Erscheint in feipjU llttoad), Freilag. 5cnnta|. ZlksniiementSpreiS Ifa ganz Deulich!an? 1 Wart 60 Pi. pro Quarial. VltvaiS■ JlbonncmtulS !i 54 LI. Wben bei allen dentschen Postanllaüen «N den und Z. Monat, und aui den ». Monat b eson der» angenoinmen. Inserate EU. Versammlungen rro Z-etitzeile 10 Ps., M». Vriratanzelegendeitkn und Fest« reo Petitjeile S» W. Ptstellungen nchme? an alle Potesialten und Buchhandlungen de» In- und Auslände». Felial- Expeditionen. Sie w- g o r I: Mr. Franz Jonschcr, 177 Lina Str. cornor Broon».— Mr. Herm. Stitzsche, »4« IVssl— 37 Ktr. Philadelphia: P. Hah, SSO KortK 30» Street. I. Boll. N. E. box Chatlotto&<5oorge Str. Hobolen N. J.: F. A. Sorge, Stz Vuaii- inxloa Str. Chicago: A. Lanserinann, 74 klizdonrne m. San grauzlsco: F.Enh, 4I«0'E»rreII Str. London Vf.-. Wilh. Hossmane. S7A Prin- ecs« Str. Leiccotcr Sqn. Gmtrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschtands. Rr. 78. Freitag, 5. Juli. 1878. Parteigenossen? Laßt Euch nicht provo- ziren? Man will schießen. Die Reaktion braucht Krawalle, um das Spiel zu gewinnen. Gott behüte mich vor meinen„Freunden". i. Natürlich denen in„Gänsfüßchen". Bekanntlich offen- bart diese sprichwörtliche Menschensorte sich in Zeiten der Gefahr, wo fie zwar nicht direkt zu den Feinden überläuft, aber durch das stereotype:„Ich habe es vorausgesehen! Im Grund ge- nommen trägst Du doch die Schuld! Hättest Du meinem Rath gefolgt" u. s. w. lästiger wird, als die schlimmsten Feinde. Ein solcher„Freund" hat dieser Tage sein Wesen in der„Frank- furter Zeitung" getrieben, wo er in vier Artikeln, betitelt: „Die Parteien und der Sozialismus", uns unter der Miene der „Freundschaft" in höchst übel angebrachtem Schulmeisterton alle möglichen Sottisen sagt. Zum Theil verleumderische Sottisen. Die jetzige„Sozialistenhatz" wird natürlich nicht gebilligt— das verbietet das volksparteiliche Gewissen— wohl aber wird uns der Vorwurf gemacht, wir hätten die„Sozialistenhatz" provozirt, was im Wesentlichen auf dasselbe hinausläuft und dem Volks- parteilichen Gewissen keine Skrupel verursacht. Betrachten wir nun kurz die gestrengen Censurnoten des schulmeisternden„Freundes": „Die wirthschaftlichen Forderungen der Sozialdemokratie be- rühren fich mit denen anderer Parteien, die politischen sind die alten der Demokratie. Daß fich trotzdem dieser Sturm des Un- willens und der Verfolgung gegen die Sozialdemokratte erhoben hat, daß fie es überhaupt nie zu einer Anknüpfung mit irgend einer anderen der bestehenden Parteien gebracht hat, daran trägt fie zum allergrößten Theile selbst die Schuld." Hierzu nur eine Bemerkung. Daß unsere„wirthschaftlichen For- derungen sich mit denen anderer Parteien berühren", ist richtig, jedoch blos in dem Sinn einer feindlichen„Berührung". Die wirthschastliche Fundamentalforderung der Sozialdemokratte: die Abschaffung der Privatproduktion und der kapitalistischen Lohn- arbeit, wird von allen Parteien ohne Ausnahme, die„Volks- Partei" eingeschlofsen, prinzipiell bekämpft, und diese Forderung tp eS, welche eine„Anknüpfung an irgend eine andere der de stehenden Parteien" einfach unmöglich macht. Hören wir nun unser Sündenregister. Ohne Predigt geht es natürlich nicht ab: „Für so thöricht darf man doch die große Menge der So- zialistengegner nicht halten, daß sie noch immer an dem Wahn festhielte, eine Bewegung wie die sozialdemokratische könne von einzelnen Agitatoren„gemacht" werden. An sozialen Reformbe- sttebungen fehlt es auch nicht bei anderen Parteien und Eiuzelnef?) kommen den Sozialdemokraten ziemlich weit entgegen. Und den- noch diese Erbitterung, dieser allgemeine antisozialisttsche Kreuz- zug! Dennoch hat jede der namhafteren politischen Parteien in rhrem Wahlauftuse, wenn sie auch sonst Schutz der Freiheits- rechte und der Gleichheit vor dem Gesetze betonte, auf irgend eine Weise ihre Bereitwilligkeit zu irgend einer Art des Vor- gehens gegen die Sozialdemokratie zu erkennen gegeben. Haben fie wirklich blos der durch die Berliner Mordversuche erregten Volkswuth ein Opfer bringen zu müssen geglaubt? Sind alle diejenigen, welche jetzt in Werkstätten, in Versammlungen, in öffentlichen Lokalen gegen die Sozialdemokraten vorgehen, bloße Soziastenfresser, eine in ihren monarchischen Gefühlen gekränkte fanatlsirte Masse? Dann freilich böte heute das deussche Volk das Schauspiel einer der denkbar traurigsten Erinnerungen. Wir meinen— und wir werden es zu begründen suchen—, daß diese so plötzlich hervorgetretene antisozialdemokratische Bewegung einen tieferen psychologischen Hintergrund hat und daß die Sozial- demokratie, wenn fie ehrlich sein will— und fie nimmt ja dieses Prädikat im weitesten Umfange für sich in Anspruch— dies selbst anerkennen muß. Schlimm für sie, wenn ihr diese Zeit der Verfolgung nicht eine Zeit der Selbstprüfung und Läu- terung würde!" Run— wir üben die„Selbstprüfung", so gut die(von den Feinden) uns schmal zugemessene Zeit es zuläßt, und auch mit der„Läuterung" sind wir seit Langem beschäftigt. Doch der .Freund" hat uns ohne Zweifel etliche Verbrechen vorzuhalten, »n die wir im Augenblick gar nicht denken. Heraus damit! Er fährt fort: „Freilich, die Sozialdemokratte hat es mit jeder der übrigen Parteien auf irgend eine Weise verdorben: mit den„Reichs- treuen" durch ihren Zusammenhang mit der Internationale, und durch ihren Republikanismus, mit den Eonservativen und dem Eentrum durch ihr Wüthen gegen die Kirche, mit den Liberalen dur» rhren Gegensatz gegen den Kapitalismus, mit der Fort- schrittspart« durch das beständige Vorrücken der Fortschritts- IE t. auJ*e* �unde, aus welchem jede neu auf- strebende Partei verhaßt ist: weil sie den anderen Terrain ab- gewann Dazu kamen mancherlei dunkle Punkte in der sozial- demokrattlchen Partei- Geschichte. Zunächst die. Lassalle und Schweitzer vorgeworfenen Beziehungen zur Reaktion in Preußen. sodaun das Komödienspiel der Internationale ferner die frei- willige Uebernahme der Greuel der Commune auf die Rech- nung des deutschen Arbeiterstandes- das letztere nicht blos cme Unklugheit, sondern auch eine historische Unwahrheit, da in der Pariser Märzbewegung sozialistische Tendenzen und Mittel doch nur m äußerst beschränktem Maße, oder vielleicht überbaupt .wirksam geworden find." Ali o unsere Sünden: -Zusammenhang mit der Jnternattonale."(Variante: „Komödienspiel der Internationale".) Wir bekennen unS schuldig»ans pdrase. 2)„Republikanismus".— Schuldig, mit der Randglosse, daß es uns amüfirt, diese Anklage aus diesem Munde zu hören. „Reaktionäre Masse"? He? 3)„Wüthen gegen die Kirche."— Hat der„Freund" unser Programm nicht gelesen? Weiß er nicht, daß wir die Re- ligion strictissime als Privatangelegenheit auffassen, jeden Eingriff in die Gewissensfreiheit, jeden das religiöse Ge- fühl verletzenden Angriff auf die Kirche bei hundert Ge- legenheiten verurtheilt und wiederholt nachgewiesen haben, daß die Religion überhaupt nicht wegdekretirt werden kann? Wenn dieser oder jener Parteigenosse einmal in Bezug auf kirchliche und religiöse Fragen abweichende An- sichten entwickelt und eine Taktik befolgt, die mit der all- gemeinen Taktik nicht übereinstimmt, so kann man für derartige Privatäußerunaen doch die Partei nicht verant- wortlich machen. Oder sollen wir Maulkörbe und den In- dex einführen? 4)„Dunkle Puntte in der Parteigeschichte"— d. h. gewisse „Beziehungen zur Reaktton,,, deutlicher ausgedrückt: zu Fürst Bismarck. Wohl wegen dieser„Beziehungen" hat Fürst Bismarck die„Sozialistenhatz" veranstaltet und Heu- len die Bourgeois gegen uns? Das glaubt sogar unser „Freund" nicht. Und was sonst noch die„dunkeln Punkte" betrifft, so weiß er sehr genau, daß sie fich seit Langem aufgehellt haben, und daß uns dies von„Freunden" des „Freundes" und irren wir nicht, vom„Freund" selbst aus- drücklich bezeugt worden ist. Beiläufig haben andere Par- teien ebenfalls„dunkle Punkte", und alle ohne Ausnahme deren sogar weit mehr als unsere Partei— was der „Freund" sicherlich nicht bestreiten wird. 5)„Die freiwillige Uebernahme der Communegräuel auf Rech- nung des deutschen Arbeiterstandes(I)."— Stünde der Arttkel nicht in der„Frankfurter Zeitung", so würden wir auf Sparig schließen. Welche„Gräuel der Commune" haben wir übernommen. Der„Freund" möge sie nennen. Wir kennen keine. Wir haben die Lügen über die Commune nicht„übernommen"— voiltz tont. Das ist unser Verbrechen. Wenn unser„Freund" sie„überuom- men" hat, so ift das seine Sache, aber für uns kein Grund, Verstand und Ehrlichkeit zu opfern. Wir gehören nicht zu Denen, die, vor dem Erfolg knieend, von dem Be- siegten sich abwenden, dem zu Boden liegenden Löwen noch den Eselstritt zu versetzen suchen. Wir haben in den Au- gen des arbeitenden Volkes die Commune zu Ehren ge- bracht und das Lügennetz ihrer Verleumder zerrissen— wir haben dies gethan angesichts des tollen Wüthens der rachedürstenden Bourgeoisie, unbeirrt durch die maßlosen und unsinnigen Angriffe der gesammten reaktionär-liberalen und-demokratischen Presse, von der die„Frankfurter Zeitung" sich damals nicht fernhielt. Daß wir aber durch unsere Sympathien uns nicht zu einer „historischen Unwahrheit" verleiten ließen, davon kann der „Freund" sich durch manchen sozialdemokratischen Zeitungsartikel und Aufsatz überzeugen, z. B. durch die Rezension des Lissaga- ray'schen Werks in dem diesjährigen„Armen Conrad". Für heute genug. Nur noch Eins, ehe wir schließen. An verschiedenen Stellen eifert der„Freund" gegen unseren Programmsatz von der„reattionären Masse". Durch seine reaktiv- nären Angstmeier- Arttkel beweist er aber die„reaktionäre Masse" so drastisch, daß wir weitere Auseinandersetzungen füglich ersparen können. Diese Angstmeier- Artikel stehen beiläufig als reaktionäres Symptom in den Regionen unseres„Freundes" nicht vereinzelt da. Es ist wahr, die„Volkspartei" spricht sich in ihremWahlaufruf sehr topfer gegen Ausnahmgesetze aus, indeß das thun die Herreu Fortschrittlcr auch, und überhaupt haben die Wahlaufrufe beid.r Parteien eine so große Familienähnlichkeit, daß die„Post" sie für identtsch erklärt. Freilich, die Tiraden gegen die Sozial- demokratie fehlen in dem volksparteilichen Aufruf, allein, was dort fehlt, wird durch die Artikel unseres„Freundes" reichlich ersetzt. Fügen wir hierzu noch die fernere Thatsache, daß die „Volkspartei" gerade bei der gegenwärtigen Wahl zum ersten Mal uns feindlich gegenübertritt(in Fürth und Nürnberg), dann haben wir die„reaftionäre Masse" in greifbarster Leibhaftigkeit und klassischster Vollendung. Die Verfälschung der Lebensmittel vor dem Reichstage. Von H. Bogel. Die Eile, mit welcher die Reichsregierung die Berathung, des Gesetzentwurfes„gegen die Ausschreitungen der Sozialdemokratie" vor Schluß des letzten Reichstags betrieb, hat es verhindert, daß dieser vor seinem Auseinandergehe fich noch einmal im Plenum mit dem Gesetzentwurf betreffend„den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen" be- schäftigte. Dies soll uns indeß nicht verhindern, hier die Stel- lung, welche der Reichstag zu dieser Frage eingenommen, zu beleuchten. Vorher sei noch rurz erwähnt, daß von allen poli- tischen Parteien es die sozialdemokratische war, welche zuerst die Aufmerksamkeit auf die Verfälschung der Lebensmittel, auf diesen Krebsschaden der modernen Industrie, lenkte. Es ist dies auch natürlich. Wie es die Sozialdemokraten gewesen find, welche übevhaupt die Schattenseiten der modernen Gesellschaft zuerst erkannten, so sahen fie auch zuerst diese spezielle Schattenseite, die Lebensmittelverfälschung. Denn wenn auch vielleicht zu allen Zeiten Verfälschungen von Lebensmitteln vorgekommen sein mögen, so haben dieselben entschieden doch erst in neuerer Zeit unter der mehr oder minder ausschließlichen Herrschaft der freien Concurrenz eine so große und gemeingefährliche Ausdehnung und Verbreitung gewonnen. Wie die freie Concurrenz kein Mittel scheut, den Gegner aus dem Felde zu schlagen, so wurden unter ihr die Verfälschungen der Lebensmittel auch mit der Zeit immer methodischer betrieben. Als daher die Sozialdemokraten schon vor länger als zehn Jahren auf diese Erscheinung der Neuzeit aufmerksam machte und unter anderen die im November 1867 in Berlin abgehaltene Generalversammlung des Allgemei- neu Deutschen Arbeitervereins die Verfälschung der Lebensmittel in ihrer Bedeutung auf das Volkswohl erörtert— Schreiber dieses war damals Referent über diese Frage— wurde unseren Ausführungen und Resolutionen wenig Beachtung und Glauben geschenkt. Man meinte, wir Sozialdemokraten malten nur die Zustände so schlimm, um mehr Unzufriedenheit zu erregen und die Gemüther gegen die bestehende Ordnung aufzustacheln. Freilich kamen allmählich verschiedene Vorkommnisse an's Tageslicht, welche nicht unbeachtet bleiben konnten. Besondere Fabriken und Industriezweige besorgten für die Lebensmittelver- fälscher die nöthigen Ingredienzien. Es wurde überhaupt immer schwerer und oft ganz unmöglich, völlig unverfälschte Nahrungs- mittel zu erhalten. Verschiedene besonders ausfällige Vorkomm- nisse konnten auch der Kenntnißnahme der Gericht« nicht entzogen bleiben. Als veranlaßt durch den allgemein sich verschlechtern- den Gesundheitszustand der Bevölkerung das kaiserliche Gesund- heitsamt in's Leben gerufen wurde— trotz seiner Unzulänglich- keit die beste Schöpfung, welche überhaupt das neue deutsche Reich hervorgebracht hat— konnte auch dieses das Ueberhand- nehmen der Lebensmittelverfälschung nicht ignoriren. Nachdem dann Fürst Bismarck— bekanntlich ein Liebhaber starker Bicre und schwerer Weine— in der Reichstagssitzung vom 14. März 1877 zur Begründung der Förderung eines chemischen Laboratoriums für das Gesundheitsamt erklärt hatte, daß die bisherigen Untersuchungen„überraschende Resultate über das Maß der Fälschungen namentlich von Bier und Wein" ge- liefert hätten(die Bier- und Weinfälschungen sind zwar lange nicht die gefährlichsten), da griff fast mit Einstimmigkeit die gesummte Presse der Gegenstand gierig auf und benutzte ihn mit und ohne Geschick in der darauf folgenden Saurengurkcnzeit, als ergiebige Stoffquelle zur Füllung ihrer Spalten. Verschiedene Vorschläge tauchten auf zur Beseitigung des Uebels. Einige ganz Schlaue waren schnell damit fertig, indem sie sagten, Jeder solle nur dos Thcuerste kaufen, dann würden die schlechten Waaren keine Abnehmer finden und ihre Fabrika- tion eingestellt werden. Das fortschrittliche„Berliner Tageblatt" rief mit Emphase: hier sei ein Feld für die Selbsthilfe, das Publikum müsse selbst seine Angelegenheiten in die Hand neh- men, müsse Vereine gründen gegen Verfälschung der Lebens- mittel. Diese Vereine würden dann die Fälscher und Betrüger selbst ermitteln, indem sie Lebensmittel aufkauften, von vereide- ten Chemikern untersuchen ließen und dann die betreffenden Fälscher nachsichtslos dem Staatsanwalt übergäben. Andere schlugen vor, die