«rschelnt in Feipzi, iittwoS, Freitag, Toanlag. AbonnementZPreiZ ftr ganz DeutsSland 1 Mar! 60 Ps. pro Quartal. Monat»- Abannc«eutS k 54 Pf. Warden bei allen deutschen Postanstalten aus den Z. und 6. Monat, und aus den d. Monat besonders angenommen. Inserate fcrr. Versammlungen pro Petitzeile iO Pf., »«». Privatangelegenheiten und Feste pro Vetitzeile SO PI. Veliellunsteit nebmeij an alle Postamialte» und Buchhand» lungen des In- und Auslandes, Filial> Expeditione». Petv-Horli Mr. Franz Jonscher, l?7 bliin Str. eoruor Lroomo.— A!r. Herm. Ripsche, 646 West— S7 Str. Philadelphia: P. Hai, 506 Xortlr 3-4 Strsot. I. Voll, X. kl. dar Ldarlotto k George Str. Hoboleu N. J.: F. A. Sorge, StS WasK- ingtou Str. Chicago: A. Lansermann, 74 vlxdourn«.?». San Franzidc«: F.Cntz, 4t»G'rarrs» Str. London W.: Wtlh. Hoffmanu, STA Pria- cesi Str. Leicester Sgn. Gentral Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 65. Mttwoch, 5. Juni. 1878. SM, Für die heute sällige Nr. erhalten unsere Abonnenten vorl. Agitationsnummer.— Exemplare derselben sind gegen Einjendung des Betrags, ü. 100 Expl. M. 1,5(1, jedes weitere Hundert I Mk., von der Exp. zu beziehen. Ausforderung! Wenngleich das Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie Deutschlands die Zustimmung des Reichstags nicht erlangt hat, so sehen wir doch Verfol- gungen in noch größerem Umfange als bisher ent- gegen. Zahlreiche brave Parteigenossen befinden sich schon im Kerker, hunderte von Anklagen sind in jüngster Zeit erhoben worden, Bereine werden poli- zeilich geschlossen, Versammlungen aufgelöst aus gänz- lich unerfindlichen Gründen, Arbeiterfeste werden ohne weiteres verboten. Die Staatsregierung und die liberale Bourgeoisie haben sich die Hände gereicht im Kampfe gegen uns, gegen das arbeitende Volk. Gegen ein solches Bündniß müssen die Arbeiter, müssen alle Freunde der Sozialdemokratie, der Frei- heit und des Rechts vereint zusammenstehen. Opfer, große Opfer kostet unserer Partei die Vertheidigung gegen die andrängende Reaktion; Opfer kostet der Kampf, der Angriffskampf gegen dieselbe— deshalb muß jeder Parteigenosse, der irgendwie noch dazu die Mittel besitzt, für den Agi- tationsfond, für den Wahlfond und vorzugsweise für den Unterstützungsfond, durch welchen das Loos un- serer Freunde, die im Kerker sich befinden und das Loos der Familien derselben gelindert werden soll, sein Scherflein beitragen. Die Pflicht ruft, der ehrliche Mann muß diesem Rufe folgen. Beiträge sind zu senden an August Geib, Hamburg, Rödingsmarkt 12. Ein Kapitel über Agitation. Nickts ist so sehr dem Wandel unterworfen wie die Agitation. Sie, die der Festigkeit der überkommenen Dinge auf den Zahn zu fühlen hat, darf nie in Verlegenheit sein, wenn es gilt, die schartig gewordenen Waffen wieder zu wetzen oder durch neue, von den alten verschiedene zu ersetzen. Würde die Agitation nach anderen Grundsätzen geleitet werden, so hieße das jenem Arzte gleichen wollen, der für jede Krankheit, sie mochte heißen wie sie wollte, stets nur dasselbe Rezept hatte. Und nun erst die sozialistische Agitation— sie hat sich mit all' jenen Fragen zu befassen, welche auf die hrennendste der Tagesfragen, die soziale Frage, Bezug haben, folglich muß fie anknüpfen an eme Menge von Erscheinungen und Thatsachen, die keineswegs eines Charakters, trotzdem aber sämmtlich Mittel zur Hemmung oder Förderung des Sozialismus find. Das Ge- diel dieser Agitation ist ungeheuer groß, Staat und Gemeinde, Produktion und Consumtion, Familienglück und Gesellschaftswohl, sie alle gehören dazu. Kein Wunder daher, daß diese Agitation in den letzten zehn Jahren riesige Ausdehnung gewonnen hat— der ganze Mensch, in seiner bisherigen Gleichgültigkeit eine Stütze der vorhandenen Uebel, wurde von ihr in Anspruch ge- nommen, sein materielles und geistiges Leben in neue Bahnen gelenkt. Aus dem Dulder wurde ein Reformator, aus dem Gleichgültigen ein Kämpfer wider das Vorrecht, ein Agitator für soziale und politische Gleichberechtigung. Selbstverständlich ruft eine jede Agitation die Gegenbewegung hervor, und gerade hierdurch wird ihr nicht selten ein unerwar- teter Stempel aufgedrückt. Bekannt ist, daß bis auf diesen Tag, ja heute mehr als sonst, die staatlichen Organe der sozialistischen Agitation gegenüber die„Abwehr" übernommen haben. Arbeiter- v reine wurden und werden aufgelöst, desgleichen Versammlungen, Neue Bereine werden als Fortsetzung der aufgelösten verboten, nff»r or � Ein berufe? werden gezwickt und gezwackt, Strafen JotfLia �ncn zuerkannt, was alles um so leichter ist, als sL�nizer in Ansehung des„Verbrechens" denn des w geurtheilt wird.„Der Jude wird verbrannt"— »„�okrat wird verknurrt, das ist der Ruf, welcher nrf nleIn Deutschlands entgegenschallt. 0»"mm � in unserem Glcichmuth und Eifer be- '"en? Nimmermehr I Kaltes Blut, dsts ist das vornehmste Gut in der Agitatton. Schon vor zwei wahren wurde die eigentliche Parteiorgani- satton m Preußen aufgelöst— allerdings ist dieser Akt staats- anwaltlichen Etfers nach Jahresfrist von dem Gericht zweiter und dritter Instanz nicht gutgeheißen worden. Auch in Baiern wurde der Parteiorganisation der Prozeß gemacht. Was war � Antwort der Soztaldemokratte, die Antwort, bevor noch die! bi-chstcn Gerichte gturthellt hatten? Löst immerhin auf: die Partei, in Fletsch und Blut des arbeitenden Volkes übergegangen, bedarf der auf das Vereinsgesetz gestützten centralistischen Orga-! utsation nicht mehr, sie hat in der Agitation etwas gelernt. sie hat ven Gedanken des Centralismus in neue Formen gegossen, � "»cht weil die Roth erfinderisch macht, sondern weil sie ist den beuen Formen selbst einen Fortschritt sieht. Und worin besteht dieser Fortschritt? Blickt hin auf die «terarischen Erzeugnisse der Partei, dort wird Euch Antwort. Nicht nur ein stattliches Centralorgan hat die Partei, sondern auch eine Menge Lokalblätter, theilweise mit sehr großen Auflagen, ferner ein weitverbreitetes Unterhaltungsblatt„Die Neue Welt" und endlich eine wissenschaftliche Revue„Die Zukunft", welche alle den Idealen und Rechten des arbeitenden Volkes tapfere Vorkämpfer sind. Unter diesen Zeitungen und Zeitschriften hat die Partei eine Brochüren-Literatur, welche bei andern Parteien ihres Gleichen sucht. Die sozialistische Agitation spiegelt sich hier in allen Einzelheiten ab: politische, wirthschaftliche, philosophische, religiöse und geschichtliche Erörterungen streiten mit einander um den Vorrang, sind alle angestellt, um der Sache des Volkes durch die Aufklärung des Volkes zu dienen. Die Agitation durch die Schrift hat jene durch das Wort bedeutend gefördert. Je tiefer die Arbeiterbewegung in die Volksmassen eindrang, desto mehr Ansprüche stellte sie an den mündlichen Agitator. Er mußte sein Wissen erweitern und nicht nur cr allein, sondern alle die in der Familie oder in der Werk- statt Genossen werben wollten. Unsere Literatur war hier der beste Helfer, und kein Zweifel, sie kann noch viel mehr leisten, sobald sie allerorts auf den Schild erhoben wird, sobald jeder Parteigenosse es sich zur Pflicht macht, mindestens eine Partei- zeitung zu lesen, insbesondere aber— wenn auch nur mit zwei, drei Genossen zusammen— das Centralorgan der Partei, den„Vorwärts" zu halten. Kein wichtiger Vorgang bezüg- lich der Partei wird ihm dann fremd bleiben, keine neue Schrift ihm entgehen können, er wird sich mehr als einfach zur Partei gchörig, weil mitten in ihr lebend und wirkend, fühlen. Das alles ist nothwendig in diesen Tagen, damit es nicht ganz finster werde. Ohnehin droht uns politische Nacht. Die Reaktion hängt sich dem Attentat eines Blödsinnigen an die Rockschöße, um desto lauter gegen die Sozialdemokratie rufen zu können:„Schafft mir diese Partei aus den Augen!" Weil der Kaiser- Attentäter Lehmann früher in sozialistischen Ver- sammlungen war, deswegen soll es unserer Partei, die jeden Mord prinzipiell verabscheut, an den Kragen gehen, einer Partei, welche den Lehmann längst vor dem Attentat wegen Unredlich- keit und wegen gemeiner Verleumdung, letztere von Lehmann im Bunde mit natioualliberalen Führern zu Leipzig begangen, öffentlich gebrandmarkt und ausgeschlossen hatte! Doch gerade auf Grund unserer Agitation wissen wir, daß System in der Reaktion ist. Der Schlüssel zu der modernen Hetzjagd auf die Soztaldemokratte liegt zum Theil in der Vergangenheit unserer Gegner, zum Theil in deren Furcht vor dem eigenen Bankerott. Jede Errungenschaft der Sozialdemokratie steigerte diese Furcht und so kam es, daß nach dem 11. Mai eine allge- meine Heulmeierei gegen den Sozialismus tobte. Aber auch diese Denunziattonswuth mußte bankerott machen. Die Verhand- lungen des Reichstags sind Beweise dafür. Eine Regierungs- vorläge, die das Unerhörte geleistet, eine ganze Partei, deren Anhängerschaar in Deutschland mindestens eine Million stark ist, unter ein Ausnahmegesetz zu stellen, wurde mit 251 gegen 57 Stimmen abgelehnt. Damit war die Achtserklärung, welche vom Ministertisch gegen uns ausging, zerrissen. In England wäre das Ministerium nach solcher Niederlage gegangen, in Deutschland bleibt es. Natürlich wirkt dies auf unsere Agitation gewaltig ein, denn nun soll bis zur„Grenze des Möglichen", weil das„Unmögliche" nicht erreicht wurde, gegen uns vorgegangen werden. Und wo liegt die„Grenze des Möglichen"? Da, wo jedes Vereinsleben erdrückt ist, ws die Versammlungen aus„triftigen" und noch schlechteren Gründen verboten werden. Das ist viel» aber noch nicht Alles. Zur „Grenze des Möglichen" gehört auch die Einschränkung des all- gemeinen und direkten Wahlrechtes, wozu die liberalen Bourgeois schon im voraus Beifall klatschen. Wenn wir zu allem schwiegen, zu letzterem dürfen wir es