Erscheint in Leipzig SHiiwrch, Freitag, Sonntag. AbonucmentspreiS Äx gi.ij Teutichland 1 TO. 6« Pf, pr» Quartal. Monatö- Abonnements «erden bei allen deutschen Postanftalten .«f den 1. und 3. Monat, und aus den 2 Monat besonders angenominen; im IMWigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- «tenbura auch aus den tten Monat des Quartals k 5s Psg. Inserate äetr. Versammlungen pr, Peutz eile ISPs., »e«. Vrivatangelegenbeiten und Feste pro Petitzeile 3» Ps. Vesteliunxen nehmen an alle Postan'talten und Buch. Handlungen des In- u. Auslandes. Jilial- Expeditionen. Zlew-Dorl: Soz.-deniolu Genossen- schastsbuchdruckerei, 15s QlilriSss Str. Philadelphia: P. Haß, 530 Slorld Sri Street. I. Voll, 1129 Charlotte Str. Hsboken N.J.; F. A. Sorge, 215 Wash- ington Str. Chicago: A. Lanfermann, 74 Clybourneav«, San FranziSco: F. Entz, stS CkarrsU S«, London yr.: C. Henze, 8 Sew ir Golden Squar«. Kentrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschtand s. Rr. 88. Sonntag, 28. Juli. 1878. Parteigenossen! Laßt Euch nicht provo- ziren! Man will schießen. Die Reaktion braucht Krawalle, um das Spiel zu gewinnen. Aus zur Wahl! Nur wenige Tage trennen uns noch von dem Tage der Reichstagswahl. Unier den denkbar ungünstigsten, äußeren Verhälinisien tritt unsere Partei in den Kampf ein— man versucht es, dieselbe zu einer Verbrecherbande zu stempeln, und dumme, gläubige Ohren findet leider noch die elende Verleumderbrut, welche uns für die Thaten von Wahnsinnigen verantwortlich machen will. Nachdem die politischen Parteien in solcher Weise auch die Polizei gegen uns aufgehetzt haben, läßt diese ihre ganze Macht gegen uns los, und wer die geringe Bildung kennt, welche na- mentlich in Preußen vielfach den unteren Polizeibeamten eigen ist, der kann sich einen Begriff von der Art und Weise dieser Verfolgungen machen; und wer mit dem Oberstaatsanwalt Kiefer zu Mannheim der Meinung ist, daß die Kriege das Menschen- gemüth zur Gewaltthätigkeit und Verwilderung drängen, der wird sich selbst ein Bild von dem Benehmen alter, früherer kriegs- lustiger Unteroffiziere gegen die„verbrecherischen Sozialdemokraten" machen können. Selbst die„Vossische Zeitung" schreibt: „Gegen Sozialdemokraten wird Alles für erlaubt gehalten, sowohl das Recht von dem gesetzlich ausdrücklich erlaubten Aus- tritt aus der Kirche in Frage zu stellen, wie den Gebrauch der gesetzlichen Vereins-, Versammlungs- und Preßfreiheit, sogar die Ausübung der im Handelsrecht ausdrücklich vorgeschriebenen Generalversammlungen zur geschäftsmäßigen Erledigung der Ge- schäfte von corporativen Betriebsgenossenschaften. Amtsvorsteher und andere mittelbare und unmittelbvre Staatsbeamte verbieten nach Willkür Wahlversammlungen und schüchtern in ihrem Recht befindliche Wahlagenten ein." Die fortschrittliche„Tante Boß" würde dies nicht schreiben, wenn nicht zu gleicher Zeit auch Fortschrittler und Liberale jetzt vielfach als Sozialdemokraten angesehen würden und von der Polizei ihren Lohn für die vielen an uns begangenen Der- hetzungen erhielten. Die etwas aufgeklärteren Liberalen sehen auch schon an die- fem Vorspiel, wie es ihnen bei dem Nachspiel gehen wird, wenn die Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokratie angenommen werden.— Aber trotz allen Verleumdungen, trotz allen Verfolgungen, trotz allen gegen uns in Szene gesetzten Gesetzesverletzungen, trotzdem also, wie eingangs des Artikels gesagt, unsere Partei in einer ungünstigen Kampfeslage sich befindet, haben wir nicht den Muth verloren. Wir stehen fest auf der Warte, denn wir kämpfen um die höchsten Güter der Menschheit, um Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit. Deshalb werden wir auch am 30. Juli sammt und sonders unsere Schuldigkeit thun; wir werden unsere Anstrengungen ver- doppeln im Kampfe gegen die reaktionäre Masse unserer Gegner, und so werden wir auch aus diesem Wahlkampfe als Sieger hervorgehen. So lange man unseren Muth nicht bricht, so lange wir die Ehre nicht verlieren, find wir unbesiegbar, da unsere Idee eine unbesiegbare ist, weil dieselbe in der historifchen Entwickelung der Menschheit liegt. Deshalb mag die gesammte Reaktion sich in das Weltenrad stemmen, es wird sich doch fortbewegen! Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit kann man wohl für kurze Zeit in Fesseln schlagen, aber man kann sie nicht tödten. Sie werden die Fesseln brechen und das Volk im Sturmschritt weiter und zum Siege führen. So war's noch zu allen Zeiten. Wurde eine wahre und gerechte Idee durch die Reaktion eine Zeit lang gehemmt, so brach sie sich bald darauf desto schneller Bahn; verfolgte und mordete man auch die Träger einer solchen Idee, neue Männer ergriffen die Fahne und die Geister der Märtyrer zogen dem Volke voran. Alle Verfolgungen erwecken die Begeisterung und erhöhen noch den Muth für die gerechte Sache. � Unsere Sache aber ist gerecht, denn sie ist die Sache der Menschheit. � Und für diese Sache treten wir auch am 30. Juli in die Schranken. Brüder, Genossen, Arbeiter und Bürger in Stadt und Land: Auf»ur Wahl! Ziele und Agitation. „Viele Ziele der Sozialdemokratie find durchaus annehmbar" so hören wir oft genug aus den Reihen der Liberalen und Eon servativen den Ruf ertönen,„aber die Agitation der Sozial- demokraten zur Erringung auch dieser guten Ziele ist so wüst und roh, so auf Umsturz bedacht, daß wir deshalb die an und für sich guten Ziele vorlaufig unbeachtet lassen müssen" Auf solche Weise kommt man eben leichten Kaufes von der immerhin unangenehmen Verwirklichung der an und für sich »annehmbaren Ziele" der Sozialdemokratie davon. Und ist denn die sozialdemokratische Agitation wüst und roh? Atan sehe nur, wie gegenwärtig der Ordnungspöbel an der Arbeit ist, wie Eonservative und Liberale sich beschimpfen und prügeln. Geradezu harmlos erscheinen uns dann alle diejenigen Ausschreitungen unserer Partei in den langen Jahren der Agi- tation, die ja hin und wieder vorgekommen sein mögen. Und kann dann die sozaldemokratische Agitation auf Umsturz bedacht sein, wenn fie zur Erreichung an sich für die ganze Menschheit erstrebens werther Ziele eintritt? Es liegt ja ein innerer Widerspruch darin, wenn man der Sozialdemokratie das gerade vorwirft. Gehen wir aber der Sache auf den Grund, so werden wir finden, daß es lediglich die Ziele der Sozialdemokratie sind, welche uns eine allseitige Gegnerschaft zuziehen. Unser Hauptziel ist ja bekanntlich eine auf gerechter Verthei- lung der Arbeitserzeugniffe bestehende Eigenthumsordnung, welche den jetzt herrschenden Klassen besonders deshalb unangenehm ist, weil dann ihre Vorrechte schwinden und ein allgemeines soziales Bolksrecht an deren Stelle tritt. Und wenn man solche Ziele auch lediglich durch die Be- lehrung erreichen will, so zetert die herrschende Gesellschaft doch über eine unsittliche Agitation. Wie ergeht es denn z. B. dem Professor Dr. Wagner, der gleichfalls der jetzigen Eigenthums- ordnung vom Katheder herab entgegentritt? Auch ihm wirft man vor, daß er eine unsittliche, umstürzlerische Agitation be- treibe! Also ist lediglich dies Ziel der Sozialdemokratie, welches Gründerei, Schwindelei, Schlemmerei, Unterdrückung und Aus- beutung, dann aber auch Roth, Elend und Lohnsklaverei beseitigen will, den herrschenden Klassen ein Dorn im Auge und nicht die „wüste" Agitation für ein solches Ziel. Oder ist es denn„wüste" Agitation, wenn vom Katheder herab andere Eigenthumslehren, wie die gegenwärtig herrschenden, verbreitet werden? Wir finden aber, daß für die herrschenden Ansichten in Bezug auf die Eigenthums ordnung die wüstesten Agitationen von Seiten der„Ordnungsmänner" gerade jetzt vor den Reichstags- wablen betrieben werden. Arbeiterentlassungen, rohe Bedrohungen Anoersgläubiger, brutales Geschimpfe, Denunziationen— alles Das betreibt man im Namen der heutigen Gesellschaftsordnung. Wie schlecht aber muß eine Sache sein, für welche man mit so schlechten Mitteln streitet, durch solche unmoralische Agitation eintritt! Und wie groß und edel müssen unsere Bestrebungen sein, daß ihre Verbreiter allen Verfolgungen zum Trotz Stand halten! Das Volk aber möge fich durch allerlei„liberale" Phrasen in Bezug auf unsere Ziele und auf unsere Agitation nicht ver- wirren lassen: „Man verwirst eben die Agitation wegen der„Ziele" und die Ziele wegen der„Art und Weise der Agitation."" Wir aber werden nimmermehr von unseren Zielen lassen und werden dafür agitiren, wie wir es eben können, und sollte auch deshalb die Polizei in Deutschland verdreifacht werden, und sollte auch an dem Rockschooß jedes Polizisten ein feiger liberaler Philister hängen. Die Ziele der Sozialdemokratie sind eben Ziele der Mensch- heit, und die Menschheit wird schon Mittel und Wege finden, zu diesen Zielen zu gelangen. „Aus dem Wege, Ihr Knirpse, daß Euch das Weltenrad nicht zermalme!" Zur Controverse über die sozialistische Werth- theorie. v. Von der Bodenrente. (Fortsetzung.) Anders wie mit dem zum Acker- und Bergbau ic. bestimmten Grund und Boden verhält es sich mit dem städtischen Baugrund. Auch sein„Werth" ist natürlich kein Werth, sondern nur ein Preis. Während jedoch beim Acker- zc. Grund hinter dem Preise„ein wirkliches Werthverhältniß verborgen" ist, nämlich der höhere Ertrag an wirklichen Werthen, d. h. der Ertrags- Überschuß(Bodenrente), beruht der(oft fabelhaft hohe) Preis des städtischen Baugrundes