frfdjfhtt in Feiplig ««ttwoch, Freitag, Soantag. 'ldounemnUSPreiS -i>r g-i?, Teutichland t M. SN B?. pro Quartal. MonatS- Abonnements «erden bei allen deutschen Poftanstalten Mit den 2. und Z. Monat, und auf den ÜLSIic-at besonder» angenommen: im lllchmgr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Vlkenburg auch auf den Iren Monat dt» Quartals k 54 Pf». Inserate Sete. Persanunlungen pt. Petttzeile 10 Pf., betr Priratangelegenleucn und Feste pro Peritzeile Z» Pf. Vestellunzen nebmen an alle Postanstaltm und Puch». Handlungen des In- u. Auslände«. Filial- Expeditionen. New- Bort: Soj.-dcmolr. Gcnoifcn- schaftiduchdruckerei, 154 Ellcknilxö Str. Philadelphia: P. Haß, 630 North 3r« Stroet, I. Boll, 1129 Charlotte Str. Hodoten N.J.: F. A. Sorge. 21« Waeh- ington Str. Chicago: A. Lanfennann, 74 Clybourne.™, San FranziSco: F. Entz, 41« 0'l'arreU Str London W.: T. Hcnje, 8 New litr Golden Square. Genirat Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. »t. 89. Mittwoch, 31. Juli. 1878. Abonnements auf den„Vorwärts" ! Die breite, mit Milliarden und guten Vorsätzen gepflasterte Straße, auf welcher die finanzielle und industrielle Verwaltung r die Monate Juli u. August M. 1,10 werden bei allen deut- des deutschen Reiches mit großem Pomp und lautem Hallelujah ,chen Postanstalten, für Leipzig pr. Monat zu 60 Pf. daherzog, hat jämmerlich in eine Sackgasse geendet, und der bei der Expedition, Färberstr. 1211, in der Expedition der ganze Trost, welcher dem„Patrioten" gespendet wird, ist die „Fackel", kl. Fleischcrgasie 15, purt. und bei unserm Colporteur Anweisung darauf, daß es noch wieder anders und dann auch Bäsch, Hospitalstraße 6 IV., in den Filialen: Eigarrenladen wieder besser werden wird. des Hrn. Peter Krebs, Ulrichsgasie 60, für die Umgegend Aber wie? Handel und Industrie liegen unter dem heutigen von Leipzig bei den Filialexpeditionen: für'Kstkmarsdorf, System hoffnungslos darnieder, die Milliarden sind fort und fUudititz, Zleuschöuefett zc. bei Frau Engel, Reudnitz, Täub- wir haben ihnen die Zinsen noch nachgeworfen, die Einnahmen chenweg 29, 2 Tr., für Hsnuewitz ic. bei H ackert, Kurze Str. 10 gehen bergab, die Ausgaben bergauf, und dem Allen gegenüber .."----- c,.'■-— wifien die Heilgehilfen des großen Meisters an der Spree kein anderes Rettungsmittel als— neue Steuern, Unterdrückung der .....„_________...____ armseligen politischen Freiheiten, Militär-Septennat und Herab- »räfenstein, Aurelienstr. 3, für Hahlis ic. bei A. Herms- setzung der Arbeitslöhne. dorf, Lindenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Die Höhe der Arbeitslöhne in Deutschland wird ja aus- Papiermühle, angenommen. drücklich als Grund unserer traurigen Handelsbilanz ausgegeben, Für Aerliu wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf., obschon dieselben in allen den Ländern, welche uns auf dem frei in's Hans abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Weltmarkte überflügeln, höher stehen als bei uns; daß Prefle", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8«, und bei Rüben ow, ferner die Arbeitslöhne gleichzeitig mit den Lebensmittelpreisen Brunnenstr. 34, im Laden. in die Höhe gegangen find und daß letztere auch heute noch kaum Die Leipziger Abonnenten werde»«och besonders daranf eine Neigung zum Sinken zeigen; daß unsere Inferiorität auf -»Werksa« gemacht, daß bei allen Stadtpost-Filialen Quartals- dem Weltmarkt wesentlich auf unsere Armuth und die Höhe der pari., für Kteinzschocher u. Umgegend bei Trost,Sanptstr. 10/1, für Thonberg bei Bäsch, Hospitalstraße 6/IV, Leipzig, A««- rendnitz bei Zlchau, 15 1, für Ulagwitz» Lindenau bei Frau abonnemeutS angenommen»erden. Die Expedition des„Vorwärts". Transportkosten, sowie aus vorsichtige und vorbeugende Maß regeln unserer Nachbarn zurückgeführt werden muß: das Alles kümmert die weisen Nationalökonomen nicht im Geringsten, finden sie doch unbedingten Anklang mit ihren Maßregeln bei Den- jenigen, welche von dem Niederdrücken der Arbeitslöhne den Profit holen mit dem Motto: Zum Wohle des Staates. Wenn nun der denkende Staatsbürger sich vergegenwärtigt, Stimmvieh. (Bon einem Nichtsozialisten.) Ein alter Philosoph sagte einmal:„Wenn die Menschen wie herrlich weit wir es unter der bisherigen unsinnigen finan- lieber weniger moralisch wären, wenn sie wenigstens nicht so zollen und industriellen Klassenwirthschaft gebracht haben, so dumm wären." Weniger moralisch freilich sind wir geworden,- wird er sich sagen müssen, daß er von dieser Seite Nichts mehr leider aber haben wir an Dummheit nicht abgenommen, und Zu hoffen hat und daß er daher einem Vertreter des bisherigen erübrigt somit dem Geschichtsschreiber von heutzutage nur die Systems seine Stimme am Wahltage nicht geben darf. traurige Pflicht, diesen Rückschritt zu constatiren. Daß unsere Die Wiederherstellung der ganzen jämmerlichen liberalen Moralität gesunken ist, wird Niemand leugnen wollen, so wenig Prinzipienreiter« und wirthschastkichen Volksausbeutung Ware als der Denkende fich verhehlen kann, daß diese Thatsache ihre gleichbedeutend mit neuer Unterdrückung, und wenn endlich das Begründung findet in dem Kampfe um's Dasein, in den unHalt- Volk, zum Aeußersten getrieben, sich seiner Peiniger zu eutledi- baren Bedingungen der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhält- msse, während andererseits die fernere Thatsache zugegeben werden muß daß die großartigen„Erfolge" der deutschen Po- litik auf politischem Gebiete nur neue wirthschaftliche Kalamitäten hervorgerufen haben, welche das Volk im Allgemeinen wohl ärmer. aber um keinen Deut klüger gemacht haben. Für den Kampf um's Dasein ist es relativ gleichgiltig, ob derselbe zwischen Völkern und Rassen die Form des physischen Kampfes mit Waffen annimmt, oder ob er fich in anderen, gen Miene macht, mit neuen blutigen Kriegen oder dem Nieder- kartätschen der nach Brod verlangenden Massen. Wer einem Vertreter des bisherigen Systems daher seine Stimme giebt, wirft sein Menschenthum über Bord und gesellt sich zu dem Stimmvieh, dessen einziges Menschenrecht am Ende darin besteht, von irgend einem Eroberer als Schlacht- vieh verbraucht zu werden. Er ist also weniger moralisch als dumm. Aber, wird ein großer Theil der Wähler, namentlich der scheinbar friedlichen Formen der Conkurrenz bewegt. Man würde ländlichen, einwenden, bisher regierte ja der Liberalismus und sich sehr irren, wenn man glaubte, daß der Krieg die grausamste �""'""MT■ r— t— oder auch nur die wirksamste Form der Vernichtung eines Eon- kurrenten sei; es ist nur, wie von neueren Schriftstellern auch schon angedeutet, die am nächsten liegende, weil roheste, zugleich aber eben auch deshalb die ultima ratio für ein Volk, das fich von seinem Conkurrenten im sogenannten friedlichen Wettstreit überholt sieht. Die Opfer auch des gewaltigsten Krieges sind unbedeutend gegen die Vernichtung von Millionen und abermals Millionen Menschen, die zu Grunde gehen, wenn ein Volk von einem industriell höher entwickelten vermittelst des Handels aus- gesaugt und eines Theils seiner bisherigen Erwerbsquellen be- raubt wird, oder auch, wenn selbiges sich des Glückes erfreut, daß seine Staatsmänner prinzipiell behindert sind, fich um seine ökonomischen Angelegenheiten zu bekümmern. Es ist ein einfaches Additionsexempel, wenn man aus diesen Bordersätzen die Folgerung zieht, daß ein finanzieller und indu- strieller Niedergang nach einem verheerenden Kriege doppelt ver- derblich wirkt, und zwar um so verhängnißvoller, je mehr der- selbe fich zugleich zu einem vernichtenden Eonkurrenzkampfe im Innern eines bestimmten Volkes gestaltet. Hierin beruht auch einzig und allem die fast immer in der Staotengeschichte Europas hervortretende Erscheinung, daß große Völker nach außen um so kriegerischer und anspruchsvoller auf- treten, je unbehaglicher sie sich daheim befinden, und daß in solchen Lagen der Kriegsminister dem Finanzminister wieder auf die Beme helfen muß. Aus diesem Grunde ist es auch nicht wJ?.sMefähr, wenn immer neue Kriege entbrennen, ohne daß s.sl,"»mmcv IICMt ÖVWVMV W.VV-V4S4.W., �"7"- Z\�ntn �.ffbaren sittlichen, d. h. rechtfertigenden Hinter- r entspringen vielmehr der in der Masse der senden Unsicherheit und Unbehc wdiich--«"»'libm- fiPtirtSeis- Cl" w ffl»!""?.4MneWenbeV Unfi'chrrheit Vnb ÜnbehogUchteit und er muß es auch thun mit � derjenigen Rechtlichkeit, welche den die gegenwärtiae Entwicklung kaum einen ehrlichen Mann stets auf die Seite der unschuldig Verfolgten jetzt können wir es ja einmal mit den Conservativen versuchen. Ganz richtig. Nur seht das voraus, daß derjenige, welcher einem Conservativen seine Stimme giebt, die höchste Stufe seines Menschenrechts und seiner Menschenwürde erklommen zu haben glaubt, wenn er gegen seineu Arbeitsschweiß und gegen unbe- dingten Gehorsam von seinem Brodgeber nothdürftig gesättigt wird, sich also jedes Anspruches auf den wahren Ertrag seiner Arbeit und die ihm gebührende soziale Stellung begiebt. Der berühmte Pater Caret donnerte einst von der Kanzel: „Selig sind die Dummen, denn sie werden Gottes Esel genannt werden." Wer zu diesen Glücklichen gehören will, wähle einen Conser- vativen. Er mache aber auf Moral keinen Anspruch, denn diese ist keine Magenfrage. Wer aber den Ernst der Zeit erkannt hat und wer der er- bärmlichen Rolle überdrüssig ist, die er bisher zu seinem geisti- gen und materiellen Nachtheil als Staatsbürger zu spielen ver- urtheilt war, der muß fich abwenden von einer brutalen Staats- Politik, welche in stets neuer Auflage nichts Anderes weiß, als die Aufführung einer neuen Variation des alten Fabelworts: Nein, sprach der Räuber, Du bist mein, denn ich bin groß und Du bist klein! Und so muß auch derjenige denkende Wähler, der, die Aner- kennung der hohen idealen Ziele der Sozialdemokratie voraus- gesetzt, selbst an der Ausführbarkeit dieser Ideen zweifelt, seine Stimme zu Gunsten des sozialdemokratischen Candidaten in die Urne legen. Und er muß