niemals. Ein solches Attentat auf den Zipfel der politischen Gleichberechtigung hieße das Tischtuch zwischen Besitzenden und Besitzlosen völlig zerschneiden, hieße eine Revolution selbst gegen die Berfassung des Reichs. Wer hier den Anfang macht, der möge auch die Folgen verantworten! Doch wir wollen uns nicht erhitzen— kaltes Blut, das ist die Losung. Frisch an's Werk der Wahlkreisorganisation gehend, agitiren wir heute schon für zukünftige Wahlsiege! Aber auch hiermit ist unsere Agitation noch nicht erschöpft. Wir gründen Kassen, wo es nöthig und förderlich ist, für Kranken- und Sterbefälle, beseelt von dem Gedanken, daß jede neue Form der Organisation neue Lebenslust in die Agitation bringen muß. Sollte oas Hilfskassengesetz nicht auch für uns da sein? Unnütze Frage, ist es doch vielleicht in nicht ferner Zeit die Brücke zu einer Centralisation, welche an Bedeutung manche vorhandene bald überholen dürfte. Ja, nichts ist so sehr dem Wandel unterworfen wie die Agi- tation. Doch der Born derselben ist unerschöpflich, somit kann jeder Wandel ohne Gefahr der Selbsttödtung erfolgen. Er muß sogar erfolgen, wenn die Agitation nicht erstarren oder von außen getödtet werden soll. Daher, Parteigenossen, was auch kommen und was sich auch fürder gegen uns verschwören möge, bleibt unerschrocken, bleibt ruhig und kaltblütig. Eine allezeit würdige und ruhige Haltung dir Partei schließt eine feurige und nachhaltige Agitation nicht aus. Die Gluth der Begeisterung ist da am stärksten, wo die wenigsten Flammen flackern, die Hingabe für die Prinzipien der Sozialdemokratie ist da die opferfreudigste, wo die schwersten Schläge parirt werden müssen! A. G. Unsere Prinzipien. Der Haß ist blind, sagt das Sprüchwort. Er sieht nicht die Thatsachen, nicht die Personen, sondern macht sich eine Willkür- liche Vorstellung von ihnen, die mit der Wahrheit nicht überein- stimmt, häufig im direktesten Gegensatz zu ihr steht. Wie hat nicht der Haß die Bilder weltgeschichtlicher Persönlichkeiten, den Charakter weltgeschichtlicher Handlungen entstellt— aus den edelsten Menschen Scheusale, aus den edelsten Handlungen und Thaten monströse Verbrechen gemacht? Die beste Sache wird verleumdet, das Erhabenste in den Staub gezogen. Der Vater des Hasses ist in den meisten Fällen das Interesse, welches sich bedroht fühlt oder wenigstens bedroht glaubt. Darum sind es zu allen Zeiten die„Neuerer", die Männer der neuen Ideen gewesen, welche der blinde Haß verfolgte, steinigte, verbrannte, kreuzigte, unter Bergen von Verleumdungen begrub. Die sozialdemokratische Bewegung konnte diesem Geschief nicht entgehen.' Sie verletzt zu viele Interessen, um nicht der Gegen- stand glühenden, blinden Hasses sein zu müssen. Die Interessen, welche sie verletzt, sind freilich nicht dte Interessen der Gestimmt- heit, sondern nur die einer winzigen Minderheit, allein diese Minderheit hat alle Machtmittel in Händen und übt dadurch nicht blos materiell, sondern auch moralisch einen Einfluß aus, der ihr, so lange er dauert, die Herrschaft in Staat und Gesellschaft sichert. Dank ihrer wohlorganisirten Presse, Dank der von ihr eingerichteten Schule und Kirche, Dank der in ihre Dienste Kunst und Wissenschaft— hält sie die Massen des Volkes in geistiger Knechtschaft; und so ist es ihr denn möglich, eine Partei, die sie fürchtet und haßt, für die Massen des Volkes zu einem Schreckgespenst zu machen, und Furcht und Haß da zu er- wecken, wo bei richtiger Beurtheilung Liebe und Sympathie zur Geltung gelangen müßten. Wir Sozialdemokraten erfahren dies im vollsten Maße. Das falsche, abschreckend häßliche Bild, welches der Haß unserer eigcnt- lichen Feinde, das heißt Derjenigen, welche ein wirkliches oder vermeintliches Interesse haben, uns zu bekämpfen, von der So- zialdemokratie entworfen hat, wird leider von Millionen für richtig betrachtet, die, kennten sie uns, auf unserer Seite stehen würden. Aus dieser einfachen Thatsache ersieht man, von welch hoher Wichtigkeit es für uns ist, daß Wahrheit über uns, unsere Brin- zipien und Bestrebungen verbreitet werde. Das ist die Aufgabe der Propaganda, von deren Erfolg der Erfolg unserer Partei abhängt. Der Tag ist der Tag unseres Sieges, an welchem die Mehrheit des Volkes weiß, was Sozialdemokratie ist. Und was ist Sozialdemokratie? Wer nicht in blindem Hasse befangen ist und die Augen nicht gegen die Wahrheit verschließt, hat keine Schwierigkeit, Antwort auf die Frage zu bekommen. Die Sozialdemokratie ficht mit offenem Vifir, sie giebt sich so wie sie ist, sagt frank und frei, was sie will. Man lese nur unser Programm, lese es mit Ausmerksamteit und Verstand,— und man hat die Antwort. Doch, da hören wir Gegner rufen: „Glaubt diesen„rothen Jesuiten" nicht, ihr Programm ist blos ein Aushängeschild, alle diese schönen Redensarten von hoch- menschlichen Zielen der Sozialdemokratie, von Gerechtigkeit, Brüderlichkeit, Humanität sind blos Lockspeisen, um die Menge zu ködern; sind blos der Sirenengesang, durch welchen man die Leichtgläubigen verführen will, um sie dann grausam zu miß- brauchen und zu opfern. Das Scheinziel der Sozialdemokraten ist unleugbar recht anziehend, aber das wirkliche Ziel, das Geheim ziel, mit welchem sie hinter dem Berg halten, ist das denkbar Gräßlichste: ist allgemeine Theilerei, allgemeiner Umsturz, Mord, Todtschlag, Revolution." Nun, die greulichen Absichten, die man uns da unterschiebt, ! sind zti unsinnig für eine ernsthafte Widerlegung. Das Geringste, was die Sozialdemokraten von ihren Gegnern verlangen können, ist: daß man sie für Menschen hält, und welcher Mensch mit seinen 5 Sinnen kann so aberwitzige, unmenschliche, widernatür- liche Ziele verfolgen? Es hat zu allen Zeiten Verbrecher ge- geben, allein noch niemals hat es eine Partei von Ver- blechern gegeben. Und das wären wir, wenn wir dem Portrait glichen, das unsere Gegner von uns gezeichnet. Das und noch etwas mehr: eine Partei von Idioten! Doch sehen wir ab von solch tollen Beschuldigungen und be- trachten wir den Kern des Einwands:„Wir haben ein anderes Ziel als das, welches wir dem Publikum zeigen. Zeigten wir jenes andere, unser eigentliches Ziel, so würden wir die Massen zurückstoßen, welche wir jetzt durch lügenhafte Vorspiegelungen an uns ziehen." Merken unsere Gegner denn nicht, daß sie eine— ungeheure Dummheit sagen? Also: wir rücken mit unserem wahren Programm nicht hervor, weil es das Volk abstoßen würde. Wie zum Ifukttk kommen wir aber zu einem so abstoßenden Programm? Was kann es uns nützen? Was können wir von ihm er- warten? Wird es seine abstoßende Kraft verlieren? Man glaubt, so scheint es, wir hätten den teuflischen Plan, durch unser lügenhaftes, verführerisches Scheinprogramm Millionen an uns zu fesseln, sie, ohne daß sie es merken, perfid„an den Fuß der Barrikaden" zu locken, und dann, wenn das Häuflein der Eingeweihten Alles vorbereitet hat, plötzlich da? Geheim- Programm aus der Tasche zu nehmen, und zu dessen Verwirk- lichuug zu schreiten. Ganz gut blos Eines haben die pfiffigen Gegner dabei nicht berechnet: die abstoßende Kraft des Geheimprogramms.— Finden die durch unser Scheinprogramm Verführten, daß wir nur ein elendes Spiel mit ihnen getrieben, sie infam beschwindelt und mißbraucht haben, so würden fie, sobald sie durch Produ- zirung des famosen Geheimprogramms über unsere wahre Natur aufgeklärt sind, uns„am Fuße der Barrikaden" unzweifelhaft den Rücken wenden, und zwar voraussichtlich nach höchst ener- zischen Aeußerungen des Mißfallens. Und das von Rechtswegen. Genug von diesen Albernheiten. Wer unsere Prinzipien und Bestrebungen kennen lernen will, der unterrichte sich nicht bei unseren Gegnern, der befrage die Sozialdemokratie selbst in ihren Reden und Handlungen, in ihren Schriften, in ihren Zei- hingen, in ihrem Programm. Bor Allem in unserem Programm, das, von den Vertretern der Gesammtpartei ausgearbeitet, trotz mancher Mängel, die jedem Versuch der Feststellung von Prin- zipien ankleben, doch in engem Rahmen vollständigen Aufschluß über unsere Prinzipien und Bestrebungen gicbt. Wer dieses Programm mit vorurtheilslosen Blicken liest, es mit Aufmerksamkeit und Verstand liest, weiß was wir wollen, und wird nicht verdammen können, was wir wollen. Nehmen wir zuerst den ersten, allgemeinen Theil des Pro- gramms: I. Die Arbeit ist die Quelle alles Reichthums und aller Kultur, und da allgemein nutzbringende Arbeit nur durch die Gesellschaft möglich ist, so gehört der Gesellschaft, das heißt allen ihren Gliedern, das gesammte Arbeitsprodukt, bei allge- meiner Arbeitspflicht, nach gleichem Recht, Jedem nach seinen vernunftgemäßen Bedürfnisien. In der heutigen Gesellschaft sind die Arbeitsmittel Monopol der Kapitalistenklasse; die hierdurch bedingte Abhängigkeit der Arbeiterklasse ist die Ursache des Elends und der Knechtschaft in allen Formen. Die Befreiung der Arbeit erfordert die Verwandlung � der Arbeitsmittel in Gemeingut der Gesellschaft und die genossen- schaftliche Regelung der Gesammtarbeit mit gemeinnütziger Verwendung und gerechter Vertheilung des Arbeitsertrages. Die Befreiung der Arbeit muß das Werk der Arbeiterklafle sein, der gegenüber alle anderen Klassen nur eine reaktionäre Masse sind. In vorstehenden Sätzen werden nicht vage Behauptungen ausgesprochen, sondern Wahrheiten, welche durch die Wissen- schaft festgesetzt sind. Daß.die Arbeit die Quelle alles Reichthums" ist, hat schon vor 100 Jahren Adam Smith in seinem bahnbrechenden klas- fischen Werk:„Ueber den Reichthum der Nationen" nachge- wiesen; und daß von der„Kultur", das heißt von der Summe aller der Vortheile, welche das Menschengeschlecht in hundert- tausendjährigem Ringen sich gesichert hat und welche uns bei stetigem Fortringen