Funktton, allseittge Beweglichkeit des Arbeiters... Man hat gesehn wie dieser absolute Wider- spruch... iin ununterbrochenen Opferfest der Arbeiterklasse, in maßlosester Vergeudung der Arbeitskräfte und den Verheerungen gesellschaftlicher Anarchie sich austobt. Dies ist die negattve Seite. Wenn aber der Wechsel der Arbeit sich jetzt nur als überwälti- gendes Naturgesetz und mit der blind zerstörenden Wirkung des Naturgesetzes durchsetzt, das überall auf Hindernisse stößt, macht die große Industrie durch ihre Katastrophen selbst es zur Frage von Leben oder Tod, den Wechsel der Arbeiten und daher mög- lichste Vielseitigkeit des Arbeiters als allgemeines gesellschaftliches Produktionsgesetz anzuerkennen und seiner normalen Verwirklichung die Verhältnisse anzupassen. Sie macht es zu einer Frage von Leben oder Tod, die Ungeheuerlichkeit einer elenden, für das wech- selnde Exploitationsbedürfniß des Kapitals in Reserve gehaltenen, disponiblen Arbeiterbevölkerung zu ersetzen durch die absolute Disponibilität des Menschen für wechselnde Arbeitserfordernisse; das Theilindividuum, den bloßen Träger einer gesellschaftlichen Detailsunktion, durch das total entwickelte Individuum, für welches verschiedene gesellschaftliche Funktionen einander ablösende Bethä- ttgungsweisen sind."(Marx, Kapital.) Indem die große Industrie uns gelehrt hat, die mehr oder weniger überall herstellbare Molekularbewegung in Massenbewe- gung zu technischen Zwecken zu verwandeln, hat sie die industrielle tcoduktion in bedeutendem Maße von lokalen Schranken befreit. ie Wasserkraft war lokal, die Dampfkraft ist frei. Wenn die Wasserkraft nothwendig ländlich ist, so ist die Dampfkraft keines- Wegs nothwendig städtisch. Es ist ihre kapitalisttsche Anwendung, die sie vorwiegend in den Städten concentrirt und Fabrikdörfer in Fabrikstädte umschafft. Damit aber untergräbt sie gleichzeittg die Bedingungen ihres eigenen Betriebs. Erstes Erforderniß der Dampfmaschine und Haupterforderniß fast aller Betriebszweige der großen Industrie ist verhältnißmäßig reines Wasser. Die Fabrikstadt aber verwandelt alles Wasser in stinkende Jauche. So sehr also die städttsche Konzentrirung Grundbedingung der kapitalisttschen Produktion ist, so sehr strebt jeder einzelne in- dustrielle Kapitalist stets von den durch sie nothwendig erzeugten großen Städten weg und dem ländlichen Betrieb kzu. Dieser Prozeß kann in den Bezirken der Texttlindustrie von Lancashire und Uorkshire im Einzelnen studirt werden; die kapitalistische Großindustrie erzeugt dort stets neue Großstädte dadurch, daß sie fortwährend von der Stadt aufs Land flieht. Aehnlich in den Bezirken der Metallindustrie, wo theilweise andre Ursachen die- selben Wirkungen erzeugen. Diesen neuen fehlerhaften Kreislauf, diesen sich stets neu er- zeugenden Widerspruch der modernen Industrie aufzuheben, ver- mag wiederum nur die Aufhebung ihres kapitalistischen Charak- ters. Nur eine Gesellschaft, die ihre Produktivkräfte nach einem einzigen großen Plan harmonisch ineinander greifen läßt, kann der Industrie erlauben, sich in derjenigen Zerstreuung über das ganze Land anzusiedeln, die ihrer eignen Entwicklung und der Erhaltung resp. Entwicklung der übrigen Elemente der Produktton am angemessensten ist. Die Aufhebung des Gegensatzes von Stadt und Land ist hiernach nicht nur möglich. Sie ist eine direkte Nothwendigkeit der industriellen Produktion selbst geworden, wie sie ebenfalls eine Nothwendigkeit der Agrikulturproduktton und obendrein der öffentlichen Gesundheitspflege geworden ist. Nur durch Ver- schmelzung von Stadt und Land kann die hcuttge Lust-, Wasser- und Bodenvergiftung beseitigt, nur durch sie die jetzt in den Städten hinsiechenden Massen dahin gebracht werden, daß ihr Dünger zur Erzeugung von Pflanzen verwandt wird, statt zur Erzeugung von Krankheiten. Die kapitalistische Industrie hat sich bereits relattv unabhängig gemacht