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Der vorliegenden Untersuchung wird es nun vorbehalten sein, nachzuweisen, daß Angebot und Nachfrage nicht die Menschen- Welt naturnothwesdig beherrschen, sondern daß die Menschenge- scllschaft sie geschaffen und gestaltet hat und gänzlich zu be- herrschen vermag. Es wäre auch wunderbar, wenn der Mensch nachweislich alle Naturgesetze in seinen Dienst zu bändigen vermag, und zwar schon jetzt bis zu einem Grade, daß man seine Schranken in dieser Beziehung nicht festzusetzen wagt, daß dann die Maaren, welche er schafft, ihn beherrschen und knechten, ja, ihn natur- nothwendig selbst zur Maare machen müßten. Betreffs der Gebrauchswerthe unterscheiden wir jetzt schärfer als früher den absoluten und den relativen Gebrauchs- Werth. Wenn Zweie Maaren tauschen, ist zunächst nur erfor- derlich, daß die Maare, welche Jeder von Beiden vertauscht, überhaupt nicht für ihn, sondern für den Anderen ein Gebrauchs- Werth sei, d. h. dessen Bedürfnisse befriedige. Sie muß über- Haupt brauchbar sein; in welchem Grade fie dies ist, wie viele Bedürfnisse sie befriedigt und wie zweckmäßig, darauf kommt es vorerst nicht an; damit hat es die Grundlage der Lehre vom Merthe nicht zu thun. Diese Eigenschaft der Maare oder des Tauschgegenstandes nennen wir ihren absoluten Gebrauchswerth. Es gehört nun aber Maarenkenntniß dazu, um sich beim Aus- tausche nicht selbst Schaden zu thun. Wenn der Tausch gleicher Werths die Hände wechseln soll, muß nicht blos die darin ver- körperte gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit dem Käufer er- kennbar sein, sondern auch die mehr oder weniger verborgenen Eigenschaften der Maare, vermöge deren sie möglichst viele und wichtige Bedürfnisse decken kann. Diese Eigenschaft nennen wir den relativen Gebrauchswerth der Maare. Also hat z.B. Leinwand aus Handgespinnst einen größeren relativen Gebrauchs- Werth als solche aus Maschinengespinnst, Gußstahl einen größern als Bessemer-Stahl k., was blos die Sachkenner wissen und bei Berechnung des Tauschwerthes mit veranschlagen werden. Während wir nun schon gesehen haben, daß Nachfrage und Angebot nicht im mindesten den Gebrauchswerth verändern, sehen wir jetzt, daß umgekehrt Nachfrage durch einen größeren rela- tiven Gebrauchswerth vermehrt, durch einen geringer» ver- mindert wird. Und wenn die Waare beliebig vermehrbar ist, so wird gesteigerte Nachfrage das Angebot steigern. So hat z. B. die unvergleichlich größere Dauer der Stahl- Eisenbahnschienen die eisernen zu verdrängen angefangen— es hat der größere relative Gebrauchswerth eine wachsende Nachfrage dar- nach, und diese wieder ein wachsendes Angebot erzeugt. Es gehört aber Sachkenntniß zur Beurtheilung relativer Größe des Gcbrauchswerths; wo diese fehlt, mag ein relativ geringerer Gebrauchswerth einen größeren aus der Nachfrage verdrängen. Die schwarze Seide zu Frauenkleidern ist stärker„gefragt" und wird verhältnißmäßig zu theuer bezahlt, weil fie die schwarze metallische Farbe mehr einschluckt als jede andere, bunte, Seide die ihrige, also bis zu einem Drittel mehr wiegt, kürzer dauert, weniger inneren, sachlichen Werth hat. Es verändert also so- wohl die Sachkenntniß als deren Gegentheil die Nachfrage und das Angebot; es vermehrt-er Mensch den Gebrauchswerth oder vermindert ihn und damit Angebot und Nachfrage, nicht umge- kehrt. Der dingliche Werth oder Nutzwerth also hängt vom Menschen ab, nicht von Naturgesetzen. Der Tauschwerth aber muß dadurch mitbestimmt werden. Im Laufe der Zeit wird von jeder Sorte Waare derselben oder ähnlicher Art der Nutzwerth allgemeiner bekannt und bei der Abschätzung gegenüber allen anderen nicht genug berücksichtigt. Mit ihrem Handelsnamen wird zugleich der Nutzwerth bezeichnet und Jedermann angezeigt, so daß er die nützliche Beschaffenheit nicht erst zu untersuchen braucht. Der relative Gebrauchs- Werth ist also jedenfalls und bei jeder Art Waare ein Faktor in der Abschätzung des Tauschwerthes, insofern dabei die Waaren nach Arten und Unterarten ihren Rang und einen relativen Tauschwerth mit erhalten, welcher für jede Unter- ort innerhalb der Art selbstverständlich ist. Es bleibt dann noch die gesellschaftlich nothwendige, in der schon bekannten Waare vcrleiblichte Arbeitszeit abzuschätzen, um den Tauschwerth Unk darum tritt dieser zweite Fattor des Tausch- in den Vordergrund. Das Feilschen, der bei welchem der Käufer möglichst wenig ist es bei m � x1 Verkäufer dessen möglichst viel verlangt, digen'ArbeitsMlich'v?n�� � geschäftlich nothwen- Tauschenden unbewußt. W- und zwar bei den meisten dieselbe in Zuerst diese Arbeitszeit, soweit wejciüc m lernen Arbeltsnntteln««s« s,« w Wv. ' r~*"tum, nie cuHimc ueu «5 Verkauf bew Mt er Abrn � auf seiner Preisliste ansetzt. Beim bewllgt er Abzüge davon, oder schlägt mit dem Pre.se auf, j- nachdem es der Stand des Marktes erlaubt, und was er i�ließlich erhält ist m Geld ausgedrückt, der Preis der Waare. Der Kleinhändler, welcher diesen Preis gezahlt hat, schlägt eine Prozente darauf,»m ferne eigenen Geschäftsauslagen und seine Arbeitszeit zu verguten. � 1 9 Soweit nun der Nutzwerth fäpn�uSoufdj Werth im voraus bestimmt hat, ist nachgewiesen, daß der Mensch ihn bestimmt und nicht das Naturgesetz des Angebots und der Nachfrage. Nennen wir die» den relativen Tauschwerth, denjenigen, welchen der Nutzwerth bestimmt. Der absolute Tauschwerth aber, welcher die in der Waare euthattene Arbeitszeit ausdrückt, wird offenbar durch die natürliche Seltenheit oder Häufigkeit einer Waare oder ihres Rohstoffs und ihrer Zubereitungsmittel zuerst und zumeist mitbestimmt. DieS hat Marx nicht nur zugestanden, I sondern überall da erklärt, wo seine Untersuchung es verlangte. wie beim Getteide, bei der Maschinenweberei im Vergleich mit der Handweberei, bei den edeln Metallen und Diamanten:c. Es fragt sich hier, in dem von Schäffle gegen ihn geltend gemachten Einwurfe, darum, ob der Mensch Gewalt hat über die natürliche Seltenheit und Häufigkeit, oder die Natur über ihn. Ist das Erstere der Fall, wie wir sofort erkennen werden, so hat Marx Recht. Wenn eine Getreidetheurung und Hungersnoth eintritt, weil es keinen oder zuviel Regen gab, so ist die Natur scheinbar allein schuld. Bei geringem Nachdenken findet man aber, daß, weil gute und schlechte Ernten abwechseln, die Magazinirung in Zeiten guter Ernten das Mittel giebt, schlechter Ernten Fehl- bettag zu decken, und daß schon viele alte Völker dieses Mittel, den nothwendigen Nahrungsvorrath zu sichern, anwendeten. Ein anderes solches Mittel ist die zehr tiefe Auflockerung des Bodens, welche trockene wie übernasse Witterung fast unschädlich macht. Ein drittes Mittel ist rechtzeittge Zufuhr von Nahrungsmitteln aus begünstigten Gegenden, und solcher Mittel giebt es mehrere. (Fortsetzung folgt.) Zur Controverse über die sozialistische Werth- theorie. v. Bon der Bodenrente. (Fortsetzung.) II. L. Das oben Gesagte gilt ebenso von Bergwerken, Goldwäschereien ic. aller Art. Der Ueberschuß des Ertrages, sei er nun quantitativ oder qualitativ, was ganz auf eins heraus- kommt, der ergiebigern Bergwerke über den Ertrag der ärmsten zur Deckung des Bedarfs nothwendigen Gattung ist Boden- rente. Gerade bei Bergwerken, Goldwäschereien:c. sehen wir sehr oft, daß, sobald der Tauschwerth des betr. Minerals(in Folge geringern Bedarfs, Entdeckung reicherer Quellen ic.) fällt, die unergiebigsten Werke verlassen, umgekehrt, wenn er steigt, neue. in Betrieb gesetzt werden. Auch hier ist die Bodenrente einzelner Gruben ze. oft eine colossale. So besaß der daraufgegangene Schurke Thiers einige Aktten eines französischen Eisen- und Kohlenwerkes (Anzin), von denen jede einzelne, bei einem ursprünglich unendlich kleineren Nominalkapital, einen„Werth" von 1 Mill. Francs hatte!(Nebenbei: darum war der kleine große Gauner auch immer so wüthender Schutzzöllner. Nur solche Leute kön- nen für Schutzzoll sein.) Der große„Werth" dieser Aktten ent- stammt also der Bodenrente. Von dem„100jährigen Baum" gilt das Gleiche. Was ihn werthvoller macht, als das einjährige Bäumchen der jungen Schonung, trotzdem er oft(als Urwald) weniger Arbeit enthält, als letzteres, nämlich gar keine, ist wieder Bodenrente. Der mit solchen alten Bäumen bestandene Wald wirft eine größere Bodenrente ab, als die Schonung aus demselben Grunde, aus dem das ergiebige Bergwerk mehr Bodenrente bringt, als das ertragsarme. Weil er von dem betr. Produkt mehr enthält, sich also mit derselben„Quantität Arbeit" mehr davon herausholen läßt. Im Artikel in Nr. 61 d.