Communalbehörden möchten die Untersuchung der zum Verkauf gestellten Lebensmittel ausführen. Allmählich stellte sich das Unzulängliche aller dieser Borschläge heraus und die Ueberzeugung, daß die bestehende Gesetzgebung in dieser Hinsicht einer Verbesserung bedürfe. Das kaiserliche Gesund- heitsamt berief auch eine Sachverständigen- Commission von Che- mikern, Aerzten und Volkswirthen, mit deren Hilfe es einen Gesetzentwurf ausarbeitete, welcher nebst Motiven am 22. März dieses Jahres vom Bundesrath dem Reichstag unterbreitet wurde. Noch ehe diese Vorlage erfolgte, war in der Presse, namentlich der liberalen, ein eigenthümlicher Umschwung eingetreten. Man erklärte im Gegensatz zu dem bisherigen Gejammer, es hätten Uebertreibungen stattgefunden, die Furcht des Publikums sei künstlich und unnöthig gesteigert worden, und man möge sich hüten, der Polizei eine Handhabe zu weiteren Einmischungen in die gewerblichen Berhättnisse zu geben. Natürlich! Unsere Fa- brikanten und Kaufleute wissen zu gut, daß der auf Habsucht und Schwindel bastrten heutigen Industrie damit ein harter Schlag versetzt würde, daß das- Fallen dieser einen Ausbeutungs- form auch die anderen Ausbeutungssormen bedrohe. Die Vorlage fand also weder in der liberalen Presse, noch im Reichstage selbst eine sympathische Aufnahme. Es ist nicht zu leugnen, dieselbe hatte noch ihre Mängel. Aber während dieselben hauptsächlich in einer gewissen Zurückhaltung und Un- zulänglichkeit der Bestimmungen bestehen, erklärten die Redner der verschiedenen Parteien, welche bei der detreffenden Ver- Handlung am 1. April d. I. zum Wort kamen, daß die Borlage über das Ziel hinausschieße und unnöthige Beschränkungen in der Industrie schaffen würde. Bevor wir die Reichhaltigkeit dieser Vorlage beleuchten, wird es nöthig sein, die Vorlage selbst etwas näher zu betrachten. (Fortsetzung folgt.) Aus Berlin. — den 1. Juli. Der Wahlkamps ist jetzt auf der ganzen Linie entbrannt; unsere Partei stellt dieselben Männer auf, welche im Jahre 1876 candidirten. Gegen Fritzsche candidirt als gemeinsamer Can- didat der Gegner der Stadttath Zelle(gemäßigter Rückschritt), gegen Hasenclever der Kreisgerichtsrath Klotz(gemäßigter Rückschritt), den auch die Nationaltiberalen freudig acceptirt haben. Neben Zelle candidirt noch ein christlich-soziales Pastörcken, neben Klotz noch der weltberühmte Herr Stöcker. Diesem Letzeren ist aber in jüngster Zeit ein Malheur passirt, welches von seinen paar , hundert Stimmen ihm noch einige kosten kann. Der Redakteur des„Staatssozialist" nämlich, Herr Golombeck, der mit Stöcker ein Herz und eine Seele ist und die Stöcker'sche Gesinnungstüch- tigkeit vollständig vertritt, hat an einen Mitarbeiter des„Staats- sozialist" folgenden Brief geschrieben: „Berlin, den 9/5. 1878. Sehr geehrter Herr! Das beif. Feuilleton eignet sich für unser Blatt doch nicht. Im Gegentheil. Unseren Tendenzen entspricht eS, daß alle Weltstädte zerstört werden. Für ihr nächstes Feuilleton nehmen Sie doch gef. einmal das öffentliche Feilbieten unfläthiger Bücher und Bilder u. s. w. vor und rufen Sie Zeter und Mordio darüber, aber nicht zu sanft und leise. Hochachtungsvoll grüßend C. Golombek." Die Berliner werden fich doch wohl besinnen, ehe sie einem so komisch-wüthenden Kauze, wie dem Weltstadtzerstörer Stöcker, ihre Stimmen geben. Uebrigens hat das Stöcker'sche Factotum nur dem Herrn von Bismarck nachgeplappert, der 1849 als Abgeordneter das große Wort gelassen aussprach: „Die großen Städte sind die Herde der Demokratie und ver- dienen deshalb vom Erdboden vertilgt zu werden." Birchow hat im sechsten Wahlkreise eine Rede gehalten— der„starre Demokrat" lobte die Nationalliberalen, schimpfte auf die einzige noch existirende Demokratie, auf unsere Partei, brachte unwahre Behauptungen über dieselbe vor, die das Recept in Händen zu haben vorspiegle, reichliches Brot für Alle ohne viel Arbeit zu schaffen, log also bewußt— denn ein solcher Esel ist Birchow doch nicht, daß-er den Sozialismus wirklich in der Art auffaßt— und entdeckte schließlich mit dem Ausrufe:„Es leuchtet ein, daß die Sozialdemokratie nur zum Borwande dient, dem Liberalismus den Garaus zu machen"— was uns in derselben Minute, als wir von der Auflösung des Reichstags hörten, schon sofort einleuchtete. Dem großen Forscher Birchow scheint es aber nicht einzuleuchten, daß es voll- ständig unlogisch ist, unter solchen Umständen die giftigsten Pfeile auf die Sozialdemokratie zu verschießen und die mächtigen „Garausmacher" des Liberalismus mit Glacehandschuhen anzu- fassen, indem man sogar mit den Nationalliberalcn liebäugelt. Nun, seit seiner be— rühmten Münchener Rede gehört Birchow ja auch zum gemäßigten Rückschritt. Herzerhebend ist es, wenn man trotz des anhaltenden Roth- standes die große Opferwilligkeit der hiesigen Arbeiter sieht. So hat die„Berliner Freie Presse" gestern in zwei langen Spalten in kleineren und zwar meist wieder erst gesammelten Beträgen die Summe von circa 2400 Mark für Wahlagitation quit- tirt, die im Laufe der verflossenen Woche eingeliefert worden waren.— Und eine solche begeisterte Bewegung will man todt- machen!? Und wer will sie todtmachen? Die rothe Reaktion, die keine anderen Waffen kennt, als Polizei und Staatsanwalt! Und die politischen Parteien, welche an die brutale Gewalt appelliren, deren Anhänger die Arbeiter mit der Hungerpeitsche bedrohen!— 0 sancta sirnplicitas! Ihr wollt die Freiheit einfangen, ihr wollt die Volkswogen zurückdämmen. Knirpse, geht aus dem Wege, daß Euch der Weltgeist nicht zertritt!--- Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat wieder einen früheren Reichstagsabgeordneten auf die Proscriptionsliste gesetzt, den Freiherrn von Stauffenberg. Weshalb ist dieser Mann auch in der allgemeinen Hetze vernünftig geblieben, weshalb hat er in einerWählerversammlung den Muth gehabt zu sagen,„daß er nimmermehr einem Gesetze zustimmen könne, welches den Cha- rakter eines Kampfes gegen eine ganze Klasse trage?" Geschieht ihm ganz recht, wenn die„Norddeutsche Allgemeine" ihn in die Acht erklärt— auf die Kniee, Ihr Herren, vor dem Fürsten Bismarck, so lautet die Wahlparole, oder— in Acht und Bann. Noch kann ich Ihnen mittheilen, daß in verschiedenen Ge- meindeschulen Hierselbst, in welchen die Lehrer gleichfalls den „Bernichtungskampf' gegen die Sozialdemokratie führen, unlieb- same Scenen vorgekommen find, da selbst die Kinder schon von dem Rechtssinn ihrer Eltern„angesteckt" sind. In einer Schule redete der Lehrer von„Respect" und Gottesfurcht und zählte die beide« Attentäter schlechtweg der Sozialdemokratie zu, auf die er noch weiter lospaukte. Da sprang ein Knabe auf, der er- klärte, daß sein Vater Sozialdemokrat sei und er solche Beschim- Aus Heuchelland. Stille Beobachtungen eines Berliners in London. H. L, Nirgend wohl ist die soziale Quacksalberei zu solchem Flor gediehen, wie in England— dem Lande, in welchem die sozial: Wissenschaft— ich meine die rechte soziale Einsicht— noch so ganz in den Windeln liegt(?). Sehr natür- lich: Stets hat ja die Charlanterie, der Schwindel, dort ihr er- giebigstes Feld gefunden, wo es an Wissen und Erkenntniß fehlte. Der Schwindel ist der Dummheit liebstes Kind. Wie sie den armen, gequälten Patienten: Volk umstehen, all die Quacksalber und Wunderdoktoren, mit ihren Elixiren, Mix- turen und Purganzen, jeder sich himmelhoch verschwörend, sein Mittelchen müsse dem Kranken zur ewigen Gesundheit verhelfen. Dabei wird dieser immer elender und siecher, und nicht früher wird ihm besser werden, als bis er, dem guten Beispiel von Moliäre's„Eingebildetem Kranken" folgend, all die Diaforus und Purgons mitsammt ihren Rezepten, Pillen, Flaschen, Büchsen zum Teufel jagt und einsieht, daß er von dem Augenblicke an kerngesund ist, wo er ernstlich gesund sein will. Am lautesten unter diesen aufdringlichen Heilbringern machen fich die zahllosen Vereine und„Socisties" zum„Wohle" der „working"(arbeitenden) oder der„lo�ver"(unteren) Klassen. Unmöglich auch nur annähernd die verschiedenen Arten dieser Sammelbecken für überschüssige Nächstenliebe anzugeben. Da sind die vielen„Improveä Dwellings Societiea" für die „labouring claases", welche die Lösung der sozialen Frage bei dem sattsam bekannten Wohnungs- Zipfel anfassen, indem sie, so lautet die stehende Phrase, dem Arbeiter ein angenehmes „bome"(Heim) beschaffen wollen, das lhn zum zufriedensten, ruhigsten, conservativsten aller Zweifüßler machen soll. Schade nur, daß dabei das„dorne" des Londoner Proletariats im Ganzen immer theurer, immer enger, immer miserabler, das Wohnungselend immer haarsträubender wird. Zu dieser Sorte von Beglückungsapparaten gehören u. A. auch die Muster-Arbeiterwohnungen auf Peabody-Square bei Blackfriars Road, die anzusehen ich mir die Mühe nahm. Zu Mietpreisen, die zwar nicht billiger, dafür aber theurer sind als die gewöhnlich gangbaren, jwohnen da eimge hundert Familien glücklich Bevorzugter(denn nur auf besondere, natur- lich fromme, Protektion und Empfehlung kommt man da hinein) eine Art von Proletarier-Aristokratie(häßliches Wort) in einem Complex hoher, enggebauter Häuser, zwischen kahlen, düster aus- sehenden Höfen ohne Lust, ohne Licht beisammen— unter einer Hausordnung, die der Colonie in der Umgebung den Spott- namen„tkv priaon-(das Gefängniß) eingebracht hat. pfung nicht dulden könne. Der Lehrer wollte nun den Knaben mit einem Stocke züchtigen, da erhoben sich aber von den Bänken zahlreiche Schüler mit dem Rufe:„Wir find auch Sozialdemo- kraten!"— Hiesige Blätter sprechen von der„bedauernswerthen Geistesrichtung" der Kinder; ich aber bedaure die Geistesrichtung solcher Lehrer, welche die Autorität der Eltern unter- graben und das Institut der Familie in so schnöder Weise angreifen. Das Denunziattonswesen blüht immer noch. Jetzt hat es wiederum einen unserer Parteigenossen, den Restaurateur W. Neumann in Moabit, betroffen, dessen Frau von dem eigenen Hausknecht wegen Majestätsbeleidigung denunzirt worden ist. Glücklicherweise sollte das Dienstmädchen von dem Denunzianten zur Mitdenunziatton gepreßt werden und hat dies vor Zeugen erzählt. Der Hausknecht, zur Rede gestellt, war naiv genug ein- zugestehen, daß die Polizei ihn durch Versprechungen und Drohungen zum Vorgehen gegen den Genossen Neumann er- muthigt habe. Ja, sie habe ihm sogar Belohnungen ver- sprachen. in einem ähnlichen Falle habe er schon 3 Thaler 12 Groschen erhalten. Auf alle Fälle kommt die Angelegenheit vor das Stadtgericht, da Neumann den Sachverhalt in der „Berliner Freien Presse" veröffentlicht und somit die Polizei gezwungen hat, gegen ihn gerichtlich vorzugehen oder— durch Stillschweigen ihre Mitbetheiligung an der Denunziation ein- zugestehen. Sechszigtausend Mark für ein Congreßbild— hat auf Anregung des Magistrats die fortschrittliche Stadtverord- netenversammlung bewilligt. Sechszigtausend Mark, wo sechszig- tausend Menschen in Berlin im buchstäblichsten Sinne des Wortes durch Hunger gequält und gefoltert werden. Weise Stadtväter das! Und fortschrittliche Koryphäen, welche mit Macht eintreten in die Agitation gegen die Vertreter des arbei- tenden Volkes. Für jede derart unnütz ausgegebene Mark am 30. Juli eine sozialdemokratische Stimme— also 60,000— so soll die Antwort des Volkes lauten. Sozialpolitische Uebersicht. — Laßt Euch nicht verblüffen!„Es wird Nichts so warm gegessen, wie es gekocht ist."— Von der Richtigkeit dieses Sprüchwortes haben sich vor Kurzem eine Anzahl Grubenbesitzer im Reiche überzeugt, welche darüber zu Rathe gingen, ob es wohlgethan sei, ihre große Armee von sozialdemo- kratischen Bergleuten auf den liberalen Schwur zu treiben, oder zu entlassen. Da stellte sich nun aber heraus, daß Jim Fall fortgesetzter Entlassung erwerbslos gewordene Arbeiter gar leicht ihren Ge- meinden zur Last fallen und so indirekt wiederum den Geld- beuteln ihrer Entlasser Opfer auferlegen würden. Da aber die Bergleute meist fest an ihrer Scholle kleben, steht die Sache obendrein so, daß ein gut Theil der etwa Entlassenen, als ältere Mannschaften Jnvalidenpensionsansprüche an die Knappschaftskasse erheben könnte. Würden diese nicht berücksichtigt, so hätten die Gemeinden darum zu Prozessiren, immer vorausgesetzt, daß der arbeitslos Gemachte bei der allgemeinen Hetze als Sozialist nirgends mehr Arbeit fände und deshalb der Gemeinde zur Last fiele, welche auf alle Fälle für ihre Armen einzutreten hat.— Diese Er- wägungsgründe haben denn auch der Entlassungsbegeisterung gewisser Werkbefitzer einen Dämpfer aufgelegt, zumal die Aeltesten unter ihnen aus Erfahrung warnende Beispiele citirten. Wie aber nun, wenn alle sozialistischen Arbeiter in Betracht halten, daß es Gegender. und Jndustrieen giebt, wo sie in größester Zahl vorwiegen und nicht so leicht durch fremde Kräfte ersetzt werden könnten? Das Kunststück möchten wir sehen, wie es die Sozialistenhetzer andrehen wollten, ihre geschicktesten und steißig- sten Arbeiter, die Sozialisten, mit einem Ruck auf die Straße zu werfen und durch andere entsprechend zu ersetzen. Das Rechen- exempel in der Gemeindewirthschaft möchten wir sehen, wenn bei mehr als 2 Millionen deutscher Sozialisten nur IVe Million als ganz besitzlose Arbeiter gerechnet, die Gemeinden dann für die Verarmten eintreten sollten, dafern dieselben, ihre Ueberzeugung bekennend, von aller Erwerbsgelegenheit fortgesetzt ausgeschlossen, mit dem Bann belegt, von ihren Heimathsrechten Gebrauch zu machen gezwungen wären. Die Herren Gemeinderäthe sollten Diese Ordnung erstreckt sich bis auf die allerintimsten Ange- legenheiten der Miether, selbst bis auf—— es darf nämlich keiner mehr als drei Kinder haben. Sowie einer durch einen unglücklichen Zufall diesen Etat überschritten hat, muß er ohne Erbarmen heraus. Bitte— ich kalaure nicht; es ist vollster, komischster Ernst. Ebenso hat Punkt 9 Uhr Abends Jedermann zu Hause zu sein; zu dieser Stunde wird das große Gitterthor geschlossen. Ob dann auch eine Jnspizirung der Wohnungen stattfindet, um sich zu vergewissern, ob auch wirklich alles schon zu Bette und — bei Strafe sofortiger Exmission— fest eingeschlafen ist, dar- über habe ich nichts Authentisches erfahren können. Um so zuverlässiger aber vernahm ich, daß die Anlage ur- sprünglich, wie schon der Name Peabody besagt, als Wohlthätig- keitsinstiwt mit bedeutenden Fonds begründet, heute bereits als Objekt der schofelsten Ausbeutung und Spekulation, zu nichts als zur Unterhaltung einer Anzahl fetter Sinekuren dient. Der liebe Peabody, der es in wohl recht gut gemeint hat! Was er wohl sagen würde, könnte er sehen, zu welchen„wohl- thättgen" Zwecken seine geschenkten Millionen dienen! Er mag fich übrigens trösten— er erfährt nur das Schick- sal aller derartigen Weltbeglücker. In der bestehenden Ge- fellschaft ist nur Platz für das Geschäft, das trockene, wohlkal- kulirte Geschäft; wer trotzdem naiv genug ist, ihr seine etwas rührseligen Meuschenbewohlthäterungsabfichten aufzudrängen, der wird nur ausgebeutet und hinterdrein nach Verdienst— aus- gelacht. Bei einer andern derartigen Wohnungsbeseligungsqesellschaft, der„Äxtizans' Dwellings Company", zu welcher auch, irre ich nicht, der bekannte„Shaftesbury Estate" bei Battersea gehört,*) gab es jüngst einen Defraudationsprozeß wegen der Kleinigkeit von etzlichen hunderttausend Thalern. Und da will man die Nützlichkeit derartiger Gesellschaften bestreiten! Gewiß sind sie nützlich! Es frägt sich höchstens nur noch für wen. Noch weit zahlreicher als diese Baugesellschaften sind nun die mannigfaltigen andern Bolksbeglückungsanstalten. Da gibt es Beklerdungsvereine, Suppenvereine, Armenasyle Krankenasyle, Findlingsanstalten, Samaritervereine zur Aufsuchung und Milderung des verschämten Elends, Mag- dalenenstifte, Vereine zur Aufsuchung und Bekehrung sündiger Mädchen ec. ec. Alles natürlich den penetrantesten Geruch der Heiligkeit und Gottseligkeit ausströmend. *) Sehenswerth als ein schwacher, schwacher Schimmer dessen, was die Gesellschaft leisten könnte, wenn sie wollte und— was die communistische Gesellschaft leisten wird. fich bös den Kopf zerbrechen, wenn es Rath schaffen hieße für IV2 Million Arbeiter, wovon nach Maßgabe der Statistik min- destens 50 Prozent als verheirathet, mit nur 4 Köpfen per Familie gerechnet, das Riesencontingent von 3 Mill. Menschen repräsentiren und— nehmen wir im Durchschnitt für jung und alt den elendesten Satz an— per Kopf alltäglich mindestens 50 Pfennige kosteten, um über dem Niveau des raschesten Ber- hungerns gehalten zu werden. Ein schönes Facit das!