dies nicht nur aus Abscheu vor dem bisherigen staatlich gepflegten wirthschaftlichen Ausbeutungssystem, sondern rn«Af c------ ia,ie. und Bedrückten drängt. befindet sich augenblicklich. Dank seiner einfichts- So wird sich dann allmählich auf der einen Seite Jntelli- cÄ- t sro•m diesem Zustande allgemeiner Unbehag- genz und Ehrlichkeit, auf der anderen Nichtswürdigkeit und lichkeit und Rathlofigkeit. und es ist eine Gesundung seines durch Dummheit zusammenfinden. und durch kranken Staatskörpers nie und nimmer zu erwarten Auf welcher Seite dann schließlich der Sieg erfochten wird, von den Parteien, welche bisher die finanzielle und industrielle das zu prophezeien kann man all' Denjenigen überlassen, welche Politik geleitet haben. Dafür ist der Beweis alänxend erbracht moralisch geblieben find, ohne der Dummheit zu ver- seit dem letzten Knege damit aber zugleich auch der Nachweis fallen. u»- mch. Das deutsche Volk hat das Blut von Hunderttausenden seiner Söhne für seine sogenannte nationale„Einigung", seine mör- Deutschland und der Sozialismus von Ludwig Bamberger. Bon H. M. ________________(Schluß.) fich ergehen lassen müssen, welche ihm allmählich das letzte Mark I Auch sprechen Sie dann von„dem Treiben einer Haupt- ans den Knochen, wie den letzten Heller aus der Tasche gelockt> städtischen Bevölkerung, die— im Vorgefühl ihrer politischen hat, d. h. dem Massenmorde hat es seine Moral, dem Ka- Ohnmacht— fich entweder träger Glcichgiltigkeit oder radikalen pital seine Existenz geopfer.'itund nur seine— Dummheit Spielereien überläßt." Ein solcher Zustand in der„Stadt der ist ihm geblieben. � Intelligenz", im„Spree-Athen", hat Ihnen also nicht mehr zu der, scheu Lorbeeeren und die Milliarden geopfert.' es hat nach dieser„politischen" Wiedergeburt eme ditto„industrielle" über 'V> denken gegeben? Wenn denn soll das Bürgerthum aufgeweck werden, wenn es in Berlin, in der Reichshauptstadt, noch nicht einmal eine Ahnung von seinen Pflichten und seinem Berufe hat? Nicht aufzuwecken ist es fast, und endlich erwacht, überläßt es sich den Radikalen. Ja, Herr Bamberger, Sie haben recht, das schlafende Bürgerthum gehört Ihnen, aber uns das wache. Damit sind wir bis zum Schlüsse des I. Theiles der Schrift des Herrn Bamberger gekommen. Die folgenden Theile II— V (2—5) ebenso eingehend zu erörtern, würde zu weit führen, weshalb wir uns von nun an darauf beschränken, nur noch einige wenige Stellen hervorzuheben. Lax. 20—27 behauptet»Herr Bamberger, daß die gewaltsame Vernichhing des bürgerlichen Regimentes die Losung auf der ganzen Linie der Sozialdemo- kratie sei, seit Kurzem sogar das offizielle Glaubensbekenritniß der gesammten Anhängerschaft bilde. In denselben Sinne unter- schiebt uns Herr Bamberger(pag. 69) die Intention: Die Aus- rottung aller übrigen Klassen sei unser eigentliches Ziel. Das sind elende Lügen, Herr Bamberger. Sie wissen ganz genau, daß von keiner Partei mehr, wie von der sozialistischen in jeder Weise durch Wort und Schrift das Gegeutheil von Ihrer Be- hauptung betont wird. Sie wissen, daß die Sozialisten durch friedliche Propaganda auf dem Boden des gegebenen Rechtes zu ihren Zielen kommen wollen, das wissen Sie und dennoch be- haupten Sie unverblümt das Gegeutheil. Ebenso verhalt es sich mit der Ausrottung der Klassen. Nicht ausrotten wollen wir alle anderen Klassen, sondern aufsaugen wollen wir sie, wir wollen das thun, was das Bürgerthum zu erfüllen nicht im Stande war und nicht im Stande sein kann. Bei Besprechung des allgemeinen, direkten Wahlrechts kehrt Herr Bamberger nochmals seine ganze nationalliberale Com- promißnatur hervor.„Das allgemeine Stimmrecht ist eine voll- endete Thatsache, die jedes Versuches, sie rückgängig zu machen, spottet." Aber gleichzeitig meint Herr Bamberger, ob es nicht wohl thunlich wäre, die heute auf 3 Jahre fixirten Wahlperioden zu verlängern, oder das Wahlrecht an eine Niederlassungszeit zu binden. Wo soll das hinaus? Sie wollen noch nicht offen sagen, man müsse das Wahlrecht zum Klassenrecht erheben, auf indirektem Wege wollen Sie dasselbe Ziel erreichen. Die Frei- heits-Schnörkel dürfen nicht fehlen, es kommt ja nicht darauf an, was dahinter ist. Sie gehen nur darauf aus, indem Sie dem Volke eine seiner theuersten Freiheiten stehlen möchten, der sozia- listischen Propaganda entgegenzutreten. Wozu Sie den Muth nicht haben auf der Tribüne und in der Presse, das sollen Gesetzparagraphen und Polizei besorgen. Das allgemeine Stimm- recht hat sich beim deutschen Volke eingebürgert, nehmen Sie es uns, wird es uns mehr zur Propaganda dienen wie heute. Die rapide Ausdehnung des Sozialismus in Deutschland und anderwärts ist gegen die Anficht des Herrn Bamberger weder „der internationalen Camorra des Herrn Marx mit ihrem schweren Rüstzeug" zuzuschreiben, noch dem indifferent zu- schauenden Bürgerthume, in das sich, wie Sie meinen, die ge- schlossene Partei der Sozialisten wie ein Keil einschiebt. Diese Ausdehnung des Sozialismus und diese Indifferenz des Bürger« thums sind nicht Wirkung und Ursache, wie Sie annehmen, beide find Wirkungen, beide sind Symptome unserer Zeit, in denen sich der Zeitgeist manifestirt. Das Bürgerthum ist indifferent, weil es sich überlebt hat, es kann kein geschlossenes Ganze mehr werden, weil es keine gemeinsame Aufgabe mehr zu erfüllen hat. Daher seine Indifferenz und seine Zersplitterung. Die sozia- listische Bewegung dagegen ist jung und mit dem Feuer ihrer Jugend kämpft sie für ihre Ziele und Ideale. Daher die Be- geisterung ihrer Anhänger, ihre Opferfreudigkeit und ihr ge- schlossenes, entschiedenes Vorgehen, wo es sich um die Gesammt- Interessen handelt. Und ferner ist die Geschichte nicht spurlos an uns vorübergegangen. Wir haben daraus gelernt und wissen die empfangenen Lehren zu benutzen. Sinn für das Allgemeine, Erfahrung und deren richtige Anwendung sind die Mittel, mit denen wir der voranschreitenden Zeit entgegen arbeiten. Das ist das ganze Geheimniß der Machtentfaltung des Sozialismus, die Sie auf langen Seiten vergeblich zu beweisen suchen. Da ist kein weiteres Geheimniß, wenn Sie nicht selbst eins dahinter bringen, um es alsdann suchen zu können. Lag. 69 lesen wir bei Herrn Bamberger: „Alle Darstellungen des Lebens und der Lehre Lassalle's glauben an das Titanen- Diplom, das er sich selbst ausgestellt hat."- Warum aber, Herr Bamberger, stellen Sie sich denn nicht ein solches Titanen-Diplom aus? Denken Sie sich, wie schön es wäre, auch nur als Titänchen sich von der späten Nachwelt be- wundern und sich„göttliche Ehren" dekretircn lassen. Obgleich überflüssig, bemerken wir kurz: göttliche Ehren erkennt die So- Sialdemokratie weder Lassalle, noch irgend einem Anderen zu. luf Kisflnger Hutfutter oder Marpiuger Wasser steigen wir nicht hinab. Giebt es aber etwas Natürlicheres, als daß das arbeitende Volk jene wenigen Männer im Gedächtniß behalte, die für es gekämpft haben? Thun nicht die Bourgeois, thut nicht jede Gesellschaft, thut nicht jede Familie dasselbe? Um nun auf das Titanen-Diplom zurückzukommen, um fich solches zu er- werben, muß man erst Entsprechendes geleistet haben. Wenn Sie sich z. B. oder einer Ihrer nattonalliberalen Colleaen ein Titanen-Diplom ausstellen wollten, würde, als einzige Antwort, alle Welt Sie mitleidig belächeln. Titanen-Diplome auf dem Papier werden mitsammt dem Papiere vom Winde fortge- i blasen. Zum Schluß noch einmal kommen wir auf Herrn Bam- berger's„Unsinn" zurück. Wenn der Sozialismus nur von den Compendien der Herren Marx und Lassalle lebte, und selbst wenn er nur eine Magenftage wäre, dann, Herr Bamberger, mögen Sie und Ihre Freunde mit philosophischer Ruhe der ganzen Bewegung zuschauen, sie würde sicher im Sande der- laufen. Wenn der Sozialismus nicht mit absoluter Nothweodig- keit sich selbst einführen wird, dann wird es nie dazu kommen; nur was vernünftig ist, wird geschichtlich. Wenn aber, wie wir behaupten, der Sozialismus nichts an- deres ist, als Wirkung längst vorhandener Ursachen, wenn er nichts anderes ist, als„ein Moment der produzirenden Idee", dann, Herr Bamberger, Sie mögen da zappeln und sich sträuben, dann wächst die Welt in den Sozialismus hinein. Anm.: Dem im Auslande lebenden Verfasser dieser Zeilen kam die Schrift des Herrn Bamberger erst vor wenigen Tagen zu Gesicht, daher das ein wenig verspätete Erscheinen der Be- sprechung. Sozialpolitische Uebersicht. —„Schutzzoll und Freihandel oder wie'S gemacht wird!" Unter dieser Devise liegen sich die biederen Ordnungs- leute(— vulgo Liberalen—) im 3. weimarischen Wahlkreise bedenklich in den Haaren. Bekanntermaßen haben die Freihändler dort den früheren Bundeskanzleramts- Präfidenten Herrn v. Del- brück als Candidaten aufgestellt. Diesem gegenüber steigt nun am 15. Juli ein Herr Rudolph Schwabe aus Neustadt a. d. O. als„Ritter vom Schutzzoll" in die Arena und schließt eine längere Strafpredigt gegen die Frei- Händler mit folgendem ergötzlichen Bittgesuch und„offenen Wort" „an die Borstände unserer reichstreuen Vereine": „Sie haben sich mit unseren Zielen und Bestrebungen, mit dem, was uns Lebensinteresse ist, in Widerspruch gesetzt und sind in Gefahr, die politische Führung zu verlieren. „Sie haben sich in den fetten Jahren, als der Becher über- schäumte, Ihre Bezüge gut gesichert, um Ihrem Berufe mit größerer Freudigkeit nachgehen zu können.(Sehr schön empfunden! Anmerk. des Setzers.) Sie hatten Recht daran, es kam Ihnen zu, wir hätten es auch so gemacht.—(Bravo, Bravissimo!) Allein— Sie haben es noch und wir mußten inzwischen die Neige leeren, mußten inzwischen die Krifis durchmachen. „Nun capriciren Sie sich nicht darauf, uns den Bock zum Gärtner, einen Manchestermann zum Vertreter zu setzen(armer Delbrück!), sondern überlassen Sie uns die Regelung unserer wirthfchaftlichen Lage selbst, damit auch wir der nagenden Sorge ledig und unseres Berufes wieder froh werden können(arme Schutzzöllner das!). In anderen Fällen von weniger einschnei- dender Bedeutung werden wir Ihnen gern wieder den Vortritt lassen." Bravo, Bravissimo! Das ist die höhere Ehrlichkeit unter dem Wahlgalgen! Die sieben fetten Jahre des Freihandels haben den Schutz- Zöllnern Appetit gemacht.