von den lokalen Schranken der Produktionsstätten ihrer Rohstoffe. Die Texttlindustrie verarbeitet der großen Masse nach importtrte Rohstoffe. Spanische Eisenerze werden in England und Deutschland, spanische und südamerikanische Kupfererze werden in England verarbeitet. Jedes Kohlenfeld versieht weit über seine Grenzen hinaus einen jährlich wachsenden industriellen Um- kreis mit Brennstoff. An der ganzen europäischen Küste werden Dampfmaschinen mit englischer, stellenweise deutscher und belgischer Kohle getrieben. Die von den Schranken der kapitalistischen Produktion befreite Gesellschaft kann noch viel weiter zehn. In- dem sie ein Geschlecht von allseitig ausgebildeten Produzenten erzeugt, die die wissenschaftlichen Grundlagen der gesammten in- dustriellen Produktion verstehen und von denen Jeder eine ganze Reihe von Produktionszweigen von Anfang bis zu Ende praktisch dnrchgemacht, schafft sie eine neue Produktionskraft, die die Transportarbeit der aus größerer Entfernung bezogenen Roh- oder Brennstoffe überreichlich aufwiegt. Die Aufhebung der Scheidung von Stadt und Land ist also keine Utopie, auch nach der Seite hin, nach der sie die möglichst gleichmäßige Vertheilung der großen Industrie über das ganze Land zur Bedingung hat. Die Eivilisation hat uns freilich m den großen Städten eine Erbschaft hinterlassen, die zu beseitigen viel Zeit und Mühe kosten wird. Aber sie müssen und werden beseitigt werden, mag es auch ein langwieriger Prozeß sein. Welche Geschicke auch dem deutschen Reich preußischer Nation vorbehalten sein mögen, Bismarck kann mit dem stolzen Bewußt- sein in die Grube fahren, daß sein Lieblingswunsch sicher erfüllt wird: der Untergang der großen Städte. Und nun besehe man sich die kindliche Vorstellung des Herrn Dühring, als könne die Gesellschaft Besitz ergreifen von der Ge- sammtheit der Produktionsmittel, ohne die alte Art des Produ- zirens von Grund aus umzuwälzen und vor allem die alte Theilung der Arbeit abzuschaffen; als sei alles abgemacht, sobald nur„den Naturgelegenheiten und den persönlichen Fähigkeiten Rechnung getragen"— wobei dann nach wie vor ganze Massen von Existenzen unter die Erzeugung eines Arttkels geknechtet, ganze„Bevölkerungen" von einem einzelnen Produktionszweig in Anspruch genommen werden, und die Menschheit sich nach wie vor in eine Anzahl verschieden verkrüppelter„ökonomischer Spiel- arten" theilt, als da sind„Karrcnschieber" und„Architekten". Die Gesellschaft soll Herrin der Produktionsmittel im Ganzen werden, damit jeder Einzelne Sklave seines Produkttonsmittels bleibt, und nur die Wahl hat, welches Produktionsmittels. Und ebenso besehe man sich die Art, wie Herr Dühring die Scheidung von Stadt und Land für„der Natur der Sache nach unvermeid- lich" hält, und nur ein kleines Palliativmittelchen entdecken kann in den, in ihrer Verbindung spezifisch preußischen Zweigen der Schnapsbrennerei und Rübenzuckerbereitung; der die Zerstreuung der Industrie über das Land abhängig macht von irgend welchen künftigen Entdeckungen und von der Nöthigung, den Betrieb unmittelbar an die Gewinnung der Rohstoffe anzulehnen— der Rohstoffe, die schon jetzt in immer wachsender Entfernung von ihrem Ursprungsort verbraucht werden!— und der sich schließlich den Rücken zu decken sucht mit der Versicherung, die sozialen Bedürfnisse würden schließlich die Verbindung von Ackerbau und Industrie doch wohl auch gegen die ökonomischen Rücksichten durchsetzen, als ob damit ein ökonomisches Opfer gebracht würde' Fremch, um zu sehn, daß die revoluttonären Elemente, die die alte Theilung der Arbeit mit samnit der Scheidung von Stadt und Land beseittgen und die ganze Produktion umwälzen werden, daß diese Elemente bereits in den Produktionsbedingungen der modernen großen Industrie im Keim enthalten sind, und durch die heuttge kapitalistische Produkttonsweise an ihrer Entfaltung gehindert werden, dazu muß man