ein immer menschenwürdigeres Dasein er- möglichen, das Gleiche gilt, wie von dem Reichthum, der genau genommen nur ein Theil der„Kultur" ist,— das bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung. Und ist die Arbeit etwa außerhalb der Gesellschaft denkbar? Kann man fich Arbeit denken, die nicht gesellschaftlich verrichtet wird? Ist nicht jeder Arbeiter, auch der, welcher die einfachste Arbeit verrichtet, auf die Arbeit anderer Arbeiter angewiesen? Sind die Werkzeuge, mit welchen gearbeitet wird, und wären es die einfachsten, primitivsten Werkzeuge, denkbar ohne die„Kultur", innerhalb deren wir stehen, ohne die Arbeit unserer Mitmenschen, ohne die Arbeit, die Erfahrungen der früheren Generationen? Man stelle sich einen physisch normal entwicidten Menschen vor— vorausgesetzt, daß ohne„Kultur" ein solcher denkbar wäre—: einen Manschen, der keine Wertzeuge, keine Unterstützung, keine erworbenen Kenntnisse hat — würde dieser Mensch arbeiten können? Nein. Ohne Ge- sellschaft keine Arbeit, außerhalb der Gesellschaft keine Arbeit. Während nun auf der einen Seite wissenschaftlich der Beweis erbracht ist, daß die Arbeit„die Quelle alles Reich- thums", ist auf der anderen Seite die Thatsache statistisch festgestellt und wissenschaftlich anerkannt worden— u. A. von dem berühmten Bourgeoisökonomen John Stuart Mill—, daß die Arbeit, welche allen Reichthum schafft, den Reichthum nicht genießt, nicht Eigenthümerin des von ihr geschaffenen Reichthums ist, der, zum größten Theil, in die Taschen nicht arbeitender, oder doch nicht nützlich arbeitender Individuen fließt. Aus diesen Prämissen(Bordersätzen) ergiebt fich der Rest von selbst. Die Sozialdemokratie will der Ungerechtigkeit in der Vertheilung des Reichthums(der durch die Arbeit erzeugten Güter) steuern, eine gerechte Vertheilung der Güter, beruhend auf vernünftiger Organisation der Arbeit, herbeiführen, und der Arbeit zu ihrem Recht, dem Arbeiter zu seinem Eigenthum verhelfen. Das Programm fährt fort: II. Von diesen Grundsätzen ausgehend, erstrebt die sozia- listische Arbeiterpartei Deutschlands mit allen gesetzlichen Mitteln den freien Staat und die sozialistische Gesellschaft, die Zerbrechuug des ehernen Lohngesetzes durch Abschaffung des Systems der Lohnarbeit, die Aufhebung der Ausbeutung in jeder Gestalt, die Beseitigung aller sozialen und politischen Ungleichheit. Die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, obgleich zu- nächst im nationalen Rahmen wirkend, ist sich des internatio- nalen Eharakters der Arbefterbewegung bewußt und ent- schloffen, alle Pflichten, welche derselbe den Arbeitern auferlegt, zu erfüllen, um die Verbrüderung aller Menschen zur Wahr- heit zu machen. Die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands fordert, um die Lösung der sozialen Frage anzubahnen, die Errichtung von sozialistischen Produktivgenossenschaftcn mit Staatshilfe unter der demokratischen Controle des arbeitenden Volkes. Die Produktivgenossenschaften sind für Industrie und Ackerbau in solchem Umfange ins Leben zu rufen, daß aus ihnen die sozialistische Organisation der Gesammtarbeit entsteht. Die sozialistische Arbeiterpartei �Deutschlands fordert als Grundlagen des Staates: 1) Allgemeines gleiches, oirektes� Wahl- und Stimmrecht mit geheimer obligatorischer Stimmabgabe aller Staats- angehörigen vom zwanzigsten Lebensjahre an für alle Wahlen und Abstimmungen in Staat und Gemeinde. Der Wahl- oder Abstimmungstag muß ein Sonntag oder ein Feiertag sein. 2) Direkte Gesetzgebung durch das Volk. Entscheidung über Krieg und Frieden durch das Volk. 3) Allgemeine Webrhaftigkeit. Bolkswehr an Stelle der stehenden Heere. 4) Abschaffung aller Ausnahmegesetze, namentlich der Preß-, Vereins- und Versammlungsgesetze, überhaupt aller Gesetze, welche die freie Meinungsäußerung, das freie Denken und Forschen beschränken. 5) Rechtsprechung durch das Volk. Unentgeltliche Rechts pflege. 6) Allgemeine und gleiche Volkserziehung durch den Staat. Allgemeine Schulpflicht. Unentgeltlicher Unterricht in allen Bildungsanstalten. Erklärung der Religion zur Privatsache. Die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands fordert inner- halb der heutigen Gesellschaft: 1) Möglichste Ausdehnung der politischen Rechte und Frei- heiten im Sinne der obigen Forderungen. 2) Eine einzige progressive Einkommensteuer für Staat und Gemeinde, anstatt der bestehenden, insbesondere der das Volk belastenden indirekten Steuern. 3) Unbeschränktes Coalitionsrecht. 4) Ein den Gesellschastsbedürfniffen entsprechender Normal- arbeitstag. Verbot der Sonntagsarbeit. 5) Verbot der Kinderarbeit und aller die Gesundheit und Sittlichkeit schädigenden Frauenarbeit. 6) Schutzgesetze für Leben und Gesundheit der Arbeiter. Sanitätliche Controle der Arbeiterwohnungen. Ueber- wachung der Bergwerke, der Fabrik-, Werkstatt- und Hausindustrie durch von den Arbeitern gewählte Beamte. Ein wirksames Haftpflichtgesetz. 7) Regelung der Gefängnißarbeit. 8) Volle Selbstverwaltung für alle Arbeiterhilfs- und Unter- stützungskassen. Dies ist das Programm der vielgeschmähten, vielverläum- beten Sozialdemokratie. Klar, logisch, ist es ebenso radikal und umfassend als prak- tisch und gemäßigt in seinen Forderungen. Ja: praktisch und gemäßigt. Kann der Vorwurf, wir planten den„allgemeinen gewaltsamen Umsturz, schlagender widerlegt werden als durch unser Programm? Ist eine Revolution, wir meinen eine ge- waltsame, blutige Umwälzung möglich in einem Staat, welcher ein gutes Volkserziehungssystem hat, durch Befriedigung der ge- rechten Bedürfnisse des Volks der Unzufriedenheit vorbeugt, und durch freiheitliche Einrichtungen jeder Meinung die Möglichkeit des Ausdrucks, jedem Streben die Möglichkeit der Verwirklichung gewährleistet? Gibt es überhaupt eine andere Versicherung gegen die von unseren Gegnern gefürchtete und mit Recht gefürchtete gewaltsame Revolution, eine andere Bürgschaft für die von unseren Gegnern so heiß ersehnte, mit Recht heiß ersehnte friedliche Reform? Sind nicht die meisten Forderungen, die oben aufg-zählt werden, und durch ihre Verständlichkeit, wo nicht Selbstverständlichkeit eine eingehende Erläuterung über- flüssig machen, bereits in fortgeschritteneren Ländern verwirk- licht, und zum übrigen Theil von aufgeklärten Politikern und Menschenfreunden längst befürwortet worden? Sind die meisten Punkte nicht, sozusagen, geistiges Gemeingut Aller Derer, die das Wohl ihrer Mitmenschen erstreben? Die Sozialdemokratie hat kein Programm erfunden, ebensowenig, wie sie sich anmaßt, eine Wissenschaft erfun- den zu haben. Sie hat nur gewisse unumstößliche Sätze, die von oer Wissenschaft festgestellt worden sind, zur Grundlage eines sozialpolitischen Programms zusammengefügt und dem- selben alle diejenigen, von ehrlichen Vorkämpfern des Volks auf- gestellten Forderungen einverleibt, deren Verwirklichung uns dem Ziele zuführt: einer staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung, welche die Aus' beutung des Menschen durch den Menschen verhindert und, bei freier genossenschaftlicher Arbeit und vernünftiger und gerechter Vertheilung desArbeitsertrags, jedem einzelnen Menschen das höchstmögliche Maß von Bil- dung und Glück gewährleistet. Wer, der es gut meint mit seinen Mitmenschen und mit sich selbst, kann dieses Ziel tadelnswerth finden? Muß er nicht viel- mehr uns recht geben? Wohlan, er schließe sich uns an. Wer aber uns andere Bestrebungen zuschreibt, der kennt uns nicht oder ist ein Verleumder. Das Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie. Das neue deutsche Reich kann keine ehrliche, offene Kritik ver- tragen, weil es auf allzuschwachen Füßen steht, weil seine Ent- stehung höchst eigenthümlicher Art gewesen ist und besonders aber, weil es seinen Reichsbürgern ungemein große Pflichten in jeder Beziehung auslegt und ihnen nur äußerst geringe Rechte einräumt; es kann ferner keine Kritik vertragen, weil die er- siegten Milliarden verschwunden sind, weil die Steuern alljähr- lich steigen, die Volkswohlfahrt aber in demselben Berhältniß schwindet. Um nun die unliebsame ehrliche Kritik aus der Welt zu schaffen, sollen Mund- und Preßknebel von der bedenklichsten Stärke eingeführt werden. Darüber brütet die Reichsregierung schon seit mehreren Jahren. Im Jahre 1878 glaubte sie den richtigen Gedanken gefunden zu haben: das Reichsstrafgesetzbuch sollte verschärft werden und zwar die Paragraphen 130 und 131 derart, daß Niemand mehr von den bestehenden Gesellschafts- und Staatseinrichtungen reden durfte, ohne einer schweren Gefängnißstrafe zu verfallen. Die Verschärfung des Paragraphen 130 galt lediglich den Sozia- listen, also denen, welche mit den heutigen Gesellschaftsein- richtungen nicht zufrieden sind und sie deshalb bekämpfen. Die Verschärfung deS Paragraphen 131 aber traf mehr oder we- Niger alle Parteien, selbst diejenigen, welche mit einer oder der anderen Staatseinrichtung nicht zufrieden sind und an derselben eine, wenn auch noch so zghm,: Kritik ausüben. Daß unter solchen Umständen die geplante Verschärfung des Strafgesetzes in diesen Punkten eine allseitige Ablehnung fand, war vorauszusehen, galt es doch besonders seitens der liberalen Parteien sich ihrer eigenen Haut zu wehren. Fürst Bismarck, der selbst energisch für die Annahme der Paragraphen gestritten und die Sozialdemokratie dabei in geradezu unerhörter Weise angegriffen hatte, zog fich mißmuthig in sein geliebtes Pommer- land zurück.— � Doch wurde ihm die Kritik, die an seiner„Schöpfung", an dem neuen deutschen Reiche geübt wurde, immer unerträglicher; dabei stand düster im Hintergrunde das Reichsdeficit trotz des Milliardensegens. Neue Steuern— Steuerreform!