in Ltipii» Kliffe t d), itieitog, Sonntgi. ÄtvnacuitHlf prfid Mi ganz S�fuifdilan� 1 �icrt KV Bl. sto Ouutsl. ® tii«<#• SlbonncBicnt» k 54 M. tfi cüfn bfuil&m HvstdostalttN «t- h(T. z. n t 3. Monl-l, und auf dn> ». SRtrsi dcfonderi angenommen. Jmseratk Heelammiunae« xr» ZZetilteile IV Pf., >. Prioalangelegenheilen and Fest» pn M Bf. Vtstellunze» Nlimey an all- Poftonflaftt» und Buchhand» lungen doZ In- und Äudlandrö. Fittal» Elpcdilion-ii. >"> n--? o r l � Wo. Frau, Ionfcher, in Elm Btr, aoraerUrooine.— llJit. Herrn, lliidjche» 34» Wert— 37 Str. Philadelphia: P. Hab, 5W«ortl» Z-n Street. I. Boll, H. E. der Ctuulotte& George Str. Hobolen N. J.: F. A. Sorge, St5 WnHk- inxlon Str. Chicago:?. Lanf ermann, 74 LIxdou> ne»,«. San FranjiSco: F.Tns. 41»»'Earrell Str. London W.: Wild. Hoffmann, 37 A Pli»- cch Str. Leicerter Sh». Kentrat Grgan der Sozialdemokratie Jeutscßtands. Rr. 83. Mittwoch, 17. Juli. 1878. Ansteckende Krankheiten. Recht vernünftige Leute wollen behaupten, der Lehmann habe den Nobiling angesteckt: ohne das Hödelattentat kein Nobiling- attentat, und sie beweisen diese ihre Ansicht aus der Geschichte. Daß der Wahnsinn ansteckend wirkt, ist ja bekannt. Wenn irgend ein Wahnsinniger irgend einen absonderlichen Streich ver� übt hat, werden wir bald sehen, daß ihm Hunderte von Wahnfinnigen denselben mit größerem oder geringerem Geschick nachmachen. Aber nicht blos der Wahnsinn wirkt ansteckend, mehr noch die Dummheit— das sieht man an den 1000 Majestätsbelei- digungen, die in wenigen Tagen im deutschen Reiche verübt wurden. Und noch mehr als die Dummheit ist die Schlechtigkeit onsteckend. Wir sehen dies an dem herrschenden Denunziations- sieber, welches das deutsche Boll vergiftet, schlimmer als die Pest und die widerlichste Seuche. Den gekauften und bezahlten De- nunzianten und Spitzeln reihen sich würdig die freiwilligen an; die Denunziation wirkt eben wie eine ansteckende Krankheit. Kaum daß man gehört hat, die Sozialdemokratie soll ver- leumdet, die Arbeiter sollen noch mehr unterdrückt werden, da wachsen sie wie die Pilze aus der Erde, die eklen, giftigen Denunzianten. Und welche haarsträubenden Lügen werden über uns in Umlauf gesetzt! Sage man nicht, wir übertrieben, wenn wir aus guter Quelle mittheilen, daß man in einzelnen Gegenden über uns verbreitet, wir glichen dem leibhastigen Gottseibeiuns mit Hörnern, Schweif und Pferdefuß. Nicht selten ist es vorgekommen, daß einer von unseren be- kannten Agitatoren in einer Gesellschaft vorgestellt, plötzlich an- qercd t wurde:„Ach Gott, Sie sehen ja gerade aus wie andere Menschen." Doch nicht solche Harmlosigkeiten, die lediglich von der Dumm- heit der Belogenen Zeugniß ablegen, sind es, denen wir diese Betrachtung vorzugsweise widmen wollen, nein, es sind ernsthaste Denunziationen, die von einer Frechheit und Gemeinheit sonder Gleichen zeugen. Wir haben kürzlich noch erzählt, daß ein Lumpazius aus Halle nach der Sachsenburg gereist sei und die Namen Nobiling und Rödiger nebeneinander in's Fremdenbuch getragen habe, blos um unseren Genossen Rödiger der Mitschuld des Kaisermordes zu verdächtigen; jetzt können wir mittheilen, daß ein anderer Lumpazius, ein E. Braun aus Berlin, die Sozialdemokratie des gePlanten Massenmordes anschuldigt. Der königlichen Direktion der„Niederschlesisch- Märkischen Eisenbahn" gmg nämlich folgende Anzeige zu: „Der Wöhllöblichen Direftion beehre ich mich, nachstehende Mittheiluug zu machen. Bon dem vereinigten Wahlcomitö der nationalliberalen und Fortschrittspartei beabsichtigen einige Delegirte in Wahl- angelegenheiten in die Provinzen zu reisen, einige derselben wollen hierbei zunächst am 6. Juli Abends mit dem 11-Uhr- zuge nach Breslau fahren, nachdem das in sozialdemo- kratischen Kreisen bekannt geworden ist, hörte ich gestern, daß einige dieser Lumpen die verbrecherische Absicht haben, dem betreffenden Schnellzug irgend auf der Bahn zwischen hier und Breslau ein Hindcrniß zu bereiten, um solcher- gestalt der geplanten Agitation entgegen zu arbeiten und gleichzeitig im Sinne ihrer destruktiven Tendenzen einen seit längerer Zeit beabsichtigten Coup gegen die königliche Be- Hörde auszuführen; ich erachtete es für meine Pflicht, die verehrliche Direftion hiervon in Kenntniß zu setzen und zeichne Hochachtungsvoll Berlin, am 1. Juli 1878. E. Braun." Giebt es eine elendere Denunziation, ist ein Mörder nicht noch ein Tugendbold gegen solchen Denunzianten? Unser Breslauer Parteiorgan, die„Wahrheit", macht zu dem obigen Schriftstück nachfolgende treffliche Bemerkung: «In Folge dieser Denunziation gab die Direktion Befehl, am K. d. M., Abends, die ganze Strecke zwischen Berlin und Breslau Zenau controliren und revidiren zu lassen, und find dieser zu- nächst dadurch erhebliche Kosten erwachsen, daß sie die ganze Bahnstrecke mit doppelten Bahnwärterposten für diesen Abend �sp. Nacht versehen ließ. Daß dieser E. Braun ein neuer Henze °ver Ohm ist, könnte beinahe anzunehmen sein, da in der frag- Uchen Nacht nirgend ein Unfall vorgekommen ist und die ausgestellten ««achter auch nirgend etwas Verdächtiges wahrgenommen haben. Uder aber der mysteriöse E. Braun ist von einem Henze oder sX1„g-nasführt worden. Aber wie leicht ist es nicht möglich, Wrif« eil Individuum des Schlages Hödel- Nobiling der lanaen N� � iute Worte an irgend einer Stelle der langen Bahnstrecke einen Stein oder ein sonstiges Hinderniß auf d.e Bahnstrecke zu legen. Man stectt diesem-in Paar so- zialdemokratiiche Blatter in die Tasche und flugs ist die Sozial- demoftatie um em Verbrechen, wie es verächtlicher nicht gedacht werden kann, bereichert. Dann kann es lustia an Haus uckunaen und Verhaftungen gehen. Dann kann das Spießbürqerthum noch sichert"t�en � � � Ausnahmegesetze sind ge- So unser schlefisches Parteiorgan. Aus diesem Borfall aber «dgen d.e Parteigenossen ersehen, daß den Gegnern' �ache kein Mittel zu schlecht ist im Kampf gegen die Sonal- emokratie. Bon einem ehrlichen Kampfe kann nicht die Rede »VI- Niedertracht. Brutalität, Verleumdung kämvfen in den S" unserer Gegner. Unsere Genossen sollen aber trotzdem � Da?e? trmmphw � � ��igkeit auf Uns aber den Massenmord andichten zu wollen, wo in den Reihen unserer Gegner das düstere Gespenst des Massenmörders � 50, 100, ja 150 Exemplaren täglich!! Was Wunder, wenn bei Thomas umherjchleicht!? Uns den Massenmord andichten zu vem Mangel einer auch nur halbwegs anständigen einheimischen wollen, wo unsere Gegner den Massenmord auf den Schlacht- Presse die Pariser Blätter trotz ihres hohen Preises sogar auf feldern verherrlichen und wir erklärte Gegner aller Menschen-, dem Lande eine relativ sehr große Verbreitung haben und das schlächterei sind?! Und dies zu thun, um daraus Kapital gegen Volk immer wieder von Neuem an vergangene schönere Tage uns zu schlagen, nicht allein um uns politisch, womöglich auch gemahnt wird, und halbvernarbte Wunden wieder aufgerissen persönlich zu vernichten!?— werden. Auf dem bisher eingeschlagenen Wege wird die Regie- Wenn derartige Denunziationen, wenn solches Treiben nicht rung ihr Ziel nie erreichen; denn lieber lesen wir gar Nichts, von allen anständigen Leuten energisch bekämpft wird, wenn als daß wir uns von jenen Organen die„in den höheren Re- man den Ansteckungskrankheiten nicht allgemeiner entgegentritt, gionen" gewünschten Gedanken vordenken lassen. Nicht nur dann wird Deutschland bald einem Pfuhle gleichen, in welchem wir Sozialisten, sondern auch der größte Theil politisch Anders- alle Schlechtigkeit und Verworfenheit Aufnahme findet.— dcnkend-r, ja sogar der eingewanderten Nichtbeamten, sind der Schon jetzt hat der Name Teutschland im Auslande keinen festen Ueberzeugung, daß vor Allem nur eine absolute Preß- guten Klang, schon jetzt nennt man Deutschland nicht mehr:„das freiheit, ein freies Versammlungs- und B-reinsrecht das elsässifche Land der Dichter und der Denker", sondern:„das Land der Volk zu politischem Denken und Wirken heranziehen kann. Wo- Spitzel und der Denunzianten". mit haben wir diesen thatsächlichen Belagerungszustand, mit dem Und solche namenlose Schande bringen die sogenannten„Reichs ja„jeder dumme Junge" regieren kann, verdient?? Ein Volk, feinde" über unser Heimathland! Elsässifche Zustände. ii. Das Eldorado der Bureaukratie. Straßburg, im Juni 1878. (Schluß.) Doch wenden wir uns von der Komödie wieder zur Wirklich keit, werfen wir einen Blick auf die Gesetzgebung, so tritt uns das selbst unter dem napoleonischen Regiment stets die Prin- zipien der Demokratie hochhielt, wird sich auch durch die neuen Maßregelungen in seiner Ueberzeugung nicht erschüttern lassen. Dies ist unser Trost im Unglück! Sozialpolitische Uebersicht. — Zu den Wahlen. Auf ein Flugblatt des Deutschen Vereins wurde in Bonn als Antwort ein Flugblatt der Ultra- montanen vertheilt, in dem es am Schlüsse heißt:„Die Männer sofort ein unglücklicher Zwiespalt entgegen: das willkürliche Neben- � des Ccntrums werden wieder gewählt werden, und zwar ob das einanderbestehen deutscher und fremder Gesetzesparagraphen. Be- der Staatsregierung lieb oder leid ist, in der Voraussetzung, kanntlich hat bei uns das französische Recht Geltung, soweit es daß sie Recht und Freiheit der Staatsbürger ganz so wie bisher nicht ausdrücklich aufgehoben ist oder mit der deutschen Reichs- vertheidigen. Wenn es der Weisheit des apostolischen Stuhles gesetzgebung im Widerspruch steht. Während wir uns unter der gelingt, aus dem maigesetzlichen Labyrinth einen Ausweg zu sin- alleinigen Herrschaft des Loüe eml ganz wohl und behaglich den, so werden wir sehr, sehr dankbar dafür sein: auf unsere fühlten, finden wir uns nun nicht mehr zu Recht in dem Ragout politischen Anschauungen aber hat das nicht den geringsten Ein- von französischen und deutschen Gesetzen und Gesetzlein. Woher fluß. Eine Regierungspartei nach Art der jetzigen preußigen sollte uns auch die Belehrung werden? Von den Beamten, die„Conservativen" wird aus den katholischen Wahlbezirken niemals mit souveräner Oberhoheit auf die Laien herabschauen, natürlich j Succurs erhalten."