„B." vom vorigen Jahre findet sich bei diesem Exempel vom„100jährigen Baum" wieder ein ganz bedenklicher Rückfall in die Vulgärökonomie. Es wird uns nämlich erzählt, der„100jährige Baum" habe deshalb„schein- bar"(??) mehr Tauschwerth, als ein„einjähriger", weil der „Grundbesitzer", der„den Baum 100 Jahre lang stehen ließ", „auch den 100fachen Ertrag des jährlich aus dem Boden zu er- zielenden arbeitslosen Einkommens, womöglich mit Zins und Zinseszins, im Preis des Baumes bekommen will. Also„Ent- behrungslohn" in optima forma. Das geht noch über den Schulze! Wir werden auch hier daran zu erinnern haben, daß Werth nur entsteht durch Arbeit, die wirklich verrichtet wurde und nicht durch solche, die hätte verrichtet werden können, oder gar durch „arbeitsloses Einkommen", welches hätte eingesackt werden können. Die Wahrheit ist: der 100jährige Baum hat nicht den hohen Tauschwerth, weil der Grundbesitzer ihn 100 Jahre stehen ließ und inzwischen auf sein„arbeitsloses Einkommen" verzichtete; sondern gerade umgekehrt, der Grundbesitzer ließ ihn 100 Jahre stehen und verzichtete inzwischen auf sein„arbeitsloses Einkom- men", weil der 100jährige Baum einen so hohen Tauschwerth hat. Das ist ein kleiner Unterschied! Es wird da eben etwas als Ursache angegeben, was blos Wirkung ist. Wir haben oben den einjährigen Baum als Basis des Werthes des KXHährigen angenommen. Das kann jedoch nur in Ansehung des letztern als Brennholz, Schnitzholz:c. geschehen. Als Bau- holz(Möbelholz) aber ist der 100jährige Baum eine ganz andere Waare als der einjährige. Was mit ersterem vorgenommen werden kann, kann mit letzterem nicht geschehen und daß in 100 Jahren das Bäumchen gleichfalls zum mächttgen Stamme wer- den wird, kann dem wenig nutzen, der letztern heute braucht. Der Werth des alten Baumes als Bauholz richtet sich eben wieder nur nach der zur Beschaffung von alten Bäumen noth- wendigen Arbeitszeit. Erstere— die alten Bäume nämlich— müssen wir, weil wir uns fie nicht selbst herstellen können, dort aussuchen, wo fie uns die Natur eben noch bietet(genau wie das mit den Mineralien der Fall), und denen, die sich damit befassen, die zu ihrer Herbeischaffung an Ort und Stelle nöthige Arbeits- zeit vergüten. Nun sind aber diese zur Herbeischaffung nothwendigen Ar- beitszeiten sehr verschieden, je nach Entfernung, Transport- schwierigkeiten:c. der betr. Forsten. Nach welcher dieser ver- schiedenen Arbeitszeiten bestimmt sich nun der Werth der alten Bäume? Wiederum natürlich nach derjenigen Arbeitszeit, welche zur Heranschaffung der am meisten Arbeit erfordernden Bäume, deren die Gesellschaft zur Deckung ihres Bedarfs benöthigt, auf- gewandt werden mußte, sagen wir also z. B. 5 Tage. Denn würde diesen Arbeitern ihre Arbeit nicht ersetzt werden, dann könnten sie nicht weiter arbeiten, also auch der Bedarf nicht ge- deckt werden. Alle die Waldungen nun, bei denen die Herbeischaffung der Stämme weniger als diese 5 Tage, nur 4 oder 3 oder 2 Tage Arbeit erfordert, deren Holz trotzdem aber auf dem Martte genau so viel gilt, wie das von weiter her beschaffte, werfen je nachdem eine größere oder kleinere Bodenrente ab. Dieselbe Quantität Arbeit, 5 Tage, deren Ertrag bei der einen Waldung erst die Heranschaffung eines Stammes an Ort und Stelle bil- dete, warf bei der andern Waldung bereits einen Erttag von 2, sage zwei Stämmen ab, also Ertragsüberschuß gleich Bodenrente. Und wird es— durch größern Bedarf oder durch Zusammen- schmelzen der vorhandenen Waldungen— nothwendig, noch weiter- liegende Wälder zur Deckung des Bedarfs heranzuziehen, erhöht sich also der Tauschwerth eines solchen Baumes von 5 auf 6 Tage, so erhöht sich selbstredend auch die Bodenrente sämmtlicher bereits benutzten Waldungen enssprechend, d. h. hier um 1 Ar- beitstag pro Baum. Nach dem oben Gesagten erklärt es sich, wie die 100jährigen Bäume in unseren leider so stark gelichteten deutschen Forsten schon an Ort und Stelle Werth haben, trotzdem noch gar keine Arbeit auf sie verwandt wurde. Dieselben Bäume, in Rußland, der Türkei oder im Urwald Amerika's ze. stehend, würden werthlos sein, wie denn auch wirklich das Holz in den Waldgegen- den dieser Länder ohne Werth oder doch so gut wie ohne Werth ist. Woher dieser Werthunterschied ein und derselben Waare je nach ihrer Ortslage kommt, wissen wir. (Schluß folgt.) Sozialpolitische Uebersicht. — Dr. Nobiling ist Sozialdemokrat! Er hat es selbst bekannt, er hat Mitschuldige, es besteht ein Complott! So hat die gegnerische Presse bis jetzt immer behauptet und dabei die kläglichsten Beweismittel hervorgesucht. Sie zieht aber schon allgemach die Segel ein, der Wind weht nicht mehr günstig, da kein anständiger Mensch solchen Lügennachrichten noch Glau- den schenken mag— nur die großen und kleinen Kinder(deren Zahl aber leider noch sehr groß ist) lassen sich gruselig machen. Selbst die offizielle„Provinzial-Correspondenz", welche mit aller Macht gegen die Sozialdemokratie hetzt und Ausnahmegesetze fordert, muß kleinlaut gestehen,„daß Nobiling„sozialdemo- kratische Versammlungen" in Berlin in letzter Zeit besucht habe, weil ihm die Grundsätze der„Demokraten" gefallen hätten." Sieht das nicht aus wie eine Bemäntelung früherer Unwahrheiten? Hat aber nicht Lasker, hat nicht Bennigsen gesagt, daß ihnen viele Grundsätze und Forderungen der Sozial- demokraten gefielen, nur die Methode, die bei der Agitation aus- geübt würde, passe ihnen nicht? Kann man nicht verschiedene Grundsätze der Sozialdemokratie theilen, ohne Sozialdemokrat zu sein? Wäre dem nicht so, so müßten alle Menschen Sozial- demokraten sein. Wer wagt es denn, Reichskanzler oder Mini- ster, dem Grundsatze der Sozialdemokratie, daß die Lage der Arbeiter gebessert werden müsse, zu widersprechen? Das that im Reichstage selbst Graf Moltke nicht— ist er deshalb Sozial- demokrat? Ebenso sieht es mit dem Verbrecher Nobiling aus. — In der kindischsten Verlegenheit befindet sich die Berliner „Tribüne", welche zuerst mit Entschiedenheit behauptete, Nobiling sei Sozialdemokrat. Jetzt erklärt sie, daß Nobiling ein Mitglied der Saint- Simonisten sei. Dabei macht selbst der Scheeren- redakteur Biedermann in Leipzig ein Fragezeichen, der sonst auf Alles, was jenes traurige Berliner Schmutzblatt bringt, wie auf das Evangelium schwört. Ob es in Frankreich oder überhaupt noch einen Saint- Simonisten giebt, das ist wahrlich eine große Frage; wenigsten giebt es keine Secte der Saint- Simonisten mehr. Und gerade wie es mit dem Rufe aussieht:„Nobiling war Sozialdemottat!"— ebenso windig ist es mit dem Complott. „Zehn leere Seidel fand man auf Nobiling's Zimmer, das be- weist, daß kurz vor dem Attentat eine Zusammenkunft der Ver- schwörer stattgefunden hatte"— diese furchtbare Kunde durcheilte fast sämmtliche Zeitungen. Jetzt lesen wir in denselben Organen folgende Nottz: „Falsch ist die Meldung, daß Nobiling in seiner Wohnung häufig Gelage abgehalten habe und daß man noch am Tage des Attentats 10 Bierseidel auf dem Tische vorgefunden habe. Allerdings konnte man nach der Abführung des Verbrechers vier Bierseidel in dem Zimmer bemerken, doch rührten dieselben von einem Trünke her, welchen sich die von ihrer Thätigkeit erschöpften Beamten gestattet hatten." Es ist gar nicht wahr, daß die Blätter gemeldet haben, No- biling habe oft in seiner Wohnung Gelage abgehalten; die be- treffende Notiz bezog sich direkt auf eine Verschwörungszusam- menkunft, die kurz vor dem Attentat stattgefunden haben sollte. Beweis: 10 leere Bierseldel! Die zehn sind zu vier Bierseidelte zusammengeschrumpft, die Verschwörer sind dursttge Polizeibeamte geworden! Würden die Behörden nicht im Rechte sein, wenn sie gegen alle die Zeitungen,„Tribüne",„Deutsche Allgemeine",(Bieder- mann), die solche tolle Nachrichten gebracht haben, wegen„gro- ben ÜnfugS" einschritten?! Als das Complott in Berlin nicht entdeckt werden konnte, als man vielmehr ans die Personen fahndete, mit welchen Nobi- ling näheren Umgang gepflogen hatte und keinen Sozialdemo- traten ausfindig machen konnte, sondern nur„harmlose" Wen- scheu fand, da tauchte der Gedanke auf: das Complott ist im Aus lau de und von Ausländern geschmiedet. Franzosen(Saint- Simonisten!) Polen, Dänen— auf zur Hätz! Im„Jäger- kell er"(!) zu Berlin hatte ja der„verrückte Doctor" mit einem Polen verkehrt; er hatte in Dresden eine polnische Zeitung gehalten(wahrscheinlich eine landwirthschastliche), er verkehrte und correspondirte mit einem Dänen, von dem er einen Brief aus Paris erhalten haben soll— also auswärtige sozialistische Ber- bindungen. Der Däne hieß Hansen. Jetzt veröffentlichen ver- schiedene Zeitungen, die vorher„groben Unfug" mit dem Dänen Hansen verübt haben, folgende Notiz: „In einigen Zeitungen wurde aus den brieflichen Verkehr des I)r. Nobiling mit einem Herrn Christian Hansen in Dresden über volkswirthschaftliche Fragen hingewiesen und eS sind auch bereits polizeiliche Ermittelungen'über die Persönlichkeit des Hansen erfolgt. Wie wir hören, ist Herr Hansen ein hochbe- gabter, junger Nationalökonom, ein bevorzugter Schüler Böhmer t's, des Direktors des sächsischen statistischen Bureaus und Professors der Nationalökonomie am Polytechnikum zu Dresden. In der Vorrede zu dem gegen Ende vorigen Jahres erschienenen bedeutenden Werke Böhmert's:„Die Gewinnbethei- ligung, Untersuchungen über Arbeitslohn und Unternehmergewinn" dankt der Verfasser seinen Freunden für ihre literarische Unter- stützung bei der Ausarbeitung jenes Werkes und hebt schließlich hervor:„Am längsten und eingehendsten hat sich Herr P. Chr. Hansen aus Flensburg mit der Sichtung und Ordnung des Materials beschäftigt, auch mehrere Fälle selbstständig bearbeitet und die Vorarbeiten zu dem Werke wesentlich gefördert." Daß ein so bevorzugter Schüler Böhmert's irgend einen schädlichen Ein- flnß auf NobilingZausgeübt habe, ist wohl von vornherein aus- geschlossen." Victor Böhmert's„Berichtigungen" scheinen also nur for- m eller Natur zu sein. In der Berliner„Volkszeitung'�jaber lesen wir folgende Notiz über den räthselhaften Brief: „Wie schon gemeldet, ist die Behörde noch am Sonntag Abend in den Besitz des Briefes gelangt, welcher, an den Mörder adresfirt, aus Paris hier nach dessen Verhaftung einging. Der Brief selbst, dessen Inhalt sich zur Zeit natürlich noch der Oes- fentlichkeit entzieht, trägt(der„Kreuz-Ztg." zufolge) eine