„Geht weg und laßt uns hin"— rufen die hungrigen Schutzzöllner und— der schlichte Wählers- mann soll die Leiter dazu halten, daß diese Gesellschaft sich desto gemüthlicher die Taschen füllen kann. Herr Rudolph Schwabe aber ist zur Anerkennung für seinen Freimuth von circa 150 gleichverlangenden Seelen in Neu- stadt a. d. O. als Gegcncandidat des Herrn v. Delbrück pro- klamirt worden, und wir können uns nicht versagen, dem wackeren Herrn Schmidt unser Compliment zu machen, daß er es so offen ausgesprochen hat: Die Freihändler haben lange genug den über- schäumenden Becher und mit Recht bis zur Neige geleert,— sie hatten Recht daran!c. ic.— aber der Schutzzöllner hat Durst, viel Durst und wenn die Wahlen vorüber sind, dann singt wie- derum der Chorus der Theiler, die sich heute um den fetten Bissen zanken, indem sie sich brüderlich in die Arme sinken: „Wir find gemüthlich, wir find gemüthlich, es war noch nie so Uebersicht der Volksbewegungen im 19. Jahr- hundert. (Schlußkapitel von Gervinus'„Einleitung in die Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts". Leipzig, W. Engelmann. 1353. Seite 153 bis 181.)*) I. Die Freiheitskriege, die Napoleon's Herrschaft stürzten, vor- zugsweise den spanischen und deutschen, bezeichneten wir als den Wendepunkt, der das Erwachen des politischen Bewußtseins und Selbstgefühls in den Völkern außerhalb Frankreichs anzeigt. In beiden Ländern hoffte das Volk mit der äußeren Befreiung auch eine innere zu erlangen; es hatte die Waffen für die bedrängten Fürsten ergriffen, in der Hoffnung auf so viel Dank(wie Jovellanos an Sebastiani schrieb), daß man die alten Mißbräuche abstellen werde, die die Ursache des eingetretenen Elends waren. An den spanischen Freiheitskrieg reihte sich dann der Aufstand der südamerikanischen Colonien an. Sie strebten anfangs nur nach Abwerfung des unerhörten inneren Drucks, wurden aber durch den unzeitigen Widerstand der spanischen Centraljunta von 1811 zu der ersten Erklärung ihrer Unabhängigkeit(Manifest von Venezuela) getrieben, in der sie, wie Nordamerika, unter der Berufung auf den Geist der Zeit, mit der ursprünglichen Gleich- heit der Natur ihren Abfall rechtfertigten. Die amerikanischen Freiheitskämpfe wirkten dann 1820 auf die Cadixer Expeditionsarmee zurück, sich zu Gunsten volksthüm- licher Einrichtungen gegen den Thron zu empören, den die auf- opferndsten Anstrengungen der Nation wieder hergestellt hatten; und dies war der Anfang der zähen und unter vielfachen Hem- munaen vorsckreitenden Staatsveränderungen, die dies Land, das die Last des Lehenwesens und der unumschränkten Fürstengewalt am härtesten und längsten getragen, der neuen Ordnung der Dinge zu erobern trachten. Die Bewegung dieser Zeit ergriff mit Ausnahme Frankreichs den ganzen romanischen Süden, Por- tugal, Neapel, Piemont; die Einigkeit Oesterreichs und Rußlands aber hielt damals Italien mit Leichtigkeit nieder und beherrschte selbst Frankreich in dem Maße, daß dieses die spanische Revolution unterdrücken mußte. Die Bewegung in Spanien hatte aber unter anderen auch *) Borbemerkung der Redaktion. Wir halten es äugen- blicklich, wo der Einfluß Rußlands auf Europa sich wieder geltend machen will und von Deutschland zum Zweck der Niederhaltung der gesammten Freiheitsbewegung unterstützt wird, für angezeigt, d,e Mei- nunq eines der größten deutschen Patrioten, des berühmte-, Historikers und Literarhistorikers Gervinus. über die Botksb w gungen des 19. Jahrhunderts und die„civilisatorische" Mission Rußlands d-m dernschen Bolle nach 25 Jahren wieder einmal in Erinnerung zu bringen. Wegen dieses Schlußkapitels, das wir hier abdrucken, wurde vor 25 Jahren das Buch des gedankenreichen Forschers von der Reaktion ver- boten und verfolgt. Möge dieser Wiederabdruck daher einen Beitrag zur Feier des sünsundzwanzigjährigen Jubiläums jenes Ereignisses bilden und zugleich eine Huldigung für die Manen des Verstorbenen, den die neudeutsche Geschichtjchreibung gern der Vergessenheit anheimwünschte, weil er kurz vor seinem Tode(Ende 1870) noch die preußische Er- oberungspolitik bekämpfte. gemüthlich Wie heute!" Und Bravo rufen wir dazu, Bravissimo, ehrsame Bruderschaft! — Ueber den Haase'schen Concurs in Chemnitz ver« öffentlicht die Chemnitzer Freie Presse" Folgendes: „Es sind nicht weniger als 4 Millionen Defizit vorhanden, und hierzu kommt noch, daß die zahlreichen Grundstücke, welche unter den Akttven figuriren, zu viel höheren Preisen veranschlagt sind, als sie in der Auktion erlangen werden. Der Verlust trifft meist kleine Leute, das beweist der Umstand, daß die als Passiven verzeichneten Einlagen auf Scheine und Bücher 5,312,587 W. betragen. Das Uebrige find Wechselschulden und einige bevor- zugte Forderungen. Es werden für die Gläubiger kaum 40 Proz. herausspringen. Dies der Bankerott; nun ein Wort über die Bankrotteure. Denselben mußte— bei einem Defizit von vier Millionen Mark— schon längst bekannt sein, daß sie ihren Verpflichtungen nicht gerecht werden konnten. Dennoch nahmen sie bis zum letzten Augenblick Gelder an und spiegelten den Einlegern Sicherstellung vor. Das ist raffinirter Betrug, das ist eine Art civilifirter Straßenraub. Von Einschreiten der Criminalbehörden gegen die Betrüger hört man bis jetzt nichts." — Das genannte Parteiorgan hörte ferner, es stände der Bankerott noch einiger 30 Geschäfte bevor, man hielte dieselben jedoch noch bis nach der Wahl. Es ist das bei den Liberalen leicht möglich, denn wir sind schon so an ihre Gemeinheiten ge- wöhnt, daß uns gar nichts mehr auffällt. In Betteff des Obigen trifft doch sicher das Sprichwort von den kleinen und großen Dieben. Es ist die„Moral" der heutigen Gesellschaft: „die armen Leute hätten sollen vorsichtiger sein," hat der liberale Candidat Vopel in Chemnitz auf eine Anfrage bei einer Wählerversammlung in Betreff des Haase'schen Bankerotts gesagt. Treffender konnte der Mann wirklich nicht antworten— mag Jeder sehen, wo er bleibt! Die„Großen" wissen schon, wo sie bleiben; im schlimmsten Fall einmal— die Kugel vor den Kopf — vielleicht später einmal der Strick. — Wir berichteten bereits, daß die Havarie-Commission in Kiel die Mannschaften der verunglückten Schiffe freigesprochen hat. Es verlautet nunmehr, daß die Offiziere der Schiffe vor ein Kriegsgericht zur Aburtheilung gestellt werden. — Die schlechten Zeiten veranlassen die deutschen Buch- druckerprinzipale eine Revision des Tarifs vorzunehmen. Daß dabei der Lohn der Buchdruckergehilfen nicht verbessert werden wird, ist klar. Hört man doch z. B. in Leipzig von einer Herabsetzung um 33V3 Proz. Ob auf diese Weise die Arbeiter von den sozialdemokratischen Bestrebungen abgeleitet werden, ist sehr fraglich. — Preußische Fortschritte. Die„Germania" berichtet über einen interessanten Notenwechsel zwischen der bayerische« und preußischen Regierung in folgender Weise: „Als der bayerischen Regierung von hier aus eröffnet wurde, daß demnächst ein preußischer General nach Bayern kommen werde, um die bayerische Artillerie zu inspiciren, erblickte sie in einem solchen Vorhaben eine Verletzung der bayerischen Reservat- rechte und glaubte gegen dasselbe um so mehr remonstriren zu müssen, als schon die Ankündigung von jenem Vorhaben in den höchsten militärischen Kreisen Bayerns Kundgebungen des Miß- fallens hervorgerufen hatte. In Berlin pflegt man jedoch nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben, sondern eine einmal an- gefangene Sache auch gründlich zu Ende zu führen. Das hiesige Cabinet eröffnete also mit der bayerischen Regierung einen leb- haften diplomatischen Verkehr, in welchem es ausführte, daß der deutsche Kaiser ein vertragsmäßiges Recht zu der angeord- neten Jnspection der bayerischen Artillerie durch einen von ihm die Folge gehabt, daß sie den Aufstand Griechenlands, der durch geistigen und materiellen Aufschwung, durch französische Vor- Spiegelungen und russische Aufstiftungen lange vorbereitet war, unter dem allgemeinen Anstoße beschleunigte; und hier rangen in glücklichem Zusammentreffen die physischen Volkskräfte einer verwilderten Nation mit den christlichen und humanistischen Sympathien von ganz Europa zusammen, um, wenn auch spät und verkümmert, doch einen Erfolg zu erringen gegen die Künste der Diplomatie, in deren bisherige Eintracht hier und in Por- tugal die ersten Spaltungen kamen. Die politische Schlafsucht zu brechen, die in Folge der Erschöpfung nach den großen frühern Bewegungen über dem Welttheile lag, dafür wirkte die griechische Sache das Wesentlichste mit, deren Bedeutung von dieser Seite in Oesterreich gleich anfangs wohl gewürdigt worden war; sie übte auf die politischen Stimmungen, besonders in Frankreich, einen gewalttgen Einfluß. Ohne den durch sie veranlaßten Auf- schwung waren die Verordnungen von 1830 schwerlich von jenen großen Folgen, welche den östlichen Bund der absoluten Mächte anfingen an ihrem Werke der Niederhaltung alles Volksgeistes verzweifeln zu machen, daS seit 15 Jahren so erfolgreich hinaus- geführt schien. Die Julirevolution ward dann der Ausgang einer hoffnungs- volleren Zeit. Sie löste den einschläfernden Zauber, der von der ruffisch-österreichischen Staatskunst bisher geübt worden war; England war über den französischen Feldzug in Spanien, über den reaktionären Entwürfen Oesterreichs, die bis nach Amerika reichen sollten, über Rußlands Zusammenhang mit der bour- bonischen Staatskunst aufmerksam geworden, und gebot dem Laufe der Reaktion Einhalt; Frankreich erhielt nach außen seine Selbstständigkeit und natürlichen Verbündungen wieder und kehrte innen zu den verlorenen Grundsätzen seiner Revolution zurück. Der Juliaufstand gab den Anstoß zu den neuen Ereignissen, die Spanien verjüngten, er veranlasste die Reform in