— Herr Windthorst und Genossen können erst dann, wenn wir mit irgend einem Paragräphlein in Collision gerathen sind, dann aber auch„gründlich". Die Beamten sind ja aus Selbstzweck da, sie sind sich selbst genug und halten es daher auch unter ihrer Würde, mit nichttitulirten und studirten Leuten in privaten Verkehr zu treten. Welch' schönen, geselligen Charakter dabei das soziale Leben, besonders in Straßburg, an- genommen hat, läßt sich denken! Auf uns Elsässer macht jetzt, wie der Goethe'sche Zauberlehrling, ausrufen:„Herr, die ich rief, die Geister, werd' ich nimmer los."— Graf Herbert Bismarck eandidirt doch in Saalfeld gegen Lasker. Er läßt eine Erklärung verbreiten, die folgendermaßen lautet:„Er (Graf Herbert Bismarck) ist nicht aus eigener Initiative aufge- treten, sondern von Angehörigen dieses Bezirkes aufgestellt wor- den und sieht sich um so weniger in der Lage, seine Candidatur cinen�unwiderstehlich komischen Eindruck, wenn uns das Koterie- zurückzuziehen, als er durch deren Aufrechterhalten Zeugniß ab- und Jntriguenwesen in der Preußischen Beamtenkaste vor Augen legen will von seiner Ueberzeugung, daß nach dem letzten öffent- tritt. Das Sprüchwort:„Keine Krähe hackt der anderen die lichen Austreten des Herrn Lasker ein gedeihliches Zusammen- Augen aus", trifft hier gewiß nicht zu. Von Einzelheiten, be- wirken desselben mit der Regierung nicht zu erwarten ist. sonders von einer Charatteristik einzelner„leitender" Persönlich- Wenn Graf Herbert Bismarck trotz der Aufstellung eines andern leiten, sehen wir hier hauptsächlich aus dem Grund- ab, weil Conservativen sich nicht veranlaßt sieht, zurückzutreten, so geschieht wir die Spalten des„Vorwärts" für zu werthvoll halten, um es deshalb, weil er die Wähler des zweiten Meininger Wahl sie mit„ckronique scandaleuse" zu füllen. Es möge dies das kreises nicht darüber im Unklaren lassen will, daß er Herrn Vorrecht der„Berliner Tribüne" und ähnlicher„Ordnungs- Lasker's Einfluß auf die liberalen Fraktionen für die blätter" bleiben!— Brrr— ein anderes Bild! Entwickelung des deutschen Reiches schädlich hält; er Sogenannte Selbstverwaltung der Gemeinden ist natürlich in bekämpft keineswegs die nationalliberale Partei an sich, wohl den Augen unserer„Regenten" ein überwundener Standpunft. aber den Führer ihres linken Flügels im Parlament." Sie haben es in ihrer unergründlichen Weisheit für gut be- Es wird immer heiterer! funden, Bürgermeister und Gemeinderäthe allenthalben als nicht Aus Saalfeld wird weiter gemeldet: Ein sehr vermögender „zweckdienlich" in unfreiwilligen Ruhestand zu versetzen und uns Grundbesitzer sendet Wahlreisende in die einzelnen meiningen- dafür diverse„beliebte" Bürgermeistereiverwalter aufzuoktroyiren. schen Ortschaften und Kreise, zahlt denselben 6 Mark Tages- Wie sparsam diese Herren mit dem ihnen anvertrauten Gemeinde- diäten und außerdem— hört es ihr freien deutschen Wähler— vermögen umgehen,' siehe oben Position„Sand: 5000 Mark". 5 Reichspfennige für jede Unterschrift zu Gunsten des Grafen An Einführung einer freisinnigen Gemeindrordnung denft man Herbert Bismarck! Mit Bezug auf diese Nachricht frägt die nicht; eine solche könnte der Bureaukratie unbequem werden, und„Magdeburger Zeitung" naiv:„Ob wohl der Reichskanzler, ob „bequem regieren" war ja von jeher ihr Wahlspruch. Statt wohl sein Sohn eine Ahnung davon haben mag, daß man jede Gemeindeordnung haben wir— o Ironie!— einen•§ 10 des ihm zugeführte Stimme einen halben Nickel werth hält?"— Verwaltungsgesetzcs, also lautend:„Bei Gefahr für die öffent- j Antwort für die„Magdeburger Zeitung": Die Stimmen, welche liche Sicherheit ist der Oberpräsident ermächtigt, alle Maßregeln nationalliberalen oder conservativen Jasagern zufallen, sind nicht ungesäumt zu treffen, welche er zur Abwendung der Gefahr für einen Kupferpfennig Werth. erforderlich erachtet. Er ist insbesondere befugt, innerhalb des der Gefahr ausgesetzten Bezirks diejenigen Gewalten auszuüben,— Die„Ordnungsparteien" an der Arbeit. In Potsdam und Stettin sind nach Mittheilung der fortschritt- lichen Berliner„Volkszeitung" einige Herren, welche die Can- didaten der Fortschrittspartei in einer Versammlung der„Orb- nungsparteien" empfehlen wollten, von den„gemäßigten" Libe- ralen aus dem Saale hinausgeschmissen worden. In Stettin welche§ 9 des Gesetzes vom 9. August 1849(„Bulletin de lois" Nr. 1511) der Militärbehörde für den Fall des Belagerungs- zustandes zuweist. Von den erlassenen Verfügungen ist dem Reichskanzleramt ohne Verzug Anzeige zu machen"!— Etwaige Ausnahmegesetze, mit denen uns Wohl der nächste,_______ Reichstag beglückt, treffen uns hier daher nicht, und ruhig können verursachte die„Rausschmeißerei" unter den vereinigten(auch wir ihnen cntgegenschauen, denn seit sieben Jahren leben wir Fortschrittspartei!) Ordnungsparteien derartigen Tumult, daß bereits unter solchen. Dieser§ 1s und seine kautschukähnliche der Polizeicommissarius die Versammlung auflöste.— Ein Anwendung vergiftet unser öffentliches Lehen; eine freiheitliche Schauspiel für— Sozialdemokraten, die„Ordnungsparteien" so oder auch nur oppositionelle Aeußerung ist ein Ding der Unmög- an der Arbeit zu sehen! lichkeit geworden gegenüber der in jenem Paragraphen enthaltenen � g- Denunriation auf Hörensaqen. Der Rubm tfn%iAhinoS3r6en""tf �"'ckübrstt" durck Cimstskation�und eine geleistet zu haben, gebührt dem bekannten Maler und � Dichtung kann lede Druchchrift durch Consiskation und Akademiedircktor Piloty in München, der den 70jährigen Arzt Suspension unschädlich gemacht werden, jeder Unfertiger einer Dr Trettenbacher, welcher in vertraulichem Gespräche i" einem solchen auf s Erheblichste geschadigt werden. Durch Annoncen-, hpm Seebach gegenüber eine ylniW»,,« /Maie» . T.'" o-----,— Piioly wieoerum gc,prlltt/vivr>jr ai)araul0in eine tucicc m Berlin, vermag die Regierung aber auch Positives zu wirken:, Künstler, aber charatterlose Mensch eiligst zur Staats- Gegen eine periodisch vom Bezirksprasidium auszustellende Be- Anwaltschaft und dcnunzirte. Nach der„Frankfurter Ztg." vom scheinigung über stetiges Wohlverhalten spendet sie ihren„braven u b lautete das Urtheil gegen Tr. auf 8 Monate Festung. Kindern" die respeftabelsten Summen(z. B.„Straßburger Zei- 0 1 0 tuuq" 16,000 Mark;„Neue Mülhauscner Zeitung" über 6000— Ein vernumftiges Wort aus nationalliberalem Mark u. s. w.). Munde. Der verstorbene Twesten sprach einmal folgenden Gegenüber dieser Handlungsweise ist jedes Wort der Eni- Satz:. rustung zu schwach. Zum Glück beansprucht das elsässifche Volk„Es konnte im Augenblick die populäre Strömung dahin als aeistiqe Nahrung eine bessereKost, als sie ihr von dem offi- gehen, daß es nothwendig oder zweckmäßig sei, Alles zu be- ziöien literarischen Bureau" geboten wird. Viele dieser also willigen, was die Regierung verlangt. Aber gerade solchen Poll- gebrand'marften Blattet haben daher auch die riesige Auflage von tischen Strömungen gegenüber ist es die Pflicht politischer Männer, dafür zu sorgen, daß nicht in Augenblicken der Er- regung, nicht unter Gesichtspunkten, die mit den dauernden Ein- richtungen nichts zu thun haben, Rechte aufgegeben werden, deren Wiedererlangung später eine Frage der ernstesten Kämpfe und der gefährlichsten Zerrüttungen werden könnte." Die nationalliberalen Organe drucken den Twesten'schen Aus- spruch ab, um sich und ihren Anhängern Muth zu machen. — Die gesammte unabhängige Presse ist einstimmig in ihrem Urtheil, daß LehmanmHödel nicht aus politischen Motiven gehandelt hat, daß er auf der denkbar niedersten geistigen Stufe, fast auf der Stufe der Thierheit steht, und daß nur absolute Denkunfähigkeit oder gewissenlose Bosheit ihn mit irgend einer politischen Partei identifiziren können. Blos Zeitungen von dem Niveau der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", der(Dern- burg'schen)„Nationalzeitung", der(Braun'schen)„Tribüne", des (Hüttner-Leonhardt-Sparig'schen)„Leipziger Tageblatt" prosti- tuiren sich durch den traurigen Versuch, den zum Tod verurtheilten Halbidioten politisch zu verwerthen. Für solches Gebühren, das ja, da unser Volk allmählich wieder zur Besinnung gekommen ist, nichts Gefährliches mehr hat, giebt's blos ein einfaches: Pfui!, in das jeder anständige Mensch, welcher Partei auch immer er angehöre, einstimmen wird. — Der Staat ist gerettet. Dem in Hanau garnisoniren- den Militär ist der Besuch von 32 Wirthshäusern, in denen unser Frankfurter Parteiblatt, der„Volksfreund" aufgelegt ist, verboten worden.— Aus Würzburg wird gemeldet, daß in der Schuhmacherei des dort garnisonirenden 9. Infanterie- Regiments der Brauch eingeführt ist. daß jeder Arbeiter die von ihm gefertigte Arbeit mit einem Zeichen versehen muß. Ein Schuhmacher schrieb auf die von ihm verfertigten Stiefel:„Deut- scher Reichskrebs". Für diesen Einfall wurde der arme Teufel zu fünf Tagen Dunkelarrest verurtheilt, weil die Bezeichnung „Deutscher Reichskrebs"— nicht lachen— ein sozialistischer Aus- druck ser!!! — Der Bankrout der Firma Haase u. Sohn nimmt seinen normalen Verlauf: wie wir erfahren, haben die großen Gläubiger sich unmittelbar vor dem„Krach" glücklich salvirt, und fallen„blos" die„kleinen Leute" herein, deren Zahl sich„blos" auf etliche Tausend beläuft. Es ist die alte Geschichte pon den „Großen" und„Kleinen". Ob das Gericht Ja! dazu sagen wird? Warten wir ab.