— lautete nun die ministe- rielle Parole. Bei der täglich wachsenden Verarmung des beut- scheu Volkes war eine solche Parole durchaus nicht unverfäng- lich, und auch sie mußt« die herbste Kritik erfahren, nicht nur durch die Sozialdemokraten, sondern auch durch die Liberalen, welche hinter der geplanten Steuerreform den Schutzzoll und das Monopol lauern sahen. Wiederum war das System Bismarck rathlos. Da kam dem- selben ein neuer, genialer Gedanke:„Die Kritiker müssen deine Mitschuldigen werden— die Liberalen müssen mit in dein Mi- nisterium!" Der Gedanke war gut. doch die Ausführung war schwer— und man schreibt das Scheitern dieses Planes mehr den persönlichen Eigenthümlichkeiten Bismarck's zu, denen seine Untergebenen ausgesetzt sind, als der Prinz-pientreue der Na- tionalliberalen, die ja im Allgemeinen bis jetzt nur eine äußerst geringe Höhe jemals erreicht hat. Also wieder einmal rathlos. Die Erhöhung der Tabaksteuer wurde im Reichstage abgelehnt, gleichfalls die Tabaksenquete, soweit sie einem künftigen Monopol die Wege zu ebnen bestimmt war. Also nochmals rathlos. Da Paffte Unter den Linden in Berlin das rettende Schüß- chen— denn einen Schuß kann ein ehrlicher Mann doch kaum das ganze Experiment nennen, da selbst der Kaiser und die Großherzogin von Baden nach Aussage der Letzteren den Knall kaum gehört haben. Also das rettende Schüßchcn hatte gepafft — die scharfen Ohren des Herrn von Bismarck aber hatten es in Friedrichsruh vernommen. Sofort ein Telegramm nach Berlin:„Maßregeln gegen die Sozialdemokratie!" Das war ein genialer Gedanke. Jetzt werden die Liberalen vor die Alternative gestellt, entweder sich freiheitsfeindlich zu zeigen(dann verlieren sie im Volke das Ansehen), oder sich reichsfeindlich, königsfeindlich zu zeigen, dann erhält man durch allerlei Maßregeln eine conservative Majorität im Reichstage und im preußischen Landtage und aus dieser die Steuerreform, das Monopol, die Reichseisenbahnen, die Knebelung der ge- sammten öffentlichen Meinung— das neue deutsche Reich hat dann Geld und Ruhe. Daß das Volk aber noch mehr leiden, daß die Ruhe die des Kirchhofs sein würde, daran hat der Reichskanzler keinesfalls gedacht. Das Telegramm aus Friedrichsruh fand guten Boden; der neue Minister des Innern;, Graf Bodo Eulenburg, der Sohn des Reichstagsabgeordneten Eulenburg, der im Jahre 1876 einzig und allein für die Verschärfung der Zß 130 und 131 im Reichstage gestimmt hatte, knetete aus dem kurzen Telegramm eine monströse Vorlage, die an den Bundesrath gelangte und in welcher auch die 1376 abgelehnte Verschärfung der ZK 130 und 131 im Paragraphen 6 einen entsprechenden Ausdruck fand. Diese geniale Leistung der Herren Bismarck, Eulenburg und Friedberg(Unterstaatssekretär im Justizministerium) lautet wie folgt: „§ 1. Druckschriften und Vereine, welche die Ziele der So- zialdemokcatie verfolgen, können von dem Bundesrath verboten werden. Das Verbot ist öffentlich bekannt zu machen und dem Reichstag sofort, oder wenn derselbe nicht versammelt ist, bei seinem nächsten Zusammentritt mitzutheilen. Der Reichstag kann die Aufhebung des Verbotes beschließen. Z 2. Die Verbreitung von Druckschriften an öffentlichen Orten, auf Straßen und auf öffentlichen Plätzen kann von der Ortspolizeibehörde vorläufig verboten werden, wenn die Druckschriften Ziele der in Z 1 bezeichneten Art verfolgen. Das Verbot erlischt, wenn nicht inner- halb vier Wochen die Druckschrift vom Bundesrath auf Grund des Z 1 verboten wird.§ 3. Eine Versamnilung kann von der Ortepolizeibchördc verboten odev nach ihrem Beginn von dem Vertreter der Ortspolizeibehörde aufgelöst werden, wenn That- fachen vorliegen, welche die Annahme rechtfertigen, daß die Ver- sammlung Zielen der im Z 1 bezeichneten Art dient.§ 4. Wer einem nach§ 1 oder§ 2 erlassenen Verbote zuwider eine Druck- schrift verbreitet wird mit Gefängniß bestraft. Die Beschlag- nähme der Druckschrift kann ohne richterliche Anordnung erfolgen (§ 23 ff. des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874). § 5. Die Belheiligung an einem nach Z 1 verbotenen Vereine oder an einer nach§ 3 verbotenen Versammlung wird mit Ge- fängniß bestraft. Gleiche Strafe trifft Denjenigen, welcher sich nicht sofort entfernt, sobald die Auflösung einer Versammlung auf Grund des§ 3 erfolgt ist. Gegen die Vorsteher des Ver- eins, sowie gegen die Unternehmer und Leiter der Versammlung und gegen Denjenigen, welcher zu einer verbotenen Versamm- lung das Lokal hergibt, ist auf Gefängniß nicht unter drei Mo- naten zu erkennen.§ 6. Wer öffentlich durch Rede oder Schrift es unternimmt, in Verfolgung der im§ 1 bezeichneten Ziele die bestehende sittliche oder rechtliche Ordnung zu untergraben, wird mit Gefängniß nicht unter drei Monaten bestraft.§ 7. Dieses Gesetz gilt nur für den Zeitraum von drei Jahren. Die 1 bis 5 treten sofort in Kraft." Diese Vorlage war selbst dem Bundesrath zu scharf; nach zweitägiger langer Berathung beschloß man, das Gesetz ohne den Paragraphen 6 dem Reichstag zu unterbreiten. Gegen die ganze Vorlage stimmten das Großherzogthum Hessen und die freien Städte Bremen und Hamburg. Mit der Ueberschrift: Gesetzentwurf gegen Ausschrei- tungen der Sozialdemokratie, gelangte die ungeheuerliche Vorlage den 20. Mai an den Reichstag; die Mitglieder des- selben erhielten sie Dienstag, den 21. Mai. Allgemein war man auf die Reden gespannt, die bei Be- rathung dieses Entwurfs im Reichstage das Licht der Welt er- blicken würden. Man glaubte, daß besonders die sozialdemokca- tischen Abgeordnelen einige fulminante Reden halten wollten. So nahte der 23. Mai, der Tag der Entscheidung, heran; die Reichslagssitze waren kaum jemals so zahlreich besetzt, die Tri- bünen überfüllt. Man erwartete nun zuerst die Antrittsrede des neuen preußischen Ministers, Grafen Eulenburg. des Vetters des früheren Ministers Eulenburg, dem man eine bedeutende Redner- gäbe zugesprochen und der auch einen großen Anthcil an der Vaterschaft des Attentatsgesctzentwurfs hatte. Doch sollte eine große Enttäuschung folgen. Anstatt des Herrn von Eulenburg trat zuerst der allbekannte Präsident des Reichskanzleramtes Minister Hofmann für den Gesetzentwurf in die Schranken. Der Redner sprach von den maßlosen Ausschrei- tungen der Sozialdemokratie, von dem Attentat, welches die So- zialdemokratie wohl eigentlich nicht verschuldet habe, das aber eine sehr günstige Gelegenheit biete, mit reaklionären Vorschlägen an die gesetzgebenden Versammlungen heranzutreten; dann betonte er, daß das Gesetz allein allerdings nicht die Ausschreitungen der Sozialdemokratie zu verhindern vermöge, daß vielmehr die bürgerlichen Parteien und vor allen Dingen die Kirche berufen seien, mitzuhelfen. Ein reaftionäres Ausnahmegesetz, ein ge- schlossencs Auftreten des liberalen Bürgerthums und die Kirche — ein nettes Trifolium! Als der Reichstagspräsident dem Abgeordneten Liebknecht das Wort gab, trat allgemeine Spannung im Hause und auf den Tribünen ein— man erwartete vielfach eine sogenannte große Rede. Darin täuschte man sich allerdings; aber eine noch so be- deutende Rede würde mcht die Wirkung gehabt haben, als nach' stehende Erklärung, die Liebknecht Namens der sozialdemokratischen Abgeordneten abgab: Erklärung der sozialdemokratischen Reichstags- Abgeordneten. Der Versuch, die That eines Wahnwitzigen, noch ehe die ge- richtliche Untersuchung geschlossen ist, zur Ausführung eines lang vorbereiteten Reaktionsstreiches zu benutzen und Die„moralische Urheberschaft" des noch unerwiesencn Mordattentats auf de� deutschen Kaiser einer Partei aufzuwalzen, welche den Mord � jeder Form verurtheilt und die wirthschastliche und politische Ein' Wickelung als von dem Willen einzelner Personen ganz unav- hängig auffaßt, richtet sich selbst so vollständig in den Auge jedes vorurtheilslosen Menschen, daß wir, die Vertreter der zialdemokratischen Wähler Deutschlands, uns zu der Erklär« gedrungen fühlen: Wir erachten es mit unserer Würde nicht vereinbar, an der Discnsfion des dem Reichstage heut vorliegenden Aus- nahmegesetzes theilzunehmen, und werden uns durch keinerlei Provocationen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, in diesem Beschlug erschüttern lasien. Wohl aber werden wir uns an der Abstimmung betheiligen, da wir es für unsere Pflicht halten, zur Verhütung eines beispiel- losen Attentats auf die Volksfreiheit das Unserige beizutragen, indem wir unsere Stimmen in die Wagschale werfen. Falle die Entscheidung des Reichstages aus wie sie wolle— die deutsche Sozialdemokratie, an Kampf und Verfolgungen ge- wöhnt, blickt weiteren Kämpfen und Verfolgungen mit jener zuversichtlichen Ruhe entgegen, die das Bewußtsein einer guten und unbesiegbaren Sache verleiht. Berlin, 23. Mai 1878. Auer. Blos. Bracke. Temmler. Fritzsche. Hasenclever. Kapell. Liebknecht. Most. Motteler. Rittinghausen. Diese Erklärung wirkte geradezu verblüffend auf die Mit- glieder des Bundesraths und des Reichstags. Allseitig hatte man sich vorgenommen, über die Sozialdemo- kratie in der persönlichsten und schärfsten Weise herzufallen; durch die würdige Erklärung der sozialdemokratischen Abgeordneten aber war solchem Vorhaben von vornherein die Spitze abge- brachen worden— und nur Einer im deutschen Reichstage, der Fortschrittsabgeordnete Herr Eugen Richter, ließ seiner ange- borenen Schmählust die Zügel schießen! Die conservativen Redner, die Bundesrathsmitglieder und einige reaktionär-.liberale" Professoren, welche für die Vorlage eintraten, waren um Gründe nicht verlegen. Die Sozialdemo- kratie bedroht die bestehende Ordnung, deshalb muß sie vernichtet werden; das Mittel, welches wir vorschlagen, ist allerdings kein allzu lauteres, auch kein glücklich gewähltes, auch vielleicht