England, er demokratisirte die Schweiz, er trennte Belgien von Holland, er stachelte Polen zur Empörung; selbst in Deutschland, wo der Volkscharakter, die Zertheilung, die drückende Nähe des östlichen Fürstenbundes jede Bewegung fast unmöglich machten, gelangen einige rasche Veränderungen wenigstens in den Staaten, wo daS sittliche mehr als das politische Gefühl durch verderbte Fürsten oder Regierungen empört worden war. Ueberall geht in dieser allgemeinen Aufregung Europa's die Richtung der Bewegungen nach innerer Freiheit oder nach äußerer Unabhängigkeit, und meist nach beiden zugleich. Auch in dem, was in dem ruhigeren Gange der öffentlichen Dinge Bemerkenswerthes in diesen Zeiten geschah, ist besonders der letzlere Zug, nach nationaler Selbstständigkeit und Stamm- Unabhängigkeit, überall wirksam Südamerika zerfiel in kleine Staaten. D e Türkei zerbröckelt mehr und mehr in ihre Be- standtheile. In allen ihren Provinzen regt sich eigenes Leben. Die Abreißung Aegyptens und Syriens ward im orientalischen Stile versucht. In Spanien regte sich der alte Stammgeist der baskischen Lande, in Italien der von Sicilien. Irland betrieb die Repeal*), und Schleswig-Holstein seine staatliche Selbst- ständigkeit. In Ungarn begann ein politisches Leben; das slavisch- illyrische, das czechische Element in Oesterreich, das polnische in zu bestimmenden Offizier habe. Und zwar leitet das hiesige Cabinet dies Recht aus folgender am 23. November 1870 zu Versailles zwischen den Grafen Bismarck und Roon auf der einen und dem bayerischen Ministerpräfidenten Grafen Äray, dem Kriegsminister von Prankh und dem Cultusminister v. Lutz auf der andern Seite vereinbarten Bestimmung her:„Der Bun- desfeldherr hat die Pflicht und das Recht, sich durch Jnspectionen von der Uebereinstimmung in Organisation, Formation und Aus- bildung, sowie von der Vollzähligkeit und Kriegstüchtigkeit des bayerischen Conttngents Ueberzeugung zu verschaffen, und wird sich über die Modalitäten der jeweiligen Vornahme und über das Ergebniß dieser Jnspectionen mit dem Könige von Bayern in's Vernehmen setzen." Das Resultat dieser viele Wochen hin- durch fortgeführten Auseinandersetzungen war, daß die bayerische Regierung sich schließlich der diesseittgen Auffassung accommodirt hat und daß der Generallieutenant v. Bülow sich in den nächsten Tagen nach Bayern begeben wird, um die auf dem Lechfelde bei Augsburg zusammengezogene bayerische Artillerie einer genauen Jnspection zu unterwerfen." Da haben wir ja die Bescheerung; aus purem Uebereifer be- willigt der Raupenhelm sonst, wo es gegen die Bolksfreihett geht, Alles, da muß man denn in solchen Dingen Gehorsam leisten— das versteht sich von selber. — Die zu erwartenden Segnungen der Reaktion machen jetzt die Runde durch die Presse. Es find allerliebste Sächelchen, die wir zu erwarten haben; wir theilen unseren Lesern etwas der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" Entnommenes mit: „Keine gewaltsame Reaktton! Eine Reaktton in diesem Sinne ist gleich Revolution; aber ein systematisches Zurückgehen im Wege der geordneten Gesetzgebung auf die früheren Verhältnisse, soweit sie sich als besser herausgestellt haben, wie die gegenwär- tigen, durch die liberale Gesetzgebung hervorgerufenen. Wir können uns zur näheren Bestimmung unserer Ziele einfach auf das Programm der Deutschconservattven berufen, dem wir in allen Stücken zustimmen, also: Weiterbildung unserer Rechtsverhältnisse auf realem und geschichtlichem Boden, Erhal- tung und Wiedererstarkung der christlichen Kirchen, confessionelle christliche Volksschule, Revision der Maigesetze, Reform der wirth- schaftlichen Gesetzgebung, Beschränkung der Gewerbefreiheit! Das sind die Grundgedanken des deutschconservattven Programms, welchen wir theils in Interpretation seiner Absichten, theils als Ergänzung für die preußischen Verhältnisse noch folgende Sätze hinzufügen möchten, welche nicht den Anspruch machen, als festes Programm zu gelten: sie sollen vorläufig nur anregen; in wie weit sie angemessen und praktisch durchführbar sind, wird die Zukunft lehren. Wiederherstellung des Taufzwanges bei allen Kindern solcher Eltern, die zu einer christlichen Kirche gehören, bez. nicht vor der Geburt des betreffenden Kindes ausgetreten sind. Die Kirche hat darüber zu wachen, daß die Kinder getauft werden; der Staat tritt nur auf Anrufen der Kirche als exekutirender Bei- stand ein. Abänderung des Wahlgesetzes für den Reichstag und für den Landtag(der letztere könnte aus den Provinziallandtagen gewählt werden). Verlängerung der Wahlperioden. Vermehrung der indirekten Steuern, Verweisung eines Theils der direkten Steuern an die Eommunen. Vorberathung aller Gesetze durch einen Staatsrath, bestehend aus ernannten und von den Parlamenten gewählten Mitgliedern. Die Parlamente können nur verwerfen oder annehmen; das Amendiren fällt weg. Aufhebung aller derjenigen Bestimmungen, welche die Kräfte der Staatsbürger in viel höherem Maße in Anspruch nehmen, als es die Sache erfordert; damit 12 Geschworene tagen können, Posen begann in neuer Bewegung zu gähren. In dem ganzen nichtdeutschen Oesterreich ging der polttische Widerstand, der anderwärts dem Regierungssysteme entgegensteht, auf Abtren- nung und Auflösung aus. Im Widerspruch mit den Weltbürger- lichen Lehren des Tags, die alle Völkerunterschiede verwischen möchten, suchen sich überall die Stämme nach Sprache und Sitte zu trennen, fremde Herrschaft abzuschütteln, ein vielgestalttges, der Freiheit günstiges Leben zu schaffen. Ja selbst was mit dem Geiste der gegenwärtigen Geschichte im Widerspruch zu stehen scheint, ist in der That nur eine andere Bethättgung desselve» Geistes: während die Bestandtheile künstlich zusammengesetzter Staaten sich lösen, streben die Theile der lockeren Staatenbünde zu größerer Einheit zusammen; nach Einem Gesetze sucht sich dort das unnatürlich Vereinigte zu trennen und hier das unnatürlich Gettennte zu vereinigen. Diese größere Einheit erstrebte die Schweiz in den dreißiger Jahren vergebens und erlangte sie plötzlich nach dem neuen An- stoße, den die Februarrevolution 1848 von Paris aus gab; Deutschland und Italien erstrebten sie auf eben diesen Anstoß, aber dieses erste Mal gleichfalls vergeblich. Die Neuheit und Größe dieser beiden Versuche streitet an innerer Bedeutung mit der weiteren Folge der Pariser Bewegung von 1848, daß zwei der Oststaaten des heiligen Bundes von dem Stoße der Revo- lution zum ersten Male erreicht und in ihrem Innersten er- schüttelt wurde«, der Eine davon mit dem Abfall seiner Staaten in Italien und Ungarn bedroht war. An allen den drei Reichen im Süden, die in den ersten Jahrhunderten der neueren Zeit die mächtigsten Impulse gegeben hatten, hat sich nach der Reihen- folge ihrer inneren Schwächung in dieser neuesten Zeit die Auf- lösung versucht; an Spaniens Colomen mit großen Erfolgen, an der Türkei mit verschiedenen kleineren, an Oesterreich mit einem vereitelten. Trotz dieser Vereitelung wird hier, im Süd- osten wie im Nordosten, der Geschichte der Volksbewegungen dieses Jahrhunderts ein neuer Raum, auf dem die Völker ihre eigene Thätigkeit seit langen Zeiten ausgesetzt hatten, geöffnet bleiben, nachdem das monarchische Prinzip hier einen Stoß an den Stätten erlitten, wo es am gesichertsten schien; und den schlimmsten Stoß nicht durch das, was in der Bewegung gegen die Monarchie, sondern nach derselben durch die Monarchie geschah. An dem Heerde der europäischen Bewegungen aber, in Frankreich selber, war der Monarch, der vierte in 60 Jahren, gewaltsam gefallen und die Monarchie zerstört. Die Republik war mit den schroffsten Grundsätzen der Revolutton zurückgekehrt. Die erregten Geister brüteten über noch ausschweifenderen Grund- sätzen und Revoluttonen, die inzwischen zu einem von Wenigen geahnten Rückschläge führten. Der Zukunft aber bleibt ein Räthsel gestellt, an dessen Lösung Viele verzweifeln, oder dessen Lösung die Menschen, nach ihren verschiedenen Nergungen und Leidenschaften, von ganz entgegengesetzten Seiten erwarten und in ganz widersprechenden Deutungen suchen. (Fortsetzung folgt.) *) Sprich„R'pihl"; die ApflJung der Union Irlands mit Groß- britannien. o»" werden 30 Männer ihrem Berufsleben auf Tage und Wochen! sächlich der Vorstand, welcher an Mannhaftigkeit, Energie und entzogen; ähnliche Bestimmungen enthalten auch leider die neuen Ueberzeugungstreue nichts zu wünschen übrig läßt. Der Berein Justizgesetz- hinsichtlich der Schöffen. erreichte in derselben Versammlung die Höhe von ca. 60 Mann. Aufhebung aller verwirrenden Bestimmungen der Provin-, Und das Alles trotz der auch hier vor kurzer Zeit grassirenden zial-Ordnung und der Competenz- Gesetzes; Weiteraufbau der Manie der frevelhaftesten Berleumdungswuth!