vollends auf reiner Fiktion. Durch den Ungeheuern, stetig wachsenden Zusammenfluß der Bevölkerung an einzelnen Punkten, den Großstädten(beiläufig eine der sinnlosesten und unheilvollsten Institutionen der bestehenden Gesellschaft), ist diese Bevölkerung genöthigt, sich in der Bezahlung des beschränkten Stückchens Grund und Boden, auf das sie sich nun einmal caprizirt hat und auf welchem fie sich häringsmäßig zusammenpackt, beständig gegenseitig zu überbieten, und macht es so den Privat-Eigenthümern desselben, die faktisch im Befitze eines Monopols sind, möglich, sei es für die zeitweise Benutzung(Miethe), sei es für die gänzliche Abtretung dieses kostbaren(obwohl durch und durch verfaulten, mit den tödtlichsten Krankheitsstoffen erfüllten) Bodens immer höhere und höhere Preise zu fordern. Ein beliebter Einwand der Bourgeois-Oekonomen gegen die sozialistische Werththeorie ist es, zu fragen: Wenn wirklich alle Werthe nur durch Arbeit entstehen können, woher käme dann z. B. der oft enorme Werth des städtischen Grund und Bodens? Jedem halbwegs Denkfähigen ist die Antwort nicht schwer. Nach dem Ursprung des„Werthes" dieses monopolifirten Grund und Bodens fragen, ist um nichts gescheuter, als wenn man nach der Ursache des„Werthes" irgend eines andern Privilegs, etwa des Staatsbankenmonopols, oder des Tabakmonopols, oder der Apotheken in Ländern mit Apothekenmonopol, wo die ersteren ja auch oft mit horrenden Preisen bezahlt werden, fragen wollte. Es sind dies alles nur durch die augenblicklichen gesellschast- lichen Institutionen künstlich geschaffene, in Wahrheit aber rein imaginäre, weil auf keinem entsprechenden Gebrauchswerth be- ruhende„Werthe", die wohl die Bertheilung der realen Werthe unter die verschiedenen Klassen beeinflussen, mit der wirklichen Werthproduftion aber gar nichts zu thun haben. Sie verschwinden, sobald die gesellschaftlichen Institutionen, denen sie ihr ephemeres Dasein verdanken, verschwunden sind. Sobald z. B. durch die communistische Gesellschaft die(dringendst nothwendige) Auflösung der Großstädte und der Rückstrom der degenerirten Bevölkerung derselben in die freie Natur erfolgt, hat auch der unsinnige„Werth" des städtischen Bodens sein Ende erreicht. Der Baugrund Unter den Linden in Berlin, am Stephans- platz in Wien oder am Boulevard des Italiens in Paris wird dann um nichts mehr„Werth" sein, als jedes beliebige andere Stück Acker.(Die P. T. Herren Hausbesitzer werden gebeten, nicht in Ohnmacht zu fallen.) Jene, die über den Ursprung solcher„Werthe" spintisiren, kommen mir vor, wie Einer, der sich selbst erst eine kräftige Ohrfeige versetzt und hinterher tiefsinnige Betrachtungen darüber anstellt, woher ihm wohl das schmerzhafte Gefühl auf der Backe kommen mag? Erst schaffen sie selbst Monopole und dann zer- brechen sie sich den Kopf darüber, woher der„Werth" derselben wohl stamme. Wie grundverschieden diese imaginären Schwindel-„Werthe" der Bourgeoisgesellschaft von den durch die Arbeit geschaffenen realen, weil wirklich nützliche Dinge repräsentirenden Werthen sind, würde sich sehr bald offenbaren, wenn es der Gesellschast etwa einmal einfiele, vom„Werth" ihres städtischen Grund und Bodens, ihrer Bankprivilegien rc. leben zu wollen, wie sie von den realen Werthen, dem Arode, dem Fleisch, dem Bier leben kann. Ich fürchte, der Magen würde sie gar bald über das Windige jener„Werthe" belehren und sie recht schnell veranlassen, zur Erzeugung der wirklichen zurückzukehren. Ich komme nun zu einem Punkte, der, wie ich glaube, einige Aufmerksamkeit verdient. Wir erklären die Arbeit aller Individuen für völlig„gleich- artige menschliche Arbeit" und sagen, dieselbe schaffe in gleicher Zeit auch immer gleiche Werthe. Das scheint mir nicht ganz correkt. Denn es läßt fich doch nicht gut verkennen, daß der Arbeiter, der vermöge seiner größern Geschicklichkeit z. B. elf Druckbogen gesetzt hat, während sein Nachbar nur zehn, sein zweiter Nachbar aber nur neun fertig brachte, auch einen größern Werth geschaffen hat. „Nun, deshalb sagen wir ja eben, daß der Tauschwerth jeder Waare auf dem Durchschnittsgrad von Geschicklichkeit ver Arbeit basirt," wird man mir antworten. Aber auch damit kann ich mich nicht für widerlegt ansehen. Der Tauschwerth von einer Arbeitswoche(ich nehme die Ver- haltnisse ganz willkürlich) würde sich hiernach also in 10 Druck- bogen darstellen. Wie verhält es sich dann aber mit jenem Arbeiter, der unter diesem„Durchschnittsgrad von Geschicklichkeit" zurückblieb, nur 9 Bogen fertig brachte? Er würde hiernach, da er nicht den vollen Tauschwerth ab- lieferte, auch nicht die ganze Woche Arbeitszeit, d. h. die ganze von ihm verausgabte„Muskel-, Hirn- ic. Substanz", sondern nur neun Zehntel davon wieder ersetzt erhalten, könnte also auf die Dauer unmöglich weiter arbeiten. Und doch braucht die Gesellichaft seine Arbeit. Ich meine, wir werden als Basis des Tauschwerths der Waaren nicht die Durchschnittsgeschicklichkeit, sondern den ge- ringsten Grad von Geschicklichkeit der Arbeit, dessen die Gesell- schaft zur Deckung ihres Bedarfes benöthigt, annehmen müssen; genau so wie wir oben beim Grund und Boden die schlechteste Qualität derselben, und nicht etwa die durchschnittliche, als Basis zur Berechnung des Tauschwerths der Bodenprodukte erkannten. Denn da wie dort— bei der menschlichen Arbeitskraft wie beim Grund und Boden— haben wir es mit einem Produktions- faktor zu thun, der sich nicht— wie etwa die Spinnmaschine— von uns gleichartig herstellen und in der gewünschten Qualität beliebig vermehren läßt; sondern wir müssen sie aus der Hand der launischen Natur entgegennehmen, so wie diese uns fie eben bietet, d. h. mit sehr ungleicher Produftivkraft, genöthigt, auch die geringste Kategorie zu benutzen und zu erhalten, weil wir ihrer eben bedürfen. Wie steht es nun aber mit der besseren Arbeitskraft, welche in der gleichen Zeit mehr Werthe erzeugt? Bevor ich diese Frage zu beantworten versuche, will ich das Gleiche noch an der„höhern", der„complicirten" Arbeit aus- einandersetzen, wo das, was ich meine, noch klarer zu Tage tritt. Bekanntlich definiren wir den höhern Werth der durch com- plicirte Arbeit geschaffenen Produkte oder Dienste aus dem zur Erwerbung der betreffenden Geschicklichkeiten und Kenntnisse vorher nöthig gewesenen„Mühe-, Zeit- und Geldaufwand", so daß die complicirte Arbeit nur als eine Verdichtung, ein Extrakt des entsprechenden Quantums einfacher„allgemein menschlicher" Arbeit anzusehen ist. Damit ist aber meines Erachtens nicht auszukommen! Man wird doch nicht etwa den hohen Werth der Leistungen eines Schiller, eines Newton, eines Raphael, eines ausgezeich- neten Arztes:c. nur aus dem zur Erwerbung ihrer Fähigkeiten nöthig gewesenen„Mühe-, Zeit- und Geldaufwand" erklären wollen? Was das Genie kann, das bringt alles Gebüffel, aller „Mühe-, Zeit- und Geldaufwand der Welt.nicht zu Stande! Das sehen wir ja täglich in den Schulen. Der Eine kommt trotz allen„Ochsens" nie über die kläglichste Unbedeutendheit hinaus, während sein Nachbar, vom Herrn Lehrer endgültig für einen„unverbesserlichen Taugenichts", für ein„schädliches Mit- glied der Gesellschaft" erklärt(das ist ja bekanntlich eines der sicherst«: Erkennungszeichen des künftigen Genies), später die Welt durch die glänzendsten Leistungen überrascht.(Ich z. B. war immer ein sehr fleißiger Schüler.) Wie verhält sich das nun: die größere Arbeit hat einen kleinern Werth erzeugt, die kleinere einen größern, genau wie bei jenen beiden Flaschen Johannisberger und Grüneberger? (Siehe oben.) Antwort: Wir werden uuch hier eine Bodenrente— eine geistige Bodenrente, wenn ich so sagen darf— anzunehmen haben. Auch hier haben wir es mit„dem Unterschiede im Er- trage zweier gleichen Quantitäten Arbeit" in Folge der verschie- denartlgen Qualität des Naturfaktors zu thun. Dort war es die bessere Qualität des Erdbovens, hier ist es die bessere Qua- lität des geistigen Bodens, des Gehirns� dort wie hier Boden- rente(Ertragsüberschuß) in Folge der ungleichen Produktiv- kraft der Natur. (Schluß folgt.) Sozialpolitische Uebersicht. — Allgemein zu empfehlen. Die„Vosfische Zeitung" hat Angst bekommen in Bezug auf den Ausfall der Wahlen. Nachdem sie nämlich der vielen Ungesetzlichkeiten, welche in dem jetzigen Wahlkampfe gegen die Sozialdemokraten und auch gegen die Fortschrittler und Liberalen von Seiten der Behörden verübt werden, gedacht hat, fährt das genannte Fortschrittsblatt fort: „Das öffentliche Rechtsbewußtsein ist durch solche Nachrichten auf das Aeußerste bedroht und kann nur durch eine gründliche und unparteiische Untersuchung über Wahrheit und Unwahrheit beruhigt werden. Namentlich würde zu untersuchen sein, ob Eulenburg II. und die anderen Minister allgemeine Wahlvor- schriften erlassen haben, wie sie von Eulenburg l. und seinen Collegen zur Zeit erlassen wurden. Das wäre schon schlimm genug, sollte es sich aber blos um den kleinen Krieg, die Gue- rilla der Subalternen gegen die Berfassungsrechte der Nation und ihre Gesetze handeln, so wäre das eine schlimmere Anarchie, als irgend eine zersetzende Partei auszuüben vermag. Darüber Licht zu verbreiten wird vor aller allgemeinen und Ausnahme- Gesetzgebung die erste Pflicht des Reichstages sein und dazu find ihm aus allen Theilen des Reiches beglaubigte Materialien zur Verfügung zu stellen." Auch wir haben unsere Parteigenossen darauf aufmerksam gemacht, daß sie alle Fälle polizeilicher Einmischungen in die Wahlbewegnng genau registriren und in Wahlprotesten an den neuen Reichstag einsenden sollen; im Anschluß an den Wink der „Vossischen Zeitung" wiederholen wir diese Aufforderung hier- durch noch einmal. — Wahlmanöver. In London vegetirt ein Blatt,„Lon- don Journal" genannt, welches, von einigen Renegaten heraus- gegeben und redigirt, sich die größte Mühe giebt, aus deni Rep- tilienfond Unterstützung zu beziehen. Das Blatt hatte bereits bei der Anwesenheit des preußischen Kronprinzen alle mögliche Gelegenheit gesucht, um eine gewisse Bedeutung zu erlangen. Durch lügenhafte Berichte über Demonstrationen u. s. w., welche wir damals richtig stellten, ist es dem Blatte gelungen, sich eine gewisse Bedeutung zu verschaffen. Auch gegenwärtig hat das Blatt einen lügenhaften Bericht gebracht, der nun die Runde durch sämmtliche Reptile, wie z. B.