nicht einmal ein wirksames, aber wir haben kein anderes, deshalb muß es gebraucht werden. Das war thatsächlich Alles, was von den Anhängern der Vorlage vorgebracht worden ist. Die Gegner der Vorlage, die Liberalen und das Centrum, ließen es sich auch nicht nehmen, auf die Gefahren, welche die Sozialdemokratie bringe, hinzuweisen;— sie betonten, daß man letzterer mit allen Mitteln entschieden entgegentreten müsse, aber die Vorlage sei unannehmbar, weil sie ungeschickt und vorzüglich deshalb, weil sie, zum Gesetz erhoben, wirkungslos sei. Ja, man behauptete sogar— und wir glauben nicht mit Unrecht— daß nach der Annahme der Vorlage die Sozialdemokratie noch mehr wachsen und gedeihen werde und daß die Gefahren, vor denen mau jetzt schon bebe, in anderer und furchtbarerer Gestalt nahe treten würden. Die von den gesetzlichen Bahnen durch eine Ausnahmegesetzgebung abgedrängte sozialdemokratische Bewegung werde auf den Weg der geheimen Conspiration und somit auf den Weg der Gewalt hingeführt. Attentate, Putsche, Rebellionen würden dann eine stehende Rubrik in den Tagesereignissen finden. Neben solchen Betrachtungen aber wurde besonders von Seiten der nationalliberalen Redner der Regierung empfohlen, die bestehenden Gesetzesvorschriften bis an die äußerste Grenze der Zuläsfigkeit anzuwenden. Als wenn dies nicht schon längst geschehen wäre? Als wenn nicht schon längst die Polizeiagita- tion der Sozialdemokratie gegenüber die äußerste Grenze der Zuläsfigkeit überschritten hätte? In richtiger Würdigung dieses Vorwurfs, den deutschen Re- gierungen gemacht, trat der preußische Polizeiminifter Eulenburg demselben entschieden entgegen, indem er betheuerte, daß die Regierungen von den bestehenden Gesetzen den denkbar ausgie- bigsten Gebrauch gegen die Sozialdemokratie bisher gemacht hätten, daß dies aber nicht gefruchtet habe, deshalb sei ja gerade dies neue, schärfere Gesetz vorgelegt worden. Wenn man aber das Gesetz ablehne und dennoch schärfere Polizeizügel haben wolle, so könne er auch damit dienen; er wolle dann schon da- hin wirken, daß die vorhandenen Mittel bis an die äußersten Grenzen der Möglichkeit in Anwendung gebracht würden. An den Widerspruch, der in solchen Aeußerungen liegt, stößt sich ein reaktionärer Minister ebenso wenig, wie ein liberaler Abgeord- neter sich an den inneren Widerspruch stößt, der darin liegt, wenn man ein Ausnahmegesetz gegen eine politische Partei ab- lehnt, diese selbe Partei aber unter ganz besondere Polizei- aufsicht gestellt sehen will. Merkwürdig war, daß sich für den von den Juristen der liberalen Parteien seiner Form halber so hart mitgenommenen Gesetzentwurf kein einziger Jurist des Bundesraths erhob, ob- wohl Herr Friedberg, der Mitoater desselben, während der ganzen langen Debatten sich im Reichstage befand. Die Verhandlungen wurden am 23. Mai nicht zu Ende ge- führt. Donnerstag den 24. Mai wurden sie wieder eröffnet und zum Schlüsse gebracht. An diesem letzteren Tage hatten noch einige„Lberale" Professoren einen Abänderungsvorschlag vor» gelegt, der dem Regierungsvorschlag wie ein Ei dem andern ähnlich sah. Bei der Abstimmung wurde dieser Professoren- Entwurf, welcher in tz 1 statt„welche die Ziele der Sozialdemokratie ver- folgen" zu setzen vorschlägt,„welche den auf Umsturz der be- stehenden Gesellschaftsordnung gerichteten Bestrebungen der So- zialdemokratie dienen", mit 243 gegen 60 Stimmen abgelehnt; sechs Mitglieder enthielten sich der Abstimmung und zwar die nationalliberalen Abgeordneten Baehr(Kassel), v. Cuny, v. Huber, Struckmann, Dr. Wagner und Witte; für das Amendement stimniten die Deutschconservativen, die Minister Falk und Frieden- thal, die deutsche Reichspartei bis auf die Abgeordneten Schlomka und Dieffenbach, von den Nationalliberalen nur Gneist, Moeller (Schwerin) und v. Treitschke, ferner Beseler. ■• Hierauf wurde der§ 1 der Bundesraths- Vorlage mit 251 wÄ!nrj7 Kulmen abgelehnt; der Abstimmung enthielt sich der «j dafür stimmten die Deutschconservativen, die und bis auf die Abgg. Graf Luxburg, Schlomka, f"b �ffenbach v°n den Nationalliberalen allein v. Treitschkee Nmi-n ��eler. Für den Paragraph 1 der Vorlag- I Ackermann, Graf Arnim, v. Bärensprung, R-tbu v v«-scler. v. Bethmann-Hollweg, Graf Zu Carolath, Clauswitz, v. Colmar, Dietze, Graf Dohna, Freiherr v. Ende. Graf zu Eulenburg, m l««V** a�0lfen6ur5' Dr- Friedenthal, v. Gerlach, V- Kordon. V Graevemtz. Fürst Hatzfeld. Heinrich, v. H-lldorf. Graf Holstein, V.Jagow, v. Kardorff, Katz, Klette, Graf Kleist, v. Knapp, V. Levetzow, �r. Lucius, v. Lüderitz, Freih. v. Man- teuffel, Marcard, Graf Moltke, Fürst Pleß, v. Pattkammer (Lübben), Herzog v. Ratibor, v. Ravenstein, Reich, v. Schmid (Württemberg), V. Schwarze, Staehlin, Staudy, Graf Udo Stollberg, stamm, V. Treitschke, Thilo, Uhden, Freiherr von Unruhe-Bomst, Freiherr v. Barnbüler, v. Waldaw, v. Wedell und Wichmann. Von diesen sind 48 gewählt in Preußen, je 4 in Sachsen und Württemberg und l in Baden. Die Namen der Herren, welche für das Ausnahmegesetz ge- stimmt haben, seien dem Volke hiermit zu ganz besonderer Beach- tung empfohlen. Der Reichskanzleramts-Präsident erklärte nun, daß die ver- bündeten Regierungen keinerlei Gewicht mehr auf die Abstim- münzen über die anderen Paragraphen des Gesetzes legten, und es wurde deshalb die Berathung eingestellt. Das Ausnahmegesetz war s?mit vorläufig beseitigt. Daß die Reichsregierung eine Blamage erlitten, wer möchte es bestreiten; aber auch den sämmtlichen Parteien, außer der sozialdemokratischen, ist die Blamage nicht erspart worden, da die- selben aus Anlaß eines Attentats, verübt von einem verlotterten, halbwahnsinnigen Burschen, zu den heftigsten, unmotivirtesten Angriffen auf die Sozialdemokratie sich verleiten ließen, da sie den Schutz der Polizei für sich anriefen, diese Polizei aber auf die Sozialisten zu Hetzen versuchten, ja, dieselbe Polizei, welche in der Sozialistenhctze schon so Außerordentliches geleistet hat. Aber damit noch nicht genug! Für die nächste Zukunft ist die Einbringung eines allgemeinen deutschen Vereins- und Ver- sammlungsgesetzes der Regierung empfohlen worden, welches bei der reaktionären Stimmung, die gegenwärtig vom Conservatis- mus bis zum Fortschritt in allen Parteien herrscht, gewiß ultra- reaktionär ausfallen wird— möge es so ausfallen, wenn seine Bestimmungen nur klar sind, so daß die Polizeiwillkür bei seiner Auslegung, wie jetzt so oftmals, nicht mehr den Ausschlag geben kann.--- Die Sozialdemokratie aber ist aus dem großen Kampfe als Siegerin hervorgegangen und sie wird Siegerin bleiben—„an Kampf und Verfolgungen gewöhnt, blickt sie weiteren Kämpfen und Verfolgungen mit jener zuversichtlichen Ruhe entgegen, die das Bewußtsein einer guten und unbesiegbaren Sache verleiht." Die Gewerkschaften. Von Freunden der Gewerkschaftssache ist wiederholt der Vor- wurf ausgesprochen worden, die deutschen Sozialdemokraten ver- Mnden zum großen Theil nicht die Gewerkschaftsbewegung und würdigten sie deshalb nicht genügend. Wir müssen gestehen, daß der Vorwurf nicht ganz unbegründet ist. Nur zu oft begegnen wir der Anficht, daß die Gewerkschaften, wenn überhaupt nöthig, eigentlich nur nothwendige Uebel, und blos als Anhängsel der politischen Partei, als Rekrutirungsfeld der Sozialdemokratie zu dulden seien. Nichts kann verkehrter sein als diese Anschauung. Es ist wahr, die Arbeiter bedürfen der politischen Organisation, wenn sie den ihnen gebührenden Einfluß im Staat erringen und die zur Befreiung der Arbeit und Arbeiter erforderlichen Reformen durchsetzen wollen. Allein ebenso wahr ist, daß eine politische Organisation nicht leicht darauf rechnen kann, das Gros des ar- bettenden Volkes in sich zu vereinigen, dauernd zu vereinigen, während dies, wie das Beispiel Englands gezeigt hat, bei einer gewerkschaftlichen Organisation sehr wohl möglich ist. Wenn man den raschen Zerfall der eine Zeitlang scheinbar so mächtigen, weil Millionen umfassenden Chartistenbewegung, mit der bewundernswürdigen Zähigkeit vergleicht, welche die englischen Trabes' Unions im Kampf gegen das Kapital seit vollen zwei, wo nicht mehr Menschenaltern entwickeln, springt diese Thatsache hell in die Augen. Sie bietet nichts Erstaunliches. Das In- teresse ist die— mehr oder weniger verborgene oder sich ver- bergende— Triebfeder, wenn auch nicht aller menschlichen, doch aller politischen und gesellschaftlichen Handlungen, und daß der Masse der Arbeiter das Interesse, welches sie an einer gewerk- schaftlichen Organisation haben, weit leichter klar zu machen ist, als ihr Interesse an einer politischen Organisation, das liegt auf der Hand. Bei jener handelt es sich um, zum Theil ziemlich entfernte, dem Ungebildeten, Denkungeübten schwer verständliche Ziele, welche das Interesse des Einzelnen nicht direkt berühren; bei dieser um nächste, Jedem verständliche Ziele, und die direktesten, dem Blödesten erkennbaren, weil sich fühlbar machenden Jnter- essen. Tie Zahl der Arbeiter, die von Staat und Gesellschaft klare Begriffe haben, ist relativ gering; wohingegen es nur äußerst wenig Arbeiter giebt, die von ihrem Gewerke und ihrer Stellung zu demselben und in den. selben nicht klare Begriffe hätten. Wir glauben nicht zu übertreiben: auf je einen Arbeiter, der über das Wesen des Staats und der Gesellschaft correct ur- theilen und sprechen kann, kommen zum Mindesten zehn, die über ihr besonderes Gewerke correct urtheiten und sprechen kön- nen. Daraus folgt, daß es zehnmal so leicht ist, die Arbeiter für eine Gewerkschaftsorganisation als für eine politische Orga- nisation zu gewinnen. Wende man uns mcht ein, wie man das mitunter hört: durch die Betheiligung an einer Gewerkschaft würden die