— Das Ver- administrativen Organisation auf Grund der Kreisordnung, leumden und Verdrehen wahrer Thatsachen in Betreff unseres unter Beseitigung des Behörden- Ueberfluffes in den höheren Prinzips ist zwar längst charakteristisches Eigenthum der Gegner, Instanzen." aber die beiden wahnwitzigen Attentate in Berlin boten doch eine zu herrliche Gelegenheit für die gesammte holländische — Der sächsische Landtag hat in seinen letzten Sitzungen reaktionäre Preßmeute, in gemeinster und pöbelhaft frechster —■''~' Weise die Lehren der Sozialdemokratie zu verunglimpfen, und zwar, wie es scheint, um ja nicht hinter den deutschen Preß- co—llegen zurückzubleiben. Dieses traurige Zeugniß kann man den Ankauf der noch in Sachsen befindlichen Privatbahnen be schloffen. Damit ist in einem deutschen Staate der Grundsatz der Staatseisenbahnen durchgeführt, es bliebe nun zu wünschen, daß auch die Lage der unteren Beamtenklassen eine Verbesserung erführe. — Auf Einladung Bismarck's wird in Süddeutschland eine Conferenz verschiedener deutscher Minister stattfinden. Es ist nämlich beabsichtigt, ein einheitliches Steuersystem einzuführen. Daß dabei die Lieblingspläne des Reichskanzlers, Einführung indirekter Steuern, Tabaksmonopol u. s. f., besonders berück- fichtigt werden dürften, unterliegt keinem Zweifel. Erleichterungen für das arbeitende Volk werden dabei nicht herausspringen; wo aber diese endlose Steuerschraube Hinausführen muß, das ist klar— sie führt schließlich zum Bankerott der heutigen Ge- sellschast. — Geistiger Kampf gegen die Arbeiter. Die„Frank- furter Zeitung" schreibt:„Seitens der königl. Direktionen der Niederschlesisch-Märkischen und Ostbahn ist eine Maßnahme gegen alle unliebsamen Arbeiter in's Werk gesetzt worden, die nicht entschieden genug verurtheilt werden kann. Dieselben haben nämlich allen Eisenbahndirektionen ein Namensverzeichniß der ihrerseits in den letzten 14 Tagen entlassenen Arbeiter mit dem Ersuchen zugehen lassen, dieselben nicht wieder anzustellen. Und damit glaubt man die Arbeiter zu bessern und ihnen eine an- dere Ueberzeugung beizubringen." Die rohe Gewalt tritt immer mehr zu Tage, die Reaftion wird immer unverschämter, es fehlt nur noch die Knute und wir übertreffen das heilige Rußland. Nur immerzu. Die Früchte, die Ihr säet, werdet Ihr schon ernten. — Ueber die Absichten Oesterreichs auf Bosnien und die Herzegowina ist sich heute alle Welt klar; der„Frankfurter Beobachter" schreibt recht treffend dazu:„Oesterreich steht mit seinen mobilifirten Bataillonen noch immer vor den Thoren Bosniens und wartet auf die Zustimmung der Pforte, sich zwei Provinzen in aller Gemüthlichkeit„abzwicken" zu lassen, während es selbst den Italienern Strafpredigten über Strafpredigten über ihre nichtswürdige Begehrlichkeit nach Trieft und Trient hält. Die Türken aber lassen sich auf die Andrassy'schen Kniffe und Schliche nicht ein und scheinen sagen zu wollen:„Was Du nicht willst, daß man Dir thu', das füg' auch keinem Andern zu!" Unter diesen Umständen ist es gewiß charakteristisch, daß das offiziöse Wiener„Fremdcnblatt" schwört, daß Oesterreich,„selbst auf die Gefahr hin, Blut zu vergießen", die bosnische Beute nicht aus den Händen lassen werde: Graf Andrassy habe das Ziel, die osmanische Herrschaft in Bosnien abzulösen, schon seit drei Jahren, als das herzegowinische Zündhölzchen zu glimmen begann, mit Offenheit und Eonsequenz verfolgt." Das ist nun einfach gelogen, denn Graf Andrassy hat vor den Parlamenten stets hoch und theuer die Absicht der Annexion Bosniens ge- leugnet, bis sie jetzt schamlos von seinen Offiziösen als das eigentliche Z,el der ganzen österreichischen Orientpolitik der letzten Jahre hingestellt wird. Besser können die Geschäft- Rußlands, des„Todfeindes Oesterreichs", wie neuerdings der Petersburger Golos nackt heraus erklärt, freilich nicht besorgt werden." — Vom Kriegsschauplatz. Bayrische Geschworene ver- urtheilten den Genossen Baumann in Nürnberg wegen Belei- digung des Königs von Bayern zu zehn Monaten Gefängniß. Dr. Brotzheimer vertheidigte Baumann in ausgezeichneter Weise. Am Schlüsse rief der Vertheidiger den Geschworenen zu:„Wenn Sie, meine Herren Geschworenen, den Angeklagten wegen der Majestätsbeleidigung, die nach Ansicht von elf rechtsgelehrten Richtern und nach meiner festen juristischen Ueberzeugung keine vfl 0er"rthe�en' dann hat Baumann, hat das sozialdemokratische Blatt Recht, wenn sie ausrufen: Das ist ein Tendenzprozeß, das ist eme Bourgeoisjustiz, die einen Studenten, der einen Menschen ,m Zweikampf getödtet. freispricht, aber einen Sozial- demokraten wegen emer Majestätsbeleidigung verurtheilt. die nach unseren Gesetzen keine ist!"— ihnen ausstellen;' ja selbst das Organ des„Allgemeen Nederl. Werkl.-Verbd.",„De Werkmansbode", schämt sich nicht, seinen Lesern, den Arbeitern, von sozialistischen Wühlungen in Deutsch- land zu erzählen. Und wie ist es auch anders möglich, stehen sie doch mit dem famosen Hirsch-Duncker'schen Gewerkverein auf gleicher Stufe— gleiche Brüder, gleiche Kappen.— Ein großer Theil der organifirten Arbeiter in Holland befindet sich noch im Schlepptau der Bourgeoisie und Kathedersozialisten, und den größeren Theil hält der schwere Bann des Vorurtheils und Jndifferentismus fern vom großen Emanzipationskampf der Ar- beiter. An uns liegt es nun, den Unverstand der Massen, diesen Riesen zu bekämpfen, indem wir den Arbeitern die Augen öffnen über ihre Macht, welche sie besitzen, sobald sie zum Klassen- bewußtsein gekommen find. Auch hosse ich, es werden die aller wahren Freiheit und Sittlichkeit hohnsprechenden Orgien der Reaktion in Deutschland den holländischen Arbeitern die Augen öffnen. Also,„freie" Niederländer, begreift auch Ihr zu Eurem Vortheil bald, daß politische Freiheit eine Lüge ist ohne soziale Gleichheit! D. M. London, 23. Juli. Parteigenossen! Noch nie war die Auf- merksamkeit der Arbeiter aller Länder in größerem Maße auf Euch gerichtet, als gerade im jetzigen Augenblick. Die brutalsten und heftigsten Angriffe der Reaftion haben es nicht vermocht, Euch, wie man hoffte, zu unterdrücken. Fester denn je find die Reihen der ihrer Klassenlage bewußten deutschen Arbeiter ge- schloffen. Am Tage der Wahl wird es sich zeigen, in welchem Grade die deutschen Arbeiter gewillt sind, fich unter das Joch einer maßlos herrschsüchtigen reaktionären Politik zu beugen. An Euch, Freunde, ist es, durch Eure Stimmenabgabe Protest gegen diese freiheitsfeindliche Politik zu erheben, welche Deutsch- land einen unauslöschlichen Schandfleck gebracht hat, indem sie es ermöglichte, daß ein bedeutender Bruchtheil der deutschen Bevölkerung wegen seiner politischen Gesinnung auf das schmäh- lichste verfolgt wird. Die Sympathie aller denkenden Arbeiter ist in diesem Kampfe gegen die Reaktion mit Euch, Eure Sache ist die Sache der Proletarier aller Länder, Euer Sieg ist unser Sieg. Glück auf zur Wahl!— Im Namen des Raths des Internationalen Arbeiter- Bundes(Internutionul Labour Union) C. Henze, correspondirender Sekretär für Deutschland. 8 Str., Golden Squ. W. Lübeck. Zum Wahlkampf können auch wir einen nicht ganz uninteressanten Beitrag liefern. Es treten dabei diesmal Er- scheinungen zu Tage, wie wir sie früher in unserem spießbürger- lichen Lübeck nicht kannten. Wir, die Sozialdemokraten, wollen, trotzdem Lübeck nicht zu den offiziellen Wahlkreisen gehört, einen eigenen Candidaten aufstellen. Um nun die Wahlbewegung in Fluß zu bringen, hatten wir am 6. Juli eine Volksversammlung mit der Tagesordnung:„Die bevorstehende Reichstagswahl" an- gesetzt. Genosse Heyer hatte das Referat übernommen. Zu dieser Versammlung hatten fich auch die liberal-conservativ- reattionären„Reichsfreunde" schon 2 Stunden vor Eröffnung der Versammlung in großer Masse eingefunden. Als die Ar- beiter um 3 Uhr das Lokal betraten, konnten nur wenige Platz finden, die meisten mußten draußen bleiben. Halb 9 Uhr er- öffnete Genosse Steffen die Versammlung, um nur die Herren Reichsfreunde, welche einen Heidenskandal machten, zur Ruhe zu bringen. Das Bureau kam natürlich in die Hände der Reichsfteunde und wurde Hr. Dr. Brehmer zum Vorsitzenden gewählt. Außerdem die Herren Schweighofer, Oberlehrer Sartori und Ernst. Letzterer ist Präses des Krieger- oder Kampfgenossen-Bereins. Die Herren Kampfgenossen und Krieger waren recht zahlreich vertreten, deshalb hatte man wohl aus Anerkennung Herrn Ernst mit in's Bureau„ernannt". Herr Dr. Brehmer brachte, bevor er zur Tagesordnung überging, ein Hoch auf den deutschen Kaiser aus, worin unsere Reichsfreunde kräftig einstimmten. Genosse Heyer entwickelte, anknüpfend an die hiefigen Verhältnisse, m kurzen Zügen unsere Stellung zur bevorstehenden Reichstagswahl unter fortwährenden gemeinen Zu- rufen der Gegner. Hierauf erhielten die Herren Dr. Görtz und Benda das Wort. Dieselben schimpften in der gewöhnlichen Weise auf unsere Partei, brachten die alten Phrasen, die man uns vor 10 Jahren schon entgegenstellte. Hierauf erhielt Ge- nosse Schwartz das Wort, diesem war es ein leichtes, diesen Unsinn zu widerlegen. Dann sprach Oberlehrer Sartori. Seine Rede gipfelte in persönlichen Bemerkungen. Schwartz sei ein Mann, der aus voller Ueberzeugung spreche, den müsse man achten, aber der Heyer sei ein Hetzer— das Weitere übergehe ich, da sich Alles um obige Wörter dreht. Um nun die Sozial- demokraten gänzlich zu vernichten, nahm der Dr. Görtz das Wort und erklärte, der Hofbaurath Temmler sei aus unserer Partei ausgetreten, daran könne man sehen, was das für eine Partei sei, alle anständigen Leute kehren derselben den Rücken. So war der Haupttrumpf ausgespielt— glaubte der weise Dr. Görtz.— Zufällig hatte Heyer vom Genossen Temmler Briefe bei der Hand, welche, mit den dazu gehörigen Bemer- kungen, ein trefflicher Dämpfer für die begeisterten Liberalen waren. Gesenkten Hauptes, wie bestraste Schulbuben, saßen die muthigen Reichsfreunde da, und als Heyer ein Hoch auf Genossen Temmler und die Sozialdemokratie ausbrachte, worin die Ver- sammlung begeistert einstimmte, war den Helden vollends das Herz in die Hosen gefallen. Den anderen Tag brachten die hiesigen Zeiwngen natürlich die glänzendsten Siegesberichte über die Versammlung.— Zu Mittwoch, den 10. d. Mts., beriefen wir wieder eine Volksversammlung ein, die Reichsfreuude bittend, für rege Betheiligung zu sorgen. Da war ein reges Leben in unserem ruhigen Lübeck, sämmtliche Krieger wurden brieflich dazu eingeladen, die„ehrwürdige Eorporatton der Träger" muhte, wie verlautet, auf Befehl der Handelskammer um 6 Uhr Feier- Correspondenzen Amsterdam. Nachdem der„Allgemeine Niederländische Werk- leute- Verband"(Allgemeen Nederlandsche Werklieden-Verbond) bei seiner letzten Generalversammlung(Weihnachten 1877) auf Veranlassung der hiefigen Schmiede-Vereinigung den Beschluß gefaßt hatte, eine„Gemengte Vereeniging" ins Leben zu rufen, die den Zweck haben sollte, bei Wahrung der Arbeiterinteressen alle Diejenigen als Mitglieder aufzunehmen, welche keine Fach- Vereinigung besitzen, gleichzeitig bei den kleinen selbstständigen Geschäftsleuten, Handlungsdienern u. dergl. müsse unter allen Umständen daraus gesehen werden, daß Niemand dieser Ver- eimgung beitreten dürste, wenn er nicht vorher Mitglied seiner Fachvereinigung geworden ist. Der Zweck letzterer IIar°uf Vr Hand, jedoch wie Viele giebt es, Werkt-Verbonk�°"-!?