„Deutsche Allgemeine", „Leipziger Tageblatt" u. s. f., macht. In Hamburg hat ein gewisser May dies auch für die Wahlen auszubeuten gesucht, was nun Genossen G eib zu folgender Erklärung im„Hamburg- Altonaer Volksblatt" veranlaßt: „In der Sonnabend-Versammlung des liberalen Reichstags- Wahlvereins hat Herr Dr. May erklärt, das Geld zur Grün- dung eines angeblich neuen communistischen Blattes in London, woraus Herr Dr. May einige schaurige Stellen citirte, sei von hiesigen Sozialisten gezahlt worden. Diese Behauptung ist un- wahr und offen''ar wider besseres Wissen gemacht. Die hiesigen, wie überhaupt die deutschen Sozialisten haben nichts gemein mit einem Blatte, das der internationalen Spionage in der Verächt- Eine Attentatsgeschichte. Die Geschichte, die ich erzählen will, spielt in Athen, aber nicht in Spree-Athen, sondern im wirklichen Athen, was schon daraus hervorgeht, daß sie in das Jahr 415 vor Beginn unserer Zeitrechnung fällt. Athen war damals auf der Höhe seiner Macht. Ter Erb- feind, die verkommenen Perser, welche in frevlem Uebermuthe herangerückt waren, das Neine, uneinige Griechenland zu unter- jochen, war zu schmählichem Rückzüge gezwungen und im eigenen Lande angegriffen worden. Nicht Sparta, Athen war es gewesen, welches sich an die Spitze der nationalen Erhebung gestellt hatte, welches seitdem der leitende Staat Griechenlands war. So wie das revolutio- näre Frankreich sich gegen den Ansturm Europas nur hatte retten können durch eine Entfesselung aller Volkskräfte, so war auch Griechenlands Rettung nur möglich gewesen durch eine begeisterte Erhebung des ganzen Volkes zu gemeinsamem Kampfe. Nicht das aristokrattsche Sparta mit seinen Periöken und Heloten, nur das demokratisch angelegte Athen war fähig, diese selbstlose Begeisterung zu entflammen. Der Sieg war daher nicht nur ein Sieg der Griechen über die Perser, sondern auch ein Sieg der Demokratie über die Aristokratie. Das niedere Volk, der Demos, hatte in den Perserkriegen seine Tüchtigkeit gezeigt, es hatte den Staat gerettet, in Athen war es unmöglich, ihm länger noch den gebührenden Antheil an der Regierung vorzuenthalten. Aristtdes selbst, der Vertreter des Conserva- tismus, stellte nach den Schlachten von Salamis und Platää den Antrag, daß die Bürger aller vier Bermögensklassen gleiche Berechtigung zu allen Staatsämtern haben sollten, nachdem schon durch die Gesetzgebungen Solon's und später Kleisthenes auch den Aermeren Antheil an der Gesetzgebung eingeräumt wor- den war. Dieser Sieg der Demokr»tie war ledoch nicht die einzige Folge der Perserkriege; die Entwicklung Athens zu einer Großmacht war die zweite. Die Inseln des ägäischen Meeres und die Städte an der Küste Kleinafiens wurden vom persischen Joche befreit und von Athen zu einem Bunde vereinigtl, der ursprüng- lich nur zur Abwehr gegen die Perser bestimmt war. Aber wie es in einem Staatenbunde gewöhnlich zu geschehen pflegt, erlangte auch hier der mächtigste Staat, Athen, welches ursprünglich blos die erste Stadt des Bundes gewesen, allmählich die Herrschaft über die Bundesmitglieder, aus Bundesgenossen wurden Unterthanen, aus den Beiträgen in die Bundeskasse Tribute. Immer schroffer wurde die Behandlung der Bundes- genossen, immer drückender die Tribute, je mehr Athens Macht stieg; immer mehr betrachtete sich das athenische Volk als Herr, der von den Bundesgenossen erhalten werden müsse. Mit dem Anwachsen von Athens Macht wuchsen daher auch seine Feinde, und in viel schnellerem Verhältnisse, als jene. Es wuchs die Zahl der unzufriedenen Bundesgenossen und es wuchs die Zahl derjenigen Aristokraten, welche mit Entsetzen auf die lichmachung des Sozialismus gegen klingende Münze Dienste leistet. So wenig Herr Dr. May Sozialdemokrat ist, so wenig sympathifiren die deutschen Sozialisten mit anarchisttschen Polizei- organen. Ferner hat Herr Dr. May erklärt, von hiesigen So- zialisten sei nach London Geld geschickt worden, um die bekannte Demoustratton gegen den deutschen Kronprinzen, welche übrigens nicht dem Kronprinzen, sondern einem servilen Dr. Juch und seinen Trabanten galt, hervorzurufen. Auch diese Behauptung des Herrn Dr. May ist unwahr. Nicht minder ist unwahr, daß deussche Sozialisten von jener Demonstration vorher gewußt haben sollen. Von hiesigen Sozialisten ist zu propagandistischen Zwecken überhaupt niemals Geld nach London geschickt worden, es müßte denn sein, daß der liberale Reichstags- Wahlverein von seinen auf so rühmliche, honette Weise„gesammelten" Gel- dern unter dem Titel„von einem Polizei-Nihilisten"— den ihm so sinnverwandten Anarchisten eine Gabe gespendet hätte. Meine Parteigenossen in London find eben andere Leute, wie die Bumänner des„wahrheitsliebenden" Dr. May. Hamburg, 22. Juli 1878. August Geib." Merkwürdig! Früher hieß es immer, wir ständen mit London in Verbindung, wir Deutschen erhielten von dort unsere Ordres, — jetzt soll sich auf einmal das Blatt gedreht haben! Was doch diese Repttle für Esel sind— auf solchen faulen Zauber hinein- zufallen; solche Wahlmanöver sind doch gar zu plump. Ein besseres Wahlmanöver hat die„Post" entdeckt, sie bringt die Nachricht, die Sozialdemokraten wollten am 30. Juli Barri- laden bauen! Das soll nun den Spießbürger gruselig machen, aber sehlgeschossen, die Spießbürger haben sich schon längst über- zeugt, daß die Sozialisten viel zu gescheut find, um— auf den reaktionären Leim zu gehen! — Die„Magdeburgische Zeiwng" hat die„Erklärung" unseres Genossen Hasenclever, die in der letzten Mittwochs- nummer stand, zum Theil und mit einer allerdings etwas lauen Entschuldigung abgedruckt. Dabei sei aber bemerkt, daß das Blatt gerade den Theil der Erklärung unterdrückt hat, in wel- welchem die Unwürdigkeit der herrschenden Presse in Bezog auf das Reporterunwesen so scharf verurtheilt wird. — Der Denunziationssucht fängt man nun doch endlich an ein Ziel zu setzen. Man schämt sich nachgerade der sauberen Burschen, und auch die Richter beginnen in ihrem Besttafungs- eifer etwas milder zu werden. Man hört hie und da von Frei- sprechungen. So erzählt uns ein Genosse aus Ingolstadt(in Bayern), daß in einer dortigen Fabrik ein Laternenanzünder, um sich beim„Herrn" einen guten Namen zu machen, den österreichischen Arbeiter H. wegen Majestätsbeleidigung denunzirt und derselbe auch verhastet worden sei. Der„Herr" aber war so entsetzt über seinen Laternenanzünder, daß er ihn zum Teufel jagte. Der Fall Piloty ist eben noch in frischem Andenken und der gesunde Sinn des bayerischen Volks wird bald das Richtige herausfinden. —„Ja Bauer, das ist ganz etwas Anderes!" Dieses beliebte Thema variiren die Liberalen und Fortschrittler in Hin- blick auf unsere Partei jetzt täglich. Werden die Sozisldemo- traten unterdrückt, so ist das ganz gerecht, tritt aber den Herren Liberalen in derselben Weise Jemand zu nahe— dann ertönt das helle Gezeter über Unrecht und Unterdrückung. Die„Frank- furter Zeitung" giebt den Liberalen in Bezug hierauf eine recht derbe, aber verdiente Lektion. Das genannte Blatt schreibt: „Man erinnert sich wohl der hochgradigen Entrüstung, mit der auf liberaler Seite die sozialistische Parole gegen die In- qmfitton der Arbeitgeber, das:„Versprecht und unterschreibt Alles, was man von Euch verlangt!" aufgenommen wurde. Da habt Ihr, hieß es, die Unmoral dieser Sozialisten, Nichts ist ihnen heilig. Daß für diese Unmoral Diejenigen verant- wortlich zu machen seien, die den Arbeiter mit dem Gewissens- zwang foltern, daß auf dieser Folter alle Ehrlichkeit schwinden immer weiter um sich greifende Bewegung sahen. Die Einen haßten Athen, weil sie von demselben ausgebeutet wurden; die Anderen haßten es, weil die Früchte der Ausbeutung nicht einigen Wenigen, wie in Sparta, sondern dem ganzen Volke zu Gute kamen. Es bedurfte blos der Vereinigung Beider, um Athens Sturz unvermeidlich zu machen. In Athen selbst war die aristokrattsche Partei immer schwächer geworden, so schwach, daß sie sich schließlich nicht mehr an's Tageslicht wagte, und nur mehr in geheimen Gesellschaften, Hetärien, fortvegeticte, und nicht durch Wort und That, sondern durch Jntriguen und kleinliche Listen sich Einfluß auf die Staats- Verwaltung zu verschaffen suchte. Wiedas auch heutzutage noch vorkommt, sah sie die Ursache des Anwachsens der demokrattschen Bewegung nicht in den Verhältnissen, sondern lediglich in den Personen, und nach dem Tode des Perikles und später Kleon's war es die