— — Ein kleiner Haase. Ungemeines Aussehen erregt in Coswig(bei Dessau) das Verschwinden eines Kaufmanns, der seit mehr als 14 Tagen verreist und bis heute nicht wieder zu- rückgekehrt ist. Derselbe stand vorzüglich mit der ländlichen Be- völkerung in Verkehr und soll eine Summe von mehr als 300,000 Mark mitgenommen haben. Einzelne Personen sollen demselben Gelder bis zur Höhe von 50,000 Mark anvertraut haben. Außer einigen werthlosen Mobilien hat der Durch- gebrannte Nichts hinterlassen. — Ein vernünftiges Urtheil. Am 17. Juni hatte Ge- nosse Schäfer in einer Volksversammlung in Oberrad(bei Frankfurt a. M.) über das Attentat gesprochen und er sollte dabei Beleidigungen gegen den deutschen Kaiser ausgestoßen haben. Der Staatsanwalt beantragte 5 Monate Gefängniß. Der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung. Die Erkenntnis- Stünde zeigen uns, wie es immer noch deutsche Richter giebt, ie Zeit und Umstände er vägen und leidenschaftslos zu urthcilen vermögen. Das Erkenntniß lautet:„Das Urtheil, welches auf Freisprechung lautete, führte aus, daß, wenn es auch zweifellos sei, daß Schäfer in dem ersten Theil seiner Rede die Person des Kaisers nicht mit derjenigen Ehrerbietung zum Gegenstand der Besprechung gemacht, welche dem Kaiser und König gebühre, so sei doch in der gebrauchten Ausdrucksweise eine Äeleidignng nicht zu erblicken; er habe erwähnt, daß das Bubenstück der Prozch Lehmann-Hödel. (Nach dem Bericht der„Vosfischen Zeitung".) Mittwoch(11. Juli) Vormittags um 9 Uhr begann vor dem königlichen Staatsgerichtshof die öffentliche Verhandlung des Prozesses wider Hödel, welcher am 11. Mai d. I. das Attentat auf den Kaiser unternommen hatte. Die Verhandlung fand in einem kleinen Saale des Erdge- schosses des königlichen Kammergerichts statt. Der ungemein be- schränkte Raum machte nur einem kleinen Theile des Publikums möglich, der Verhandlung beizuwohnen. Im Hintergrunde des Saales befand sich auf einer kleinen Erhöhung der Tisch für die Richter, den öffentlichen Ankläger und Protokollführer. Vor diesem Tische befand sich ein kleines Tischchen, welches mit einer grünen Decke überzogen war und die Bestimmung hatte, den Revolver, dessen sich Hödel bediente, Kugeln, welche dazu gehören und einige andere Gegenstände, welche bei dem Verbrecher ge- funden wurden, aufzunehmen. Vor dem Tische befand sich der Tisch für den Vertheidiger, rechts davon, hinter der Barriere jtand die Anklagebank und hinter dieser zwei Stühle für Auf- ichtsbeamte. Nunmehr folgten zwei Reihen von Stühlen und eine Bank für Zeugen, Justiz-, Exekutivbeamte und bevorzugtes Auditorium, einige 30 Plätze; der übrige Theil des Saales war hinter einer Barriöre für das Publikum zurechtgemacht und hier wiederum waren vorn 20 Stühle für die Presse bestimmt, deren Vertreter indessen genöthigt waren, schriftliche Aufzeichnungen auf den Knieen vorzunehmen, da es an jeder Schreibvorrichtung Der Angeklagte war bereits um 7 Uhr im verschlossenen Zellenwagen zum Gerichtshofe befördert worden; der Transport erfolgte ohne große Polizei- Eskorte. Hödel wurde in den Hof des Gebäudes gefahren, von wo aus er in eme für ihn besonders hergerichtete Zelle neben dem Gerichtssaal gebracht wurde. (Einige, den Kleidern nach zu den«gebildeten ständen" ge- hörige Personen suchten ihre Loyalität durch Verwünschungen und grobe Insulten des Angeklagten zu bethätigen.) Im Saale füllten sich die Plätze für die Presse schon von 8 Uhr ab; gegen 9 Uhr erschien flüchtig im Saale der Vor- sitzende, Vicepräsident des Kammergerichts v. Muhler, gleich darauf traten ein der Oberstaatsanwalt v. Luck und zwei Beamte der Criminalpolizei, der Dirigent der Criminalabtheilung Po- lizeirath Pick und Polizei- Inspektor Hofft; dieselben nahmen zur Rechten des Staatsanwalts an einer Seltenwand Platz. Der Bertheidiger Justizrath Wilke nimmt gleichfalls vor 9 Uhr seinen Platz ein., r Gleich darauf tritt der Gerichtshof in den Saal; er besteht aus dem Vorsitzenden, Kammergerichts-Bicepräfident v. Mühler, ferner aus den Kammergerichtsräthen Sello, Rath mann, Gräfe, Schaper, Ernst, v. Wulffen, v. Seydewitz, Sommer, v. Windheim. Als Gerichtsschreiver fungirt der Kammergerichts- Referendarius Schulz I. ' beiden Attentäter der Sozialdemokratie zur Last gelegt werde, und solches zurückgewiesen. In dem gebrauchten Ausdruck solle nicht eine Geringschätzung liegen, sondern nur die an sich richtige Behauptung, daß die Monarchie nicht durch die Ermordung des Inhabers beseitigt werden könne, indem die Monarchie als Pro- dukt der heutigen Gesellschaft unabhängig sei von der That ein- zelner Personen. Es liege mithin ein Vergehen gegen§ 95 nicht vor. Ebenso wenig habe der Angeklagte sich im ferneren Verlauf seiner Rede einer Aufreizung schuldig gemacht; er habe nur die Unzulässigkeit von Ausnahmsmaßregeln darthun wollen und bewiesen, daß sie nur zum Gegentheil von demjenigen führten, was man damit erreichen wolle. Ob nunAusnahme- gesetze überhaupt dem Reichstage vorgelegt und von demselben angenommen würden, sei mindestens noch zweifelhaft; jeder polittschen Partei müsse vor der Wahl frei- stehen, auf die Bedeutung derselben hinzuweisen und die etwa in Aussicht stehenden Gesetzesoorlagen zu kritisiren. Wenn der Angeklagte die Ausnahmegesetze für zwecklos halte, so befinde er sich im Einklänge mit anderen Parteien, die in dieser Beziehung ihrer Ansicht schon Ausdruck gegeben hätten. Es sei nicht anzu- nehmen, daß die Hinweisung auf die künftigen Folgen einer projektirten Gesetzgebung geeignet sei, den öffentlichen Frieden zu gefährden, verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewalt- thätigkeit aufzureizen und das um so weniger, da der Angeklagte nach den Zeugenaussagen anerkannt habe, daß die Arbeiter nach den Oberrader Vorfällen sich ruhig verhalten hätten. Aus diesem Grunde müsse Freisprechung erfolgen." — Wie der„Frankfurter Zeitung" aus Rakel(Provinz Posen) vom 11. Juli berichtet wird, hat der dortige Stations- Vorsteher die Eisenbahnbeamten darüber vernommen, welche Zeitungen dieselben mithalten, resp. lesen. Die Posibehörd: hatte auf vorherige Anfragen keinerlei Auskunft ertheilt. Was werden wir in diesem Kampfe nur noch alles erleben? — Der frühere Lehrer, jetzige Kaufmann Papst zu Halle, welcher die Namen„Hugo Rödiger"(Halle) und„0r. Nobiling" fälschlich in das Fremdenbuch der Sachsenburg eintrug, ist durch das dortige Gericht zu 150 Mark Geldbuße und Tragung sämmtlicher Kosten verurtheilt worden.— In Erwägung, daß P. durch seine steche Fälschung die Absicht bekundete, unfern Parteigenosien Rödiger in eine Hochverrathsklage zu verwickeln, erscheint diese Strafe-- sehr, sehr mild. — Am Sonnabend erreichte der Congreß zur„Lösung" der orientalischen Frage offiziell sein Ende. Verlauf und Ergebniß sind genau was erwartet werden mußte. Die„Lösung" ist schlimmer als eine„Versumpfung": es die Vorbereitung zum neuen Krieg, welcher ausbrechen wird, sobald Rußland sich stark genug glaubt, mit England um die Reste der Türkei ringen zu können. Die Zustände, welche der Congreß auf der Balkaninsel geschaffen hat, find einfach unhaltbar— nach allen Seiten hin ist die Saat der Unzufriedenheit gesäet und sie wird blutig aufgehen. England, die einzige Macht, welche auf dem Congreß, außer Rußland, eine selbstständige Politik verfolgte, hat jetzt formell das Protektorat über die Türkei übernommen, und wenn nicht inzwischen vernünftigere politische Zustände in Europa erwachsen sind, wird der nächste orientalische Krieg unfehlbar ein Duell zwischen England und Rußland sein, das allerdings zum Weltkrieg sich erweitern dürfte. Deutschland sekundirte auf dem Congreß natürlich dem„Erbfreund", der aber trotzdem ein tüch- tiges Stück der Beute von San Stefano herausgeben muhte; Oesterreich spielte wie immer die Rolle des betrügerischen Be- trogenen, und die übrigen Mächte spielten gar keine Rolle. Kurz die sogenannte Staatsweisheit der Diplomatie hat sich wieder einmal in der ganzen Glorie ihrer Unfähigkeit zum Guten ge- zeigt.- — Das Schweizerische Asylrecht für politische Flücht- linge. Die„Tagwacht" schreibt:„Noch nie, behauptete vor Schlag 9 Uhr wird der Angeklagte, zwei Polizeibeamte voran, ein dritter hinter ihm, in den Saal geführt. Der An- geklagte, eine, wie bekannt, sehr unbedeutende Erscheinung von ö Fuß 8 Zoll Größe, mit bartlosem, blassem Gesicht, dunklen Augen, braunen kurzen Haaren, trägt seine Arbeitskleidung, in welcher derselbe verhaftet wurde; er durchschreitet den 10 Schritt breiten Saal, mit frechem Blick das Publikum zu feiner Rechten musternd, höhnisch lächelnd und nachlässig den Hut in der rechten Hand schwenkend, so daß der Eindruck ein überaus wider- wärtiger ist. Der Gerichtshof tritt gleichfalls in den Saal, alle Mitglieder desselben nehmen Platz und der Vorsitzende eröffnet die Sitzung unter Feststellung der Person des Angeklagten, wie folgt:„Emil Heinrich Max Hödel, genannt Lehmann, auch Traber, am 27. Mai 1857 zu Leipzig geboren, evangelisch, settens der Ersatz- commission für dauernd unbrauchbar erklärt, ist 1870 durch Entscheidung des königlichen Polizeiamts zu Leipzig wegen Taschendiebstahls mit 10 Streichen bestraft. Haben Sie gegen diese Angaben in Betreff Ihrer Personal, en etwas zu erin- nern?" Angekl.