�°» und Leitung des„Allgemeen Nederl. m.d Sterbekossen��"°blich nichts anderes ist als eine Kranken- radikalen Elemevt/n gegenüber den vorgeschritteneren Versammluno welrfL"* entsprechen kann. In der öffentlichen s-cS schränkung geltend/ worauf man�um dem" aea�ndtten'Berein einen durchschlagenderen Erfolg zu sichern k.�. non Seiten des provisorischen Vorstands entschloß, den mißliebigen Modus fallen zu lassen. Dres hatte andersetts zur FolV �6 der Central- Vorstand des„Allg. Nederl. Werkl.-Verbon'd" den neuqeqrün- deten Verein mcht als eme seiner Abtheilungen anerkennen wollte, wie verlautet, auf Befehl der Handelskammer um 6 «Jte am sonntag den 7. �uli stattgehabte öffentliche Versamm-! abend machen, es galt ja die Reichsfeinde zu vernichten. Eine lung im Cafe Apollo, welche verhältnißmäßio out besucht war, zahlreiche Menschenmenge strömte nach unserem Vereinslokale, acceptirte nun auch nach vorher�--------'- s- t-------- 1 Pr ü.- o„»„y Debatte die sozialdemokratischen gramms'''----- rn . L tj. Weener ziemlich lebhafter der Stunde harrend, daß das Lokal geöffnet werde. Endlich, sozialdemokratlschen Prinzipien des deutschen Pro- als die ersehnte Stunde schlug, entstand ein Gedränge, wie man der Hauptsache einstimmig; ebenso wurde bieraus auf es hier wohl noch nicht erlebt hat. Mancher wohlbeleibte Reichs- ___ Sl>Atr»orT Soä.._'-..... t_. r. i..___ V- V. rr», S__ � /S- Jt.___• �_____ r__ Antrag der ursprüngliche Namen des Vereins mit oroßer lorität umgeändert in„Sociaal-demokratische Vercenioina" .v.»;3Vi�'ssr» Qllflttlff Ufti- w.P Ma- 1 freund mußte, nm das Baterland zu retten, dicke Schweißtropfen Daß vergießen, aus mancher vaterlandstreuen Brust entrangen sich Verein eine hoffnungsvolle Zukunft hat, dafür bürgt nicht die Worte:„Ach, wäre ich bei Muttern geblieben." Aber es auein n->r durch und durch gute Wille�.der Genossen und die half nichts, aus diesen Strom war kein Entrinnen möglich.— allein wenn auch langsame Aufklärung der Arbeiter, sondern Haupt- Hinein in den Saal! das war die Parole. Genosse Steffen eröffnete die Versammlung. Bei der Bureauwahl erhob sich ein Lärm, der in einem Hottentotten-Krahl nicht schlimmer sein kann. Nach Ansicht unserer Genossen und unparteiischer Leute hatten wir die Majorität, aber um die Brüller zu beschwichtigen und zu verhüten, daß die Versammlung aufgelöst werde, verzichteten wir auf das Bureau. Als das Bureau constituirt war, erhielt Genosse Hartmann aus Hamburg zur Tagesordnung,„Pro- klamirung des Arbeitercandidaten", das Wort. Derselbe ent- wickelte die Stellung der liberalen Partei zur bevorstehenden Reichstagswahl, darauf hinweisend, daß nicht wir, sondern sie an die Wand gedrückt werden sollten. Indem er unseren alten bewährten Parteigenossen Th. Schwartz aus Lübeck unter stür- mischem Jubel der Arbeiter als Candidaten derselben proklamirte, mochte manchem Reichsfreund beklommen bei der Rede Hart- mann's geworden sein. Da beantragte Dr. Benda Schluß der Versammlung. Die Genossen Heyer und Schwartz waren noch in der Rednerliste eingetragen. Der Vorsitzende ließ abstimmen und erftärte, obgleich wir anderer Ansicht waren, den Schluß- antrag für angenommen. Das war sehr„taftvoll", unserem Candidaten das Wort zu entziehen.— Nun Einiges über den Erfolg. Zu Sonntag, den 14. Juli, hatten wir wieder eine Volksversammlung einberufen, die Reichsfreunde um rege Be- theiligung bittend. Aber an vielen Stellen waren unsere Plakate verschwunden, Mittags klebten meterhohe blaue Plakate an den Ecken, Nachmittags durchzogen Plakatträger die Stadt. Der Inhalt war: nicht in die Versammlung der bösen Sozialdemo- traten zu gehen. Trotz aller Abmachung war unsere Versamm- lung gut besucht. Der„Hetzer" Heyer sprach zur Tagesordnung: „Die falschen Berichte der Zeitungen und das taktvolle Benehmen der liberalen Partei". Mit Leichtigkeit entledigte er sich seiner Aufgabe. Die Tellersammlung für den Wahlfond ergab 38 M. 10 Pf. Die Versammlung beschloß, den Liberalen für die rege Agitation, die sie für uns betrieben, in den hiefigen Blättern ihren Dank abzustatten. Kiek, 19. Juli. Gestern hielt die größte Geisteslaterne der Rückschrittspartei, der„gewiegte Parlamentarier", Herr Professor Hänel, vor„seinen Wählern" eine mit theatralischem Pathos vorgetragene Brandrede. Die Versammlung war von mehr als 2000 Personen besucht, von welchen aber reichlich die Hälfte— Sozialdemokraten waren, welche das große Kirchenlicht ebenfalls sehen wollten. Ferner waren viele Nationalliberale, Conser- vative, Landesparteiler und wie der„Ordnungs"- Mischmasch sonst noch heißt, und viele Indifferente anwesend, so daß die eigentlichen Rückschreiter sehr in der Minorität waren. Nachdem das Comits, welches sich die Leitung der Versammlung vor- behalten, auf der erhöhten Tribüne Platz genommen hatte, wurde die Versammlung vom Professor Karsten eröffnet. Dieser Herr theilte mit, daß dieselbe von den Rückschreitern einberufen und sozusagen eine Parteiversammlung sei, daß man aber auch Anders- denkende gnädigst dulden wolle. Unter gewöhnlichen Umständen wäre es gar nicht nöthig gewesen, eine Candidatenrede zu ver- langen, weil die parlamentarische Thätigkeit des Candidaten hin- länglich für seine Gesinnungs-- tüchtigkeit zeuge. Unter den heutigen Verhältnissen sei eine solche jedoch geboten, weil die Rückschreiter mit einer politischen Partei zu rechnen hätten, welcher alle andern politischen Parteien gegenübertreten müssen. Die anwesenden Sozialdemokraten, welche gewohnt sind nur als „Rotte",„Bande" oder„Sekte" betrachtet zu werden, trauten ihren Ohren kaum, als sie hörten, daß sie wirklich einer politt- schen Partei und nicht einer Räuber- und Meuchelmörderbande angehören. Herr Prof. Hänel begann seine Deklamationen— wie dies von einem echten und rechten Rückschreiter nicht anders ,u erwarten war, mit einem �.natbema sit gegen die bösen Sozialdemokraten, die er, der„gewiegte Parlamentarier", der „ehrliche" Politiker, der Professor der Jurisprudenz, für die Attentate verantwortlich machte. Dieser„ehrliche" Politiker, der auf den Gimpel-— Pardon! Wählerfang ausgeht, verstand es, dem. Spießer die Gänsehaut auf den Leib zu reden, indem er mit einem Aufwand von Lungenkraft und komödiantenartigen Gesten den Anwesenden vorlog, die Sozialdemokratie habe Alles, was dem Menschen heilig ist, mit Füßen getreten, habe die Arbeitgeber Sklavenhalter geheißen, habe die Commune verHerr- licht(Hu!) und so die Bestie im Menschen entfesselt. Der Herr Professor erklärte, natürlich nach langem Phrasengeklingel, er sei gegen die Ausnahmegesetze— doch sei er gerne bereit, die Lücken, die das Gesetz aufweist, mit ausfüllen zu helfen, denn der größte Freiheitsheld könne die Freiheit nicht anders wollen, als daß Freiheit und Recht für Alle herrschen solle. Was der Wortschwall bedeuten sollte, ist mir heute noch unklar. Im Verlaufe seiner Rede benahm fich der Herr Professor echt— rückschreiterisch, denn er versprach„seinen" Wählern, für alles Mögliche einzustehen, um im selben Athem wieder zu sagen, daß er das Versprochene nicht halten wolle. Ehe ich einige Beweise anführe, will ich nur noch erwähnen, daß es auf die anwesenden Sozialisten sehr erheiternd wirkte, als Herr Hänel„quitschte", daß die Parteien so„zerrissen" dastehen und sich befehden, wäh- rend die Sozialdemokraten sich hohnlachend die Hände reiben und aus der Uneinigkeit Nutzen ziehen. Nebenher bekam die conservative Partei einen Klapps und mußte sich sagen lassen, daß sie nicht fähig sei, die soziale Frage zu lösen. Da müssen natürlich die Rückschreiter kommen. Der Herr Professor erzählte nun, was die Rückschreiter alles im Reichstage gethan haben, und hatte den traurigen Muth, auf die Aenderungen des Gewerbe- gesetzes hinzuweisen. In der Militärfrage war der Redner gegen das Septennat, versicherte aber, nicht im Mindesten daran zu denken, die Wehrhaftigkeit unserer Armee, der wir uns mit Stolz rühmen dürfen, schwächen zu wollen; daß er, so weit die Mittel reichen, alles gestatten wolle, was zur Erhaltung der Armee nöthig ist. In der Finanzfrage erklärte sich der Herr Professor gegen die indirekten Steuern, gegen das Tabaksmonopol rc., um aber sofort zuzugeben, daß es unmöglich sei, die Bedürfnisse des Reiches durch direkte Steuern zu decken, und daß daher auch die ärmere Bevölkerung durch indirekte Steuern zur Erhaltung des Staates herangezogen werden müsse. Die demagogische Er- klärung, alle indirekten Steuern verweigern zu wollen, könne er nicht geben. Kurz und gut: Professor Hänel versprach seinen Wählern alles mögliche Schöne, um dann sofort mit dem ver- dämmten wenn und aber alles Versprochene wieder zurückzu- nehmen. Das freiheitliche Mäntelchen, das diese Herren, wenn sie auf den politiscken Bauernfang ausziehen, umzuhängen für gut finden, flatterte nach allen Setten. Die Quintessenz der Rede war: Die Regierung soll uns fragen, ob sie dies und jenes ausgeben darf, thut sie dies, so wollen wir ihr gerne Alles, was sie will, bewilligen. Für„reichsfeindliche" Ohren belustigend war es, als der Herr Professor eine förmliche Jeremiade an- stimmte, daß die Regierung von den liberalen Parteien, die"ooch so treu zu ihr gestanden sind, nichts mehr wissen wolle. Dieses „Quitschen" war das Einzige, was den Sozialdemokraten an den ganzen professorlichen Expektorationen gefiel.