glänzende Persönlichkeit Alkidiades', auf welche der Haß der Aristokraten sich concenttirte. Wenn sie ihn und seinen Anhang vernichteten, dann hofften sie mit leichter Mühe wieder Einfluß zu gewinnen. Offen die demokratische Partei zu stürzen, war unmöglich, man mußte zu einer gemeinen List greifen, auf die Dummheit und Leichtgläubigkeit der Massen spekuliren und den Demokraten eine That unterschieben, welche alle Gefühle des Durchschnittsatheners zu empören geeignet war. Am ehesten war dies möglich auf religiösem Gebiete. Die moderne Auf- klärung, die Freigeisterei der Sophisten, der die Führer der De- mokratie huldigten, war noch nicht in das Volk gedrungen, noch immer verhielt sich dieses ablehnend gegen sie; hier war ein Riß zwischen den Demös und den Demokraten, hier mußte man den Keil einsetzen, um sie zu ttennen. Am Morgen des 11. Mai 415 durchlief eine bange Unruhe die Stadt Athen. Die Bildsäulen des Gottes Hermes, welche in großer Menge am Marktplatze und an den Straßenecken standen, waren in der Nacht fast sämmtlich einem schändlichen Attentate zum Opfer gefallen. Bald verwandelte sich die Unruhe in fieberhafte Aufregung, je mehr man die Ausdehnung des Frevels übersah. Unerhört in Athen war bisher eine solche Verhöhnung aller religiösen Gefühle, unerhört ein solcher Frevel, besonders in den Augen der Conservativen, welche nicht laut genug die Schänd- lichkeit eines solchen Attentates hervorheben, nicht eifrig genug nach seinem Urheber fahnden konnten. Unter ihnen nach dem- selben zu suchen, fiel natürlich Niemandem ein, die Neuerer mußten es sein, welche den Uebelthäter in ihrer Mtte beher- bergten, und diejenigen unter ihnen, welche nicht unmittelbar Schuld trugen an der Schändung der Götterbilder, ttugen sie mittelbar, indem sie frivolen Unglauben und Zweifel an Allem und Jedem verbreiteten. Die ganze neuere Richtung, welche jede scheu vor dem Alten und Heittgen bekämpfte, sie war die Urheberin der Frevelthat, sie mußte vernichtet werden, wollte man den Staat retten. So sprachen die Aristokraten, und da sie planmäßig vorgingen, ward das erschreckte, geängstigte, aufgeregte Volk leicht zu sinn- müsse, das wollte den Herren nicht einleuchten und das gesittete „Pfui" machte die Rund- durch die liberale Presse. Nun aber bringt ein liberales Blatt, die„Kieler Zeitung", folgende Mahnung und Aufforderung an die Wähler:„In besonderer Veranlassung machen wir auf das Folgende aufmerksam: Es ist unzulässig, daß ein Beamter(Landrath, Amtmann, Gendarm, Polizeidieneri unter Benutzung seiner amtlichen Eigenschaft einem Wähler das Versprechen abfordert, für einen bestimmten Candi- baten zu stimmen. Das Versprechen ist an sich ungiltig, auch wenn es schriftlich gegeben und eingefordert ist." Ein mündlich gegebenes Versprechen, eine Unterschrift— un- giltig— da haben wir die liberale Moral, ein ledern Wamms, das man je nach Belieben auf der einen oder andern Seite trägt. Wenn der Arbeiter die Wahl hat zwischen Hunger oder Unterwerfung, dann soll ihm das erpreßte Wort heilig sein, wenn aber der liberale Wähler feige genug ist, sich einem Händedruck oder einem weniger freundlichen Wink des Herrn Landraths oder Amtmannes zu fügen, dann ist's ihm erlaubt, sein Wort zu brechen. Und das rühmt sich, Ehrlichkeit und gute Sitte gegen rothe und schwarze „Jesuiten" zu vertreten, das macht den Anspruch, der Tugend- spiegel zu sein, in dem die Sozialisten ihre„Häßlichkeit" schauen sollen. Mit Ekel wendet man sich ab von solcher Heuchelei, von dieser Bocksarroganz, die sich darauf steift, den Gärtner zu machen." Wir haben dieser ttefflichen Abfertigung„liberalen" Dünkels und„liberaler" Ehrenhaftigkeit weiter nichts hinzuzufügen. —„In einer großen Kaserne wollen die Sozialdemo- traten das Volk unterbringen"— so fabelte und fabelt noch immer der bekannte Schimpf- Eugen, die Zierde der deutschen „Sumpfpflanzen"; wir können ihm jetzt ein anderes und jeden- falls ein zutreffendes Objekt für seine Schmähreden geben. Der „Staatssozialist", der manchmal von einer merkwürdigen Eon- fusion befallen wird, schreibt nämlich: „Wir fühlen uns, abgesehen von allen anderen Rücksichten und Aufgaben, außer Stande, einer Verminderung un- seres Kriegsheeres das Wort zu reden. Gerade hier ist die Aufgabe bereits gelöst, die Monarchie zu einem sozialen Königthum auszugestalten, sodaß sich die weitere Aufgabe darauf beschränkt, das dort bestehende Verhältniß aus die Gesammthett unserer Institutionen zu übertragen." Wenn es nach dem„Staatssozialist" ginge, dann allerdings würden wir bald lediglich uniformirte Menschen haben, wofür wir uns bedanken. Herr Eugen aber redet der Verminderung des Heeres gleichfalls nicht das Wort— also eine Seelenverwandtschaft zwischen ihm und den Christlich-Sozialen; während unsere Partei jetzt noch thatsächlich die einzige ist, welche gegen den Militarismus und das Kasernenthum agitirt. — In Italien ist das Volk mit den Resultaten des Ber- liner Congresses nicht zufrieden— man ist empört über die Verschacherungen der Balkanvölker. Es fanden in allen größeren Städten Versammlungen statt, in Rom z. B. unter dem Borfitz Menotti Garibaldi's, welche entschieden das Selbstbestimmungs- und Nattonalitätsrecht der Balkanvölker gewahrt wissen wollen. Darein mischt sich das Verlangen nach Befreiung der noch unter österreichischer Herrschaft stehenden italienischen Volksstämme, hauptsächlich Triests. Daß diese Bewegung nicht zu unterschätzen ist, geht daraus hervor, daß der Minister des Auswärtige«, Graf Corti, seinen Rücktritt erklären wird. In Italien scheint man den Constitutionalismus ernst zu nehmen. — Ueber die in der letzten Nummer gemeldete Auflösung der Generalversammlung der Berliner Genossen- schaftsbuchdruckerei meldet die„Berliner Freie Presse", daß sich Genosse Rackow zum Polizeipräsidenten v. Madai begeben und bei demselben beschwert habe. Derselbe hat sein Erstaunen über das Borgehen des Revierlieutenants ausgesprochen und be- loser Wuth gegen Alle entflammt, welche gegen die Religion, die Grundfest- des Staates, sich vergangen hatten. Aus der Untersuchung über den Hermenfrevel wurde eine Untersuchung über die religiöse Haltung der Bürger. War Anfangs dem Denunzianten der Urheber der Hermenverstümmelung eine Be- lohnung versprochen worden, so wurde jetzt Jedem eine Beloh- nung ausgesetzt, der irgend ein religiöses Vergehen zur Anzeige brachte. Und nun regnete es Anzeigen, Hinrichtungen und Eon- fiskationen vn raasse, welche besonders den Kreis des Alttbiades trafen. Das Volk geberdete sich wie wahnfinnig, alle Bande waren gelöst, der Freund verrieth den Freund, die Gattin den Gatten, der Sohn den Bater; Schuldige und Unschuldige wur- den eingekerkett, die Anklage der Verurtheilung gleich und selbst die absurdeste Aufstellung gläubig hingenommen. Den Höhe- Punkt erreichte das sinnlose Treiben, als ein gewisser DiokleideS die Anzeige erstattete, er habe 42 Athener im Mondenscheine bei der Verstümmelung der Hermen bemerkt: Grund genug, um die Verfassung zu suspendiren, die Folter für zuläsfig zu er- klären und die Bürgerschaft Tag und Nacht unter den �Lassen zu halten. Eine solche Furcht vor inneren und äußeren Feinden hatte sich der Bürgerfchaft bemächtigt, daß das unbedeutendste Ereigniß ihnen den Untergang des Staates vor Augen führte. Daß an der ganzen Anzeige des DiokleideS schon deswegen nichts Wahres sein könne, weil der Hermenfrevel bei Neumond verübt worden, fiel den Athenern erst später ein. Indessen hatten sie Zeit gehabt, zur Besinnung zu kommen, und wurden nun durch diese Wahrnehmung vollends ernüchtert. Wie aus einem schweren Rausche erwachten sie, und als sie jetzt zurückblickten und bedachten, daß Athen durch die Aussage einiger schamlosen und erkauften Lügner in ein Tollhaus verwandelt worden, da erfaßte sie tiefe Beschämung. So sehr schämten sie sich d-S un- würdigen Benehmens, zu dem sie das Hermenattentat hingerissen, daß sie nicht mehr daran erinnert sein wollten. Die Komödie vertrat damals die Stelle der heuttgen Witz- blätter, sie geißelte die Personen und Ereignisse des Tages. Bis dahin war sie in Athen fast ohne Schranken gewesen, da- mals aber wurde ein Gesetz durchgebracht, welches den Komö- diendichtern alle Anspielungen auf die Tagesereignisse verbot. So war der tolle Wirbelwind, der dem Attentate folgte, vorbeigegangen, ohne daß die Conservattven ihr Ziel erreicht hätten: nach einem kurzen Delirium waren die alten Zustände wieder zurückgekehrt. Und dennoch war das klägliche Schau- spiel, welches Athen damals bot, ein warnendes Zeichen. Der Jnsttnkt sagte dem Volke, auf wie schwachen Füßen der athe- nische Staat stehe, wie jedes außergewöhnliche Ereigniß hinreiche, ihn über den Haufen zu werfen. Die Ungewißheit, die Aengstlichkelt, welche jeder Besitz er- zeugt, der auf der Arbeit Anderer basirt und daher durch die eigene Arbeit nicht wieder ersetzbar ist, welche den Befitzenden bei dem unscheinbarsten Vorkommniß erzittern läßt, indeß der Proletarier in den größten Stürmen ruhig schläft, dieses Hangen und Bangen in schwebender Pein war die Ursache, weshalb das hauptet, daß der Mann ohne Auftrag, nur im Uebereifer ge- handelt haben könne. Er habe bereits Befehl ertheilt zur Unter- fuchung der Sache. So,— das kommt davon, wenn man bis an Bie„äußerste Grenze des gesetzlich Zulässigen" gehen will, da hat schließlich jeder Nachtwächter das Recht, nach freiem Be- lieben im Staate zu schalten und zu walten. Pasfiren wird ja dem Manne nichts, und die Genossenschafter— nun, die haben einfach das Geld für ihre Fahrt nach Berlin zum Fenster hinaus- geworfen, denn zum Vergnügen wird wohl jetzt Niemand nach Berlin fahren. — Vom Kriegsschauplatz. Genosse Knobloch von Eutritzsch(bei Leipzig) wurde zu drei Monat Gefängniß wegen Majestätsbeleidigung verurtheilt. Der Denunziant ist ein ge- wisser Neumann, ein Geschäftsfreund Knobloch's.