Arbeiter von den höheren Zielen der politischen Be- wegung, also von der Sozialdemokratie abgelenkt. Das ist durch- aus nicht richtig. Geleugnet soll nicht werden, daß die GeWerk- schastsbewegung in guten und ruhigen Geschäftszeiten leicht einen philisterhaften Charakter annimmt, allein unsere herrliche bürger- liche Gesellschaft hat dafür gesorgt, daß diese guten und ruhigen Geschäftszeiten nur Oasen sind in der Wüste der Krisen und der Geschäftslosigkeit; und einwal aus diesen Oasen heraus befinden sich die Gewerkschaften im Kampf, im Klassenkampf. Tau- sendmal haben die englischen Trades' Unions die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit proklamirt, und tausendmal ist ihnen von dem Kapital der Klassenkampf aufgezwungen worden. Dies wird genau so lang dauern, bis jeder englische Trades Unionist eingesehen hat, daß in der heutigen Gesellschaft die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit ein Nonsens, ein Unsinn ist, daß ein klaffender Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit besteht, und daß dieser Gegensatz blos gehoben werden kann, indem die Ar- beit in den Besitz der Arbeitsmittel gesetzt und genossenschaftlich organisirt wird. Das läßt sich aber ohne politische Aktion der Arbeiterklasse nicht erreichen. In demselben Moment, wo die englischen Trades' Unionssten durch die Bank eingesehen haben, daß das Bourgeois-Kapital auf dem Boden der Bourgeois ie- sellschaft und des Bourgeois-Staats unbesieglich ist, in demselben Bioment tritt das englische Proletariat in die politische Aktion ein. Und wie tritt es in sie ein? Eine festgegliederte, in hundert„Arbeitsschlachten" erprobte, wohldisziplinirte Armee von fast anderthalb Millionen Streitern. Das heißt eine Macht, der, wenn sie sich mit voller Wucht auf den entscheidenden Punkt wirst, keine Regierung, kein Klassenregiment erfolgreichen Widerstand leisten kann. Mit anderen Worten: die Bürgschaft des Sieg?. Aber noch mehr. Gesiegt haben die Arbeiter ichon oft, aber den Sieg nicht cur isnützt, und deshalb umso.; gesiegt. Warum? Weil die SL. hrzahl des Volks, des arbmenden Volks sich von der po- Ii: ichen Bewegung fern gehaUen, ja, sich ihr gegenüber feindlich verhalten hatte und im kritischen Augenblick fehlte oder gar in d.n Reihen der Feinde focht. In einem Lande, welches eine Gewerkschaftsbewegung hat wie die englische, ist Sehnliches nicht zu befürchten, denn die Mehrzahl der Arbeiter ist organisirt, der Rest unter dem Ein- flusse der Organisation. Und dies bringt uns zu einem andern Punkt, der bisher leider fast gänzlich übersehen worden ist. Die Gewerkschaften sind die Krystallisationsfäden der künftigen Arbeits- ordnung, die in Gewerkschaften organisirten Arbeiter die Pioniere der neuen Gesellschaft. Unsere modernen Staaten, ganz unter der Herrschaft der Bourgeoisie oder doch der Bourgeoisideen stehend, haben nirgend einen ernstlichen Ver- such gemacht, das, nach Zerbrechung der Zünfte und Gilden durch die„freie Conkurrenz" geschaffene Chaos zu beendigen, dem Krieg Aller gegen Alle ein Ziel zu setzen und an Stelle der anarchischen Produktion und ungerechten Güterverthei- lung eine planmäßige Produktion und gerechte Güterver- theilung einzuführen. Was die Regierungen hätten thun sollen, das haben die Arbeiter gethan, aus eigener Jnitia- tive gethan. Die Gewerkschaftsbewegung ist der erste Versuch, die chaotischen Produktionsverhältnisse zu regeln und ein„Ar- beitsrecht" zu schaffen; sie bahnt den Weg aus der Mißwirtb- schaff der Bourgeoisie und legt die Fundamente einer vernünfti- gen Gesellschaftsorganisation. Setzen wir den Fall: die englische Arbeiterklasse wäre— was für die Arbeiter aller Länder blos eine Frage der Zeit ist— regierungsfähig geworden. Wohlan, es bedürfte eines Dekrets von 5 Zeilen, welches die englischen Gewerkschaften beauftragte, sämmtliche Fabriken, Bergwerke, Eisenbahnen, Do- mänen, Fideikommisse in Verwaltung zu nehmen,— und der Uebergang aus der Bourgeoifiewirthschaft in die sozialisttsche Wirthschaft würde sich ohne alle und jegliche Störung vollziehen — zum Heil der Arbeiter, zum Heil der Gesammtheit, und namentlich zum Heil der besitzenden Klassen. In keinem anderen Lande der Welt sind die Bedingungen so günstig— und das ausschließlich Dank der vortrefflichen, großartigen, sich über alle Arbeitszweige erstreckenden Organi- sation der Trades' Unions. Also nicht länger von oben herab auf die Gewerkschaften gesehen! Nicht länger sie stiefmütterlich behandelt! Zu einer gesunden, die Bürgschaft des Erfolgs in sich tra- genden Arbeiterbewegung gehört eine, das gesammte Arbeits- gebiet in allen seinen Zweigen umfassende Gewerkschafts- bcwegung. Ohne sie ist kein Sieg möglich, mit ihr der Sieg gewiß. Zweck der Gewerkschaftsorganisation ist der, die zer- streuten Glieder einzelner Gewerbszweige, z. B. Schuhmacher, Schneider, Buchdrucker, Tischler, Maurer u. s. w., zu vereini- gen, gemeinsam nach Verbesserung der bestehenden Arbeits- Verhältnisse zu streben, die verschiedensten Lohnverhältnisse zu regeln, d. h. Normen(Tarife) festzustellen, nach denen sich der Preis der Arbeit besser bestimmen läßt, um dadurch der Will- kür in der Bezahlung der betreffenden Leistungen ein Ende zu machen, mit all r Kraft einzutreten für Aufreckthaltung dieser selbstgeschaffenen Gesetze und die in solchem Kampfe ge- maßregelten Genossen zu unterstützen. Ein weiterer Zweck ist, durch die Gesetzgebung dahin zu wirken, daß eine bestimmte Ar- beitszeit, ein Normalarbeitstag, und zwar vorläufig der zehnstündige eingeführt, alle regelmäßige Sonn- und Feier- tagsarbeit verboten werden, sowie gänzliches Verbot der Kin- derarbeit, Beschränkung der Frauenarbeit auf das derselben vonderNatur angewiesen? Gebiet eintrete. Auch haben esdieGewerk- schaften unternommen, gegen die die freien Arbeiter schädigende Zuchthausarbeit Front zu machen und an die gesetzgebenden Faktoren dieserhalb zu petitioniren. Wenn auch bis jetzt nur geringe Erfolge zu verzeichnen sind, so ist doch mit Befrievigung zu konstatiren, daß die Arbeiter immer klarer erkennen, wo Abhilfe geschaffen werden muß— durch die Gesetzgebung. In consequenter Folge dieser Bestrebungen haben die Mitglieder der Gewerkschaften nur solchen Reichstagsabgcordneten ihre Stimmen bei der Wahl zu geben, welche für die Interessen der Arbeiter mit aller Entschiedenheit eintreten.' Einer der Hauptzwecke des gewerkschaftlichen Lebens aber ist unstreitig das Unterstützungswesen. Es sind schon vorhanden verschiedene Kranken- und Sterbekassen, Wittwen-, Wai- sen-, Invaliden- und Wanderunterstützungskassen. In neuerer Zeit hat man auch die Arbeitslosen in einigen Ge- werkschaften unterstützt. Die Kassen, welche solchen Zwecken die- nen, sind die Fundamente der Bewegung und es basiren alle Erfolge auf der zweckmäßigen und billigen Einrichtung derselben. Um die leider vielfach zerstreuten kleineren Orte- und anderen Kassen leistungsfähiger zu machen, geht man damit um, die Centralisation derselben herzustellen. Der am Pfingstfeste in Hamburg stattfindende Gewerkschafts-Congreß wird in dieser Beziehung hoffentlich eine allgemeine Organisation derjenigen Zweige der Gewerkschaftsbewegung in's Leben rufen, die allen Gewerkschaften gemeinsam sind — und das sind eben die Unterstützungskassen. Löst die Polizei auch die Gewerkschaften aus irgend welchen Gründen auf, so dürfte sie doch über solche Kassen, die auf Grund des Hülfs- tassengesetzes organisirt find, nicht den Stab brechen können. Es muß Jedem klar sein, daß, wenn Tausende der verschiedensten Gewerbszweige in eine Kasse zahlen, für den Einzelnen der Beitrag gering und die Leistung der Kasse eine ungleich höhere sein wird, als wenn nur einige Hunderte denselben Zweck in zehn verschiedenen Vereinen befolgen. Auch dem Genossenschaftswesen bat man seine Aufmerk- samkeit zu schenken. Es sind zwar vielfach schon Genossenschaften ins Leben gerufen worden; jedoch die Erfahrung hat gelehrt, daß mit privaten Mitteln die Arbeiter mit der Kapstalinacht auf solchem Wege im Großen und Ganzen nicht konkurriren können, sondern daß endgültig der Staat die Organisation der Arbeit, die Regelung der Produktion in die Hand nehmen muß; und zwar der Staat aufgebaut auf den Prin- zipien der allgemeinen, wahren Freiheit und des Rechts der Arbeit. Der Nutzen all' dieser Bestrebungen speziell für die Arbeiter und die wohlthätigen Folgen derselben auch für die Gesammtheit leuchten jedem Vernünftigen ein. Bezeichnend für den heutigen Staat aber bleibt es, daß so- gar die Gewerkschaften demselben ein Dorn im Auge sind. Trotz alledem bricht sich die Erkenntniß der Wahrheit unserer Prinzipien allüberall Bahn und so beginnt auch die Gewerk- schastsbewegung mehr und mehr in den Vordergrund zu treten. Die deutschen Arbeiter fangen an zu begreifen, daß sie vereinzelt Nichts, vereinigt alles Erstrebenswerthe erreichen können! Mögen deshalb die Genossen sich den Gewerkschaften ansck ließen und dort dazu beitragen, daß die Vorbedingungen zur geuosseuschastlichen Produktion, das Berständniß dafür jedem Menschen klar werden Also, auf zur Organisation, auf zur Agitation! Die Presse. Die Presse besitzt eine gewaltige Macht, da sie die„üffent- liche Meinung" anfertigt; sie legt der weitaus größten Zahl der Staatsbürger die Gedanken fix und fertig zubereitet vor, so daß dieselben nur verschluckt zu werden brauchen und zwar in vollständiger Gedankenlosigkeit. Die Presse hat es also sehr leicht, die„öffentliche Meinung" zu fabriziren. Sie könnnte demnach ungemein viel Gutes wirken, wenn sie das Recht auf ihren Schild erhöbe, wenn sie das Unrecht verdammte, wenn sie die Freiheitsliebe den Lesern einimpfte, und wenn sie„die Gleich- heit alles