(laut und dreist):„Nein!" Vors.:„Dann bitte ich die Anklageschrift zu verlesen." Der Gerichtshof verliest dieselbe(s. unsere vorige Nummer). Der Angeklagte hörte sitzend, den Kopf in die rechte Hand gestützt, die Verlesung an..., «A Vors.: Es ist also gegen Sie die Anklage dahin gerichtet daß Sie versucht haben, am 11. Mai d. I. Se. Majestät den Kaiser vorsätzlich zu tödten, daß Sie diesen Entschluß auch durch Handlungen, welche einen Anfang der Ausführung beabsich- tigten, aber nicht zur Vollendung gekommen, bekundeten, und daß Sie diese Handlungen mit Ueberlegung ausgeführt haben. Bekennen Sie sich demgemäß des Hochverraths schuldig? Angekl.(laut und deutlich): Nein. Nunmehr beginnt das Jnquisitorium. Da die in demselben vorkommenden Fragen sich stets auf Anklagepunkte beziehen, bezw. wirkliche Wiederholungen aus der Anklageschrift sind, so find dieselben in Nachfolgendem nur angedeutet, die Antworten des Angeklagten dagegen wörtlich mitgetheilt. Der Letztere folgt dem Verhör mit scharfem Interesse, steht nachlässig ent- weder mit über der Brust verschränkten Armen, oder die Linke in der Tasche des Beinkleides, auf den rechten Arm gelehnt, blickt höhnisch lachend auf Gerichtshof oder Publikum und giebt seine Antworten schnell in näselndem Tone mit sächsischem Accent, und in phrasenhafter Manier. Vors.: Am 24. April kamen Sie aus Leipzig hierher, zu welchem Zweck, was wollten Sie hier? Angekl.: Ich hatte gerade keinen besonderen Zweck hierher zu kommen, ich wollte über Magveburg, Hamburg nach Amerika fahren; es convenirte mir aber gerade nach Berlin zu gehen, ich wollte irgend ein Geschäft anfangen. Vors.: Besaßen Sie damals schon einen Revolver? Kurzem die„Neue Züricher Zeitung", und ihr druckten's Andere nach, sei politischen Flüchtlingen das Asyl in der Schweiz ver- weigert worden. Leider ließen sich die Beweise von früher her nicht mehr genügend zusammenstellen, dafür find wir aber im Falle, jetzt auf frischer That, mit einem Beweise aufzuwarten. »Unser Genosse Kruhl, früher Redakteur des Halberstädter sozialistischen Lokalorgans, wurde wegen einiger Preßvergehen äu 11 Monaten Gefängniß verurtheilt und entzog sich auf das lndringen von Freunden dieser Strafe dadurch, daß er sich in die Schweiz begab. Nachdem er eine Zeit lang in Zürich ver- geblich sich um Arbeit bemüht, gelang es ihm endlich in Schaff- hausen eine Stelle� zu bekommen. Kruhl, dem Niemand das Zeugniß eines anständigen, arbeitsamen und soliden Menschen verweigern kann, trat seine Stellung in Schaffhausen in voriger Woche an und bekam Logis von seinem Arbeitgeber. Nach einigen Tagen sollte er seine„Schriften" bei der Polizei abgeben und theilte nun der Polizei den Sachverhalt mit, indem er sich durch Dokumente als polittscher Flüchtling auswies.„Aha! Da kommt der Erste". Das war die erste Bemerkung, die er zu hören be- kam und woraus man schon schließen kann, daß die Polizeiherren mit Sehnsucht auf einen sozialdemokratischen Flüchtling gewartet haben, um denselben ihre„Macht" fühlen zu lassen. Item— Kruhl wurde ausgewiesen und bevor er noch im Geschäft anlangte, war schon ein Polizist beim Arbeitgeber, der diesem begreiflich zu machen hatte, daß der Aufenthalt Kruhl's in Schaff- Hausen nicht allein für den Großstaat gleichen Namens, sondern für die ganze bürgerliche Gesellschaft gefahrbringend sei. „Das Ende vom Liede war, unser lieber Kruhl mußte fort von Schaffhausen, ohne daß er sich nur hätte das Mindeste zu Schulden kommen lassen. Wir wollen nun sehen, ob auch nur eines der Blätter, die sich mit so viel Emphase dagegen gewehrt haben, daß das Asylrecht der Schweiz einem politischen Flücht- ling versagt worden sei— ob auch nur eines dieser Blätter von dieser brutalen Asylverweigerung Akt nehmen wird. „Und nun noch eine Bemerkung. Die Schweiz hat schon ver- schieden? Gattungen von Flüchtlingen bei sich aufgenommen und zwar waren es oft derartige Flüchtlingsschaften, die für ihren Unterhalt Opfer von Staat und Privaten erheischten. Die so- zialdemokratischen Flüchtlinge haben noch nie solche Opfer in Anspruch genommen— es waren meist Arbeiter, die es über- Haupt nicht verstehen, Bettelbrod zu essen. Und doch sprechen sehr verschiedene Anzeichen dafür, daß man gerade den sozial- demokratischen Flüchtlingen das Asylrecht verweigern will. Wir werden nächstens deutlicher sprechen." — In Kopenhagen(Dänemark) ist unter den Schiffs- Zimmerern der„Bereinigten Dampfschiffsgesellschaft" ein Strike ausgebrochen, weil die Gesellschaft den Lohn herabsetzte. — Die Majestätsbeleidigungsprozesse scheinen sich in dem„freien" Belgien einzubürgern. Das Urtheil gegen Ver- bauwen ist noch in frischem Gedächtniß; und jetzt erfahren wir, daß unser Genosse und Freund Paul de Witte in Gent vor die Geschworenen von Ostflandern zitirt wegen einem Artikel im „Werker", der über eine Manifestation in Gent berichtet und eine Majestätsbeleidigung enthalten soll. Die Bourgeoisie hascht in blindem Eifer nach jeder Gelegenheit, um wieder einen Wort- fährer des Sozialismus„kalt zu stellen". — Der Präsident des„Deutschen Tabak-Arbeiter Bundes" veröffentlicht im„Botschafter", dem Organ des genannten Ber- eins, folgende: Erklärung! Es ist mehrfach die Frage von Arbeitern an mich gerichtet worden, was sie thun sollen, wenn ihnen ähnliche Schriftstücke vorgelegt werden. Mein vielbewegtes kampfreiches Leben giebt eigentlich die beste Antwort darauf. So groß auch manchmal die Roth bei mir und meiner Familie war, noch niemals ließ ich mir einfallen, mich selber polittsch zu kastriren. Es läuft Angekl.: Nein. Vors.: Den haben Sie sich also erst hier in Berlin ange- schafft? Angekl.: Gewiß. Vors.: Wie lange vor dem 11. Mai? Angekl.: Zwei Tage. Vors.: Zu welchem Zweck? Angekl.: Ich wollte mich erschießen damit. Vors.: Wie waren Sie zu diesem Entschluß gekommen? Angekl.: Durch die schlechten Verhältnisse. Vors.: Sie hatten ja aber den Entschluß gefaßt, über H am- bürg nach Amerika zu gehen; es müssen also besondere Umstände eine Aenderung dieses Borhabens veranlaßt haben? Angekl.: Ja, gewiß; die 200 Mark waren alle, die ich gehabt hatte. Vors.: Also, weil das Geld zu Ende ging? Angekl.: Ich hatte keine Existenzmittel mehr, es stand mir nichts mehr zu Gebote. Vors.: Warum wollten Sie sich nun gerade„Unter den Linden" erschießen; das konnten Sie ja draußen im Thiergarten oder bei sich zu Hause machen., � Angekl.: Das thut der Selbstmörder ze nach Belieben. Der Eine erschießt sich draußen, der Andere zu Hause. Ich weiß also nicht warum, ich war ja ganz besinnungslos; ich habe nicht ab- cirkulirt, wo ich es thun iollte, hätte es mir zu Hause convenirt, so hätte ich mich zu Hause erschossen. Vors.: Die Anklage behauptet nun, Sie hätten auf Se. Ma< jestä den Kaiser geschossen, Zeugen behaupten es. Angekl.: Da kann ich nichts für; gegen falsche Zeugen ist kein Kraut gewachsen. Vors.: Wenn Sie auf sich geschossen hätten, so hätten Sie sich doch aber verwunden müssen, Sie tragen ja heute denselben Anzug, er ist unversehrt. Angekl.: Es ist auch richtig. Vors.: Wie haben Sie denn den Revolver gehalten? Angekl.: So viel mir erinnerlich ist, so.(Dabei hält An- geklagter die rechte Faust geschlossen, den Daumen nach oben vor sich.). Vors.: Es ist ja aber keine Verletzung weder an Ihrem Körper, noch an Ihrer Kleidung zu sehen, derselben, welche Sie heute tragen? Angekl. schweigt. Vors.: Sie wurden dann verfolgt, der Revolver wurdeJhnen abgenommen— der hier vorliegende Revolver—, darin waren noch zwei Läufe geladen, vier waren abgeschossen; hatten SN alle sechs Läufe geladen mit solchen Kugeln, wie sie aus den beiden geladenen Läufen herausgenommen wurden? Der Vorsitzende übergiebt dem Gerichtsdiener den Revolver, um ihn durch den Angeklagten rekognosciren zu lassen; diese nimmt die Waffe, besieht sie lächelnd, läßt knackend die Kammer rundum spielen und giebt ihn sodann lächelnd dem Diener zuru»' politisches Eunuchengefindel zwar mehr als zuviel in Deutschland umher, aber die Arbeiter sollten dieses Pack nicht vermehren. Lassen wir diese Species des Denkervolkes den gebildeten Klassen der Gesellschaft. Deutschland ist groß genug und noch giebt es Tausende von Arbeitgebern, welchen ein ehrenhafter Arbeiter, der seine Gesinnung nicht verleugnet und dabei brav seine Schuldigkeit als Arbeiter thut, lieber ist, als ein solcher, der sich hündisch jeden Fußtritt gefallen läßt, wenn nur ein Auge bezüglich seiner mangelhaften Arbeitsleistungsfähigkeit zu- gedrückt wird. F. W. Fritzsche. — Vom Kriegsschauplatze. In Gotha wurde das Wahlflugblatt confiscirt und fand in der Druckerei der„Thü- ringischen Volkszeitung" Haussuchung statt. In Waltershausen wurden etliche Austräger des Flugblattes verhaftet und nach Gotha geschafft.— Richard Fischer, Redakteur der„Berliner Freien Presse", wurde in zweiter Instanz zu sieben Monat Ge- sängniß wegen Bismarck- und Beamtenbeleidigung verurtheilt.— Der dritte Redakteur der„Halberstädter Freien Presse". Bartheine, wurde ebenfalls verhaftet.