einen etwas weiteren Horizont haben als den Geltungsbereich des preußischen Landrechts, das Land, wo Schnaps und Rübenzucker die entscheidenden Industrie- Produkte sind, und wo man die Handelskrisen aus dem Bücher- markt studiren kann. Dazu muß man die wirkliche große Industrie in ihrer Geschichte und in ihrer gegenwärttgen Wirklichkeit kennen, namentlich in dem einen Lande, wo sie ihre Heimath und wo allein sie ihre klassische Ausbildung erreicht hat; und dann wird man auch nicht daran denken, den modernen wissenschaftlichen Sozialismus verseichttgen und herunterbringen zu wollen auf den spezifisch preußischen Sozialismus des Herrn Dühring. Unsere Professoren auf den Grenzen der Er- kenntnitz. Bon I. Dietzgen. IV. Mit diesen Deduktionen soll weiter nichts gesagt sein, als: die Welt ist eine Einheit, d. h. es gibt nur eine Welt. Und wer in eine andere Welt will, aus der Erfahrung in die Welt der Ahnung oder Göttlichkeit, ja wer nur davon spricht, ist ent- weder ein Querkopf oder Schelm und Volksberücker. Um den Gegnern von diesen bösen Namen mit Fug und Recht einen anzuheften, ist der Nachweis genügend, daß er den„Einheitsbe- strebungen der Vernunft" widerspricht. Wenn v. Nägeli seinen College» auf der Nawrforscher-Ber- sammlung weiß macht, unser Intellekt habe oder habe vielleicht außer den Schranken seiner eigenen Natur noch andere, über- oder unnatürliche Grenzen, so ist da» ein schimpfliches Werk, und um so schimpflicher, je weiter er in der Einsicht fortge- schritten, daß die Natur eine generelle Einheit darstellt, wo nir- gends eine Kluft zu finden ist. „Unser Naturerkennen ist also immer ein mathematisches und beruht entweder auf einfachem Messen, wie in den morphologi- schen und beschreibenden Naturwissenschaften oder auf einem ursächlichen Messen, wie in den Physikali chen und physiologischen Wissenschaften. Mit Hilft der Mathematik, mit Maß, Gewicht, Zahl können aber nur relative oder quantttatioe Unterschiede begriffen werden... Wirklich qualitattve Unterschiede vermögen wir nicht zu erfassen, weil die Qualitäten nicht verglichen werden können. ES ist dies eine wichttge Thatsache für die Erkenntniß der Natur. Es folgt daraus, daß wenn es innerhalb der Natur qualitativ oder absolut verschiedene Gebiete giebt, ein wissen- schastliches Erkennen nur gesondert innerhalb jedes einzelnen möglich ist, und das keine vermittelnde Brücke aus einem Gebiet in das andere hinüberführt. Es folgt daraus aber auch ferner, daß soweit wir die Natur zusammenhängend erforschen können, soweit unser messendes Erkennen lückenlos fortschreitet, soweit wir namentlich eine Erscheinung aus einer andern begreifen... absolute Unterschiede, unausfüllbare Klüfte in der Natur über- Haupt nicht bestehen." AuS diesem Citat geht hervor, wie der Münchener Professor so nahe daran ist, das Erkennen vollständig begriffen zu haben. Es fehlt nur das Tüpfelchen auf dem i. Diese Kleinigkeit ist jedoch unendlich wichtig, weil man ohne sie immer in den unaus- stehlichen Fehler zurücksinkt, absolute oder qualitative Unterschiede festsetzen, das Endliche und Unendliche, oder menschliches und göttliches Erkennen durch eine unausfüllbare Kluft trennen, zwei Gebiete ohne vermittelnde Brücke darstellen zu wollen. Diesem dualistischen Skandal ist ein für allemal das LebenS- licht auszublasen, indem wir ein Schrittchen weiter gehen, wie der Herr Professor Nägeli. Es gilt das Erkenntmßvermögen als das Vermögen zu erkennen, welches alle, alle Unterschiede, alle Qualitäten als Einheit, als eine einzige Quantität erfaßt. Es ist vernünftig, d. h. die Vernunft macht aus allem Dasein eine Gattung. Die Erscheinungen der Welt als verschiedene Arten in diese Gattung einreihen, heißt Naturerkennen. Weil das der Intellekt vermag, weil er alles in Gattungen und Arten in Subjekte und Prädikate eintheill, so daß zuletzt nur eine Gattung, nur ein Subjekt verbleibt, daS Sein