völlig unleserliche Namensunterschrift und befand sich in einem mit einem Wappen geschlossenen Couvert. Die für diese Angelegen- heit kompetente Behörde ist bereits beauftragt, das Wappen fest- zustellen; bis gestern war ermittelt worden, daß es das einer polnischen Adelsfamilie ist; nähere Auftlärungen stehen noch rn Aussicht." Aus dem biederen„Dänen" ist also schon ein„polnischer Adeliger" geworden— wahrscheinlich aber gehören der Däne und der Pole zu dem bekannten Federvieh, zu den„Enten", oder heißt auch Hansen, denn dieser unglückliche Diszipel und Freund Böhmert's geräth uns jetzt überall vor die Beine. Die neueste Lüge, die jetzt auf ihrem Rundgang durch die Presse begriffen ist, geht dahin: die„Londoner Sozialisten" hätten um das Attentat gewußt, es habe am Attentatstage große Erregung unter ihnen geherrscht— daß sie mit Nobiling in Verbindung gestanden, erhelle aus dc-r Thatsache, daß ein genauer Bericht über die bekannten Demonstrationen(vor dem deutschen Gesandtschaftshotel in London) bei Nobiling gefunden worden sei. Der Bericht hat sich allerdings gefunden und— wieder Hansen, der ein wahrer„Hans in allen Gassen" ist. Geben wir Herrn — Böhmert das Wort; er stammelt in der neuesten Nummer seiner„Sozial-Correspondenz": »„Mehrere Zeitungen berichten, daß die Polizei einen an Nobiling gerichteten Brief aus Paris aufgefangen habe, dessen Inhalt geheim gehalten werde. Merkwürdiger Weise wird m- dessen hinzugefügt, daß dieser Brief eine detaillirte Schilderung der neulichen, gegen den deutschen Kronprinzen gerichteten sozial- demokratischen Demonstrationen in London enthalte. Hier scheint (scheint?) also eine Verletzung des Amtsgeheimnisses vorzu- Den Vorlauten. Den Massenmord, den Einzelmord Befehdeten wir fort und fort, Und das der Lohn für unser Streben? Wagt, uns die Buben anzukleben! Wir wollen leben, leben, leben! Der Tod nimmt uns wie euch das Wort. Was frommt's uns, wenn ein Kaiser fällt? Solch' Banner weht vor unserm Zelt: Wir haben Freude nur an reinem Und ganzem Glück, es fehle Keinem! Wir klagen mit der Größten Einem: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Das Reich mit eurer Herrlichkeit Beherrscht ihr noch auf läng're Zeit, Wir müssen friedlich uns gedulden, Sonst machen wir den Enkeln Schulden; Es wühlt ein wilder Strom nur Mulden, Wir suchen Boden weit und breit. Nie war ein Mann uns Widerpart, Dazu ist unsre Zeit zu hart, Das Feldgeschrei heißt: Magenftage, Nicht eine alte Kaisersage, Die Welt kennt viele Schopfungstage, Auch unser„Traum" wird Gegenwart� F. Laffalle an Ludw. Feuerbach. Nachsteheuder Brief Lassalle's befindet sich im„Staats- sozialist"; auch unfern Lesern wird derselbe willkommen sein. „Berlin, den 21. Oktober 1863. Geehrter Herr! Auf den direkten Wunsch einer gememschaft- lichen Freundin, Mme. Herwegh, übersende ich Ihnen beifolgend die vollständige Serie meiner politischen Flugschriften, die ich ohne diese ausdrückliche Aufforderung Ihnen zu übersenden fast prätentiös finden würde. > Es ist viel verlangt, sich durch die ganze Literatur durchzu- lesen. Ich verlange es auch nicht. Nur das Eine verlange ich, geehster Herr, daß Sie keine dieser Broschüren außerhalb der hiet angegebenen Reihenfolge lesen und erst urtheilen, wenn Sie liegen. Weiter wird bemerkt, daß der Verfasser des Briefes ein Freund des Mordgesellen sei und Hansen heiße. Hansen sei der bekannte Anführer der dänischen Bauernrevolten.(Dieser ist längst gestorben.) Die„Sozial-Correspondenz" erachtet es für ihre Pflicht, der vielfach ausgestreuten Behauptung entgegenzutreten, daß der früher in Dresden, dann in Leipzig und jetzt in Paris weilende Herr P. Chr. Hansen anS Flensburg ein Complice Nobiling's sei. Hansen steht in persönlichen Be- ziehungen zu den Herausgebern der„Sozial- Correspondenz", welche rückhaltslos für seine Ehrenhaftigkeit bürgen können. Hansen ist ein junger talentvoller Bolkswirth, welcher bereits mehrere tüchtige Arbeiten geliefert und für seine Vaterstadt Flensburg, welche die Kosten seiner Studien bestreitet, schon vielfach gemeinnützig gewirkt hat. Hansen hat in Flensburg erst kürzlich einen Arbeiterwohnungsverein gegründet. Er ist auch Mitarbeiter der„Sozial- Correspondenz" und schilderte in der letzten Nummer(21) unter dem Titel„Deutsche Sozial- demokraten in London" die verabscheuungswürdigen Borgänge, welche sich bei Bekanntwerden des ersten Attentats in London ereignet haben. Hansen hat denselben bei einer neu- lichen Anwesenheit in London als Augenzeuge beigewohnt. Es ist daher allerdings möglich, daß er Nobiling, den er von Dresden her kannte, über jenes Ereigniß geschriehen hat. Eine Mitwissenschaft Hansen's an dem Verbrechen Nobiling's aber halten alle Diejenigen, welche Hansen's Charakter und gemein- nütziges Wirken kennen, für unmöglich." Also der unvermeidliche Hansen war der Mitattentäter, und der famose RevolutionS- und Complott-„Bericht" nur die Ab- schrift oder Skizze eines Artikels für— Herrn Böhmert und dessen„Sozial- Correspondenz". Armer Böhmert! Arme Rock- schöße! Die interessantesten und authentischsten Mittheilungen über die Person Nobiling's enthält sonderbarer Weise ein franzö- sisches Blatt, der„Temps"— freilich ein sehr bedenkliches Verdachtsmoment, aus welchem man auf„internationale" Be- ziehungen und natürlich Verschwörungen schlußfolgern könnte. Doch hören wir den Gewährsmann des Pariser Blattes. Er schreibt u. A.:„Der Reise Nobiling's in's Ausland(von der viel die Rede gewesen, und deren Zweck selbstverständlich die An- spinnung des internationalen Complotts war) habe ursprünglich ein rein persönliches und ziemlich harmloses Motiv zu Grunde gelegen. Eitel und ehrgeizig von Natur, hätte es ihn verdrossen, daß mehrere seiner Collegen vom statistischen Bureau in Dresden weite Reisen gemacht hätten, während er noch nie über die Grenzen seines Vaterlandes gekommen war, und als im Früh- ling vorigen Jahres einer seiner Freunde ihm mittheilte, daß er nach Dänemark, Schweden und Norwegen gehen wolle, habe Nobiling ihm Plötzlich angezeigt, auch er wolle einen Ausflug nach England und Frankreich unternehmen. Dieser Ausflug habe in der That nur vier oder fünf Wochen gedauert, und obgleich Nobiling hierbei Gelegenheit nahm, die Bekanntschaft einiger hervorragender Sozialisten zu suchen(? Wir bezweifeln das, da „hervorragende Sozialisten" vermuthlich über einen sich an sie herandrängenden Beamten des amtlichen statistischen Bureaus in Dresden bei uns Erkundigungen eingezogen hätten. R. d.„V."), sei dies doch nicht der bestimmenve Grund seiner Reise gewesen. In London, fährt der Gewährsmann des„Temps" fort, besuchte Nobiling eine Versammlung(was für eine? R. d.„V."), scheint aber von der Aufnahme, die er dort fand, nicht sehr befriedigt gewesen zu sein; wenigstens erzählte er mir im Oktober 1877, daß die geringe Aufmerksamkeit, die man dem fremden Käme- raden, dem„Doktor der Philosophie", geschenkt, ihn peinlich überrascht hätte. Die Versammlung hätte übrigens auf ihn keinen imposanten Eindruck gemacht; vielleicht war es eine der Ber- sammlungen der zweiten Sektion der Gesellschaft für die Aus- bildung der communistischen Arbeiter, 42 Bath-Street, City-Road in London. Nobiling hat bei dieser Gelegenheit Karl Marx nicht gesehen(und auch bei keiner anderen. R. d.„V.") Da er nicht englisch spricht, ließ er sich überall von einem Lohndiener herumführen, den ihm vielleicht sein Wirth von Seyel's(soll heißen: Sayd's. R. d.„V.") Hotel, Finsbury-Square 39, bezeichnet hatte. Er erzählte mir mit sichtlicher Befriedigung, daß er sich für ein sehr gutes Trinkgeld habe auf den Thron der Königin Victoria niedersetzen dürfen. Nach Deutschland zu- rückgekehrt, wollte er seine Beobachtungen veröffentlichen und sah Alles gelesen haben. Die große Sorgfalt, mit welcher ich, ich möchte fast sagen seit meiner Kindheit, Ihre Schriften verfolgt, und die liebevolle Wärme, die ich seit dieser Zeit immer für Sie fortbewahrt habe, giebt mir vielleicht ein Recht zu dieser Bitte! Schon im Voraus werden Sie, wenn Ihnen meine philo- ssphischen Werke nicht entgangen sind(Philosophie Herakleitos des Dunklen", 2 Bde.;„System der erworbenen Rechte", 2 Bde.) nicht zweifeln, daß meine Erhebung auf streng philosophischer Grundlage bei mir erwachsen ist. Die Fortschrittler sind Poll- tische Rationalisten der seichtesten Sorte, und es ist der clbe Kampf, den Sie in theologischer und den ich jetzt in politischer und ökonomischer Richtung führe.._ Eben deßwegen würde es mir ausnehmend leid thun, von Jemand, den ich so verehre wie Sie, diese tiefere innere Identität verkannt zu sehen, die übrigens— verzeihen Sie mir diese Versicherung— selbst trotz einer Verkennung eine histo- rische und philosophische Thatsache bleiben wird. In politischen Kampfschriften kann das philosophische Ele- ment nur eben den Hintergrund bilden und darf nicht als sol- ches hervortreten. Aber in streng philosophischer Weise ist der Grundgedanke dieses ganzen Kampfes entwickelt in meinem schon 1861 erschienenen„System der erworbenen Rechte," welches ich mir, da es Ihnen vielleicht entgangen, beifolgend mit warmer Verehrung und als ein schwaches Zeichen des Dankes für alle Erkenntnißschulden, die ich Ihnen abzustatten habe, überreiche. Der§ 7 des 1. Bandes enthält in einer freilich erst nach Durchlesung des ganzen Werkes wirklich verständlicher Weise— die Grundlage meiner politischen und ökonomischen Jnsurrectton. Und nun erlauben Sie mir, Ihnen herzlichst die Hand zu schütteln und Ihnen zu sagen, wie angenehm es mir ist, bei diesem Anlasse eine persönliche Bekanntschaft mit Ihnen ver- mittelt zu haben. Mit Hochachtung und Verehrung Lassalle. Falls Sie meinen Heraklit nicht kennen, bitte ich Sie, mich davon baldigst kurz zu benachrichtigen. Ich erlaube mir dann Ihnen denselben zu überschicken, da Sie dort mythologische und religionsgeschichtliche Forschungen finden(sowohl über orieu- talische Religionen, als besonders auch über die innere Genesis der christlichen Religion in gelegentlicher Ausführung), die mit dem spsznstchen Gegenstande Ihrer Studien und Arbeiten im engsten Znsammenhange stehen. Ich überlege mir, daß cS kürzer ist, den Heraklit gleich bei- zufügen." »* * sich deshalb nach einer Zeitung um; es ist aber zweifelhaft,»b er etwas Anderes niedergeschrieben hat, als Notizen für den Vortrag, den er in der Dresdener Gesellschaft für Arbeiter- erziehnng hielt.