— Genosse Körner in Berlin, wegen Verdachts mit Nobiling verkehrt zu haben, verhastet, wurde entlassen und die Untersuchung eingestellt. — Tie„Schleswig-Holsteinische Volkszeitung" berichtet aus Kiel, 12. Juli: Die königl. Staatsanwaltschaft theilt uns so- eben mit, daß sie auf Grund des§ 23 Nr. 3 des Preßgesetzes die an uns adreffirte, mit der Post hier angelangte Nr. 25 des in Chicago erscheinenden„Vorbote" unterm 9. d. M. beschlagnahmt habe, und daß diese Beschlagnahme unterm 10. von der Straf- kammer des hiesigen königl. Kreisgerichts bestätigt worden ist. Welcher Artikel der genannten Zeitung zu der Beschlagnahme Veranlassung gegeben hat, ist uns nicht bekannt. — Ein Cretin. Der Direktor des Zoologischen Gartens in Berlin, Herr Bodinus, hat eine Correspondenzkarte aus Straßburg in Elsaß vom 3. Juli erhalten, welche die Redaktion unseres Berliner Parteiorgans eingesehen hat. Der Inhalt der- selben, von einer Kaufmannshand fein und zierlich geschrieben, lautet: „Geehrter Herr! Darf ich Sie im Interesse der ganzen Menschheit bitten, ein Jahr lang Ihre Schutzbefohlenen mit Sozialdemokraten zu füttern. Das einzige Universalmittel, diese Königsmörder S vertilgen. Ich finde, die Hand eines Scharfrichters ist zu ade, sich an diesen Aussätzigen zu besudeln. Die Mörder- bände durch Engelgüte zu regieren, ist verlorne Mühe. Ich hoffe, daß Sie mir Recht geben. An der Spitze aber vertilgen Sie die Herren Reichstagsabgeordneten, die an allem Elend schuld sind. Hochachtungsvoll N. N." Uebrigens, wenn es so weiter geht mit der Gehirnversumpsung in Deutschland, so werden die sozialistenfresserischen„Ordnungs- Männer" bei dem Nashorn im zoologischen Garten bald ange- langt sein, und Herr Bodinus wird andere„Schutzbefohlene" mit— Heu und Stroh zu fütter» haben. Correspoudenzen» Krankfurt a. M. Am 8. Juli hielt Hr. Sonnemann(der, in Folge der Ablehnung Holthoff'S und Anderer, bei seiner Weigerung, nochmals ein Mandat anzunehmen, nicht verharren konnte) in der Bersammlung des„demokratischen Vereins" seine Candidatenrede. Aus derselben interessirt uns besonders folgende Stelle, die wir nach dem Referat der„Frankfurter Zeitung" wiedergeben: „Was die Volkspartei angehe," bemerkte Herr Sonnemann, „so habe sie es sich zum Prinzip gemacht, diesmal nur da einen Kandidaten aufzustellen, wo eine entschieden frei- ebenso betrachtet er auch die ihm sodann vorgelegten Patronen- kugeln und nickt höhnisch lachend. Vors.: Sie hatten noch 16 Patronen, woher diese Zahl? Angekl.: Sie waren gerade übrig von dem Viertelhundert, welches ich besaß. Vors.: Hier sind die 2, welche herausgenommen worden sind, dies find die 4 Hülsen von den abgeschossenen Patronen und hier find noch 13 ganze Pattonen von denen, welche Ihnen ab- genommen find, 3 sind zu Versuchen, welche Herr Büchsenmacher Barella angestellt hat, verwendet worden.— Es ist nun von Zeugen bekundet worden, daß Sie„Unter den Linden" hinter einem Wagen stehend auf die kaiserliche Equipage gewartet haben? Angekl.: Das weiß ich nicht. Vors.: Sie sollen dann hinter dem Wagen hervortretend, den Revolver auf Se. Maj. den Kaiser gerichtet, geschossen haben? Angekl.: Ist mir nicht erinnerlich. Vors.: Haben Sie die Equipage des Kaisers gar nicht gesehen? Angekl.: Nein.(Bewegung.) Vors.: Sie sollen dann über den Fahrdamm gelaufen und ein zweites Mal geschossen haben. Angekl.: Weiß ich nicht. Vors.: Dessen erinnern Sre sich nicht? Angekl.: Nein! �.. Vors.: Sie sind dann unter der eisernen Stange durchge- drungen und weiter gelaufen und haben noch zweimal auf die Verfolger geschossen. Wissen Sie das? Angekl.: Nein! Vors.: Sie haben den Revolver dann fortgeworfen, und dieser ist von einem gewissen Zeidler aufgehoben worden. Weshalb Sie geflohen sind, können Sie uns das nicht sagen? Angekl.: Ist mir gar nicht erinnerlich. Vors.: Der Umstand, daß Sie flohen, läßt Ihre Angabe, daß sich selbst erschießen wollten, zweifelhast erscheinen. Können S.e uns darüber nicht Auskunft geben? Angekl.: Nein! ». verschiedene Aeußerungen gemacht haben, welche darauf hindeuten, daß Sie die Absicht hatten, S�Wa). zu tMen.�So erkundigten Sie sich am 27. April d. I. be, dem Buchdruckergehilfen Pötsch. den Sie in der Passage kennen gelernt hatten, und mit dem Sie dann nach den Grat- weil'schen Bierhallen gingen, und fragten: wann der Kaiser ausführe? Angekl.: Ist möglich. Vors.: Fünf Tage vor dem Attentat sollen Sie sich bei dem Schlossergesellen Krüger erkundigt haben, ob der Kaiser in einem offenen oder verdeckten Wagen spazieren fahre und welchen Weg er gewöhnlich nehme? Angekl.: Diese Personen kenne ich gar nicht und weiß auch gar nichts von der ganzen Rederei. Bors.: Am 6. Mai haben Sie bei dem Photographen Dietrich heitsfeindliche Richtung gegenüberstehe, und selbst bei guter Aussicht einem entschiedenen Fortschrittsmann oder So- zialdemokraten keinen Kandidaten gegenüberzustellen, da gemeinsame Gegner zu bekämpfen seien. So sei man in Frankreich nach dem 16. Mai verfahren. Bon einem Bündniß oder einem Kompromiß mit andern Parteien könne dabei keine Rede sein. Derartige Kompromisse mit andern Parteien seien von der Vertrauensmännerversammlung in Heilbronn ausdrücklich verworfen worden. Im Ganzen würde die Partei etwa 20 Kan- didaturen ausstellen, worunter viele in Württemberg, wo sich die besten Männer zur Annahme einer Kandidatur bereit erklärten. Hoffentlick würden die anderen freiheitlichen Parteien, der ent- schiedene Fortschritt und die Sozialdemokratie, das Beispiel der Volkspartei befolgen und diese nicht da bekämpfen, wo sie mehr Ausficht habe als jene, vielleicht blos um ihr ein Mandat ab- zujagen, während sie vieMcht in anderen Wahlkreisen dadurch die Unterstützung der Bolkspartei verlieren würden." So Herr Sonnemann über die Wahltaktik der Volkspartei andern Parteien gegenüber. Was er über dieselbe hier sagt, kann unter den obwaltenden Verhältnissen nur unsere Billigung haben. Gemäß diesem Programm hat die Bolkspartei in Nürn- berg ihre Kandidatur Kröber zurückgezogen, aber ebenso hat unsere Partei in Fürth- Erlangen die Kandidatur Löwenstein zu Gunsten Sonnemanns zurückgezogen. Stuttgart, 8. Juli. In der hiesigen conservattv-liberalen Zeitung,, Neue Zeitung", die sich im Allgemeinen ziemlich scharf gegen die Sozialdemokratie ausspricht, bringt ein nichtsozialistischer Arbeiter, Paul Hermann aus Tübingen, ein„Eingesandt", wel- ches wir hier mittheilen wollen:„Alle Mann auf den Platz!" — Unter dieser Ueberschrift bringen Sie in Beilage zu Nr. 148 Ihrer geschätzten Zeitung einen Mahnruf an das deutsche Volk, aus der Feder eines der namhaftesten schwäbischen Gelehrten. Im Hinblick auf die unparteiische Haltung Ihrer Zeitung darf ich mir doch wohl erlauben, zu jenem„patriotischen Aufschrei" einige Motte zu bemerken. Der gelehrte Herr Verfasser hat es sich viel Mühe kosten lassen, um darzulegen, in welch' großer Gefahr Staat und Gesellschaft dermalen sich befinden; wie die ganze staatliche Ordnung, in ihren Grundfesten erschüttert, dem unvermeidlichen Zerfall entgegengehen müsse, wenn nicht recht- zeittg zu demjenigen Rettungsmittel gegriffen werde, welches er als das von so Vielen gefordette und allein wirksame glaubt andeuten zu müssen. Als fichtbares Zeichen und Anfang des drohenden Unheils führt der Herr Verfasser die beiden Attentate auf den Kaiset an, für welche nur die Sozialdemokratie ver- antwortlich zu machen sei als diejenige Partei, deren frevlettsch Bestreben einzig und allein das gefahrbringende Element in sich begreife und deren Hunderttausende nichts anderes seien als „Mord- und Umsturzgesellen", welche in unerhötter Frechheit als Menschen sich betrachtet wissen und als solche fortexistiren wollen.— Diese Partei also sei es, die am empfindlichsten zu maßregeln, oder noch besser mit Stumpf und Stiel auszurotten sei. Hierzu werden gesetzliche Ausnahmebestimmungen nöthig, vor welchen man nicht zurückzuschrecken brauche, da sie ja nur die arbeitende Klasse beträfen. Diese Gesetzumorgelung sei die Arbeit des künftigen Reichstags. Darum trete an Jeden, der in„Raub und Mord" noch ein Verbrechen erblicke, die Aufgabe als Pflicht und Ehrensache heran, den Reichstag nur mit solchen Männern zu beschicken, die zu Allem, was zur völligen Unter- drückung und zum Mundtodtmachen der Unzufttedenen von der ausübenden Staatsgewalt anzuwenden für gut befunden werde, „Ja und Amen" sagen.— Das nur, meint der ehrenwerthe Herr Verfasser und die mit ihm mehr oder weniger Gesinnungs- verwandten, sei das Mittel, dessen Anwendung Staat und Ge- sellschaft vor nahendem Verderben bewahren könne. Dem gelehrten Herrn Verfasser, der von seiner Studirstube aus die Welt und die Menschen wie durch ein Fernrohr zu be- trachten scheint, mag es wohl dünken, daß die gesellschaftlichen Schäden in solcher Weise zu kuriren seien.— Anders aber erscheinen die Dinge Dem, der selber auf dem niedrigen Stand- Punkt der vielgeschmähten Klasse steht, dessen körperliche Existenz in der Commandantenstraße Bilder bestellt:c.(S. Anklage.) Was sollten solche Aeußerungen? Angekl.: Das Hab' ich gar nicht gesagt. Vors.: Wenige Tage vor dem Attentat sind Sie vor dem Schaufenster des Waffenhändlers Temmler an den dott stehenden Kaufmann Kalischer herangetreten.(S. Anklage.) Haben Sie solche Fragen gethan? Angekl.: Nein. Vors.: Das bestreiten Sie also auch? Angekl.: Ja. Vors.: Am Tage des Attentats sprachen Sie im Thiergarten mit dem Drehorgelspieler Schütz(s. Anklage). Angekl.: Ich bin nicht zu dieser Zeit im Thiergarten gewesen. Ich habe nachgewiesen, wo ich war. Vors.: Auch diese Zeugen sagen also die Unwahrheit. Am 18. Mai sprachen Sie in der Haft mit dem Aufseher Söhnell und sagte«(s. Anklage). Angekl.: Das ist Wortverdreherei. Ich l>abe nicht darauf hinweisen wollen, daß ich auf den...., auf Se. Maj. den Kaiser habe schießen wollen.(Bewegung.) Vors.: In dem Briefe, den Sie an Ihre Eltern gerichtet haben— er ist bei den Akten, er ist nicht abgesandt, schreiben Sie:„Es thut mir leid ec."