— Im 22. Wahlkreis wurde Genosse R. Müller wegen Verbreitung von Flugblättern verhaftet, aber wieder freigelassen. Deutschland und der Sozialismus von Ludwig Bamberger. Bon H. M. (Fortsetzung.) Weiter pae. 20 sagt uns Herr Bamberger: „In Deutschland, wo das Klassenwesen noch nicht vom Bürgerthume aufgesogen ist, wo jeder Sondertheil seine An- spräche festhält, oder neue erhebt, keiner sich mit dem Ganzen vollkommen Eins fühlt, ist dieses Ganze unendlich größerer Ge- fahr ausgesetzt, als anderwärts." Wen wollen Sie mit jenen„Sondertheilen" bezeichnen? Doch offenbar nur die verschiedenen politischen Parteien als Produkte der zu Grunde liegenden wirthschaftlichen Verhältnisse. Wo aber, Herr Bamberger. ist denn das Klassenwesen vom Bürgerthume aufgesogen worden? Sie sagen uns das natürlich wieder nicht, und doch wäre es höchst interessant gewesen, darüber von Ihnen belehrt zu werden. Dachten Sie etwa an England, als Sie Obiges schrieben? Unmöglich, denn Sie find unzweifelhaft, um von den verschiedenen Schattirungen gar nicht zu reden, mit den ewigen Kämpfen um die Herrschaft der Tones und Whigs be- kannt, welche eben das Ringen der Aristokratie mit dem Bürger- thum darstellen, und ebenso gewiß sind Sie unterrichtet von den kolossalen Strikes, die ja in England Dimensionen annehmen, von denen wir in Deutschland gar keine Ahnung haben. Das Alles sind gewiß Klassenkämpfe ernstester Art, darum können Sie England mcht im Auge gehabt haben. Bielleicht Frankreich? Nun gewiß, kein anderes Culturland hat so viele politische Par- teien mehr oder weniger verschiedener Schattirungen aufzuweisen, wie gerade Frankreich. Oder find Sie der Meinung, daß die Legitimisten in platonischer Liebe für ihre Bourbonen, die Cassagnac's für ihre Napoleoniden, die großen Bourgeois für ihren Thiers schwärmen, im Grunde aber alle Parteien mit der Bourgeoisie auf einer Basis stehen? Wenn das der Fall wäre, dann könnten sich jene Parteien begraben lassen, sie hätten keine Hoffnung, jemals zur Macht zu kommen. Nein, Herr Bau,- verger, mit platonischen Schmachten kommt man in der Politik nicht weit. Das partikulare Interesse, das sich dem allge- meinen nur unterordnet, wenn es eben hierdurch gewinnen kann, ist das treibende Motiv alles politischen Handelns. Nicht allein hat das Bürgerthum nie und nirgends andere Klassen aufge- sogen, sondern ganz und gar das Gegentheil ist der Fall. Da eben das Kapital sich mehr und mehr in weniger Händen con- so stößt eben dieses Bürgerthum fortwährend einen Therl seiner Angehörigen aus und führt sie dem Proletariat zu; dieses Bürgerthum negirt sich selbst, und Sie glauben, Herr Bamberger, es sauge andere Klassen auf? Diese Negirung des Bürgerthums durch sich selbst liegt in seinem Prinzipe, ja macht sein ganzes Prinzip aus. Ebenso wenig kann bei der Bourgeoisie von einem Allgemeinen die Rede sein. Dank der„freien Concurrenz", diesem ersten und letzten Ge- athenische Volk durch das Attentat so erschreckt worden war. Die angstvolle Wuth der Athener war das sichere Anzeichen der Schwäche des Staates, so stolz derselbe auch nach außen sich zeigte. Nicht der geübte Schwimmer, der sich im Wasser sicher fühlt, sondern der Ertrinkende ist es, der wüthend um sich schlägt. Des aristokratischen Sparta hätte das demokratische Athen sich wohl erwehrt, wenn es ganz demokratisch gewesen wäre. Aber es war nichts als eine erweiterte Aristokratie, mit dem einzigen Unterschiede zwischen Sparta, daß nicht einige, sondern alle Bürger einer Stadt von der Arbeit Anderer lebten. Die Bundesgenossen, auf denen Athens Macht beruhte, hatten wohl Pflichten, aber kein Recht, kein Interesse, nur die Furcht hielt sie in Botmäßigkeit. Deswegen mußte Athen untergehen, sobald der kleinste Unglücksfall die Bundesgenossen von dieser Furcht befreite. Nicht weil es eine demokratische Verfassung hatte, ist Athen untergegangen, sonder» weil es von der Arbeit Anderer lebte. Die Attentatstollheit hatte gezeigt, wie wohl das Volk von Athen der drohenden Gefahr sich bewußt sei. Der Instinkt hatte es nicht betrogen. Elf Jahre nach dem Attentat, im Jahre 405, war Athens Macht vernichtet, diejenigen, von deren Arbeit es lebte, hatten ihr Joch abgeworfen. Das ist keine erfundene Fabel, sondern eine wahre Geschichte. -et« hindert jedoch nicht, daß eine Moral in derselben enthalten S�mmaados. Nationalliberalen ABC. liiÄ, V' W« 9: Tn« w.? frftaniIer' stets gescheh'. ff« Ä J Mannesmuth, I ÄTallf2' rein und gut; fflnb»Äa JL' au� manchmal„Fis" stets ein maa res(Fnr��SJ.ie, Dann scholl'S im BrusttonÄ u�d � Wie trutzia stunden Alle � � � Wir sind das Titelchen vom-tz Und unentbehrlich, sagten sie- Doch ging's im Laufschritt k' und L- Wie juckte Allen schon das Fell- M, N zumal, dann folgt das O Und chronisch ward das Quiproauo P, Q, R, Himmel! schon bei'm s' Geschah'was Ungemüthliches; Die Lippen bebten T und U— Minister is nich! Hahn in Ruh'! V M ¥ und auch V— Siehst' du, mein Kind, das kommt davon! Nun betet Jeder gern noch Z, Wenn er nur sein Mandat schon hätt'! setze der kapitalistische» Produktionsweise, muß eben jeder Kapi- talist in seinem Mitkapitalistcn seinen Concurrenten und geborenen Feind erblicken, und so ist es ganz natürlich, wenn jedes Jndi- viduum sich soviel wie möglich abschließt, wenn es gar kein All- gemeines giebt, das als gemeinsames Band eines Staates oder nur einer Klasse dienen könnte, wenn somit das Bürgerthum kein einiges, in sich fest organifirtes Staatswesen, ja nicht einmal eine Klasse zu bilden vermag. Auf pax. 36 sagen Sie selbst:„Das Gefühl für die großen G-sammtinteressen fehlt, Jeder denkt nur an seine kleinen und momentanen Fraktionsgeschäftchen, das ist — in's Parlamentarische übersetzt— der Fluch der Jsolirtheit, des gebundenen, ohnmächtigen Zustandes, welcher durch das ganze nattonale Leben geht. Jeder hängt abgesondert seinem Spiele nach, und das erstreckt sich hinauf bis in die höchsten staatsmännischen Sphären." Wenn Sie geschrieben hätten, Herr Bamberger: Es ist der Fluch des Bürgerthums, die Jsolirtheit, der gebundene, ohnmächttge Zustand...... wir würden den ganzen Passus Wort für Wort unterschreiben. ?ax. 21 unterhält uns Herr Bamberger dann von Neuem von all' den Verbindungen, die alle möglichen Parlaments- Parteien mit uns unterhalten sollen, und zwar sagt der Verfasser, die Verbindungen seien eben für die heuttge Gesellschaft so ge- fährlich, weil die Größe der Gefahr von den Nichtsozialisten gar nicht geahnt werde. Auch hier erfahren wir nichts Neues; ebenso vermissen wir nähere Angaben des Herrn Bamberger. Er ist doch unzweifelhaft mit der Größe der Gefahr bekannt, warum erweitert er denn den Mitgliedern„der ausgewähltcsten Zu- Hörerschaft" Deutschlands nicht den„beschränkten Blick"? Neben- >ei gesagt, ein schönes Zeugniß für jene ausgewählteste Zuhörer- 'chaft, sie muß sich von einem ihrer Mitglieder wegen ihres be- chränkten Blickes tadeln lassen und zwar da, wo es sich um die große Culturfrage unseres-Jahrhunderts handelt; noch mehr, Herr Bamberger beschuldigt diese ausgewählteste Zuhörerschaft, nicht zu sehen und nicht zu wissen, was im Schöße der eigensten Parteien vorgeht. Das ist schlimm, nicht wahr?„Wo das geistige Leben in Deutschland ohne Mittelpunkt und deshalb ohne Zusammenhang sich in zahllose, dunkle Gänge verästelt, so bleibt es insbesondere den oberen Zehntausend fremd, heißen sie nun Geburts-, Rang- oder Geldaristokratie!" Also, Herr Bamberger, Sie meinen, das deutsche Geistes- leben sei ohne Zusammenhang? Jawohl, wenn die Bourgeoisie auch dieses für einige Decennien ganz und gar unter ihre Herr- schaft bringen könnte, denn allerdings würde auch dieses letzte Band bald zerreißen, das Deutschland innerlich zusammenhielt, als es politisch Schiffbruch gelitten hatte. Dieses letzte Band sollt ihr uns nicht rauben und werdet es nicht, denn zum Glück liegt das Gebiet der Wissenschaft außerhalb der Machtsphäre der Bourgeoisie, und gelingen wird es euch nicht, welche Anstren- gungen ihr auch machen möget, auch das geistige Leben Deutsch- lands eurer Desorganisationswuth zu unterwerfen. Die Titauen haben den Himmel nicht zu stürmen vermocht, ein Blitz und Zeus schleuderte sie in den Abgrund zurück. Ein lobendes Zeugniß stellt dann Herr Bamberger dem Reichskanzler aus, der, allerdings auch nur durch Zufall, etwas mehr Witterung von den geheimen Kräften hat, welche der sozialistischen Propaganda in Deutschland dienen. Diese an den Reichskanzler adressirte Anerkennung schließt dann gleichzeitig die Anerkennung ein, die Herr Bamberger seinem eigenen Scharf- blicke ausstellt; er ist vielleicht der Einzige in Deutschland, jeden- falls Einer der Wenigen, die der sozialistischen Propaganda und den ihr ivi Geheimen dienenden Kräften aus den Grund sehen, der Reichskanzler„wittert" nur so etwas davon, die Conservativen u. s. f. leben in unschuldigster Unwissenheit. Am Schluß dieses Passus schimpft Herr Bamberger wie folgt:„Es hat sich ganz nützlich für uns so gefügt, daß im Lager der Ultramontanen und der Junker einige sozialdemokratische Buschklepper Dienste ge- nommen.".... In diese sumpfige Niederung der Schimpferei hinabzusteigen, Herr Bamberger, das mag einem Nationalliberalen, dessen Manchesterlehren längst auf's Trockene gesetzt sind, und der aus all' den Gebieten des Wissens nichts mehr zu seinen Gunsten anführen kann, angemessen sein, uns aber kann es nicht passen, Ihnen dahin zu folgen. Wollen Sie auf den lichten Höhen der Wissenschaft und des Denkens mit uns streiten, finden Sie uns bereit; in dem Kothe der Gassenbuben-Schimpferei müssen Sie allein, oder mit Ihresgleichen waten; uns begegnen Sie dort nicht.