(Der Arbeiterbildungsverein ist gemeint, in dem Nobiling allerdings einen— ganz farblosen— Vortrag über seine Reiseerlebnisse und-Eindrücke gab. R. d.„B.") Das Dresdener sozialdemokratische Journal muß in seiner Nummer von Ende November einen Bericht über diesen Bortrag enthalten, dem ein sehr zahlreiches Publikum beigewohnt hatte. Nobilmg sprach mit ganz kindischer Freude seine Befriedigung darüber aus, daß durch diesen Bericht sein Name unsterblich geworden sei. Nobiling besaß Vermögen. Er reiste in England, Frankreich, der Schweiz und Oesterreich immer in erster Klasse und mit dem Schnellzuge. Die vielen im Waggon verbrachten Nächte hatten ihn sehr ermüdet. Er erzähtte gern, daß diese Reise sein Ansehen in der Familie erhöht und welchen Eindruck die Schil- dernng seiner Abenteuer auf„die braven und simplen preußischen Junker", seine Eltern, gemacht hätte. Nach den deutschen Blät- tern sollte Nobiling das Geständniß gemacht haben, daß er einer Verschwörung angehört und Mitschuldige hätte. Unser Ge- währsmann, sagt der„Temps", und noch eine andere Person, welche Nobiling ebenfalls gekannt hat, möchten diese Angabe mit gstößtem Mißtrauen aufnehmen und die Geständnisse, wenn sie wirklich gemacht worden, auf Rechnung des Deliriums setzen. Sozialist(aber nicht Sozialdemokrat! R. d.„B.") von Ueberzeugung, hatte er sich nicht persönlich mit den Führern des deutschen Sozialismus liirt; wenigstens war dies, wie man zu wissen glaubt, bis zum März d. I. nicht geschehen.(Ist überhaupt nicht geschehen! R. d.„V.")— Der Gewährsmann des„Temps" hat noch am 31. Mai, also zwei Tage vor dem Attentat, in Paris ein Telegramm von Nobiling erhalten, der ihn um eine Auskunft über einen unbedeutenden und seiner Natur nach heiteren Gegenstand bat. Hätte wohl Nobiling, wenn er einer Verschwörung angehörte und durch das Loos bestimmt war, das abscheuliche Attentat auszuführen, Ge- müthsruhe genug gehabt, um sich nach so gleichgiltigeu und leicht- fertigen Dingen zu erkundigen?— Eine andere Angabe besagt, Nobiling hätte am Tage vor dem Attentat aus London einen Brief empfangen, worin ihm über den Sozialistenputsch vor der deutschen Botschaft daselbst berichtet und mit Befriedigung con- statirt worden wäre, daß einige Arbeiter„Nieder mit dem Krön- Prinzen!" gerufen hätten. Der Brief ist in Wahrheit nicht in London, sondern in Paris von einer mit dem Gewährsmann des „Temps" enge befreundeten Person geschrieben worden, die aller- dings in London gewesen war und dem Nobiling über eine Ar- bciterversammlung, der sie dort beigewohnt hatte und über die Kundgebung vor dem deutschen Botschaftshotel berichtete. Aus dem Inhalt des Briefes wird man sich überzeugen, daß dieser Correspondent einer dem Sozialismus entgegengesetzten Richtung angehörte; er hat sogar in dem Briefe seiner Entrüstung über die Haltung der deutschen Arbeiter, welche Gesinnungsgenossen Nobiling's waren, Ausdruck gegeben." Wir haben die Mittheilungen des„Temps" so ausführlich gegeben, weil sie den konklusivsten Beweis liefern, daß Nobiling kein polititischer Fanatiker war und der deutschen Sozial- demokratie nicht angehört hat. Und wer ist der Gewährs- mann des„Temps"? Der Leser hat's schon errathen. Niemand anders als der Ueberall und Nirgends, Böhmert's Lieblings- schüler und Mitarbeiter, Nobiling's Intimus— wie es scheint der einzige Freund, den er hatte: Dr. Hansen. Hätte man Anhaltspunkte dafür, daß Nobiling mit einem der sozialdemokratischen„Führer" nur den hundertsten Theil so viel verkehrt— der Kriegszustand wäre schon proklamirt. Daran, die Herren Böhmert, Hansen u. Compagnie, sammt den Roscher, Birnbaum u. s. w.: Nobiling's Lehrer, Mitarbeiter und Freunde, moralisch für die That Nobiling's verantwortlich zu machen, daran denkt Niemand. Und zwar mit Recht. Aber mit welchem Recht will man ihn uns aufhalsen, die wir gar nichts mit ihm zu thun haben? Hier ein Wort über den angeblichen„Sozialistenputsch" in London. Derselbe ist zu politischen Zwecken erlogen worden. Ein„Putsch" hat dort überhaupt nicht stattgefunden. Das, was man so zu benennen beliebt, war eine durchaus harmlose und gesetzliche Demonstration— so harmlos und gesetzlich, daß die englische Polizei, die es wahrhaftig versteht,„Ruhe und Orb- Der Einsender dieses Briefes, W. Hohoff, fügt demselben noch folgende Bemerkungen hinzu: „Di- Lektüre der kürzlich von Ad. Wagner edirten Briefe Lassalles an Rodbertus veranlaßt mich, die verehrliche Re- daktion des„Staatssozialist" um Veröffentlichung des vorstehen- den Briefes von Lassalle an Feuerbach zu bitten. Derselbe findet sich ursprünglich abgedruckt bei Karl Grün: Ludw. Feuer- bach in seinem Briefwechsel und Nachlaß, sowie in seiner philo- lophischen Charafterentwicklung. 1874 II. S. 162. Für alle diejenigen, welche von Lassalle und Feuerbach etwas mehr wissen, als den bloßen Namen, bedarf es keines weiteren Hinweises darauf, wie wichtig und bemerkenswerth der Inhalt des obigen Briefes ist. Wir haben Grund zu glauben, daß derselbe nur wenig bekannt geworden, und daß eine Reproduction für Viele interessant und erwünscht sei, denen das Werk Srün's nicht zu Geficht kommt." — Gneist sonst und jetzt. Die jüngste beim Lehmann- Gesetz gehaltene Rede des Abg- ordneten Gneist war derart, daß sie bei der Regierung und bei den Conservativen mit Hellem Jubel aufgenommen wurde— Gneist stimmte ja bekanntlich auch für das von ihm amendirte Gesetz. Dies giebt zu einem inter- essanten Vergleich mit der Rede Anlaß, welche derselbe Herr Abgeordnete als Correferent über die vom Ministerium BiS- marck- Eulenburg im Jahre 1863 erlassene Preßordonnanz am 13. November 1863 im Abgeordnetenhause gehalten hat. Da- mals hatte Abgeordneter Gneist im Berein mit dem Abg. Simso» vier Anträge zur Annahme empfohlen, unter welchen sich einer folgenden Wortlautes befand:„Auf Grund des Art. 106 der Verfassungsurkunde zu erklären: eine Beschränkung der Preßftei- hett könne auf dem Wege der Verordnung überhaupt nicht er- folgen." Vor wenigen Tagen hat der Herr Gneist im Reich«- tage den Antrag gestellt, das Preßgesctz. lowie die Bestimmunge« über das Vereins- und Versammlungswesen für die Sozial demokraten bis zur nächsten Reichstagssession zu suspendire». Bor fünfzehn Jahren war die gesummte fortschrittliche Presse und die des linken Centrums von der Ordonnanz deS Min»- steriums Bismarck-Eulenburg betroffen worden, damals galt es Zorn und Entrüstung auf das Haupt der Minister zu laden. Doch lassen wir Herrn Gneist selbst reden, nach dessen Ausspruch man im politischen Leben wohl über gewisse Dinge seme Ansicht wechseln darf, niemals aber über Grundrechte der Verfassung. Gneist äußerte damals:„In zweimal 24 stunden sich über crne Maßregel schlüssig zu machen— auch das Attentatsgesctz»st merkwürdigerweise in je 48 Stunden vom Bundesrath und lectuelle Urheberschaft an dem jüngsten Attentate zuzuschreiben? Unsere Behauptung wäre jedenfalls viel zutreffender, als die Behauptung der Preßgesellschaft, die Sozialdemokratie sei Schuld an dem Mordversuche. Nachtrag. In der„Kölnischen Zeitung" vom Donnerstag veröffentlicht Dr. Hansen(diesmal nicht anonym) einen längeren Artikel über Nobiling und das Attentat, welcher im Wesentlichen mit dem— oben von uns mitgetheilten— Arttkel des„Temps" übereinstimmt, aber einige neue Data enthält. Es wird schärfer als im„Temps" betont, daß Nobiling mtt der sozialdemokra- tischen Partei in keinerjZVerbindung gestanden:„Karl Marx hat er nicht gesehen, wie er mir auf eine bezügliche Frage ausdrück- lich versicherte."„Bis März dieses Jahres, wo ich, in Leipzig wohn- Haft, über seine Bekanntschaften u. s. w. sehr genau unterrichtet zu sein glaube, hat er niemals eine einzige Silbe mit einem der eigentlichen Führer der Sozialdemokratie in Deutschland ge- wechselt"(auch später nicht. R. d. V.). Dagegen wird enthüllt: „Er trat in Berlin mit mehreren unserer ersten Ab- geordneten und Gelehrten, deren Flamen ich hier ver- schweigen will, in Beziehung." Warum„die Namen ver- schweigen"? Warum nicht den Beweis vervollständigen, daß der Mann, welchen man uns anhängen will, obwohl er mit uns nie verkehrte, alle seine Beziehungen in den uns feindlichen Lagern hatte? Weiter bestätigt Dr. Hansen,— der beiläufig von sozial- politischen, nicht sozialdemokratischen! Ansichten Nobiling's spricht— daß Nobiling in der Lotterie spielte und Börsenope- rationen machte, was sicherlich sehr antisozialdemokratisch war. — Stimmen aus dem Auslande. Das englische Blatt, „Morning Post" glaubt, daß hier lediglich ein Fall von Nach- ahmungswahnsinn vorliege; wer die Berirrungen des menschlichen Verstandes zu seinem besonderen Studium gemacht habe, der wisse wohl, daß Wahnsinnige, oder solche, die an der Schwelle des Wahnsinns stehen, in sonderbarster Weise nachahmen und besonders, wo es sich um Dinge handelt, die Schrecken hervor- rufen. Ein unter möglichst auffallenden Umständen erfolgter Selbstmord zum Beispiel ziehe erfahrungsmäßig eine Reihe ähn- liche Selbstmorde nach sich. So könne das Hödel'sche Attentat psychologisch das zweite erzeugt haben. Der„Moniteur" in Paris findet„die Quelle der sozialen Leidenschaften, die jetzt in Deutschland herrschen, in den heftigen Sitten, die der Krieg und die Eroberungssucht in den jetzigen deutschen Bevölkerungen her- vorgerufen haben."