Dessen, was Menschenantlitz trägt", proklamirte— sie würde dann das allgemeine Volkswohl in großartiger Weise fördern. Handelt sie aber so im Interesse der Gesammtheit? Nein! Nehmt die Zeihingen zur Hand,— fortschrittliche, liberale konservative, klerikale— was findet Ihr darin? Der Staat wird verherrlicht, auch wenn er im Fahrwasser der Reaktion schwimmt, auch wenn er die Freiheit in Ketten schmiedet; die Gesellschaft wird als eine segenspendende gepriesen, auch wenn sie neun Zehntel ihrer Mitglieder das Anrecht auf irgend wel- chen nennbaren Besitz verweigert, auch wenn sie die Hälfte ihrer Mitglieder dem Elende und dem Hunger preis giebt; der Kirche ober wird Weihrauch gestreut, auch wenn sie den Fortschritt der Wissenschaften hemmt und die Bildung des Volkes unterdrückt. In dieser Richtung macht die herrschende Presse„öffentliche Meinung"; sie entsittlicht und verdummt somit das Volk, sie ver- giftet den Volksgeist. Solchem Einfluß muß das Volk allmälig sich entziehen. Die jetzt herrschende Presse muß durch eine wahre Volkspreffe ersetzt werden. Den Anfang hierzu hat die sozialistische Arbeiterpartei Deutsch- lands schon gemacht. In dem Centralorgan der Partei, dem „Vorwärts", besitzen die Arbeiter einen treuen Freund und Be- rather, der sie auf den Weg des Rechts und der Wahrheit leitet; die„Neue Welt" führt sie durch die Gefilde der allgemeinen Wissenschaften an leichtem blumendurchwirktcn Bande; die „Zukunft" läutert ihren Blick in die Zukunft; die„Rundschau" versetzt sie in die praktische Agitation der sozialistischen Arbeiter- Partei. Außerdem hat fast jede größere Stadt Deutschlands ein ein sozialistisches Lokalblatt, so Berlin, die„Berliner Freie Presse", Hamburg-Altona, das„Hamburg-Altonaer Volksblatt", Breslau, „Die Wahrheit". Neben den Lokalblättern, welche die Zahl von 50 übersteigen, besitzen wir in Deutschland auch eine zahlreiche Gewerkschaftspresse; fast jede Corporation hat gegenwärtig ein eigenes Organ. Die Gesammtzahl dieser Blätter bcläuft sich auf 15. So stattlich die Zahl der sozialistischen Blätter in Deutschland auch schon ist, so gut auch der Geist, der sie durchwacht— immer- hin haben wir nur Anfänge vor uns, kleine Anfänge, aus denen sich erst die Volks presse entwickeln muß. Und diese herzustellen, Eure Presse an die Stelle der Presse der herrschenden Gesellschaft, die Euch in geistiger und leiblicher Knechtschaft hält, zu setzen, dazu allein„Arbeiter" habt Ihr die Macht. Euch gebietet dies Euer Interesse, da mit der Presse der Gegner auch die Macht derselben zusammenfällt. Doch Ihr erkennt in Eurer großen Mehrzahl weder Eure Macht, noch Euer Interesse, sonst würdet Ihr nicht so oft kleinlich verzagen, sonst würdet Ihr nicht gar die herrschende Presse, durch Eure Abonnements noch unterstützen. Der Arbeiter aber, der statt eines Arbeiterblattes ein Organ der Arbeiterfeinde hält, begeht einen geistigen Selbstmord, ein Verbrechen an seinen Brüdern, einen Verrath an seinem eigenen Interesse und an seiner Klasse. Deshalb ermannt Euch Arbeiter, lernt denken und kämpfen! Weg also mit der herrschenden Presse, mit der Junker-, Bour- geois- und Pfaffenpreffe, hoch aber die Presse des arbeitenden Volks, hoch die wahre Volkspresse! — Ein neues Attentat ist Sonntag, den 2. Juni, aus den deutschen Kaiser verübt worden. Zwei Schüsse fielen aus einem Hotel Unter den Linden auf den dahinrollenden Wagen. Der Kaiser ist am Arme und am Kopfe durch Reh- Posten und Schrotkörner nicht unerheblich verwundet. Der At- tentäter machte einen Selbstmordversuch; schwerverwundet wurde er aus dem Hotel in ein Krankenhaus geschafft. Derselbe heißt Dr. Nobiling und soll ein Beamter in dem landwirth- schaftlichen Ministerium gewesen sein. Wir find sehr ge- spannt darauf, welcher Partei nunmehr die moralische Mit- schuld an diesem versuchten Meuchelmord aufgehalst werden wird*). — Die deutsche Panzerfregatte„Großer Kurfürst", circa 500 Mann Besatzung, ist von der Panzerfregatte„Kaiser Wilhelm" am 31. Mai Bormitlags 93/i Uhr bei Hellem Wetter und völliger Windstille in Grund und Boden gebohrt worden. Der„Große Kurfürst" sank binnen wenigen Minuten. Ueber dreihundert Matrosen und Seesoldaten fanden ihren Tod, gegen 200 stürben gerettet, darunter 22 Offiziere, eine verhält- nißmäßig große Zahl, deren Namen man auch schon kennt, wäh- rend die Namen der geretteten Mannschaften bis jetzt noch nicht veröffentlicht find, trotzdem verschiedene Anfragen an das Com- mando gerichtet wurden. Das Leben der Offiziere scheint somit viel werthvoller zu sein, als das der Mannschaften. Wen aber trifft die Schuld an dem grauenvollen Unglück? Nachstehende Schriften sind durch die Expedition des„Vorwärts" in Leipzig, sowie durch die Expedition der„Freien Presse" in Berlin, Kaiser- Franz-Grenadier-Platz 8, zu beziehen: Armen- und Heimathogrirhzeduni....... Mark 1. 50. Arbeitermarseillaise..............—.05. Auerbach, Tagebuch au« Wien...........—.70. Ausschlüsse über die badische Revolutton von 184S.... 1. 50. Aus den Auinen von Nimrut und Olywvia 10. Auszug aus den geseßl. Bestimmungen über die Landtagswahl—. 10. «au man», Berechnung über das Gewindeschn-iden.... 1. 60. Bebel, N.. Unsere Ziele. 6. Auslage........—.25. -- Bauernkrieg............ 2.—. -- Rede über die Anträge betr. Abänderung der Gewerbe- ordnung...............—.10. -- Die EntWickelung Frankreichs vom sechszehnten bis gegen Ende des achtzehn« cn Jahrhunderts....—.25. -- Die parlamentarische Thätigkeit des deutschen Reichs- tage« von 1874—76...........—.30. peter, B., Der alte und der neue JestiiWmn« 60. —— Briese deutscher Bettelfatrioten. 5 Lies...... Z, 75. -- Die Reaktion in Deutschland gegen die Revolution v. 1848. 2. 25 -- Mßbrauch der Nationalitätenlehre....... 1.—. -- X. Fourier...............-.30. —— Geschichte der Arbeiter-Agitation F. Lassalles. 5 Lies. 3.—. —— Geschichte der revolutionären Pariser Commune 1789— 94 2.—. Becker, I. PH., Wie und Wann? Ein ernsteS Wort über die Fragen und Aufgaben der Zeit........ 2.—. —— Le Prscurseur. Organe därnocratique social des associations des Iravailleurs(1877)...... 3. 50. ♦) Wie wir nachträglich hören, soll der„Herr Doctor" der Sozial- demokral-e wieder angehängt werden. Natürlich! Bergmann» Zluch. Bericht über de« Delegirtentag sächfischer Berg- und Hüttenarbeiter zu Zwickau 1874....—. 10. Bios, SB., Unsere Preßzustände..........—.10. -- Blut und Eisen od. die Entstehnng d. Kriege» von 1866—. 50. -- Zur Geschichte der Lommune von Pari» 40. —— Die Revolution zn Mainz 1792— 1793.....—.60. Boruttou, Religion und Sozialismus........—.40. —— Die religiöse Frage und das arbeitende Volk...—. 25. Bracke. W., Der Laffalle'sche Borschlag........—.50. -- Nieder mit den Sozialdemokraten.......—.15. -- Verzweiflung im liberalen Lager.......—.15. Brunnemauu, Skizzen u. Studien zur sranzöftscheu Revolution»- Geschichte................ 1.—. Bürgerkrieg in Frankreich............—. 15. «ivilehegesetz............... 1.—. «ulturkamps und Volksschule in Preußen.......—.10. Daniel in der Löwengrube. Gedicht........—.50. Debekind, Dr. Fr., Prozeß Stever» gegen Vogel v. Falkeustetu 1.—. Der arme Konrad. Jllustrtrter Kalender für da» arbeitend» Volt. 1877. brach. 20 Pf. gebd.......—.40. -- für 1878. broch. 20 Pf. geb.........—.40. Der Braunschweiger Ausschuß der sozial-demokratischm Ar- Heiterpartei in Lützen und vor Gericht 1371.... 1. 25. Der Republikaner, Schweizer Bolkskalender für 1878...—.40. Die Mrtgrer der Sommune...........—.30. Die parlamentarische Thätigkeit des deutschen Reichstage« von von 1871—74.............—.10. Bit Dolksschule und die Lage ihrer Lehrer tu der Provinz Prmßeu—. 10. Bietgeu, National-Oekonomische«. 2. Auflage.....—.15. —— Die bürgerliche Gesellschaft.........—.10. -- Die Religion der Sozialdemokratie. 4. Auflage..—. 15. -- Das Wesen der menschlichen Kopfarbeit..... 1. 50. oisfidentengesetz................—.20. ilouai, Dr. A., Antwort an den Bekenner de« Theismus..—. 10. — Kindergarten u. Volksschule«l« soztaldemokr. Anstalten—. 25. BulK, A., Nieder mit den Atheisten.........—.25, Eecarius, I. G., Kampf de» großen und kleinen Kapital»..—. 15. «inkommenfleuergesetz............. 1.—. Zügels, F., Zur Wohnungsfrage. 3 Hefte......—.30. -- Der deutsche Bauernkrieg..........—.50. -- Soziale« au» Rußland...........—.15. -- Bakunisten an der Arbeit..........—.10, -- Herrn Eugen Dühring's Umwälzung der Wissenschaft. I. Theil. Philosophie...........—.60. r.tnnerung an Herwezh............—.10. Erinnerung an Börne.............—.20. Zrani, I., Herr Böhmert, Professor der Nationalökonomie und seine Fälschungen der Wissenschaft.....—.80. für die sraniöjischen Brüder...........—.15. Beib, A., Gedichte..............—.50, «eiser, Forderungen de« Sozialismus au Gegenwart u. Zukunft—. 50. -- Das deutsche Reich und seine Gesetzgebung....—.60. Senerelabstimmungvlifte de» deutsch. Reichstag» v. 1867—73. 2.—. —— Nacktrag von 1873— 76.......... 1. 20. Senossenschastsgeseh(Bundesgesetz)......... 1. 40 Sewerbevrdnung für da» deutsche Reich........ 1. 50. «efindeordnung................ 1. 50. «espräch am Kachelose».............—.50. «reulich, H., Der Staat vom sozialdemokratischen Standpunkte au».«Erne Auseinandersetzung mit den Anarchisten.—. 25. Haseurlever» Wilh., Liebe, Leben, Kampf(Gedichte)....—.40. -- Erlebtes(Skizzen und Novellen)....... 1. 20. Kepner, Ad., Mein« 3>/»jährige Leipziger Polizeicampagne..—. 60. Herr v. Treitschke der Sozialistentildter und die Endziele de» Liberalismus..............—. 20. Hillman«, Die wternat. Arbeiter- Alsoziation 1864—71, ihr» Geschichte, Programm und Thätigkeit......—. 15. —— Praktisch« EmanzipattouSwinle........—.10. —— Tie Orgaotssttou der Massen........