— 3 Mill. halbe, gleich D, 2 Mill. ganze Mark neue Gemeinde- lasten täglich zu beschaffen, so lange die Leute bei ihrer Ueber- eugung und die„Ordnungshelden" bei ihrer feigen Hätz ver- arren und keine Aussicht, sie eher los zu werden!— Oder glaubt man, uns unsere Ueberzeugung auspeitschen, unsere Mann- schaften mit Weib und Kind in Zwangsarbeitsanstalten sperren zu können? Fürwahr!— Feig und brutal sind die Erfinder des Aus- sperrungs- und Gewissenszwangs-Rezeptes stets gewesen, unge- schickt und thöricht oft über alle Begriffe. Daß sie bei ihrem neuesten Streiche aber allen Rechenfinn so weit haben sitzen lassen, daß ihnen der eigene Geldbeutel außer Acht gekommen ist, das danken wir lediglich der Tollwuth, in welche sie ihre Presse hineingewirbelt hat, lügenhaft, zuchtlos und wahnwitzig, um im Styl der liberalen Presse zu reden. Wo immer die Arbeiter zu Hunderten und Taufenden geschlossen stehen, da sind sie auch mit solchem Mittel unbesiegbar. Der Schlag des Gegners fällt auf diesen selbst zurück, wenn man ihn zu pariren versteht. Selbst der Vereinzelte, der eher entschlossen ist, um seine Ueberzeugung zu leiden, als seine Fahne zu ver- leugnen, mag des Umstandes eingedenk bleiben, daß Tausende hinter ihm stehen und daß diese trotz Allem auf die Dauer nicht unfähig gemacht werden können, solidarisch für ihn einzustehen, wenn sie einig zusammenhalten. Wenn der Kapitalismus die Arbeit von sich werfen könnte wie einen nichtsnutzigen Lappen, — nun— warum hat er es nicht längst gethan!? Weil er ohne die Arbeiter und ihre Arbeitsfrüchte nicht leben kann!— Daß er es heute versuchen will, ist das Beginnen eines Tollen, den allein die Ruhe, der Wille und die Festigkeit des Ueberlegenden bewältigen kann. Der Liberalismus hat fich selber den Krieg erklärt, der Liberalismus ist moralisch und wirthschaftlich gerichtet und todt, — hoch die Sozialdemokratie! — An die Adresse des Fürsten Bismarck. Die früher so russenfreundliche„Magdeb. Ztg." schreibt: „In der Reichstagssitzung vom 5. Dezbr. 1876 trat Fürst Bismarck der Anficht, daß Rußland damit umgehe, Eroberun- en zu machen und fein Ländergebiet zu erweitern, mit folgen- en Worten entgegen:„Bis jetzt liegt nichts weiter vor, als die eierliche Versicherung des Kaisers Alexander, daß er seinerseits auf Eroberungen verzichte und ich weiß nicht, wer ein Recht hat, den Versicherungen dieses Monarchen, namentlich in unserem Lande, dem er immer ein wohlwollender Freund und Nachbar gewesen ist, von dem Niemand behaupten kann, daß er uns je in irgend einer Richtung seine Zusage nicht auf das Boll- ständigste gehalten hat, entgegen zu treten und dieser Sachlage gegenüber nun plötzlich dem Publikum den Verdacht unterzu- schieben, als handle es sich für Rußland um Eroberung neuer Provinzen, bei der wir eine gewisse Eonnivenz leisten." Im Widerspruch mit diesen Worten hält nun Rußland an der Re- trocession Beßarabiens entschieden fest, und es ist leider alle Aus- ficht vorhanden, daß der Congreß dem zustimmen wird, trotz des demselben zugegangenen Protestes der rumänischen Re- gierung." Herr von Bismarck kannte„Väterchen" jedenfalls nicht, als er die„feierliche Versicherung" desselben im deutschen Reichstage ernst nahm? Die liberalen und fortschrittlichen Abgeordneten wollten auch an einem Kaiserwort nicht drehn und deuteln. Und jetzt? Es lebe Bismarcks Orientpolitik! — Die(meist auf dem letzten Loch pfeifenden) Fa- brikanten, welche„ihre" sozialdemokratischen Arbeiter entlassen, werden bald merken, daß sie, von der Infamie des geübten Ge- Wissenszwangs abgesehen, sich auch einer sehr großen Dummheit schuldig machen. Wie schon wiederholt hervorgehoben ward, sind die sozialdemokratischen Arbeiter überall unter den besten, oder Vor mir liegt eine Nummer der„Times", in der fich allein 33 Inserate derartiger Institute befinden, welche sämmtlich das „obristian pmblic" um„donations"(Gaben) bitten. Fern sei es von mir, diese christliche W-rkthätigkeit irgendwie tadeln zu wollen; bemerken muß ich aber doch, daß es ein ebenso heuchlerisches wie ekelhaftes, Gebettel ist. Wenn man das so liest, wandert man sich, wie herrlich es so ein Londoner pauper(Armer) eigentlich hat— von der Wiege bis zum Grabe ist auf's Schönste für ihn gesorgt. Man möchte fast neidisch werden. Es ist wahr, daß man ihn nicht selbst gesehen haben darf. Am blühendsten aber wird dieser Menschenbeglückunqshandel mit den Kindern betrieben. Die armen kleinen„Ragged" (Zerlumpten) der großen Themsestadt sind das beliebteste und zugleich unerschöpfliche Material der augenverdrebenden„cha- rity". Das hat seine Gründe: die Erwachsenen, die haben zu- weilen ihren eigenen Willen und wenn ihnen der heuchlerische Schwindel gar zu toll wird) dann mucken sie auf. Aber die Kinder? Was will so ein armes, verlassenes Wurm thun, wenn man es an irgend einer Straßenecke aufgreift und in ein„Ke- fuge"(Asyl) schleppt? Es muß sich beglücken lassen, ob es mag oder nicht. Da gehe ich vor längerer Zeit eines schönen Morgens durch Oxford-Street. Unter den wandelnden Annoncen wie man sie da immer trifft— gemiethete Leute, die vorn und hinten mit Anzeigen behängt find— lese ich die Anzeige des„�.nnual meeting"(Jahresversammlung) der„National Refnges for bome- less and destitute children and Chichester and Arethusa train- ing ships", das an diesem Abend in Exeter Hall stattfinden werde. „Teufel auch", denke ich,„den Rummel mußt du dir mal mit ansehen." (Fortsetzung folgt.) — Ein weißer Rabe. In Schwabach erklärte ein Wirth, den man bewegen wollte, sein Lokal den Sozialisten zu ver- weigern, daß er so lange nicht darauf eingehe,„so lange das Geld der Sozialisten bei den Rentämtern und überhaupt be: allen Staatskassen angenommen wird".— Solche Wirthe sind heutzutage eine Seltenheit! — Republikanischer Bürgersinn. Vor einiger Zeit leistete ein Hamburger Bürger, David Julius Schmidt(sein Name sei der Zukunft aufbewahrt) in den„Hamburger Nach- richten" anläßlich des ihm vorgehaltenen rothen Lappens einen Artikel, dem wir die Schlußsätze entnehmen: die besten. Fabrikanten, die nicht auf dem letzten Loche pfeifen und nicht nöthig haben, einen patriotischen Bankrout vorzu- bereiten, haben darum jetzt eine vortreffliche Gelegenheit, ihr Geschäft, durch Einstellung guter Arbeiter, in die Höhe zu bringen. An verschiedenen Orten ist die Gelegenheit schon benutzt worden (z. B. in Schneeberg. Sachsen) und an anderen Orten wird das Beispiel unzweifelhaft Nachahmung finden, so daß die feigen „Gewissensmeuchler" zur Schande auch noch den Schaden haben werden. — Majestätsbeleidigung aus Roth. In der vorigen Woche wurden in Spandau ein 54 Jahre alter Schlosser, der fich bettelnd herumtrieb und nirgends ein Unterkommen finden konnte, wegen Majestätsbeleidigung verhaftet. Derselbe stellte fich selbst der Polizei und stieß dieser gegenüber noch ver- schiedene Majestätsbeleidigungen aus, offen erklärend, er sei von Magistrat zu Magistrat gegangen ohne Unterstützung zu finden und erfasse er dies als das geeignetste Mittel, um auf längere Zeit Obdach und Unterhalt zu erhalten.— Nach diesem Vorgange kann man den„Werth" der meisten Ma- jestätsbeleidigungen toxiren. — Bucher abgethan. Marx schreibt: In einer„Erklärung" vom 20. Juni erklärt Herr Lolhar Bucher, 3000 Zeilen wären erforderlich, um die in meinem Brief an die„Daily News"*1) zusammengedrängten Schiefheiten gerade zu renken. Dreißig Zeilen find mehr als genug, um den Wahr- heitswerth Bucher'scher„Berichtigungen" und„Ergänzungen" ein für allemal festzusetzen. Der Brief, worin mich Herr Bucher für den„Staatsanzeiger" zu kirren suchte, datirt vom 8. Oktober 1865. Es heißt darin u. A.:„In Betreff des Inhalts versteht es sich von selbst, daß *) Mit Bezug auf die von uns mitgetheilte Uebersetzung des Marx'schen Briefs haben wir folgende Zuschrift erhalten: Frankfurt a. M., 29. Juni 1873. An die Redaktion des„Vorwärts"! Ich erlaube mir, Ihnen anbei den Ausschnitt aus den„Dnilx ifews" zu senden, woraus das Schreiben von Marx abgedruckt ist. Hierzu veranlaßt bin ich durch Ihre Nr. 75, worin Sie einen wich- tigen Punkt der Bucher'schen Erklärung anscheinend deshalb unberührt laffen, weil Ihnen der Marx'sche Brief nicht im englischen Text vor- liegt. Ferner bewegt mich dazu die Nr. 26 der„Wage", in der es heißt:„Hat er(Bucherl seinem Londoner Exilsgenossen nur... eine Berichterstattung von London aus oder eine Mitarbeit in Berlin an- geboten? Behauptung und Gegenbehauptung sind hier schroff entgegengesetzt." Das ist keineswegs der Fall; sondern die deutschen Zeitungsredakteure, soweit ihnen die zu Gebote stehen(hierzu gehören weder Sie, noch die Redaktion der „Wage", davon bin ich überzeugt; waren zu bequem, den Marx'schen Brief in der Originalsprache zu lesen, nachdem Einer vom Fach eine Uebersetzung geliefert hatte. Ob die Uebersetzung vollkommen oder mangelhaft? Darnach scheint der deutsche Durchschnittsredakteur nicht zu fragen. Die Sache ist ordentlich bezeichnend für die deutsche Jour- nalistik.— Ueberzeugen Sie sich gefälligst, daß Marx in seinem Schrei- ben von Bucher sagt:„Er hatte die Naivetät, einen Brief an mich zu richten, in dem er mich einlud... financielle Artikel für den preußi- scheu ofstciellen„StaatSanzeiger" zu schreiben." Bon„Redaktion" kein Wort. Sehr interessant ist es, daß Bucher, welcher nach eigener Angabe den Brief in englischer Sprache gelesen, aus der falschen Uebersetzung Nutzen zu ziehen sucht: So bei der Identifikation der Jahresrente mit dem literarischen Erbe, so hier bei der Berwerihung des Uebersetzungs- fehlers„Redaktion". Für mich ist es sehr komisch, zu finden, daß kein Mensch in Deutsch- tand die Uebersetzungssehter bemerkt hätte, wen» mir nicht zufällig ein M England wohnender Freund die betr. Nummer der„Daily News" zugeschickt hätte. Mit bestem Gruß X. Unser geehrter Herr Korrespondent hat vollkommen recht, und einen Punkt hatten wir auch bereits vor Empfang seines Briefes be- richtigt. Die Sache ist: der von London rechtzeitig an uns ab- gesandte englische Text gelangte nicht in unsere Hände, so daß wir außer Stand waren, den Lesern des„Vorwärts" eine cor- recte Originalübersetzung vorzulegen, und einem deutschen Bourgeois- blatt die— von uns veröffentlichte— Uebersetzung. natürlich ohneMög- lichkeit der Controle, entlehnen mußten. Man sieht, daß die Schuld nicht uns trifft, sondern„gewisse Leute", welche an Sendungen von London nach Leipzig und umgekehrt ein ganz besonderes Interesse nehmen. Red. d.„B." „Freuen wir uns, daß in Deutschland Männer an der Spitze der Verwaltung stehen, die solchem Unwesen nunmehr ernstlich steuern wollen, freuen wir uns, daß endlich einmal energisch nachgefaßt werden soll. „Ordnung muß sein, zumal im öffentlichen Leben; laffen Sie uns also die Regierung unterstützen,— nicht mit Worten unterstützen, sondern mit der That, lassen Sie uns in Hamburg, Altona, Wandsbeck, Ottensen eine Ordnungspartei organisiren, die bereit ist, den Wächtern des Gesetzes thätig zu helfen, deren Mitglieder sich verpflichten, auch da sosort nach Kräften helfend einzuschreiten, der Rohheit zusteuern, Strolche dingfest zu machen, wo augenblicklich Polizeimann- schast nicht zur Stelle ist. „Machen wir es im Kleinen, wie Fürst Bismarck im Großen es macht; fassen wir das Uebel bej der Wurzel an; helfen wir uns selbst—, selbstredend erst dann, wenn die Be- Hörde die Constituirung eines solchen Ordnungsver- eins bewilligt hat. Helfen wir der Behörde, und wir haben eine Organisation geschaffen, die aller Orten Anklang und Nach- ahmung finden und dem deutschen Vaterlande zum Segen ge- reichen wird." Vor solchem Ausbruche der Loyalität zieht selbst der Berliner Geheimrath den Hut. — Zum Arbeiterrisico. Am 28. Juni ist in der Nähe von Schwelm(rheinisch-westphälische Grenze) ein Eisenbahn- tunnel eingestürzt, und find dadurch 27 Personen verschüttet worden. So meldet die„Barmer Zeitung". Nach der„Elber- selber Zeitung" wären nur 8 Personen getödtet worden. � und Verdrehung von Thatsachen. Die„Nationalllberale Correspondenz" und mit ihr die„Magde- burgische Zeitung", jammern darüber, daß die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", bei der man an ein reichliches Maß von Entstellung und Verdrehung von Thatsachen gewöhnt sei, neuer- dings geradezu Unglaubliches an UnWahrhaftigkeit gegen die nationalliberale Partei leiste. Wir glauben gern, daß das Ge- jammer berechtigt ist, dabei verfehlen wir aber nicht, den beiden genannten nationalliberalen Blättern und(ausgenommen die „Autographirte Berliner Correspondenz") allen ihren Schwestern zuzurufen:„Kehrt vor Eurer eigenen Thürr, dort liegt der Lügenschmutz fußhoch!" Uns gegenüber haben die national- liberalen Blätter in der letzten Zeit gleichfalls..geradezu Un- glaubliches an Unwahrha-ftigkeit" geleistet. Sie nur Ihrer wissenschaftlichen Ueberzengung folgen; jedoch wird die Rücksicht auf den Leserkreis— haute finanee— nicht auf die Redaktion, es rathsam machen, daß Sie den inue r- sten Kern nur eben für den Sachverständigen durchscheinen las- sen." Dagegen besagt die„Berichtigung" des Herrn Bacher, daß er bei„Herrn Marx anfrug, ob er die gewünschten Artikel liefern wolle, indem es auf eine objektive Behandlung ankäme. Von