- — Ein vernünftiger Ausspruch. Die„Berliner auto- graphirte Correspondenz", das Organ Lasker's, erklärt, daß inmitten der Spannung, mit welcher das gesammte Volk die Krankheit des Kaisers verfolge, die Erscheinung tief betrüben müsse, daß man alsbald, an das Attentat anknüpfend, versucht hat, den im Reichstag kaum zur Ruhe gegangenen Streit der Par- teien von Neuem anzuschüren. Man hätte meinen sollen, daß die gegenwärtig herrschende feierliche Stimmung hierfür nicht angethan wäre, falls selbst die politische Erwägung nicht zutreffen sollte, daß, wenn irgend etwas das Unglück noch vergrö>- ßern könnte, dies eine leichtsinnige Behandlung und der Ver- such zu einer Ausbeutung desselben für Parteizwecke sein würde. — Aus allen Theilen Deutschlands wird von Majestäts- beleidiqungen geschrieben, die anläßlich der beiden Berliner Attentate verübt worden sind, oder sein sollen. Der reaktionären Presse ist dies Wasser auf ihre Mühle; sie findet den Grund in den Umsturzidecn der Sozialdemokratie, und folgert daraus die Nothwendigkeit strengster Repressivmaßregeln. Ist es aber, so fragen wir zunächst, erwiesen, daß die Majestätsbeleidiger So- zialdemokraten sind? Mit Nichten. Für einzelne Fälle können wir es allerdings nicht in Abrede stellen— und diese Fälle be- dauern wir,— aber die meisten Majestätsbeleidigungen, von denen wir Kenntniß haben, sind unzweifelhaft nicht von Sozial- demokraten ausgegangen. Und wir möchten hier bemerken, daß !bei Gelegenheit früherer Attentate, z. B. des Tschech'schen, das zu einer Zeit stattfand, wo es in Deutschland noch keine Sozial- demokraten gab, die Majestätsbeleidigungen weit häufiger waren, als diesmal. Wir erinnern uns an das famose Lied vom„Bürger» meister Tschech", das in den vierziger Jahren einer der verbrei- tetsten Gassenhauer war, obgleich es von Majestätsbeleidigungen und Verhöhnungen der Majestät wimmelt; und ferner an die Erinnerungen"des Unglücks der Bourbonenfamilie hängen, das famosen, schon früher von uns erwähnten, in Hundcrttausenden ist nicht die Weise, in der das preußische Volk erwartet hat, von Exemplaren cirkulirendeu Bilder Friedrich Wilhelm's IV., seiue Staatsverhältnisse geleitet zu sehen. Mit der Versicherung mit der Unterschrift: Leider nicht getroffen. Und ein zweites auf das Wort eines Mannes ist der Verfassungseid in Preußen Moment muß in Betracht gezogen werden: die planmäßigen erfüllt. Glauben Sie, daß irgend ein großes Land von der und rohen Provokationen der reaktionären Presse und afiatischen Grenze bis zum äußersten Westen durch eine solche des reaktionären Mobs. Wenn man jeden Augenblick liest Art von Kabinetsberathungen geleitet wird? Es ist unmöglich, und hört, wie ganze Parteien und Bevölkerungsklassen, ja das ein deutsches Land zu regieren in diesen Formen eines Minister- Volk in seiner Gesammtheit für das Verbrechen eines verkomme- Absolutismus. Die Minister sagen, daß die Gerichte und das nen Subjekts und eines Mordbuben aus den sogenannten gebil- Preßgesetz nicht ausreichen, die Gründe, welche die Minister da- deten Ständen verantworttich gemacht und auf das Pöbelhafteste für anführen, sind dieselben geschmeidigen Gründe, mit denen beschimpft werden, kann es da Wunder nehmen, wenn hier und da der die Hosleute die Nothwendigkeit der Censur in den kritischen Grimm der Jnsultirten zum Ausbruch kommt und sich mitunter zu Momenten der Monarchie bewiesen haben. Die Gründe aus ungehörigen, gesetzlich strafbaren Aeußerungen fortreißen läßt? In der„öffentlichen Wohlfahrt", das sind keine Motive für eine diesen massenhaften Majestätsbeleidigungen haben wir die erste bloße Preßordnung, das find Motive für den Bruch einer be- Frucht des Schreckensystems, welches, ohne Proklamirung stehenden Verfassung überhaupt. Endlich sind die Minister in des Belagerungszustandes, über Deutschland verhängt worden ist. einem thatsächlichen Jrrthum mit der Anklage, daß die Presse Geht es so fort, wird den unerhörten Hetzereien nicht energisch ..... m--- �*---- Einhalt gethan, dann werden weitere Früchte nicht ausbleiben. Angesichts dieser Sachlage, und im Interesse unserer Partei, die alle Gründe hat, eine friedliche EntWickelung zu wünschen, richten wir an unsere Gesinnungsgenossen die ernste Ermahnung, jeden Anlaß zu Streittgkeiten zu vermeiden, allen Eon- flikten aus dem Weg zu gehn, und sich durch keine Provo- kation, sei sie noch so brutal, zu Repressalien in Wort oder That verleiten zu lassen, da, wie die Dinge momentan liegen, nicht blos dem Einzelnen, und seiner noch so sehr im Recht, sondern auch der Partei schwerer Schaden erwachsen würde. Unsere Feinde haben es offenbar darauf angelegt, Gewalt- thätigkeiten hervorzurufen,— vereiteln wir durch besonnene Haltung das schmachvolle Attentat gegen die Sozial- demokratie! nung" zu halten, nicht nöthig hatte, auch nur eine einzige Verhaftung vorzunehmen. Die Ruhe wurde keinen Moment gestört, wohl aber die Gemüthlichkeit der ordensüchttgen Streber (der zudringliche Hanswurst Juch an der Spitze), die sich in ihrem Pläsierchen gestört und vielleicht auch um ihre Hoffnungen betrogen sahen. Wir wollen nun noch einige Zeitungsnottzen über den Atten- täter zusammenstellen. Die„Schlefische Volkszeihing" schreibt!: „Wird mit dem Dr. Nobiling wieder der alte Unfug getrie- ben, daß die liberalen Blätter sein Bildniß bringen, daß die Schaufenster es ausstellen, daß, von ihm veranlaßt, patriotische Feste gefeiert werden, und daß die Zeitungen dem Attentäter Leitartikel über Leitartikel widmen: so kann es noch zu einer Attentats-Manie kommen." Der liberalen„Kölnischen Zeitung", dem rheinischen Welt- blatte, wird aus Berlin geschrieben: „Im Umgange machte Dr. Nobiling den Eindruck eines mäßig begabten und nicht allzu schnell begreifenden Menschen, der in bescheidenen Formen eine ziemlich hohe eigene Werth- schätzung verbarg. Was ihn zu der ruchlosen That getrieben haben mag, läßt sich noch nicht übersehen; es ist aber nicht anzunehmen, daß er zu irgendeiner der radikalen polittschen, sozialen oder religiösen Parteien in näherer Verbindung gestan- den hat; eher erscheint es glaublich, daß allgemeine Unzufrieden- heit mit seiner Lage und gänzliche moralische Verwilderung, wenn man nicht, was vielleicht ebenso glaublich, gänzlichen Wahn- sinn annehmen will, ihn zu dieser schändlichen That getrieben hat. Wer die kleine, unbedeutende Persönlichkeit des Attentäters srüher gesehen, wird bei ihm an alles andere eher als an einen Königsmörder gedacht haben, und so dürfen wir zur Ehre des deutschen Namens wohl glauben, daß wir es hier mit einem durch das neuliche Attentat auf diese Bahn gelenkten Irrsinns- gen(man erinnere sich nur, wie häufig bestimmte Verbrechen zur Nachahmung reizen) und nicht mit einer in logischer Eon- sequenz entwickelten Frucht bestimmter verabscheuungswürdiger Tendenzen zu thun haben." Unserem schlefischen Parteiorgan, der„Wahrheit", geht fol- gende Mittheilung von glaubwürdigster Seite zu:„Der Bahn- Hofs-Jnspektor Steusel in Tarnowitz erzählte anläßlich des No- biling'schen Attentates, daß er vor vielen Jahren(als der Attentäter noch ein Kind war) bei dem alten Gutspächter Nobiling in Stellung gewesen. Er könne von diesem sagen, daß er zeit- weilig den Spleen gehabt habe. So sei der alte Herr manchmal um 12 Uhr Nachts in den Stall gegangen, habe das Pferd ge- sattelt und— ohne daß Jemand wußte, wohin und wozu— einen Austritt gemacht, mit Revolvern bewaffnet. Bei diesen der ganzen Umgebung unerklärlichen nächtlichen Ausritten habe er Alles, was ihm unverschuldet in den Weg kam, niedergeritten." Es bestätigt dies, was wir schon in voriger Nummer gesagt, daß Nobiling's Vater eine hochgradige Anlage zum Irrsinn hatte, die sich offenbar auf den Sohn vererbt hat,— Uebriaens gehörte Nobiling zu den Frommen.„Wie wir noch erfahren, neigte Nobiling, der Bater, zum Mysticismus: er hing einer altlutherischen Gemeinde in der Nähe von Birnbaum (wo Kollno liegt) an und hielt auch deren gottesdienstlichen Ver- sammlungen und religiöse Vorträge. Auf seinen Sohn Karl scheint die Hinneigung zu mystischer Speculatton übergegangen zu sein, in Halle fand man ihn manchmal über der Lek- türe der Bibel." Die„Dresdener Nachrichten" theilen mit, „daß Nobiling sich eines schönen Tages vom statistischen Bureau (Dr. Böhmert) in Dresden einen vierzehntägigen Urlaub erbat, um die Bibel zu studiren."— In der Bibel wird bekannt- lich die Königsmörderin Judith verherrlicht!