—.20. Hilsskassengeseh. 3 Hefte, ä 0,15 M.........-.45. Hirsch, die Parteipresse. iiile Vedeutung und Lrgauisatum.—. 10 Aarobi, L., E» werde Licht(Poesien).........—.60. -- Die Idee der Entwickelung. 2 Bde. i..... 1.—. Jacobh, Joh., Da» Ziel der Arbeiterbewegung.....—.20. Kegel, M., Freie Lieder(Gedichte).........—.50. Knappschaflskassenwesen vor dem deutschen RetchStag...—. 12. Komplot gegen die Intern. Arb.- Assoziation. A»S dem Französischen übersetzt von KokoSkp...... 1.—. König, Schwarze Kabinette............—. 75. König Mammon und die Freiheit Ein neues Bilderbuch. 1 20 Krasser, Dr. F., Anti-Sylladu«(Gedicht).......—.05 —— Ceteram censeo(Gedicht).........—.05. Kunst und Lozialismur.............—.16. Lange, Arbeiterftage.............. 4.—. Lassalle, F., Arbeiterfrage............—.15. -- Ueber BerfassnugSwesen, Macht u. Recht, WaS nun?.—. 85. -- An die Arbeiter Berlin»..........—.10. -- Arbeiterlesebuch.............—.30. —— Offenes Antwortschreiben.........—.Ob. —— Arbeiterprogramm...........,—, 10. -- Die Wissenschaft und die Arbeiter.......—.15, -- Eriminalprozeß, HI. Instanz.........—.80. — Die Feste, die Presse........ 15- —— Bastiat Schulze.......... 7...—.50. — Indirekte Steuern............—.40. -- Düffeldorser Asfissenrede..........—.30 -- Fichte'» Philosophie............—- 25 -- Fichte'S politisches Bermächtniß........—.25. -- Julian Schmidt............. 1.—. -- Gotth. Ephraim Lessing..........—.20. Leben und Thülen de« General« JaroSla» Dombrowski..—. 75. Lehn, Juristisches Taschenlexikon.......... 1.—. Leipziger Kochoerrathsprozeh............ 8.-. Liebknecht, SB., Zu Trutz und Schutz � 20 -- Ueber die politische Stellung der Sozialdemokratie..—. 10. -- Wissen ist Macht- Macht ist Wissen. 2. Aufl...—. 20 -- Reichsiagsrede 1874...........—. 10. —— Zur Gmad-.md Bodenfrag« 2. Aufl.......—.76. —— Zur orientalischen Frage oder soll Europa kosackisch werden—. 30. -- Die Orientdebatte im deutschm Reichstage....—. 30. -- Das Briefgeheimniß vor dem deutschen Reichstag... 4. Lübeck, C., die BarerlandSlosen(Novelle).......—.75. Lommel, Jesu» von Nazaretb...........—.40. — Johanne« Huß......—.80. Lissagaraq, Geschichte der Commune von 1871..... 4—. Marx, Der Eölner Eommunisteu- Prozeß. 2. Aufl.....-. 25. -- Da« Kapital. 2. Aufl........... 9.-•, —— Der XVHL Brumaire de» Loui« Bonaparte.... 1. 50. -- und Engels, Kommunistische» Manifest.....—.20 Mignet, Geschichte der franz. Revolution von 1789 bi» 1814, deutsche Uebersetzmig gebd........ 1. 80. Minister«Ulenburg und die deutsche Sozialdemokratie...—. 30. Mofl. Liederbuch, gbd. 40 Pf., broch.........—.80. -- Die Pariser Commune vor den Berliner Gerichten.,—. 60. -- Sammlung von Reich«-Gesetzen: 1. Heft: Gewerbeordnung.............. 2. Heft: Freizügigkeit»-, Impf-, Lohubeschlaguahme- und Hastpflicht- Gesetz........—. 15 -- Kapiial und Arbeit...........—.50. -- Basttlle am Plötzeusee:•• i......—. 60. -- Der Kleinbürger und die Sozialdemokratie.....—. 50. -- Die Lösung der sozialen Fragt.......—.40, -- Die sozialen Bewegungen im alten Rom und der CS- sarismus....... t....... 1.—. Morolt, F. a., Arbeiterkraukheiteu. 1. Schädliche Gast. 2. Schädliche Dämpfe, al» Krankheitsquellen....—.10. Aldenburg, Was wollen die�Sozialdemokraten?.....—. 30. Ntto-Malster, A., Allerhand Proletarier. Ein« HauSgeschichi-.—. 40, -- Rienzi. Drama in 5 Auszügen........—. 30. -- Am Webstuhl der Zeit. Soz. Roman...... 3.—. -- Eine mittelalterliche Internciloncle. Histcr. Novelle.—. 75. -- Kraule Herzen.............. 1.—. -- Lraunschweiger Tage........... 2. 50. -- Schutz in den Gewerkschaften.........—. lO. -- Ein verunglückter Agitator(Lustspiel)......—.60, Photographien: Feuerbach, Heß, Herwegh, Johann Jacvbp, Laffalle, Lange, Uorck, Blanqui, Srömieux, DeleSclme, Tlmbrewski, Ferrs, Flouren», Morae, Milliore, Owen Raoul- Rigsuli, Rosse! ic.; in Bifitenkartenformet a.— 25. -- Gruppenbilder(Tableaux) der sog. Wiener, Braun- schweizer, Leipziger imd Pester Hochverrätber, von der Eourbet'schen Büste der„Uderts"(Freiheit) 4...—.25. Photographien: in Kabinetsorwat a.........—.60. -- in Groß- Folio............. 3,—. -- Triumph of Order, darstellend die Erschießung von Communisten durch die Versailler Truppen(Mai 1871) im Kirchhofe Pöre la Chaise zu Paris 23 Elm. breit 20 Ctm. hock> pr. Sick... 5.—. 20°- 14---... 2. 50. Pollitzer, S., Die Behandlung der politischen Gefangenen in Bayern...........—. 20. Pfau, L., Da« Preußische Regiment vor Gericht..... 30. Preußischer Schnaps im deutschen Reichstage......—.03. Pretzgesetz vom 7. Mai 1874.........-. 25. Protokoll de« Stuttgarter Congressc« 1870......—. 15. -- de» Dresdener Congrcsse» 1871........... 20. --- de» Cobnrger Congresse» 1874.......—. 30. -- des Gothaer Congresses 1875........—. 30. —— de» Gothaer Congresse» 1876.........—. Zy. —— Holzarbeitercongreß zu Nürnberg 1873.....— 20. Protokoll, de» Schweizer Arbeiter-Congresse» zu Oltri..— SC. -- de» Schweizer Arbeiterbunde» zu Winterthur 50. -- de« 3. Congresse» de» Schweizer'schen Arbeiter-Bur.di».—. 30. Prowt, John Oeawatomie Brown, der Neger Heiland... 1.—. Kathgeber für Eewerbtreibeube.......... 3. 50, AeMirle Landgeilieindeerdniing fflr Sachsen......—, 90. „ Stildteordnuns............. 1. 40. Kittinghansen. Sozial-demolratisch« Abba-Zdlungeu. 5 Heiie. 1. 90. KohleSer, oee Pariser Commune vor der Deputirteulammer in Bersaille»...............—.50, Höckel, Sachsen» Erhebung und das Zuchthau« zu Waldheim. 1. Koller, der bekehrte Nagelschmied.........—.05. Sack, Ed., Untere Schulen im Dienst« gegen die Frei»«»..—. un. -- Gegen die Prügelpädagogen........—.80. Schässle, Dr.■&., Quintessenz des Sozialismus..... 1. 20. Schlesinger, M.. Eine Reise nach Utopien.......—.10. Scholl, Carl, die freien religiösen Gemeinden und die Sozial- demokratie..........—. 26. -- Der Massenauetri.t au» der Kirche.......—.15. Schramm, Grund lüge der Nationalökonomie, l. Abth...—.25. —— Ein Wori zur Berständ, uug der sozialen Frage..—. 20. Schulze,«., Der große Krach, ein Märchen für große und, kleine Kinder........... gek..—. 50. broch. i—. 40. Serni-Solowiemitsch, Unsere russischen Angelegenheiten...—. 20. Sozialistische Theaterstücke. Sir. 1: Sin Schlingel...........-.35. (Zur Aufsührung gehören 4 Ezol. für die Rollen und 1 Expl. lür dm Soufleur. Prei« complet M. 1.50) 9h;. 2: Preßprozesst............—. 25. (Zur Aufführung gehören 5 Expl. für die Rollen und 1 lkxpl. für dm Souflmr. Prei« complet M. IAO.) Nr. 3: Ein Opfer............—. 40. (Zur Ausführung gehören 19 Expl. für die Rollm und 1 Erpl. für dm Souflmr. Preis comPlet M. 6.) Specht, Populäre �ntwlckl>'.ng»zeslyi!?ie dt« Willal»... 2. 50. Statn'.e»-er Internationalen Arbeiter- Assoziation....—. 10. Strafgesetzbuch für da« deutsche Reich........ 1.—. Strodlmann, Die Ärbeiterdi- lang in Frankreich.'""j' 50' -- Bruw»! schläfst Du?.......| 7. To. Tessendorf und die deutiche Sozialdemokratie......— ,40. Theokratisches Kirchenthum und autokratischeIustiz. Ein Gottes- lästerungsprozeß vor dem Schwurgericht zu Eßlingen—. 75. Tchernychenisky, N.«Zne fair«? Roman...... 3. —— L'economie politique.......... 1. 50, Pahltcich, Der Deklamator. Heki 1, 2, 3, 4 ä..... 15. Pereins- und Persammlungsgesetz für Sachsen.....—.10. Persassung de« deutscheu Reiche»..........—.75, Psgtl, Apotbeken-Monopol...........—.60. —— Verfälschung der Lebensmittel........—, 60» PolKsstaat- Kalender für 1874...........—. 20. -- für 1875...............—.20. Pelksstaat-Kremdwörterbuch........ j �»4«.—• 60- Polksschulgesetz für Sachsen........."... 1.—. Pollmar, G., Waldverwüstung und Ueberschwemmung...—. 15. Wahre«estalt des«hristenthums..........—.50. Wander, K., Drei Jahre aus meinem Leben oder: Mein Prozeß wegen Erregung von Mißvergnügen und Un- zuftledenheit zc.............. 1. 50. Wohnungsfrage. Ein soziale Skizze..........10. Wuttke, Die deutschen Zeitschristen......... 2.—. Porck, Die industrielle Arbeitersrage.........—.10. Zimmermann, Psaffenpeitsche. 1. Bd......... 1. 60. Zeitgeist, Eine Studie.............— 25. Zukunslsmedifin oder Anleitung sich selbst der beste Arzt zu sein, d. h. Krankheiten zu verhüten.(Vollständig in 12 Heften.) Heft 1-10 ä.........—. 75, Geiiossenscliaftsbuchdruckerei zu Leipzig. Die diesjährige Ordentliche Generalversammlung findet am Donnerstag, den 20. Juni, Abends 8 Uhr, in Leipzig im Restaurant der Wölbllng'sahen Brauerei, Windmühlenstr. 15 statt. Die Tagesordnung lautet: 1) Geschäftsbericht des Vorstande». 2) Kevisionsbericht des Aufsichtsrathes. 3) Kichtigspreehimg der Jahresrechnung. 4) Feststellung der Dividende und Bestimmung über den Geschäftsgewinn. 5) Feststellung des Etats für das neue Geschäftsjahr. 6) Wahl des Vorstandes. 7) Bestimmung über den Sitz des Aufsichtsraths. 8) Antrag, Acnderung des§ 27 des Statuts betreffend. Laut§ 18 des Statuts steht es den Mitgliedern, welche nicht am Orte der Generalversammlung wohnen, frei, sich auf Grund einer eigenhändig unterzeichneten Vollmacht vertreten zu lassen. Die betr. VoUmachtsformnlare, welche den Stempel der Genossenschaft tragen müssen, werden von dem mitunterzeichneten A. Geib, Hamburg, Ködingsmarkt 12, auf Verlangen den Genossenschaftsmitgliedern zugeschickt.[2,60 Hamburg, den 30. Mai 1878. Der Aufsichtsrath. I. A.: J. W. Hartraann. H. Brascb. A. Geib. C. Derossi Soeben, Montag Mittag, e. halten wir von unseren Parteigenossen in Dresden folgende Depesche: Nobiling ist Nationalliberaler, war Mitarbeiter der Böh- mert'schcn„Sozial-Correspoudenz" und trat uns in den Ver- sammlnngen entgegen. SchliUer. Verantwortlicher Redakteur: Julius Künzel in Leipzig. Redaktion und Exped ior Forberstraße 12. U m Leipzig. Druck und Ver'ag der Genoffenschaftsbuchdruckerfi in Leipzig.