des Herrn Marx„eigenem wissenschaftlichen Standpunkte" steht nichts in meinem Briefe." Ferner heißt's im selbigen Brief: „Der„Staatsanzeiger" wünscht monatlich einen Bericht über die Bewegungen des Geldmarktes(und natürlich auch des Waa- renmarktes, soweit beide nicht zu trennen). Ich wurde gefragt, ob ich nicht Jemanden empfehlen könnte und erwiderte, Niemand würde das besser machen als Sie. Ich bin in Folge dessen ersucht worden, mich an Sie zu wenden." Also eröffnete Herr Bucher, nach seinen eigenen unzweideu- tigen Worten, seine„Correspondenz" mit mir auf das Gesuch von irgend Jemand. Dagegen betheuert seine„Berichtigung": „Niemand, nicht einmal der Redakteur des Staatsanzeig.", hat von dieser Correspondenz gewußt oder erfahren." Soviel über Herrn Bucber's Berichtigungsmethode. Nun � noch ein Muster von seiner Ergänzungsmethode! Mein Brief an die„Daily News" spricht nur von der „naiven" Anfrage des Herrn Bucher bei mir, verliert aber kein Wort über meine Antwort an ihn. Er jedoch, im Drang, dem i „sonderbaren Vorfall" den Charakter der Trivialität aufzustem- peln, muß mich„ergänzen" und dichtet daher„Herr Marx habe ihm geantwortet, er schreibe nicht für ein reaktionäres Blatt." Wie sollte ich dergleichen Gemeinplatz antworten auf einen Brief, dessen„innerster Kern" nicht„nur eben" durchscheint, sondern augenblendend durchblitzt in folgendem Schlußpaffus: „Der Fortschritt(er meint die liberale oder Fortschritts- Bourgeoisie) wird sich noch oft häuten, ehe er stirbt; wer also während seines Lebens noch innerhalb des Staates wirken will, der muß sich ralliiren um die Regierung." London, 27. Juni 1878. Karl Marx. — Einer unserer Redakteure erhält von einem derzeit im Rheinlande fich aufhaltenden Genossen einen Privatbrief, dem wir nachstehende Stellen entnehmen: „Ich habe mich bisher sehr wenig mit Zeitungslesen beschäf- tigen können, aber so weit ich gelesen und sonst die Stimmung sondirt habe, wozu ja bei den Leuten die ich besuchen muß in den Hotels die beste Gelegenheit ist, scheint mir der Fanatismus stark nachgelassen zu haben. Jedenfalls ist die Hetzerei nirgends so arg wie in Sachsen, speziell in Leipzig. Mir scheint, die Bourgeoisie redet sich so in Wuth, weil sie einen Sündenbock haben muß, an dem sie ihre Wuth über den äußerst schlechten Geschäftsgang kühlen kann. Kommt noch hinzu, daß sie den in den vergangenen Jahren eingesogenen Aerger gegen die Arbeiter jetzt mit bester Manier unter dem Deckmantel des Patriotismus und der Humanität in gemeinster Weise befriedigen kann. In den rheinisch-wesiphälischen Jndustriebezirken ist die Ge- schäftslage eine äußerst schlechte und wird die Stimmung sehr gegen die Regierung umschlagen, wenn diese nicht, wie sie ver- spricht, rasch Besserung schaffen kann. Die Leute greifen nach allem, was ihnen Rettung verspricht, kommt diese aber nicht, dann wehe Denen, die sie versprochen haben. Wenn die jetzige Geschäftslage noch ein halbes Jahr fortdauert,— und ich sehe bei der gewaltigen Ueberproduktion auf fast allen Gebieten keine Möglichkeit auf baldige Aenderung— so wird der nächste Winter der allerschlechteste den wir bis jetzt gehabt, und das Elend und die Bankrotte werden so groß und zahlreich wie nie zuvor. In Barmen-Elberfeld soll die Stimmung uuter den Arbeitern, trotz aller Maßregelungen sehr gut sein, wenigstens behaupten dies die gegnerischen Blätter. Wenn ich in 10—12 Tagen aus Holland zurückkehre, komme ich nach Cöln und bin ich neugierig, wie ich es dort finde. In Hamburg und Bremen war die Stimmung gut. Ich habe seit länger als 8 Tagen keinen„Vorwärts" gesehen, weiß also nicht, wie Ihr die Situation aussaßt. Gefreut hat mich, daß die„Chemnitzer Frei Presse" den Feinden zum Trotz in vergrößertem Format erscheint; dies macht sicher auf unsere Leute einen sehr guten Eindruck." — Unsere deutschen Reichshelden verschonen auf ihrem „Siegeszuge" gegen die Sozialdemokratie weder Kind noch Weib. So wird aus Lübeck berichtet,— die Bourgeoiszeitungen ge- stehen diese neueste Heldenthat selbst ein— daß die Frau unse- res Genossen Vollmar aus Dresden, die in Lübeck engagirte Schauspielerin Frau Vollmar-Nissel in der gemeinsten Weise von Lübecker Bourgeois insultirt worden ist. Der Vor- gang war folgender: Die Freimaurer hatten ein Fest und aßen und tranken zu Ehren des Weltenbaumeisters viel, sehr viel. Das Fest fand im Garten des Tivolitheaters statt. Frau Riffel fuhr mit einigen Freundinnen in einem Kahn auf der vorbei- fließenden Wackenitz. Die im Garten in einer Gruppe zusammen- stehenden Logenbrüder zischelten und deutelten, als sie die be- kannte und sehr gefeierte Schauspielerin erblickten. Da trat der muthigste dieser Helden, Kaufmann Stave, hervor und rief:„Das also ist die Person; eine Unverschämtheit, nach Lübeck zu kommen und auf unserem Tivoli aufzutreten. Ein Weib, das fich mit Politik befaßt, verdient gar keine Achtung, pfui, schämen sollte sie sich. Hinaus mit den Sozialdemokraten, ausgetilgt muß sie werden, die Brut, der Abschaum der Menschheit!" Aus die Be- merkung der Frau Vollmar, daß sie die Herren verklagen würde, entgegnete der saubere Patron:„Wir haben solche Gerichte, daß Sie gar nicht angenommen werden;" worauf Maurermeister Heidenreich bekräftigend hinzufügte:„Jawohl, wir kämpfen mit Gott, für �önig und Vaterland.— Das sind die Früchte, die aus Euren Hetzereien aussprießen, Ihr deutschen„Bieder- männer"; die beiden besoffenen Logenbrüder haben in viel ge- ringerem Maße ein wehrloses Weib insultirt, als Ihr, conser- vativcn und liberalen Zeitungsschreiber, die Ihr in der schäm- losesten Weise durch Eure Schimpfreden in den Deutschen„die Bestie entfesselt habt". — Von mehreren Organen unserer Parteipresse ist ein in der„Newyorker Bolkszeitung" veröffentlichter Brief über Nobiling abgedruckt worden, laut dessen der Attentäter des 2. Juni vor 8 Jahren französischer Polizeiagent gewesen wäre. Wir haben von dem Brief, der auch uns zugegangen ist, keine Notiz genommen, weil der Inhalt, bei genauerer Prüfung, voll- kommen unglaubwürdig erscheint und mit positiv Festgestelltem im Widerspruch steht. —„Wie der Sozialismus zu zügeln ist", sagt Gari- baldi in einem Brief(vom 21. Juni d. I.) an die zu Rom erscheinende„Capitale": „Die allgemeine Besorgniß ist heute auf die Art, den Sozia- lismus zu zügeln, gerichtet, und es scheint mir leicht, dies zu er- ' reichen: 1) Abschaffung der stehenden Heere, durch welche d'e Leute mit ungeheurem Bortheile dem Ackerbau(und �och wohl auch der Industrie. R. d. B.) zurückgegeben werden, und Auf- hören des Pauperismus. 2) Das Eisen zur Anfertigung von Pflügen und Grabscheiten und nicht mehr von Instrumenten der Zerstörung benützen. 3) Sich begnügen, für zwölf und nicht mehr für Tausende zu essen.(Wird unseren Bourgeois und anderen Leuten sehr schlecht behagen. R. d. V.) 4) Endlich internationales Schiedsgericht, um die Streitigkeiten zwischen den Nationen zu regeln, und nicht mehr menschliche Schlachtbänke. Ich schließe mit einer Bemerkung an den gegenwärtigen Congreß in Berlin, daß wenn den Sklaven nicht Gerechtigkeit widerfahren wird, wir Revolutionen predigen werden. Immer Ihr Giuseppe Garibaldi." Vor einigen Tagen wurde Garibaldi von unserer liberal- reaktionären Presse gelobt, weil er in einem Brief über das Attentat ein günstiges Urtheil über den deutschen Kaiser und das deussche Kaiserreich hatte einfließen lassen. Wir fürchten, mit dieser neuesten Epistel wird er bei unseren Reichsfreunden weniger Glück haben. — Von belgischen und italienischen Sozialisten find uns nachträglich„Adressen" für den Gothaer Congreß zuge- gangen, die wir in nächster Nummer veröffentlichen werden. — Der Rath des internationalen Arbeiterverband es in London hat einsttmmig folgende Resolution beschlossen:„Der Rath bedient sich der ersten Gelegenheit, um seine entschiedene Mißbilligung über die jüngsten Versuche zur Ermordung des deutschen Kaisers auszudrücken, aber zu gleicher Zeit protestirt er ausdrücklich gegen oen schändlichen Versuch, dergleichen Hand- lungen mit dem Sozialismus in Verbindung zu bringen, der eine wesentlich humanisirende, dem Meuchelmorde ganz entgegen- gesetzte Doktrin lehrt." — Mit dem Possstempel Egeln erhalten wir nachstehenden Brief, den wir, da es dem Briefschreiber gewiß nur angenehm sein kann, seilte sozialistenfeindliche Gesinnung veröffentlicht zu sehen, hiermit zum Abdruck gelangen lassen: „Wolmirsleben, den 30. Juni. An die Redaktion des„Vorwärts in Leipzig! Auf der hiesigen Postanstalt ist ohne mein Wissen und meinen Willen für mich durch meine Frau auf den„Vorwärts" abonnirt worden, welchen ich wegen seiner staats- und reichs feindlichen Tendenz nicht mehr zu lesen gewillt bin und der auch in meinem Hause nicht gelesen werden soll. Hiermit ersuche ich die Redaktion, den für mich bestellten „Vorwärts" nicht mehr hierher zu senden, da ich auf keinen Fall denselben annehmen werde, sondern auf Ihre Kosten wieder nach dort zurücksenden werde. Auf die Rückerstattung des Abonnementsgeldes verzichte ich. Es zeichnet A. Meier." Bei dieser Gelegenheit mag wiederum constatirt werden, daß die Frauen vielfach mehr Muth zeigen, als ihre Männer. — An die Redaktion des„Vorwärts" in Leipzig. Da es eine Schande für die ganze deutsche Industrie ist, Arbeiter ihrer politischen Gesinnung wegen brodlos zu machen, so wäre es sehr am Platze, im„Vorwärts" eine Liste derjenigen Firmen auszu- stellen, welche Arbeiter aus obigem Grunde entlassen haben, um solchen meine nicht unbedeutenden Aufträge eventuell eb'nfalls entziehen zu können. Achtungsvollst P. B. P. In der Erwartung, daß die Leser des„Vorwärts" die uns ihnen bekannten Firmen der Gewissensmeuchler mittheilen werden, erklären wir uns bereit, dem Wunsche unseres Correspondenten, eines namhaften Geschäftsmannes, dessen Beispiel wohl Nach- ahmung finden dürste, durch baldige Ausstellung einer Liste nach zukommen. Unsere Gegner werden sich bald überzeugen, daß auch bei diesem Spiel Zweie spielen und das Spiel ver- loren werden kann. R. d.„V." — Die„Magdeburger Freie Presse" erscheint seit dem 1. Juli in erheblich vergrößertem Format. Wirkung der Sozia- lsstenhetze! — Da die Wahllisten gegenwärtig fast überall in Deutsch- land ausliegen, so versäume kein Wähler, sich davon zu über- zeugen, ob er in denselben eingetragen ist, da er von der Wahl ausgeschlossen bleibt, wenn sein Name nicht in den Listen steht. — Vom Kriegsschauplatze. In Barmen ist eine Wähler- Versammlung aufgelöst worden, weil in der Versammlung mehrere jüngere Männer anwesend seien. Diese polizeiliche Handlung war ungesetzlich, weil nach dem preußischen Gesetz die Auf- lösung erst erfolgen konnte, wenn auf Aufforderung des Polizei- commissars die nicht in die Versammlung gehörenden Elemente durch den Vorsitzenden nicht entfernt worden wären. Der Polizei- commissarius würde gut thun, wenn er seine Nase in das Gesetzbuch steckte.— Unser verhaftete Genssse Körner zu Berlin ist wieder entlassen worden; er war der bekannten„geheimen Verbindung" angeklagt; auch Genosse Milke ist aus der Unter- suchung entlassen, doch„verbüßt" derselbe eine ihm schon früher zudiktirte Gefängnißstrafe von 6 Monaten.— In Frankfurt a R. sst Genosse Schäfer, Redakteur des„Volksfreund", zu 6 Mo- naten Gefängniß wegen Beleidigung des Würzburger Militär- gerichts und Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen ver- urtheilt worden. Correspondenzen» �aris. Das Comitö zur Vorbereitung des internationalen Arbettercongresses und zum Empfang der französischen und aus- wältigen Arbeiterdelegirten, welche die Ausstellung besuchen, bringt den constituirten Arbeitergruppen des In- und Auslandes zur Kenntniß, daß gemäß dem Beschluß des Arbettercongresses von Lyon, der internationale soziatisttsche Arbeitercongreß in Paris am 2. September beginnen und bis zum 12. September dauern wird. Die Liste der zu verhandelnden Fragen wird veröffentlicht werden. � Das Comitö besteht aus 1 Delegirten und 2 Unterdelegirten. die alle drei von den Syndikatskammern und anderen Pariser Arbeitergruppen qewähltsind, und es hat einer Person das Recht abgetreten, die Doppelfunktion des Comitö's zu verrichten. Der Sekretär des Comite's ist Corsin, Liöge social, Rue des deux Ecus 15. St. Tonis, 25. Mai. Die Arbeiterbewegung Hierselbst, ge- fördert durch gute sozialistische Zeitungen und befähigte Agita- torcn, hat in verletzten Zeit einen Aufschwung genommen, der jeden Sozialisten erfreuen muß. Am Sonntag, den 16. Mai fand ein grandiöses Arbeiterfest statt, zu welchem sich allein 8000 Personen als Zuschauer eingefunden hatten, während im Zuge, nach der arbeuerfcindlichen„Westlichen Post" über 6000 Arbeiter und Arbeiterinnen marschirten. An demselben nahmen auch 500 Miners von Bellcville Theil, und trug überhaupt das ganze Fest einen so rein proletarischen Charakter, daß die Polizei es für nöthig hielt, umfassende Vorkehrungen zu treffen, um einem be- fürdstcten Putsch durch organisirte Brigaden begegnen zu können. Die organisirte Dummheit wurde confignirt, fand aber selbstver- ständlich keine Veranlassung, mit Arbeiterblut ihre Hände und Bajonette zu röthen. An dem Zuge betheiligten sich fast alle Gewerkschaften von St. Louis. Auf mehreren sinnig geschmückten Wagen saßen in weißen Kleidern mit rothen Bändern verziert, die Frauen und Töchter braver Arbeiter, während ein anderer Wagen als Repräsentant der„Volksstimme des Westens", mit Laub bekränzt, die finnreichen Inschriften trug: „TKe Press, our Power!" und auf der andern Seite: „Die Presse ist unsere Waffe!" Auf dem Festplatze sprachen Walster, Haller, Currlin, Allen und Borell, Letzterer in böhmischer Sprache, großen Enthusias- mus hervorrufend.