— (Schluß folgt.) Corresponoenze« Harburg. Ein sonderbares Manöver hatte die Welfenpartei am Sonnabend den 20. Juli Hierselbst ausgeführt, um Stimmen zu gewinnen. Eine ganze Anzahl bekannter Parteigenossen waren per Karte zu der Versammlung eingeladen, jedoch die Genossen Steffens und Lampel, von denen man befürchtete inter- pellirt zu werden, hatte man nicht eingeladen. Da ich gerade Beschäste hier hatte, so wurde ich ersucht, bis Abend dazubleiben, wo ich dann auch Einlaß erhielt. Wie ich den Saal betrat, war die Versammlung schon eröffnet; dieselbe war wohl von gut 2000 Mann besucht. Wie ich mich aber später überzeugte, war es wohl die Hälfte Sozialdemokraten und die andere Hälfte Deutsch-Hannoveraner. Hätte ich nicht schon vorher gewußt, in welcher Versammlung ich mich befand, so hätte ich unbedingt geglaubt, es sei eine sozialdemokratische. Herr Brinkmann aus Hannover verstand es, m zündenden Worten die Roth der ar- bettenden Bevölkerung zu schildern, dieselbe sei hervorgebracht durch den Schwindel der kapitalistischen Produktionsweise. Nach demselben bestieg der Candidat der Partei, Graf Grothe, die Tribüne und entwickelte sein Programm, welches, nach seinen Worten zu urtheilen, nur in einigen Punkten von dem unsrigen abwich. Zuerst erklärte derselbe, für ein Ausnahmegesetz könne er nicht eher stimmen, bis er sich dasselbe angesehen habe. Auf meine Interpellation erklärte derselbe jedoch später, gegen jedes Ausnahmegesetz stimmen zu wollen. Für das Militär wurde eine zweijährige Dienstzeit verlangt, und dann schließlich Umkehr zur Religion; sogar wurde verlangt, die freiheitlichen Lehrkräfte aus der Schule zu entfernen und an deren Stelle nur Lehrer anzustellen, welche als obersten Grundsatz die Religion hinstellen. Dies waren die beiden Punkte, über die ich hauptsächlich mit Grothe in Streit gerieth. Als ich Trennung der Kirche vom Staat beanspruchte, erhob sich in der vordersten Reihe, woselbst die Bauern aus der Umgegend placirt waren, ein Skandal, de» ! Herr Brinkmann jedoch damit beilegte, als er wörtlich sagte: „Wir befinden uns hier in keiner liberale» Wählerversammlung, n v einem jeden Andersdenkenden das Sprechen unmöglich ge- macht wird, wir müssen einen jeden Redner aussprechen lassen, und das thut dieser Herr; übrigens bin auch ich gewohnt, in einer sozialdemokratischen Versammlung stets anständig behandelt zu werden." Hierauf vollständige Ruhe. Von anderer Seite meldete sich Niemand zum Wort, und ich kann wohl behaupten, daß eine solche große Versammlung, wo zwei Parteien in der- selben Stärke erschienen find, derartig friedlich verläuft, et-oa? sehr Seltenes ist. Wir können zufrieden sein, denn wir sind mit der Ueberzeugung aus dem Saal gegangen, daß uns durch das (vielleicht) beabsichtigte Manöver keine Stimme verloren ge- gangen ist. W. W. Worms. Noch in letzter Stunde sehen wir uns genöthigt, einen sozialistischen Candidaten aufzustellen, da ein Radikaler nicht vorgeschlagen ist. Wir stellen nun für den Wahlkreis Worms-Heppenheim-Wimpfen unseren Genossen August Drees- bach als Reichstagscandidaten auf und ersuchen alle wahren Volksfreunde, demselben ihre Stimme zu geben. Vielleicht ist es noch möglich, daß derselbe eine oder zwei Versammlungen abhalten kann. Zlieder-Ingetbeim, 20. Juli. Wie man auf der hessischen Ludwigs-Eisenbahn mit den Arbeitern umgeht, davon will ich Ihnen heute zwei kleine Fälle mittheilen. Einem Arbeiter, Namens Hanselmann von HeideSheim, welcher auf der Güter- Halle in Mainz beschäftigt ist, wurde von einer Eisenbahnwagen- thür der Daumen an der rechten Hand zerquetscht und zwar ohne sein Verschulden; in Folge dessen war der Mann längere Zeit arbeitsunfähig, und da auf der Güterhalle daS Wort„Ge- sund und hier" oder„Krank und nicht hier" üblich ist, so mußte der Mann zu Hause bleiben. Bei seinem Wiedererscheinen auf der Arbeit bat der Mann seine Vorgesetzten um seinen während seines Zuhauseseins verdienten Lohn. Man bedeutete ihm jedoch kurz, ein Nichtangestellter habe nichts zu beanspruchen und er hätte in einen Krankenverein gehen sollen. Endlich nach langem Flehen und Bitten erhielt derselbe die Hälfte von dem Gelde, was er während seines Zuhauseseins verdient hatte, und zwar als Unterstützung. Also Bettelbrod muß der Mann essen.— Zur Wilhelmsspende. Mit der Subscripttonsliste in der Hand geht heute ein Unterbeamter der hessischen Ludwigs-Eisenbahn, der sich öfters auch als Profoß gebrauchen läßt und nebenbei heute national, morgen Demokrat und am anderen Tage wieder Sozialist ist, bei den Bediensteten und Arbeitern auf der Güter- halle von Mann zu Mann und fordert jeden in sehr zwei- deutigem Tone auf, seinen Beitrag zur Wilhelmsspende zu geben. Die Leute werden geradezu gezwungen, ihre sauer verdienten Pfennige beizusteuern.— Bei der Collekte zur Unterstützung der Hinterbliebenen der auf dem„Großen Kurfürst" Ertrunkenen wurden von der Hess. Ludwigs- Eisenbahn nach Angabe des „Neuen Mainzer Anzeiger" auf diese Art 1327 Mark 29 Pf. gesammelt. M. Würzvnrg. In der allgemeinen Drang- und Zwangsperiode eine Correspondenz aus dem schwarzen Würzburg mag unseren Freunden zeigen, daß wir allerorts guten Much bewahren und auf dem Posten sind. Wie überall,„so weit die deutsche Zunge klingt" und das Verleumden Geld einbringt, so sind auch hier die„liberalen" Zeitungsschreiber gleich nach den beiden Atten- taten halb verrückt gewesen.— Wäre diesem Gelichter nach Wunsch verfahren worden, Schreiber dieses würde schon seit Wochen als Zierde irgend eines eiligst geferttgten Dreibeins in der milden Frankenluft baumeln.— Jetzt hat allmählich die Temperatur der zeitungsschreibenden Nationaldickschädel abge- nommen, bereits find die„ehrenwerthen Herren" schon so ver- nünftig geworden, daß sie begreifen: Die Prügel, welche wir den Sozialdemokraten auflegen wollten, fallen auf unseren eigenen Ehrenwerthen. Nun wenn auch der Mensch, welcher das psycho- logische Unglück hat,„liberal" zu sein, etwas später als die mit gesundem Gehirn begabten Erdensöhne zu Verstände kommt, ist das immerhin besser, als wenn es nicht geschähe, diota bene hier ist nur von Denen gesprochen, welche die grenzenlosen Dummheiten, die sie aus Anlaß der Attentate begingen, wirklich bereuen. Zum Unglücke des„Liberalismus" sind derer nicht sehr viel. Nach allen Anzeichen wird ein großer, wenn nicht der größte Theil des sich„liberal" nennenden Gemengsels mit sammt seiner Presse, der„Neuen Würzburger Zeitung", in's Lager der Partei Bismarck ohne Phrase übergehen, und unser schwarzes Semmelschmarrenthum macht sich bereit, die lieben Brüder in Christo, wenn dieselben auch semitischer Abkunft sind, mit offenen Armen zu empfangen; all right. Auf diese Weise wird die Sttuation bedeutend klarer, und unser längst gehegter Wunsch, die sämmtlichen Reaktionäre in einem Stalle vereint zu sehen, erfüllt. Die Reichstagscandidaturen sind bereits aufgestellt, und bleiben dieselben wie bisher. Wir haben als die Ersten Grillenberger wieder aufgestellt. Dann folgten die Schwarzen mit ihrem berühmten Schweiger Frhrn. v. Zu-Rhein; ihnen folgte die Volkspartei mit ihrem Geist, und dann die National- liberal-Conservattven mit ihrem bewährten Durchfallscandidaten Neidert, der die Folgen des letzten Durchfalls glücklich über- standen zu haben scheint. Natürlich wird von unseren Gegnern nur im Geheimen gewühlt, wie das ja von solchen Maulwurfs- Naturen nicht anders zu erwarten ist. Die Herren wissen recht wohl, daß sie das Licht der Oeffentlichkeit nicht vertragen können, und darum sind sie auch gar grimmig über die Art unseres Auftretens und suchen auch uns aus der Oeffentlichkeit zu bannen, dadurch, daß sie die Wirthe beeinflussen, uns ihre Lokale zu verweigern. Einige Wochen waren die diesbezüglichen Bemühungen unserer Herren Professoren, Doktoren, Offiziere und Beamten auch wirklich von dem gewünschten Erfolge- begleitet. Allein unsere Bourgeois und Bureaukraten kennen die Zähigkeit der Sozialisten schlecht. Wir haben jetzt wieder zwei Säle zur Verfügung und bereits am letzten Sonntage sangen wir den Herren vor„überfülltem Hause" ein Lied, daß den anwesenden Gegnern, die sich in gewohnter Manier des Maulhaltens be- fleißigten, wohl für einige Zeit die Ohren brummen dürften.