— Königstreu war Dr. Nobiling gleichfalls. Die bekannte Arbeit des- selben, welche in den„Landwirthschaftlichen Jahrbüchern" zum Abdruck gekommen ist, und welche sich:„Zur Geschichte der Land- wirthschaft des Saalkreises" betttelt, enthält— wie das„Berl. Tageblatt" sich ausdrückt— die ungeheuerliche Seltsamkeit, daß Nobiling in diesem Schlußpassus als„sehr schön" Schiller's Ausspruch cittrt: „Ehrt den König seine Würde, Ehret uns der Hände Fleiß"... Auch unser großer Nationaldichter Schiller verherrlicht den Meuchelmord des Tell. Wie wär's, wenn wir behaupteten, dem Studium der Bibel und der Werke Schiller's sei die intel- Reichstag aufgearbeitet worden,— an der alle ominiösesten «me„Untergrabung aller Grundlagen eines geordneten Staatswesens, sowie der Religion und Sittlichkeit" herbeigeführt habe. Das ist vielmehr eine Anklage gegen die denn wir Alle wissen, daß die periodische Presse nur Nation, durch Di Grundlagen de? Staats, der ausäesnröX.",'� besteht, die ihre Sinnes- und Denkweise dann SittUchNV��Nein. die Grundlagen des Staats, der Deutschland so drfi �etl.9ion stehen in Preußen wie-n ganz sterium Bismarck»„r ttneT Wiederherstellung durch ein Mint» Preßfreiheit können � Beschränkungen d» Die preußischen barauf wirken, wenn fie zweffeitige find. Ä Ät-TÄ i„tc;.�.9™"98pr,cffe mit ihren Angriffen von dem Ministerium offiziös desavouirt wirb die weK�nn� if?»T« P? Ääfe«= Än83'en.f-0nbetn �*"*** eine na�ihren Und wie Herrn Gneist haben wir im deutkcben Rarlamen- tansmus«ne große Anzahl v°n Personen, dle�wmlr e?b7tig - � wechseln„und selbst die Haut, wenn's nöthig". deutfW Ättlter ft�en"b" unmer noch in Ansehen beim Ebm-Ä» � e— für die politische Einficht und den politischen harakter der letzteren wahrlich kein gutes Zeugniß. — Der Artikel der„Provinzial-Correspondenz", dessen wir in unserer vorigen Nummer erwähnten, lautet in sei- nen wesentlichen Partien:. � „Die sozialdemokratische Partei hat für Alles eine doppelte Karte, sie verwandelt sich, je nachsem es ihr paßt, in das Haupt der Gorgo und in die milde Göttin des Friedens. Sie verHerr- licht heute Marat und die Greuelthaten der Commune von 1871, und erklärt morgen, daß sie den Mord in jeder Gestalt verab- scheue. Sie predigt heute mit tausend Zungen, daß nur die Willkür der herrschenden Klassen alle? Elend über die Menschheit bringe, daß alle Verbrecher den echten„Fabrikstempel" dieser bis in die innerste Wurzel verdorbenen Gesellschaft tragen, und be- hauptet morgen, daß fie den Personen nicht das Geringste an- haben wolle.... Bergebens ist die Ausrede, daß die Sozial-- demokratie Attentate nicht begehen werde, weil sie zwecklos seien, indem an der Gefallenen Stelle sofort andere Persönlichkeiten treten. Solche Ausrede ist vergeblich. Denn einmal handelt der auf's Aeußerste entflammte Haß nicht mehr nach Zvecken, son- dern nach dem unbezähmbar erregten Instinkt; zweitens liegt aber in dem scheinbar zwecklosen Attentat eine grauenvolle Zweck- Mäßigkeit, die, auch wo fie dem Frevler verborgen bleibt, doch denen bewußt ist, die die Gesinnung des Frevlers bereiten und umhertragen: die Zweckmäßigkeit, daß die Gesellschaft, in der unentbehrlichsten Grundlage ihres Bestehens, in dem Vertrauen Aller auf die allgemeine Sicherheit, auf die innere Schranke des Gewissens und auf die äußere des Gesetzes, unheilbar erschüttert, rathlos bis zur Wehrlosigkeit werden könnte. Die Boraussetzung, die solchen Berechnungen zu Grunde liegt, wird sich nicht be- Wahrheiten. Die Staatsregierung wird ihre Pflicht thun und sich an das Gewissen der Nation wenden. Sie wird von den berufenen Vertretern derselben den Schutz für die bedrohte Ge- sellschaft verlangen, den die bestehenden Gesetze nicht genügend gewähren. Sie vertraut, die Entschlossenheit und Hingebung, auf welche sie rechnet, bei Allen zu finden, die Staat und Ge- sellschaft erhalten wollen." So die„Provinzial-Torrespondenz". Sie scheint anzunehmen, daß die Sozialdemokratie, wie gewisse der„Provinzial-Correspon- denz" nah stehende Leute, eine Politik verfolgt, welche„das Tageslicht nicht verträgt". Der Jrrthum ist verzeihlich. Das Sprichwort sagt schon, daß Jeder die eigenen Sünden dem Andern zutraut. Wir spielen nicht doppeltes Spiel/ Und wenn die„Provinzial-Correspondenz" in unserer„Verherrlichung" Marat's und der Commune einen Widerspruch mit unserer Ver- sicherung, daß wir den Mord in jeder Gestalt verabscheuen, er- blickt, so bekundet sie damit blos ihre krasse Unwissenheit. Sie weiß nicht, wer und was Marat war, sie kennt nicht die Pariser Commune— in ihrer bodenlosen Ignoranz und ihrem blinden Parteihaß hält sie die blutigen Zerrbilder, hingekleckst von bezahlten Geschichtsfälschern, für historische Wahrheit. Wir können der„Provinzial- Correspondenz" nur rathen, die Quellen zu studiren,— sie wird dann zugeben müssen, daß sie dummes Zeug geschwatzt. Freilich, sie wird weder das Eine, noch das Andere thun. Zu Beidem fehlt ihr die Ehr- lichkeit. Was„die grauenvolle Zweckmäßigkeit des Attentats" betrifft, so hat sie damit Recht; aber für wen hat es eine„grauenvolle Zweckmäßigkeit"? Für uns oder für die Patrone der„Pro- vinzial-Correspondenz!? Selbst die„Provinzial-Correspondenz" wird nicht die Stirn haben, zu behaupten, daß der Wahnsinns- streich Nobiling's der Sozialdemokratie genützt habe. Wohl aber hat er die auf dem Sand sitzende Politik der„Flinte- schießt- Säbel-Haut"- Staatsmänner momentan wieder flott ge- macht, und daß diese Sozialdemokraten seien, wird die „Provinzial- Correspondenz" doch wshl nicht behaupten wollen. Genug. Die Reaktion, deren Mundstück die„Provinzial- Correspondenz" ist, nützt nach Möglichkeit das Nobiling'sche Attentat, ihr ein wahres Lock ssuä(Himmelszeschenk). aus und — der Rest wird sich finden. Nach Pfingsten soll der Reichstag zusammentreten, und der Reaktion ihr Heu einbringen, so lange die Sonne— des„na- tionalen Deliriums"— scheint. So ist's beschlossen im Rathe der Götter der Berliner Wilhelmstraße. — Bevor wir zur Presse gehen, erhalten wir die Nachricht, daß Fürst Bismarck im Namen Preußens den Antrag auf Auflösung des Reichstages beim Bundesrath eingebracyt hat. An dem Durchgehen des Antrages ist nicht zu zweifeln. Bei den Neuwahlen wird es sich nicht bloß um die Sozialdemo- kratie handeln, sondern auch um den Liberalismus, so weit er sich nicht entschließt,„Partei Bismarck suns phnwe" zu werden. — Unsere neuliche Nachricht, daß Rödiger und Zwiebler in Halle verhaftet worden, war ungenau; es ist blos Haussuchung bei ihnen gehalten worden— natürlich fruchtlos.— Auf einem Gut bei Halle ist ein Bruder Nobiling's verhaftet worden, der unserer Partei„angehören soll".— Berliner Blätter behaupten, Nobiling(der Attentäter) sei bei der Lustpartie, welch: unsere Parteigenossen am Himmelfahrtstag veranstalteten„als Theilneh- mer in der Nähe der Führer bemerkt" worden. Wäre dies wahr, so würde es absolut nichts gegen uns beweisen. Die„Berliner Freie Presse" fordert alle Leser und Parteigenossen auf, Alles, was sie über diesen Punkt, sowie über die weitere Angabe, Nobiling habe sozialdemokratischen Versammlungen in Berlin beigewohnt, wissen oder vermuthen, sofort der Redaktion oder der Polizeibehörde bekannt zu machen. Die Wiederholung des Attentates von psycho- logischen Gesichtspunkten betrachtet. Unter vorstehender Ueberschrift bringt die„Vossische Zeitung" einen beherzigenswerthen Artikel, den wir nachstehend unverkürzt folgen lassen: „Die monströse Erscheinung, daß auf einen Fürsten, der nicht nur in seltenem Grade die Liebe seines Volkes, sondern auch ganz allgemein die persönliche Hochachtung seiner poli- tischen Gegner besitzt, nach wenigen Wochen ei» erneuter Mord- versuch gemacht werden konnte, ist dazu angethan, die ganze ge- bildete Welt in einen moralischen und politischen Pessimismus zu stürzen, dessen Folgen unübersehbar wären. Der Gedanke, daß eine Gesellschaft, aus welcher dergleichen geschehen kann, bis ins Mark inficirt sein muß, liegt so nahe und ist solchen Gcäuel- thaten gegenüber gewiß entschuldbar. Jrreligiösität, Fanatismus, Aufklärung, Liberalismus, Sozialismus, politische Verichwörung, das sind die nach einander in Verdacht kommenden Motive, die man vor die Anklagebank stellen wird, um zu beweisen, daß eine schleunige Umkehr mit allen Kräften angestrebt werden muß. Um so nothwendiger wird es, sich zu fragen, ob hier nicht viel- leicht ganz andere, den Richtungen des öffentlichen Lebens der Gegenwart völlig fremde Motive in Betracht zu ziehen find. Nur mit wenigen Worten sei darauf hlngewiesen, daß in diesen beschämenden Ausbrüchen der menschlichen Bestialität per- sönlicher, politischer oder religiöser Fanatismus schwerlich die Triebfeder gebildet haben können. Womit sollte ein Monarch, dessen Herzensgute, Frömmigkeit und wohlwollende Gesinnung in der Geschichte ihre- Gleichen suchen, jemals die persönliche Rachsucht herausgefordert haben? Polttische und religiöse Fana- titer aber pflegen nicht so wahnwitzig zu sein. Verbrechen zu begehen, deren Erfolg offenbar ihrer Partei unwiderbringlichen Schaden bringen müßte, ohne daß für dieselbe auch nur der ge- ringste Bortheil daraus erwachsen könnte. So bliebe anschei- nend nur der baare Wahnsinn und die Unzurechnungsfähigkeit zur Erklärung dieser Schreckensthaten übrig und die Gesellschaft wäre unschuldig an denselben? Der Schreiber dieser Zeilen hält die beiden Subjekte weder für wahnsinnig, noch die Gesell- schaft für so ganz unschuldig, namentlich an dem zweiten Ber- brechen. Daß Lehmann es mit keiner politischen Partei ehrlich gehalten, beweist seine plötzliche Bekehrung von den heidnischen zu den Christlich-Sozialen und der