— Eine Collecte für die streikenden Kohlen- Miners ergab 40 Lstr. Das Fest verlief in bester Ordnung und zeigte daß der Sozialismus in St. Louis zu bedeutender Stärke gelangt ist. Aetgrad, 13. Juni. Die finanzielle Verzweiflung in Ser- bien hat den Höhepunkt erreicht und selbst die Herren Minister müssen sich die Köpfe darüber zerbrechen, was wohl zu thun sei. Und ihre Rechnung ist, versteht sich, leicht gemacht, aber es ist auch eine Rechnung ohne den Wirth. Die Minister wollen blas etwas höhere Steuer, um einerseits die bisherigen extraordinären Auslagen bestreiten zu können, anderenfalls die sich stark mehrende Bureaukratie mit Geld zu versehen. Wie bekannt, hat Serbien schon seine Beamten in Altserbien, welche regelrecht— ihren Gehalt beziehen. Das neue Land ist allgemein unfruchtbar und Serbien wird die neuen Unterthanen aus seiner Kasse ernähren müssen. Dies wird augenscheinlich nicht den nationalen Wohl- stand unseres Landes heben und als einziger Ausweg erweist sich in den Augen der Regierung die Skupschtina, die am 30. Juni (Kalender alten Styls) zu Berathungen zusammentreten wird. Es ist ein„Gesetz" ausgearbeitet, welches in einer der ersten Sitzungen vorgelegt werden wird. Es beantragt die Erhöhung der Steuern um 2° In und noch andere„Auswege", die dem armen Volke keineswegs Auswege find, sondern ueue tyrannische Gewaltstreiche, die es vollends ruiniren müssen. Ein solches „Gesetz" erftcut sich, wie vorauszusehen war, nicht der allgemeinen Beliebtheit und der Regierung ist bange um die bevorstehende Skupschttna. Wohl hat sie sich im Voraus versichert, denn sie bat zweimal die Skupschtinasesfion nicht gehalten, also hat sie letzt das Recht, mit denselben Abgeordneten nochmals zu berathen, welche ihr Beifall zollten,— dennoch aber fürchtet sie, und mit Recht, daß viele Abgeordneten ihre Gesinnungen verändern möchten, und daß die blutige Lehre des Krieges und der Opfer nicht spurlos an ihnen vorübergegangen sei. Deshalb schreitet sie zu Gewaltmaßregeln, welche einen Schrei der Entrüstung in ganz Serbien hervorbrachten. Sie ließ zwei Abgeordnete(Alapoje Rozrc und Miloje Kojicic), welche sozialistische Gesinnungen hegten, einfach aus dem Verzeichniß der Abgeordneten ausstreichen. Sie ließ deren Wahl gewaltthätig, als ungesetzlich proklamiren und am 30. Juni findet neue Wahl im Dorfe Sepencea(Kreis von Nravujedae) und Zasenstza statt. Damit aber ist dem finanziellen Nothstande des Landes nicht abgeholfen. Milosav Protis, ein Mitglied des Cassationshofes in Belgrad, welcher in Petersburg Werlte, um ein Anlehen für Serbien zu bekommen, kehrt dieser Tage zurück, aber die Un- glücksbotschaft ist ihm schon vorausgeeilt, und sie lautet: Kein Credit für Serbien! 8. Aertin, 29. Juni. In der Anklagesache wider die sozial- demokratische Arbeiterpartei Deutschlands und den Berliner so- zialdemokratischen Wahlvercin stand gestern vor dem Senat des Obertribunals Audienztermin an. Bekanntlich waren in erster Instanz unsere Genossen Derosfi zu 8, Heinsch zu 6, Geib zu 3 Wochen und Greifenberg zu 1 Monat Gefängniß verurtheilt. Das Kammergericht änderte das Urtheil dahin ab, daß gegen Derosfi auf 6 und gegen Geib auf Freisprechung zu erkennen iei, während das erstinstanzliche Urtheil gegen Heinsch und Grei- fcnberg lediglich bestätigt wurde. Das Obertribunal verwarf nun die von unfern verurtherlten Genossen eingelegte Nichtig- keitsbeschwerde gänzlich, acceptirte aber einen Punkt der ober- ttaatsanwaltlichcn Nichtigkeitsbeschwerde, wodurch das abändernde Erkenntniß des Kämmergerichts vernichtet und die Sache zur nochmaligen Verhandlung gegen Derosfi und Geib an das Ap- pellationsgericht zu Frankfurt a. O. verwiesen wurde. Diese Verweisung bedeutet wohl Wiederherstellung des erstinstanziellen Erkenntnisses gegen Geib und Derosfi. Greifenberg ist nun end- gültig zu einem Monat Gefängniß verurtheilt. Das Verfahren gegen Heinsch wurde natürlich eingestellt. KschcrskeKcn. Auch unser Städtchen ist von der„Sozialisten- Hätz" angesteckt und sucht man bei jeder Gelegenheit— wie un- passend sie auch immer sein mag— den verhaßten Sozialisten eins auszuwischen. So schloß der Herr Stadtrath Wiedig, als Vertreter des Magistrats, seine Rede bei Eröffnung der„Kunst- Gewerbe- und Landwirthschaftlichen Ausstellung" mit folgenden Worten:„Indem man die Arbeit belohne, zeige man deutlich, daß der Sozialismus, der mehr verlange, aus hirnver- brannten Ideen bestände. Deshalb werde Jeder einsttmmen in den Ruf:„Nieder mit den Sozialdemokraten!" Daß bei solchen Ausstellungen nicht die Arbeit, sondern die Aucharbeit„be- lohnt" wird, nicht der Arbeiter, sondern der Aucharbeiter (Fabrikant), dessen Arbeit gewöhnlich gleich Null ist, scheint der diede: e Stadtrath nicht zu wissen, oder will es nicht wissen. Arbeiter werden entlassen, blos weil sie nicht mehr den Schwanz der Bourgeoisie bilden wollen, weil sie eine eigene politische Überzeugung haben und der biedere„Anzeiger" schreit immer mehr nach Ausrottung der Sozialdemokraten. Neuerdings denun- zirt er die Maurer, unter denen die sozialistischen Grundsätze vauptsächlich Boden gewonnen haben sollen. Nun, man fahre nur sofort, die Folgen werden nicht ausbleiben. Unsere so wie so schon verschuldete Gemeinden werden immer mehr Steuerreste aufzuweisen haben und andererseits wird die Armenkasse immer mehr in Anspruch genommen werden, denn die auf das Straßen- Pflaster geworfenen Arbeiter können weder Steuern bezahlen, noch ihre Angehörigen ernähren. Ganz hübsche Aussichten! D. F. Irankfnrt a. d. 24. Juni. Am 13. d. Ms., Bormit- lags, hatten hier sämmtliche der Polizei bekannte Parteigenossen da? Vergnügen, von ihr einen Besuch zu erhalten; man suchte nach— Waffen(!), fand aber nirgends welche. Nachmittags wiederholte sich der Besuch, man machte Jagd auf Schriften und Correspondenzen. Es wurden bei den verschiedenen Genossen erbeutet: eine Anzahl Broschüren, etliche Parteikalender, Visiten- karten, das Mitgliederverzeichniß der Schuhmachergewerkschaft; auch drei vom Arbeitersängerbund herausgegebene Lieder wurden mitgenommen, jedoch andern Tages wieder zurückgebracht. Selbst der Schrank des Gesangvereins„Bruderkette", der in unserem Vereinslokale steht, wurde durchstöbert, vorläufig aber nichts mit- genommen, erst am 22. d. Mts. erschien abermals ein Polizei- beamter und nahm ohne jede weitere Angabe sämmtliche Lieder- bücher des genannten Vereins in Beschlag. Es ist gegen dieses Verfahren Beschwerde erhoben worden.— Auch hatten sich vier Genossen wegen einer Tellersammlung, die sie in einer Volks- Versammlung vorgenommen, vor dem Polizeirichter zu verant- Worten. Gegen das Erkennwiß, welches für Jeden auf 6 Mark oder 1 Tag Hast lautete, wird appellirt. Ich ersuche die Ge- Nossen, die den seiner Zeit gefaßten Obertribunalsbeschluß kennen, wonach die Tellersammlungen erlaubt find, mich schleunigst davon in Kenntniß zu setzen. Mit Gruß C. Blaudow, Richfftraße 77. Ztresden, 30. Juni. Unser Parteiorgan bringt heute folgendes galgenhumoristisches Redakteur- Gesuch: Für unsere, sich der wärm- sten Sympathie der arbeitenden Klassen, wie der rührendsten Aufmerksamkeit einer hohen Justiz und Polizei erstellenden Zeitung, wird zufolge der durch eine hohe Justtz angeordneten Versetzung unserer beiden Redakteure Bollmar und Pflaum auf unbestimmte Zeit in den Ruhestand—(ohne Anspruch auf Pension)— ein Redakteur gesucht. Derselbe muß besitzen außer einem warmen Herzen für's Volk, einen guten Magen zur Ver- dauung aller Polizeichikanen, einer Lunge, welche Gefängnißluft für Freiheitsluft ansieht, einer Nase, die alle Stiebereien bei Zeiten wittert— namentlich eine große Portion Mitleid mit der Geistesarmutb unserer Gegner. Besondere Berücksichtigung er- fahren Reflektanten, welche für Strafmandate und Sportelzettel einen leeren Beutel und ein Besitzthum haben, in welches der Exkutor jederzeit mit dem Erfolge:„Wo nichts ist, hat selbst der Kaiser das Recht verloren" exkuttren kann. Honorar: Die be- kannten Arbeitergroschen. Besonders Befähigte haben außerdem Anwartschaft auf baldiges steies Staatslogis mit der Mittags- karte: Mehlbrei, Linsen, Bohnen. Austretende können sich des innigsten Beileids aller Proletarier im voraus versichert halten. Duisburg, 26. Juni.(Zur Lage.) Seit dem Attentat des verrückten Dr. Nobiling auf den deutschen Kaiser hat auch hier die„Sozialistenhatz" begonnen. Der Anfang wurde von der heiligen Hermandad durch Haussuchung bei verschiedenen be- kannten Parteigenossen gemacht. Man hat aber bei diesen ge- fährlichen Menschen, obwohl man sie Morgens in aller Frühe hat überrumpeln wollen, nur einige harmlose Briefe finden kön- neu. Am schlimmsten und gemeinsten in diesem Kampfe zeigt sich die hiesige„Rhein- und Ruhrzeitung", sie benimmt sich da- bei so erbärmlich dumm und inconsequent, daß sie sich in ein und derselben Nummer zwanzigmal widerspricht. Die hiesige ultramontane„Bolks�eitung" macht sich daher manchmal das Vergnügen, der„Rhein- und Ruhrzeitung" gehörig den Pelz zu waschen. Aber der Schmutz ist zu tief eingedrungen. Diesem sauberen Burschen, der„Rhein- und Ruhrzeitung", haben sich in jüngster Zeit noch einige Patrone, früher Parteigenossen, zu- gesellt. Ein Herr Heferich, ehemaliger Expedient der„Rhein. Freien Zeitung" hat nämlich unter seinem Namen eine Broschüre herausgegeben, betitelt:„Die Ausbeutung des arbeitenden Volkes durch die Sozialdemokratie". Zu dieser Broschüre hat er nicht eine einzige Zeile geschrieben, denn dazu ist er zu unfähig, er ist nur das Spielzeug hiesiger Liberalen und lutherischer Pfaffen. Der Andere, Herr Kreienberg, ein verunglückter Poet, hat sich auch zu solch trauriger Rolle hergegeben, obgleich er einige Wochen vorher noch mit aller Macht für die Sozialdemokratie eintrat. Beide find heute Sozialdemokraten, morgen Liberale und übermorgen legen sie sich in die Arme der Brüder in Christo. Am 24. d. M. war in Düsseldorf Versammlung der Fabrikanten oder Industriellen, wie sie sich nennen, um vorzunehmende Maß- regeln gegen die Sozialdemokratie zu besprechen. Sie sollen beschlossen haben, solche Arbeiter, welche sozialistische Zeitungen lesen, Geld zu sozialistischen Zwecken geben oder gar sozialdemo- kratische Ver>ammlungen besuchen, nicht zu beschäftigen. Alle solche Verbote erreichen ihren Zweck nicht, denn den Arbeitern wird es gar nicht einfallen, sich beim Lesen sozialistischer Blätter von dem„liebenswürdigen" Arbeitgeber erwischen zu lassen. Je rücksichtsloser das Auftreten der Arbeitgeber ihren Arbeitern gegenüber wird, desto eher kommen die Letzteren zum Erkennen ihrer Klassenlage; sie werden Sozialdemokraten. Wir aber wol- len doppelt unsre Schuldigkeit thun und für Parteizwecke statt monatlich 10 Pf. das Dreifache opfern!—? StrahSurg, 25. Juni 1878. Ebenso wie die sozialistische Idee ihren Eingang ins Reichsland gefunden hat, ebenso wenig konnte es auch ausbleiben, daß man dieselbe auch hier mit Ge- walt zu unterdrücken sucht; das denkbar Möglichste, die Idee zu bekämpfen, hat die(von der Regierung unterstützte)„Straß- burger Zeitung" geleistet, indem sie sich die größte Mühe gab den besten Ton auf der Reaktions- und Sozialistenhetztrompete heraus- zu bringen, wobei es nicht ausbleiben konnte, das sie oft ins Lächerliche verfiel. Einmal trieb sie ihren Ulk sogar so weit, eine Massendeportation der Sozialisten zur Lösung der sozialen Frage, vorzuschlagen. So ist es auch selbstverständlich, daß sie verschiedene Fälle, von Sozialisten- Entlassungen ihren Lesern, als nachahmungswürdiges Beispiel vorführte. Fand aber damit im Allgemeinen keinen Anklang, abgesehen von einem reichstreuen Maschinen- Fabrikanten, Herrn Kolp, und nachstehendem Fall. „Im hiesigen Arsenal arbeitend, hörte ich bald diele und jene Alarm-Nachricht, da aber hier kein sozialdemokratischer Berein existirt, und es Niemandem an der Nase anzusehen ist, welcher Partei er angehört, glaubte ich, man würde uns nicht beikommen können. Jedoch schon wartete das Verhängniß, in Gestalt eines Dieners der Gerechtigkeit. In einer Wirthschaft wohnend, bringt der Briefträger den„Vorwärts" für mich, der Verhäng- nißvolle kommt, liest darin, und der„Vorwärts" war ver- schwunden.(?!) Ein paar Tage darauf wurde ich zum Direktor des Arsenals gerufen, gefragt, ob ich den„Vorwärts" halte, ob ich auch sozialistisch gesonnen sei u. s. w., was ich bejahte. In größter Eile wurde ich entlassen! Als ich nachher auf das Polizeiamt kam, um mich abzumelden, mußte ich ein Hochpein- liches Verhör bestehen.„Wo beziehen Sie denn die vielen Exemplare des„Vorwärts" her." Meine Antwort, daß ich nur ein Blatt durch die Post bezöge, glaubte man mir nicht eher, als bis ich mit dem Postschein den Beweis der Wahrheit führte. Die wettere Frage, ob die hiesigen Sozialisten geheime Versamm- lungen abhalten, habe ich mit dem besten Wissen nickt verrathen können. Warum? Kann sich Jeder leicht denken. Doch wurde mir auf die Antwort: daß ich davon nichts wüßte, gesagt:„das wissen wir besser." Nachdem der sehr fteundliche Kommissar noch geäußert hatte:„Nur gut, daß das Unkraut einmal heraus- kommt, Alles wird angesteckt" u. s. w., verabschiedete er mich bis zum andern Tage, wo er mir einen Gegenbesuch in meiner Wohnung abstattete, und zwar in Begleitung eines Polizei- Hauptmanns. Da ich gerade nicht zu Hause war, so machten es sich die Herren in meiner Wohnung bequem, durchsuchten Kisten und Kasten, zogen aber mit leeren Händen wieder ab. Die nächste Woche kam die ganze Werkstatt an die Reihe, ein ein Jeder wurde geftagt,„ob er Sozialist sei, worauf sich nur 3 Sattler als solche meldeten, die auch sofort entlassen wurden. Daß dieser Fall die größte Entrüstung unter den Arbeitern hervorgerufen hat, läßt sich leicht denken, und viele, die uns noch fern standen, sagten, daß sie sich dadurch zu uns hingezogen fühlten. So muß Alles was man oeaen uns unternimmt, zu unfern Gunsten umschlagen, und wir-,.rotz alledem unsere Be- wegung hier immer mehr Platz greifen. L. F. Briefkasten der Redaktion: I. S. in Fr.: Bernstein's populär-naturwissen- schastliche Bücher sind sehr empfehlenswerth. Der Politiker und der Popular-Naturwissenschaster Bernstein sind zwar eine und dieselbe Person, was aber nicht verhindert, daß der letztere recht verdienstvoll, der erstere aber durchaus nichtswürdig ist.— Herrn A. F. Italienischer Keller in Thengen a. Randen(Baden): Stellen Sie doch A. Bebel in Leipzig auf._ In dem Artikel„Aus Heuchelland" in der heuttgen Nummer wurde die Uebersetzung der englischen Worte am Schluß vergessen. Sie heißen auf deutsch: Nationale Zufluchtsstätten für heimaths- und mittellose Kinder, und die Schulschiffe(zur Erziehung von Matrosen)„Chichesier" und„Arethusa". Unterzeichneter bittet die geehrten Leser des„Vorwärts", welche Kenntniß von dem jetzigen Aufenthalt des Taschenspielers Prauqois de Blanche(Franz Weis) aus Wien haben, mir Mtthetlung hiervon zukommen zu lassen. Wien. Rixsecker III. Hauptstraße 84. Allen Denjenigen, die bis jetzt mit wir korrespondirt haben, diene hiermit zur Kenntniß, daß nach Calau keine Briefe mehr an mich zu richten sind, indem mein Aufenthalt daselbst nicht mehr ist. Besten Bruß. Zürich, 50. Juni 1878. W. Krüger. Wahlfoods. Von R. hier 0,50. St. u. I. hier 1,00. Esterhazy H. D. Kaiser-- spende 2.56. Römerstadt 1,25. I. in C. 1,00. Allgemeine Deutsche �Wiations-Suchdruckerei m Serlin. (Eingetragene Genossenschaft.) Die diesjährige Ordentliche Generalversammlung findet am Sonntag den 21. Juli, Morgens 10 Uhr, statt, und zwar in den Geschäftsränmen der Assoziatio», Berlin S.O., Kaiser Franz-Grenadier-Platz 8a, Hof 2 Treppen. Tagesordnung: 1. Jahresabrechnung; Bericht des Vorstandes; Revisionsbericht des Aufsichtsraths und Richttgsprechung der Jahresrechnung. 2. Festsetzung der Dividende und Bestimmung über den Geschäfts- gewinn. 3. Feststellung eines Etats für das neue Geschäftsjahr. 4. Anträge des Vorstandes, betreffend Aenderung der Statuten: a)§ 21 hinter den Worten: „nicht reftirt und" einzuschalten: mindestens 6 Monat Mitglied ist, dagegen den Satz vom Worte„bereits" bis zum nächsten Komma hinter dem Worte„hat" zu streichen. I»)§ 12. Die Frist zur Ausstellung der Jahresrechnung um 4 Wochen zu verlängern. v) Abänderung des ß 29 bezüglich der Publikationsorgane. 