— Wie in der Stadt, so verhält sich's auch auf dem Lande; da, wo wir keinen Saal erhalten können, agitiren wir am Biernsche, auf der Straße, in der Tenne, kurz überall, wo sich zwerbeimge Gestalten im vorgeschriebenen Alter und vom nothwendigen Ge- schlechte finden lassen. Wir thun also unsere Schuldigkeit, ob- wohl es kaum 25 Mann find, die uns zur Unsichermachung deS Wahlkreises zur Verfügung stehen. Getrost blicken wir dem Wahltage entgegen und denken, unsere Gegner werden den 30. Juli 1878 noch viel dicker anstreichen muffen, als den 10. Januar 1877. Bei den eigenthümlrchen Parte, Verhältnissen im hiesigen Wahlbezirke ist es gar nicht unwahrscheinlich, daß wir zur Sttchwahl gelangen, umsomehr, als namentlich die Land- bevölkerung einen ganz entschiedenen Widerwillen gegen den bis- herigen Abgeordneten v. Zu-Rhein an den Tag legt, und andererseits den Liberalismus haßt wie die P-st. Unsere Genossen erfüllen ihre Pflicht, mehr kann Niemand thun. Die Wahl wird zeigen daß bei uns die Kunststückchen, wie Haussuchungen, Lokal- Verweigerungen, polizeiliche Vorladungen, Vernehmungen und sonstige niedliche Kleinigkeiten nicht verfangen, sondern uns erst recht bestärken in der Vertheidigung unserer Rechte als Menschen. Also frisch auf, ihr Freunde, zur„Sauhatz", wer weiß ob nicht das Wild zum Jäger wird. C. F. Rick. Aochum. Für den Wahlkreis Bochum ist Herr C. W. Tölke in Dortmund als Arbeiter-Eandidat aufgestellt, und ersuchen wir alle Genossen, für Verbreitung der Stimmzettel zu Jorgen. Man hat uns um die Arbeit gebracht, man hat uns verleumdet und geschmäht, sogar Dr. Locwe findet es nicht unter seiner Würde, uns mit Koth bewerfen zu wollen. Zeigen wir, daß wir uns vor der koloffalen Polizei- und Pfaffengewalt nicht fürchten, welche trotz ihrer großen Uebermacht vor uns erzittert. Es lebe die Sozialdemokratie! Glück auf zur Wahl! Das Arbeiter- Wahlcomits für den Wahlkreis Bochum. Honsdorf, 24. Juli. Gestern fand hier eine Versammlung statt, die unter den gegenwärtigen Verhältnissen in Deutschland zu den Seltenheiten gehören dürfte. Es war eine„Wähler- Versammlung", einberufen von der liberalen Partei; zweitens Berichterstattung des bisherigen Abgeordneten unseres Kreises (Lennep- Mettmann), Herrn Dr. Techow in Berlin. Nachdem, wie nicht anders zu erwarten, auch die liebe Sozialdemokratte wegen der Attentate ordentlich herhalten mußte, verlangte und erhielt Parteigenosse Gutekunst das Wort. Derselbe konnte ohne Störung die Bertheidigung der Sozialdemokratie ausführen. Die Versammlung nahm denn auch den schönsten Verlauf und hat gezeigt, daß die sozialistischen Arbeiter recht wohl auch libe- rale Versammlungen ungestört tagen lassen, wenn die Herren nur so gerecht sind, dem angegriffenen Theil das Recht zur Ber- lheidigung zu lassen. Als unser Candidat ist Parteigenosse Carl Henning aufgestellt. Nieder-Ingelheim, 23. Juli. Parteigenossen! An Euch, die Ihr noch Vermögen besitzt, wenden wir uns vorzugsweise, kauft Agitationsnummern und Wahlaufrufe und laßt sie ver- breiten. In jeder Wohnung, in jeder Hütte, wo Arbeiter woh- ncn, find solche willkommen. Laßt sie austragen auf Straßen, Plätzen, Wirthshäusern und Eisenbahnen. Ueberall finden mir Arbeiter, und freudig wird man uns empfangen. Also frisch an's Werk und der Lohn wird nicht ausbleiben. Einer für Viele. Kannover, 21. Juli. Heute, Sonntag, war die hiesige städttsche Feuerwehr Morgens 7 Uhr nach dem hiesigen Schützen- hause ausmarschirt. Auf dem Schützenplatze ließ der Haupt- mann des Corps, Stadtbau-Jnspektor Ebeling, einen Kreis for- miren und machte der Compagnie die nöthigen dienstlichen Mit- theilungen. Sodann forderte er diejenigen Mannschaften, welche sich zur Sozialdemokratie bekennen, auf, vorzutreten. In rich- liger Würdigung der augenblicklichen Verhältnisse und etwaigen Folgen trat selbstverständlich Niemand vor. Sie sehen, daß unsere Gegner sich die größte Mühe geben, die gefährliche und kostspielige Arbeit des Agitirens selbst für uns zu besorgen.— Glück auf zur Wahl! Engere Wahl zwischen Rothen und Gelben infolge der Zersplitterung der nattonalliberalen Partei sehr wahrscheinlich! Genossen, haltet die Ohren steif! P. S. Iorst(Lausitz), 24. Juli. Am 17. Juli in früher Morgen- siunde fand bei mehreren Genossen Haussuchung nach Flugblättern statt. Da dieselben noch nicht eingetroffen waren, konnte die Polizei auch keine mitnehmen. In Ermangelung anderer Sachen wurde bei Genossen B. eine Broschüre und eine Rechnung über Drucksachen mitgenommen. Bei den Anderen hatte man gar nichts staatsgefährliches gefunden.— Am 19. Juli sollte Genosse H. Schmidt, nach Verbüßung seiner viermonatlichen Gefängniß- strafe, hierher zurückkehren, derselbe wurde jedoch als Ausländer sofort nach seinem Heimathlande Oesterreich spedirt. Wir rufen ihm aus der Ferne ein„Glückaus!" zu. Karlsruhe. Samstag, den 20. Juli, hielten wir im Lokal „zum goldenen Kopf" eine außerordentlich stark besuchte Ver- sammlung ab, zu der sich eine große Anzahl Liberale eingefunden hatte, um ihre ordnungsliebende Gesinnung während der Ver- sammlung, insbesondere bei der Burcauwahl durch ihre skanda- lösen Fußbewegungen zu dokumenttren. Nachdem sie durch Hochs auf den Kaiser die Versammlung vergeblich zu sprengen suchten, brachten sie ihren„Anführer", Kürschner Stütz, für den Vorsitz in Borschlag. Aber vergebens. Der Vorsitz blieb uns erhalten und war es unserem Referenten Dreesbach möglich, seine Candidatenrede zu halten. Die Rede wurde mit großem Beifall aufgenommen, ebenso wurde die vorhergehende Proklamation des Herrn Dreesbach als Reichstagscandidat durch den Vorsitzenden von der großen Mehrheit mit Freuden begrüßt. W. B. H schätz, 25. Juli. Die Wahlbewegung treibt bei uns eigen- ihümliche Blüthcn; ist es dem sogenannten vereinigten„Orb- nungsbrei" am Sonnabend und Sonntag vor 8 Tagen gelungen, unsere beiden Versammlungen mit Aufbietung aller Kräfte zu sprengen, so erlebten wir heute Abend das interessante Schau- piel, daß die von fortschrittlicher Seite einberufene Wählerver- Sammlung, in welcher der in letzter Stunde als Dritter im Bunde gier aufgestellte, in Berlin abgegangen wordene Candidat der Fortschrittspartei, Dr. Max Hirsch, sich seinen hiesigen Wäh- iern vorstellen wollte, gar nicht stattfinden konnte. Um 8 Uhr war der große Rathhaussaal, der, beiläufig bemerkt, uns trotz wic verholten Versuches noch nie zur Verfügung gestellt wurde, b-reits überfüllt; um V«9 eröffnet Herr Lehrer Arnold die Versammlung und erklärt— man höre und staune—: daß der Einberufer ein Herr Seifert in Mügeln sei, und da derselbe rrotz aller Mühe nicht zu erlangen, könne die Versammlung nicht stattfinden. Der überwachende Beamte hatte nun weiter nichts zu thun, als die Versammlung im Namen des Gesetzes aufzu- fordern, auseinanderzugehen. Die Oschatzer Bürger und Arbeiter waren abermals genasführt; so muß man es machen, um Stim- men zu werben, die Conservativen werden lachen ob dieses Geniestreiches. Stimmen der höchsten Entrüstung wurden laut: Feigheit ist es, sie wollen keine Oppositton; wenn Hadlich nicht hier war, hätte Hirsch schon gesprochen-c. Wir werden dafür sorgen, daß auch diese Versammlung zu unseren Gunsten aus- schlägt, wir hoffen, daß sich die Wähler von Oschatz nicht zum dritten Male zum Narren machen lassen. Döttingen. In dem Wahlkreise Göttingen-Münden-Duder- stadt erhielt im Jahre 1877 der sozialistische Candidat W. Frick in Bremen im Ganzen nur 197 Stimmen. Gewählt wurde Herr v. Adelebsen(hannoverscher Partikularist) mit etwa 7500 Stimmen, während der Candidat der Nattonalliberalen etwas über 6000 Stimmen erhielt. Wenn man nun die Thätigkeit des Herrn v. Adelebsen im Reichstage verfolgt, namentlich seine Ab- slimmungen nachsieht, so läßt sich nicht leugnen, daß jeder So- zialdemokrat nur wünschen kann, daß dieser Herr wiedergewählt wird(da an einen Sieg des sozialistischen Candidaten hier ab- solut nicht zu denken ist). Er hat z. B. gestimmt gegen das militärische„Septennat" von 1874, gegen jede Erhöhung der Steuern, gegen das Sozialisten-Ausnahmegesetz-c. Bekanntlich ist er Hospitant des Centrums. Gegenwärtig stehen nun die Angelegenheiten in unserem Wahlkreise wie folgt: Es find bis j tzt nur zwei Candidaten aufgestellt, nämlich Herr v. Adelebsen stvelfischer Partikularist) und Prof. Henneberg(nationalliberal). Hmncberg hat nun in seiner Candidatenrede in Göttingen am 2. Juli ganz ungenirt ausgesprochen: daß er für jedes erfolg- reiche Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokraten stimmen werde, ferner gegen das Staatsmonopol, dagegen für eine bedeutend höhere Tabakssteuer und überhaupt für be- deutende Erhöhung der indirekten Steuern zur Beseitigung der Matrikularbeiträge, ferner für Aufrechterhaltung des eisernen Militäretats u. s. w. Herr v. Adelebsen hat nun in Göttingen, Dransfeld, Hedemünden und Münden sein Programm entwickelt. Er wird im Falle seiner Wiederwahl nach wie vor gegen jedes Ausnahmegesetz, überhaupt für alle sozialistischen Forderungen stimmen. Es wäre gut, wenn die Sozialisten für ihn stimmten. W. Au die Reichstagswähler des Wahlkreises Sorau-Forst. Bürger, Handwerker, Arbeiter! Rur noch wenige Tage und die Reichstagswähler des deutschen Reiches treten an die Wahl- urne. Es wird auch an uns die Pflicht herantreten, zu zeigen, ob der gesunde Sinn im Volke noch ferner bewahrt und erhalten bleibe— oder ob die ganze reaktionäre Masse in Zukunft noch ferner ihr Spiel mit dem Volke, dem Arbeiterstande treiben soll. Ihr Handwerker und Arbeiter werdet mit einem entschiedenen Nein antworten. Noch ist der gesunde Sinn im werkthättgen Volke vorhanden. Es sind bis jetzt Männer als Candidaten zum deutschen Reichstage in unserem Wahlkreise aufgestellt