— Freisinnig wie der Candidat war auch das Comitö, denn als Herr Hänel ge- endet hatte, wurde gnädigst jedem Interpellanten eine Redezeit von-- 5 Miituten gewährt. Ein Herr Dr. Müller, seines Zeichens Nationalliberalconservativer, fragte nun, ob der Can- didat ein Ausnahmegesetz gänzlich, oder nur unter gewissen Um- ständen ablehnen wolle.' Hänel erklärte, keine Antwort geben zu können, weil er das Gesetz, welches vorgelegt werden soll, nicht kenne und daher auch nicht wisse, ob er seine Zustimmung geben oder verweigern müsse. Diesen Don Quixote, diesen juristischen Quacksalber kanzelte H. zum Gaudium der Anwesenden ordentlich ab. Genosse Walther meldete sich zum Wort, um zu erklären, daß er Sozialdemokrat sei, an den Herrn Professor zwar manche Frage zu stellen hätte, daß er aber in Anbetracht oer den In- terpellanten so kärglich zugemessenen Zeit auf jede Interpellation verzichte, dafür aber Herrn Hänel zu der für den Sonnabend anberaumten Volksversammlung, in welcher Jedem unumschränkte Redefreiheit gestattet sei, einlade. Als Walther erklärt hatte, er sei Sozialdemokrat, erscholl brausender Beifall, in welchen sich auch einige schrille Pfiffe mischten. W. tadelte das Vorgehen der Gebildeten und erwähnte, daß der dem Candidaten gezollte Bei- fall durch keine Pfiffe unterbrochen worden sei. Der Vorsitzende erklärte, er habe keine Pfiffe gehört, weil er dieselben sonst gerügt hätte. Als W. die Tribüne verließ, konnte es der gebildete Pöbel nicht unterlassen, nochmals zu pfeifen, ohne daß sich der Vorsitzende bewogen gefühlt hätte, den Ruhestörern eine Rüge zu ertheilen. Den Sozialdemokraten wäre es ein Leichtes ge- wesen, durch berechtigte Opposition die Versammlung unmöglich zu machen, sie ließen sich aber von dem sehr— liebenswürdigen Candidaten die größten Beleidigungen, die niederträchtigste Ver- leumdung in's Gesicht sagen, ohne ein Zeichen des Abscheus laut werden zu lassen.— Bei den Arbeitern hat Professor Hänel den letzten Rest von Sympathie verscherzt. Sollte es zu einer Stichwahl zwischen dem Conservativen und Prof. H. kommen, so werden sich die Arbeiter der in der gestrigen Versammlung ihnen in's Gesicht geschleuderten Verleumdungen zu erinnern wissen und werden zu Hause bleiben, denn sie haben die Ueber- zeugung gewonnen, daß H. gerade so reaktionär ist wie ein Conservativer.— o— Ireiverg, 24. Juli.(Wahlagitationsbericht.) Wie überall, haben unsere Gegner auch hier ihre Hände im Spiele, wenn uns seitens der Wirthe die Säle verweigert werden. Trotzdem gelang es mir, in Halsbrücke am 19. und in Brand am 20. Juli eine Versammlung abzuhalten, wie ich eine Bergarbeiterversamm lung am 21. d. M. in Freiberg— von den Conservativen inscenirt— total für uns gewann, obwohl das Ende davon eine kurze Freiheitsentziehung für mich zur Folge hatte. In Hals- brücke traten mir außer dem liberalen Stadtverordneten Braun aus Freiberg— den ich ohne Schwierigkeit warf— auch der Assessor der Amtshauptmannschaft entgegen, der meine Aufstellung, daß fre Militärsteuern sich pro Kopf der Bevölkerung auf circa 10'/- Mark repartirten,„wahrheitswidrig" finden wollte, wie er aus meiner Erklärung, die indirekten Steuern kämen„hinten- herum", herauslesen wollte, daß ich damit„ungesetzlich" gemeint habe. Als ich über die Lebensmittelverfälschung vor dem Reichs- tage sprach, wollte er gehört haben, daß ich von der Lebens- Mittelverfälschung vor dem„elenden Reichstage", nicht von der „elenden Lcbensmittelverfälschung" vor dem Reichstage gesprochen hätte; allein dir ganze Versammlung trat nach Befragen ihm entgegen— er hatte falsch gehört. Trotzdem mir das Wort cnt- zogen wurde, tagte die Versammlung fort, und war sie am Schlüsse durchaus für uns.— Halsbrücke hat immer gut gewählt.— Brand, 20. Juli. Hier sprach ich Sonnabend bereits eine Stunde, als ein„Bergstudent" mit seinem Freunde, einem Gutsbefitzerssohn, Störung in die feierliche Stille der ca. 400 Menschen starken Versammlung brachte. Statt daß die Polizei — wie allseitig gewünscht ward— die Zwei entfernte, löste sie die Bierhundert auf, ein Ereigniß, das freilich den Reiz der Neuheit nicht für sich hat. Uns konnte die Auflösung nicht schaden, denn was wir zu sagen hatten, war genügend gesagt, und wer der Herr Penzig(liberal) und der Herr v. Oelschlägel (conservativ) sei, das war längst den braven Bergleuten klar geworden. Die armen Liberalen mit ihrem„Winkelried", dem Advokat Täschner, an der Spitze, konnten nun nicht zum Worte gelangen und mußten traurigen Gemüths den Heimmarsch nach Freiberg antreten. Mögen sie sich für das ihnen entzogene Vergnügen bei den Conservativen bedanken, die zwei solche „nette Jungen" zur Störung abgeschickt hatten.— In Brand dürsten sich eine große Anzahl Stimmen für unfern Candidaten Kayser vereinigen. Endlich erlangte ich am Sonntag, den 21. d. M., durch„schmeichelnde Worte", wie das„Freiberger Tageblatt" schreibt, Zutritt zu einer von den Conservativen ver- anstalteten Bergarbeiterversammlung hinter verschlossenen Thüren. Gegen den Willen der Vorsitzenden erlangte ich mehrere Male das Wort, und überzeugten sich die Bergarbeiter bei meiner Rede über die Ursachen der Silberentwerthung(in hiesiger Gegend ein ständiges Streitobjekt), als da sind die plötzliche Einführung der Goldwährung, der Einführung des Bamberger'- schen ReichS-Nickel-Courant als Scheidemünze, der gegenwärtigen Krise:c.— über die einzig richtige Stellung der Sozialdemo- kratie zu wirthschaftlichen und finanziellen Fragen, so schlug die Stimmung ganz für uns um, als ich die politische Stellung Penzig's und v. Oelschlägel's einer eingehenden Würdigung unterzog. Die beiden Vorsitzenden Müller und Grunewald, die Redner Schulze und Burkhardt, erschreckend conservativ gefärbt, konnten die Position nicht mehr behaupten— mit flie- genden Fahnen ging die Versammlung zu mir(für Kayser) über, — die Versammlung war unser. Meine von der Versammlung weg erfolgende Verhaftung dauerte nur kurze Zeit, meinen Be- merkungen über Oelschlägel, über die conservative Muckerei 2c. fehlte jedenfalls die staatsanwaltschastliche Handhabe.— Heute wird der sächsische Landtag geschlossen, und die Penzig und Oelschlägel— welche beide im Landtage gegen Advokat Frey- tag's Antrag: Das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht ein- zuführen, gestimmt haben— gehen nun auf Reisen, um auf Basis dieses selben von ihnen verleugneten Rechts um die„süßen" wohlschmeckenden Stimmen des Volks zum Reichstage zu werben. Doch das„Bürger, gebt mir Eure Stimmen" dürfte bei dem größten Theile der Wähler des 9. Kreises in ein possu- mus" umschlagen, und damit würde das arbeitende Volk seine politische Reife am besten beweisen. Zum„Kampfe für den Kayser mit dem griechischen J" lautet hier scherzweise die Parole; am 30. Juli wird es sich ja zeigen, wie viele„Kayser- treue" den„Reichstreuen" gegenüberstehen. Der Kreis ist gut und muß unser werden. Glück auf! H- Goldstein. Ireibergsdorf(9. sächsischer Wahlkreis), 24. Juli. Gestern Abend tagte hier eine nach vielen Hunderten zählende Wähler- Versammlung. Ich sprach reichlich eine Stunde über die Parteien im Reichstage, sowie über die Gesctzgebungsmaschinerie, verbreitete mich sodann in längerer Rede über die Natur der indirekten Steuern, deren namentlich die niederen Volksschichten drückende Tendenz, und die neuen Steuer-Schröpfobjekte: das Tabakmonopol nicht besser, da fanden die aus dem Militärgesetz„heraus- gerissenen" Paragraphen keine Gnade.— Die Liberalen hiesiger Gegend betragen sich ziemlich gedrückt. Seit ihrer Niederlage in Halsbrücke scheint ihnen vorläufig der Muth zu neuen Duellen benommen, dafür geben uns hin und wieder die Conservativen durch ihre Kreaturen einige Proben, welche uns vom Regiment der„Zucht und frommen Sitte", die unserer wartet, wenn die Landjunker zur Majorität gelangen, einen kleinen Vorgeschmack giebt.— Wohl! am 30. Juli sollen beide Parteien ihr Urtheil von der Arbeiterwelt vernehmen, denn wenn nicht Alles trügt, so wird speziell der Freiberger Wahlkreis diesmal stärker als sonst wählen, während wegen Hainichen und Oederan ja mir Besorgnisse aufkommen. H. Goldstein. Würzen. Am vergangenen Mittwoch wurde in Dahlen unser Genosse Remmler wegen unbefugten Colportirens verhaftet; der dortige Bürgermeister wurde aber eines Bessern belehrt, wir zeigten ihm eine gedruckte Verfügung der Kreishauptmannschaft, in welcher gesagt ist, daß Vertheilung von Stimmzetteln und Wahlauftufen nicht als Colportage im gewerbsmäßigen Sinne aufzufassen sei; dies bewirkte die soforttge Hastentlassung Remm- ler's. Am Freitag geschah dasselbe in Mennsdorf, Remmler wurde nach Oschatz transportirt, um dort schleunigst wieder in Freiheit gesetzt zu werden. Eßlingen, 22. Juli. Eclatanter und erfolgreicher als am heutigen Abend konnte wohl kaum je die schon lange gewünschte Auseinandersetzung mit dem hiesigen Theil der Volkspartei er- folgen. Dieselbe wurde obendrein noch von letzterer Seite pro- vozirt; denn nachdem man schon einige Tage vorher mehrmals alle Wähler zu der Candidatenrede Retter's eingeladen, erschien heute in einem Theil der beiden hiesigen Lokalblätter die vom Retter'schen Wahlcomitö unterzeichnete Erklärung, daß nur die- jenigen zu der ausgeschriebenen Versammlung Zutritt hätten, welche sich noch nicht für einen Candidaten entschieden. Offenbar hatte die Volkspartei durch einige Getreue aus unseren Reihen Wind bekommen davon, daß wir m der letzten Parteiversammlung am Samstag beschlossen, Herrn Retter wegen verschiedener Fragen zu interpelliren. In blinder Angst vor den bösen Sozialdemo- kraten erließ man daher erwähnte Erklärung. Trotz derselben war jedoch der Versammlungssaal im„Schwanen" bis über die Hälfte von unseren Genossen besetzt, die noch kurz vorher Zeit gefunden, sich über das nun einzuschlagende Verhalten zu ver- ständigen. Bevor der Wahlcandidat seinen Vortrag begonnen, erbat sich unser bewährter Genosse Morlock das Wort, sprach unter Beifall seine tiefste Indignation aus über ein solches Ver- halten der Volkspartei, die in ihrem Programm für freieste Meinungsäußerung einzutreten verspreche, in praxi aber das Gegentheil beweise, und forderte die Genossen auf, mit ihm den Saal zu verlassen. Sofort erhoben sich alle Mann. Der Wahl- candidat, auf's Höchste verblüfft von diesem Borgange und er- schreckt vor der Aussicht, vor leeren Bänken reden zu müssen, bat in dringenden Worten, man möge sich doch nicht entfernen� er wolle sich ja gern über Alles interpelliren lassen— vergeblich' die Entrüstung war einmal eine allgemeine und schnell leerten sich Tische und Bänke. Die langen Gesichter der in geringerer Anzahl anwesenden Bolksparteiler bezeugten uns, daß ihnen eine Ahnung aufging, was sie bei etwa nothwendig werdender Stich- Wahl von uns zu erwarten haben. Möchten die wenigen nach jener Seite noch hinneigenden Parteigenossen aber endlich er- kennen, daß ein festes und entschiedenes Verhalten der Volks- Partei gegenüber nothwendig und von größerem Nutzen ist als alles Laviren, denn Reaktionäre find sie doch alle!