5. Antrag des Voistandes: Die Generalversammlung möge dem- selben Vollmacht erlheilen, das Geschäft unter günstigen Um- ständen verkaufen zu dürfen. 6. Wahl des Borstandes. 7. Wahl des Aufsichtsraths. Hamburg, den 1. Juli 1878. Der Aussichtsrath. I. A.: August Geib. Den Freunden und Parteigenossen zur Anzeige, »VVUlUvVl-i. daß ich auf dem Schützeuplatze während de» Schützenfestes em(1,80 RestauratiousZelt errichtet habe und halte mich mit meinen Getränken bestens empfohlen. (§167)____ Carl Fiuk aus Linden. Wir empfehlen: Dooai: Antwort an die Bekenner des TheiSmus. Mk.—.10 tillmanu: Organisation der Massen....„-.20 rinoernng an Herwegh.......—.10 Knappschaftskassenwcsen vor dem deutschen Reichstag„—.12 t teuflischer Schnaps im deutschen Reichstage...—.05 chramm: Grundzüge der Nationalökonomre..„—.25 Uorck. Die industrielle Arbeiterftage...„—.10 ____ Die Expedition des„Vorwärts". Die Neue Welt. Jllustrirtes Familienblatt. Preis vierteljährlich Mk. 1,20, in Heften(3 Wochen- nummeru enthaltend) st 30 Pfg. Bestellungen nehmen alle Postaustalten, Buchhandlungen und die Expedition der„Reuen Welt", Färb er- straffe 12/11. Leipzig entgegen.___ Die Wahlagitationsnummer ist erschienen. Dieselbe enthält: 1. Ansprache des Centralwahlcomitä, die Wahlen betreffend. 2. Zum bevorstehenden Wahlkampf. 3. Unsere Prinzipien. 4. Rückblicke auf den aufgelösten Reichstag. 5. Den Verläumdern. 6. Wahlgesetz und Wahlreglement zc. Preis für je 100 Expl. 1,50 M. ohne Porto- Versandt nur gegen baar oder Postvorschuß. Da wir erwarten, daß die Parteigenoffen aller- orts von diesen Agitationsmittel in dem jetzigen Wahlkampfe den ausgiebigsten Gebrauch machen wer den, ersuchen wir die Bestellungen rechtzeitig zn machen, damit nicht unliebsame Verzögerungen eintreten. Leipzig.__ Die Expedition des„Vorwärts".� Verantwortlicher Redakteur: JuliuS künzel in Leipzig. Redaktion und Expedition Färberstr. 12. II. in Leipzig. Druck und Verlag der GenoffenschastSbuchdruckerei in Leipzig. *ffJ Beilage des„Vorwärts". Sonntag, 7. Juli 1878. Herrn Eugen Dühring's Umwälzung des Sozialismus. Von Friedrich Engels. V. Mt den beiden vorigen Abschnitten hätten wir nun den öko- nomischen Inhalt der„neuen socialitären Gebilde" des Herrn Dühring so ziemlich erschöpft. Höchstens wäre noch zu bemerken, daß„die universelle Weite des geschichtlichen Umblicks" ihn keines- Wegs verhindert, seine Specialinteressen wahrzunehmen, auch ab- gesehen von der bekannten mäßigen Mehrkonsumtion. Da die alte Theilung der Arbeit in der Sozialität fortbesteht, wird die wiederspiegelten, erhalten damit gesellschaftliche Attribute, werden Repräsentanten geschichtlicher Mächte*). Auf einer noch weiteren Entwicklungsstufe werden sämmtliche natürlichen und gesellschaft- lichen Attribute der vielen Götter auf Einen allmächtigen Gott übertragen, der selbst wieder nur der Reflex des abstrakten Men- sehen ist. So entstand der Monotheismus, der geschichtlich das letzte Produkt der späteren griechischen Vulgärphilosophie war und im jüdischen ausschließlichen Nationalgott Jahve seine Ver- körperung fertig vorfand. In dieser bequemen, handlichen und Allem anpaßbaren Gestalt kann die Religion fortbestehn als un- mittelbare, d. h. gefühlsmäßige Form des Verhaltens der Men- schen zu den sie beherrschenden fremden, natürlichen und gesell- alte Theilung der Arbeit m der L-ozialitat fortbesteht, wird die ichen zu ven ste veyerrfcyenoen fremven, natürlichen unv gestil- Wirthschaftskommüne außer mit Architekten und Karrenschiebern schaftlichcn Mächten, so lange die Menschen unter der Herrschaft auch mit Literaten von Profession zu rechnen haben, wobei dann solcher Mächte stehn. Wir haben aber mehrfach gesehn, daß in der heutigen bürgerlichen Gesellschaft die Menschen von den von ihnen selbst geschaffenen ökonomischen Verhältnissen, von den von ihnen selbst produzirten Produktionsmitteln wie von einer fremden die Frage entsteht, wie es alsdann mit dem Autorrecht gehalten werden soll. Diese Frage beschäftigt Herrn Dühring mehr als jede andre. Ueberall, z. B. bei Gelegenheit von Louis Blanc und Proudhon, geräth das Autorrecht dem Leser zwischen die Macht beherrscht werden. Die thatsächliche Grundlage der reli- Beine, um endlich auf neun Seiten des Kursus des Breitern giösen Reflexaktion dauert also fort, und mit ihr der religiöse breitgetreten und in der Form einer mysteriösen„Arbettsbeloh- Reflex selbst. Und wenn auch die bürgerliche Oekonomie eine nung"— ob mit oder ohne mäßige Mehrkonsumtion, wird nicht gewisse Einsicht in den ursächlichen Zusammenhang dieser Fremd- gesagt— glücklich in den Hafen der Sozialität hinüber gerettet Herrschaft eröffnet, so ändert dies der Sache nach nichts. Die zu werden. Ein Kapitel über die Stellung der Flöhe im natür- bürgerliche Oekonomie kann weder die Krisen im Ganzen ver- lichen System der Gesellschaft wäre ebenfo angebracht gewesen hindern, noch den einzelnen Kapitalisten vor Verlusten, schlechten und jedenfalls weniger langweilig.' Schulden und Bankerott, oder den einzelnen Arbeiter vor Arbeits- Ucber die Staatsordnung der Zukunft gibt die„Philosophie" losigkeit und Elend schützen. Es heißt noch immer: � der Mensch ausführliche Vorschriften. Hier hat Rousseau, obwohl„der ein- denkt und Gott(d.h. die Fremdherrschaft der kapitalistischen Pro- zige bedeutende Vorgänger" des Herrn Dühring. dennoch„den duktionsweise) lenkt. Die bloße Erkennwiß, und ginge sie weiter Grund nicht tief genug gelegt"; sein tieferer Nachfolger hilft dem und tiefer als die der bürgerlichen Oekonomie, genügt nicht, um gründlich ab, indem er den Rousseau aufs Alleräußerste ver- gesellschaftliche Mächte der Herrschaft der Gesellschaft zu unter- wässert und mit ebenfalls zu breiter Bettelsuppe verkochten Ab- werfen. Dazugehört vor allem eine gesellschaftliche That. Und wenn diese That vollzogen, wenn die Gesellschaft durch Besitz- crgreifung und planvolle Handhabung der gesammten Produktions- mittel sich selbst und alle ihre Mitglieder aus der Knechtung be- freit hat, in der sie gegenwärtig gehalten werden durch diese von ihnen selbst produzirten, aber ihnen als übergewalttge ftemde Macht gegenüberstehenden Produktionsmittel, wenn der Mensch also nicht mehr bloß denkt, sondern auch lenkt, dann erst ver- schwindet die letzte fremde Macht, die sich jetzt noch in der Religion ufrechthaltung des Rechts verstärkt, und aus keiner bloßen wiederspiegelt, und damit verschwindet auch die religiöse Wieder- Uebergewalt der Menge über den Einzelnen oder der Mehrheit spiegelung selbst, aus dem einfachen Grunde, weil es dann nichts über die Minderheit ein Recht abgeleitet". Mit solcher Leichtigkeit mehr wiederzuspiegeln gibt. setzt die lebendige Kraft des wirklichkeitsphilosophischen Hokus- Herr Dühring dagegen kann es nicht abwarten bis die Reli- Pokus über die unpassirbarsten Hindernisse hinweg, und" wenn gion dieses ihres natürlichen Todes verstirbt. Er verfährt Wurzel- der Leser meint, er sei hiernach nicht klüger als zuvor, so ant- haster. Er überbismarckt den Bismarck; er dekretirt verschärfte wartet ihm Herr Dühring, er möge die Sache nur ja nicht so Maigesetze, nicht bloß gegen den Katholicismus, sondern gegen leichtnehmen, denn„der geringste Fehlgriff in der Auffassung alle Religion überhaupt; er hetzt seine Zukunftsgensdarmen auf der Rolle des Gesammtwillens würde die Souverainetät des In- die Religion und verHilst ihr damit zum Märtyrerthum und zu dividuums vernichten, und diese Souverainetät ist es allein, einer verlängerten Lebensfrist. Wohin wir blicken, specifisch preu- was(!) zur Ableitung wirklicher Rechte führt". Herr Dühring ßischer Sozialismus. behandelt sein Publikum ganz wie es verdient, wenn er es zum Nachdem Herr Dühring so die Religion glücklich vernichtet, Besten hält. Er konnte sogar noch bedeutend dicker austragen;„kann nun der allein auf sich und die Natur gestellte und zur Studilsten der Wirklichkoit-jphilosophic hätten es doch nicht Erkciiiitiuß seiner Kollektivkräste gereifte Mensch kühn alle Wege gemerkt. �_ einschlagen, die ihm der Lauf der Dinge und sein eignes Wesen Die souverainetät des Individuums besteht nun wesentlich � eröffnen". Betrachten wir nun zur Abwechslung, welchen„Lauf fällen der Hegelschen Rechtsphilosophie versetzt.„Die Souverainetät des Individuums" bildet die Grundlage des Dühringschen Zu- kunftsstaats; sie soll in der Herrschaft der Majorität nicht unter- drückt werden, sondern erst recht kulminiren. Wie geht das zu? Sehr einfach.„Wenn man in allen Richwngen Ucbereinkünfte eines Jeden mit jedem Andern voraussetzt, und wenn diese Ver- träge die gegenseitige Hülseleistung gegen ungerechte Verletzungen 'stm Gegenstande haben— alsdann wird nur die Macht zur darin, daß„der Einzelne dem Staat gegenüber in absoluter der Dinge" der auf sich selbst gestellte Mensch an der Hand des Weise gezwungen wird", dieser Zwang aber sich nur insoweit Herrn Dühring kühn einschlagen kann. rechtfertigen kann, als er„wirklich der natürlichen Gerechtigkeit Der erste Lauf ver Dinge, wodurch der Mensch auf sich gestellt dient". Zu diesem Zweck wird es„Gesetzgebung und Richter- wird, ist der, geboren zu werden. Dann bleibt er für die Zeit thum" geben, aber sie„müssen bei der Gesammtheit bleiben"; der natürlichen Unmündigkeit der„natürlichen Erzieherin der K in- ferner einen Wehrbund, der sich im„Zusammenstehn im Heeres der", der Mutter anvertraut.„Diese Periode mag, wie im alten oder in einer zum innern Sicherheitsdienste gehörigen Exekutiv- � römischen Recht, bis zur Pubertät, also etwa bis zum 14. Jahre abtheilung" äustert, also auch Armee, Polizei, Gensdarmen. reichen." Nur wo ungezogene ältere Knaben das Anschn der Herr Dühring hat sich zwar schon oft als braver Preuße bewährt; � Mutter nicht gehörig respektiren, wird der väterliche Beistand, hier beweist er seine Ebenbürtigkeit mit jenem Musterpreußen, der namentlich aber die öffentlichen Erziehungsvorkehrungen diesen nach dem weiland Minister von Rochow„seinen Gensdarmen in! Mangel unschädlich machen. Mit der Pubertät tritt das Kind der Brust trägt". Diese Zukunstsgensdarmerie wird aber nicht so gefährlich sein wie die heutigen„Zarucker". Was sie auch an den! souverainen Individuum verüben möge, dieses hat immer einen Trost:„das Recht oder Unrecht, welches ihm alsdann, je nach den Umständen, von Seiten der freien Gesellschaft wieder unter„die natürliche Vormundschaft des Vaters", wenn nämlich ein solcher mit„unbestrittener wirklicher Vaterschaft" vorhanden ist; andernfalls stellt die Gemeinde einen Vormund. Wie Herr Dühring sich früher vorstellte, man könne die kapi- talistische Produktionsweise durch die gesellschaftliche ersetzen, ohne fährt, kann nie etwas Schlimmeres sein, als was auch der die Produktion selbst umzugestalten, so bildet er sich hier ein, man Naturzustand mit sich bringen würde"! Und dann, nachdem könne die modern-bürgerliche Familie von� ihrer ganzen ökonomi Herr Dühring uns noch einmal über sein unvermeidliches Autor recht hat stolpern lassen, versichert er uns, es werde in seiner Zukunftswelt eine„selbstverständlich völlig freie und allgemeine Advokatur" geben.„Die heute erdachte freie Gesellschaft" wird immer gemischter. Architekten, Karrcnschieber, Literaten, Gcnsdar- wen, und nun auch noch Advokaten! Dies„solide und kritische Gedankenreich" gleicht aufs Haar den verschiedenen Himmelreichen der verschiedenen Religionen, in denen der Gläubige immer das verklärt wiederfindet, was ihm sein irdisches Leben versüßt bat. Und Herr Dühring gehört ja dem Staat an, wo„Jeder nach seiner Fayon selig werden kann". Was wollen wir mehr? Was wir wollen mögen, ist indeß hier gleichgültig. Es kommt darauf an, was Herr Dühring will. Und dieser unterscheidet stch von Friedrich II. dadurch, daß im Dühringschen Zukunftsstaat keineswegs Jeder nach seiner Fayon selig werden kann. In der Verfassung dieses Zukunftsstaates heißt es:„In der freien Ge- schen Grundlage losreißen, ohne dadurch ihre ganze Form zu verändern. Diese Form ist für ihn so unwandelbar, daß er sogar das„alte römische Recht", wenn auch in etwas„veredelter" Ge- stalt, für die Familie in alle Ewigkeit maßgebend macht und sich eine Familie nur als„vererbende", d. h. als besitzende Einheit vorstellen kann. Die Utopisten stehen hier weit über Herrn Düh- ring. Ihnen war mit der freien Vergesellschaftung der Menschen und der Verlvandlung der häuslichen Privatarbeit in eine össcnt- liche Industrie auch die Vergesellschaftung der Jugenderziehung, und damit ein wirklich freies gegenseitiges Verhältniß der Fami- lienglieder unmittelbar gegeben. Und ferner hat bereits Marx (Kapital S. 515 u. folg.) nachgewiesen, wie„die große In- dustric mit der entscheidenden Rolle, die sie den Weibern, jungen Personen und Kindern beiderlei Geschlechts in gesellschaftlich orga- nisirten Produktionsprozessen jenseits des Hauswesens zuweist, die neue ökonomische Grundlage schafft für eine höhere Form der falschaft kann es keinen Kultus geben; denn von Jedem ihrer �awilie und des Verhältnisses beider Gefchlechter". Glieder ist die kindische Urembildunq überwunden, daß es hinter!„Jeder sozmlreformatorische Phantast, sagt Herr Dühnng, hat oder über der Natur Wesen gebe, auf die sich durch Opfer oder natürlich die seinem neuen sozialen Leben entsprechende Pädagogik Gebete wirken lasse." Ein„richtig verstandenes Sozialitätssystem in Bereitschaft." An diesen Satz gemessen, erscheint Herr Dühring hat daher... alle Zurüstungen zur geistlichen Zauberei und als„ein wahres Monstrum" unter den sozialreformatorischen mithin alle wesentlichen Bestandtheile der Kulte abzuthun". Phantasten. Die Zukunftsschule beschäftigt ihn mindestens eben- Die Religion wird verboten.' soviel wie das Autorrecht, und das will wahrhaftig viel sagen. _ Run ist alle Religion nichts andres als die phantastische! Nicht nur für die ganze„absehbare Zukunft" hat er Schulplan Wiederspiegelung. in den Köpfen der Menschen' derjenigen äußem und Universitätsplan fix und fertig, sondem auch für die lieber- Mächte, oie chr alltägliches Dasein beherrschen eine Wiederspie- gangsperiode. Beschränken wir uns indeß darauf, was der Jugend gelung, in der die irdischen Mächte die Form'von überirdischen beiderlei Geschlechts in der endgültigen Sozialität letzter Instanz annehmen. In den Anfängen der Geschichte sind es zuerst Mächte der Natur, die diese Rückspiegelung erfahren'und in die „P•*' �,-IP.., Dv.------- o erfahren und in der weiteren Entwicklung bei den verschiedenen Völkern die mannich- fachsten und buntesten Persomstkationcn durchmachen Dieser erste Prozeß ist wenigstens für die indoeuropäischen Völker durch die vergleichende Mythologie bis auf seinen Ursprung in den indischen Bedas zurückverfolgt und in seinem Fortgang bei Indern Per fern, Griechen, Römern, Germanen, und soweit'das Matena reicht, auch bei Telten, Litauern und Slaven, nachgewiesen werden.