(s. Anklage). Angekl.: Gewiß thut es mir leid, daß ich nicht gettoffen habe. Die Unterschrift:„Attentäter Sr. Majestät des Kaisers" ist ironisch, sie steht ja auch in Gänsefüßchen, ich bin ja dadurch gebrandmarkt zu Etwas, was ich� nicht bin. Vors.: Vorhin sagten Sie, Sie hätten nicht auf Se. Majestät schießen wollen, und jetzt äußern Sie Ihr Bedauern, daß Sie nicht gettoffen haben. Wie stimmt das? Angekl.: Ja gewiß thut es mir auch noch leid, ich wollte mich ja selbst erschießen. Vors.: Was bedeutet aber Ihre Aeußerung:„Noch ist Polen nicht verloren?" Angekl.: Da muß ich erst den Sinn vom ganzen Satz hören, ehe ich darauf Etwas sage. Vors.: Ueber Ihre persönlichen Verhältnisse haben Sie angegeben, daß Sie von Ihrem 12. Jahre an in einer Besse- rungsanstalt zu Zeitz untergebracht waren. Erkennen Sie das an? Angekl.: Ja gewiß. Vors.: Sie waren dann vom 14. Jahre an u. s. f.(s. An- klage). Ist das so? Angekl.: Ja wohl. Vors.: Im Jahre 1876 haben Sie die Klempnerei aufge- geben und find als Abonnentensammler sozialdemokratischer Blät- ter thätig gewesen. Angekl.: Ja, einestheils ist das richtig. Vors.: Weshalb verließen Sie Ihr Handwerk? Sie waren ja ein geschickter Klempner. Angekl.: Zu meinem Vergnügen. Vors.: Am 11. März d.J. haben Sie Ihrer Mutter 40 Mark lediglich vom Stand der Jndufttie und vom Gang der Ge-- schäfte, oder aber von der Gnade und Ungnade eines Einzelnen, der sich jeweilig seinen Brodherrn nennt, abhängt. Wer das Leben der unteren Volksschichten(namentlich in Fabrikdistttkten) in vollem Umfang durchgekostet hat. der nur weiß, welch' schwerer Druck auf dieser Klasse von Menschen lastet, und mit welcher bewunderungswürdigen Geduld das Gros der Unglücklichen ihr herbes Geschick, Hunger und Kummer, trägt; der weiß aber auch und sieht es ein, wohin es führen müßte, wenn er that- und gedankenlos sich leiten ließe, und weiß, daß er nicht, wie der Herr Verfasser meint, Andere für sich denken lassen kann, son- dern daß er selbstständig denken und handeln muß ttotz aller Ausnahmegesetze und eben wegen diesen. Geräth aber einer bei selbstständigem Denken nicht in die Hände der Sozialdemottatie, so ist dies wahrlich solchen Mahnworten, wie sie in Nr. 147 der„Neuen Zeitung" zu finden sind, nicht zuzuschreiben. Denn der Herr Verfasser dieser Mahnworte unterscheidet sich in Ton und Sprache wenig von einem sozialistischen Agitator, ja er übertttfft in Derbheit des Ausdrucks noch einen solchen.— Wenn Gelehrte, die Repräsentanten der Bildung, im Tone des Herrn Verfassers den Klassenhaß predigen, darf man sich dann noch wundern, wenn gänzlich Ungebildete und von Grund auf Ver- wahrloste sich so äußern, daß ein Majestätsvcrbrechen daraus wird? Was gehött dazu? Ein Wort und das Mcijestätsver- brechen ist fertig!-- Zumal bei einem in voller Blüthe stehenden Denunziantenthum, wie es der Herr Verfasser wünscht, wenn er sagt: jeder gutgesinnte Bürger müsse sich als„einge- schworener Konstabler" bettachten. Sieht man aber die Sache genauer an, so fragt man sich: Gebietet oder rechtfettigt die ruchlose That eines verlottetten, gesinnungslosen, von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei aus- gestoßenen Subjektes, wie es Hödel ist, die nur in dem ver- brannten Hirn eines mehr oder weniger Verrückten, wie esNo- biling sein soll, Nachahmung finden konnte, gebietet eine solche That, daß man Hunderttausende ihrer polittschen Rechte beraubt? — Rechtfettigt sie all' die Schmähungen, mit welchen man tag- täglich eine große Pattei und mit dieser den ganzen Arbeiter- stand überschüttet?— Und kann man es glauben, daß die So- zialisten zur Verwirklichung und Beschleunigung ihrer Wünsche sich eines eben so verwerflichen als zwecklosen Mittels, wie das eines Attentats, bedienen? Gewiß nicht!— Denn läge ein solches in ihrer Taktik, dann wäre die Partei das nicht gewor- den, was sie heute thatsächlich ist: eine wohlorganisitte, weitver- zweigte Genoffenschaft, die in gar vielen Punkten Wohlberech- tigtes und höchst Nothwendiges anstrebt. Das ist sie. Nicht aber eine„fluchwürdige Bande" von„Mord- und Umsturzge- sellen", wie sie der Herr Verfasser darzustellen sucht. Und wozu wird der Bernichtungskampf gegen diese Pattei geführt?— Schützen Gesetze vor Attentaten?— Räumen Ver- sammlungsverbote, Verhaftungen, Gefängnißstrafen und Aus- Sperrungen von den Fabriken die sozialistische Idee aus dem Wege? Werden all' diese und ähnliche Maßnahmen den Roth- stand beseitigen und das Volkswohl fördern?— Sie werden es nicht!— Aber sie werden ihre Massen noch mehr gegen ihre wahren und vermeintlichen Bedrücker aufreizen, sie werden eme Erbitterung hervorrufen, die im Verborgenen furchtbare Rache brütet. Werden auf der einen Seite eingedenk des Rathes: „Landgraf werde hart!" berechttgte Forderungen zurückgewiesen, so bleibt auf der andern Seite unvergessen:„Der Gott der Ersen wachsen ließ--" und es wird weiter schallen, so wie es E. M. Arndt in bedrängter Zeit für alle Zeiten gesungen hat: „Dem Junker und dem Knecht die Acht! Der nähre Kräh'n und Raben!"-- Mit reaktionären Gesetzen und rohen Gewaltmitteln heilt man soziale Krebsschäden ebensowenig, al« man irregeleitete Ar- beiter mit Schmähschriften voll Unwahrheiten und Entstellungen auf den Weg der Vernunft zurückbttngt. Sieht sich aber der dem Hohn und der Verachtung preisgegebene Arbeiterftand von den herrschenden Klassen mehr und mehr unter die Füße ge entwendet und eine Reise nach Metz gemacht und dabei Ttter be- rührt. Zu welchem Zweck machten Sie diese Reise? Angekl.: Ich hatte Gustav Rasch's Buch gelesen:„Die Preußen in Elsaß-Lothringen." Ich las die Darstellung der Ver- hältniffe(in lautes Lachen ausbrechend) und da wollte ich mir eben die Verhältnisse selbst ansehen. Vors.: Also nur um des Vergnügens willen, oder habe« Sie auch dort agittrt? Angekl.(laut lachend): Ja gewiß, ich habe ganz riefig agititt.(Bewegung im Publikum.) Vors.: Am 11. Apttl find Sie nach Leipzig zurückgekehrt und bis zum 24. Apttl dott verblieben. Da sollen Sie Ihre Mutter wieder bestohlen haben und zwar um erheblichere Sum- men, mit denen Sie sich hier unterhalten haben. Sie haben auch eine Spieluhr gekauft und diese in den Lokalen, in denen Sie colportirten und agittrten, spielen lassen.— Welchen Bereinen haben Sie hier angehött? Angekl.: Keinem. Oder das find wenigstens keine sozial- demokrattschen Vereine, denen ich angehött habe. Vors.: Nun welchen denn? (Schluß folgt.) — Wieder zwei Renegaten. Der bekannte Dr. Ferd. Götz zu Lindenau, einer der größten Turnschreier und„De- mokraten" aus den Jahren 1859— 1870, ist im 13. sächsischen Wahltteis für die Wahl eines völlig reaktionären Menschen (eines gewiffen Dietze, Rittergutsbesitzers auf Pomßen) eingetreten. Dietze wird im Reichstage der conservattven Panel bei- treten.(Eine am letzten Mittwoch von Götz m emer Wähler- Versammlung zu Großzschocher gethane Aeußerung:„er an maß- gebender Stelle hätte Johann Jacoby ins Narrenhaus stecken lassen", ist geeignet, ein Bild des Mannes zu geben.)— Schuldirektor Pache in Lindenau, früher m Zittau, intimer Freund von Dr. Max Hirsch, der den Arbeitern lahrelang gewerkverein- lerische Weisheit in Zittau gepredigt hat, ist dem Beispiele seines Freundes Götz gefolgt. Beide„Demokraten" stimmen und agi- tiren für einen Reaktionär! Wir bringen diese Thatsachen im „Vorwärts" nur deshalb, damit den auswärtigen Freunden dieser Helden ein solches Renegatenthum nicht unbekannt bleiben möge. Einzelne ehrenwerthe Demokraten wird es doch wohl noch geben, die ob der Freundschaft mit diesen Leuten nunmehr erröthen werden.— Hierbei sei erwähnt, daß man auch den Dr. Heine (Plagwitz) unter das Dietze'sche Comitö gesetzt hatte, doch befitzt dieser Fortschttttsmann noch so viel Ehre, daß er in öffentlicher Erklärung sich den Mißbrauch seines Namens verbittet. treten, so wird nur um so früher zur Wahrheit, was der ge- feierte Freiligrath mit prophetischem Geiste voraussah: „Der Boden birst, ausschlägt die Gluth und sprengt Dich krachend in die Luft! Wir aber steigen feuerfest aufwärts an's Licht aus unserer Gruft! Wir find die Kraft! Wir hämmern jung das alte morsche Ding, den Staat, Die wir von Gottes Zorne find bis jetzt das Proletariat!"— So kommt es!— Und gleichwie die Kommandanten jener beiden Panzerschiffe, nachdem es zu spät war, nichts vermochten, um der verhängnißvollen Katastrophe auszuweichen— so auch werden die Lenker des reaktionären Staatsschiffs nichts ver- mögen, um es vor einem verderbenbringenden Zusammenstoß mit dem schwerbelasteten Koloß empörter Volksmaffen zu fichern. Das ist es, was ich Ihnen, geehrter Herr Redakteur, mit der höflichsten Bitte zustelle, bei Beurtheilung dessen den Maß- stab der Kritik nicht allzustreng anlegen und nicht vergessen zu wollen, daß es ein Arbeiter ist, der es geschrieben, ein Arbeiter, der nichts sehnlicher wünscht, als: eine friedliche und möglichst zufriedenstellende Lösung der drohenden Wirren— das ist der Wunsch so gar Vieler." Selbst die„Neue Zeitung" kann nicht umhin, diesen ruhigen, vernünftigen Ansichten ihr Lob zu ertheilen. Pforzheim. Am 8. Juli hielten wir Hierselbst eine zahlreich besuchte Wählerversammlung ab, in der Genosse Lehmann über die bevorstehenden Reichstagswahlen sprach. Derselbe wies nach, wie es hauptsächlich der Reichsregierung darum zu thun sei, in dem kommenden Reichstag über eine gefügige Majorität zu ver- fügen, um alsdann die indirekten Steuern zu erhöhen und neue einzuführen, das Tabaksmonopol für sich in Anspruch zu nehmen und hauptsächlich dem Militär-Aat neue Mittel zuzuführen. Hauptsächlich hätten die Attentate, mit denen die Sozialdemo- kratte thatsächlich nichts zu thun habe, die Handhabe zur Verfolgung unserer Partei gegeben. Als Redner wiederholt auf die Alten- täte zu sprechen kam, erhob sich der die Versammlung über- wachende Beamte mit der Bemerkung, daß wenn Redner noch- mals die Attentate berühre, er die Versammlung auflösen werde. Redner sprach nun über die Ausnahmegesetze und wies nach, wie solche Maßregelungen immer in das Gegentheil umgeschlagen seien. Nach Schluß des Referats wurden die zahlreich anwesen- den Gegner wiederholt aufgefordert, ihre Ansichten auszusprechen — aber vergeblich. Es wurde hierauf Drechsler August Bebel in Leipzig als Reichstagskandidat einstimmig proklamirt und mit allgemeinem Bravo die Versammlung geschlossen. Vf. B. Hausdorf(bei Glatz in Schlesien). Bei unserem Genossen A. fand am 8. Juli auf Requisitton des Glatzer Staatsanwalts Haussuchung statt. Der Gensd'arm und Ortsvorsteher gaben sich alle Mühe, die kleine Wohnung genau zu durchsuchen. Betten, Brotschrank, Kaffeebüchse, Ofen, Wasser- und Kaffeekrüge wurden aufs Sorgfälttgste untersucht. Als Ausbeute hatten die Herren schließlich oie Nr. 78 des„Vorwärts", einige alte Abonnements- quittungen und 10 Flugblätter von der letzten Wahl zu ver- zeichnen. Die Flugblätter hatte Genosse A. erst vor 3 Monaten vom Kreisgericht in Glatz wieder zurückerhalten. Die Neugierde wird nun wohl befriedigt sein.