Umstand, daß er sie beide betrogen; daß er ferner nicht schlechthin unzurechnungsfähig ist, lehrt seine Verschmitztheit, daß er dagegen von niedrigster Groß- mannssucht besessen ist, seine Aeußerungen dem Photographen gegenüber. Nicht unentwirrbare Nacht des Größenwahns, sondern, der böse Geist des Herostratus umgaukelte feinen von angeborener Arbeitsscheu getragenen Lebensüberdruß. Es ist ein tragisches Verhängniß, daß fich einem solchen Elenden, gerade ein von der ganzen Welt verehrtes Haupt als das ver- lockendste Ziel darstellen muß, eben weil es so ehrwürdig, be- wundert und geliebt erscheint. Und hat dieser verworfene Mensch nicht am Ende seine Mitmenschen ganz richtig beurtheilt, hat er nicht sein Ziel, von aller Welt angestaunt zu werden, völlig erreicht? Die alten Griechen gaben fich, erzählt man, das Wort, den Namen jenes nichtswürdigen Menschen, der aus ähn- lichen erbärmlichen Motiven den ephefischen Dianentempel in Brand gesteckt hatte, weder auszusprechen, noch niederzuschreiben, und es wäre mit Nichten ein Verlust gewesen, wenn fie so seine verächtliche Abficht vereitelt hätten. Den Frevler an der schon durch ihr hohes Alter geheiligten Person des Kaisers läßt man seinem ausdrücklich kundgegebenen Wunsche gemäß, in allen mög- lichen Stellungen photographiren und giebt ohne irgend einen ersichtlichen Zweck diese Bilder in den Kunsthandel! Da prangt er nun wie ein Wohlthäter seines Volkes oder ein Heros seiner Partei in einem Dutzend verschiedener Stellungen an den Schau- fenstern und es fehlt zu seiner Beftiedigung nur noch, daß er die Haufen sehen könnte, die sein Bild bewundern. Alle illust- rirten Zeitungen bringen sein Portrait im Brustbildes wie auch in dem Momente, wo er sich verewigt, und beschäftigen sich auf das Eingehendste mit seiner„interessanten" Person. Ein übel- berathenes Familienblatt widmet ihm eine zum Straßenverkauf bestimmte Extranummer mit Bildern in Farbendruck, auf deren erster Seite sein Porträt in einem Prachtholzschnitt dargestellt wird, wie man ihn den Portraits gewöhnlicher Un- sterblichen niemals zu Theil werden läßt. Nun, ich kann mir nicht helfen, das heißt eine Prämie auf diese Kategorie von Verbrechen setzen und zur Nacheiferung förmlich herausfordern! Mag es für criminalistische Zwecke nützlich sein, Verbrecher, die man noch sucht, in ekfixie auszustellen, mag man fie für psychologische und physiognomische Studien meinet- wegen in Wachs nachbossiren, das große Publikum hat meines Erachtens gar kein Interesse, solche Eiterbeulen der Mensch- heit zu betrachten, und man soll den Teufel nicht an die Wand malen. Der Mensch hat bekanntlich mit gewissen Thierarten einen lebhaften, leicht zur Krankheit ausartenden Nachahmungstrieb ge- mein. Die Annalen der Psychiattie zählen eine Unzahl von Fällen auf, in denen eindringlich vorgeführte Handlungen in ähnlicher Weise ansteckend wirkten, wie im gewöhnlichen Leben das Gähnen, und zu wirklichen Geistes-Epidemien ausarteten. Wir lesen von Klöstern, in denen die Nonnen anfingen, einander zu beißen oder Convulfionen zu bekommen, ja wir erfahren, daß zu Zeiten der Selbstmord epidemisch geworden ist. Plutarch er- zählt uns, wie bei den jungen Mädchen in Milet plötzlich eine unsinnige Begierde zu sterben und fich heimlich zu erhängen auftrat. Die Vorstellungen und Thränen der Eltern richteten bei ihnen so wenig aus, als das Zureden der Freunde; sie wußten beim Selbstmorde die größte Verschlagenheit und Auf- merksamkeit der Wächter zu hintergehen. Wenn aber eine solche Verirrung epidemisch werden kann— und wir haben nach anderweiten Erfahrungen gar keine Ursache Plutarch's Erzäh- lung zu bezweifeln— so ist etwas ähnliches bei dem jüngsten Schrcckensereigniß um fo weniger ausgeschlossen. Um den Preis eines, wenn auch noch so abscheulichen, Ver- brechens durch Künstlerhand in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gestellt zu werden, das ist in einer großen Stadt, in welcher beständig so viele Menschen im Begriffe stehen, mit dem Leben abzuschließen, eine schwere Versuchung. Dem übersättigten Wüstling, dem verschuldeten Lebemann, dem ruinirten Jndu- striellen, wie nahe wird damit solchen Persönlichkeiten der Ge- danken gelegt statt laut- und klanglos, wie es dem Gemeinen zukommt, zum Orkus zu stürzen, mit einem Knalleffekt von der Bühne abzutreten, damit obendrein das bedenkliche Motiv ihres Lebensüberdrusses zu verschleiern, und ein Räthscl für Mit- und Nachwelt zu werden! Worin läge der bestrickende Reiz der Pi- taval-Geschichten, wenn nicht in der unheimlichen Gewalt des Geheimnißvollen, Unerhörten? Und wer hättte es nicht selbst empfunden, jenes erste Aufleben der dunklen Triebe in seinem Innern, die den Menschen an einem Abgrunde ergreifen, oder wenn er eine geladene Waffe in die Hand nimmt? Solche Ge- danken darf man nicht herausfordern und ermuthigcn, denn hier ist, fürchte ich, der Punkt, in welchem man die Mitschuld der Gesellschaft suchen muß, wenn fich solche Gräuelthaten wieder- holen. Die Milefier vermochten nur dadurch dem Morden in ihrer Stadt Einhalt zu thun, daß sie die Selbstmörderinnen mit öffent- licher schimpflicher Ausstellung ihres Leichnams bedrohten. Und eine schimpfliche Strafe dürste wohl auch das geeignetste Ab- schreckungsmitel für ein Verbrecken abgeben, bei welchem die Sucht, fich interessant zu machen, die gemeinste persönliche Eitel- keit eine verhängnißvolle Rolle spielt. Möchten diese Zeilen dazu beitragen, vor der bildlichen Glorifikation des zweiten Opfers der Großmannssucht zu warnen, um damit vielleicht zu- künftigen Unheil vorzubeugen. Denjenigen aber, die diese nüch- kerne Degradation eines angehenden polittschen Märtyrers und Geheimbündlers zu der Rolle eines einfachen Nachahmers und Ya bangue-Spielers auf Nachruhm für allzu leichtfertig halten, mag zum Schlüsse mitgetheilt werden, daß der erste Anblick der oben erwähnten„illustrirtcn Prachtausgabe" des Lehmann'schen Attentates vor ca. 14 Tagen dem Schreiber jene Befürchtungen erweckt hat, die fich nun in eme grausige Wirklichkeit verwandelt haben. �. E. St. � So weit die„Vosfische Zeitung/' Wir haben diesen vorzüglichen Auseinandersetzungen nur We- niges hinzuzufügen. Die„Verherrlichung" Lehmanns in Wort und Bild, wie fie von den liberalen und confervativen Zeitungen getrieben worden ist, war so recht nach dem Geschmack des unreifen und verkommenen Attentäters; hätte er in seiner Zelle Alles das beobachten können, er wäre der glücklichste Mensch auf Erden gewesen.— Diese„Verherrlichung" des Ver- brechers ist eine Houptursache de? neuen Verbrechens; dies scheint nunmehr auch das Königliche Polizeipräsidium zu Berlin zu ahnen, da dasselbe ein Verbot erlassen hat gegen die Schaustellung der Photographien Lehmann'S und No- biling's.„Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, deckt man denselben gewöhnlich erst zu." Und wenn man einmal Preßbeschränkungen will, so wende man fich gegen das«nflä- thige, behagliche Treiben aller derjenigen Blätter, welche durch die haarkleine Beschreibung aller Eigenschaften und Gewohn- heiten der Verbrecher durch ihre Anektoden, über das Vorleben derselben und dadurch, daß sie verbummelten Menschen mit Gewalt eine politische Bedeutung aufoctroyren, den Größenwahnfinn und„den bösen Geist des Herostratus" heraufbeschwören und dadurch bewirken, daß eine Attentats- Epi- demie gar zu leicht hervorgerufen werden kann. Correspondenzetto Magdeburg, 4. Juni. Hier tagt seit kurzer Zeit die Pro- vinzial-Synode. Ich kann mir lebhaft denken, daß Ihre Lefer fich nicht im mindesten für solche Verhandlungen, wo fana- tifche Priester fich um das Tipfelchen über dem i streiten, inter- esfiren, doch will ich es nicht unterlassen, einen Ausspruch eines hiesigen Consistorialraths Ihnen mitzutheilen, den derselbe als Referent am 3. Juni Hierselbst that:„Trunkenbolde und Ehe- brecher werden durch das Urtheil des Volkes gerichtet und ihr Unrecht ist nicht so gefährlich, als die Verachtung der kirch- lichen Trauung und Taufe; durch letztere werden die Grundlagen der Familie und Gemeinde, der Kirche und des Staates ange- tastet."