-—- auch" Material im Einzelnen beigebracht werden soll. Die allgemeine Volksschule bietet„Alles, was an sich selbst und prinzipiell für den Menschen einen Reiz haben kann", also namentlich„die Grundlagen und Hauptergebilisse aller die Welt- und Lebensansicht berührenden Wissenschaften". Sie lehrt also vor Allein Matheniathik, und zwar so, daß„der Kreis aller prin- zipiellen Begriffe und Mittel" vom einfachen Zählen und Addiren 'Wielen werden Aber bald treten neben den) Dieser spatere Doppelcharakter oer inonergestalten ist ein von qesellschaftliebe Möckite in Wirksamkeit W v 1 der vergleichenden Mythologie, die sich einseittg an deren Charakter als Mensche» cbcml k Machte Wirksamkeit, �achte. die den RtNexe von Nawrmächten hält, übersehener Grund der später einreißen- überstebn fi,"' unerklärlich gegen- ben Verwirrung der Mythologien. So heißt bei einigen gerinanischen herrfrfj»' J � derselben scheinbaren Naturnothwendigkeit be-. Stämmen der Kriegsgoll alttiord. Tyr. althochd. Zio, entspricht also dene.,- Naturmächt? Die Phantasiegestalten, in dem ariech. Zeus, lat. Jupiter für Diu-piter; bei andern Er, Cor, ent- stch anfangs nur die ,...nnihvollen Kräfte der Natur, spricht also dem griech. Ares, lat. Mars. bis zur Integralrechnung„vollständig durchmessen" wird. Das heißt aber nicht, daß in dieser Schule wirklich differenzirt und integrirt werden soll, im Gegentheil. Es sollen vielmehr dort ganz neue Elemente der Gefammtmathemafik gelehrt werden, die sowohl die gewöhnliche elementare, wie auch die höhere Mathe- mafik im Keime in sich enthalten. Obwohl nun Herr Dühring von sich behauptet, auch schon„den Inhalt der Lehrbücher" dieser Zukunftsschule„in seinen Hauvtzllgen schematisch vor Augen" zu haben, so hat es ihm doch leider bis jetzt nicht gelingen wollen, diese„Elemente der gesammten Mathematik" zu entdecken; und was er nicht leisten kann, das„ist auch wirklich erst von den freien und gesteigerten Kräften des neuen Gesellschaftszustandes zu erwarten". Wenn aber die Trauben der Zukunstsmathematik einstweilen noch sehr sauer sind, so wird die Astronomie, Mecha- nik und Physik der Zukunft destoweniger Schwierigkeiten machen und„den Kern aller Schulung abgeben", während„Pflanzen- und Thierkunde, mit ihrer, trotz aller Theorien, noch immer vornehmlich beschreibenden Art und Weise... mehr zur leichteren Unterhaltung" dienen werden. So stehts gedruckt, Philosophie S. 417. Herr Dühring kennt bis auf den heutigen Tag keine andre, als eine vornehmlich beschreibende Pflanzen- und Thier- künde. Die ganze organische Morphologie, die die vergleichende Anatomie, Embryologie und Paläontologie der organischen Welt umfaßt, ist ihm selbst dem Namen nach unbekannt. Während hinter feinem Rücken im Bereich der Biologie ganz neue Wissen- schaften fast zu Dutzenden entstehen, holt sein kindliches Gcmüth sich noch immer„die eminent modernen Bildungselemente der naturwissenschaftlichen Denkweise" aus Raffs Naturgeschichte für Kinder und oktroyirt diese Verfassung der organischen Welt eben- falls der ganzen„absehbaren Zukunft". Die Chemie ist, tvie ge- wöhnlich bei ihm, auch hier total vergessen worden. Für die ästhetische Seite des Unterrichts wird Herr Dühring alles neu zu schaffen haben. Die bisherige Poesie taugt dazu nicht. Wo alle Religion verboten ist, kann die bei den früheren Poeten übliche„Zurüstung mythologischer oder sonst religiöse» Art" selbstredend nicht in der Schule geduldet werden. Auch „der poetische Mysticismus, wie ihn z. B. Goethe stark gepflegt hat", ist verwerflich. Herr Dühring wird sich also selbst ent- schließen müssen, uns jene dichterische Meisterwerke zu liefern, die „den höheren Ansprüchen einer mit dem Verstände ausgeglichenen Phantasie entfprechen" und das echte Ideal darstellen, welches „die Vollendung der Welt bedeutet". Möge er nicht damit zau- dern. Wclterobernd kann die Wirthschaftskoinmüne erst wirken, sobald sie in dem mit dem Verstände ausgeglichenen Stunnschritt des Alexandriners einherwandelt. Mit der Philologie wird der heranwachsende Zukunftsbürger nicht geplagt werden.„Die todten Sprachen kommen ganz in Wegfall... die fremden lebenden Sprachen aber werden... etwas Nebensächliches bleiben". Nur wo der Verkehr unter den Völkern sich auf die Bewegung der Volksmassen selbst erstreckt, sollen sie Jedem in leichter Weise, je nach Bedürfniß, zugänglich gemacht werden.„Die wirklich bildende Sprachschulung" wird gefunden in einer Art allgemeiner Grammatik und namentlich„in Stoff und Forin der eignen Sprache".— Die nationale Bornirtheit der heutigen Menschen ist für noch viel zu kosmopolitisch für Herrn Dühring. Er will auch noch die beiden Hebel abschaffen, die in der heutigen Welt wenigstens die Gelegenheit zur Er- Hebung über den beschränkten nationalen Standpunkt bieten: die Kenntniß der alten Sprachen, die wenigstens den klassisch gebil- deten Leuten aller Völker einen gemeinsamen, erweiterten Horizont eröffnet, und die Kenntniß der neueren Sprachen, vermittelst deren die Leute der verschiedenen Nationen allein unter einander sich ver- ständigen und sich mit dem bekannt machen können, was außer- halb ihrer eignen Grenzen vorgeht. Dagegen soll die Gramma- tik der Landessprache gründlich eingepaukt werden.„Stoff und Form der eignen Sprache" sind aber nur dann verständlich, wenn man ihre Entstehung und allmählige Entwicklung verfolgt, und dies ist nicht möglich, ohne Berücksichtigung erstens ihrer eignen abgestorbenen Formen und zweitens der verwandten lebenden und todten Sprachen. Damit sind wir aber wieder auf dem ausdrücklich verbotenen Gebiet. Wenn aber hiermit Herr Dühring die ganze moderne historische Grammatik aus seinem Schulplan ausstreicht, so bleibt ihm nichts für den Sprachunterricht, als die alffränkische, ganz im Styl der alten klassischen Philologie zu- gestutzte technische Grammatik mit allen ihren, auf den Mangel an geschichtlicher Grundlage beruhenden Kasuistereien und Will- kührlichkciten. Der Haß gegen die alte Philologie bringt ihn dazu, das allerschlechteste Produkt der alten Philologie zum „Mittelpunkt der wirklich bildenden Sprachschulung" zu erheben. Man sieht klar, daß wir es mit einem Sprachgelehrten zu thun haben, der von der ganzen, seit sechzig Jahren so gewaltig und so erfolgreich entwickelten historischen Sprachforschung nie reden gehört hat, und der daher„die eminent moderne Bildungselemente" der Sprachschulung nicht sucht bei Bopp, Grimm und Diez, sondern bei Heyse und Becker seligen Andenkens. Mit allem Diesem wäre aber der angehende Zukunftsbürger noch lange nicht„auf sich selbst gestellt". Hierzu gehört wieder eine tiefere Grundlegung, vermittelst der„Aneignung der letzten philosophischen Grundlagen". Eine solche„Vertiefung wird aber ... nichts weniger als eine Riesenaufgabe bleiben", seitdem Herr Dühring hier reine Bahn gemacht hat. In der That,„säubert man das wenige strenge Wissen, dessen sich die allgemeine Schema- tik des Seins rühmen kann, von den falschen scholastischen Ver- schnörkelungen, und entschließt man sich, überall nur die" von Herrn Dühring„beglaubigte Wirklichkeit gelten zu lassen", so ist die Elementarphilosophie auch der Zukimstsjugend vollständig zugänglich gemacht.„Man erinnere sich der höchst einfachen Wendungen, mit denen wir den Unendlichkcitsbegriffen und deren Kritik zu einer bisher ungekanntcn Tragweite verholfen haben" — so ist„gar nicht abzusehen, warum die durch die gegenwärtige Verffefung und Verschärfung so einfach gestalteten Elemente der universellen Raum- und Zeitauffassung nicht schließlich in die Reihe der Vorkenntnisse übergehen sollten... die wurzelhaftesten Gedanken" des Herrn Dühring„dürfen in der universellen Bildiingssystematik der neuen Gesellschaft keine Nebenrolle spielen." Der sich selbst gleiche Zustand der Materie und die abgezählte Unzahl sind im Gegentheil dazu berufen, den Menschen„nicht nur auf eignen Füßen stehn, sondern auch aus sich selbst wissen zu lassen, daß er daß sogenannte Absolute unter den Füßen Die Volksschule der Zukunft, wie man sieht, ist nichts als eine etwas„veredelte" preußische Pennalia, auf der Griechisch und Lateinisch durch etwas mehr reine und angewandte Mathe- inatik und namentlich durch die Elemente der Wirklichkeitsphilo- j sophie ersetzt und der deutsche Unterricht wieder auf Becker selig, also etwa ins aus'�erna yerumergeoracyr wiro. isi m oer aus fv�gi ivirurtum,- uu,, jtuci. p'l'u"B iu/uuuu» n-mm.»»o That„gar nicht abzusehen", warum die nunmehr von uns auf u. s. w. Und hiermit erledigt sich Alles aufs Schönste in der allen von ihm berührten Gebieten als höchst schülerhaft nach- schönsten der Sozialitäten. Klumpfuß und Buckelchen lieben ein- gewiesenen„Kenntnisse" des Herrn Dühring oder vielmehr was ander leidenschaftlich, und bieten daher auch in ihrer Toppel- nach vvrgängiger gründlicher„Säuberung" überhaupt von ihnen seitigkeit die beste Bürgschaft für eine harmonische„Wirkung übrig bleibt, nicht sammt und sonders„schließlich in die Reihe zweiter Ordnung", es geht wie im Roman, sie lieben sich, sie der Vorkenntnisse übergehen sollten", sintemal sie diese Reihe in kriegen sich, und all die tiefere und strengere Moralität verläuft Wirklichkeit nie verlassen haben. Freilich hat Herr Dühring auch wie gewöhnlich in harmonischen Larifari. etwas davon läuten gehört, daß in der sozialistischen Gesellschaft � Welche noblen Vorstellungen Herr Dühring überhaupt vom Arbeit und Erziehung verbunden, und dadurch eine vielseitige weiblichen Geschlecht hat, ergibt sich aus folgender Anklage gegen technische Ausbildung, sowie eine praktische Grundlage für die die heutige Gesellschaft:„Tie Prostitution gilt in der auf Verkauf wissenschaftliche Erziehung gesichert werden solle; auch dieser des Menschen an den Menschen gegründeten Unterdrückungsgesell- Punkt wird daher für die Sozialität in üblicher Weise dienstbar schaft als selbstverständliche Ergänzung der Zwangsehe zu Gunsten gemacht. Da aber, wie wir sahen, die alte Arbeitstheilung in> der Männer, und es ist eine der begreiflichsten, aber auch be- der Dühring'schen Zukunftsproduktion im Wesentlichen ruhig fort- deutungsvollsten Thatsachen, daß es etwas Aehnliches besteht, so ist dieser technischen Schulbildung jede spätere prak- für die Frauen nicht geben kann." Den Dank, der Herrn tische Anwendung, jede Bedeutung für die Produktion selbst, ab- � Dühring für dies Kompliment von Seiten der Frauen zu Thcil geschnitten, sie hat eben nur einen Schulzweck: sie soll die Gvm- werden dürfte, möchte ich nicht um Alles in der Welt einheimsen. nastik ersetzen, von der unser wurzelhafter Umwälzer nichts wissen; Sollte indeß Herrn Dühring die nicht mehr ganz ungewöhnliche will. Er kann uns daher auch nur ein paar Phrasen bieten, wie z. B.:„die Jugend und das Alter arbeiten im ernsten Sinne des Worts". Wahrhaft jammervoll aber erscheint diese haltungslose und inhaltslose Kannegießerei, wenn man sie ver- gleicht mit der Stelle im Kapital, S. 508—515, wo Marx den Satz entwickelt, daß„aus dem Fabriksystem, wie man im Detail bei Robert Owen verfolgen kann, der Keim der Erziehung der Zukunft entsproß, welche für alle Kinder über einem gewissen Alter produktive Arbeit mit Unterricht und Gymnastik verbinden wird, nicht nur als eine Methode zur Steigerung der gesellschaft- lichen Produktion, sondern als die einzige Methode zur Produk- tion vollseitig entwickelter Menschen". Uebergehcn wir die Universität der Zukunft, in der die Wirk- lichkeitsphilosophie den Kern alles Wissens bilden wird, und in der neben der medizinischen auch die juristische Fakultät in voller Blüthe fortbesteht; übergehen wir auch die„speziellen Fach Einkünfteart der Schürzenstipendien gänzlich unbekannt sein? Und Herr Dühring ist doch selbst Referendar gewesen, und wohnt in Berlin, wo doch schon zu meiner Zeit, vor sechsunddreißig Iah- ren, um von den Lieutenants nicht zu reden, Referendarius sich oft genug reimte auf Schürzenstipendarius! Man gestatte uns, von unserm Gegenstand, der sicher oft trocken und trist genug war, in versöhnend- heitrer Weise Abschied zu nehmen. So lange wir die einzelnen Fragepunkte abzuhan- dein hatten, war das Urtheil gebunden durch die objektiven, un- bestreitbaren Thatsacken; es mußte nach diesen Thatsachen oft genug scharf und selbst hart ausfallen. Jetzt, wo Philosophie, Oekonomie und Sozialität hinter uns liegen, wo das Gesammt- bild des Schriftstellers vor uns steht, den wir im Einzelnen zu beurtheilen hatten, jetzt können menschliche Rücksichten in den anstalten", von denen wir btos erfahren, daß sie nur„für ein Vordergrund treten: jetzt wird es uns gestattet, manche sonst paar Gegenstände" gelten sollen. Nehmen wir an, der junge! unbegreifliche wissenschaftliche Abirrungen und Ueberhebungen zu- Zukunftsbürgcr sei nach Absolvirung aller Schulkurse endlich so- rückzuführen auf persönliche Ursachen, und unser Gesammturtheil weit„auf sich selbst gestellt", daß er sich nach einer Frau umsehen über Herrn Dühring zusammenzufassen in den Worten: Unzu- kann. Welchen Lauf der Dinge eröffnet ihm hier Herr Düh- rechnungsfähigkeit aus Größenwahn. ring? „Angesichts der Bedeutsamkeit der Fortpflanzung für Fest- Haltung, Ausmerzung und Mischung, sowie sogar für neue v«« W fW gestaltende Entwicklung von Eigenfchasten, muß man die letzten Inksefe(IU| ÖCtt wrCUJCtt Ott Vif- Wurzeln des Menschlichen oder Unmenschlichen zu einem großen Theil in der geschlechtlichen Gesellung und Auswahl und über- -sj wyunytii vwv uvtiyvt»'WVi.v vvutyw» tv»«* � nothwendig dahin, daß er zuerst die psychischen Erscheinungen,! wie sie sich bei den Menschen und den höchst organisirten Wirbel-' thieren finden, auf die niederen und immer niedrigeren Thiere überträgt; sodann bekommt auch die Pflanze ihre Seele; weiter- hin empfindet und denkt die Zelle und endlich finden sich die Uebergange bis zu den chemischen Atomen, die einander hasseni oder lieben, die sich suchen oder auseinanderfliehen... Ich habe' nichts dagegen, daß Kohlenstoffatome auch Geist haben... J allein ich weiß nicht, an was ich das erkennen soll. Es ist ein bloßes Spiel mit Worten. Wenn ich Anziehung und Abstoßung für geistige Erscheinungen, für psychische Phänomen erkläre, dann werfe ich einfach die Psyche zum Fenster hinaus... Für uns ist zweifellos die ganze Summe psychischer Erscheinun- gen an bestimmte Thiere, nicht an die Gesammtheit aller orga- nischen Wesen, ja nicht einmal an alle Thiere überhaupt ge- � knüpft, das behaupte ich ohne Anstand". Darin müssen wir dem Herrn Virchow recht geben: die sprach lich getrennten Begriffe sollen getrennt bleiben. Mit Worten darf man nicht spielen, aber man darf auch nicht verkennen, daß die psychische