— Als Gegencandidat von Retter ist unserseits I. Motteler, Leipzig, abermals aufgestellt. Hier(Stadt und Filialen) werden wir mindestens unsre alte Stimmenzahl unzweifelhaft wieder erlangen. Also eine Majorität gegen die„Volkspartei mehr rechts", wie sich diese Leute nennen. Hiesewen(Regierungsbezirk Gumbinnen), 17. Juli.(Wie man bei diesen schlechten Zeiten zu Geld und aus Roth kommt.) Gestern, 16. Juli, geht ein armer Schlucker, Namens Hesse, in seiner Angst vor Hungersnoth mit seiner Frau nach der benach- barten Kreisstadt Sensberg, um Rath zu schaffen, ob nicht ein gutherziger Jude oder Christ noch etwas borgt, da er im Dorfe nichts mehr auftreiben konnte. Dieser Mann hat ein kleines Grundstück von 18 Morgen, 4 Kinder, eine alte Mutter; er und seine Frau sind 7 Köpfe zu ernähren, dabei kein Kenner der Landwirthschaft, da er zum Schulmeister erkoren war. Dieser Hesse hatte zufällig wegen Abgaben etwas auf dem Land- rathsamte zu thun, während seine Frau die Zeit auszunutzen suchte, um zu sehen, wo sie geborgt bekomme; da sich aber Nie- mand fand, der borgen wollte, war der Jammer groß. Auf einmal kommt Hesse freudig und ruft: Jetzt ist Land, jetzt find wir'raus, ich habe 15 Mark in der Tasche. Da war aller Kum- mer gestillt. Der Landrath, diesmal außergewöhnlich freundlich, erkundigte sich nach den Hesse'schen Verhältnissen. Da derselbe nichts Erfreuliches zu melden hatte, gab ihm der Landrath 15 Mark mit dem Bedeuten:„Aber— lieber Hesse, Sie wissen doch, von dieser Wahl hängt all' unser Wohl ab; also— den Mann, den ich stelle» werde, der wird das Volkswohl vertreten, und namentlich für Euch Katholiken den Glauben anstecht er- halten. Ich sende Euch Stimmzettel zur Vertheilung. Sie lesen doch auch irgend ein Blatt?" Ja, ja, Herr Landrath, antwor- tete Hesse, der liest jedoch nichts, versteht auch vom blauen Dunst nichts, und wenn er was liest, versteht er's nicht einmal. Auf diese Weise wird die Wahl bei uns gemacht. Düssekdorf, 27. Juli. Das mit so vielem Geschrei ange- kündigte sogenannte VI. Deutsche Bundesschießen ist seinem kläg- lichen Ende nahe. Schon am zweiten Festtage hielten es viele, namentlich süddeutsche Schützenbrüder für gerathen, Düsseldorf, die servile Kunststadt, zu verlassen. Wenn bei den ersten beut- schen Bundesschützenfesten der kühne freie Mannesgeist sich noch hin und wieder geltend machte, wo noch die Begeisterung für Recht und Gleichheit für Alle nicht ganz erstorben war, so finden wir heute von alledem nicht eine Spur mehr. Es ist traurig, sehr traurig, aber wahr, es haben sich die einzelnen Redner überboten in Fanatismus und Parteihaß. Und wie sollte ein solches Fest noch Anspruch auf die Bezeichnung„nattonal" machen können, höchstens im Sinne unserer berühmten(!?) national- liberalen Partei. Ein Maulheld hat den Ausspruch gethan, nachdem er wie üblich unsere Partei als Kaisermörder bezeichnet: „Diese Partei sei für alle Zeiten ausgeschlossen aus unserem Bunde!" Jawohl, verehrter Herr! Mit Leuten Ihres Schlages wird gewiß Niemand im Bunde stehen wollen, dessen Herz für seine Mitmenschen noch warm im Busen schlägt, der Recht und Gleichheit für Jeden will. Oder ist das Bruderliebe, wenn man verleumdet und verdammt? Bei einem solchen Feste kann von Hebung der Moral und guten Sitte wohl keine Rede sein, wie es denn an Dieben und Prostituirten keinen Mangel gab. Die Wirthe und sonstigen Gewerbetreibenden, welche glaubten ihr ■ÄffinffflPTt frfipflrpn*i» VXvtv«*»« U�Uorx'aiittt fn Hände das Arrangement des Festes gelegt war, verkehren konnte. Als Beweis der Schützenbrüderlichkeit darf noch angesehen werden, daß zwei Comitemitglieder in Streit geriethen, welcher, nachdem derselbe zu Thätlichkeiten übergegangen, mit der Forderung auf Pistolen endete. Zum Schießen wird es jedoch nicht kommen, da den Herren ihr angenehmes Leben zu lieb ist.— Wir sehen also, daß nach und nach alle Vereinigungen, welche ursprünglich auch noch so ideale Ziele anstrebten, in unseren heuttgen Gesell- schaftszuständen untergehen. Woher und wie das kommt, dies zu ergründen und zu beweisen soll und wird die höchste Aufgabe der sozialistischen Literatur sein.— Wie überall, so sucht man uns auch hier die Wahlagitatton möglichst zu erschweren. Ein für verflossenen Sonntag bestimmtes Wahlflugblatt wurde con- fiszirt und, nachdem ein großer Theil seines Inhalts gestrichen, nach einigen Tagen freigegeben. Daß in dem gestrichenen Theil etwas enthalten war, was zu dieser Maßregel Veranlassung gab, ist uns unbegreiflich. Bielleicht wollte man den Festgästen den Anblick eines sozialistischen Wahlflugblattes ersparen.— In unseren Nachbarstädten Elberfeld-Barmen hat die Begeisterung einen noch nicht dagewesenen Höhepunkt erreicht, so daß nur das Beste zu erwarten ist. Arbeiter Deutschlands! Von zahlreichen Feinden umringt, den schändlichsten Ver- leumdungen und brutalsten Verfolgungen ausgesetzt, der schranken- losesten Polizeiwillkür preisgegeben, habt Ihr kalten Blutes die Hiebe der Gegner parirt und das freche Attentat auf die Frei- heit des Volkes durch Eure besonnene und unerschrockene Haltung bis zur Stunde vereitelt. Ihr habt in die Geschichte Deutsch- lands ein Blatt des Ruhmes gefügt, welches einen Lichtpunkt bildet in der Zeit der„ttefsten Schmach und Erniedrigung". Arbeiter Deutschlands! Eure Brüder in Oesterreich sind stolz auf Euch. Die Reattion giebt trotz der moralischen Niederlage, die ihr durch den gesunden Sinn der Arbeiter, an dem alle Provoka- tionen scheiterten, bereitet worden, das Spiel noch nicht verloren. Der tödtliche Stoß in's Herz der Freiheit soll noch geführt werden; vergeht das nicht, Arbeiter Deutsch- lands! Der Tag der Wahlschlacht ist da. Die Entscheidung, Volk der Arbeit, ist in Deine Hände gegeben. Sei daher eingedenk der Bedeutung des Moments und entscheide im Zinne des Rechts und der Freiheit, indem Tu Deine Stimme Denen giebst, die das Wohl des Bolkes ehrlich wollen: den Candidaten der sozialdemokratischen Partei. Arbeiter Deutschlands! Mit dem regsten Interesse folgen wir Eurem Kampfe. Der bleierne Druck, der auf uns lastet, hindert uns leider, durch entsprechende Unterstützung Euren Sieg zu sichern. Unsere Partei ist arm und das wissen die Gegner unserer Bestrebungen wohl zu benutzen. Unsere Versammlungen werden verboten, unsere Zeitungen confiszirt und die Vereine beim ge- ringsten Anlaß aufgelöst. Und dennoch strecken wir die Waffen nicht, sondern kämpfen unerschüttert weiter. Arbeiter Deutschlands! Schwer ist der Kampf, den Ihr führt, doch seid eingedenk dessen: Je schwerer der Kampf, desto schöner der Sieg. Hinter den schwarzgelben Grenzpfählen schlagen Tausende wackerer Männerherzen Euch entgegen, beseelt von den wärmsten Sympathien für die Sache der enterbten, darbenden Menschheit. In ihrem Namen bringen wir Euch heute den brüderlichen Gruß. Möge es uns gegönnt sein, den 30. Juli als einen Siegestag unserer heiligen und gerechten Sache zu begrüßen! Für die sozialdemokrattsche Arbeiterpartei Oesterreichs Die Herausgeber der„Sozialpolitischen Rundschau". Briefkasten Quittung. Schtz Großenhain Ab. 25,90. Sbl Dortmund Ab. 18,50. Albrtz Eßlingen Ab. 14,00. Schlbch Liege Ab. 8,06. Linke Pischen Schr. 16,00. Jltn i. Sitten Ab. 5,90. Verein Delniki Jetnota Wien Ab. 2,45. Frnkl Buda-Pest Ab. 43,78. Ws Christophs grund Ab. 15,76. Prbstl München Ab. 50,00. Schrschmdt Meerane An. 2,00. Lhmnn hier Ab. 16,35. Hbrg Crivitz Schr. 0,13. Schnbl Weiten Schr. 1,85. Schlz hier N. W. 2,00. Bnndrs Lesum Schr. 1,90. Rbst Quedlinburg Schr. 0,50. Thlsch Grünau Schr. 15,00. Hbrg Potzdam Schr. 1,70. Bmgrtl Limbach Schr. 1,70. Khnl 0,90. Mstr Brckn Schr. 1,40. Whl Düsseldorf Schr. 2,50. Grbnftn hier Schr. 2,00. Schlz hier Ab. 1,40. Njk Ragnitz Büsten 4,70. Wahlfonds. Schmdt Heddernheim 1,50. K. Penzing 1,65. V. L. hier 100 Unbekannt i. B. 300,00. Rodert 8eide1. Mathilde Seidel, geb. Schwarz. Vermählte. Zürich. Juli 1878. (150 Eßlingen a/Neckar. Oswald! (60 Gieb mir doch Ausschluß übe: den Grund Deines Ausbleibens, der Beruhigung halber. M.(F. 220). Albert. R. 636. und die Petroleumsteuer ic.— freilich nicht ohne wiederholt von Schäfchen scheeren zu können, haben kaum so viel eingenommen, dem Beamten der„Ordnung" unterbrochen zu werden. Genosse um die hohen Standgelder und sonstigen Auslagen bestreiten zu Schuster, welcher nach mir das Militärsystem, nebst Militär- können. Nur der Pächter der großen Festhalle soll eben bestehen, gesetz, Landsturmgesetz und Jnvalidengesetz kritifirte, erging es weil dort nur der Geldsack und das hohe Beamtenthum, in dessen Zur Beachtung! In letzter Zeit mehren sich in auffallender Weise die Klagen der Abonnenten an den verschiedensten Orten, daß ihnen von der Post unser Blatt höchst mangelhaft und verspätet zugestellt werde, sowie daß hierauf bezügliche Reklamationen unberücksichtigt bleiben. Wir beabsichtigen Beschwerde hierüber bei der k. Generalpostdirektion zu führen und ersuchen unsere Leser, uns von jeder wiederholten Unregelmäßigkeit oder Verspätung Mittheilung zu machen. Den erhaltenen Bescheid der k. Generalpostdirektion werden wir seinerzeit mittheilen. Leipzig, 26. Juli 1878. Expldition des„Vorwärts". Verantwortlicher Redakteur: Julius Künzel in Leipzig. Redaktion und Err dilion Färberstr. 12.11. in Leipzig. Druck und Verlag dt �GenollenschastSbuchdruckern in Leipzig.