— Mehrere Fabrikanten wollen die sozialisttschen Arbeiter entlassen, wenn dieselben nicht aus der Partei treten; es find dies die Lederfabriken von Heil, Reichardt, die Kammgarnspinnerei Worms-Bittigheim(Filiale). Darmstadt, 10. Juli. Bezugnehmend auf die vielen Beein- flussungen der Wirthe in Betreff der Abonnements auf die sozialistischen Zeitungen erlaube ich mir eine kleine Ermahnung an alle Wirthe, denen die Pfennige der Arbeiter noch etwas Werth sind, zu richten. Wir sehen neuerdings, daß die Wirth- schaften, in welchen sozialistische Blätter aufliegen, bei der Heu- ttgen Sozialistenhetze ebenfalls auf die Zielscheibe gesetzt werden und dadurch manchmal der gänzliche Ruin der besten Geschäfte herbeigeführt wird. Es wird nämlich den Soldaten von Seiten ihrer Behörde der Besuch jener Wirthschaften verboten, welches jedoch die Wirthe nicht zu geniren braucht, indem es grade Wirthschaften sind, welche ihre Existenz nicht durch das Militär, sondern durch die Arbeiter und Kleinbürger haben. Es giebt aber Wirthe, welche sich von einigen reichstreuen Gästen er- schrecken lassen und eiligst, ohne die Mehrheit ihrer Gäste zu fragen, das rothe Gespenst aus ihren Wirthschaften verdrängen. Trotzdem nun die Arbeiter jene Wirthschaften nicht mehr be- suchen, wird dem Militär doch auch ein solches Lokal verboten. Man bleibe doch wenigstens seinen Gästen gegenüber unparteiisch und suche auch den Wünschen der Arbeiter zu entsprechen. Ich Halle für meine conservattven und liberalen Gäste zwei bis drei Zeitungen, aber auch für meine sozialdemokratischen Arbeiter den„Vorwärts". Und so richte ich mich nach meinen Gästen, und können mich weder Polizei, noch einzelne Bauaufseher be- einflussen. Mein Motto ist und bleibt:„Gleiches Recht für Alle." Gastwirth B. C. Wardenburg, 8. Juli. Zum Kapitel der Wahlfteiheit wird der Breslauer„Wahrheit" von hier geschrieben:„In den Fabriken und Gruben werden die Arbeiter direkt gezwungen, durch Namensunterschrift zu bekunden, daß sie bei der Wahl nur dem Fürsten von Pleß ihre Stimme geben. In allen Ort- schaften circuliren Listen, wodurch die Bürger ebenfalls aufge- fordert werden, durch ihre Unterschrist sich für den Fürsten zu erklären. Allgemeine Heiterkeit ist dadurch schon hervorgerufen worden, wenn offiziell gekannte Ultramontane, Fortschrittler zc. in dem Verzeichuiß floriren, wodurch es klar und deutlich zu Tage liegt, daß die Beauftragten fürstlich belogen sein wollen, ebenso wie es den Fabrik- und Grubenbesitzern damit ergeht. Man weiß nicht recht, was die Herren mit ihren Maßnahmen, welche auf den„Umsturz" des Wahlgesetzes, das ja bekanntlich geheime Wahl vorschreibt, bezwecken wollen. Nur die Aller- dümmsten werden durch dieses Manöver gefangen werden, die anderen werden unterschreiben und hinterher doch wählen, wen sie wollen, nicht wen die„Herren" wollen." Kray(bei Essen a. d. R.). Am 15. Juni wurde dem Berg- mann I. Schröter, welcher an 24 Jahre auf der Zeche ge- arbeitet, gekündigt. Auch einigen andern Parteigenossen wider- fuhr dasselbe. Alle anderen konnten jedoch wieder bleiben, nur Schröter mußte gehen. Derselbe hat Frau und 3 Kinder zu ernähren und ist selbst schwindsüchtig. Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan, der Mohr kann gehen. Trotz aller Be- mühungen ist es Schröter nicht gelungen, auf anderen Zechen Arbeit zu erhalten. Wird der Manu durch solche Maßregeln vom Sozialismus kurirt? Sicher nicht. Arnstadt, 9. Juli. Gestern Mittag nach 1 Uhr wurde hier bei Genossen Hägerich Haussuchung gehalten. Die betreffende Commission gab an, Nachforschungen darnach anstellen zu müssen, ob die 1875 aufgelöste Holiarbeiter-Gewerkschast noch weiter fortbestehe oder nicht. Das Resultat des Suchens war erstens der Ortsstempel der betreffenden Gewerkschaft, und zweitens zwei harmlose Einladungskarten für Damen zu einem Gewerkschasts- stiftungsfest von 1874. Dies war Alles, was man für Werth- voll hielt und in Folge dessen mitnahm.— Unser„Intelligenz- blatt" vom Sonntag bringt in seiner Unterhaltungsbeilage einen Witz aus dem Berliner„Ulk", betitelt:„Ein parlamentarisches Zukunftsbild". Mit dem Abdruck des Witzes schlägt sich aber unsere liberale Partei geradezu selber ins Geficht. Valentin, der bekannte Schlußmacher, wrrd nämlich in diesem parlamen- tarischen Zukunftsbild ganz gehörig lächerlich gemacht, aber trotz- dem wird ungenirt nachgedruckt, obgleich damit auch die Wähler Valentins der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Zwei Legis- laturperioden hindurch hatte Valenttn sein Amt als Vertreter unseres Wahlkreises zur größten Zufriedenheit seiner Wähler versehen, jetzt, da man ihn nicht mehr braucht, sucht man ihn, gleich dem Berliner„Ulk", lächerlich zu machen. Da weiß man wirklich nicht, was man dazu sagen soll. Sfanfa i. �oigtt. Unser Genosse Nagler, Redakteur der „Reuß. Fr. Pr.", hat eine fünfwöchentliche Strafhaft im hie- sigen Gerichtsgesängniß angetreten. Die Verurtheilung geschah in Folge einer Rede, welche Nagler in Pausa über das Christen- thum und den Sozialismus gehalten hatte. Nagler befindet sich nun in einer bedanernswerthen Lage. Bon den den politisch Jnhastirten sonst gewährten Erleichterungen der Haft wird ihm keine einzige gewährt, so daß er gleich dem gemeinen Verbrecher die Gefängnißkost genießen muß. Auch jede Unterstützung in Geld wird ihm vorenthalten, so daß er selbst sich auch keine Er- leichterung der Haft verschaffen kann. Würzen, 2. Juli. Mitte Juni d. I. entließ die hiesige Firma Wilhelm Hartenstein einen Arbeiter, welcher 42 Jahre ununter- brachen in diesem Geschäfte gearbeitet hatte; die Gründe dazu waren, weil derselbe zu alt und nicht mehr mit den jüngeren Leuten konkurriren, oder mit andern Worten gesagt, um die Wette arbeiten könne. Die Chefs der betreffenden Firma heißen Bäßler und Loßow. Derselbe Arbeiter wurde am 26. März 1870 auf Befehl des Königs von Sachsen mit der großen filbernen Medaille(für Treue und Fleiß) dekorirt, er ist 59 Jahre alt, hat seine ganze Lebenszeit im Dienste dieser Herren zugebracht und hat, man staune, in diesen 42 Jahren 8 Mark Lohn pro Woche bezogen. Dabei ist er noch tüchttg und kann die schwerste Arbeit verrichten. Nicht einmal Aussicht auf Wiederanstellung haben genannte Ehrenmänner diesem Arbeiter versprochen. Nun sitzt derselbe auf seinen alten Tagen mit seiner Familie zu Hause ohne Brod und ohne Geld, hat sich redlich geplagt und geschun- den und muß nach 42jähriger Dienstzeit Hunger leiden. Denken Sie aber nicht, daß derselbe sozialdemokrattsche Gesinnungen gehegt hätte; diese hat derselbe gar nicht gekannt, viel weniger begriffen, und ist der konservativste und loyalste Arbeiter, welchen es nur geben kann. Diese einfachen Worte charakterifiren das erlogene heuchlerische Wesen unserer Besitzenden besser als lange Auseinandersetzungen. Worms, 8. Juli. Die Wahlagitatton ist hierorts noch nicht in Fluß gekommen, es erscheint überhaupt unbestimmt, ob Heil wieder candidiren wird. Wie wir hören, soll demselben der sortschrittlich-demokratische Landtagsabgeordnete Edinger gegenüber gestellt werden. Da derselbe sich entschieden gegen alle Ausnahmsgesetze ausgesprochen, auch sonst unsere Partei im Stadtrathe öfters in Schutz nahm, so find einige Genossen der Anficht, demselben ihre Stimme zu geben. Bis jetzt haben wir noch keinen sozialistischen Candidaten aufgestellt. Da durchaus keine Aussicht vorhanden, einen sozialistischen Abgeordneten durch- zubringen, so wird wohl die Majorität sich für Edinger erklären, denn jeder ehrliche Mann muß uns jetzt willkommen sein, wenn er sich nicht gegen uns wendet. Werden, 10. Juli. Gestern wurde hier bei etwa 20 Partei- genossen Haussuchung gehalten. Dieselbe soll auf Requisition der Hamburger Staatsanwaltschaft stattgefunden haben, um Loose von der Londoner Tombola ausfindig zu machen. Es ist, wie ich höre, eins dieser Loose gefunden worden. Bei mir haben sie zwei Postscheine mitgenommen, der eine über eine Geldsen- dung an Geib, der andere über einen eingeschriebenen Brief an Derossi. Abends, als ich von der Arbeit kam, standen schon wieder zwei Polizisten vor meiner Wohnung. Dieselben sagten nun, sie hätten bei einem andern Genossen eine Äahlfondliste gefunden, worauf von mir 10 Mk. quittirt seien, und sie wüßten ganz bestimmt, daß ich auch heute Geld nach Hamburg geschickt. Ich solle den Postschein hergeben, widrigenfalls sie sich an die Staatsanwaltschaft wenden würden, und diese würde dann die Bücher von der Post verlangen. Ich erinnerte mich nun, im „Vorwärts" gelesen zu haben, daß Sammlungen zu Wahl- zwecken erlaubt seien; ich erwiderte deshalb, daß ich wohl Geld weggeschickt, den Postschein aber nicht mehr hätte.