oder Gegebene, wovon Geist und Körper, Vernunft, Phantasie, Stoff, Kraft zc. Prädikate oder Spezialitäten find, darum kann in der Welt unmöglich eine unvermittelte Kluft verbleiben. Alles muß sich auflösen in eine theorcttsche Harmonie, in ein System. Sobald man dies Tüpfelchen auf da? i gesetzt hat, ist eS nicht möglich, ferner noch breit beschwatzen zu wollen, daß zwischen dem Anorganischen und Organischen, zwischen Pflanze, Thier, Mensch. Affe, Kopf- und Handarbeit irgend ein absoluter Unterschied oder unvermittelte Kluft bestehen könne. Man muß wissen, daß zwei Tröpfchen Wasser ebenso unendlich verschieden sind, wie Thier und Mensch, wie Leib und Seele; daß das Trennen und Unterscheiden sowenig seine Grenze hat, wie die „EinheitSbcstrebung". Ich möchte hier dem Leser begreiflich machen, was die Pro- ftssoren, soweit sch sie kenne, noch nicht begriffen haben, daß unser Intellekt em dialektisches Instrument ist, ein Instrument. welches alle Gegensätze vermittelt. Der Intellekt schafft die Ein- heit mittels der Mannigfaltigkest und begreift den Unterschied in der Gleichheit. Hegel hat doch längst klar gemacht, daß in der Wissenschaft es nicht heißt entweder— oder, sondern sowohl— als. Sowohl das Srkenntnißvermögen des Affen, des Bauern, des Naturforscher», als des Philosophen, und auch die allergöttlichste Erkenntniß, gehören in dieselbe Kategorie, find Formen einer Art, Arten einer Gattung, Prädikate eines Subjekts. Gewiß ist es statthaft, den menschlichen Intellekt vom thierischen zu unter- scheiden, und den ersteren himmelhoch zu halten und ihm einen be- sondern Namen zu geben. Nur darf zwischen Vernunft und In- stinkt keine unvermittelte Kluft gegraben werden. Sofern wir nüchtern denken und uns keine überschwenglichen Exclamationen erlauben wollen, müssen wir wissen, daß das Unterscheidung»- vermögen wohl trennt bis in die Puppen, aber auch verbindet bis ins Unendliche. Nägeli sagt:„Es ist für den Naturforscher eine logische Roth- wendigkett, m der endlichen Natur nur gradweise Unterschiede gelten zu lassen". Darauf antworten wir: es ist eine nothwen- dige Logik, auch die unendliche Natur mit der endlichen in den- selben Bündel zu binden, d. h. die Natur als Einheit zu er- kennen, die sowohl unendlich als endlich ist. „Aber was ist diese Welt, die der menschliche Geist beherrscht? Nicht einmal ein Sandkörnchen in der Raumewigkeit, nicht eine Sekunde in der Zeitewigkeit und nur ein Außenwerk an dem wahren Wesen des Alls". Genau so spricht auch der Pastor. Und sehr wahr das, wenn es nur ein emphatischer Gefühlsaus- druck sein soll für die Größe des Daseins; aber auch sehr ge- dankenlos, wenn der Herr Professor damit sagen will, daß unser Raum und unsere Zeil keine Theile der Unendlichkeit und Ewig- keit seien, sehr gedankenlos, wenn damit gesagt sein soll, daß „das wahre Wesen des Alls" außerhalb der Erscheinung, in der unergründlichen Religion oder Metaphysik verborgen sei. Das All steckt in seinen Momenten, und es anderswo zu suchen, wollen die Sozialdemokraten ganz und gar den Herrschaften überlassen. Durch die Expedition des„BorwärtS" ist zu beziehen: Die Entwicklung Arankreichs vom 16. bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Eine kulturgeschichtliche Skizze von A. Bebel. Preis 25 Pf. Plötzensee ist die Geburtsstätte der kleinen Schrift, die dem Leser einen interessanten Einblick in die Entwicklung Frankreichs während des erwähnten Zeitraums bietet.„Die Geschichte ist die beste Lehr- Meisterin"; dieser Satz bewährt sich auch, wenn man die Schilderung der Zustände und Kämpfe in Frankreich durchgeht, die namentlich im vorigen Jahrhundert der großen Revolutton vorausgingen. Jene Zeit hat mit der unseren viele Parolellen, und die Quintessenz der Dar- stellung ist, daß gegen in den Zeiwerhältniffen liegende Ideen und UmgestaltungSnothwendigkeiten schließlich keine Macht der Erde siegreich ankämpfen kann.