— Durch solche Worte werden so recht die rein äußer- lichen Formen betont, in welche man den gläubigen Christen hineinzwängen will. Der Ehebrecher ist nicht so gefährlich, als Derjenige, welcher die kirchliche Trauung verachtet. Daß die meisten Ehebrecher nicht durch das Volk gerichtet werden, ist ungemein klar, da nur sehr selten ein Ehebruch an das TageS- licht und an die Oeffentlichkeit tritt; die meisten Ehebrecher, be- sonders in den höheren Ständen, wissen sich wohl vor dem Volksgericht zu schützen. Außerdem ist die Moral gerade in den höheren Ständen fo gering, daß es vielfach als nothwendig und den gesellschaftlichen Bedürfnissen entsprechend erscheint, daß ein verheiratheter vornehmer Mann fich noch neben seiner Frau eine Courtisane hält. Der Staat aber hat es durch Gesetz frei- gegeben, ob Jemand die kirchliche Trauung und Taufe noch achten will oder nicht; wenn nun aber ein Staatsdiencr solcher- maßen sich äußert, daß durch ein derartiges Gesetz die Grund- lagen der Familie, des Staates angetastet würden, so dürste er, wenn er Sozialdemokrat wäre, wohl bald Bekanntschaft mit dem Paragraphen 131 des Strafgesetzbuches machen. Doch genug, ich wollt- nur zeigen, mit welcher Kühnheit die religiöse Ortho- doxie und Reaktton zugleich mit der politischen Reattion ihr Haupt erhebt. Sondershause«, 1. Juni. Die Thüringische Bank hat in der gestern hier abgehaltenen Generalversammlung liqui- dirt. Wie ich höre, sollen gerade eine große Anzahl kleiner Bauersleute und Handwerker Einlagen gemacht haben, so daß Manchem derselben über die herrlichen Zustände, die in unseren wirthschaftlichen Verhältnissen herrschen, die Äugen aufgehen werden. Daß im Auffichtsrath dieser liquidirten Bank Sozial- demokraten gesessen hätten, ist uns nicht bekannt, wohl aber, daß die meisten Aufsichtsräthe Königliche oder Herzogliche Com- merzienräthe und reiche Banquiers waren. Es scheint somit, daß nicht die Sozialdemokraten es find, die nach Bismarcks Ausspruch„Alles verunjeniren." DöSekn, 27. Mai. Gestern fand hier eine zahlreich besuchte Confcrenz der Parteigenossen des 10. sächsischen Wahlkreises statt, der auch unser Reichstagscandidat, Herr Th. Burckhardt aus Leipzig, beiwohnte. Der Conferenz war die Aufgabe ge- stellt, Bestimmungen zu treffen über Agitatton und Organisa- tion, ferner, fich schlüssig zu werden über die so vielfach ge- wünschte Gründung eines Lokalblattes im 10. Wahlkreis. Be- züglich des letzteren Punttes wurde nach sehr eingehender Be- rathung einstimmig der Beschluß gefaßt, vom 1. Oktober d. I. an ein wöchentlich zwei Mal erscheinendes Organ herauszugeben, das in Leipzig, event. Dresden oder Chemnitz gedruckt werden und Eigenthum einer der in genannten Orten bestehenden Ge- nossenschafls' Buchdruckereien sein soll. Mit der Ausführung der Vorarbeiten hierzu wurde das Bureau der Conferenz betraut. Hinsichtlich der Agitation traf die Conferenz Bestimmungen, die es ermöglichen, daß in Zukunft die Agitatton einheitlicher und planmäßiger betrieben werden kann.— Am Vorabend der Eon- ferenz fand hier auf der„Mulden-Terrasse" eine sehr gut be- fuchte Volksversammlung statt, in welcher Th. Burckhardt aus Leipzig über„Das jüngste Attentat und die Sozialdemokratte" unter Beifall referirte. Mannheim, 28. Mai. Die heuttge sozialdemokratische Par- teiverfammlung beschloß, auf dem Congreß den Antrag zu stellen:„Es soll die„Sozialdemokratische Correspondenz" wieder erscheinen, jedoch zu billigerem Preise als früher." Anssekdorf, 30. Mai. Obgleich unsere Stadt von der Kanzel herab als die„katholische" benannt wird, und die Geistlichen beider Confessionen fest überzeugt sind, diese Ueberzeugung auch des öfteren in Wort und Schrift ausgesprochen haben, daß m Düsseldorf kein Boden für den Sozialismus sei, hat fie trotz- dem, oder vielleicht gerade deshalb, Rohheiten, Selbst- und Meuchelmorde, kurzum alle Auswüchse der heutigen Geselllchafts- ordnung, zur Genüge aufzuweisen. Es ist auch in Wirk- lichkeit bisher von unserer Partei verhältnißmäßig wenig erreicht worden; dies mag darin seinen Grund haben, daß eine Stadt, welche so viele Beiträge zur Brutalitätsstatistik liefert, als gerade das katholische, fromme, patriotische Düsseldorf, keine Heimstätte für den Sozialismus ist. Ich sage patnottsch, denn noch vor einigen Tagen, am Kaiser-Wilhelms-Tage, feierte Düsseldorf durch Beflaggen der Häuser, durch solennes Festessen, durch großarttgen Fackelzug u. s. w. die glückliche Errettung seines Kaisers Wilhelm aus Todesgefahr. Aber trotz Religion und Patriotismus läßt sich nicht leugnen, daß die Stadt innerhalb der beiden letzten Jahre sechs Mordthaten aufweisen kann, der Selbstmorde, welche hier epidemisch find, schlimmer als irgendwo, nicht zu gedenken. Drei oder vier dieser Mordthaten find zur Stunde noch in Dunkel gehüllt. Daß sogar die Regierung oas Zunehmen der öffentlichen Unsicherheit in unserer Stadt, kotz der Unmasse der Polizeibeamten, mit Unwillen bemerkt, geht daraus hervor, daß die königl. prcuß. Regierung zu Düsseldorf eine Prämie von dreitausend Mark Demjenigen zusichert, welcher den Thäter an dem Morde im Aaper Walde zur Kenntniß bringt, resp. durch dessen Angaben es möglich wird, den Thäter zu er- Mitteln. Den Mordthaten entspricht natürlich auch die Zahl der Körperverletzungen und Messerassairen, und finden dieselben so häufig statt, daß Düsseldorf in dieser Hinsicht Anspruch auf Be- rühwtheit machen kann. Fast täglich bringen die Zeitungen in dieser Hinficht interessante Neuigkeiten. Bei dieser allgemeinen Unsicherheit der Straßen sucht sich nun Jeder nach Kräften zu bewaffnen; die gebildete Klasse natürlich mit dem Revolver. Aber bei der Angst(um ihr Dasein) eines großen Theiles dieser Klasse ist das Tragen von Schießwaffen sehr gefährlich, in- dem diese Menschen in jedem nicht ganz fein und modern ge- kleideten Mitbürger einen Messerhelden erblicken und dann selbst zum Revolverhelden werden; wie ein kürzlich fich zugckagener Fall beweist. Es wurde nämlich ein braver Familienvater von einem Fabrikdircktor in die Lunge geschossen aus— Jrrthum. Ueber diesen Fall werde ich nächstens genauer berichten. Briefkasten Quittung. Sffrt Elsterberg Ab. 4,97. Knk Frankfurt Ab. 60,09. Hmbrgr Wien Ab. 4,80. Zrkl Finsterwalde Schr. 1,50. Bm Schwabach Schr. 1,50. Ullrch Ulm Sehr. 2,50. Brnschwg Waldenburg Schr. 5,00. Blg Freinheim Schr. 1,50. Brgr Neustadt Schr. 9,50. Hlkr Braunschweig Schr. 4,00. Plm Wiesbaden Schr. 1,70. Dtrch Eilenburg Schr. 1,50. Wgnr Fulda Schr. 2,05. Fschr Haspe Schr. 1,69. Lwstn Barmen Schr. 1,70. Kl Nürnberg Schr. 1,00. Fonds für die Gemaßregelte«. Von L. hier 0,20. Allgemeiner deutscher Töpferverein. ftc Den 16., 17. und 18. Juni bei Hrn. Hübner� gr. Rosenstraße 37: sAQ Generalversammlung. ijV Alle Anträge zur Generalversammlung sind bis den 10. Juni bei dem Unterzeichneten einzusenden, sowie die Anmeldungen der Tele- girten. Drr Vorstand. A. Barbi, St. Pauli, Marklstr. Nr. 5, Haus 2. Donnerstag, den 13. Juni, Abends halb 3 Uhr, bei Michael, Äindmühlenstraße 7: Oeffentliche Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Die Geschichte deS deutschen Bauernstandes. Referent B. Geiser.(70 Der Agent. Durch uns ist zu beziehen: Drei Äahre aus meinem Leben oder Mein Prozeß wegen Erregung von Mißvergnügen und Unzufriedenheit� meine Suspension und Wiedereinführung ins Lehramt. 1845—1847. Bon K. F. W. Wander. preis Mark 1,59. Es ist ein alter Veteran der Volkssache, aber einer von den we- nigen, die ihrer Ueberzeugung treu geblieben sind, der in der vorlie- genden Schrift zu uns spricht. Die Periode vor dem Jahre 1848 ist der jetzigen Generation völlig unbekannt; um so wichtiger, wenn Er- innerungen wie die vorliegenden zu ihrer Kenntniß gelangen, um ihr zu zeigen, welche Fortschritte wir trotzalledem in 30 Jahren gemacht haben. Wie wird es nach weiteren 30 Jahren aussehen? Diese Frage drängt sich jedem Leser auf.— Die Schrift führt unter anderem das Bild eines Menschen vor, der heute noch eine Rolle spielt: des jetzigen kgl. preußischen Geheimraths und Berschwörungsfabrikanten Stieb er; außerdem einige hochinteressante Bertheidigungsschriften des Justizraths Robe, Bcriheidiger Wanders. Letztere sind Muster logisch-juristischer Dialektik und philosophischer Gründlichkeit. Leipzig. Expedition des„Vorwärts". Färberfkaße 12. II. In unserem Verlage ist soeben erschienen und durch uns, wie durch die Expedition der«Fackel" in Leipzig zu beziehen: Leitsaden für zu errichtende Krankenkassen nach dem Hülfskassen- Gesetz vom 7. April 1876 enthaltend vier■wieNtigs Gesetze. 1) Abänderung deS Titel 8 der Gewerbe-Ordnung. 2) Das HülfS- kassengesetz. 3) Das Ortsstawt für gewerbliche Hülfskassen der Stadt Breslau.(Dasselbe wird an anderen Orten unwesentliche Abänderungen erleiden.) 4) DaS Haftpflichtgesetz, sowie ein vom preußischen Handels- Ministerium ausgearbeitetes Normal- Statut für eingeschriebene Hülfskassen. Mit oben bezeichneter Schrift hoffen wir namentlich den geehrten Herren Vorständen von Krankenkassen eine bedeutende Erleichterung bei Abfassung von Statuten, um dieselben mit dem Hülfskassengesetz in Ein- klang zu bringen, zu verschaffen, indem aus derselben klar zu erkennen ist, welche Bestimmungen das Gesetz verlangt oder verwirft, und in Folge dessen viel Zeit und Unannehmlichkeilen erspart werden.— Auch sollte diese Brochüre sich jedes Mitglied anschaffen, um hierdurch Ge- legenheit zu finden, sich mit dem Krankenkassenwesen näher bekannt zn machen, um bei Berathung von Statuten rathend zur Hand gehen zu können. Schlesische Volksbuchhandlung II. Limmer& Co. 696) Breslau, Schuhbrücke 42. Prachtvoll und solid gearbeitete Einbanddecken (Goldpressnng) für die „Neue Welt" Jahrgang 1876 u. 77 sind in Schwarz ä Stück M. 1,20, in Roth M. 1,50 gegen baar oder Nachnahme durch die Buchbinderei von H. Jausen, Leipzig, UniVersitätSstraße 16 zu beziehen. Colporteure und Filialexpeditionen erhalten bei Partiebezug entsprechenden Rabatt. Porto zu Lasten der Empfänger. HL. Bestellungen hierauf werden entgegengenommen und effekwirt von der Expedition der„Neuen Welt", Leipzig, Färberstr. 12. Agitations-Nummer 100 Exemplare 1,50 Mk. jede weiteren 100 Exemplare zu 1 Mk. liefert bei Einsendung des Betrages Leipzig. Die Expedition des„Vorwärts". Es bedars wohl in jetziger Zeit keiner beson- deren Anfeuerung, um die Parteigenossen� zu be- stimmen, daß sie für die weiteste und größte Ver- breitung dieser Nummer, besonders in jenen Kreisen, wo bis jetzt unsere Prinzipien noch wenig oder gar nicht bekannt sind, Sorge tragen und in dieser Be- ziehung keine Mühe und kein Opfer scheuen. '�Verantwortlicher Redatteur: Julius Künzel in Leipzig. Redaktton und Expedition Fäeberstraße 12. Ii in Lechztg. Druck und Verlag der GenoffenschaftsbuchdruSerei in Leipzig.