(Im Wahl- gesetz ist nichts über Geldsendungen enthalten, jedoch sind Privat- sammlungen zu Wahlzwecken erlaubt, öffentliche Sammlungen gehören unter die Collecte und bedürfen der polizeilichen Er- laubniß. Mylau, 8. Juli. Wie überall, so fängt mau auch hier an, die Arbeiter durch Maßregelungen über das„Verwerfliche" ihrer Gesinnung zu— belehren. In der Fabrik des Herrn Anton Merkel wurde drei Webern gekündigt; zwei davon lieferten ihre angefangenen Stücke ab und gingen sogleich, ver- sehen mit den besten Zeugnissen. Die Arbeiter werden stch die Firma Anton Merkel fest ins Gedächtniß einprägen. Vtauen. Der nun immer mehr in den Bordergrund tretende Wahlkampf verspricht äußerst lebhast und interessant zu werden. Die drei aufgestellten und dem Volke mit schwülstigen Phrasen empfohlenen„Ordnungscandidaten" fangen schon langsam an auf einander loszutrommeln, dabei aber immer betonend, der Andere habe bereits den Anstand verletzt und den früheren„Abmachungen" entgegen die„Ruhe" gestört und dadurch Anfeindungen provocirt. Am drolligsten aber geberdet sich der sehr gelehrte„0r." Werner, der von sich selbst rühmt, er habe„em solches Rednertalent, wie es die Stadt Plauen noch nie das Vergnügen zu hören ge- habt", wörtlich!) und er hält es für seme Pflicht, solches den Wählern des 23. Wahlkreises mitzutheüen. Die Industrie, der Handel, der Ackerbau, Alles wird, wenn wir diesen„Doktor" wählen, in noch nie geahnter Weise aufblühen. Ja, ja, das Versprechen goldener Berge vor den Wahlen kennen die Wähler schon, es wird sich damit auch Niemand fangen lasse», darum tragen wir nicht die geringste Sorge. � Auch der Anzeiger tttu- lirt uns jetzt auf einmal„ehrenhafter Arbeiterstand" u. s. w. Das ist vor der Wahl, nach dieser aber find wir wieder die „rohe und verwilderte Masse", nicht wahr? Eure Lockrufe sind umsonst, spart Eure Mühe. Wir kennen ja die Wölfe in Schafs- kleidern. Die Arbeiter wissen, wer für ihre Interessen stets gekämpft und gestritten hat und allen Verleumdungen und Lügen zum Trotz weiter das Ziel verfolgen wird: Befreiung der Menschheit von jeder Unterdrückung und Sklaverei, und das ist die Aufgabe der Sozialdemokratie. ßolditz. Am vergangenen Montag hatten wir das Ver- gnügen, den Candidaten der„Ordnungspartei", Hr. Or. Frege, in einer Wählerversammlung zu hören. Tie Herren Ordnungs- männer waren auch diesmal wieder so schlau, Karten auszu- geben, was jedoch nicht verhinderte, daß sich auch Sozialisten eingefunden hatten. Aus ein spezielles Eingehen auf den Vor- trag von Dr. Frege verzichten wir, denn wir bezweifeln nicht, daß jeder halbwegs vorurtheilsfteie Mann den Eindruck mit hinweggenommen hat, daß die ganze, mit Phrasen gespickte Rede des Hrn. Dr. Frege eine Leimruthe zum Einfangen von Wählern für die conservative Partei war. Man muß es geradezu lächerlich finden, wenn Dr. Frege unter Anderm erklärte, daß er mit Fort- setzung der kostspieligen Kasernenbauten nicht einverstanden sei. Ja ja, Ihr Herren, das se°d Ihr Euren Wählern gegenüber nicht, aber im Reichstag!— ja, Bauer, das ist was ganz Anderes! Gerade die conservative Partei ist es, die da sagt: Herr, Dein Wille geschehe! Daß die sogenannte„Ordnungs- S artet" ihren Ramen in der That verdient, mußte ein liberaler Zähler, welcher sich hinter dem Ofen placirt hatte, erfahren;! derselbe wollte dadurch, daß er im Laufe des Vortrags die Be- merkung machte,„das soeben Gehörte habe in der Gartenlaube gestanden", seine Zustimmung ausdrücken. Aber das wäre ihm beinahe übel bekommen, denn sofort erhoben sich Stimmen mit dem Rufe:„Raus, naus mit ihm!" Natürlick löste sich der Zwischenfall in allgemeine Heiterkeit aus, als das verdutzte liberale Geficht des Hrn. B...... zum Borschein kam. Karburg, 8. Juli. Seit sehr langer Zeit lese ich den „Vorwärts" und nie finde ich vom hiesigen Orte einen Bericht. Ueber die Wahlbewegung im hiesigen 17. hannoverschen Wahl- kreise Folgendes: Da wir hier keine Aussicht haben, unseren Candidaten durch-, eventuell in die engere Wahl zu bringen, so haben wir von einer größeren Agitation im hiesigen Wahlkreise Abstand genommen, da dieselbe bei der Ausdehnung von Ham- bürg bis Bremen zu viele Kosten verursachen würde; es wird aber unsererseits jedenfalls ein Candidat aufgestellt, nnd werden wir für denselben nur Stimmzettel vertheilen; dahingegen wird aber zur Unterstützung der offiziellen Wahlkreise unser Möglichstes geschehen, und werden wir gewiß nicht hinter anderen Orten zurückstehen. Schwer genug wird uns ja auch dies schon ge- macht; Maßregelungen und Einschüchterungen sind auch hier an der Tagesordnung. Die Palme unter den hiesigen Gesellschafts- rettern verdient aber jedenfalls der bisherige Vertreter des 17. Wahlkreises, unser Oberbürgermeister Grumbrecht, der Mann mit dem gesunden Menschenverstand, wie die„Kölnische Zeitung" schreibt. Bekanntlich ist Grumbrecht einer der größten Schwätzer und Phraseurs deS Reichstags. In seiner Eigenschaft als Polizei- direktor verbietet er uns sogar das Abhalten von Festlichkeiten, von Volksversammlungen gar nicht zu reden. Kapitalkerle wie wir Sozialisten aber nun einmal find, wird uns auch dies nicht abhalten, die sauer verdienten Groschen für den Wahlfond her- zugeben. Jetzt heißt es: trotzdem und alledem! Außer unserm bis jetzt noch nicht proklamirten Candidaten, ferner Grumbrecht, ist von den orthodox-pietistischen Welsen der Graf Grote auf- gcstellt. Der Wahlkampf wird voraussichtlich ein heißer werden. L. S. Kamvurg. In einer Versammlung aller wahlberechtig- ten Maurer von Hamburg und Umgegend am 4. Juli 1878, Abends, im„Englischen Tivoli" wurde folgende Resolution an- genommen:„Die von 1500 Maurern besuchte Versammlung nahm folgende Resolution einstimmig an und beschloß, dieselbe in tausend Exemplaren auf allen Bauten Hamburgs und Um- gegend vertheilen zu lassen. Resolution bezüglich der bevor- stehenden Rcichstagswahl am 30. Juli dieses Jahres:„Die heute im„Englischen Tivoli" tagende Versammlung der wähl- berechtigten Maurer erklärt sich mit aller Entschiedenheit gegen eine Wiederwahl der bisherigen Vertreter der drei Hamburger Wahlkreise; sie tadelt das Verhalten der Abgeordneten Möring, Bauer und Dr. Wolffsohn, als gegen die Interessen des arbei- tenden Volkes gerichtet. Diese Abgeordneten stimmten für Ein- führung der Arbeitsbücher und sonsttge Beschränkungen der Frei- heit der Arbeiter.— Dies allein zeigt sie schon in ungünstigem Lichte. Die Versammlung spricht sich voll und ganz für die vom Arbeiterwahlcomitä empfohlenen Candidaten aus und ver- pflichtet sich, im ersten Wahlkreise für August Geib, im zweiten Wahlkreise für Georg Wilhelm Hartmann und im dritten Wahl- kreise für Ernst Breuel thatkrästig einzutreten. Die Bersamm- lung beschließt ferner: daß der Tag der Wahl, Dienstag, den 30. Juli, von den Maurern Hamburgs als Feiertag betrachtet werden soll. Sie fordert daher alle Maurer, ob wahlberechtigt oder nicht, auf, diesem Beschluß einmüthig Folge zu leisten und am Wahl- tag ausschließlich ihre Thätigkeit auf die Wahl der Arbeitercandi- baten zu richten. Wenn Alle helfen und sich dem Streben der Arbeiterschaft Hamburgs anschließen, danu muß diesmal der Sieg den Arbeitern zufallen. Die Versammlung fordert zum Schlüsse die Arbeiter aller anderen Bemerke auf, auch ihrerseits den 30. Juli zum Feiertag zu erklären." Im Austrage: Das Bureau dieser Versammlung. H. Schöning. Aug. Pflugradt. 9. sächs. Wahlkreis(Freiberg-Haiuichen-Oederan). Allen Genossen hiermit zur Kenntnißnahme, daß die Centrallei- tung der Wahl-Agitation nach Freiberg verlegt worden ist und das Arbeiter-Wahlcomil� seine Expedition Freiberg, BerthelSdorferstraße 25 I. errichtet hat und daselbst in Permanenz besteht. Gleichzeitig werden alle Genossen, denen eine persönliche Mit- Wirkung bei den Wahlen möglich ist, gebeten, sich bei dem unterzcich neteu Comit� persönlich oder schriftlich recht bald zu melden. Freiberger Arbciter-Wahl-Comite. _ S. Goldstein.__ Briefkasten der Redaktion. Auf verschieden- Anfragen: Wjcra Sassu- litsch befindet sich in Sicherheit und zwar außerhalb des Bereichs der russischen Knute, in Paris.—«. S. in Wurzburg: Wenden Sie sich in Betreff Düsseldorf an E. Derossi. Hamburg, Pferdemarkt 37 lll. , Ein junger Parteigenosse, Schriftsetzer, wiederholt gemaßregelt, 8uebt sofort Stelle. Derselbe eignet sich zur Agitation, wie zur Mitarbeiterschaft an einem Parteiblatt. Offerten umgehend zu richten an F. Weide- mann, Hamburg.___(F- 280) Wahlagitationsnummer. Den vielen Reklamanten zur Nachricht, daß wir, da die Genossenschaftsbuchdruckerei unseren Bedarf an Wahlagitationsnummern nicht decken kann, außer Stande sind nach Verlangen zu liefern. Bis Mitte nächster Woche wird es uns möglich werden, die bis jetzt eingegangeßien Bestellungen zu effektuiren. Neubestellungen werden vor dem 22. d. M. kaum zum Versandt gelangen können. Leipzig, 11. Juni 1878. Die Expedition„Vorwärts". Verantwortlicher Redakteur: Julius künzel in Leipzig. Redaktion und Expedition Fürberstr. 12. II. in Leipzig. Druck und Verlag der Venofsenschaftsbuchdruckerei in Leipzig»