Empfindung von Lust und Unlust mit der chemischen An- oder Abstoßung eine gewisse Aehnlichkeit hat. Setzen wir! nur das Tüpfelchen auf das i, dann ist das eine wie das an-! dere eine gleichberechte Form derselben Natur, ein gleichverständ- !liches Prädikat desselben Subjekts. Rur wer die geistigen Bor- gänge durchaus nicht in Zusammenhang bringen will mit den übrigen Erscheinungen der Welt, nur der kann verkennen, daß! die animalischen und chemischen, die physischen und psychische» Vorgänge gemeinschaftliche Arten des großen Weltvorganges sind. Also nochmals meine Herren: die Welt ist dialektisch, sowohl einig oder einheitlich im Weien, als mannichfaltig in der Er- scheinung; alle Verschiedenheit ist graduell. Die Einigkeit, wofür Professor Nägeli streitet, geht ihm verloren, sobald er in„die Welt der Ahnung" und zur„göttlichen Allwissenheit" gelangt;! sie geht aber dem Rudolph Virchow schon verloren, wenn er nur an den Unterschied des Organischen und Unorganischen gelangt noch unleidlicher ist ihm der Zusammenhang zwischen Thier und Mensch und ganz außer der Debatte will er den Gegensatz vo» Leib und Seele halten, weil d'e Ueberbrückung„im Kopfe einet Sozialisten" die schrecklichste Verwirrung anrichten, weil sie de* Umsturz aller Professoralweisheit herbeiführen müßte. dies noch in der Sorge für oder gegen einen bestimmten Ausfall der Geburten suchen. Das Gericht über die Wüstheit und Stumpf- heit, welche in diesem Gebiet herrschen, muß praktisch einer späteren Epoche überlassen bleiben. Jedoch ist wenigstens soviel von vorn herein auch unter dem Druck der Vorurthcile begreif- lich zu machen, daß weit mehr als die Zahl, sicherlich die der icn. kenntnitz. Von I. Die V. Nachdem in solcher Weise der Professor Nägeli sich bestrebt hat, die naturwissenschaftliche Erkenntniß einzuschränken, folgt in derselben Versammlung der Professor Rudolph Virchow seinem Beispiel, um der„Freiheit der Wissenschaft im modernen Staate" Natur oder menschlichen Umsicht gelungene oder mißlungene Be- 1 noch weiter Einhalt zu thun. Seine Augen sind so empfindlich, schaffenheit der Geburten in Anschlag kommen muß. Ungeheuer daß schon das schwache Licht, was Nägeli aufgesteckt hat, ihm sind allerdings zu allen Zeiten und unter allen Rechtszuständen weh thut. der Vernichtung anHeim gegeben worden; aber die Stufenleiter„Ich möchte darthun, sagt Virchow, daß wir an dem Punkte vom Regelrechten bis zur Verzerrung in das nicht mehr Menschen- angekommen sind, wo wir uns die besondere Aufgabe stellen ähnliche hat viele Sprossen..! Wird dem Entstehen eines müssen, durch unsere Mäßigung, durch einen gewissen Ver- Menschen vorgebeugt, der doch nur ein schlechtes Erzeugniß werden zicht auf Liebhabereien und persönliche Meinungen es würde, so ist diese Thatsache offenbar ein Vortheil." Ebenso möglich zu machen, daß die günstige Stimmung der Nation, die heißt es an einer andern Stelle:„Der philosophischen Betrach- wir besitzen, nicht umschlage". tungsart kann es nicht schwer fallen, das Recht der ungebornen Was für eine miserable„Nation" daS ist, deren günstige Welt auf eine möglichst gute Komposition... zu begreifen... Stimmung sich der Herr Professor zu konserviren wünscht, wird Die Konzeption und allenfalls auch noch die Geburt bieten die den Parteigenossen kein Räthsel sein. Wir erkennen die Behäbigen Gelegenheit dar, um in dieser Beziehung eine vorbeugende oder gleich schon an ihrer Liebhaberei für die Mäßigkeit Anderer, an ausnahmsweise auch sichtende Fürsorge eintreten zu lassen." Und der Empfindlichkeit gegen alles, was ihre Verdauung beun- ferner:„Die griechische Kunst, den Menschen in Mannor zu ruhigen kann. idealisiren, wird nicht das gleiche geschichtliche Gewicht behalten„Es ist selbstverständlich, daß wir für daS, was wir als ge- können, sobald die weniger künstlerisch spielende und daher für sicherte wissenschaftliche Wahrheit betrachten, auch die vollkommene das Lebensschicksal der Millionen weit ernstere Aufgabe in die Aufnahme in den Wissensschatz der Nation verlangen müssen. Hand genommen wird, die Menschenbildung in Fleisch und Blur Das muß die Nation in sich aufnehmen, das muß sie verzehren zu vervollkommnen. Diese Art Kunst ist keine blos steinerne, und verdauen". und ihre Aesthetik betrifft nicht die Anschauung todter Formen" Der Herr Professor hat Recht: man muß unterscheiden zwi- u. f. w. schen dem, was zu offenbar ist, als daß es sich vertuschen ließe, Unser angehender Zukunftsbürger fällt aus den Wolken. Daß und zwischen dem, was den radikalen Tendenzen Vorschub leisten es sich beim Heirathen um keine bloß steinerne Kunst handelt,' kann, worauf zwar die Wissenschaft lossteuert, das sich aber doch auch nicht um die Anschauung todter Formen, das wußte er aller-„mäßigen" läßt. dings auch ohne Herrn Dühring; aber dieser hatte ihm ja versprochen,„Wir können nicht jedem Bauernjungen sagen, das ist that- er könne alle Wege einschlagen, die ihm der Lauf der Tinge und sächlich, das weiß man, und das vermuthet man".„Wir müssen sein eignes Wesen eröffnen, um ein mitempfindendes weibliches uns enthalten, in die Köpfe der Schullehrer dasjenige hereinzu- Herz sanimt dazugehörigem Körper zu finden. Keineswegs, don- tragen, was wir blos vermuthen".„Immerhin hat auch diese nert ihm jetzt die„tiefere und strengere Moralität" entgegen. Es!(Descendenz) Theorie, wenn sie konsequent durchgeführt wird, handelt sich zuerst darum, die Wüstheit und Stumpfheit abzulegen, eine ungemein bedenNiche Seite, und daß die Sozialdemokratie die auf dem Gebiet der geschlechtlichen Gesellung und Auswahl mit ihr Fühlung gewonnen habe, wird Ihnen hoffentlich nicht herrschen, und dem Recht der ungeborenen Welt auf eine möglichst entgangen sein". gute Komposition Rechnung zu tragen. Es bandelt sich für ihn Viel zu sagen ist da nicht. Man darf dem Mann nur zu- in diesem feierlichen Moment darum, die Menschenbildung in hören und man wird bald orientirt sein, wie es mit der„Frei- Fleisch und Blut zu vervollkommnen, sozusagen ein Phidias in heit der Wissenschaft im modernen Staate" beschaffen ist. Das Fleisch und Blut zu werden. Wie das anfangen? Die obigen Wissen muß natürlich von Virchow besser umgrenzt werden, wie mysteriösen Aeußerungen des Herrn Dühring geben ihm nicht die es der College Nägeli umgrenzt hat: geringste Anleitung dazu, obwohl dieser selbst sagt, es sei eine„Wir haben in dieser Umgrenzung unseres Wissens uns vor , Kunst". Sollte Herr Dühring vielleicht auch schon ein Handbuch allen Dingen zu erinnern, daß das, was man gewöhnlich die zu dieser Kunst„schematisch vor Augen" haben, ähnlich etwa wie Naturwissenschaft nennt, wie alles übrige W-ssen auf der Welt deren so mancherlei heutzutage verklebt im deutschen Buchhandel aus drei ganz verschiedenen Stücken sich zusammensetzt. Ge- umlaufen? In der That befinden wir uns hier schon nicht mehr wöhnlich unterscheidet man blos das objektive und subjektive in der Sozialität, sondern vielmehr in der Zauberflöte, nur daß Wissen; indeß wir haben noch ein gewisses Mittelstück, nämlich der behäbige Freimaurerpfaff Sarastro kaum als ein„Priester das des Glaubens, der ja auch in der Wissenschaft existirt" zweiter Klasse" gelten kann, gegenüber unserm tiefern und strengern Den feinen Unterschied, den daraufhin der Schlaumeier Moralisten. Die Proben, die jener mit seinem Liebespärchen von seinem fortschritlichen Renommä zu lieb, zwischen dem Wissenschaft' Adepten vornahm, sind ein wahres Kinderspiel gegen die Schauer- lichen und kirchlichen Glauben macht, wollen wir nicht ernst Prüfung, die Herr Dühring seinen beiden souvcramen Individuen nehmen. Aber es ist anzuerkennen, wie er die schwache Seite aufnöthigt, ehe er ihnen gestattet in den Stand der„sittlichen und seines Vorgängers scharssinnig herauswittert. Nägeli hatte fteien Ehe" zu treten. So kann es ja vorkommen, daß unser gesagt: „aus sich selbst gestellter" Zukunftstamino zwar das sogenannte„Mit den Reizbewegungen ist in der höheren Thierwelt beut- Absolute unter den Füßen hat, einer dieser Füße aber um em lich Empfindung verbunden. Wir müssen dieselbe auch den nie- paar Leitersprossen vom Regelrechten abweicht, so daß böse Zungen deren Thieren zugest-hen und wir haben keinen Grund. sie den ibn einen Klumpfuß nennen. Auch liegt es im Bereich der Mög- Pflanzen und den unorganischen Körpern abzusprechen" lichkeit, daß seine herzallerliebste Zukunftspamina auf besagtem„Vermöge seiner Zusammensetzung besitzt da« Atom verschiedene Absoluten nicht ganz grade steht, in Folge einer leichten Ver- Eigenschaften und Kräfte, es übt somit auch verschiedene Reize schiebung zu Gunsten der rechten Schulter, die der Neid sogar(Anziehungeu und Abstoßungen) auf die anderen Atome aus" für ein gelindes Buckclchen ausgibt. Was dann? Wird unser Wenn also die Moleküle etwas der Empfindung Berwandtis tieferer und strengerer Sarastro ihnen verbieten, die Kunst der spüren, so muß es Wohlbehagen sein, wenn sie der Zuneiguna Menschenvervollkommnung in Fleisch und Blut zu praktiziren, oder Abneigung folgen können" rc...„Die Moleküle der che- wird er seine„vorbeugende Fürsorge" bei der„Konzeption", oder mischen Elemente werden also gleichzeitig von mehreren quali- seine„sichtende" bei der„Geburt" geltend machen? Zehn gegen tatlv und mehreren quantitativ verschiedene Empfindungen be- Eins, die Dinge verlaufen anders; das Liebespärchen läßt Sa- wegt"....„Wir finden somit auf der niedersten und einfachsten rastro-Dühring stehn und geht zum Standesbeamten. stufe der Stofforgan,sation. die wir kennen, wesentlich die näm- Halt! ruft Herr Dühring. So war es nicht gemeint. Laßt liche Erscheinung. wie auf der höchsten Stufe... die Ber- doch mit Euch reden. Bei„den höheren, echt menschlichen Be- schiedenheit ist nur eine gradweise". weggründen der heilsamen Geschlcchtsverbindungen... ist die antwortete Virchow:„Das ist der Vorwurf den ich menschlich veredelte Gestalt der Geschlechtserregung, deren Stei- Z. B. auch Herrn Nägeli mache... Er verlangt, daß das sei- gerung sich als leidenschaftliche Liebe kundgibt, in ihrer stige Gebiet mchl blos von den Thieren auf die Pflanzen aus- Doppelseitigkeit die beste Bürgschaft für die auch in ihrem Er- gedehnt werde, sondern daß wir schcießlich sogar aus der orga- gebniß zuträgliche Verbindung... es ist nur eine Wirkung zweiter qanischen in die unorganische Natur herübergehen mit unfern Ordnung, daß aus einer an sich harmonischen Beziehung auch ein Vorstellungen über die Natur der geistigen Vorgänge... Wenn Erzeugniß von zusammenstimmendem Gepräge hervorgehe. Hier- Jemand durchaus daS geistige Geschehen in Zusammenhang mit Vermischtes. — Die Nadel der Cleopatra. Dem„Hamburger Coo respondent" wird unter dem 20. Juni aus London geschrieben' Nach einer an Stürmen und Abenteuern reichen Fahrt, die leidcl in der tückischen Bai von Biscaya uns sechs Menschenlebe» kostete, lag der stumme Zeuge einer vieltausendjährigen Gescbichti. einer versunkenen Cultur, in seinem von Rost bedeckten Eise» kleide auf dem Holzgerüste, welches nächst des neuen Emban?� ments errichtet und worauf er bei günstiger Fluth gehoben wor den war. Tag für Tag hämmerten und pochten dort nahe»r zwanzig Arbeiter und Hunderte von Leuten umstanden die Planker und Kachteten durch die Ritzen und Fugen etwas von dem gt- heimnißvollen Steine zu erspähen, der da, gleichsam wie ein ver wunschener Ritter im rostigen Eisenpanzer lag. Aber trotz all� Hämmerns und Klopfens sah man die ganze Zeit über nichts als die einförmige große, an beiden Seiten zugespitzte Eist» walze, die von den Küsten Afrikas aus Meere durchfurcht hal» und an vieler Herren Länder vorübergezogen war, ehe sie& den Ufern der Themse stille hielt und das unruhige Element vtf ließ.— Innen sah man nur die rauhen Platten dieser Wal� bis endlich heute die Decke gelüftet und der Obelisk aus sei� Kerkernacht befreit wurde. Majestätisch liegt nun die Nadel der unteren Schale des für sie gebauten Schiffes und übt selb! so auf den Beschauer eine große Wirkung, die Wirkunz des S habenen und Einfachen. Die Farbe des Steins— ein lichv Grau— ist so frisch und die eingehauene Zeichenschrift so kls und scharf, als wäre das Riesenwerk eben erst von dem Meij!» des Steinmetzers geformt worden. Wie wird wohl der ar»*' Nadel das Klima von London bekommen? Man will wohl& ihr thun, was ihre einstmalige Herrin an sich hat thun lasiö Schminke auflegen; man will der alten und doch auch so juge« lichen Dame einen modernen Anstrich geben, mit einer noch na< zu bestimmenden Oelfarbe; allein wird das Alles gegen „schlimmer Londoner Luft" helfen, die schon Manchen Mancherlei zu Grunde gerichtet hat? Ich fürchte, ich für# auch sie wird hier verdorben werden! — Eine berühmte Büchersammlung. Aus Pari« schr� man unterm 19. Juni: Für die Bibliophilen hat es seit Mens� gedenken kem Ereigniß gegeben, welches der Versteigerung� berühmten Buchersammlung des kürzlich verstorbenen Hrn. � tmn-Dchot gleichkäme. Diese Auktion versammelt täglick, � Bibltomanen aller Länder im Hotel Drouot, und noch nie � diese Leidenschaft, an der echte Gelehrsamkeit und Wissenschaft� . edhaoerel bekanntlich einen unendlich geringen An theil W# eine ähnliche Orgie gefeiert. Es mag die Angabe genügen, blos mit dem ersten Theile des Katalogs, welcher 715 Nuwi»� umfaßt, die ungeheure Summe von 857,201 Francs, erz'� wurde. Eine Handschrift aus dem 15. Jahrhundert-(RrooiiF de Norrnandie wurde einem Vertreter der Stadt Rouen. die � Gelb übrig haben muß. für 51.000 Frcs. zugeschlagen: Z andere Handschrist, la Coche ou le D�bat d'amour, von v Königin Margarethe von Navarra, dann die Cbroniques adrö?» des anciens rois et de dnca de Bourgogne wurden st j 20,000, verschiedene alte Handschriften des Roman de l» � mit 9600, 8000 und 5500, eine zweite Ausgabe der Werke Monstrelet mit 30.500 Frcs. bezahlt: daneben wären noch'' g-nde Preise zu erwähnen: Marlin Franc, Oestrit' de tortal» 21,500; Saint Graal, erstes Buch der Tafelrunde. 7600; � c-l°t du Lac 7800; Clerad.uS et Meliadice, einziges Ex-n� 19,100; Oltöttr be Safhfle, einziges Exemplar. 20.000; L funiSra'lles d Anne de Bretagne, eine Handschrist, die dem grK Conds und päter dem Kanzler d'Aguesseau gehört hat. 13$ dasselbe Werk m erner anderen Ausgabe 10.100; Firmin iV f- lateinisch-ftanzöflsches Wörterbuch nebst Grammatik, Händig, S. k» r�. �2°' Etienne Porchier, Lea troi» � Handschrift, welche dem Könige Ludwig Xl. gehört hat, Francs. Die Parifer Nationalbibliothek hat in dieser gerung 11 Werke erstanden. � Durch unS ist zu zu beziehen: Die Fmlieit. Büste in Gyps 25 Ceutimcter hoch, modellirt nach Courbet'fchen Büste Preis pro Stück m Weiß 2 Mark, in Elfenbeinton 2,50 M«»' ßonsotes(Träger) hiezu iu'chöner Ausstattung pro 5*» weiß Mk. 0,80, Cftenbeinton Mk. 1,20. Bei Bezug von 6 Stück 2ö»/o Rabatt. Versandt ohne jede AuSnat: nur gegen baar., Die Expediti'n des„BorwärtS- t d-