wor- den, welche durchweg der befitzenden Klasse angehören und in- folgedessen auch nicht gewillt sind, die Lage des Arbeiterstandes zu verbessern. Im Gegentheil haben sich dieselben sämmtlich für die Forderungen der Regierungen ausgesprochen. Männer der Arbeit! Könnt Ihr jemals solchen Männern Eure Stimme geben, welche für die das arbeitende Volk so furchtbar drücken- den Steuerlasten, insbesondere die indiretten, stimmen? Könnt Ihr Männern Eure Stimme geben, welche dem Volke jede freiheitliche Meinung verkümmern und welche für alle die Volks- bewegung unterdrückenden Ausnahmegesetze stimmen? Nein und abermals nein! Wähler zum deutschen Reichstag! Bedenkt Eure Lage dies- mal mehr denn je. Wendet Euch ab von solchen Männern, welche durch falsche Vorspiegelungen versprechen, Eure Lage zu verbessern. Das unterzeichnete Comitö erlaubt sich deshalb, den Wählern unseres Kreises einen Mann vorzuschlagen, von welchem wir erwarten können, daß er für die Verbesserung unserer Lage eintritt und welcher sich nicht scheut, die Forderungen der Re- gierung, welche nicht im volksthümlichen und freiheitlichen Sinne ausfallen, zu bekämpfen. Dieser Mann ist Zimmerer Alto Kapell in Kamburg. Gebt diesem Eure Stimme, Ihr Handwerker, Arbeiter und Landleute, laßt Euch nicht ferner in das Schlepptau anderer Parteien hineinziehen, welchen es nur darum zu thun ist, bei den kommenden Wahlen Eure Stimmen auf sich zu vereinigen. Wir wollen jelbstständig als Partei auftreten, als Arbeiter- vartei. Darum, Parteigenossen, muthig vorwärts! Agitire in den wenigen Tagen, welche uns noch von der Wahl trennen, ein Jeder von Euch, was in seinen Kräften steht. Trage ein Jeder von Euch wie bisher sein Scherflein dazu bei, damit wir siegreich aus dem Kampfe für die gerechte Sache, für die Be- freiung der Menschheit hervorgehen. Hoch lebe die Arbeiter- Partei! Wählt am 30. Juli den Volksmann Otto Kapell in Hamburg. Das Arbeiter-Wahlcomitö. Hugo Keller aus Görlitz wird um sein: Adresse gebeten. Finsterwalle. I. Zirkel. Für die Familie Schubert sind eingegangen: I. A. 5 M. D. E. F. in B. 20 M., und der Wittwe übergeben worden, worüber hiermit quittirt wird. Weitere Beiträge nimmt entgegen Kirchberg, H. Schwedler. Der Barbiergehülfe Wilhelm Schröder aus Crotta rf ist seit 1. Oktober 1877 aus Magdeburg verschollen und sein Aufenthaltsort unbekannt; vielleicht hält er sich entweder in Hamburg oder Bremen auf, oder er ist nach Amerika gegangen.— Sollte Jemand über den Verbleib des p. Schröder Auskunst geben können, so bittet die Braut desselben, seinen jetzigen Aufenthaltsort an die Exped. d. Blattes ge- langen zu lasten; etwaige Unkosten werden vergütet. Alle arbeiterfteundlichen Blätter werden um Aufnahme des Bor- stehenden gebeten. Unterzeichneter bittet die amerikanischen Parteigenosten und alle Leser des Vorwärts um die Adresse des Herrn Herrmann Hechel» mann, Dr. med., im Jahre 1871—72 in Ncwyork, Amerika. Rixsecker, III. Hauptstraße 34. Wien. Den löbl. Mg. Arbeiter-Berein m Innsbruck bin ich genöthigt nochmals wenn auch nur um kurze Stundung zu ersuchen. Meine gegenwärtige Lage läßt zum Theil mein Zögern entschuldigen. Mit der Versicherung, alle meine Verpflichtungen ungesäumt zu ordnen, bleibe ich stets noch was ich war. Theodor Capra, Zürich-Seefeld, Rosenweg 7 part. An die Reichstagswähler im Maingau! Nur noch wenige Tage trennen uns von der Reichstagswahl. Am 30. Juli, von Morgens 10 bis Abends 6 Uhr ist die Zeit, wo die Würfel fallen. Männer der Arbeit! Handwerker, Arbeiter, Landleute, Kleingewerbtreibende, Beamte! Gebt am 30. Juli nur einem Candidaten der Sozialdemokratie Eure Stimme, einem Manne, der entschieden für Freiheit und Recht einzutreten gesonnen ist. In Frankfurt a. M.: Rudolf Döll in Frankfurt; in Hanau-Gelnhausen-Orb: Karl Frohme in Bockenheim; in Höchst-Usingen: Jakob Schmidt in Frank- furt a. M. Männer des Volks! Das sind Eure wahren Vertreter, wenn Ihr nicht noch mehr Steuern zahlen wollt, wenn Ihr nicht auch den letzten Funken Freiheit hingeben wollt. Wir allein müssen den Kampf aufnehmen mit der gewaltig herandrängenden Reak- tion; die Freiheitsmänner der ganzen Welt blicken mit Span- nung auf diesen Kampf, darum eilt Alle an die Wahlurne mit Stimmzetteln für die oben bezeichneten Candidaten. Frankfurt a. M., 23. Juli. K. Bekanntmachung. Das unterzeichnete Comitö ersucht hiermit alle Genossen des 10., 11., 14. sächsischen Wahlkreises, sowie aller anderen Wahl- kreise, Wahlresultate ihm am 30. Juli telegraphisch unter der Adresse:„ZSahtcomitä Leipzig, Aellevue" zukommen zu lassen und ist bereit, ebenfalls Nachrichten nach auswärts gelangen zu lassen. Zuschriften werden erbeten an C. Lienig, Färber- straße 12/11. Leipzig, 23. Juli 1878. Das Centralwahlcomitä für den 10., 11., 12. und 14. Wahlkreis. «ö. Wir bitten die auswärtigen Genossen, uns von allen Wahlbeeinflussungen, überhaupt von allen uns in den Weg ge- legten Hindernissen sofort Mittheilung zu machen. Dort, wo man Wahlfälschungen befürchtet, theile man uns mit, wer für unfern Candidaten gestimmt hat; Diskretion unsererseits selbst- verständlich._______ Aufforderung. Wir ersuchen unsere Parteigenossen allerwärts, uns von solchen gegnerischen Wahlflugblättern, welche sich durch besondere Rohheit und Schamlosigkeit auszeichnen, je zwei Exemplare einzusenden, um dieselben unserer Bibliothek als geschichtliches Material einreihen und auch im Reichstage gelegent- lich verwenden zu können.� Leipzig, am 24. Juli 1878. Expedition des Vorwärts, Färberstraße 12 II. Achtung! Das sozialistische Wahlcomitö zu Dresden ersucht alle Parteigenossen, soweit es möglich ist, am Abend des Wahltages ihm per Telegramm das Resultat zukommen zu lassen. Adresse: Schlüter, Centralhalle. ISIB. Wir unsrerseits verpflichten uns ebenfalls, soweit Adressen vorbanden, Telegramme abzusenden. Das sozialistische Wahlcomitö zu Dresden. Briefkasten der Redaction: I. S. in Oberhausen: Setzen Sie sich mit Christian Gilles in Hochseld bei Duisburg in Verbindung.— M. H. in Weimar: Die„Fackel" hat die Nachricht gebracht, daß Hödel das Reisegeld nach Berlin von Sparig erhalten habe; und unseres Wissens hat Sparig, der doch sonst schnell im Prozessiren ist, die„Fackel" noch nicht verklagt. Die Redaktion des obengenannten Blattes wird den Beweis der Wahrheit antreten. der Expedition: R. Slbm. Oberlungwiy: Das Paket wurde zu ftankiren leider übersehen.— B. I. Kohn in Brüstet: Bttten nähere Adresse anzugeben. Wahlfonds. Drucker u. Formstecher Dörfel 4 fl. Genossen i. Dörfel 1 fl. 83 kr. D. G. Thaute 2 fl. 92 kr. Summa: 3 fl. 75 kr. M. 15,32. am«saynage, gnoen ahlfeste, 12. und 13. siichs. Wahlkreis. (Leipzig-Stadt und Leipzig-Land.) Am 30. Juli, als am Wahltage, finden verbunden mit Concert und Gesang im „Belleviie", Leipzig, Kreuzstraße, Salon„Germania", Neusellerhausen und im „Deutschen Hans" zu Lindenau statt. Daselbst werde» alle eingehenden Wahlresultate bekannt gegeben. Entree k Person 15 Pfg. Es laden die Wähler zu zahlreichem Besuche ein Die SValilcomitCs f. d. 12. u. 13. Wahlkreis. Neu erschienen und durch uns zu beziehen ist: Die Frauen- und Äinderarbeit vor dem Deutschen Reichstage. Reichstagsreden von I. Motteler. Preis pr. Exempl. 15 Pf. Kladderadatsch. Eine kritische Glosie von Frd. Werner. Preis pr. Exempl. 15 Pf. Männer-Chören empfehle ich meinen Musikalienverlag, als: Neun Arbeiter-Lieder. Liedersammlung des Allgem. Arbeiter-Sänger-Bundes Drei Soloquartette von G. Scholz. Ein armer Wandersmann. Baritonsolo mit Piano von G. Scholz, ü 50 Pfg. Preisliste gratts und ftanco. Emil Sauerteig in Gotha.(1,10 Durch die Expeditton des„Vorwärts" ist zu bezichen:(2,10 Boruttau. Religion und Sozialismus..... M.—,40 -- Die religiöse Frage und das arbeitende Volk..„— ,2J> Geiser, Das deutsche Reich und seine Gesetzgebung..„— ,60 Liebknecht, Zur orientalischen Frage oder soll Europa kosackisch werden..........—,30 -- Die Orientdebatte im deutschen Reichstage..„—,30 Für Colporteure. Vogel, Verfälschung der Lebensmittel; Luxlllnäer, Ge- schichte der ftanzöfischen Arbeiter-Associatioueu und sonst. Partei- schritten liefert soliden Coiporteuren u. Wiederverkausern m. höchstem Rabatt i. Rechn. Mustersendung gratis, a.»llller, Exporlbuchh. Berlin, Forsterstr. 55.____(46)(F. 41)[1,80 MT Zur Wahlbewegung!"WW Ritder mit deu Sosialdemokratenl Von W. Bracke. Bisherige Auflage 195,000 Exemplare!! Einzeln im Buchhandel 25 Pf., für Arbeitervereine 15 Pf. In Partten 10 Pf., 50 Stück 4 MI, 200 Stück Mk. 12,50, 1000 Stück 50 Mk. Bei größeren Partien für die Wahlbewegung pro 1000 Stück 40 Mk. Gegen baar oder Postvorschuß.[WO Braunschweig, 12. Juni 1878. W. Bracke jr. Prachtvoll und solid gearbeitete Einbanddecken (Goldpressnna) für die__ „Neue Welt" Jahrgang 1876 u. 77 sind in Schwarz a Stück M. 1,20, in Roth M. 1,50 gegen baar oder Nachnahme durch die Buchbinderei von H. Jause», Leipzig» Univerfitätöstrasie 16 zu beziehen. Colporteure und Flttalexpeditione:: erhalten bei Partiebezug entsprechenden Rabatt. Porto zu Lasten der Empfänger. IM. Bestellungen hierauf werden entgegengenommen und effettuirt von der Expedition der„Neuen Welt", Leipzig, Färberstr. 12. Verantwortlicher Redakteur:' Julius Künzel in Leipzig. Redaktion und Expedition Färberstr. 12. II. in Leipzig. Druck und Verlag der Gl..ostenschaftsbuchdruckerei m Leipzig. Weaen Wahlarbeiten Verzöge- ng im Druck eingetreten.